Berliner Kurier 18.06.2019

BerlinerVerlagGmbH

HINTERGRUND

Euro 5? Bitte

Umweg fahren

Spätestens im August

werden auf 15 Abschnitten

Durchfahrverbote für

Diesel bis Euro 5verhängt.

Dazu zählen Teilstücke

vonLeipziger Straße,

Reinhardtstraße, Friedrichstraße,

Brückenstraße

und Hermannstraße. Wer

erwischt wird, zahlt für einen

Pkw 20,für Lkw ab

3,5 Tonnen 75 Euro Bußgeld.

In Berlin sind

220000 Dieselfahrzeuge

bis Euro 5zugelassen.

Intensivtäter

Von

PETER NEUMANN

Berlins Luft ist schmutziger

als erlaubt. Darum

bekam die Stadt ein

zweifelhaftes Prädikat

verliehen. Berlin gilt jetzt als eine

von bundesweit 15 „Intensivstädten“,

weil die Belastung

mit gesundheitsschädlichem

Stickstoffdioxid an mindestens

einer Messstelle besonders

hoch ist. Die Einstufung hat

aber nicht nur negative Effekte.

Denn Daimler und Volkswagen

haben beim Dieselgipfel im November

2018 zugesagt, dass sie

in „Intensivstädten“ die Nachrüstung

von bestimmten Diesel-Pkw

mit SCR-Katalysatoren

bezuschussen wollen –mit

bis zu 3000 Euro. Können Diesel-Besitzer

auf Geld hoffen?

Stickstoffdioxid schädigt die

Luftwege und kann Asthma

verstärken. Kinder, Senioren

und Menschen mit schwacher

Konstitution sind durch das

Reizgas besonders gefährdet.

Seit 1999 pocht die EU darauf,

dass gegen die Belastung vorgegangen

wird. Schon seit 2010

besteht die Pflicht zur Einhaltung

des Grenzwerts: im Jahresmittel

maximal 40 Mikrogramm

pro Kubikmeter Luft.

Doch eine Auswertung des

Umweltbundesamts, die Montag

bekannt wurde, zeigt: Auch

2018 lag die Belastung in vielen

Städten über dem Wert –auch

wenn die Zahl von 65 auf 57 gesunken

ist. Davon gelten

15 Kommunen als „Intensivstädte“,

weil dort über 50 Mikrogramm

ermittelt wurden.

Berlin gehört erstmals dazu. In

der Leipziger Straße lag der

Mittelwert bei 59 Mikrogramm.

Die schon immer stark belastete

Straßenschlucht war in

dem bundesweiten Vergleich

bisher nicht aufgetaucht, weshalb

Berlin nicht als „Intensivstadt“

galt. Dass die Leipziger

Straße ignoriert wurde, hing

zum Teil mit der Messmethode

zusammen. Dort waren lange

Zeit nur relativ einfache Messeinrichtungen

installiert: sogenannte

Passivsammler, die ohne

Strom arbeiten. Inzwischen

wird die Luftqualität auch

durch einen Messwagen mit

anspruchsvoller Technik überwacht.

Nun gelang es, dass Berlin

in den „Club der Intensivstädte“

aufgenommen wurde.

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