14.06.2019 Aufrufe

FINE Das Weinmagazin - 02/2019

Themenschwerpunkte der 45. Ausgabe sind unter anderem: DOMAINE FAIVELEY GELEBTE TRADITION: VIERZIG GROSSE BURGUNDER Weitere Themen sind: BORDEAUX Château Pontet-Canet setzt ganz auf Biodynamie BORDEAUX Das glanzvolle Comeback von Château Brane-Cantenac CHAMPAGNE Laurent-Perrier und sein Grand Siècle MALLORCA Binigrau: Präzision mit Stil MALLORCA Miquel Gelabert: Geduldiger Tüftler MALLORCA Vinícola 4Kilos: Frech und fantasievoll ISRAEL Weinbau in der Wüste (2) ISRAEL Seahorse Winery: Ze’ev Dunie nennt sich Anarchist ISRAEL Somek Estate Winery: Barak Dahan sucht nach Exzellenz ISRAEL Adir Winery: Yossi und Avi Rosenberg sehen sich als Bauern ISRAEL Margalit Winery: Asaf Margalit sind Trends egal DAS GROSSE DUTZEND Château Troplong Mondot TASTING Zwanzig Jahrgänge Pichon Comtesse CHAMPAGNE Mit Schuss: Über Champagnercocktails FRAUEN IM WEIN Anne Trimbach, die First Lady des Elsässer Rieslings WEIN UND SPEISEN Jürgen Dollase im Restaurant Seven Seas in Hamburg DIE PIGOTT KOLUMNE Süß, schwer und dunkel – ein Diktat des Marktes? VINOTHEK Das Familienunternehmen Bührmann Weine in Moers NORWEGEN Der nördlichste Riesling der Welt DIE WÜRTZ KOLUMNE Stolz und Vorurteil: Deutscher Riesling WEIN UND ZEIT Die Mendelssohns (2) RHEINGAU Das Weingut Jakob Jung GENIESSEN Laib mit Seele

Themenschwerpunkte der 45. Ausgabe sind unter anderem:

DOMAINE FAIVELEY GELEBTE TRADITION: VIERZIG GROSSE BURGUNDER

Weitere Themen sind:
BORDEAUX Château Pontet-Canet setzt ganz auf Biodynamie
BORDEAUX Das glanzvolle Comeback von Château Brane-Cantenac
CHAMPAGNE Laurent-Perrier und sein Grand Siècle
MALLORCA Binigrau: Präzision mit Stil MALLORCA Miquel Gelabert: Geduldiger Tüftler
MALLORCA Vinícola 4Kilos: Frech und fantasievoll
ISRAEL Weinbau in der Wüste (2)
ISRAEL Seahorse Winery: Ze’ev Dunie nennt sich Anarchist
ISRAEL Somek Estate Winery: Barak Dahan sucht nach Exzellenz
ISRAEL Adir Winery: Yossi und Avi Rosenberg sehen sich als Bauern
ISRAEL Margalit Winery: Asaf Margalit sind Trends egal
DAS GROSSE DUTZEND Château Troplong Mondot
TASTING Zwanzig Jahrgänge Pichon Comtesse
CHAMPAGNE Mit Schuss: Über Champagnercocktails
FRAUEN IM WEIN Anne Trimbach, die First Lady des Elsässer Rieslings
WEIN UND SPEISEN Jürgen Dollase im Restaurant Seven Seas in Hamburg
DIE PIGOTT KOLUMNE Süß, schwer und dunkel – ein Diktat des Marktes?
VINOTHEK Das Familienunternehmen Bührmann Weine in Moers
NORWEGEN Der nördlichste Riesling der Welt
DIE WÜRTZ KOLUMNE Stolz und Vorurteil: Deutscher Riesling
WEIN UND ZEIT Die Mendelssohns (2) RHEINGAU Das Weingut Jakob Jung
GENIESSEN Laib mit Seele

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DOMAINE FAIVELEY<br />

GELEBTE TRADITION: VIERZIG GROSSE BURGUNDER<br />

Bordeaux Champagne Elsass Mallorca Rheingau<br />

Château Der Grand Siècle Die Winzerin Drei passionierte <strong>Das</strong> Weingut<br />

Pontet-Canet von Laurent-Perrier Anne Trimbach Insel-Winzer Jakob Jung


Die besten Weingüter der Welt ...<br />

<strong>Das</strong> Gute leben.<br />

DAS WEINCABINETT<br />

Als interessierter Weinliebhaber, der Sie aufgrund dieser Lektüre zu sein scheinen,<br />

sollten Sie einmal das WeinCabinett in der Markthalle Braunschweig oder Krefeld<br />

besuchen. Dort lagern Weine und Raritäten von einigen der besten Weingüter<br />

der Welt und unsere Sommeliers freuen sich nur darauf, Sie kompetent und<br />

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<strong>FINE</strong><br />

DAS WEINMAGAZIN 2|<strong>2019</strong><br />

MALLORCA<br />

BINIGRAU 42<br />

MALLORCA<br />

MIQUEL GELABERT 50<br />

MALLORCA<br />

VINÍCOLA 4KILOS 58<br />

CHÂTEAU PONTET-CANET 12<br />

DOMAINE FAIVELEY 30<br />

7 <strong>FINE</strong> EDITORIAL ________________Thomas Schröder<br />

10 <strong>FINE</strong> BORDEAUX ________________Château Pontet-Canet setzt ganz auf Biodynamie<br />

20 <strong>FINE</strong> BORDEAUX ________________<strong>Das</strong> glanzvolle Comeback von Château Brane-Cantenac<br />

28 <strong>FINE</strong> TASTING ___________________Vierzig Grands Crus der Domaine Faiveley<br />

36 <strong>FINE</strong> CHAMPAGNE ______________Laurent-Perrier und sein Grand Siècle<br />

42 <strong>FINE</strong> MALLORCA ________________Binigrau: Präzision mit Stil<br />

50 <strong>FINE</strong> MALLORCA ________________Miquel Gelabert: Geduldiger Tüftler<br />

58 <strong>FINE</strong> MALLORCA ________________Vinícola 4Kilos: Frech und fantasievoll<br />

66 <strong>FINE</strong> ISRAEL ____________________Weinbau in der Wüste (2)<br />

68 <strong>FINE</strong> ISRAEL ____________________Seahorse Winery: Ze’ev Dunie nennt sich Anarchist<br />

ISRAEL<br />

SEAHORSE WINERY 68<br />

ZWANZIG JAHRGÄNGE<br />

PICHON COMTESSE 88<br />

ISRAEL<br />

SOMEK WINERY 72<br />

ANNE TRIMBACH 98<br />

ISRAEL<br />

ADIR WINERY 76<br />

ISRAEL<br />

MARGALIT WINERY 80<br />

ALEX JUNG VOM WEINGUT JAKOB JUNG 132<br />

HENRI LURTON<br />

CHÂTEAU BRANE-CANTENAC 22<br />

LAURENT-PERRIER GRAND SIÈCLE 36<br />

72 <strong>FINE</strong> ISRAEL ____________________Somek Estate Winery: Barak Dahan sucht nach Exzellenz<br />

76 <strong>FINE</strong> ISRAEL ____________________Adir Winery: Yossi und Avi Rosenberg sehen sich als Bauern<br />

80 <strong>FINE</strong> ISRAEL ____________________Margalit Winery: Asaf Margalit sind Trends egal<br />

84 <strong>FINE</strong> DAS GROSSE DUTZEND __Château Troplong Mondot<br />

88 <strong>FINE</strong> TASTING ___________________Zwanzig Jahrgänge Pichon Comtesse<br />

92 <strong>FINE</strong> CHAMPAGNE ______________Mit Schuss: Über Champagnercocktails<br />

98 <strong>FINE</strong> FRAUEN IM WEIN __________Anne Trimbach, die First Lady des Elsässer Rieslings<br />

104 <strong>FINE</strong> WEIN UND SPEISEN _______Jürgen Dollase im Restaurant Seven Seas in Hamburg<br />

112 <strong>FINE</strong> DIE PIGOTT KOLUMNE ____Süß, schwer und dunkel – ein Diktat des Marktes?<br />

116 <strong>FINE</strong> VINOTHEK _________________<strong>Das</strong> Familienunternehmen Bührmann Weine in Moers<br />

120 <strong>FINE</strong> NORWEGEN _______________Der nördlichste Riesling der Welt<br />

124 <strong>FINE</strong> DIE WÜRTZ KOLUMNE ____Stolz und Vorurteil: Deutscher Riesling<br />

126 <strong>FINE</strong> WEIN UND ZEIT ___________ Die Mendelssohns (2)<br />

132 <strong>FINE</strong> RHEINGAU ________________<strong>Das</strong> Weingut Jakob Jung<br />

142 <strong>FINE</strong> GENIESSEN _______________Laib mit Seele<br />

146 <strong>FINE</strong> ABGANG __________________Ralf Frenzel<br />

4 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> INHALT INHALT <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> 5


VEREHRTE LESERIN, LIEBER LESER,<br />

das Beständigste auf Erden ist die<br />

Unbeständigkeit. Und ganz gewiss ist –<br />

mit der einen fatalen Ausnahme –, dass<br />

nichts gewiss ist. Wenn der Mensch damit<br />

rechnen muss, dass mit einiger Wahrscheinlichkeit<br />

das Klima nicht bleiben wird, wie es<br />

und was es für ihn und viele Generationen<br />

vor ihm war, ist auch diese Veränderung<br />

von Unbeständigkeit und Ungewissheit<br />

begleitet. Dabei geht es ja nicht um die Frage,<br />

ob man künftig öfter einen Regenschirm<br />

oder einen Sonnenhut mit sich trägt – viele<br />

stellt dieser Wandel vor wahre Schicksalsund<br />

Existenzfragen. Winzer zum Beispiel:<br />

Können sie mit den vertrauten Rebsorten<br />

weiter wirtschaften wie bisher? Müssen sie<br />

die Standorte ihrer Weinlagen ändern, in höhere oder<br />

tiefere Regionen ausweichen? Müssen sie Hitze oder<br />

Kälte fürchten, Dürre oder Nässe? In jedem Fall müssen<br />

sie schon heute mit genügend Know-how gewappnet<br />

sein, um reagieren zu können, wenn ihnen nicht morgen<br />

die Erträge wegbrechen sollen. Israelische Winzer beispielsweise<br />

– Kristine Bäder setzt ihre im letzten Heft<br />

begonnene Porträtreihe fort – haben sich wegen der<br />

unabweisbaren Hitze in fast allen ihren Weinbauregionen<br />

und der daraus folgenden Dürregefahr zu wahren Meistern<br />

in der Kunst der Bewässerung entwickelt. Klaus-Peter<br />

Keller hingegen, Top-Erzeuger rheinhessischer Rieslinge,<br />

hat sich auf Erwärmung einzustellen, die seiner Lieblingsrebe<br />

abträglich sein wird. Vor zehn Jahren hat er darum<br />

mutig und vorausschauend begonnen, einen Versuchsweingarten<br />

in Norwegen anzulegen. Im vergangenen Jahr<br />

konnte er dort Riesling- und Pinot-Noir-Trauben lesen.<br />

Mit Erfolg? Uwe Kauss hat den Erstling mit dem Winzer<br />

verkostet und mit ihm das Projekt bewertet. Franz Josef<br />

Strauß würde man heute jedenfalls seinen launigen Satz<br />

»lieber würde ich Ananas in Alaska züchten« nicht mehr<br />

so ohne weiteres als klares Dementi seiner Ambitionen<br />

auf das Bundeskanzleramt in Bonn durchgehen lassen.<br />

Wenn sie nicht gerade Spekulationen über Reifedauer<br />

oder ideale Trinkzeitpunkte anstellen – Prognosen, denen<br />

bei aller Expertise nicht nur mit Vorlust, sondern gewiss<br />

auch mit einer gewissen Skepsis begegnet werden darf –,<br />

haben Weinverkoster weniger mit der Zukunft als den<br />

Befunden der Gegenwart und dem kennerischen Nachschmecken<br />

vergehender und vergangener Zeit zu tun.<br />

Eine stille Tätigkeit in Konzentration und Kontemplation,<br />

die sicher nicht immer, aber doch oft genug schönste<br />

organoleptische Erfahrungen schenkt: <strong>FINE</strong>-Autor<br />

Michael Schmidt gehört zu der kleinen Zahl der glücklichen<br />

Erwählten, die sich dieser diffzilen Aufgabe der<br />

Unterscheidung widmen können. Mit unbestechlich<br />

kritischem Gaumen kostet er sich für dieses Heft durch<br />

vierzig Weine der Domaine Faiveley, die seinem Urteil<br />

zufolge allzumeist zu den achtbaren, wenn nicht zu den<br />

großartigen, den herrlichen Weinen der Bourgogne zählen.<br />

Sie haben vor den unbestreitbar Allergrößten, den Heiligtümern<br />

der Region, den Vorzug, noch bezahlbar und<br />

überhaupt erhältlich zu sein.<br />

Mit Verkostungen und Geschichten richten wir<br />

unseren Blick auch auf die Châteaus Pontet-Canet, Brane-<br />

Cantenac, Troplong-Mondot und Comtesse Pichon de<br />

Lalande, auf den Champagne Grand Siècle von Laurent-<br />

Perrier sowie das Erbacher Weingut Jakob Jung und zudem<br />

auf drei Erzeuger großer mallorquinischer Weine, die<br />

nicht nur den Inselurlaub verschönern, sowie auf Anne<br />

Trimbach, die eine bessere Zukunft beschwört, indem sie<br />

für den sich erneuernden Rang und Ruhm des elsässischen<br />

Rieslings arbeitet. Ihnen allen ist um den Wein, den wir<br />

oder unsere Nachgeborenen in fünfzig Jahren trinken<br />

werden, nicht bange. Und mir? Ich halte es mit dem<br />

Champagnerfreund Mark Twain: »Natürlich kümmere<br />

ich mich um die Zukunft. Ich habe vor, den Rest meines<br />

Lebens darin zu verbringen!«<br />

Enjoy responsibly – www.moët.com<br />

Thomas Schröder<br />

Chefredakteur<br />

EDITORIAL <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> 9


<strong>FINE</strong>AUTOREN<br />

KRISTINE BÄDER Als Winzertochter aus Rhein hessen<br />

freut sie sich über die positive Entwicklung dieser Weinregion,<br />

als ehemalige Chefredakteurin des Sommelier<br />

Magazins über die der deutschen Weine im Allgemeinen.<br />

Darüber hinaus hat die studierte Germanistin<br />

eine besondere Beziehung zu den Weinen aus Portugal.<br />

DANIEL DECKERS Die Lage des deutschen Weins<br />

ist sein Thema – wenn er nicht gerade als Politik-<br />

Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über<br />

Gott und die Welt, über Lateinamerika oder Rauschgift<br />

zur Feder greift. An der Hochschule Geisenheim lehrt er<br />

Geschichte des Weinbaus und -handels. In seinem Buch<br />

»Wein. Geschichte und Genuss« beleuchtet er durch<br />

mehr als dreitausend Jahre die Rolle dieses unschätzbaren<br />

Kulturguts als Spiegel der Zeitläufte.<br />

ARMIN DIEL Einerseits ist er Winzer – seine Weine<br />

von der Nahe spielen im nationalen wie im internationalen<br />

Ranking eine Rolle. Andererseits ist er<br />

Publizist. Als einstiger Mitherausgeber des Wein-Gault-<br />

Millau hat er den Guide an die Spitze der weinkritischen<br />

Publikationen in Deutschland gebracht.<br />

JÜRGEN DOLLASE Kunst, Musik und Philosophie<br />

hat er in Düsseldorf und Köln studiert. Er war Rockmusiker<br />

und Maler. Heute ist er der bei weitem einflussreichste<br />

Kritiker der kulinarischen Landschaft in<br />

Deutschland und Europa. Vielbeachtet sind seine Bücher<br />

über die Kunst des Speisens; zuletzt erschien der Band<br />

»Geschmacksschule« in der Reihe SZ Gourmet Edition<br />

(bei Tre Torri). Sein visionäres Kochbuch »Pur, präzise,<br />

sinnlich« widmet sich der Zukunft des Essens.<br />

URSULA HEINZELMANN Die Gastronomin und<br />

gelernte Sommelière schreibt unter anderem für die<br />

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, für Efflee<br />

und Slow Food sowie Bücher zum Thema Essen und<br />

Trinken. <strong>Das</strong> jüngste Buch, »China – Die Küche des<br />

Herrn Wu«, (bei Tre Torri) gibt tiefe Einblicke in die<br />

vielfältige Kochkunst der Chinesen.<br />

SIGI HISS Auch nach einigen zehntausend Weinen<br />

ist das Verkosten immer noch seine große Leidenschaft<br />

– sei es in internationalen Jurys, im Auftrag<br />

renommierter Weinpublikationen oder für Weingüter.<br />

Bei der Bewertung der Weine sind ihm Unabhängigkeit<br />

und Neutralität unabdingbarer Grundsatz. Seine<br />

Publikationen erscheinen in den wichtigen Fachmedien.<br />

Für alles außer Spirituosen ist er zu begeistern, seine<br />

besondere Liebe gilt allem, was gereift ist.<br />

UWE KAUSS In Weinkellern kennt er sich aus: Der<br />

Autor und Journalist schreibt seit zwanzig Jahren über<br />

Wein, etwa für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung,<br />

das <strong>Weinmagazin</strong> Enos, für wein.pur und<br />

Genuss-Magazin in Wien sowie das Internetportal weinplus.eu.<br />

Daneben hat er sechzehn Sach- und Kindersachbücher,<br />

einen Roman und zwei Theaterstücke publiziert.<br />

Titel-Foto: Domaine Faiveley, GUIDO BITTNER<br />

8 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> IMPRESSUM<br />

STEFAN PEGATZKY Der promovierte Germanist<br />

kam 1999 nach Berlin und erlebte hautnah mit, wie sich<br />

die Metropole von der Bier- zur Weinstadt wandelte.<br />

Seit einigen Jahren schreibt er regelmäßig über Wein<br />

und Genuss. In der Tre-Torri-Reihe »Beef!« erschien<br />

der Band »Raw. Meisterstücke für Männer«, in der<br />

»Gourmet Edition – Kochlegenden« die Bücher zu<br />

Hans Haas, Marc Haeberlin und Harald Wohlfahrt.<br />

STUART PIGOTT In der gehobenen Weinwelt ist er<br />

ein Begriff. Seit der 1960 in London geborene studierte<br />

Kunsthistoriker und Maler im Wein, im deutschen Wein<br />

zumal, sein Lebensthema fand, hat er sich mit unkonventioneller<br />

Betrachtungsweise in die Ränge der weltweit<br />

geachteten Autoren und Kritiker geschrieben. Sein<br />

Buch »Planet Riesling« erschien bei Tre Torri.<br />

RAINER SCHÄFER wuchs in Oberschwaben auf und<br />

lebt seit zwanzig Jahren in Hamburg, wo er über die<br />

Dinge schreibt, die er am meisten liebt: Wein, gutes<br />

Essen und Fußball, stets neugierig auf schillernde<br />

Persönlich keiten, überraschende Erlebnisse und<br />

unbekannte Genüsse. Als Ko-Autor hat er über »100<br />

Länder, 100 Frauen, 100 Räusche« berichtet.<br />

MICHAEL SCHMIDT Der »deutsche Engländer«,<br />

wie ihn die britische Weinszene nennt, schreibt für die<br />

Purple Pages der Weinpäpstin Jancis Robinson über<br />

deutschen Wein. Bei Sotheby’s Wine Encyclopedia und<br />

dem World Atlas of Wine von Hugh Johnson und Jancis<br />

Robinson ist er als Berater für das Kapitel Deutschland<br />

zuständig.<br />

CHRISTIAN VOLBRACHT Der Journalist, Autor<br />

und Antiquar schreibt über Wein und Gastronomie, seit<br />

er für die Deutsche Presse-Agentur in Paris gearbeitet<br />

hat. Seine besondere Leidenschaft gehört neben Wein<br />

und gutem Kochen den Pilzen und Trüffeln. Er ist<br />

Sammler und Inhaber des Buchantiquariats MykoLibri,<br />

als Buchautor ergründete er das Thema »Trüffeln –<br />

Mythos und Wirklichkeit« (bei Tre Torri).<br />

DIRK WÜRTZ ist eigentlich Winzer. Seit 2018 ist er in<br />

einer Beteiligungsgesellschaft zuständig für die Wein-<br />

Sparte und in dem Niersteiner VDP-Weingut St. Antony<br />

als geschäftsführender Gesellschafter tätig. In seinem<br />

Blog schreibt er seit zehn Jahren über alles rund um<br />

den Wein. Er hat das erste Live-Wein-TV-Format im<br />

Internet produziert und mit dem Magazin Stern die<br />

Video-Weinschule zu zahlreichen Themen gedreht.<br />

Editorial-Foto: PEKKA NUIKKI<br />

VERLEGER UND HERAUSGEBER<br />

Ralf Frenzel<br />

ralf.frenzel@fine-magazines.de<br />

CHEFREDAKTEUR<br />

Thomas Schröder<br />

thomas.schroeder@fine-magazines.de<br />

REDAKTION<br />

Carola Hauck<br />

ART DIRECTION<br />

Guido Bittner<br />

MITARBEITER DIESER AUSGABE<br />

Kristine Bäder, Dr. Daniel Deckers,<br />

Armin Diel, Jürgen Dollase,<br />

Ursula Heinzelmann, Sigi Hiss,<br />

Uwe Kauss, Dr. Stefan Pegatzky,<br />

Stuart Pigott, Rainer Schäfer,<br />

Michael Schmidt, Christian Volbracht,<br />

Dirk Würtz<br />

FOTOGRAFEN<br />

Guido Bittner, Rui Camilo, Sune Eriksen,<br />

Johannes Grau, Marco Grundt,<br />

Christof Herdt, Marc Volk<br />

VERLAG<br />

Tre Torri Verlag GmbH<br />

Sonnenberger Straße 43<br />

65191 Wiesbaden<br />

www.tretorri.de<br />

Geschäftsführer: Ralf Frenzel<br />

ANZEIGEN<br />

Judith Völkel<br />

Tre Torri Verlag GmbH<br />

+49 611-57 990<br />

anzeigen@fine-magazines.de<br />

DRUCK<br />

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<strong>FINE</strong> <strong>Das</strong> <strong>Weinmagazin</strong> erscheint<br />

vierteljährlich zum Einzelheft-Preis<br />

von € 15,– (D), € 16,90 (A),<br />

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VERTRIEB<br />

DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH<br />

www.dpv.de<br />

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht<br />

unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Der<br />

Verlag haftet nicht für unverlangt eingereichte<br />

Manuskripte, Dateien, Datenträger und Bilder.<br />

Alle in diesem Magazin veröffentlichten Artikel<br />

sind urheberrechtlich geschützt.<br />

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COMME GANZ AUF BIODYNAMIE<br />

Von ARMIN DIEL<br />

Fotos CHRISTOF HERDT<br />

Auch Bio-Winzer müssen spritzen. Auf Château Pontet-Canet verwendet<br />

man ein Kupfer-Schwefel-Gemisch mit Schachtelhalm,<br />

Weide, Schafgarbe, Fenchel und Spurenelementen, ein sogenanntes<br />

Kontaktmittel, das ausschließlich auf der Oberfläche der Rebe wirkt.<br />

<strong>Das</strong> Pferd ist eines von dreizehn Tieren, die seit 2008 in den Weinbergen<br />

von Château Pontet-Canet im Arbeitseinsatz sind.<br />

10 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> BORDEAUX BORDEAUX <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> 11


FRECH UND FANTASIEVOLL<br />

Seltene Momente: Ausgestreckt auf den<br />

Fässern im engen Keller, den Blick fast<br />

träumerisch zur niedrigen Decke gerichtet,<br />

gönnt sich der rastlose Weinmacher Francesc<br />

Grimalt eine kurze Verschnaufpause.<br />

IM KREATIVEN CHAOS DER VINÍCOLA<br />

4KILOS ENTSTEHT GROSSES<br />

Von RAINER SCHÄFER<br />

Fotos RUI CAMILO<br />

Gespräche mit Francesc Grimalt können zum Geduldsspiel werden. Der Winzer ist rastlos,<br />

streicht sich fahrig übers Gesicht und springt immer mal wieder auf, um kurz zu verschwinden.<br />

Ruhig sitzen und entspannt plaudern gehört nicht zu seinen größten Stärken.<br />

Ständig hat er andere und wichtigere Dinge zu erledigen. Und dann noch diese lästigen Fragen:<br />

Es gibt manches, über das der Weinmacher der Vinícola 4Kilos nicht reden möchte an diesem<br />

Frühlingstag, an dem die Sonne schon mächtig vom Himmel brennt. Also: Bitte keine Fragen<br />

zu anderen Winzern, mit denen wolle er nicht verglichen werden. »Ich hasse Vergleiche«, sagt<br />

Francesc Grimalt und fährt sich über seine breiten, bis an die Kinnlade reichenden Koteletten.<br />

»Trink meine Weine«, sagt er, »dann kannst du die Unterschiede erkennen.« Schon mit seinem<br />

Aussehen betont Grimalt, der sich schon immer für Rockmusik interessierte, dass er sich von<br />

anderen absetzen will: Es erinnert an die Rockabilly-Musik der frühen neunziger Jahre, an<br />

Haartollen, Backenbärte und Bands wie die Stray Cats, an eine Zeit, in der sich die Jungen mit<br />

rebellischem Gebaren den Vorstellungen der Alten widersetzten. Gemeinsam mit dem Filmemacher<br />

und Komponisten Sergio Caballero bildet Francesc Grimalt das avantgardistische Weinprojekt<br />

4Kilos, das gerade weltweit gefeiert wird.<br />

58 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> MALLORCA MALLORCA <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> 59


WEINBAU IN DER WÜSTE (2)<br />

IM GELOBTEN LAND IST WEINBAU<br />

EINE HERAUSFORDERUNG<br />

Von KRISTINE BÄDER<br />

Fotos JOHANNES GRAU<br />

Auf einer Fläche so groß wie Hessen zeigt Israel eine erstaunliche<br />

Vielfalt an Klimazonen und Bodenformationen. Zahlreiche<br />

Winzer entwickeln eine ansteckende Dynamik in dem<br />

Land, dessen extreme Bedingungen den ambitionierten<br />

Weinmachern viel abverlangen. Seiner uralten Weinbaugeschichte<br />

hauchen handwerkliche Perfektionisten,<br />

anarchistische Querdenker, individualistische Freigeister<br />

und leidenschaftliche Pioniere neues Leben ein.<br />

Geröll, Sand und wenig Grün: Um dem<br />

kargen Boden der Golanhöhen Fruchtbarkeit<br />

abzutrotzen, braucht es mehr als Chuzpe.<br />

66 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> MALLORCA MALLORCA <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> 67


ZWANZIG JAHRGÄNGE PICHON COMTESSE<br />

CHRONOLOGIE EINER WIEDERGEBURT<br />

Von RAINER SCHÄFER<br />

Fotos GUIDO BITTNER<br />

Wenige Kilometer außerhalb der Stadt Pauillac liegt das Château Pichon Longueville Comtesse<br />

de Lalande, das unter Kennern nur Pichon Comtesse heißt. Nicht zu verwechseln mit Château<br />

Baron de Pichon-Longueville direkt gegenüber, nur durch die Landstraße D2 getrennt. Beide<br />

Güter, Pichon Comtesse und Pichon Baron, wurden 1855 bei der Klassifikation im Bordelais als<br />

Deuxième Cru eingestuft. Bis 1850 gehörten sie sogar zusammen und bildeten ein einziges Weingut,<br />

heute stehen die Nachbarn in direktem und innigem Konkurrenzkampf. »Wir kommen gut<br />

miteinander aus, solange die Comtesse die besseren Weine macht«, scherzt Nicolas Glumineau,<br />

seit 2012 Gutsdirektor bei Pichon Comtesse, davor bei Château Monrose.<br />

Mit Château Pichon Longueville Comtesse<br />

de Lalande will er »ein neues Kapitel<br />

schreiben«. Dessen Geschichte reicht<br />

bis ins 17. Jahrhundert zurück, 2007 wurde es vom<br />

Champagnerhaus Roederer übernommen. <strong>Das</strong><br />

Gut wurde aufwändig renoviert, das neue Kellereigebäude<br />

zur Ernte im Herbst 2013 fertiggestellt und<br />

das 2009 begonnene »Bepflanzungsprogramm«<br />

beschleunigt: Nach Boden analysen werden jedes<br />

Jahr drei Hektar der Weinberge neu bestockt, wobei<br />

die Unterlagen und das Rebmaterial »exakt auf den<br />

Untergrund ausgerichtet« werden. Inzwischen<br />

stehen fünfundsiebzig Hektar im Ertrag, fünfzehn<br />

weitere sind noch zu bepflanzen. Fast ein Drittel<br />

der Weinberge, die sternförmig um das schmucke<br />

Château angeordnet sind, wird biodynamisch bewirtschaftet,<br />

»aber ohne Zertifizierung«. Die werde<br />

zwar angestrebt, sagt Nicolas Glumineau, auf einen<br />

genauen Zeitpunkt wolle er sich aber nicht festlegen.<br />

Auch die Weinstilistik habe er »leicht modifiziert«:<br />

Während die Vorbesitzer um die französische<br />

88 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> TASTING TASTING <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> 89


MIT SCHUSS<br />

ÜBER CHAMPAGNERCOCKTAILS<br />

Wie das Tüpfelchen auf dem<br />

i rundet ein Hauch Goldstaub<br />

den Signature-Cocktail<br />

»Parlour Mule« der Frankfurter<br />

Bar The Parlour ab.<br />

Mit Obst oder Stout, mit Cognac oder Absinth: Im Cocktail triff der Champagner<br />

auf ungewöhnliche Partner. Was dem einen Genuss, ist dem anderen ein Graus.<br />

Tatsächlich zeigt Champagner auch im Mix, warum wir ihn so lieben: Frische,<br />

Eleganz und Lebensfreude. Kein Wunder, dass aparte Melangen in der Geschichte<br />

des französischen Schaumweins eine ganz besondere Rolle spielen.<br />

Von STEFAN PEGATZKY<br />

Fotos GUIDO BITTNER<br />

Die Prognose war ungünstig. Auch wenn er jetzt in<br />

Mode gekommen sei: »Die Frauen akzeptieren ihn<br />

nicht wegen des Branntweinhauchs, den er dem Atem<br />

verleiht – und kein Getränk, das die Frauen schmähen, wird<br />

sich in Frankreich durchsetzen können.« Pierre Jean-Baptiste<br />

Legrand d’Aussy war nicht der erste Historiker, der nicht zum<br />

Propheten taugte. Der »Punch au champagne«, der Urahn des<br />

Champagnercocktails, war längst ein Erfolg geworden, seit<br />

angeblich 1781 von England aus das Getränk, »das diesem<br />

fremden Volke eigen ist«, über den Ärmelkanal geschwappt war.<br />

Tatsächlich hatte Giacomo Casanova den Punsch vierzig<br />

Jahre zuvor mehrmals in seinen Memoiren beschrieben, und<br />

seine Gespielinnen schienen die Auswirkungen auf den Atem<br />

für vernachlässigbar gehalten zu haben: »Du kannst dir gar nicht<br />

vorstellen«, schrieb ihm etwa seine Freundin C. C. über eine<br />

Nacht zu dritt, »wie verrückt wir geworden sind, nachdem wir<br />

etwas Champagnerpunsch getrunken hatten«. Einige Zeit später<br />

konnte Casanova sich dann selbst derart von dessen Wirkung<br />

überzeugen, dass er den Leser bat, »über gewisse Umstände<br />

dieser wirklich skandalösen Orgie einen Schleier ziehen zu<br />

dürfen«. <strong>Das</strong>s Champagner mit Schuss nicht nur libidinöse<br />

Reserven mobilisiert, hat Ernest Hemingway überliefert. Aufgefordert,<br />

für einen literarischen Cocktail-Almanach ein Rezept<br />

mit entsprechender Story zu schicken, antwortete er 1935 mit<br />

dem »Tod am Nachmittag«, einem Champagner-Absinth-Cocktail,<br />

benannt nach seinem drei Jahre zuvor erschienenen Stierkampf-Roman:<br />

Dieses Getränk hätte er, fügt er erklärend hinzu,<br />

sich und seinen Kameraden zur Stärkung nach einer siebenstündigen<br />

Seenotrettung gemixt.<br />

Während sich im echten Leben der Champagnercocktail<br />

als unentbehrlich erwiesen hat, ist ihm von Seiten der Weinexperten<br />

immer wieder Kritik entgegengeschlagen. Verläuft<br />

92 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> CHAMPAGNE CHAMPAGNE <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> 93


FRAUEN IM WEIN XXXVIII<br />

ANNE<br />

TRIMBACH<br />

DIE FIRST LADY DES ELSÄSSER RIESLINGS<br />

Anne Trimbach repräsentiert die dreizehnte Generation der traditionsreichen Winzerfamilie<br />

Trimbach, doch hat sie vor allem Bewegung und Wandel im Sinn. Schon mit dreißig wurde sie die<br />

Grande Dame, die First Lady des elsässischen Rieslings genannt. Denn von ihrer Dynamik profitiert<br />

die ganze Region – und nicht nur das eigene Haus, in dem die Spannung zwischen Tradition und<br />

Moderne auf Schritt und Tritt zu spüren ist.<br />

Von CHRISTIAN VOLBRACHT Fotos JOHANNES GRAU<br />

Die Idylle ist perfekt. Auf dem alten Turm gegenüber<br />

der Domaine Trimbach in Ribeauvillé räkelt sich ein<br />

Storchenpaar in der Sonne. Hinter dem Gutsgebäude<br />

mit seinen Fachwerktürmchen klettern die Rebflächen<br />

der Grand-Cru-Lage Geisberg in die Höhe. Im dem<br />

alten Haus haben Anne Trimbach und ihre Schwester<br />

als Kinder gespielt. Hier ist sie um die Weinpressen<br />

herumgerannt oder hat manches Mal mit ihrem Vater<br />

Pinot-Noir-Trauben zerstampft und sich dabei rote<br />

Füße geholt.<br />

Jetzt empfängt sie die Besucher im Hof, eine groß<br />

gewachsene Frau mit dunklen Augen und freundlichem<br />

Lächeln auf den geschwungenen Lippen, schlicht und<br />

elegant in Jackett und Hose. Ein dunkelblauer Schal schützt<br />

vor dem noch kühlen Frühling vor Ostern. »Französisch ist<br />

perfekt«, sagt sie, »ich spreche sonst gern auch Englisch, aber<br />

mein Deutsch ist nicht sehr gut.« Im Elsass, das so oft zwischen<br />

Frankreich und Deutschland hin und her wechselte, ist es längst<br />

nicht mehr selbstverständlich, auch deutsch zu sprechen. Und<br />

für das Marketing ist Deutschland mit seinen eigenen Rieslingen<br />

nicht von herausragender Bedeutung.<br />

Also »Trimback« in französischer Aussprache. Die Vorfahren<br />

kamen zu Beginn des 17. Jahrhunderts aus der Schweiz<br />

ins Oberelsass, um Silber zu suchen. Stattdessen fanden sie den<br />

Wein. Ein Jean Trimbach wollte als Bergmann in den Silberminen<br />

von Sainte-Marie arbeiten, erzählt Anne Trimbach.<br />

»Aber er hat sich dann in der Weinregion niedergelassen, in<br />

Riquewihr, und dort 1626 mit dem Weinbau begonnen.« Dreizehn<br />

Generationen in bald vierhundert Jahren! <strong>Das</strong> historische<br />

Weingut wurde im 19. Jahrhundert verkauft, man zog nach<br />

Hunawihr, wo heute der Kultwein des Gutes wächst, der Clos<br />

Sainte Hune. Erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs siedelte<br />

die Domaine nach Ribeauvillé um.<br />

Ein ansehnliches Gebäude. »Doch es ist viel zu wenig<br />

Platz«, sagt Anne Trimbach entschuldigend, als sie die Eisentür<br />

zur Treppe in den Keller öffnet. Im Gewirr verwinkelter, enger<br />

Gänge und Räume mit nackten Wänden und flachen Betondecken<br />

wechseln sich Fässer und Bottiche aus Holz, Beton und<br />

Stahl ab. <strong>Das</strong> älteste Holzfass stammt aus dem Jahr 1717. Wie<br />

die anderen alten Holzfässer ist es innen längst von Weinstein<br />

überkrustet. »Wir wollen keinen Holzton im Wein, im Gegenteil,<br />

er soll in neutralem Material ausgebaut werden«, sagt Anne<br />

98 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> FRAUEN IM WEIN FRAUEN IM WEIN <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> 99


VINOTHEKEN [5]<br />

WEIN-<br />

VERRÜCKT<br />

JULIA BÜHRMANN UND CHRISTIAN NESBEDA<br />

FÜHREN DAS MOERSER FAMILIENUNTERNEHMEN<br />

BÜHRMANN WEINE IN DRITTER GENERATION<br />

Von UWE KAUSS Fotos CHRISTOF HERDT<br />

Tief im Westen. Der Himmel ist grau, es regnet, auf dem Asphalt liegt festgefahrener Schnee. Bis zum Rheinhafen in<br />

Duisburg-Ruhrort sind es mit dem Auto kaum zehn Minuten. Hinter den Flachdächern der Gewerbebauten im Industriegebiet<br />

streckt sich ein rotbrauner Turm aus Stahl in die tief hängenden Wolken. Vor hundert Jahren haben die Kumpel<br />

im Schacht IV der Zeche Rheinpreußen, einer der größten des Ruhrgebiets, pro Jahr fast eine Million Tonnen Kohle in<br />

fünfhundert Metern Tiefe geschlagen und mit dem Förderturm ans Tageslicht gebracht. Lange her. Die Stadt Moers<br />

gehört geografisch und mental zum Niederrhein, war aber jahrzehntelang kohleschwarzer Ruhrpott. Duisburg-Rheinhausen<br />

mit seinem früheren Krupp-Stahlwerk liegt gleich nebenan. <strong>Das</strong> hat auch das Handelsunternehmen Bührmann<br />

Weine in seiner über neunzigjährigen Geschichte geprägt. Wer das Ladengeschäft durch die große automatische Glastür<br />

verlässt, hat neben dem großen Schild an der LKW-Zufahrt den stillgelegten Zechenturm im Blick.<br />

Hier im Industriegebiet Moers an der Franz-Haniel-<br />

Straße – benannt nach dem Industriellen und Gründer<br />

der Zeche Rheinpreußen – hat Bührmann zwischen<br />

Baumarkt, Discountern, Spielhallen, Küchenstudio und<br />

Computershop vor einigen Jahren den größten Weinladen<br />

in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Auf rund tausend Quadratmetern<br />

gibt es etwa eintausenddreihundert verschiedene Weine,<br />

dazu zweihundert Ginsorten und mehr als zweihundertfünfzig<br />

Whiskys. Dutzende Bordelaiser lagern in den meterlangen<br />

Regalreihen ebenso wie die riesige Kollektion deutscher Weine<br />

sowie günstige bis außergewöhnliche Spanier und Italiener,<br />

dazu Raritäten wie Burgunder von 1924 und 1927. Zudem wird<br />

den Kunden auch Subskription angeboten. Ausgerechnet hier?<br />

Geschäftsführerin Julia Bührmann schaut nach draußen.<br />

Im Dunst rangiert ein knallgrün lackierter LKW mit der Aufschrift<br />

»Bührmann Weine«, der Gehweg ist menschenleer.<br />

»Zum Wochenende und nach Feierabend ist hier echt was<br />

los. Der Baumarkt und die Discounter ziehen viel Publikum<br />

Ihren Ehemann Christian<br />

Nesbeda hat Julia Bührmann<br />

als Kollegen kennengelernt.<br />

Bis heute sind die beiden ein<br />

gutes Gespann, das dem 1927<br />

gegründeten Traditionshaus<br />

seine eigene Prägung gibt.<br />

an, in die Innenstadt und nach Duisburg ist es nicht weit. <strong>Das</strong><br />

funktioniert gut«, erzählt die IHK-geprüfte Sommelière in<br />

Röhrenjeans, T-Shirt und Converse Sneakers, die ihre glatten<br />

blonden Haare nach hinten gebunden hat. Die Diplom-Kauffrau<br />

hatte zuvor mehrere Jahre für den Discounter Lidl in Stuttgart<br />

gearbeitet. Dort lernte sie den Kollegen Christian Nesbeda<br />

kennen, der ihr Ehemann wurde und nun mit ihr die Geschäfte<br />

führt. Auch ihm – Dreitagebart, rotes Karohemd über den<br />

Jeans – ist die Anspannung anzumerken. Neben dem Eingang<br />

des großen Ladens wird gesägt und gebohrt, es staubt. Handwerker<br />

haben dunklen Holzfußboden verlegt und einen langen<br />

Holztresen gebaut. Die neuen bodentiefen Fenster lassen viel<br />

Winterlicht auf die Baustelle fallen. Stühle und Tische fehlen<br />

noch, die Lieferung verspätet sich. »Wir eröffnen hier in ein<br />

paar Tagen unsere Weinbar. Sie heißt ›Die Gourmet-Rebellen‹«,<br />

sagt Julia Bührmann und lässt einen skeptischen Blick über die<br />

Baustelle wandern.<br />

Die Gourmet-Rebellen sind mehr als eine Weinbar. <strong>Das</strong><br />

Konzept mit Perspektive haben zwei Weinverrückte erdacht.<br />

In wenigen Tagen wollen die beiden Mittdreißiger dem 1927<br />

gegründeten Familienunternehmen, das sie nun in dritter<br />

Generation führen, ihre eigene Prägung geben. Einen unscheinbaren<br />

Seminarraum haben sie wegreißen lassen, die Fläche<br />

geöffnet und verwandelt. Neben dem Tresen wartet eine große,<br />

tiefe Auslage auf ungewöhnliche Käsesorten, feinen Schinken<br />

und weitere Köstlichkeiten. »Wir haben handwerklich gefertigte,<br />

hochwertige Produkte ausgesucht, die wir selbst mögen und<br />

zum Wein servieren«, erzählt Christian Nesbeda.<br />

Der Clou der Bar aber ist ein begehbarer Humidor, an<br />

dem die Handwerker mit langen Leitern arbeiten: »Von jedem<br />

unserer Weine im Katalog werden hier zwei Flaschen liegen.<br />

116 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> VINOTHEK VINOTHEK <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> 117


DER NÖRDLICHSTE<br />

RIESLING DER WELT<br />

Die Geschichte dieses Rieslings fasziniert, begeistert und verstört. Der Wein, den der rheinhessische<br />

Winzer Klaus-Peter Keller mit seiner Projektpartnerin Anne Enggrav in Norwegen erzeugt, ist<br />

kein Spitzengewächs, es gibt nur wenige Liter. Im Handel wird er nicht zu haben sein. Und doch<br />

ist er eine Weltsensation, zugleich spricht er von Bedrohung und Gefahr.<br />

Von UWE KAUSS<br />

Fotos SUNE ERIKSEN<br />

Geschafft! Nach zehn aufregenden, spannenden<br />

Jahren konnten der rheinhessische Winzer Klaus-Peter<br />

Keller und die norwegische Sommelière Anne Enggrav<br />

im Vingård von Kristiansand tatsächlich die ersten<br />

Trauben lesen: Riesling und Pinot Noir.<br />

Die Sache begann mit Witzeleien über Eiswein,<br />

erinnert sich Klaus-Peter Keller aus<br />

Flörsheim-Dalsheim. Wenige Sätze später<br />

erzählt er von Davos, dem Ort, an dem der Weltwirtschaftsgipfel<br />

stattfindet. Die ersten Trauben von der<br />

Südküste Norwegens erntete er im Jahr 2018. Auf<br />

dem 58. Breitengrad. Der liegt rund achthundert<br />

Kilometer weiter nördlich als der 51. Breitengrad,<br />

die bisherige Grenze des Weinanbaus, die etwa auf<br />

der Höhe von Mittelrhein, Mosel und dem britischen<br />

Cornwall verläuft.<br />

Aber der Reihe nach: Im Jahr 2007 arbeitete die<br />

junge norwegische Sommelière Anne Enggrav aus<br />

Oslo in einem Weinshop des Vinmonopolet, des<br />

Staatsunternehmens, das dem Gesundheits- und Fürsorgeministerium<br />

untersteht. Nur in dessen Filialen<br />

dürfen Getränke mit mehr als 4,75 Prozent Alkohol<br />

verkauft werden. »Ich hatte bei meiner Ausbildung<br />

den praktischen Zugang zum Weinbau vermisst«,<br />

erzählt sie, »ich wollte selbst erfahren, wie Wein<br />

gemacht wird, und dachte, bei der Arbeit in einem<br />

Weingut könnte ich das alles lernen.« Sie bewarb<br />

sich daher für ein praktisches Jahr bei Klaus-Peter<br />

Keller. »Mit ihm habe ich zuvor niemals zu tun gehabt.<br />

Ich kannte nur seine Weine, und die sind einfach<br />

wunderbar«, berichtet sie.<br />

Unter vielen Bewerberinnen und Bewerbern aus<br />

aller Welt erhielt sie eine Zusage, nach Flörsheim-<br />

Dalsheim zu kommen – und mit ihr junge Leute aus<br />

elf weiteren Nationen. »Ich lernte unglaublich viel,<br />

und ich liebte die Arbeit im Weinberg, wollte draußen<br />

sein.« Bei den Kellers geht es familiär zu. Zum Frühstück<br />

und zum Mittagessen sitzt die Familie mit allen,<br />

die dort arbeiten, gemeinsam am Tisch. Klaus-Peter<br />

Keller ist es besonders wichtig, »dass die Chemie<br />

stimmt«. Zwischen Anne Enggrav und Familie Keller<br />

war es mehr. Es entstand eine Freundschaft. »Ich<br />

erzählte nur noch von Riesling, Rebstöcken und den<br />

Feinheiten des deutschen Weins«, erinnert sie sich,<br />

»und Klaus-Peter machte andauernd Witze: Man<br />

könnte in Norwegen doch Eiswein produzieren.«<br />

Nachdem sie einige Tage lang über immer neue<br />

Pointen gelacht hatten, begann der Winzer, die<br />

Wetterdaten von Kristiansand an der norwegischen<br />

Südküste, der Heimat von Anne Enggrav, mit denen<br />

kühler Weinbauregionen zu vergleichen. <strong>Das</strong> sieht<br />

gar nicht so schlecht aus, dachte er. Denn seit seiner<br />

Diplomarbeit an der Hochschule Geisenheim in den<br />

1990er Jahren hat ihn die These seines Betreuers Hans<br />

Reiner Schultz, einem der wichtigsten europäischen<br />

Klimaexperten, nicht mehr losgelassen: Durch den<br />

Klimawandel könnte Riesling ab etwa 2050 auch in<br />

Norwegen reif werden. »<strong>Das</strong> wäre ja noch zu meinen<br />

Lebzeiten, warum also nicht mal versuchen?«, habe<br />

sich Klaus-Peter Keller gedacht.<br />

Denn den Klimawandel nimmt er sehr ernst.<br />

Sein Vater und sein Großvater mussten jahrzehntelang<br />

in den rheinhessischen Lagen des Guts um Reife<br />

bangen und kämpfen: »Deren Erzählungen kann<br />

ich viel besser verstehen, seit ich in Norwegen um<br />

Reife ringe.« Doch zuhause ist heute das Gegenteil<br />

sein Problem: »Wir müssen in vielen Parzellen<br />

schauen, dass wir die Trauben mit der Laubwand<br />

richtig beschatten, sonst wird’s denen zu heiß. Ich<br />

habe schon Temperaturen von fünfundsechzig<br />

Grad in der Traube gemessen. Außerdem haben<br />

wir kaum noch Landregen, statt dessen kommen<br />

siebzig Liter Wasser in zwanzig Minuten runter. Nach<br />

einem Gewitterregen können wir am Roten Hang<br />

den Weinberg von der Straße schippen und wieder<br />

hinauffahren.«<br />

Wo aber könnte sich in Norwegen ausgerechnet<br />

Riesling pflanzen lassen? Die<br />

Lösung lag vor der Haustür: Zu Anne<br />

Enggravs Elternhaus in Kristiansand gehört ein nach<br />

Süden geneigter, gut gegen Wind geschützter Hang<br />

aus Granitfels, nur wenige hundert Meter vom Meer<br />

entfernt. Die beiden waren sich einig: <strong>Das</strong> wäre<br />

genau die richtige Testparzelle. Die Eltern, beide<br />

sehr offen für Neues, willigten ein. Es würde aber<br />

nicht der erste norwegische Weinberg sein. Nach<br />

einer Statistik stehen dort schon mehr als siebenundzwanzigtausend<br />

Rebstöcke, die von zweiunddreißig<br />

Weinbauern und Hobbywinzern gepflegt<br />

werden. Meist sind es frühreife Sorten wie Rondo<br />

oder Solaris, die dort inzwischen beachtliche Reifegrade<br />

erreichen. Doch diese Sorten gefielen weder<br />

dem rheinhessischen Winzer noch der Norwegerin:<br />

»Klar, wir hätten eine frühe Hybridsorte nehmen<br />

können, aber als Weinbegeisterte wollte ich die<br />

Königin der Rebsorten: den Riesling«, sagt Anne<br />

Enggrav, »zudem hatte ich ja mit Klaus-Peter einen<br />

Riesling Master an meiner Seite – was sollte also<br />

schiefgehen?«<br />

Noch 2008 setzte sich Klaus-Peter Keller samt<br />

Familie ins Flugzeug nach Norwegen. »Die<br />

Rebstöcke haben wir im Koffer hingeschaff«,<br />

erzählt er, »die wiegen ja nicht viel.« Gemeinsam<br />

mit den Enggravs pflanzten sie einhundertdreißig<br />

Riesling-Rebstöcke und zwanzig Stöcke Pinot Noir<br />

in den kargen, sandig-felsigen Hang. Dies löste in<br />

Norwegen eine solche Begeisterung aus, dass Klaus-<br />

Peter Keller, der das Rampenlicht nicht sonderlich<br />

mag, noch heute staunt: »<strong>Das</strong> Fernsehen war da, die<br />

Zeitungen haben Interviews gemacht, damit hätte<br />

ich nie gerechnet.«<br />

Die Rebstöcke wuchsen langsam, aber sie entwickelten<br />

sich gut. Anne Enggravs Vater, inzwischen<br />

achtzig Jahre alt, schneidet und pflegt sie unter<br />

Anleitung von Klaus-Peter Keller, hackt den Boden<br />

und hat einen Blick auf die Begrünung. Die Zeit<br />

verging, die ersten Träubchen zeigten sich. Die<br />

Zeitungen berichteten darüber, aber die Trauben<br />

reiften nicht. In diesen Jahren organisierte Anne<br />

Enggrav ein Netzwerk: Weinbegeisterte Apfelbauern<br />

in der Nachbarschaft helfen, den Weinberg<br />

zu pflegen, ihr Vater hat inzwischen eine Menge<br />

Erfahrung gesammelt. »<strong>Das</strong> sind längst Profis, da<br />

mache ich mir keine Sorgen mehr«, lobt auch Klaus-<br />

Peter Keller die Weinbergsarbeit.<br />

Vor allem ein Aspekt ist ihm dabei wichtig:<br />

»Dieser Weinberg ist bio-bio. Im Bioweinbau musst<br />

du mit Kupfer und Schwefel spritzen. Da oben aber<br />

ist nichts dergleichen zu tun. Null. Da gibt es keine<br />

Schädlinge, auch keinen Mehltau.« <strong>Das</strong> liege an der<br />

Solitär-Stellung des Weinbergs: »Gibt es da erst mal<br />

ein paar hundert Hektar, kommen mit dem Pflanzgut<br />

auch die Krankheiten.«<br />

Bis zur ersten Traubenreife dauerte es nicht die<br />

prognostizierten vierzig, sondern nur sechs Jahre.<br />

120 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> NORWEGEN NORWEGEN <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> 121


URSULA HEINZELMANN GENIESSEN – ABER WIE!<br />

142 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> DIE HEINZELMANN KOLUMNE<br />

LAIB MIT SEELE<br />

Wein und Brot – das klingt nach Weinprobe. Oder? Für Weinprofis eher nicht. Die stimulieren den ermüdeten<br />

Gaumen viel lieber mit Wasser. Aber zum Wein, wenn er nicht nur verkostet, sondern seiner eigentlichen<br />

Bestimmung, dem Trinken nämlich, zugeführt wird: Dann ist Brot perfekt. Es bringt nicht nur genügend<br />

Aromen, Substanz und Bewegung in den Mund, um den nächsten Schluck mit frischen Sinnen erleben zu<br />

lassen – es verdient generell mehr Respekt von uns Weintrinkern.<br />

Die Qualität des Brotes nehmen Sie hoffentlich, sicherlich<br />

genauso ernst wie die des Weins. Ihnen ist bewusst,<br />

dass alles ganz einfach ist: Gute Trauben werden zu<br />

gutem Wein, gutes Mehl wird zu gutem Brot. Da braucht es<br />

keine Zusätze und nicht viel Technik. Geschmack und Charakter<br />

entstehen nicht durch teure Apparaturen und komplizierte<br />

Methoden. Doch die nötige Zeit und Erfahrung hat nicht jeder<br />

Winzer, um spontan vergären und lange auf der Hefe lagern zu<br />

lassen, nicht jeder Bäcker, um den Teig lange zu säuern, statt<br />

ihn schnell aufzuplustern. Denn gerade das führt zu Ausdruck<br />

und Bekömmlichkeit – und genau danach suchen Sie.<br />

Ihr Brot verkosten Sie mit allen Sinnen, um es ganz genau<br />

kennenzulernen und dann gezielt zu einem bestimmten Wein<br />

zu genießen. Sie schnuppern intensiv an Kruste und Krume –<br />

wenn sich da nicht viel tut, sollten Sie schleunigst den Bäcker<br />

wechseln. Sie nehmen die tiefen, dunklen, leicht säuerlichen<br />

Noten eines Roggenvollkornbrots wahr und trinken dazu einen<br />

transparenten, lebendigen Rotwein wie Gamay, Poulsard oder<br />

Blaufränkisch/Lemberger/Kékfrankos. Dagegen sind die<br />

röstigen, fast fruchtigen Aromen eines von Weizen bestimmten<br />

Bauernbrots perfekte Rieslingbegleiter. Ein weiches, süßliches<br />

Milchbrot wiederum passt zu dezenten Weinen mit rundem<br />

Körper wie Chasselas. Sind Kerne und Körner im Spiel, kommen<br />

nussige Akzente hinzu und sorgt Fett für Nachdruck – dann<br />

darf es kräftiger zugehen im Glas: Rotweine mit Gerbstoff und<br />

Weißweine mit Holzeinfluss vollenden den Genuss.<br />

Sie werden feststellen, dass wie beim Wein auch die Säure<br />

des Brotes eine besondere Rolle spielt. Weißbrot etwa kann<br />

durch Sauerteig zu einem ganz neuen Geschmackserlebnis<br />

werden – und mit einem gereiften, mineralisch trocknen Riesling<br />

der gehobenen Art zu einer bleibenden Erinnerung.<br />

Doch für gutes Brot braucht es echte Handwerker. Brotbacken<br />

ist wie Weinmachen auch eine zutiefst sinnliche<br />

Erfahrung. Im Idealfall dominiert der Mensch den Backprozess<br />

nicht, sondern findet hinein in das, was geschieht und geschehen<br />

will, mit seinen Händen, seiner Intuition und seiner Seele. Da<br />

muss ein Ofen mit Holzscheiten beheizt, nach mehreren Stunden,<br />

wenn er die richtige Temperatur erreicht hat, ausgeräumt und<br />

der geformte Teig eingeschossen werden. Und dann aufmerksam<br />

und geduldig beobachtet. <strong>Das</strong> alles hat wie beim Wein<br />

seinen Preis und muss ihn auch haben.<br />

Sprachlich ist Brot eng verwandt mit »brauen« und<br />

»brodeln«. Gärung führt zu Lockerung, und deren Art – mit<br />

Bierhefe, Weinhefe oder Sauerteig – ist entscheidend für<br />

Geschmack, Textur und Haltbarkeit des Endprodukts. Sauerteig<br />

entsteht durch die spontane Gärung von Mehl und Wasser und<br />

reift dann vom Anstellgut über den Grund- zum Vollsauer. Dabei<br />

bilden sich abhängig von Temperatur und Zeit nicht nur Milchund<br />

Essigsäurebakterien, die den Teig lockern, sondern wie beim<br />

gärenden Wein auch viele geschmacksbildende Komponenten.<br />

Reine Hefe ist im Gegensatz zum sorgfältig kultivierten Sauerteig<br />

eine Art Kickstartmethode, die jedoch zu weniger geschmacklicher<br />

Komplexität führt. Allerdings: Eine Focaccia aus Olivenöl<br />

und richtig gutem Mehl (wobei auch den einzelnen Weizensorten<br />

mehr Beachtung gebührt) ist großartig und verdient<br />

einen ebenso hervorragenden (trocknen) Lambrusco.<br />

Also: Gutes, spannendes Brot auftreiben, es mit Respekt<br />

und Aufmerksamkeit genießen und bewusst mit bestimmten<br />

Weinen kombinieren statt es zum ewigen Nebendarsteller zu<br />

verdammen. Aber auch: damit kochen. Besonders, wenn es ein<br />

wenig altbacken ist, weil Sie bei einem Spitzen-Bäcker in einen<br />

ähnlichen Kaufrausch verfallen sind wie beim letzten Besuch<br />

eines herausragenden Winzers. Dann mischen Sie aus Weißbrot,<br />

Tomaten, Zwiebeln, Basilikum, Essig und Olivenöl eine<br />

Panzanella, einen toskanischen Brotsalat, und trinken regionsübergreifend<br />

einen apulischen Susumaniello dazu. Aus Graubrot<br />

machen Sie ganz altmodisch eine retroschicke Brotsuppe<br />

mit Äpfeln, Rosinen und ein bisschen dicker Sahne – wunderbar<br />

zu einer Spätlese mit einem Hauch Botrytis. Auch so geht<br />

Brotgenuss.<br />

Wichtige Informationen zu diesem Wein: 2013er Le Redini IGT Tenuta degli Dei, Rotwein · Rebsorte: 90% Merlot, 10% Alicante · Herkunftsort: Italien, Toskana · Hersteller/Abfüller: SOCIETA‘ AGRICOLA DEGLI DEI srl, Via di San Leolino,56, 50<strong>02</strong>0 Panzano, Greve in Chianti ·<br />

Nettofüllmenge: 0,75 l · Alkoholgehalt: 14,5% vol. · Enthält Sulfite · Anbieter: Tre Torri Verlag GmbH, Sonnenberger Straße 43, 65191 Wiesbaden<br />

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<strong>FINE</strong>ABGANG<br />

DER GURU GEHT<br />

Vor mehr als dreißig Jahren sorgte ein junger Anwalt aus Baltimore für eine<br />

Revolution in der Weinbranche: Robert Parker. In Anlehnung an das Notensystem<br />

amerikanischer Schulen begann er, Weine nach einem 100-Punkte-<br />

System zu bewerten und dies in seinem Newsletter The Wine Advocate zu veröffentlichen<br />

– eine Idee, so einfach wie genial. Weinliebhaber, die bis dahin in<br />

Ehrfurcht vor den Granden der großen Châteaus und Domainen erstarrt waren,<br />

erlebten nun einen völlig neuen, unbekümmert-professionellen Zugang zu diesen<br />

Weinen, eine Art Demokratisierung des Umgangs mit ihnen, die das Weintrinken<br />

bis heute nachhaltig verändert hat.<br />

Die Kehrseite der Medaille zeigte sich erst später. Robert Parkers Methode, Weine<br />

quasi im Akkord zu verkosten, führte zu einer Dominanz der von ihm favorisierten<br />

üppigen, marmeladigen und alkoholreichen Gewächse, die in der kurzen Spanne<br />

ihrer Begutachtung einen bewertbaren, positiven Eindruck erweckten. Seine<br />

Notate waren subjektiv, aber für ein Millionenpublikum nachvollziehbar. Deren<br />

immenser Einfluss auf Rezeption und Preisentwicklung großer Weine verursachte<br />

allerdings auch zunehmend eine Vereinheitlichung des Weingeschmacks. Die<br />

Weine wurden in eine Richtung getrimmt, von der man wusste, dass Robert<br />

Parker sie schätzte. Wer sich an dessen Bewertungen orientierte, erhielt zwar<br />

neuen Zugang zu großen Weinen, wurde aber fast zwangsläufig auch so etwas<br />

wie der Hermès-Krawattenträger unter den Weinliebhabern. Erst langsam findet<br />

eine Emanzipation der internationalen Weinkritik statt, die auch wieder andere<br />

Stile würdigt.<br />

Bei aller Kritik war Robert Parker aber ein ausgezeichneter Verkoster, der das<br />

Metier beherrschte. <strong>Das</strong> erlaubte ihm, bei ruhigem Nachverkosten, sich oftmals<br />

selbst zu korrigieren und sich dennoch treu zu bleiben – eine Fähigkeit, die angesichts<br />

häufig beliebiger und substanzloser Weinbewertungen heute unter Kritikern<br />

selten geworden ist. Nachdem Robert Parker sein Unternehmen schon 2012 an<br />

asiatische Investoren verkauft und sich sukzessive aus dem Tagesgeschäft seines<br />

Wine Advocate zurückgezogen hat, geht er nun endgültig in den Ruhestand. Einen<br />

Nachfolger gibt es nicht. Der Weinbranche geht eine Instanz verloren.<br />

Ralf Frenzel<br />

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Charakter und Aromenprofil der wichtigsten Rebsorten und die Welt der Sensorik. Vor allem die anschauliche Bildsprache<br />

hilft dabei, die geschmacklichen Unterschiede der Weine auf einen Blick zu erfassen. Weitere Schwerpunkte bilden die<br />

umfassende und tiefgründige Geschichte des modernen Weins und das Thema Essen und Wein mit vielen hilfreichen Hinweisen<br />

für eine gelungene Wein und Speisen-Kombination. Konkrete praktische Tipps und Informationen zu den Themen Weinkauf und<br />

Weinpflege, die Weinprobe zu Hause und den wichtigsten Accessoires beschließen diesen opulenten Bildband.<br />

Tre Torri Verlag GmbH | Sonnenberger Straße 43 | 65191 Wiesbaden | info@tretorri.de | www.tretorri.de<br />

146 <strong>FINE</strong> 2 | <strong>2019</strong> ABGANG


COLBATZKY<br />

Unsere besten Jahrgänge? Die Geburtsjahre unserer Winzer.<br />

Junge Winzer finden in Rheinhessen beste Bedingungen für eine grosse Karriere: traumhafte Lagen,<br />

wunderbare Rebsorten, hervorragende Ausbildung und viel Raum, eigene Wege zu gehen. So wachsen bei uns stetig neue<br />

Weintalente heran – und über sich hinaus. Lernen Sie sie und ihre fantastischen Weine kennen auf rheinhessenwein.de<br />

Rheinhessen liegt am Rhein zwischen Mainz, Worms und Bingen und ist das größte deutsche Weinbaugebiet. Im warmen<br />

Klima am 50. Breitengrad wachsen zu 70% weiße Rebsorten – vor allem Riesling, Weiß- und Grauburgunder, Müller-<br />

Thurgau und Silvaner. Bei den Roten dominieren Dornfelder und Spätburgunder. Die Festlegung der Reifegrade, der<br />

Weinbereitung und die sensorische Prüfung der Weine aus der gU Rheinhessen unterliegen dem Reglement der EU und sind<br />

zugleich Ausdruck der Weinkultur am Rhein. Rheinhessen ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung

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