ABC Jubiläumsbuch 2019

Gertnissen

Lars Amenda

Altonaer Bicycle-Club

von 1869/80

Ein Verein schreibt Fahrradgeschichte


Lars Amenda

Altonaer Bicycle-Club

von 1869/80

Ein Verein schreibt

Fahrradgeschichte


Dieses Buch entstand mit freundlicher Unterstützung

des Bezirksamts Altona und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Titelbild: Die ABC-Jugendabteilung vor dem „Donner-Schloss“ im heutigen Donnerspark in den 1910er oder 1920er Jahren, fotografiert

von Emil Puls (Quelle: Stiftung Historische Museen Hamburg, Altonaer Museum, Inv.-Nr. 2-5800-3). Koloriert von Gert Nissen, 2018.

Herausgeber: Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 (www.altonaer-bicycle-club.de)

Schriftenreihe: ABC-Forschungen zur Fahrrad- und Radsportgeschichte, Bd. 1

Layout: Gert Nissen (www.grafik-nissen.de)

Lektorat: Bert Drignat, Christina Grebe und Nina Mader

ISBN 978-3-00-062242-7

Druck: CPI Print, Leck/Nordfriesland, www.cpi-print.de

April 2019


Inhalt

Einleitung – Laufmaschinen, Sport, Vereine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

Neuland – Der Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club (1869-1879) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

Aufschwung – Der ABC und das Zeitalter der Hochräder (1880-1889) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34

Blütezeit – Feste, Stolz und Spaltung (1890-1899) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62

Fahrradboom – Radwandern und Wiedereintritt in den Bund (1900-1918) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88

Neue Zeit – Frauen, Jugend, Radrennen (1919-1932) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104

„Führer“-Prinzip – Radsport während der NS-Herrschaft (1933-1945) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132

Wiederaufbau – Tourenfahren und Radball (1945-1969) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152

Torejagd – Der ABC als Radballverein (1970-1989) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162

Niedergang – Vom Schwinden eines Radsportvereins (1990-2012) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172

Wiedergeburt – Der ABC wird neu gegründet (seit 2013) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176

Schluss und Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187

Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189

Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199

Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201

Bildnachweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207

Danksagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209

English Abstract . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211

Index . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213


Einleitung


Einleitung – Laufmaschinen, Sport, Vereine

Am 17. April 1869 trafen sich mehrere Herren in einem Lokal

in Eimsbüttel, damals noch vor den Toren Hamburgs gelegen,

um etwas völlig Neuartiges zu machen. Sie wollten das aus

Frankreich stammende vélocipède in Hamburg, Altona und

Umgebung verbreiten und erhofften, dies mit einem neu zu

gründenden Verein am Besten erreichen könnten. Trotz einer

gewissen Skepsis gegenüber dem neuen Fortbewegungsmittel

fanden sich Mitstreiter und riefen den „Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club“

ins Leben. Der Club mit dem barocken Titel

war zwar nicht der allererste Fahrradverein überhaupt, dazu

später mehr, doch sollte er wie kaum ein anderer die weitere

Entwicklung und Geschichte des Radfahrens und des Radsports

begleiten und mitgestalten. Die Entwicklung des 1881

in „Altonaer Bicycle-Club von 1869/80“ (ABC) umbenannten

Vereins deckt damit bis auf die vorangegangene Zeit der Laufmaschine

fast die komplette Fahrradgeschichte ab. Das vorliegende

Buch erzählt diese Geschichte und will mehr als eine

Vereinschronik sein, denn in der Perspektive eines Vereins

und ihrer Protagonisten entfaltet sich die Sozial- und Kulturgeschichte

und wird besonders greifbar.

Karl Drais und die Laufmaschine

Doch richten wir unseren Blick vorerst kurz ins frühe 19. Jahrhundert

und auf die „Erfindung“ des Fahrrads. Am 12. Juni 1817

unternahm Karl Drais die Jungfernfahrt mit seiner Laufmaschine

von Karlsruhe ins nahe Schwetzingen und zurück. Dies

gilt gemeinhin als die Geburtsstunde des Fahrrads und wurde

anlässlich des 200-jährgen Jubiläums 2017 in verschiedenen

Ausstellungen und Publikationen ausführlich gewürdigt. Drais

ließ seine Laufmaschine patentieren und hoffte auf einen großen

Erfolg. Die Laufmaschine wurde alsbald aber eifrig kopiert

und nachgebaut und in Großstädten wie Wien, Paris und London

in vermögenden Kreisen mit Begeisterung in der Öffentlichkeit

bewegt. 1 Doch fand der „Urknall der Mobilitätsgeschichte“

(Hans-Erhard Lessing) auch in Norddeutschland und

Hamburg ein Echo? Über die Jungfernfahrt von Drais auf „mit

der von ihm erfundenen Fahrmaschine ohne Pferd“ berichtete

die Hamburger Presse, wenn auch mit etlichen Wochen Verspätung.

2 Zwar mussten die Hamburger Leserinnen und Leser

ohne Abbildung auskommen, das Grundprinzip der Laufmaschine

wurde Ihnen aber wie folgt erklärt: „Die Haupt-Idee seiner

Erfindung ist von dem Schlittschuhfahren genommen,

und besteht in dem einfachen Gedanken, einen Sitz auf Rädern

mit den Füßen auf dem Boden fortzustoßen.“ Der Verweis

auf das Balancieren beim Schlittschuhlaufen, das in Hamburg

und Altona vertraut und verbreitet war, ließ die vorgestellte

Maschine etwas weniger fremd erscheinen. Aber nicht nur die

Kunde von den „Draisinen“, wie die Laufmaschinen später

nach ihrem Erfinder hießen, erreichte die Hansestadt, auch

einige Exemplare tauchten hier auf. Allerdings dauerte es ein

wenig und es waren weit weniger Laufmaschinen als in den

großen Residenzstädten mit ihrem Adel – der in Hamburg völlig

fehlte. So finden sich nur wenige zeitgenössische Notizen

vom Laufrad in Hamburg. Im August 1818 konnten aufmerksame

Zeitungsleser Folgendes erfahren: „Die Draisschen Laufmaschinen

sind jetzt von einem hiesigen Künstler, dem Mechanikus

Wollenschläger, der sie anfängt fabrikmäßig zu

Zeichnung mit Karl Drais von Sauerbronn,

der später seinen Adelstitel ablegte,

und der von ihm 1817 erfundenen Laufmaschine.

Vorherige Doppelseite:

Englische Karikatur um 1820 mit „Hobby-Horse-Händlern“, die wie auf

einem Pferdemarkt Laufmaschinen zum Begutachten und zum Verkauf

anbieten.

8


verfertigen, bedeutend verbessert worden.“ 3 Ein „jeder Ungeübte“

könne darauf recht schnell „laufen“, da die Maschinen

„gut ausbalanciert“ und vergleichsweise leicht, dabei doch

stabil seien. Der Hersteller baue auch dreirädrige Laufmaschinen,

bei denen die Balance erst recht kein Problem sei. Über

den „Mechanikus Wollenschläger“ ist ansonsten leider nichts

bekannt. Allzu erfolgreich kann seine Produktion von Laufmaschinen

aber nicht gewesen sein, da fast keine Hinweise auf

ihn in Hamburg und Altona zu dieser Zeit existieren. Was hingegen

in der Presse erschien, war das Angebot einer gebrauchten

Laufmaschine – eine „sehr schöne Draisine, oder

Schnell-Fahr-Maschine“, die „sehr billig zu verkaufen“ sei. 4

Dem vermutlichen Besitzer, Hoffmann aus dem Specksgang,

sagte die Maschine wohl nicht mehr zu, vielleicht war es ihm

auch unangenehm sich damit in der Hamburger Öffentlichkeit

zu bewegen, da hier nur wenige Proto-Radfahrer unterwegs

waren und diese folglich eine Kuriosität darstellten. Mittels

der Presse blieben die Hamburger über neuere Entwicklungen

informiert. So berichtete eine englische Zeitung, in Kopenhagen

seien Laufmaschinen sehr verbreitet, was eine Kopenhagener

Zeitung wiederum verneinte. 5 Im März 1819 war zu lesen,

dass eine englische Zeitung „eine sehr elegante Abbildung einer

verbesserten Draisine“ enthalte und in diesem Zusammenhang

gab die Hamburger Zeitung „Börsen-Halle“ auch einige

englische Begriffe für die Laufmaschine wieder: „the

Pedestrian Carriage“, „Walking-Accelerator“ und „German Horse“.

6 Die Laufmaschine konnte zwar das Gehen beschleunigen,

als Rennmaschine konnte man sie jedoch wahrlich nicht bezeichnen.

Dennoch fand am 20. April 1829 beim Schloss in

Nymphenburg nahe München ein Wettfahren auf Laufmaschinen

über eine Strecke von viereinhalb Kilometern statt. Die

Geschwindigkeit des Siegers wurde mit 8,5 km/h von Wolf

Gronen und Walter Lemke als „sehr beachtlich“ eingestuft. 7

Das menschliche Bedürfnis nach Wettstreit und Unterhaltung

sorgte für diesen ersten Moment des „Radsports“, dem lange

Zeit nichts folgen sollte. Karl Drais, der 1849 seinen Adelstitel

Freiherr von Sauerbronn ablegte und demzufolge mit seinem

bürgerlichen Namen benannt werden sollte, musste miterleben,

wie seine Laufmaschine in Vergessenheit geriet und wie

seine Person und seine Erfindung lächerlich gemacht wurden.

Die Vision mittels Technik verbesserter menschlicher Mobilität

konnte sich vorerst nicht durchsetzen – doch die Idee war in

der Welt und wurde Jahrzehnte später wiederaufgegriffen.

Turnen, Sport, Vereine

Sport ist heute allgegenwärtig und zentraler Bestandteil der

Unterhaltungsindustrie mit ihren gewaltigen finanziellen Umsätzen

wie beispielsweise im Profifußball. Der „Sport“ gelangte

als Begriff und Verhalten von England auf den europäischen

Kontinent und fand im anglophilen Bürgertum Hamburgs und

Altonas viele Anhängerinnen und Anhänger. Die „english

sports“ wie Rudern, Tennis und Fußball trafen in bürgerlichen

Kreisen einen Nerv, weil sie identitätsstiftende Vorstellungen

wie Leistung, Fairness und Männlichkeit transportierten und

untermauerten. 8 So entstand bereits 1836 der Hamburger Ruder-Club,

der sich 100 Jahre später mit dem 1853 gegründeten

Germania-Ruder-Club zusammentat, und damit der älteste

Verein außerhalb Großbritanniens in dieser Disziplin ist. 9 In

Hamburg, die „allerenglischste Stadt des Kontinents“ 10 , beschäftigte

Sport im Laufe des 19. Jahrhunderts insbesondere

den männlichen Teil des Bürgertums und lieferte unendlichen

Diskussionsstoff. „Treffen sich zwei ‚Kollegen‘“, so ein Kollektivportrait

der bürgerlichen Hamburger um die Jahrhundertwende,

„so werden sie mit unfehlbarer Sicherheit sofort ein Gespräch

übers Geschäft oder über Sport beginnen. Und beide

Themata sind dem ‚Jungen Mann‘ unerschöpflich.“ 11 Der Sport

begeisterte um die Jahrhundertwende Massen und der rasante

Radsport lag in der Gunst des Publikums seinerzeit vorn, ehe

ihm der Fußball in den 1920er Jahren den Rang ablief.

Trotz einer unübersehbaren Vorliebe in Hamburg für

englische Manieren und Moden existierte mit dem Turnen

noch eine andere, weit ältere Sporttradition. Seit dem frühen

19. Jahrhundert verschmolzen im Turnen individuelle „Leibesertüchtigung“

und Dienst am Vaterland, das seinerzeit noch

in viele Staaten aufgeteilt war. Friedrich Ludwig Jahn (1778-

1852), zum „Turnvater Jahn“ stilisiert, propagierte das Turnen

im Sinne der Nation und fand viele Nachahmer – auch in

Hamburg. 12 Hier gründete sich bereits 1816 die Hamburger Turnerschaft

(HT16), der erste deutsche Turnverein überhaupt

und der älteste bis heute bestehende Sportverein. 13 Turner

schlossen sich auch in Hamburgs Schwesterstadt zusammen

und gründeten den Altonaer Turnverein von 1845. 14 Die Turnvereine

versammelten Gleichgesinnte und bildeten eine feste

Gemeinschaft, die im Alltag durch gemeinsames Training und

mittels Uniformierung weiter gefestigt wurde. Das Vereinswesen

war in den deutschen Landen und auch in Hamburg weit

verbreitet und akzeptiert und bot auch den Anhängern verschiedener

Sportarten seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine erprobte

Form der Vergesellschaftung. 15 9


Aufbau und Quellen dieses Buches

Das vorliegende Buch erzählt die Geschichte des Altonaer Bicycle-Clubs

von 1869/80 (ABC) und wird anhand dieses Beispiels

aufzeigen, was einen Verein zusammenschweißte, aber

auch auseinanderdriften ließ. 16 Der Aufbau gliedert sich nach

den jeweiligen Perioden der Clubgeschichte, die in den ersten

Jahrzehnten nahezu deckungsgleich mit den technischen

Neuerungen des Fahrrads verliefen. Das erste Kapitel beleuchtet

die Gründungsphase des Eimsbütteler Velocipeden-

Reit-Clubs und die Pioniere auf ihren „Knochenschüttlern“.

Dass nicht nur die hehre Idee der individuellen Mobilität, sondern

auch kommerzielle Motive die Gründungsmitglieder antrieb,

wird dabei deutlich werden. Aufgrund des neuen

Schwungs durch das Hochrad orientierte sich der Club neu

und benannte sich schließlich in „Altonaer Bicycle-Club von

1869/80“ um. Die „Bicycles“, wie die Hochräder auch genannt

wurden, erzeugten eine echte Aufbruchstimmung und beflügelten

den ABC zu vielfältigen Aktivitäten, u. a. der Eröffnung

der Grindelbergbahn 1885. Das folgende Kapitel untersucht

die Blütezeit der 1890er Jahre, als der Club sich in seiner Pionierrolle

sonnte und gut gefiel, bevor der Fahrradboom der

Jahrhundertwende das Prestige des Fahrrads minderte. Das

Kapitel darauf zeichnet nach, wie der Club nach 1900 in ruhigerem

Fahrwasser navigierte bis der Erste Weltkrieg das Vereinsleben

zum Erliegen brachte. Im nächsten Kapitel wird dargelegt,

wie sich der ABC nach 1918 neu aufstellte, verjüngte

und im Radsport mit Radball und Radrennen neue Akzente

setzten konnte. Im Teil über die Zeit des „Dritten Reiches“

stellt sich die Frage, wie sich der ABC und seine Mitglieder

während der Diktatur verhielten. Anschließend beschreibt das

folgende Kapitel den Wiederaufbau des Vereins bis zum Höhepunkt

der 100-Jahr-Feier 1969. Die knappen anschließenden

Kapitel zeichnen nach, wie der ABC als Radballverein zunehmend

mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hatte bis 1996

schließlich die offizielle Tilgung aus dem Vereinsregister erfolgte.

Die Neugründung 2013 und die jüngsten Jahre bilden

den wieder etwas positiver klingenden Schlussakkord des

Buches.

Als Quellen für die vorliegende historische Studie dienen unveröffentlichte

Dokumente aus staatlichen Archiven wie dem

Staatsarchiv Hamburg, Museen wie dem Altonaer Museum

(Stiftung Historische Museen Hamburg) und insbesondere der

Sammlung des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80 mit einigen

wichtigen Unterlagen des Vereins aus dem 20. Jahrhundert.

Digitalisierte Zeitungsartikel erleichterten die Recherche

erheblich und ermöglichten den Zugang zu manchem, bisher

kaum bekannten Dokument. Von verschiedenen Stellen konnten

Abbildungen aus der Vereinsgeschichte erschlossen werden,

die sie nicht nur bebildern, sondern die als eigenständige

Quellen für dieses Buch besonders wertvoll sind. Einige

Interviewpartner, darunter auch frühere ABC-Mitglieder, teilten

ihre Erinnerungen mit und ergänzten auf diese Weise die

schriftliche Überlieferung.

10


11


Neuland


Neuland – Der Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club

(1869-1879)

Das 19. Jahrhundert brachte grundlegende Veränderungen wie

die Industrialisierung, die mit der Erfindung von Dampfmaschinen

die menschliche Mobilität seit der Mitte des Jahrhunderts

mittels Eisenbahnen und Schiffen immens beschleunigte.

1884 wurde beispielsweise die Eisenbahnstrecke zwischen

Altona und Kiel eröffnet und intensivierte anschließend den

Austausch zwischen beiden Städten. Die Vision der individuellen

Mobilität, abseits von Pferden und Kutschen, verfolgten

einige Pioniere weiter. Zu Beginn der 1860er Jahre tüftelten

technisch Versierte am Veloziped und erfanden die Tretkurbeln

am Vorderrad. Die Franzosen Ernest und Pierre Michaux

und der zeitweise bei Ihnen angestellte Arbeiter Pierre Lallement

entwickelten separat voneinander solche Frontkurbel-

Velozipede, die auf der Pariser Weltausstellung 1867 einer

breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden. In Frankreich

gründeten sich bereits 1868 einige Radvereine (véloce clubs);

der allererste war der in Valence an der Rhone. 1 Im selben

Jahr erzeugte das Veloziped in Paris eine regelrechte Modewelle,

die durch erste Bahnrennen wie im Pariser Parc de Bologne

befeuert wurde. Das Veloziped war jetzt la dernier crie,

der letzte Schrei, und breitete sich anschließend in Frankreich

und den europäischen Nachbarländern aus. 2 Auch in Großstädten

wie Wien 3 , München, Mannheim 4 und Hamburg ließen

sich ab 1868 die ersten Velozipede auf den Straßen blicken

und sorgten für großes Aufsehen.

„Die Velocipeden, welche sich bereits ziemlich häufig auf den

Promenaden Hamburgs zeigen, lassen sich jetzt auch vereinzelt

hier blicken“, notierten die Altonaer Nachrichten am

14. Februar 1869. 5 Besagter Zeitungsartikel dokumentiert bereits

einen gewissen Sportsgeist der Velozipedisten wie eines

„Fabricant[en] Scharnweber“, denn dieser hielt „mit solchem

Gefährt einen Wettlauf mit einem Einspänner auf der Chaussee

nach Blankenese ab, woraus er als Sieger hervorging“.

Französische Velozipede aus dem Hause Michaux gelangten

in den Norden Deutschlands, schnell begannen auch einheimische

Maschinenbauer damit, das Veloziped zu studieren

und zu kopieren. 6 Darunter befand sich auch die Eisengießerei

von Wilhelm Schlüter in Pinneberg, die 1862 gegründet worden

war und mit Unterstützung der beiden Brüder August und

Ernst betrieben wurde. 7 Wie die Schlüter-Brüder auf das Veloziped

aufmerksam wurden und wie sie auf die Idee kamen,

selber welche zu bauen, ist nicht bekannt. Jedenfalls glaubten

sie an einen ökonomischen Erfolg ihrer Gefährte, die sie seit

1868 bauten und die zur Jahreswende 1869 praxistauglich waren.

Um die Velozipede aus ihrer Produktion öffentlich bekannt zu

machen, orientieren sich die Schlüter-Brüder nach Hamburg

mit seiner damals 225.000 Menschen umfassenden Bevölkerung.

Im Januar 1869 fuhren die Schlüters von ihrer Heimatstadt

in die rund 25 Kilometer entfernte Hansestadt, was ein

gehöriges Echo in der Presse fand. „Die erste größere Tour mit

Velocipeden ward von den Herren Gebrüdern Schlüter in

Pinneberg, den Besitzern der Eisengießerei und Maschinenbauerei

daselbst, ausgeführt. Die Tour von Pinneberg bis zum

Gänsemarkt hatten sie in 1 1/4 Stunde zurückgelegt.“ 8 Die angegebene

Geschwindigkeit wäre selbst mit modernen Fahr -

rädern ganz ordentlich, mit den schwerfälligen Velozipeden

im Winter konnte sie aber sicher nicht erreicht werden. Die

Schlüters dürften in dieser Frage ein wenig geflunkert haben,

damit ihre Maschinen in einem noch besseren Licht erschienen.

In Hamburg sorgten die Schlüter-Brüder mit den der Allgemeinheit

noch völlig unbekannten Fortbewegungsmitteln

für größte Aufmerksamkeit bei ihrer Tour über den Gänsemarkt,

nach Uhlenhorst, über St. Pauli und Altona zurück nach

Pinneberg. „Ueberall versammelten diese hier noch neuen

Beförderungsmittel Zuschauer in großen Massen um sich. Die

Velocipeden sind sehr leicht und doch dauerhaft gebaut, und

haben zwei hintereinander stehende Räder, zwischen denen

man wie in einem Sattel sitzt.“ Sehr leicht gebaut mag im damaligen

Vergleich mit Pferden zwar stimmen, gegenüber heu-

Vorherige und nächste Doppelseite: Ein Schlüter-Veloziped, vermutlich aus dem Jahr 1869 (Fotograf: Gunther Steil).

Das rund 25 Kilogramm schwere Gefährt ist recht klein, das Vorderrad hat einen Durchmesser von 72 und das Hinterrad von 62 cm.

Ursprünglich war es mit einem Ledersattel ausgestattet. 1934 schenkte es Frau Keller aus Elmshorn der dortigen Museumssammlung.

Heute ist das Veloziped in der Dauerausstellung des Industriemuseums Elmshorn zu sehen.

14


Wilhelm, August und Ernst Schlüter

Wilhelm Schlüter gründete 1860 seine „Eisen- und Metallgießerei, Maschinenbau und Kesselschmiede“

in Pinneberg in der Schauenburgerstraße 12. Unter dem Namen „W. Schlüter und Co.“ schmiedete die

Firma Kessel, Zahnräder und Nähmaschinen. 1868 entwickelten die Schlüters – August war ebenfalls

Eisengießer und arbeitete eine Zeit lang in England – ein Veloziped, das Anfang 1869 praxistauglich

war und im Geschäft von Harro Feddersen in Altona verkauft wurde. Zusammen mit ihrem Bruder

Ernst, einem in Altona tätigen Kaufmann (Betten-Holm) gründeten die Schlüters mit Feddersen und

einigen Altonaer und Hamburger Herren im April 1869 den Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club, um

ihr Produkt zu bewerben und bekannt zu machen. Die „Pinneberg-Connection“, Feddersen stammte

ebenfalls aus der Nähe der 15 Kilometer nordwestlich von Hamburg gelegenen Kleinstadt, hoffte auf

einen kommerziellen Erfolg, der jedoch ausblieb. August Schlüter gewann das Veloziped-Rennen in

Schleswig im Juni 1869 und konnte so Werbung für die Pinneberger Fabrik betreiben..

Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 stellte die Fabrik aufgrund von Arbeitskräftemangel

vorübergehend ihre Produktion ein. Wilhelm Schlüter ging später nach Berlin und arbeitete

bei der Firma Schwarzkopf. Ein weiterer Bruder, Theodor, arbeitete als Fotograf und fertigte wiederholt

Bilder für ABC-Mitglieder wie Harro Feddersen an.

Die zehn Kinder von August Marcus Dietrich Schlüter um 1880, darunter

die Mitbegründer des Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Clubs: Wilhelm

Schlüter (obere Reihe links), Ernst (ober Reihe, zweiter von rechts) und

August (untere Reihe ganz links). Die drei Schlüters wollten mithilfe

des Clubs den Absatz ihrer Velozipeden steigern.

15


Arbeiter vor der Maschinenfabrik von Schlüter in Pinneberg 1872.

Die Produktion von Velozipeden war zu diesem Zeitpunkt

bereits wieder eingestellt worden.

tigen Fahrrädern waren die Velozipede mit rund 30 Kilogramm

jedoch wahre Schwergewichte. Die Schlüter-Brüder hatten mit

ihrer Werbefahrt großen Erfolg und mussten sich angesichts

der großen Neugierde bestärkt fühlen, das Veloziped und

nicht zuletzt ihre eigene Firma auch zukünftig der Öffentlichkeit

bekannt zu machen. Ende März fuhren die Schlüters von

Pinneberg nach Altona in die Palmaille, wo das Generalkommando

der Armee residierte, was zum Anlass „militärischer

Evolutionen“ genommen wurde. 9 „Es wurde in Sectionsfront

aufmarschiert und dann ein Laufschritt angetreten, der allerdings

bei mehreren in der Palmaille sich Ergehenden eine gewisse

Aengstlichkeit erregte.“ Ein „Laufbursche“ ließ vor lauter

18


Schreck mehrere Glasflaschen fallen und brachte sich mit einem

„kräftigen Seitensprung“ vor der unbekannten Gefahr in

Sicherheit. In der Palmaille, der damaligen Haupteinkaufsstraße

Altonas, befand sich wohl nicht ganz zufällig auch das

Eisenwarengeschäft von Harro Feddersen, der zu diesem Zeitpunkt

dort bereits die Schlüter-Velozipeden verkaufte.

Feddersen versuchte ebenfalls von der Werbefahrt der Schlüters

in die Palmaille zu profitieren und schaltete nur einen Tag

danach eine Werbeanzeige für die Velozipeden. 10 Um einen

zusätzlichen Anreiz zu schaffen, bot er „Unterricht für Käufer

gratis“ an und wollte damit potentiellen Novizen die Angst vor

dem Velozipeden-Reiten nehmen.

Wilhelm, August und Ernst Schlüter konnten mit der Öffentlichkeitswirkung

ihrer Auftritte in Hamburg und Altona mehr

als zufrieden sein, sie suchten aber nach weiteren Möglichkeiten,

um für ihre Produkte zu werben. Wieso nicht einen Verein

gründen, wie es in Frankreich bereits im Vorjahr einige Velozipeden-Reiter

vorgemacht und wovon die vereinzelten

Fahrradpioniere in und um Hamburg vielleicht Kenntnis erhalten

hatten? Die Institution des Vereins war ihnen zumindest

mehr als vertraut, schlossen sich in Deutschland doch

besonders gerne und oft Gleichgesinnte mit einem gemeinsamen

Anliegen zusammen, wie Turner, Sänger und andere.

Die Idee eines Velozipeden-Clubs hatten vor den Schlüter-

Brüdern bereits drei Herren aus Altona und Hamburg ersonnen:

Harro Feddersen, der als Kaufmann und angehender

Fahrradhändler ebenfalls ein handfestes kommerzielles Interesse

an einem größtmöglichen Erfolg des Velozipeds hatte;

der Rechtsanwalt Wilhelm Gelübcke, der über gute Kontakte

zur lokalen Presse verfügte, und W. O. A. Gülich. Die drei Schlüter-Brüder

stießen wie eine kleine Schar weiterer Velozipedisten

zu den drei Genannten und liebäugelten mit der Vorstellung

eines eigenen Clubs.

Am 17. April 1869 versammelten sich die Genannten mit zusammen

rund 20 Personen in Eimsbüttel, um den Verein offiziell

zu gründen, worüber auch die Presse berichtete: „In

Eimsbüttel ist ein sogen. Velocipeden-Club gegründet, welcher

im Local des Hrn. Sottorf daselbst seine Zusammenkünfte,

Uebungen und, wo die Nothwendigkeit vorliegt, seine Berathungen

über Neuerungen bei Velocipeden halten wird.“ 11

Der genaue Name des Vereins lautete „Eimsbütteler Velocipèden-Reit-Club“,

schließlich existierte das Wort „Fahrrad“

noch längst nicht und Velozipede wurden wie Pferde „geritten“.

Doch wieso verortete sich der Club in Eimsbüttel, einer

damals unbedeutenden Landgemeinde vor den Toren Hamburgs?

12 „Da nun Altonaer und Hamburger Herren anwesend

waren“, verrät dazu die offizielle Vereinsgeschichte von 1894,

„so war die standesamtliche Einregistrierung (zwar gab es damals

noch kein Standesamt) des Kindes eine schwierige Frage.“

13 Angesichts der Rivalität zwischen Altona und Hamburg

einigten sich beide Fraktionen im Club schließlich als Kom-

19


Postkarte um 1900 mit dem Gebäude des früheren „Eimsbütteler Vereins-Locals“.

1869 betrieb Claus Sottorf das Lokal auf Höhe der heutigen Fruchtallee 76.

Der Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club gründete sich dort und nutzte es anschließend als Clublokal.

promiss auf die „neutrale Zone“ Eimsbüttel, wo auch das Clublokal

lag, was vermutlich der Anlass dafür war.

Die Ausarbeitung der Statuten dauerte zwei Wochen und wurde,

von lebendigen Diskussionen begleitet, von Wilhelm Gelübcke

übernommen. 14 Der Paragraph 2 erläuterte die Ziele

des Vereins: „Der Zweck des Clubs ist: Erlangung einer möglichst

grossen Fertigkeit im Velocipèden-Reiten, daher gemeinsame

Uebungen, gegenseitige Unterweisung, sowie für

Anfänger Unterweisung durch einen angestellten Velocipèden-Rittmeister,

gemeinsame Uebungs- und Lusttouren,

Bekämpfung der Vorurteile gegen Velocipèden, daher Begünstigung

der am besten konstruierten Sorten, möglichste Aufdeckung

und Abstellung der bei den verschiedenen gangbaren

Sorten sich vorfindenden Mängel und Annahme aller

Verbesserungen“. Dass es die rund 20 Mitglieder überaus ernst

meinten, beweist der erwähnte „Velocipèden-Rittmeister“, der

die Ungeübten in die Kunst des Velozipeden-Reitens einführen

sollte und allgemein auf die Sicherheit zu achten hatte.

Die Satzung unterschied zwischen aktiven und „sozialen“ Mitgliedern,

welche heute als passive bezeichnet werden. Dass

Hersteller und Verkäufer maßgeblich an der Satzung mitwirkten,

wird in Paragraph 14 deutlich, der von den aktiven Mitgliedern

erwartete, innerhalb von acht Wochen nach Vereinseintritt

ein eigenes Veloziped zu kaufen.

Zusammen mit der Satzung erließ der Club ein „Reitreglement“,

das genaue Vorschriften enthielt. Danach durften die

„Reiter“ auf keinen Fall Unbeteiligte belästigen: „In der Nähe

von Leuten darf daher nur langsam geritten werden, namentlich

in der Nähe älterer Leute, Frauenzimmer und Kinder, und

ist denselben stets so weit wie möglich auszuweichen.“

Titelblatt der gedruckten Satzung des Eimsbütteler Velocipeden-

Reit-Club aus dem Jahr 1869. Der französische Accent grave

in „Velocipède“ verschwand im Sprachgebrauch recht bald.

20


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Harro Feddersen

Harro Feddersen wurde 1835 in Etz bei

Pinneberg geboren und arbeitete

als Schafhirte. 1852 zog er für

eine kaufmännische Lehre

nach Altona und eröffnete

1862 sein eigenes Eisenwarengeschäft

in der

Palmaille. Seit März

1869 verkaufte er die

Velozipede der Gebrüder

Schlüter, mit

denen er zusammen

1869 den „Eimsbütteler

Velocipeden-Reit-

Club“ gründete. Feddersen

war die zentrale

Figur bei der Wiederbelebung

des Clubs 1880 und

sorgte in den 1880er Jahren

maßgeblich für den Aufschwung

des ABC. Harro Feddersen

unterstützte 1882 die Gründung des

„Deutschen und deutsch-österreichischen Velocipedisten-Bundes“

und übernahm die Leitung

des „Gau Holstein“, der lediglich aus dem ABC bestand.

Ebenfalls 1882 ernannte ihn der britische

Bicycle Touring Club zum „Konsul“, zum Repräsentanten

und Ansprechpartner für Hamburg-Altona.

Dem ABC blieb Feddersen eng verbunden und erhielt

1894 im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums

die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

In seinem Geschäft in der Palmaille

verkaufte er Fahrräder deutscher

und englischer Hersteller und

ließ von der Quadrant Cycle

Company um 1890 ein Modell

namens „The Harro“

herstellen. Bis ins hohe

Alter führte er sein Geschäft

und publizierte

regelmäßig zu verschiedenen

Themen

in der Presse.

Harro Feddersen

starb am 15. Dezember

1917 in Altona. Der

ABC ehrte ihn und sein

Wirken ab 1925 mit dem

„Harro Feddersen-Erinnerungs-Rennen“.

Harro Feddersen um 1885. Annoncen aus den

Altonaer Nachrichten vom 9.6., 28.3. und 4.7.1869

(von oben).

22


Die Palmaille in Altona um 1900. Harro Feddersen betrieb in der Hausnummer 20 sein Eisenwarengeschäft

und verkaufte dort ab März 1869 Velozipeden des Herstellers Wilhelm Schlüter aus Pinneberg.

Die Eimsbütteler Velozipedisten sollten nicht nur äußerste

Rücksicht auf Menschen, sondern auch auf Pferde nehmen,

da diese auf die unbekannten und beweglichen Velozipeden

seinerzeit häufig ängstlich reagierten. Der Velozipeden-Reiter

solle deshalb laut Reitreglement wie folgt vorgehen: „Er muss

dieselben daher schon aus möglichster Entfernung beobachten,

ob dieselben zum Scheuwerden geneigt sind oder nicht.

Er muss, sobald er Pferde, in deren Nähe er kommen wird, bemerkt,

sofort langsam reiten; sieht er nun, dass ein Pferd die

Ohren spitzt und unruhig wird, muss er so rasch wie möglich

halten und absteigen, jedoch so, das er jedes Geräusch und

jede heftige Bewegung, namentlich ein Umfallen des Velocipède

vermeidet.“ Die in Auszügen vorgestellte Satzung und

das Reitreglement wirken aus heutiger Sicht unterhaltsam;

bereits ein Vierteljahrhundert nach ihrer Niederschrift erschienen

die „humoristische[n] Vorschriften“ als wären sie in

einer fernen Zeit formuliert worden. 15 Aus den Regelungen

sprach aber eine unbedingte Rücksichtnahme, um den neuen

Sport in der öffentlichen Meinung nicht in Misskredit zu bringen.

Die Eimsbütteler waren mit ihrer Vereinsgründung in Hamburg

und Umgebung keineswegs allein. Wohl noch vor dem Eimsbütteler

Velocipeden-Reit-Club gründete sich im Frühjahr

1869 der Verein „Quickrun“ in Hamburg. Die Altonaer Nachrichten

schrieben am 21. April 1869, dass der Club „vor kurzer

Zeit in’s Leben“ gerufen worden sei. 16 Ansonsten ist kaum etwas

über diesen frühen Verein bekannt, bis auf die Tatsache,

dass die Mitglieder der Namensgebung nach zu urteilen der

erhöhten Geschwindigkeit der Velozipede huldigten und aus

dem anglophilen Bürgertum der Hansestadt stammten. Zwischen

Quickrun und den Eimsbüttelern existierten freundschaftliche

Bande, wie „die erste gemeinschaftliche Morgenlusttour

nach Blankenese“ Anfang Juni 1869 dokumentiert, bei

der die Hamburger am Dammtorbahnhof starteten und die

Eimsbütteler Mitglieder am Holstentor (am heutigen Holstenglacis)

trafen, um dann zusammen weiter über Altona die Elbe

stromabwärts entlang zu „reiten“. 17 Harro Feddersen schaltete

sogleich eine Werbeanzeige für die in seinem Geschäft erhältlichen

Schlüter-Velozipeden, die sich auf dieser Tour „als besonders

vorzüglich bewährt“ hätten, „da sämmtliche Herren,

23


Programm des Veloziped-„Wettreitens“ am 10. September 1869 in Altona

im Rahmen der schleswig-holsteinischen Industrie- und Landesausstellung.

Der Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club veranstaltete zusammen

mit dem St. Georger Velocipeden-Club das neuartige Rennen,

das eine große Zuschauermenge anzog.

24


die am letzten Sonntag pr [per] Velocipede den Süllberg besuchten“

das Ziel „ohne Anstrengungen erreichten“. 18 Aber eine

Tour von mehreren Velozipeden-Reitern war nicht jedermanns

Geschmack und so sandte ein Leser der Altonaer

Nachrichten einen Leserbrief an die Redaktion mit folgender

Beschwerde: „Das Befahren des Fußweges an der Elbchaussee

von Velocipeden durch eine größere Anzahl junger Cavaliere

erregte gestern Abend unter den Fußgängern viel Schrecken

und Unwillen.“ 19

Trotz solcher Unmutsbekundungen hatten die Velozipedisten

Morgenluft gewittert und strebten nach mehr und nach Höherem.

So schön „Lusttouren“ entlang der Elbe auch waren,

die Eimsbütteler verfolgten durchaus schon in jenen Tagen

sportliche Ambitionen. In Paris waren bereits am 31. Mai 1869

im Parc de Saint-Cloud nahe Paris zwei Veloziped-Rennen

ausgetragen worden, wobei Letzteres der Engländer James

Moore (1849-1935) auf einem Michaux-Veloziped gewann. 20 Am

7. November 1869 folgte sogar, was im Sommer jenes Jahres

freilich noch niemand ahnen konnte, das erste Straßenradrennen

überhaupt von Paris nach Rouen mit einer beacht -

lichen Länge von 123 Kilometern, welches ebenfalls James

Moore in 10 Stunden und 45 Minuten für sich entscheiden

konnte. Die frühen Veloziped-Rennen in Frankreich demonstrierten

eindrucksvoll die Praxistauglichkeit der Gefährte und

erinnerten an Pferderennen, die auch in Deutschland in bürgerlichen

Kreisen populär waren. Über die Presse waren die

Hamburger über die Ereignisse in der Welt und auch bezüglich

der vélocipèdie gut informiert. Im März 1869 berichteten die

Hamburger Nachrichten beispielsweise über ein Velozipeden-

Rennen in Liverpool, das über eine Streckenlänge von nicht

ganz 13 Kilometern reichte. 21

Die Mitglieder des Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Clubs werden

die Nachrichten über die Veloziped-Rennen aufmerksam

registriert haben und fühlten sich davon inspiriert, ein solches

ebenfalls in eigener Regie durchzuführen. So lud der Club zu

Pfingsten 1869, am 16. oder 17. Mai, zu einem „Wettfahren im

Pinneberger Gehölz“, das „eine gewaltige Menschenmenge“

ins beschauliche Städtchen lockte. 18 Velozipeden-Reiter

machten sich von Altona auf den Weg dorthin, allerdings existierten

nur zwölf Velozipede, weshalb sechs angehende Radsportler

mit der Eisenbahn nach Pinneberg reisen mussten.

Doch von einem Rennen konnte vor Ort nicht wirklich gesprochen

werden und das „erwartungsvolle Publikum wurde bitter

enttäuscht“, wie einige Protagonisten sich später erinnerten.

„Zwar rasten die einzelnen Reiter in den Fusswegen wie besessen

umher, gefährdeten das Leben von Gross und Klein,

nicht minder ihr eigenes, doch von einem wirklichen Rennen

keine Spur.“ 22 Dieser erste Testdurchlauf eines Rennens war

grandios gescheitert, doch bald sollten sich weitere Möglichkeiten

ergeben.

Am 15. Juni fand in Hannover ein Veloziped-Rennen statt. 23 Ob

auch Mitglieder aus Eimsbüttel darunter waren, ist unklar. Ende

Juni richtete Schleswig ein Turnfest aus, das bisher in der

Fahrradgeschichte gänzlich unberücksichtigt blieb, obwohl

dort eines der frühesten Veloziped-Rennen in deutschen Landen

ausgetragen wurde. Das Organisations-„Comité“ des Festes

beschloss Ende April, „ein Wettfahren für Velocipeden zu

veranstalten und dem Sieger einen Preis auszusetzen“. 24 Wie

die Veranstalter auf die ungewöhnliche Idee kamen, wird in

der Pressenotiz leider nicht erwähnt, es darf aber vermutet

werden, dass der Eimsbütteler Club und die Schlüter-Brüder

daran nicht unbeteiligt waren. Mit frischem Elan wollten sie

nicht nur in Altona und Hamburg für ihre Velozipeden und

den neuen Sport werben, sondern auch im nördlichen Schleswig-Holstein.

Jedenfalls ging mit August Schlüter ein Mitglied

des Clubs an den Start des Rennens, das am 28. Juni 1869 auf

dem „Exercierplatze“ von Schleswig ausgetragen wurde. „Er

legte die Bahnstrecke von 1/8 Meile [941,56 Meter] in weniger

als 4 Minuten zurück, die anderen Velocipeden-Reiter um ca.

120 Fuß schlagend“, wie die Hamburger Nachrichten berichteten.

25 Die Geschwindigkeit des Siegers aus Eimsbüttel war

mit 14,4 km/h aus heutiger Sicht eher beschaulich, für damalige

Verhältnisse, im Vergleich zu Fußgängern, aber recht flott.

Die Schleswiger Nachrichten erwähnten das Rennen ebenfalls

kurz und lobten den Sieger August Schlüter, „welcher sich besonders

auch durch elegantes Fahren auszeichnete“. 26 Das

„Velocipeden-Wettfahren“ erregte in Schleswig große Aufmerksamkeit

und wurde von den „zahlreich anwesenden Zuschauern“

interessiert verfolgt, bot es ihnen doch die Möglichkeit,

„sich mit diesem neuesten Beförderungsmittel näher

bekannt zu machen“. 27 Beim Schleswiger Rennen handelte es

sich wohl um den ersten Sieg des jungen Clubs aus Eimsbüttel,

der die sportlichen Ambitionen, aber auch die kommerziellen

Interessen einiger Mitglieder, namentlich der Brüder

Schlüter, eindrucksvoll unterstrich. August Schlüter und die

anderen Teilnehmer am Schleswiger Rennen übertrugen den

Sportsgeist auf das Veloziped und imitierten Pferderennen,

mit dem feinen Unterschied, dass die Fahrer sich mittels von

Menschen erdachter und erbauter Technik fortbewegten. Der

Erfolg in Schleswig fand in Altona schnell ein Echo von einem

25


anderen Mitglied des Clubs: Harro Feddersen. Nur wenige Tage

nach dem Rennen platzierte Feddersen eine Annonce in den

Altonaer Nachrichten, in der er „Preisgekrönte Velocipeden“

aus der Fabrik von Wilhelm Schlüter bewarb und auf den Vertrieb

ebendieser in seinem Geschäft in der Palmaille 20 hinwies.

28 Dort seien sie zu „Originalpreisen“ erhältlich, was wohl

bedeutete, dass sie zu Fabrikpreisen verkauft wurden. Im Club

versammelten sich damit Hersteller, Weiterverkäufer und

nicht zuletzt Sportler, die in einem symbiotischen Verhältnis

standen und die alle der Wunsch einte, Velozipeden allgemein

bekannter zu machen.

Zu einem wichtigen Forum für die Verbreitung von Velozipeden

entwickelten sich Ausstellungen. Im 19. Jahrhundert und

der rasanten Industrialisierung stellten die Weltausstellungen

eine Art Leistungsschau der Hersteller dar und waren nicht

frei von nationaler Motivation. Auf der Weltausstellung 1867

in Paris waren auch Velozipede zu bestaunen, wovon deutsche

Besucher und Zeitungen berichteten. 29 Auch auf Ausstellungen

in Altona konnten Velozipeden im Jahr 1869 gesehen

werden. „Ende des Sommers“ fand hier eine Blumen- und Maschinenausstellung

statt, auf der „einige Velocipeden“ vertreten

und zu begutachten waren. 30 Weitere Angaben über die

Velozipeden-Aussteller liegen nicht vor, aber vermutlich waren

die Schlüters und Harro Feddersen daran beteiligt.

Der Eimsbütteler Club hatte in Pinneberg Schiffbruch erlitten,

als man versuchte, ein eigenes „Wettreiten“ zu veranstalten.

Die Idee und die Versuchung eines Veloziped-Rennens lag jedoch

im Frühjahr und Sommer 1869 geradezu in der Luft. Im

Juli des Jahres wandten sich die Veranstalter der großen preußischen

Industrie- und Landwirtschaftsausstellung im folgenden

Herbst in Altona an den Vorstand des Vereins. In der

Club-Versammlung am 30. Juli 1869 wurde das Schreiben der

„schleswig-holsteinischen Landes-Industrie-Ausstellung“ verlesen,

die zu einem „in Aussicht genommenen Velocipedenrennen

animiert“. 31 „Nach eingehender Discussion wurde beschlossen,

daß der Club bedingungsweise an diesem Rennen

sich betheiligen werde.“ Der Club wagte es damit abermals,

ein Wettfahren als Veranstalter auszurichten und wollte mit

einer möglichst großen Zahl an Mitgliedern an den Start gehen.

Die Velozipedisten sahen sich im Übrigen in illustrer Gesellschaft,

denn um die Schau „recht interessant zu machen

und einen zahlreichen Besuch zu gewinnen, wurde ein Pferde-,

Elephanten- und zuletzt ein Velocipeden-Rennen veranstaltet“.

32 Die Frage ist durchaus berechtigt, was mehr Aufsehen

erregte: das Elefanten- oder das Veloziped-Rennen.

Vermutlich war es Letzteres, denn ein solches hatten Altona

und Hamburg noch nicht gesehen.

Die norddeutschen und Hamburger Velozipeden-Produzenten

sahen jedenfalls die Ausstellung und das Rennen als willkommene

Gelegenheit, um ihre neuartigen Gefährte zu präsentieren.

33 „Die Velocipeden“, notierten die Altonaer Nachrichten,

„diese Nebenbuhler des Rosses, welche in großer Anzahl in

der Ausstellung erschienen, sind auch von französischen

Fabrikanten geliefert, ob besser als die deutschen, möge dahingestellt

bleiben.“ 34 Verschiedene Hamburger und norddeutsche

Velozipeden-Hersteller stellten ihre Produkte auf

der Altonaer Ausstellung vor. C. E. Samuelson aus Hamburg

war mit seiner „Vélocipède eigenen Systems“ vertreten; Tewes

& Co. („Kaufleute und Fabrikanten aus Hamburg“) stellten ein

„dreiräderigeres Vélocipède“ aus, das „in ein zweiräderigeres

zu verwandeln“ sei, zudem ein „Eis-Vélocipède und andere“.

Das Eis-Veloziped verfügte über eiserne Zacken an den Reifen,

um auf vereistem Untergrund sicheren Halt zu garantieren

und sollte das Velozipeden-Reiten im nahenden Winter ermöglichen.

Harro Feddersen war ebenfalls mit Velozipeden

vertreten, sicherlich aus der Produktion von Schlüter. H. C.

Hempel, Schmiedemeister aus Altona bewarb sein „vierrädereriges

Vélocipède für 3 Personen“, über das leider keine näheren

Informationen vorliegen. Schließlich hatte sich auch

Heinrich Büssing, „Vélocipèdenfabrikant“ aus Braunschweig,

mit zwei- und dreirädrigen Velozipeden nach Altona begeben.

35 Die Velozipeden-Hersteller sahen die Altonaer Ausstellung

als willkommene Gelegenheit, um für ihre Fahrzeuge zu

werben und direkt vor Ort ein großstädtisches Publikum zu

erreichen. Die gegenseitige Konkurrenz belebte zudem den

zarten Velozipeden-Boom und führte zu technischen Verbesserungen

innerhalb recht kurzer Zeit.

Das Rennen während der Ausstellung sollte „die praktische

Verwendbarkeit“ der Velozipede in der Öffentlichkeit demonstrieren

und war damit ganz im Sinne der Hersteller. 36 Die beiden

Veranstalter des Rennens, der Eimsbütteler und der St.

Georger Velocipeden-Club, verfolgten das gleiche Ziel, zusätzlich

zum erhofften Renommee für die beiden Hamburger Pioniervereine.

Die Veranstalter bewarben im Vorfeld auch außerhalb

Hamburgs das Rennen, „zu dem die Velocipedisten

der verschiedenen Städte Deutschlands Einladungen erhalten

haben“. Das hohe Prestige, der neuartige Charakter und nicht

zuletzt die ausgelobten Geldpreise lockten schließlich Teilnehmer

aus nah und fern, mit Meldungen aus Hamburg und

Altona, Harburg, Lüneburg, Hadersleben, Berlin, Dresden,

26


Stuttgart, und sogar Paris. Aus der

fernen französischen Hauptstadt

fand sich Joseph Brun ein,

über den nur bekannt ist,

dass er auf einem Michaux-Veloziped

startete.

Aus Berlin kam der

Künstler Carl Begas

nach Altona, um hier an

den Start zu gehen – ihn

hatte das Velozipeden-

Fieber offensichtlich

ebenfalls ergriffen. 37 Damit

stand ein illustres Starterfeld

bereit und ermöglichte ein fast

schon „internationales“ Radrennen,

das sowohl für die Veranstalter als

auch die Kontrahenten absolutes Neuland

darstellte.

Am 10. September 1869 ab 15 Uhr war

es dann endlich so weit und die mit

Spannung erwarteten Rennen begannen.

Drei Rennen waren angesetzt:

1000, 750 und zuletzt

1500 Meter. Da jeweils zwei

„Abtheilungen“ nacheinander

ins Rennen geschickt

wurden, folgten

drei „Entscheidungsrennen“

zwischen den Erstplatzierten

der drei Einzelrennen.

Das hatte den

erwünschten Effekt, das

Rennen noch attraktiver zu

gestalten und in die Länge zu

ziehen. Das anwesende Publikum

kam auf seine Kosten und beteiligte

sich auf seine Art an dem bislang unbekannten

Spektakel: „Eine dichtgedrängte

Zuschauermenge folgte mit

Spannung dem Verlauf des Rennens

und begrüßte den Sieger jedesmal mit

lautem Applaus“, konstatierten die Altonaer

Nachrichten am Tag nach dem

Rennen. 38

Erinnerungsmedaille an die Ausstellung in Altona

1869 mit Stadtansicht Altonas und der 1845 eröffneten

Hafenbahn (oben) und einer Krähe, Kuh- und

Pferdekopf und einem Veloziped (unten).

Das erste Rennen gewann Otto Eckhardt

aus Eimsbüttel, ein Mitglied

des Clubs, auf einem Veloziped

von Beinhauer aus

Hamburg. Das zweite Rennen

konnte Tornquist für

sich entscheiden, ebenfalls

ein Eimsbütteler

und Sohn des Eimsbütteler

Großgrundbesitzers

Alexander Bentalon

Tornquist (1813-1889). 39

Tornquist junior sprang

kurzfristig als Ersatz für einen

anderen Fahrer ein und konnte

dennoch fast den kompletten Vorstand

seines Clubs (Gülich, Gelübcke

und Wilhelm Schlüter), der ebenfalls

im zweiten Rennen angetreten war, auf

die hinteren Plätze verweisen. Das

dritte Rennen, eine „Freie Concurrenz“,

gewann schließlich Wenschenk

aus Ribnitz vor Langer aus Berlin.

Zwischen den Pausen erfolgte

„Kürreiten“, bei dem

Velozipedisten über hölzerne

Rampen fuhren

und dies mit „Gewandtheit

und Eleganz“ lösten.

Einige kamen aber auch

zu Fall, was das Publikum

mit schadenfrohem Gelächter

quittierte. 40

Die Rennen hatten ein großes

Publikum angelockt und

viel Werbung für das Velozipeden-Reiten

gemacht. Doch nicht alle

waren mit dem Verlauf zufrieden. Zwei

Tage nach dem Rennen veröffentliche

der Mitveranstalter C. E. Samuelson in

der Presse eine „Rechtfertigung“ und

zeigte sich tief enttäuscht vom Verlauf

und insbesondere von den Bedingungen

des Rennens. 41 Es sei das Ziel gewesen,

einen neuen Sport zu präsen-

27


Lage des „Eimsbütteler

Vereins-Locals“ von Claus

Sottorf, in dem sich der

Eimsbütteler Velocipeden-Club

im April 1869

gründete und

anschließend regelmäßig

versammelte.

28


„Plan von Hamburg,

Altona und Umgegend“

aus dem Verlag von

B. S. Berendsohn von 1864.

29


tieren, „der sich würdig anderen Arten des Sport als Wettrudern

sc. zur Seite stellen könne“. Dafür sei jedoch ein „gutes

Terrain“ unbedingt vonnöten und auch verlangt worden, was

aber nicht verwirklicht worden sei, obwohl er ausdrücklich

das Walzen des Parcours gefordert habe. Die Folge war, dass

„das Publicum [...] eine Anzahl Velocipeden-Reiter unter Keuchen

um die Bahn kriechen sehen“ sah, „während es beabsichtigt

war, demselben zu zeigen, welche Gewandtheit und

Schnelligkeit man auf der Velocipede entwickeln kann. Daß

das Rennen überhaupt stattfand, geschah nur um des Friedens

willen.“ Samuelson sprach im Nahmen der „Unternehmer“,

die sich eine bessere Werbung für ihre Maschinen gewünscht

und weniger Gaudi, dafür mehr Sport bevorzugt

hätten.

Waren die Hersteller wenig zufrieden mit den Rennen, so

konnte der Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club sehr glücklich

sein, hatten doch seine Mitglieder zwei der drei Rennen für

sich und damit auch für den Club entscheiden können. Die

Preisgelder von umgerechnet 360 Mark flossen in die Clubkasse,

„während die glücklichen Sieger ein kleines Geschenk

als Andenken an den grossen Tag erhielten“. 42 Am Abend des

Renntages wurde ein „großes Siegesfest“ im Clublokal von

Sottorf in Eimsbüttel gefeiert. „Die Sieger wurden mit Lorbeeren

geschmückt, allerlei gute Reden würzten das treffliche

Festmahl, und damit auch die Damen zu ihrem Recht kamen,

schloss ein grosser Ball den denkwürdigen Tag.“

Die „günstigen Ergebnisse der Rennen und ihr klingender Erfolg“

bewegten die Eimsbütteler Velozipedisten dazu, ihr Clublokal

mit einer repräsentativen Trophäe zu schmücken und

ein „grosses Bild“ anfertigen zu lassen. Da die Fotografie noch

in den Kinderschuhen steckte und reichlich kostspielig war,

gestaltete sich das Unterfangen aber schwierig. „So ging man

denn nach Hamburg zu einem Photographen. Das erste Bild

misslang völlig. Um dasselbe recht würdig auszustatten, wurde

im Bazar für 3 Sonntage ein Atelier gemietet, dasselbe

prachtvoll dekoriert, und dann erfolgte in drei Abteilungen die

Aufnahme.“ Weder der beauftragte Fotograf A. Siegmund noch

einer seiner Kollegen in Hamburg konnte ein so großes Bild,

bestehend aus drei Teilen, anfertigen, weshalb die Platten

nach Wien geschickt werden mussten, um dort zusammengesetzt

zu werden. „Selbstverständlich wurde dadurch die Aufnahme

sehr verteuert.“ 43 Insgesamt beliefen sich die Kosten

für die aufwändige Fotografie auf damals immense 360 Mark,

womit der Club die Siegesprämien wieder ausgegeben hatte

und aufgrund anderweitiger Ausgaben auf einmal verschuldet

war. Der Höhenflug des sportlichen Erfolgs führte direkt zum

Übermut, glaubten die Mitglieder des Clubs doch, dass die

weitere Entwicklung des Velozipeds für sie auch weiterhin

günstig sein werde. Doch der kurze Sommer des Velozipeds

blieb in Altona 1869 letztlich nur eine Momentaufnahme.

Die Velozipeden-Reiter wollten nicht nur bei Rennen die Leistungsfähigkeit

der pferdelosen „Rosse“, demonstrieren, sondern

auch den Alltag erobern. Dies geschah allerdings nicht

ohne Widerstände und gelegentliche Missgeschicke. Ein unbekannter

Altonaer Velozipedist hatte beispielsweise im Juni

1869 in der Mörkenstraße „das Unglück mit seinem improvisierten

Pferde zu stürzen“, was prompt hämische Reaktionen

provozierte. Nachdem sich der Gestürzte wieder aufgerichtet

hatte, musste er „sein eisernes Rößlein“ nach Hause („in den

Stall“) schieben, „um vor seinen jubelnden Begleitern Ruhe

zu finden“. Das Unglück geschah „zur Belustigung der ihn begleitenden

Jugend“, was die Schmach des Velozipedisten sicherlich

noch um einiges erhöhte. 44 Die Velozipeden-Reiter

mochten sich selbst als Avantgarde und ihrer Zeit voraus sehen,

für weite Teil der städtischen und erst Recht der ländlichen

Bevölkerung waren sie jedoch weltfremde „Spinner“, die

sich in aller Öffentlichkeit lächerlich machten. Weil die Radfahrer

im Jahr 1869 eine so kleine Schar bildeten, gerieten sie

zur auffälligen Zielscheibe im städtischen Alltag, nicht nur,

aber insbesondere für die Jugend.

Die Velozipedisten hatten noch andere, weit mächtigere Widersacher.

Die Altonaer Polizei beobachtete die neuen Verkehrsteilnehmer

sehr genau und reagierte im Sommer 1869

auf die neuen Fortbewegungsmittel. Das Königliche Polizei-

Amt Altona verbot am 2. Juli 1869 das Fahren mit Velozipeden

auf der Chaussee nach Blankenesse (heute Elbchaussee), die

vom privaten Blankeneser Wegeverein unterhalten wurde. Die

Chaussee werde von Velozipeden-Reitern „seit einiger Zeit so

stark befahren“, dass diese „nicht ungestört, ja selbst auch

nicht ungefährdet begangen werde könne“. 45 Bei diesem Verbot

blieb es allerdings nicht, denn kurze Zeit später untersagte

die Altonaer Polizei das „Fahren mit den unter dem Namen

Velocipeden und Draisinen bekannten Maschinen“ auf allen

„Trottoirs der Straßen“, auf den Alleen und den Bereichen für

Fußgänger in der Palmaille und Teilen der Marktstraße. 46 Bei

Nichtbefolgen drohte die Polizei mit Geldstrafen in Höhe von

einem bis drei Talern und bei Wiederholungstätern auch mit

der „Confiscation der Fuhrwerke“. Das polizeiliche Verbot vom

13. Juli 1869 dokumentiert, dass die Velozipede in Altona im

Laufe jenes Sommers immer häufiger in der Altonaer Öffent-

30


lichkeit auftraten und dass sich ein Teil der Bevölkerung davon

gestört fühlte. Dies betraf zum einen Fußgänger, die bislang

die Bürgersteige für sich alleine hatten, aber wohl auch

Droschkenfahrer, deren Pferde regelmäßig vor den pferdelosen

Velozipeden-Reitern scheuten und danach beruhigt werden

mussten. Das polizeiliche Verbot brandmarkte die Velozipeden

und ihre vermögenden Besitzer als potentielle

Störung der öffentlichen Ordnung. So sehr sich die Velozipedisten

mit ihren neuartigen Gefährten von der Masse absetzten

und „sozialen Distinktionsgewinn“ erlangten, so mussten

sich doch die Gegner durch die polizeiliche Maßnahme bestärkt

fühlen. Nicht nur Hohn und Spott prasselten – wie erwähnt

– auf die Velozipedisten ein, teilweise sahen sie sich

auch mit roher Gewalt konfrontiert. Harro Feddersen erinnerte

sich ein Vierteljahrhundert später an die seinerzeit massive

öffentliche Anfeindung der Velozipen-Reiter: „Nicht am ungefährlichsten

war den kühnen Reitern die unbändige Lust der

lieben Strassenjugend, diese neumodischen Rosse und Reiter

mit Steinen, Knütteln oder gar noch unangenehmeren

Schiessmaterial zu begrüssen, in den Dörfern die Hunde auf

sie zu hetzen, u. s. w. und so dem unsicheren Reiter manchen

Tropfen Angstschweiss auzupressen.“ 47 Teile der städtischen

und der Landbevölkerung einte ihre Ablehnung der Velozipeden.

Auf dem Land kam noch die Missgunst gegenüber „den

Städtern“ hinzu, die auch manch heutiger urbaner Radfahrer

auf Ausflügen in die Provinz mittels riskanter Überholmanöver

der motorisierten Landjugend zu spüren bekommt. Allerdings

hegten nicht alle Hamburgerinnen und Hamburger einen

Groll gegenüber den Velozipeden-Reiter und einige übten sich

im modischen Laissez-faire. Der französische Begriff vélocipède

erlangte 1869 eine gewisse Verbreitung, sagte aber bei weitem

nicht allen etwas. Das Fremdwort provozierte manch

Wortspiel, wie einem späteren Zeitungsartikel zu entnehmen

ist: „der Hamburger kam darüber hinweg, er sprach ‚Wi lot se

pedden‘ (= wir lassen sie treten)“. 48

Einige Velozipedisten begegneten dem schüchternen Boom

wie auch der Ablehnung des Fahrrads ebenfalls mit Humor.

1869 tummelten sich noch „wirkliche Originale unter den

Sportjüngern“, wie Gregers Nissen sich zurückblickend erinnerte.

49

Einer dieser frühen Fahrradenthusiasten hieß Jakob Moses

mit Vornamen und stammte vermutlich aus der bekannten

jüdischen Bankiers- und Kaufmannsfamilie Warburg. Der

Nachname der in Altona und Hamburg ansässigen Familie

wird in zeitgenössischen Publikationen nicht ausgeschrieben

und lediglich mit "W" abgekürzt, vermutlich um die Familie zu

schützen. 50 Jakob Moses Warburg erklomm jedenfalls 1869, im

nicht mehr ganz jungen Alter von 56 Jahren, das Veloziped: „Er

war ganz begeistert für das Radreiten. In der Palmaille, an einem

Baum, hatte er seinen Start, ein Schups und dann, wenn

nicht gerade die Jungens ihm am grünen Frackzipfel festhielten,

segelte der Alte vergnügt die Palmaille hinunter. Kein Fußweg

war vor ihm sicher; ja, abends machte er sich das Vergnügen,

im Englischen Garten plötzlich zu erscheinen, um

zwischen den Tanzpaaren herumzugondeln, bis man ihn hinauskomplimentierte.“

Wenig verwunderlich, stieß Warburg

mit seiner humorvoll-impertinenten Art bei manchen auf wenig

Gegenliebe, insbesondere bei der städtischen Polizei. Da

er sich nicht um die Fahrverbote auf den Trottoirs kümmerte,

„hagelte“ es Strafmandate, die ihn aufgrund seines Reichtums

nicht weiter kümmerten. Lediglich den bürokratischen Aufwand

für das jeweilige Begleichen seiner Strafzettel störte ihn

und so schlug er dem Altonaer Polizeichef vor, ihm ein „Kontobuch“

auszustellen, um damit das Prozedere zu vereinfachen

und zu beschleunigen. Eines Tages wurde sein Veloziped

gar konfisziert, was ihn zu folgender aufmüpfiger Aussage gegenüber

der Polizei verleitete: „Und wenn Sie mir es nicht herausrücken,

dann gehe ich zu dem Aas von Feddersen und

kaufe mir ein neues.“ Er bekam es letztlich wieder und setzte

sein „Unwesen“ fort. Zu Feddersen pflegte Jakob Moses

Warburg im Übrigen trotz der überlieferten, harschen Wortwahl

ein inniges Verhältnis. Dem Club wollte er einen Teil seiner

Erbschaft überlassen, unter der Bedingung, dass alle Mitglieder

bei seinem Begräbnis auf ihren Velozipeden folgten –

„ohne umzufallen“. Anfang der 1880er Jahre trat er von der

mündlichen Verabredung aber zurück, da die Hochräder im

Vergleich zu den unhandlichen Velozipeden seiner Meinung

zu einfach zu fahren und zu beherrschen seien. Er beauftragte

Feddersen in einem weiteren, delikaten Detail seines Begräbnisses:

der Inschrift. Feddersen sollte dafür sorgen, dass der

Grabstein folgende Zeilen trägt: „Wanderer, stehe still und weine,

Hier ruhen meine Gebeine, Ich wollt, es wären Deine!“ Aus

verständlichen Gründen konnte Feddersen diesen letzten

Wunsch gegenüber der Familie nicht durchsetzen; die versprochene

goldene Schnupftabakdose durfte er aber dennoch

behalten. Jakob Moses Warburg starb 1885 und wurde

auf dem jüdischen Friedhof Ottensen beigesetzt.

Doch zurück in die Jahre 1869/70. Der Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club

hatte im Herbst 1869 einen triumphalen Sieg

errungen und im Übermut die dreiteilige Fotografie anfertigen

31


lassen. Doch alsbald verschlechterte sich das Wetter und es

wurde Winter, was selbst die überzeugtesten Veloziped-Reiter

in den warmen Stuben verharren ließ. Hatte das Veloziped einen

leichten Boom erlebt, so war der Reiz des Neuen für nicht

wenige wieder verflogen und manch Besitzer verkaufte sein

Veloziped im Winter, wovon einige Verkaufsanzeigen zeugen. 51

Doch mit dem nächsten Frühling ließen sich die Eimsbütteler

Velozipedisten wieder vermehrt auf den Straßen Altonas und

Hamburgs blicken und drehten dort ihre Runden. Laut Hans

Erhard Lessing sei das Veloziped-Fahren 1870 wieder eingeschlafen,

was für einige Orte sicherlich zutreffen mag. 52 Nicht

aber für Altona und Hamburg, denn die Clubmitglieder hielten

auch 1870 unbeirrt an ihrem neuen Hobby fest und unternahmen

manchen Versuch, dafür in der Öffentlichkeit zu werben.

Im Frühjahr 1870 führten Mitglieder das Fahren auf Velozipeden

dem in der Stadt weilenden Prinzen Adalbert von Preußen

(1811-1873), Admiral der deutschen Flotte, vor. 53 „Die stille

Hoffnung einzelner Mitglieder“, wie die ABC-Chronik feststellte,

„dass dieser Besuch einen vorteilhaften Einfluss auf die bessern

Gesellschaftskreise ausüben und das bestehende Vorurteil

mindern würde, ging nicht in Erfüllung.“ 54 Dass der leichte

Velozipeden-Boom zumindest an der Alster nicht zum

Erliegen kam, darauf weist auch der leichte Zuwachs der Mitgliederzahl

von 22 im Gründungsjahr auf 25 Mitglieder im Jahr

1870 hin. 55 Aber nicht nur die Club-Mitglieder hielten dem

noch unausgereiften Fahrrad die Treue, auch einige Gasthöfe

richteten sich darauf ein und eröffneten eigens eine „Velociped-Bahn“,

auf der die Reiter ungestört ihre Runden drehen

konnten. 56

Am 19. Juli 1870 begann dann etwas, das für die deutsche Geschichte

einschneidend werden sollte und auch für den Eimsbütteler

Velocipeden-Reit-Club „eine Zäsur“ darstellte. 57 Der

Deutsch-Französische Krieg bündelte unvermittelt alle Aufmerksamkeit

der patriotisch gesinnten bürgerlichen Kreise

und erfasste damit auch die Velozipedisten. „Während des

Krieges waren die jüngeren Mitglieder im Felde, und die älteren

hielten sich still, weil es in dieser ernsten Zeit als ein Verstoss

gegen die gute Sitte betrachtet wurde, sich diesem Vergnügen

zu widmen.“ 58 Unter diesen Umständen waren

„Lusttouren“ nicht mehr opportun und die Velozipeden-Reiter

ließen sich deutlich weniger in der Öffentlichkeit sehen.

Doch selbst in jener Zeit wandten sich einige Mitglieder nicht

komplett vom Veloziped ab. Dies traf vor allem auf Harro Feddersen

zu, der als Mitbegründer den Club nicht sterben lassen

wollte, der als Fahrradhändler aber auch ein ganz direktes

Motiv hatte, weiterhin für das Veloziped zu werben.

Feddersen hatte dabei ungewöhnliche Ideen und sträubte

sich nicht, selbst in der Kriegszeit als Velozipedist aufzufallen.

Feddersen besaß als Kaufmann ein feines Gespür für Marketing,

ein Wort, das damals noch nicht existierte – man sprach

von „Reklame“ und später „Propaganda“. Dies verband sich

vortrefflich mit Feddersens Hang zu öffentlichkeitswirksamen

Auftritten. Im Winter 1870/71 befuhr er beispielsweise die vereiste

Elbe, worüber er 20 Jahre später berichtete. Damals benutze

er ein „Velociped mit zwei Holzrädern, die ich mit eisernen

Zacken versehen hatte. Ich kam aber damals nicht weit.

Mit den Worten ‚Bahngeld, meine Herren!‘ warf mir ein sog.

Bahnfeger seinen Besen vors Rad und ich kam schädlich zu

Fall, daß ich völlig von dem Vergnügen genug hatte.“ 59

Der Deutsch-Französische Krieg endete 1871 mit dem deutschen

Sieg und ermöglichte die Gründung des Deutschen Reiches,

des Kaiserreiches unter dem in Versailles gekrönten

Oberhaupt Wilhelm I. Damit hatte die jahrhundertelange

„Kleinstaaterei“ ein Ende und Deutschland verfügte fortan

über ein zusammenhängendes Staatsterritorium. So sehr der

Krieg Deutschland „einigte“, so sehr stellten seine Folgen eine

Zerreißprobe für den Club dar. Einige Mitglieder wie August

Schlüter, Sieger des Schleswiger Rennens 1869, erlitten schwere

Verwundungen und konnten schon deshalb nicht mehr mit

dem Veloziped fahren. Für August Schlüter bedeutete der

Krieg gleichwohl eine nationale Pflicht, so hieß er in Pinneberg

nur „teutscher August“, um seinen besonders stark ausgeprägten

Patriotismus zu betonen und vielleicht auch ein

wenig zu ironisieren. 60 Die Schlütersche Maschinenfabrik hatte

während der Kriegszeit infolge Arbeitskräftemangels ihre Produktion

einstellen müssen, weshalb die Schlüter-Brüder – bis

auf den in Altona lebenden Ernst – schlagartig ihr Interesse

am Veloziped verloren.

Der Zuspruch für den Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club

ebbte nach 1871 spürbar ab. Hatte der Verein in jenem Jahr

noch 12 Mitglieder, so waren es 1872 noch acht und 1873/74

nur jeweils sieben. 1875 übernahm Harro Feddersen den Vorsitz

von Wilhelm Gelübcke, der in die Vereinigten Staaten von

Amerika auswanderte, und konnte vermutlich aufgrund seines

persönliches Elans und Charismas prompt einen Mitgliederzuwachs

auf 10 Personen verbuchen. 61 Harro Feddersen wirkte

in jenen Jahren als „Vorsitzender, Schriftführer und Kassierer

in einer Person“; viele Jahre später erinnerte er sich mit humorvollen

Zeilen an den Leerlauf der 1870er Jahre. So hatte

er „eigentlich einen ganz bequemen Posten“, trotz mehrfacher

32


Funktionen im Club. „Zu schreiben

gab es nichts, weil eben

nichts passierte, und Beiträge

wurden nicht eingefordert aus

Furcht, dass der letzte Rest von

Mitgliedern sich sonst auch

noch verflüchtigen könnte.“ 62

Mitte der 1870er Jahre lösten

sich sowohl „Quickrun“ als

auch der „Uhlenhorster Club“

auf, wobei über Letzteren nahezu

nichts bekannt ist. Auch

davon ließen sich die Fahrrad-

Enthusiasten um Harro Feddersen

nicht beeindrucken, vielleicht

bestärkte sie der

allgemeine Niedergang des Velozipeds

sogar darin, weiter daran

festzuhalten. Dass sich unter

diesen Vorzeichen die

Freude in Grenzen hielt, machte

Feddersen ebenfalls klar.

„Wir Altonaer hielten uns mit

einem kleinen Häuflein von 6-

8 Mann krampfhaft zusammen

und ritten, wie man dazumal

sagte, des Sommers wacker

drauf los, eigentlich weniger für

Karikatur des Velozipeden-Booms und ihrer Reiter

aus der illustrierten Zeitschrift „Über Land und Meer“ 1869.

Gott und Plaisir, als zum Verdruss

anderer Leute.“ 63 Die Existenz

des Clubs war in dieser Situation alles andere als gesichert

und die weiterhin vorhandene polizeiliche Ablehnung ins Leben gerufen wurden, wie 1876 der Velociped-Club Berncherlich

aufmerksam, dass an anderen Orten neue Vereine

der Velozipeden-Reiter kam noch hinzu. Um sich angesichts burg und 1878 der Velociped-Club Köln. 66 Das so unvollkommene

Veloziped wurde in jenen Jahren zudem technisch wei-

der vehementen Widerstände mit Gleichgesinnten auszutauschen

und zu unterstützen, nahm der Club im November 1873 terentwickelt und sollte bald dem Fahrrad und Radfahren

einen Briefwechsel mit dem Münchener Velociped-Club auf, neuen Schwung verleihen, auch in Altona und Hamburg.

aus dem sich „ein freundschafliches Verhältnis der beiden

Clubs“ entwickelte. 64

Feddersen und Konsorten ließen sich jedenfalls trotz aller

Missstände nicht beirren und glaubten auch weiterhin an eine

Zukunft des Fahrrads, auch wenn ihnen die technischen Mängel

des Velozipeds, des „Knochenschüttlers“, nur allzu bewusst

waren. Harro Feddersen erinnerte sich später amüsiert bis erschaudert

„der gummilosen, schrecklichen Zeit“ der 1870er

Jahre. 65 Doch die Pioniere hielten durch und registrierten si-

33


Aufschwung


Aufschwung –Der ABC und das Zeitalter der Hochräder

(1880-1889)

Das Veloziped war technisch alles andere als ausgereift, was

den ersten Fahrradpionieren nur zu bewusst war. Vereine wie

der Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club verankerten deshalb

in ihren Satzungen, dass sie mithelfen wollten die Gefährte

zu verbessern. Bereits in den frühen 1870er Jahren erlebte das

Fahrrad eine erhebliche Weiterentwicklung, die jedoch erst

Jahre später Deutschland erreichte. In Großbritannien, dem

Mutterland der Industrialisierung, durchlief das bicycle einige

Innovationen. Drahtspeichen verringerten das Gewicht der

Räder, der Durchmesser der Vorderräder wurde vergrößert,

um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen und der Vollgumminireifen,

der „Kautschukreif“ 1 , verbesserte den Komfort

spürbar. James Stanley brachte 1871 das Hochrad „Ariel“ auf

den Markt, das in Coventry gefertigt wurde, dem Zentrum der

englischen Fahrradproduktion.

Gegen Ende des Jahrzehnts erreichten die „Bicycles“, wie sie

anfangs auch in Deutschland genannt wurden, auch den europäischen

Kontinent. Altona und Hamburg bildeten ein geeignetes

„Einfallstor“ für die neuen Fahrräder und besaßen

mit Harro Feddersen einen umtriebigen „Multplikatoren“, der

über beste Verbindungen nach Großbritannien verfügte und

den Vertrieb verschiedener englischer Fahrradhersteller wie

Quadrant Tricycle aus Birmingham übernahm. Die technischen

Verbesserungen des „hohen Rades“ brachten neuen

Schwung in den Club mit seinen wenigen verbliebenen Mitgliedern.

1880 fanden sich „neue Liebhaber ein“ und die Fahrradjünger

um Harro Feddersen konnten „das Clubleben aufs

neue in festere Bahnen“ lenken. 2 Um den neuen Schwung zu

unterstreichen, benannte sich der Club in „Velociped-Club von

1869/80“ um und überarbeitete die Statuten. Der Velociped-

Club stand damit einmal mehr an der Spitze der Entwicklung,

denn 1880/81 setzte in der noch beschaulichen Welt des Fahrrads

„ein lebhaftes Pulsiren“ ein und in den größeren deutschen

Städten gründeten sich neue Bicycle-Clubs, deren Zahl

Ende 1881 bei genau 26 lag. 3 Die alten und neuen Clubs registrierten

genau, was sich andernorts tat und wollten angesichts

der allgemeinen Aufbruchsstimmung auf sich aufmerksam

machen. Die ersten Fachzeitschriften wie „Das Velociped“,

vom in Berlin lebenden Engländer T. H. S. Walker herausgegeben,

informierten über die Entwicklung und berichteten auch

über den Altonaer Club, der sich „neu formirt“ habe. 4

Der Boom der Bicycles 1880 blieb kein einmaliges Ereignis,

denn auch im Sommer 1881 florierte der Velocipeden-Club,

da er „sich in letzter Zeit erheblich vergrößerte“, was auch daran

lag, dass „eine nicht unbeträchtliche Anzahl Hamburger“

in den Club eintrat. 5 Zwar trug der Verein noch das „Velociped“

in Namen, die Mitglieder fuhren jetzt aber teilweise auf Hochrädern

aus englischer Produktion. Der Club wählte das „Skating

Rink“ in der Palmaille zum neuen Clubheim, übersetzt

„Rollschubahn“, was durchaus symbolisch anmutet, hatte das

Rollschuhlaufen doch das Veloziped-Reiten nach 1869 schnell

in der Gunst des Publikums verdrängt. Die Mitglieder übten

und trainierten im neuen Clublokal, sie wollten bald aber

auch in der Öffentlichkeit auftreten, um den neu aufgestellten

Club bekannter zu machen. Zu diesem Anlass veranstaltete

der Club erstmals eine Feier, einen „Fest-Abend“ am 4. Juli 1881

im Skating Rink. 6 Aufgeführt wurden „Quadrillen“, einstudierte

Figuren auf dem Veloziped, benannt nach einem französischen

Formationstanz und seinerzeit übernommen vom Dressurreiten.

Rollschuhfahren wurde ebenfalls vorgeführt. Der

Club wollte seinen Gästen auch Unterhaltsames bieten und

führte folgendes Spektakel auf, wie der Vereinschronik zu entnehmen

ist: „Zwei der Mitglieder waren aber schon im Besitz

von Hochrädern und führten in Rüstungen, die vom Variété-

Theater entliehen waren, hoch zu Ross einen mittelalterlichen

Zweikampf auf, und zwar sehr natürlich; denn der eine hakte

dem andern mit seiner Lanze unter das Visier, und dieser fiel,

er mochte wollen oder nicht, hinterrücks von seinem Stahlross

herab, dass der Asphalt nur so krachte, und die Sache

ein ganz ernsthaftes Aussehen bekam.“ 7 Ebenfalls neu für den

Club war der Umstand, dass die Feier zu Gunsten der „Speiseanstalt“,

einer wohltätigen Einrichtung ausgerichtet wurde.

Harro Feddersen überbrachte den Erlös am folgenden Tage

der wohltätigen Einrichtung persönlich, was er im Vorfeld aber

Vorherige Doppelseite: Ausflug des ABC um 1885.

Richard Schulz (2. von links) fuhr auf

seinem hohen Einrad („Monocycle“).

Paul Rauch um 1885 (Fotograf: Carl Ehlers).

Spätestens seit 1886 gehörte der Hamburger Paul Rauch

dem Hamburger Bicycle-Club von 1882 an.

36


nicht angekündigt hatte. Die Verantwortlichen

dort lehnten die

monetäre Spende aber zur großen

Überraschung Feddersens

brüskiert ab, da ansonsten „ja

jeder Tingeltangelwirt“ ihnen etwas

spenden könne. 8 Feddersen,

ebenfalls pikiert, kündigte an,

ABC-Stempel 1889.

det war, dass die Mitglieder die

80 gegenüber der 81 aus grafischen

Gründen bevorzugten. Für

die Verantwortlichen symbolisierte

die 80 wohl einen Aufbruch,

ein neues Jahrzehnt, was

auch mit dem neuen Namen

transportiert werden sollte.

mit dem Geld „Salz und weisse Bohnen“ zu kaufen und diese

dann spenden zu wollen, was ja von einer Speiseanstalt wohl

kaum abgelehnt werde könne, woraufhin der Leiter der Speiseanstalt

„böse Miene zum guten Spiel“ machte und „den

Mammon“ entgegennahm.

Am 2. Oktober 1881 folgte ein „Herbstfest“ mit einem umfangreichen

Programm: „Quadrillen, Lanzenstechen, Pantomimen,

Rollschuhlaufen wechselt in bunter Reihe.“ 9 Neben militärischen

Anleihen beim Lanzenstechen, fand dort wieder Unterhaltung

mit der erwähnten Pantomime statt. Ein Tanzball

schloss das Fest ab und machte es zu einem gesellschaftlichen

Ereignis im Altonaer Bürgertum.

In Bezug auf die Fahrräder war nun eine neue Epoche angebrochen:

Im März 1882 verlegte der ABC seinen regelmäßigen Treffpunkt

in den „Altonaer Schützenhof“ in Blankenese. Neben regelmäßigen

Zusammenkünften lockte die Mitglieder eine Möglichkeit

der dortigen Lokalität: „Es soll daselbst im hinteren

Teil des Gartens eine Bahn angelegt werden, die ungefähr 200

Meter im Umfange hat, so dass daselbst auch die Wettrennen

des Clubs abgehalten werden können.“ 11 Ob dieses Vorhaben

tatsächlich umgesetzt wurde, ist nicht ganz klar, es belegt jedoch

den Wunsch des ABC eine Rennbahn zu Trainings- und

Rennzwecken zur Verfügung zu haben. Bereits 1880 hatte in

München die erste Radbahn eröffnet und 1882 begründete

der Berliner Velociped-Club eine Radrennbahn in Berlin. Der

ABC wollte als einer der bedeutendsten Pioniervereine ebenpeden

„Zum Reiten kommen anstatt der früheren Veloci-

nur noch englische Stahl-Bicycle in Anwendung.“ Im

Laufe des Sommers hatten sich die Mitglieder restlos von den

Vorzügen des Hochrads überzeugt und tauschten ihre „Knochenschüttler“

gegen die neuen Stahlrosse.

Den Rückenwind wollte der Club auch mit einer Namensänderung

zum Ausdruck bringen. Am 11. Oktober 1881 beschloss

die Versammlung des Veloziped-Clubs, den Verein in „Altona

Bicycle Club v. 1869/80“ umzubenennen. 10 Bei der Abstimmung

votierten acht Mitglieder für das „Bicycle“ im Namen, nur drei

wollten am „Velocipede“ festhalten. Das längst abgeschlossene

Zeitalter des Velozipeds sollte damit auch im Vereinsnamen

überwunden und gleichzeitig eine neue Standortbestimmung

vollzogen werden. Der Club bekannte sich nun zu seiner

Herkunft aus Altona und demonstrierte damit ein Selbstbewusstsein

gegenüber dem weit größeren und doch direkt

angrenzenden Hamburg. Aus dem „Altona Bicycle-Club“ entwickelte

sich aber recht schnell im Sprachgebrauch der

„Altonaer Bicycle-Club“, was bei etwas nachlässiger Aussprache

ohnehin fast identisch klang. Dass sich der Verein auch

weiterhin seiner Tradition bewusst war, ließ sich aus den beiden

Jahreszahlen der Gründung und Umbenennung ablesen.

Kurios dabei war, dass der ABC sich 1881 umbenannte und im

Namen doch die „80“ trug, was einzig dem Umstand geschul-

Richard Kastmann um 1885.

38


falls an der Spitze dieser Entwicklung stehen und sondierte

Möglichkeiten, um eine eigene Bahn zu betreiben.

Das Hochrad wird heutzutage nicht selten nostalgisch verklärt

und als gemütliches Gefährt einer untergegangenen Epoche

vorgeführt, auf dem man Langsamkeit erfahren und dabei Zylinder

tragen kann. Dies verzerrt die historische Realität erheblich,

denn das Hochrad diente in seiner Epoche als Sportgerät,

ermöglichte bis dahin unbekannte Geschwindigkeiten

und eröffnete sprichwörtlich völlig neue Wege in unbekannte

Territorien. Auch ABCer berauschten sich am hohen Tempo

und erweiterten ihren Radius, indem sie anfingen „Parforcetouren“,

lange Strecken auf dem Bicycle zurückzulegen. Im Juli

1881 startete Hermann Haase von Altona aus nach Berlin, was

die Altonaer Nachrichten angesichts der „tropischen Hitze“ als

ein „etwas absonderliche[s] Vergnügen“ charakterisierte. 12 Am

ersten Tag gelangte der „kühne Reiter“ bis nach Perleberg bei

Wittenberge und schafft damit rund die Hälfte der Strecke,

was er stolz nach Altona telegraphierte. Auf dem Weg, vor

Boizenburg, hatte Haase „zwei ‚Berge‘“ zu erklimmen, wie er

sie „in seiner ganzen Reitpraxis noch nicht gefunden“. 13 Vor

Ludwigslust ging dem „Reisenden“ dann der Cognac aus, mit

dem er seine Schmerzen gelindert hatte; die „kolossale Hitze“

zwang ihn zur „Zuflucht“ an einen Wassergraben, letztlich

schaffte er es aber zum gesteckten Ziel nach Berlin. Die ABC-

Mitglieder machten Tagestouren in die nähere und weitere

Umgebung, wie von Altona nach Oldesloe und zurück in

knapp acht Stunden. Harro Feddersen fuhr mit seinem Hochrad

1882 in drei Tagen über Rendsburg nach Flensburg und

zurück über Eckernförde, Kiel und Neumünster. 14 Die ABCer

verbanden auf diese Weise Sport und Reisen, knüpften au-

Das Ehepaar Marta und Harro Feddersen auf einem Dreirad-Tandem der Firma Quadrant Tricycle Co., Birmingham, um 1889

(Fotograf: Theodor Schlüter aus Pinneberg).


ßerhalb ihrer Heimatstadt Kontakte und machten auf ihren

Club aufmerksam. Denen, die wie Feddersen die Ära des Velozipeds

erlebt und schon seinerzeit „geritten“ und gelitten

hatten, musste das Hochrad wie eine Befreiung vorkommen.

Was damals lediglich Vision war, wurde nun Wirklichkeit: die

durch das Fahrrad erhebliche gesteigerte menschliche Mobilität.

Das Fahren auf dem Hochrad erforderte große Fitness und einiges

an Geschick, da die Räder anders als heutige deutlich

schwerer zu kontrollieren waren. Die hohe Sitzposition erhöhte

die Gefahr von schweren Stürzen, des berüchtigten headers

über den Lenker, bei denen es gelegentlich auch zu tödlichen

Unfällen kam. Unter diesen Voraussetzungen dünkte das

Hochrad den Herren Bicyclisten als ideales Vehikel, um die

eigene Männlichkeit zu inszenieren und zu stilisieren. Für

Clubs wie den ABC erschien es angesichts dieses Männlichkeits-Diskurses

als eine Selbstverständlichkeit, dass lediglich

männliche Mitglieder Aufnahme fanden. Die Satzung sah dies

zwar nicht explizit vor, doch die männlichen Mitglieder und

der männliche Vorstand hätten wohl in dem als „Ballotage“

bezeichneten strengen Aufnahmeverfahren keine Frau als Vereinsmitglied

akzeptiert. Anderseits blieb das Radfahren in der

Epoche des Hochrads eine komplett männliche Domäne und

erst mit dem „Niederrad“ ab den späten 1880er Jahren

schwangen sich vermehrt Frauen in den Fahrradsattel und

entfachten damit eine kontroverse, hitzige Debatte. 15 Dennoch

wollten die ABC-Herren nicht gänzlich auf die Anwesenheit

von Frauen verzichten - auf vom Club veranstalteten Festen

war die Damenwelt unbedingt erwünscht, nicht zuletzt, um

beim jeweils abschließenden Tanz genügend Partnerinnen zu

haben. Im Frühjahr 1882 ging der ABC noch einen Schritt weiter

und kaufte mehrere Dreiräder („Tricycles“), damit „auch

Damen an den von ihnen veranstalteten Ausflügen teilnehmen

können“. 16 Die Dreiräder verfügten als Tandem über zwei

Sitze zwischen den beiden großen Vorderrädern und boten

damit einem Herren und einer Dame Platz. 17 Der ABC war zwar

ein ausnahmslos männlicher Club, die Beteiligung von Frauen

befürworteten die Mitglieder aber zumindest bei gemütlichen

Touren in die nähere Umgebung.

Der Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 trieb die Verbreitung

des Fahrrads maßgeblich voran, nach 1869 nun erneut und

verstärkt seit 1880. Der zweite Anlauf wirkte aber im Vergleich

zum ersten viel ansteckender und immer mehr Bicyclisten

folgten dem Beispiel der Altonaer. Das erstmals 1883 erschienene

„Handbuch des Bicycle-Sport“ brachte die dynamische

Entwicklung 1885 in der zweiten Auflage folgendermaßen auf

den Punkt: „Zahlreiche neue Clubs sind schon entstanden,

zahllose noch im Entstehen begriffen, und bald wird es auch

bei uns kein halbwegs größeres Städtchen mehr geben, das

nicht seinen Bicycle-Club hat.“ 18 Mit dem Aufschwung und den

neuen Clubs entstand alsbald das Bedürfnis nach einem Verband,

der die Kräfte bündeln und die weitere Entwicklung koordinieren

sollte. Der Frankfurter Bicycle-Club lud alle Clubs

am 6. Juni 1881 in die Mainmetropole ein, um eine „Deutsche

Wappen des 1884 gegründeten Deutschen Radfahrer-Bundes (links) und der 1886 geschaffenen Allgemeinen Radfahrer-Union (rechts),

die einen Schwerpunkt in Süddeutschland hatte und vor allem das Wanderfahren förderte.

40


Am 16. August 1884

wurde schließlich in

Leipzig der Deutsche

Radfahrer-Bund (DRB)

ins Leben gerufen und

Carl Hindenburg vom

Magdeburger Velocipeden-Club

zum Vorsitzenden

gewählt.

Die Altonaer um Harro

Feddersen hatten ihren

Anteil an der Einigung

nach der Spaltung. Harro

Feddersen nahm an

mehreren Kongressen

teil und trug dort als

Bildpostkarte aus der „Fahrradstadt“ Hamburg mit Michel,

Repräsentant der Hamburger

Radfahrer zur

stilisierter Radrennbahn und Rathaus (gelaufen 1899).

allmählichen Annäherungen

der zerstrittenen Parteien bei. Feddersens bedeutende

Bicycle-Union“ ins Leben zu rufen. 19 Den ABC vertrat bei diesem

Treffen William Böger, ein Unternehmer und Essigfabrikant,

der seinerzeit noch keine offizielle Funktion im Club zum Präsidenten des Gaues „Schleswig-Holstein“ innerhalb

Stellung manifestierte sich auch darin, dass er im Januar 1882

übernahm und von Harro Feddersen beauftragt und instruiert des Deutsch und Deutsch-Österreichischen Velocipedistenworden

war. 20 Der zweite Kongress fand am 29. Mai 1882 in Bundes gewählt wurde. Mit der Gründung des DRB wurden die

München statt, bei dem der „Deutsche Velocipedisten-Bund“ Landesverbände dann durchnummeriert und Altona, Hamburg

und Schleswig-Holstein gehörten nun dem „Gau I Ham-

aus der Taufe gehoben wurde. Doch mit der Einigung war es

nicht weit her, denn im September formierte sich der „Norddeutsche

Velocipedisten-Club“, den Berliner um den englirung

der „Gaue“ in Hamburg begann, denn dies konnte als

burg“ an. 22 Vielleicht war es kein Zufall, dass die Nummerieschen

Farradpionier T. H. S. Walker und Hannoveraner Kreise eine Ehrerweisung an den ABC, den ältesten Club innerhalb

initiierten. Daraufhin benannte sich der in München gegründete

Verband in „Deutschen und Deutsch-Oesterreichischer „Von jetzt ab kam ein frischerer Zug in unseren Club hinein“,

des neu geschaffenen Verbandes gelesen werden.

Velocipedisten-Bund“ um – die Spaltung der deutschen Radfahrer

war damit unübersehbar. In diesem Wirrwarr hielt der widmete sich mit neuem Elan der Förderung des Bicyclevermerkt

die offizielle Vereinsgeschichte von 1894. Der ABC

ABC trotz der großen räumlichen Entfernung „treu zum Münchener

Freunde“ und trat dem süddeutschen und österrei-

Frage betraf den Bau einer wettkampftauglichen Radrenn-

Sports auf verschiedenen Feldern. Eine seit Jahren brennende

chischen Verband bei, ein Schritt, den auch der Magdeburger bahn. Der ABC hatte auf eigene Faust versucht eine Bahn zu

Velocipeden-Club vollzog. Beide Vereine, die Altonaer und errichten – mit mäßigem Erfolg. Um das ambitionierte Ziel der

Magdeburger, waren damit die einzigen norddeutschen Vereine

im süddeutschen Verband. Die Altonaer schmiedete der gründete der ABC zusammen mit dem Hamburger Bicycle-

Schaffung einer zentralen Radsport-Stätte zu verwirklichen,

Pionierstatus mit den Münchenern und Magdeburgern zusammen

und persönliche Freundschaften intensivierten die

Folgende Doppelseite:

Beziehungen. Nach Interventionen aus dem Rheinland und Der in jenem Jahr erstmals ausgetragene „Große Preis von Hamburg“

Sachsen konnten die zerstrittenen Parteien 1884 aber wieder

am 15. August 1897 auf der Grindelbergbahn. Am Start stehen einige

der erfolgreichster Profis seinerzeit: Gaston Courbe d'Outrelon (die

zusammengebracht werden und ein Kongress in Meinungen

Beschriftung ist falsch), Paul Bourillon, August Lehr, Willy Arend und

am 29. Juni setzte die „Friedenspräliminarien“ fest. 21 Anton Huber. Im Hintergrund ist die 1893 erhöhte Holzkurve zu sehen.

41


Richard Schulz

Richard Schulz wurde am 19. Januar 1868 in Torgau an der Elbe als Sohn des

Kaufmanns Ernst Heinrich Schulz geboren. Während der Schulzeit in Berlin

zog er nach Altona. Hier erlernte er 1883 unter Anweisung von Harro Feddersen

das Hochradfahren und trat in den ABC ein, für den er auf Bahnrennen

startete. Schulz großes Talent lag aber im Kunstradfahren auf dem

Hochrad, was er mit zahlreichen Preisen seit 1885 dokumentierte. Schulz,

mittlerweile Mitglied im Hamburger Bicycle-Club, errang 1888 die Meisterschaft

der ARU und die deutsche Meisterschaft in Wien. 1889 krönte er seine

sportliche Leistung mit der Europa-Meisterschaft in Leipzig.

Aus Anerkennung verlieh

der ABC Schulz die Ehrenmitgliedschaft,

doch düpierte

er viele, indem er als

erster deutscher Radsportler

überhaupt Profi wurde.

1890 kam es zum Eklat als

Schulz den Altonaer Radfahrer-Verein

gründete und

dem ABC damit Konkurrenz

machte. Schulz betrieb ein

Fahrradgeschäft bei den

Rainvilleterrassen am Anfang

der Elbchaussee und

machte dafür regelmäßig

mit einem vier Meter hohen

„Eifel-Rad“ und mit einem

für seinen Sohn Walter

(„jüngster Hochradfahrer

der Welt“) gebauten Kinder-

Hochrad Reklame in der

Stadt.

Richard Schulz starb bereits

in jungen Jahren kurz nach

der Jahrhundertwende.

Richard Schulz als ABC-Mitglied um 1885.

44


Unbekannter ABC-Kunstradfahrer um 1885

mit einem Hochrad mit geradem Lenker,

der ein Stehen darauf ermöglichte

(Fotograf: Arthur Pieper).

Club von 1882 und dem Cyclisten-Club Hammonia

den „Rennverein Hamburg-Altonaer Radfahrer“. Der

Rennverein suchte einen geeigneten Ort und fand

ihn auf einem Gelände am Grindelberg (nahe der

heutigen U-Bahnstation Hoheluft und der Straße

Schlankreye). Dort entstand eine 500 Meter lange

Radrennbahn mit einer Holztribüne für rund 1000

Zuschauer. Am 26. Juli 1885 eröffnete der Rennverein

feierlich die „Grindelbergbahn“ und startete den

bedeutsamen Tag mit der Ankunft der Radfahrer

auf der Bahn um 15.00 Uhr und kollektiver „dreimalige[r]

Umfahrt auf derselben“. 23 Die Rennen begannen

mit dem „Erstfahren“ für „Herrenfahrer, die

noch in keinem öffentlichen Rennen einen Preis erhielten“.

Von den insgesamt neun Startern auf der

2000 Meter langen Distanz gehörten drei dem ABC

an: Ferdinand Sturm, Fritz Hensler und Richard

Schulz. Es schlossen sich weitere Rennen an, wie

Dreiradfahren, Vereinsfahren (mit den ABC-Mitglieder

Chr. M. Gjör, Harry Stiegert und Richard Kastmann),

Hauptfahren (ohne ABC-Mitglieder) und Jugendfahren.

Der ABC war recht erfolgreich, so

gewann Gjör das Vereinsfahren über 3000 Meter in

6:29 Minuten, was einen Schnitt von 27,7 km/h bedeutete.

24 Ein anderes ABC-Mitglied nahm nicht an

den Wettkämpfen teil, sondern half bei der Ausrichtung:

Harro Feddersen übernahm die verantwortungsvolle

Aufgabe als „Rundenzähler“.

Die Zuschauer konnten auf der frisch eingeweihten

Bahn das „Phänomen Geschwindigkeit“ auf den

Hochrädern aus nächster Nähe verfolgen. 25 Die Geschwindigkeiten

von teilweise deutlich über 30 km/h bei kurzen Sprints

wirkten damals geradezu atemberaubend und die Anstrengungen

der Fahrer ließen sich unmittelbar mitverfolgen. Nicht

nur, dass die Radsportler bei ihren Kurven mehrmals am jeweiligen

Zuschauer vorbeirauschten, sie hatten zudem das

gesamte Geschehen auf der Bahn zu jeder Zeit im Blick. Um

die Fahrer aus der Ferne besser identifizieren zu können, trugen

diese farblich unterschiedliche Hemden und Schärpen.

Die Rennen gerieten zu einem vollen Erfolg, wie damalige

Presseberichte belegen. Neben dem neuen, aufregenden

Sport wollten die Veranstalter gezielt Unterhaltung bieten,

auch abseits der Rennen. In den Pausen zwischen den Rennen

spielte ein Orchester „Concert-Musik“, die aufgrund des

Fehlens elektrischer Verstärkung vermutlich nicht von allen

gehört werden konnte. Die Eröffnung der Grindelbergbahn

avancierte nicht nur zum sportlichen Ereignis, sondern auch

zu einem gesellschaftlichen „Event“. Die Bahn, so ist der Pres-

Folgende Doppelseite:

Das Programm für das Eröffnungsrennen auf der Grindelbergbahn

am 26. Juli 1885. Harro Feddersen übernahm die verantwortungsvolle

Aufgabe des Rundenzählers.

45


Die Wappen des ABC von 1885, 1889 und in der farbigen Variante, nach den Landesfarben Schleswig-Holsteins, dem Altona damals angehörte.

Die Altonaer Bevölkerung entwickelte nicht zuletzt wegen des großen Nachbarn Hamburg eine starke holsteinische Identität.

se zu entnehmen, „bot mit den zahlreichen Zelten, dem vielköpfigen

Publikum und der auf der Tribüne bemerkbaren, eleganten

Toiletten der Damen- und Herrenwelt einen bunt belebten

Eindruck dar.“ 26

Die Zuschauerinnen und Zuschauer hatten sich also in Schale

geworfen und verwandelten die neue Sportstätte in ein

gesellschaftliches Parkett, auf dem sich das Bürgertum präsentieren

und gleichfalls die

Hamburger Radsports auf und impfte etlichen Neulingen den

Fahrrad-Virus ein. Die Rennen wurden zumeist im Frühjahr,

Sommer und Herbst abgehalten und als solche benannt, womit

sie sich an der Tradition des Pferdesports orientierten. In

jenen Jahren avancierten einige deutsche Radsportler wie insbesondere

August Lehr zu echten Stars, die regelmäßig auch

die Grindelbergbahn beehrten und die Zuschauer entzückten.

Die Hamburger und Altonaer

übrigen Anwesenden begutachten

konnte. Dass es am

besagten Tag aber nicht

gänzlich bürgerlich gesittet

Das vom ABC in den 1880er Jahren angelegte Fotoalbum.

In der Mitte ist auf einer Plakette das von 1885 bis 1889

verwendete ABC-Wappen eingraviert.

Fahrer konnten sich in

den 1880er Jahren noch nicht

gegen die Konkurrenz aus

dem Westen und Süden

zuging, dies verriet ebenfalls

Deutschlands behaupten

die lokale Presse. „Das Publikum

sprach sich über den

Verlauf dieses ersten, für

Hamburg noch neuen Sports

sehr lobend aus. Dem herrlichen

Löwenbier aus der hiesigen

und mussten vorerst Lehrgeld

zahlen.

Mitglieder des ABC traten bei

Rennen auf der Bahn an, sie

fuhren lange Strecken auf der

Straße, doch im sportlichen

Löwenbierbrauerei

Fokus stand eine andere

wurde fleißig zugesprochen.“

Die Eröffnung der Grindelbergbahn

verlief vielversprechend

und in den folgenden

Jahren etablierte sich die

Bahn als die zentrale Anlaufstelle

des Radsports in Hamburg

Disziplin: das Kunstrad- und

Reigen-Fahren. Das Kunstradfahren

knüpfte an die in

Deutschland so hochgehaltenen

Traditionen des Turnens

an und verlangte absolute

Körperkontrolle und Akrobaberg

und Altona. Der Grindeltik.

28 Es konnte im Solo, zu

stieg zum „Mekka“ des

zweit oder in einer Gruppe

48


Mit dem Mitgliederzuwachs im Laufe der 1880er Jahre kamen

neue begabte Kunstradfahrer zum Club, die das sportliche Ansehen

weiter steigerten.

Fritz Hensler als Erster Fahrwart kümmerte sich seit 1886 verantwortlich

um das Kunstrad- und Reigenfahren und koordinierte

die Bemühungen des Clubs auf diesem Feld. 31 Als ein

herausragendes Talent als Kunstradfahrer entpuppte sich Richard

Schulz aus Ottensen, der 1883 „auf Anregung und unter

der Leitung des allbekannten Harro Feddersen“ das Radfahren

erlernte, „gleichzeitig wurden ihm die ersten Begriffe des

Kunstfahrens beigebracht“. 32 Schulz trat dem ABC bei und fuhr

Radrennen, u. a. auch während der Einweihung der Grindelbergbahn,

doch konzentrierte er sich fortan auf das Kunstrad.

Angesichts seiner Darbietungen gerieten die Zuschauer ins

Schwärmen, wie die Altonaer Nachrichten anlässlich einer

Veranstaltung des ABC 1885 mitteilten: „Drei Phantasiefahrer

leisteten geradezu Wunderbares, ein junger Herr Schulz

schien in seinen Exercitien auf dem Stahlrade allen Gesetzen

vom Schwerpunkt Hohn zu sprechen und führte dennoch jede

Evolution mit spielender Eleganz aus.“ 33 Schulz trat bald zum

1882 gegründeten Hamburger Bicycle-Club über, blieb dem

Harro Feddersen mit einem „Xtraordinary Challenge“ der Firma Singer

& Co. aus Conventry in England von 1884. Der markante Hebelmechanismus

erlaubte eine hintere Sitzposition und verminderte damit die

Gefahr eines Kopfsturzes (header) über den Lenker,

der häufig ernsthafte Verletzungen nach sich zog.

praktiziert werden. Letzteres hieß seinerzeit „Reigenfahren“,

bei dem Figuren einstudiert und eine perfekte Ordnung und

Symmetrie angestrebt wurde. 29 Das Kunstradfahren versinnbildlichte

damit bürgerliche Tugenden wie Beherrschung und

unbedingte Disziplin, anders als der berauschende Radrennsport,

der wegen seines „exzessiven“ Charakters von manchen

kritisiert wurde. Das Kunstrad- und Reigenfahren entstand bereits

1869 mit dem Velozipedenboom und wurde insbesondere

vom Magdeburger Velocipeden-Club betrieben und zur

frühen Blüte gebracht. Die Altonaer versuchten den befreundeten

Magdeburgern nachzueifern und besuchten diese wiederholt,

wie im Januar 1881 anlässlich eines dortigen Festes. 30

ABC aber dennoch auf verschiedene Weise verbunden. Wiederholt

trat Schulz zusammen mit ABC-Mitgliedern auf, wie

auf einem „Gesellschaftsabend“ am 6. Dezember 1888 im Lokal

„Englischer Garten“ in der Großen Freiheit, bei dem der

ABC-Fahrwart Fritz Hensler zusammen mit Schulz ein Duett

auf dem Hochrad vorführte und „reichen Beifall“ erntete. 34

Zum Markenzeichen von Richard Schulz entwickelte sich das

hohe Einrad („Monocyle“), auf dem er selbst längere Touren

von über 40 Kilometern zurücklegte und damit jedermann

seine Gewandtheit und Ausdauer vor Augen führte. Richard

Schulz krönte seine sportliche Karriere 1889 mit der in Leipzig

errungenen Europameisterschaft im Kunstradfahren und

durfte sich als „Meisterfahrer von Europa“ bezeichnen. 35 Der

ABC konnte sich deshalb rühmen, das Kunstradfahren in

Deutschland maßgeblich vorangetrieben zu haben. Zufrieden

konnte der ABC registrieren, dass in manchen Darstellungen

des deutschen Radsports die Altonaer und Magdeburger in

einem Atemzuge genannt wurden, da sie „das Reigenfahren

Vorherige drei Seiten:

Portraits der Mitglieder aus dem ABC-Fotoalbum

um die Mitte der 1880er Jahre.

Das 1889 anlässlich des Bundestages des DRB in Hamburg

angeschaffte Banner des ABC (Fotograf: Jens Rathmann).

Die Banner dienten der Außendarstellung auf Treffen und Umzügen.

2016 wurde das verschollenen geglaubte

„Stück Fahrradgeschichte“ dem Club vermacht

und befindet sich heute wieder im Vereinsbesitz.

52


zur hohen Entwicklung bringen“. 36

Mitte der 1880er Jahre erstarkte der

ABC und konnte sich über einen steten

Mitgliederzuwachs freuen. Eine

kleine Krise hatte der Club aber zuvor

meistern müssen. Waren 1880

im Verein 16 Mitglieder, so sank die

Zahl 1882 auf acht, da die Hamburger

aus dem ABC austraten und sich

stattdessen dem Hamburger Bicycle-Club

von 1882 anschlossen. 37 Danach

ging es aber wieder aufwärts

und die Mitgliederzahl stieg kontinuierlich

von 16 (1883), 24 (1884), 29

(1885), 33 (1886), auf 34 (1887). 38 Angesichts

der positiven Entwicklung

trat Harro Feddersen am 11. Mai 1885

als Erster Vorsitzender zurück,

„nachdem er überzeugt war, dass

das lange schwankende Schifflein

jetzt endlich den Hafen der Lebensfähigkeit

erreicht hatte“. 39 Feddersens

Nachfolge trat William Böger

an, der den Club bereits zuvor auf

dem allerersten nationalen Radfahrerkongress

in Frankfurt am Main

1881 vertreten hatte. Böger konnte

1887 zufrieden vermelden, „daß der

Verein im Aufblühen begriffen sei“,

sowie „daß die Mitgliedschaft sich

stetig vermehre“. 40 Harro Feddersen

blieb dem ABC verbunden und

konnte 1887 als „Zahlmeister“ berichten,

dass der Club einen erheblichen

Überschuss erwirtschaftet

habe und „über ein ansehnliches

Capital“ verfüge. 1887 trat Carl Madler

in den ABC-Vorstand als Zweiter

Vorsitzender ein und leitete von

1888 bis einschließlich 1890 als Erster

Vorsitzender die Geschicke des

Clubs. 41 Madler stammte aus Mainz

und war der Schwiegersohn von

Harro Feddersen, liiert mit dessen

Tochter Elisabeth, genannt „Lizzie“.

Die Wahl Madlers unterstreicht, wie

groß der Einfluss Feddersens auf den

Club in dieser Zeit nach wie vor war. Lizzie

Madler trat 1889 ebenfalls in den

ABC ein, zusammen mit Louise Schulz,

möglicherweise die Gattin oder Verlobte

von Richard Schulz. 42 Beide sind damit

nachweislich die ersten weiblichen

Mitglieder des Clubs überhaupt, der

sich betont männlich gerierte, bei den

beiden Damen aufgrund der engen familiären

Bindungen aber eine Ausnahme

machte.

1887 genoss der ABC nicht nur die unbeschwerte

Gegenwart, er beschloss

auch für die Zukunft zu planen. Im Club

wurde eine „Knaben-Abtheilung“ eingerichtet,

in die junge Mitglieder eintreten

konnten, vorausgesetzt ihre Eltern

stimmten dem zu. 43 Die Jungen sollten

„rationell im Radfahrern ausgebildet

werden“, sollten also an das Hochradfahren

herangeführt und darin trainiert

werden. Der ABC machte damit einen

innovativen Schritt und war vielleicht

der erste deutsche Radsportverein

überhaupt, der eine Jugendabteilung

einrichtete. 44 Die Arbeit mit den Jugendlichen

sollte später von Erfolg gekrönt

sein, denn neben dem erwähnten

Kunstradfahrer Richard Schulz wurden

dort auch andere wie August Ebeling

geschult, der im zarten Alter von elf

Jahren 1887 das Hochradfahren im ABC

erlernte und sich später als Radrennfahrer

auf Bahn und Straße und danach

als Radartist einen Namen mach-

Erinnerungsplaketten am Stab des ABC-

Banners anlässlich der „Huldigungsfahrt“ zu

Bismarck in den Sachsenwald 1892 (oben),

der Einweihung des Drais-Denkmals 1893

(Mitte) und des

25-jährigen „Stiftungs-Festes“ des ABC

am 17. April 1894 (unten).

te. 45 55


Ankündigung für das Herbstrennen auf der Grindelbergbahn 1890.

Der ABC war Mitte der 1880er Jahren gefestigt wie nie und vergaß

den Radsport dabei jedoch nicht. Viele Mitglieder nahmen

1887 „mit Erfolg an einem Concurrenz-Straßenfahren

theil“, über das ansonsten leider keine weiteren Informationen

vorliegen. Der ABC veranstaltete „Clubrennen“ auf der

Grindelbergbahn, was 1887 nicht nur die Mitglieder, sondern

auch Außenstehende anzog. „Es hatte sich ein sehr zahlreiches

Publikum eingefunden, welches den einzelnen Rennen

mit regem Interesse folgte.“ 46 Ausgetragen wurden Rennen

über 1500 Meter jeweils auf dem Hochrad und dem Dreirad,

3000 Meter und 1000 Meter, wobei mehrmals Max Leonhart

triumphierte, gefolgt von C. Schmidt und C. F. Glass. Der ABC

überraschte bisweilen aber auch mit völlig neuen Ideen, abseits

der Bahn und gewohnter Pfade. Für den 30. Januar 1887

lud der Club zu einem Dreiradrennen auf der Eisbahn auf dem

Heiligengeistfeld ein, falls es die Witterungsbedingungen zuließen.

Fahrer mehrerer Hamburger Clubs sagten im Vorfeld

ihre Teilnahme zu, weshalb die Presse versprach, es stehe

„demzufolge wohl ein interessanter, eigenartiger Wettkampf

in Aussicht“. 47 Ideengeber für das Eisrennen war möglicherweise

Harro Feddersen, hatte er doch zuvor bereits manche

„Eisfahrt“ gewagt und verfügte über eine Affinität zum gefrorenen

Wasser, die vielleicht auch daher rührte, dass er in seinem

Eisenwarengeschäft Schlittschuhe verkaufte. Die Fraktion

der Langstreckenfahrer war im ABC nie besonders groß, sie

existierte aber auch nach Eröffnung der Grindelbergbahn und

machte gelegentlich auf sich aufmerksam. Der Landesverband

Hamburg (Gau 1) fachte die Lust auf lange Touren zusätzlich

an, indem er „silberne Medaillen für lange Touren“ stiftete,

bei denen innerhalb von 24 Stunden mindestens 250 Kilometer

zurückgelegt werden mussten. Die ABC-Mitglieder Carl Petersen

und F. Stavenow erhielten diese Lorbeeren für eine

Fahrt im Sommer 1887 nach Eckernförde und zurück in 22

Stunden. 48 Damit auch alles mit rechten Dingen zuging, quittierten

verschiedene „Ortsvorsteher“ die Durchfahrt „in den

betr. Ortschaften“. Das angepeilte Ziel Eckernförde lockte mit

seinem Ostseestrand, vielleicht war auch etwas Anderes für

Tischfahne mit dem Wappen des ABC und dem bürgerlichen

Radfahrergruß „All Heil!“ um 1890 (Fotograf: Jens Rathmann).

56


die Routenauswahl verantwortlich. In Eckernförde hatte der

junge Nordfriese Gregers Nissen mit Gleichgesinnten im März

1887 einen Radfahrverein gegründet und knüpfte anschließend

enge Kontakte zum ABC. 49

Der ABC dachte um die Mitte der 1880er Jahre an seine Außenwirkung

und bemühte sich um einen möglichst repräsentativen

Auftritt. So führte der ABC ein Vereinswappen ein, das

die Abkürzung „ABC“ enthielt, die allerdings nicht ganz leicht

zu entziffern war. 50 Das geschwungene A und flache C waren

lesbar, das B mutete aber eher als eine 8 an und machte das

Abzeichen reichlich kryptisch. Die Abkürzung ABC bot sich an,

da sie sehr eingängig war und ist und jedes Schulkind sie

noch heute kennt.. Das Wappen wurde aber nur wenige Jahre

verwendet und im Dezember 1888 beschloss man, sich „ein

neues Clubzeichen“ zu geben, „da das jetzige seinen Zweck in

der Weise verfehlt, daß es durch die drei verschlungenen

Buchstaben A. B. C. nur von Eingeweihten zu erkennen ist.“ 51

Im folgenden Jahr wurde das noch heute verwendete Clubwappen

entworfen. In den Farben Schleswig-Holsteins (blauweiß-rot)

gehalten, zeigt es oben links das Altonaer Stadtwappen

und unten rechts ein Hochrad. 52 Der ABC unterstrich

damit seine holsteinische Identität und grenzte sich gleichzeitig

vom übermächtigen Hamburg ab, das in Belangen des

Fahrrads nicht zuletzt aufgrund des ABC allerdings nicht ganz

so dominant war. Der ABC überwand damit auch visuell die

Ära der Velozipede und präsentierte sich damit voll und ganz

als Bicycle-Club, als Verein des Hochrads.

In jenen Jahren legte sich der ABC ein Fotoalbum zu, das

prachtvoll in Leder gebunden und auf dessen Titelseite in einer

Plakette das ABC-Wappen eingraviert war. Fotografien der

Mitglieder um Harro Feddersen sind hier versammelt, die den

Stolz der Bicyclisten zum Ausdruck bringen und von denen,

um dies nochmals zu unterstreichen, einige ihre bei Wettkämpfen

errungenen Medaillen zur Schau stellen. Das Album

endet allerdings aus unerfindlichen Gründen abrupt nach einigen

Seiten. 53

Innerhalb weniger Jahre erarbeitete sich der ABC ein enormes

Prestige, das auf der Pionier-Identität des Clubs um Harro

Feddersen fußte. Im Gegensatz zur Frühphase der Velozipede

waren die Bicyclisten nun gesellschaftlich deutlich höher angesehen

und galten nicht mehr als solch spleenige Zeitgenossen,

wie es bei den Velozipeden-Reitern zuvor der Fall gewesen

war. Der Club zog deshalb zunehmend sportliche Herren

aus dem Besitzbürgertum an, die sich ein Hochrad leisten

konnten und auf den sozialen „Nebeneffekt“ erpicht waren,

vom Nimbus des Clubs und seinem wachsenden Netzwerk zu

profitieren. Die Mitglieder waren wie Feddersen zumeist Kaufleute

und sie einte der unternehmerische Geist in geschäftlichen

wie sportlichen Dingen. Das Fahrrad, wie es seit Mitte

der 1880er Jahre auch in Deutschland genannt wurde, symbolisierte

den sozialen Status, ähnlich wie für ein spezielles

Klientel hochmotorisierte und -preisige Autos in unserer Zeit.

Der ABC verortete sich mit seiner Umbenennung 1881 in Altona,

was noch einmal verstärkt wurde durch die Abwanderung

der Hamburger Mitglieder nach der Gründung des Hamburger

Bicycle-Clubs im folgenden Jahr. 54 Der ABC hatte damit eine

Altonaer und gleichzeitig holsteinische Identität, die sich bisweilen

mit der Hamburger Nachbarschaft rieb und reiben

sollte. Das männliche Altonaer Bürgertum verfügte mit dem

ABC über ein weiteres Aushängeschild, das gegenüber den

Hansestädtern „die Nase voraus“ hatte und auf eine längere

Tradition zurückblicken konnte.

Der ABC war sich seiner gesellschaftlichen Stellung nun gewiss.

Der Club übernahm daher Verantwortung, indem er regelmäßig

für karitative Zwecke Gelder sammelte, was mit dem

Fest 1880 eingeführt worden war. Das soziale Gewissen des

ABC begründete Harro Feddersen, denn er ließ oft die Sammelbüchse

herumgehen, wie etwa nach der feierlichen Eröffnung

der Grindelbergbahn im Sommer 1885.

Zum Herzstück jener Jahre entwickelten sich die vom ABC veranstalteten

Feiern. Hier verbanden sich bürgerliche Repräsentation,

gepflegtes Vergnügen und nicht zuletzt Sport zu einem

Gesamterlebnis, das das Ansehen des ABC noch weiter steigerte.

Der ABC sprach damit das standesbewusste Bürgertum

Altonas und Hamburgs an, das sich mit dem elitären Hochrad

schmücken und gleichzeitig unter sich bleiben wollte. Humor

und (Selbst)-Ironie gehörten zum guten Ton, wie auch das

Gala-Fest am 11. März 1887 demonstrierte. Neben Kunst- und

Reigenfahren wurde hier das aufwändige Stück „Der Sieg des

Fahrrads“ aufgeführt, dessen Handlung wie folgt aussah: „Eine

grössere Schaar von Radfahrern aus der nächstgelegenen

Stadt macht eine Tour durch die umliegenden Dorfschaften

und hält schliesslich, nachdem etwa 15 deutsche Meilen Weges

mit Leichtigkeit zurückgelegt sind, im Gasthaus ‚Zur Einkehr‘

Rast. Dort waltet das liebliche Töchterlein des Wirts ihres

Amtes als Hebe, und bald schlägt das Herz eines der jungen

elastischen Radfahrer für die schmucke und gebildete Tochter

des alten Wirts. Aber auch der junge Baron des angrenzenden

Gutes hat ein Auge auf die junge Maid geworfen und sucht sie

durch allerlei kleine Aufmerksamkeiten für sich zu gewinnen,

59


während die Eltern des

Mädchens ihr einziges

Töchterlein einem wohlhabenden

befreundeten

heren Vereinskameraden,

worin die Fachpresse eine

begrüßenswerte „Annäherung“

zwischen beiden

Bauern verheiraten

Parteien erblickte. Der

möchten.“ 55

ausführliche Bericht von

Der überspitzte Plot des

„Das Stahlrad“ würdigte

Stückes drückte mit

die gelungene Organisation

einem Augenzwinkern

seitens des ABC und

das Selbstbewusstsein

gab ausführlich den Inhalt

der männlichen Bicyclisten

aus und sagt ganz nebenbei

auch einiges über

des aufgeführten

Stückes „Das Fahrrad im

XX. Jahrhundert“ wieder.

das bisweilen angespannte

In diesem „Zeitbild“ offenbarte

Verhältnis zwi-

schen Stadt und Land. Mit

sich der geballte

Humor der ABC-Mitglieder,

solcherart humoristischen

die Kunstfertigkeit

Aufführungen

und nicht zuletzt der unbeirrbare

sprach der ABC einen erweiterten

Glaube an den

bürgerlichen

kommenden Siegeszug

Kreis an, der sich für

Sport, aber auch für gepflegte

Unterhaltung interessierte.

Sportliche Darbietungen

blieben bei den Feierlichkeiten

Einband der Zeitschrift „Das Stahlrad“ 1889 –

der abgebildete Band befand sich im Besitz des Clubs

und ist mit einem ABC-Stempel versehen.

des Fahrrads. Das Stück

beginnt mit einer morgendlichen

Szene, in der

zwei Bäcker auf einem

Tandem ihre Backwaren

ausliefern, gefolgt von

aber weiterhin

zwei „Handwerksbur-

wichtig, wie beim Winterfest am 12. Dezember 1888, dem ein

„auserwähltes Publicum“ beiwohnte und dessen Erlöse dem

Altonaer Kinderhospital zu Gute kamen. Der unbestrittene

„Glanzpunkt“ des Abends war ein vom Vereinsmitglied Carl

Petersen vorgetragenes Solo auf dem Hochrad, das die Anwesenden

begeisterte: „Fast bei jeder elegant und sicher ausgeführten

Uebung zollte dasselbe dem gewandten Fahrer durch

besonders lebhaften Applaus seine größte Anerkennung.“ 56

Geerbt hatte der ABC die Tradition des Winterfestes vom

Hamburger Bicycle-Club, der diese zuvor ausgerichtet, in den

vorangegangenen zwei Jahren jedoch nicht mehr veranstaltet

hatte. 57 Drei Monate später, am 21. März 1889, lud der ABC zu

einem Gala-Radfahrer-Fest in den Englischen Garten ein und

bot seinen Gästen ein umfangreiches Programm an Vorführungen

samt anschließendem Tanzball. Einen Höhepunkt bildete

die Darbietung von Richard Schulz auf dem Hoch- und

Niederrad, die das Publikum in besonderem Maße verzückte.

Das ehemalige ABC-Mitglied Richard Schulz beehrte seine früschen“

auf dem Rade, die dem Alkohol reichlich zusprechen.

Ein Polizist auf dem Rade verfolgt sie deshalb, kommt zu Fall,

was die Zuschauer belustigte, und kann die beiden letzlich

doch einfangen. Daraufhin befuhr abermals ein Tandem mit

„eine[r] Amme der wohlgenährtesten Art“ vorne und einem

Infanteristen die Bühne, wobei die Amme ein verkleideter

Mann war, was auf die Anwesenden eine „zwergfellerschütternde

Wirkung“ entfaltete. Ähnliches folgte in der Nummer

mit einem „schneidige[n] Husaren“ und einem „nicht minder

schneidigenden Dienstmädchen“ und anschließend „eine[r]

junge[n], mit entzückender Anmuth im Sattel sitzende Vierländerin“

– alle „Damen“ wurden von verkleideten männlichen

ABC-Mitgliedern gespielt. Dieses Spiel mit den Geschlechtern,

das Schlüpfen in weibliche Rollen belustigte das

Publikum außerordentlich und hatte, vor dem Hintergrund der

starren bürgerlichen Geschlechterrollen, mit seinem temporären

Übertritt etwas Karnevaleskes.

Gegen Ende des Jahrzehnts trat dann wiederum eine ernste

60


Angelegenheit auf die Agenda, denn 1889 stand im Zeichen

des Bundestages des DRB, der in jenem Jahr erstmals in

Hamburg abgehalten wurde. Der ABC beteiligte sich zusammen

mit dem Hamburger Bicycle-Club und dem Cyclisten-

Club Hammonia maßgeblich an den Vorbereitungen und

schickte mit Harro Feddersen einen Vertreter in das Organisationskommitee

(„Haupt-Ausschuß“). 58 Die Altonaer wollten

sich zusammen mit den Hamburgern bei ihrem Heimspiel

gegenüber den Radfahrern aus ganz Deutschland von

ihrer besten Seite zeigen und die Hansestadt vorbildlich

vertreten. Der ABC dachte aber auch an sich und sein eigenes

Auftreten und überlegte im Vorfeld, wie und womit dies

idealerweise geschehen könne. Bei einer Versammlung, „die

recht gut besucht war“, in Club-Räumlichkeiten des Flora-

Theaters 59 , an der Stelle der heutigen „Roten Flora“ am

Schulterblatt, beschloss der ABC, „ein Banner mit einem

Kostenaufwand von 500 Mk. anzuschaffen“. „Dasselbe soll

so rasch fertig gestellt werden, dass es beim Radfahrer-Bundestag

in den Tagen vom 17. bis 19. August mitgeführt werden

kann.“ 60 Die Banner, auch „Standarten“ genannt, entstammten

einer alten militärischen Tradition aus der Antike

und sollten die jeweiligen Gruppe nach innen zusammenschweißen

und nach außen sichtbar machen. Die deutschen

Radfahrvereine übernahmen allgemein die Selbstdarstellung

mittels Bannern, in denen sich der ganze Stolz

der Pioniere manifestierte und die entsprechend aufwändig

produziert und sehr kostspielig waren. 61

Das ABC-Banner konnte rechtzeitig zum Bundestag fertiggestellt

werden und die Verantwortlichen resümierten zufrieden,

die Mitglieder seien in „hervorragender Weise“ bei

den „verschiedenen Festlichkeiten thätig“ gewesen –

„hauptsächlich beim grossen Saalfest, sowie beim Korso“. 62

250 Teilnehmer fuhren nach Blankenese, wegen des „unfreundlichen

Wetters“ allerdings nur 100 auf dem Fahrrad,

wobei Richard Schulz die Prozession auf dem Einrad anführte.

In Blankenese angekommen, hielt Harro Feddersen eine

Rede, gefolgt von dreifachem „All Heil“ und dem Lied

„Schleswig-Holstein meerumschlungen“, was für Hamburger

Teilnehmer möglicherweise etwas deplatziert klang. 63 Alles

andere als deplatziert war dann die Vorführung der ABC-

Mitglieder auf der offiziellen Feier: „Der Reigen wurde in

exakter Weise ausgeführt, und die Fahrer gewährten in ihren

malerischen Kostümen einen imposanten Anblick. Die Zuschauer

brachten ihre Anerkennung durch laute Beifallsbezeugungen

zum Ausdruck.“ 64

Der ABC hatte auf dem Bundestag vor heimischer Kulisse

und vor den Augen des organisierten deutschen Radsports

seine Stärke und Leistungsfähigkeit demonstriert. Die

1880er Jahre bedeuteten für die Altonaer eine kontinuierliche

Phase des Aufschwungs, sowohl in sportlicher als auch

in gesellschaftlicher Hinsicht. War der Club im vorangegangenen

Jahrzehnt in seiner Existenz bedroht, so konsolidierte

er sich unter der Führung Harro Feddersens bis dieser 1886

die Leitung abgab. Die Mitgliederzahl spiegelte den Aufstieg

des ABC ebenfalls wider, denn 1889 hatte er genau 46 Mitglieder

und war nun gefestigt und stabil. 65 Der Club wuchs

auch weiterhin und gewann an Bedeutung, wie das folgende

Jahrzehnt zeigen sollte.

61


Blütezeit


Blütezeit –Feste, Stolz und Spaltung

(1890-1899)

Das Hochrad hatte etwas Majestätisches, es verfügte aber auch

über gravierende Nachteile. Aufgrund der beträchtlichen Sitzhöhe

des Fahrers und der schmalen Reifen war die Gefahr eines

Sturzes sehr hoch und begleitete die Bicyclisten ständig.

Die Hochradfahrer fürchteten den Sturz nach vorne bei voller

Fahrt, der häufig schwere Verletzungen

nach sich zog. Englische

Hersteller entwickelten deshalb

um die Mitte der 1880er das safety

bicycle, das Niederrad, welches die

Verletzungsgefahr minimieren sollte

und dies auch tatsächlich tat.

Das Niederrad wirkte auf stolze Bicyclisten

anfangs recht unvorteilhaft,

da es sich für die so wichtige

Repräsentation bürgerlicher Männlichkeit

nicht so gut eignete wie

meter, das G. P. Mills vom Anfield Bicycle Club aus Liverpool

gewann. 3 Im August 1891 folgte das ebenfalls von einer französischen

Radsport-Zeitung veranstaltete, alle Vorstellungskraft

sprengende Paris-Brest-Paris über 1296 Kilometer am

Stück. 1893 elektrisierte in Deutschland die Distanzfahrt Wien-

Berlin über 560 Kilometer die Massen,

gewonnen vom Münchener

Josef Fischer, einem der frühen

und großen Stars des deutschen

Radsports. 4 Norddeutschland erhielt

1894 seine, wenn auch nicht

ganz so lange Fernfahrt von Hadersleben

an der dänische Grenze

(heute Haderslev) über 250 Kilometer

nach Eidelstedt vor den Toren

Hamburgs. 5 Der Radsport entfachte

eine große Begeisterung in

eben ein Hochrad. 1 Ende der

der Gesellschaft und überzeugte

1880er Jahre stiegen aber dennoch

immer mehr Radfahrer um und

auch Frauen erklommen jetzt im

Vergleich zum Bicycle zunehmend

das Fahrrad, wie es seit 1885 auch

genannt wurde. Der Kettenantrieb

Der ABC-Vorstand zum Zeitpunkt des 25-jährigen Jubiläums

eine beständig wachsende Zahl an

Personen aus dem Bürgertum, sich

ebenfalls ein damals noch recht

kostspieliges Fahrrad zu kaufen.

In dieser Situation, vor dem großen

Fahrradboom um 1900, befand sich

verbesserte den Komfort von Fahrrädern

und ermöglichte es, eine individuell

im April 1894: linke Reihe von oben: Fritz Runge (2. Vorsitzender),

Carl Joh. Schmidt (Schriftführer), Fritz Hensler (1. Fahrwart);

der ABC in den frühen 1890er

Jahren und stellte sich neu auf. Das

angepasste Übersetzung

Mitte: Carl Ott (Inventarverwalter); rechte Reihe von

oben: Gregers Nissen (1. Vorsitzender), Otto Wulf (Zahlmeister),

betraf nicht nur das luftbereifte

zu wählen. Eine weitere bahnbrechende

Albert Suhr (2. Fahrwart).

Niederrad, das sich innerhalb

Innovation folgte Anfang

weniger Jahre angesichts

der 1890er Jahre mit der Einführung des Luftreifens („Pneumatik“),

der das Radfahren nicht nur spürbar beschleunigte, sondern

es aufgrund der Federung der Reifen auch deutlich bequemer

gestaltete. 2

Das luftbereifte Fahrrad katapultierte die radsportlichen Leistungen

nach vorne und provozierte immer längere und dramatischere

Rennen. Im Mai 1891 veranstalteten der Véloceclub

bordelais und die Radsportzeitschrift Véloce-Sport das

wegweisende Radrennen Bordeaux-Paris über rund 560 Kilo-

seiner erheblichen Vorteile durchsetzte und die Hochradfahrer

buchstäblich alt aussehen ließ. 1890 zog ein junger Nordfriese

namens Gregers Christian Nissen nach Altona, um hier eine

Stelle als Volksschullehrer an der Schule Adolphstraße (heute

Thadenstraße) anzutreten. Nissen wollte als wichtiger Fahrradpionier

Schleswig-Holsteins in den Altonaer Bicycle-Club von

1869/80 eintreten und wünschte Teil dieser weit älteren Gemeinschaft

von Fahrradpionieren zu werden. Zu Harro Feddersen

pflegte er bereits zuvor einen regen Austausch und wurde

Vorherige Doppelseite: Der ABC-Vorstand 1890 mit Harro Feddersen in der Mitte mit einem Safety

unbekannter Marke (Baujahr ca. 1888), Gregers Nissen rechts und Witold Milz hinten links vom Banner.

Das Foto veranschaulicht die damalige Übergangszeit vom Hoch- zum Niederrad.

64


von ihm protegiert, denn die ABC-Mitglieder wählten den 23-

jährigen Nissen im Herbst 1890 zum Ersten Vorsitzenden des

ABC, was ohne Unterstützung Feddersens kaum möglich gewesen

wäre. Unter Gregers Nissen florierte der ABC in den folgenden

Jahren und konnte sein Prestige weiter ausbauen. Nissen

wirkte nicht nur im und für den ABC, er übernahm auch

Funktionen im Landesverband Hamburg wie die des „Gaufahrwarts“

1891. Nissens große Leidenschaft galt dem Tourenfahren

und dem Radtourismus, oder dem „Radwandern“, wie es seinerzeit

hieß. Auf seinem 1884 erworbenen Hochrad durchquerte

er ausgiebig den Norden Deutschlands und einige europäische

Länder. 1892 erarbeitete er gemeinsam mit anderen

im DRB organsierten Radfahrern ein „Bezirks-Fahrtenbuch

‚Nordwest-Deutschland‘“, das in Kombination mit den Fahrradkarten

von Robert Mittelbach den norddeutschen Radfahrerinnen

und Radfahrern die Navigation erheblich erleichterte. 6

Die „Huldigungsfahrt“ mit Empfang bei Bismarck im Mai 1892, gezeichnet vom Maler Georg Krickel (1854–unbekannt).

Carl Hindenburg überreicht Bismarck als Vorsitzender des Deutschen Radfahrer-Bundes ein Präsent;

der ABC bildete als ältester Verein ein „Ehren-Spalier“, ist auf der Zeichnung aber nicht zu sehen.

65


Umzug anlässlich des 100. Geburtstags von Wilhelm I. (1797-1888) in Hamburg im Jahr 1897.

Im Vordergrund sind Mitglieder eines unbekannten Vereins zu sehen, die eine Büste Wilhelms I. tragen.

1892 fand auch ein denkwürdiges, als „Huldigungsfahrt“ bezeichnetes

Ereignis statt, an dem Nissen und der ABC prominent

beteiligt waren. Anfang 1892 sinnierte der Gauvorstand

Hamburg bei kalten Temperaturen und „dampfendem Grog“

über mögliche Ausfahrten in der bevorstehenden Saison. Ein

Bergedorfer Vertreter (Lohmann) schlug eine Gaufahrt in den

Sachsenwald zu Bismarck vor, was Nissen wie folgt erwiderte,

wie er sich Jahrzehnte später erinnerte: „Meine Herren, wenn

schon, denn schon! Wir laden den ganzen Deutschen Radfahrer-Bund

und selbst unsere österreichischen Bundeskameraden

zu einer Tagfahrt nach Friedrichsruh ein!“ 7 So geschah es

denn auch und am Himmelfahrtstag, am 26. Mai 1892, versammelten

sich Radfahrer aus allen Teilen des Landes – selbst aus

den Vereinigten Staaten kamen Vertreter eines deutschen Vereins

– am Dammtor- und später am Bergedorfer Bahnhof, um

zusammen in einer beeindruckenden Prozession durch den

Sachsenwald zu Bismarck zu pedalieren. Insgesamt reihten

sich rund 1200 Radfahrer, und „über 500 Hochräder, über 600

Niederräder, viele Dreiräder und Tandems“ ein und boten damit

einen imposanten Anblick. Gregers Nissen oblag „die technische

Durchführung“ und er war wohl auch nicht ganz unbeteiligt

daran, dass der Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 „als

ältester Verein die Ehre [hatte], inmitten der Huldigungsgruppe

ein Ehren-Spalier zu bilden“. 8 Carl Hindenburg überbrachte Bismarck

als Vorsitzender des DRB auf einer Lichtung des Sachsenwaldes

die besten Wünsche der „Deutschen Radfahrer“.

Bismarck bedankte sich für die Aufwartung und bereute, dass

er selber das Radfahren nicht erlernt habe, was seiner Gesundheit

sicherlich förderlich gewesen wäre. 9 Der ABC und die

bürgerlichen Radsportler erwiesen damit dem Mann die Ehre,

der als „Einheitskanzler“ die Gründung des Deutschen Kaiserreiches

maßgeblich vorangetrieben, aber auch in den 1870er

Jahren mit den Sozialistengesetzen die aufstrebende Sozialdemokratie

unterdrückt hatte. Die „Huldigungsfahrt“ für Bismarck

unterstrich damit die nationalistische Einstellung der

bürgerlichen Radfahrvereine, auch die des ABC.

66


In der Folgezeit demonstrierte der ABC regelmäßig seine

nationale Gesinnung zu entsprechenden Anlässen. Die Geburtstage

des Kaisers waren für den Club der Anlass, die unbedingte

Treue zu ebendiesem zu zeigen und auf den eindrucksvollen

Hochrädern und zunehmend auch Niederrädern

durch Altona zu promenieren. Der im Kaiserreich alljährlich

begangene "Sedantag" erinnerte an die entscheidende

Schlacht im Deutsch-Französischen Krieg in der gleichnamigen

französischen Stadt am 2. September 1870, nach der die französische

Armee kapitulierte und damit der deutschen Reichsgründung

den Weg ebnete. 10 Am 25. Jahrestag, 1895, fand in Altona

wie im ganzen Reich am 2. September ein besonders

großer Gedenktag mit einem feierlichen Umzug durch die Stadt

statt. Der ABC spendete zu diesem Anlass „namhafte Geldgeschenke“,

um versehrte und hilfsbedürftige Veteranen der

Schlacht zu unterstützen. 11 Der ABC verankerte sich mit solch

öffentlich vollzogenen Bekundungen in der bürgerlichen Elite

Altonas und betonte seine politische Einstellung. Dies geschah

in einer Zeit, in der ab Mitte der 1890er Jahre auch die ersten

Arbeiterinnen und Arbeiter Fahrräder erwarben und aufgrund

der sozialen Spaltung ab 1894 eigene Radfahrvereine im Arbeiter-Radfahrer-Bund

„Solidarität“ gründeten. 12 Bereits am 17.

März 1894 bildete sich der „Arbeiter-Radfahrer-Verein von

Hamburg und Umgebung“, dem weitere Vereine folgen sollten,

die sich fortan parallel zu den bürgerlichen Clubs

entwickelten. 13

Sozialdemokratische Arbeiter konnten sich schon deshalb

nicht mit dem DRB identifizieren, weil dieser bürgerliche Politik

und Sport vermengte und sich im Kaiserreich klar auf Seiten

des monarchistischen Staates positionierte.

Aufstellung der Vereinsbanner auf dem Bundestag

des Deutschen Radfahrer-Bundes in München 1895.

Der ABC-Vertreter sitzt in der untersten Reihe (3. von rechts).

Seinem eigentlichem Zweck, dem Sport und hier vor allem

dem Reigen- und Kunstfahren, widmete sich der ABC nach

1890 ebenfalls intensiv. Dabei hielt der Club vorerst am Hochrad

fest, was zum einen dem langen Training darauf geschuldet

war, aber nicht zuletzt auf der optischen Wirkung der

Bicycles beruhte. Anlässlich eines Gesellschaftsabends am

4. Dezember 1890 zeigte der ABC in Sagebiels Etablissement in

der Dammtorstraße sein ganzes Können: „Der Eröffnungsreigen

wurde von 30 Herren auf Hochrädern gefahren, und hierin

zeigte sich wieder die Ueberlegenheit des altonaer Bicycle-

Club auf dieser bevorzugten Maschine, denn weder ein anderer

altonaer oder hamburger Club dürfte im Stande sein, 30

Hochradfahrer herauszubringen, die mit solcher Eleganz und

solcher Beherrschung des Rades fahren können, wie die Herren

des ‚A. B. C‘.“ 14 In der Paradedisziplin des Reigenfahrens entwickelte

sich der Club demnach prächtig – ein ehemaliges Mitglied

sorgte hingegen für Irritationen und Verstimmungen.

Der ABC hatte Richard Schulz zum Ehrenmitglied ernannt,

nachdem dieser 1889 in Leipzig die Europameisterschaft im

Kunstradfahren gewonnen hatte. Dies geschah nicht ganz uneigennützig,

denn der Club wollte sich mit seinem früheren

Mitglied, dem nunmehrigen „Meisterfahrer von Europa“

schmücken. 15 Kurz nach seinem großen Erfolg trat Schulz, zum

Entsetzen der Verantwortlichen im ABC, ins Profilager über und

ließ sich seine Aufführungen in einem Hamburger Theater bezahlen.

Über diesen „Markstein in der Geschichte des deutschen

Radfahrwesens“ brachte „Das Stahlrad“ folgende Meldung:

„Richard Schulz, dem so oft eine Schaar begeisterter

Sportsgenossen in Anerkennung seiner erstaunlichen

Leistungen auf dem Kunstrade den Lorbeer gereicht, ist – als

Erster unter den deutschen Radfahrern – unter die Berufsfahrer

gegangen!“ 16 Während die Stahlrad-Redaktion dem frischgebackenen

Profi für seine Zukunft alles Gute wünschte, war

der ABC reichlich verschnupft, dass gerade sein früherer

Sprössling diesen verpönten Schritt als allererster

überhaupt in Deutschland vollzog. Für den ABC

blieb es eine unerschütterliche Selbstverständlichkeit,

dass der bürgerliche Radsport ausnahmslos

von „Herrenfahrern“, von Amateuren ausgeübt werden

könne, die nicht nach Geld strebten, sondern

sich lediglich für Ruhm, Ehre und Sachpreise mit

anderen maßen. Richard Schulz gab den Anstoß für

eine jahrelange, vehemente Debatte über Amateurismus

vs. Profisport, die auch für den ABC noch

gravierende Folgen zeitigen sollte. 17

67


Umschlag des ABC-Jahresberichts 1891/92.

Der länger schwelende Konflikt zwischen Richard Schulz und

dem ABC spitzte sich im Laufe des Jahres 1890 weiter zu. Zwar

konvertierte Schulz wieder zurück vom Profi zum Amateur, 18

dafür gründete er am 8. August 1890 aber mit dem „Altonaer

Radfahrer-Verein von 1890“ einen eigenen Verein und trat damit

in direkte Konkurrenz zum ABC. Dieser reagierte prompt

und hob die Ehrenmitgliedschaft von Schulz unverzüglich auf,

„weil der Betreffende durch Gründung eines neuen Radfahrer-

Vereins den Interessen des altonaer Bicycle-Clubs entgegenhandelt“.

19 Die Pressenotiz verzichtete dabei komplett auf den

Namen des Delinquenten und lässt erahnen, wie sehr Richard

Schulz im ABC zur Persona non grata geworden war. Das Tischtuch

zwischen beiden Parteien war damit endgültig zerschnitten.

Schulz versuchte anschließend selber wiederum einige

Nadelstiche zu setzen, so ließ er für seinen neuen Verein ein

prunkvolles Banner produzieren, das deutlich größer als das

des ABC ausfiel. 20 Auch der ABC agierte in diesem Spiel der verletzten

Eitelkeiten, so erschien im offiziellen Blatt des DRB

„Deutscher Radfahrer-Bund“ unter Werbeanzeigen eine ungewöhnliche

Annonce mit der Frage „Seit wann ist Richard Schulz

Bundesmitglied?“, die seinen Status als Amateur in aller Öffentlichkeit

anzweifelte und die sehr wahrscheinlich von einem

ABC-Mitglied in Auftrag gegeben worden war. 21

Abseits des unappetitlichen Zwistes, des in aller Öffentlichkeit

ausgetragenen Rosenkrieges, sorgte der ABC in den frühen

1890er Jahren weiterhin mit Kunstrad- und Reigenfahren für

Aufsehen. Die Brüder Daßler führten als Duo atemberaubende

Nummern wie „das fahrende Reck“ auf dem Niederrad auf, die

zu verschiedenen Anlässen das Publikum sehr begeisterten. 22

Das Mitglied Max Winter ist „überall mit Erfolg aufgetreten“, wie

die ABC-Chronik 1894 festhielt und mit Emil Raabe existierte

ein weiterer Kunstradfahrer, der sich einen Namen machen

konnte. 23 Der Club hatte seit den 1880er Jahren junge Männer

im Kunstradfahren ausgebildet und erntete jetzt die Früchte

dieser Arbeit. Reigen- und Corso-Fahren blieben neben den

Solo-Darbietungen von zentraler Bedeutung für den Club. 1891

erzielte der ABC in einem „Preis-Corso“ auf der Grindelbergbahn

von vier Vereinen den 1. Preis und erhielt viel Lob für sein

Auftreten unter dem Fahrwart Fritz Hensler. „Der Beifall, den

dieser Verein durch sein exactes Fahren und seine hochelegante

Costümierung erhielt, war unbeschreiblich. Das Costüm

bestand aus blauen Sammet-Jaquets, dito Mützen, langen

schwarzen Beintricots und leichten Halbschuhen, sowie blauweiß-rothen

Schärpen.“ 24 Der ABC präsentierte sich solcherart

als tadellose Gemeinschaft, die bürgerliche Ordnung und Disziplin

in den Sport hineintrug.

Doch das betuliche Corso-Fahren war nicht jedermanns

Geschmack. Der Radrennsport hatte nach wie vor einige Anhänger

im ABC – vor allem Albert Suhr, der 1893/94 die Position

des Zweiten Fahrwarts innehatte und ein talentierter Langstreckenfahrer

war. 25 Suhr bewies dies bereits eindrucksvoll mit

dem Sieg bei einem Radrennen des Gau 1 über eine Strecke

von 50 Kilometern 1893. 26 Bei der ersten Austragung der Distanzfahrt

Hadersleben-Hamburg am 9. September 1894 untermauerte

er dies, als er nach dem Sieger Christian Anders aus

Kiel als Zweiter mit einer Zeit von 10 Stunden und 43 Minuten

auf einem Brennabor-Rennrad das Ziel am Eidelstedter Bahnhof

erreichte. 27 Die Distanzfahrten begeisterten in jenen Jahren

große Zuschauermengen und zur zweiten Ausgabe von Hadersleben-Hamburg

im darauf folgenden Jahr strömten Tausende

nach Eidelstedt, um den Zieleinlauf der Fahrer hautnah

mitzuerleben.

Albert Suhr beabsichtigte auch 1895 wieder in Hadersleben an

den Start zu gehen, zuvor absolvierte er manch Trainingsfahrt

wie Anfang Juni von Berlin nach Altona in 13 Stunden „incl. Auf-

68


Gregers Nissen

Gregers Nissen in seinem Arbeitszimmer

um 1900. Titelblatt des von Gregers Nissen

Anfang der 1890er Jahre komponierten,

selbst herausgegebenen und dem ABC

gewidmeten „Touren-Marsch der Bicyclisten“.

Gregers Nissen wurde am 3. Mai 1867 in Soholm in Nordfriesland geboren.

Seine Eltern starben früh, weshalb er bei einem Verwandten

(Carstensen) in Leck aufwuchs. 1887 ging er zur Lehrerausbildung nach

Eckernförde, wo er im gleichen Jahr einen Radfahrer-Verein gründete.

Der junge Nissen verfügte über Kontakte zum ABC und wollte auch

deshalb nach Altona ziehen. 1890 erhielt er eine Stelle als Volksschullehrer

und wurde im gleichen Jahr im Alter von 23 Jahren Vorsitzender

des ABC. Unter seiner Ägide erlebte der Club eine Blütezeit, wandte

sich zunehmend dem Tourenfahren zu und trat 1895 schließlich aus

dem Deutschen Radfahrer-Bund (DRB) aus.

Gregers Nissen publizierte zahlreiche Reiseberichte und Radführer

und ging selbst häufig auf Radreisen. 1904 trat er in den Vorstand des

DRB ein und bekleidete das Amt des „Bundesfahrwarts für das Wanderfahren“.

Nissen bemühte sich, die Jugend für das Radwandern zu

begeistern und engagierte sich auch für die ABC-Jugend. Er setzte sich

intensiv für den Ausbau von Radwegen ein und organisierte große

Wanderfahrten wie nach Ostpreußen in den 1920er Jahren. 1933 trat

er aus dem (nun) BDR-Vorstand aus und leitete von 1935-37 den „Gau

Hamburg“. 1938 zog er sich aus dem Verbandsleben zurück. Gregers

Nissen starb am 20. Juni 1942 in Hamburg-Altona.

69


enthalt“ und trotz schlechter Witterungsbedingungen, was ihm

prompt eine Erwähnung in der Lokalpresse bescherte. 28 Seine

bestechende Form demonstrierte Albert Suhr auch beim „interne[n]

Clubrennen“ des ABC am 19. August 1895, das „unter

zahlreicher Betheiligung seiner Mitglieder und vieler Sportsfreunde“

– so starteten immerhin 80 Personen gemeinsam

vom Startpunkt Holstenbahnhof – auf der Chaussee von

Schnelsen nach Ochsenzoll ausgetragen wurde. 29 „Suhr führte

das Rennen brilliant und siegte wie er wollte“, und gewann das

Hauptfahren mit Vorgabe über 15 Kilometer in rasanten 18 Minuten

30 Sekunden (= 48,65 km/h).

Wie gegensätzlich die ABC-Mitglieder den Radsport interpretierten,

darauf verweist ein Langsamfahren, das der Kunstradfahrer

Emil Raabe vor Gregers Nissen „gewann“ und das ebenfalls

Teil der „Clubrennen“ war . Es wirkt nahezu so, als ob

Raabe, Nissen und Co. ihren rasenden Vereinskameraden damit

eine ironisch verpackte Botschaft senden wollten. Denn

ein großer Teil der ABC-Mitglieder konnte sich immer weniger

mit der grassierenden Geschwindigkeitseuphorie im Radsport

anfreunden und klammerte sich umso fester an das Kunstradund

Reigenfahren. Eine Folge dessen war, dass der ABC am 1.

Oktober 1893 aus dem Rennverein Hamburg-Altonaer Radfahrer

austrat, weil er die geplante Erhöhung der Kurven der Grindelbergbahn

nicht mittragen konnte und wollte. 30 Damit vollzog

der Club ganz direkt, aber auch symbolisch seinen

Abschied vom Radrennsport, was den wenigen verbliebenen

Radrennfahrern um Albert Suhr sicherlich nicht zusagte. Im

Dezember 1895 ging der ABC noch einen Schritt weiter und trat

mit seinen 130 Mitgliedern aus dem DRB aus. 31 Damit beendete

der Club die jahrelangen Diskussionen um „Herren“- gegen Berufsfahrertum

mit einem radikalen, öffentlichkeitswirksamen

Schritt. Der ABC habe länger im DRB auf ein energisches Vorgehen

gedrängt „gegen diejenigen Amateure, die entgegen

aller Bestimmungen sich fortgesetzt mit hohen Barbeträgen

entschädigen ließen“, doch ohne Erfolg. 32 „Der Bundessportausschuß

ließ trotz Proteste und Vorlegung der Bargeldquittungen

alles hingehen und infolge eines krassen Einzelfalles

kam es zum Bruch mit dem D. R. B., sodaß der A. B.-C. den Austritt

seiner gesamten Mitlieder aus dem Bund beschloß“.

Der ABC fühlte sich zu diesem Zeitpunkt mächtig und stark genug

für diesen Paukenschlag. Seit 1890 stieg die Zahl der Mitglieder

kontinuierlich und umfasste Teile der wirtschaftlichen

Elite der Stadt Altona, womit sich der ABC immer mehr zum

Ausgabe der ABC-„Mitteilungen“ von 1894,

dem vereinsinternen Informationsblatt.

Nicholas „Nick“ Kaufmann (1861-1943), hier auf einem Portrait von 1898,

war der erfolgreichste Kunstradfahrer seiner Epoche und trat

verschiedentlich auf ABC-Radfahr-Festen auf.

sportlichen, aber gerade auch zum sozialen Netzwerk entwickelte.

Einen sehr guten Einblick in das Innenleben des ABC in

den frühen 1890er Jahren ermöglichen einige Jahresberichte

mit umfangreichen Informationen über Mitglieder und Aktivitäten

des Clubs. 33 Von 73 männlichen Mitgliedern Ende 1891

stieg die Zahl auf 88 im Herbst des folgenden Jahres. Das Mitgliederverzeichnis

listet neben dem Namen und Wohnort auch

den jeweiligen „Stand“, also den Beruf auf und lässt damit die

bürgerliche Ausrichtung des Vereins klar erkennen. Sehr viele

Mitglieder sind Kaufleute, unter ihnen befinden sich auch einzelne

Weinhändler, Braumeister und „Conditoren“, womit der

ABC nicht über die schlechtesten Voraussetzungen für gelungene

Feierlichkeiten verfügte. Mit C. Raabe wird ein „Reisender“

verzeichnet – ob er seine Reisen auf dem Rade unternommen

hat, ist leider nicht bekannt.

Dass der ABC 1891 nicht nur ein Sportverein war, sondern vor

allem auch der Geselligkeit der Mitglieder diente, dies verrät

der Jahresbericht ebenfalls recht unumwunden. Wöchentlich

fanden „Club-Abende“ statt, die „durchgehend gut besucht“

waren. Stilsicheres Auftreten galt dabei als unabdingbar und

so entschied die Versammlung im Oktober 1891 ebenfalls über

71


modische Dinge: „Der Club-Anzug wird wie folgt bestimmt. Jacket

einreihig, Farbe des Anzugs dunkelblau.“ Fahrrad gefahren

wurde selbstverständlich auch, so fanden im Berichtszeitraum

insgesamt 27 „Saal-Fahrabende“ statt, zumeist im „Englischen

Garten“ in der Großen Freiheit und einige wenige bei „Sagebiel“.

Der ABC brach zu 19 „Sommerfahrten“ auf, beispielsweise

nach Buxtehude, nach Lübeck, eine „Nachtfahrt nach Bramstedt“

(27./28. August), eine „Bummeltour“ nach Wedel (12. Juni),

nach Glückstadt usw. Die Teilnehmerzahlen lagen gelegentlich

um die 20, häufiger aber unter zehn Personen, was den

Vorstand bitterlich enttäuschte: „Die Beteiligung an den Clubfahrten

ist angesichts der grossen Mitgliederzahl eine sehr

schwache gewesen.“ 34

Feste wussten die ABC-Mitglieder auch 1892 zu feiern und sie

bildeten weiterhin einen Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten.

So fand am 3. Januar 1892 eine nachträgliche Weihnachtsfeier

statt; am 21. Januar 1892 wurde ein „Gala-Radfahrfest“ zugunsten

der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

veranstaltet; am 3. März folgte ein „Grosses Gala-Radfahrfest“

im Englischen Garten und am 4. April ein ebenso „Grosses Concurrenz-Saalfest“.

Bei den Zusammenkünften konsumierten die

Mitglieder auch alkoholische Getränke, wie dem Bericht mehr

oder minder deutlich zu entnehmen ist: Nach dem Fest am 21.

Januar ereignete sich Folgendes: „Das hierauf folgende Kränzchen

verlief sehr heiter. Mit einer gemütlichen Breakfahrt, morgens

3 ½ Uhr, nach Altona (bei 15° Kälte) endete das Fest. Einer

ging leider im Schnee verloren.“ 35 Die Leidenschaft für das

Fahrrad und der soziale Status verband die ABC-Mitglieder, der

Alkoholgenuss schweisste die Gemeinschaft noch weiter zusammen.

In der Welt des Radsports bürgerte sich für den Winter

der Begriff „gesellige Zeit“ ein, in der keine Wettkämpfe

stattfanden und stattdessen dem Alkohol zugesprochen wurde

– der ABC bildete diesbezüglich keine Ausnahme. Der Schriftsteller

Eduard Bertz giftete einige Jahre später gegen den verbreiteten

Alkoholkonsum, gegen die „Kneipereien“ in Radfahrerkreisen

und erkannte darin die „alte Spießgeselligkeit“. 36

Neben den kleinen Sünden spiegeln die Jahresberichte teilweise

auch die große Politik wider, wenn auch in negativer

Sicht. Denn im August 1892 erfasste Hamburg eine städtische

Katastrophe, der annähernd 10.000 Menschen zum Opfer fie-

Originales Plakat von 1894 für ein großes Fest des ABC

im Lokal „Englischer Garten“ in der Großen Freiheit.

Gregers Nissen gab es zur Aufbewahrung seinem Sohn Werner,

der es in den 1980er Jahren an den Radsport-Sammler

Wolfgang Gronen weiterreichte.

Das Drais-Denkmal in Karlsruhe – bei der Enthüllungsfeier

am 24.9.1893 war der ABC anwesend.

len. Im August brach eine verheerende Choleraepidemie aus,

begünstigt durch die beengten Wohnverhältnisse der Arbeiterinnen

und Arbeiter in den so genannten Gängevierteln. 37 Wer

es sich leisten konnte, verließ die Stadt fluchtartig, um der Gefahr

einer Ansteckung zu entkommen. Anders als Altona, verfügte

Hamburg nicht über eine moderne Wasserfilterung, weshalb

sich die ansteckenden Bakterien über das Trinkwasser

verbreiten konnten. „Wegen der herrschenden Cholera-Epidemie

wurden keine weiteren Clubfahrten angesetzt“, vermerkt

der Jahresbericht. 38 Nachdem die Choleraepidemie im Herbst

überwunden war, organisierte der Club ein wohltätiges Fest,

dessen Erlös den „Nothleidenden“ der Epidemie, also vornehmlich

Angehörigen der Arbeiterklasse zu Gute kam.

Möglicherweise wirkte die Choleraepidemie auch insofern auf

den ABC ein, als dieser in seiner Generalversammlung am 12.

Oktober die Mitgliedschaft von Juden diskutierte. Jüdische Auswanderer

wurden von manchen als Verursacher der Choleraepidemie

gebrandmarkt, ein antisemitisches Stereotyp, das

73


nichts mit der Wirklichkeit gemein

hatte.

Der ABC lehnte in der Abstimmung

einen Ausschluss

von Juden ab und führte

aber auf dem Eintrittsgesuch

die neue Kategorie

„Religion“ ein, die Juden

damit kenntlich machen

sollte. 39

Der ABC dachte aber

nicht nur an andere,

sondern kümmerte sich in den frühen

1890er Jahren intensiv um sein eigenes Auftreten,

sein Image. Dies geschah ganz direkt mit Fotografien

des Clubs, wie „2 gr. Clubbilder, 1 Gruppenbild“ und „2

Vorstandsbilder“. 40 Bisweilen erhielt der Club auch Fotografien

von anderen als Geschenk, wie vom bekannten

US-amerikanischen Kunstradfahrer Nicholas

„Nick“ Kaufmann (1861-1943), der als „Kunstmeisterfahrer

der Welt“ verschiedentlich auf ABC-Festen auftrat

und dem Club zum Andenken „sein Portrait“ vermachte.

41 Die bildliche Repräsentation gewann in

jenen Jahren insofern weiter an Gewicht, da sich die

Drucktechnik verbesserte und Zeitschriften, auch die

Radsport-Fachpresse, vermehrt Fotos reproduzierten.

Das erwünschte Selbstbild beschränkte sich aber

nicht auf visuelle Aspekte. Der ABC schärfte in den frühen

1890er Jahren seine Traditionspflege als einer der

ersten Pioniervereine in Deutschland. Nicht nur der

Pioniercharakter, sondern gerade auch die Ausdauer

der Mannen um Harro Feddersen in der „gummilosen,

schrecklichen Zeit“ sollte nun betont und heroisiert

werden. Der ABC begann damit, eine spezifische Geschichtspflege

und Erinnerungspolitik zu betreiben, in

deren Kern der vermutlich in den Jahren 1892/93 auftauchende

Namenszusatz „aeltester Bicycle-Club der

Welt“ stand.

Titel der Festzeitung zum 25-jährigen Jubiläum im Frühjahr

1894. Der Begriff „Commers“ stammte aus der Studentensprache

und bedeutet hochoffizielle Feier. Auf dem Umschlag

prangt links oben die Büste vom Erfinder der Laufmaschine

Karl Drais und in der Mitte der Spruch „Einigkeit macht

stark“.

Zeichnungen und Gags aus der Commers-Zeitung von 1894:

Die „Heimkehr“ spielt mehr als deutlich auf den gemeinsamen

Alkoholkonsum an; August Lehr war der „Altmeister“

des Radsports in Deutschland.

75


Ankündigung der großen 25-jährigen Jubiläumsfeier in den Altonaer Nachrichten vom 11.4.1894.

Der Superlativ „aeltester“ bedeutete dabei jedoch nicht erster

Radfahrverein, wie es wohl leicht missverstanden werden

konnte und immer noch kann, sondern meinte am längsten

existierender Verein. Schließlich hatten sich in Frankreich bereits

1868 mehrere Fahrradvereine gegründet, die sich allerdings

zumeist recht schnell wieder auflösten. Dennoch gründeten

sich französische Vereine wie der Véloce-club Rouen,

am 17. März 1869 ins Leben gerufen, die älter als der ABC waren

und die bis heute existieren. 42 Die Altonaer blickten vermutlich

aber überhaupt nicht nach Frankreich, denn der französische

Das Programm der Jubiläumsfeier mit Reden, Liedern,

Trinksprüchen und einer damals als belustigend empfundenen,

kolonial insprierten Aufführung von schwarz geschminkten Weißen

(black face) unter Punkt 10.

Nächste Doppelseite: Treffen von schleswig-holsteinischen

Radfahrvereinen an einem unbekannten Ort um 1895.

Der ABC steht mit dem Banner in der obersten Reihe rechts.

77


Einladungskarte für ein ABC-Fest im „Englischen Garten“ in der Großen Freiheit 1894.

„Erzfeind“ war im deutschen Bürgertum unbeliebt bis verhasst,

wohl auch bei den national eingestellten ABC-Mitgliedern. Die

Altonaer orientierten sich vielmehr an England und dem dortigen

Kaufmanns- und Sportsgeist. Wer den werbewirksamen

Superlativ des ältesten Radfahrervereins erdachte, ist nicht bekannt.

Es spricht aber einiges dafür, dass die Idee vom Mitbegründer

Harro Feddersen stammte, der als Kaufmann und

Fahrradhändler ein feines Gespür für Marketing hatte. Feddersen

schaltete regelmäßig Annoncen für sein Geschäft in der

Palmaille, das er stolz als „Erste und älteste Fahrrad-Handlung

in Deutschland!“ anpries. 43

In der Folgezeit verwendete der ABC seinen neuen Slogan

„aeltester Bicycle-Club der Welt“ intensiv, wenn nicht inflationär.

Das sich anbahnende 25-jährige Jubiläum im Frühjahr 1894

warf bereits seine Schatten voraus und wirkte sicherlich auf

die forcierte Werbestrategie und das „Alleinstellungsmerkmal“

des ABC ein. Im Vorfeld standen aber andere Veranstaltungen

an, wie die feierliche Einweihung des Drais-Denkmals am

24. September 1893 in Karlsruhe. Der ABC nahm an der Enthüllung

des vom Deutschen Radfahrer-Bundes initiierten Denkmals

teil, wovon eine Plakette am Stab des Banners zeugt. 44

Vorherige Seite: Titelblatt der Fest-Zeitung für das „Prunk-Saal-Fest“

des DRB in Hamburg im März 1898. Der ABC war nicht anwesend,

da er drei Jahre zuvor aus dem Verband ausgetreten war,

wurde aber schmerzlich vermisst.

Für die Altonaer war es selbstverständlich, Karl Drais’ fahrradhistorische

Initialzündung zu ehren, was mit einem starken

nationalen Sentiment einher ging und einmal mehr eine anti-französische

Stoßrichtung hatte. Bei Zusammenkünften wie

in Karlsruhe bot sich für ABC-Mitglieder zudem die willkommene

Gelegenheit, den eigenen Club zu präsentieren, „Bundesgenossen“

zu treffen und die vorhandenen Kontakte zu

pflegen.

Im Herbst 1893 liefen schon längst die Vorbereitungen auf das

kommende große „25-jährige Stiftungs-Fest“ im darauffolgenden

Jahr, zu dem Fahrradvereine aus ganz Deutschland eingeladen

wurden. 45 Mit einem dreitägigen Fest wollte der ABC sich

selbst und den Siegeszug des Fahrrads entsprechend würdigen.

Die eigene historische Rolle breitete eine eigens verfasste

Geschichte des Vereins mit dem Titel „Entstehung und Entwickelung

des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80“ aus, die aus

der Feder von Gregers Nissen, Harro Feddersen und Friedrich

Runge stammte. 46 Die Verfasser berichteten auf recht humorvolle

Weise vor allem über die Frühphase des Clubs und den

Freuden und das Leid der „Knochenschüttler“, ergänzt um eine

Auswahl von zeitgenössischer Zeitungsartikel der 1880er und

1890er Jahre aus der eigenen „Sammelmappe“. Alle Teilnehmer

des am 14. April beginnenden Festes erhielten die Vereinschronik

als Geschenk und konnten sich damit schon einmal auf

die kommenden Tage einstimmen. Ein abendlicher „Grosser

81


Ausschnitt: Grindelbergbahn

Plan von Hamburg

und Altona, von 1899.


Fest-Commers“, eine offizielle Feier mit Festrede und gemeinsam

gesungenen und teilweise extra gedichteten Liedern, eröffnete

den Reigen. Der „Commers“ fand im Germania-Saal in

der Großen Freiheit statt, dessen Besitzer Fritz Hensler war, seines

Zeichens „Fahrwart“ des ABC. Gregers Nissen begrüßte als

Vorsitzender die „äußert zahlreich von Nah und Ferne erschienenen

Festtheilnehmer“, deren Zahl bei vielen hundert, wenn

nicht gar über tausend gelegen haben dürfte. Wie auch in der

Chronik, blickte Nissen auf die Geschichte des Vereins und offerierte

wohl dem Publikum manch unterhaltsame Anekdote. 47

Zahlreiche Grußbotschaften anderer Rad- und Sportvereine

wurden verlesen, unterbrochen von humoristischen Einlagen

und Vorführungen; die Anwesenden sprachen dem Alkohol

reichlich zu, nicht nur in den eigens dafür vorgesehenen „Bierpausen“.

So war zumindest in der Zeitung zu lesen: „Die Stimmung

war eine sehr gehobene und das Eröffnungsfest verlief

erst mit Morgengrauen in der schönsten Weise zu allseitiger

Befriedigung.“ Für die Eröffnungsveranstaltung erstellte der

ABC eine prunk- und mühevoll gestaltete „Commers Zeitung,

die zahlreiche Trinksprüche, Gags mit und ohne Radfahrern

und recht deutliche Hinweise auf den gemeinschaftlichen Genuss

geistiger Getränke enthielt. 48

Emil Naucke (1855-1900) war Artist und rund 230 Kilogramm schwerer

„Kraftmensch“. Von 1896 bis 1900 betrieb er am Spielbudenplatz ein

eigenes Varieté. 1898 erlernte Naucke

das Radfahren und führte anschließend humoristische Fahrrad-

Nummern zusammen mit dem kleinwüchsigen Peter Hansen auf.

Ein „Trompetercorps der Artillerieabtheilung“ – „in prachtvollen

Wallenstein-Kostümen zu Pferde“ – begleitete den Umzug und

sorgte für musikalische Untermalung und Aufmerksamkeit.

„Der Festwagen des Zuges, eine Radfahrergruppe überragt von

Einen der absoluten Höhepunkte der Feierlichkeiten bildete

der Festumzug am kommenden Tag. Im Vorfeld war die Bevölkerung

entlang der vorgesehenen Strecke aufgerufen worden,

ihre Häuser mit Fahnen zu schmücken, um dem ABC in den

heimischen Straßen die Ehre zu erweisen. Vom Sammelpunkt

am Bahnhof Holstenstraße setzte sich der Zug in Bewegung

und bot einen wahrhaft ungewöhnlichen Anblick. „Die Fahrer

des Altonaer Jubiläumsclub hatten sich neue blausammtne

Costüme angeschafft; die Speichen ihrer Räder waren mit farbigen

Blumen geschmückt, ebenso diejenigen

einzelner anderer Hamburger Vereine.“

49

Der Umzug bestand aus verschiedenen

Wagen („Equipagen“), der Mitbegründer

des Clubs Harro Feddersen thronte mit

seiner „Gemahlin“ in einem von vier

Schimmeln gezogenen Wagen und unterstrich

damit seine herausragende und gewichtige

Rolle in der Vereinsgeschichte.

Werbepostkarte des Hotels Kaiserhof direkt

am Altonaer Bahnhof um 1900.

Das Lokal diente regelmäßig

als Austragungsort von ABC-Festen.

84


Erinnerungsplakette

am Stab des

ABC-Banners

anlässlich des

30-jährigen Jubiläums

des ABC 1899, dem der

befreundete Berliner-

Radfahrer-Club

Borussia von 1886

beiwohnte.


einer Germania mit Schwert und

Schild, machte durch seine reiche

Decoration mit lebenden

Pflanzen, Palmenwedeln, Fahnen

und Standarten einen ganz besonders

festlichen Eindruck und

erregte die Bewunderung aller

Zuschauer.“ Nationale Symbolik

durfte nach dem Willen der Verantwortlichen

also nicht fehlen

und sollte die politische Einstellung

der Clubmitglieder verdeutlichen.

An der Spitze des Zuges

befanden sich drei stilisierte

Radfahrer auf Rädern aus den

Jahren 1817, 1869 und 1894 – also

ein eine Draissche Laufmaschine,

ein Veloziped und schließlich

„ein hochmodernes Stahlroß mit

allen Verbesserungen der jüngsten

Zeit“.

Der ABC betrieb damit auf anschauliche Weise Fahrrad-„Geschichtsschreibung“

und feierte die technische Entwicklung

des Fahrrades im 19. Jahrhundert, die einige ABC-Mitglieder auf

ihren „Knochenschüttlern“ noch am eigenen Leibe erfahren

hatten. Bis auf die früheste Phase der Laufmaschinen hatte

der Club die verschiedenen Entwicklungsstufen hautnah miterlebt

und konnte 1894, nur wenige Jahre vor der überschäumenden

Fahrradbegeisterung mit der eigenen historischen

Rolle rundum zufrieden sein. Das Fest 1894 markiert wie kaum

ein anderes Ereignis die Blütezeit des ABC und bezeugt den

hohen Stellenwert des Radfahrens im Bürgertum „vor dem

Boom“. Der Club bekannte sich zum DRB, indem er den Vorsitzenden

Carl Hindenburg zum Ehrenmitglied ernannte und

würdigte auf gleiche Weise seinen Mitbegründer Harro Feddersen,

der maßgeblichen Anteil daran gehabt hatte, dass der

Verein überhaupt noch existierte.

Im weiteren Verlauf des Jahres folgten im Mai das 25-jährige

Jubiläum des Münchener Velociped-Clubs und im November

das des Magdeburger Velocipeden-Clubs von 1869 50 , dem per

„Drahtwunsch“ folgende Zeilen überbracht wurden: „Auch Du,

mein lieber Bruder, stehst jetzt im Silberschmuck; Hast mannhaft

widerstanden der ersten Jahre Druck. Halfst kräftig mitzubauen

den deutschen Radfahr-Bund; Gabst uns den lieben

Hindenburg in jener schönen Stund'. Es mög', was jetzt in

Silber Dir gewunden, Dereinst in

Gold verschönen Deine Stunden.“

51 Die drei genannten Vereine

hatten als einzige in Deutschland

die 1870er Jahre überlebt

und fühlten sich nicht zuletzt

deshalb eng verbunden. Die

einstmals innige Freundschaft

mit den Münchenern war jedoch

inzwischen abgekühlt und wurde

nicht mehr so intensiv wie einst

gepflegt.

Nach dem Jubiläum blieb es

auch 1894 für den ABC turbulent.

Im Dezember des Jahres trat Gregers

Nissen als Vorsitzender zurück,

da er sich aufgrund der Kritik

einiger Mitglieder an seinem

„Was alles radelt“ – Karikatur von 1898

über den Fahrradboom der Jahrhundertwende.

Führungsstil in seiner Ehre verletzt

fühlte. 52 Friedrich Runge

übernahm den Vorsitz, doch Nissen blieb nach seinem Rücktritt

weiterhin dem ABC treu. Zwischendurch führte Nissen im

Mai 1895 die „Jugend-Abtheilung“ ins Alstertal und konnte trotz,

oder vielleicht gerade wegen einer „kurzen interessanten Irrfahrt“

die jugendlichen Radfahrer begeistern. 53 Die ABC-Kunstradfahrer

blieben ebenfalls aktiv und konnten weiterhin beachtliche

Erfolge feiern, wie Max Winter auf dem VIII. Kongress

der ARU in Aachen, als er das Kunstradfahren auf dem Hochrad

„mit großer Ueberlegenheit“ gewann und anschließend als

„Meisterfahrer von Deutschland“ galt. 54 Bei der kurz zuvor ausgerichteten

Meisterschaft des DRB in Halle erzielte Winter immerhin

den zweiten Platz, ob er hier als ABC-Mitglied oder für

einen anderen, dem DRB angehörenden Verein startete, muss

offen bleiben. Der ABC wurde nach seinem Austritt aus dem

DRB 1895 teilweise auch schmerzlich vermisst, wie auf dem

„Prunk-Saalfest“ des Hamburger Landesverbandes Anfang

März 1898. Dort waren, so beklagten die Altonaer Nachrichten,

„die besten Vereine Altonas nicht einmal vollzählig am Platz“

und der „hervorragende Altonaer Bicycle-Club von 1869/80“

fehlte leider „gänzlich“. 55

Die große Blütezeit des ABC neigte sich nun spürbar ihrem Ende

und der Austritt aus dem DRB ließ die Zahl der Mitglieder

sinken, auf 96 Anfang 1898. 56 Unbeirrbar setzte der Club aber

seine Tradition der Festivitäten fort und beging am

9. März 1899 mit einem „Großen Gala-Saalfest“ sein 30-jähriges

86


Jubiläum. 57 Der befreundete Verein „Borussia“ Berlin weilte zu

diesem Anlass für zwei Tage in der Stadt und bereicherte die

Feierlichkeiten, deren Erlöse dem „Verein für Ferien-Colonien

zu Altona“ zugute kamen. Einmal mehr planten die Veranstalter

eine Pantomime ein, die mit den Kolonien ein damals vielbeachtetes

Thema aufgriff. „In einer großen Schluß-Pantomime

‚Ein Sommerausflug nach Kamerun‘ wird man dem Publikum

das Leben und Treiben, die Leiden und Freuden der Radfahrer

vor Augen führen.“ 58 Kamerun war seit 1884 deutsche Kolonie

und stand wohl stellvertretend für das gesamte deutsche Kolonialreich,

auf das gerade die Hamburger Kaufleute mit Stolz

blickten und auf das einige von ihnen mittels Handelsbeziehungen

zuvor hingearbeitet hatten. Ein Fahrradausflug nach

Kamerun sollte vermutlich, nähere Details sind leider nicht bekannt,

auf humoristische Weise mittels des Symbols des Fahrrads

die Tücken der „Wildnis“, aber wohl auch die vermeintliche

deutsche Überlegenheit gegenüber den Einheimischen

darstellen und damit koloniale Herrschaft legitimieren. Erneut

verquickte der ABC, „einer der stärksten Vereine Deutschlands“,

damit Sport, Unterhaltung und Zeitgeschehen.

Während das Fahrrad in Afrika noch wenig verbreitet war, sah

dies an Rhein und Elbe mittlerweile deutlich anders aus. Denn

insbesondere in den Jahren 1897/98 erlebte das Radfahren einen

ungeheuren Aufschwung und entfachte jene „Fahrradmode“

oder gar „Fahrradmanie“, die viel zitiert und oft karikiert

wurde. Technische Errungenschaften wie das Niederrrad und

der Luftreifen hatten den Weg geebnet, damit das Fahrrad immer

mehr zum Verkehrsmittel für viele werden konnte. Pioniere

wie die Mitglieder des Altonaer Bicycle-Clubs begleiteten

und trieben diese Entwicklung entschlossen voran. Sinkende

Preise dank der industriellen Fertigung und günstige Importe

aus dem Ausland wie den Vereinigten Staaten ermöglichten

nun immer mehr Menschen eine Teilhabe am Radfahren. Auf

einmal war das Fahrrad in aller Munde und in Mode. „Wer hätte

vor einem Jahrzehnt, ja noch vor 3 Jahren geglaubt“, stellte die

Neue Hamburger Zeitung im September 1896 fest, „daß das

Fahrrad eine solche Rolle spielen würde und spielen wird.

Schon jetzt sehen wir täglich, welch’ eine kolossale Ausdehnung

dasselbe in allen Kreisen der Bevölkerung findet, wie die

Vorteile sind, die dasselbe im praktischen Leben sowohl, als

auch dem Vergnügensuchenden bietet“. 59

Mit Vergnügen kannte sich in Hamburg insbesondere Emil

Naucke aus, der als Artist und „Kraftmensch“ durch Europa und

Nordamerika getingelt war und seit 1896 sein eigenes Varieté

am Spielbudenplatz betrieb. 60 1898 überlegte auch Emil Naucke,

inmitten des allgemeinen Fahrradbooms, ein Fahrrad zu

kaufen und sich unter die Radler zu mischen. Der Hamburger

Presse war dies sogar eine eigene Meldung wert: „Wo Alles, Alles

radelt, kann’s Naucke allein nicht lassen“. 61 Naucke gründete

anschließend sogar einen eigenen Fahrradverein, den RV

„Naucke“, und trainierte öffentlich mit regelmäßigen Trainingsstunden

im Velodrom an der Holstenstraße. 62 Emil Naucke behandelte

das Fahrradthema außerdem in einer humoristischen

Nummer, die er zusammen mit dem kleinwüchsigen

Gastwirt Peter Hansen aus Schleswig einstudierte. Das ungleiche

Paar führte Kunststücke auf seinen unterschiedlich großen

Fahrrädern aus, die das Publikum offenbar sehr amüsierten.

Emil Naucke bewarb sich selbst als „der schwerste Radfahrer

der Welt“ und karikierte damit die Begeisterung für das Fahrrad

um die Jahrhundertwende.

In jenen Jahren erschienen zudem zahlreiche Fahrradbücher

wie das von Paul von Salvisberg herausgegebene Handbuch

„Der Radfahrsport in Bild und Wort“, das zahlreiche Facetten

des Radfahrens berücksichtigte und dabei auch mehrfach die

wegweisende historische Rolle des ABC streifte. 63 Der Schriftsteller

Eduard Bertz veröffentliche 1900 seine „Philosophie des

Fahrrads“, in der er ein Lobeslied auf das Rad sang und den

volkswirtschaftlichen Nutzen betonte, auch und gerade bezüglich

des Radfahrens von Arbeitern und Frauen. 64 Unzählige Witze

und Karikaturen zogen die Fahrrad-Mode der Jahrhundertwende

durch den Kakao und postulierten mit Bildern wie „Was

alles radelt“ (1898), dass alle Welt nun Fahrrad fahre – ausgenommen

Alte, Gebrechliche und Hinterwäldler.

Vor diesem Hintergrund musste der ABC seine gegenwärtige

Position überdenken, denn der immense Erfolg des Fahrrads

erfreute die Pioniere des Altonaer Bicycle-Clubs, hatten sie

doch jahre- und wenn nicht jahrzehntelang für die Verbreitung

des Radfahrens gekämpft und dabei in der Frühphase zahlreiche

Schmähungen erfahren. Gleichzeitig untergrub der Fahrradboom

aber die stolze und selbstbewusste Position der Vorkämpfer,

da nun „jedermann“ und immer mehr Frauen und

Arbeiter radelten und damit das elitäre, „aristokratische“ Prestige

der Hochrad-Ära hinfällig war. Nicht wenige vormalige

Fahrradpioniere wendeten sich angesichts seiner massenhaften

Ausbreitung vom Fahrrad ab, sattelten auf das Motorrad

und später auf das Automobil, ja sogar auf das Flugzeug um,

und versuchten damit ihren Pionierstatus in die neue Zeit hinüberzuretten.

Auch der ABC konnte die Entwicklung nicht

ignorieren und reflektierte seine Ausrichtung.

87


Fahrradboom


Fahrradboom – Radwandern und Wiedereintritt

in den Bund (1900-1918)

Um 1900 war das Fahrrad in Mode, ja es brach eine regelrechte

„Fahrrad-Manie“ aus. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich

das Fahrrad zum Massenverkehrsmittel und war bald aus dem

Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Der um 1900 ebenfalls äußerst

populäre und spektakuläre Bahnrennsport ließ den ABC

und sein Sportverständnis mit Kunstrad- und Reigenfahren

reichlich antiquiert erscheinen. Die großen Stars und Berufsfahrer

wie Thaddy Robl und Willy Arend zogen große Massen

an Zuschauern zu den Radbahnen, und die „Flieger“ (Sprinter)

und „Steher“ (Distanzfahrer) verzückten die männliche und

wohl auch Teile der weiblichen Jugend mit ihrer wilden Entschlossenheit

und ihren trainierten Körpern. 1 Nach der Jahrhundertwende

kamen auf den Radbahnen motorengetriebene

Zugmaschinen auf und führten in ihrem Windschatten die Fahrer

zu immer höheren Geschwindigkeiten. Die Hansestadt verfügte

mit dem „Großen Preis von Hamburg“ seit 1897 über ein

eigenes bedeutsames Rennen, bei dem namhafte Vertreter wie

Robl und Arend an den Start gingen. Auch Hamburger Radsportler

wie das Bruderpaar Hugo und August Underborg vom

Hamburger Bicycle-Club und das ehemalige ABC-Mitglied

August Ebeling konnten sich allmählich besser gegen die Konkurrenz

behaupten und Siege einfahren. 2

So atemberaubend es dort am Grindelberg bei den „Matadoren“

zuging, so beschaulich sah es demgegenüber in der Welt

des ABC aus. Der Club sei „aus dem aktiven Sportleben“ ausgeschieden

und habe sich stattdessen „dem Wandersport und

gesellschaftlichem Leben“ gewidmet, wie die knappe Festschrift

von 1929 zurückblickend feststellt. 3 Die Mitglieder gingen regelmäßig

zusammen auf Tour in die nähere Umgebung, ganz so

wie es ihre Vorgänger auch bereits getan hatten. Im Frühling

und Sommer häuften sich die Ausfahrten, die der Club in der

Zeitung „Rad-Welt“ im Vorfeld ankündigte. Häufig fanden sonntags

zwei Touren statt, eine am frühen Morgen und die weitere

am Nachmittag. Am 25. September 1900 ging die nachmittägliche

Ausfahrt beispielsweise nach Eidelstedt, um dort die Zielankunft

der Distanzfahrt Hadersleben-Hamburg mitzuerleben. 4

August Ebeling – ehemaliges ABC-Mitglied und erfolgreicher

Radrennfahrer um 1900.

Um den ABC wurde es in den Jahren nach 1900 ruhiger, was

auch an personellen Veränderungen lag. Im Jahr 1900 übernahmen

Julius Kast als Erster und Franz Kistenmacher als Zweiter

Vorsitzender die Leitung des Clubs. 5 Sie hinterließen im Gegensatz

zu ihren Vorgängern wie insbesondere Harro Feddersen

und Gregers Nissen nur wenige Spuren. 6

Vorherige Doppelseite: Umzug auf dem Jungfernstieg während des

DRB-Bundestages 1903. Im Alltag längst nicht mehr gebräuchlich,

nutzten Radfahrvereine das Hochrad immer noch zu repräsentativen

Zwecken.

Werbeplakat von 1910 für August Ebelings „Troupe“ und das

spektakuläre Fahren mir Fahrrad und Motorrad im „Todesring“. Ebeling

hatte das Radfahren in der „Knaben-Abtheilung“ des ABC ab 1887

erlernt und war um 1900 erfolgreiche Radrennfahrer, bevor er als

Radartist auf Tour ging.

90


August Ebeling

August Ebeling wurde am 5. August 1875 geboren und trat 1887 in die „Knaben-Abtheilung“

des ABC ein. Dort erlernte er im zarten Alter von elf Jahren

das Fahren auf dem Hochrad und die ersten Kunststücke. Seine Leidenschaft

für das Radfahren und den Radsport war geweckt. Um 1900 trat

Ebeling bei vielen Radrennen auf der Grindelbergbahn und in ganz

Deutschland an und gehörte mit rund 300 Preisen zu den erfolgreichsten

Fahrern Norddeutschlands. Stolz bezeichnete er sich als „Meisterfahrer

von Norddeutschland, Schleswig-Holstein, Hamburg“. Nach 1900 trat Ebeling

als Fahrradakrobat mit eigenem Programm (A. Ebeling Troupe) in vielen

Ländern auf. Zu seinen Spezialitäten gehörte um 1910 des spektakuläre

Befahren eines von außen einsehbaren Zylinders („Todesring“) oder eines

Globus. Die ohnehin hohe Dramatik dieser Nummer steigerte er noch einmal

mit dem Einsatz von Motorrädern. Nach seiner aktiven Zeit als Fahrradakrobat

ließ sich Ebeling als Kaufmann in Hamburg nieder und leitete

das Eden-Theater. Anfang der 1930er Jahre vermachte er dem Altonaer

Museum ein Michaux-Veloziped, das möglicherweise einem früheren Mitglied

des Eimsbüttler Velocipeden-Reit-Clubs gehört hatte. August Ebeling

starb am 25. Februar 1964 im Alter von 88 Jahren in Hamburg-Hohenfelde.

August Ebeling und seine von ihm aufgelegte Fan-Postkarte aus dem Jahr 1902.

92


Der ABC hatte sich

1895 aus dem Verbandsleben

verabschiedet

und konnte

den anschließenden

Zwist der verfeindeten

Fraktionen mit einigem

Abstand verfolgen. Mit

Gregers Nissen hatten

die Altonaer ein Mitglied

in ihren Reihen,

das eine entscheidende

Rolle in den Auseinandersetzungen

dieser

Zeit spielte. Nissen

wandte sich nach 1895

der 1886 gegründeten

Allgemeinen Radfahrer-Union

(ARU) zu, die

Bildpostkarte mit einer Szene unbeschwerten Radelns auf der Elbchaussee um 1900.

In der abgebildeten und erwähnten Elbschloss-Brauerei arbeiteten zwei ABC-Mitglieder als Braumeister.

ihm ohnehin mit dem

Schwerpunkt des Tourenfahrens inhaltlich sehr nahestand, und Wohl nicht ganz zufällig fand 1903 der Bundestag des Deutschen

Radfahrer-Bundes nach 1889 erneut in Hamburg statt,

leitete dessen „Consulat“ in Hamburg. Gleiches tat Nissen, es

war wirklich reichlich unübersichtlich, für den der ARU verbundenen

Deutschen Tourenclub Hamburg-Schleswig-Holstein. 7 verstärkt haben dürfte. Der vom 1.-3. August 1903 abgehaltene

was die Einigungsbemühungen zumindest der Altonaer wohl

Aus Letzterem ging 1899 der maßgeblich von Nissen begründete Bundestag des DRB, zu dem der Hamburger Senat einen prunkvollen

Pokal als „Ehrengabe“ 10 stiftete, bot wieder sportliche Ver-

Norddeutsche Radfahrer-Bund hervor, der sich wenig später

dann mit der ARU entzweite und 1901 zusammen mit dem anstaltungen wie Wettrennen auf der Grindelbergbahn, Feste

Sächsischen Radfahrer-Bund und dem Westdeutschen Radfahrer-Bund

das „Kartell deutscher Wanderfahrer“ gründete. 8 An im Amt des Bundesfahrwarts für das Wanderfahren organisierte

und Ausflüge in die Umgebung. 11 Der Vorgänger Gregers Nissens

dieser Stelle dürfen wir wohl abkürzen: Die organisierten deutschen

Radsportler waren um 1900 nicht unter „einen Hut zu Dampfschiff „Sigurd Jarl“ nach Norwegen und Schweden. Die

eine 14-tägige „Nordlandfahrt“ ab dem 4. August auf dem

kriegen“ und trugen ihre Feindseligkeiten untereinander in aller Gruppe eiferte damit Kaiser Wilhelm II. nach, der eine intensive

Öffentlichkeit und in der Fachpresse aus. Dennoch versuchten

einige Besonnene, zu denen wohl auch Gregers Nissen gehörte,

seit 1898 die Wogen zu glätten und den Radsport wieder zu einen.

1903 konnten sich die meisten Parteien schließlich einigen,

und Nissen trat ebenfalls mit seinem Norddeutschen Radfahrer-Bund

wieder dem DRB bei. Als Anerkennung seiner Verdienste

berief ihn der Bund anschließend in den Vorstand, wo

er fortan die Position des „Bundesfahrwartes für das Wanderfahren“

bekleidete. Der ABC trat 1903 auch wieder in den DRB

ein und verfügte mit seinem ehemaligen Vorsitzenden Gregers

Nissen nun beste Verbindungen zum einflussreichen Verband. 9

Anzeige für den Bundestag des Deutschen Radfahrer-Bundes

in Hamburg 1903.

93


Vorherige Doppelseite: Karte aus dem populären Führer

„150 Ausflüge in Hamburgs Umgebung“ von 1912/13.

Leidenschaft für den Norden und insbesondere für die „Nordlandfahrten“

hegte; die Radfahrer nutzten im Gegensatz zum

deutschen Kaiser an Land aber die Gelegenheit, per Fahrrad

die Schönheiten der nordischen Natur zu erkunden. Gregers

Nissen selber nahm als Vorsitzender des Norddeutschen Radfahrer-Bundes

an der Einigungsversammlung in Hamburg teil

und signalisierte damit symbolisch seinen Wiedereintritt in den

DRB. 12 Mit Nissen hatte der ABC, wie zuvor in der Person Harro

Feddersen, fortan ein reichsweit bekanntes Gesicht und Aushängeschild.

Nissen personifizierte geradezu die damalige Philosophie

des ABC, Radsport als Breitensport zu betreiben und

vor allem das Touren- und Wanderfahren zu pflegen.

Die ABC-Mitglieder setzten dies nun in aller Regelmäßigkeit in

die Praxis um – mit und wohl nun häufiger ohne den vielbeschäftigten

Gregers Nissen – und unternahmen Fahrradtouren

nach Schulau, ins Alte Land und die Vier- und Marschlande. Damit

folgten sie teilweise den Routenvorschlägen, die Gregers

Nissen in seinem 1897 erschienenen Radführer „Von Hamburg

auf dem Rade nordwärts“ vorgeschlagen hatte. Während auf

den Radbahnen das Spektakel immer weiter gesteigert wurde

und die Motoren vor den „Stehern“ knatterten, gingen die ABC-

Mitglieder auf Bummeltour in die Umgebung und genossen die

so erradelte Ruhe.

Gregers Nissen war zwar als Repräsentant des DRB oft im Inund

Ausland unterwegs, dennoch prägte er auch weiterhin seinen

Heimatclub nicht nur mit seinen Wanderfahrten. Als gelernter

Pädagoge und aktiver Volksschullehrer war ihm die Förderung

der Jugend ein besonderes Anliegen. Ende Oktober 1911

beschloss der ABC auf einer Versammlung eine „Jugendabteilung

des Deutschen Radfahrerbundes“ zu gründen, deren Leitung

Nissen übernehmen sollte. 13 In diese konnten Schüler im

Alter von 11 bis 18 Jahren eintreten, ob dies auch Schülerinnen

möglich war, wird aus der Pressenotiz nicht ersichtlich. Die Mitglieder

der Jugendabteilung waren Erwachsenen insofern

gleichgestellt, als sie nach Eintritt automatisch eine Haftpflichtund

Unfallversicherung erhielten. Gregers Nissen dachte mit

Ein Radpolospiel in Altona 1914. Sowohl der Sportplatz als auch die Mannschaften sind unbekannt; möglicherweise handelt es sich um ABCer.


Radsport-Stars auf der Grindelbergbahn 1902: Willy Arend (ganz links), Paul Bourillon (2. von links) und Bruno Büchner (ganz rechts).

der neuen Jugendabteilung wohl auch an seine eigenen acht

Söhne, er wollte aber auch gezielt Nachwuchs für den ABC anwerben

und den Club damit für die Zukunft stärken. Für den

Anfang des Jahres 1912 beschloss der ABC zudem, einen „Lichtbilder-Abend

für Schüler und deren Eltern“ zu veranstalten, was

ebenfalls auf Nissens Initiative zurückging. Nissen erkannte

sehr früh, bereits um die Jahrhundertwende, die immense Kraft

der Fotografie und setzte sie fortan bei eigenen Vorträgen und

in seinen Reiseberichten ein. 14 Mit der Schönheit der Bilder

wollte er Altonaer Stadtkinder und Jugendliche begeistern und

nicht zuletzt für eine Mitgliedschaft im ABC gewinnen.

Nissen setzte auf die Reize der Natur und wollte den

Jugendlichen das Radwandern schmackhaft machen,

ganz so wie er es bei seinen Söhnen schaffte,

die bereits im Alter von 15 Jahren eigenständig auf

die ersten Radreisen gehen durften. 15

Die neu geschaffene Jugendabteilung

sollte den Nachwuchs ebenfalls

im Kunstradfahren ausbilden

und damit eine Tradition des

Clubs fortsetzen. Mit dem Training

des Reigenfahrens wurden

die Jugendlichen in Körperbeherrschung

und Disziplin geübt, die gänzlich den bürgerlichen

Werten und damit denen des ABC entsprach.

Transportierte der Radrennsport etwas Individualistisches, so

bildeten die jungen Kunstradfahrer bei gemeinsamen Übungen

ihrer „Reigen“ eine Gemeinschaft.

Der ABC-Nachwuchs wandelte auf den Spuren von namhaften

Kunstradfahrern wie Richard Schulz und Max Winter, vielleicht

begeisterte ihn n jenen Jahren aber auch zwei neuartige Spiele:

Radpolo und Radball. 16 Der ABC hatte bereits sehr früh das Spiel

kennengelernt, als Nick Kaufmann und Grant McAnney am

2. März 1893 auf dem vom Club veranstalteten „Gala-Radfahrfest“

im Englischen Garten Radball vorführten. Kaufmann und

Grant McAnney stellten auf dem ABC-Fest 1893 das Spiel

vor, welches als „[b]esonders interessant und ganz

neu“ charakterisiert wurde. 17 Über die Vorführung des

„Polospiels“, wie Radball hier verwirrenderweise genannt

wird, heißt es weiter, es sei „ein Ballspiel ähnlich

dem Fussballspiel, bei welchem der Ball

von dem kleinen Vorderrad des Starrades

im entscheidenden Moment

zur Seite und in die Höhe

geschleudert wird. Man hatte

hier Gelegenheit zu beobachten,

bis zu welcher Vollendung

die Augenblicks-Disposition gefördert

werden kann, ohne an Sicherheit einzubüssen.“

Radball wurde und wird mit einem speziellen Ball und

97


Hamburger Stadtplan um

1913 vom 1899 gegründeten

Verein zur Förderung des

Fremdenverkehrs in

Hamburg.

99


ohne Schläger gespielt, im Gegensatz zum Radpolo, bei dem

der deutliche kleinere Ball mit einem Holzschläger geschlagen

wird. In Deutschland dauerte es einige Jahre bis die ersten Vereine

anfingen Radball und Radpolo zu spielen. Vor allem Berliner

Clubs wie Berolina und Groß-Lichterfelde eigneten sich

ab 1900 die neuen Disziplinen an, die zu dieser Zeit vor allem

auf dem Rasen von Mannschaften mit bis zu zehn Personen

gespielt wurden. 18 In der Umgebung Hamburgs praktizierte

Sport Bergedorf als einer der ersten Vereine das Radballspiel.

Radpolo breitete sich zeitgleich mit dem Radball aus und fand

mit dem deutschen Kronprinzen Wilhelm von Preußen (1882-

1951) einen prominenten Förderer. 19 Ob der ABC bereit vor dem

Ersten Weltkrieg Radball und Radpolo spielte, lässt sich nicht

eindeutig sagen. Vermutlich spielten ABC-Mitglieder beide Ballsportarten

auf dem Rade, sie gingen damit aber – noch – nicht

in die Öffentlichkeit und konkurrierten nicht mit anderen Vereinen.

Dass Radball und Radpolo vor dem Ersten Weltkrieg aber

in Altona bekannt und verbreitet waren, davon zeugt ein Artikel

von Gregers Nissen über den „Sport in Altona“ 1914, der neben

dem Fußball dem Radsport viel Platz einräumt und auch ein

Foto von Radpolospielern enthält. 20

Die Grindelbergbahn hatte 1906 geschlossen und abgerissen

werden müssen, um dem Häuserbau und dem Kaiser-Friedrich-Ufer

zu weichen; das 1899 eröffnete Velodrom an der Rothenbaumchaussee

– damals die größte Halle Deutschlands –

befand sich schnell in finanziellen Schwierigkeiten und schloss

1912 wieder. Nichtsdestotrotz engagierten sich die Altonaer Radsportler

für eine eigene Radrennbahn in der Stadt, um auch

weiterhin eine Trainings- und Wettkampfstätte zur Verfügung

zu haben. Gregers Nissen hatte sich bereits 1912 für eine Radbahn

im geplanten „Lunapark“ eingesetzt, nahe der heutigen

Kieler Straße (wo noch eine Straße namens „Lunapark“ daran

erinnert). 21 Der Vergnügungspark mit etlichen Attraktionen wurde

schließlich 1914 eröffnet. 22

Im gleichen Jahr beging die Stadt Altona ihr 250-jähriges Jubiläum

und richtete eine große Gartenbauausstellung aus. 23 Die

Walter Milz als Soldat im Ersten Weltkrieg um 1916.

100


Altonaer Turn- und Sportvereine wollten angesichts der vielfältigen

festlichen Aktivitäten nicht im Abseits stehen und beteiligten

sich zahlreich an der „Jubiläums-Sportwoche“ vom 6.-

14. Juni 1914. Der ABC war direkt an den Planungen beteiligt,

denn Gregers Nissen gehörte als „Vertreter für Radfahren“ dem

vorbereitenden „Arbeitsausschuß“ an, während Harro Feddersen

im repräsentativen „Ehrenausschuß“ saß. 24 Im Rahmen der

Sportwoche wurde auch die Radrennbahn im Lunapark feierlich

eingeweiht. 25 Eröffnung und gleichzeitig Höhepunkt der

Sportwoche bildete der Festzug durch die Straßen Altonas, dem

sich 38 Vereine und rund 4000 Teilnehmer anschlossen. Wie

sehr das Militär die Sportwoche und auch den Festzug dominierte

, offenbarte bereits der Startort, denn die Sportler setzten

sich vom Kasernenhof des Infanterieregiments Nr. 31 an der

Palmaille in Bewegung, an der Spitze die Turner, gefolgt von

„Militärturnern“. Mit dieser Reihenfolge huldigten die Veranstalter

dem „vaterländischen“ Turnen und dem Militär in Altona

und lassen die Sportwoche rückblickend als eine „Mobilmachung“

für den einige Wochen später beginnenden Ersten Weltkrieg

erscheinen. „Einen Sport-Festzug mit so vielseitiger Beteiligung“,

versprach das offizielle Programm im Vorfeld, „hat

die Bevölkerung Hamburg-Altonas jedenfalls noch nicht gesehen“.

26 Der Umzug begeisterte die zahlreichen Zuschauerinnen

und Zuschauer, die am Wegesrand standen. „Der Festzug wurde

überall mit hellem Jubel begrüßt“, stellte der Bericht der Neuen

Hamburger Zeitung fest. 27 Der ABC befand sich an 28. Position

des Umzugs, direkt gefolgt vom Hamburger Bicycle-Club von

1882. Der Festumzug endete auf dem neuerbauten Sportplatz

an der Allee, auf dem Oberbürgermeister Schnackenburg eine

Einweihungsrede hielt und an die hohe gesellschaftliche Bedeutung

des Sports erinnerte.

Anschließend fanden eine Woche lang zahlreiche Vorführungen

und Wettkämpfe statt, an denen sich Turner und Sportler verschiedenster

Disziplinen und auch die Radsportler eifrig beteiligten.

Ein „Prunksaal-Fest“ des DRB im Hotel Kaiserhof eröffnete

bereits am ersten Tag die Radsport-Veranstaltungen, unter

der Beteiligung und bei Anwesenheit des Kommandierenden

Generals Quast, des gesamten Offizierskorps „der 31er“ und

zahlreicher „Damen und Herren der Altonaer Gesellschaft“. 28

Verschiedene Radballspiele und Vorführungen auf dem Kunstrad

wie ein „Militärreigen“ des 31. Regiments, Blumenreigen der

Hamburger Radtouristen und ein „Schmuckreigen“ von Radsport

Harburg unterhielten das Publikum. Den sportlichen Höhepunkt

des Abends bildete das Endspiel im Radball um die

„Meisterschaft der Nordmarken“ zwischen RV Flensburg von

Die erste Anleitung in deutscher Sprache für Radpolo

und Radball aus dem Jahr 1901.

1884 und Radsport Harburg 1, welches die Flensburger gewinnen

konnten und sich damit für die anschließend ausgetragene

Deutsche Meisterschaft im Radball qualifizierten, die 1914 erstmals

überhaupt ausgespielt wurde. In der Endrunde hatten die

Flensburger dann aber gegen Groß-Lichterfelde keine Chance,

deren erste und zweite Mannschaft vor den Nordlichtern landete

und damit eindrucksvoll die Berliner Dominanz im Radball

unter Beweis stellte. 29 Während der ABC als Mitveranstalter des

Prunksaal-Festes nicht aktiv an den Vorführungen teilnahm,

demonstrierten ABC-Mitglieder das Radball- und Radpolospiel

101


in den folgenden Tagen auf dem frisch eingeweihten Sportplatz

an der Allee. Die Altonaer Jubiläums-Sportwoche bot dem Radsport

und nicht zuletzt auch dem ABC die willkommene Möglichkeit,

sich als zentraler Akteur der Sportstadt Altona zu präsentieren.

Nur wenig später stellte der Beginn des Ersten Weltkrieges am

1. August 1914 die Welt auf den Kopf und ließ Sport plötzlich als

vollkommen nebensächlich erscheinen. Zwar herrschte keine

allgemeine „Kriegsbegeisterung“, wie lange Zeit in der Forschung

behauptet, doch schweißte der Krieg die Deutschen anfangs

zusammen und sollte, angesichts der gemeinsamen

Kriegsanstrengungen und der deutschen Propaganda zufolge

eine „Volksgemeinschaft“ bilden. 30 Auch die ABC-Mitglieder

wollten ihren Beitrag leisten, ob in Kampfeinsätzen oder an der

„Heimatfront“ in Altona. Ein Rückblick aus den 1920er Jahren

fasste die Wirkung des Krieges auf den ABC folgendermaßen

zusammen: „Der Weltkrieg riß den in schönster Blüte stehenden

Klub arg auseinander, denn fast alle seine Mitglieder eilten

zu den Waffen, und mancher Getreue blieb auf dem Felde der

Ehre.“ 31 Da leider kaum Quellen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges

überliefert sind, ist nicht bekannt, welche Mitglieder

starben und nicht aus dem Krieg zurückkehrten. Einige Mitglieder

waren an der Front und wurden dort verletzt, wie beispielsweise

Walter Milz, der eine schwere Beinverletzung erlitt.

Diejenigen Mitglieder, die aus Altersgründen nicht in den Krieg

zogen, versuchten zu Hause Kriegsanstrengungen zu unterstützen.

Gregers Nissen rief Ende August 1914 die männliche Jugend

Altonas und Hamburgs dazu auf, „Freiwillige Radfahrer-Kompagnien“

zu gründen, um sich militärisch ausbilden zu lassen

und dann später gegebenenfalls als Soldaten in den Krieg zu

ziehen. Wer „gesund und kräftig“ sei und „über ein starkes Fahrrad

mit guten Reifen verfüge“, der solle sich schriftlich melden. 32

Nissen stellte sich damit in die Tradition einer Debatte seit dem

späten 19. Jahrhundert, die den militärischen Nutzen des Fahrrads

herausstrich und die verschiedenen Möglichkeiten von

radfahrenden Soldaten, sei es als Kundschafter oder Kuriere

aufzeigte. 33

Das Vereinsleben kam im Ersten Weltkrieg jedenfalls komplett

zum Erliegen. Während die jüngeren Mitglieder an der Front für

eine sinnlose Sache töteten und starben, dachten die älteren,

nicht mehr wehrfähigen Mitglieder weniger an den Club als an

das Vaterland. Im Ersten Weltkrieg zeigte sich damit einmal

mehr und unter besonderen Umständen die nationale Einstellung

der bürgerlichen ABC-Mitglieder. Sie hielten aber doch den

Kontakt mittels Feldpost aufrecht und schickten den Mitgliedern

an der Front bisweilen auch „Liebesgaben“, wie Lebensmittel,

wenn es möglich war. Harro Feddersen schickte seinem

Schwiegersohn und ehemaligen ABC-Vorsitzenden Carl Madler

einen Schinken an die Front, der vor Ort nicht zugestellt werden

konnte und zurückgesendet wurde, um abermals nach Flandern

geschickt zu werden. In der Kriegssituation hielten die

ABC-Mitglieder zusammen und halfen sich, wo sie nur konnten.

Ebenso wie bei den Hamburger Turnern im Ersten Weltkrieg

zeigte sich hier, dass die sportliche Gemeinschaft gerade auch

in einer Krisenzeit gepflegt und aufrecht erhalten wurde, obwohl

die sportliche Komponente komplett wegfiel. 34

Eine weitere Zäsur für den ABC erfolgte im Jahr 1917, denn der

Mitbegründer des Vereins Harro Feddersen starb am 17. Dezember.

Im Oktober 1917 war noch ein kurzer Artikel über den

beliebten und stadtbekannten Feddersen in den Altonaer

Nachrichten erschienen, worin zu erfahren war, dass er bereits

55 Jahre Mieter im Haus Palmaille 20 sei, wo er noch immer sein

Eisenwaren- und Fahrradgeschäft führe. 35 Doch so „langsam“,

im Alter von 82 Jahren, wünsche er sich allmählich einen beschaulichen

Lebensabend: „nach Friedensschluß gedenkt er

sich zur Ruhe zu setzen“. Das war ihm aber nicht mehr vergönnt

und er „entschlief sanft ohne Krankenlager und Schmerzen“,

wie die Todesanzeige mitteilte. 36 Beigesetzt wurde Harro

Feddersen auf dem Friedhof Norderreihe, dem heutigen Wohlers

Park. Der Grabstein existiert wohl nicht mehr.

Der Erste Weltkrieg hatte das Vereinsleben vorübergehend zum

Erliegen gebracht, doch bald sollte der Club zu neuem Leben

erweckt und verjüngt werden.

102


103


Neue Zeit


Neue Zeit – Frauen, Jugend, Radrennen

(1919-1932)

Im November 1918 brach das Deutsche Kaiserreich zusammen

und beendete damit den Ersten Weltkrieg. Den Wirren

der „Revolution“ 1818/19 folgten politisch und wirtschaftlich

unruhige Jahre, nach denen sich die demokratische Weimarer

Republik stabilisieren konnte. 1 Frauen durften seit 1919

endlich wählen und eroberten einen neuen Platz in der Gesellschaft.

Die unübersichtliche Nachkriegszeit färbte auf

den ABC ab, denn im April 1919 stand das 50-jährige Jubiläum

des Clubs an, das unter normalen Umständen entsprechend

gewürdigt worden wäre. Es fiel jedoch „der damaligen

Zeit zum Opfer“, denn der ABC musste erst einmal wieder

seine Mitglieder um sich scharen und sich neu sortieren. 2

Im Sommer 1919 zeigte der ABC wieder Aktivitäten und veranstaltete

„seine Jubiläumsfahrt nach Pinneberg“, vermutlich

als Ersatz für das ausgefallene Jubiläumsfest – „zur

Erinnerung an die vor 50 Jahren ausgeführte erste Wanderfahrt

des Klubs auf Boneshaker“. 3 Neben den – nun luftbereiften

– Radfahrern, gab es auch „Bahnfahrer“, die es vorzogen,

die Strecke von Altona nach Pinneberg mit der Bahn

zurückzulegen und die damit den sechs Vorgängern ohne

Velozipeden 1869 nacheiferten.

Abseits der Traditionspflege widmeten sich die Mitglieder

nun wieder vermehrt dem Radsport. Dass der ABC bereits

vor dem Ersten Weltkrieg Radball und Radpolo spielte, lässt

sich auch daraus schließen, dass er bereits Anfang 1920 in

Vorherige Doppelseite:

ABC-Ausflug in die Umgebung Hamburgs

um 1920.

ABC-Erinnerungsfahrt im Mai 1919 an die Veloziped-Tour nach

Pinneberg vor 50 Jahren. Gregers Nissen (2. Radfahrer von rechts)

und seine Söhne Fritz und Werner (ganz links).

106


Der ABC demonstriert 1920 Radpolo vor dem Fußballspiel zwischen Altona 93 und Victoria im Stadion Hoheluft.

dieser Disziplin in die Öffentlichkeit trat. Im Februar 1920

spielte der ABC im Rahmen eines BDR-Hallenfestes des

Hamburger Landesverbandes. Der Bericht des Hamburgischen

Correspondenten spricht von „durchweg angeregt

verlaufenen Radballspielen“, denen „ein selten gesehenes

von zwei Mannschaften des Altonaer Bicycle-Club von

1869/80 gespieltes Radpolo“ folgte. 4 ABC I zeigte sich „von

vornherein der zweiten überlegen“ und siegte souverän mit

9:3. Die Hamburger Radtouristen trugen ebenfalls ein vereinsinternes

Kräftemessen aus und spielten mit zwei Mannschaften

gegeneinander. Leise Kritik klang im Presseartikel

aber auch an, da dem Verfasser zufolge „diese Abart der

Ballspiele mehr dem Rasensport zuneigt“, in der Halle also

nicht den idealen Austragungsort fände.

Anschließend ergaben sich regelmäßig Gelegenheiten für

den ABC, Radpolo vorzuführen und bekannter zu machen.

Anfang Juni 1920 fanden im Rahmen der „Alsterwoche“ verschiedene

sportliche Wettkämpfe statt wie ein Fußball-

Städtekampf zwischen Leipzig und Hamburg-Altona. 5 Fußball

überflügelte zu dieser Zeit den Radsport und entwickelte

sich zum wichtigsten Zuschauer-Sport in Deutschland

überhaupt. Aber der Radsport kämpfte um die Gunst des

Publikums und im Rahmen der Alsterwoche spielten zwei

„Radpolo-Mannschaften“ auf dem Victoria-Sportplatz gegeneinander,

die nicht weiter vorgestellt werden, bei denen

es sich aber um ABC-Mannschaften gehandelt habe könnte.

„Die erschienenen 12 000 Zuschauer verfolgten das Spiel,

was wohl den meisten noch recht unbekannt war, mit hohem

Interesse, und reicher Beifall belohnte die schönen

Leistungen beider Mannschaften.“ 6

Auch im Radball machte der ABC nun auf sich aufmerksam.

1919 hatten sich der DRB und die ARU nach jahrzehntelangen

Streitereien geeinigt und vereinten sich im neu gegründeten

Bund Deutscher Radfahrer (BDR). Der BDR förderte in

Nächste Seite: Urkunde des BDR für Gregers Nissen (und von Gregers

Nissen als Beauftragter für das Wanderfahren unterschrieben) anlässlich

seiner Fahrt und Teilnahme am Wandertag in Dresden im Juli 1921.

107


Die BDR-Mitgliedskarte von Walter Milz 1925.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) war 1919 aus dem Deutschen Radfahrer-Bund (DRB) hervorgegangen.

109


Der ABC auf der Radrennbahn in Schnelsen 1925. Von links nach rechts Alfred Böhkmann, Detlef Schnoor, Oskar Richter und Kurt Nissen.

den folgenden Jahren intensiv den Radball, nicht zuletzt da

hier deutsche Sportler wie Eugen Blersch und der Stellinger

Gustav „Guschi“ Koeping zur absoluten Weltspitze gehörten.

Die ABC-Radballmannschaft mit Detlef Schnoor und Kurt

Nissen habe damals „eine gute Rolle“ gespielt und einige

Pokale gewonnen. „In der Führung abgelöst wurden wir aber

schlagartig, als der genialste Radballer aller Zeiten, der spätere

,mehrfache Weltmeister, Guschi Koeping, auf der Bildfläche

erschien!“ 7 Dennoch spielten die ABC-Radballer ab

1920 in Hamburg mit um die Landesmeisterschaft („Gaumeisterschaft“),

konnten aber dem 10-maligen Deutschen

Meister Guschi Koeping, der erstmals 1923 und danach mit

wechselnden Partnern den Titel errang, nicht das Wasser

reichen. 8 Im Februar 1921 nahm der ABC die Tradition der

„Prunksaalfeste“ wieder auf und garnierte die Veranstaltung

nun mit viel Radball, was beim Publikum angesichts der dynamischen

spannenden Spielverläufe gut ankam. 9 Der ABC

hatte zu dieser Zeit eine Radball-Jugendabteilung („Jungmannschaften

unter 14 Jahren“) und legte damit die Grundlage

für eine positive zukünftige Entwicklung. Der große Erfolg

des Saalfestes überzeugte den ABC, im Februar 1922 ein

„Nordmark-Prunksaalfest“ folgen zu lassen. „Selbst außerhalb

Altonas bekundet man ein lebhaftes Interesse für dieses

sportliche Unternehmen“, so stiftete die Firma Fichtel &

Sachs den „Torpedo-Preis“ für 1000 Mark. 10

Die Radrennbahn in Schnelsen

wurde vom RV Endspurt Hamburg in Eigenregie gebaut

und im Oktober 1924 eröffnet.

Nächste Seite: Protestschreiben von Gregers Nissen im Namen des ABC

von 1922, in dem eine mangelnde Förderung des Radverkehrs und

fehlende Radwege beklagt werden.

110


Vorherige Doppelseite:

Kunstradfahrerinnen, möglicherweise vom ABC, in den 1920er Jahren.

Die beiden Frauen ganz rechts gehörten dem Curslacker

Radfahrerverein an, wie anhand der CRV-Wappen zu erkennen ist.

Die Namen der Sportlerinnen sind leider nicht bekannt.

Der ABC erneuerte und untermauerte damit seine Rolle als

wichtiger Förderer des Radsports. Auch im lange vernachlässigten

Radrennsport setzte der ABC nun Akzente und

brachte mehrere talentierte Fahrer hervor. Im August 1921

veranstaltete der Club eine interne Meisterschaft für jung

und alt und belebte dieses Format aus der Zeit vor 1900. 11

Junge Mitglieder wie Oskar Richter, Alfred Böhkmann und

Kurt Nissen, einer der Söhne Gregers Nissens, traten bei

Straßenradrennen für den ABC an und vertraten die blauweiß-roten

Farben. Die junge Generation hatte nach den

Entbehrungen des Ersten Weltkrieges einen großen Hunger

auf das Leben und wollte nicht auf den Adrenalinkitzel der

Radrennen verzichten. Ein sehr großes Manko des Radsports

in Hamburg zu dieser Zeit war das Fehlen einer Radrennbahn,

auf der trainiert und Wettkämpfe ausgetragen

werden konnten. Der RV Endspurt Hamburg bemühte sich

in Person seines Vorsitzenden Carl Valet um eine neue Radrennbahn

in und für Hamburg, die der Verein in Eigenregie

und mit Valet als Konstrukteur und Baumeister dann in

Schnelsen errichtete. Im Oktober 1924 konnte die Bahn eingeweiht

werden und erlebte fortan spannende Rennen,

auch mit regelmäßiger Beteiligung des ABC. 12 Oskar Richter

und Alfred Böhkmann waren die talentiertesten Bahnfahrer

Titelblatt des Programms und die Route des Harro Feddersen-Erinnerungsrennens 1932. Der Streckenverlauf des Rennens verband verschiedene

Stationen des Lebens von Feddersen, der 1835 in Etz geboren wurde, nach Altona zog, dort sein Geschäft eröffnete und familiäre Verbindungen

nach Blankenese hatte.


des ABC und konnten ihre Klasse auf der neuen Bahn eindrucksvoll

beweisen. Aber auch andere ABCer trainierten

und trugen hier ihre Wettkämpfe aus.

Eine schöne Geschichte ist mit der „Walter Milz-Anekdote“

aus jenen Jahren überliefert. Bei den Rennen in Schnelsen

war immer ein „Milch-Verkäufer“ anwesend, der bei Beteiligung

von Walter Milz „in der Zielgeraden anfing mit dem

Ruf ‚Heisse Milch – heisse Milch‘ nach 100m war es dann

‚Warme Milch – warme Milch‘ nach weiteren 100m nur noch

‚Milch – Milch‘.“ 13 Die Anekdote dokumentiert, wie sehr das

Publikum bei Bahnrennen interagierte und den Sport auch

für ihre ganz eigene Unterhaltung nutzte.

Im Oktober 1924 verkündete der Vorstand auf der Jahreshauptversammlung

stolz und zufrieden, „daß der Verein

trotz seiner nur kleinen Mitgliederzahl auf allen Gebieten

des Radsports seinen Mann gestanden und eine stattliche

Anzahl von Siegen errungen hat“. 14 Die sportliche Ausbeute

konnte sich sehen lassen, denn die ABC-Mannschaft belegte

im Straßenrennen „Rund um die Alster“ den ersten Platz,

Kurt Nissen wurde Dritter im „Nordmarkpreis“ in Flensburg

und belegte den 18. Platz im renommierten Rennen „Quer

durch Holstein“, dem Nachfolger des legendären Hadersleben-Hamburg.

Die ABC-Radballmannschaft mit Detlef

Schnoor und Kurt Nissen gewann sowohl die Bezirks- als

auch die Gaumeisterschaft, Fritz Nissen wurde Punktbester

im Wanderfahren und auch die Bahnfahrer Alfred

Böhkmann, Oskar Richter und nicht zuletzt Kurt Nissen landeten

Achtungserfolge.

Es war aber vor allem Oskar Richter, der sich in Hamburg

und in Deutschland einen Namen machen konnte und zum

„bekannten und beliebten ABCer“ aufstieg. 15 1926 gewann er

die „Gau- und Landesmeisterschaft“ über 1000 Meter und

25 Kilometer und triumphierte auch bei vielen anderen Anlässen.

Zusammen mit Hugo Osterloh von den Hamburger

Radtouristen trat Richter sehr erfolgreich im Teamfahren

an. 16 Im Februar 1927 wanderte Oskar Richter, von dem kaum

Fotos überliefert sind, in die USA aus und wurde nicht nur

von seinem Club fortan vermisst: „Die Hamburger Radsportgemeinde

verliert mit dem jungen und sehr sympathischen

Fahrer einen Sportler, der noch eine große Laufbahn vor

sich hat.“ 17 Der ABC ließ es sich bei diesem Anlass nicht nehmen,

für Richter eine große Abschiedsfeier zu veranstalten,

bei der die Clubmitglieder, die Hamburger Radsportgemeinde

und „viele Freunde und Gönner“ dem Auswanderer Lebewohl

sagten. Gregers Nissen überreichte als ABC-Ehrenvorsitzender

und Zweiter BDR-Vorsitzender Oskar Richter

„eine goldene Medaille“ als Anerkennung seiner sportlichen

Erfolge – „eine Auszeichnung, die ihm eine bleibende Erinnerung

und ein Ansporn sein wird, auch in der neuen Welt

die gleiche ausgezeichnete Rolle zu spielen, die ihm hier

vergönnt war.“

1925 kombinierte der ABC die neuerliche Hinwendung zum

Straßenradsport mit einer Traditionspflege in eigener Sache.

Der Club organisierte im Mai erstmals das „Harro-Feddersen-Erinnerungs-Rennen“

von Altona über Pinneberg und

Wedel zurück nach Altona und verband damit auf der Stre-

Die 1925 veränderte ABC-Satzung. Sie schloss beschämenderweise Juden von der Mitgliedschaft im Verein aus.

Die entsprechende Passage in § 2 wurde nachträglich geschwärzt (rechte Seite).


cke von 50 Kilometern verschiedene

Orte aus Harro Feddersens Biografie. 18

Feddersen war über sieben Jahre nach

seinem Tod durchaus noch ein Begriff

in der Stadt: „Viele Altonaer werden

kurrenz nicht mehr mithalten konnten.

1929 starteten insgesamt zehn

Mannschaften mit jeweils 6 Fahrern,

der ABC jedoch nur mit vier Startern,

die sich gerade noch ins Ziel retten

sich noch des alten humorvollen Harro

konnten. 23 Der ABC hatte mit dem

Feddersen erinnern, dessen Ge-

schäft noch heute unter seinem Nachfolger

in der Palmaille weitergeführt

wird.“ 19 Der ABC wollte seinem Gründungsvater

mit dem Rennen ein würdiges

radsportliches Denkmal setzen

und wählte wohl nicht zufällig dafür

ein Mannschaftsrennen, unterstrich

dies doch die sportliche Kameradschaft.

Die Regeln sahen vor, dass ein

Team von maximal sechs Fahrern an

den Start gehen konnte und

die Zeit des jeweils vierten gewertet

wurde. Das Rennen am

10. Mai 1925 erwies sich als

Titelblatt der kleinen Festschrift und des

Programms zum 60-jährigen Jubiläum des ABC

im April 1929.

Rennen aber zumindest als Veranstalter

glänzen können und war fester Bestandteil

des Hamburger Radsportlebens.

Der Club dachte aber nicht nur an die

Radsportler, sondern auch an die alltäglichen

Radfahrerinnen und Radfahrer

und ihre Probleme und Sorgen.

Schließlich existierte damals noch

kein ADFC (Allgemeiner Deutscher

Fahrrad-Club) und so mussten Radfahrvereine

selber für die Verbesserung

des Radverkehrs

aktiv werden. Der ABC hatte

mit Gregers Nissen in dieser

„durchschlagende[r] Erfolg“,

Frage einen besonders umtriebigen

denn sowohl das Interesse der

Vereine als auch das der Öffentlichkeit

war sehr groß. 20 Im

Folgejahr richtete der ABC das

Rennen erneut aus und „die

zahlreichen Zuschauer kamen“,

wie bereits 1925, „voll und ganz auf ihre Kosten“. 21 Der Radsport

hatte zwar seinen Zenit überschritten, aber das spezielle

Format des Teamrennens zeige – so ein Artikel des

Hamburgischen Correspondenten – „welche Anziehungskraft

ein Wettbewerb, Verein gegen Verein in den Radsportkreisen

auszulösen vermag“. Hamburger Vereine wie Endspurt,

Germania, Sport Bergedorf und nicht zuletzt der ABC

traten regelmäßig beim Harro-Feddersen-Erinnerungsrennen

an, doch es waren die beiden erstgenannten, die sportlich

am erfolgreichsten waren und oft gewannen. 1930

sprach die Presse bereits vom „traditionellen“ Rennen, das

sich fest im Saisonprogramm etabliert hatte, bei dem Ende

der 1920er Jahre die ABC-Mannschaften aber mit der Kon-

Streiter, der sich bereits

seit den 1890er Jahren der

nicht selten ermüdenden Materie

widmete und einzelne

Straßen wie den Neuen Wall

1905 vom Radfahrverbot befreien

konnte. Auch in den 1920er Jahren beschäftigte sich

Gregers Nissen mit Radwegen in Stadt und Land und verfolgte

dabei insbesondere die Situation in seiner Heimatstadt

Altona. 1922 trat Nissen im Namen des ABC an die zuständigen

Behörden heran und reichte eine fünfseitige

„Denkschrift betr. Anpassung der Strassenbeschaffenheit an

den ausgedehnten Fahrradverkehr“ ein und machte zahlreiche

konkrete Verbesserungsvorschläge. 24 Der Anlass für

Nissen bestand darin, dass in den frühen 1920er Jahren der

Radverkehr noch einmal spürbar zugenommen habe, da

aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation viele

Menschen von der Straßen- und Hochbahn auf das Fahrrad

umsattelten. Nissen machte sich gegenüber den Stadtvertretern

Luft und kritisierte die fehlende Förderung des Radverkehrs

in Altona. „Zu lange ist das Fahrrad als blosses

Vorherige Doppelseite:

Die ABC-Jugendabteilung vor dem „Donner-Schloss“ (im heutigen

Donnerspark) in den 1910er oder 1920er Jahren (Fotograf: Emil Puls).

Sportfahrzeug zweifelhafter Art, der Radfahrer als allotriatreibender

[Unfug treibender] Eindringling im Strassenver-

118


kehr angesehen und von den Behörden

behandelt worden“. Die Stadt habe bislang

nur mit Verboten reagiert, doch dies

greife zu kurz. „Leider muss ausgesprochen

werden, dass es kaum eine Grossstadt

gibt, in der bisher so wenig für die

Erleichterung des Fahrradverkehrs geschehen

ist wie in Altona, insbesondere

fehlen Fahrradwege und -streifen, wie

sie in anderen Gross- und Mittelstädten

in ausgedehntem Masse angelegt sind,

so gut wie völlig.“ Nissen benennt anschließend

detailliert mögliche Lösungen,

etwa für den Volkspark, damit dieser

auch per Fahrrad durchquert werden

könne, und listet eine Reihe von Straßen

auf, die zukünftig Radwege haben sollten.

Bei „jeder Neu- und Umpflasterung“

müsse auch an den Fahrradverkehr gedacht

und Unannehmlichkeiten wie die

„Glasscherbenplage“ beseitigt werden. Er

schloss mit einem Hinweis auf „den Ueberhand

nehmenden Fahrraddiebstahl“,

offensichtlich hatte dieses Phänomen in

der wirtschaftlichen Krisenzeit der Nachkriegsjahre

ebenfalls zugenommen. Der

ABC und Gregers Nissen verfügten über

enge Kontakte zur Politik, etwa zu Oberbürgermeister

Bernhard Schnackenburg (1867-1924), an den

die Denkschrift persönlich adressiert war. Dies bedeutete

aber nicht zwangsläufig, dass deshalb auch die Fahrradinfrastruktur

vorbildlich sein musste. Nissen initiierte 1927

maßgeblich eine große Kampagne für bessere Radwege

(„Schafft Radfahrwege in Stadt und Land!“), die ihm zu Ehren

an seinem Geburtstag am 3. Mai gestartet wurde. 25 Die Kampagne

vereinte Radsportvereine, Arbeitersportler und die

Fahrradindustrie, doch konnte sie angesichts der zuneh-

Auf der „Jubelfeier“ anlässlich des 60-jährigen Bestehens des ABC im

April 1929 trugen verschiedene Radsportler/innen ihre Kunststücke

dem Publikum vor.

menden Motorisierung letztlich nur wenig bewirken. Nissen

ließ sich trotz aller Rückschläge bei „seinem“ Thema Rad-

Urkunde des BDR für die Teilnahme

einer Jugend-Fahrt, mit der gedruckten

Unterschrift von Gregers Nissen,

dem Stellvertretenden Bundesvorsitzenden.


Vorherige Doppelseite: Kombinierte Fahrrad- und Bootstour

auf der Elbe bei ausgelassener Stimmung um 1920.

Gregers Nissen steht links in der Mitte und raucht Pfeife.

wege aber nicht entmutigen, komme was wolle, oder wie

der bekannte Radsportjournalist Fredy Budzinski formulierte:

„Man hielt ihn für einen armen Irren, aber er hielt mit

der Zähigkeit des alten Friesen an diesen Plänen fest.“ 26

Gregers Nissen fand einen Ruhepool, indem er regelmäßig

Radtouren in die nähere Umgebung oder ins ferne Ausland

wie nach Skandinavien unternahm. Mit und für den ABC belebte

er nach dem Ersten Weltkrieg die Tradition der gemeinsamen

Ausfahrten in die Umgebung von Hamburg.

Als „Häuptling“, so wirkt es auf einigen erhalten gebliebenen

Fotos, wanderte er auf dem Rade zusammen mit jugendlichen

Mitgliedern des ABC und auch einer Anzahl von jungen

Frauen in die Natur und an die Elbe. Nissen konnte die Jugend

mit seiner Begeisterung für diese Form, für diese Philosophie

des Radfahrens anstecken, wobei seine pädagogische

Ader als auch sein ausgeprägter Humor sicherlich

hilfreich waren. Während die „wilde“ ABC-Jugend wie Richter,

Böhkmann und seine Söhne Fritz und Kurt Rekorden und

Pokalen nachjagte, bummelte Nissen mit einem anderen

Teil der ABC-Jugend regelmäßig durch die engere Heimat.

Die gemeinsamen Wanderfahrten brachten die Mitglieder

in den 1920er Jahren näher zueinander und verbanden die

verschiedenen Generationen. Noch in den 1950er Jahren erinnerten

sich die Teilnehmer an die ABC-Touren der 1920er

Jahre. „Die schönsten Stunden haben uns aber zweifelsohne

unsere gemeinsamen Wanderfahrten bereitet. Kein schöner

Platz im Umkreis von 50 km rund um Hamburg, der nicht

Der ABC auf Tour in Hamburgs Umgebung um 1920.


von uns entdeckt wurde. Und zu Pfingsten wurde dann stets

eine Fahrt veranstaltet, die als Krönung der ganzen Saison

betrachtet werden konnte.“ 27

Neben dem neuen Radrennsport, Radpolo und Radball

pflegte der ABC weiterhin das Kunstrad- und Reigenfahren,

wenngleich es jetzt nicht mehr die Paradedisziplin wie vormals

war.

Mehrere schöne Fotografien des Altonaer Fotografen Emil

Puls zeigen sechs junge ABC-Mitglieder mit ihren Kunsträdern

und in Uniformen, imposant inszeniert vor dem „Donnerschloss“

im heutigen Donnerspark. 28 Weibliche Mitglieder

praktizierten ebenso wie die Jungen das Kunstradfahren

und wurden darin trainiert. Der ABC hatte in den 1920er Jahren

allerdings keinen herausragenden Kunstradfahrer mehr,

wie es ein Max Winter oder Richard Schulz zuvor gewesen

war. Das Kunstrad- und erst recht das Reigenfahren in der

Gruppe wirkte auf die Jugend in der Aufbruchszeit der

1920er Jahre wohl mit seiner unbedingten Ordnung und eisernen

Disziplin wenig verlockend und wie aus der Zeit gefallen.

Der ABC setzte aber weiterhin auf die Förderung der

eigenen Jugend, denn die 1925 überarbeitete Satzung erwähnt

eine „Jugend-Abteilung“ und die Absicht, diese mit

neuem Leben zu füllen und zukünftig weiter zu stärken.

Die neue Satzung von 1925 enthält einen weiteren Aspekt,

der hier nicht verschwiegen werden darf und der ein beschämendes

Kapitel in der Vereinsgeschichte darstellt. Paragraph

2 bestimmt dort Folgendes: „Nur unbescholtene

Personen arischer Abstammung, die das 16. Lebensjahr erreicht

haben, können die Mitgliedschaft erlangen“. 29 Das

richtete sich direkt gegen „jüdische“ oder als solche definierte

Menschen und schloss diese von der Mitgliedschaft

im ABC aus. Dies stellte damit einen antisemitischen Akt

dar, dessen genaue Hintergründe im Dunkeln bleiben. Die

Quelle, die gedruckte Satzung von 1925, ist wohl nachträglich,

vermutlich nach dem Ende des „Dritten Reiches“ geschwärzt

worden. Wer die antisemitische Stoßrichtung im

Verein zu verantworten hatte, ist aufgrund des Mangels an

weiteren Quellen nicht nachvollziehbar. Der ABC positionierte

sich damit als antisemitischer Verein, doch inwieweit

das öffentlich gemacht wurde, bleibt unklar. Es ist davon

auszugehen, dass dies nicht nach außen getragen und kommuniziert

wurde, sondern eine interne Vorgabe blieb. Der

ABC stellte sich jedenfalls in eine antisemitische Tradition

Hamburgs, das keineswegs nur eine offene, internationale

Stadt war, sondern seit Ende des 19. Jahrhunderts auch eine

Hochburg des Antisemitismus. In den frühen 1920er Jahren

erfasste Hamburg eine vornehmlich gegen „Ostjuden“ gerichtete

antisemitische Welle, die in großer Zahl über Hamburgs

Hafen in die Neue Welt, in die USA auswanderten. 30

Der ABC, dessen Mitglieder die Leidenschaft für das Radfahren

und den Radsport vereinte und der in seiner frühen

Geschichte jüdische Mitglieder gehabt hatte, setzte mit der

Satzung von 1925 ein schändliches Zeichen, das im Kleinen

die acht Jahre später einsetzende Verfolgung und Vernichtung

der Jüdinnen und Juden vorbereitete.

Nach außen präsentierte sich der ABC nach seiner Verjüngungskur

als vitaler Verein und trat regelmäßig auf Sportund

Radsportveranstaltungen auf. Vom 13. bis 18. September

1925 fand die Altonaer „Turn- und Sportwoche“ statt mit einem

sehr umfangreichen Programm unter Beteiligung aller

Turn- und Sportvereine. 31

Im Rahmen dessen wurde auch das städtische „Altonaer

Stadion“ im Volkspark offiziell eingeweiht, der Vorläufer des

Gregers Nissen im Jahr 1927. Zu diesem Zeitpunkt war er

Ehrenvorsitzender des ABC und Zweiter BDR-Vorsitzender.

123


Vorherige Doppelseite: Der ABC mit Gregers Nissen an der Spitze und

mit blumengeschmückten Rädern auf der Altonaer-Blankeneser Woche

im September 1928.

späteren Volksparkstadions und der heutigen Heimstätte

des HSV. 32 Die Radsportler und auch der ABC beteiligten sich

an den verschiedenen Wettkämpfen und am „Lampionkorso

mit geschmückten Rädern“. 33 Am 16. September bewegte

sich der Umzug der Radfahrer über die Elbchaussee, das Altonaer

Rathaus, den Sportplatz Allee zum Konzerthaus Flora

auf dem Schulterblatt („dort Aufbewahrung der Räder“), wo

auch der Abend mit gepflegter „Unterhaltung“ ausklang. 34

Wenig später fanden Radrennen auf der Radrennbahn

Schnelsen statt, bei denen auch der aus den USA wieder

zurückgekehrte Oskar Richter teilnahm. 35 1928 veranstaltete

das neugegründete Altonaer Verkehrsamt die „Altonaer-

Blankeneser Woche“, bei der der ABC und die Radfahrer auf

das bewährte Format des Blumenkorsos setzten. Doch die

Zeiten veränderten sich nun allmählich und die Motorisierung

breitete sich aus, denn die Radfahrer reihten sich in

einen großen „Autokorso“ ein. 36 Altona hatte die westlichen

Vororte wie Blankenese kurz zuvor eingemeindet und wollte

nun das grüne Altona und den schönen Elbstrand in der

Fremdenverkehrswerbung hervorheben. Hamburg inszenierte

sich seit den späten 1920er Jahren als „Tor zur Welt“

und Altona antworte darauf mit der Kampagne „Altona – die

Stadt der Parks an der Elbe“. Der bekannte Hamburger

Schriftsteller Hans Leip, berühmt als Texter der Zeilen des

Liedes „Lillie Marleen“, verfasste im Auftrag der Stadt Altona

ein Buch, in dem er die Vorzüge des Elbstrandes pries, aber

auch die Kultur der Stadt ins rechte Licht rückte: „Altona hat

ein hübsches altes barockes Rathaus, hat die mit biedermeierischer

Klassik verschönte Palmaille, hegt Klopstocks

Grab angesichts der freundlichen Christianskirche, hat ein

verdienstvolles Museum“, und was in Leips Auflistung ebenfalls

nicht fehlte – „den ältesten Bicycle-Klub der Welt“. 37

Im Frühjahr 1929 stand angesichts des 60-jährigen Bestehens

erneut ein rundes Jubiläum des ABC an. Am 20. April

1929 beging der ABC ein großes Saalfest bei Pabst am Altonaer

Bahnhof und lud dazu verschiedene Hamburger Vereine

ein, die den Abend mit Vorführungen auf dem Kunstrad

und mit Reigenfahren verschönerten. 38 Der Curslacker RV 39 ,

der Europameister Willi Gutschmidt und die Rothenburgsorter

Radtouristen wie auch Radsport Harburg mit einem

„Kostümfahren“ präsentierten ihre Kunststücke. Geschichtsträchtig

und heimatverbunden ging es ebenfalls zu:

„Schwalbe-Altengamme wird in altehrwürdigen Vierländer

Trachten, deren Einzelstücke bis 300 Jahre alt sind, einen

Sechser-Kunstreigen zeigen.“ 40

Der Ehrenvorsitzende Gregers Nissen hielt „eine stimmungsvolle

und von gesundem Humor gewürzte Erinnerungsrede,

die gerade bei den alten Mitstreitern und Kameraden, aber

auch bei den anderen Erschienenen Freude und rechte Festesstimmung

erweckte“. 41 Nissen schloss mit dem alten,

längst nicht mehr gebräuchlichen bürgerlichen Radfahrergruß

„All Heil“ und pries damit den ABC, den Radsport und

„das deutsche Vaterland“, dem von den Anwesenden „begeistert

zugestimmt“ wurde. Vorsitzender des ABC war zu

diesem Zeitpunkt ein gewisser Langnes, über den wenig bekannt

ist und der auf dem Fest nicht weiter groß in Erscheinung

trat. Oskar Lorenzen vom Altonaer Stadtamt für Leibeserziehungen

überbrachte die besten Wünsche der Stadt,

denen sich zahlreiche Redner anschlossen. Auch die Presse

berichtete über das ABC-Fest und beabsichtigte damit „diesen

alten, geachteten Klub der Öffentlichkeit ins Gedächtnis

zurückzurufen“. 42 Zur Feier erschien auch eine kleine Festschrift

mit einem Rückblick auf die Geschichte des Clubs

und einem eigens verfassten, vorangestellten Gedicht von

Fredy Budzinski: „Lang' ist es her, seit unser Klub gegründet,

/ Vor sechzig Jahren stieg sein Stern herauf. / Kameradschaft

war mit Treue stets verkündet, / Und nichts hielt unsern

Marsch zum Siege auf.“ 43 Budzinskis Eloge berücksichtigte

die Frühphase, das Rennen in Altona im September

1869, die Bicyclisten auf ihren Hochrädern, die Zerwürfnisse

um 1900 und Gregers Nissen, den „König aller Wanderer“.

So harmonisch die Festschrift klingen mag und der Festabend

in Altona verlaufen war, so hatte es doch unüberhörbare

Misstöne im Vorfeld gegeben. Im Zuge der 60-jährigen

Jubiläen der drei 1869 gegründeten und damals noch immer

existierenden Fahrradvereine aus Altona, München und

Magdeburg entspann sich ein öffentlich ausgetragener Konflikt

zwischen dem ABC und den Magdeburgern in der Frage,

Die nächsten zwei Seiten: BDR-Urkunden für Werner Nissen, den

jüngsten Sohn Gregers Nissens, für eine Wanderfahrt durchs Rheinland

1930 und für Gregers Nissen für eine Fahrt durch Deutschland 1932

sowie aufgrund „seiner unermüdlichen Förderung der

kameradschaftlichen Beziehungen zwischen den alten

und den jungen Bundeskameraden“.

126


Gregers Nissen mit zwei weiteren „Veteranen des Wanderfahrens“

auf einer "Alt-Herren-Fahrt" (Ü50) des BDR in Ostpreußen 1930.

welcher Verein der älteste bestehende in Deutschland sei.

Der Vorsitzende Zuck vom Magdeburger Velociped-Club hatte

moniert, der ABC tauche eine Zeitlang nicht in den „Bundeshandbüchern“

auf, womit er nahelegte, der Club sei inaktiv

und nicht mehr existent gewesen. Gregers Nissen

antwortete darauf ebenso entschieden wie pikiert in einer

„Antwort des Altonaer Bicycle-Club“, dass Zucks Ausführungen

nicht zutreffend seien und er manchen Fehler begangen

habe. So könne er nicht einmal den richtigen Namen des

Vorgängervereins wiedergeben, ebenso wenig seien ihm

wohl „die schweren inneren Kämpfe“ innerhalb des DRB in

der Amateurfrage ab 1895 geläufig. 44 Nissen schloss seine

Zeilen resolut mit: „Auf eine weitere Erörterung obiger Frage

lassen wir uns nicht mehr ein.“ Untermauert hatte Nissens

Ausführungen ein Chr. Maiböll, der eine umfangreiche

Sammlung zur Geschichte des Radsports in Deutschland

besaß. Nissen und der ABC bewiesen damit einmal mehr,

dass ihnen die eigene Geschichte teuer und heilig war und

sie unbedingt gewillt waren, auf die Tradition zu pochen

und sie notfalls auch öffentlich zu verteidigen.

Die Geschichte des ABC sah bis auf wenige Ausnahmen rosig

aus, die Gegenwart entwickelte sich seit 1929 aber immer

mehr zur ernsthaften Prüfung. Im Jahr 1929 hatte der Verein

ohnehin nur noch 35 Mitglieder, darunter drei Frauen und

fünf Jugendliche. 45 Damit war der ABC im Vergleich zu seiner

Blütezeit vor der Jahrhundertwende bereits beträchtlich geschrumpft.

Die folgenden Jahren verschärften auch für

Sportvereine die Lage, denn die Weltwirtschaftskrise infolge

des Börsencrashes im September 1929 zeitigte in der Handelsmetropole

Hamburg besonders gravierende Auswirkungen

und ließ die Zahl der Arbeitslosen rasant steigen. Im

Alltag stieg angesichts finanzieller Nöte noch einmal der

129


Radverkehr, Fahrradvereine wie der ABC mussten aber unter

der angespannten Lage darben. Der ABC antwortete auf die

schwierige Situation mit ungewöhnlichen, kostengünstigen

Ideen. „Aufwärts, trotz der schweren Zeit“, sei die Parole des

ABC, lobte denn auch Anfang 1932 die Presse. 46 Neben dem

Harro-Feddersen-Erinnerungsrennen, dessen Programm

1932 sogar „erheblich erweitert“ wurde, richtete der Club im

Sommer „Sandbahnrennen“ im Altonaer Stadion aus. „Der

Veranstalter wird alles daran setzen, um selbst dem verwöhntesten

Radsportanhänger gerecht zu werden. Der Entschluß

des A. B. C. wird sicherlich überall Anerkennung finden,

zumal die einzige Nachkriegs-Rennbahn in Schnelsen

inzwischen wieder dem Erdboden gleich gemacht worden

ist und auch die Dirt-Track-Bahn in Lokstedt verwaist daliegt.“

Das Rennen stieß trotz des improvisierten Charakters

und des sandigen, gefährlichen Untergrunds auf großes Interesse

und „[z]ahlreicher Besuch belohnte den ABC für den

Wagemut“. Sportlich konnte der ABC ebenfalls auf sich aufmerksam

machen, denn Fritz Nissen belegte im Hauptfahren

über 800 Meter den vierten Platz, den Sieg fuhr Tackow

von Endspurt Hamburg ein. Im gleichen Jahr, 1932, nahm der

ABC das Radballspiel wieder auf, nachdem es mehrere Jahre

lang nicht im Verein gespielt worden war. 47

Der Club trotzte so gut es ging den Unwägbarkeiten der

schwierigen Jahre ab 1929. Zwar war der Verein nicht mehr

so groß und kräftig wie in der Blütezeit der 1890er Jahre,

doch konnte er sich nach 1920 verjüngen und sich im aktiven

Radsport neu positionieren. Mit der antisemitischen

Satzung von 1925 nahm der ABC die spätere Judenverfolgung

im „Dritten Reich“ im Verein vorweg. Wie verhielt sich

der Club, auch angesichts dessen, während der NS-Herrschaft?

130


131


„Führer“-Prinzip


„Führer“-Prinzip – Radsport während der NS-Herrschaft

(1933-1945)

Am 30. Januar 1933 wurde den Nationalsozialisten die Macht

übergeben. Die Nazis höhlten anschließend den demokratisch

verfassten Staat aus und verfolgten sofort politische Gegner

und vor allem die deutschen Juden. Wie die Gewerkschaften

zerschlugen sie auch den Arbeiter-Radfahrer-Bund „Solidarität“

und ermordeten einzelne seiner Funktionäre. Der Unrechtscharakter

des NS-Regimes zeigte sich unmittelbar 1933

mit den ausführlich in der Presse vorgestellten „wilden“ Konzentrationslagern.

Die Nationalsozialisten beabsichtigten

schrittweise die deutsche Bevölkerung nach rassistischen Kriterien

zu verändern. Für Jüdinnen und Juden bedeutete dies

Entrechtung, Verfolgung und später die systematische Vernichtung.

Die „Volksgenossen“ sollten demgegenüber, solange

sie als „arisch“ galten und politisch nicht abwichen, gezielt

gefördert werden. Die inflationäre Rede von „Rasse“ und

„Volksgemeinschaft“ zielte auf dieses nationalsozialistische

Projekt, das keineswegs nur eine Worthülse war. 1 Sport spielte

für die Nationalsozialisten eine essentielle Rolle, da die „Leibesertüchtigung“

die männliche Jugend auf den kommenden

Angriffskrieg vorbereiten sollte. Der Einzelne sollte sich in

Mannschaftssportarten unterordnen und damit das Prinzip

der „Volksgemeinschaft“ alltäglich verinnerlichen. Radsport,

der als individualistisch galt, lag in der Gunst der Nazis zwar

nicht so hoch wie Fußball und Boxen, doch wurde beispielsweise

Radball gezielt gefördert, da er als „Kampfsportart“ inszeniert

werden konnte und auf internationaler Bühne deut-

Vorherige Doppelseite:

Die Jugend der Hamburger Radtouristen in „Reih und Glied“.

Fotografiert von Gregers Nissen um 1933.

Kranzniederlegung am Bismarck-Mausoleum

in Friedrichsruh im Rahmen des „Deutschen Wandertages“

im Juli 1933.


Erinnerungsmedaille an den Deutschen

Wandertag 1933, der zu Ehren

Gregers Nissens in Hamburg stattfand.

135


Der ABC mit Familienangehörigen anlässlich der Clubmeisterschaft 1935. Walter Milz in der Mitte (mit Blumen),

Kurt Nissen (obere Reihe ganz rechts) und Rudolf Rübke junior (mittelere Reihe ganz rechts auf dem Arm seiner Mutter)

sche Sportler dominierten. 2 Ebenso anschlussfähig nach nationalsozialistischer

Doktrin war das beschauliche Wanderfahren,

da die Radtouristen die verschiedenen Regionen

Deutschlands durchwanderten und verbanden und so auf direkte

Weise die „Volksgemeinschaft“ förderten.

Im Sommer 1933 fand in Hamburg, nicht ganz zufällig und bereits

lange zuvor geplant, ein großes Treffen des BDR für die

Wanderfahrer statt. 3 Der „Deutsche Wandertag“ vom 21. bis 25.

Juli versammelte hunderte Teilnehmer „in der Stadt des

Königs der Wanderfahrer“, Gregers Nissen und verneigte sich

damit vor dem bekannten Zweiten BDR-Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden

des ABC. 4 Der neu gewählte nationalsozialistische

Hamburger Senat unter Carl Vincent Krogmann ehrte

Nissen aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im radsportlichen

Verbandsleben mit „Dank und Gratulationsworten“ und

einer „Senats-Ehrenurkunde“, die ihm der Sportbeauftragte

Beneke überreichte. „Nissen dankte in bewegten Worten und

wandte sich dann in seiner humorvollen Art an die Jugend,

der er eine Rede zur Nacheiferung auf ihren Lebensweg gab.“ 5

Nissen bemühte sich in seiner Rede, die Tätigkeit des BDR in

der „Systemzeit“, wie die Nationalisten die Weimarer Republik

verächtlich nannten, in einem patriotischen Licht darzustellen

und strich „die Treue der Bundesmitglieder zu den schwarzweiß-roten

Bundesfarben“ heraus. Er erinnerte an die von ihm

geleiteten Ostpreußenfahrten in den 1920er Jahren zu den

„deutschen Stammesbrüdern im Osten“ und an die Fahrt zur

Vorherige Doppelseite: Der ABC an der Spitze eines Umzugs durch die

Hamburger Innenstadt, vermutlich am „Tag der Radfahrer“ zur

Einweihung des „gleich-geschalteten“ Deutschen Radfahrer-Verbandes

am 24. September 1933 (Fotograf: Joseph Schorer).

BDR-Urkunde für Werner Nissen, der im Juni

und Juli 1933 Dänemark mit dem Fahrrad bereiste.

Die gemalten Stadtansichten (u. a. von Lübeck und Breslau)

passen inhaltlich nicht ganz zur Tour.

138


Fotos von der ABC-Clubmeisterschaft am 22.9.1935

aus dem Fotoalbum von Rudolf Rübke sen.

Links: Behnk, Walter Milz und Rotten… (unleserlich).


142


Der ABC mit dem

Vorsitzenden Kurt

Nissen (in der Mitte

nach rechts blickend)

im Clublokal und

Treffpunkt in

Schnelsen, im Westen

Hamburgs.

143


Vergnügliche Stimmung beim ABC und Anhang während eines Ausflugs um 1938.

1000-Jahr Feier des „deutschen“ Rheins. Zum Schuss folgte

dann ein Kniefall vor dem „Führer“ und den neuen Machthabern.

„Diese stets bewiesene Treue zum deutschen Vaterland,

sei es auch, an die Nissen die Hoffnung knüpfte, daß unter

Deutschlands neuem Reichskanzler Adolf Hitler der deutsche

Sport einen Aufschwung erleben werde. Mit einem Sieg-Heil

auf den Reichskanzler schloss Nissen seine Ausführungen worauf

die Versammlung das Horst-Wessel-Lied und das

Deutschland-Lied sang“. Damit hatte Gregers Nissen sich in

aller Öffentlichkeit in den Dienst der Nationalsozialisten gestellt,

auch wenn ihm als „Kind des Kaiserreichs“ vermutlich

einiges an der betont jugendlich und gewalttätig auftretenden

„Bewegung“ der Nazis missfiel.

Es dauerte nur wenige Monate bis die „Gleichschaltung“ des

BDR vollzogen war, gegen die sich die bürgerlichen Radsportfunktionäre

wie Gregers Nissen als Zweiter Bundesvorsitzener

Urkunde für Gregers Nissen

anlässlich der „Alten Herrenfahrt“ des BDR

durchs Sauerland im Juli 1935.

Das Wappen des im September 1933 installierten Deutschen

Radfahrer-Verbandes (DRV), dem neuen Zwangs- und Einheitsverband,

der den BDR und alle anderen Verbände ersetzte.

145


146

Der ABC gratulierte dem Weltmeister Koeping mit einem Kranz und einer erhalten gebliebenen Schleife.


Eugen Blersch und Gustav „Guschi“ Koeping (vom RV Falke Stellingen) –

die Weltmeister im Zweier-Radball 1936.

in keinster Weise wehrten. Die Tatsache der zwangsweisen „Einigung“

wurde weitgehend begrüßt, einige traditions- und geschichtsbewusste

Vertreter, wie wohl auch Nissen, haderten

aber wohl aufgrund der Tatsache, dass das für 1934 anstehende

50-jährige Jubiläum des BDR damit hinfällig war. Im September

ersetzte der Deutsche Radfahrer-Verband (DRV) den

BDR, dessen Vorsitzende Eggert und Nissen ausschieden und

durch Franz Orthmann ersetzt wurden. 6 Als offene Kritik kann

dieser „Rücktritt“ Nissens wohl nicht gedeutet werden, allerdings

fällt auf, dass danach deutlich weniger Artikel von ihm

in der Fachpresse als zuvor erschienen.

Der neu inthronisierte DRV mobilisierte mit großem propagandistischem

Aufwand einen „Tag der Radfahrer“ am 24. September

1933. 7 In verschiedenen Städten versammelten sich

Radsportler und Radfahrer und begrüßten den neuen nationalsozialistischen

Einheitsverband, in dessen Wappen unübersehbar

ein Hakenkreuz prangte. In Hamburg beteiligten

sich rund 6000 Radfahrer mit ihren geschmückten Rädern an

einer Sternfahrt zur Kundgebung auf der Moorweide und tausende

Zuschauer säumten die Strecke. 8 Auch der ABC entsandte

eine Abordnung mit dem Banner des Clubs, das jedoch

nicht wie bei anderen Vereinen mit Hakenkreuzen

versehen war. Egon Arthur Schmidt, der „Sportbeauftragte von

Hamburg“, trug auf der Abschlusskundgebung markige Worte

vor und unterstrich, dass auch der Sport nun unter anderen

Vorzeichen stehe. „Die Volksgemeinschaft äußere sich am

deutlichsten in diesem gewaltigen Umzug, der wiederum unter

der Devise stehe ‚Nichts für uns, alles für Deutschland‘.“ 9

Schmidt bemühte damit einen spezifisch nationalsozialistischen

Leitsatz, nach dem sich der Einzelne der nationalen Gemeinschaft

unterzuordnen habe. Von Gregers Nissen, wenige

Wochen zuvor immerhin noch der Stellvertretende Bundesvorsitzende,

war an diesem Tag nichts zu vernehmen, er

sprach nicht zur Menge. Der ABC beteiligte sich aber auf andere

Weise an der Großveranstaltung, denn im „Städtekampf

Hamburg-Altona“ im Radball trat der Club gegen den SV Polizei

an; die ABCer Nissen und Schnoor unterlagen allerdings

den Polizeisportlern. Das Radball-Turnier fand direkt auf dem

Adolf-Hitler-Platz (Rathausmarkt) statt, verfolgt von „einer

überaus zahlreichen Zuschauermenge“, was die große Beliebtheit

des Radballs seinerzeit illustriert. 10 Die Presse würdigte

das Radballspiel als fesselnden „Kampf- und Geschicklichkeitssport“

und bezog sich damit ebenfalls auf die nationalsozialistische

Maxime nach Kampf und Gemeinschaft.

Auch innerhalb des ABC veränderte sich nun unter dem Einfluss

der NS-Diktatur die Wortwahl. Auf der Versammlung im

November 1933 stand als wichtigster Tagesordnungspunkt die

„Wahl des Führers“ an, zu dem Kurt Nissen erkoren wurde. 11

Der neue „Führer“ des Clubs dankte dem bisherigen Vorstand

für dessen „jahrzehntelange“ Arbeit, wobei der Pressebericht

die Namen der Ausscheidenden leider nicht verrät. Anschließend

berichteten die jeweiligen Sparten über die sportliche

Entwicklung und die „Hauptdomäne“ das Wanderfahren, das

mittlerweile eine lange Tradition im Club darstellte und sich

durch Gregers Nissen gefestigt hatte. Die ABC-Wanderfahrer

heimsten verschiedene Preise ein und nahmen an immerhin

32 Clubausfahrten teil. Das Radballteam bestand nunmehr

aus Detlef Schnoor und Fritz Nissen, der seinen älteren Bruder

Kurt ersetzt hatte. Letzterer, der neue „Führer“ des Clubs, beendete

die Zusammenkunft dann wie folgt: „Mit einem drei-

Nächste Seite: Schreiben der Gestapo vom Mai 1942

an Gregers Nissen, mit der Aufforderung den Namen des ABC

zu ändern und das englische Wort „Bicycle“ zu tilgen.

147


knapp den veranstaltenden RV Hansa und RV Kirchwärder-

Nord. Gerade in der ländlich geprägten Region der Vier- und

Marschlande im Süden Hamburgs erhielt Radball auf eine erhebliche

Aufmerksamkeit. „Die Radballspiele sind ein Kampfsport,

der auch an diesem Abend mit leidenschaftlichem Interesse

verfolgt wurde.“ 17 Auch männliche Jugendliche spielten

im ABC Radball und traten ebenfalls auf der genannten Veranstaltung

an, doch anders als die Erwachsenen konnten sie

der Konkurrenz aus den Vierlanden wie Schwalbe und Hansa

Der ABC 1938 auf einer Feier vor dem Lokal

von Carl Tonner in der Großen Freiheit.

fachen Sieg-Heil auf unseren Sport und unseren Volkskanzler

wurde die Versammlung geschlossen.“

Auch im folgenden Jahr setzte sich die sportliche Entwicklung

in positiver Weise fort, wie einer Notiz über die Jahreshauptversammlung

zu entnehmen ist. „Aus den Berichten der

Sportwarte ging hervor, daß auch im letzten Jahre alle Zweige

des Radsports, Renn- und Wandersport, Saalfahren und Jugendpflege,

mit gutem Erfolge betrieben wurden.“ 12 Der ABC

war im Wanderfahren erfolgreich und erhielt „als bester im

Bezirksgebiet eine wohlverdiente Auszeichnung“. Die Mitglieder

bestätigten Kurt Nissen als Vorsitzenden und wählten den

Radballer Detlef Schnoor zum Geschäftsführer. An eigenen

Touren unternahm der ABC beispielsweise eine „Heidefahrt“

im August 1934 und wandelte damit einmal mehr auf den

Spuren Gregers Nissens, der seit 1900 die Lüneburger Heide

als Ziel für Fahrradtouren pries und die dortigen, von Heidebauern

angelegten Radwanderwege ausdrücklich lobte. 13

Nachdem der ABC erst 1932 wieder das Radballspiel aufgenommen

hatte, brauchten die Mitglieder einige Zeit, um mit

anderen Hamburger Vereinen wie RV Falke Stellingen und

Hansa Kirchwerder annähernd mithalten zu können. 14 Der

Spielbetrieb fand damals in „Serien-Radballspielen“ statt, in

denen die Vereine in aufeinander folgenden Spieltagen gegeneinander

antraten und so den „Gaumeister“ bestimmten. 15

Saalfeste spielten weiterhin für die Radballer eine bedeutende

Rolle und wurden in der NS-Zeit mit Sammlungen für die

„Volkswohlfahrt“ verknüpft. Ein solches Fest fand beispielsweise

Ende November 1936 in den Vierlanden statt,

einer erklärten Radball- und Kunstrad-Hochburg, als „Radsportler

gegen die Not“ antraten und den Erlös dem NS-Winterhilfswerk

überließen. 16 Sportlich hatten die ABC-Radballer

mittlerweile ein höheres Niveau erlangt und unterlagen nur

nicht gefährlich werden.

Im Radrennsport blieb der ABC weiterhin aktiv, doch die Zahl

der aktiven Radrennfahrer nahm immer weiter ab. Intern wurde

weiterhin die „Clubmeisterschaft“ ausgefahren, wie im Jahr

1935 als Walter Milz Erster wurde. Die Mitgliedschaft nahm diesen

familiären Wettbewerb zum Anlass, um sich zu versammeln

und einen geselligen Tag zu verleben. Der Club richtete

Radrennen aber auch in einem weit größeren Rahmen aus.

So fand das Harro-Feddersen-Erinnerungsrennen im Mai 1933

erstmals während der NS-Herrschaft statt, unter den Augen

eines zahlreichen Publikums:. „Am Start und Ziel bei Groth

(Elbchaussee) hatten sich viele Zuschauer eingefunden und

auch auf der Strecke standen viele Sportbegeisterte, die die

Fahrer anfeuerten.“ 18 Im folgenden Jahr wurde das mittlerweile

fast klassische Rennen bereits zum 10. Mal ausgetragen, wobei

der ABC keine eigene Mannschaft mehr ins Rennen schickte,

da im Club mittlerweile die dafür notwendigen Radrennfahrer

fehlten. 19 Die Presse lobte aber ausdrücklich die „mustergültige

Organisation“ und zeigte Verständnis dafür, an Harro Feddersen

zu erinnern. „Es ist erklärlich, daß der ABC mit seinen

Führern, an der Spitze Gr. Nissen sen. und Söhne, sowie

Schnoor, Böhkmann das Andenken an den alten Radsport-

Pionier hochhält, welches nicht würdiger als in der Austragung

der großen sportlichen Mannschaftsprüfung geschehen konnte.“

20 1935 oder 1936 erhielt das Harro-Feddersen-Erinnerungsrennen

jedoch einen neuen Namen und firmierte fortan als

„Elbe-Preis“. 21 Die Hintergründe der Umbenennung bleiben

unklar, dem so traditionsbewussten ABC konnte dieser Schritt

aber kaum zusagen. Damit einher ging eine Verlegung des

Rennens in die „Schnelsen-Quickborn-Ochsenzoller Gegend“,

da „der zunehmende Ausflugsverkehr auf der alten Strecke“,

also der Elbchaussee, dies angeblich nötig gemacht habe.

Verwunderlich dabei ist, dass Gregers Nissen seit 1935 die

kommissarische Führung des Landesverbandes Hamburg und

Schleswig-Holstein innehatte und als „Gauführer“ maßgeblichen

Einfluss auf die sportlichen Wettkämpfe hatte. 22 Ganz

149


Die Radsportzeitschrift „Der Deutsche Radfahrer“ gratulierte und

ehrte Gregers Nissen im Mai 1942 anlässlich seines 75. Geburtstags.

Sechs Wochen später starb Nissen.

freiwillig hatte Nissen diesen Posten allerdings nicht übernommen,

denn nach der „Gleichschaltung“ rumorte es im

zwangsvereinten Verband gewaltig zwischen den Hamburgern

und Schleswig-Holsteinern und „auf dringenden Wunsch der

Verbandsleitung des DRV mußte er sich entschließen, die Leitung

des Gau 7 Nordmark zu übernehmen“. 23 Gregers Nissen,

immerhin bereits 68 Jahre alt, galt aufgrund seines hohen Ansehens

und seiner reichen Erfahrung als idealer Kandidat, um

die Wogen unter den Radsportlern zu glätten.

Der ABC hatte in der Person von Gregers Nissen erneut direkten

Zugang zum Radsportverband und Nissen vergaß anschließend

seinen Heimatclub keineswegs. Die Olympischen

Spiele in Berlin 1936 – die von den Nationalsozialisten propagandistisch

instrumentalisiert wurden, indem sie für Ausländer

ein friedliches Land im Aufbruch inszenierten – warfen

ihren langen Schatten voraus bis nach Hamburg. Im Frühjahr

1935 fand eine „Olympia-Schau“ statt, die auf die Olympischen

Spiele thematisch einstimmen und dabei Einblicke in die Geschichte

des Sports geben sollte. Die Ausstellung behandelte

auch den Radsport und das Radfahren und würdigte den ABC

dabei in besonderer Weise. Das dreiteilige Foto des Eimsbütteler-Velocipeden-Reit-Clubs

von 1869 war ebenso wie „die

alten Holzräder“ zu sehen, was die rasante Entwicklung des

Fahrrads eindrucksvoll vor Augen führte. 24 Gregers Nissen war

an der Ausstellung direkt beteiligt und hatte wohl die historischen

Exponate zur Verfügung gestellt, die seinerzeit noch

im Besitz des Clubs waren.

Als „Gauführer“ begleitete und organisierte Gregers Nissen

zahlreiche Rennen und Treffen seit 1935. Im April 1937 begrüßte

er die Teilnehmer der „Nordmark-Meisterschaften“ im Hotel

Kaiserhof, dem ihm so vertrauten früheren Treffpunkt seines

ABC, und freute sich explizit darüber, „daß Altona diese Kämpfe

zur Austragung bekommen“ habe. 25 Er versprach sich davon

„einen weiteren Aufschwung des Radfahrgedankens in der

Stadt“ und vergaß nicht zu erwähnen, dass mit dem ABC der

älteste Radfahrerverein der Welt aus Altona käme. Die Gaumeisterschaft

im Radball errang der RV Falke Stellingen mit

dem Weltmeister von 1936 Guschi Koeping. Im Herbst 1938

zog sich Nissen endgültig aus dem aktiven Verbandsleben zurück

und wurde mit einem „Ehren-Abend“ verabschiedet. 26

Fast zeitgleich hörte Altona auf eine eigenständige Stadt zu

sein. Hamburg sollte als eine von fünf „Führerstädten“ und

als „Tor zur Welt“ als Schaufenster gegenüber dem Ausland

dienen. Um die Planungen für die Elbuferbebauung und einer

Elbbrücke zu beschleunigen, erließen die Machthaber das

„Groß-Hamburg-Gesetz“ und gemeindeten 1937 Altona, wie

auch Wandsbek und Harburg, nach Hamburg ein. Der ABC, der

nun aus einem Stadtteil von Hamburg stammte, erlebte wenig

später, im Frühjahr 1939 abermals ein Jubiläum, auch wenn

das 70-jährige Bestehen im April 1939 lediglich „im engsten

Familienkreise begangen“ wurde. 27 Der Vorsitzende Kurt Nissen

begrüßte die Anwesenden und Kreisführer Münzel, Gaufachwart

Hasen und Kreisfachwart Karl Schröder erwiderten dies

mit Glückwünschen und würdigten die historische Rolle des

ABC im Radsport Hamburgs. Karl Schröder betonte, dass die

gute „Kameradschaft“ der Hamburger Radsportvereine „in

hervorragendem Maße“ auf den ABC zurückgehe und ihm zu

verdanken sei. Dem anwesenden Gregers Nissen, des „ewig

jungen“ Pioniers des Radsports und prominentesten Vertreter

des Clubs, wurde ebenfalls ausführlich gehuldigt. Nissen ließ

es sich nicht nehmen, zum Abschluss einige ausgewählte

Anekdoten aus der Geschichte des ABC vorzutragen. „Es ist

immer wieder interessant, wenn Gregers Nissen aus seinem

150


eichen Erfahrungsschatz plaudert“, urteilten die Altonaer

Nachrichten.

Der Zweite Weltkrieg ließ den Radsport dann in den Hintergrund

rücken und fror das Vereinsleben ein, wie es bereits zuvor

im Ersten Weltkrieg der Fall gewesen war. Im Angriffs- und

Vernichtungskrieg der Wehrmacht und im Holocaust zeigte

sich die ganze zerstörerische und rassistische Gewalt des NS-

Regimes. Der ABC hatte in diesen Jahren auch kurz Kontakt

mit dem NS-Terrorapparat, was für die Mitglieder zwar ungefährlich,

wenn auch unangenehm war. Im Mai 1941 schickte

die Hamburger Gestapo ein Schreiben direkt an Nissen und

forderte ihn auf, dass der ABC „umgehend“ seinen Namen zu

ändern habe und der Gestapo die Satzung und eine Auflistung

der Mitglieder zugeschickt werden solle. Nissen leitete

dies an den ABC schriftlich weiter und hob das Wort „Gestapo“,

das einen berüchtigten und gefürchteten Klang hatte, mittels

Anführungszeichen und Sperrsatz hervor. 28 Die Gestapo störte

sich am englischen Namen des ABC und insbesondere an

dem Wort „Bicycle“, weshalb es „getilgt“ werden sollte. Für einen

so geschichtsbewussten Menschen wie Gregers Nissen,

der dem Club zu diesem Zeitpunkt mehr als ein halbes Jahrhundert

aufs Engste verbunden war, musste der Befehl der

Gestapo auf tiefe Ablehnung stoßen. Ein Aufbegehren gegen

die Gestapo war für Nissen allerdings keine Option und so

schlug er als neuen Namen „Altonaer Radfahrerverein v. 1869“

vor und wollte die Mitglieder darüber schriftlich abstimmen

lassen, da eine Generalversammlung „z. Zt. undenkbar“ sei.

Der Hamburger Bicycle-Club von 1882 habe der Aufforderung

der Gestapo nach Umbenennung bereits zugestimmt und heiße

nun „Hamburger Radfahrer-Verein von 1881“, wie Nissens

Schreiben zu entnehmen ist. Ob die aufgetragene Umbenennung

des ABC anschließend auch vollzogen wurde, ist nicht

bekannt. Da das Vereinsleben aufgrund des Krieges ohnehin

vollständig ruhte, hätte sie ohnehin keine großen Auswirkungen

gehabt.

Der Name des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80 war jedenfalls

auch nach der Intervention der Gestapo in der Öffentlichkeit

in seiner ursprünglichen Form gebräuchlich. Im August

1941 erschien ein Artikel des Hamburger Fremdenblattes

über die Geschichte des Fahrrads und kam dabei selbstverständlich

nicht am ABC vorbei. 29 Die Zeitung nahm den Umstand

zum Anlass, dass das Fahrrad in der Kriegszeit wieder

„hochaktuell“ geworden sei und die Hamburgerinnen und

Hamburger wieder vermehrt auf dem Fahrrad ihre Wege zurücklegten.

Die Nationalsozialisten hatten den Deutschen

zwar vollmundig die Massenmotorisierung und einen eigenen

„Volkswagen“ versprochen und dafür ein großes Werk auf der

grünen Wiese in der „Stadt des KdF-Wagens“, dem heutigen

Wolfsburg, errichtet. Für den lange im Voraus geplanten Krieg

wurde die Produktion aber auf militärisch verwendbare Fahrzeuge

wie Kübelwagen umgestellt und die Bevölkerung durfte,

ob sie wollte oder nicht, wieder den guten alten Drahtesel verwenden,

um Ressourcen für die massive Rüstungsproduktion

zu schonen. Zwar beruhte der Aufschwung des Radfahrens

auf einer wenig erfreulichen Ursache, dennoch musste Gregers

Nissen diese Entwicklung eindeutig zusagen. Jedenfalls

stand er dem Hamburger Fremdenblatt gerne Rede und Antwort

und garnierte den Artikel mit den bekannten Anekdoten

aus der reichen Geschichte des ABC.

Gregers Nissens Gesundheit war zu diesem Zeitpunkt bereits

angeschlagen. Nissen erlebte noch seinen 75. Geburtstag im

Mai 1942, starb aber wenig später am 20. Juni. Mit seinem Tod

endete eine Ära des ABC, die ein halbes Jahrhundert lang

maßgeblich von ihm geprägt worden war. Zwar hatte sich

Nissen aus Altersgründen einige Jahre zuvor zurückgezogen,

der ABC blieb jedoch seine sportliche Heimat und er selber

wiederum repräsentierte den geschichtsträchtigen Club wie

kein anderer, war er doch „das Gesicht“ des Vereins. Verschiedene

Nachrufe würdigten sein Wirken für den Radsport und

das Radfahren und streiften dabei auch den Altonaer

Bicycle-Club von 1869/80. Der Radsportjournalist Fredy Budzinski

dichtete einen wortgewaltigen Nachruf auf Nissen, in

dem er vor allem seinen wichtigen Beitrag für den Radtourismus

würdigte. „Der Prophet ist tot! Der Prophet des Radfahrens

und des Wanderns auf dem Rade. Noch mehr, ein Sänger

ist dahingegangen. Einer, der das Lied zu Lob und Preis der

deutschen Heimat gesungen hat. Er kannte die Heimat, er

kannte Europa. Es gab nur wenige Straßen auf unserem Kontinent,

die Nissen nicht gewandert wäre mit seinem Rade. Allein

und mit anderen. Er hütete nicht als Geheimnis, was er

gesehen und erfahren hatte. Er ließ sein Erleben ausströmen

in Zeitungsartikeln und in Büchern.“ 30

Ein Jahr nach Nissens Tod legten alliierte Bomber Hamburg

und Altona in Schutt und Asche und brachten damit die Zerstörungswut

des NS-Regimes zu den „Volksgenossen“. Der ABC

hatte mit Nissen sein unumstrittenes „Oberhaupt“ verloren

und musste die Zukunft ohne ihn gestalten.

151


Wiederaufbau


Wiederaufbau – Tourenfahren und Radball

(1945-1969)

1945 kehrte Gerd Oberwemmer aus der nationalsozialistischen

„Kinderlandverschickung“ in seine Heimatstadt Hamburg

zurück, die er aufgrund der massiven Zerstörungen kaum

wiedererkannte. Nachdem er am Bahnhof Holstenstraße ausgestiegen

war, musste er seinen Weg in die elterliche Wohnung

wie in einer fremden Stadt suchen, da ihm jegliche Orientierungsmarken

im Stadtbild fehlten und selbst die Straßen

nicht mehr zu erkennen waren. 1 Gerd Oberwemmer trat vermutlich

Anfang der 1950er Jahre in den ABC ein und gehörte

bald zur neuen Generation der Radballer im Verein.

Die frühen Nachkriegsjahre brachten die Freiheit von der NS-

Diktatur, aber auch große wirtschaftliche Herausforderungen,

den strengen Winter 1946/47 und manchen Kampf um die lebensnotwendigen

Nahrungsmittel, die die Stadtbewohner

teilweise bei „Hamsterfahrten“ in die Umgebung „erbeuteten“.

Die Währungsunion 1948 und die Gründung der Bundesrepublik

im folgenden Jahr unterstützten den noch lange andauernden

Wiederaufbau Hamburgs. Das Fahrrad diente in diesen

Jahren als unersetzliches Massenbeförderungsmittel, mit dem

viele ihren Arbeitsweg zurücklegten und am Sonntag Erholung

in der Natur suchten.

Auch der 19-jährige Rudi Rübke stieß 1946/47 zur Gruppe der

Radfahrer, denn er erhielt sein erstes eigenes Fahrrad der

Marke Rixe mit einer Dreigangschaltung von Fichtel & Sachs.

Allsonntäglich machten er und seine jungen Vereinskameraden

vom ABC Fahrradausflüge in die nähere und weitere Umgebung,

um die Welt zu erkunden. 2 Das Training absolvierten

sie auf ihren einfachen Tourenrädern und fuhren dafür eigens

raus aus der Stadt, wo sie niemanden stören konnten. Der

ABC erholte sich dank der neuen Mitglieder in der frühen

Nachkriegszeit recht schnell und konnte auch einige ältere

Mitglieder wieder in seiner Mitte willkommen heißen wie Alfred

Böhkmann, der auf der Generalversammlung am 12. März

1948 über seine kurz zuvor erfolgte Rückkehr aus der Gefangenschaft

und seine „Militärzeit“ berichtete. 3

Im folgenden Frühjahr stand mit dem 80-jährigen Jubiläum

des ABC ein Fest an, das, wie der Vorsitzende Kurt Nissen zu-

Vorherige Doppelseite:

Rudi Rübke um 1946 mit seinem ersten Fahrrad

(Marke Rixe) in der Thadenstraße.

frieden resümierte, „absolut schon wieder Vorkriegscharakter“

hatte und „den grössten Teil der Clubmitglieder und viele Gäste

zu einer netten, harmonischen und erfreulicherweise auch

recht ausgelassenen Gesellschaft“ zusammenbrachte. 4 Nissen

bemerkte, dass „die besseren Materialbeschaffungsmöglichkeiten

nach der Währungsreform einen merklichen Aufschwung

des Tourenbetriebes zur Folge hatten“ und der Club

in diesen Jahren wieder auf Fahrten in die Umgebung ging.

Gemeinsam mit älteren ABC-Mitgliedern wie Kurt und Werner

Nissen, Walter Milz und dessen Frau („Herr Milz war immer

mit“) ging auch Rudi Rübke am Wochenende häufig auf Touren

in Richtung Westen, nach Blankenese oder auch nach

Quickborn. 5 Teilweise erstreckten sich die Ausflüge am Wochenende

über zwei Tage, inklusive einer Übernachtung in einer

Scheune, was für Jungen wie Rudi Rübke ein äußerst

spannendes Abenteuer war. Die Tradition der Pfingstfahrten

nahm der ABC um 1950 ebenso wieder auf, wie die interne

Clubmeisterschaft über zehn Kilometer, die 1949 erstmals

nach elf Jahren wieder ausgetragen wurde. 6

Mit dem Fokus auf dem Tourenfahren orientierte sich der ABC

ganz nach dem Vorbild Gregers Nissens, dessen Söhne Kurt

und Werner das Erbe ihres prominenten Vaters fortschrieben.

Werner Nissen trat insofern in die Fußstapfen seines Vaters,

als er im Verein und auch im Landesverband Hamburg Aufgaben

übernahm. Den 1950 gegründeten Radsportverband

Hamburg leitete Werner Nissen ein erstes Mal 1956/57 und

förderte damit den Radrennsport und das Wanderfahren an

verantwortlicher Stelle. 7

Zum 90. Jubiläum 1959 richtete der Club eine Feier „im kleinen

Kreise so ganz inoffiziell und familiär“ aus, da das 75-jährige

Jubiläum 1944 wegen dem Zweiten Weltkrieg „zum Opfer“ gefallen

war und nicht gefeiert werden konnte. 8 Der Erste Vorsitzende,

vermutlich war es zu diesem Zeitpunkt Werner

Nissen, blickte auf die lange Geschichte des ABC zurück und

erinnerte an die vielfältigen sportlichen Aktivitäten der Zwischenkriegszeit

und der damals neuen Generation im Club.

So eine „Blutauffrischung“ sei für den ABC wieder notwendig,

da viele Mitglieder im Krieg gestorben seien, auch wenn

durchaus neue Mitglieder (wie Gerd Oberwemmer) dazu gekommen

waren und diese vor allem im Radball „eine ausgezeichnete

Rolle“ spielten.

154


Ein Hauch von Melancholie schwang in der Rede aber mit,

denn die Motorisierung hatte den Radsport drastisch verändert.

Radrennen und Wanderfahren seien von den Straßen

„verbannt“ aufgrund der „unheimlichen motorischen Verkehrsausweitung“,

so Nissen. Wohl nicht gänzlich frei von

Schuldbewusstsein räumte er weiter ein: „So ist es denn kein

Wunder dass die A.B.C.er heute ebenfalls mit den Wölfen heulen

müssen und ihre Wanderfahrten jetzt auf 4 Rädern bestreiten.“

Die „Wanderfahrten“ bestanden folglich also darin,

in Hamburg in ein Auto zu steigen und mit diesem zu einem

landschaftlich reizvollen Flecken zu „wandern“. Nur gut, dass

Gregers Nissen dies nicht miterleben musste, denn er hätte

dies als eiserner Verfechter des Radfahrens sicher nicht gutheißen

können, was Werner Nissen wohl insgeheim dachte.

Doch der Club bestand noch, hatte den Zweiten Weltkrieg

überstanden und stellte sich neu auf in Zeiten des dominierenden

Automobils. So schloss der Vorsitzende mit einem

Ausblick in die Zukunft: „Und das sei unser aller Wunsch am

heutigen Tage, dass der A.B.C. noch lange bestehen möge zum

Ruhme des Radsportes und dass wir uns alle zur 100 Jahrfeier

genau so gesund und munter wie heute wiedersehen werden.“

Als nostalgischer Abschluss der Rede folgte ein dreifaches „All

Heil!“, das außerhalb des ABC vermutlich kein einziger Radsportler

mehr in den Mund nahm.

Zum wichtigsten sportlichen Standbein des ABC in der frühen

Nachkriegszeit entwickelte sich das Radballspiel. Der junge

Gerd Oberwemmer bildete zusammen mit Gerhard Quenzer

seit Mitte der 1950er Jahre das erste ABC-Team, das in Hamburg

und Norddeutschland zur Spitze gehörte. Lediglich das

Team Theodor Drzewiecki und Erhard Stüber vom Post SV

Hamburg dominierten die Serienspiele um die Hamburger

Radballmannschaft in jenen Jahren. 9 1958 fanden die Postspieler

„praktisch nur einen Gegner“, nämlich das Team Oberwemmer/Quenzer

vom ABC. 10 Ihre herausragende Klasse unterstrichen

Drzewiecki/Stüber als sie 1956 und 1960 die

Deutsche Meisterschaft erringen konnten. Bei der Weltmeis-

Der Alt- und Weltmeister „Guschi“ Koeping beim Training 1962,

wohl mit einem ABC-Radballer (ganz rechts im weißen ABC-Trikot mit blau-weiß-rotem Bruststreifen).


1960er Jahren grundlegend. Das eigene Automobil verkörperte

den neuen Wohlstand und veränderte das Freizeitverhalten

und die Urlaubsreisen der Westdeutschen grundlegend. Die

Erinnerung an den „Propheten des Radwanderns“, an Gregers

Nissen, verblasste mit der massenhaften Motorisierung im

Laufe der Zeit. Im Mai 1967 jährte sich allerdings Nissens Geburtstag

zum 100. Mal, was seine Person und sein Werk zumindest

kurzfristig in den Blickpunkt rückte. Der BDR bat Fredy

Budzinski im Vorfeld, für die verbandseigene Zeitschrift „Radsport“

eine Hommage an Nissen zu verfassen und an ihn in

angemessener Weise zu erinnern. 12 Budzinski ließ sich nicht

zweimal bitten und veröffentlichte den angefragten Beitrag

Erhard Stüber und Gerd Oberwemmer, das erfolgreiche,

zur Weltspitze gehörende ABC-Radballteam 1969.

unter dem Titel „Gregers Nissen unvergessen“, dem als Motto

vorangestellt war: „Eine Huldigung für den ungekrönten König

der Wanderfahrer“. 13 Der Artikel erzählt Nissens Werdegang

terschaft 1960 im französischen Mulhouse konnten die beiden

Postspieler sogar die Bronze-Medaille gewinnen und bewiesen

damit, dass sie zur Weltspitze im Radball gehörten. 11

Wohl aus Altersgründen musste Theo Drzewiecki danach vom

Spitzensport zurücktreten und sprengte damit das Team mit

Erhard Stüber. Letzterer suchte nach einem Ersatz und fand

ihn in Gerd Oberwemmer, mit

dem er in den folgenden Jahren

für den Post SV Hamburg

antrat. Zwar hatten Oskar

und Karl Buchholz vom RSV

Lauerbach und Werner Wenzel

und Günter Bittendorf

vom RSV Krofdorf zumeist die

Nase vorn, doch Stüber/

Oberwemmer konnten 1962

und 1965 respektable Dritte

und 1966 sogar Zweite in der

und Biografie und berücksichtigt auch seine Zeit im ABC ab

1890. In Hamburg-Altona und im ABC gedachte man dem

Fahrradpionier selbstverständlich ebenfalls. So fand sich am

3. Mai 1967, Nissens Geburtstag, „eine kleine Gemeinde“ auf

dem Friedhof am Hohenzollernring in Ottensen vor dem Grab

Nissens ein. Der ABC und der Landesradsportverband Hamburg,

vertreten durch Franz

Bittkowski, erinnerten an den

vor einem Vierteljahrhundert

Verstorbenen und legten im

Beisein von sechs Angehörigen

„der Dynastie Nissen“

Kränze nieder. „Bei einem anschließenden

Treffen wurde

so manche Radwanderfahrt

in die Erinnerung zurückgerufen“,

und sicherlich die eine

oder andere Geschichte

Deutschen Meisterschaft

von und mit Gregers Nissen

werden.

wiedergegeben. 14

1964 war die Radball-Bundesliga

gegründet worden,

nach dem Vorbild der im Vorjahr

geschaffenen Fußball-

Bundesliga, was dem Radball

ebenfalls eine höhere Aufmerksamkeit

Auch Werner Nissen ehrte

1967 auf dem Friedhof seinen

Vater, aber nicht nur dort.

Denn der jüngste Sohn von

Gregers Nissen übernahm

1967 abermals die Leitung

brachte.

des Radsportverbandes

Nicht nur der Fußball, auch

die bundesdeutsche Gesellschaft

veränderte sich in den

Titelblatt der Broschüre zum 100-jährigen Jubiläum 1969.

Hamburg und hatte diese

Funktion bis einschließlich

1974 inne. Damit schrieb er,

156


wie bereits kurz gegen Mitte der 1950er Jahre, das Erbe seines

Vaters fort und verfestigte den Namen Nissen in der Welt des

Radsports. 15 Werner Nissen hatte auch die große Leidenschaft

für Radreisen von seinem Vater geerbt und ging selber auf

zahlreiche Touren. Kurt Kroll würdigte Werner Nissens „Wanderlust“

auf dem Rade mit folgenden Worten: „So hat er viele

große Wanderungen im In- und Ausland auch weit über die

europäischen Grenzen hinaus gemacht, die er dann in unendlich

zahlreichen Fotos festgehalten und in unseren Vereinsabenden

des A B C vorgeführt hat.“ 16

Wenig später, im April 1969, stand das 100-jährige Jubiläum

des ABC an, das vom Verein mit einem großen Fest begangen

und über das die Presse ausführlich berichtete. 17 Der Erste

Vorsitzende Kurt Kroll blickte in einer selbst herausgegebenen

Jubiläumsbroschüre auf die Geschichte des ABC zurück und

rief manch bekannte Anekdote aus der Frühphase der „Knochenschüttler“

und „Bicycles“ in Erinnerung. 18 Kroll hob besonders

die Mitbegründer Harro Feddersen und Gregers Nissen

hervor, „den ungekrönten König der Wanderfahrer“ – Fredy

Budzinskis Diktum hatte sich mittlerweile eingebürgert. Diesen

„unseren tapferen Vorkämpfern“ widmete er ein „ehrendes

Gedenken“ und nannte die beiden stellvertretend für die

gesamte Riege der frühen Vereinsmitglieder. 19 Um seinen Ausführungen

einen möglichst nostalgischen Schlussakkord zu

verleihen, schloss er mit „All-Heil“.

Doch auch in der Gegenwart hatte der ABC reichlich zu bieten.

Denn zum runden Jubiläum veranstaltete der ABC einen „Ländervergleichswettkampf

Tschechoslowakei – Deutschland“ im

Kunstradfahren und im Radball, an dem sich „die gesamte

Weltklasse“ beider Disziplinen beteiligte. Die Presse sprach

angesichts des hochklassigen Starterfeldes im Vorfeld sogar

von einer „Hallenradsport-Olympiade“. 20 Erhard Stüber hatte

zwei Jahre Vorbereitungszeit und rund 5000 DM investiert, um

ein hochklassiges Programm zusammenzustellen. Im Radball

vertraten Deutschland die ABCer Stüber/Oberwemmer und

Werner Wenzel und Günter Bittendorf (Krofdorf), die 1967

Weltmeister im Zweier-Radball geworden waren. Beide Teams

spielten jeweils gegen die tschechischen Vertreter Jan und

Artikel aus unbekannter Zeitung über „Hamburgs Radballstars“ im Vorfeld des 100-jährigen Jubiläums 1969.


Jindřich Pospíšil und gegen J. Svoboda und J. Jicha. Die Brüder

Pospíšil gingen als amtierende Weltmeister an den Start und

errangen insgesamt unglaubliche 20 Mal den Weltmeistertitel.

Sie ließen denn auch Stüber und Oberwemmer („Deutscher

Exmeister“) bei dem Jubiläumsturnier keine Chance und wurden

Erste. Die bisherige Bilanz von Stüber/Oberwemmer gegen

die Pospíšils konnte sich aber sehen lassen, denn von

den zuvor acht Begegnungen konnte das ABC-Team immerhin

drei gewinnen, eine ging unentschieden aus und vier gewannen

die tschechischen Radballkünstler. Auf dem Kunstrad

starteten Anna Matouskova (Europameisterin 1967), Jan Kristufek

und Jan Mudrik für die Tschechoslowakei und Annemarie

Flaig (Europameisterin 1968) sowie u. a. Manfred Maute

(Weltmeister 1968/69) für Deutschland. Letzterer präsentierte

aus gegebenem Anlass vor den immerhin 600 Zuschauerinnen

und Zuschauern einige Kunststücke auf dem Veloziped

seines Großvaters, was die so traditionsbewussten ABC-Mitglieder

besonders erfreut haben dürfte. Der ABC richtete ein

hochklassiges Radball- und Kunstradturnier aus und unterstrich

damit seinen Stellenwert im Saalsport eindrucksvoll.

„Hamburgs Radballstars“ Erhard Stüber und Gerd Oberwemmer

konnten zwar während des Jubiläums nicht triumphieren,

was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat. Radballer,

Kunstradfahrer und die ABC-Mitglieder feierten das Jubiläum

anschließend gemeinsam mit einem großen Fest. Eine vom

ABC organisierte Hafenrundfahrt zeigte den Mitgliedern und

auswärtigen Gästen ein typisches Stück Hamburg und ließ die

Feierlichkeiten damit ausklingen.

Die Verantwortlichen im ABC um Kurt Kroll konnten mit dem

Verlauf des Jubiläums voll und ganz zufrieden sein. „Von der

Zukunft aber“, wagte Kroll in der Festbroschüre einen Ausblick,

„hoffen [wir], daß sie uns mit unseren jetzt 40 Mitgliedern ihre

Gunst nicht versagen möge, daß noch Manches glücklich erreicht

werde zur Ehre unseres Clubs und des Bundes Deutscher

Radfahrer.“ 21 Trotz der positiven Gegenwart war aber

auch manch nachdenkliche Stimme zu vernehmen. Walter

Milz antwortete etwa auf die Frage, wie viele Mitglieder der

ABC heute habe: „Beim Knackwurstessen fast 50, an normalen

Vereinsabenden kaum die Hälfte! Der Nachwuchs fehlt. Die

Jugend drängt zu anderen Vergnügungen und weiß nicht mehr,

wie schön es ist, ohne Motorgeräusch in einen stillen Frühlingsmorgen

hineinzuradeln.“ 22 Die Massenmotorisierung hatte

mittlerweile die westdeutsche Gesellschaft weitgehend erfasst

und das Fahrrad rückte deshalb immer mehr in den Hintergrund;

mehr noch, das Fahrrad, das einst so stolze Zeichen

gesellschaftlichen Aufbruchs, entwickelte sich zunehmend

zum Armutssymbol. Das Fahrrad galt nun als rückständig und

provinziell und für viele als nicht mehr zeitgemäß. Hamburg

wurde wie die meisten westdeutschen Großstädte zur „autogerechten

Stadt“ umgebaut, deren gravierende Folgen bis

heute zu spüren sind. Radfahren wollte unter diesen Umständen

kaum noch jemand und auch die Radsportvereine wie

der ABC sprachen immer weniger Menschen an.

Vorherige Doppelseite: Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums

ging der ABC auf Hafenrundfahrt, u.a. mit Gerd Oberwemmer

(hinten, rechts neben der Tür).

160


Gerd Oberwemmer

Gerd Oberwemmer wurde am 25.

September 1930 geboren und

wuchs in Hamburg-Eimsbüttel

auf. Im Alter von 16 Jahren begann

er eine Lehre zum Werkzeugmacher

und arbeitete anschließend

in einer Firma in

Eimsbüttel. Anfang der 1950er

Jahre trat Oberwemmer in den

ABC ein und bildete zusammen

mit Gerhard Quenzer wenig später

das erste Team. Oberwemmer

bildete auch zusammen mit Erhard

Stüber, zweimaliger Deutscher

Meister im Zweier-Radball,

für den Post SV Hamburg eine

Mannschaft. Zusammen wurden sie 1966 Vizemeister, 1962 und 1965 konnten sie

jeweils Dritter in der Deutschen Meisterschaft werden. Für den ABC spielten Stüber/Oberwemmer

in der 1964 gegründeten Radball-Bundesliga und gehörten

auch international zur Weltspitze in den 1960er Jahren. 1969 spielten sie im Rahmen

des 100-jährigen ABC-Jubiläums gegen die tschechischen Ausnahmesportler

Jan und Jindřich Pospíšil.

Oberwemmer betreute

seit den 1970er Jahren

jüngere ABC-Radballer

und wirkte bei Punktspielen

als Kampfrichter mit.

Bis ins hohe Alter spielte

er noch Radball im ABC.

Gerd Oberwemmer starb

am 28. Juni 2011.

Gerd Oberwemmer (1969)

und seine Radballmaschine

der Marke Walther um 1970.


Torejagd


Torejagd – Der ABC als Radballverein

(1970-1989)

Nach dem Höhepunkt des internationalen Jubiläumsturniers

1969 blieb der ABC weiterhin sehr aktiv im Radball. Mitte Juni

1971 lud der Club abermals zu einem „Internationalen Radballturnier“

in die Halle des ETV in die Bundesstraße ein. 1 Wie

bereits 1969 waren wieder die Brüder Pospíšil, sowie

Wenzel/Bittendorf (Krofdorf) und Wolfgang Flackus und Klaus

Bernais (Kostheim) eingeladen. Angesichts der gezeigten Leistungen

der Radball-Teams geriet das Hamburger Abendblatt

geradezu ins Schwärmen: „Was einige Leute mit ihren Fahrrädern

anstellen, ist schon beinahe unheimlich.

Vorherige Seite: Das ABC-Team Wolfgang Faust und Andreas Neumann

gehörte Ende der 1970er Jahre zu den besten Radball-Mannschaften in

Westdeutschland und spielte in der Bundesliga.

Die „alten Hasen“ schauen dem ABC-Nachwuchs im Radball zu: Erhard

Stüber (in der Mitte), rechts daneben Gerd Oberwemmer.

Gerd Oberwemmer (im Tor) und Erhard Stüber 1971

im Spiel gegen die Hannoveraner Kuhlmann/Dohmeyer.


Die Zuschauer beim Internationalen Radballturnier des Altonaer

Bicycle-Clubs jedenfalls kamen kaum noch aus dem

Staunen heraus: Allein drei Weltmeisterpaare boten in der

ETV-Turnhalle perfekte Artistik und schossen dabei auch noch

Tore; so ganz nebenbei, wie es manchmal schien.“ Die ABC-

Mannschaft mit Erhard Stüber und Gerd Oberwemmer hatte

„gegen so erlauchte Gäste keine Chance“ und wurde vierte

und damit letzte im Turnier.

Bereits im erfolgreichen Jubiläumsjahr 1969 beklagte die Presse

das nur geringe Zuschauerinteresse am Radball in Hamburg

– trotz des Aushängeschilds ABC. „Erhard Stüber und

Gerd Oberwemmer“, befand das Hamburger Abendblatt, „können

hinfahren, wohin sie wollen – überall kennt man ihre Namen,

zollt man ihnen Respekt und Bewunderung. Nur in ihrer

Heimatstadt Hamburg rangieren sie unter ‚ferner liefen‘.“ 2 Den

ABC stellte die mangelnde Resonanz vor große Probleme,

nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht. 1970 wurden zudem die

Stimmen lauter, welche die Gefahr einer Überalterung des

Wolfgang Faust, sein Vater Dietrich

und Andreas Neumann um 1980.

ABC, ja sogar eine „Nachwuchs-Misere“ im Radball ausmachten.

3 Die Krise bedeute für „Radsport-Enthusiasten“ aber auch

eine Chance, denn beim ABC biete sich die Möglichkeit, für

zwei Mark Monatsbeitrag „eine rasante und ausgefallene

Sportart zu betreiben“. Der Vorsitzende Kurt Kroll verwies am

Ende des ausführlichen Artikels im Hamburger Abendblatt auf

den so erfolgreichen Radballer Erhard Stüber, der Interessierten

am Telefon gerne und bereitwillig „alles Wissenswerte“

mitteilen werde.

Gegen den Zahn der Zeit konnten Erhard Stüber und Gerd

Oberwemmer jedoch nichts ausrichten, denn beide hatten

mittlerweile die Altersgrenze von 40 Jahren überschritten und

vermochten auf dem allerhöchsten internationalen Niveau

nicht mehr mitzuhalten. Doch die packenden und spannenden

Radballspiele des ABC mit den beiden Protagonisten hatten

eine neue Generation von Sportlern infiziert. Mit Wolfgang

Faust und Andreas Neumann etablierte sich im Laufe der

1970er Jahre eine neue erste ABC-Radballmannschaft, die sehr

spielstark war und dies regelmäßig in der Bundesliga unter

Beweis stellte. 4 Bei Spielen beteiligten sich die „alte Hasen“

als Kampfrichter, so Stüber, Oberwemmer oder auch Alfred


Vorherige Seite: Radballmaschinen sind den speziellen Anforderungen

angepasst, haben eine starre Nabe bei einer eins-zu-eins-Übersetzung

und besitzen einen besonderen Lenker. Sie stehen auch gut auf dem

Kopf.

Urkunde zur 1984 verliehenen „Sportplakette des Bundespräsidenten“,

die der ABC aufgrund seiner Pionierrolle in der Frühphase des

Radfahrens und Radsports erhielt.

Böhkmann, der in den 1920ern sehr erfolgreich viele Bahnrennen

bestritten hatte und dem ABC über Jahrzehnte verbunden

blieb. Auch neue Mitglieder stießen zum ABC wie Dietrich

Faust 1977, für den der Verein allerdings kein Neuland

darstellte, da sein Vater Dietrich (senior) und sein älterer Bruder

Wolfgang hier bereits aktiv waren. Um 1984 löste dann die

Wolfgang Faust die erfolgreiche erste Radballmannschaft auf,

als er in die Vereinigten Staaten auswanderte und seinen

Teampartner Andreas Neumann zurückließ.

Im Jahr 1984 wurde dem ABC eine besondere Ehre zuteil, denn

der amtierende Bundespräsident Karl Carstens (1914-1992)

verlieh dem Verein bei einer feierlichen Zeremonie in Bad

Homburg die „Sportplakette des Bundespräsidenten“. 5 Werner

Nissen nahm, stellvertretend für den Club und nicht zuletzt

für das langjährige Wirken seines Vaters Gregers Nissen, die

Ehrung samt Urkunde entgegen. Der Bundespräsident überreichte

persönlich die Auszeichnung für „besondere Verdienste

um die Pflege und Entwicklung des Sports“ und unterstrich

damit die wegweisende Rolle des ABC. 2014 erschien eine Broschüre

mit einer „Zwischenbilanz“ der Sportplakette, in der

der ABC neben anderen wegweisenden deutschen Turn- und

Sportvereinen gewürdigt wird. Die „Pionierarbeit“ des Eimsbütteler

Velocipeden-Reit-Clubs, des späteren ABC, habe „den

Grundstein für die spätere deutsche Radsportbewegung“ gelegt,

was vielleicht der Würdigung dann doch etwas zu viel war

und die historische Bedeutung überhöhte. 6

So ruhmreich die Geschichte des Clubs war, die Gegenwart

bereitete den Verantwortlichen um den Vorsitzenden Gerhard

Quenzer zu dieser Zeit immer größere Sorgen. Denn im Laufe

der 1980er Jahre konnten die Nachwuchsprobleme bei den

ABC-Radballern nicht mehr ignoriert werden. „Seit Jahren immer

die gleichen Gesichter bei den Wettkämpfen kaum einmal

ein Neuling. ‚Schade‘, sagt Gerhard Quenzer, denn genügend

technisches Gerät für Neulinge hält sein Club bereit.“ 7

Der Artikel im Elbe Wochenblatt erinnerte an die erfolgreiche,

jüngere Geschichte des Clubs, als die ABC-Radballer zu den

Besten in Deutschland gehörten und in der Bundesliga spielten.

1986 stellte der ABC jedoch nur eine Oberliga-Mannschaft,

die sportlich gegen die anderen Vereine Bille und Kirchwerder

zudem das Nachsehen hatte. Der ABC zählte 1986 nur noch

17 Mitglieder, darunter zehn aktive Radballer und nur zwei Jugendliche.

Der Verein befand sich damit in einem Abwärtstrend,

aus dem er aufgrund seiner Fixierung auf den nur sehr

schwer zur erlernenden Radball kaum entrinnen konnte.

Auch das „Radwandern“ wirkte zu dieser Zeit wenig attraktiv.

Nur noch einige ältere ABC-Mitglieder betrieben das Tourenfahren

und beteiligten sich gelegentlich an Ausstellungen wie

1984/85 in den Messehallen, als sich die Vereine des Radsportverbands

Hamburg präsentierten. Werner Nissen hielt

den Club so gut es ging zusammen und versammelte die Mitglieder

alljährlich zum Schlei-Essen in einem Lokal in der Alsenstraße

nahe des Holstenbahnhofs. 8

Der ABC auf einer Messe in den Hamburger Messehallen 1984/85.

168


Werner Nissen mit dem Wanderpreis

in Andenken an seinen Vater Gregers Nissen.

Vielleicht ging auch eine Initiative auf Werner Nissen zurück,

die dem ABC um die Mitte der 1980er Jahre ein besonderes

Trikot bescherte. Symptomatisch war, dass das Trikot die Geschichte

des Clubs abbildete und neben Zeichnungen von Velozipeden-Reitern

auch das Programm des Wettreitens im

September 1869 abbildete. Auf dem Trikot prangte neben dem

ABC-Wappen auch das des Velociped-Clubs Frankfurt und des

Bicycle Clubs Germania Hannover.

In den 1980er Jahren machten sich aber unübersehbare

Auflösungserscheinungen bemerkbar. Der ABC war im Besitz

einer umfangreichen Sammlung von Pokalen und Schriftgut,

die in dieser Zeit leider abgegeben. Werner Nissen wollte die

Exponate sicherlich in gute Hände geben, um damit zumindest

die Geschichte zu bewahren. Er trat Teile der ABC-Sammlung

an den früheren Radsportler und Radsportarchivar Wolfgang

Gronen (1916-1995) ab. Nach dessen Tod übernahm Udo

Schmidt-Arndt die Bestände, auch die Dokumente des ABC,

und integrierte sie in das von ihm betriebene Internationale

Radsportarchiv in Bad Münstereifel. (Oliver Leibbrand konnte

vor wenigen Jahren diesen Bestand erwerben und ihn damit

für den ABC wieder leichter verfügbar machen). Protokollbücher

und die alte „Sammelmappe“ mit zahlreichen Zeitungsartikeln

aus der Blütezeit der 1890er Jahre gelangten glücklicherweise

über einen Sammler ins Altonaer Museum und

wurden auf diese Weise für die Nachwelt gerettet. 9 Einzelne

Fotografien übergab Werner Nissen dem Stadtteilarchiv Ottensen.

Die Geschichte des Altonaer Bicycle-Clubs von

1869/80 wurde damit buchstäblich aufgelöst und auseinander

gerissen. Für die Zukunft des Clubs konnte dies kein gutes

Omen sein.

Der 1981 vom BDR ins Leben gerufene „Gregers Nissen-Wanderpreis“

(Foto: Klaus Kinne).

Das in den 1980er Jahren angefertigte Traditionstrikot

mit dem Programm des „Velocipeden-Wettreitens“

in Altona 1869 und Szenen und Figuren aus der Fahrradgeschichte.

Neben dem ABC-Wappen sind auch die des Velociped-Clubs Frankfurt

und des Bicycle Clubs Germania Hannover abgebildet.

170


Niedergang


Niedergang – Vom Schwinden eines Radsportvereins

(1990-2012)

Die Jahre 1989/90 stellten mit dem Zusammenbruch der DDR

und der anschließenden Wiedervereinigung eine Zäsur in der

deutschen Geschichte dar. Die unvorhersehbare Entwicklung

veränderte auch Hamburg erheblich, da sie der Stadt ein weit

größeres „Hinterland“ eröffnete, so, wie es vor der Teilung

Deutschlands der Fall gewesen war. In den 1980er Jahren entstand

die alternative Bewegung, in der das Fahrrad wiederentdeckt

und als symbolträchtiges politisches Symbol verwendet

wurde. Auch manch technische Neuerung erlebte das

Fahrrad nun auf seine alten Tage wie das Mountain Bike (MTB),

das selbst in Regionen ohne Berge, wie Hamburg, bei vielen

sehr gut ankam und einigen Radsportvereinen frischen Wind

und neuen Zulauf bescherte. Beim ABC war von Aufwind allerdings

nichts zu spüren – ganz im Gegenteil.

Im Frühjahr 1994 jährte sich das Bestehen des Vereins zum

125. Male, doch nun gedachte niemand mehr dieses Jubiläums.

Die Radballer spielten und trainierten weiterhin zwei Mal

wöchentlich in der Turnhalle in der Schwenckestraße, aber

dies fand jetzt in einem zunehmend kleineren Rahmen als in

den Jahrzehnten zuvor statt. Regelmäßige Jahreshauptversammlungen

wurden nicht mehr einberufen und die nach

deutschem Vereinsrecht notwendigen Berichte nicht mehr

eingereicht, weshalb das Vereinsregister und der Hamburger

ganz in der Nähe, von wo aus einst der Club seinen Ursprung

nahm. Der ABC tauchte mit dem Ansprechpartner Dietrich

Faust noch einige Jahre in den Veröffentlichungen des Radsportverbandes

Hamburg auf, so 1997 und 1998. 2 Ab 1999 fehlte

der Club dann aber auch hier und galt damit als nicht mehr

existent. 3 Lediglich bei historischen Rückblicken fand der ABC

jetzt noch Erwähnung, so wie die erfolgreiche Radballmannschaft

Wolfgang Faust und Andreas Neumann und ihre Zeit in

der Bundesliga in den späten 1970er Jahren.

In historischer Mission war auch der Geschichtsstudent Oliver

„Olli“ Leibbrand von der Universität Hamburg unterwegs, der

2006 nach einem Thema für seine Abschlussarbeit suchte. Da

er selber Radsport und insbesondere das Langstreckenfahren

auf „Brevets“ betrieb, wählte er als Thema die Geschichte des

Lars Amenda und Oliver Leibbrand auf dem Altonaer Balkon 2014

(Fotograf: Peter Rüssmann).

Sportbund den ABC 1996 aus dem Vereinsregister löschten. 1

Die Nachricht vom offiziellen Ende des ABC sprach sich

schnell in der Hamburger Radsportszene herum und stieß

nicht nur auf Gleichgültigkeit. Einige aktive Radsportler wie

Kai Rapp, der maßgeblichen Anteil daran hatte, dass ebenfalls

1996 die Cyclassics in Hamburg ihre Premiere feierten, suchten

den Kontakt zu den ABC-Mitgliedern und wollten sie überzeugen,

dass so ein alter und traditionsreicher Club nicht einfach

sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden dürfe.

Doch die Bemühungen waren nicht von Erfolg gekrönt. Der

ABC war jetzt nach offizieller Lesart und bezüglich der gesetzlichen

Bestimmungen als aktiver Verein Geschichte. Doch diese

Interpretation wäre zu eng gefasst, denn die ABC-Radballer

trafen sich nach wie vor zum Training in Eimsbüttel und damit

Vorherige Doppelseite:

Szene eines Jugend-Radballspiels

in Hamburg um 1980.

174


Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80 im Kaiserreich, als Fallbeispiel

für eine sozialgeschichtliche Studie über Sport und

städtisches Bürgertum. Neben Recherchen in Hamburger und

auswärtigen Archiven, Museen und Bibliotheken suchte und

fand er auch den Kontakt zu den ABC-Radballern um Gerd

Oberwemmer. Letzterer hegte sogar die leise Hoffnung, dass

Oliver Leibbrand trotz seines nicht mehr ganz jungen Alters

noch das Radballspiel erlernen könnte, was sich allerdings

als Trugschluss erweisen sollte. Deutlich erfolgreicher und talentierter

als im Radball erwies er sich in seinen geschichtswissenschaftlichen

Studien und schloss diese 2007 mit seiner

Magisterarbeit ab. 4 Aus den Recherchen für die Abschlussarbeit

gingen auch einige Publikationen hervor, wie in der angesehenen

wissenschaftlichen Fachzeitschrift SportZeiten. 5

Betreut und begutachtet hatten die Arbeit der Historiker Professor

Franklin Kopitzsch und der Soziologe Professor Klaus

Eichner (1945-2012), der zum erfolgreichen Absolventen halb

im Scherz meinte: „Dann gründen Sie den Verein doch neu!“

Der halbe Scherz wirkte und hallte nach und reifte zur ernsthaften

Idee, den ABC wieder auferstehen zu lassen und neu

zu gründen. Das eine oder andere Treffen mit fahrradhistorisch

Interessierten fand in der folgenden Zeit in Altona statt,

doch der Funke wollte vorerst noch nicht recht zünden. In der

Zwischenzeit starb 2011 Gerd Oberwemmer, was den Kreis der

ABC-Radballer noch weiter verkleinerte. 6 Doch die (ehemaligen)

ABCer um Dietrich Faust trafen sich auch weiterhin mit

älteren Radballern aus den Vierlanden, um wöchentlich Radball

zu spielen. Der ABC existierte als Verein de facto nicht

mehr, doch die Idee der Neugründung des Clubs zirkulierte in

Altona und weckte das Interesse von einigen.

175


Wiedergeburt


Wiedergeburt – Der ABC wird neu gegründet

(seit 2013)

Am 31. August 2013 war es schließlich so weit: In einer Privatwohnung

in Hamburg-Altona versammelten sich sieben Personen,

um einen alten, ehrwürdigen Verein wiederauferstehen

zu lassen. Der Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 sollte neu gegründet

werden und für dieses Unterfangen wurden nach deutschem

Vereinsrecht auch genau sieben Personen benötigt. Als

Satzungszweck erkor der „neue“ ABC zwei Standbeine: zum einen

die Pflege des Radsports, zum anderen den Erhalt historischer

Fahrräder und die Erforschung der Fahrrad- und Radsportgeschichte.

In der Satzung formulierten die

Neu-Gründungsmitglieder den selbstbestimmten Zweck mit

folgenden Worten: „Förderung eines radspezifischen Geschichtsbewusstseins“.

Das klang vielleicht ein wenig hochtrabend,

doch lag in der historischen Dimension für alle der gemeinsame

Nenner, ob sie nun Schrauber, Sammler, oder

Historiker/in waren.

Ein erster wichtiger Schritt in die Öffentlichkeit konnte im April

2014 vollzogen werden, als die offizielle Website freigeschaltet

wurde und der Club erstmals und ziemlich genau 145 Jahre

nach seiner Gründung online ging. 1 Auf der Internetseite des

ABC konnte und kann seitdem über aktuelle Radtouren und -

reisen gelesen werden, über restaurierte historische Fahrräder

und nicht zuletzt über historische Aspekte des Radfahrens und

des Radsports in Hamburg und Norddeutschland. So finden

sich dort zahlreiche Artikel über die engere Vereinsgeschichte,

aber auch über allgemeinere Themen der Radsportgeschichte.

Doch die ABC-Mitglieder reden und dozieren nicht nur über das

Radfahren, sondern praktizieren es selbstverständlich auch.

Neben Touren auf Oldtimern und Rennradklassikern haben

sich Themen-Touren wie die „Große Hafenrundfahrt“ etabliert,

die – standesgemäß auf dem Rad – zurückgelegt wird und die

in ebenso entlegene wie interessante Ecken des Hafens führt.

Auch manches radsportliche Abenteuer und Wagnis suchten

ABCer in den vergangenen Jahren. Im Oktober 2013 ging erstmals

ein ABC-Team beim „Zeitfahren Hamburg-Berlin“ des Audax-Club

Schleswig-Holstein am frühen Morgen an den Start,

um nach 275 Kilometern, darunter einige denkwürdige Passagen

mit Starkregen, schlammverschmierten Wegen und konstantem

Gegenwind der Stärke 3, bei Dunkelheit in Spandau einzutrudeln.

Auch 2014 startete wieder ein ABC-Team in Richtung Berlin,

„platzte“ auf der Strecke jedoch mehrfach auseinander –

auf Details dürfen wir an dieser Stelle wohl verzichten. Am

Abend in einem Lokal waren die ABC-Langstreckler dann aber

wieder vereint und entdeckten – zur allgemeinen Überraschung

– die dort ausliegende aktuelle Ausgabe der Zeitschrift READ

mit einem Artikel über den ABC. 2 Teilweise ging es sogar auf

noch deutliche längere Strecken, wie 2015 bei „Paris-Brest-Paris“

über 1225 Kilometer. Zwei ABC-Mitglieder absolvierten die Strecke

innerhalb der vorgeschriebenen 90 Stunden. Lars Bärer

schafft es sogar in etwas über 55 Stunden. Die gleiche Streckenlänge

bewältigen wieder zwei ABC-Mitglieder im September

2017 bei „Paris-Hamburg“.

Bereits 2014 entstand gemeinsam die Idee, eine Ausstellung

von historischen Fahrrädern zu veranstalten. Als Kooperationspartner

konnte das HausDrei gewonnen werden, ein Kulturund

Kommunikationszentrum in Altona-Altstadt, und so fanden

im Mai 2015 erstmals die „Altonaer Bicycle Days“ statt. Der bereits

etablierte Fahrrad-Flohmarkt, die Ausstellung im Saal und

auch die Präsentation von Fahrrädern im schönen angrenzenden

August-Lütgens-Park, auf dem Gelände des früheren Altonaer

Krankenhauses, lockten etliche Besucherinnen und Besucher

an und fanden ein vernehmbares Echo in den Medien. 3

Die Altonaer Bicycle Days im folgenden Jahr standen unter dem

Motto „Fahrräder und Arbeit“ und „Französische Fahrräder“ und

boten abermals eine gut aufgenommene zweitägige Ausstellung.

Ein kleines Wunder ereignete sich, als das Ehepaar Zingler

in der Ausstellung mit einer Plastiktüte erschien und daraus

das als verschollen geglaubte ABC-Banner von 1889 zauberte

und anschließend dem Club und den ungläubigen Anwesenden

vermachte. Im Jahr 2017 wurde landauf landab der Fahrradgeschichte

gedacht und der 200. „Geburtstag“ des Fahrrads

begangen, hatte doch Karl Drais im Juni 1817 seine Jungfernfernfahrt

auf seiner Laufmaschine zurückgelegt.

Vorherige Doppelseite:

Der ABC auf der Velo Classico Germany in Ludwigslust

im September 2018 (Fotograf: Florian Selig).

Lukas Obenhaus im kleidsamen

ABC-Trikot im März 2019

(Fotograf: Jens Rathmann).

178


Die 3. Altonaer Bicycle Days sprangen auf den Zug auf und

präsentierten unter dem Motto „200 Jahre Fahrrad“ eine Ausstellung

und individuelle abenteuerliche Reisen in die Fahrradgeschichte

auf einem „Knochenschüttler“ und Hochrad,

die im Park von einigen Wagemutigen probegefahren wurden.

Das Jahr 2017 bedeutete für den ABC aber auch ein anderes

Jubiläum, denn Gregers Nissen, das prominenteste ABC-Mitglied

in der langen Geschichte des Clubs, war 150 Jahre zuvor

in Nordfriesland geboren worden. War Nissen zu Lebzeiten

weit über die Grenzen Altonas und Hamburgs bekannt als unermüdlicher

Fahrradaktivist und Fürsprecher des Radtourismus,

so verblasste die Erinnerung an ihn in der zweiten Hälfte

des 20. Jahrhunderts, bis er nur noch wenigen Eingeweihten

ein Begriff war. Aus Sicht des ABC galt es daher, Gregers Nissens

historische Bedeutung wieder in Erinnerung zu rufen

und seine Person und sein Wirken kritisch zu würdigen. Im

Mai 2017 gab der ABC Nissens erstmals 1897 erschienenen

Radreiseführer „Von Hamburg auf dem Rade nordwärts“ als

Reprint heraus und konnte mit dem gut lesbaren Bändchen,

das 1979 bereits die Staatliche Pressestelle des Hamburger

Senates neu aufgelegt hatte, auf sich aufmerksam machen. 4

Im Herbst des Jahres erschien die umfassende Nissen-Biografie

in der Schriftenreihe „Nordfriesische Lebensläufe“ des

Nordfriisk Instituuts in Bredstedt/Bräist. 5 Der NDR berichtete

in der Sendung „DAS!“ über das Buch und konnte dabei mit

dem Einsatz einer futuristischen Drohne aufwarten. Wie ein

Schwarm von hunderten Hornissen folgte die Drohne den beiden

Nissen-Biografen entlang sandiger, abseitiger Wege im

nordfriesischen Efkebüll.

Der ABC präsentierte sich in den jüngsten Jahren zu verschiedenen

Anlässen inner- und außerhalb Hamburgs und bot Einblicke

in die Fahrradgeschichte. Mehrfach beteiligte sich der

Club mit einem Stand und mit Fahrern an der Velo Classico

Germany in Ludwigslust, wo einst dem ABCer Hermann Haase

auf seiner Hochrad-Tour nach Berlin der Cognac ausgegangen

war. Im März 2018 nahm der ABC auf Einladung an der Berliner

Umschlag des 2017 vom ABC neu herausgegebenen Radführers

von Gregers Nissen (Erstauflage 1897) und der ebenfalls

2017 erschienenen Biografie von Gregers Nissen.

Gert Nissen im Zieleinlauf der Hamburger „EuroEyes“ Cyclassics 2018 –

mit einem „Norwid“-Stahlrennrad und ABC-Wolltrikot über die 110 km

(Foto: FinisherPix®).

181


Vorherige Doppelseite: Das von Basti Grünow behutsam

restaurierte Tandem des französischen Herstellers La Perle um 1948

(Fotograf: Peter Rüssmann). Das Foto erschien 2017 in dem

Kalender „One year of bicycles“ (www.one-year-of-bicycles.com).

Hochrad um 1885 im Saal des HausDrei

während der Altonaer Bicycle Days im Mai 2015

(Fotograf: Peter Rüssmann).

Fahrradschau teil und zeigte dem zahlreichen Publikum eigene

Veröffentlichungen und einige ausgewählte historische

Fahrräder.

Im August 2018 erlebte der „neue“ ABC ein denkwürdiges Ereignis,

denn nach längerer Vorbereitungszeit konnte endlich

ein Clubtrikot fertiggestellt und an die Mitglieder verteilt werden.

Das blau-weiß-rote Wolltrikot schmückt seitdem die Straßen

Hamburgs und Umgebung und ziert auch manche Vintage-Veranstaltung.

Das sportliche Trikot erinnert nicht zuletzt

daran, dass der ABC auch ein Radsportverein war und ist, der

diesbezüglich an die lange Tradition anknüpfen möchte, auch

wenn aus dem Kreis der Mitglieder vermutlich nicht so schnell

ein „Meisterfahrer“ hervorgehen wird.

Im April 2019 ereignet(e) sich mit dem 150-jährigen Jubiläum

des ABC der vorläufige Höhepunkt des wiedergegründeten

Vereins. Das Jubiläum wird am 4. und 5. Mai zusammen mit

den 5. Altonaer Bicycle Days begangen werden und bietet eine

Ausstellung zum Thema „150 Jahre ABC“. Ausgiebig gefeiert

werden soll auch, wenngleich die Feierlichkeiten des Jahres

2019 möglicherweise nicht an die „Prunksaalfeste“ des späten

19. Jahrhunderts heranreichen können.

Die Zukunft wird zeigen, wohin die Reise gehen wird. Letztlich

– und das zeigt die Geschichte des Clubs und dieses Buch –

liegt es an den Mitgliedern, wie und womit das Vereinsleben

gestaltet und mit Leben gefüllt wird. Das Fahrrad und das Radfahren,

so viel scheint gegenwärtig aber sicher, wird nach seinem

„Siegeszug“ um 1900 und dem anschließenden langen

Niedergang zukünftig wieder eine gewichtigere Rolle spielen.

Falls der ABC seinen kleinen Beitrag dazu leisten kann, und

sei es als Informationsquelle für die historische Entwicklung,

wird er dies gerne tun.

Rahmenschild des ABCers Gunther Steil für den Superbrevet Hamburg-

Paris über 1200 Kilometer im September 2017.


Der August-Lütgens-Park während der Altonaer Bicycle Days im Mai 2017.


Schluss

und Ausblick

Der Altoner Bicycle-Club von 1869/80 hat Geschichte geschrieben

– das lässt sich ohne Übertreibung feststellen. Als mehrere

Hamburger und Altonaer Fahrradpioniere den Eimsbütteler

Velocipeden-Reit-Club am 17. April 1869 gründeten,

hofften einige Velozipeden-Hersteller und -Händler unter ihnen,

dass das aus Frankreich und Paris übernommene vélocipède

auch im Norden der deutschen Landen begeistern

könne. Unter jüngeren Männern des wohlhabenden Bürgertums

tat es das auch, denn die beschleunigte individuelle Mobilität

und die Technik des neuen Gefährts symbolisierten einen

männlich konnotierten Aufbruch.

Doch das Veloziped war schwer und unhandlich und geriet

nach 1870 schnell wieder in Vergessenheit. Eine kleine Schaar

um den Fahrradhändler Harro Feddersen in Altona hielt aber

unbeirrbar daran fest und „ritt“ auf ihren Velozipeden auch

weiterhin, in der Hoffnung, dass das noch unvollkommene

Fahrrad bald technisch verbesserte werde. Letztes trat mit den

„Bicycles“, den Hochrädern ein, die zwar ebenso unhandlich

wie die vorherigen „Knochenschüttler“ waren, auf denen nun

aber deutlich höhere Geschwindigkeiten erreicht und längere

Strecken zurückgelegt werden konnten. Mit neuem Schwung

und neuen Mitgliedern benannte sich der Verein 1880 um in

„Velocipeden-Club“ und wenig später schließlich in „Altonaer

Bicycle-Club von 1869/80“ (ABC). Anschließend entfaltete der

ABC vielfältige Aktivitäten, feierte karikative Feste, förderte das

Kunst- und Reigenfahren und nahm eine wichtige Stellung im

städtischen Bürgertum ein. 1885 erbaute der Club zusammen

mit zwei weiteren Vereinen die Grindelbergbahn, das damalige

„Mekka“ des Radsports in Hamburg.

In den 1890er Jahren erlebte der Club eine regelrechte Blütezeit

mit dem Höhepunkt des 25-jährigen Jubiläums 1894. Seit

1890 leitete der junge Nordfriese Gregers Nissen den Verein

und förderte neben dem Kunstradfahren vor allem das Wanderfahren.

Der ABC distanzierte sich zunehmend vom Geschwindigkeitsrausch

im Radsport und trat 1895 demonstrativ

mit seinen 130 Mitgliedern aus dem Deutschen Radfahrer-

Bund aus. Danach wurde es ruhiger um den Club und während

andere die berühmten Radsportprofis auf den Bahnen

anfeuerten und vergötterten, gingen die ABCer auf Tourenfahrten

ins Alte Land. Der Erste Weltkrieg ließ das Vereinsleben

dann vorübergehend vollends ruhen.

In den frühen 1920er Jahren erneuerte und verjüngte sich der

ABC und nahm wieder den Radrennsport auf der Bahn auf.

Neu waren Disziplinen wie Radball und Radpolo, die die ABCer

jetzt spielten, und auch Frauen traten jetzt vermehrt dem Club

bei, fuhren Kunstrad und nahmen an Wanderfahrten teil. Einen

moralischen Tiefpunkt erreichte der ABC, als er in der

überarbeiteten Satzung von 1925 Juden und Jüdinnen von der

Mitgliedschaft ausschloss und diese nur „arischen“ Menschen

zugestand. Im „Dritten Reich“ passte der ABC sich wie die anderen

Sportvereine an die neue Ordnung, an die Diktatur an

und lebte auch intern das „Führerprinzip“. Die Gestapo forderte

den Club 1942 auf, wegen des englischen Wortes „Bicycle“

den Namen zu ändern, was aber angesichts des ohnehin

brach liegenden Vereinslebens kaum Auswirkungen hatte.

Nach dem Untergang des NS-Regimes musste sich der ABC

im Rahmen des „Wiederaufbaus“ einmal mehr neu finden. Die

Zeichen der Zeit ließen sich auch zunehmend beim ABC erkennen,

denn die Massenmotorisierung erfasste auch die

überzeugtesten Radfahrer und ließ diese teilweise ihre „Wanderfahrten“

nun bequem im Auto absolvieren. Sportlich setzte

der ABC in den 1950er und 1960er Jahren aber kräftige Akzente

und konnte mit seiner Radballmannschaft Erhard Stüber und

Gerd Oberwemmer zur nationalen und internationalen Spitze

aufschließen. Das Jubiläumsturnier 1969 mit den tschechischen

Radball-Legenden Jan und Jindřich Pospíšil markierte

einen abermaligen – und vorerst letzten – Höhepunkt der

Vereinsgeschichte.

187


Seit den frühen 1970er Jahren machten sich Nachwuchsprobleme

im ABC immer mehr bemerkbar. Wolfgang Faust und

Andreas Neumann konnten zwar in die Fußstapfen Stübers

und Oberwemmers treten und in der Radball-Bundesliga

spielen, doch Mitte der 1980er Jahre hatte der ABC nur noch

16 Mitglieder und eine neue Generation war nicht in Sicht. Die

weniger und älter werdenden Radballer spielten weiterhin

und regelmäßig in Eimsbüttel, doch 1996 entzogen der Hamburger

Sportbund und das Vereinsregister dem ABC den offiziellen

Vereinsstatus.

Der ABC war damit Geschichte – aber dabei sollte es nicht

bleiben. Die Radballer spielten noch bis Ende 2018 Radball

und hielten damit die Erinnerung an die einstmalige Hochburg

Hamburg in dieser Sportart wach.

In der Zwischenzeit hatte Oliver Leibbrand über die Geschichte

des Clubs geforscht und publiziert und die Idee angestoßen,

den ABC wieder neu zu gründen. Im August 2013 geschah

genau dies und der Club betätigt sich seitdem als Radsportund

Geschichtsverein. Im April 2019 feiert(e) der wiedergegründete

Verein das 150-jährige Jubiläum und die Zukunft

wird zeigen, wie sich der traditionsreiche Club in Zeiten eines

erneuten Fahrradbooms weiter entwickeln wird.

188


Anmerkungen

Einleitung – Laufmaschinen, Sport, Vereine

Seite 4 –11

1 Hans-Erhard Lessing, Automobilität. Karl Drais und die

unglaublichen Anfänge, Leipzig 2003; ders., Das Fahrrad.

Eine Kulturgeschichte, Stuttgart 2017; Technoseum (Hrsg.),

2 Räder – 200 Jahre. Freiherr von Drais und die Geschichte

des Fahrrades, Darmstadt 2016; Bettina Gundler für das

Deutsche Museum (Hrsg.), Balanceakte. 200 Jahre

Radfahren, München 2017.

2 Börsen-Halle vom 9.8.1817. Dort auch das folgende Zitat.

Die Zeitung datierte die Fahrt fälschlicherweise auf den

12.7.1817.

3 Hamburger Nachrichten vom 2.7.1818.

4 Ebenda.

5 Hamburger Nachrichten vom 6.9.1818.

6 Börsen-Halle vom 26.3.1819.

7 Wolfgang Gronen/Walter Lemke, Geschichte des

Radsports, des Fahrrades, Eupen 1978, S. 36f.

8 Christiane Eisenberg, „English sports“ und deutsche

Bürger. Eine Gesellschaftsgeschichte 1800-1939, Paderborn

u. a. 1999.

9 Michael Seufert, Der Hamburger und Germania-Ruder-

Club. 1836-2011, Hamburg 2011.

10 Helmut Böhme, Frankfurt und Hamburg. Des deutschen

Reiches Silber- und Goldloch und die allerenglischste

Stadt des Kontinents, Frankfurt am Main 1968.

11 Triton [Adolf Götz], Der Hamburger ‚Junge Mann‘, 2. Aufl.,

Berlin [1908] (Großstadt-Dokumente, Bd. 39), S. 18.

12 Hans-Jürgen Schulke, Der erste Deutsche. Jahn – der

Mann, der ein Volk verein-te, Hildesheim 2017.

13 Hans-Jürgen Schulke (Hrsg.), Als Vereine in Bewegung

kamen. Eine faszinierende Zeitreise durch den Sport,

Göttingen 2016.

14 Gaby Hermsdorf, 150 Jahre Turnen in Altona. Eine Chronik

des Altonaer Turnvereins von 1845 e.V., Hamburg 1995;

Gottfried Tönsfeldt, Geschichte des Altonaer Turnvereins.

Festschrift zur Feier seines 50jährigen Bestehens, Altona

1895.

15 Herbert Freudenthal, Vereine in Hamburg. Ein Beitrag zur

Geschichte und Volkskunde der Geselligkeit, Hamburg

1968; allgemein siehe Klaus Tenfelde, Die Entfaltung des

Vereinswesens während der Industriellen Revolution in

Deutschland (1850-1873), in: ders., Arbeiter, Bürger, Städte.

Zur Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts, Göttingen 2012,

S. 174-229.

16 Zur Geschichte des ABC siehe Oliver Leibbrand, Bürgerlicher

Radsport im Deutschen Kaiserreich. Der Altonaer

Bicycle-Club von 1869/80 (ältester Bicycle Club der Welt),

Magisterarbeit, Hamburg 2007; ders., Zur Geschichte des

bürgerlichen Radsports im Deutschen Kaiserreich. Der

Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 – Aeltester Bicycle-

Club der Welt. in: SportZeiten. Sport in Geschichte, Kultur

und Gesellschaft 8 (2008), Heft 3, S. 79-105.

Neuland – Der Eimsbütteler Velocipeden-

Reit-Club (1869-1879)

Seite 12 – 33

1 Alex Poyer, Les premiers temps des Véloce-clubs, Paris

2003; Hugh Dauncey, French Cycling. A Social and Cultural

History, Liverpool 2012, S. 15-26.

2 David Birchall/Hugh Dauncey, Der Anfield Bicycle Club

(seit 1879) und der Véloce-club bordelais (1876-91):

Wegbereiter des Radsports in Liverpool und Bordeaux, in:

SportZeiten. Sport in Geschichte, Kultur und Gesellschaft

18 (2018), Heft 2, S. 9-30.

3 Hippolyt de Wesez, Erste deutsche illustrirte Vélocipède

Brochüre, Reprint, Hannover 1995 (Erstaufl. 1869)

(Klassiker der Sportliteratur, Bd. 4), S. 36f.

189


4 Lothar Wieser, Ra(n)dnotizen aus Mannheim aus der

Frühzeit des Radsports, in: Martin Ehlers/Markus

Friedrich/Harald Stockert (Hrsg.), Dokumentation zur

Tagung 200 Jahre Radsportgeschichte. Von Teufelslappen,

Sprinterzügen, und Nachführarbeit. Am 10. Juni 2017 in

Mannheim, Mannheim 2017 (ISG-Schriftenreihe), S. 29-46,

hier S. 30. Wiese nennt weder den Namen des Mannheimer

Velozipeden-Clubs, noch das genaue Gründungsdatum

und benennt keine Quelle.

5 Altonaer Nachrichten vom 14.2.1869. Dort auch das

folgende Zitat.

6 Siehe Matthias Kielwein, Velozipede in Deutschland:

Fabrikanten und Händler 1868 bis 1870, in: Der Knochenschüttler

(2006), Heft 37, S. 2-7.

7 Dieter Beig, Alt-Pinneberg, 2. verb. Aufl., Pinneberg 1984, S.

101; zur Industrialisierung Pinnebergs siehe Johannes

Seifert, Vom Schloss zur Stadt. Pinneberg 1640-1875,

Pinneberg/Husum 2011 (Schriften der VHS-Geschichtswerkstatt,

Bd. 5), S. 173-183.

8 Altonaer Nachrichten am 14.1.1869. Dort auch die

folgenden Zitate.

9 Altonaer Nachrichten vom 27.3.1869. Dort auch die

folgenden Zitate.

10 Velocipeden, in: Altonaer Nachrichten vom 28.3.1969.

11 Hamburger Nachrichten vom 20.4.1869.

12 Zur Geschichte Eimsbüttels siehe Joachim Grabbe,

Stadtteil zum Verlieben. Ein Spaziergang durch Hamburg-

Eimsbüttel und seine Geschichte, Erfurt 2008.

13 Die Entstehung und Entwickelung des Altonaer Bicycle-

Club v. 1869/80, Altona 1894, S. 6.

14 Statuten des Eimsbütteler Velocipèden-Reit-Clubs.

Gegründet am 21. April 1869, Hamburg 1869. Dort auch die

folgenden Zitate.

15 Entstehung und Entwickelung, S. 11f.

16 Altonaer Nachrichten vom 21.4.1869.

17 Altonaer Nachrichten vom 5.6.1869.

18 Velocipeden, in: Altonaer Nachrichten vom 9.6.1869.

19 Eingesandt, in: Altonaer Nachrichten vom 4.6.1869.

20 Benjo Maso, Der Schweiß der Götter. Die Geschichte des

Radsports, Bielefeld 2011, S. 11, 13.

21 Hamburger Nachrichten vom 18.3.1869.

22 Entstehung und Entwickelung, S. 15.

23 Walter Euhus, Speichensport. Hannovers historischer

Radsport, Langenhagen 1999; siehe auch Matthias

Kielwein, Velozipedrennen und Clubs in Deutschland:

Erste Ansätze um 1869, in: Der Knochenschüttler (2005),

Heft 35, S. 7-12.

24 Hamburger Nachrichten vom 1.5.1869.

25 Hamburger Nachrichten vom 3.7.1869.

26 Schleswiger Nachrichten vom 30.6.1869. Daraus kann wohl

geschlossen werden, dass sich die von Schlüter Besiegten

weniger elegant bis rustikal auf ihren Velozipeden

fortbewegten.

27 Hamburger Nachrichten vom 30.6.1869.

28 Preisgekrönte Velocipeden, in: Altonaer Nachrichten vom

4.7.1869.

29 Volker Barth, Mensch versus Welt. Die Pariser Weltausstellung

von 1867, Darmstadt 2007.

30 Entstehung und Entwickelung, S. 16. Oliver Korn,

Hanseatische Gewerbeausstellungen im 19. Jahrhundert.

Republikanische Selbstdarstellung, regionale Wirtschaftsförderung

und bürgerliches Vergnügen, Opladen 1999.

31 Altonaer Nachrichten vom 3.8.1869.

32 Entstehung und Entwickelung, S. 16.

33 Ausstellung Altona 1869. Catalog nebst Führer, Altona

1869.

34 Industrie-Ausstellung, in: Altonaer Nachrichten vom

26.9.1869.

35 Zu Büssing siehe Eckhard Fischer, Die Firma Büssing,

Braunschweig 2010 (Beiträge zur Stadtgeschichte, Bd. 24);

Ernst Valentin, Heinrich Büssing und sein Werk, hrsg.

anläßlich ihres 25-jährigen Bestehens von der Firma

Automobilwerke H. Brüssing A.-G., Braunschweig 1927.

36 Berliner Gerichts-Zeitung vom 28.8.1869.

37 Eberhard Ruhmer, Begas, Karl der Jüngere, in: Neue

Deutsche Biographie (NDB), Bd. 1, Berlin 1953, S. 745.

38 Altonaer Nachrichten vom 11.9.1869.

39 Tornquist junior hatte 1869 die Eignungsprüfung für

einen freiwilligen einjährigen Militärdienst nicht

bestanden und sollte und wollte mit dem Veloziped-Reiten

vermutlich seine körperliche Physis stärken, was

augenscheinlich recht erfolgreich war. Siehe dazu

Staatsarchiv Hamburg, 131-1 I_33 T 339.

40 Altonaer Nachrichten vom 11.9.1869.

41 Rechtfertigung. Ausstellung Altona 1869, in: Altonaer

Nachrichten vom 12.9.1869. Dort auch die folgenden

Zitate.

42 Entstehung und Entwickelung, S. 16. Dort auch das

folgende Zitat.

43 Ebenda.

190


44 Altonaer Nachrichten vom 23.6.1869.

45 Bekanntmachung, in: Altonaer Nachrichten vom 3.7.1869.

46 Amtliche Anzeigen (Polizei-Verordnung), in: Altonaer

Nachrichten vom 16.7.1869.

47 Entstehung und Entwickelung, S. 14.

48 Wortspiele und Wortwandlungen, in: Hamburger Anzeiger

vom 21.12.1918.

49 Gregers Nissen, Die geschichtliche Entwicklung des

Radsports in Altona. Altonaer Bicycle-Club von 1869/80

(ältester Radfahrer-Verein der Welt) (Forts.), in: Altonaer

Nachrichten vom 27.5.1926. Dort auch die folgende Zitate.

50 Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Altona und

Ottensen siehe Gerhard Kaufmann für das Altonaer

Museum (Hrsg.), Schatten. Jüdische Kultur in Altona und

Hamburg, Hamburg 1998.

51 Billig zu verkaufen, in: Hamburger Nachrichten vom

1.1.1870.

52 Lessing, Das Fahrrad, S. 82.

53 örg Duppler, Prinz Adalbert von Preussen. Gründer der

deutschen Marine, hrsg. vom Deutschen Marine-Institut,

Herford u. a. 1986.

54 Entstehung und Entwickelung, S. 16.

55 Entstehung und Entwickelung, S. 55.

56 Grevenhof. Steinwärder, in: Hamburger Nachrichten vom

4.6.1870.

57 Heidi Mehrkens, Statuswechsel. Kriegserfahrung und

nationale Wahrnehmung im Deutsch-Französischen Krieg

1870/71, Essen 2008.

58 Entstehung und Entwickelung, S. 16f.

59 Harro Feddersen, Eine Dreiradfahrt auf der Elbe, in:

Deutscher Radfahrer-Bund 4 (1891), S. 74.

60 Beig, Alt-Pinneberg, S. 101.

61 Entstehung und Entwickelung, S. 56.

62 Entstehung und Entwickelung, S. 18.

63 Entstehung und Entwickelung, S. 17f.

64 Entstehung und Entwickelung, S. 19; zum Münchner

Velociped-Club siehe Sierck, Radsport und Rennfahren, S.

71; Chronik des Münchener Velociped-Club: Anerkannter

Verein. Gegründet am St. Urbanstag anno 1869. Zur Feier

des 25 Jährigen Bestehens bearbeitet & herausgeg. von

dem Vorstand im Jahre 1894, München 1894 (diese

Veröffentlichung stand leider nicht zur Verfügung).

65 Zit. nach Heinrich Lüdtke/Oskar Lorenzen, Die Turn- und

Sportstadt Altona. Von der Palmaille zum Stadion, Altona

1927, S. 128-132, hier S. 129.

66 [Felix] Waentig-Haugk, Die grossen Radfahrer-Verbände.

Vereinswesen, in: Paul von Salvisberg (Hrsg.), Der

Radfahrsport in Bild und Wort, Hildesheim/New York

1980 (Erstaufl. 1897), S. 195-212, hier S. 195.

Aufschwung – Der ABC und das Zeitalter

der Hochräder (1880-1889)

Seite 34 – 61

1 Victor Silberer/George Ernst, Handbuch des Bicycle-Sport.

Vollständiger Reprint, hrsg. und mit biographischen

Angaben ergänzt von Walter Ulreich. Vorwort Hans-Erhard

Lessing, Leipzig 2004 (Erstaufl. 1885), S. 16.

2 Entstehung und Entwickelung, S. 18.

3 Waentig-Haugk, Die grossen Radfahrer-Verbände, S. 195.

4 Clubs in Deutschland. Altona, in: Das Velociped. Fachblatt

für die Gesamt-Interessen des deutschen Velocipeden-

Sports 1 (1881), S. 4-5; zu Walker siehe Rüdiger Rabenstein,

„T. H. S. Walker – English cycling pioneer in

Germany“, in: Cycle History. Proceedings of the 5th

International Cycling History Conference in Cambridge,

England 1994, hrsg. von Robert van der Plas, San

Francisco 1995, S. 155-160.

5 Der altonaer [sic] Velocipedenclub, in: Altonaer Nachrichten

vom 5.7.1881.

6 Fest-Abend des Velocipeden-Clubs, in: Altonaer Nachrichten

vom 30.6.1881.

7 Entstehung und Entwickelung, S. 19.

8 Entstehung und Entwickelung, S. 19.

9 Der Velocipeden-Club, in: Altonaer Nachrichten vom

30.9.1881. Dort auch das folgende Zitat.

10 Stiftung Historische Museen Hamburg, Altonaer Museum,

Inv.-Nr. 1980-461,6, Protocoll des Velocipeden-Clubs,

Generalversammlung vom 11.10.1881.

11 Der Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, in: Altonaer

Nachrichten vom 10.3.1882; Was die Clubs machen. Altona,

in: Velociped 2 (1882), S. 84.

12 Glückliche Reise, in: Altonaer Nachrichten vom 13.7.1881,

zit. n. Entstehung und Entwickelung, S. 24.

13 Der Parforcereiter per Velocipede, Hermann Haase, in:

Altonaer Nachrichten vom 15.7.1881.

14 Eine aussergewöhnliche Leistung, ohne Quellenangabe,

1882, in: Entstehung und Entwickelung, S. 27.

15 Dörte Bleckmann, Wehe wenn sie losgelassen. Über die

Anfänge des Frauenradfahrens in Deutschland, Leipzig

1998; zur zeitgenössischen Debatte siehe Carl Fressel, Das

191


Radfahren der Damen vom technisch-praktischen und

ärztlich-gesundheitlichen Standpunkte, Neuwied u. a.

1897.

16 Der Velocipeden-Club, in: Ottensener Nachrichten vom

14.5.1882.

17 Zur Geschichte der um 1900 weitverbreiteten Tandems

siehe Karl Schubert, Das Tandem, Kiel 1994, S. 11-14.

18 Silberer/Ernst, Handbuch des Bicycle-Sport, S. 6.

19 Siehe zum Folgenden Waentig-Haugk, Die grossen

Radfahrer-Verbände, S. 195; Ebert, Radelnde Nationen, S.

149; Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des

Frankfurter Bicycle-Club von 1881. 1881-1831, Frankfurt am

Main 1931, S. 11-14.

20 Entstehung und Entwickelung, S. 23.

21 Waentig-Haugk, Die grossen Radfahrer-Verbände, S. 196.

22 Entstehung und Entwickelung, S. 20.

23 Siehe dazu das Eröffnungsprogramm in Staatsarchiv

Hamburg, 622-2-196, 123. Dort auch die folgenden Zitate.

24 Der Rennverein Hamburg-Altonaer Radfahrer, in:

Hamburger Nachrichten vom 27.7.1885.

25 Rabenstein, Radsport und Gesellschaft, S. 26-47.

26 Der Rennverein Hamburg-Altonaer Radfahrer, in:

Hamburger Nachrichten vom 27.7.1885.

27 Amenda, Angehimmelte Flieger, S. 34-39.

28 Sandra Bücher, Kunstradfahren im Wandel der Zeit. Von

den artistischen Anfängen bis zum modernen Wettkampfsport

unter besonderer Berücksichtigung der

Radsportbewegung in Rheinhessen, Niedernhausen/Ts.

2013, S. 12-24; Ebert, Radelnde Nationen, S. 240-243.

29 Robert Höfer, Leitfaden für das Kunst-Fahren beim

Radfahrsport, Leipzig 1890; Sierck, Der Rad-Rennsport, S.

104-106.

30 Zum Velocipedensport, in: Altonaer Nachrichten vom

26.1.1882.

31 Entstehung und Entwickelung, S. 20.

32 Richard Schulz. Meisterfahrer von Europa im Kunstfahren

auf dem Zweirad, in: Das Stahlrad 4 (1889), S. 81.

33 Der Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, in: Altonaer

Nachrichten vom 12.2.1885.

34 Altona, in: Deutscher Radfahrer-Bund 1 (1888), S. 526.

35 Richard Schulz. Meisterfahrer von Europa im Kunstfahren

auf dem Zweirad, in: Das Stahlrad 4 (1889), S. 81; siehe

auch Richard Schulz, in: Deutscher Radfahrer-Bund 1

(1888), S. 155.

36 Sierck, Der Rad-Rennsport, S. 105.

37 Zum Hamburger Bicycle-Club siehe Staatsarchiv

Hamburg, 231-10, B 1973-68; The Cyclist and Wheel World

Annual (1883), S. 200.

38 Entstehung und Entwickelung, S. 54.

39 Entstehung und Entwickelung, S. 20.

40 Der altonaer Bicycle-Club 1869/80, in: Altonaer Nachrichten

vom 26.10.1887. Dort auch das folgende Zitat.

41 Entstehung und Entwickelung, S. 54f.

42 Deutscher Radfahrer-Bund 2 (1889), S. 7.

43 Der altonaer Bicycle-Club 1869/80, in: Altonaer Nachrichten

vom 26.10.1887.

44 Die Frage muss vorerst offen und unbeantwortet bleiben,

da bislang zu wenig Forschungen über andere Radsportvereine

in Deutschland vorliegen.

45 Alter Fahrradartist starb in Hohenfelde, in: Hamburger

Abendblatt vom 26.2.1964.

46 Der Altonaer Bicycle-Club 1868/80, in: Altonaer Nachrichten

vom 10.9.1888.

47 Der Altona Bicycle-Club von 1869/80, in: Altonaer

Nachrichten vom 22.1.1887.

48 Der altonaer Bicycle-Club 1869/89, in: Altonaer Nachrichten

vom 12.8.1887.

49 Amenda/Leibbrand, Gregers Nissen, S. 24-26. Nissen

bewarb sich Ende 1889 um eine Lehrerstelle in Altona

und trat diese im darauf folgenden Jahr an. Er wollte in

der großen Stadt leben aber insbesondere auch dem ABC

beitreten, dazu später mehr.

50 Altonaer Bicycle-Club, in: Altonaer Nachrichten vom

21.6.1885.

51 Altona, in: Deutscher Radfahrer-Bund 2 (1889), S. 36.

52 Vereins-Abzeichen, in: Deutscher Radfahrer-Bund 2 (1889),

S. 205.

53 Das Fotoalbum gelangte Jahrzehnte später in den Besitz

vom ABC-Mitglied Walter Milz, Sohn von Witold Milz,

dessen Enkelin Katrin Uden-Brumm es Anfang 2018 dem

ABC vermachte.

54 um Hamburger Bicycle-Club von 1882 siehe Staatsarchiv

Hamburg, 231-10, B 1973-68.

55 Der Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, unbekannte

Zeitung, zit. nach Entstehung und Entwickelung, S. 29.

56 Altona, in: Deutscher Radfahrer-Bund 1 (1888), S. 12.

57 Vom Gala-Fest des Altonaer Bicycle-Club, in: Das Stahlrad

4 (1889), S. 145-146, hier S. 146.

58 VI. Bundestag 1889 in Hamburg, in: Deutscher Radfahrer-

Bund 1 (1888), S. 488. Feddersen koordinierte als

192


Vorsitzender des Wohnungsausschusses die Unterbringung

der auswärtigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

59 Eva Decker/Jörg Schilling: Flora – Theater am Schulterblatt,

Hamburg 2015 (Hamburger Bauheft, Heft 10).

60 Altonaer Nachrichten vom 11. Juli 1889, zit. nach Entstehung

und Entwickelung, S. 33. Auf der Versammlung

wurde ebenfalls beschlossen, dass das Flora-Theater

zukünftig das Clublokal sein solle.

61 Zur Geschichte von Fahnen siehe den Ausstellungskatalog

von Daniel Hohrath (Hrsg.), Farben der Geschichte.

Fahnen und Flaggen, Berlin 2007.

62 Entstehung und Entwickelung, S. 33.

63 VI. Bundestag des Deutschen Radfahrer-Bundes, in:

Altonaer Nachrichten vom 20.8.1889.

64 Hamburger Fremdenblatt, zit. nach Entstehung und

Entwickelung, S. 33.

65 Entstehung und Entwickelung, S. 55.

Blütezeit – Feste, Stolz und Spaltung (1890-1899)

Seite 62 – 87

1 Zur Debatte siehe etwa Hans Feuerschütz, Hochrad oder

Niederrad, in: Deutscher Radfahrer-Bund 4 (1891), S. 181.

2 Walter Euhus, Die Geschichte der Fahrradbereifung,

Langenhagen 2003 (Schriftenreihe zur Fahrradgeschichte,

Bd. 4).

3 Birchall/Dauncey, Anfield Bicycle Club, S. 9, 18f., 27.

4 Rüdiger Rabenstein, „Die Distanz-Radfahrt Wien – Berlin

1893. Impulse – Einflüsse –Kontroversen“, in: Sozial- und

Zeitgeschichte des Sports, 10 (1996), S. 42-56. Die dem ABC

gehörende Ausgabe des Radfahr-Humors des Jahres 1893

berichtete sehr ausführlich über Wien-Berlin.

5 Lars Amenda, Haderslev-Hamborg. Et tidligt og vigtigt

cykelløb i Nordtyskland: 1894-1906 [Hadersleben –

Hamburg. Ein frühes und einflussreiches Radrennen in

Norddeutschland 1894-1906], in: Langs Fjord og Dam.

Lokalhistorie omkring Haderslev, Haderslev 2015, S. 49-56.

6 Gregers Nissen (Bearb.), Bezirks-Fahrtenbuch „Nordwest-

Deutschland“ – Gau I (Hamburg), 2 (Bremen), 19a

(Schwerin) und 31 (Kiel-Schleswig), o. O. 1892.

7 Gregers Nissen, Bei Bismarck. Erinnerung an den Eisernen

Kanzler, in: Bundes-Zeitung 50 (1933), Nr. 7.

8 Jahres-Bericht des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80.

Aeltester Bicycle-Club der Welt. Vom 1. Oktbr. 1891 bis 20.

Septbr. 1892, Altona 1892, S. 6.

9 Horst Kohl (Hrsg.), Die politischen Reden des Fürsten

Bismarck, Bd. 13: 1890-1897, Stuttgart u.a. 1905, S.62-64.

10 Jörg Koch, Von Helden und Opfern. Kulturgeschichte des

deutschen Kriegsgedenkens, Darmstadt 2013, S. 51-64.

11 Sedanfeier in Altona, in: Altonaer Zeitung vom 16.8.1896.

12 Ralf Beduhn, Chronik des Arbeiterradfahrerbundes

"Solidarität". 1896-1977, Münster 1981; ders., Die roten

Radler. illustrierte Geschichte des Arbeiterradfahrerbundes

"Solidarität", Münster 1982.

13 Oliver Leibbrand, Die Roten Radler – Arbeiterradsportbewegung

bis 1933, in: Mario Bäumer/Museum der Arbeit

(Hrsg.), Das Fahrrad. Kultur – Technik – Mobilität,

Hamburg 2014, S. 48-57.

14 Der Altonaer Bicycle-Club 1869, in: Altonaer Nachrichten

vom 5.12.1890.

15 Radfahrer-Sport, in: Altonaer Nachrichten vom 22.4.1890.

16 Richard Schulz – Berufsfahrer, in: Das Stahlrad 4 (1889), S.

141. Hervorhebung im Original.

17 Zur erregten Debatte siehe Rabenstein, Radsport und

Gesellschaft, S. 224-237; Ebert, Radelnde Nationen, S. 154-

158, 231-233; allgemein auch Eisenberg, „English sports“

und deutsche Bürger, S. 64-67.

18 Richard Schulz, der bekannte Kunstfahrer, in: Deutscher

Radfahrer-Bund 3 (1890), S. 19.

19 Der altonaer Bicycle-Club 1869/80, in: Altonaer Nachrichten

vom 15.8.1890.

20 Der Altonaer Radfahrer-Verein von 1890, in: Hamburger

Nachrichten vom 10.8.1891.

21 Deutscher Radfahrer-Bund 6 (1893), S. 335.

22 Altona, in: Deutscher Radfahrer-Bund 4 (1890), S. 135.

23 Entstehung und Entwickelung, S. 20.

24 Garibaldi, Der Preis-Corso auf der Hamburger Rennbahn,

in: Deutscher Radfahrer-Bund 4 (1891), S. 590. Bei

„Garibaldi“ handelte es sich um Gregers Nissen, der in

jungen Jahren diesen Spitznamen in Anlehnung an den

umtriebigen italienischen Nationalrevolutionär trug.

25 Entstehung und Entwickelung, S. 55.

26 Entstehung und Entwickelung, S. 21.

27 Distanz-Rad-Wettfahren Hadersleben-Hamburg, in:

Altonaer Nachrichten vom 10.9.1894; Amenda, Haderslev-

Hamborg, S. 51.

28 Tüchtige Leistung auf dem Bicycle, in: Altonaer Nachrichten

vom 8.6.1895.

29 Der Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, in: Altonaer

Nachrichten vom 20.8.1895. Dort auch die folgenden

Zitate.

30 Entstehung und Entwickelung, S. 56.

31 Stiftung Historische Museen Hamburg, Altonaer Museum,

193


Inv.-Nr. 461,7, Außerordentliche Generalversammlung am

7.12.1895. Fest-Programm 60. Jubiläum des Altonaer Bicycle

Club von 1869/80 (Ältester Radfahrer-Verein der Welt) am

Sonnabend, den 20 April 1929 in Pabst‘ Gesellschaftshaus

Altona, Altona 1929, S. 3; Gregers Nissen, Wem gebührt der

Titel: Ältester Radfahrer-Verein?, in: Bundes-Zeitung

(1929), S. 207.

32 Fest-Programm 60. Jubiläum des Altonaer Bicycle Club

von 1869/80, S. 3. Dort auch das folgende Zitat.

33 Jahresbericht des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80.

Aeltester Bicycle-Club der Welt. Vom 1. Oktbr. 1891 bis 20.

Septbr. 1892, Altona 1892.

34 Ebenda, S. 8.

35 Jahresbericht des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80

(1892), S. 5.

36 Eduard Bertz, Philosophie des Fahrrads, hrsg. von

Wulfhard Stahl, erweiterte Neuausgabe, Hildesheim/Zürich/New

York 2012 (Erstaufl. 1900), S. 108.

37 Richard Evans, Tod in Hamburg. Stadt, Gesellschaft und

Politik in den Cholera-Jahren 1830-1910, Reinbek bei

Hamburg 1990.

38 Jahresbericht des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80

(1892), S. 8.

39 Stiftung Historische Museen Hamburg, Altonaer Museum,

Inv.-Nr. 461,7, Außerordentliche Generalversammlung am

12.10.1892.

40 Ebenda, S. 14. Bis auf ein Vorstandsfoto sind leider alle

Gruppenbilder verschollen.

41 Ebenda, S. 9; zu Kaufmann siehe Renate Franz/Michael

Mertins, „Nick Kaufmann – Meisterfahrer der Welt“, in: Der

Knochenschüttler 50 (2010), S. 4-11.

42 Siehe die Informationen auf der Website des Clubs:

www.vcrouen76.com („Plus ancien club cycliste au monde

en activité, fondé le 9 Mars 1869“). Den Hinweis auf den

Verein aus Rouen erhielten wir vor kurzer Zeit von Hugh

Dauncey.

43 Anzeige Harro Feddersen, in: Altonaer Nachrichten vom

7.8.1887.

44 Enthüllungsfeier des Drais-Denkmals in Karlsruhe, in:

Deutscher Radfahrer-Bund (1893), S. 595f.

45 Die 25jährige Jubelfeier des Altonaer Bicycle-Club v.

1869/80, in: Deutscher Radfahrer-Bund 7 (1894), S. 299.

46 Entstehung und Entwickelung. Die Veröffentlichung ist

nur noch in Kopie überliefert, kein einziges Original ist

erhalten geblieben.

47 Die 25-jährige Jubelfeier des Altonaer Bicykle-Klubs von

1969/80, in: Altonaer Tageblatt vom 17.4.1894. Dort auch

das folgende Zitat.

48 Commers Zeitung zum 25jährigen Jubiläum des Altonaer

Bicycle Club v. 1869 (aeltester Bicycle Club der Welt),

Altona 1894. „Commers“ geht auf das lateinische Wort

commercium (Verkehr) zurück und war vor allem in

studentischen Kreisen als Begriff für eine Feier geläufig.

49 Der zweite Tag der Jubiläumsfeier des altonaer Bicycle-

Clubs von 1869/80, in: Altonaer Nachrichten vom

16.4.1894.

50 Das 20jährige Stiftungsfest des Magdeburger Velocipeden-Club

von 1869, in: Deutscher Radfahrer-Bund 2

(1889), S. 123.

51 Mitteilungen des Altonaer Bicycle-Club von 1869/80

(1894), Nr. 8.

52 Stiftung Historische Museen Hamburg, Altonaer Museum,

Inv.-Nr. 1980 – 164,7, Außerordentliche Versammlung vom

9.12.1894.

53 Radfahrersport, in: Altonaer Nachrichten vom 15.5.1895.

54 Radfahr-Sport, in: Altonaer Nachrichten vom 18.8.1896.

55 Prunk-Saalfest des Gau I, Hamburg des deutschen

Radfahrer-Bundes, in: Altonaer Nachrichten vom 4.3.1898.

56 Mitteilungen des Altonaer Bicycle-Club von 1869/80

(1898), Nr. 1, S. 1f.

57 Der altonaer Bicycle-Club von 1869/80, in: Altonaer

Nachrichten vom 28.2.1899. Dort auch die folgenden

Zitate.

58 Die Saal-Festlichkeiten des Altonaer Bicycle-Clubs von

1869/80, in: Altonaer Nachrichten vom 16.2.1899.

59 Eine Revolution des Fahrrades, in: Neue Hamburger

Zeitung vom 5.9.1896.

60 Zu Naucke siehe Matthias Schmoock, Naucke, Emil, in:

Hamburgische Biografie, Bd. 3, Göttingen 2006, S. 266-267.

61 Wo Alles, Alles radelt, kann`s Naucke allein nicht lassen,

in: Hamburger Anzeiger vom 2.5.1898.

62 Velodrom Altona, in: Altonaer Nachrichten vom 4.11.1899,

63 Paul von Salvisberg (Hrsg.), Der Radfahrsport in Bild und

Wort, Reprint, Hildesheim/New York 1980 (Erstaufl. 1897).

64 Bertz, Philosophie des Fahrrads.

Neue Zeit – Frauen, Jugend, Radrennen (1919-1932)

Seite 104 – 131

1 Siehe dazu jetzt Hans-Jörg Czech/Olaf Matthes/Ortwin

194


Pelc (Hrsg.), Revolution! Revolution? Hamburg 1918/19,

Hamburg/Kiel 2018.

2 70 Jahre Altonaer Bicycle-Club. Aeltester Radfahrer-Verein

der Welt, in: Altonaer Nachrichten / Hamburger neueste

Zeitung vom 14.4.1939.

3 Radsport, in: Altonaer Nachrichten vom 18.6.1919.

4 Hallen-Sportfest des Gau I. Hamburg, B. D. R., in:

Hamburgischer Correspondent vom 23.2.1920. Dort auch

das folgende Zitat.

5 Die Alsterwoche 1920, in: Hamburger Anzeiger vom

8.6.1920.

6 Ebenda.

7 Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, ABC-Nachlass,

Ansprache des 1. Vorsitzenden des A.B.C. anlässlich des

90-jährigen Bestehens (April 1959).

8 Die Radballspiele um die Gaumeisterschaft Hamburg des

Bundes Deutscher Radfahrer, in: Hamburger Anzeiger

vom 25.1.1921

9 Prunksaalfest des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80, in:

Neue Hamburger Zeitung vom 21.2.1921. Dort auch das

folgende Zitat.

10 Nordmark-Prunksaalfest, in: Neue Hamburger Zeitung

vom 30.12.1921.

11 Radfahrsport, in: Hamburger Anzeiger vom 13.8.1921.

12 Radrennbahn Schnelsen, in: Hamburger Anzeiger vom

4.10.1924; Jubiläumsfestschrift des R. V. Endspurt Hamburg

1905-1980, o. O. o. J. (1980), S. 7.

13 Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, ABC-Nachlass,

Ansprache des 1. Vorsitzenden des A.B.C. anlässlich des

90-jährigen Bestehens (April 1959).

14 Altonaer Bicycle-Club v. 1869/80, in: Altonaer Nachrichten

vom 6.11.1924.

15 Radrennbahn Schnelsen in: Hamburger Nachrichten vom

21.7.1926.

16 Zu Osterloh siehe Wolfgang Vacano, Die Autos des

Radfahrers Hugo Osterloh, in: Mien leeves Altona.

Neuigkeiten aus Altonas Gegenwart und Vergangenheit.

Internet-Zeitung des Altonaer Stadtarchivs (2009), Nr. 9, S.

4-9, hier S. 7, 9. Vacano macht aus Osterloh allerdings

fälschlicherweise ein ABC-Mitglied.

17 Oskar Richter geht nach Amerika, in: Hamburger Anzeiger

vom 3.2.1927. Dort auch die folgenden Zitate.

18 „Harro-Feddersen-Erinnerungs-Team-Rennen“, in:

Altonaer Nachrichten vom 26.2.1925; Witt, Radfahrsport, S.

109.

19 Harro-Feddersen-Erinnerungs-Mannschaftsrennen, in:

Altonaer Nachrichten vom 4.4.1925. Hervorhebung im

Original.

20 Harro Feddersen Erinnerungs-Mannschaftsrennen, in:

Altonaer Nachrichten vom 15.4.1926.

21 Harro Feddersen-Erinnerungs-Mannschaftsrennen, in:

Hamburgischer Correspondent vom 30.4.1926. Dort auch

das folgende Zitat.

22 Harro-Feddersen-Erinnerungsrennen, in: Hamburger

Nachrichten vom 16.5.1920.

23 Bund Deutscher Radfahrer. R. V. Germania Sieger im

Harro Feddersen-Erinnerungsrennen, in: Hamburgischer

Correspondent vom 8.5.1929.

24 Staatsarchiv Hamburg, 424-15, 961 Bd. 1, Altonaer Bicycle-

Club von 1869/80 (Gregers Nissen), Denkschrift betr.

Anpassung der Strassenbeschaffenheit an den ausgedehnten

Fahrradverkehr, undatiert (1922).

25 Schafft Radfahrwege in Stadt und Land! Werbetag für die

Radfahrwege am 3. Mai zu Ehren Gregers Nissens, Altona,

in: Altonaer Nachrichten vom 12.4.1927; Schafft Radfahrwege

für Stadt und Land! Werbetag für die Radfahrerwege

am 3. Mai 1927, in: Bundes-Zeitung. Amtliche Zeitschrift

des Bundes Deutscher Radfahrer 44 (1927), S. 156.

26 Deutsche Sporthochschule Köln, Zentralbibliothek der

Sportwissenschaften, Archiv Fredy Budzinski, Nr. 64, Fredy

Budzinski: Der König der Wanderfahrer. Der Vater der

Radwege. Von Gregers haben wir's gelernt. Gregers Nissen

unvergessen, unveröffentlichtes Manuskript. Der Text

erschien im Mai 1967 in der BDR-Verbandszeitschrift

„Radsport“.

27 Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, ABC-Nachlass,

Ansprache des 1. Vorsitzenden des A.B.C. anlässlich des

90-jährigen Bestehens (April 1959).

28 Zu Puls siehe Gerhard Kaufmann (Hrsg.), für das Altonaer

Museum – Norddeutsches Landesmuseum: Die Photographische

Kunstanstalt Emil Puls in Altona: Spezialität:

Architektur, Interieur, Industrie und Landschaft, Hamburg

1999. Emil Puls war ebenfalls begeisterter Radfahrer und

möglicherweise sogar Mitglied im ABC, wofür aber keine

Belege existieren.

29 Satzung des Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 (Aeltester

Radfahrer-Verein der Welt), Altona 1925.

30 Fred Grimm, Antisemitismus als Normalität. Latenter

Judenhass in der Weimarer Republik am Beispiel

Hamburg, Magisterarbeit, Hamburg 1987; Kurt-Gerhard

Riquarts, Der Antisemitismus als politische Partei in

195


Schleswig-Holstein und Hamburg: 1871-1914, Dissertation,

Kiel 1975.

31 Altona Turn + Sportwoche September 1925, Altona 1925, S.

10, 67.

32 Paul Theodor Hoffmann, Neues Altona 1919-1929. Zehn

Jahre Aufbau einer deutschen Großstadt, Jena 1929, Bd. 1,

S. 466-469; Werner Skrentny, Orte der Leidenschaft – Der

HSV und seine Stadien, Göttingen 2006.

33 Zur Altonaer Turn- und Sportwoche, in: Altonaer

Nachrichten vom 27.8.1925.

34 Der Bund Deutscher Radfahrer, Gau 4, Hamburg, in:

Hamburger Anzeiger vom 11.11.1925.

35 Radrennbahn Schnelsen, in: Hamburger Anzeiger vom

19.11.1925.

36 Autokorso bei der Altona-Blankeneser Woche, in:

Hamburgischer Correspondent vom 29.8.1928; siehe dazu

auch Festcorso auf der Elbchaussee, in: Hamburger

Nachrichten vom 10.9.1928.

37 Hans Leip, Altona. Die Stadt der Parks an der Elbe, Altona

1928, S. 18.

38 Sechzig Jahre Altonaer Bicycle-Club, in: Hamburger

Anzeiger vom 12.4.1929; Die Jubelfeier des Altonaer

Bicycle-Clubs, in: Hamburger Nachrichten vom 22.4.1929.

39 Zur Geschichte des Cuslacker RV siehe: Festschrift zum

100-jährigen Jubiläum des Curslacker Radfahrerverein

von 1895 e.V., o. O. o. J.

40 Sechzig Jahre Altonaer Bicycle-Club, in: Hamburger

Anzeiger vom 12.4.1929.

41 Die Jubelfeier des Altonaer Bicycle-Clubs, in: Hamburger

Nachrichten vom 22.4.1929.

42 Ebenda.

43 Fest-Programm 60. Jubiläum des Altonaer Bicycle Club

von 1869/80, S. 1.

44 Gregers Nissen, Wem gebührt der Titel ältester Radsportverein,

in: Bundes-Zeitung. Amtliche Zeitschrift des

Bundes Deutscher Radfahrer 46 (1929), Nr. 12, S. 207.

45 Hoffmann, Neues Altona 1919-1929, Bd. 1, S. 456.

46 1932 – Sandbahnrennen im Stadion der Stadt Altona, in:

Hamburger Anzeiger vom 20.1.1932. Dort auch das

folgende Zitat.

47 Der Tag des deutschen Radfahrers, in: Altonaer Nachrichten

vom 25.9.1933.

„Führer“-Prinzip – Radsport während

der NS-Herrschaft (1933-1945)

Seite 132 – 151

1 Siehe dazu Frank Bajohr/Michael Wildt (Hrsg.), Volksgemeinschaft.

Neue Forschungen zur Gesellschaft des

Nationalsozialismus, Frankfurt am Main 2009.

2 Amenda, Radball, S. 81-84.

3 Amenda/Leibbrand, Gregers Nissen, S. 89f; Vivat

Hammonia! Die Wanderfahrer in Hamburg, in: Bundes-

Zeitung 50 (1933), Nr. 15; Deutscher Rad-Wandertag in

Hamburg. Gute Beteiligung aus allen deutschen Gauen,

in: Hamburger Nachrichten vom 22.7.1933.

4 Deutscher Rad-Wandertag in Hamburg. Gute Beteiligung

aus allen deutschen Gauen, in: Hamburger Nachrichten

vom 22.7.1933.

5 Vivat Hammonia! Die Wanderfahrer in Hamburg, in:

Bundes-Zeitung 50 (1933), Nr. 15. Dort auch die folgenden

Zitate.

6 Zur „Gleichschaltung“ des deutschen Radsports siehe

Renate Franz, Der vergessene Weltmeister. Das rätselhafte

Schicksal des Kölner Radrennfahrers Albert Richter,

Bielefeld 2007, S. 94-100.

7 Der Tag der Radfahrer, in: Hamburger Fremdenblatt vom

25.9.1933; Tag des deutschen Radfahrers, in: Bundes-Zeitung

50 (1933), Nr. 15.

8 Ebenda.

9 Ebenda.

10 Der Tag der Radfahrer, in: Hamburger Fremdenblatt vom

25.9.1933.

11 Altonaer Bicycle Club 60/80 [sic], in: Altonaer Nachrichten

vom 14.11.1933. Dort auch die folgenden Zitate.

12 Hauptversammlung des Altonaer Bicycle-Club, in:

Altonaer Nachrichten vom 2.11.1934. Dort auch das

folgende Zitat.

13 Deutscher Radfahrer-Verband, in: Altonaer Nachrichten

vom 24.8.1934; Gregers Nissen, Rad-Wanderwege: Durch

die Lüneburger Heide, o. O. o. J. [um 1910].

14 Auf dem Adolf-Hitler-Platz in Hamburg, in: Altonaer

Nachrichten vom 25.9.1933.

15 Serien-Radballspiele 1934-35 im DRV, in: Altonaer

Nachrichten vom 7.12.1934.

16 Radsportler gegen die Not, in: Hamburger Anzeiger vom

1.12.1936.

17 Ebenda.

196


18 Harro Feddersen-Erinnerungsfahren, in: Altonaer

Nachrichten vom 10.5.1933.

19 RC. Diamant gewinnt das Harro-Feddersen-Rennen in

neuer Rekordzeit, in: Altonaer Nachrichten vom 7.5.1934.

20 RC. Diamant (Hamburg) schafft neue Höchstleistung über

50 Kilometer, in: Hamburger Nachrichten vom 7.5.1934.

21 Vom Radsport. Elbe-Preis der Radfahrer, in: Hamburger

Anzeiger vom 23.4.1936.

22 Neuer Führer im Radsport. Gregers Nissen kommissarisch

ernannt, in: Hamburger Anzeiger vom 6.5.1935.

23 Gregers Nissen 70 Jahre alt, in: Hamburger Nachrichten

vom 4.5.1937.

24 Gregers Nissen, In der Olympia-Schau, in: Altonaer

Nachrichten vom 16.5.1935.

25 RV Falke Stellingen Gau-Radballmeister. Frey (Chemnitz)

begeistert im Kunstfahren, in: Altonaer Nachrichten vom

12.4.1937.

26 Ehrenabend für Gregers Nissen, in: Altonaer Nachrichten

vom 12.10.1938.

27 70 Jahre Altonaer Bicycle-Club, in: Altonaer Nachrichten

vom 18.4.1939. Dort auch die folgenden Zitate.

28 Archiv des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80, Schreiben

von Gregers Nissen an die ABC-Geschäftsstelle vom

21.5.1941. Zur Gestapo siehe Gerhard Paul/Klaus-Michael

Mallmann (Hrsg.), Die Gestapo – Mythos und Realität,

Darmstadt 1996; dies. (Hrsg.), Die Gestapo im Zweiten

Weltkrieg. „Heimatfront“ und besetztes Europa, Darmstadt

2000.

29 Als es Velocipeden-Rittmeister gab, in: Hamburger

Fremdenblatt vom 10.8.1941.

30 Fredy Budzinski, Gregers Nissen †, in: Der Deutsche

Radfahrer vom 24.6.1942.

Wiederaufbau – Tourenfahren und Radball (1945-1969)

Seite 152 – 161

1 Siehe den Nachruf mit persönlichen Erinnerungen (2008)

von Oliver Leibbrand, Gerd Oberwemmer (25.09.1930 -

28.06.2011), www.altonaer-bicycleclub.de/history/index.php?id=108437229014

(18.1.2015).

2 Gespräch mit Rudolf Rübke am 10.3.2018.

3 Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, ABC-Nachlass,

Protokoll der Generalversammlung am 12.3.1948.

4 Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, ABC-Nachlass,

Protokoll der Generalversammlung am 7.7.1949.

5 Gespräch mit Rudolf Rübke am 10.3.2018.

6 Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, ABC-Nachlass, Artikel

aus der Hamburger Volkszeitung vom 12.9.1949.

7 50 Jahre Radsport-Verband-Hamburg. Kleine Radsport-Chronik,

in: Radsport-Verband Hamburg e.V.: Radsport in

Hamburg 2000, Hamburg 2000, S. 21-54; Wolfgang Schoppe

(Hrsg.), 125 Jahre Tritt um Tritt. Aus 13 Jahrzehnten Geschichte

des Bundes Deutscher Radfahrer, Füssen 2011, S. 111.

8 Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, ABC-Nachlass,

Ansprache des 1. Vorsitzenden des A.B.C. anlässlich des

90-jährigen Bestehens (April 1959).

9 Zum 1925 bis 2013 existierenden Verein siehe die Website

www.postsvhamburg.de (25.1.2019).

10 Gemeinsame Hamburger Radball-Meisterschaften, in: Rad

und Motor. Der Sport im ARKB Solidarität 10 (1958), Nr. 4, S. 6.

11 Schoppe, 125 Jahre Tritt um Tritt, S. 175.

12 Deutsche Sporthochschule Köln, Zentralbibliothek der

Sportwissenschaften, Radsport-Archiv Fredy Budzinski, Nr.

64, Schreiben des Bundes Deutscher Radfahrer (Nickerl)

an Fredy Budzinski vom 9.3.1967.

13 Fredy Budzinski, Gregers Nissen unvergessen, in: Der

Radsport 22 (1967), Nr. 19, S. 16.

14 Gregers Nissen zum Gedenken, in: Radsport 22 (1967), Nr.

19, S. 16.

15 Schoppe, 125 Jahre Tritt um Tritt, S. 111.

16 Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, ABC-Nachlass, Kurt Kroll,

Werner Nissen! (Oktober 1974). Im ABC-Nachlass befindet

sich auch eine Auflistung von Werner Nissens Wanderfahrten

in den Jahren 1915-1952, die in der frühen Nachkriegszeit

vermehrt ins Ausland, etwa nach Italien gingen.

17 Gunter Niemeyer, Der ABC besteht 100 Jahre. Die Pferde

scheuten, als sie die Räder sahen, in: Hamburger

Abendblatt vom 19.4.1969.

18 Kurt Kroll, 100 Jahre Altonaer Bicycle-Club, in: 100 Jahre

Altonaer Bicycle-Club, Hamburg 1969, S. 4-9.

19 Ebenda, S. 9.

20 Werner Haagen, Auch Alter schützt vor Klasse nicht.

Hamburgs Radballstars Stüber/Oberwemmer treffen auf

die CSSR-Altmeister (unbekannte Zeitung), 1969,

Ausschnitt in der Sammlung des Altonaer Bicycle-Clubs

von 1869/80.

21 Kurt Kroll, 100 Jahre Altonaer Bicycle-Club, in: 100 Jahre

Altonaer Bicycle-Club, Hamburg 1969, S. 4-9, hier S. 9.

22 Gunter Niemeyer, Der ABC besteht 100 Jahre. Die Pferde

scheuten, als sie die Räder sahen, in: Hamburger

Abendblatt vom 19.4.1969.

197


Torejagd – Der ABC als Radballverein (1970-1989)

Seite 162 – 171

1 Artistik und ganz nebenbei auch Tore ..., in: Hamburger

Abendblatt vom 14.6.1971. Dort auch das folgende Zitat.

2 In Hamburg unbekannt. Stüber/Oberwemmer gelten im

eigenen Land nichts, in: Hamburger Abendblatt vom

25.2.1969.

3 Klaus Kanke, Nur die eisernen Sportfreunde bleiben beim

Radball im Sattel, in: Hamburger Abendblatt vom

13.11.1970. Dort auch die folgende Zitate.

4 Sie dazu auch die Notiz und das Foto in: 50 Jahre

Radsport-Verband-Hamburg, S. 29.

5 Archiv des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80, Urkunde

Sportplakette des Bundespräsidenten vom 25.5.1984.

6 Deutscher Olympischer Sportbund (Hrsg), 30 Jahre

Sportplakette des Bundespräsidenten – 1984-2014. Eine

Zwischenbilanz nach drei Jahrzehnten, Frankfurt am Main

2014, S. 18.

7 Ältester Bicycle-Club der Welt: „Brauchen dringend

Nachwuchs!“, in: Elbe Wochenblatt vom 12.2.1986.

8 Gespräch mit Dietrich Faust am 26.11.2018.

9 Stiftung Historische Museen, Altonaer Museum, Inv.-Nr.

1980-461,6; Inv.-Nr. 1980-461,7; Inv.-Nr. 1980-461,4.

Niedergang – Vom Schwinden eines Radsportvereins

(1990-2012)

Seite 172 – 175

Wiedergeburt – Der ABC wird neu gegründet (seit 2013)

Seite 176 – 186

5 Leibbrand, Zur Geschichte des bürgerlichen Radsports im

Deutschen Kaiserreich; ders., Auf dem Stahlross durch

Altona/Ottensen. in: Unterwegs in Ottensen, hrsg.

Ottensener Stadtteilarchiv, Hamburg/Altona 2010, S. 38-

42; ders., Der Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 – Ältester

Bicycle Club der Welt, in: Mario Bäumer/Museum der

Arbeit (Hrsg.), Das Fahrrad. Kultur – Technik – Mobilität,

Hamburg 2014, S. 60-63.

6 Siehe den Nachruf von Leibbrand, Gerd Oberwemmer.

1 Siehe die Website www.altonaer-bicycle-club.de.

2 Lars Amenda, Die Geschichte der Zukunft des Fahrrads.

Der Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club und der Altonaer

Bicycle-Club von 1869/80, in: READ, Nr. 22, S. 38-43.

3 Ralf Nehmzow, Ihr Hobby sind alte Räder, in: Hamburger

Abendblatt vom 23.5.2015; Altonaer Bicycle Club:

Radfahren im Park,

https://blog.zeit.de/fahrrad/2015/05/26/altonaer-bicycleclub-radfahren-im-park.

4 Gregers Nissen, Von Hamburg auf dem Rade nordwärts,

hrsg. vom Altonaer Bicycle-Club von 1869/80, Hamburg-

Altona 2017 (Erstaufl. 1897).

5 Amenda/Leibbrand, Gregers Nissen.

1 Schreiben des Hamburger Sportbundes an die Geschäftsstelle

des ABC vom 16.4.1996, HSB, Aktenzeichen: ABC /

0190, zit. n. Leibbrand, Bürgerlicher Radsport, S. 96.

2 Radsportverband Hamburg, 1997 – Termine, Anschriften,

Informationen, Hamburg 1997, S. 19; Radsportverband

Hamburg, Termine, Anschriften, Informationen 1998,

Hamburg 1998, S. 29.

3 Radsport-Verband Hamburg e.V., 1999 – Anschriften,

Informationen, Termine, Veranstaltungen, Hamburg 1999.

4 Leibbrand, Bürgerlicher Radsport.

198


Quellen

Altonaer Bicycle-Club von 1869/80

Sammlung

ABC-Nachlass

Nachlass Rudolf Rübke

Fotos

Altonaer Museum, Stiftung Historische Museen Hamburg

Inv.-Nr. 1980-461 – Altonaer Bicycle-Club von 1869/80

Staatsarchiv Hamburg

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J.H. Wülffcken: Erlaubnis zum Ausschank von Getränken in

den Velocipeden-Caroussells in St. Pauli – abgelehnt) (1870)

131-1 I_33 T 339 – Alexander Bentalon Tornquist: Nochmalige

Prüfung der Eignung seines Sohnes für den freiwilligen

einjährigen Militärdienst - da nicht hierher gehörig

abgelehnt, an die Prüfungskommission verwiesen

231-7_B 1986-203 Band 1 – Hammonia Fahrrad- & Metallwaren-Manufactur

A.H. Ueltzen.- Hammonia Fahrrad-Fabrik &

Metallwaaren-Manufactur von A.H. Ueltzen.- Hammonia

Fahrrad-Fabrik von A.H. Ueltzen: Band 1, 1894-1933

231-10_B 1953-7 – Renn-Verein Hamburg-Altonaer Radfahrer

(1901-1912)

231-10_B 1973-68 – Hamburger Bicycle-Club von 1882

411-2_II J 5663 – Auftreten von Velocipeden im Alcazar (1869 )

411-2_II J 5722 – Statuten und Reitreglement des Eimsbüttler

Velocipeden-Reitclubs (1869)

421-5_Y b 40 – Umbau der Laufbahn im Stadion in Altona

(1926-1931)

424-15_550 Band 1 und 2 (Bau einer Radrennbahn und eines

Sportplatzes auf dem Lunapark-Gelände (Mitarbeit Architekt

Fritz Neugebauer) (1913-1914)

424-15_961 Band 1 – Allgemeine Angelegenheiten zu

Radfahrwegen (1896-1935)

622-2_196 – Eröffnung der Grindelbergbahn (1885)

720-1/2_221-05 = A1.08 – Erwerbslosen-Selbsthilfe in

Hamburg (1932)

720-1/2_232-04 = 1903.08.1 – Ehrengabe des Senats der freien

und Hansestadt Hamburg für den XX. Bundestag des

deutschen Radfahrer-Bundes in Hamburg vom 01. bis

03.08.1903

Stadtteilarchiv Ottensen, Hamburg

Fotos und Bestand Altonaer Bicycle-Club von 1869/80

Industriemuseum Elmshorn

Schlüter-Veloziped

Stadtarchiv Pinneberg

Fotos Schlüter

Schnelsen-Archiv, Hamburg (Wolfgang Burmester)

Fotos Radrennbahn Schnelsen

Gemeinschaftsarchiv der Stadt Schleswig und des Kreises

Schleswig-Flensburg

Schleswiger Nachrichten

Gespräche und Interviews

Faust, Dietrich am 26.11.2018

Hörster, Reimer am 20.12.2018

Knabenreich, Karl-Heinz am 18.12.2018

Rübke, Rudolf am 10.3.2018.

Tippner, Wolfgang am 28.1.2019

Uden-Brumm, Kathrin am 13.2.2019

199


Literatur

Zeitschriften

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Radfahrer (1920-1933)

The Cyclist and Wheel World Annual (1883)

Deutsche Gemeinde-Zeitung. Wochenschr. für dt. Kommunalu.

Staats-Verwaltungswesen in Gemeinde, Kreis u. Provinz.

Organ d. Geschäftsstelle der Vereinigten Provinzen (1869)

Deutsche Radfahrer-Zeitung. Amtliche Zeitschrift des

Deutschen Radfahrer-Bundes. Fachzeitschrift für die

Gesamtinteressen des Radfahrens (1902, 1903, 1905)

Der Deutsche Radfahrer. Organ zur Vertretung d. Interessen

d. dt. Radfahrer. Dt.-internat. Radfahrer-Zeitung. Amtl.

Zeitung d. Allgemeinen Radfahrer-Union (1889-1896)

Der Deutsche Radfahrer – Illustrierter Radrenn-Sport.

Alleinige amtl. Zeitung d. Fachamtes Radsport im Deutschen

Reichsbund für Leibesübungen, d. Deutschen Radfahrer-Verbandes

u. d. Reichsgemeinschaft für Radwegebau (1937-

1942)

Deutsche Rad- u. Kraftfahrer-Zeitung Bundeszeitung.

Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Radfahrer (1905,

1912)

Deutscher Radfahrer Bund. Fachzeitschrift für die Interessen

des Radfahrers. Offizielles und eigenes Organ des Deutschen

Radfahrer-Bundes (1888-1895)

Deutschland. Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe

(1914)

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Radsport. Amtliches Organ des BDR e.V (1950-1979)

Rad-Welt. Zeitung für die Gesamt-Interessen des Radfahrens

und des Automobilismus (1900-1914)

Radfahr-Humor und Radfahr-Chronik (1891-1894)

Sport im Bild. Kultur, Gesellschaft, Mode (1897)

Das Stahlrad. Ill. Fachzeitschr. für d. Interessen d. Radfahrens

u. d. Spielsports (1889, 1893, 1895)

Über Land und Meer. Deutsche illustrierte Zeitung (1868,

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Das Velociped. Fachbl. für d. Gesamt-Interessen d. dt.

Velocipeden-Sports (1881-1884)

Der Velocipedist. Organ d. Deutschen Radfahrer-Bundes

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den 20 April 1929 in Pabst‘ Gesellschaftshaus Altona, Altona

1929.

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205


Bildnachweise

Altonaer Bicycle-Club von 1869/80: 12-13, 16, 17, 22 oben, 23, 34-

35, 37, 38 unten, 39, 40 oben, 41, 44, 45, 48 oben rechts, 49, 50, 51,

52, 62-63, 65, 68, 72, 74, 75, 76, 78-79, 84 oben, 84 unten, 93 oben,

104-105, 106, 107, 108, 111, 114, 115, 118 oben, 119 unten, 124-125,

127, 128, 132-133, 134, 137, 138-139, 140-141, 142, 143, 144, 145 oben,

145 unten, 146, 148, 149, 152-153, 157, 158-159, 161 unten, 169, 170

oben, 171, 181 oben, 184, 217

Der Deutsche Radfahrer: 150 (59.1942, Nr. 23)

Deutsche Radfahrer-Zeitung: 93 unten (19.1903: 66)

Deutsche Sporthochschule Köln, Zentralbibliothek der Sportwissenschaften,

Radsport-Archiv Fredy Budzinski: 90 und 92 (Nr.

68a), 155 (Nr. 42a), (101)

Deutscher Radfahrer-Bund (Zeitschrift): 48 oben Mitte (2.1889:

205), 64 (7.1894: 23), 67 (4.1891: 15)

Deutschland. Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatliebe: 96

(5.1914: 293)

Familienarchiv Nissen: 69 oben, 69 unten, 123, 129

FinisherPix®: 180

Fotoarchiv Joseph Schorer/Deutsches Historisches Museum:

136-137

Galerie Morgenland, Geschichtswerkstatt Eimsbüttel: 20

150 Ausflüge in Hamburgs Umgebung und in die Lüneburer

Heide, Hamburg 171912/13: 94-95

Höfer, Zwanzig Jahre Deutscher Rad-Rennsport: 24

Kinne, Klaus: 170 unten

Knabenreich, Karl-Heinz: 162-163, 164 unten, 165, 166, 167, 168

links, 168 rechts, 172-173

Nitz, Die hohe Schule des Rades: 97 unten (S. 52), 73 (S. 16)

Nordfriisk Instituut: 181 unten

Paturi, Geschichte des Fahrrads: 6-7, 8

Radsport (Zeitschrift): 164 oben (26.1971, Nr. 17: 1)

Rathmann, Jens: 48 unten, 53, 54, 55, 57, 58, 85, 135, 179, 188

Rüssmann, Peter: 174, 182-183, 185

RV Endspurt Hamburg: 42-43, 71, 80, 97 oben

Sammlung Christian Terstegge: 28-29, 82-83, 98-99

Schnelsen-Archiv (Wolfgang Burmester): 110 oben, 110 unten

Selig, Florian: 176-177

Sport-Album der Rad-Welt: 86 (1.1902: 130)

Sport im Bild: 88-89 (9.1903: 516)

Stadtarchiv Pinneberg: 15, 18-19

Staatsarchiv Hamburg: 21, 46-47, 66

Stadtteilarchiv Ottensen: 38 oben, 60, 109, 120-121, 122, 156 oben,

156 unten, 161 oben

Das Stahlrad (Zeitschrift): 44 (9.1889: 81)

Stiftung Historische Museen Hamburg, Altonaer Museum: 27

(Inv.-Nr. AB09600-2-1077), 70 (Inv.-Nr. 1980-461,2a), 77 (Inv.-Nr.

1980-461,4_34), 81 (Inv.-Nr. 1980-461,8a), 112-113 (Inv.-Nr. 1980-

461,3b), 116-117 (Inv.-Nr. 2-5800-3), 118 unten (Inv.-Nr. 1980-461,8c)

The European Library (www.theeuropeanlibrary.org): 22 unten,

119 oben

Über Land und Meer. Deutsche illustrierte Zeitung: 33 (9.1869:

141)

Uden-Brumm, Kathrin: 100

Universiteit van Amsterdam, Universiteitsbibliotheek, Theater

Instituut Nederland: 91

Das Velociped (Zeitschrift): 40 unten links (6.1887: 136), 48 oben

links (4.1885: 62)

Verein Bürgerhaus Stellingen: 147

206


Danksagung

Bei der Entstehung dieses Buches haben sehr viele mitgeholfen. Ihnen allen sei an

dieser Stelle ausdrücklich dafür gedankt. Ohne die großzügige finanzielle Unterstützung

seitens des Bezirksamts Altona und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius hätten

wir das Jubiläumsbuch nicht in der vorliegenden Form realisieren können, herzlichen

Dank dafür! Der ABC profitierte in den vergangenen Jahren von wertvollen Sachspenden,

die auch in diesem Werk zu bewundern sind. Das Ehepaar Zingel schenkte uns

2016 das verschollen geglaubte ABC-Banner von 1889 und damit so etwas wie das frühere

„Herzstück“ des Vereins; Kathrin Uden-Brumm vermachte uns ein Fotoalbum aus

den 1880er Jahren mit Portraits der Pioniere; Rudi Rübke überließ uns Fotografien aus

den 1930er Jahren, die ihn als jungen „Steppke“ im Kreise des ABC zeigen; Karl-Heinz

Knabenreich überlieh Material und Fotos aus den 1970er und 1980er Jahren als der

ABC noch in der Radball-Bundesliga spielte; Angehörige der Familie Nissen gaben uns

Fotografien von Gregers Nissen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von verschiedenen Archiven und Bibliotheken

halfen bei der mühseligen Recherche. Das Altonaer Museum mit der Leiterin Prof. Dr.

Anja Dauschek, Birgit Staack (Archiv), Brigitte Niebuhr (Bibliothek) und Elke Schneider

(Fotostelle) unterstützte das Vorhaben auf vielfältige Weise; das Stadtteilarchiv Ottensen

stellte uns wichtiges Material zur Verfügung; in der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften

an der Deutschen Sporthochschule Köln konnte im etwas unterkühlten

und dennoch traumhaften „Sondernutzungsraum“ in die Tiefen der Radsportgeschichte

eingetaucht werden. Bärbel Böhnke vom Industriemuseum Elmshorn ermöglichte es,

dass wir das dort ausgestellte Schlüter-Veloziped fotografieren konnten. Zeitzeugen

und früherer ABCer wie Dietrich Faust und Rudi Rübke teilten ihre Erinnerungen an

frühere Zeiten mit und gaben damit neue Einblicke.

Die ABC-Mitglieder halfen mit vielen Händen und auf unterschiedlichste Weise bei der

Erstellung des Buches. Gert Nissen bearbeitete unermüdlich Bildmaterial und goss alles

in ein ansprechendes Layout; Bert Drignat, Christina Grebe und Nina Mader lasen

Korrektur; Jens Rathmann, Gunther Steil, Bert Drignat und Gert Nissen machten Fotos

von Rädern und Exponaten; Lukas Obenhaus gab als Model eine gute Figur ab; Dirk

Breiholz und Nils Gronmeyer brachten ihre Expertise bei Fotografien historischer Fahrräder

ein. Den größten Anstoß gab Olli Leibbrand, der mit seiner Magisterarbeit über

die Geschichte des ABC 2007 überhaupt erst den Stein ins Rollen brachte und die Idee

einer Neugründung in die Welt setzte.

207


208


Altonaer Bicycle-Club

von ( from) 1869/80

On 17th April 1869 one of the first German cycling clubs was

founded. 20 men gathered in premises outside the town of

Hamburg in Northern Germany to initiate the Eimsbütteler

Velocipeden-Reit-Club. Coming from both Hamburg and Altona,

a town situated just west of the bigger Free and Hanseatic

City of Hamburg with its 225,000 inhabitants, the founding

members struggled to find a name for the club. In a

compromise they chose to reflect their mutual link to rural

Eimsbüttel, where the club’s pub and social venue was located.

Commercial interests of its members played a crucial role

in the establishment of the club. Wilhelm Schlüter and two

of his brothers started to manufacture velocipedes in Pinne-

The board of the Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 around 1890. In the center: Harro Feddersen, one the founder of the club in 1869.

In the back, right: Gregers Nissen.

209


erg in the northwest of Hamburg in late 1868. They cooperated

with Harro Feddersen, a hardware dealer running a

shop in the busy street Palmaille in Altona, who sold the

Schlüter velocipedes from March 1869.

After a first and naive attempt to hold a velocipede race in

May 1869 in Pinneberg the club was asked by the organisers

of a major industrial exhibition in September to stage a velocipede

race again. Working with the St. Georg Velocipeden-

Club from Hamburg the club attracted much interest in the

race and in velocipeds in general. However, the short boom

of summer 1869 soon came to an end, and the Eimsbütteler

Velocipeden-Club managed no more than to stay merely alive

during the 1870s.

In 1880 the club was revived by Harro Feddersen and benefited

from the importing of English steel bicycles (Penny Farthings)

that were dubbed as Bicycles in German, too, given

the dominance of English production. The club renamed itself

as a Velocipeden-Club in 1880 and, in the following year,

as the Altonaer Bicycle-Club von 1869/80 (ABC). The club now

expanded its activities, focusing on individual and group trick

cycling and roundelay (Reigenfahren), hosting prestigious

cycling festivals and social eventsand opening a velodrome

(the Grindelbergbahn) in Hamburg in 1885. In 1889 the ABC

devised its new emblem of blue-white-red to demonstrate

its bond with Schleswig-Holstein, Germany’s most northern

province.

In 1890 the 23-year old teacher Gregers Nissen moved to Altona

and was became almost immediately the club’s chairman.

Nissen became popular across the country for his promotion

of bicycle touring and tourism, including some major

events such as the ‘homage tour’ of 1200 cyclists honouring

Bismarck, the Iron Chancellor, in 1892. In the early 1890s the

ABC began to label itself as the “oldest bicycle club in the

world“ (aeltester Bicycle-Club der Welt) and built strong pride

in its long tradition. The ABC played a major role in the highly

controversial debate regarding gentlemens’ sport (Herrenfahrertum)

versus professionalism (Berufsfahrertum), strongly

supporting amateurism. In 1893 the ABC left the association

running the Hamburg velodrome, and in 1895 the club

even quit the national cyclists’ union (Deutscher Radfahrer-

Bund) because it could not accept the union’s neutral position

concerning amateurism. The club members withdrew

from the highly popular activities of cyclesport around 1900

and toured the surroundings of Altona and Hamburg instead.

In the years before the First World War the ABC started to play

cycle ball and cycle polo. During the war the club’s activities

were frozen as many members fought in the Great War.

After the war a young generation renewed the ABC and started

to race again on the roads and on tracks. In 1925 the club

invented a team race in memory of its founding member Harro

Feddersen who had died in late 1917. In 1925 the club revised

it statues and explicitly expelled “non-aryan“ people,

Jews in particular, from membership. Ignoring essential values

in sport, the ABC augured the following Third Reich in

its own microcosm. In the Nazi period the club adopted the

Führer principles and concentrated on the touring and cycle

ball activities that were promoted by the Nazis due to the

German dominance in sport. The Gestapo requested that the

club’s officials should change the name of the club in 1941

because they disliked the English word „bicycle“. 1942 saw the

death of Gregers Nissen, who had been very much “the face“

of the club and its most prominent member.

After the Second World War the ABC resumed touring and cycle

ball. In the 1960s Erhard Stüber and Gerd Oberwemmer

played in the Bundesliga (invented in 1964) and were members

of the best team in cycle ball in the world. In 1969 the

ABC celebrated its 100th jubilee with an international tournament

including the Czech brothers and cycle ball geniuses

Jan and Jindřich Pospíšil.

After the 1970s the ABC declined due to its focus on cycle ball,

a sport that is very difficult to play and hard to learn. In the

late 1970s the club still played in the Bundesliga but struggled

in the following decade with only 16 members remaining

in 1986. Finally, in 1996 the ABC was discarded from the official

register of sports associations and ceased to exist officially.

Club cycle ballers continued to play in a gym in Eimsbüttel

until late 2018, just around the corner from where the

club was founded in 1869. In the meantime, however, history

student Oliver Leibbrand wrote his masters’ thesis in 2007 on

the story of the ABC. The question arose: ‘Why not re-establish

the ABC?’ It took a few years to do so but in August 2013

a little group of bicycle enthusiasts revived the club, believing

that such an old institution should not simply disappear. Since

then the ABC has developed as a cycling club and historical

society, putting together exhibitions and collecting and

preserving the material culture of old bicycles. The club will

celebrate its 150th jubilee in April 2019 with a range of events

and activities, including this current book. With its 70 members

today, the new ABC is quite stable and we await to see

what future years will bring.

210


Index

Begriffe in Bildunterschriften

sind kursiv gesetzt.

A

Aachen 86

ABC (Abkürzung) 56, 59

Adalbert von Preußen 32

Adel 8

Adolf-Hitler-Platz 147

Aeltester Bicycle-Club der Welt

75, 77, 81 129

Afrika 87

Alkohol 39, 60, 71, 73, 75, 84

All Heil 56, 58, 61, 126, 155, 157

Allee (Max-Brauer-Allee) 101, 126

Allgemeine Radfahrer-Union 40, 93, 107

Alsenstraße 168

Alstertal 86

Alsterwoche 107

Altengamme 126

Altes Land 96

Altonaer Bicycle Days 178, 184

Altonaer-Blankeneser Woche 126, 126

Altonaer Fußball-Club von 1893 107

Altonaer Kinderhospital 60

Altonaer Liedertafel 76

Altonaer Museum 10, 92, 126, 170

Altonaer Radfahrer-Verein von 1890 68

Altonaer Rathaus 126

Altonaer Schützenhof 38

Altonaer Stadion 123, 130

Altonaer Turnverein von 1845 9

Altonaer Verkehrsamt 126

Amateurismus 67, 129

Anders, Christian 68

Anfield Bicycle Club 64

Antisemitismus 75, 123, 130

Arbeiter 18, 67, 73, 87, 134

Arbeiter-Radfahrer 67

Arbeiter-Radfahrer-Bund „Solidarität“

67, 134

Arbeiter-Radfahrer-Verein von Hamburg

und Umgebung

Arend, Willy 41, 90, 97

ARU (siehe Allgemeine Radfahrer-Union)

Audax-Club Schleswig-Holstein 178

August-Lütgens-Park 178

Ausstellungen

8, 14, 24, 26, 27, 150, 168, 178, 184

Auswanderung 32, 115

Autogerechte Stadt 160

Automobile 59, 87, 126, 151, 155, 156, 160

Autokorso 126

B

Bärer, Lars 178

Ballotage 40

Banner 52, 53, 54, 61, 67, 68, 77

BDR (siehe Bund Deutscher Radfahrer)

Berlin 15, 27, 36, 38, 39, 41, 44, 64, 71, 85,

86, 100, 101, 150, 178, 184

Berliner Fahrradschau 184

Berliner- Radfahrer-Club Borussia

von 1886 85

Berliner Velociped-Club 38

Berolina 100

Begas, Carl 27

Bertz, Eduard 87

Betten-Holm 15

Bicycle Club Germania Hannover 170

Bicycles 36, 38, 151, 157, 187

Bicycle Touring Club 22

Bier 48, 84

Bierbrauer 71

Birmingham 36

Bismarck 55, 66, 134

Bille 168

Blankenese

14, 23, 30, 38, 61, 114, 126, 126, 154

Blersch, Eugen 110, 147

Böger, William 41, 55

Böhkmann, Alfred 110, 114, 115, 154, 168

Boizenburg 39

Boneshaker 106

Bordeaux-Paris 64

Bourillon, Paul 41, 97

Braunschweig 26

Bredstedt 181

Brennabor 68

Brevets 174, 184

Brun, Joseph 27

Budzinski, Fredy 122, 126, 151, 156, 157

Büchner, Bruno 97

Bund Deutscher Radfahrer 69, 107, 107,

109, 115, 119, 123, 126, 129, 138, 138, 145,

145, 147, 156, 170

Bundesfahrwart für das Wanderfahren

69, 93

Bundesstraße 164

Bund Deutscher Radfahrer 69

Bundestage (DRB, BDR)

52, 60, 61, 67, 93, 93

Bürgersteige 25, 30, 31

Bürgertum 9, 38, 59, 175

Büssing, Heinrich 26

211


C

Carstens, Karl 168

China 70

Choleraepidemie 73

Clubmeisterschaft

55, 114, 136, 138, 140, 149, 154

Cognac 39, 184

Commers 75, 81, 84, 194

Courbe d'Outrelon, Gaston 41

Coventry 36

Curslacker Radfahrerverein 114, 126

Cyclassics 174, 181

Cyclisten-Club Hammonia 41, 60

D

Dänemark 138

Daßler 68

Deutsche Bicycle-Union 41, 42

Deutsch-Französischer Krieg 15, 32, 67

Deutsche Gesellschaft zur Rettung

Schiffbrüchiger 73

Deutscher Radfahrer-Bund: 41, 52, 60,

65, 66, 67, 68, 69, 71, 81, 86, 90, 93, 96,

101, 107, 109, 129

Deutscher Radfahrer-Verband

145, 147, 150

Deutscher und deutschösterreichischer

Velocipedisten-

Bund 22, 41

Deutscher Tourenclub Hamburg-

Schleswig-Holstein 93

Deutscher Velocipedisten-Bund 41

Deutscher Wandertag (1933) 135, 138

Dirt-Track-Bahn 130

Drag 60

DRB (Siehe Deutscher

Radfahrer-Bund)

Donnerspark 118

Donner-Schloss 118

Drais, Karl 8, 8, 75, 178

Drais-Denkmal 55, 81

Dreiräder 26, 40, 56, 66

Dresden 26, 107, 108

Drzewiecki, Theodor 155

E

Ebeling, August 55, 90, 92

Eckernförde‘39, 56

Eckhardt, Otto 27

Eden-Theater 92

Eggert, Franz 147

Ehrenmitgliedschaft 22, 67, 68

Eichner, Klaus 175

Eidelstedt 68, 90

Eifel-Rad 44

Eimsbüttel 19, 20, 161

Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Club

8, 15, 19, 20, 23, 25, 26, 28, 31, 32, 92

Eimsbütteler Vereins-Local 20

Einrad 36, 52

Eisbahn 56

Eisenbahn 14

Eis-Vélocipède

Elbchaussee 126, 149

Elbe 25, 32, 122, 122, 126

Elbe-Preis 149

Elbschloss-Brauerei 93

Elefanten 26

Englischer Garten (Lokal) 31, 52, 73

Erster Weltkrieg 100, 102

ETV 164, 165

Etz 22

F

Fahrradakrobatik 52, 92

Fahrraddiebstahl 119

Fahrradgeschäfte 44, 102

Fahrradindustrie 87, 119

Fahrradvereine 36, 40, 77, 150

Fahrverbote 31, 118

Faust, Dietrich 174, 175, 165

Faust, Wolfgang 164, 165, 165, 168, 174

Feddersen, Harro 15, 19, 22, 23, 23, 26,

31, 32, 33, 36, 38, 39, 39, 40, 41, 45, 45,

52, 52, 55, 56, 59, 60, 61, 64, 65, 75, 81,

86, 90, 96, 102

Feste 36, 38, 55, 59, 60, 61, 71, 72, 73, 75,

80, 81, 84, 86, 93, 97, 101, 106, 110, 126,

149, 160

Fichtel & Sachs 110, 154

Fischer, Josef 64

Flackus, Wolfgang 164

Flaig, Annemarie 160

Flensburg 39, 101, 115

Flora-Theater 61, 126

Flotte 32

Flugzeuge 87

Fotografie 30, 59, 75, 97, 150

Frankfurt am Main 40, 55

Frankfurter Bicycle-Club 40

Frankreich 25, 77

Frauen 20, 30, 40, 55, 87, 122

Freiwillige Radfahrer-Kompagnien 102

Friedhof Norderreihe 102

Friedrichsruh 68, 134

Frontkurbel 14

Fruchtallee 20

Fußball 9, 97, 100, 107, 107, 134, 156

G

Gänsemarkt 14

Gartenbauausstellung 101

Gelübcke, Wilhelm 19, 27, 32

Germania (Figur) 84

Germania-Ruder-Club 9

Gestapo 147, 148, 151

Gjör, Chr. M. 45

Glass, C. F. 56

Glasscherbenplage 119

Grindelbergbahn 45, 45, 46, 47, 48, 52,

56, 82, 90, 92, 93, 97, 100

Gronen, Wolfgang 9, 73, 170

Groß-Hamburg-Gesetz 150

Großbritannien 9, 15, 36, 81

Große Freiheit 52, 73, 84, 149

Großer Preis von Hamburg

41, 42, 43, 90

Groß-Lichterfelde 100, 101

Gülich, W. O. A. 19, 27

Gummireifen 36

Gutschmidt, Willi 126

212


H

Haase, Hermann 39, 184

Hadersleben 26, 64

Hadersleben-Hamburg 64, 68, 90, 115

Hafenbahn 27

Hafenrundfahrt 178, 160

Hakenkreuz 147

Halle 86

Hamburger Bicycle-Club von 1882

36, 41, 44, 52, 55, 59, 60, 90, 101, 151

Hamburger Radtouristen 107, 134

Hamburger Ruder-Club 9

Hamburger Senat 93, 138, 181

Hamburger Turnerschaft (HT16) 9

Hannover 25, 41

Hansen, Peter 87

Harburg 26, 101, 126

Harro-Feddersen-Erinnerungsrennen

114, 115, 118, 130, 149

HausDrei 178, 184

Heiligengeistfeld 56

Hempel, H. C. 26

Hensler, Fritz 45, 52, 84

Hindenburg, Carl 41, 66

Hitler, Adolf 145, 149

Hochräder 10, 36, 39, 40, 44, 45, 56, 59,

64, 66, 67, 90, 92

Hoheluft 45, 107

Hohenzollernring 156

Holstenstraße 71, 84, 87, 154, 168

Horst-Wessel-Lied 145

Hotel Kaiserhof 84, 101

HSV 126

Huber, Anton 41

Huldigungsfahrt (Bismarck) 55

Hunde 31

I

Industrialisierung 14

Industriemuseum Elmshorn 14

Infanterieregiment Nr. 31 101

Internationales Radsportarchiv

Bad Münstereifel 170

J

Jahn, Friedrich Ludwig 9

Japan 70

Jubiläen (ABC) 75, 77, 81, 84, 85, 86, 106,

118, 119, 126, 150, 154, 157, 160, 174, 184

Jubiläums-Sportwoche 101

Juden 31, 73, 75, 123, 134

Jugendliche 30, 31, 55, 69,

96, 97, 102, 123

Jungfernstieg 90

K

Kamerun 87

Karikatur 8, 33, 86, 87

Karlsruhe 81

Kartell deutscher Wanderfahrer 93

Kast, Julius 90

Kastmann, Richard 38, 45

Kaufmann, Nicholas 97

Kiel 14, 39, 68

Kinder 20, 44, 97, 154

Kistenmacher, Franz 90

Kleidung 68, 73, 84

Klopstock 126

Knochenschüttler 157, 181, 187

Koeping, Gustav „Guschi“

110, 146, 147, 150

Kolonialismus 76, 77, 87

Kongresse 41, 55, 86

Kopenhagen 9

Korso 61, 68, 126

Krickel, Georg 65

Krogmann, Carl Vincent 138

Kroll, Kurt 157, 160, 165

Kronprinz 100

Kristufek, Jan 160

Krogmann, Carl Vincent 136

Kunstradfahren 48, 52, 59, 60, 67, 71,

123, 126

L

Land 31, 59

Landesverband Hamburg 149, 150

Langstreckenfahren 49, 56

Laufmaschine 8, 8, 9, 75, 86

Leck 69

Lehr, August 41, 43, 75

Leibbrand, Oliver 170, 174, 174, 175

Leip, Hans 126

Leipzig 67, 107

Leonhart, Max 56

Lessing, Hans-Erhard 8

Liverpool 64

Löwenbierbrauerei 48

Lokstedt 130

London 8

Ludwigslust 178, 184

Luftreifen 64

Lunapark 100, 101

Lüneburg 26

Lüneburger Heide 149

M

Madler, Carl 55, 102

Madler, Lizzie 55

Männlichkeit 9, 40, 64

Magdeburger Velociped-Club

52, 55, 86, 126, 129

Mannheim 14

Maute, Manfred 160

McAnney, Grant 97

Meisterfahrer von Europa 67

Messehallen 168

Michaux, Ernest und Pierre 14

Michaux-Velozipede 14, 25, 92

Milch 115

Militär 18, 38, 61, 101, 102, 151, 154, 190

Mills, G. P. 64

Milz, Walter 100, 102, 115, 140, 149, 154

Milz, Witold 64, 192

Mitgliederzahl (ABC)

32, 55, 61, 71, 73, 86, 115, 129

Mittelbach, Robert 65

Moore, James 25

Moorweide 147

Mörkenstraße 30

Motorisierung 90, 119, 126,

213


151, 155, 156, 160

Motorräder 87, 90, 87, 90

Mudrik, Jan 160

München 9, 14, 67

Münchener Velociped-Club

33, 41, 86, 126

Musik 45, 69, 76, 84

N

Nationalismus 9, 26, 32, 66, 67, 86, 102

Natur 96, 97, 122, 154

Naucke, Emil 84, 87

NDR 181

Neuer Wall 118

Neumann, Andreas

164, 165, 165, 168, 174

Neumünster 39

Nissen, Fritz 106, 115, 122, 130, 147

Nissen, Gert, 154, 181

Nissen, Gregers 64, 64, 65, 66, 69, 71, 73,

81, 84, 86, 90, 93, 96, 97, 100, 100, 102,

106, 107, 110, 114, 115, 118, 119, 119, 122,

122, 123, 126, 126, 129, 129, 130, 134, 135,

136, 145, 145, 147, 147, 149, 150, 151, 154,

155, 156, 157, 168, 170, 180, 181, 181, 187,

193

Nissen, Kurt

106, 110, 114, 115, 122, 143, 147, 154

Nissen, Werner 126, 127, 138, 154, 155,

156, 157, 168, 170

Norddeutscher Radfahrer-Bund 93, 96

Norddeutscher Velocipedisten-Club 40

Nordfriisk Instituut 181

Nordfriesland 69, 181

Nordlandfahrten 93, 96

Nordmark-Prunksaalfest 110

Nordmarkpreis 115

Norwegen 93

NS-Winterhilfswerk 149

Nymphenburger Schloss 9

Oberwemmer, Gerd 154, 155, 156, 157,

160, 161, 162, 163, 164, 165, 166, 174, 187

Ochsenzoll 71, 149

Oldesloe 39

Olympia-Schau 150

Olympische Spiele 150

Orthmann, Franz 147

Osterloh, Hugo 115

Ostpreußen 129, 138

Ostsee 56

Ott, Carl 64

Ottensen 31, 52, 156

P

Palmaille 18, 19, 26, 30, 36 102, 118, 126

Pantomime 38, 87

Paris 8, 14

Paris-Brest-Paris 64, 178

Paris-Hamburg 178, 184

Petersen, Carl 60

Pferde 8, 14, 23, 27, 31, 84

Pferderennen 25, 26, 48

Pinneberg 14, 15, 18, 18, 22, 23, 25, 26,

39, 106, 106, 115

Pokale 93, 110, 170

Polizei 30, 31, 33, 60, 147

Pospíšil, Jan und Jindřich 161, 164,

Post SV Hamburg 155, 156, 161

Presse 8, 9, 14, 19, 22, 25, 126

Profisport 67, 68

Puls, Emil 123

Q

Quadrant Cycles/Tricycles 36, 39

Quadrillen 36, 38

Quenzer, Gerhard 155

Quer durch Holstein 115

Quickborn 149

Quickrun 33

R

Raabe, Emil 68, 71

Radball 97, 100, 101, 106, 107, 110,

115, 123, 130, 134, 147, 149, 156

161, 164, 165, 166

Radpolo 96, 97, 100, 101, 106,

107, 107, 123

Radrennbahnen 38, 41, 45, 64, 100, 114

Radrennbahn Schnelsen

109, 114, 115, 130

Radrennen 9, 115, 155

Radsportverband Hamburg

154, 168, 174, 187

Radwandern 40, 65, 69, 90, 96, 97, 122,

126, 136, 147, 149, 151, 155, 156, 168, 170

Radwege 69, 110, 111, 118, 119, 122

Rainvilleterrassen 44

Rapp, Kai 174

Rathausmarkt 147

Rauch, Paul 36

Reigenfahren 48, 52, 55, 59, 62,

67, 71, 97, 101, 123, 126

Rendsburg 38

Rennverein Hamburg-Altonaer

Radfahrer 41, 42, 71

Revolution 106

Rhein 145

Ribnitz 27

Richter, Oskar 110, 114, 115, 122, 126

Rixe 154

Robl, Thaddäus 90

Rollschuhlaufen 36, 38

Rothenburgsorter Radtouristen 126

Rouen 25

Rudern 9

Runge, Friedrich 81, 86

RSV Krofdorf 156

RSV Lauterbach 156

RV Endspurt Hamburg 110, 114, 118, 130

RV Falke Stellingen 149, 150

RV Flensburg von 1884 101

RV Hansa 149

RV Kirchwärder-Nord 149

RV Naucke 87

Rübke, Rudi 154, 154, 155, 156

Rund um die Alster 115

Runge, Fritz 64, 81

S

Sachsenwald 55, 66

214


Sächsischer Radfahrer-Bund 93

Sagebiels Etablissement 67

Salvisberg, Paul von 87

Samuelson, C. E. 26, 27, 30

Satzungen 19, 20, 23, 40, 115, 123, 178

Sauerland 145

SC Victoria Hamburg 107

Scharnweber 14

Schleswig 15, 87

Schleswig-Holstein

24, 26, 41, 48, 59, 92, 93

Schleswig-Holstein meerumschlungen

61

Schlittschulaufen 8

Schlüter, August 14, 15, 19, 25, 27

Schlüter, Ernst 14, 15, 19

Schlüter, Theodor 15

Schlüter, Wilhelm 14, 15, 19, 26, 27

Schmidt, Carl 56

Schmidt, Egon Arthur 147

Schmidt-Arndt, Udo 170

Schnackenburg, Bernhard 101

Schnelsen 71, 110, 114, 115,

126, 130, 143, 149

Schnoor, Detlef 110, 115, 137, 149

Schröder, Karl 150

Schulau 96

Schule 64

Schulz, Richard 36, 44, 45, 52, 55, 60, 61,

67, 68, 97, 123

Schweden 93

Schwenckestraße 174

Sedantag 67

Siegmund, A. 30

Singer & Co. 52

Sottorf, Claus 19, 20, 28, 30

Sozialdemokratie 66, 67

Spielbudenplatz 84, 87

Sport 9, 30, 134

Sportbeauftragter von Hamburg 147

Sportplakette des Bundespräsidenten

168, 169

Sportplatz Allee 101

St. Georger Velocipeden-Club 24, 26

Stuttgart 27

St. Pauli 14

Stadtjubiläum 101

Stadtteilarchiv Ottensen 170

Stanley, James 36

Stavenow, F. 56

Stiegert, Harry 45

Stüber, Erhard 155, 156, 157, 161, 164,

165, 166, 167, 187

Sturm, Ferdinand 45

Suhr, Albert 68, 71

Süllberg 25

SV Polizei Hamburg 147

T

Tag der Radfahrer (1933) 138, 147

Tandems 40, 66, 184

Tennis 9

Tewes & Co. 26

Thadenstraße 154

Theater 36, 61, 67, 92

Tornquist, Alexander 27

Torpedo-Preis 110

Touren 14, 20, 23, 25, 32, 40, 73, 90, 96,

122, 122, 149, 168, 178

Trikots 155, 170, 170, 178, 181, 184

Tschechoslowakei 157, 160

Turnen 9, 101, 102

Turnfest 25

Turn- und Sportwoche 123

Uhlenhorst 14, 33

Underborg, Hugo und August 90

Unfälle 40

Universität Hamburg 174

USA 32, 66, 115, 123, 126

V

Valence 14

Valet, Carl 114

Varieté 87

Vegetarier 75

Velo Classico Germany 178, 181

Véloce-club bordelais 64

Véloce-club Rouen 77

Velociped-Club Bernburg 33

Velociped-Club Frankfurt 170, 170

Velociped-Club Köln 33

Velocipèden-Rittmeister 20

Velodrom (Holstenstraße) 87

Velodrom (Rothenbaumchaussee)

Velozipede 8, 14, 18, 20, 150, 170

Velozipeden-Hersteller

14, 15, 18, 19, 20, 23, 26, 30

Velozipeden-Rennen

15, 24, 25, 26, 27, 31

Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs

in Hamburg 99

Vereine 8, 9, 10, 19

Vereinsregister 10, 174

Vereinswappen 48, 56, 59, 114

Vier- und Marschlande 96, 126, 149, 175

„Volksgemeinschaft“ 134, 138

Volkspark 119, 123

W

Walker, T. H. S. 41

Warburg, Jakob Moses 31

Wedel 73, 115

Weltausstellung 14, 26

Weltwirtschaftskrise 129

Wenzel/Bittendorf 157, 164

Werbung 15, 19, 23, 32, 126

Westdeutscher Radfahrer-Bund 93

Wien 8, 14

Wien-Berlin 64

Wilhelm I. 32

Wilhelm II. 93

Wilhelm von Preußen 100

Winter, Max 86, 97, 123

Wittenberge 39

Wohltätigkeit 36, 59, 73

Wollenschläger 8, 9

Wulf, Otto 64

X

Xtraordinary Challenge 52

Z

Zeitfahren Hamburg-Berlin 178

Zeitschriften 178

Zweiter Weltkrieg 151, 154, 155

215


216


Die Geschichte des Fahrrads ist alt und bisweilen amüsant.

Darauf deutet auch der Name des 1869 gegründeten

Eimsbütteler Velocipeden-Reit-Clubs hin. Ein Jahrzehnt

später umbenannt in Altonaer Bicycle-Club von 1869/80

(ABC) schrieben der Verein und seine Mitglieder Fahrradgeschichte

bevor seine massenhafte Ausbreitung nach

1900 dann für die bürgerlichen Protagonisten den

Nimbus des Fahrrads entwertete.

Das Buch erzählt die Geschichte des Clubs und damit

insbesondere die Frühgeschichte des Radfahrens in

Hamburg. Biografische Informationen und zahlreiche

Anekdoten veranschaulichen ebenso wie umfangreiches

Bildmaterial die Entwicklung des Radsports.

ISBN 978-3-00-062242-7

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