Berliner Zeitung 18.06.2019

BerlinerVerlagGmbH

Aus einer anderen Zeit: Obama-Vize Joe Biden fordert Donald Trump heraus – Seite 3

Die Kolumne

von Götz Aly

Seite 8

16°/28°

Durchweg sonnig

Wetter Seite 2

Gauck-Debatte: Die AfD

und Brandenburgs Wähler

Brandenburg Seite 15

www.berliner-zeitung.de

Aroundtown –wer ist der

neue Sponsor von Union?

Sport Seite 18

Dienstag,18. Juni 2019 Nr.138 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

DFB-Frauen werden bei

der WM Gruppenerster

Sport Seite 17

Stasiopfer-Gedenkstätte

Ein Mann für

den

Kulturwandel

VonHarry Nutt

Sein freundliches, dezentes Auftreten

hat ihm im Magazin Spiegel

schon einmal die leicht spöttische

Bemerkung eingebracht, er

spreche über ein Gebäude der alten

Stasi-Zentrale, als handele es sich

um ein schwieriges Gebiet im Fernen

Osten. Inzwischen darf man allerdings

annehmen, dass ihn genau

diese Begabung zu diplomatischen

Zurückhaltung

für sein neues

Amt prädestiniert

hat. Der

1963 in Remscheid

geborene

Historiker Helge

Heidemeyer

wird von diesem

Herbst an die

Helge Heidemeyer

leitet die Stasiopfer-

Gedenkstätte in Berlin.

Nachfolge von

Hubertus Knabe

als Leiter der Gedenkstätte

Hohenschönhausen antreten,

um die nach Sexismusvorwürfen

ein erbitterter Streit entbrannt

war,indessen Folge nicht nur

ein mit Belästigungsvorwürfen konfrontierter

Vizedirektor gehen

musste, sondern auch der Vertrag

mit dem streitbaren Historiker

Knabe nicht verlängertwurde.

Eine eigens einberufene Findungskommission

hatte intensiv

nach einer Führungspersönlichkeit

Ausschau gehalten, die geeignet sein

sollte,jene Wogen wieder zu glätten,

die der Fall auch politisch in Wallungen

gebracht hatte. Obwohl über 30

Bewerbungen eingegangen waren,

wurde man schließlich doch im eigenen

Viertel fündig. Helge Heidemeyer

ist seit 2008 Leiter der Abteilung

Bildung und Forschung beim

Bundesbeauftragten für die Unterlagen

des Staatssicherheitsdienstes

der ehemaligen DDR (BStU), von

2003 bis 2005 war er wissenschaftlicher

Leiter der Erinnerungsstätte

Notaufnahmelager Marienfelde, wo

er sich insbesondere mit Flucht und

Zuwanderung zwischen 1945 und

1961 befasst hatte. Berlins Kultursenator

Klaus Lederer hat hohe Erwartungen

an Heidemeyer und erhofft

sich einen Kulturwandel für die Gedenkstätte

Hohenschönhausen.

VonPeter Neumann

Berlins Luft ist schmutziger

als erlaubt. Darum bekam

die Stadt ein zweifelhaftes

Prädikat verliehen. Berlin

gilt jetzt als eine von bundesweit

15 „Intensivstädten“, weil die Belastung

mit gesundheitsschädlichem

Stickstoffdioxid an mindestens einer

Messstelle besonders hoch ist. Die

Einstufung hat aber nicht nur negative

Effekte. Denn Daimler und

Volkswagen haben beim Dieselgipfel

im November 2018 zugesagt, dass sie

in „Intensivstädten“ die Nachrüstung

von bestimmten Diesel-Pkw

mit SCR-Katalysatoren bezuschussen

wollen –mit bis zu 3000 Euro.

Stickstoffdioxid schädigt die Luftwege

und kann Asthma verstärken.

Kinder,Senioren und Menschen mit

schwacher Konstitution sind besonders

gefährdet. Seit 2010 besteht die

Pflicht zur Einhaltung des Grenzwerts:

im Jahresmittel maximal 40

Mikrogramm proKubikmeter Luft.

Doch eine Auswertung des Umweltbundesamts,

die Montag bekannt

wurde,zeigt: Auch 2018 lag die

Belastung in vielen Städten über

Berlin, die

Intensivstadt

Die Hauptstadt hat besonders schmutzige Luft.

Doch für manche Auto-Besitzer könnte

das eine gute Nachricht sein

dem Wert –auch wenn die Zahl von

65 auf 57 gesunken ist. Davongelten

15 Kommunen als „Intensivstädte“,

weil dort über 50 Mikrogramm ermittelt

wurden. Berlin gehört erstmals

dazu. In der Leipziger Straße lag

der Mittelwertbei 59 Mikrogramm.

Düsseldorf

54

Dortmund 51

Köln 59

Düren Limburg a. d. Lahn 54

54

Frankfurt 52

Heilbronn 52

Kiel 60

Hamburg 55

Darmstadt 67

Ludwigsburg 51

Stuttgart 71

Die schon immer stark belastete

Straßenschlucht war in dem bundesweiten

Vergleich bisher aber nicht

aufgetaucht, weshalb Berlin zunächst

nicht als„Intensivstadt“ galt. Dass die

Leipziger Straße ignoriertwurde,hing

zum Teil mit der Messmethode zusammen.

Dort waren lange Zeit nur

relativ einfache Messeinrichtungen

installiert: sogenannte Passivsammler,

die ohne Strom arbeiten. Inzwischen

wird die Luftqualität auch

durch einen Messwagen mit anspruchsvoller

Technik überwacht.

Nun sei es gelungen, dass Berlin in

den „Club der Intensivstädte“ aufgenommen

wurde,soein Beteiligter.

„Wir setzen uns dafür ein, dass nun auch die

Berlinerinnen und Berliner unterstützt werden,

wenn sie ihr Auto nachrüsten lassen oder

es gegen ein emissionsarmes austauschen.“

Regine Günther

(parteilos, für Grüne), Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Natürlich ist es keine gute Nachricht,

dass die Luft in der Leipziger

Straße nach wie vor gesundheitsschädlich

ist. Doch die Belastung der

Luft mit Stickstoffdioxid sinkt. „Der

Wert liegt mit 59 Mikrogramm um

vier Mikrogramm niedriger als im

Vorjahr“, sagte Jan Thomsen, Sprecher

der Umweltsenatorin Regine

Günther (parteilos, für Grüne). Seit

Reutlingen 53 München 66

Berlin 59

NO2-Grenzwertüberschreitung

Höchster Jahresmittelwert

2018 in

MikrogrammNO 2

pro Kubikmeter Luft

BLZ/GALANTY; QUELLE: UMWELTBUNDESAMT, AFP

2015 sinke in Berlin der Jahresmittelwert

für Stickstoffdioxid. Dieser

Trend setzte sich in den ersten Monaten

2019 fort, so der Sprecher.

Auch wenn die Auswertung noch

andauere, könnte das daran liegen,

dass seit April 2018 Tempo 30 gilt,

hieß es im Senat. Es bleibe aber dabei,

dass 15 Straßenabschnitte für

Diesel bis Euro 5gesperrt werden,

bekräftigte Thomsen: „Auch in der

Leipziger Straße sollen die Fahrverbote

im August 2019 in Kraft treten.“

Ob und inwieweit nun zusätzliche

Fördermittel von der Autoindustrie

oder dem Bund nach Berlin fließen,

könne noch nicht gesagt werden, so

Thomsen. „Allerdings impliziert eine

Einstufung als ‚Intensivstadt‘ nach

unserer Auffassung eine Beteiligung

der Automobilindustrie an den Kosten

der Nachrüstung oder des Ersatzes

von hoch emittierenden Diesel-

Pkw.“Dazudie Senatorin:„Wir setzen

uns dafür ein, dass nun auch die Berlinerinnen

und Berliner vom Bund

oder der Autoindustrie finanziell unterstützt

werden, wenn sie ihr Auto

nachrüsten lassen oder es gegen ein

emissionsarmes austauschen.“

Kommentar Seite 8

Bundesanwalt

übernimmt im

Fall Lübcke

Behörde: Tathat wohl einen

rechtsextremen Hintergrund

ImFall des durch einen Kopfschuss

getöteten Kasseler Regierungspräsidenten

Walter Lübcke sehen die Ermittler

ein politisches Motiv.„Wirgehen

aufgrund des aktuellen Ermittlungsstandes

davon aus, dass es sich

um einen rechtsextremistischen Hintergrund

der Tathandelt“, sagte ein

Sprecher der Bundesanwaltschaft am

Montag in Karlsruhe.Dafür sprächen

insbesondere das Vorleben des Tatverdächtigen

und die öffentlich wiedergegebenen

Ansichten des Mannes.

Die Ermittlungen richteten sich

gegen einen 45-jährigen Deutschen,

der dringend verdächtig sei, Lübcke

heimtückisch durch einen Kopfschuss

getötet zu haben. Bislang gebe

es keine Hinweise auf ein rechtsterroristisches

Netzwerk. „Wir gehen natürlich

auch der Frage nach, ob und

inwieweit bislang unbekannte Hintermänner

oder Tatbeteiligte in die

Tateingebunden waren“, sagte der

Sprecher.Bei einerDurchsuchung sei

umfangreiches Beweismaterial sichergestellt

worden.

Spezialeinheiten hatten den tatverdächtigen

Stephan E.amSonnabendmorgen

in Kassel gefasst, er

sitzt seit Sonntag unter Mordverdacht

in Untersuchungshaft. Der65-

jährige Lübcke war in der Nacht zum

2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses

in Wolfhagen-Istha entdeckt

worden. Er hatte eine Schusswunde

am Kopf. Tagesthema Seite 2, Kommentar

Seite 8

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2* Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019

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Tagesthema

Welche Tragweite die Sache

hat, wurde spätestens

am Montag um

10.56 Uhr klar. Dalief

eine Agenturmeldung über die Ticker,der

zufolge der Generalbundesanwalt

den Mordfall Walter Lübcke

übernimmt. DieKarlsruher Behörde

verfolgt Taten terroristischerVereinigungen,

kann aber auch dann übernehmen,

wenn einem Fall „besondere

Bedeutung“ zukommt. In Ermittlerkreisen

hieß es am Morgen:

„Wir haben Indizien für einen politischen

Hintergrund.“

Der Präsident des Regierungsbezirks

Kassel war in der Nacht zum 2.

Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses

im nord-hessischen Wolfhagen-Istha

entdeckt worden. Jemand

hatte ihm aus nächster Nähe in den

Kopf geschossen. Der 65-Jährige

starb im Krankenhaus.

DNA am Tatortgefunden

Zwar war Lübcke schon 2015 ins Visier

der rechtsextremistischen Szene

geraten, nachdem er sich auf einer

Informationsveranstaltung gegen

Schmährufe vonFlüchtlingsgegnern

gewehrt und gesagt hatte, wer gewisse

Werte des Zusammenlebens

nicht teile, der könne das Land ja

verlassen. In einem Video kann man

hören, wie die Schmährufe danach

noch anschwollen. Dennoch gingen

die Sicherheitsbehörden offenbar

bis zuletzt nicht voneinem rechtsextremistischen

Hintergrund aus.

Dann aber nahmen Spezialeinheiten

am Sonnabendmorgen in Kassel

den 45-jährigen Stephan E. fest, der

unter dringendem Tatverdacht steht.

Er soll in der Vergangenheit Verbindungen

in die rechtsextremistische

Szene gehabt haben und nach Informationen

des Spiegel im Umfeld der

hessischen NPD aktiv gewesen sein.

1993 soll er laut Zeit ein Asylbewerberheim

angegriffen haben. Am 1.

Mai 2009 war er nach Spiegel-Informationen

an Angriffen vonRechtsradikalen

auf eine Kundgebung des

Deutschen Gewerkschaftsbundes in

Dortmund beteiligt. Der Verdächtige

wurde damals wegen Landfriedensbruchs

zu sieben Monaten Haft auf

Bewährung verurteilt. Danach

herrschte Ruhe um ihn.

Doch Stephan E. soll heute zur

Kasseler Neonazi-Szene gehören. Der

Spiegel schreibt, er stehe dem militanten

Neonazi-NetzwerkCombat 18

Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen im Fall Lübcke übernommen.

Der Tatverdächtige soll Verbindungen ins rechtsextreme Milieu haben.

Am vergangenen Donnerstag fand die offizielle Trauerfeier für den am 2. Juni ermordeten Walter Lübckeinder Martinskirche in Kassel statt.

nahe.Dafür gibt es bisher keine offizielle

Bestätigung. Aber allein der Verdacht

lässt alle Alarmglocken schrillen.

Denn aus der Nähe von Kassel

stammt auch Stanley R., der nach

NDR-Recherchen ein Strippenzieher

von Combat 18 ist. 2017 soll er an einem

Schießtraining in Tschechien

teilgenommen haben. Bei der Rückreise

sei in seinem Wagen Munition

gefunden worden, heißt es.

Derzweite Verdachtsmoment gegen

Stephan E. wiegt noch stärker:Es

wurden am Tatort DNA-Spuren des

Mannes entdeckt. Allein die Tatwaffe

fehlt. Und der Verdächtige schweigt

dem Vernehmen nach.

EinSprecher des Generalbundesanwalts

sagte, man gehe von einem

rechtsextremistischen Motiv aus.

Dafür sprächen das Vorleben des

dringend Tatverdächtigen ebenso

wie seine öffentlich geäußerten Meinungen.

Im Übrigen habe man umfangreiches

Beweismaterial sichergestellt,

sagte der Sprecher weiter.

Die Suche nach Hintermännern sei

Teil der Ermittlungen. Bislang gebe

es aber keine Hinweise auf ein

rechtsterroristisches Netzwerk.

Mord in Kassel

Ein ungeheuerlicher Verdacht

VonMarkus Decker und JanSternberg

Nach dem Tod Lübckes hatten

zunächst hasserfüllte und hämische

Reaktionen aus der rechtsextremistischen

Szene im Internet für Empörung

gesorgt. Sie hatte diesen teilweise

regelrecht gefeiert. Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier

sagte daraufhin, wie sich manche in

den digitalen Netzwerken geradezu

hermachten über Lübckes Tod, sei

„zynisch, geschmacklos, abscheulich,

in jeder Hinsicht widerwärtig“.

Jetzt, da sich der Verdacht eines

politischen Hintergrunds erhärtet,

ist das Entsetzen umso größer. Der

DPA/SWEN PFÖRTNER

Vorsitzende des Parlamentarischen

Kontrollgremiums des Bundestages,

Armin Schuster,sagte: „Sollte es sich

tatsächlich um einen politisch motivierten

Mordanschlag handeln, wäre

das nicht nur ein besonders abscheuliches

Verbrechen, sondern

angesichts der hetzerischen Stimmung

gegen das Opfer auch ein entsetzlicher

Skandal.“ Er fügte hinzu:

„In bestimmten bürgerlichen Milieus

verschwimmen die Grenzen

zum Extremismus immer stärker.“

Schuster war Mitglied der Untersuchungsausschüsse,

die sich nach

2011 mit den Verbrechen des „Nationalsozialistischen

Untergrunds“

(NSU) beschäftigten, der gezielt

neun Migranten und eine Polizistin

erschossen hatte und jahrelang untertauchen

konnte. Halit Yozgat war

2006 in Kassel mutmaßlich vomNSU

erschossen worden.

Nicht nur Schuster ist alarmiert.

Beim letzten Symposium des Bundesamtes

für Verfassungsschutz im

Mai hatte dessen neuer Präsident

Thomas Haldenwang in bisher nicht

gekannter Deutlichkeit vor der Gefahr

des Rechtsextremismus gewarnt.

Hass und Hetze

Linke, Grüne und FDP drängen auf

eine Sondersitzung des Bundestags-

Innenausschusses. Regierungssprecher

Steffen Seibert betonte, die

Bundesregierung und die Kanzlerin

hofften, dass so schnell wie möglich

geklärtwerde,wer Lübcke warum erschossen

habe. Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier stellte auch

einen Zusammenhang zwischen

Hass und Hetze imInternet und einem

solchen Verbrechen her: „Wo

die Sprache verroht, ist die Straftat

nicht weit“, sagte er der Süddeutschen

Zeitung. „Beispiele aus der

jüngeren deutschen Geschichte zeigen,

wie wichtig es ist, jede einzelne

Tatzeitnah und vorallem umfassend

aufzuklären“, hob er hervor.

Auch die von Drohungen und

Einschüchterungen Betroffenen

machen sich Sorgen und möchten,

dass die Fakten ans Licht kommen.

„Wenn sich die Verdachtsmomente

bestätigen, dann muss das umfassend

aufgeklärt werden“, sagte der

Bürgermeister der westfälischen

Stadt Altena, Andreas Hollstein.„Das

wäre eine neue Dimension, gegen

die man mit der ganzen Härte des

Rechtsstaates vorgehen muss. Man

darf den Rechtsextremisten keinen

Millimeter Spielraum lassen.“

Hollstein war 2017 voneinem 56-

Jährigen mit einem Messer attackiert

worden, der sich während des Angriffs

abfällig über Hollsteins liberale

Flüchtlingspolitik äußerte. Hollstein

hatte mit Lübcke aber nicht nur

seine liberale Haltung gegenüber

Asylsuchenden gemein, sondern

auch das CDU-Parteibuch. Was die

beiden trennt: Hollstein hat überlebt.

Lübcke ist tot. Der verheiratete

Vater von zwei erwachsenen Kindernwurde

am Sonnabend beerdigt.

Der ehemalige Bürgermeister der

Gemeinde Tröglitz in Sachsen-

Anhalt, Markus Nierth, wurde 2015

von Rechtsextremisten bedroht. Anschließend

trat er zurück.

Herr Nierth, macht Ihnen der Lübcke-MordAngst?

Meine Frau und ich waren schon

über die Mordnachricht sehr erschrocken.

Und die Verhaftung

macht uns natürlich auch große

Angst. Denn die Erinnerungen an

die eigenen angstbeladenenWochen

und Monate werden neu belebt. Bei

„Die schweigende Mitte der Gesellschaft ist jetzt gefragt“

Walter Lübcke wurde eine entscheidende

Hemmschwelle überschritten.

Jetzt haben vermutlich rechte

Terroristen durchgezogen, was sie

sich seit Jahren in ihren perversen

Gewaltphantasien erträumen.

Solche Taten zielen auch auf Einschüchterung

von engagierten Menschen

wie Ihnen. Erreichen sie ihr Ziel?

Für alle, die Widerstand gegen

Neurechte organisieren, bedeutet

dies, dass man auch längere Zeit danach,

selbst wenn alles scheinbar

wieder ruhig geworden ist, vomHass

der Rechten getroffen werden

kann. „Irgendwann

kriegen wir euch!“ –das ist

die Botschaft im Fall Lübcke.

Natürlich wird dies einige

Widerständler vorsichtiger

und leiser werden

lassen, gerade hier im Osten,

wo man sowieso schon

oft mit nur wenigen Gleichgesinnten

dasteht.

Bürgermeister

Halten Siedie Gegenmaßnahmen für

ausreichend?

Nein. Undnicht erst seit den Morden

des NSU wird man

den Verdacht nicht los,

dass in manchen Gegenden

sogar in Polizei und

Justiz teils enge Verstrickungen

mit rechtsradikalen

Strukturen zwar leise,

aber immer weiter wachsen.

Damit schneidet sich

Markus Nierth

unsere Demokratie selbst

die Halsschlagader durch!

IMAGO IMAGES

Wassollte denn geschehen?

Wichtig wäre ein schnelles Aufwachen

in den Reihen der konservativen

Politiker, die mehr „Verständnis

für Rechts“ einfordern. Denn damit

öffnet man den Räuberndie Tür!

Die Rechten kennen keine Grenzen.

Siesind längst in allen gesellschaftlichen

Bereichen auf dem Vormarsch

und bekommen so noch denWegbereitet.

Schließlich ist vorallem die bis

jetzt schweigende Mitte der Gesellschaft

gefragt, die ich deutlich mahnen

möchte: Wir werden sowieso

wieder bezahlen, wenn wir alle uns

jetzt nicht wehren! Womit 1933 keiner

rechnen wollte,musste 1945 von

allen teuer bezahlt werden.

Wasmeinen Siedamit genau?

Wenn nicht jeder von uns in seinem

Umfeld etwas tut und der zunehmenden

Verrohung im Umgang

miteinander widerspricht, wenn

nicht jeder etwas sagt zum zerstörerischen

Dauergemotze über unsere

Demokratie und denen nicht beisteht,

die von Hass und Mobbing

zerquetscht werden, dann werden

auch Politik, Polizei und Justiz unsere

Freiheit nicht mehr retten können.

DasGespräch führte Markus Decker.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE REISEWETTER

Heute ist eslängere Zeit durchweg sonnig, und die Höchstwerte liegen

bei 26 bis 29 Grad. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Südost. In der

Nacht zieren hin und wieder harmlose Schleierwolken den Sternenhimmel.

Dabei belaufen sich die Tiefstwerteauf 16 Grad.

Biowetter: Die Wetterlage verursacht

häufiger als sonst niedrigen

Blutdruck und Kopfschmerzen. Einige

Menschen neigen auch zu

Kreislaufbeschwerden und Schwindelgefühlen.

Pollenflug: Die Konzentration von

Roggen-, Linden-, Sauerampfer-,

Brennnessel-, Spitzwegerich- und

Gräserpollen ist mäßig bis stark.

Gefühlte Temperatur: maximal 28Grad.

Wind: schwach aus Südost.

Wittenberge

15°/29°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

15°/29° 16°/28°

Luckenwalde

15°/29°

Prenzlau

14°/26°

Cottbus

13°/28°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

wolkig wolkig stark bewölkt

18°/31° 19°/27° 17°/26°

Frankfurt

(Oder)

15°/28°

Langsam rückt das Hochdruckgebiet weiter ostwärts in Richtung Baltikum.

Dabei gelangt noch immer sehr warme Luft nach Mitteleuropa, wodurch die Temperaturen

verbreitet auf ein sommerliches Niveau ansteigen. Teilweise entwickeln

sich dabei aber auch Wärmegewitter. Auch zwischen den Alpen und der

Türkei ist es mitunter gewittrig. Imwestlichen Mittelmeerraum ist es oft sonnig.

Sylt

16°/26°

Hannover

15°/27°

Köln

17°/29°

Saarbrücken

16°/27°

Konstanz

15°/28°

Hamburg

15°/27°

Erfurt

13°/26°

Frankfurt/Main

17°/32°

Stuttgart

15°/28°

Rügen

14°/25°

Rostock

14°/26°

Magdeburg

15°/27°

Nürnberg

15°/31°

München

14°/29°

Dresden

14°/28°

Deutschland: Heute zeigt sich immer

wieder die Sonne. Es gibt aber stellenweise

Schauer und Gewitter, und

die Temperaturen klettern amTage

auf 25bis 32 Grad. Nachts gehen

die Werte dann auf 19 bis 16 Grad

zurück. Der Wind weht schwach aus

südöstlichen Richtungen. Morgen

scheint immer wieder die Sonne.

Teilweise entwickeln sich jedoch

Schauer und Gewitter. Die Höchstwerte

liegen bei 27 bis 32 Grad, und

der Wind weht nur schwach aus Südwest.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 16°-18°

Nordsee: 15°-18°

Mittelmeer: 19°-29°

Ost-Atlantik: 14°-18°

Mondphasen: 25.06. 02.07. 09.07. 16.07.

Sonnenaufgang: 04:42 Uhr Sonnenuntergang: 21:32 Uhr Mondaufgang: 22:34 Uhr Monduntergang: 05:38 Uhr

Lissabon

24°

Las Palmas

25°

Madrid

29°

Reykjavik

13°

Dublin

17°

London

23°

Paris

28°

Bordeaux

33°

Palma

28°

Algier

30°

Nizza

26°

Trondheim

18°

Oslo

20°

Stockholm

24°

Kopenhagen

22°

Berlin

28°

Mailand

31°

Tunis

29°

Rom

29°

Warschau

25°

Wien

28° Budapest

30°

Palermo

27°

Kiruna

14°

Oulu

19°

Dubrovnik

27°

Athen

32°

St. Petersburg

22°

Wilna

25°

Kiew

29°

Odessa

29°

Varna

28°

Istanbul

31°

Iraklio

27°

Archangelsk

14°

Moskau

26°

Ankara

26°

Antalya

28°

Acapulco 35° sonnig

Bali 31° heiter

Bangkok 28° Schauer

Barbados 29° wolkig

Buenos Aires 15° bedeckt

Casablanca 23° sonnig

Chicago 27° sonnig

Dakar 29° heiter

Dubai 40° heiter

Hongkong 33° wolkig

Jerusalem 30° sonnig

Johannesburg 19° heiter

Kairo 37° sonnig

Kapstadt 24° heiter

Los Angeles 19° heiter

Manila 35° heiter

Miami 31° Gewitter

Nairobi 24° bewölkt

Neu Delhi 40° Gewitter

New York 22° Schauer

Peking 34° Schauer

Perth 19° sonnig

Phuket 34° Gewitter

Rio de Janeiro 28° heiter

San Francisco 22° heiter

Santo Domingo 32° heiter

Seychellen 27° bewölkt

Singapur 27° Gewitter

Sydney 19° wolkig

Tokio 30° wolkig

Toronto 22° heiter


Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 3 *

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Seite 3

Mann der Mitte

Joe Biden zwischen Anhängernvor wenigen Tagen in Iowa

GETTY IMAGES/AFP/SCOTT OLSON

Gerade einmal 270 Kilometer voller

Getreidefelder liegen zwischen

Des Moines und Davenport im

Bundesstaat Iowa. Auf der

schnurgeraden Interstate 70 dauertdie Fahrt

gut zweieinhalb Stunden. Im Mittleren Westen

der USA ist das eigentlich keine Entfernung.

Doch am vergangenen Dienstag

trennten die Landeshauptstadt und das Uni-

Städtchen politische Welten.

Zeitgleich traten hier Präsident Donald

Trump und dortsein derzeit aussichtsreichster

Herausforderer JoeBiden vorihreAnhänger.Alle

großen Kabelsender übertrugen das

Fernduell bundesweit live. Und die Zuschauer

an den TV-Schirmen wurden nicht

enttäuscht. „Der Präsident ist eine existenzielle

Bedrohung für Amerika“, sagte Biden

und schlug so eindringlich Alarm. Trump beschimpfte

seinen Gegner als „Dummkopf“,

der keine Energie mehr habe. „Auf sein Niveau

werde ich mich nicht herablassen“,

konterte dieser kühl.

Am Ende des Tages dürften beide Politiker

zufrieden gewesen sein. Der Präsident

braucht das Spektakel und einen sichtbaren

Gegner, umseine Anhänger bei Laune zu

halten. Wenn Trump an diesem Dienstag in

Orlando mit einer großen Show und dem

reichlich dünnen Slogan „Keep America

Great“ (Lass Amerika groß bleiben!) seine erneute

Kandidatur für dasWeiße Haus im Jahr

2020 bekanntgibt und damit offiziell den

Wahlkampf eröffnet, dürfte er auf den Stellvertreter

seines Vorgängers Barack Obama

erneut publikumswirksam einprügeln.

Doch auch dem Herausforderer scheinen

die persönlichen Attacken des Amtsinhabers

zu helfen: Seit er Ende April ziemlich spät

seine Kandidatur für das Präsidentenamt erklärt

hat, führt Biden nicht nur das Feld der

demokratischen Bewerber an. Durch den

Konfrontationskurs mit Trump hat der 76-

Jährige die 22 anderen Kandidaten seiner

Partei an den Spielfeldrand gedrängt und

vermittelt den Eindruck, das Rennen um das

Weiße Haus werdeimGrunde zwischen ihm

und Trump ausgetragen.

Scharfinder Analyse

Doch das könnte sich als Täuschung erweisen.

Bis zur amerikanischen Präsidentschaftswahl

im November 2020 sind es noch

fast 17 Monate.Und erst im Juli des nächsten

Jahres wird die Demokratische Partei ihren

Kandidaten küren. Bisdahin kann sich noch

sehr viel ändern. Auch folgt die parteiinterne

Mehrheitssuche ganz anderen Regeln als das

anschließende Duell.

Während es bei den Vorwahlen darum

geht, die eigene Basis zu mobilisieren, müssen

bei der Präsidentschaftswahl vor allem

die Wechselwähler in sogenannten Swing-

States wie Ohio,Michigan, Pennsylvania und

Wisconsin gewonnen werden. Bei ihnen hat

der Pragmatiker Biden, den seine Anhänger

auch „Middle-Class Joe“ nennen, nach Einschätzung

der Demoskopen gute Chancen.

Obamas einstiger Stellvertreter Joe Biden gilt derzeit als

chancenreichster Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten.

Er will Trump aus dem Amt jagen.

Manchen Parteifreunden ist das zu wenig

Ob er seine eigene Partei überzeugen kann,

ist weniger sicher.

Ein Frühsommertag in Philadelphia vermittelt

einen guten Eindruck von den Stärken

und Schwächen des Kandidaten. Es ist

die offizielle Auftaktkundgebung für Bidens

Kampagne. Die Organisatoren haben die

Bühne gegenüber dem Kunstmuseum aufgebaut.

Im Hintergrund reckt sich der markante

Turm der City Hall, der seit dem Kino-

Drama „Philadelphia“ mit TomHanks und

DenzelWashington zu einem Symbol der Toleranz

geworden ist, in den strahlendblauen

Himmel. Eindrucksvolle Fernsehbilder sind

garantiert. Aber der Zustrom der Anhänger

hält sich in Grenzen. Rund 6000 sollen es

nach offiziellen Angaben am Ende sein. Das

ist nicht schlecht. Aber bei Trump sind die

Arenen deutlich voller.

Dynamisch springt Biden mit getönter Pilotenbrille

aufs Podium, zieht sein Sakko aus

und krempelt die Hemdsärmel hoch. Doch

er wirkt erkennbar älter, als man ihn an der

Seite vonObama in Erinnerung hat. „Die Politik

ist so gemein, so kleinkariert, so wütend

geworden“, ruft er aus. Das verstärkt unbewusst

einen merkwürdig nostalgischen Eindruck.

Entschlossen im Auftreten, scharf in

der Analyse und klar im Ausdruck stellt sich

Biden einer Politik entgegen, die auf Hass

und Spaltung basiert.

DerUnfalltod seiner ersten Frau und ihrer

gemeinsamen Tochter sowie der spätere

Krebstod seines Sohnes haben das Leben

dieses Mannes gezeichnet. Die Bewältigung

dieser Schicksalsschläge verleiht ihm nun

Glaubwürdigkeit, wenn er sich als Anwalt des

anständigen Amerikas präsentiert. „Die Nation

muss wieder zusammenkommen“, fordert

er. Dazu müsse Trump weg. Seine konkreten

politischen Vorhaben bleiben derweil

eher vage.

Tatsächlich liegt Biden in bundesweiten

Umfragen, die wegen des komplizierten

Wahlrechts in den USA nur eine begrenzte

Aussagekraft haben, derzeit vor Trump.

Selbst nach den internen Erhebungen des

Weißen Hauses würde der Herausforderer

den Amtsinhaber momentan schlagen, was

den Präsidenten so wütend gemacht haben

VonKarlDoemens, Washington

soll, dass er drei seiner fünf Meinungsforscher

kündigte.

Die Wähler schätzen Bidens Integrität,

seine innen- und außenpolitische Erfahrung,

seine Führungsstärke und die Fähigkeit

zum parteiübergreifenden Kompromiss.

Undregelmäßig erklärteine deutliche Mehrheit,

dass ihr bei der Entscheidung für einen

demokratischen Kandidaten dessen Siegeschancen

wichtiger sind als die inhaltliche

Übereinstimmung in allen Punkten.

Natürlich kommt dem ehemaligen Vizepräsidenten

sein hoher Bekanntheitsgrad

zugute. Doch die vier Jahrzehnte lange Vorgeschichte

in der Politik birgt auch Risiken.

„Die Politik ist

so gemein,

so kleinkariert,

so wütend

geworden“

Jo Biden,

US-Demokrat, 76 Jahre alt

So hat Biden 1994 unter dem Eindruck wachsender

Gewalt eine Justizreformmit deutlich

härteren Strafen unterstützt, die zu Massenverhaftungen

von Schwarzen führte. Auch

lehnte der bekennende Katholik lange die

staatliche Finanzierung von Abtreibungskliniken

ab. Erst angesichts massiver parteiinterner

Proteste änderte er in der vergangenen

Woche plötzlich seine Position. In der

Umweltpolitik war Biden anfangs ziemlich

blank. Mitheißer Nadel musste er in den vergangenen

Wochen einen Klimaplan schreiben

lassen, wurde aber prompt dabei erwischt,

dass einige Passagen anderswo abgekupfertwaren.

Zu einem Problem könnte auch Bidens

körperbetonter Umgang mit anderen Menschen

werden. Der joviale Politiker nimmt

Vertraute in den Arm, streicht ihnen über die

Schulter und gibt ihnen auch schon einmal

einen Kuss auf den Hinterkopf. Mehrere

Frauen aus seinem Umfeld haben inzwischen

erklärt, dass sie derartige Vertraulichkeiten

als Übergriff empfunden haben. Die

MeToo-Bewegung ist Biden fremd geblieben.

Neulich stellte ihm einWähler seine Enkelin

vor. „Wie alt bist du?“, fragte Biden

freundlich. Das Mädchen antwortete, essei

dreizehn. Darauf mahnte Biden dessen Brüder:„Haltet

bloß die Jungs voneurer Schwester

fern!“ Ein harmloser Scherz. Aber einer

aus dem vergangenen Jahrhundert.

„Die Leute gehen zu Veranstaltungen

und erwarten Onkel Joe“, stichelt die Politikberaterin

Rebecca Katz, die im Herbst für

die lesbische Schauspielerin Cynthia Nixon

den NewYorker Gouverneurswahlkampf organisierte.

„Aber dann begegnen sie

Grandpa Joe.“ Die 43-Jährige macht keinen

Hehl daraus, dass sie sich eine jüngere,

deutlich linkere Frau als Herausforderin

vonTrump wünscht. Mit ihrer Skepsis steht

Katz nicht alleine. Viele Angehörige der

Graswurzelbewegung wünschen sich einen

radikaleren Kandidaten. Das Problem ist

nur: Cynthia Nixon fuhr eine krachende

Niederlage ein.

Und das ist Bidens Kernargument. „Es

kommt darauf an, wer die größten Chancen

hat, Trump zu schlagen. Wenn das nicht passiert,

wirdsich gar nichts ändern“, hält er,der

charismatische Sohn eines Gebrauchtwagenhändlers,seinen

Kritikernentgegen.

Ansonsten vermeidet er jegliche persönliche

Angriffe auf seine demokratischen Mitbewerber

und geht dem direkten Schlagabtausch

möglichst aus dem Weg. Als kürzlich

19 Kandidaten zu einer großen Debatte in

Iowa zusammenkamen, feierte der Favorit

im Kreise der Familie die Examensfeier seiner

Enkelin.„Biden machtWahlkampf, als ob

es nur einen Herausforderer gäbe“, beobachtete

die NewYorkTimes.

Das wird sich in der nächsten Woche ändern,

wenn 20 der 23 Demokraten-Kandida-

ten in Miami bei zwei großen Fernseh-Debatten

aufeinandertreffen. Dann sitzt auch

Biden auf dem Podium. Die Demokraten

dürften hier wie überall im Land darüber

streiten, ob sie mit einem renommierten Repräsentanten

der Mitte um Stimmen von

Nichtwählernund enttäuschten Konservativen

werben oder doch mit einem polarisierenden

Bewerber die eigene Basis stärker

mobilisieren sollen. Es geht um mehr als

Taktik. Dahinter steckt nämlich eine ganz

grundsätzliche Frage: IstTrump ein skrupelloser

Einzeltäter, der die amerikanischen

Werte verrät und die Grundlage der Demokratie

gefährdet –oder ist er das Symptom einer

tiefergehenden Krise des amerikanischen

Modells, die bereits lange vor seiner

Wahl begonnen hat?

Linke Kandidaten wie die Senatorin Elizabeth

Warren und ihr Kollege Bernie Sanders

sind fest von der zweiten These überzeugt.

Mit tiefgreifenden Reformen von einer Reichensteuer

über eine staatliche Krankenversicherung

bis hin zum kostenlosen Studium

wollen sie politisch einen komplett anderen

Wegeinschlagen. Trump sei nicht das Problem,

argumentiertElizabeth Warren. Er zeige

vielmehr, was in den USA schiefläuft. „Er ist

das Produkt eines korrupten Systems, das

die Reichen und Mächtigen fördert und alle

anderen mit Dreck bewirft.“

Entschlossener Angreifer

Auch für Bernie Sanders gibt es kein Zurück.

Ganz bewusst wirbt er als Alternative zum

herrschenden Kapitalismus für einen „demokratischen

Sozialismus“, auch wenn viele

Forderungen für europäische Ohreneher sozialdemokratisch

klingen. Unter dem Jubel

seiner Anhänger blies der weißhaarige Rebell

kürzlich an der Georgetown-Universität in

Washington zur „politischen Revolution“.

Davon ist Joe Biden weit entfernt. Obamas

einstiger Stellvertreter möchte das Land

zur „Normalität“ vor 2016 zurückführen.

„Amerika ist besser!“, lautet seine Überzeugung.

Mit möglichst breiter Unterstützung

will der Mann den politischen Großbrand im

Weißen Haus löschen. Als Erstes hat ersich

die Wahlempfehlung der mächtigen Feuerwehrgewerkschaft

gesichert, doch auch zu

den anderswo inzwischen verpönten Geldgebern

ander Wall Street unterhält er weiter

beste Kontakte.

Der Architekt eines neuen amerikanischen

Gesellschaftssystems ist er kaum. Aber

er könnte vielleicht den Einsturz der rechtsstaatlichen

Ordnung verhindern. Und er

kämpft entschlossen. Insgesamt 35 Mal,

zählte der Sender CNN, hat Biden neulich in

Iowa den Präsidenten angegriffen. Der Poltergeist

Trumpbrachte es auf 15 Attacken.

Karl Doemens hat die aussichtsreichsten

Präsidentschaftsbewerber im

Vorwahlkampf persönlich beobachtet.


4* Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Erstarkter Antisemitismus

macht Steinmeier Sorgen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

hat sich besorgt über einWiedererstarken

des Antisemitismus geäußert.„Es

erfüllt mich mit großer

Sorge, dass antisemitische und rassistische

Straftaten in Deutschland zunehmen“,

sagte Steinmeier am Montag

bei einem Festakt in der Hochschule

für Jüdische Studien in Heidelberg.„Und

es erfüllt mich mit großer

Sorge, dass Antisemitismus auch in

der Mitte der Gesellschaft wieder salonfähig

wird.“ (AFP)

Millionen Mahnverfahren

gegen Arbeitslose

Jobcenter und Arbeitsagenturen haben

im vergangenen Jahr in mehr als

6,5 Millionen Fällen wegen Rückzahlungsforderungen

Mahnverfahren

gegen Arbeitslose eingeleitet. Das

geht aus der Antwortdes Bundesarbeitsministeriums

auf eine Anfrage

der AfD-Bundestagsfraktion hervor.

Demnach gab es 5,7 Millionen Mahnverfahren,

bei denen es um Rückforderungen

mit Blick auf Hartz-IV-Leistungen

ging. In 705 566 ging es um die

Rückzahlung vonzuviel gezahltem

Arbeitslosengeld I. DieRückforderungen

bei HartzIVbeliefen sich auf

2,59 Milliarden Euro –knapp sieben

Prozent mehr als 2017. Beim ALG1

waren es 485 Millionen Euro. (rb.)

Däne Madsen wird Rostocker

Oberbürgermeister

DerDäne Claus Ruhe Madsen hat

die Wahl zum Oberbürgermeister in

Rostock deutlich gewonnen. Damit

wirderder erste Ausländer sein, der

eine deutsche Großstadt regiert. Bei

der Stichwahl am Sonntag setzte sich

der 46 Jahrealte parteilose Unternehmer

gegen den Linken-Kandidaten

Steffen Bockhahn durch. Madsen

holte 57,1 Prozent der Stimmen,

Bockhahn 42,9 Prozent. Madsen

stammt aus Kopenhagen und lebt

seit 1992 in Deutschland. Vor20Jahrenkam

er nach Rostock. (dpa)

Ägyptens Ex-Präsident

Mursi gestorben

Ägyptens Ex-Präsident Mohammed Mursi

verstarb im Gerichtssaal.

DPA

Ägyptens früherer Präsident Mohammed

Mursi ist am Montag nach

Angaben aus Justiz- und Sicherheitskreisen

gestorben. Demnach brach

Mursi bei einer Gerichtsanhörung

zusammen und starb später im

Krankenhaus.Der islamistische Politiker

hatte 2012 sein Amt als erster

demokratisch gewählter Staatschef

Ägyptens angetreten, war aber

schon bald mit Massenprotesten

konfrontiertund wurde im Juli 2013

vomMilitär gestürzt. (AFP)

Iran wird zulässige

Uran-Menge überschreiten

DerIranwirdnach eigenen Angaben

die zulässige Menge vonangereichertem

Uran noch im Juni überschreiten.

Voraussichtlich am 27. Juni werdeder

Iran die Menge von300 Kilogramm

angereichertem Uran erreicht haben,

sagte der Sprecher der iranischen

Atomenergiebehörde am Montag.

Laut dem internationalen Atomabkommen

von2015 darfder Iran diese

Menge nicht überschreiten. (AFP)

Länder bestimmen Grundsteuer

Große Koalition beschließt Kompromiss für die Immobilienabgabe. Solidaritätszuschlag nur noch für Reiche

VonRasmus Buchsteiner

Am Ende waren alle nur erleichtert:

„Die Kuh ist damit

vom Eis“, freut sich

Thorsten Schäfer-Gümbel,

einer der drei kommissarischen

SPD-Chefs.„Die Geduld hat sich gelohnt“,

zeigt sich der CSU-Vorsitzende

Markus Söder zufrieden. Nach

monatelangem Hickhack haben sich

die Spitzen der großen Koalition in

der Nacht zum Montag auf eine

Grundsteuer-Reform geeinigt. Allerdings

weicht die deutlich ab vonden

Plänen, die Bundesfinanzminister

Olaf Scholz (SPD) zunächst präsentierthatte.

Wichtigster Punkt: Über eine Öffnungsklausel

sollen die Länder weitreichende

Gestaltungsspielräume

erhalten. Scholz hatte sich für eine

Steuerbemessung eingesetzt, die

sich nach demWert des Grundstücks

und der Höhe der Miete richtet. Insbesondere

Bayern wollte aber ein

Modell, bei der sich die Steuer nach

der Fläche der Immobilie bemisst.

Der Kompromiss, für den eine

Grundgesetzänderung erforderlich

sein soll, eröffnet den Ländern die

Möglichkeit, die Steuerbemessung

weitgehend selbst zu gestalten. Nur:

Auf den Finanzausgleich zwischen

den Ländern soll das keine Auswirkungen

haben. Nimmt ein Land

durch eine eigene Variante weniger

Steuern ein, wird das nicht durch

den gemeinsamen Finanztopf ausgeglichen.

Bayern kündigte am

Montag prompt an, die Öffnungsklausel

nutzen zu wollen.

Auswirkungen auf die Miete

Die Reform der Grundsteuer war

notwendig geworden wegen eines

Urteils des Bundesverfassungsgerichts,das

der Politik für eine Neuregelung

bis Ende 2019 Zeit gegeben

hatte. Ohne eine Einigung wäre die

Erhebung der Steuer, die den Kommunen

jährlich 14 Milliarden Euro

einbringt, ab Jahresende nicht mehr

möglich. Union und SPD haben nun

vereinbart, dass der Bundestag Anfang

Juli in erster Lesung über die Reformberaten

soll.

Offen ist, wie sich der Kompromiss

auf die Mieten auswirken wird.

SPD-Minister hatten zuletzt ein Gesetz

ins Gespräch gebracht, das die

Umlage der Grundsteuer auf die

Die Grundsteuer

wird unter anderem auf bebaute oder bebaubare

Grundstücke erhoben (Grundsteuer B)

So wird die Grundsteuer bisher berechnet

Einheitswert

Gebäude/

Grundstück

i

Für jedes Grundstück in Deutschland ist ein Wert festgelegt.

Diese Festlegung reicht in Westdeutschland bis 1964 und in Ostdeutschland

sogar bis 1935 zurück. Das Bundesverfassungsgericht bewertete die

Berechnungsgrundlage in Westdeutschland als verfassungswidrig.

Beispiel

20 000 €

x

x

3,5 von

Tausend*

3,5

1000

Steuereinnahmen der Gemeinden

nach Steuerverteilung gerundet in Milliarden Euro

100

gesamt

80 60,0

Mrd.


60

40

20

0

23,8

26,0

10,2

68,5

30,0

27,5

10,9

2005 2009

x

von den Kommunen

festgesetzt

x

Hebesatz =

500

100

BLZ/GALANTY; QUELLE: STAT. BUNDESAMT, BUNDESFINANZMINISTERIUM, DPA

=

Handlungsfähigkeit will die große

Koalition nun auch beim Soli-Abbau

und in Sachen Klimaschutz zeigen.

Bis Ende August soll der Finanzminister

einen Gesetzentwurf präsentieren,

der den Solidaritätszuschlag

für 90 Prozent der Zahler abschafft.

Die Steuerzahler sollen ab 2021 bis

zu einem zu versteuernden Einkommen

von 61000 Euro komplett vom

Soli befreit werden.

Wermehr als 61 000 Euro undweniger

als 76 000 Euro versteuern

muss, soll einen Teilerlass bekommen.

Technisch wird das durch ein

Verschieben der Freigrenze und der

Gleitzone erreicht. Singles mit einem

Bruttoeinkommen von maximal

rund 72 000 Euro müssen künftig

keinen Soli mehr zahlen. Ein Ehepaar

mit zwei Kinderndarfsogar ungefähr

150 000 Euro verdienen.

Zum Klimaschutz soll es in der

zweiten Septemberhälfte Entscheidungen

geben. Dabei will die Koalition

ein „in ökologischer, sozialer

und ökonomischer Hinsicht tragfähiges

Gesamtkonzept“ vereinbaren,

um die für 2030 gesetzten Klimaziele

zu erreichen.

Bisdahin dürfte die Bundesregierung

auch geklärthaben, ob es –wie

auch immer geartete –CO 2 -Besteuerung

geben soll. BisEnde August will

die Koalition gesetzliche Maßnahmen

für bezahlbares Wohnen auf

denWegbringen. Beim Dauer-Streitthema

Grundrente gab es keine Einigung.

Die SPD will die Rente ohne

Bedarfsprüfung einführen. Die Unionsparteien

beharren darauf und

berufen sich dabei auf den mit der

SPD geschlossenen Koalitionsvertrag.

Grundsteuermesszahl

Jahresgrundsteuer

350 €

Lohn-, Einkommen-,

Umsatzsteuer

und andere

Gewerbesteuer

Grundsteuer**

47,0

44,3

14,0

2017

*bei Einfamilienhäusern abhängig vomWert: 2,6 oder 3,5; Zweifamilienhäuser 3,1

** einschließlich Grundsteuer Afür land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitz

Mieten begrenzen soll. Einen Gesetzentwurfgibt

es bislang nicht. „Es

war keine leichte Entscheidung“,

sagte Malu Dreyer, kommissarische

SPD-Chefin und Ministerpräsidentin

von Rheinland-Pfalz, mit Blick

auf die Grundsteuer-Einigung. Eine

Koalition zeichne sich dadurch aus,

„dass sie am Ende handlungsfähig

ist“.

Teilabschaffung des Soli

Rasmus Buchsteiner

ist gespannt, wozu die Koalition

noch in der Lageist.

Bayerns Vorsprung sorgt in Berlin für Verunsicherung

VonMelanie Reinsch

Die bayerische Länderöffnungsklausel

bei der Grundsteuerreform,

auf die sich die große Koalition

einigen konnte, hat in Berlin für

Missmut gesorgt. „Glücklich sind wir

damit nicht. Vorallem, wenn sich die

Öffnungsklausel für Bayern auch auf

den Länderfinanzausgleich auswirken

sollte und Bayern damit eine

Extrawurst bekommt“, sagte Wirtschaftssenatorin

Ramona Pop

(Grüne) am Montag der Berliner Zeitung.

SPD-Bundesfinanzminister Olaf

Scholz hat Bayern mit der Öffnungsklausel

ein Zugeständnis gemacht.

Die CSU will die Grundsteuer nicht

vomWertdes Bodens und der Miete

abhängig machen, sondern pauschal

vonder Fläche.Dadurch sollen

Steuererhöhungen und Mietsteigerungen

vermieden werden.

In der SPD-Fraktion hatte sich

wegen dieses Grundsteuer-Kompromisses

bereits vorabWiderstand formiert.

Die Kritik: Eine individuelle

Länder-Gesetzgebungskompetenz,

die vom Bundesrecht abweiche,

würde gleichwertige Lebensbedingungen

verhindern.

Doch das war bei der Reform eigentlich

das Ziel. Denn durch die

Möglichkeit der Kommunen, eigene

Finanzsenator hält die Öffnungsklausel bei der Reform der Grundsteuer für problematisch

Hebesätze festlegen zu können,

kann die Grundsteuer sehr unterschiedlich

ausfallen.

Jetzt werden sich auch die anderen

Länder positionieren müssen –

in Hamburg prüft man beispielsweise

bereits ebenfalls die Öffnungsklausel.

UndinBerlin? Es sei wichtig,

dass man bei dem Thema endlich

105,2

„Öffnungsklauseln wirken sich

meist negativ auf die Steuerpflichtigen aus.

Das muss vermieden werden.“

nungsklauseln wirken sich meist negativ

auf die Steuerpflichtigen aus.

Das muss vermieden werden“, betonte

der Senator.

Steffen Zillich, haushaltspolitischer

Sprecher der Linken, hofft weiterhin,

dass es eine bundesweit einheitliche

Regelung geben wird, damit

es Rechtssicherheit gebe. Pasvorangekommen

sei, sagte Berlins

Finanzsenator Mathias Kollatz (SPD)

am Montag der Berliner Zeitung.

Sonst erhöhe sich die Gefahr, dass

die wichtigste kommunale Steuer

zum Jahresende wegbreche. Das

dürfe jedoch nicht zu Verwerfungen

führen. „Eine Öffnungsklausel kann

dabei problematisch sein“, erklärte

Kollatz. Solche Klauseln könnten

dazu benutzt werden, den Länderfinanzausgleich

auszuhebeln. „Öff-

Mathias Kollatz (SPD)

Finanzsenator von Berlin

siere das nicht, müsse auch Berlin

eigene Kriterien für die Steuer entwickeln.

„Erst einmal ist es gut, dass es

diese Steuer gibt. Aber sie darf nicht

zu Ungerechtigkeiten führen“, betonte

Zillich.

Anders sieht das die oppositionelle

FDP im Abgeordnetenhaus,die

die Grundsteuer in der Hauptstadt

lieber senken als erhöhen will. Sibylle

Meister, Sprecherin für Haushalt

und Finanzen, hält die Einigung

der großen Koalition bei der Reform

der Grundsteuer ohnehin für „ambitionslos“

und die Umsetzung noch

für „zweifelhaft“.

„Das Land Berlin sollte seinen

schon jetzt bestehenden Freiraum

nutzen und die Grundsteuer halbieren.

Das entlastet Mieterinnen und

Mieter sofort und nachhaltig – im

Gegensatz zu rechtsunsicheren

Konstruktionen wie dem Mietendeckel“,

sagte sie.

Christian Gräff, wirtschaftspolitischer

Sprecher der CDU-Fraktion,

glaubt, dass das neue Grundsteuer-Modell

des Bundesfinanzministers

Scholz für „Berlin zu einem

Riesenproblem“ werde. „Es

wird dazu führen, dass die rot-rotgrüne

Regierung richtig in die

Kasse greifen wird und zwar zulasten

der Einfamilienhausbesitzer

und Mieter“, so Gräff.

Für Berlin, so vermutet er,werde

das „richtig teuer“. In Berlin gingen

die Steuereinnahmen zurück, das

Scholz-Modell sei da für den Finanzsenator

Kollatz „ein guter Anlass

die Einnahmen zu erhöhen“,

sagte Gräff. Und das funktioniere

am besten über das

werteabhängige Modell, das sich

am Wert des Bodens und der

durchschnittlichen Miete orientiere,

erklärte Gräff.

Weniger

Atomwaffen

weltweit

Friedensforscher bleiben

aber trotzdem skeptisch

Die Atommächte verfolgen nach

Angaben von Friedensforschern

einen besorgniserregenden

Modernisierungskurs bei ihren Nuklearwaffenarsenalen.

Zwar ging die

Zahl der Atomwaffen im vergangenen

Jahr um knapp vier Prozent zurück,

wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut

Sipri berichtete.

Dafür seien die Atommächte aber

wieder stärker darauf aus, ihre Waffen

zu modernisieren.

„Offen gesagt ist das ein negativer

Trend“, sagte der Sipri-Atomwaffenexperte

Shannon Kile.Der Rückgang

bei den Atomwaffen habe sich in den

vergangenen Jahren entscheidend

verlangsamt und sei lediglich darauf

zurückzuführen, dass die USA und

Russland Waffen ausrangierten, die

sie nicht mehr benötigten.

Greenpeace kritisiertMaas

Insgesamt gab es im Januar 2019

schätzungsweise 13 865 Atomwaffen

auf der Welt, wie aus dem Sipri-Jahresbericht

2019 hervorgeht. Ein Jahr

zuvor waren es etwa 14 465 gewesen.

Aufdem Höhepunkt des Kalten Krieges

Mitte der 1980er-Jahre gab es

einst etwa 70 000 Atomsprengköpfe.

Über 90 Prozent vonihnen befinden

sich heute laut Sipri imBesitz der

USA und Russlands.Die beiden Länder

besitzen den Schätzungen zufolge

mehr als 6185 beziehungsweise

6500 Atomsprengköpfe. Aber

auch die weiteren drei UN-Vetomächte

Großbritannien (200),

Frankreich (300) und China (290) sowie

Israel (80 bis 90) verfügen über

solche Waffen. Die Zahl der Waffen

In Russland werden veraltete Nuklearwaffen

auch im Museum gezeigt.

IMAGO

im Besitz von Nordkorea schätzen

die Forscher auf 20 bis 30. Einen endgültigen

Beweis dafür, dass Nordkorea

eine funktionsfähige Kernwaffe

besitzt, gibt es laut Sipriaber nicht.

Vorknapp einer Woche hatte Außenminister

Heiko Maas (SPD) gewarnt,

die Krise bei den Bemühungen

um nukleare Abrüstung und

Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen

stelle eine Gefahr für den

Weltfrieden dar. Nach einem Treffen

mit Ministern 15 anderer Länder

ohne Atomwaffen in Stockholm kritisierte

er, dass das Thema Abrüstung

derzeit nicht auf der politischen

Agenda stehe. „Unser gemeinsames

Ziel ist eine Welt ohne Atomwaffen.“

Um dieses Ziel zu erreichen, sieht

Greenpeace den Minister in der

Pflicht. „Heiko Maas vergisst zu erwähnen,

dass auch in Deutschland

Atomwaffen liegen, die modernisiert

werden sollen und im Krisenfall von

deutschen Piloten und deutschen

Flugzeugen in ihre Ziele gebracht

werden sollen“, sagte Greenpeace-

Sprecher Christoph von Lieven. Nukleare

Waffen müssten weltweit abgeschafft

werden, Deutschland

müsse den Atomverbotsvertrag unterzeichnen,

dem mehr als 120 Länder

bereits ihre Unterstützung gegeben

hätten.

Die Friedensforscher bezogen

ihreDaten für den Jahresbericht wieder

aus öffentlichen Quellen, unter

anderem von Regierungen. Nicht

alle Staaten legten Daten zu ihren Arsenalen

transparent auf den Tisch,

wurde in Stockholmbeklagt. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 5 *

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Politik

Im Audimax der Technischen Universität Ilmenau.

IMAGO IMAGES/PHOTOTHEK.NET/THOMAS TRUTSCHEL; FU

„Es gibt gravierende Mängel“

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt, zweifelt an den Fähigkeiten der Studienanfänger in Mathe und beim Textverständnis

War das Mathe-Abitur

in diesem Jahr fair? Ist

das Abitur in den einzelnen

Bundesländern

vergleichbar? Lernen Schüler

heute wirklich das, was sie hinterher

auch brauchen? Darüber diskutieren

nicht nur Lehrer,Schüler und

Eltern. Diese Frage sind auch von

großer Bedeutung für die Hochschulen.

Im Interview erklärt der

Präsident der Hochschulrektorenkonferenz,

Peter-André Alt, wo die

deutschen Schulen besser werden

müssen.

Herr Alt, können Sie mitfühlen, dass

so viele Schüler gegen das diesjährige

Mathe-Abi protestierthaben?

Ich habe Glück gehabt, ich war

immer recht gut in Mathematik.

Viele hassen das Fach ja geradezu.

Das war schon vor 100 Jahren so.

Franz Kafka hatte Albträume vorseiner

Mathe-Abiturprüfung. Zumindest

in der Schule ist Mathematik ein

Fach, in dem es ein eindeutiges Richtig

oder Falsch gibt. Die Kurvendiskussion

ist eben keine Diskussion,

durch die man sich rhetorisch geschickt

durchlavieren kann. Das

kann Menschen verschrecken, denen

das Fach schwerfällt. Das vermag

ich durchaus nachzuempfinden.

Entlassen die Schulen die Abiturienten

gut vorbereitet an die Hochschulen?

Es gibt gravierende Mängel, was

die Studierfähigkeit zahlreicher Abiturienten

angeht. Dasgilt insbesonderefür

die Fächer,indenen Mathematik

die Grundlage ist. Die Rückmeldungen

aus den Hochschulen

sind zahlreich und eindeutig: Die

Studienanfänger erfüllen dieVoraussetzungen

deutlich schlechter als

früher. Das betrifft die Ingenieurswissenschaften

und die Naturwissenschaften,

aber beispielsweise

auch die Volks- und Betriebswirtschaftslehre.

Wie gehen die Hochschulen damit

um?

DieUniversitäten bieten Brückenkurse

zwischen Schulzeit und eigentlichem

Studienbeginn an, damit die

neuen Studierenden eine Chance haben,

Fuß zufassen. Das ist notwendig.

Es ist aber auch alarmierend. Wir

leben in der Fiktion, dass mit dem Abitur

die Voraussetzungen für das Studium

erfüllt sind. Die Realität zeigt:

Viel zu oft stimmt das nicht.

Gibt es Probleme unter den Studienanfängern

nur bei den mathematischen

Fähigkeiten oder auch beim

Schreiben und Textverständnis?

Auch hier habe ich kritische

Rückmeldungen aus den Hochschulen.

Selbst Literaturwissenschaftler

sagen: Es wird immer schwieriger,

die jungen Menschen in den Seminaren

zum Lesen zu bringen. LängereTexte

zu lesen und zu schreiben,

falle den Studierenden schwerer. Da

hat es offenbar eine erhebliche Verschlechterung

innerhalb der letzten

fünf Jahregegeben.

ZUR PERSON

Peter-André Alt, 59, wurde in Berlin geboren. Er studierte Germanistik, Politikwissenschaft,

Geschichte und Philosophie an der Freien Universität, wo er 1984 promovierte und sich 1993

habilitierte. Von2010 bis 2018 war Alt Präsident der FU.Seit einem knappen Jahr amtierter

als Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Er ist ständiger Kolumnist der Berliner Zeitung.

Woranliegt das?

Auch die meisten Erwachsenen

merken, dass sich in Zeiten der Digitalisierung

ihre Lesegewohnheiten

verändert haben. Es werden

heute im Alltag vermutlich sogar

mehr Texte gelesen als früher, aber

sie werden vom Einzelnen oft nur

noch selektiv durchgescannt. Wie

oft lesen wir wirklich noch einen

Text vom Anfang bis zum Ende?

Junge Menschen, die mit einer solchen

Lesekultur aufwachsen, tun

sich schwerer,sich auf einen Text zu

konzentrieren.

Wiekönnen Schule und Eltern da gegensteuern?

Es ist pädagogisch wichtig, darauf

zu bestehen, dass das Handy auch

mal für längereZeit ausgeschaltet ist.

Junge Menschen sind heute sicherlich

besser fähig, mehrere Dinge nebeneinander

zu tun, als wir es je waren.

Das finde ich gut. Aber jeder

sollte sich auch intensiv und ohne

Ablenkung auf eine Sache konzentrieren

können, ob beim Lesen oder

auch in der Mathematik. Dazu müssen

wir die Schüler zwingen. Oder,

freundlich ausgedrückt: Wir sollten

ihnen die Chance dazu geben. Es ist

richtig, dass Schulen durch den Digitalpakt

jetzt technisch auf die Höhe

der Zeit gebracht werden. Wir brauchen

aber gleichzeitig einen Lernpakt

für all die anderen Kenntnisse

und Fähigkeiten, die wir neben dem

Umgang mit digitalen Medien benötigen.

Welches Wissen brauchen die Schüler

und Studenten denn heutzutage

noch?

Diese Diskussion wirdviel zu wenig

geführt. Und das, obwohl sich

durch die Digitalisierung in der Welt

des Wissens und der Wissensvermittlung

vieles rasant verändert. Die

alte Tafel gab es schon im antiken

Griechenland, Lexika sind seit der

Aufklärung die Speicher desWissens.

Jetzt haben wir eine unvergleichlich

viel schnellere Medienentwicklung.

Also müssen wir beständig darüber

nachdenken, welchen Kanon alten

Wissens wir brauchen –und welche

Fähigkeiten zusätzlich trainiert werden

müssen.

Bildungsforscher wie Pisa-Chef Andreas

Schleicher argumentieren, es

gehe im Wesentlichen nicht mehr um

Wissen, da dieses durch die Digitalisierung

leicht verfügbar sei. Statt Daten

oder Formeln zu pauken, müssten

die Schüler lernen, wie Historiker

und Mathematiker zu denken. Hater

nicht recht?

Das klingt beim ersten Hören

überzeugend, aber ganz so einfach

ist es nicht. Studiengänge bauen gerade

in der Bachelor-Phase auf Wissen

auf, das die Studierenden aus der

Schule mitbringen sollten. Und: Die

Studierenden brauchen zwingend

die Fähigkeit, Faktenwissen auch in

großen Mengen auswendig zu lernen.

Anders geht es in Naturwissenschaften,

in der Medizin, in Jura,

aber auch in den Geschichtswissenschaften

gar nicht. DasWissen ist wie

ein Rohbau, auf dem das restliche

Gebäude errichtet wird. Wenn es zu

viele Lücken gibt, fehlt es an den

Grundlagen. Daranscheiternviele.

DasGespräch führte Tobias Peter.

Chinas Druck und der Mut der Hongkonger

Ausgerechnet einen Tagnach den Massenprotesten in der ehemaligen Kronkolonie kommt einer der Anführer der „Regenschirm“-Bewegung aus dem Gefängnis

Hallo Welt und Hallo Freiheit.“

Mitdiesen Worten meldete sich

Joshua Wong am Montag nach der

Haftentlassung auf der politischen

Bühne zurück: „Vorwärts Hongkong!!

Zieht das Auslieferungsgesetz

zurück. Tritt zurück, Carrie Lam. Beendet

alle politischen Strafverfolgungen!“,

so gab der Kopf der Demokratiebewegung

am Montag auf

Twitter die Marschrichtung vor.

Es war Zufall, aber voll politischer

Symbolik, dass der 22-Jährige ausgerechnet

einen Tagnach dem Massenprotest

mit mehr als einer Million

Menschen aus dem Gefängnis kam.

Wegen seiner Rolle in der prodemokratischen

„Regenschirm“-Bewegung

2014 hatte der ehemalige Studentenführer

eine zweimonatige

Haftstrafe absitzen müssen. Er kam

wegen guter Führung einen Monat

früher frei.

Wong lobte die „Millionen Hongkonger“,

die gegen das kontroverse

Gesetz für Auslieferungen an China

protestierthatten. Durchzivilen Ungehorsam

und direkte Aktionen hätten

sie die Welt wissen lassen, dass

sie„in der Unterdrückung durch Präsident

Xi und Regierungschefin CarrieLam

nicht stillhalten“.

Es war ein Sieg der Straße, dass

die ungeliebte Regierungschefin das

Gesetz auf Eis legte und sich am

Sonntag auch noch „aufrichtig und

demütig“ für ihr Vorgehen entschuldigte.Eswar

zugleich der größte politische

Rückzug der chinesischen

Führung in der Ära von Staats- und

Parteichef Xi Jinping seit 2012.

Dermächtigste Politiker seit Mao

Dermächtigste chinesische Politiker

seit Staatsgründer Mao Tsetung

könnte entschieden haben, dass die

Eskalation in Hongkong gerade jetzt,

im Handelskrieg mit den USA, angesichts

der Kritik in der Welt an China

und so kurz vor dem G20-Gipfel in

Japan, zu einem denkbar schlechten

Zeitpunkt gekommen war.

Damit ist Hongkongs Regierungschefin

angezählt. Auch wenn sich

Chinas Außenministerium noch hinter

sie stellte, zweifeln hohe Beamte

Joshua Wong am Montag in Hongkong nach seiner Freilassung.

in Peking an ihrem Geschick. Auf jeden

Fall brauchen sie ein Bauernopfer.

Peking wollte das Gesetz sicher

auch gerne, ummit Hilfe der Justiz

seinen Griff über Hongkong auszuweiten.

Aber Lam hatte den Widerstand

unterschätzt.

Nachdem am Sonntag vor einer

Woche nach unterschiedlichen

GETTY/CARL COURT

Schätzungen zwischen Hunderttausenden

und einer Million Menschen

demonstrierthatten, war es am Mittwoch

zu schweren Zusammenstößen

zwischen Polizei und Demonstranten

gekommen. Dergewaltsame

Polizeieinsatz mit Tränengas und

Gummigeschossen sorgte für Empörung,

so dass am Sonntag dann noch

einmal mehr Hongkonger als vor einer

Woche auf die Straße gingen. Die

Organisatoren zählten bis zu zwei

Millionen –das wäre gut ein Viertel

der Bevölkerung.

Mit ihrem Erfolg dürften die

Hongkonger auch den Eindruck gewonnen

haben, dass gewaltsame

Proteste der einzigeWegsind, um gehört

zu werden. Mit jeder großen

Kontroverse seit der Rückgabe der

ehemaligen britischen Kronkolonie

an China 1997 hat das Ausmaß der

Gewalt bei Protesten zugenommen.

So schlimm wie vergangene Woche

war es noch nie. Esgab 81 Verletzte

und elf Festnahmen. Am Sonnabend

stürzte ein Aktivist in den Tod, als er

ein Banner anbringen wollte.

Die Demonstrationen für mehr

Demokratie vorfünf Jahren, die Teile

der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole

wochenlang lahmgelegt

hatte, wirken bis heute nach.

Sie bekamen ihren Namen von den

Regenschirmen, die gegen die Sonne

und das Pfefferspray der Polizei eingesetzt

worden waren. Unter dem

wachsenden politischem Druck verfolgte

Hongkongs Justiz die Anführer

vondamals und steckte mehrereAktivisten,

Akademiker und oppositionelle

Abgeordnete ins Gefängnis.

Statt aber vom politischen Engagement

abzuschrecken, macht die

Strafverfolgung junge Aktivisten wie

Wong und anderenur zu Helden und

mobilisiertdie Hongkonger.

Auch Ausländer im Fadenkreuz

Hatte sich Peking lange aus seiner

autonom regierten Sonderverwaltungsregion

herausgehalten, mischen

sich die heutigen chinesischen

Führer ungeduldig ein, pochen

auf ihreSouveränität. Doch die

Hongkonger wollen sich „ihre Freiheiten

nicht nehmen lassen“, wie

Demonstranten sagten.

DasAuslieferungsgesetz hätte den

Behörden ermöglicht, in China verdächtigte

Personen rechtmäßig auszuliefern.

Damit wären Hongkonger

und auch Ausländer in Chinas Fadenkreuz

geraten. Die Massenproteste

haben das verhindert. (dpa)


6* Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

MÄRKTE

Durchsuchungen wegen

Cum-Ex-Aktiengeschäften

Im Steuerskandal um umstrittene

Aktiengeschäfte haben Ermittler

zum dritten MalRäume derGroßkanzlei

Freshfields sowie weitere

Räumlichkeiten in Frankfurtdurchsucht.

Diedortige Generalstaatsanwaltschaft

teilte am Montag mit,

acht Beschuldigten werdebesonders

schwereSteuerhinterziehung

und Beihilfe dazu vorgeworfen. Im

Fall der Kanzlei Freshfields geht es

um Beratungsleistungen im Zusammenhang

mit Cum-Ex-Geschäften.

„Die Durchsuchung bezogsich auf

ein früheres Mandatsverhältnis

unserer Kanzlei“, sagte ein Sprecher

der Kanzlei. Diese sei zuversichtlich,

dass ihreBeratungenrechtlich nicht

zu beanstanden seien. (dpa)

Wirtschaftsleistung in

Deutschland schrumpft

DaszweiteQuartal wirdnach Einschätzung

der Bundesbank mit

einem Dämpfer für die deutsche

Wirtschaft enden. „Die deutsche

Wirtschaftsleistung dürfte im Frühjahr

2019 leicht zurückgehen“, bekräftigte

die Bundesbank in ihrem

am Montag vorgelegten Monatsbericht.

Die„konjunkturelle Grundtendenz“

sei „nach wie vor

schwach“, schreibt die Notenbank.

„Ausschlaggebend hierfür ist der anhaltende

Abschwung in der Industrie.“

Hauptgrund für das schlechtere

Abschneiden nach Angaben der

Ökonomen: Sondereffekte,die das

Wirtschaftswachstum im ersten Jahresviertel

ankurbelten, laufen aus

oder kehren sich sogar um. (dpa)

Porto wird Fall für das

Kartellamt

Der Bücherversand wird teurer.

DerBörsenverein des Deutschen

Buchhandels hat beim Bundeskartellamt

Beschwerde gegen die Deutsche

Post eingelegt. DiePostgefährde

mit ihren jüngst beschlossenen

Portoerhöhungen auch für Büchersendungen

die Wettbewerbsfähigkeit

der kleinen und mittelgroßen

Buchhandlungen und Verlage,sagte

Hauptgeschäftsführer Alexander

Skipis am Montag in Frankfurt. Da

die Post auch plane,die Maße für

Büchersendungen zu verringern,

müsste rund ein Drittel davon künftig

als Pakete versandt werden –verbunden

mit höheren Kosten. (dpa)

Deutsche Bank soll

eigene Bad Bank erwägen

FOTO: DPA

DieDeutsche Bank will einem Bericht

zufolge beim geplanten Konzernumbau

Risiken bei WertpapiereninMilliardenhöheloswerden.

Dabei sollten vorallem lang laufende

Derivate,die zuletzt kaum Ertrag

abgeworfen haben, im Volumen von

bis zu 50 Milliarden Euro in eine interneAbwicklungseinheit

(„Bad

Bank“) ausgelagertoder verkauft

werden, berichtete die „Financial

Times“ unter Berufung auf mit der

Angelegenheit vertraute Personen.

Ende Märzhatte die Deutsche Bank

in der Bilanz den Marktwertihrer

Derivate auf 331 Milliarden Euro beziffert.

Diegesamte Bilanzsumme

der Bank belief sich auf 1,44 Billionen

Euro. (dpa)

Der sogenannteMietendeckel soll Mietern eineAtempause verschaffen –dochVermieter befürchten, Kosten nichtmehrdeckenzukönnen.

Vermieter warnen vor Mietendeckel

Von Fraune Burkhardt

Investitionen in den Schienenverkehr gewachsen

Von Jördis Früchtenicht

Verband favorisiert portugiesisches System mit Steuervorteil

Wachstumskurs: Für 2019

hat der Hauptverband Deutsche

Bauindustrie seine

Wachstumsprognose von6

auf 8,5 Prozent erhöht. Das

teilte Verbandspräsident Peter

Hübner am Montag mit.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres

habe der Auftragseingang

bei rund 53

Milliarden Euro gelegen und

damit um 8,6 Prozent über

dem Niveau des Vorjahres.

Ohne Mieterhöhungen

fehlt aus Sicht der Wohnungswirtschaft

Geld für

Neubau, Instandhaltung

und Modernisierung. Einen Mietendeckel,

wie ihn Berlins Senat an diesem

Dienstag diskutiert, lehnt der

Bundesverband deutscher Wohnungs-

und Immobilienunternehmen

(GdW)deshalb ab.„Es geht wesentlich

klüger“, sagte Verbandspräsident

Axel Gedaschko am Montag

und verwies auf Portugal.

Dort erhalten nach seinen Angaben

Vermieter vonJuli an Steuervorteile,

wenn sie örtliche Mietobergrenzen

akzeptieren. Profitieren sollen

demnach Mieter mit niedrigen

Einkommen. „Damit könnte ich

mich deutlich eher anfreunden als

mit dem Berliner Mietendeckel.“

Über Eckpunkte für das neue Gesetz

will der rot-rot-grüne Berliner

Senat an diesem Dienstag beraten.

Erwogen wird, die Mieten in der

Hauptstadt für fünf Jahre einzufrieren.

Zur Debatte steht außerdem,

dass Mieter einen Antrag auf Überprüfung

stellen können, wenn sie

von überhöhten Zahlungen ausgehen.

Dann kann die Miete auf eine

zulässige Höhe reduziert werden,

„die sich an einer zu definierenden

allgemeingültigen Mietobergrenze

orientiert“, wie es in dem Papier

heißt.

Die Immobilienunternehmen,

sehen eine solche fixe Obergrenzeallerdings

kritisch. In fünf Jahren könnten

Baukosten der Erfahrung nach

um 20 Prozent steigen, Personalkosten

um 13 Prozent, sagte der Verbandschef.

Er warnt: „UnsereUnternehmen

haben extrem wenig Spielraum,

solche höheren Kosten aufzufangen.“

Gedaschko übte dabei auch deutliche

Kritik am Senat. In den vergangenen

zwölf Jahren habe Berlin nur

12 900 Sozialwohnungen geschaffen,

das nur halb so große Hamburg dagegen

28 500. „Sie haben es komplett

versemmelt“, sagte Gedaschko.

Zu den 3000 Mitgliedern der

GdW-Landesverbände zählen auch

private Branchenriesen wie Vonovia

weise nach oben. Doch mit diesem

Tempo kann die Bundesrepublik gerade

einmal die größten Schwachstellen

ausbessern, aber nicht die

Verkehrswende gestalten.“

Im europaweiten Vergleich liegt

Deutschland nur auf dem drittletzten

Platz. NurFrankreich mit 40 Euro

proKopfund Spanien mit 29 Euro investieren

noch weniger in den Schienenverkehr.

Ander Spitze liegen die

Schweiz mit 365 Euro pro Kopf und

Österreich mit 218 Euro.Sie investieren

mehr indie Schiene als in die

Straße. Allerdings treiben in den

Alpenländern unter anderem Tunnelbauten

die Baukosten hoch. Die

Deutsche Bahn kämpft mit einem Investitionsrückstau.

Gelitten hat nicht

nur das Schienennetz, es fehlt auch

an Zügen und Personal.

BAUWIRTSCHAFT LEGT WEITER ZU

Konjunkturflaute: Vonder

schwächelnden Konjunktur

spürtdie Bauindustrie dem

Verband zufolgewenig.„Die

Bauwirtschaft bleibt damit

auch auf mittlere Sicht eine

echte Stütze der deutschen

Volkswirtschaft“, sagte Hübner.Rund60Prozent

aller

Investitionen in der Bauindustrie

fließen den Angaben

des Verbands zufolgein

den Bau vonWohnungen.

Wohnungsknappheit: Hübner

äußerte sichzwar zuversichtlich,

dass die politischen

Zielvorgaben von375000

Wohnungenjährlich langfristig

erreicht werden können.

Im vergangenen Jahr wurde

dieVorgabe mit 287000 gebauten

Wohnungenaber

deutlich verfehlt. Fürdas laufende

Jahr rechnet der Verbandnur

mit300000 gebauten

Wohnungen.

und Deutsche Wohnen, vor allem

aber Genossenschaften und städtische

Wohnungsunternehmen, auch

in Berlin.

Bundesweit sinkt die Zahl der Sozialwohnungen.

Denn noch immer

fallen mehr Wohnungen aus der Förderung

als neue gebaut werden. Zuletzt

lag die Lücke bei rund 16 000

Wohnungen. Die GdW-Unternehmen

haben im vergangenen Jahr

mehr neue Wohnungen gebaut, aber

nicht so viele wie erhofft. DieBaufirmen

seien hoch ausgelastet, Grundstücke

teuer und wenig verfügbar,

begründete Gedaschko dies. „Die

Dynamik ist ein wenig verschwunden.“

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland dennoch nurauf demdrittletztenPlatz

„Die Diskussion um mangelnde

Qualität im Bahnverkehr ist schlicht

und ergreifend ein Infrastrukturproblem“,

sagt Maria Leenen, Geschäftsführerin

Unternehmensberatung

SCI Verkehr, die mit der Allianz

pro Schiene den Investitionsvergleich

erstellt. „Die Schiene bietet die

ökologisch und ökonomisch effizienteste

E-Mobilität. Die Menschen

haben das verstanden –sie wollen

mehr die Schiene nutzen, werden

aber ausgebremst.“

Bundesverkehrsminister Andreas

Scheuer (CSU) formulierte das Ziel,

die Zahl der Fahrgäste bei der Bahn

bis 2030 zu verdoppeln. Dafür will die

Deutsche Bahn in den nächsten Jahreninvestieren:

in rund 100 000 neue

Mitarbeiter und in einen Ausbau der

Fernverkehr-Flotte vonrund460 Zü-

FOTO: MÜLLER-STAUFFENBERG/IMAGO

DerVerband legte einVorschlagsbündel

für bezahlbares Wohnen vor.

Es sieht neben Lockerungen im Baurecht

vor, dass der Staat Ausgaben erhöht

und auf Einnahmen verzichtet.

Siereichen voneine Genehmigungspflicht

für Zweitwohnungen über zusätzliche

Milliarden für Sozialwohnungen

bis hin zu verbilligten

Grundstücken aus Bundeshand.

Anderswo müssen Vermieter wieder

Wohnungen abreißen, berichtete

Gedaschko außerdem. In weiten Teilen

Ostdeutschlands und in einigen

westdeutschen Gegenden steige der

Leerstand wieder. Standen 2017 nach

jahrelangem Rückgang im Durchschnitt

noch 8Prozent der Wohnungen

ostdeutscher GdW-Mitglieder

leer, waren es vergangenes Jahr 8,3

Prozent. Für dieses Jahr rechnet der

Verband mit 8,5 Prozent im Osten

und 1,4 Prozent im Westen.

Unterdessen spricht sich der

Deutsche Mieterbund für die bundesweite

Einführung eines Mietendeckels

in Großstädten aus.Der Vorstoß

für ein fünfjähriges Mietenmoratorium

sei ein „Akt der Notwehr“,

weil ansonsten auf Bundesebene

nichts passiere, sagte Geschäftsführer

Ulrich Ropertz dem Bayerischen

Rundfunk.

Er hoffe, dass das nun in Berlin

diskutierte Modell Schule mache –

äußerte zugleich aber Zweifel, ob alle

Bundesländer dabei mietziehen

würden. Denn klar sei, „dass die Länder

die Gesetzgebungskompetenz

für einen solchen Deckel haben“.

Die Investitionen in den deutschen

Schienenverkehr wachsen,

doch im europäischen Vergleich

steht die Bundesrepublik schlecht

da. Pro Kopf seien im vergangenen

Jahr 77 Euro in die Schieneninfrastruktur

investiert worden, wie das

Verkehrsbündnis Allianz proSchiene

errechnet hat. Seit 2014 seien die Investitionen

jedes Jahr gestiegen –damals

flossen 49 Euro proKopf.

„Wir erkennen das Bemühen der

Bundesregierung und gerade des

Bundesverkehrsministers an, die

Schiene zu stärken. Mit Klein-Klein

aber ist es nicht getan“, sagte der Geschäftsführer

der Allianz pro Schiene,

Dirk Flege. „Zwar gehen die Pro-

Kopf-Investitionen seit 2014 schrittgen

auf bis zu 600. Die Kapazität in

der Schieneninfrastruktur soll um 30

Prozent steigen. Mit der Strategie

„StarkeSchiene“willderKonzerndas

lange vernachlässigte Kerngeschäft

in Deutschland stärken. Das Strategiepapier

will Bahnchef RichardLutz

an diesem Dienstag dem Aufsichtsrat

vorstellen.

Die Ziele der Bundesregierung

sieht Flege kritisch: „Wenn man die

Wünsche der Regierung, wie etwa

eine digitale Schiene,mit einrechnet,

müssten 150 Euro proKopf investiert

werden.“ Eine Verdoppelung der

Fahrgastzahlen sei nur zuerreichen,

wenn die Investitionen weiter steigen.

Ein Bahnsprecher hält die Verdoppelung

grundsätzlich für erreichbar.

Dazu gehörten aber höhere Investitionen.

DAX-30 in Punkten

18.3.19

18.3.19

▼ 12085,82 (–0,09 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

18.3.19

Stand der Daten: 17.06.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

17.6.19

▼ 61,01 (–1,66 %)

17.6.19

▼ 1,1234 (–0,28 %)

Quelle

aus DAXund MDAX vom17.06.zum Vortag

Bechtle 95,85 +3,12 WWWW

Dialog Semic.NA 31,74 +3,12 WWWW

Grand City Prop. 22,68 +2,44 WWW

Airbus 125,08 +2,22 WWW

Osram Licht NA 25,64 +1,91 WWW

Evotec 23,27 +1,84 WWW

Verlierer

17.6.19

aus DAX und MDAX vom 17.06. zum Vortag

Lufthansa vNA 15,64 WWWWWWWWWWW –11,62

1&1 Drillisch 24,86 WWWWWWWWW –9,14

United Internet NA 29,24 WWWWWWWW –7,61

Wacker Chemie 67,22 WWWWW –4,87

freenet NA 17,08 WWW –2,01

Henkel Vz. 86,78 WWW –1,92

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 17.06. ±%z.14.06.

Euro Stoxx 50(EU) +0,12

3537/2909 3383,21

CAC 40(FR) +0,43

5601/4556 5390,95

S&P UK(UK) +0,14

1569/1323 1489,26

RTS (RU) – 0,01

1356/1033 1340,90

IBEX (ES) –0,68

9972/8286 9131,70

Dow Jones (US) +0,04

26952/21713 26100,70

Bovespa (BR) – 0,28

100439/69069 98234,25

Nikkei (JP) +0,03

24448/18949 21124,00

Hang Seng (HK) +0,61

30280/24541 27240,35

Stx Singap. 20 (SG) –0,64

1635/1350 1551,38

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Advanzia */**

advanzia.com - 1,00 1,00

NIBC Direct */**

nibcdirect.de 0,75 0,75 0,75

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,70 0,70 0,70

PSA Direktbank

psa-direktbank.de 0,25 0,70 0,70

Akbank

akbank.de 0,41 0,41 0,41

ING *

ing.de 1,00 1,00 1,00

Santander

santander.de 0,03 0,03 0,03

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Sparda Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,18 0,18 0,18

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch),Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen (Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung


Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 7

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Wirtschaft

Europa baut

einen neuen

Kampfjet

In Le Bourgetfällt der

Startschuss für das „FCAS“

Von Birgit Holzer

Wenn ein Thema Chefsache ist,

kommt der Chef auch persönlich.

So ließessich Präsident Emmanuel

Macron am Montag nicht nehmen,

auf der weltgrößten Luftfahrtmesse

in Le Bourget mit auf der Bühne

zu stehen, als das Modell eines

künftigen europäischen Kampfflugzeugs

enthüllt wurde. Der spektakulären

Inszenierung entsprechend

sagte die deutsche Verteidigungsministerin

Ursula vonder Leyen (CDU),

dies sei ein „großer Tagfür die europäische

Verteidigungsunion“.

Gemeinsam mit ihren Amtskolleginnen

aus Frankreich und Spanien,

Florence Parly und Margarita Robles,

unterzeichnete sie ein Rahmenabkommen,

um das milliardenschwere

Rüstungsvorhaben eines Luftkampfsystems

der Zukunft gemeinsam zu

organisieren. Dieses „FutureCombat

Air System“ (FCAS) soll ab 2040 die

französischen Rafale-Kampfjets und

die Eurofighter ablösen. Federführend

sind die beiden konkurrierenden

Flugzeughersteller Airbus und

Dassault Aviation.

Es handelt sich nicht nur um ein

industrielles Großprojekt, sondern

vor allem auch um ein politisches.

Lanciert hatten es Bundeskanzlerin

Angela Merkel und Macron im Juli

2017; seither ging Macron noch weiter

mit der Forderung nach einer

europäischen Armee. Ziele waren,

Europas Autonomie in Sicherheitsund

Verteidigungsfragen zu verstärken

und in diesem Bereich weniger

von den USA abzuhängen. Geplant

sei „ein europäisches Flugzeug für

die Europäer, unabhängig von amerikanischen

Technologien”, sagte

Éric Trappier, Vorsitzender von Dassault

Aviation im Vorfeld.

Auch um weitere europäische

Partner war geworben worden, auch

um diese von einem Kauf der USamerikanischen

F-35-Kampfjets abzubringen.

Nunist auch Spanien offiziell

mit im Boot. Während Frankreich

beim Bau des FCAS die Führungsrolle

übernommen hat, soll

Deutschland dies bei der Herstellung

eines Kampfpanzers tun.

Beidem Luftkampfsystem wirdes

sich um ein Kommunikationsnetz

für die Verbindung des Flugzeugs,

der begleitenden Drohnen, Satelliten

und Bodenstationen handeln. Die

Kosten für die Entwicklung schätzen

Experten auf acht Milliarden Euro,

die für Beschaffung und Betrieb auf

100 Milliarden. Als nächste Etappe

wirdbis Ende 2020 eine Konzeptstudie

erstellt.

Die deutsch-französische Einigung

wurde vor dem Hintergrund

des diplomatischen Streits erzielt,

der in den vergangenen Monaten

über den Verkauf von gemeinsam

entwickelten Rüstungsgütern entbrannt

ist. Die deutsche Entscheidung,

seit dem Mord an dem Journalisten

Jamal Khashoggi Waffenlieferungen

nach Saudi-Arabien zu blockieren,

führte in Frankreich zu Unverständnis.

Deutlich kritisierte die

französische Botschafterin in Berlin,

Deutschland sei ein „unberechenbarer“

Partner.

Emmanuel Macronund Ursula von der

LeyeninLeBourget FOTO: BAUCHER/IMAGO-IMAGES

„Es geht um ein Grundbedürfnis“

Billigairlines wird vorgeworfen,

durch preiswerte Tickets

Klima und Umwelt zu

schädigen. Kenny Jacobs

wehrt sich dagegen. Er macht die

Flugsicherungsbehörden in Europa

und die EU-Kommission nicht nur

für Chaos an Flughäfen, sondern

auch für unnötigen Spritverbrauch

von Flugzeugen verantwortlich. Bei

der Dekarbonisierung der Luftfahrt

setzt der Marketingchef von Ryanair

auf biologische und synthetische

Kraftstoffe sowie spritsparende Flugrouten.

Herr Jacobs, hierzulande wird seit

neuestem viel über Flugscham diskutiert.

Können Sie mit dem Begriff etwas

anfangen?

Es ist erstaunlich, wie schnell die

Deutschen neue Begriffe für bestimmte

Phänomene finden.

Aber der Begriff kommt ursprünglich

aus Schweden.

Ich weiß, und das ist auch ein

Ausdruck dafür,dass Schweden bei

dieser Entwicklung vorne sein will.

Ichhabe da eine sehr pragmatische

Sicht: Es gibt auch eine Freude am

Reisen. Es geht um ein Grundbedürfnis.

Die Menschen werden

nicht aufhören zu reisen, und das ist

gutso.SchauenSiesichdaseuropäische

Projekt an, zu dem auch die Liberalisierung

des Flugverkehrs gehört.

Es ist heute selbstverständlich,

dass Deutsche nach Sizilien fliegen

oder polnische Urlauber nach Portugal.

Die Debatte über Flugverkehr und

Klimabelastung geht für Sieindie falsche

Richtung?

Ich sehe, dass grüne Parteien die

gesamte Schuld am Klimawandel der

Luftfahrt zuschreiben wollen. Dabei

ist sie nur für zwei Prozent der

CO 2 -Belastung verantwortlich.

Gleichwohl braucht Europa einen

langfristigen Plan, wie wir künftig mit

der Luftfahrtumgehen.

DasZiel soll im Jahr 2050 eine dekarbonisierteLuftfahrtsein.Istdasrealistisch?

DieLuftfahrt ist der Sektor,wodie

Klimaneutralität am schwersten zu

erreichen ist. Manbraucht einen langen

Atem. Es wirdmit Biokerosin und

mit synthetischem Kerosin gelingen,

das mit regenerativem Stromerzeugt

wird. Biokerosin wird inden nächsten

sechs bis zehn Jahren in namhaften

Mengen kommen.

Erwarten Sie, dass schon vorher eine

CO 2 -Bepreisung oder eine Kerosinsteuer

für die Luftfahrt eingeführt

wird?

Es wirddemnächst eine neue EU-

Kommission mit neuen Schwerpunkten

geben –dazu dürfte der Klimaschutz

gehören. Zumal die niederländische

Regierung gerade eine

Kerosinsteuer beschlossen hat. Allerdings

müssen Passagiere für Umsteigeflüge

diese Steuer nicht zahlen.

Das bedeutet, bei einen KLM-Flug

aus der Karibik mit einer Zwischenlandung

in Amsterdam und einem

Weiterflug nach Frankfurt fällt diese

Steuer nicht an. Das hat nichts mit

Klimaschutz zu tun. Es geht darum,

die ehemals staatliche KLM zu stützen.

Solche Entwicklungen müssen

wir verhindern.

Aber wenn man etwas bewirken will,

dann muss das doch über Preissignale

funktionieren?

Es sind Pläne der EU-Kommission

bekannt geworden, die davon ausgehen,

mit einer Kerosinsteuer die Zahl

der Flüge in Europa um bis zu 12 Prozent

zu reduzieren und die Ticketpreise

um 10 bis 15 Prozent zu erhöhen.

Werglaubt, dass dies eine gute

Sache ist, der irrt.

Wasschlagen Siealternativ vor?

Airbus und Boeing müssen sparsamere

Flugzeuge entwickeln. Airlines

müssen mehr moderne, effiziente

Maschinen einsetzen –die Ryanair-Flotte

ist kontinuierlich ver-

Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobsüber Flugreisen und Flugscham

Ryanair wächstund wächst undwächst–obdas klimaverträglich ist?

jüngt worden. Das Durchschnittsalter

liegt mittlerweile unter sechs

Jahren. Und wir müssen die Auslastung

der Maschinen erhöhen. Dasist

der entscheidende Faktor, um das

Klima zu schonen. Wirhaben unsere

Auslastung gesteigert und inzwischen

rund 97 Prozent erreicht. Die

Klimabilanz der Ryanair-Kunden hat

sich kontinuierlich verbessert.

Wo liegen weiterePotenziale?

Ganz wichtig ist effizientes Fliegen.

Das bedeutet: ein langsamer

und kontinuierlicher Sinkflug in

Richtung Flughafen und einen langsamer

Steigflug nach dem Start. Auf

ZUR PERSON

FOTO:EIBNER/IMAGO

KennyJacobs ist seit Januar 2014 der Marketingchef vonRyanair.Erarbeitete zuvor in der gleichen

Position bei der PreisvergleichsplattformMoneysupermarket. Davorwar Jacobs als Marken-

und Marketing-Manager beim britischen EinzelhandelskonzernTesco tätig.Die Ryanair-

Gruppe gehörtmit mehr als 152 Millionen Fluggästen jährlich und 475 Flugzeugen zu den

größten Airlines in Europa.

dem Flugfeld bewegen wir unsere

Maschinen mit nur einem eingeschalteten

Triebwerk.

Ryanair wollte in diesem Frühjahr

sparsamer werden und die ersten 737-

Max-Maschinen vonBoeing, die sehr

effizient sind, einsetzen. Doch wegen

Softwareproblemen unterliegen sie

jetzt einem Flugverbot. Inwiefern beeinträchtigt

dies Ryanair?

Bislang beeinflusst dies uns nicht,

auch nicht unsere CO 2 -Bilanz. Wir

wollten fünf Maschinen in Dienst

stellen, was einem Prozent unserer

Flotte entspricht. Wir gehen davon

aus, dass die 737 Max amEnde des

Sommers wieder in den USA und

einen Monat später in Europa fliegen

darf. Der frühestmögliche Zeitpunkt

für den Einsatz der Max bei Ryanair

wirdder Oktober sein.

Welche Rolle spielt die Flugsicherung

beim umweltfreundlicheren Fliegen?

Wir hatten kürzlich einen Streik

der französischen Fluglotsen. Das

führte dazu, dass Flüge vonGroßbritannien

nach Süditalien und von

Deutschland nach Spanien mit einer

niedrigeren Flughöhe und einer längeren

Route durchgeführt werden

mussten. Das führte zu einem Spritverbrauch,

der bis zu einem Drittel

über dem üblichen Maßlag.

Flugsicherungsbehörden sind unterbesetzt.

Undesdrohenweitere Streiks.

Wiegroßwerden die Probleme für Ryanair

im Sommer werden?

Leider müssen wir inzwischen

ständig mit Streiks irgendwo in Europa

rechnen. Dahinter steckt das

Problem, dass die EU-Kommission

viel zu lange die Personallage in den

Flugsicherungsbehörden unterschätzt

hat. Dasmuss dringend besser

werden. Vorallem aber brauchen

wir ein einheitliches System für die

verschiedenen nationalen Behörden.DannkönntenzumBeispielLotsen

in Madrid Teile des französischen

Luftraums überwachen. Damit

könnten Personalengpässe und die

Folgen von Streiks abgemildert werden.

Lässt sich ein Chaos im Flugverkehr

wie im vorigen Sommer in diesem

Jahr vermeiden?

Wir werden eine Variante des

Chaos vom vorigen Sommer sehen.

In Karlsruhe und in Belgien etwa wird

die Situation bei der Flugsicherung

schlechter sein. In Frankreich siehtes

nicht gut aus.Inder Hochsaison werden

wir insbesondereanWochenenden

Verspätungen und Flugstreichungen

sehen. Dasist einzig und allein

ein Problem der Flugsicherung.

Diesen Sommer werden wir zwei bis

drei Prozent mehr Flüge sehen. Aber

die Kapazität im Luftraum ist dafür

ausreichend. Aber es fehlt massiv an

Lotsen.

Ryanair wirdtrotzdem weiter expandieren?

Ryanair wirdunvermindertwachsen.

Letztlich werden sechs große

Airline-Gruppen den europäischen

Markt unter sich weitgehend aufteilen.

Ryanair, Easyjet, Wizz, Lufthansa,

Air France-KLM und die IAG-

Gruppe mit British Airways.

MehrPassagierefürRyanairbedeuten

doch auch, dass die absolute Menge

der Emissionen steigt.

Die absolute Menge der CO 2 -

Emissionen wird mittelfristig steigen.

Aber wir reduzieren die Menge

pro Passagier. Langfristig, in etwa

zehn Jahren, wird auch die absolute

Menge mit der Einführung von Biokerosin

sinken. Bitte beachten Sie

auch, dass Ryanair Europas grünste

und sauberste Fluggesellschaft ist.

UnsereCO-Emissionen betragen pro

Personenkilometer 67 Gramm –fast

die Hälfte der Rate anderer großer

europäischer Fluggesellschaften. Im

Übrigen hat Ryanair kürzlich entschieden,

als erste EU-Fluggesellschaft

die monatlichen Emissionen

zu veröffentlichen. Diese lagen im

Maibei nur 66 Gramm.

Aber das Hauptargument von Umweltschützernist,dassRyanairanerster

Stelle, aber auch andereLow-Costermit

billigen Tickets Flugverkehr erzeugen,

den es sonst nicht gäbe. Was

ist dran an dieser These?

Das genaue Gegenteil ist richtig.

Billigflieger sind wegen der hohen

Auslastung und ihrer jungen Flotten

erfolgreich. Das bedeutet zugleich,

dass sie erheblich klimafreundlicher

als konventionelle Fluggesellschaften

operieren.

DasGespräch führte

Frank-Thomas Wenzel.

Lufthansa

erschreckt die

Aktionäre

Eurowingskommt noch

nicht ausden rotenZahlen

Von Michael Schilling und Steffen Weyer

Der heftige Preiskampf im europäischen

Luftverkehr trifft nun

auch die Lufthansa. DieAirline senkt

ihreGewinnprognose für dieses Jahr,

weil die Billigflieger „aggressiv“ expandierten

und die Tickets immer

billiger machten. Das trifft vor allem

die Lufthansa-Tochter Eurowings,

die direkt mit Ryanair, Easyjet und

anderen Billiganbietern konkurriert.

DieAnkündigung erwischte die Börsen

kalt: DerKursder Lufthansa-Aktie

rutschte am Montag um rund

10 Prozent.

Konzernchef Carsten Spohr hatte

bisher einen operativen Gewinn auf

dem Vorjahresniveau zwischen

2,4 und 3Milliarden Euro angekündigt.

Nun dürften es nur noch 2bis

2,4 Milliarden Euro werden. DieLufthansa-Führung

rechnet damit, dass

die Bedingungen auf dem europäischen

Markt mindestens bis Ende

des Jahres schwierig bleiben. DasGeschäft

auf der Langstrecke laufe weiter

planmäßig, in Europa habe sich

der Wettbewerb jedoch erheblich

verschärft.

Das trifft vor allem die Tochter

Eurowings, mit der Lufthansa selbst

in den Billigmarkt drängt und starkes

Wachstum plant. Doch die Konkurrenten

halten dagegen: Sie seien bereit,

erhebliche Verluste hinzunehmen,

um ihre Marktanteile auszubauen,beklagtdieLufthansa.Um

dabei

nicht den Anschluss zu verlieren,

wird auch Eurowings in diesem Jahr

noch einmal rote Zahlen hinnehmen

müssen. Eigentlich sollte 2019 die

Gewinnzone erreicht werden. Eurowings

werde nun weitere Maßnahmen

ergreifen, um die Wende zu

schaffen, heißt es in einer Lufthansa-

Mitteilung.

Auch im Frachtgeschäft läuft es

schlechter als gedacht: Die Frachtsparte

Lufthansa Cargo hat bereits

drei ältere Frachtflugzeuge aus dem

Flugplan genommen und rechnet in

diesemJahrnurnochmiteinemstagnierenden

Umsatz.

Abseits des laufenden Geschäfts

fürchtet der Konzern wegen einer

neuen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs

zudem höhereSteuerzahlungen

für frühereJahre. Deshalb will

das Management im Zwischenbericht

für das erste Halbjahr eine

Rückstellung von340 Millionen Euro

bilden –auch das drückt die Prognose

für das Gesamtjahr.

Mitdem Rückschlag vomMontag

hat sich der Lufthansa-Kurs innerhalb

von eineinhalb Jahren halbiert.

Ende2017warderWertrapidegestiegen,

weil Lufthansa als ein großer

Profiteur der Air-Berlin-Pleite galt.

Anleger erwarteten nach dem Wegfall

des Konkurrenten höhereTicketpreise,und

aufeinigen Strecken stiegen

sie tatsächlich vorübergehend.

Doch auch Ryanair und Easyjet sicherten

sich Strecken aus dem Air-

Berlin-Nachlass. Sotobt weiter der

Preiskampf, zusätzlich stieg zwischendurch

der Kerosinpreis, und

die trüberen Konjunkturaussichten

lassen eine geringereAuslastung der

Fluggesellschaften in den nächsten

Monaten erwarten. (dpa)

Lufthansa-ChefCarsten Spohr dämpft

die Erwartungen.

FOTO: TRAUT/IMAGO IMAGES


8* Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019

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Meinung

Verkehr

ZITAT

Willkommen

im Club!

Peter Neumann

erklärt, warum die jüngste Luft-

Meldung eine gute Nachricht ist.

Esklingt schon beängstigend, was am

Montag über die Ticker ging. Auch

Berlin ist nun einer „Intensivstadt“, hieß

es in der Auswertung einer Statistik des

Umweltbundesamtes. Das klingt nach

„Intensivstation“. Oder nach „Intensivtäter“.

Daszweifelhafte Prädikat wurde verliehen,

weil an einer Berliner Messstelle

im vergangenen Jahr im Mittel mehr als

50 Mikrogramm Stickstoffdioxid in einem

Kubikmeter Luft schwebten. Die Belastung

wurde in der Leipziger Straße gemessen,

deren Luft als notorisch giftig gilt.

So weit, so schlecht. Die bundesweite

Statistik zeigt, dass die Luft in vielen Städten

weiterhin viel schmutziger ist, als die

EU erlaubt –und viel gefährlicher,als Mediziner

und Umweltverbände für verträglich

halten. Was Berlin anbelangt, sollte

man aber die ganzeGeschichte kennen.

Im Grunde ist die Nachricht nicht gerade

brandneu, im Gegenteil. Seit Jahren

ist die Luft in der Leipziger Straße

schlecht. Doch aus Gründen, die mit der

Messmethode zu tun haben, ging die

Stickstoffdioxidbelastung bislang nicht in

die bundesweite Rangfolge ein. Jetzt hat

es der Senat geschafft, dass sie berücksichtigt

und Berlin als „Intensivstadt“ eingestuft

wird. Denn das ergibt für viele Dieselbesitzer

eine gute Nachricht: Beim Dieselgipfel

2018 willigten Daimler und

Volkswagen ein, dass sie in Intensivstädten

zur Nachrüstung älterer Diesel-Pkw

bis zu 3000 Euro beisteuern. Zwar ist vieles

noch zu klären, aber die Zusage steht.

Positiv ist auch zu vermerken, dass die

Luft in der Leipziger Straße dank Tempo

30 zumindest etwas besser geworden ist.

Doch wer jetzt hofft, dass die Durchfahrverbote

für Diesel bis Euro 5nun abgesagt

werden, hat sich getäuscht. Die Fahrverbote

kommen, und das ist auch gut so.

Mordfall Lübcke

Rechter

Terror

Markus Decker

findet, es ist höchste Zeit, dass der

Rechtsstaat durchgreift.

Auch wenn es noch immer keine Gewissheit

gibt, so scheint sich der erste

und auch nächstliegende Verdacht tatsächlich

zu bestätigen: Kassels Regierungspräsident

Walter Lübcke ist demnach

von einem Rechtsextremisten erschossen

worden, weil er sich für Flüchtlinge

eingesetzt hatte.Wir haben offenbar

erneut einen rechtsextremistisch motivierten

Mord in Deutschland. Wir haben

Terror.

Als nach dem 4. November 2011 der

Nationalsozialistische Untergrund (NSU)

aufflog, da fiel die Republik aus allen Wolken.

Erst nach und nach begriffen die politisch

Verantwortlichen, was da geschehen

war. Es gab zahlreiche Untersuchungsausschüsse

in Bund und Ländern.

Und doch schien das Entsetzen auf Migranten

und eher linksliberale Kreise beschränkt

zu bleiben –vermutlich, weil die

meisten NSU-Opfer Migranten waren.

Sollte nun ein CDU-Politiker von einem

Rechtsextremisten erschossen worden

sein, dürfte das Entsetzen wachsen.

Zwar nimmt die Militanz der rechten

Szene im Schatten der AfD seit Jahren zu.

Auch gab es einschlägige Angriffe auf Politiker,soauf

die Kölner Oberbürgermeisterin

Henriette Reker und den Bürgermeister

vonAltena, Andreas Hollstein. Doch in

beiden Fällen waren „nur“ Messer im Einsatz.

Unddie Opfer leben.

Eine Kugel auf einen wehrlosen Politiker

in seinem Haus– das erinnert neben

dem NSU an die Rote Armee Fraktion. Es

ist folgerichtig, dass der Generalbundesanwalt

übernimmt. Auch die übrigen Sicherheitsbehörden

reagieren hoffentlich

entsprechend. Der rechtsextremistische

Terror muss die volle Härte des Rechtsstaates

spüren. Es ist höchste Zeit.

Wir sind sehr gespannt.

Stellt man sich den Berliner Betrieb

mal als Kreuzfahrtschiff vor, dann

sitzt der Grüne Robert Habeck auf

dem Sonnendeck. Er sagt nicht viel

und hofft, dass es mit dem guten Wetter weitergeht.

Im Maschinenraum hocken derweil

einige Vertreter der großen Koalition und

schrauben angestrengt, damit das Schiff

fährt.

Das Regierungsbündnis ist vor nicht viel

mehr als einem Jahr von Angela Merkel,

Horst Seehofer und Andrea Nahles alsVorsitzenden

von CDU, CSU und SPD vereinbart

worden. Keiner der drei ist heute noch im

Amt der Parteichefin oder des Parteichefs.In

der SPD gibt es nach dem Sturz von Nahles

ein Machtvakuum. In der CDU lauern nicht

wenige auf die Gelegenheit, die neue Parteichefin

Annegret Kramp-Karrenbauer wieder

zu entmachten.

Jetzt hat der Koalitionsausschuss getagt.

Die gute Nachricht ist: Die Koalitionsparteien

sind –soinstabil CDU und SPD nach

innen auch sein mögen –noch immer zu einer

soliden Regierungsleistung fähig. Es gibt

einen umfangreichen, in vielen Fragen gut

ausgewogenen Koalitionsvertrag, der weiter

Stück für Stück abgearbeitet wird. Bald soll es

den Gesetzentwurfzur Abschaffung des Solidaritätszuschlags

für 90 Prozent der Zahler

geben. Eine echte Entlastung für die Mittelschicht

im Land.

Dort, wo die Koalitionspartner streiten,

nämlich bei der Grundrente,sind sie übereingekommen,

nach einer Lösung zu suchen.

Eine schnelle Einigung war nicht zu erwarten,

da die Parteien erheblich auseinanderliegen.

Nachdem das Projekt Grundrente in vergangenen

Legislaturperioden bereits zweimal gescheitertist,

ist der Druck immens,dieses Mal

zu einem Gesetz zu kommen. Dasmuss auch

Ich finde die Ignoranz, die Gefühlsrohheit

und die Verlogenheit, die unsere führenden

Politiker fast ausnahmslos Russland gegenüber

an den Taglegen, widerwärtig. Wie

Sie, liebe Leser wissen, äußere ich mich im

Allgemeinen mäßigend. Aber die 75-Jahr-

Feiern zum D-Day, also zur Landung der

Westalliierten in der Normandie am 6. Juni

1944, zwingen zu deutlichen Worten. Präsident

Wladimir Putin, und damit Russland,

war nicht eingeladen worden und die meisten

deutschen Medien taten so,als habe erst

an diesem Tagdie Befreiung Europas vom

deutschen Terror begonnen. Ja, deutsche

Terror-undVernichtungsherrschaft! So muss

man den Krieg bezeichnen, anstatt beschönigend

von „den Nationalsozialisten“ zu

schwadronieren, die irgendetwas „begangen“

hätten und mit denen angeblich niemand

mehr verwandt oder verschwägertist!

Bei den Feierlichkeiten zum D-Day gedachte

Angela Merkel der „unglaublichen

Opfer“, die die Landung der Westalliierten

im Sommer 1944 gefordert hatte. Soweit, so

richtig. Natürlich verdankt Europa seine

heutige Freiheit, sein Glück auch jedem einzelnen

westalliierten Soldaten, der in Nordafrika

kämpfte, auf Sizilien und in der Bucht

von Salerno landete oder die Infrastruktur

der deutschen Kriegsmaschinerie niederbombte.Darüber

hinaus erklärte die Kanzlerinjedoch,

der D-Day habe „letztendlich uns

in Deutschland die Befreiung vomNationalsozialismus

gebracht“. Wasmeinte sie denn

da? DieDeutschen mussten bekanntlich von

Große Koalition

Die Arbeit

geht weiter

Tobias Peter

findet, dass politische Kompromisse

besser sind als ihr Ruf.

KOLUMNE

Die Russen

und wir

Deutsche

Götz Aly

Historiker

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

so sein.Werein Leben lang gearbeitet hat, soll

nicht unter Altersarmut leiden. Punkt.

Der Kompromiss ist ein Wesensmerkmal

einer funktionierenden Demokratie.Ersieht

nicht immer ästhetisch aus, aber er ist notwendig.

Ein passendes Beispiel ist die Einigung

der Koalition bei der Grundsteuer.Das

am aktuellen Wert orientierte Modell vonFinanzminister

Olaf Scholz (SPD) soll kommen,

aber die Bundesländer können auch

abweichen.

Haben sich da im Maschinenraum einige

bis zuletzt darüber gestritten, welches das

richtigeWerkzeug ist? Ja.Doch untermStrich

gilt: Hauptsache,esgibt eine Einigung. Denn

die Kommunen können es sich nicht leisten,

auf das Geld aus der Grundsteuer zu verzichten

–die bisherige Berechnungsgrundlage

nach veralteten Werten ist jedoch verfassungswidrig.

Die Grundsteuer wird für Straßen,

Theater und Schwimmbäder gebraucht.

Die Koalition muss nun neue Wege

finden, wie sie die Mieter in Ballungsgebieten

vorzustarksteigenden Mieten schützen.

Es ist das nächste Thema für eine Kompromisssuche

mit Verrenkungspotenzial.

Aber fehlt bei so viel handwerklichem

Kleinklein nicht der perspektivische Blick

nach vorn?Fehlt es nicht an Lösungen bei den

großen Themen, wie etwa beim Kampf gegen

den Klimawandel? Ja,das stimmt. Undautomatisch

fällt der Blick der vonRobertHabeck

verzückten Republik wieder auf die Grünen.

Die aber sagen wenig. Denn die Grünen

wissen, dass Ankündigungen konkreter Politik

auch Sympathien kosten können –daauf

dieseWeise deutlich würde,was Änderungen

für den Einzelnen auch im Negativen bedeuten.

Abgesehen davon steht auch die Frage

im Raum: Würde nicht alles noch komplizierter,

falls die große Koalition scheitert?

Warum beispielsweise sollte in einem von

manchem Bürger ersehnten schwarz-grünen

oder gar grün-schwarzen Bündnis die

Kompromissfindung einfacher sein? Und: Ist

Jamaika noch für irgendwen ein Hoffnungswort

–außer vielleicht für die sich nach Rehabilitierung

sehnende FDP?

Im Maschinenraum der Berliner Republik

bleibt es voraussichtlich ungemütlich –ganz

egal, wer drin ist. Die Gesellschaft hat sich

ausdifferenziert, der Wähler sorgt für kompliziertereWahlergebnisse

als früher. Das ist

in Ordnung so.Nötig ist dann aber auch eine

neue öffentliche Akzeptanz von Reibereien

in Regierungsbündnissen. Undeine größere

Wertschätzung von Kompromissen. Sonst

können Regierungen nur scheitern.

sich selbst und gegen den Willen der allermeisten

zwangsbefreit werden! Unfassbar,

wenn „wir Deutschen“ beziehungsweise unsere

Väter und Mütter, Großväter oder Urgroßväter

von unserer ansonsten mit Recht

geachteten Kanzlerin in die Reihe Opfer „der

Nationalsozialisten“ einsortiert werden. In

dieser Optik werden die deutschen Normalos,

Mitläufer und 18 Millionen Wehrmachtsoldaten

zu Opfern –wie Polen, Russen, Juden

und Millionen andere. Soweit ging Alexander

Gauland bislang nicht.

Nun zuden militärischen Leistungen der

Rotarmisten: Die Schlachten um Moskau,

Leningrad und Stalingrad, die Schlachten

am Kursker Bogen und auf der Krim waren

für den Verlauf des Krieges und die deutsche

Niederlage wichtiger als das – militärisch

ebenfalls bedeutsame, aber recht späte –

Landeunternehmen der Westalliierten am

D-Day. Anders als viele unserer politischen

Wortführer bin ich stets dankbar berührt,

wenn ich in Paris auf dem Wegzumeinen

dortigen Enkeln in der Metrostation „Stalingrad“

umsteige.Die gibt es seit 1946!

Wie aber soll der gefallenen und überlebenden

Sowjetsoldaten und der Millionen

ziviler sowjetischer Kriegsopfer gedacht werden,

wenn in knapp elf Monaten –am8./9.

Mai 2020 –der 75. Jahrestag der deutschen

Kapitulation ansteht? Für die kommenden

beiden Feiern zur deutschen Einheit –auch

hier wäreein großer Dank an Russland fällig

– wurde ein Sonderetat von 60 Millionen

Euro beschlossen.

Wie viel Geld wurde beantragt, um das

Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland

würdig und demütig zu begehen?

Nichts! Allerdings sucht das Innenministerium

derzeit nach einem Raum für eine Rede

des Bundespräsidenten, und Berlins Europasenator

Klaus Lederer erwägt ein lockeres

Volksfestchen. Behalten wir das absichtsvolle

und würdelose Nichtstun unserer Politiker

im Auge!

„Wut ist keine Kategorie

für mich. Dann müsste

ich ja irgendjemanden

dafür verantwortlich

machen.“

Jimmy Schulz, FDP-Bundestagsabgeordneter,

hat dem Spiegel ein sehr offenes Interview gegeben,

in dem er über seine Krebserkrankung,

das Sterben und über Freunde in der Politik spricht.

Die gebe es nämlich doch, sagt Schulz.

AUSLESE

Der tolerante Blick

nach rechts

Wie weit nach rechts darf politische

Toleranz gehen? Ein Interview des

früheren Bundespräsidenten Joachim

Gauck hat darüber eine Debatte in Gang

gesetzt. Die Nürnberger Nachrichten

schreiben dazu: „Wir sind über viele Jahrzehnte

in Deutschland sehr gut damit gefahren,

dass es rechts neben der Union

nur noch Radikale und Extremisten gab.

Undauch die nur als Splittergruppen. Der

Konsens in Politik und Bevölkerung war

groß. Heute droht diese grundlegende

Übereinstimmung verloren zu gehen.“

„Joachim Gauck hat es sicherlich gut

gemeint“, meint die Passauer Neue Presse.

„Doch seine Forderung nach einer‚erweiterten

Toleranz in Richtung rechts‘ käme

keineswegs jenen stramm Konservativen

zugute,die noch Teil eines breiten demokratischen

Spektrums sind. Profitieren

würden im Gegenteil jene völkischen

Brunnenvergifter, die das Tor der AfD

ganz weit offen halten für eine neonazinahe

Wählerschaft.“

Der Tagesspiegel konstatiert, dass

GaucksichselbstinseinerArgumentation

verheddert: „Er findet es problematisch,

dass die Bundestagsabgeordneten bisher

jeden AfD-Kandidaten für den Posten eines

Parlamentsvizepräsidenten abgelehnt

haben. Aber er selbst will nicht mit dem ...

AfD-Chef Alexander Gauland auf einem

Podium sitzen –weil der sich von‚extrem

Rechten unterstützen lässt‘ und aus seiner

Sicht reaktionär ist.Wo bleibt da die Konsequenz?“

Christine Dankbar

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Debatte: Wiesollen die

Parteien mit Wählern

der AfD umgehen?

Seite 15

Der Ausbau der Straßenbahn kommt nur langsam voran Seite 10

Nach dem Feuer im Club der Visionaere rückt jetzt die Kontrolle an Seite 12

Stadtbild

Geschenk

mit Haken

Jens Blankennagel

erinnertsich an eine

überraschende Begegnung.

Eswar ein Geschenk –und über

Geschenke sollte man nicht meckern,

auch wenn es ein Geschenk

mit höheren Folgekosten war. Allerdings

war es auch ein Geschenk, das

für eine echte Überraschung sorgte.

Aber der Reihe nach.

Bei einer Party bekamen wir von

Freunden einen Gutschein für eine

Floßfahrt für 105 Euro. Naiv wie ich

war, dachte ich: Das ist mit Übernachtung

auf dem Wasser, denn für

unsere schöne Ferienwohnung mit

zwei Schlafzimmern ander Ostsee

zahlen wir 70 Euro pro Nacht. Doch

nix da mit Übernachtung. Es war nur

eine Floß-Tagesfahrtbis 19 Uhr.

Nungut. Im ersten Sommer nach

der Party schafften wir es nicht, den

Gutschein einzulösen, im zweiten

auch nicht. Doch 2019 sollte es geschehen.

Wirriefen an und erfuhren:

In Berlin sind bis Herbst alle Flöße

ausgebucht, aber in Potsdam …

Also Potsdam. Das klang gut.

Nicht so gut war, dass der Mann am

Telefon uns über die weiteren Kosten

aufklärte. Bei Flößen ist es wie bei

Fluglinien: Es kommt immer noch

etwas dazu. Als Erstes mussten wir

zehn Euro Charter nachzahlen, denn

der Gutschein war ja zwei Jahre alt,

und die Preise waren gestiegen.

Dazu kamen: eine „Risikoumlage

Haftpflicht“ für 6,36 Euro, eine „Gebühr

Müllentsorgung“ für 5 Euro,

eine „Gewässerkarte Potsdam“ für

2,75 Euro. Damit nicht genug: Auch

für die „Floßvorbereitung und -bereitstellung“

war eine Extragebühr

von 10,50 Euro fällig. Es gab auch

noch eine „Umlage Onlinesupport“

von 3Euro und natürlich eine Benzinpauschale.

Die war ziemlich heftig

mit 27 Euro. Dafielen die 8Euro

Parkgebühr fast nicht mehr ins Gewicht.

Mit Steuer mussten wir noch

einmal 72,80 Euro zum Gutschein

dazuzahlen. Schönes Geschenk.

Bei der Gesamtsumme von

knapp 178 Euro dachte ich: Dafür

kann ich an der Ostsee gleich zweimal

übernachten und auch noch

einmal ins Restaurant gehen.

Es lag also vor dem Start eine

recht schwere Hypothek auf der Tuckeltour

übers Wasser. Der Tagbegann

dann auch noch mit dicken

Wolken, doch bald kam die Sonne

heraus.Das Floß war überdacht, und

wir konnten uns vor Sonnenbrand

und Regen schützen. Als wir fragten,

ob man irgendwo zum Essen anlegen

kann, sagte der Floßverleiher:

„Keine Ahnung.“

Wir fuhren also eine Stunde, bis

wir ein Wirtshaus fanden –mit abgesperrtem

Steg. Dort hing aber eine

Telefonnummer,die wir anriefen. Es

hieß: „Sie dürfen anlegen.“

Das Wirtshaus war schön, aber

auf das Essen warteten wir dann eine

Stunde lang. Es war sehr teuer, aber

auch sehr gut. Da das Floß keine Toilette

hatte, gingen wir noch mal im

Restaurant aufs Klo – und damit

wurde der Tagzum Fest. Denn wir

trafen Freunde, die wir seit mehr als

einem Jahr nicht gesehen hatten.

Wahnsinn: Vier von fast vier Millionen

Berlinern treffen sich zufällig in

einer Kneipe,inder sie nie zuvor waren.

Es gab ein großes Hallo.

Nun wurde es auf unserem Floß

richtig voll –und der Tagauf dem

Wasser endgültig unvergesslich.

Buntes Sammelsurium mit einem Finanzamt wie eine Lego-Burg (links): das Dragoner-Areal in Kreuzberg

Rumpelige Perle in der Innenstadt

Kooperationsvereinbarung für Dragoner-Areal unterschrieben. Ab 2021 sollen 500 Wohnungen entstehen

VonElmar Schütze

Für die einen ist das Dragoner-Areal

zwischen Obentrautstraße

und Mehringdamm

in Kreuzbergeine allenfalls

provisorisch bebaute, alles in

allem ziemlich rumpelige Gewerbefläche.

Für die anderen ist das

4,7 Hektar große Areal eine der letzten

großen entwicklungsfähigen Perlen

in einem Innenstadtbezirk. Hinter

dem burgartigen Finanzamt mit seinen

charakteristischen Zinnen hat

sich ein Sammelsurium an Läden,

Betrieben und Werkstätten (siehe

Kasten) angesiedelt, über dessen Zukunft

seit Jahren gestritten wird.

Am Montag wurde nun eine Kooperationsvereinbarung

unter anderem

zwischen Senat, Bezirk, städtischerWohnungsbaugesellschaft

und

dessen, was unter dem Begriff „Zivilgesellschaft“

firmiert, abgeschlossen.

Dies ist der vorläufige Abschluss

des langjährigen Ringens des Landes

Berlin, dem Ausverkauf seiner selbst

Einhalt zu gebieten. Und esist ein

Ausdruck einer radikalen Zeitenwende

in der öffentlichen Liegenschaftspolitik.

WBM will 500 Wohnungen bauen

Das teils denkmalgeschützten Areal

voller ehemaliger Stallungen und

Remisen –darunter zwei Reithallen –

soll nun gemeinwohlorientiert,

nachhaltig und ökologisch entwickelt,

also auch bebaut werden. In

der nordwestlichen Ecke soll zum

Beispiel die städteeigene Wohnungsbaugesellschaft

Berlin-Mitte

(WBM) 500 Wohnungen für den eigenen

Bestand bauen.

Prinzipiell sollen für dieWohnungen

Mieten zwischen 6,50 Euro und

10 Euro nettokalt pro Quadratmeter

aufgerufen werden. Am Montag betonte

WBM-Geschäftsführerin

Christina Geib, man wolle „mehr

preisgünstige Wohnungen errichten,

als ursprünglich vorgesehen“.

Doch die WBM will auf dem Dragoner-Areal

nicht nur als Wohnungsvermieterin

auftreten. Man

habe vielerorts in Berlin auch Gewerbeimmobilien

im Portfolio,sagte

Geib.Jetzt gehe es um die Integration

Großbeerenstr.

Der Ursprung:

Ursprünglich hieß das Gelände

einmal Upstall, was

eine eine gemeinschaftlich

genutzte Weidefläche bezeichnet.

Diese befand sich

bis ins 19. Jahrhundertinnerhalb

des Karrees Yorck-,

Großbeeren- und Obentrautstraße

und Mehringdamm.

Yorckstr.

Tempelhofer Ufer

Dragoner-Areal

Mehringdamm

von Wohnen und Gewerbe. Immerhin

sollen alle Gewerbetreibenden

auf dem Gelände bleiben dürfen –

wenn sicher auch nicht alle an ihrem

bisherigen Platz.

Tatsächlich sind die Pläne ambitioniert.

Es handele sich um „eine

berlinweite Dimension“, hielt Friedrichshain-Kreuzbergs

Stadtrat für

Stadtentwicklung, Florian Schmidt

(SPD), am Montag fest. Auch Bausenatorin

Katrin Lompscher (Linke)

sprach von „einem besonderen Ort

für Berlin“. Entsprechend wurde ein

komplexes Verfahren erfunden, das

viele Beteiligte einbindet und manche

Entscheidung im Nachhinein

kippen kann. So sollte das Areal ursprünglich

allein an die WBM gehen,

nun ist auch die landeseigene Immobiliengesellschaft

BIM im Boot.

Obentrautstr.

Obentrautstr.

BERLINER ZEITUNG/ISABELLA GALANTY

DRAGONER

Mehringdamm

Hallesches

Tor

Die Kaserne:

1855 wurde die Kaserne für

das 1. Garde-Dragoner-Regiment

gebaut. Der Kasernenkomplex

umfasste ein Mannschaftsgebäude

und mehrere

Stall- und Funktionsgebäude.

Im Haupthaus

residiertseit 1923 das

Finanzamt Kreuzberg.

Möckernbrücke

Amerika-

Gedenkbibliothek

Das Areal:

4,7 Hektar ist die Fläche des

Dragoner-Areals im Norden

des Geländes groß.Dorthabensichüberdie

Zeit unter

anderem eine Möbelpolsterei,

ein Marmorwerk, Kfz-

Werkstätten, eine Taxischule,

ein Bio-Supermarkt und der

Club Gretchen angesiedelt.

Noch im kommenden Monat soll

ein städtebauliches Verfahren beginnen,

das im Januar nächsten Jahres

abgeschlossen sein soll. Danach soll

das Bebauungsplanverfahren starten.

Im September 2021 soll es Planreife

erlang haben. „Es wäre schön,

wenn dann die Bauarbeiten beginnen

könnten", sagte Lompscher.

Dass es überhaupt jemals soweit

kommen würde, war in den vergangenen

Jahres keineswegs sicher. Ein

Rückblick:

Noch vor drei Jahren sah es aus,

als würde das Dragoner-Areal verkauft

–anden Meistbietenden. So

lautete in Zeiten knapper öffentlicher

Kassen der Auftrag an die BImA,

die bundeseigene Immobilienverwaltung.

Alles zugunsten des Bundesfinanzministeriums

und damit

IMAGO IMAGES/JOKO

aller Steuerzahler.Die Behörde hatte

sich damit den Rufals Lieblingsfeindin

aller Stadtentwicklungspolitiker

erworben, die sich gegen den blinden

Ausverkauf öffentlichen Eigentums

wehrten. Mittlerweile, inZeiten

rasanten Mietanstiegs und

wachsender Wohnungsnot, soll sich

selbst die BImA um die Schaffung

bezahlbaren Wohnraums kümmern.

Noch 2016 hatte das ganz anders

geklungen. Die Dragonerhöfe

GmbH mit Sitz in Wien hatte ursprünglich

34,06 Millionen Euro für

die gut 47 000 Quadratmeter geboten.

Zwei landeseigene Wohnungsunternehmen

hatten auch Angebote

abgegeben, konnten aber nicht mithalten.

Der Bund holte in Nachverhandlungen

sogar noch einmal zwei

Millionen Euro mehr heraus.

Endgültig im Besitz Berlins

Was auf den ersten Blick wie eine

Wohltat für den Klingelbeutel des

Bundesfinanzministers anmutete,

stieß in Berlin auf harsche Kritik.

„Einmal mehr tritt hier der Bund als

Spekulant auf, dem es einzig und allein

um Millioneneinnahmen geht“,

sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete

Lisa Paus.

Tatsächlich hatte es bereits ein

Jahr zuvor eine parteiübergreifende

Intervention Berlins im Bundesrat

gegen den Verkauf gegeben: ein Novum.

Selbst der CDU-Abgeordnete

Jan-Marco Luczak forderte damals,

es sollte häufiger „Ausnahmen“ vom

Verkauf zum Höchstpreis geben,

wenn Investoren bezahlbaren

Wohnraum anbieten. Erst vergangenen

Freitag beschloss der Bundesrat

formell, dass das Dragoner-Areal im

Tausch mit anderen Flächen in den

Besitz desLandes Berlin gehe.

In der Stadt hat sich der rot-rotgrüne

Senat längst darauf verständigt,

keine öffentlichen Flächen zu

verkaufen, allenfalls sollen sie per

Erbpacht abgegeben werden –mit

einer Laufzeit von bis zu 99 Jahren.

Aufdem Dragoner-Areal will sich das

Land jetzt selber daran halten. Rund

90 Prozent der Fläche soll in öffentlicher

Hand bleiben, zehn Prozent

könnte an private Nutzer gehen, freilich

nur per Erbbaupacht.

Heinrich

Lummer

ist tot

Ex-Innensenator wurde 86

Berlins ehemaliger Innensenator

Heinrich Lummer ist tot. Dasbestätigten

Berlins CDU-Chef KaiWegner

und der Verein „Die Deutschen

Konservativen“, dessen Ehrenpräsident

Lummer war.

Nach einem

Bericht der Berliner

Morgenpost

starb Lummer

bereits am Sonnabend

in einem

Pflegeheim im

Bezirk Zehlendorf

imAlter von

86 Jahren. Lummer

war Innensenator

von 1981

bis 1986. Vor 16

NACHRICHTEN

DPA

Heinrich Lummer,

1932–2019

Jahren erlitt er einen Schlaganfall.

Lummer gehörte zu den prägenden

politischen GestaltenWest-Berlins.Bereits

in den 60er-Jahren saß er

für die CDU im Abgeordnetenhaus.

Er war unter anderem Fraktionsvorsitzender,

Präsident des Abgeordnetenhauses

und schließlich Innensenator.1986

trat er mit anderen Senatoren

wegen eines Bauskandals zurück.

Anschließend saß er bis 1998

im Bundestag. Politisch gehörte

Lummer zum konservativen Flügel

derUnion, trat unter anderem für einen

härteren Kurs gegen die Hausbesetzerszene

ein. (tom./dpa)

Kinder verletzt durch

Chemikalien gegen Raupen?

Aufeinem Wasserspielplatz im Berliner

Plänterwald sollen 31 Kinder sowie

einige Erwachsene durch Chemikalien

leicht verletzt worden sein.

DieChemikalien sollen am vergangenen

Donnerstag gegen den Eichenprozessionsspinner

auf Bäume

des Geländes versprüht worden sein,

twitterte die Polizei am Montag. Ermittelt

werdewegen fahrlässiger

Körperverletzung gegen eine Firma

zur Schädlingsbekämpfung. (dpa)

Erinnerung an

an DDR-Volksaufstand

MitKränzen und einer Gedenkminute

am Mahnmal für die Opfer des

Volksaufstandes vom17. Juni 1953

ist in Berlin an die Ereignisse vor66

Jahren erinnertworden. Zu der Gedenkstunde

der Bundesregierung

auf dem Friedhof an der Seestraße

kamen am Montag Bundesinnenminister

Horst Seehofer (CSU) und Berlins

Regierender Bürgermeister MichaelMüller

(SPD). (dpa)

Cinestar im Sony-Center

droht das Aus

DasCineStar-Multiplex-Kino im

Sony-Center soll zum Jahreswechsel

geschlossen werden. Dieknapp 120

Mitarbeiter sollen ihren Jobverlieren.

Dasbestätigte Verdi-Sekretär

JörgReichel der Berliner Zeitung.

DerBetrieb sei defizitär.Reichel vermutet

jedoch andereGründe.Entweder

will der Eigentümer den Komplex

umbauen, oder der Mieter

möchte ihn bei Verhandlungen zur

Miethöhe unter Drucksetzen. Cine-

Star gab auf Medienanfragen zunächst

keine Stellungnahme ab. (gl.)


10 * Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019

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Berlin

Im Schneckentempo zur Verkehrswende

Der Ausbau der Straßenbahn ist ein Herzensthema rot-rot-grüner Politiker.Doch die aktuellen Projekte gehen nur langsam voran –ein aktueller Überblick

VonPeter Neumann

Sie ist bei ihren Fahrgästen

beliebt –mit ihr geht es oft

zügiger voran als im Bus,

und in den Fahrzeugen gibt

es mehr Platz. Bau und Betrieb sind

preiswert – vor allem im Vergleich

zur U-Bahn. Kein Wunder, dass die

Straßenbahn zu den Herzensthemen

der rot-rot-grünen Koalitionäre

gehört. So gibt es Planungen, die für

die Zukunft mehrere Dutzend Kilometer

Neubautrasse vorsehen. Doch

es ist mehr als fraglich, ob sich das

ambitionierte Programm auch nur

halbwegs im gesetzten Zeitrahmen

realisieren lässt. Denn die bereits bestehenden

Ausbauprojekte,die noch

unter dem rot-schwarzenSenat aufs

Gleis gesetzt worden sind, kommen

nur im Schneckentempo voran.

„Es ist frustrierend“, sagt Sven

Heinemann. Seitdem der Friedrichshainer

Sozialdemokrat als Abgeordneter

aktiv ist, befasst er sich immer

wieder mit dem wichtigsten Umsteigebahnhof

Berlins und dessen Anbindung.

Doch während das Ostkreuz

inzwischen so gut wie fertig ist,

bekommen Heinemann und seine

Mitstreiter von der geplanten Straßenbahn

keine guten Nachrichten.

Seit mehr als 15 Jahren wird darüber

nachgedacht, das Ostkreuz an

das Straßenbahnnetz anzuschließen.

Einst hieß es,dass 2014 die ersten

Bahnen rollen, zuletzt war lange

Zeit von Ende 2020 die Rede. Aber

auch das ist nun offiziell Makulatur.

Parkplätzesollen wegfallen

„Ziel ist es, die Strecke noch 2021 in

Betrieb zu nehmen“, sagte Jan

Thomsen, Sprecher der Verkehrssenatorin

Regine Günther (parteilos,

für Grüne). „Ende 2021 als Eröffnungstermin

ist sehr knapp“, hieß es

dagegen bei den Berliner Verkehrsbetrieben

(BVG). „Selbst 2022 wäre

schon sehr optimistisch“, teilte derenSprecherin

PetraNelken mit.

Dabei ist Planern und Politikern

klar: Das Ostkreuz muss besser erschlossen

werden. Mit mittlerweile

mehr als 200 000 Nutzern pro Tag

wird der Bahnknoten, an dem auch

Regionalzüge halten, immer wichtiger.

Allerdings handelt es sich bei

dem Vorhaben, Fahrgästen den

mehr als 300 Meter langen Umsteigeweg

zu ersparen und die Straßenbahngleise

näher ans Ostkreuz heranzuführen,

nur auf den ersten Blick

Weniger Parkplätze, bessere Verbindungen: So soll die geplante Streckezum Ostkreuz in der Sonntagstraße verlaufen.

Straßenbahnstadt: 1865

rollte erstmals eine Bahn

über eine Berliner Straße –

vonPferden gezogen. 1929

war das inzwischen elektrisch

betriebene Netz 643

Kilometer lang.Heute umfasst

es 194 Kilometer.

um ein übersichtliches Projekt. Zwar

geht es nur um 1240 Meter Doppelgleis

und drei Haltestellen. Doch die

Schienen sollen durch ein dicht bebautes

Wohn- und Kneipenviertel

verlaufen, und ihr Bau wird die

Sonntagstraße verändern.

So soll die Zahl der ParkplätzePlanungen

zufolge von 160 auf 55 sinken.

Acht Bäume sollen gefällt, Gehwege

schmaler werden.Tagsüber soll

192 Mal eine Bahn der Linie 21 oder

der künftigen Linie 22 durch die

Sonntagstraße fahren, nachts bis zu

30 Mal. Unterlagen zeigen auch, dass

es für 55 Häuser Anspruch auf Lärmschutz

gibt. Die Asphaltierung der

Sonntagstraße soll die Belastung verringern.

Doch Anlieger und Vermieter

bleiben skeptisch. So stieg die

Zahl der Einwendungen, die bei der

Planfeststellungsbehörde im Senat

eingingen, von800 auf über 1300.

Die Regularien zur Bürgerbeteiligung

sehen vor, dass sich die Behörde

mit jeder Einwendung befassen

muss. Das dauert. Und sozieht

sich das Planfeststellungsverfahren

in die Länge.Der Erörterungstermin,

bei dem Skeptiker Bedenken äußern

können, soll möglichst noch in diesem

Jahr stattfinden, so Thomsen.

Heinemann ergänzte: „2020 sollen

DIE FAHRGASTZAHL STEIGT

Immer beliebter: Im vergangenen

Jahr wurden die Straßenbahnen

der BVGfür

204 Millionen Fahrten genutzt.

Zum Vergleich: 2008

zählte das Landesunternehmen

157 Millionen Fahrten

mit der Straßenbahn.

Direkt zum Ostkreuz: Heute

fahren Straßenbahnen und

Busse einen Bogen um den

wichtigen Bahnhof im Osten

der Stadt. Um die Erschließung

zu verbessern, plant

die BVGeine Neubaustrecke

für rund 30 Millionen Euro.

nach Möglichkeit die Wasserbetriebe

die Leitungen erneuern, danach

soll die Bahn gebaut werden.“

Doch es kommen immer neue

Unsicherheitsfaktoren dazu. So habe

der BezirkFriedrichshain-Kreuzberg

offenbar den Plan, in der Sonntagund

der Neuen Bahnhofstraße eine

SIMULATION: RENDERWERJKE

Begegnungszone einzurichten –einen

verkehrsberuhigten Bereich wie

in der Bergmannstraße in Kreuzberg.

Dortgab es viel Kritik.„Das verursacht

zusätzliche Abstimmungen“,

so der SPD-Abgeordnete. Klar

für ihn ist, dass Anwohner vor Gericht

ziehen werden. „Bislang wurde

nicht thematisiert, was das bedeutet“

–weitereVerzögerungen.

Besser gehen zwei andereVorhaben

voran. Aber auch in diesen Fällen

lässt sich der langjährige Plan,

2020 Eröffnung zu feiern, nicht mehr

umsetzen. Das Projekt, die Linie M

10 zum Hauptbahnhof zum U-

Bahnhof Turmstraße zu verlängern,

befindet sich im Planfeststellungsverfahren.

„Die Einwände sind bearbeitet.

Derzeit wirdder Erörterungstermin

vorbereitet, der noch dieses

Jahr stattfinden soll“, sagte Thomsen.

„Möglicherweise wird eine

zweite beschränkte Auslegung nötig,

weil aufgrund zu erwartender steigender

Fahrgastzahlen die Taktfrequenz

auf dieser Strecke erhöht werden

soll. DerBaubeginn ist dennoch

für 2020 vorgesehen. Die Inbetriebnahme

ist bis Herbst 2021 geplant.“

Auch der Lückenschluss zwischen

Schöneweide und derWissenschaftsstadt

Adlershof, der für die Linien

M17, 61 und 63 erfolgt, steckt

im Genehmigungsverfahren. DerErörterungstermin

fand Anfang Juni

statt. Thomsen: „Der Baubeginn ist

für 2020 vorgesehen, die Inbetriebnahme

bis Herbst 2021 geplant.“

Ampeln bremsen die Fahrt

Aber auch hier gibt es Kritik: zum einen

daran, dass selbst eine „völlig

unstrittige Straßenbahnstrecke“ so

lange braucht, wie Stefan Förster

(FDP) aus Treptow-Köpenick feststellte.

So könne der Nahverkehr

nicht attraktiver werden: „Während

der Bedarfringsherum starkwächst,

vergehen Jahre, ehe die gesamte

Strecke befahren werden kann. Die

Genehmigungsverfahren müssen

radikal beschleunigt, Verfahrensschritte

zusammengefasst werden.“

Planungsdetails stoßen ebenfalls

auf Bedenken. So weist der Bund für

Umwelt und Naturschutz Deutschland

(BUND) darauf hin, dass drei der

geplanten Haltestellen sehr ungünstig

liegen –direkt vorAmpeln. In solchen

Fällen sind Ampelsteuerungen,

die der Bahn stets freie Fahrtbescheren,

nicht möglich. Denn je nach

Fahrgastaufkommen fällt der Haltestellenaufenthalt

unterschiedlich

lange aus. Folge: Die Straßenbahn

wird ausgebremst. „Stattdessen soll

der parallele Kfz-Verkehr beschleunigt

werden, indem Linksabbieger

anstatt auf der Fahrbahn auf den

Gleisen warten und die Straßenbahn

so lange angehalten wird.“ Fazit: Eigentlich

könnte eine„Vorzeigestrecke

der Verkehrswende“ mit Tempo 60

entstehen –daraus wirdnichts.

„Als die Verkehrsverwaltung noch

unter CDU-Einfluss stand, wurden

mehr Straßenbahnstrecken gebaut

als unter Rot-Rot-Grün“, sagte Jens

Wieseke vomFahrgastverband IGEB.

Sven Heinemann forderte, dass die

Koalition über den Tramausbau

spricht. „Wenn die Verfahren nicht

beschleunigt werden können, wird

dieVerkehrswende im Nahverkehr in

den gewünschten Zeiträumen nicht

gelingen“, sagt er.„Einen Willen aller

Akteure wie vor 30Jahren nach dem

Mauerfall kann ich nicht erkennen.“

Ein weites Tempelhofer Feld

Bauen oder nicht? Die riesige innerstädtische Freifläche fasziniert, macht die Luft frisch und führt immer wieder zu neuem Streit

VonTaylan Gökalp

Mittelalterliche

Tempelritter,

Militärs von preußischen Königs-Paraden

und amerikanische

Rosinenbomber waren nur einige

der Nutzer des Tempelhofer Feldes,

bevor Kite-Surfer, Künstler und

Hobbygärtner den 2008 stillgelegten

Flughafen für sich entdeckten.

Wie sieht das Tempelhofer Feld von

morgen aus? Angesichts knappen

bezahlbaren Wohnraums ist immer

öfter von einer Randbebauung des

Areals mit Sozialwohnungen die

Rede.

Bleibt die Randbebauung tabu?

Mit einem Volksentscheid im Jahr

2014 hatten die Berliner jegliche

Randbebauung auf der Freifläche

abgelehnt. Seitdem verbietet das

Tempelhof-Gesetz eine Bebauung.

Aber muss es dabei bleiben?

Schon jetzt ist ein Teil der Randfläche

bewohnt. 2016 nahm die Stadt

kurzzeitig mehrere Tausend Flüchtlinge

in den Hangars des Flughafengebäudes

auf, seit Ende 2017 steht

ein Container-Dorf für rund 1000

Flüchtlinge auf dem Vorfeld. DasGesetz

erlaubt eine vorübergehende

Nutzung bis zum 31. Dezember

2019. Danach sollen die Container

wieder entfernt werden. Wasdanach

passiert, ist unklar.

DieVorschläge der Fraktionen in

der rot-rot-grün regierten Hauptstadt

über eine mögliche Nutzung

des Feldes gehen weit auseinander.

Die Abgeordnete Iris Spranger

(SPD) findet, dass die Berliner bei

einem neuen Volksentscheid über

eine Randbebauung heute anders

entscheiden würden. „In den letzten

fünf Jahren ist in Berlin viel passiert.

Wir haben eine angespannte

Wohnungslage, die Menschen sind

verunsichert.“ Spranger plädiert

für eine Randbebauung mit bezahlbaren

Gewerbe- und Wohnräumen.

Im Mai hatte SPD-Fraktionschef

Raed Saleh eine „behutsame“

Randbebauung ins Spiel gebracht.

Formal notwendig sei ein erneuter

Volksentscheid nicht, sagt die

Grünen-Abgeordnete Susanna Kahlefeld.

DasTempelhof-Gesetz könne

wie jedes andere Gesetz im Parlament

geändert werden. Dennoch

sind sich alle Fraktionen im Abgeordnetenhaus

einig, dass eine Randbebauung,

wenn überhaupt, nur mit

Zustimmung der Berliner erfolgen

dürfe.

In der Stadt wie auf dem Land. Schön. Aber Menschen wollen auch wohnen.

„Die Bebauung des

Tempelhofer Feldes

wird ausgeschlossen.“

Koalitionsvereinbarung zwischen SPD, Linken und Grünen, geschlossen für die

Legislaturperiode 2016 bis 2021, Auszug aus dem Abschnitt

„Besondere Orte Berlins weiterentwickeln“

IMAGO IMAGES

Für Kahlefeld ist dasVersprechen

der SPD, dass dort ausschließlich

Sozialwohnungen gebaut würden,

irreführend. Nach Berliner Leitlinien

müsse bei Neubauplanungen

der Anteil an Sozialwohnungen

nämlich nur 30 Prozent betragen.

„Das Versprechen von sozialem

Wohnungsbau an den Rändern ist

daher eine Mogelpackung, denn wir

bekämen damit eben doch 70 Prozent

teuren Neubau“, sagt Kahlefeld.

Die Idee der Grünen sei, dass

der innereWiesenring als Freifläche

erhalten bleibe.Außerhalb des Wiesenrings

sollen Stück für Stück

Bäume gepflanzt werden.

Wie die Grünen ist die Fraktion

DieLinke gegen eine Randbebauung

und nennt dafür auch den Klimawandel

als Grund. „Durch die fehlende

Bebauung kann sich hier die

Luft in der Nacht abkühlen und wirkt

temperatursenkend auf die dicht bebauten

Quartiere inder City“, sagt

Fraktionsvorsitzende Carola Bluhm.

Auch die AfD-Fraktion lehnt eine

„von der derzeitigen Nutzung der

Freiflächen abweichende Planung

ab.“

Für die FDP indes ist eine Randbebauung

unverzichtbar. Denkbar

sei ein „Dreiklang“ mit Genossen-

schaftsbau, sozialem und privatem

Wohnungsbau, sagt Fraktionschef

Sebastian Czaja.

Ähnlich sieht es der CDU-Abgeordnete

Stefan Evers. Die Nichtbebauung

der Randflächen bezeichnet

er als „spekulativen Leerstand“, den

sich die Berliner nicht leisten könnten.

Nach der Sommerpause wolle

die CDU-Fraktion einen Gesetzesentwurf

einbringen, wonach Volksbefragungen

Teil der Berliner Verfassung

werden sollten. Spätestens zur

Landtagswahl 2021 würde die CDU-

Fraktion die Berliner über die Zukunft

des Tempelhofer Feldes entscheiden

lassen wollen.

Wechselnde Nutzung

Die Geschichte des Tempelhofers

Feldes reicht bis ins 13. Jahrhundert,

als es der Templerorden zu seinem

Eigentum machte. Im 18. und 19.

Jahrhundert ließen preußische Könige

Paraden auf dem Feld abhalten.

Ab 1923 stand es im Zeichen des

Flughafens, 1936 begann ein Neubau

im Auftrag Adolf Hitlers. Nach

dem Zweiten Weltkrieg übernahm

die US Air Force1945 den Flughafen.

Seit 2010 ist die Fläche ein öffentlicher

Freizeit- und Erholungsort.

(dpa)


Wir Genossenschaften haben mit 5,60 Euro/qm die niedrigstenDurchschnittsmieten

der Stadt. In fast 200.000 Wohnungen

bieten wir modernen Komfort, hohes soziales Engagement

und gelebte Solidarität. Seit 130 Jahren sind Fairness

und Verantwortung bei uns zuhause. Nur wie lange noch?

Auch wir müssen unsereMieten in kleinen Schritten anpassen,

um Investitionen tätigen zu können. Der Mietendeckel

soll die Mieten in Berlin pauschal einfrieren. Das bedeutet

für die Zukunft: kein altersgerechter Umbau, keine Barrierefreiheit,

keine CO2-Einsparungen, keine Modernisierungen

und kein Neubau mehr. All das wäre in Gefahr, genau wie

unsereArbeitsplätze.

Der Mietendeckel bedroht das soziale Gefüge und die

Existenz derer, die eh günstige Mieten haben. Anstatt die

schwarzen Schafe am Wohnungsmarkt zu bekämpfen,

werden alleineinen Topf geworfen. Deckel drauf und fertig!

Ganz ehrlich, Rot-Rot-Grün: Soziale Wohnungspolitik geht

anders!

Stoppt den Mietendeckel! Er istschlecht für die

Genossenschaften und schlecht für Berlin.

wbgd.de/berlin/mietendeckel


12 * Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019

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Berlin

Senatorin Pop

will Bürokratie

eindämmen

Ausschreibungen sollen

einfacher werden

VonMelanie Reinsch

Das Berliner Ausschreibungsund

Vergabegesetz ist ein

Dschungel aus Paragrafen und Verordnungen.

Immer wieder klagen

Investoren –oder solche, die es angeblich

werden wollen – über ein

Übermaß an Bürokratie und Intransparenz.

Vorallem kleine und mittelständische

Unternehmen klagen

über ein langes und aufwendiges

Ausschreibungsverfahren. Um diese

Situation zu verbessern, legt die Senatswirtschaftsverwaltung

jetzt eine

Novelle vor. Vorrangiges Ziel: Die

Vergabe öffentlicher Aufträge soll

entbürokratisiertwerden.

Am Dienstag soll die Novelle zur

Unterzeichnung in die anderen Verwaltungen

geschickt, in vier Wochen

der Entwurfdann im Senat beschlossen

werden, kündigte Wirtschaftssenatorin

Ramona Pop (Grüne) am

Montag an.

Neu sind die Regelungen, ab denen

die Unternehmen, die einen

Auftrag vom Land Berlin erhalten,

ihren Mitarbeiternden sogenannten

Landesmindestlohn von 11,90 Euro

zahlen müssen. Dies gilt laut Gesetzesnovelle

erst für Aufträge ab 10 000

Euro Auftragswert. Derzeit liegt dieser

Auftragswert bei 500 Euro. Dadurch

würden kleine Firmen bisher

vielfach abgeschreckt.

Insgesamt findet das Gesetz, das

im Herbst im Abgeordnetenhaus beraten

werden soll, Anwendung bei

der Vergabe von Liefer- und Dienstleistungen

ab 10 000 Euro und bei

Bauleistungen ab einem Auftragswert

von50000 Euro.

Eine Vereinheitlichung und Erhöhung

dieser sogenannten Wertegrenzen

entzerre die Bürokratie bei

der Vergabe von Aufträgen und

stärke den Mittelstand, sagt SenatorinPop.Das

Gesetz sei ein guter Weg

zwischen den verschiedenen Bedürfnissen.

Zuvor hatten Kammern und Unternehmensverbände

Stellung zu

der Novelle genommen und Nachbesserungen

gefordert. In ihrer gemeinsamen

Berliner Erklärung forderten

sie etwa eine weitere Werteanhebung

bei Liefer-und Dienstleistungen

auf das doppelte.Das Gesetz

müsse stärker verschlankt werden,

weil es bisher Firmen und Unternehmen

abschrecke. Insgesamt hatten

13 Verbände und Kammern ineiner

gemeinsamen Erklärung Nachbesserungen

gefordert.

Die idyllisch gelegenen Clubs am Flutgraben sind vor allem bei Touristen sehr beliebt.

Jetzt übernimmt die Bauaufsicht

Nach dem Feuer im Club der Visionaere: Bezirk denkt über Kontrollen der Lokale am Flutgraben nach

VonAndreas Kopietz

Nach dem Brand im Club

der Visionaere schaut

sich das Bezirksamt

Friedrichshain-Kreuzbergden

Club nun genauer an. „Derzeit

wird geprüft, inwieweit die Nutzung

des Clubs mit der erteilten

bauordnungsrechtlichen Genehmigung

übereinstimmt beziehungsweise

übereingestimmt hat und inwiefern

eine Wiedereröffnung des

Clubs möglich erscheint“, sagte die

Sprecherin des Bezirksamtes, Sara

Lühmann, am Montag der Berliner

Zeitung. DieBaugenehmigung wurde

im Jahr 2004 erteilt.

Am Montag rückten erneut Brandermittler

an. Die Mitarbeiter der Kriminaltechnik

durchsuchten in dem

Lokal am Flutgraben den Brandschutt

ein weiteres Malnach Spuren.

Das Feuer war, wie berichtet, am

Sonnabendmorgen in einem Anbau

des Clubs ausgebrochen.

„Fachgerechte Elektroinstallation“

Über die Ursache konnte die Polizei

bislang nichts Offizielles sagen. Allerdings

gehen die Ermittler davon aus,

dass es ein technischer Defekt war.

Die Spurensicherer untersuchten

ausführlich die Elektroanlage.

Die Feuerwehr hatte den baulichen

Zustand der „einfach gezimmerten

Bretterhütten mit teilweise

abenteuerlichen Strominstallationen“

kritisiert. DieClubbetreiber wiesen

inzwischen die Anschuldigungen

zurück. Sie erklärten unter anderem:

Es finde jährlich eine Begehung im

Auftrag des Arbeitsmedizinischen

und Sicherheitstechnischen Dienstes

der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel

und Gastgewerbe durch den

TÜV Rheinland statt.

Die Elektroinstallation sei fachgerecht

erfolgt. DieBetreiber wiesen zudem

Berichte der Feuerwehr zurück,

nach denen Gasflaschen explodiert

und Personen verletzt worden seien.

Die Feuerwehr hatte von mehreren

geretteten und verletzten Personen

gesprochen. „Alle Gasflaschen wurden

außerhalb der Clubfläche gelagert,

und es ist auch keine einzige

Gasflasche explodiert“, erklärten die

Betreiber.Zur Kritik der Feuerwehr an

der Situation der Notausgänge erklärten

die Betreiber,die Flucht der Gäste

über die zwei Notausgänge habe problemlos

geklappt. „Eine Rettung

durch die Feuerwehr war dementsprechend

nicht notwendig und hat

nicht stattgefunden.“

Die Feuerwehr hat nach eigener

Auskunft die Bauaufsicht gebeten,

„Jetzt ist unter anderem zu klären,

ob es sich bei den Clubs am Kanalufer

überhaupt um Gebäude handelt oder um

sogenannte fliegende Bauten.“

Ein Brandschutzexperte, der sich mit aus Holz gebauten Clubs auskennt.

sich die Lokale am

Flutgraben in Hinblick

auf die Einhaltung

des Brandschutzes

genauer anzusehen.

Eine solche Bitte ist

der Bauaufsicht nach eigenem

Bekunden jedoch nicht bekannt.

„Inwieweit das Erfordernis besteht,

dort kurzfristig Kontrollen

durchzuführen, wirdderzeit geprüft“,

hieß es allerdings von Seiten der Behörde.

Auch andereClubs am Flutgraben

–einem Kanal, der den Landwehrkanal

und die Spreeverbindet –sind aus

KLAUS OBERST

Holz gebaut. Auf der Westseite liegt

zum Beispiel der Freischwimmer.

Jetzt sei unter anderem zu klären, ob

es sich bei den Clubs am Kanalufer

überhaupt um Gebäude handele

oder um sogenannte „fliegende Bauten“,

sagte ein Brandschutzexperte,

der ungenannt bleiben will. Für Letztere

gelten laut Paragraf 23 der Betriebs-Verordnung

andere Regelungen,

die Auswirkungen auf die erlaubte

Personenzahl haben.

Betreiber in derVerantwortung

Clubs wie Birgit und Bier und Freischwimmer

auf der anderen Uferseite

wurden laut Bezirksamtssprecherin

bauaufsichtlich

genehmigt. Die Baugenehmigungen

hätten

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Brandschutzes beinhaltet.

Diese Prüfung

sei früher durch die

Bauaufsicht geführt

worden und erfolge seit

vielen Jahren, bedingt

durch die Änderung der

Bauordnung für Berlin, durch

Prüfingenieure.

„Nach Inbetriebnahme steht prinzipiell

zuallererst der Betreiber in der

Verantwortung, sämtliche sich aus

der Nutzung ergebenden gesetzlichen

Vorgaben sowie die in der Baugenehmigung

enthaltenen Auflagen

einzuhalten und umzusetzen“, so

Sara Lühmann. (mit kob.)

POLIZEIREPORT

Mann niedergeschossen.

Voreiner BarinWedding wurde in

der Nacht zum Montag ein Mann

niedergeschossen und lebensgefährlich

verletzt. Ersten Ermittlungen

zufolge saß der 31-jährige Libanese

gegen 1.15 Uhraneinem Tisch

voreiner Shisha-Bar in der Luxemburger

Straße,als die Schüsse auf ihn

abgegeben wurden. Rettungskräfte

brachten den Schwerverletzten in

ein Krankenhaus,woeroperiert

werden musste.

Waffenkiste.

Ausder Panke haben Beamte des Abschnitts

36 einen Karton mit Waffen

gefischt. Wiedie Polizei am Montag

mitteilte,rief bereits am Sonnabendabend

ein Passant die Polizei zur Gerichtsstraßenbrücke

in Gesundbrunnen.

In der Kiste waren unter

anderem eine Maschinenpistole,

eine zerlegte Pistole,Munition und

ein Waffenreinigungsset.

Stichverletzungen erlitten.

Einschwerer Raub hat sich am Sonntaggabend

in Mitte ereignet. Gegen

21 Uhrbrachten Passanten einen 17-

Jährigen mit schweren Stichverletzungen

in eine Klinik. Polizisten befragten

den Jugendlichen, der lediglich

sagen konnte,dass er voreinem

Geschäft am Alexanderplatz plötzlich

vonUnbekannten angegriffen

worden sei.

Polizei mit Farbe beworfen.

In Friedrichshain sind in der Nacht

zum Montag Polizisten attackiert

worden. Kurz vor23Uhr warfen Unbekannte

mehreremit Farbe gefüllte

Beutel auf Beamte und Einsatzfahrzeuge,die

sich in der Liebigstraße

Ecke Rigaer Straße aufhielten.

Brand im Recyclinghof.

Aufdem Gelände des Recyclinghofes

der BSR in der Gradestraße sind in

der Sperrmüllaufbereitungsstation

6000 Tonnen Müll in Brand geraten.

EinMitarbeiter der BSR alarmierte

gegen 21.45 Uhrdie Feuerwehr.Es

kam zu einer starken Rauchentwicklung.

DieFeuerwehr war mit rund 70

Mann an Ortund Stelle. (kop.)

Der Brand bei der BSR verursachte eine

dichte Rauchwolke.

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Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 13 *

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Berlin

Ferngesteuert

Mobilitäts-Informatiker Alexander Kirn über die Akzeptanz von Leih-Kickscootern, virtuelle Sperrgebiete und geteilte Verkehrsmittel als Datenspender

Jetzt sind sie da. Das Berliner

Unternehmen Circverteilte am

Montag die ersten Leih-Kickscooter

in der Stadt. Weitere

werden folgen. Insgesamt achtVerleiher

stehen bereit. „In zwei Wochen

werden die Straßen in Deutschland

anders aussehen“, verkündete Ende

vergangener Woche der Chef des

Scooter-Verleihers Tier Mobility. Für

viele dürfte das wie eine Drohung

klingen. Skeptiker erwarten versperrte

Gehwege und bald tonnenweise

Elektroschrott.

Alexander Kirn hält die Befürchtungen

indes für übertrieben. Kirn

ist Chef der Firma Invers, Pionier

und Weltmarktführer für Sharing-

Systeme im Mobilitätsbereich. Wenn

heute irgendwo auf der Welt ein

Auto, ein Elektroroller oder ein

Kickscooter per App ausgeliehen

wird, dann steckt mit großer Wahrscheinlichkeit

Invers-Software dahinter.Zuden

Kunden in 30 Ländern

gehören unter anderem Daimler

und die Deutsche Bahn ebenso wie

Clevershuttle oder die Berliner Rollerverleiher

Coup und Emmy.Neuerdings

gehören auch Kickscooter

dazu, deren Start inBerlin nun täglich

und nicht ohne Skepsis erwartet

wird. Acht Anbieter stehen seit Wochen

bereit. Invers-Chef Alexander

Kirn sieht die elektrifizierten Stehroller

als Bereicherung für die Städte

und ist optimistisch. Ein Chaos, wie

es Tausende Leihfahrräder in Berlin

verursacht hatten, werde es mit

Kickscooternnicht geben, sagt er.

Herr Kirn, woher nehmen Sieden Optimismus?

Zum einen werden die Anbieter

mit ihren Fahrzeugen sorgsamer

umgehen, weil die Scooter schlicht

deutlich teurer sind als Fahrräder.

Zum anderen will sicher keiner der

Kickscooter-Verleiher die Akzeptanz

der neuen Verkehrsmittel aufs Spiel

setzen. Dabei hilft ihnen die Technik.

Denn hinter dem –für den Nutzer

simplen – Kickscooter-Verleih stehen

hochentwickelte Systeme.

Washeißt das?

Die Scooter sind permanent mit

der Cloud verbunden. Die Betreiber

wissen also immer, wosich welcher

Roller befindet, und können einen

Scooter aus einer Parkanlage holen,

wo der nicht hingehört. Dank eines

Lagesensors lässt sich sogar feststellen,

ob ein Roller umgefallen ist.

Lassen sich auch Informationen zurück

zum Scooter senden?

Ab sofortsind die ersten Elektro-Tretroller auf den Berliner Straßen unterwegs.

Dasist der Vorteil. Mankann beispielsweise

das Einsatzgebiet für

Kickscooter definieren und gewissermaßen

virtuelle Sperrgebiete abstecken.

Fährtein Roller dorthinein,

bekommt der Fahrer einenWarnhinweis.

Ebenso können bestimmte

Stadtgebiete mit einem Tempolimit

belegt, und die Scooter automatisch

auf Tempo xgedrosselt werden, sobald

sie diese Zone befahren. In

Parks oder Spielstraßen macht das

unbestritten Sinn und wird heute in

einigen Städten auch bereits praktiziert.

Dahinter steckt eine Softwarelösung

im Zusammenspiel mit Geodaten.

Die Kickscooter erhalten die

so definierten Informationen dann

über die installierte Telematik.

Wiegenau lassen sich die Roller lokalisieren?

Das geht heute schon bis auf wenige

Meter. Aber gerade in Großstädten

besteht das Problem, dass die GPS-

Signale von Hochhäusern reflektiert

werden, streuen und Ungenauigkeiten

erzeugen. Daslässt sich aber lösen.

Wir wollen auf wenige Zentimeter erkennen,

ob ein Roller auf dem Gehdweg

fährtoder auf der Straße.

Wann wirddas soweit sein?

Prototypen gibt es bereits, aber

bis zur Marktreife wird esnoch dauern.

Vielleicht ein, zwei Jahre, bestenfalls.

Dasheißt, wenn dann jemand verbotenerweise

mit einem E-Scooter auf

dem Gehweg unterwegs ist, könnte er

von der Software ausgebremst werden?

Genau. Wenn man sicher weiß,

wo sich ein Roller befindet, lassen

sich alle möglichen Dinge auslösen.

Das kann ein optisches Signal für

ZUR PERSON

Alexander Kirn, 36, hat mit 14 Jahren sein erstes Unternehmen gegründet. Nach dem erfolgreichen

Verkauf investierte er in Technologieunternehmen. Seit 2012 ist er Chef des Unternehmens

Invers. Kirnhat Volkswirtschaft studiertund ist Absolvent der Universität St. Gallen sowie

der Harvard Business School. Invers ist nach eigenen Angaben Erfinder des automatisierten

Fahrzeugsharings und bietet das marktführende Betriebssystem für Mobilitätsdienste an. Das

Unternehmen aus Siegen in Nordrhein-Westfalen ist seit Jahren profitabel, der Umsatz liegt im

zweistelligen Millionenbereich und wächst jährlich um mehr als 30 Prozent. Im Carsharing

liegt der Marktanteil vonInvers bei 40 Prozent, im E-Scooter-Sharing bei 50 Prozent.

den Fahrer sein, ein Hinweis über

Lautsprecher, sogar das Abschalten

des Motors ist denkbar.

Istdas Ihr Ziel?

Der Kickscooter ist wahrscheinlich

das zugänglichste Sharing-Fahrzeug

überhaupt. Man stellt sich

drauf und fährt los. Die Einstiegshürde

zur Mikromobilität ist damit

so gering wie nie zuvor.Folglich werden

mehr Menschen als bisher die

GETTY IMAGES

Shared Mobility Angebote ausprobieren.

Gefällt es ihnen, werden sie

auch Roller und Autos nutzen und

am Ende im besten Fall auf das eigene

Auto verzichten. Es geht um die

Akzeptanz von Shared Mobility insgesamt,

die Mikromobilität steht

hier erst am Anfang.

Waserwarten Sie?

Neue Fahrzeugformen. In der Lücke

zwischen Elektroroller und

Kickscooter ist einiges denkbar. Die

Firma Bird aus den USA und viele

andere Anbieter arbeiten daran. Vor

allem wird man nach Lösungen suchen,

die auch für schlechtes Wetter

taugen.

Die Fahrzeuge für die sogenannte

letzte Meile gelten nicht selten als

Schönwetter-Technologie. Wie stark

geht die Nutzung tatsächlich bei Regen

zurück?

Natürlich werden die Roller bei

schönemWetter mehr genutzt als bei

schlechtem. Allerdings zeigen die Erfahrungen

auch, dass die Nutzung

bei Regen keinesfalls auf Null geht.

Dahinter steckt aber auch eine Entwicklung.

Wenn man im Ökosystem

der Shared Mobility unterwegs ist,

dann passt man sich auch an und

wählt bei schlechteren Wetter eben

die passende Kleidung und nimmt

lieber den Scooter als das Fahrrad.

Manhat ja den Luxus,aus mehreren

Fahrzeugen auswählen zu können.

Also keine Schönwettertechnologie?

Ich würde sie nicht als solche bezeichnen.

Aber, wenn Shared Mobility

dazu führen soll, dass man kein

eigenes Fahrzeug mehr besitzt, dann

muss man natürlich auch eine akzeptable

Lösung für schlechteres

Wetter anbieten.

Kommen wir zurück zur Technologie.

Jeder Roller sammelt also permanent

eine Unmenge an Daten.Waskönnen

die Sharing-Unternehmen damit anfangen?

Siehelfen ihnen, die Stadt zu verstehen.

Die Anbieter können ortund

zeitgenau Mobilitätsströme in

einer Stadt ablesen. Sieerfahren, wo

ihre Kunden sind und können ihre

Angebot dorthin bringen, wo Bedarf

besteht. Dabei genügt es schon, dass

jemand die App aktiviert und vielleicht

keinen Roller in der Nähe findet.

Auch das ist eine wichtige Information.

Natürlich ist es mit Kickscootern

sehr viel einfacher, darauf

zu reagieren als etwa mit Rollern

oder gar mit Autos.

Solche Daten dürften auch für Verkehrsverwaltungen

der Kommunen

interessant sein. Gibt es Städte, die die

Daten der Sharinganbieter nutzen?

Ja, sicher. Einige Betreiber arbeiten

aktiv mit den Kommunen zusammen

und verstehen sich tatsächlich

als Partner. Inden USA, etwa in Los

Angeles, werden Betreiber sogar verpflichtet,

die Daten zur Verfügung zu

stellen. Dort fordert die Verkehrsverwaltung

sogar eine Schnittstelle im

System, um direkten Zugriff darauf zu

haben. Sie können also aktiv eingreifen,

etwa Zahl oder die Höchstgeschwindigkeiten

der Scooter in einem

bestimmten Gebiet begrenzen.

Washalten Siedavon?

Es zeigt, dass einige Kommunen

begriffen haben, welche neuen Möglichkeiten

in dieser Technologie stecken.

In jedem Fall trägt es dazu bei,

das Konfliktpotenzial der neuen Verkehrsmittel

zu reduzieren.

Istdas auch hierzulande denkbar?

In jedem Fall geht Mikromobilität

nur miteinander. Das wissen auch

oder gerade die vielen jungen Sharing-Unternehmen.

DasGespräch führte

Jochen Knoblach.

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019

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Berlin

Kult in Serie

ARNULF RATING

muss niemandem mehr etwas beweisen.

Der Kabarettist, der nichts

mit den zuletzt so in Verruf geratenen

Rating-Agenturen zu tun hat,

war schon mehrfach in seinem bisher

67-jährigem Leben an der Herstellung

von Kult beteiligt. So gehörte

er zu den Gründungsmitgliedernder

anarchistischenWest-Berliner

Kabarettgruppe „Die 3

Tornados“, der Nachfolgerin des

Berliner Spaßguerilla-Theaters“.

Und erist die treibende Kraft hinter

dem „Politischen Aschermittwoch

der Kabarettisten“.

Arnulf Rating feierte am Montagabend

im ausverkauften Kabarett-

Theater Die Wühlmäuse ein besonders

Jubiläum: Die 200. Ausgabe seiner

Show-Reihe „Der Blaue Montag“,

die von einem außergewöhnlichen

Durchhaltevermögen und einer besonderen

Qualität kündete, denn

Blödsinn ließe sich auch mit Standhaftigkeit

nicht fast 30 Jahre auf der

Bühne halten. Die „lebende Stadtrevue“,

wie Rating seinen wilden Mix

aus Artistik, Comedy, Gesang, Kabarett,

Lesung, Talk und Musik gern

nennt, wurde im Quartier Latin gegründet,

in dem sich heute das Wintergarten-Varieté

befindet. Nach Jahren

der Wanderschaft wird inzwischen

bei den Wühlmäusen montags

blau gemacht.

Angefangen hatte alles mit einem

Inserat, in dem ein „Kunstfurzer gesucht“

wurde –oder Leute, die sich

zutrauten, das Publikum fünf Minuten

zu unterhalten. Gemeldet haben

sich daraufhin zwei Leute: DerBMX-

Radfahrer Frank Wolf und der Breakdancer

Kai Eikermann. Frank Wolf

schaffte es sogar zur Jubiläumsshow.

Heute scherzt Rating: „Wir machen

so lange weiter,bis wir endlich einen

Kunstfurzer gefunden haben.“ Und

hofft wohl heimlich, dass das noch

Der Mann des Jubiläums: Arnulf Rating im

ausverkauften Kabarett-Theater.

mal fast drei Jahrzehnte dauert. Der

Gastgeber freut sich über viele Karrieren,

die auf seiner Bühne Anlauf

nahmen: „Meret Becker hat beim

Blauen Montag zum ersten Mal öffentlich

gesungen.“ Die jüngste

Künstlerin aller Shows trat in der

200. auf: Rachel Hermlin, die als Sängerin

mit der Swing Dance Band ihresVaters

und gemeinsam mit ihrem

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Wühlmäuse feiern den 200. Blauen

Montag mit Artisten, Kabarettisten

und sonstigen Quatschmachern

David Hermlin und seine Schwester Rachel –die jüngste Künstlerin aller Shows trat in

der 200. auf. CHRISTIAN SCHULZ (3)

ebenfalls singenden und tanzenden

Bruder David Hermlin auftrat. Einige

organisatorische Probleme vom Anfang

der Neunzigerjahrekann Arnulf

Rating bis heute nicht vergessen. Da

gab es beispielsweise dieses Trapez-

Duo aus Ost-Berlin, das telefonisch

nicht erreichbar war: „Dem haben

wir Telegramme geschickt.“ Die ursprüngliche

Idee des Blauen Mon-

tags war es, Talente für die Hauptshow

imQuartier Latin zu finden.

Dass ausgerechnet der Blaue Montag

das Quartier überleben sollte,

ahnte damals niemand

Frank Wolf erinnertsich, wie das BMX-

Rad die Karriere in Schwung brachte.

FRANK WOLF

erinnert sich an seinen ersten

Blauen Montag, der auch der erste

der Show-Reihe war und am 3. September

1990 über die Bühne im

Quartier Latin ging: „Ich habe damals

viel Straßentheater gemacht.

Die hundert Mark Gage fühlten sich

für mich wie ein Tausender an, denn

für so eine Summe musste man

lange auf der Straße spielen.“ Dieser

Auftritt mit seinem BMX-Rad

brachte seine Karriere inSchwung.

Nach dem Abend auf der großen

Bühne meldeten sich die Veranstalter

bei ihm: „Danach bekam ich

meine erste Buchung für eine Fernsehsendung

in Italien.“

KAI EIKERMANN

klang am Montag am Telefon hörbar

traurig, dass er nicht zur Jubiläumsshowkommen

konnte.Ertritt im aktuellen

Programm vom Circus Roncalli

auf und hatte einen seiner seltenen

freien Tage, andem er sich um

Existenzielles wie die Handwerker,

die das Dach seines Hauses in Niedersachsen

abdichteten, kümmern

musste: „Hier lief das Wasser die

Wände hinab.“ Für Eikermann hat

der Auftritt beim ersten Blauen Montag

alles verändert: „Das wird für

mich immer meine erste große

Bühne und der Beginn einer langen,

kollegialen Freundschaft mit Arnulf

bleiben.“

Während er damals auf der Bühne

stand, beschlich ihn allerdings das

Gefühl, dass der Beginn dieser Karriere

gleichzeitig auch ihr Ende sein

würde: „Die Tornados saßen damals

auf dem Sofa und schauten zu. Als

Günter Thews einschlief, war ich mir

sicher, dass die mich nie wieder auf

die Bühne lassen.“ Eikermann irrte:

„Dieser Abend und weitere beim

Blauen Montag waren für mich Ansporn,

eigene Nummern zu entwickeln.“

Er liebte die Atmosphäre im

Quartier Latin: „Der Blaue Montag

kam sogut an, dass die Gäste sogar

dicht an dicht links und rechts auf

den Treppen zum Rang saßen.“ Für

einen fünfminütigen Auftritt gab es

einen Hunni: „Ein sehr guter Stundenlohn.

Man durfte in dieser Berechnung

allerdings die Trainingszeit

nicht berücksichtigen.“ Einmal trat

Eikermann mit einer brasilianischen

Tanzgruppe im Hintergrund auf:„Die

waren dann sauer, weil sie dachten,

jeder bekommt einen Hunni.“

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Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 15 *

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Brandenburg

VomUmgang mit Wählern der AfD

Brandenburger Parteien reagieren unterschiedlich auf die Forderung von Ex-Bundespräsident Joachim Gauck nach einer erweiterten Toleranz in Richtung rechts

VonJens Blankennagel, Potsdam

Ex-Bundespräsident Joachim

Gauck hat mit seinem

Spiegel-Interview eine Debatte

angestoßen und einen

viel offeneren Umgang mit

rechtskonservativen Wählern gefordert.

Er nennt es eine „erweiterte Toleranz

in Richtung rechts“. Gauck

sagte unter anderem: „Wir müssen

zwischen rechts –imSinne vonkonservativ

– und rechtsextremistisch

und rechtsradikal unterscheiden.“

Das ist eine Position, die einst

auch der verstorbene Brandenburger

CDU-Chef Jörg Schönbohm vertreten

hat, der sich selbst als sehr

wertkonservativ verstand und mitunter

auch als rechts bezeichnete.

„Reden hat niemals geschadet“

Und sotreffen Gaucks Aussagen bei

Brandenburgs CDU-Chef Ingo

Senftleben auf viel Zustimmung. Der

propagiert seit langem eine für

Christdemokraten ungewöhnliche

Offenheit nach links und rechts.

So würde er nach der Landtagswahl

am 1. September auch mit den

Linken über eine mögliche Regierung

reden –auch wenn die inzwischen

beschlossen haben, nicht mit

der CDU koalieren zu wollen.

In aktuellen Umfragen und auch

bei der Europawahl lag die rechtsnationale

AfD klar auf Platz 1inBrandenburg

und könnte die Landtagswahl

gewinnen. Dann wird es auf

eine Anti-AfD-Regierung aus mindestens

drei Parteien hinauslaufen.

Senftleben will auch mit der AfD

über ihreVorstellungen für Brandenburgreden

–aber er will sie nicht an

einer Koalition beteiligen. „Meine

Aussagen wiederhole ich seit Jahren

fast täglich“, sagte er der Berliner

Zeitung. Er hat das Ziel, der erste

CDU-Ministerpräsident in Brandenburg

zuwerden. „Wenn ich das will,

und wenn ich sage,dass ich mit allen

Brandenburgern spreche, dann

muss ich doch auch mit allen Parteien

sprechen.“ Mitder Linken oder

der AfD zu reden, bedeute auch

nicht, dass man sich mit deren Meinungen

gemein mache.

„Gauck spricht aus,was viele Bürger

denken. Die meisten haben es

satt, abgestempelt und in eine Ecke

gestellt zu werden, nur weil sie eine

Meinung äußern“, sagte Senftleben.

„Reden hat noch niemals geschadet,

damit kann man die Leute besser

überzeugen als mit dumpfem Draufschlagen.

Es ist aber auch wichtig,

nicht jede Position, die man selber

nicht teilt, als extrem abzutun.“ Es

sei aber entscheidend, klare Kante

gegen Extremisten aller Couleur zu

zeigen. Und sokönne die Christdemokratie

nicht mit Leuten zusammenarbeiten,

die die christlichen

und andere Werte ablehnen. Eine

Koalition mit der AfD in Brandenburgwerde

es nicht geben.

Gaucks Interview liest sich als

großes Gesprächsangebot an die

Die Haltung gegenüber der AfD ist bei den Parteien umstritten.

GETTY IMAGES/MICHELE TANTUSSI

Protestwähler, die sich in den bisherigen

Volksparteien nicht mehr

wahrgenommen fühlen –vor allem

AfD-Wähler, die einst bei der

CDU/CSU von Dregger und Strauß

beheimatet waren und nun heimatlos

seien. Gauck will nicht unbedingt

mit der AfD reden, die er als verzichtbar

bezeichnet, aber er will über die

Themen und Probleme reden, die

solche Parteien stark machen. Es

sollte nicht jeder, „der schwer konservativ

ist“ als eine Gefahr für die

Demokratie gehalten werden und

möglichst aus dem „demokratischen

Spiel“ gedrängt werden.

Wohl nicht nur in der Brandenburger

CDU wird Gaucks Angebot

als ein Lockruf an enttäuschte ehemaligeWähler

angesehen, dass sie es

doch noch mal mit der einst konservativen

CDU versuchen sollten.

Bei der Brandenburger SPD wird

weiterhin auf eine klare Abgrenzung

nach rechts gesetzt. Die Partei stellt

seit 1990 in Potsdam den Regierungschef

und liegt derzeit in Umfragen

hinter der AfD.Die hat 21 Prozent, die

SPD nur noch 18, dann folgen CDU

und Grüne mit je 17 Prozent.

SPD-Generalsekretär Erik Stohn

sagte der Berliner Zeitung: „Man

muss anerkennen, dass die Flüchtlingsfrage

bei recht vielen noch immer

eine Rolle spielt.“ Darauf habe

die Bundespolitik nun mit dem Geordnete-Rückkehr-Gesetz

eine Antwortgefunden

und nach jahrzehntelanger

Diskussion auch mit einem

Zuwanderungsgesetz. „Man muss

akzeptieren, dass das vielen zu lange

gedauert hat“, sagte Stohn. „Aber es

ist dringend eine klare Haltung nötig,

wenn es um das Abgleiten in Argumentationsmuster

geht, die auf

Spaltung setzen, auf Missgunst und

Neid.“ Da sei eine klare Haltung nötig.

„Und da gibt es bei der SPD auch

kein Rütteln.“

Linke und Grüne einig

Beiden Linken treffen Gaucks Ideen

auf wenig Gegenliebe.Spitzenkandidatin

Kathrin Dannenbergsieht ihre

Partei als Gegenpol zur AfD.„DieTatsache,

dass die AfD gewählt wird,

muss man zur Kenntnis nehmen.

Wirvertreten diametral anderePositionen,

müssen uns aber mit dieser

Partei sachlich auseinandersetzen.“

Sie unterscheide immer klar zwischen

der Partei und den Wählern,

deren Sorgen ernst genommen werden

müssten.

Auch die Grünen wollen keine Toleranz

nach Rechtsaußen. Spitzenkandidatin

Ursula Nonnemacher

sagte: Trotz aller Meinungsunterschiede

sei für sie Toleranz auch gegenüber

konservativen Ansichten

selbstverständlich. „Bei der AfD lautet

die Frage doch aber, wo die

Grenze zwischen Konservativismus

und völkisch-nationalistischem Gedankengut

verläuft“, sagte sie. Bei

letzterem bedürfe es keiner erweiterten

Toleranz, sondern einer klaren

politischen Haltung dagegen.

NACHRICHTEN

Brandenburgs Bevölkerung

wächst –dank der Berliner

Durchden Zuzug vonBerlinern

wächst die Bevölkerung in Brandenburgimsechsten

Jahr in Folge.Im

Vorjahr lebten 2511 917 Menschen

in Brandenburg, teilte das Landesamt

für Statistik mit. Dasseien 7900

mehr als 2017 gewesen. 2018 wurde

mit 20 800 Zuzügen die Zahl derjenigen

übertroffen, die dem Land den

Rücken kehrten. Mehr als dreiViertel

der Neu-Brandenburger stammten

aus Berlin. Mitdem Überschuss

durch den Zuzug konnte das Geburtendefizit

von12800 Personen mehr

als ausgeglichen werden. (dpa)

Prozess gegen Ex-Chef der

IHK vor dem Ende

DerProzess gegen den früheren Präsidenten

der Potsdamer Industrieund

Handelskammer (IHK), Victor

Stimming, wegen Untreue soll gegen

eine Geldauflage eingestellt werden.

Dies habe die Amtsrichterin am

Montag für Anfang Juli in Aussicht

gestellt, bestätigte Gerichtssprecher

Oliver Kramm. Hintergrund sei ein

bevorstehender zivilrechtlicher Vergleich,

demzufolge Stimming der

IHK entstandenen Schaden ersetzen

wolle. (dpa)

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Klasse 9: 666896 x5,00 Euro

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Fast 100

Kommunen

unter Aufsicht

Das Land will Gemeinden

wieder mehr Geld geben

Jede vierte Kommune in Brandenburgist

wegen zu geringer Einnahmen

gezwungen, ein Haushaltssicherungskonzept

aufzulegen und

untersteht damit der Aufsicht des Innenministeriums.

Das betrifft die

drei großen kreisfreien Städte Cottbus,

Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel

und den Landkreis

Oberspreewald-Lausitz sowie knapp

hundert Gemeinden. Das teilte das

Finanzministerium in Potsdam auf

eine Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion

mit. Die Folge sind erhebliche

Einschnitte bei den freiwilligen

Aufgaben und damit bei den Leistungen

für die Bürger.

Doch nun sollen die Kommunen

mehr Geld bekommen. In den vergangenen

Jahren hat das Land seine

Städte und Gemeinden immer weniger

an seinen Einnahmen aus Steuern

und Zuweisungen beteiligt. Das

soll sich ändern. Bereits 2020 werden

die Schlüsselzuweisungen, die wichtigste

kommunale Einkommensquelle

aus dem Finanzausgleich, um

etwa 88 Millionen Euro auf 1,97 Milliarden

Euro angehoben. Das teilte

das Finanzministerium mit. Bis

Ende 2022 sollen die Einnahmen der

Gemeinden und Gemeindeverbände

auf 9,36 Milliarden Euro steigen.Viele

Kommunen, für die die sogenannte

Haushaltssicherung gilt,

hoffen nun, ihre Finanzkraft nachhaltig

stärken zu können.

Viele Städte und Gemeinden sind

bereits seit Jahren zur Haushaltssicherung

verpflichtet. Die Folge sind

erhebliche Einschnitte bei den freiwilligen

Aufgaben und damit bei den

Leistungen für die Bürger.

Laut Städte- und Gemeindebund

bleiben den Kommunen nur zwei bis

drei Prozent der Einnahmen, um

ihre freiwilligen Aufgaben zu erfüllen.

Die Haushaltssicherung sei damit

ein wesentlicher Hemmnisfaktor

für eine positivere wirtschaftliche

und strukturelle Entwicklung von

Regionen im Land. (dpa)

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Hunde können

herrlich hilflos

blicken

Anders als Wölfe haben sie

dafür spezielle Muskeln

Wenn ein Hund nicht weiter

weiß, sieht er in der Regel einem

Menschen in die Augen. Hundebesitzer

kennen das. Was für uns

selbstverständlich klingt, macht

etwa der Wolf als nächster lebender

Verwandter des Hundes nicht. Untersuchungen

zufolge ist der Augenkontakt

zwischen Menschen und

den Vierbeinern entscheidend für

die soziale Interaktion.

Speziell die Fähigkeit der Hunde,

die Augenbrauen innen zu heben,

finden Menschen dabei gut. Schon

2013 zeigte eine Studie, dass Hunde

in Tierheimen, die die Augenbrauen

öfter heben, schneller wieder ein Zuhause

finden.

Eine neue Studie, zum Teil von

denselben Forschern, kommt jetzt

zu dem Schluss,dass der Hund diese

Fähigkeit erst im Verlauf seiner Domestizierung

entwickelt hat. Vermutlich,

weil der Hundeblick bei uns

Menschen einfach wirkt. Dasberichtet

ein Team um Juliane Kaminski

von der University of Portsmouth in

Großbritannien im Fachblatt PNAS.

Die Forscher hatten für ihre Studie

unter anderem die Gesichtsmuskulatur

von vier Wölfen mit der von

sechs Hunden verglichen. Dabei

stellten sie fest, dass diese weitgehend

gleich ist –außer im Bereich

der Augen. Der Muskel etwa, der die

Augenbraue innen hebt, war bei den

Hunden standardmäßig vorhanden,

bei den Wölfen fanden sich dort lediglich

spärliche Muskelfasern und

Bindegewebe.

Brachten die Forscher einen

Menschen mit Hunden oder Wölfen

zusammen, ließen die Hunde ihren

Augenmuskel spielen, die Wölfe taten

das kaum. Vorallem intensives

Brauen-Heben fanden die Wissenschaftler

nur bei Hunden.

Hoch die Brauen: Ein Cavalier King

Charles Spaniel macht große Augen.

DPA

Das Anheben der Innenseite der

Augenbraue lasse die Augen des

Hundes größer erscheinen, schreiben

die Wissenschaftler.Das Gesicht

des Tieres wirke dadurch kindlicher.

Außerdem ähnele der Blick dem eines

traurigen Menschen. Daskönnte

beim Herrchen einen Betreuungsreflex

auslösen.

DieForscher nehmen an, dass der

Selektionsdruck während der Domestizierung

die Gesichtsmuskulatur

der Hunde verändert hat: Vermutlich

hätten Menschen –bewusst

oder unbewusst –Hunde bevorzugt,

die die Brauenbewegung beherrschten

und sich um diese mehr gekümmert.

Nach und nach habe sich das

Merkmal dann manifestiert.

Bei Körperform und Knochenstruktur

sei das nichts Neues. Eine

Veränderung bei weichem Gewebe –

in den nur rund 33 000 Jahren, seit

Wolf und Hund getrennt wurden –ist

den Experten zufolge aber bemerkenswert.

DieVeränderung sei direkt

mit dem Verhalten gegenüber dem

Menschen verbunden, da sich die

übrige Gesichtsmuskulatur kaum

geänderthabe.

Eine Ausnahme fanden die Forscher:

Der Siberian Husky ist offenbar

die einzige Hunderasse, die

blicktechnisch noch auf Wolfsniveau

ist. Sie erklären das damit, dass es

sich um eine relativ ursprüngliche

Rasse handelt. (dpa)

Amerikas

Taufschein

Ein historisches Werk kehrt nach

Rostock zurück: Die Erstbeschreibung

der Neuen Welt von Amerigo Vespucci

VonNikolaus Bernau

Immer heiter sind die Tupi in

Brasilien, leben in inniger Verbindung

zur Natur, genießen

deren reines Wasser und die

reichlichen Früchte des Urwalds. Sie

kümmernsich um ihreNächsten, haben

lustvollen Sex mit jedem und jeder,

schmücken sich mit Piercings,

sind von keiner Doktrin und keiner

Macht unterdrückt. Ab und zu essen

sie einen Menschen auf. Nun, nichts

ist perfekt in dieser schönenWelt.

Wer wissen will, woher unsere

Ideale und Utopien über die „guten

Wilden“ Amerikas und ihr Leben

stammen, lese nach bei Amerigo

Vespucci. DerFlorentiner Kaufmann

und Gelehrte publizierte in Florenz

und Paris um 1502 den Bericht

„Mundus Novus“ („NeueWelt“) über

seine Reise entlang der Küste des

heutigen Nord-Brasiliens. Innerhalb

kürzester Zeit wurde der Text in ganz

West-Europa vielfach nachgedruckt,

galt lange als die erste wissenschaftliche

Darstellung der Geografie der

Neuen Welt und ihrer Bewohner.Bereits

1504 erschien bei Johan Otmar

in Augsburg die erste deutsche Ausgabe,

1505 eine in lateinischer Sprache

in der Druckerei des Rostocker

Ratsherren Hermann Barckhusen.

Geschichten vonGewalt und Sex

Vondieser einst wohl mehrere hundert

Exemplare umfassenden Auflage

überstanden allerdings nur drei

die Zeitläufte. Umso sensationeller,

dass nun die Bibliothek der Rostocker

Universität mit Hilfe privater

Mäzene, der Kulturstiftung der Länder

und der Unterstützung der polnischen

Nationalbibliothek in Warschau

aus dem Kunsthandel eines

dieser drei Exemplare erwerben

konnte.Etwa 200 000 Euro kostete es

– das ist vergleichsweise preiswert

angesichts der Bedeutung, die dieses

Rarissimum für die Wissenschafts-,

Ethnologie- und Bibliotheksgeschichte

hat.

Aus der Sicht des Italieners Amerigo

Vespucci lag Rostock um 1500

wohl knapp am Rand der bewohnbaren

Welt, die Reise dorthin dauerte

länger als jene von Lissabon nach

Südamerika. Doch Rostock war seit

1419 Sitz einer vom Papst autorisierten

Universität –sie ist die älteste des

Ostseeraums, indieser Woche wird

im Kulturhistorischen Museum der

Stadt die große Jubiläumsausstellung

zum 600. Geburtstag eröffnet, in der

auch Mundus Novus zu sehen ist.

Das acht Seiten umfassende Werk

gehörte wohl zum Lehrmaterial und

war, wie der Direktor der Universitätsbibliothek

RobertZepf am Freitag

bei der Vorstellung des Ankaufs berichtete,

für die Zeitgenossen eher

eine Art Magazin –schnell gelesen,

dann weggeworfen.

Dabei war ein solcher Bericht

eine hochpolitische Angelegenheit.

Er entstand vor dem Hintergrund

des Wettlaufs Spaniens und Portugals

um den Seeweg nach Indien.

1492 entdeckte Christoph Kolumbus

im Auftrag der spanischen Könige

Amerika.Vespucci fuhr vorallem mit

portugiesischen Schiffen. Er war

1497 bis 1503 viermal an den Küsten

der Karibik und Südamerikas unterwegs.

Er benannte Venezuela, an

dessen Küsten er Dörfer auf Pfahlbauten

entdeckte,nach der Stadt Venedig

und gab Rio de Janeiro seinen

Namen. Berichte wie Mundus Novus

dienten also auch dazu, Gebietsansprüche

abzusichern.

Vespucci schrieb ausgesprochen

gut und anschaulich, sprengte aber

vorallem das westeuropäische Weltbild

auf. Bisdahin galten die antiken

Theorien, nach denen der Süden der

Erdkugel praktisch unbewohnbar

sei. Gelehrte der Antike behaupteten,

dass die Menschen unter der

scharfen Sonne verbrennen müssten.

Vespucci beschrieb blühende

Naturen und sah Länder mit kraftstrotzenden

Einwohnern. Der Italiener

war moderner Empiriker: Er

traute nur dem, was er sehen, anfassen

und untersuchen konnte. Kolumbus

blieb in weiten Bereichen

seiner Weltsicht konservativ und an

den antiken Texten orientiert.

Auch deswegen wurde Vespucci

als der bedeutendere Entdecker gefeiert.

1507 benannte der elsässische

Kartograf Martin Waldseemüller auf

seiner Weltkarte den neu entdeckten

Kontinent nach Amerigo Vespucci,

allein im 16. Jahrhundert wurde

Mundus Novus in 37 europäische

Sprachen übersetzt.

Der Italiener wusste, wie man

eine neue Information medial aufbereitet

und verpackte sie in Geschichten,

wie heutige Medientheoretiker

sagen. Vespucci berichtete

etwa, dass die Indianer sich gewundert

hätten, als ihre Gäste so gar

nichts vom Menschenfleisch kosten

wollten. Vespucci erkannte jedoch

nicht, dass es sich bei diesem Kannibalismus

um den Teil eines Rituals

handelte.Vielleicht wollte er es auch

nicht erkennen, schließlich sollte

den „Wilden“ der richtige Glaube an

den Christengott und die richtige

Kultur gebracht werden – das war

jahrhundertelang die wesentliche

Legitimation für die brutale Unterwerfung

Amerikas, später Afrikas

und Asiens, für Sklavenhandel und

Ausbeutung. Aber er sah: Gewalt und

Nur im Rostocker Exemplar von „Mundus Novus“: kolorierte Weltkarte nach dem antiken Geografen

Claudius Ptolemäus, darüber ein Text, der die neuen Erkenntnisse erläutert. UNIBIBLIOTHEK ROSTOCK (2)

AUSSTELLUNG IN ROSTOCK

Das Werk: „Mundus Novus“ ist der erste

europaweit verbreitete Bericht über die

Natur und die Kulturen Amerikas. Er erschien

erstmals im Jahr 1502 in Paris

und Florenz, bis 1600 wurde er in 37

Sprachen übersetzt. Sein Autor Amerigo

Vespucci war Italiener,eng verbunden mit

dem Florentiner Herrscherhaus der Medici.

Der Kaufmann, Seefahrer,Navigator

und Entdecker gabetwa Venezuela und

Rio de Janeiro ihre europäischen Namen.

Die Verbindung zu Rostock:1505 erschien

eine Ausgabe in Rostock bei dem

Drucker Hermann Barckhusen. Sie ist nur

in drei Exemplaren überliefert, vondenen

die Universitätsbibliothek Rostock jetzt

eines erwerben konnte. Es zeichnet sich

nicht nur durch schönen Druck und Illustrationen

aus, sondernauchdurch Anmerkungen

vonLesernwie jener,dassTenochtitlan

(Mexiko-Stadt) 1521 erobert

wurde. Der für eine Summe vonrund

200 000 Euro aus Privatbesitz erworbene

Druck ist wissenschaftlich noch nicht

ausgewertetworden. Über die Geschichte

des Exemplars ist noch wenigbekannt.

Zum Weiterlesen: Der Mundus Novus

des AmerigoVespucci: Text,Übersetzung

und Kommentar vonRobertWallisch (Edition

Woldan,Band 7), Verlag derÖsterreichischen

Akademie derWissenschaften.

Wien 2017, 26,30 Euro.

Zum Ansehen: Das Werk „Mundus Novus“

über Amerika wird in der Jubiläumsausstellung

zur 600-Jahr-Feier der Universität

Rostock zu sehen sein. Die Ausstellung

„Menschen –Wissen –Lebenswege“eröffnet

am 20. Juni im

Kulturhistorischen Museum Rostock,

Klosterhof 7, 18055 Rostock, und ist bis

Ende November zu sehen. Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Auf dem Titel von 1505: „Ideal-Indianer“.

Sex sind bestens geeignet, das Interesse

der Leser wach zu halten.

Auf dem Titelblatt der Rostocker

Ausgabe zeigt ein Holzstich einen

muskulösen Mann mit Pfeilen in der

linken Hand und einem großen, seine

Scham überdeckenden Bogen in der

rechten, sowie eine Frau, die ihren

üppigen Körper gänzlich nackt den

Betrachternpräsentiert. DasBild entspricht

genau der Schilderung Vespuccis

vom lustbetonten Leben der

Ureinwohner Brasiliens.

Auf den hinteren Seiten ist eine

Darstellung des südlichen Sternenhimmels

zu finden –sie belegte die

Authentizität von Vespuccis Erfahrungsbericht,

musste man die Sterne

doch gesehen haben, um sie zeichnen

zu können. Am Ende des Berichts

steht eine Weltkarte.Sie zeigtdas alte

Weltbild mit Afrika, Asien und Europa,

nicht aber den imText beschriebenen

Kontinent. Versuchte hier der

Drucker Barckhusen, zwischen der

revolutionären neuen Weltsicht und

konservativen Rostocker Universitätsprofessoren

zu vermitteln?

Die Warschauer verzichteten

Das Heft hat eine dramatische Geschichte:

Die letzte handschriftliche

Eintragung vermerkt die Eroberung

der Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan

1521 durch Hernán Cortés, mit

der die spanische Weltherrschaft begann.

Aus dem 18. Jahrhundert

stammt ein Eigentumsstempel der

polnischen Brüder Zaluski, deren

riesige Warschauer Nationalbibliothek

nach der dritten polnischenTeilung

1795 nach St. Petersburg verbracht

wurde. Erst 1920 gab dienunmehr

sowjet-russische Regierung

Teile derZaluski-BibliothekanPolen

zurück. 1944 nach der Niederschlagung

desWarschauer Aufstandswurden

die meisten der Bücher jedoch

von deutschen Truppen systematisch

verbrannt.

Die Bibliothekare in Rostock

kannten diese Geschichte und wiesen

die Warschauer Kollegenauf das

entdeckte Angebot des Antiquariats

hin. Doch diese entschieden sich,

zugunsten der Rostocker zurückzutreten

voneinem Rückkauf. Derpolnische

Historiker Jacek Kordel reiste

extra zur Übergabe des Buchs aus

Warschau nach Rostock: „Auch wir

in der Nationalbibliothek hatten großes

Interesse,diesen wertvollen und

sehr seltenen Druck zukaufen“, berichtete

er. InAbstimmung mit der

Universitätsbibliothek Rostock habe

Warschau aber verzichtet, weil das

Werk so eng mit der Geschichte des

Druckwesens in Rostock verbunden

sei.

Spanische

Mücken mit

neuem Virus

Erstmals lokale Infektion

mit Chikungunya-Fieber

In Spanien haben sich erstmals

Menschen im Land mit dem Chikungunya-Virus

angesteckt. In der

Urlaubsprovinz Alicante infizierten

sich Touristen aus Island mit dem

von Stechmücken übertragenen Virus.

WieExperten mitteilten, handelt

es sich um die ersten Fälle einer lokalen

Infektion in Spanien. Betroffen

sind drei Mitglieder einer Familie,

die im Mai ander Costa Blanca war.

Wiedie zuständigen Gesundheitsbehörden

der Region Valencia mitteilten,

sind bislang keine weiteren Infektionsfälle

bekannt.

DasVirus wird vor allem von der

Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti)

und der Asiatischen Tigermücke

(Aedes albopictus) übertragen.

Nach Angaben der europäischen

Seuchenbehörde ECDC ist das Virus

in zahlreichen afrikanischen Ländern

sowie im Süden und Südosten

Asiens verbreitet. Nach einer rasanten

Ausbreitung in Mittel- und Südamerika

tritt es seit einigen Jahren

vereinzelt auch in Europa auf, laut

ECDC erstmals 2007 in Italien, später

auch in Frankreich.

Chikungunya-Fieber geht mit

grippetypischen Symptomen wie hohem

Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen

einher. Die meisten Infizierten

erholen sich vollständig, oft

schon nach einer Woche. Gefährlicher

ist das Virus für chronisch

Kranke, Schwangere und Säuglinge.

Todesfälle sind aber äußerst selten.

Einen Impfstoff oder eine gezielte

Therapie gibt es bisher nicht.

DenUrlaub in Spanien muss man

Experten zufolge nicht stornieren.

Das ECDC empfiehlt Reisenden

grundsätzlich, sich vor Mückenstichen

zu schützen, etwa mit Abwehrmitteln,

langer Kleidung und Moskitonetzen.

In Deutschland kommt die

Asiatische Tigermücke regional vor,

Infektionen waren stets aus Urlaubsländernimportiert.

(dpa)

Erste Professur für

Klimawandel und

Gesundheit

Sabine Gabrysch forscht an

der Charité und am PIK

M

ögliche Folgen der Klimaerwärmung

für die Gesundheit

sind das Forschungsfeld einer neuen

Professorin an der Berliner Charité.

Die erste Professur für Klimawandel

und Gesundheit in Deutschland

werde mit der Medizinerin und Epidemiologin

Sabine Gabrysch besetzt,

teilte die Uniklinik am Montag

mit. Es sei eine Kooperation mit dem

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

(PIK), wo Gabrysch die

Co-Leitung der Forschungsabteilung

Klimaresilienz übernehme.Der

Schwerpunkt von Gabryschs Arbeit

liege auf Entwicklungs- und Schwellenländern.

Insbesondere wolle sie sich dem

Thema Ernährung widmen, erklärte

die Wissenschaftlerin, die zuvor am

Uniklinikum Heidelberg tätig war.

Bisher hätten in dem Forschungsfeld

vorallem die Folgen vonHitzewellen

und die Ausbreitung tropischer Erreger

im Fokus gestanden. Aber auch

die Ernährungssicherheit sei bedroht:

„Wenn etwa häufigereDürren

zu Mangelernährung von Schwangeren

führen, können die ungeborenen

Kinder bleibende Schäden davontragen

– mit gesundheitlichen

Folgen für deren gesamtes Leben“,

sagte Gabrysch. Gleichzeitig wolle

sie die Wirksamkeit von Win-win-

Lösungen prüfen –also Lösungen,

die sowohl für die Menschen als

auch für die Umwelt gut sind. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 17 **

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Sport

Gepfiffen

auf die

Pfiffe

Albas Niederlage gegen die

Bayern wird heiß diskutiert

VonChristian Kattner

Inden sozialen Netzwerken geriet

das Ergebnis auch am Montag zur

Nebensache. Auf einen Kommentar

vom Sonntagabend folgte ein zweiter,

der wiederum von Lesern heftig

diskutiert wurde. An den Schiedsrichtern

wurde der Ausgang des ersten

Finalspiels zwischen Alba Berlin

und dem FC Bayern München festgemacht.

Genauer gesagt, an zwei

Szenen in der Schlussphase: Einem

nicht gegebenen Foul an Landry

Nnoko und dem daraus resultierenden

Technischen Foul gegen den

Berliner Center sowie am gepfiffenen

Offensivfoul gegen Peyton Siva,

welches gleichzeitig sein fünftes war

und das vorzeitige Aus für Albas

Spielmacher nach sich zog. Die TV-

Bilder enttarnten beide Pfiffe während

des Spiels in den Wiederholungen

als Fehlentscheidungen. An der

70:74-Niederlage der Berliner

konnte das allerdings nichts ändern.

Auch deshalb suchten die Berliner

Spieler nicht nach Ausreden, als

sie auf diese Pfiffe angesprochen

wurden. „Das waren harte Entscheidungen,

aber ich gebe den Schiedsrichtern

keine Schuld. Sie pfeifen,

was sie sehen“, sagte Siva direkt nach

dem Spiel in die TV-Kameras. Es

ehrte den Berliner Aufbauspieler,

aber auch seine Teamkollegen, dass

sie zumindest nach außen nicht

schlecht über Pfiffe der Schiedsrichter

redeten, welche auch dazu beigetragen

haben, dass Alba am Montagvormittag

München als Verlierer mit

dem Zugverlassen musste.

Auch Johannes Thiemann sprach

nach der Ankunft in Berlin nicht

über die Schiedsrichter, sondern die

eigene Leistung und die eigenen

Fehler.„Das letzte Quäntchen Glück

hat noch gefehlt, vielleicht auch die

Peyton Siva (l.) erlebte das Spielende in

München auf der Bank. DPA/ANGELIKA WARMUTH

Abgezocktheit hinten raus“, sagte

der Center. Genau wie Peyton Siva

sah er die letzte Aktion, den Münchner

Jubel über den Sieg im ersten

Spiel der Finalserie,mit seinem fünften

Foul vonder Bank aus.

Zeichen der Abgezocktheit

Egal, wie kleinlich der Schiedsrichter

sein mag, zeigt sich Abgezocktheit

eben auch darin, wie sich ein Spieler

darauf einstellt. Thiemann gelang

das in der ersten Halbzeit überhaupt

nicht: In 4:46 Minuten sammelte er

drei Fouls, Siva schaffte das im dritten

Viertel sogar in lediglich 58 Sekunden.

Auf der anderen Seite hatte

Münchens Vladimir Lucic bereits

nach 114 Sekunden zwei Fouls. Am

Ende brachte er es auf 17:11 Minuten

Einsatzzeit und beging nur ein weiteres

Foul.

„Generell ist die Arbeit gegen die

Bayern schwieriger, weil sie ein auf

allen Positionen sehr tief besetztes

Team haben“, sagte Thiemann, „sie

spielen mit viel Intensität, viel Körper

und haben eben nicht nur einen

Spieler,sondernvier oder fünf.“ Dass

diese Spieler über eine hohe Qualität

verfügen, macht die Herausforderung

noch größer.Spiel eins hat über

weite Strecken gezeigt, dass Alba

diese meisternkann. Es fehlt nur ein

Funken mehr Abgezocktheit.

Und Trump zwitschert

Außenseiter Woodland untermauert mit seinem Sieg bei den US Open die aktuelle Dominanz der US-amerikanischen Golfer

VonBernd Müllender

Schaulaufen am Mittelmeer

Deutschlands Frauen sichern sich bei der WM mit einem 4:0 gegen Südafrika den Gruppensieg

VonFrank Hellmann, Montpellier

Martina Voss-Tecklenburghat

den Fortgang

der deutschen

Frauen-Nationalmannschaft

bei dieser WM als ganz

eigene Tour de France tituliert. Ein

passender Vergleich der Bundestrainerin

eingedenk einer Vorrunde, die

vonRennes in der Bretagne,überValenciennes

an der belgischen Grenze

bis nach Montpellier am Mittelmeer

geführt hat. Nach den Anfangsetappen

gegen China und Spanien mit

zwei mühseligen 1:0-Siegen folgte

im dritten Gruppenspiel gegen Südafrika

vor etwas mehr als 15 000 Zuschauer

ein ungefährdeter 4:0 (3:0)-

Erfolg. Nunist das erste Zwischenziel

erreicht: Diedeutschen Fußballerinnen

zieht mit der optimalen Ausbeute

von neun Punkten und ohne

Gegentor als Gruppenerster in die

Runde der letzten 16 ein.

Die erste Bergetappe wird nun

das Achtelfinale am kommenden

Sonnabend in Grenoble in den französischen

Alpen, wobei sich das

DFB-Team vermutlich auf einen

Dritten der Gruppen Coder Dals

Gegner einstellen darf. Argentinien

oder Schottland, Italien, Australien

oder Brasilien wären mögliche Kontrahenten,

aber Genaues wird erst

nach Abschluss der Gruppenphase

am Donnerstag feststehen.

„Es ist tatsächlich eine spannende

Konstellation“, sagte Voss-

Tecklenburg, „aber wir werden gut

vorbereitet sein: Unser Scouting-

Team hat sich alle Spiele hier angeschaut.

Wirwerden gute Informationen

haben, aber klar: Das macht es

nicht einfacher.“

Garantiert wird der nächste Gegner

in der Defensive nicht solche

Räume anbieten wie die Banyana

Banyana. Melanie Leupolz (14.), Sara

Däbritz (29.), Alexandra Popp (40.)

und Lina Magull (58.) bedankten

sich mit ihren Treffern. „Dass wir

noch Potenzial haben, wissen wir

auch“, gestand Voss-Tecklenburg,

der beispielsweise die Passqualität

zeitweise missfiel. Die 51-Jährige

wollte nichts davon wissen, dass

diese einseitige Partie eine Ähnlichkeit

mit jenem lockeren Strandspaziergang

hatte,den ihreSpielerinnen

am Wochenende im Badeort La

Grande-Motte unternahmen. „Die

Bedingungen waren schon sehr ex-

Lina Magull wir nach ihrem Treffer zum 4:0 ihre Ruhe haben.

SÜDAFRIKA – DEUTSCHLAND 0:4 (0:3)

Südafrika: Dlamini -Ramalepe, vanWyk, Matlou, Vilakazi -Mthandi (46.

Kgatlana), Biyana (89. Smeda), Jane, Makhabane, Ndimeni -Fulutudilu

(46. Mulaudzi)

So ein Golfturnier hat am

Ende immer nur noch wenige

Protagonisten im Fokus.

Viele vorher groß gehandelte

Namen spielten auch bei

den 119. US Open keine Rolle mehr:

Tiger Woods etwa, der auf dem spektakulären

Klippenplatz Pebble

Beach hoch über der kalifornischen

Steilküste seine magische Form nur

gelegentlich fand und am Ende 21.

wurde. Martin Kaymer, die seit Jahren

enttäuschende deutsche Hoffnung,

endete mit Durchschnittsspiel

auf Platz 35. Oder all die anderen

Großen wie Dustin Johnson und Jordan

Spieth (beide USA) oder der

Nordire Rory McIlroy, dessen letzter

seiner vier Major-Siege jetzt auch

schon fünf Jahrezurückliegt.

Vier Spieler blieben beim dritten

Major des Jahres im Mittelpunkt.

Zumeinen ein junger Mann aus Norwegen,

Viktor Hofland, 21. Der hatte

im Vorjahr die US Open der Amateuregewonnen,

ist auch noch aktuelle

Nr. 1der Welt der Nichtprofis.

Mit dem schalkhaften Grinsen eines

Oberschülers tanzte er sich durch

die Runden. So einen hätte man gern

als Sieger gesehen. Am Ende wurde

er stolz lächelnder 12. und verkündete

seinen Wechsel ins Profilager ab

dem nächsten Wochenende.

Patriotismus an den Füßen

Dann war da der Engländer Justin

Rose,Triumphator bei den US Open

2013 und Olympiasieger 2016 in Rio.

Er war drei Tage lang ganz oben, verkrampfte

plötzlich trotz aller Routine

und wurde mit Abstand Dritter. Es

blieben zwei sehr verschiedene US-

Amerikaner: schon wieder Brooks

Koepka und ein Mann namens Gary

Woodland, der vorder Schlussrunde

plötzlich führte.

Diesen Woodland, 35, seit über einem

Jahrzehnt als Profi dabei, mit nur

genau einemTurniersieg (2011), hatte

niemand auf der Rechnung. Bei Majors

war er in 27 Anläufen erst einmal

in den Top10. Der Mann aus Kansas

machte das Spiel der Individualisten

die Tage über zu einer nationalen Angelegenheit.

Blau-weiß-rot seine Kleidung,

dazu schrille Schuhe im Stars &

Stripes-Design, ein Unikat, Maßanfertigung.

Auf dem Hemd das Abzeichen

von „Volition America“ (übersetzt:Willenskraft

Amerika), eine stilisierte

Mischung aus Nationalfahne

und zwei Adlerschwingen: Es ist das

Logo zu Ehren der US-Kriegshelden

(und -opfer). Golf in Trump-Land mit

militärischem Vaterlandsbekenntnis:

AFP/HORVAT

Deutschland: Schult/VfL Wolfsburg (28/62) -Gwinn/SC Freiburg (19/11), Doorsoun/VfL

Wolfsburg (27/28), Hegering/Essen (29/6), Schweers/FC Bayern (30/46) ab 46. Simon/

Lyon (26/18) -Huth/ Potsdam (28/47) ab 59. Dallmann/Essen (24/22), Leupolz/FC Bayern(25/61),

Magull/FC Bayern (24/34), Däbritz/FC Bayern (24/63) -Bühl/Freiburg (18/4)

ab 66. Schüller/Essen (21/15), Popp/VfL Wolfsburg (28/99)

SR: Sandra Braz (Portugal) -Tore: 0:1 Leupolz (14.), 0:2 Däbritz (29.), 0:3

Popp (40.), 0:4 Magull (58.) -Zuschauer:15502

Selbst bei nicht ganz so perfektem Grün

behält Woodland den Überblick AFP, AP

Gleich bei Woodlands erstem Abschlag

am Sonntag schallten „USA-

USA“-Rufe über den Platz.

Landsmann Koepka hätte den Titel

zum dritten Mal inFolge gewinnen

können, was erst einer geschafft

hatte: ein gewisser Willie Anderson.

trem. Ich hätte in der zweiten Halbzeit

am liebsten fünf, sechs Spielerinnen

ausgewechselt.“

Rechenkünstlerin Almuth Schult

würde sich als nächstes einen europäischen

Gegner wünschen, um die

Olympia-Qualifikation einfacher zu

machen. Dass die Torhüterin am

Ende beim Alleingang von Thembi

Kgatlana die weiße Weste wahren

musste (75.), gefiel der 28-Jährigen

gar nicht. „Wir haben am Schluss einige

Bälle verdaddelt. Dasdarfgegen

einen starken Gegner nicht passieren,

weil das bestraft wird.“ Die

selbstbewusste Nummer eins hält es

übrigens nicht für möglich, dass sie

wie einst ihre Vorgängerin Nadine

Angerer bei der WM 2007 komplett

ohne Gegentor durchs Turnier

kommt: „Das passiertnicht mehr.“

Mustergültiger Kopfball

Für das Führungstor brauchte es

dann nur einen Eckball von Verena

Schweers,bei dem sich Leupolz nach

eigener Aussage selbst wunderte,

„wie blank ich stand“: DieMittelfeldspielerin

nickte zum 1:0 ein. Nurdrei

Minuten später hätte Popp auf 2:0 erhöhen

müssen, doch schoss die Kapitänin

den vonTorhüterin Andile Dlamini

abgewehrten Ball nach einer feinen

Kombination aus vier Metern

über die Latte. Immerhin: Kurz vor

der Pause glückte der 28-Jährigen mit

einem mustergültigen Kopfball nach-

Flanke vonGiulia Gwinn der ersehnte

Treffer,der erkennbar viel Last vonihr

nahm. IhrJubel mit der Riege der Ersatzspielerinnen

war der beste Beleg.

Zwischendrin durfte Däbritz ihr

zweites Turniertor schießen, als SüdafrikasTorhüterin

das Spielgerät nach

einer harmlosen Schweers-Flanke

fallen ließ. Nach der Pause erhöhte

Magull per Abstauber noch gedankenschnell

auf 4:0.

Über den Formverfall in der

Schlussphase sahen die meisten Protagonisten

–Ausnahme Schult –auch

eingedenk der schwülwarmen Witterung

hinweg.VorderWeiterreise in einen

Winterspielort dominierte die

Zufriedenheit. Etwa bei der zum

zweiten Male zur Spielerin des Spiels

gewählten Däbritz, deren Spielfreude

und Torgefährlichkeit in Abwesenheit

von Dzsenifer Marozsan ein wichtiger

Trumpf werden könnte: „Vom

Willenssieg über Arbeitssieg war alles

dabei, jetzt haben wir auch streckenweise

gut Fußball gespielt.“

1903–1905 war das. Koepka fehlte

auf der Schlussrunde ein paar Mal

diese kleine Spur Glück, während

Woodland maschinengleich weitermarschierte.

Alle warteten auf seinen

Einbruch. Kommt da nicht die

Angst vordem Gewinnen, wie schon

so oft bei Außenseitern? Sie kam

nicht.

Woodland knallte weiter drauflos

und pflügte dabei –typisch für sein

kraftvolles Spiel –bei seinen ungewöhnlich

tief sitzenden Schlägen besonders

viel Grassode aus dem Boden.

„Aggressive Linien spielen“, das

sei sein Vorhaben gewesen, sagte er

danach, nicht taktisch auf Sicherheit.

Woodland beendete das Turnier mit

einem versenkten Put aus 15 Metern

und damit drei Schlägen Vorsprung

vor Koepka (271/13 unter). „Ich war

nachher nervöser als die ganzen Tage

über“, gab er später zu Protokoll. Präsident

Donald Trump twitterte umgehend:

„Fantastisches Spiel, großes

Herz.“

Der neue Champion sprang von

Platz 25 der Weltrangliste auf 12. Unter

den 20 Besten derWelt ist jetzt ein

Dutzend Stars & Striper, darunter

mit Koepka und Johnson die beiden

ersten. Und: Von den letzten zehn

Majors gewannen Amerikaner

neun.

NACHRICHTEN

Trennung nach 25 Jahren:

Totti verlässt AS Rom

FUSSBALL. PerE-Mail habe er am

Montag Präsident James Pallotta

über seinen Rücktritt als Funktionär

beim italienischen Serie-A-Club informiert,

sagte Totti am Montag bei

einer Pressekonferenz. Derfrühere

Kapitän des Hauptstadtvereins hatte

seine Profi-Karriere2017 beendet

und war danach im Management

des Klubs geblieben.

Neue Dopingvorwürfe gegen

33 russische Sportler

ALLGEMEIN. Dierussische Antidoping-Agentur

(Rusada) erwägt, gegen

33 Sportler verschiedener Sportarten

vorzugehen. Siesollen verbotene

Behandlungen voneinem Arzt

in Anspruch genommen haben, wie

die DopingkontrolleureamMontag

in Moskau mitteilten. Nach mehr als

140 Befragungen seien mindestens

60 Verstöße gegen Doping-Bestimmungen

aufgedeckt worden.

Olympiazweite Jepkirui für

vier Jahre gesperrt

LEICHTATHLETIK. DieMarathon-

Olympiazweite Eunice Jepkirui

Kirwaist nach einer positiven Dopingprobe

für vier Jahregesperrt

worden. Dasgab am Montag die unabhängige

Integritätskommission

(AIU) des Leichtathletik-Weltverbandes

(IAAF) bekannt. Beider gebürtigen

Kenianerin, die für Bahrain

startet, war das Blutdopingmittel

Eponachgewiesen worden.

ZAHLEN

Fußball

WM der Frauen in Frankreich

Gruppe A

Nigeria -Frankreich 0:1 (0:0)

Südkorea -Norwegen 1:2 (0:1)

1. Frankreich 3 7:1 9

2. Norwegen 3 6:3 6

3. Nigeria 3 2:4 3

4. Südkorea 3 1:8 0

Gruppe B

China -Spanien 0:0

Südafrika -Deutschland 0:4 (0:3)

1. Deutschland* 3 6:0 9

2. Spanien* 2 3:2 4

3. China* 3 1:1 4

4. Südafrika 3 1:8 0

Gruppe F

Schweden -Thailand 5:1 (3:0)

USA -Chile 3:0 (3:0)

1. USA 2 16: 0 6

2. Schweden 2 7: 1 6

3. Chile 2 0: 5 0

4. Thailand 2 0:18 0

*fürs Achtelfinale qualifiziert

Modus: Gruppen-1., -2. und drei -3. im Viertelfinale.

U21-EM in Italien und San Marino

Gruppe A

Polen -Belgien 3:2 (1:1)

Italien -Spanien 3:1 (1:1)

1. Italien 1 3:1 3

2. Polen 1 3:2 3

3. Belgien 1 2:3 0

4. Spanien 1 1:3 0

Gruppe B

Serbien -Österreich 0:2 (0:1)

Deutschland -Dänemark 3:1 (1:0)

Gruppe C

Rumänien -Kroatien Di., 18.30

England -Frankreich Di., 21.00

Golf

US Open in Pepple Beach

Endstand nach 4Runden: 1. GaryWoodland

(USA) 271 Schläge(68+65+69+69); 2. Brooks

Koepka (USA) 274 (69+69+68+68); 3. Justin

Rose (England); Xander Schauffele (USA); Chez

Reavie (USA); JonRahm (Spanien) alle 277 ... 35.

Martin Kaymer (Mettmann) 285 (69+75+71+70)

Tennis

ATP-Turnier in Halle

1. Runde: Johnson (USA) -Kohlschreiber (Augsburg)

6:3, 6:3; A. Zverev(Hamburg/Nr.2)-Haase

(Niederlande) 6:4, 7:5


Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 – S eite 18 **

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Sport

Frauenfußball im TV

Mit Männchen

verpackt

Karin Bühler

findet viele TV-Spiele der

Frauen-WM überflüssig.

Rattikan Thongsombut, WilaipornBoothduang

und PhonphirunPhilawan

haben vieles richtig gemacht.

Zumindest haben sich die

Thailänderinnen für den richtigen

Sportentschieden. Ebenso wie Amarachi

Okoronkwo, Chinwendu Ihezuo

oder Ngozi Okobi aus Nigeria

oder die Deutschen Almuth Schult,

Johanna Elsig oder AlexandraPopp.

Sie spielen Fußball; zurzeit bei

der Weltmeisterschaft in Frankreich.

Und die Menschen in Deutschland

können ihnen öffentlich-rechtlich

präsentiert dabei zusehen. Jawohl.

Applaus! 24 Teams kämpfen in 52

Spielen um die WM-Krone.ARD und

ZDF sorgen vomEröffnungsspiel bis

zum Finale für eine lückenlose Berichterstattung

aller Spiele, entweder

als Liveübertragung im Nachmittag-

und Abendprogramm der

Sender, mindestens aber im werbeexklusiven

Livestream.

„Zeit zu glänzen“, heißt das Motto

der Frauen-WM in Frankreich, das

die Öffentlich-Rechtlichen für ihre

Berichterstattung geklaut haben.

Wobei ganz offenbar die werbliche

Relevanz der deutschen Partien als

glänzend eingestuft wird. Eine Servicebox

bietet auf der Homepage

von ZDF-Werbefernsehen.de nicht

nur einen Quotenticker, sondern

auch eine Kostenliste für Werbeblocks,

die attraktivsten natürlich

verpackt in „Fußball affine Mainzelmännchen-Inserts“.

Ohne Beachtung

Nicht nur ohne Schleifchen, sondern

eher gar nicht öffentlich-rechtlich

verpackt, wurde dagegen Michelle

Kroppen aus Jena. Die ist am Wochenende

bei der Bogen-WM in den

Niederlanden Vierte geworden, hat

mit den Berlinerinnen Lisa Unruh

und Elena Richter alle möglichen

Olympia-Quotenplätze geholt. Zu

sehen war davon öffentlich-rechtlich:

leider nichts.Ebenso wenige öffentlich-rechtliche

Livebilder gab es

von den Basketball-Play-offs um die

deutsche Meisterschaft zwischen

Alba und dem FC Bayern, von der

Handball-EM-Qualifikation oder

von der Nations League der Volleyballer

und Volleyballerinnen.

Stattdessen zeigen ARD und ZDF

zur besten Sendezeit, wie Schwedens

Fußballfrauen 5:1 gegen Thailand

gewinnen. Beim 0:0 von Japans

Fußballerinnen gegen Argentinien

sahen in Deutschland 2,6 Millionen

Zuschauer zu, am Sonnabendnachmittag

wollten schlappe 2,1 Millionen

Deutsche den Sieg der Niederländerinnen

gegen Kamerun sehen.

70 Stunden Live-Fußball plus Begleitberichte

online und im TV, was

soll das bloß sein? Laut ZDF-Sportchef

Thomas Fuhrmann eine Reaktion

auf die zunehmende Popularität

des internationalen Frauenfußballs

sowie die veränderten Sehgewohnheiten

der Zuschauer.

Diescheinen allerdings vorallem

in Saudi-Arabien verrückt nach

Frauenfußball zu sein. Immerhin hat

dort, sehr zum Ärger des Weltverbandes

(Fifa), ein Piratensender unautorisierte

Bilder von der WM ausgestrahlt.

Unerhört, Geschäft ist

doch Geschäft. Wassollen da Lizenznehmer

und Werbekunden denken?

Diversität ist im durchkommerzialisierten

Fifa-Geschäft nicht vorgesehen.

Aufmerksamkeit verdient nur,

wer Kohle ranschafft. Insofern hat

Rattikan Thongsombut, Wilaiporn

Boothduang oder Phonphirun Philawan

Thailands 0:13-Packung gegen

die USA nicht wirklich geschadet.

Das Hilton am Gendarmenmarkt gehörtAroundtown –ein Vorzeigeobjekt. Sonst konzentriertsich der Großkonzernauf weitaus weniger prestigiöse Immobilien. IMAGO IMAGES/STEINACH

Stolzer Gewinn, stolzer Moment

Weshalb der neue Hauptsponsor des 1. FC Union im Zentrum einer heftigen Kontroverse steht

VonGabriela Keller

Leerstehende Geschäfte, veraltete

Einkaufscenter am

Stadtrand, marode Lagerhallen

mit blinden Fenstern

–woandere möglichst schnell weg

wollen, erkennt die Aroundtown Property

Holding lukrative Geschäfte.

Das Unternehmen, das jetzt als der

neue Hauptsponsor des 1. FC Union

im Zentrum einer heftigen Kontroverse

steht, ist der mit dreifachem Abstand

größte GewerbeimmobilienkonzerninDeutschland.

Aroundtown gehören Hunderte

Gebäude, Bürotürme, Shoppingmalls,luxuriöse

Hotels wie das Hilton

am Gendarmenmarkt. Gewinne gemacht

hat der Konzernaber vorallem

mit einer, wie er selbst es nennt „Value

Add Strategie“. Das bedeutet:

Aroundtown konzentriert sich auf

Immobilien, die mit Problemen verknüpft

sind. Die Eigentümer stecken

oft in finanziellen Schwierigkeiten

und haben es eilig mit dem Verkauf.

„Wir zahlen bar, wir zahlen schnell,

aber wir zahlen weniger“, hat der

stellvertretende Hauptgeschäftsführer

Andrew Wallis vor einigen Jahren

der Immobilienzeitung erklärt.

Mit dieser Strategie hat der Konzern

viel Geld gemacht; das kommt

vor allem institutionellen Anlegern

zugute. Zu den größten Anteilseignernzählt

etwa die Fondsgesellschaft

Blackrock. DasPortfolio vonAroundtown

ist mehr als 14 Milliarden Euro

Zugang 5: In RobertAndrich

haben die Eisernen den

fünften Zugang nach Marcus

Ingvartsen (Genk), Julius

Kade (Hertha BSC), Florian

Flecker (TSV Hartberg) und

Moritz Nicolas (Gladbach)

unter Vertrag genommen.

schwer, ein Fünftel der Immobilien

liegen in Berlin. Über seine Beteiligung

an der Gesellschaft Grand City

Property (GCP) profitiertder Konzern

außerdem vom rentablen Segment

Wohnimmobilien: Aroundtown hält

39 Prozentvon GCP,der 84 000 Wohnungen

in Deutschland gehören.

Zusammen kontrollieren Aroundtown

und Grand City Immobilien im

Wert von 20Milliarden Euro. Beide

sind im MDax der Frankfurter Börse

gelistet; dennoch blieb ihr enormes

Wachstum bislang weitgehend unbemerkt.

Nunfällt mit der Ankündigung

des 1. FC Union ein Schlaglicht auf

den Konzern, zugleich geriet der Verein

wegen seines neuen Sponsors in

die Kritik. AufTwitter machten aufgebrachte

Reaktionen von Fans unter

dem Hashtag #NotMyHauptsponsor

die Runde.

DER NÄCHSTE NEUE

RobertAndrich

IMAGO IMAGES/REVIERFOTO

Tore 4: Der 24 Jahre alte

zentrale Mittelfeldspieler

absolvierte in der abgelaufenen

Saison 25 Spiele für

Zweitligist 1. FC Heidenheim.

Vier Tore und drei Vorlagen

sind für den früheren

Herthaner notiert.

Zwar ist Grand City bereits seit

zwei Jahren Sponsor der A- und B-Jugend

von Union. Dennoch erweist

sich das Engagement von Aroundtown

als heikel: Die Wut über steigende

Mieten in Berlin trifft hier auf

die Sorge der Fans, Union könne mit

dem Aufstieg in die Bundesliga seine

bodenständige Identität verlieren.

Auf dem Blog textilvergehen.de ist

voneiner„bemerkenswertinstinktlosen

Entscheidung“ die Rede.

Schon vor Wochen brachte der

Union-Fan und Stadtsoziologe AndrejHolm

in einem Interview mit dem

Magazin 11Freunde soziale Verdrängung

in der Stadtund Gentrifizierung

im Fußball inZusammenhang: „Das

Stadion ander Alten Försterei ist immer

voller, quasi eine Metapher zu

Berlin“, sagte er. „Es platzt aus allen

Nähten. Natürlich stellen sich Fragen,

Mittendrin, aber nicht so richtig dabei

wie viele Neue noch reinpassen und

wie es für die wird, die schon immer

da sind.“ Tatsächlich steht der

Aroundtown, eine Holding mit verschachtelten

Strukturen und Sitz in

Luxemburg, für einen Wandel auf

dem Immobilienmarkt, weg von privaten

Vermietern, hin zuinternational

agierenden Konzernen.

BeiGrand City liegen dieMieten in

Berlin mit 7,60 Euro im Schnitt recht

hoch, so steht es in einer Studie der

Rosa-Luxemburg-Stiftung über große

Immobilienkonzerne, trotz „relativ

geringer Ausgaben für Instandhaltung

und Modernisierung wurden die

Mieten in den letzten Jahren jeweils

um mehr als fünf Prozent erhöht“.

Grand City gibt seine Netto-Mieterträge

in einer Präsentation mit jährlich

364 Millionen Euro an –und offenbar

sind die Möglichkeiten nicht

ausgeschöpft: Das Marktpotenzial

ließe 467 Millionen zu; es gebe viel

Spielraum nach oben „für Mieterhöhungen

auf Marktniveau“.

Union gab eine Zusammenarbeit

bis 2021 mit Aroundtown bekannt,

mit Option für eine Verlängerung um

ein weiteres Jahr. Der Verein verkündete

die Neuigkeit auf seiner Website.

Dort wurde auch Wallis zitiert, der

Vize-CEO von Aroundtown: Auf die

Frage, wie es sein wird, das Logo seiner

Firma beim ersten Bundesligaspiel

auf der Brust der Spieler zu sehen,

habe er gesagt: „Für uns alle im

Unternehmen wird das ein sehr stolzerMoment

sein.“

Beim 3:1 der deutschen U21 zum Auftakt der EM gegen Dänemark bleibt Unions Zugang Ingvartsen nahezu unsichtbar

Nach 59 Sekunden hatte Marcus

Ingvartsen bei dieser U21-Europameisterschaft

seinen ersten Ballkontakt.

Eine einfache Kopfballablage

war das,grundsätzlich nichts besonderes,doch

bei einem, der künftig

die Farben des 1. FC Union tragen

wird, darf die Beobachtung schon

mal bis ins Detail gehen. Wasdie Beobachtung

dann doch etwas verkomplizierte,

war der Umstand, dass der

23 Jahre alte Stürmer bei der Begegnung

seiner Dänen mit der deutschen

Auswahl erst mal außen vor

war, soll heißen: ohne weiteren Ballkontakt.

Meter um Meter machte er

als Stoßstürmer zwar,erfüllte vorden

Augen von Union-Manager Oliver

Ruhnert, der in Udine zugegen war,

seine taktischen Grundpflichten.

Doch irgendwie fand er nicht ins

Spiel. Erst in der 24. Minute war Ingvartsen

wieder am Ball, mit einer

Kopfballverlängerung –ins Leere.

Nun, nach diesem 1:3 der Dänen

gegen die DFB-Auswahl fällt einem

ein Urteil über den Neu-Köpenicker

gar nicht so leicht. Vielleicht kam der

Angreifer in den vergangenen Monaten

beim KRC Genk doch zu selten

zum Einsatz, um im Nationaltrikot

sogleich seinen Rhythmus zu finden.

Vielleicht fehlte ihm aber einfach nur

die Unterstützung aus den dänischen

Mittelfeldreihen, als dass er seine

Klasse unter Beweis stellen konnte.

Maier zur Halbzeit ausgewechselt

Da lässt sich schon etwas mehr über

den Herthaner Arne Maier sagen,

über den Mittelfeldspieler, der dem

Spiel der deutschen Auswahl Struktur

verleihen sollte. Das gelang ihm freilich

nicht allzu gut, im Besonderen im

Spiel nach vorne, wodurch sich sein

Trainer Stefan Kuntz trotz der 1:0-

Führung durch den Augsburger

MarcoRichter (27.) zum Handeln ge-

zwungen sah. Er nahm Maier,der im

Ausgang der Saison wegen einer

Knieverletzung mehrereWochen auf

der Verletztenliste gestanden hatte,

zur Halbzeit aus dem Spiel.

Inwieweit das Auswirkungen auf

das Spiel seiner Mannschaft hatte,

lässt sich nur schwer nachvollziehen.

Fakt ist, dass Richter (52.) und

Luca Waldschmidt (65.) mit ihren

Treffern die Partie zugunsten der

deutschen Junioren entschieden.

Der von Robert Skov, dem besten

Dänen, verwandelte Handelfmeter

(73.) war der Anschlusstreffer, aber

auch nicht mehr. (BLZ)

Im

zweiten

Anlauf

Herthas Valentino Lazaro ist

sich mit Inter Mailand einig

VonPatrick Berger

Kürzlich erst warValentino Lazaro

oben. Ganz weit oben. Im USA-

Urlaub kreiste der Mittelfeldspieler

vonHertha BSC in einem Helikopter

hoch über den Wolkenkratzern von

Manhattan. Lazaro nahm seine

knapp 50 000 Fans auf Instagram mit

auf den Rundflug. Sein nächster Halt

könnte allerdings schon in wenigen

Tagen Mailand sein. Der Kicker berichtete

über ein Gespräch zwischen

Antonio Conte, 49, dem neuen Trainer

vonInter Mailand, undValentino

Lazaro. Das deckt sich auch mit den

Informationen der Berliner Zeitung.

In einem Telefonat mit Lazaro

machte Conte deutlich, dass er künftig

auf ihn setzen will. Der Italiener,

der im vergangenen Jahr noch mit

dem FC Chelsea den Englischen Pokal

holte, hat seinen zuvor angestrebten

Plan mit Danilo, 27, von

Manchester City über den Haufen

geworfen. Der Brasilianer ist für

Contes Spielausrichtung zu defensiv.

Conte sucht in seinem 3-5-2-System

auf der rechten Seite einen Kreativspieler,der

sowohl defensiv als auch

offensiv agieren kann –und ist bei

Lazarofündig geworden.

Italiener müssen nachbessern

Der stilsichere Lazaro würde einen

Wechsel in die Modestadt, wo er

künftig in der Champions League

spielen könnte,begrüßen. Derösterreichische

Nationalspieler ist ein

großer Fan des italienischen Calcio

und vonConte angetan. Auch wegen

des bekannten Trainers zieht es den

Sohn einer Österreicherin und eines

Angolaners wohl ins Stiefelland.

Conte wurde 2012, 2013 und 2014

bei Juventus Turin dreimal in Folge

zum Serie-A-Trainer des Jahres gewählt,

feierte mit der „Alten Dame“

drei Meisterschaften und wurde

2017 englischer Meister mit Chelsea.

Lazaro ist sich sicher, dass er unter

Conte den nächsten Karriereschritt

gehen kann.

Lazaro und Inter –schon vor sieben

Jahren sollte es zu einem Transfer

kommen. Lazaros langjähriger

Berater Max Hagmayr, 62, selbst

einst österreichischer Nationalspieler,

hatte schon im Jahr 2012 ein Angebot

der Nerazzuri für den damals

16-Jährigen von Red Bull Salzburg

vorliegen. Der Wechsel scheiterte

aber am Veto vonMutter Bettina, die

wollte, dass ihr Sohn zunächst die

Schule abschloss.Imzweiten Anlauf

soll es nun klappen.

Hertha BSC, das vor zwei Jahren

knapp sieben Millionen Euro für Lazaro

hinlegte, und Inter feilschen

zurzeit noch um die Ablöse.Die Mailänder

sollen ein erstes Angebot über

17 Millionen Euro plus zwei weitere

in Form vonBonuszahlungen vorgelegt

haben. Noch zu wenig für die

Blau-Weißen. Eine Entscheidung

soll in dieser Woche fallen. Lazaro

wäreConteserster Inter-Transfer.

Extrovertiert: Lazaro zieht es wohl in die

Modestadt Mailand.

IMAGO IMAGES/KÖNIG


Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 – S eite 19

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Feuilleton

Markus Schneider

führtSie durch die Pop-

Konzerte der Woche

Seite 22/23

„In der Weimarer Republik gab es Transgender-Ausweise.“

Der Tanzkurator Ricardo Carmona hat für ein Festival am HAU die Geschichte der queeren Bewegung erforscht Seite 20

Rohkunstbau

Ohne Moos

nix los

Ingeborg Ruthe

wird dieses sommerliche

Kunstfestival vermissen.

Die Vernissage zum Sommeranfang

war eine liebgewonnene

Institution. Um den 21. Juni herum

startete seit den Neunzigern die

Brandenburgische Kunstschau mit

dem komischen Namen „Rohkunstbau“.

Undsie zog Kunstfreunde von

überallher an.

Dieses Jahr wäreesder 25. Jahrestag

des 1994 in einer einstigen LPG-

Rohbauhalle im Spreewaldort Groß

Leuthen gegründeten, vier Jahre

später dann ins dortige malerisch

marode Wasserschloss gezogenen,

zuletzt auf Schloss Lieberose, Landkreis

Dahme-Spreewald, sachte verwurzelten

Sommer-Ereignisses gewesen.

Sozusagen die Silberhochzeit

internationaler Künstler mit märkischen

Schlössern. Denn die Schau

fand über die Jahre inetlichen einst

preußischen Residenzen und Refugien

–über Schloss Sacrow,Villa Kellermann,

die Schlösser Marquardt

und Roskow–statt.

Die Spannungsbögen zeitgenössischer

Kunst hin zur preußischen

Historie wertete die teils pittoresk

verfallenen Immobilien kulturell auf.

Dies mit Arbeiten, die sich zumeist

originell auf die Geschichte dieser

historischen Gemäuer bezog und

daher für das Publikum immer auch

ein Stück weit Heimatkunde war.

In diesem Sommer aber wird es

die beliebte Ausstellung nicht geben.

Kein Geld, kein Sponsor. Und keine

Idee,wie das Ausnoch zu verhindern

wäre. Die Heinrich-Böll-Stiftung

Brandenburg, die in den vergangenen

Jahren die ohnehin von Anfang

an bescheiden und vonallen Mitwirkenden

mit ehrenamtlichem Einsatz

ermöglichte Schau finanzierte, sah

sich diesmal dazu außerstande.

Der Freundeskreis Rohkunstbau

unter dem Augenarzt und Gründer

des Festivals, Arvid Boellert, suchte

zwar fieberhaft, fand indes keinen

neuen Sponsor. Das Kultusministerium

Brandenburg hat sich schon

vorJahren aus der Finanzierung verabschiedet.

DieKulturstiftungen der

Länder und des Bundes fördern andere

Großprojekte. Und so musste

der Berliner Kurator Mark Gisbourne

die Künstler wieder ausladen.

Also keine junge Kunst im alten

Schloss Lieberose.ImGemeindeamt

wirddas sehr bedauert, doch die ohnehin

geringen regionalen Mittel

seien bereits mit dem grenzüberschreitenden

touristischen Sommer-Projekt

„Aquanale“ gebunden.

Hätte doch aber ganz gut zusammengepasst.

Im Potsdamer Landtag

sollte man darüber für 2020 nochmal

gründlich nachdenken.

Ideal für Kunst:Renaissance-Schloss Lieberose,

Landkreis Dahme-Spreewald DPA

VonArnoWidmann

Es fällt schwer zu entscheiden,

mit welchen Werken

Jürgen Habermas den größeren

politischen Erfolg

hatte.War seine Intervention im Historikerstreit

wirklich publikumswirksamer

als „Erkenntnis und Interesse“?

Sind seine Interventionen

zur Europapolitik wirkungsvoller als

„Die Theorie des Kommunikativen

Handelns“? Wenn im September die

beiden Bände„Auch eine Geschichte

der Philosophie: Band1. Die okzidentale

Konstellation von Glauben

und Wissen, Band 2: Vernünftige

Freiheit. Spuren des Diskurses über

Glauben und Wissen“ erscheinen

werden, dann hat Habermas die Feiernzuseinem

90. Geburtstag bereits

hinter sich.Wirwerden staunend vor

den 1700 Seiten stehen und wissen:

Er wird einen Eintrag ins Guinness-

Buch der Rekorde bekommen. Noch

nie hat ein lebender 90-jähriger Autor

einWerk dieses Umfangs abgeliefert.

Sein Jahrgangsgenosse Hans

Magnus Enzensberger hat dieses

Jahr bereits drei Bücher herausgebracht.

Wie schmächtig, ja schmalbrüstig

sie sich daneben ausnehmen!

Martin Walser, imMärz 1927

geboren, legte seinen letzten Wälzer

vor Jahrzehnten vor. Allerdings erscheint

von ihm fast jedes Jahr ein

neues Buch. Natürlich sagen Umfänge

nichts über Qualität aus. Aber

ich drohe vor Ehrfurcht in die Knie

zu gehen angesichts von1700 Seiten!

Eine Mammut-Arbeit

Bereits vor der Lektüre wissen wir,

dass es ein epochales Werk sein wird.

Jedenfalls in der Evolution des Jürgen

Habermas. Von wegen „same procedureasevery

year“ zum 90. Geburtstag.

„Auch eine Geschichte der Philosophie“

ist der Versuch, sich über die

Rolle der Religion bei der Herausbildung

des europäischen Vernunftbegriffs

klarzuwerden. Also die Aufarbeitung

einer über lange Zeit vonHabermas

unbeklagten Lücke. Eine

Mammut-Arbeit. Aber grandioser

noch: ein Mammut, das die Blick-,

womöglich auch die Laufrichtung

ändern will, um in der sich verändernden

Umgebung als Elefant überleben

zu können. Habermas’ Fähigkeit,

sich auf fremde Gedanken nicht

nur einzulassen, sondern sich ihnen

zu stellen, ist seine beeindruckendste

politische Tugend. Leider wird man

den Verdacht nicht los, dass sie die

wenigsten Nachahmer gefunden hat.

Dabei mag eine Rolle spielen, dass er

es stets verstand, sie mit ihrem Gegenteil,

mit der Treue,zuverbinden.

Habermas war ein linker Sozialdemokrat,

als er 1965 das Vorwort

zur Buchausgabe von „Hochschule

in der Demokratie“ schrieb.Die 180-

seitige Schrift war das Produkt von

SDS-Arbeitsgruppen verschiedener

Universitäten. Das war schon per se

ein politisches Statement, denn im

November 1961 war der SDS aus der

SPD ausgeschlossen worden. Ein

wesentliches Element der dort ausgebreiteten

Erwägungen war die

Forderung nach Demokratie in den

Hochschulen. Habermas erarbeitete

in den Jahren darauf zusammen mit

den Juristen Erhard Denninger und

Ulrich K. Preuß verfassungsrechtliche

Begründungen dafür, warum

eine Hochschule in der Demokratie

auch eine demokratische Hochschule

sein müsse, in der die verschiedenen

in ihr arbeitenden Gruppen

in den Selbstverwaltungsorganen

wirksam repräsentiert sein

Der gute Hirte der Deutschen

Zum 90. Geburtstag des Philosophen Jürgen Habermas

Republikanischer Geist mit unermüdlichem Fleiß: Jürgen Habermas

müssten. Diese Überlegungen flossen

ein in die vom linken Sozialdemokraten

Peter von Oertzen, 1972

Kultusminister in Niedersachsen,

betriebene Hochschulreform.

Diese Lust an der Verbindung

theoretischer Reflexion mit politisch

unmittelbarer Effizienz hat Habermas

nie verlassen. Sieist seineQualität,

und sie ist seine Schranke.Erhat

früh gelernt, dass Einsichten nicht

dazu taugen, einfach umgesetzt zu

werden. Das war schon früh seine

Kritik an der Kritischen Theorie

Adornos und Horkheimers. Einsichten

in die Verfassung der Realität, so

Habermas,waren erst dann ernst zu

nehmen, wenn sie sich nicht als Flaschenpost

für eine ferne Zukunft

verstanden, sondern sich einließen

auf die Schwierigkeiten, sie praktisch

werden zu lassen.

Das war auch der Grund seiner

scharfen Kritik am Spiel der Studentenbewegung

mit der Gewalt. Den

Staat, wie Teile des SDS es damals

formulierten, so zu provozieren,

dass er sich zeigte als das,was er der

Analyse zufolge war, „der autoritäre

SARA MATOS/IMAGO

„Die Lust an der Verbindung

theoretischer Reflexion mit politisch

unmittelbarer Effizienz hat Jürgen Habermas

nie verlassen. Sie ist seine Qualität –und sie

ist seine Schranke.“

Staat“, riskierte,ihm dabei zu helfen,

einer zu werden. Das Spiel mit dem

Terror sei linker Faschismus,erklärte

Habermas 1967. Er nahm diesen

Vorwurf später zurück. Wie recht

und wie unrecht er hatte, zeigte sich

schnell. Aus dem Spiel wurde –wie

Habermas es vorausgesehen hatte –

Ernst. Nicht nur auf Seiten des Staates.Auch

aus den Puddingattentaten

wurden politische Morde. Andererseits

aber entstand die Alternativbewegung.

Undmancher,der noch ein

paar Jahre zuvor Pflastersteine als

politische Argumente, oder doch als

Argumentverstärker, eingesetzt

hatte, landete bei den damals sich

„gewaltfrei“ nennenden Grünen.

Habermas beobachtete das alles

mehr oder weniger genau vometwas

abgelegenen Starnberger „Max-

Planck-Institut zur Erforschung der

Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen

Welt“ aus.

Im Historikerstreit von1986 holte

Habermas zu einem seiner wuchtigsten

Schläge aus.Seit dem 1. Oktober

1982 war Helmut Kohl Bundeskanzler.ImMai

1985 hatte der Kanzler

der „geistig-moralischen Wende“

zusammen mit dem amerikanischen

Präsidenten Ronald Reagan in

Bitburg auf einem Soldatenfriedhof,

auf dem auch Angehörige der Waffen-SS

bestattet worden waren, der

deutschen Soldaten des II. Weltkrieges

gedacht.

Habermas antwortete u.a. auf einen

Artikel des Historikers Ernst

Nolte, der die rhetorische Frage gestellt

hatte: „Vollbrachten die Nationalsozialisten,

vollbrachte Hitler

eine ‚asiatische‘ Tat vielleicht nur

deshalb, weil sie sich und ihresgleichen

als potentielle oder wirkliche

Opfer einer‚asiatischen‘ Tatbetrachteten?“

Nolte zeigte mit dem Finger

auf „den Bolschewismus“ und erklärte

wie auf dem Schulhof: „Der

hat angefangen!“ Niemand der damals

von Habermas angegriffenen

Historiker vertrat inder Öffentlichkeit

die These, der Nationalsozialismus

sei im Vergleich zur grandiosen

deutschen Geschichte ein Fliegenschiss,

aber an einer Herabminderung

seiner Relevanz nicht nur für

die Geschichte, sondern auch für

Gegenwart und Zukunft waren sie

alle interessiert. Dagegen positionierte

Habermas nicht nur sich, sonderntatsächlich

auch einen Großteil

der öffentlichen Meinung.

Transatlantische Schritte voraus

Seitdem heißt es immer wieder, Jürgen

Habermas sei der„Philosoph der

Bundesrepublik“. Das ist richtig. Er

hat die bundesrepublikanische Intelligenz

auf dem langen Wegnach

Westen nicht nur begleitet. Er hat ihr

den Weggezeigt, war ihr immer wieder

ein paar – transatlantische –

Schritte voraus.Von 1980 bis 2013 erschienen

bei Suhrkamp 12 Bände

„Kleine Politische Schriften“. Siedokumentieren

ein Stück bundesrepublikanischer

Reflexionsgeschichte,

wie sie kein anderer Autor vorgelegt

hat. Jürgen Habermas hat ein Auge

auf seine Schäfchen, die Bundesrepublikaner.

Ein Schäferhund, der

seine Herdeumkreist, um sie vorden

immer wieder angreifenden Wölfen

des Nationalismus zu schützen, der

aber auch darauf achtet, dass sich

keiner seiner Schutzbefohlenen wieder

nach Sonderwegen umsieht. Jürgen

Habermas war der gute Hirteder

Bundesrepublikaner, einer Herde,

die –ganz wie der Rest der Menschheit

auch –immer auch ein wenig

überfordert ist, wenn man sie als

mündige Bürger anspricht.

Anschlussfähigkeit ist einer der

zentralen Begriffe dieses guten Hirten,

seiner Philosophie und seines

kommunikativen Handelns. Wer

daraus den Schluss zieht, er schlösse

sich gerne an, hat den Begriff nicht

verstanden. Es geht Habermas

darum, sein Denken, seine Überlegungen

undVorschläge,jasich selbst

–und immer auch uns,seine Mitbürger

–anschlussfähig zu halten. Fähig.

Zur Fähigkeit gehört, dass man

selbst entscheidet, wo man sich anschließt

und wo nicht. Vonder „Großen

Verweigerung“ hat Habermas

nie etwas gehalten. Ebenso wenig

vom„Anschluss“. Aber zu ihm nicht

fähig zu sein, heißt, die Realität aus

den Augen verloren zu haben.

Sich nach ihr zu richten, aber

wäre der Selbstmord des Homo SapiensHabermasensis.

Arno Widmann

hat noch viel Habermas-

Lektüre vorsich.

NACHRICHTEN

Picasso-Schau brachte

Barberini Besucherrekord

DiePicasso-Schau im Potsdamer

Museum Barberini hat sich als großer

Publikumserfolg des Hauses entpuppt:

Biszum Ende der Ausstellung

am Wochenende hätten rund

168 000 Besucher das Spätwerkdes

Künstlers angeschaut, berichtete das

Museum am Montag. Damit sei die

Picasso-Ausstellung die erfolgreichste

des Hauses nach der Eröffnungsschau

mit Impressionisten,

die vorgut zwei Jahren 320 000 Besucher

angezogen hatte,sagte Museumsdirektorin

Ortrud Westheider.

Im vergangenen Jahr kamen zu einer

Ausstellung mit dem abstrakten

Werk vonGerhardRichter mehr als

150 000 Kunstinteressierte.Als

nächstes folgt vom13. Juli an die

Ausstellung „Wege des Barock“ mit

mehr als 50 Meisterwerken aus den

Palazzi Barberini und Corsini in

Rom. Darunter sei auch eines der bedeutendsten

Werkevon Caravaggio,

sein in den Jahren 1597 bis 1599 entstandenes

Gemälde „Narziss“, berichtete

das Museum. (dpa)

Jazzpreis Berlin

für Axel Dörner

Axel Dörner bei einem KonzertimHaus

der Kulturen der Welt.

ROLAND OWSNITZKI

DerTrompeter Axel Dörner wirdmit

dem Jazzpreis Berlin ausgezeichnet.

DerPreis ist mit 15 000 Euro dotiert.

Er wirdvom Rundfunk Berlin-Brandenburg(RBB)

und der Kulturverwaltung

des Berliner Senats vergeben.

Dörner (Jahrgang 1964) nehme

einen singulären Platz in der internationalen

Jazzszene ein und sei ein

wichtiger Bezugspunkt und Einfluss

für Musikerinnen und Musikerweit

über Deutschland hinaus,teilte der

RBB am Montag mit. DerPreis wird

bei einem öffentlichen Konzertam

27. Juni in Berlin verliehen. (dpa)

Hamburger Nachwuchspreis

für Theaterregie vergeben

DerHamburger Preis für junge Theaterregisseuredes

Körber-Studios ist

an Felix Krakau für seine Inszenierung

vonHenrik Ibsens „Peer Gynt“

am Thalia Theater Hamburgverliehen

worden. DerPreis ist mit einem

Produktionskostenzuschuss von

10 000 Euro dotiert, den Krakau für

eine neue Regiearbeit an einem

Theater nutzen kann. Der1990 geborene

Student der Hochschule für

Musik und Darstellende Kunst in

FrankfurtamMain konnte sich gegen

elf Nachwuchsregisseuredurchsetzen,die

ihreInszenierungen

ebenfalls auf dem fünftägigen Regieschultreffen

vorgestellt hatten. Das

Körber Studio Junge Regie ist ein Gemeinschaftsprojekt

des Thalia Theaters,der

Körber-Stiftung und der

Theaterakademie Hamburg. (dpa)


20 * Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019

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Feuilleton

Es gibt keine Garantie auf das Erreichte

Der Tanzkurator Ricardo Carmona über das Festival „The Present Is Not Enough“ im HAU und die Notwendigkeit, sich intensiver mit der Geschichte zu befassen

Das HAU Hebbel am Ufer

engagiert sich schon

lange für die queere

Kunst in der Stadt. Ab

Donnerstag widmet sich ein großes

Festival mit Performances, Theater,

Tanz, Ausstellungen, Konzerten und

Dialogformaten dem Thema. Der

Kurator Ricardo Carmona erklärt,

was für eine Herausforderung das ist.

Herr Carmona, Ihr Festival ist „The

Present is not enough. Performing

Queer Histories and Futures “betitelt.

Wasfehlt Ihnen an der Gegenwart?

Ricardo Carmona: Es hat in den

vergangenen Jahren einige positive

Entwicklungen gegeben. 2017 etwa

wurde –endlich –auch in Deutschland

die gleichgeschlechtliche Ehe

legalisiert und 2018 das dritte Geschlecht

als Option in offiziellen Dokumenten

eingeführt. Aber das ist

doch noch lange nicht genug. DieSituation

an den Schulen zum Beispiel

ist für queere Jugendliche nach wie

voralles andereals gut. Jugendliche,

die sich outen, werden gemobbt, oft

so, dass sie die Schulen verlassen.

Gleichzeitig hat Queer Amnesty darauf

aufmerksam gemacht, dass die

Selbstmordrate unter nicht geouteten

Jugendlichen signifikant hoch

ist. Die Angriffe auf queere Menschen

sind in Berlin dramatisch angestiegen.

In den Communities

selbst ist das ein großes Thema, aber

im öffentlichen Bewusstsein ist diese

Entwicklung noch gar nicht richtig

angekommen. DerLGBTIQ*-feindlichen

Hetze der rechtsextremen Parteien

und Organisationen folgen

längst Taten –auch hier in Berlin.

Auch die jüngste Erklärung des Vatikans

gegen Transgender und Intersexuelle

dürfte nicht gerade hilfreich

gewesen sein.

Damit wird noch mehr Öl ins

Feuer gegossen. Es gibt zurzeit zwei

parallel verlaufende Bewegungen.

Auf der einen Seite gibt es eben die

vielen positiven Entwicklungen,

aber auf der anderen Seite wächst

der Rechtsextremismus und deren

Erfolg basiert auch darauf, die Ressentiments

gegen queere Menschen

mit den alten, tradierten Hass-Narrativen

zu schüren. Damit werden

Stimmen gewonnen. Donald Trump

hat das so gemacht und jetzt auch

Jair Bolsonaro inBrasilien, und wir

sehen diese Narrative auch in Europa

an Macht gewinnen…

Dennoch rücken Sie mit Ihrem Festivaleher

die Geschichte in den Fokus.

Einiges an queerer Geschichte ist

inzwischen Mainstream, aber es gibt

sehr viel, worüber nach wie vornicht

Ricardo Carmona hat für das Festival nicht nur künstlerische Arbeiten gesichtet, sondernauch die Lebensverhältnisse im Deutschland der Weimarer Republik studiert. DOROTHEA TUCH

gesprochen und was schlicht nicht

gewusst wird. Darum geht es in vielen

der Performances, Filme und

Ausstellungen. Durch die Weise, wie

wir Vergangenheit erzählen und erinnern,

werden auch unsere Gegenwart

und Zukunft mitgeformt. Diesen

Bogen versuchen wir zu schlagen.

Wir wollen aus der Auseinandersetzung

mit der Vergangenheit

andere Perspektiven für die Zukunft

generieren. Wenn man sieht, wie

etwa queere Themen in Literatur

und Film verhandelt werden, ist es

fast immer das gleiche, oft traurige

Narrativ. Eswird viel gestorben, viel

gelitten. Klar, das ist ein Teil unserer

Existenz, aber es gibt eben auch

noch ein paar andereDinge.

In Ihrer Festivalzeitung haben sie

zahlreiche Fotos der queeren Berliner

Kultur der 20er- und 30erJahre abgedruckt.

Diese vielen Bilder vonFrauen

und Männern, die sich damals selbstverständlich

in Kleidung des jeweils

ZUR PERSON

Anfänge: Ricardo Carmona studierte zunächst Biologie an der Universität Lissabon, anschließend

Tanz und Performance Studies an der Lissaboner Tanzhochschule. 2009 beendete er außerdem

eine Fortbildung im Bereich Kulturmanagement.

Aufgaben: Zunächst übernahm Carmona Aufgaben als künstlerischer Leiter in Lissabon, so

auch beim Alkantara-Festival. Seit 2012, mit dem Beginn der Intendanz vonAnnemie Vanackere

am HAUHebbel am Ufer,ist er dortKurator für Tanz und Performance. Das Festival „The

Present is Not Enough“ findet vom20. bis 30. Juni in allen drei Häuserndes HAUstatt.

anderen Geschlechts bewegten, haben

mich wirklich überrascht.

Uns auch! Wir haben im Archiv

des Schwulen Museums und in der

Magnus Hirschfeld Gesellschaft

nach Fotos von queeren Menschen

aus der Weimarer Republik gesucht,

da gab es einige. Damals konnten

Transgender-Personen Ausweise erhalten,

ausgestellt von Magnus

Hirschfelds sexualwissenschaftlichem

Institut, die es den Inhabern

erlaubten, sich öffentlich in queerer

Kleidung zu zeigen. Die Ausweise

wurden von der Polizei akzeptiert.

Wir denken, die Anerkennung von

Transgender sei etwas ganz Neues,

aber das hat es schon damals gegeben.

Mitdem Schwulen Museum haben

wir auf vielen Ebenen eng zusammengearbeitet.

Teil der Festivaleröffnung

ist ein Ausstellungsprojekt

von Karol Radziszewski, seinem

„Queer Archives Institute“, mit dem

er queeres Archivmaterial vor allem

aus Mittel- und Osteuropa sammelt.

Wie verändern solche Funde die Perspektive?

Diese Transgender-Ausweise sind

einerseits eine Empowerment-

Geste. Man erkennt, was schon vor

so langer Zeit möglich war. Aber sie

machen auch noch deutlicher, dass

wir unser Bewusstsein für die queere

Geschichte schärfen müssen. Dafür,

was möglich war –und damit gleichzeitig

aber auch dafür,wie schnell es

sich dann geänderthat. Dasführteinem

doch drastisch vor Augen, dass

es keine Garantie auf einmal Erreichtes

gibt. Es zeigt, mit welcher Geschwindigkeit

die Dinge sich ändern

können. DasErstarken der Rechtsextremen,

auch die Wahlergebnisse in

Deutschland, sind für queere Menschen

bedrohlich – und das eben

nicht nur in der Theorie.

Sie haben im vergangenen Jahr für

das HAU Hebbel am Ufer in einem

Open Call queere Künstler und

Künstlerinnen aus Berlin gefragt, wie

aus ihrer PerspektiveZukunftsszenarien

aussehen könnten und sollten.

Wiesind diese Szenarien ausgefallen?

Wir haben wirklich sehr offen gefragt

und als Antworten alles Mögliche

bekommen, Texte natürlich,

aber auch Performances, Musik und

Tanz. Von270 Einsendungen haben

wir 26 Positionen für das„Manifestos

for Queer Futures“ ausgewählt, mit

dem wir das Festival eröffnen. Viele

der Beiträge setzen sich mit Geschichte

auseinander, mit der Frage

nach unseren queeren Ahnen. Ahnen

nicht in dem Sinn von Blutsfamilie,sondernals

Menschen, mit denen

man durch die gemeinsamen

Themen und eine gemeinsame Bewegung

familiär verbunden ist.

Wie wird die Wiederentdeckung der

Vergangenheit noch thematisiert?

Neben der Ausstellung von Karol

Radziszewski gibt es etwa die Performance

„Untitled (Together Again)“

von Michal Borczuch, der ebenfalls

aus Polen kommt. Borczuch und

sein Team untersuchen in dieser

HAU-Koproduktion das Verhältnis

der HIV/AIDS-Epidemie und der politischen

Situation. Sie erkunden die

aktuelle Situation von LGBTIQ*-Gemeinschaften.

Aber das Festival befasst

sich auch mit ganz anderen

Zeitschichten. Es gibt etwa zwei

wunderbareFilme vonMária Takács,

in denen sie vomLeben in den lesbischen

und den Gay-Communities

im Ungarn vor 1989 erzählt. Es gibt

auch viele Produktionen, die sich

konkret mit unserer Gegenwart auseinandersetzen.

Etwa vonTravis Alabanza,

der in London öffentlich auf

der Straße wegen seiner Transsexualität

attackiertwurde und sich in der

Performance „Burgerz“ diese Gewalttat

aneignet und sie transformiert.

Wird das Festival so etwas wie ein

Gipfeltreffen der queeren Commmunity?

Das hoffen wir! Das ist uns ja seit

jeher ein Anliegen im HAU. Aber vor

allem wünschen wir uns auch, dass

sich viele verschiedene Menschen

begegnen und miteinander in Austausch

kommen.

DasInterviewführte

Michaela Schlagenwerth.

Alles ist Reggae

Der Brite Peter Webber dreht aus Fan-Begeisterung und deshalb eher unkritisch einen Film über Musiker in Jamaika: „Inna de Yard“

VonDennis Vetter

Kurznachdem die Unesco Reggae

im vergangenen November zum

immateriellenWeltkulturerbe erklärt

hat, veröffentlicht der britische Filmemacher

Peter Webber seinen Dokumentarfilm„Inna

deYard“über einige

zentrale Stimmen der Musikbewegung

und ihreErinnerungen: „Als

Teenager, der in den 70er-Jahren in

West-London aufwuchs, konnte

man diese Musik überall hören“, sagt

er.Webber („Das Mädchen mit dem

Perlenohrring“, „Hannibal Rising“)

war vor Ort, als Reggae in England

bekannt wurde und die Aufmerksamkeit

der Pop- und Punkszene

gleichermaßen weckte.

Viele Musiker waren seit dem

Krieg eingewandert und begannen,

ihre Klänge in Europa zu verbreiten.

Wassich zu der gleichen Zeit in Jamaika

abspielte, versucht der Regisseur

nun nachträglich mit der Kamera

zuergründen. Denn nur wenige

der einstigen Wegbereiter (und

insbesondere Wegbereiterinnen!)

des Reggae, etwa Ken Boothe, sind

bis heute in der Industrie sichtbar.

Manche Zeitzeugen landeten nur

einzelne Hits und waren kurzdarauf

bereits wieder aus der internationalen

Wahrnehmung verschwunden.

Einige erlebten erst späte Anerkennung

und müssen sich nun mit Altersarmut

herumschlagen.

Neben Ken Boothe sprach Webber

für „Inna de Yard“ mit Winston

McAnuff (lange völlig unbekannt

trotz seines Hits „Malcom X“), Kiddus

I(ein Gesicht des Reggae-Kultfilms

„Rockers“), Cedric Myton (Sänger

von„The Congos“) und Judy Mowatt

(vielfach auf der Bühne mit Bob

Marley), während sie einige ihrer

größten Hits für das französische

Label Chapter Twoneu einspielten –

und zwar akustisch und unter freiem

Himmel, so wie die Songs ursprünglich

gedacht waren.

Webber sucht in den Aufnahme-

Sessions nach einer Idee der Ursprünglichkeit.

Und dies als weißer

Immerhin schöne Bilder und schöne Musik hat der Film.

Filmemacher, der aus Fan-Begeisterung

einen Film über Musiker dreht,

die Klassenfragen, Widerstand und

Spiritualität aus einer rein jamaikanischen

Perspektiveerläuternsollen.

Es ist Webbers eigentliche Position

zum Geschehen, die hier die wesentlichen

Fragen aufwirft, insbesondere

weil sein Film in keinem Moment

eine Haltung einnimmt. Auf der Ta-

CHAPTER TWO RECORDS

gesordnung steht stattdessen das

schematische Zuhören. Wo ein Dialog

entstehen und seine europäische

Perspektive auf die Kulturtechniken

des Reggae kritisch bedacht werden

könnte, gibt Webber jede Sprachhoheit

aus der Hand und lässt seine

Helden Helden sein.

Abwägendes schleicht sich nur

zufällig ein: Wenn die beteiligten

Musikerinnen die besonderen

Schwierigkeiten ihrer Karrieren und

Konflikte mit Kollegen damals und

heute betonen, wird Geschichte

plötzlich gegenwärtig und der Film

verlässt für Momente das geordnete

Nacherzählen auf TV-Niveau. Dennoch

bleiben die Dialoge mit Judy

Mowatt Randnotizen. In besseren

Momenten offenbart sich die

Gruppe der Musizierenden in ihrer

Verschiedenheit, Ken Boothe etwa

macht unmissverständlich seine

Distanzierung von einigen seiner

Zeitgenossen klar. Kontroversen um

die heutige Reggae-Kultur (etwa Vorwürfe

der Schwulenfeindlichkeit gegen

einzelne Musiker vor einigen

Jahren) lässt der Film weg und begnügt

sich mit einem unkomplizierten„Früher

war alles besser“-Gestus.

Praktisch nie fragt der Film auch weitergehend

nach Vermarktungsweisen,

die das internationale Geschäft

mit jamaikanischen Musikstilen

heute begleiten, spart offensichtliche

finanzielle Abhängigkeiten der

Protagonisten im Rahmen einer gezeigten

Welttournee aus.

Die formale Stromlinienförmigkeit

von Webbers Film erscheint

umso bedauerlicher in Anbetracht

der Vielgestaltigkeit des musikalischen

Kernthemas: nach jamaikanischem

Urheberrecht etwa sind Kompositionen

in der Reggae-Szene Allgemeingut

und frei adaptierbar. Die

künstlerische Kultur des Variierens,

Interpretierens, Nachproduzierens

und Remixens, die dort entstand

und sich in ihrer internationalen Bedeutung

und Formen wie Dub weiterentwickelte,findet

hier aus einem

formelhaften Purismus heraus keine

Entsprechung. Webber lässt sich auf

seichte PR-Bilder ein, filmt zu Reggae-Klängen

Obdachlose in der

Stadt ab. Apolitischer geht’s kaum.

Oder wie es Heiner Goebbels einmal

schrieb: „Never play aReggae.“

Inna de Yard –The Soul Of Jamaica Frankreich

2018. Regie und Buch: PeterWebber.99Minuten.

Ab 20.6.imKino


Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 21

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Feuilleton

Einspringer

mit

Mut

Mikhail Tatarnikov

debütiert beim DSO

VonMartin Wilkening

Kurz vor Abschluss der Saison

überraschte das Deutsche Symphonie-Orchester

mit einem für Berliner

Verhältnisse ungewöhnlichen

Konzertprogramm. Albert Roussel

und Camille Saint-Saens sind bei

uns, gemessen an ihrem Rang und

der Erfindungskraft vieler ihrer

Werke, notorisch unterrepräsentiert.

Die Idee, diesen beiden Repräsentanten

der französischen Musik ein

russisches Echo folgen zu lassen, ist

naheliegend. Dann Prokofjew zu

wählen statt Strawinsky ist schon etwas

gewagter. Und mit dessen vierter,höchst

selten gespielter Symphonie

anzutreten, zeugt von Eigenwilligkeit

und Entdeckerfreude, auch

von der Bereitschaft des Orchesters,

in der knappen Probenzeit nicht nur

immer wieder das Repertoire aufzufrischen.

Wenn dann der Dirigent aus

Krankheitsgründen kurzfristig ausfällt,

wird meistens von dem Einspringer

auch etwas an den Stücken

geändert. Das war diesmal aber

nicht der Fall. Derrussische Dirigent

Mikhail Tatarnikov konnte das von

Lionel Bringuier geplante Programm

vollständig übernehmen und stand

damit gleichzeitig zum ersten Mal

am Pult des DSO.

AlbertRoussels Ballett-Suite „Das

Festmahl der Spinne“ entstand 1912.

Seinerzeit war sie ein großer Erfolg.

Die Fabel aus dem Reich der Insekten

geht auf die in Frankreich berühmten„Erinnerungen

eines Insektenforschers“

von Jean-Henri Fabre

zurück. Mitdem Streichergemurmel

und dem daraus aufsteigenden Flötenthema

zeigt sich die Musik von

Beginn an im typischen Dekor ihrer

Zeit. Aber wie Roussel im einzelnen

vorgeht, wie er zwischen klanglicher

und linearer Gestaltung vermittelt,

das offenbart seine ganz eigene

Handschrift. Das DSO spielt hier in

leicht reduzierter Streicherbesetzung,

was das durchsichtige Klangbild

unterstützt.

Der Komponist und Pianist Sergej Prokofjew,

aufgenommen etwa1918.

DPA

Tatarnikov legt Wert auf flüssige

Entwicklungen, lässt auch Nebenstimmen

sprechen. DieFarbwechsel

wären subtiler vorstellbar, zuRoussels

Erzählton passt dieser etwas robuste

Zugriff jedoch sehr gut.

Camille Saint-Saens leicht plüschiges,aber

in der originell gestalteten

Einsätzigkeit überzeugendes

Cellokonzert Nr. 1wurde von Gautier

Capucon sehr direkt und unverkitscht

gespielt, mit machtvollem,

körnigem Tonund geradezu perkussiv

rhythmischer Präzision in den

Doppelgriffpassagen.

Schade, dass danach der klischeehafte

Saint-Saens’sche

„Schwan“ als Zugabe herhalten

musste. Nur teilweise überzeugen

konnte an diesem Abend das längste

Werk. Sergei Sergejewitsch Prokofjews

Vierte in der erweiterten Fassung

von1947 hätte man sich nuancierter,

dynamisch abgetönter gewünscht,

trotz mancher Staunen erregender

Details, wie den

flimmernden Klangflächen im ersten

Satz, überwog der Eindruck des

gleichförmig Massiven.

VonTorsten Wahl

Schon der Geruch der Sonnencreme

verbreitet das Sommergefühl

in der ohnehin gut aufgeheizten

Scheinbar. Doch das Öl hat

seine Tücken –die glitschigen Finger

stören Franky Fuzz beim Gitarrespielen.

Überhaupt hat der Sommer,

zumal ein so stickiger, zumal

in Berlin, viele schlimmen Seiten.

Das beginnt mit der starken Transpiration

– „Hättste mal dusch’n

soll’n“ heißt der dazu passende

Reggae vonFuzz.

Auch die Touristenhorden sorgen

für Berliner Frust. Tomvan Orten,

als Zugezogener der Gast des

Abends, singt schmelzend von gärenden

Hundekotbeuteln und dehydrierten

Spatzen, die in der Kotze

picken. Über den Zwang, den Körper

im Sommer vorführbar machen

zu müssen, lästert Katharina Hoffmann.

Sie hat immerhin Abhilfe gefunden.

Sie steigt in einen groß geblümten

Umkleideumhang, wie sie

früher an Stränden noch üblich waren,

und kommt in einem wunderbar

eleganten roten Burkini heraus:

Geknüpfte Kalaschnikows

In der Bumiller Collection in Kreuzberg sind Kriegsteppiche aus Afghanistan zu sehen

VonSusanne Lenz

Den ersten Kriegsteppich

sah der Dokumentarfilmer

Till Passow imJahr

2002 in Pakistan. Er war

für die Recherche für einen Film

dort, und das Goethe Institut in Karachi

hatte ihn bei einem englischen

Künstler untergebracht. „Ich schlief

in dessen Wohnzimmer, und meine

Schlafstatt stand auf so einem Teppich.“

Statt der üblichen Muster waren

darauf Handgranaten und

Kampfflugzeuge zu sehen. Till Passow

nahm sie erst auf den zweiten

Blick wahr, sounerwartet waren die

Motive. Er war dann aber elektrisiert

und klapperte sofort sämtliche Teppichmärkte

ab,erst in Karachi, dann

in Lahore, später besuchte er auch

den großen Teppichbazar in Peshawar.

Eswar der Beginn seiner Sammelleidenschaft.

Heute besitzt er

rund 70 Kriegsteppiche aus Afghanistan

und Pakistan, es ist dies eine

von drei Sammlungen in Deutschland.

DieHälfte seiner Stücke ist derzeit

in der Bumiller Collection in Berlin

zu sehen.

Die Motive dieser besonderen

Teppiche beruhen auf der jüngeren

Geschichte Afghanistans, der sowjetischen

Invasion zwischen 1979 und

1989. Die meisten sind in den 80er

und 90er Jahren entstanden, heute

werden sie kaum noch hergestellt.

Geknüpft wurden sie von Halbnomaden

wie den Belutschen, Taymani

und Ali Khodja. Die Stämme verarbeiteten

traditionell Alltag in den

Motiven, sagt Till Passow. „Und nach

dem Einmarsch der Russen war das

der Krieg.“

Ornamente aus Kriegsgerät

Kalaschnikow-Teppich, wahrscheinlich aus einem Flüchtlingslager.

Es sind faszinierende Werke. Auf einem

Teppich aus Nordafghanistan

etwa sind Kampfinstrumente zu einem

Muster angeordnet. Auf vier

Kampfhubschrauber folgt eine Reihe

von fünf kleinen Kalaschnikows,

dann fünf stilisierte, pfeilförmige

Jagdbomber und so weiter, die ganzen

185 Zentimeter lang. Die Ornamentalisierung

vonPflanzen, Blüten

und geometrischen Musternsind typisch

für die islamische Kunst, auch

die Teppichmuster.Esist nur überraschend,

dass die ornamentale Anordnung

auch mit Kriegsgerät funktioniert.

Auf manchen Teppichen

mischen sich auch die Ornamente.

Ein wegen seines grünen Grunds

auffälliger Teppich etwa zeigt mit

Blumenmotiven geschmückte Panzer,

von Blüten umgebene Flugzeuge.

Das zentrale Motiv von den

eher kleinformatigen Kalaschnikow-

Teppichen ist dagegen das AK-47.

Trotz seiner sowjetischen Herkunft

ist das Gewehr ein Symbol für den

Lieber Burkini statt Bikini

Katharina Hoffmann und Franky Fuzz haben das Anti-Sommer-Programm

THOMAS WILD&TILL PASSOW

Katharina Hoffmann und FrankyFuzz, unsommerlich

mit Oster-Ohren . SCHEINBAR

rodie.Inihren Jahreszeiten-Gedichten

bricht sie betont simple Reime

mit absurden Einschüben auf und

kommentiert den Bruch im Stile eines

Literaturrezensenten.

Dann hält ihr Bühnen-Kollege

Franky Fuzz mit stoisch-schluffigen

Widerstand der Afghanen gegen die

Invasoren. Sogar Gebetsteppiche

verziertmit Panzerngibt es.

Manche Teppiche zeigen auch

Kriegsschauplätze, ja Schlachten,

ein wie in psychedelisches Licht getauchter

Teppich aus Westafghanistan

etwa, der den Angriff auf ein befestigtes

Gehöft darstellt. Vor dem

tiefblauen Grund, der den Nachthimmel

repräsentiert, erglühen Ornamente

in leuchtendem Gelb,Grün

oder Blau. Wiefluoreszierend wirken

die Farben, man könnte dies als Hinweis

darauf verstehen, dass Leuchtmunition

zum Einsatz kam. Auch

Menschen –Kämpfer –sind auf einigen

Teppichen zu sehen, das Bilderverbot

im Islam ist nicht absolut.

Fratzengesichtige Russen in Panzern,nur

mit Kalaschnikows bewaffnete

afghanische Kämpfer. Sie wirken

wie Comicfiguren oder Figuren

aus einem Computerspiel. Die

Knüpftechnik bewirkt schließlich

eine ArtVerpixelung.

Darstellung der Anschläge von9/11

Ein spezielle Sorte von Kriegsteppichen

zeigte Darstellungen von den

Anschlägen in NewYorkam11. September

2001. Till Passow sagt, dass

sie in pakistanischen Flüchtlingslagern

entstanden sind und auf USamerikanischen

Flugblättern beruhen,

die den Krieg der USA gegen Al-

Qaida und die Taliban als Vergeltung

propagierten. Auf einem dieser kleinen

Teppiche sieht man die Flugzeuge

in die Twin Towers fliegen und

darunter die Flaggen Afghanistans

und der USA, die durch eine Friedenstaube

mit einem Ölzweig im

Schnabel miteinander verbunden

sind –christliche Symbolik auf einem

Flugblatt, das sich an Moslems

wendet. Diese Teppiche würden bis

heute auf Nachfrage produziert, als

kuriose Souvenirs für Mitarbeiter in

der Entwicklungshilfe, für Journalisten

oder Soldaten. Daher auch ihr

Wandbehang-Format.

EinBesuch des stillen, hellen Hinterhoflofts

in Kreuzbergmit den fünf

Säulen in der Mitte ist äußerst lohnend.

DieAusstellung der Kriegsteppiche

ergänzen Exponate aus der

Bumiller-Sammlung frühislamischer

Objekte: Morgensterne aus

dem 12. Jahrhundert, Streitkolben,

Amulette, ein Helm und ein marmorner

Grabstein.

Wieder Kriegauf denTeppich kam TheBumiller

Collection, Studio X-Berg, Naunynstr.68, HH,3.

OG, Do-Sa14-18 Uhr, bis 27. Juli

CollectorsTalk Sa 13.Juli, 20-22 Uhr.Till Passow

sprichtüber seine Sammelleidenschaftund zeigt

seine Dokumentarfilme „HowrahHowrah“ über

den Hauptbahnhofvon Kalkutta und „Mast Qalandar“über

ein Sufi-Festival in Pakistan.

„Im Tanga oder Bikini könnte ich

mich nie so frei bewegen!“

„Zwei Berliner gegen Sommer“

ist nach „Zwei Berliner gegen Ostern“

die zweite Auflage des Duo-

Programms von Katharina Hoffmann

und Franky Fuzz. Beide treten

seit Jahren auf diversen Kleinkunstbühnen

auf, Hoffmann oft mit

der Sängerin Mai Horlemann, Fuzz

gehört zur SchönGutenA-Band des

Kabarettisten Bodo Wartke. Nun

also in der Scheinbar.

Mit ihrem unterhaltsamen Lästerabend

haben sich zwei gesucht

und gefunden.Wie, das besingen sie

in ihrer Version der Peter-Maffay-

Schnulze„Undeswar Sommer“, die

schon oft parodiertworden ist, aber

noch nie dermaßen gemein. Die

Schauspielerin Katharina Hoffmann,

die erst mit 50 ihr erstes Soloprogramm

auf die Bühne brachte,

blickt aus konsequent weiblicher

Sicht auf die Hitzezeit, die sie nur

deshalb aushält, weil die Klimakatastrophe

die Wahl von Robert Habeck

zum Bundeskanzler immer

wahrscheinlicher macht.

Doch ihre Schwärmerei für den

Star der Grünen steigert sie zur Pa-

Männer-Songs dagegen, die mal das

Baden im Brandenburger Umland

beschreiben, mal eine passende

Anti-Sommerbekleidung vorstellen.

Mit „Billje Jeans und ’n Wollpullover“

will er Michael Jacksons

Version „Billie Jean“ verdrängen –

vor den 50 Zuschauern imausverkauften

Scheinbar-Varieté gelingt

das schon mal.

Der Mann an der Gitarre wehrt

sich gerngegen neumodische Sprüche

und Worte wie „Kopfkino“ oder

„Pipi in den Augen“. Besonders hat

es ihm die Floskel „Alles gut“ angetan.

Und sein Influencer heißt immer

noch Bud Spencer –soheißt

auch sein Soloprogramm. Im Zusammenspiel

beschwören die beiden

heftig Berlinernden die Melancholie

des guten alten Westberlins.

Doch ihr amüsantes Sommerhasser-Programm

passt nicht nur in

dieses traditionsreiche Schöneberger

Mini-Varieté.

„Zwei Berliner gegen Sommer“

verdienten auch in anderen und

größeren Häusern ihre Chance –

denn die nächsten Monate drohen

schließlich, noch richtig lang und

heiß zu werden.

Immer ein

wohlwollender

Mensch

Mit 94 Jahren starb der

Regisseur Rolf von Sydow

VonYork Favier und Caroline Bock

Er galt als Grandseigneur unter

den deutschen Unterhaltungsregisseuren,

vom„Tatort“ bis zu den legendären

„Durbridge“-Krimis. Der

Regisseur Rolf von Sydow ist, wie

seine Ehefrau Susanne von Sydow

am Montag bestätigte, amSonntag

im Alter von 94 Jahren gestorben.

Seine Karriere umfasste über 130

Film- und Fernsehproduktionen,

Theaterinszenierungen, Kabarettprogramme

und Hörspiele. Für

mehr als ein Dutzend Rosamunde-

Pilcher-Romane im TV zeichnete der

Regisseur verantwortlich. Außerdem

betreute er in den 90er-Jahren mit

großem Erfolg die Serie „Praxis Bülowbogen“.

Der gebürtige Wiesbadener mit

jüdischen Wurzeln von mütterlicher

Seite litt in der Nazi-Zeit unter Schikanen.

Seine Erinnerungen hat er

1983 in seinem Buch „Angst zu atmen“

festgehal-

DPA

TOP 10

Sonntag,16. Juni

Rolf von Sydow

(1924–2019)

ten. „Wenn die

Nazis nicht gewesen

wären,

wäre ich wohl

Offizier oder Diplomat

geworden“,

meinte er –

so wie fast alle

Männer in seiner

väterlichen Linie

des brandenburgischen

Adelsgeschlechtes von Sydowzuvor.

Stattdessen wurde Rolf von Sydowunerkannt

Panzerfahrer und geriet

1942 in kanadische Kriegsgefangenschaft,

wo er als Mitglied der

„Travelling TheatreTroupe ofYMCA“

seine Leidenschaft für das Theater

entdeckte. Sydow wurde Schauspieler,

Regieassistent, freier Regisseur

und Leiter des Fernsehspiels beim

Südwestfunk (1973–77) und Saarländischen

Rundfunk (1977–79). Anfang

der 50er-Jahrehatte er zunächst

Hörspiele sowie Kabarettprogramme

für die Berliner Stachelschweine

inszeniert und als Synchronregisseur

gearbeitet.

Immer wieder zog esvon Sydow

auch an das Theater, etwa an die

Städtischen Bühnen Dortmund oder

das Schauspielhaus Zürich. Gelebt

hat er in Baden-Baden und Berlin.

„Er liebte Menschen, und er liebte

seine Schauspieler“, beschreibt ihn

seine Frau Susanne, die als Cutterin

mit ihm gearbeitet hat. Die Zeit mit

den Verfilmungen der Liebesromane

vonRosamunde Pilcher (1994–2002)

nennt sie „mit unsereschönste Zeit“.

Die beiden waren seit den 80er-Jahren

verheiratet, für ihn war es die

dritte Ehe.

Mit fast Mitte 90 war Rolf von Sydow

inletzter Zeit ein Pflegefall geworden.

Susanne von Sydow schilderte

ihn vor seinem 95. Geburtstag

voller Wärme. Was ihr als erstes zu

ihm einfiel: sein Humor und seine

Fähigkeit, den Leuten zuzuhören.

Bei der Arbeit habe er keinen Unterschied

zwischen der Putzfrau und

dem Star gemacht. „Er war immer

ein wohlwollender Mensch.“ (dpa)

1 Tatort ARD 6,99 23 %

2 Tagesschau ARD 6,37 23 %

3 heute-journal ZDF 3,94 14 %

4 Katie Fjorde ZDF 3,55 11 %

5 Terra X ZDF 3,15 12 %

6 Anne Will ARD 3,05 12 %

7 RTL aktuell RTL 2,80 14 %

8 Fußball-WM ARD 2,80 14 %

9 heute ZDF 2,65 12 %

10 Sully Sat.1 2,62 8%

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Naunynstraße (✆ 75 45 37 25)

20.00: (in)visible (akademie derautodidakten)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Der kaukasische Kreidekreis

Deutsche Oper Berlin (✆ 34 38 43 43)

19.30: Don Quichotte

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

20.30: Der Menschenfeind

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.30 Box: Frei-Boxen

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

19.30: Seoul Line 1(Gastspiel aus Südkorea)

Haus der Sinne (✆ 44 04 91 55)

21.00: Die Kunst der Verführung

HfS Ernst Busch (✆ 75 54 17 -0)

20.00 OBEN: Tekiyeh

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

18.00: Der Rosenkavalier

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Alles was Sie wollen

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00 Studio: istdie welt auch noch so schön

RambaZamba Theater (✆ 44 04 90 44)

19.30: Der nackte Wahnsinn

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Spatz und Engel –Die Geschichte der Freundschaft

zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00 Saal C: DankeDeutschland

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Waszählt, ist die Familie!

Shakespeare CompanyBerlin (✆ 21 75 30 35)

20.00: Verlorene Liebesmühe!

Theater an der Museumsinsel (Monbijoustr.3)

20.00: Faust –Schönheit, Liebe, Arbeit

Theaterdiscounter (✆ 28 09 30 62)

20.00: Kitty Hawk

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Der Nazi &der Friseur

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00 3. Stock: Benvolio +Mercutio –Dubist mein

Lieblingsortauf der ganzen Welt, Babe! (P 14)

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Best of: Unsere Greates Hitst (Muttis Kinder)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Memories of Fools (Cirk La Putyka)

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Wenn Deutsche über Grenzen gehen

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: HowtobecomeaBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

16.00: Sand ArtShow: Berlin, ick liebe dir

20.00: Wermit wem? (TheatersportBerlin)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Strictly Stand Up –The English ComedyNight

(Maureen Younger,Matt Devereux, JenBrister,Toby

Arsalan, hosted by Christian Schulte-Loh)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Menschen. Ämter.Katastrophen.

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: The Band –Das Musical

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Schwer verrückt! (Markus Maria Profitlich)

KLASSIK

BKA (✆ 202 20 07)

20.30: Die UnerhörteMusik, Neue und zeitgenössische

Musik des ausgehenden 20. und des 21.

Jahrhunderts

Evangelische Kirchengemeinde Frohnau

(Zeltinger Platz 18) 19.00: Young Classic Dialog:

JungePreisträger internationaler Solisten-Wettbewerbe

aus Deutschland, Italien, Spanien und Ukraine,

Young Classic Dialog

Französische Friedrichstadtkirche

(✆ 20 64 99 22) 15.00: KilianNauhaus, 30 Minuten

Orgelmusik, Orgelwerkeaus verschiedenen Epochen

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

20.00 Kl. Saal: amarcord, Haus-Konzert–Durch

Feld und Au,Eine sommerliche Reise um die Welt

mit Vokalmusik vonEdward Elgar,Jean Cras, Franz

Schubertund internationalen Folksongs

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Gesang- und Instrumentalstudierende

der HfM Hanns Eisler Berlin, Prof. Karola Theill (Moderation),

Lunchkonzert: Zigeunerlieder,Lieder und

Ensembles vonBrahms, Dvorák u. a.

20.00: Berliner Symphoniker,Veritas Choir Japan, Ltg.

Akiyasu Fukushima, Bettina Jensen (Sopran), Klaus

Häger (Bariton), Johannes Brahms: Ein deutsches

Requiem op. 45

Samariterkirche Friedrichshain (✆ 426 77 75)

19.00: Peter Schnur,Orgelsommer,Werkevon Muffat,

Frescobaldi, Bach, Widor (aus der 5. Sinfonie) u.a.

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

20.00: 47. Tonkünstlerkonzert: FraukeJörns, Stefano

Macor,Klaus Schäfer,PeterSiche, Markus Wenz u. a.

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: The 12 Tenors, Millennium, Hommageandie

Welthits des letzten Jahrtausends –klassische Arien,

Pop-Hymnen, Rock-Klassiker

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00, 21.00 Roter Salon: Kirill Richter,Neo-Klassik

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Die drei Räuber (ab 5J.)

10.30: Ben liebt Anna (ab8J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00 Studio: Der Wolf und die 7Geißlein, artisanen,

(ab 4J.)

Figurentheater Grashüpfer (✆ 536 95 15 0/ 52)

10.00: ClownPatschMo spielt: Rotkäppchen, Puppentheater

Parthier,Puppenspiel (ab 3J.)

Freilichtbühne an der Zitadelle (✆ 333 40 22)

10.30: 1x1 mit Rumpelstil, Matheshow(ab 8bis

10 J.)

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in der Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Heimat Berlin, Projektschau und Aktionsraum

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

Labyrinth Kindermuseum (✆ 800 93 11 50)

9.00: 1, 2, 3, Kultummel –Die Ausstellung mit dem

Vielfalter,Lernvielspaß für Mitmachkinder (3 bis 11 J.)

Märkisches Museum (✆ 308 66 -0)

10.00: Vielfalt-Forscher des Labyrinth Kindermuseums

Berlin, Wasist Vielfalt? Wo ist Vielfalt?

Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50)

10.00: Paul will nicht in die Schule! (ab 5J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Ein kleiner Fisch macht eine Reise, Cattu,

Lieder zum Mitsingen, Mitmachen und Träumen (ab

3J.)

TAK–Theater Aufbau Kreuzberg (✆ 50 56 70 00)

15.30: Kawumm, Frl. Wunder AG,

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Die kleine Hexe (ab 5bis 10 J.)

10.00: Die Unbehausten –Das Battle um die Stadt

(ab 11 bis 15 J.)

Buchvorstellung

Politisch

und emotional

manipuliert

Die österreichische Schriftstellerin

Marlene Streeruwitz

hat einen neuen Roman

herausgebracht. „Flammenwand“

ist der Titel, zu Englisch

Firewall, ein Schutz vor unerlaubten

Netzwerkzugriffen,

mit dem man sich sicher

wähnt, der aber im Ernstfall

dann wahrscheinlich doch

nicht funktioniert. Streeruwitz

erzählt auf ihre typisch elliptische

Weise und in der Form

von Tagebucheinträgen aus

Stockholm oder Wien von einer

Frau, deren Geliebter sich

ihr immer weiter entzieht und

sie dadurch manipuliert. Dazu

gibt es einen Anmerkungsapparat,

in dem Ereignisse aus

der österreichischen Regierungspolitik

vonMärzbis September

2018 verzeichnet sind.

Als Folie gewissermaßen, vor

der der Text entstand. In Berlin

stellt sie den Roman im Gespräch

mit dem Kulturwissenschaftler

und Filmkritiker EkkehardKnörer

vor. PetraKohse

Flammenwand,19.30 Uhr,Literarisches

ColloquiumBerlin,AmSandwerder 5

Krachrock trifft

Wagner bei

Buñuel

Kalifornische Experimentalisten vertonen

einen surrealistischen Klassiker,ein

Post-Punk-Dichterfürst zetert gegen die Welt,

undein Opern-Folkie erinnert sich an seine

Operettenvergangenheit.

Markus Schneider

tan und Isolde“ wie schon in „Un

Chien Andalou“ zu hören ist. Dortjedoch

musste der Sound noch per

Hand zugespielt werden; in „L’age

d’or“ –eine grade wieder höchst bedenkenswerte,

fröhlich missgestimmteVerachtung

vonKirche,bürgerlicher

Moral und der Bourgeoisie

so ganz überhaupt –hört man den

„Liebestod“ effektvoll unter einer expliziten,

wenn auch tragisch blutigen

Sexszene inklusive einer Oralszene

am marmornen Großzeh einer

Statue. Dawerden sich Xiu Xiu also

schon anstrengen müssen.

Vielleicht kennen ein paar jüngere

Leute John Cooper Clarke von

den Arctic Monkeys. Die haben auf

„AM“ von 2014 Clarkes „I Wanna Be

Yours“ neu vertont, einen der bekanntesten

Titel des mittlerweile 70-

Jährigen poeta laureatus des britischen

Post-Punk. In den späten

Siebzigern tauchte er mit allen einigermaßen

coolen Briten auf, von

den Sex Pistols bis zu Joy Division

und dem vergleichbar schnarrendschnoddrigen

Mark E. Smith vonThe

Fall (mit dem er ein Weilchen die

Wohnung teilte). Gemeinsam ist beiden

der deutliche Manchester-Worempfiehlt

XiuXius Neuvertonung

vonLuis Buñuels „L’age d’or“,

denAltmeister desnölenden Sozialrealismus

John Cooper Clarkeund

Rufus Wainrights Neuauflage

seines frühen Belcanto-Folkrocks.

Auch wenn man nie genau

weiß, was einen bei der kalifornischen

Band Xiu Xiu

erwartet, dürfte ihr diesjähriger

Auftritt in Berlin eine spannende

Sache werden. Sie begleiten

nämlich eine Vorführung von Luis

Buñuels Klassiker „L’age d’or“ von

1930. Die Band läuft seit 2002 eine

unberechenbare Linie zwischen

eher zutraulich experimentellem

Synthpop, extra schräg arrangierten

industrial-artigen Sachen bis zu düster

bollernden Noisenummern mit

schwülem Goth-Einschlag –als hätten

sich die frühen Einstürzenden

Neubauten Robert Smith von The

Cure als Gastsänger geholt. Die geräuschfreudige

Vielfalt kommt natürlich

einer Filmbegleitung ziemlich

gelegen. Interessant ist zudem

die Tatsache, dass es sich bei „L’age

d’or“ jaanders als bei Buñuels ein

Jahr älteremDebüt„Un Chien Andalou“

(das ist der mit dem Schnitt

durch einen Augapfel) um einen

Tonfilm handelt, einen der ersten

europäischen überhaupt.

Als besondere Herausforderung

muss die Band um Jamie Stewartgegen

Wagner antreten, dessen „Tris-

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 8551) Der Fall Collini

15.00; Rocketman 17.45, 20.30

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Zwischen den Zeilen

15.30, 20.30; Zwischen den Zeilen – Doubles vies

(OmU) 18.00

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) The Dead Don‘t

Die 15.30, 18.00, 20.30

Delphi LUX (✆ 322 931040) Rocketman (OmU)

15.00,20.30; Push –Für das Grundrecht auf Wohnen

(OmU) 14.00; The Dead Don‘t Die (OF) 16.00,

18.30, 21.00; Yoga: Die Kraft des Lebens 14.15,

19.00;Rocketman (OF) 16.20, 21.00; All My Loving

–Eine Geschichte von drei Geschwistern 15.10,

17.50, 20.30; Sunset 14.00, 17.00; Burning

14.00, 17.10, 20.20; Stan &Ollie (OmU) 14.20;

Das Ende der Wahrheit 16.40; Van Gogh: An der

Schwellezur Ewigkeit19.00;High Life (OmU) 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Britt-Marie war hier

17.45; The Dead Don‘t Die (OmU) 20.15; The Dead

Don‘t Die 18.00; Britt-Marie war hier 20.00

Kant Kino (✆ 319 98 66) Britt-Marie war hier

15.50, 18.10, 20.30; Rocketman 15.15, 17.50,

20.30; Edie –Für Träume ist es nie zu spät 15.15,

17.30; Stan &Ollie 19.45; Nur eine Frau 15.30,

17.45, 20.00; TKKG – Jede Legende hat ihren

Anfang 15.40; Monsieur Claude II17.45; Roads

20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D: Aladdin

14.45; 3D: Men inBlack: 17.30,20.20; JohnWick:

Kapitel III 23.10; 3D: Men inBlack: 14.30, 23.00;

Rocketman 17.10, 20.10; X-Men: Dark Phoenix

15.00;3D: Godzilla2–King of the Monsters 17.40;

John Wick: Kapitel III 20.45; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.25; 3D: Aladdin 16.45, 19.45,

22.45;3D: Godzilla 2–Kingofthe Monsters 14.50;

3D: X-Men: Dark Phoenix 17.50, 20.30, 23.10;

Men inBlack: 15.00; Glam Girls: Hinreißend verdorben

17.40; Der Fall Collini 20.00; X-Men: Dark

Phoenix (OF) 22.50;TKKG –Jede Legende hat ihren

Anfang 14.20;Avengers: Endgame 16.30; Ma –Sie

sieht alles 20.15; Men in Black: (OF) 22.40

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88)Sunset 11.00;

La casa lobo –Das Wolfshaus (OmU) 13.15; Das

schönste Paar 14.30; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

16.00; Yoga: Die Kraft des Lebens –Debout

(OmU) 17.45; Free Solo (OmU) 19.15; Nur eine

Frau 21.00; Der Goldene Handschuh 22.30; Once

Again –Eine Liebe in Mumbai (OmU) 11.00; Under

theTree 12.45;Streik –Enguerre(OmU)14.15;Van

Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 16.15; Ramen

Shop –RamenTeh (OmU) 18.15; Blown Away–Music,

Miles and Magic (OmU) 19.45; Dave Made a

Maze (OmU) 21.45; Diamantino (OmU) 23.15; Der

Jungemuss an die frischeLuft 11.00;Green Book–

Eine besondere Freundschaft (OmU) 12.45; Macht

dasalleseinenSinn?15.00;Border –Gräns (OmU)

16.45; Edie –Für Träume ist esnie zu spät 18.45;

Rocketman (OmU) 20.30; Border 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Free Solo

(OmU) 16.00; Nur eine Frau 18.00; Das Ende der

Wahrheit 20.00; Wir –Us(OmU) 22.05; Kleine Germanen

16.00; War ofArt (OmU) 17.45; Push –Für

das Grundrecht auf Wohnen (OmU) 19.45; Macht

das alles einen Sinn? –Und wenn ja –warum dauert

essolange? 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz MisterLink: Ein fellig

verrücktes Abenteuer 14.00; Bailey: Ein Hund kehrt

zurück 14.00, 17.50; 3D: Aladdin 14.00, 19.45;

3D: X-Men: Dark Phoenix 14.15, 17.00, 20.15;

John Wick: Kapitel III 14.15, 17.45, 20.30; Aladdin

14.15, 16.40; TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang

14.20, 17.15; IMAX 3D: Men inBlack: 14.30,

17.15, 20.00; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

15.00; Rocketman 15.00, 17.15, 19.45; Monsieur

Claude II 15.15; Godzilla 2–King of the Monsters

15.15,19.15;Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

15.15; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

15.45;Men in Black: 16.30, 19.30; Hollywoodtürke

16.45, 20.00; 3D: Godzilla 2–King of the Monsters

17.00, 20.00; 3D: Avengers: Endgame 17.10;

After Passion 17.40; X-Men: Dark Phoenix 18.20,

21.00; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

18.30, 21.00; Avengers: Endgame 20.15; Aladdin

(OF) 20.50; Men in Black: (OF) 21.15

Zukunft (✆ 01 76/57 861079) All My Loving –

Eine Geschichte von drei Geschwistern 18.00; Der

Fall Collini 20.15; Lords ofChaos (OmU) 22.35;

Das Leben meiner Tochter 18.00; Kim hat einen Penis

19.50; Dave Made aMaze (OmU) 21.30

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Aladdin 13.30,

16.30, 19.50; Godzilla 2–King of the Monsters

13.40, 16.45; TKKG 13.45; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 13.50, 17.00; X-Men: Dark Phoenix

14.00, 16.50; 3D: Aladdin 14.00; Men in Black:

14.20; 3D: Avengers: Endgame 16.10; Rocketman

17.00, 20.00; 3D: Men inBlack: 17.10, 20.15;

3D: Godzilla 2–King ofthe Monsters 19.30; Glam

Girls:Hinreißend verdorben 19.45; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 20.00; John Wick: Kapitel III 20.10

Kino Kiste (✆ 9987481) DasFamilienfoto14.00;

Die sagenhaften Vier –Marnies Welt 16.00; Das

Ende der Wahrheit 18.00; Nur eine Frau 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 14.15; 3D: Aladdin

14.20, 17.15; Rocketman 14.30, 16.45, 20.20;

Aladdin 14.30, 17.00, 20.10; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.40; 3D: Men inBlack:

14.45,17.20, 20.00; Bailey: Ein Hund kehrt zurück

14.45, 17.30, 19.50; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 14.50; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

15.00; Avengers: Endgame 16.30, 19.40; X-Men:

Dark Phoenix 17.10, 20.15; John Wick: Kapitel III

17.20, 20.00; Godzilla 2–King ofthe Monsters

19.30; Men in Black: 20.15

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) AThe Dead Don‘t Die

(OmU) 17.30, 20.00, 22.30; BPush –Für das

Grundrecht auf Wohnen (OmU) 17.00; Nur eine

Frau 19.15; Rocketman (OmU) 21.20

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Burning –Beoning

(OmU) 17.45, 20.30; Zwischen den Zeilen –

Doubles vies (OmU) 18.00, 20.15

Moviemento (✆ 692 47 85) Almanya – Willkommen

in Deutschland 10.30; Die Winzlinge:

Abenteuer in der Karibik 13.15; Border –Gräns

(OmU) 15.30; Roads (OmenglU) 18.00; Sunset –

Napszallta (OmU) 20.15; Leroy 10.00; High Life

(OmU) 16.30; Berliners –Searching Direction with

director (OmenglU) 19.00; Almanya –Willkommen

in Deutschland 9.30; Tschick 11.45; Alfons Zitterbacke

–Das Chaos ist zurück 14.15; Mietrebellen

–Widerstand gegen den Ausverkauf der Stadt

(OmenglU) 18.30; Rocketman (OmU) 20.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Kinderfilm des Monats:

Pünktchen und Anton 10.30,15.00;Edie –Für Träume

ist es nie zu spät 17.00; Push –Für das Grundrecht

auf Wohnen (OmU; m. Gespräch) 18.45; All

My Loving –Eine Geschichte von drei Geschwistern

(OmenglU) 20.30; B-Movie: Lust &Sound in West-

Berlin (OmenglU) 22.30; Sunset Over Hollywood

(OmU) 15.00; Mirai: Das Mädchen aus der Zukunft

17.00; Fuck Fame –Die Geschichte vonElektropop-

Ikone Uffie (OmenglU) 18.45; Kim hat einen Penis

(OmenglU) 20.15; Greta (OmU) 21.45; Kinobar

Push –Für das Grundrecht aufWohnen 20.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) TKKG –Jede Legende hat

ihren Anfang 15.20; The Dead Don‘t Die 17.30,

20.00; New Yorck Britt-Marie war hier 16.20,

18.30; Rocketman 20.40

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) Men in Black:

14.30, 17.30, 20.15; Bailey: Ein Hund kehrt zurück

14.45, 17.15; Aladdin 14.45, 17.00, 20.00;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 15.00; TKKG –

Jede Legende hat ihren Anfang 15.15; Rocketman

17.15; 3D: X-Men: Dark Phoenix 17.30, 20.30; 3D:

Godzilla 220.00; John Wick: Kapitel III 20.15

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Van Gogh:An

der Schwellezur Ewigkeit 13.00; Britt-Mariewar hier

13.00, 18.15; Monsieur Claude II 13.30; Sunset

15.15; Rocketman 15.30, 20.30; Mister Link: Ein

fellig verrücktes Abenteuer 15.45; Weserlust Hotel

18.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Men

in Black: 14.00; Godzilla 2–King of the Monsters

14.00, 16.30; Aladdin 14.00,17.00, 20.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.10, 16.30; X-Men:

Dark Phoenix 14.15, 20.00; TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 14.15; Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 14.15; Avengers: Endgame 15.15; John

Wick: Kapitel III 16.45, 19.50; Rocketman 17.00,

20.00; 3D:Men in Black: 17.00, 20.00; 3D:X-Men:

DarkPhoenix 17.10; 3D: Godzilla 219.45; Ma –Sie

sieht alles 20.15; Sneak Preview 20.30

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98)Die sagenhaften Vier –Marnies

Welt 17.00; Nur eine Frau (OmenglU) 18.45;

Los perros (OmU) 20.45; Vom Bauen der Zukunft –

100 Jahre Bauhaus (OmU) 18.00; Fuck Fame –Die

Geschichte von Elektropop-Ikone Uffie (OmenglU)

20.00; Under theTree –Undir trenu (OmU) 21.45

Babylon (✆ 242 59 69) New York –New York:

So wie wir waren –The Way WeWere (OF) 17.15;

New York –New York: Birdman oder die unverhoffte

Macht der Ahnungslosigkeit –Birdman orthe Unexpected

Virtue ofIgnorance (OmU) 18.00; Fuck

Fame –Die Geschichte von Elektropop-Ikone Uffie

18.00; CinemaIndonesia: Siti (OmenglU) 19.30;

NewYork –New York: Der unsichtbare Dritte –North

by Northwest (OmU) 19.45; New York –New York:

Der Gott des Gemetzels –God of Carnage (OmU)

20.00; New York – New York: Taxi Driver (OmU)

21.30; NewYork –New York: TheWolf of Wall Street

(OF) 21.45; NewYork, NewYork (OmU) 22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Die

Insel der besonderen Kinder 10.15; La zona (OmU)

13.00; Rocketman (OmU) 16.00, 18.30, 21.15;

Das Tagebuch der Anne Frank 10.00; Der kleine

Drache Kokosnuss –Auf in den Dschungel! 12.45;

Monsieur Claude II–Qu‘est-ce qu‘on aencore fait

au Bon Dieu? (OmU) 14.30; Alfons Zitterbacke –

Das Chaos ist zurück 16.30; Greta (OmU) 18.30;

Border –Gräns (OmU) 20.45

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Der Fall

Collini11.00; Aladdin11.00, 13.30, 16.30, 22.40;

Monsieur Claude II 11.10; Mister Link: Ein fellig

verrücktes Abenteuer 11.10; After Passion 11.20;

Men inBlack: 11.30,14.30; Bailey: Ein Hund kehrt

zurück 11.50, 14.40, 16.40; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 12.10; TKKG –Jede Legende hat

ihren Anfang 12.20, 14.45; 3D: Godzilla 2–King

of the Monsters 13.40, 16.30, 19.40, 23.00; Avengers:

Endgame 14.00; Rocketman 14.50, 18.00,

23.00; John Wick: Kapitel III 17.10, 19.40, 22.50;

3D: MeninBlack:17.20, 20.15,23.15; 3D:X-Men:

Dark Phoenix 17.30, 20.20, 23.10; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 17.50,20.20; 3D: Aladdin

19.30; Glam Girls: Hinreißend verdorben 20.30;

3D:Avengers: Endgame 21.00; Ma –Sie sieht alles

23.10

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Berlin Babylon

(Omdt+englU) 14.00; The Artist & The Pervert

(OmU) 16.00; Sunset –Napszallta (OmU) 18.00;

Nur ein kleiner Gefallen –ASimple Favor (OmU)

21.00; Roads (OmU) 14.00, 22.30; Ramen Shop

–Ramen Teh (OmU) 16.15, 20.30; Nur eine Frau

(OmU) 18.15;Burning–Beoning (OmU)14.30; The

Dead Don‘t Die (OmU) 17.30, 19.45, 22.00; Peter

Lindbergh –Women‘s Stories (OmU) 14.00; All

My Loving –Eine Geschichte von drei Geschwistern

16.30; Zwischen den Zeilen –Doubles vies (OmU)

19.00;Burning–Beoning (OmU) 21.15; Britt-Marie

war hier –Britt-Marie var här (OmU) 14.15, 19.00;

High Life (OmU) 16.30,21.15

International (✆ 24 75 60 11) TheDead Don‘t Die

(OmU) 16.30, 19.00, 21.30

Z-inema (✆ 28 38 91 21) Lady Dracula: The Living

Dead Girl –Lamorte vivante (OmenglU) 20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70)Bildervon Drüben:

Gedenktag 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang 10.15,

14.00; Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer

14.00; Men in Black: 14.00, 16.50, 19.45;

Avengers: Endgame 14.00, 16.05; Aladdin 14.10,

17.05, 20.00; X-Men: Dark Phoenix 14.15, 16.35,

20.10; Godzilla 2–King of the Monsters 14.30,

17.00, 19.30; Dumbo 14.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.50, 17.25; Rocketman 17.05;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu (OF) 17.35;

Hollywoodtürke 17.45, 20.15; Enes Batur Gercek

Kahraman–Echter Held(OmU) 20.00; X-Men: Dark

Phoenix (OF) 20.05; Men inBlack: (OF) 20.10; Ma

–Sie sieht alles 20.10

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Die rote Linie –Widerstand

im Hambacher Forst 10.45; Burning –Beoning

(OmU) 13.00, 21.50; Roads 15.45; Sunset –

Napszallta (OmU) 17.30; CARDO –SouthAmerican

Short Film Program (OmenglU) 20.00

Neues Off (✆ 62 70 95 50) The Dead Don‘t Die

(OF) 17.00,19.30,22.00

Passage (✆ 68 23 70 18) The Dead Don‘t Die

(OmU) 15.45,18.15, 20.45; Sneak Preview 22.30;

Rocketman (OmU) 15.45, 18.15, 20.45; Yoga: Die

Kraft desLebens16.00,18.00; All My Loving –Eine

Geschichte von drei Geschwistern 20.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Men inBlack: (OF)

17.00, 19.40, 22.20; Burning –Beoning (OmU)

17.00, 20.15; Burning – Beoning (OmenglU)

18.00, 21.20; Roads (OmU) 16.40, 19.00; High

Life (OmU) 21.00, 22.10; Aladdin (OF) 16.45; Rocketman

(OF) 19.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

X-Men: Dark Phoenix 14.00; Godzilla 2–King of

the Monsters 14.00;Aladdin 14.20, 16.50, 19.45;

Men inBlack: 14.25; TKKG –Jede Legende hat ihren

Anfang 14.30; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

15.00; Rocketman 16.40; John Wick: Kapitel

III 17.00, 20.15; 3D: X-Men: Dark Phoenix 17.10,

19.55;3D: MeninBlack: 17.20, 20.10; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 17.25; 3D: Godzilla 2–King

of the Monsters 19.30; Ma–Sie sieht alles 20.05

Wolf (✆ 921 03 93 33) BabyWolfgang präsentiert:

High Life (OmU) 11.00;The Wild Boys –Les garcons

sauvages (OmU) 12.00; Burning –Beoning (OmU)

13.00, 21.00; High Life (OmU) 14.10, 21.10; Mo

&Friese unterwegs (- Auf zuneuen Abenteuern)

16.00; Wir Kinder aus Bullerbü 16.20; Liebesfilm

(OmenglU) 17.00; „Mir ist es egal, wenn wir als

Barbaren in die Geschichte eingehen“ (OmenglU)

18.30; Diamantino (OmU) 19.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) TKKG –

Jede Legende hat ihren Anfang 16.00; Rocketman

17.20, 20.30; Britt-Marie war hier 15.00, 18.10,

20.00

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) The Dead

Don‘t Die 15.30, 18.00, 20.30; Britt-Marie war hier

15.30, 17.45, 20.00; Rocketman 15.00, 20.10;

All MyLoving –Eine Geschichte von drei Geschwistern

17.30; TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang

16.00; Rocketman (OmU) 18.15, 20.50; Yoga: Die

Kraft des Lebens 15.00; Burning 17.00, 20.15

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Rocketman 13.45, 16.45, 19.45; Aladdin (OmU)


Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 23

· ·

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Tagestipp

KALENDER

king-Class-Akzent, der sich offenbar

gut für leiernd präzise, sarkastische

Sozialrealismen eignet, darunter

mein Lieblingsstück „Beasley

Street“, einem der, sagen wir, Hits

seines Repertoires. Das lange Gedicht

von 1980 erzählt zu stoischem

Schubbern aus einem verarmten

Viertel Manchesters zur Thatcher-

Zeit:„People turntopoison/ quick as

lager turns to piss/ Sweethearts are

physically sick/ everytime they kiss/

it’s asociology’s paradise/ each day

repeats/ on easy, cheesy, greasy,

queasy/ beastly Beasley street“.

Mit verschiedenen Musikern der

Szene veröffentlichte er – musikalisch

unterschiedlich interessant –

fünf Albenbis 1982. Danach tauchte

er in einer WG mit Nico indie Heroinsucht

ab. Erst in den Neunzigern

fing er wieder an zu touren.

Im Zuge des Post-Punk-Revivals

wurde es in den letzten Jahren wieder

etwas lauter um ihn, mit Album,

BBC-Dokumentation und einer Ehrendoktorwürde

der Uni von Manchester

für die Pflege des Lokalidioms.

Einen kaum weniger hohen

Wiedererkennungswert als die

Stimme besitzt auch seine sorgfältig

POP

Popsalon Balzer/Müller –18.6., 21

Uhr,Deutsches Theater.

John Cooper Clarke –20.6., 20 Uhr,

Festsaal Kreuzberg.

Xiu Xiu/ L’aged’or –21.6., 21 Uhr.Brotfabrik.

Rufus Wainright –22.6., 20 Uhr,Passionskirche.

Rufus Wainwright

ist am Sonnabend

am Marheinekeplatz in

Kreuzberg zu erleben.

DPA

konservierte Erscheinung: Die

spindlige Silhouette mit den spitzen

Schuhen und der struppig toupierten

Ron-Wood-Frisur sieht aus, als

hätte ein Punk-Designer Karl Valentin

ausgestattet –ikonisch eben.

Rufus Wainwright hat sich für

mich zuletzt weniger günstig der

Hochkultur zugewandt, mit Shakespeare-Vertonungen

und Anleihen

bei der klassischen Moderne. Klingt

mir zu wohlfeil prätentiös. Umso

schöner, dass er auf der aktuellen

Tour seine beiden um die zwanzig

Jahre alten Alben „Rufus Wainwright“

und „Poses“ wieder aufführt

oder wenigstens neu bedenkt. Diese

zeigten einen performativ begabten

Singer/Songwriter, der sich nach Art

(und unterstützt) von Van Dyke

Parks anden Klangräumen von Tin

Pan Alley und Broadway orientierte

und dabei einen barock queeren Ton

in die Neo-Americana brachte. Das

kann und sollte man sich unbedingt

mal wieder anhören.

Schließlich: Im letzten Popsalon

vorder Sommerpause sprechen Jens

Balzer und Tobi Müller mit dem

Schriftsteller Jörg-Uwe Albig über

die sogenannte neue Rechte.

Literatur

Gerade

dadurch sind

sie mir lieb

Fontanes besonderes Gespür

für Frauen ist hinreichend

gerühmt worden, nicht

zuletzt von ihm selbst. „Wenn

es einen Menschen gibt“,

schrieb Fontane in einem Brief

an seine Freunde Paul und

Paula Schlenther, „der für

Frauen schwärmt und sie beinahe

doppelt liebt, wenn er ihren

Schwächen und Verirrungen,

dem ganzen Zauber des

Evatums, bis zum infernal Angeflogenen

hin, begegnet, so

bin ich es (…).“ Seine Ehefrau

Emilie wusste er dabei für sein

schriftstellerisches Schaffen

ebenso einzuspannen wie

seine Tochter Martha. Die

„drei Fontanes“ unterhielten

ein nahezu symbiotisches Verhältnis,angereichertdurch

die

Schicksale seiner Romanfrauen,

deren Vorbilder er

nicht selten in den Konflikten

der Zeit fand. Reichlich Stoff

also für die Kennerin preußischer

Frauenbiografien Christine

vonBrühl. HarryNutt

Fontanes Frauen. 19 Uhr,EvasArche.

Große Hamburger Str. 28.

Theater Lichterfelde (✆ 84 31 46 46)

10.00: Sommerheiß &Erdbeereis, Theater Fusion (ab

2bis 5J.). Anm. erf.

Theater MorgensternimRathaus Friedenau

(✆ 92 35 59 50) 10.00: Reineke, der gerissene

Fuchs (ab9J.)

theater strahl (✆ 69 59 92 22)

11.00: Genau wie immer:Alles anders (ab12J.)

theater strahl probebühne (✆ 69 59 92 22)

11.00, 19.30: Krieg.Stell dir vor, er wäre hier

(ab 13 J.)

Zeiss-Großplanetarium (✆ /42 18 45 10)

11.00: Raumschiff Erde

14.00: Mit Raketen zu Planeten

LITERATUR/VORTRAG

Akademie der Künste Hanseatenweg

(✆ 200 57 20 00) 19.30 Kleines Parkett: VERSschmuggel

–USA –Deutschland –reVERSible,Jericho

Brown, Georg Leß, Mario Chard, Ronya Othmann,

Linda Gregerson, u. a., Lesungen und Gespräche

21.30 Clubraum: datenschemen &zeichensprachen

–Ein Abend mitDigitaler Poesie, Lesung &Performance

mit HeikeFiedler,Sabine Maier,Jörg Piringer,

Hanne Römer

Bezirkszentralbibliothek Philipp Schaeffer

(✆ 901 82 44 44) 20.00: Das Dach muss vor

dem Winter drauf: Die Online-Omi bautein Haus,

Carmen-Maja Antoni, Hörbuch-Lesung

daadgalerie (✆ 261 36 40)

19.00: Die Verschwundenen, Antonio Ortuño, Buchpremiere

und Gespräch mit Katharina Döbler

DODO (✆ 53 09 40 72)

20.00: Dieschönste Jugend ist gefangen, vonSebastian

Lotzer,mit DagoLanghans

Evas Arche (✆ 282 74 35)

19.00: „Geradedadurch sind sie mir lieb.“ Theodor

Fontanes Frauen

Geistesblüten (✆ 49 96 17 92)

19.00: Römische Tage,Simon Strauß, Buchpremiere,

anschl. Gespräch mit TomMüller

Haus der Kulturen der Welt (✆ 39 78 71 75)

19.00: Preisverleihung: Internationaler Literaturpreis

2019, Lesungen, Gespräche und Diskussionen

Helene-Nathan-Bibliothek (✆ 902 39 43 42)

18.00: LEA Leseklub

Instituto Cervantes (✆ 257 61 80)

19.00: 20.poesiefestival berlin: Neueste Nachrichten

aus einem Wörterbuch, Sergio Raimondi, Lesung und

Gespräch

Lettrétage (✆ 692 45 38)

20.00: D’APRÈS ELLES #1, Prune Antoine, Cécile

Calla, Judith Duportail, Emilie Panisset-Barachant,

Amandine Thiriet u. a., Szenische Lesung auf Französisch

und Deutsch

Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60)

19.30: Flammenwand, Marlene Streeruwitz, Buchvorstellung,anschl.

Gespräch mit Marlene Streeruwitz

und Ekkehard Knörer

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: Die Familie, Andreas Maier,Buchpräsentation.

Mod.: Dieter Stolz

Schropp (✆ 235 57 32 -0)

20.00: Albanien –Ein Länderporträt, Christiane

Jaenicke, Buchvorstellung

FÜHRUNG

Ansichtssachen (✆ 99 54 80 53)

13.00: KreuzbergSO36: Schillerndster Bezirk

Berlins, Treff: U-Bhf. Kottbusser Tor, Adalbertstr.unterm

Brückenhochhaus. Anm. erf.

13.00: Reichstag &Regierungsviertel: Mit Plenarsaal,

Dachterrasse und Kuppel, Treff: BrandenburgerTor,vor

derTouristeninformation. Anm. erf.

Bode-Museum (✆ 266 42 42 42)

14.30: Kunst- undFantasiegeschichten im Museum.

Ein Angebot für Menschen mit und ohne demenzielle

Veränderungen, Treff: Große Kuppel. Anm. erf.

Britzer Garten (✆ 700 90 60)

10.30: FürMenschen mit Demenz: DerDuft der

Rose, Dr. Friedrich-KarlSchembecker,Treff: Eingang

Sangerhauser Weg. Anm. erf.

Bärentouren (✆ 46 06 37 88)

14.00: Architekturführung zu den berühmtesten Bauten

Preußens und Berlins: Die Hohenzollernund ihre

Baumeister,Treff: Granitschale, Lustgarten. Anm. erf.

16.00: Geschichte der Berliner Mauer –Ab„Checkpoint

Charlie“ entlang der bekanntesten Mauerrelikte,

Treff: Wachhäuschen „Checkpoint Charlie“, Friedrichstr..

Anm. erf.

20.00: Kriminaltour:Verbrechen, Gerichtsfälle und

Richtstätten im alten Berlin, Treff: Heiliggeistkapelle,

Spandauer Str.1.Anm. erf.

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí –Die Ausstellung

am Potsdamer Platz,Treff: Im Museum

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

10.00: Demokratie-Labor,Führungen für Schulklassen

und Gruppen.Anm. erf.

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

16.00: Mantegna und Bellini.Meister der Renaissance,

Treff: Information. Anm. erf.

Hamburger Bahnhof /Museum für Gegenwart

Berlin (✆ 39 78 34 11) 12.00, 16.00: Materialität

in der Kunst, Treff: Foyer

Meyers Stadtgänge (✆ 442 32 31)

14.00: Prenzlauer Berg.Die Querlatsch-Tour zum

Amüsemang auf’n Berg,Bernd S. Meyer, Treff:

Senefelderdenkmal, Senefelderpl. (U2), Ausg.

Saarbrücker Str.

Märkisches Museum (✆ 308 66 -0)

15.00: Die Geschichte Berlins kennenlernen, Führungenauf

Farsi und Arabisch

Stadt im Ohr (✆ 20 07 88 41)

11.00: Werkstatt Wedding.Hörspaziergang durch die

Bilder einer Stadt, stadt im ohr,Treff und Ausgabe der

Audioguides. Rosa Parks Café, Soldiner Straße 32,

13359 Berlin

12.00: Audiotour Mitte-Schritte –Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshainist ausleihbar im Cafe Sibylle,

Karl-Marx-Allee 72

KONZERT

Acker Stadt Palast (✆ 441 00 09)

19.30: LizKosack (Synthesizer), Robin Hayward

(Mikrotonale Tuba), Kathrin Pechlof (Harfe), DJ illvibe

(Turntables)

AstraKulturhaus (✆ 69 56 68 40)

20.00: Three Days Grace

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Das SoundKollektiv –Bork

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: Stonefield

Cafe Tasso (✆ 48 62 47 08)

20.00: Rønee

HeimathafenNeukölln (✆ 56 82 13 33)

19.00, 22.00: Eagles of Death Metal

Lido (✆ 69 56 68 40)

20.00: Eric Gales

Marie-Antoinette (Holzmarktstr.15-18)

19.00: Velázquez

Max-Schmeling-Halle (✆ 44 30 44 30)

19.30: Lynyrd Skynyrd

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00 Sommerbühne: Isack Abeneko&Band

Urban Spree (Revaler Str.99)

21.00: Pixx (Electropop)

BALLROOM

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Cha Cha, Walzer &Co, Evan, Josefina und

Antoine

KINO

13.45, 16.30, 19.30, 22.30;TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 14.00, 17.00; Britt-Marie war hier

14.15, 16.40, 19.50; Das Leben meiner Tochter

14.20; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.40,

17.15; The Dead Don‘t Die 15.00, 17.40, 20.20,

23.00; Das Ende der Wahrheit 15.15;Nur eine Frau

16.40; All My Loving –Eine Geschichte von drei

Geschwistern 17.45; Zwischen den Zeilen 19.00;

Sunset 19.00; Burning 19.30; Avengers: Endgame

(OmU) 20.30; Der Fall Collini 21.30; High Life

(OmU)22.15; Burning –Beoning (OmU) 22.15;Rocketman

(OmU) 22.40; Van Gogh: An der Schwelle

zur Ewigkeit –AtEternity‘s Gate (OmU) 22.45

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Sunset (OmU) 18.45;

Ayka (OmU) 21.15

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Push –Für das

Grundrecht auf Wohnen (OmU) 17.00; Kim hat einen

Penis (OmenglU) 18.30; Gundermann 20.00;

Ramen Shop –Ramen Teh(OmU) 22.15

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Men

in Black: 14.15, 20.00; Godzilla 2–King of the

Monsters 14.15; Aladdin 14.15, 17.05; X-Men:

Dark Phoenix 14.20; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.25; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 14.35,

17.10; TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang

14.40; Glam Girls: Hinreißend verdorben 14.50;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.55; Avengers:

Endgame 15.00, 19.15; John Wick: Kapitel

III 16.50, 19.50, 23.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix

17.00, 19.55, 22.55;3D: PokemonMeisterdetektiv

Pikachu 17.00; 3D: Men in Black: 17.05, 20.00,

23.00; The Dead Don‘t Die 17.10, 19.45, 22.35;

Rocketman 17.10, 20.00; Hollywoodtürke 17.10,

19.40; 3D: Aladdin 19.30,22.50; 3D: Godzilla 2–

King of the Monsters 19.45, 22.50; Ma –Sie sieht

alles 22.35; Greta (2019 USA) 22.50; Friedhof der

Kuscheltiere 22.55

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Men in

Black: 10.00, 14.20; Aladdin 13.30, 16.40; Bailey:

Ein Hund kehrt zurück 13.40, 16.30; Royal Corgi:

DerLiebling der Queen13.55; 3D: Godzilla 2–King

of the Monsters 13.55, 16.15, 19.50; TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 14.05, 17.20; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.10; 3D: Aladdin 14.10,

17.15, 19.35; X-Men: Dark Phoenix 14.20; 3D:

X-Men: Dark Phoenix 16.35, 20.20; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 16.50; Rocketman 17.10,

19.30; 3D: Men in Black: 17.15, 20.10; 3D: Avengers:

Endgame 19.20; Ma –Sie sieht alles 19.40;

John Wick: Kapitel III 19.45; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 20.20

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Monsieur Claude II 15.30, 18.00; Britt-Marie war

hier 20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Das Ende der Wahrheit

18.00; Der Fall Collini 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19)The Dead Don‘t Die(OmU)

15.30, 18.00, 20.30

Xenon (✆ 78 00 15 30)Peter Lindbergh–Women‘s

Stories (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 0211) X-Men:

Dark Phoenix 10.00, 14.30, 17.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 10.00, 12.15, 14.45; Aladdin

10.00, 14.00, 17.00,20.00; Men inBlack: 10.30,

14.10,17.00;TKKG 12.05, 14.35; Royal Corgi: Der

Liebling der Queen 12.30; Mister Link: Ein felligverrücktes

Abenteuer 12.40; Rocketman 17.15; Godzilla217.15,

19.50; 3D: Men in Black: 19.55; John

Wick III 20.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix 20.20

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81)

Portugal –Der Wanderfilm 16.00; Der Fall Collini

18.00; Sunset Over Hollywood (OmU) 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 0711) Rocketman 14.00,

17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

X-Men: Dark Phoenix 10.00, 13.00, 17.10; TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 10.00, 12.10,

14.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 10.00,

12.15, 14.50, 16.00; Mister Link: Ein fellig verrücktesAbenteuer

10.00, 12.15; Bailey: Ein Hund kehrt

zurück 10.00, 12.25, 14.30, 17.20; Aladdin 10.00,

14.30, 17.25, 20.00,23.00; Men inBlack: 10.30,

14.20, 16.30; The Dead Don‘t Die 17.20, 20.20,

22.35; Avengers: Endgame 19.00; 3D: Men in

Black: 19.30, 22.30; John Wick: Kapitel III 19.30,

22.55; 3D: Godzilla2–Kingofthe Monsters20.00,

22.55; 3D: X-Men: Dark Phoenix 20.05, 23.00; Ma

–Sie sieht alles 23.05

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) TKKG 15.00;

Aladdin 15.15, 17.45; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

15.30; Men in Black: 15.30; Avengers: Endgame

17.00, 20.30; X-Men: Dark Phoenix 18.00;

3D: Men in Black: 18.00,20.30; Rocketman20.30;

3D: Godzilla 2–King of the Monsters 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Magical History Tour:The

Tree of Life (OmU) 20.00; Mirror: Filmausschnitte

(aus dem Archiv der Cimatheque inKairo; m.Einführung

u. Diskussion (in engl.Sprache) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang 12.30,

15.10; Avengers: Endgame 12.30, 16.05, 22.10;

VanGogh:Ander Schwelle zur Ewigkeit 13.20; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 13.20, 20.10,23.00;

Monsieur Claude II 13.20, 19.30; Men in Black:

13.20; Godzilla 2–King of the Monsters 13.20;

Aladdin 13.20; X-Men: Dark Phoenix 13.25, 20.00;

Rocketman 13.30,16.40, 19.50, 23.00; Edie –Für

Träume ist es nie zu spät 13.30; Mister Link: Ein

fellig verrücktes Abenteuer 13.40; Willkommen im

Wunder Park 13.45; Nur eine Frau 13.50, 19.30;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.00; Glam

Girls: Hinreißend verdorben 14.10, 16.50, 19.40;

Bailey: Ein Hund kehrt zurück 14.10,16.40,19.50;

3D: Godzilla 2–King of theMonsters16.20, 19.40,

23.00; Die Goldfische 16.20; Zwischen den Zeilen

16.30; 3D: X-Men: Dark Phoenix 16.30, 22.50;

Roads 16.30; Britt-Marie war hier 16.30, 19.10;

After Passion 16.30; John Wick: Kapitel III 16.40,

19.40, 23.00; Burning 16.40; 3D: Aladdin 16.40,

19.40, 23.00; The Dead Don‘t Die 16.50, 20.00,

23.00; Der Junge muss an die frische Luft 16.50;

3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 17.10; 3D:

Men in Black: 17.10, 20.30, 23.00; Hollywoodtürke

17.50, 20.30, 23.00; Greta (2019 USA) 19.20;

Bohemian Rhapsody 19.20; Der Fall Collini 19.30;

Ma –Sie sieht alles 20.15, 23.00; 3D: Avengers:

Endgame 20.20; Captain Marvel 22.00; ImNetz

derVersuchung 22.20; The Silence 22.30; Friedhof

der Kuscheltiere 22.30; Wir 22.40; Escape Room

23.00

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Mirai: Das

Mädchen aus der Zukunft –Mirai noMirai (OmU)

17.45; John Wick: Kapitel III –John Wick: Chapter

3–Parabellum (OF) 19.30; „Mir ist esegal, wenn

wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“ –„Imi

este indiferent daca inistorie vom intra cabarbari“

(OmU) 22.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) TKKG –Jede Legende hat

ihren Anfang 14.00, 16.00; Aladdin 14.00, 17.00,

20.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 15.00;

Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 15.00;

Men in Black: 15.00, 17.30; X-Men: Dark Phoenix

17.30; Godzilla 2–King of the Monsters 17.30;

Rocketman 18.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix20.00,

22.30; 3D: Men in Black: 20.00, 22.30; 3D: Godzilla

2–King of the Monsters 20.00, 22.30; John

Wick: Kapitel III 20.15, 22.30; Ma –Sie sieht alles

22.45

Casablanca (✆ 677 57 52) Bohemian Rhapsody

16.00; Stan &Ollie 18.30; All MyLoving –Eine Geschichte

von drei Geschwistern 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang 14.00;Aladdin

14.00, 16.45; X-Men: Dark Phoenix 14.10,

17.00; Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer

14.15; Men inBlack: 14.15; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.25; Bailey: Ein Hund kehrt zurück

14.30, 17.00; Rocketman 14.35, 20.10; Avengers:

Endgame 15.45, 19.20; 3D: Godzilla 2–King of

the Monsters 16.20, 19.45; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 17.10; 3D: Men inBlack: 17.15,

20.00; Hollywoodtürke 17.15, 19.50; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 17.30; John Wick: Kapitel

III 19.45; 3D: Aladdin 19.50; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 20.00; Ma –Sie sieht alles 20.10

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 14.00; Aladdin

14.00, 17.00, 20.00; Men inBlack: 14.10, 17.00;

X-Men: Dark Phoenix 14.15, 17.00, 19.50; Bailey:

Ein Hund kehrt zurück 14.20, 17.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.30,17.15; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 15.00; Godzilla 2–King of

the Monsters 16.30,19.50; Hollywoodtürke 17.10,

19.40; John Wick: Kapitel III 19.50; 3D: Men in

Black: 20.00; Ma –Sie sieht alles 20.00

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 19 76) Preview:

Ein Becken voller Männer –Legrand bain (OmU)

19.00; High Life (OmU) 21.15

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) War ofArt (OmU)

18.00; Ultranova (OmU) 20.00; One Cut of the

Dead –Kamera otomeru na! (OmU) 22.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Rocketman 16.45,

19.30; TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang

15.30; Monsieur Claude II 17.45; Der Fall Collini

20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) The Dead

Don‘t Die 16.00; Roads 18.00

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 13.00; Roads 15.30; Yoga: Die

Kraft des Lebens –Debout (OmU) 18.00; Rocketman

20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Wie ich lernte, bei mir selbst

Kind zu sein 18.00; Beuys 20.30

Capitol (✆ 831 64 17) Britt-Marie war hier 15.40,

20.30; Zwischen den Zeilen 18.00

FREILUFTKINOS

Freiluftkino Hasenheide (✆ 283 4603) Nur ein

kleiner Gefallen –ASimple Favor (OmU) 21.45

Freiluftkino Insel imCassiopeia (✆ 35 12 24 49)

Border –Gräns (OmU) 21.45

Freiluftkino Kreuzberg Nur eine Frau 21.45

Freiluftkino Rehberge #Female Pleasure (OmU)

21.45

Open Air Kino Mitte (✆ 28 59 99 73) Dead Man

(OmU) 21.45

Open-Air-Kino SchlossparkBiesdorf (✆ 9987481)

Das Familienfoto 21.30

Pompeji am Ostkreuz (✆ 01 76/56 709298)

Free Solo (OmU) 21.45

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain Der Trafikant

21.45

Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz

(✆ 89 37 14 31) Ballon 21.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12)

Hi, AI –Liebesgeschichten aus der Zukunft (OmU)

17.00; Seestück (m. Gast) 19.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 7020) KinderWagenKino:

Sunset 10.30; TKKG –Jede Legende hat

ihren Anfang 14.00, 16.00; Edie –Für Träume ist

es nie zu spät 14.00; Die rote Linie –Widerstand

im Hambacher Forst 14.00; Zwischen den Zeilen

16.00; Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer

16.15; Magie der Wildpferde 16.15; All MyLoving

–Eine Geschichte vondrei Geschwistern18.00; Rocketman

18.15, 20.45; Yoga: Die Kraft des Lebens

18.30; Britt-Marie war hier 18.30, 20.45; Sunset

20.30; Burning 20.30

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang 13.45; Aladdin

13.45, 16.40; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.00; Men in Black: 14.00; Bailey: Ein Hund

kehrt zurück 14.10, 17.10; X-Men: Dark Phoenix

14.15; Glam Girls: Hinreißend verdorben 14.15;

Avengers: Endgame 15.30; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 16.45; 3D: Men in Black: 16.50,

20.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix 17.00, 20.15; Rocketman

17.00, 20.00; The Dead Don‘t Die 17.15,

20.15; 3D: Godzilla 2–Kingofthe Monsters 19.30;

John Wick:Kapitel III 19.40; 3D: Aladdin 19.50; Ma

–Sie sieht alles 20.15

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 8877) Aladdin

14.00,17.00,20.00

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 03375/469777)

Wieich lernte,bei mir selbst Kind zu sein17.15; Tea

with the Dames 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) X-Men:

Dark Phoenix 14.40; TKKG –Jede Legende hat ihren

Anfang 14.40; Der Fall Collini 14.40; Aladdin

14.40; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.45;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.45; Bailey:

Ein Hund kehrt zurück 14.45, 17.15, 19.50; 3D:

Godzilla 2–King ofthe Monsters 14.50, 17.20,

20.15; Men in Black: 15.00; 3D: Avengers: Endgame

15.15, 19.30; Avengers: Endgame 17.00; 3D:

Aladdin 17.00, 20.00; 3D: Men inBlack: 17.20,

20.00; Rocketman 17.30, 20.40; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 17.30; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 17.40, 20.00; John Wick: Kapitel III 17.45,

20.20;Glam Girls: Hinreißend verdorben 20.15;Ma

–Sie sieht alles 20.45

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 14.45; Aladdin

15.00; Men in Black: 15.15; Avengers: Endgame

16.45; 3D: Men inBlack: 17.45, 20.30; X-Men:

Dark Phoenix 18.00; Das Ende der Wahrheit 20.30;

Rocketman 20.30

filmpalast Eisenhüttenstadt (✆ 033 64/

40 83 10) Aladdin 14.30; Men inBlack: 14.45;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 15.00; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 15.15; Godzilla 2–

King of the Monsters 17.00, 19.45; X-Men: Dark

Phoenix 17.15; 3D: Aladdin17.15, 20.00; 3D: Men

in Black: 17.30, 20.00; John Wick:Kapitel III 19.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828)

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.45; Men in

Black: 15.00, 17.30; TKKG –Jede Legende hat ihren

Anfang 15.10;Aladdin15.15, 17.00; Godzilla 2

–King of the Monsters 17.10; X-Men: Dark Phoenix

17.45; 3D: Aladdin 19.30; 3D: Godzilla 2–King of

the Monsters 19.45; 3D: Men in Black: 20.00; 3D:

X-Men: Dark Phoenix 20.15

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 15.00; Men in Black:

15.45, 17.15, 20.00; Edie –Für Träume ist es nie

zu spät 18.30; X-Men: Dark Phoenix 20.45

Scala Kulturpalast Werder (✆ 033 27/462 31 75)

Wildhexe 9.00; Ben isBack 11.30; Stan &Ollie

14.00; Mirai: Das Mädchen aus der Zukunft 16.00;

Ab heute sind wir ehrlich 18.00; Das Leben meiner

Tochter 20.00

Union Kino-Center Luckenwalde (✆ 03371/

40 16 41) MisterLink: Einfellig verrücktes Abenteuer

15.30; Men in Black: 15.30, 17.45, 20.15; TKKG

–Jede Legende hat ihrenAnfang 15.45; Rocketman

17.30,20.00; X-Men: Dark Phoenix 17.45,20.00


24 * Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

DOKUS

Lahmes

Netz,

falsche Tipps

VonTorsten Wahl

Wer versteht schon alle Zusammenhänge

der vernetzten

Welt?Werkennt sich wirklich aus mit

den technischen Veränderungen?

Und was bringt die digitale Zukunft

für die Menschheit? Zwei Dokus im

ZDF erklären, warum das Netz mancherorts

noch so langsam ist und

warum man Kundenbewertungen

nicht blind vertrauen sollte.

Funkloch: Zehn Familien mit Netflix-

Aboziehen heute so viele Daten, wie

vorgut 20 Jahren weltweit durch das

gesamte Netz flossen. Eine ZDF-

Doku, die auf ZDFinfo „Funkloch

und Schneckennetz“ heißt, im ZDF-

Wirtschaftsmagazin WiSo dann unter

dem Titel „Kunden in der Warteschleife“

wiederholt wird, zeigt zunächst,

wo es überall klemmt –obwohl

die Bundesregierung ein

schnelles Netz für alle bis 2018 versprochen

hatte. Doch Landmaschinen

können nicht digital geführt

werden, Kunden bleiben bei Anbieterwechseln

auf der Strecke,versprochene

Datenraten werden oft nicht

erreicht. Die Doku zeigt die Unterschiede

zwischen Kupferleitungen

und Glasfaser und stellt Kommunen

wie das sächsische Amtsbergvor,die

ihr eigenes Breitbandnetz aufgebaut

haben. Ein Staatssekretär der Bundesregierung

erklärt schließlich, wie

der Netzausbau beschleunigt werden

soll.

DieDokumentation „Funkloch und Schneckennetz“

läuft am Donnerstag,den 20. Juni, um

18.45 bei ZDFinfo. Unter demTitel „Kunden in der

Warteschleife“ am Montag,den 24. Juni, um

19.25 im ZDF.Inder ZDF-Mediathek istder Beitragbis

zum 24.Mai 2020 verfügbar.

Wemkann man trauen im Netz? Bei Kundenbewertungen

ist da nicht leicht. S. THÖNE

Kundentäuschung: Spezielle gesetzliche

Regelungen zu Bewertungen im

Netz gibt es zum Bedauern der Verbraucherschützer

nicht – dabei

müssten viele eigentlich als Werbung

gekennzeichnet werden. Die Doku

„Fakten, Fakes und Kundentäuschungen“

führt vor, wie leicht positive

Bewertungen gekauft werden

können. Die Reporter besuchen heruntergekommene

Hotels und fragen,

warum sie im Netz Höchstbewertungen

bekommen. Für Fakes sorgen

auch Leute, die Produkte behalten

dürfen, wenn sie die in höchsten Tönen

loben. Die Doku geht auch der

Frage nach, warum Ärzte es schwer

haben, gegen Verleumdungen bei

Portalen wie Jameda vorzugehen.

Die Dokumentation „Fakten, Fakesund Kundentäuschung“läuftamDonnerstag,

20. Juni, um

19.30 Uhr bei ZDFinfo. In der ZDF-Mediathek ist

sie bis zum 30. April2020verfügbar.

Torsten Wahl wunderte

sich, wie gut schlechte Hotels

bewertet werden.

Der Hauptprozessor eines Computersbenötigt viel Energie, um die gewünschten Rechenvorgänge erledigen zu können.

Ständig unter Strom

E-Mails verschicken, Netflix-Serien streamen –dabei wird sehr viel Energie verbraucht

VonAdrian Lobe

Die globale Schüler- und

Studierendenbewegung

„Fridays for Future“ hat

das Thema Klimaschutz

ganz oben auf die politische Agenda

gesetzt. Flugreisen, Fleisch, Kohlekraft

–die Klimakiller sind schnell

ausgemacht. Doch ein Faktor wirdin

der Diskussion zuweilen außer Acht

gelassen: das Internet.

Luftpost verbraucht weniger

Aktivität im Netz hinterlässt einen

gewaltigen ökologischen Fußabdruck.

Im Jahr 2009 rechnete der

Harvard-Physiker Alex Wissner-

Gross aus, dass eine Google-Suche

sieben Gramm CO 2 verursacht. Das

entspricht etwa der Hälfte der Energie,die

man für das Aufkochen einer

Kanne Teebenötigt (nach Angaben

vonGoogle produzierteine typische

Suchanfrage lediglich 0,2 Gramm

CO 2 ). Bedenkt man, dass Google pro

Tag3,5 Milliarden Suchanfragen verarbeitet,

kommt hier eine beträchtliche

Menge klimaschädlicher Gase

zusammen.

Die Aktionskünstlerin und Wissenschaftlerin

Joana Moll hat den

CO 2 -Ausstoß von Google in ihrem

Kunstprojekt CO2GLE visualisiert.

Die netzbasierte Installation demonstriert,

wie viel CO 2 die Suchmaschine

seit dem Ladevorgang emittiert

hat. Nach nur wenigen Sekunden

schnellt der CO 2 -Verbrauch auf

ein paar Tonnen an. Die Suche im

13

Kilowattstunden werden

benötigt, um ein Gigabyte

an Informationen

zu übertragen.

ENERGIEVERBRAUCH BEI SUCHANFRAGEN

Netz, ein einziges Klimadesaster.

Moll legt ihrer Berechnung zugrunde,

dass die Produktion einer

Kilowattstunde im Durchschnitt 544

Gramm CO 2 ausstößt. Um 1Gigabyte

Information zu übertragen, benötigt

man 13 Kilowattstunden. Die 47000

Suchanfragen, die Google pro Sekunde

verarbeitet, entsprechen nach

dieser Kalkulation etwa einer halben

Tonne CO 2 .

DieEmissionen entstehen hauptsächlich

durch Rechenzentren, deren

Betrieb jede Menge Energie verbraucht.

Vorallem die Kühlung der

heiß laufenden Server – allein in

Googles Rechenzentrum Lenoir in

NorthCarolina sind es knapp 50 000

– ist äußerst energieintensiv. Zwar

setzt Google wie auch andere Tech-

Konzerne in den vergangenen Jahren

vermehrt auf erneuerbare Energien

(durch den Zukauf von Windund

Solarenergie), wodurch schädli-

47 000

Suchanfragen, die Google

pro Sekunde verarbeitet,

entsprechen etwa einer

halben Tonne CO 2 .

30

Prozent seines

Energiebedarfsdeckt Netflix

mit Kohlestrom, 25 Prozent

mit Kernkraft.

che Treibhausgasemissionen eingespart

werden. Doch laut Googles

Nachhaltigkeitsbericht ist der durch

erneuerbareEnergien bereinigte CO 2

-Ausstoß in den vergangenen Jahren

kontinuierlich gestiegen. Das liegt

vorallem am steigenden Datenvolumen.

Auch E-Mails gelten als klimaschädlich.

205 Milliarden E-Mails

werden jeden Tag verschickt. Die

französische Umweltagentur

ADEME (Agence De l’Environnement

et de la Maitrise de l’Energie)

hat berechnet, dass ein mittelständischer

Betrieb mit 100 Angestellten

allein durch E-Mails pro Jahr 13,6

Tonnen CO 2 produziert – das entspricht

rund 13 Flügen von Paris

nach NewYorkund zurück.

Mit elektronischen Postfächern

war anfangs die Hoffnung verknüpft,

sie würden den Versand von Briefen

per Luftpost überflüssig machen

Komponieren weltweit

und damit klimafreundlich sein.

Doch die Zahlen belegen das Gegenteil.

Laut einer Studie machen Rechenzentren

zwei Prozent der globalen

Treibhausgasemissionen aus –so

viel wie die gesamte Luftfahrtindustrie.

Gefahr der Kryptowährungen

IMAGO

„Der größte Treiber des Datenwachstums

und der damit verbundenen

Energienachfrage sind Streaming-

Dienste“, sagt der Greenpeace-Aktivist

Gary Cook im Gespräch mit der

Berliner Zeitung. DerWissenschaftler

ist Autor der Greenpeace-Studie „Clicking

Clean“, welche die ökologischen

Bemühungen der Tech-Branche

untersucht. Der Bericht stellt vor

allem den chinesischen Technologiekonzernen

ein schlechtes Zeugnis

aus: Sowohl der Online-RieseTencent

als auch der Suchmaschinenkonzern

Baidu beziehen zwei Drittel ihrer

Energie aus schmutziger Kohlekraft.

In China ist auch das Gros der Bitcoin-Minen

stationiert –die Kryptowährung

verbraucht mittlerweile so

viel Strom wie ganz Dänemark. Der

Streaming-Dienst Netflix, dermittlerweile

ein Drittel des Internet-Traffics

in den USA ausmacht, deckt seinen

Energiebedarf zu 30 Prozent aus

Kohle und einem Viertel aus Kernkraft.

Wäre der IT-Sektor ein Land,

würde er im Energieverbrauch auf

Platz drei rangieren –hinter China

und den USA und weit vorIndustrienationen

wie Russland, Deutschland

und Japan.

Die App Jambl aus Berlin ist in Cannes mit einem renommierten Musikpreis ausgezeichnet worden

VonJörg Hunke

Firmenchef und Gründer Gad Baruch Hinkis (Mitte) mit seinem Team in Cannes.

JAMBL

gene Musik produzieren kann, auch

ohne ein Instrument zu beherrschen.

„Jeder Mensch hat doch Musik

insich“, sagt Hinkis. Esgab erste

Erfolge und Misserfolge und in einer

schwierigen Zeit die erfolgreiche Su-

Am Anfang lief alles gegen Gad

Baruch Hinkis. Kein Geld, kein

Geldgeber, enttäuschte Hoffnungen

und dann auch noch der Verlust des

wichtigsten Mitarbeiters. Hinkis

weiß genau, wie sich Enttäuschungen

anfühlen, aber er hat weitergemacht.

Das hat sich gelohnt: Für

seine App Jambl ist er in Cannes mit

dem renommierten Midemlab-

Awardausgezeichnet worden. In der

Vergangenheit haben angesagte

Start-ups wie Soundcloud und junge

Unternehmen, die später vonSpotify

und Google übernommen wurden,

den Preis gewonnen.

Die App Jambl (bisher nur in

Apples App-Store erhältlich) ist in

Berlin entwickelt worden. Ideengeber

Hinkis kam vor zehn Jahren aus

Israel hierher,weil er die Hauptstadt

neben NewYorkund London für den

besten Hotspot in Sachen Technologie

und Musik hält. Hinkis ist seit

Ewigkeiten in der Musikbranche unterwegs,erspielt

selbst aber kein Instrument.

Unddas störte ihn.

So kam er auf die Idee, eine App

zu entwickeln, mit der man seine eiche

nach einem neuen Programmierer.

Mit der App lassen sich Sounds

mischen, Instrumente hinzufügen

oder wieder löschen. Das Konzept

erlaubt es auch, mit anderen Nutzern

der App weltweit zu kooperieren.

„Jambl ist die Musikversion von

Minecraft“, sagt Hinkis. Zur Erinnerung:

Minecraft ist das beliebte

Computerspiel für Kinder und Jugendliche,die

gemeinsam neueWelten

entstehen lassen. „Wir sind die

Multi-Player-Plattform für die Musikbranche“,

sagt der Firmenchef,

der in den Erklärvideos gerne den

großen Entertainer spielt mit Vollbartund

dicker Sonnenbrille.

Wie esweitergeht nach der Auszeichnung?

Start-ups, die in Cannes

aufgefallen waren wie „The Echo

Nest“, bei dem es um die Datenerkennung

geht, wurden von Spotify

übernommen. „Für so einen Deal ist

es aber noch zu früh“, sagt Hinkis.

Neue Qualität

der

Supercomputer

AusDeutschland ist ein

Rechner in den TopTen

VonRenate Grimming

Die Liste der 500 schnellsten

Supercomputer der Welt hat in

ihrem 26. Jahr einen Meilenstein erreicht:

Erstmals kommt selbst der an

letzter Stelle gelistete Rechner auf

eine Leistung im Petaflops-Bereich.

Ein Petaflops entspricht einer Billiarde

Rechenoperationen pro Sekunde

–eine Schnelligkeit, die noch

voreinigen Jahren nur ganz wenigen

Anlagen vorbehalten war.

Angeführt wird die Bestenliste,

die zweimal im Jahr zur International

Supercomputing Conference

(ISC) veröffentlicht wird, vonzweiin

den USA betriebenen Anlagen, Platz

drei und vier belegt China. Auch

Deutschland hat es unter die TopTen

geschafft. Die SuperMUC-NG-Anlage

am Leibniz-Rechenzentrum bei

München schaffte es mit einer Leistung

von 19,5 Petaflops auf Platz

neun.

Die ersten beiden Plätze belegen

von IBM gebaute Supercomputer.

„Summit“ ist mit einer Rekordleistung

von 148,6 Petaflops der

schnellste Rechner der Welt und

steht am OakRidge National Laboratory

inTennessee. Platz zwei nimmt

die Anlage „Sierra“ am Lawrence LivermoreNational

LaboratoryinKalifornien

ein, die auf eine Spitzenleistung

von 94,6 Petaflops kommt.

Manche Supercomputer werden künstlerisch

gestaltet –wie in Frankreich. AFP

Dicht auf den Fersen folgt China mit

seinem schnellsten System „Sunway

TaihuLight“, das mit 93 Petaflops am

nationalen Supercomputer-Zentrum

in Wuxi installiertist. Auch den

vierten Platz belegt China mit „Tianhe-2A“,

genannt „Milky Way“, aus

Guangzhou mit 61,4 Petaflops.

Forschung der Astro-Physiker

Neuindie TopTen rückte„Frontera“,

ein amerikanischer Supercomputer

mit einer Spitzenleistung von 23,5

Petaflops des Herstellers Dell, das

System wirdander UniinTexas eingesetzt.

DieUSA kommen insgesamt

auf fünf Anlagen in den TopTen, die

vor einem Jahr noch China angeführt

hatte. Neben den USA und

China sind die Schweiz („Piz Daint“

mit 21,2 Petaflops auf Platz sechs),

Japan („AI Bridging Cloud Infrastructure“

mit 19,8 Petaflops auf

Platz acht) sowie Deutschland vertreten.

„SuperMUC-NG“, der auf

Platz neun geführte Supercomputer

des Herstellers Lenovo, steht in Bayern

Forschern aus ganz Europa zur

Verfügung, die etwa in Bereichen der

Astro- und Festkörper-Physik, in der

Medizin oder der Katastrophen- und

Umweltforschung arbeiten.

Die Supercomputer Conference

findet diesmal in Frankfurt amMain

statt. Siegilt noch immer als wichtige

Messlatte in der Branche, manche

Kritiker halten die Artder Messung jedoch

nicht mehr für zeitgemäß. Der

sogenannte Linpack-Benchmark ermittelt

zwar die Schnelligkeit, aber

nicht die Rechen-Effizienz einer Anlage.

Bei komplizierten Berechnungen

–wie Simulationen in der Klimaforschung

oder dem maschinellen

Lernen –geht es aber nicht mehr allein

um eine schnelle Berechnung,

sondern umeine für die verschiedenen

Arbeitsschritte optimierte Nutzung

der Rechenleistung. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live nach Neun

9.55 (für HG) Sturm der Liebe 10.45 (für HG)

Meister des Alltags 11.15 (für HG) Gefragt –

Gejagt 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG)ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für

HG) Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau

15.10 (für HG) Sturm der Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) DieTierärzte –Retter

mit Herz 17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für

HG) Brisant 18.00 (für HG) Gefragt –Gejagt

18.50 (für HG) WaPo Bodensee 19.45 (für HG)

Wissen vor acht –Natur 19.55 (für HG) Börse

vor acht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Um HimmelsWillen

Hannas Entführung.Unterhaltungsserie

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

Gnadenlos. Arztserie

21.45 (für HG) Report Mainz

Moderation: Fritz Frey

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Marija

Drama, CH/D 2016

Mit Margarita Breitkreiz,Georg Friedrich u.,a.

0.20 (für HG) Nachtmagazin

0.40 (für HG) Tiger Girl

Drama, D2017

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Wolfram Kons, Susanna Ohlen 8.30 (für HG)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00

Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation:

Katja Burkard 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Gerichtsreport

Deutschland 16.00 Meine Geschichte –Mein

Leben 17.00 Freundinnen –Jetzt erst recht.

Unterhaltungsserie 17.30 Unter uns. Daily

Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Star-Magazin 18.45 aktuell

19.05 (für HG) Alles was zählt. Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 (für HG) Nachtschwestern

Lebenswert.Arztserie

Mit Ines Quermann, Mimi Fiedler, Oliver

Franck, Nassim Avat u.a.

21.15 (für HG) Sankt Maik

Holzbock süß –sauer. Dramaserie

22.15 Doc meets Dorf

Genug ist verf#ckt nochmal genug

23.10 Schmidt –Chaos auf Rezept

Hochzeitstag.Comedyserie

0.00 Nachtjournal

0.30 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Sweets und die Verstummten derVerschwörung

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

17.45 (für HG)Aktuell 18.10 (für HG) Brisant

18.54 (für HG) Sandmann 19.00 (für HG)

MDR Regional 19.30 (für HG) Aktuell 19.50

(für HG) Einfach genial 20.15 (für HG) Umschau

21.00 (für HG) Der Osten –Entdecke

wo du lebst 21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für

HG) Wem gehört der Osten? 22.50 (für HG)

Polizeiruf 110. Schwarze Ladung.TV-Kriminalfilm,DDR

1976 23.50 (für HG) Morden im

Norden 0.40 (für HG) Commissario Laurenti.

Die Toten vom Karst.TV-Kriminalfilm, D2006

2.10 (für HG) Umschau

Bayern

15.30 (für HG) Schnittgut.Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG)

Wir inBayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Gesundheit! 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Tatort. Ein neues Leben. TV-Kriminalfilm, D

2012 21.45 (für HG) Rundschau Magazin

22.00 (für HG) Gottschalkliest? 22.45 (für HG)

Capriccio 23.15 nacht:sicht 23.45 BR-Klassik

0.30 (für HG) Dahoam isDahoam 1.00 (für

HG) Wir inBayern 2.15 Frankenschau aktuell

Vox

15.00 Shopping Queen 16.00 Makel? Los!

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Sing meinen

Song –Das Tauschkonzert 22.15 Die Michael-

Patrick-Kelly-Story 23.15 100 Songs, die die

Welt bewegten. Unvergessliche Hits verstorbener

Stars 0.10 nachrichten 0.30 (für HG) Medical

Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin.

SprechenderTatort 1.25 (für HG) Medical

Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin.

Überführt

Super RTL

15.00 Dragons –Die Reiter von Berk 15.25

Bugs Bunny &LooneyTunes 15.50 Hotel

Transsilvanien –Die Serie 16.15 Zak Storm –

Super Pirat 16.45 Ninjago –Rückkehr der Oni

17.15 What's New Scooby-Doo? 17.40 Inspector

Gadget 18.10 Dennis &Fletscher –

Blämtastisch! 18.40 Woozle Goozle 19.10

Bugs Bunny &LooneyTunes 19.40 Angelo!

20.15 Snapped –Wenn Frauen töten 21.10

Snapped –Wenn Frauen töten 22.00 Snapped

–Wenn Frauen töten 22.55 Snapped –

Wenn Frauen töten 23.50 Comedy total

Sport1

14.30 Normal 15.00 Yukon Gold. Göttliche

Fügung 16.00 Alone. Brokedown Palace 17.00

StorageWars –Die Geschäftemacher. Ein

HauchTexas 18.00 Bundesliga aktuell. Die

tägliche News-Sendung für Fußballfans 18.25

Fußball: U21-Europameisterschaft. Vorrunde,

Gruppe C: Rumänien –Kroatien 20.30 Bundesliga

aktuell 20.55 Fußball: U21-Europameisterschaft.

Vorrunde, Gruppe C: England –

Frankreich 23.00 Hans Sarpei –Das Tsteht für

Coach 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Retter inder

Not 11.15 (für HG) SOKO Stuttgart. Todeines

Kammerjägers 12.00 heute 12.10 drehscheibe

13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00

heute –inDeutschland 14.15 Die Küchenschlacht

15.00 (für HG) heute Xpress 15.05

(für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG) heute –

in Europa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Tödliche Neugier 17.00 (für HG) heute 17.10

(für HG) hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute

heute 18.00 (für HG) SOKO Köln. Der verlorene

Sohn 19.00 (für HG) heute 19.25 (für HG)

Die Rosenheim-Cops. Viel zu viele Noten

20.15 (für HG) Das Fielmann-Imperium

Der Marktführer imQualitäts-Check

21.00 (für HG) Frontal 21

U.a. Dumpinglöhne beim Discounter,

Staatsfeinde in Uniform

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) Mein stiller Freund

Wenn Frauen trinken

22.45 Mann, Sieber!

Mit Tobias Mann,Christoph Sieber

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 Neu im Kino „Verachtung”

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Matthias

Killing,Alina Merkau 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit

Alexander Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,Isabella

Schulien 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im

Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf

Streife. Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten. Reportagereihe 16.00 Klinik am

Südring 17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

18.00 Endlich Feierabend! Moderation:

Annett Möller, Daniel Boschmann 19.00

Genial daneben –das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Whiskey Cavalier

Das bulgarische Baby. Actionserie

Mit Scott Foley,Lauren Cohan, Ana

Ortiz, Tyler James Williams u.a.

21.15 Lethal Weapon

Panama.Actionserie

22.15 Lethal Weapon

Bali. Actionserie

23.10 SpiegelTV–Reportage

True Crime in Hannover –die

Kommissare vom KDD.Reportagereihe

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

Gäste: Wincent Weiss,Michael Schulte

14.05 Erlebnisreisen 14.15 (für HG) In aller

Freundschaft 15.00 (für HG) In aller Freundschaft

15.45 (für HG) Aktuell 16.05 Hier und

heute 18.00 (für HG) aktuell /Lokalzeit 18.15

(für HG) Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle

Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Wilder Rhein (2) 21.00

(für HG) Quarks 21.45 (für HG)Aktuell 22.10

(für HG) Nebelwand –Der Usedom-Krimi. TV-

Kriminalfilm, D2017 23.40 (für HG) Chloé.

Thriller,USA/CDN/F 2009 1.05 (für HG)

Quarks 1.50 Erlebnisreisen

NDR

15.00 (für HG) aktuell 15.15 (für HG)Wer

weiß denn sowas? 16.00 (für HG) Mein Nachmittag

16.55 (für HG) aktuell 17.10 (für HG)

Seehund, Puma &Co. 18.00 Ländermagazine

18.15 (für HG) NaturNah 18.45 (für HG) DAS!

19.30 Ländermagazine 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Visite 21.15 (für HG)

Panorama 3 21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für

HG) Polizeiruf 110. Laufsteg in den Tod. TV-Kriminalfilm,

D2013 23.30 (für HG) Weltbilder

0.00 Die Höhle von Eppendorf –Das legendäre

Onkel Pö 1.00 (für HG) Tietjen und Bommes

Kabel eins

7.35 Blue Bloods –Crime Scene NewYork

8.25 Blue Bloods –Crime Scene NewYork

9.20 Navy CIS: L.A. 10.15 Navy CIS 11.10

Without aTrace 12.05 Numb3rs 13.00 Castle

13.55 The Mentalist 14.50 Navy CIS: L.A.

15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal,Dein Lokal –

Der Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle!Wir

kümmern uns drum 20.15 Miss Undercover.

Komödie, USA 2000 22.30 Miss Undercover 2.

Actionkomödie, USA/AUS 2005 0.45 Miss Undercover.

Komödie, USA 2000 2.30 Late News

RTL 2

12.00 Die Geissens –Eine schrecklich glamouröse

Familie! 13.00 Die Geissens –Eine

schrecklich glamouröse Familie! 14.00 Die

Wollnys –Eine schrecklich große Familie! 15.00

Hilf mir! Jung, pleite,verzweifelt ... 16.05 Krass

Abschlussklasse 17.00 News 17.10 Krass

Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln 50667

19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Hartz und

herzlich –Der Blockmacherring von Rostock

22.15 Pop-Giganten 0.15 Autopsie –Mysteriöse

Todesfälle 1.05 Autopsie –Mysteriöse Todesfälle

1.50 Autopsie –Mysteriöse Todesfälle

Eurosport 1

16.00 Tennis: ATPWorld Tour. Gerry Weber Open:

2. Tag 18.00 Tennis: ATPWorld Tour. Gerry Weber

Open:2.Tag 20.00 WATTS. Die Juni-Ausgabe

der Eurosport-Clipshow 20.15 EurosportNews

20.30 Radsport: Critérium du Dauphiné 21.30

Horse Excellence 22.00 Formel E: FIA-Meisterschaft

22.25 Rallye: Italian Rally Championship

22.30 Fechten:Europameisterschaften 23.25

EurosportNews 23.35 Tischtennis: WorldTour

0.30 Formel E: FIA-Meisterschaft 1.00 Olympische

Spiele. Legenden hautnah

TELE 5, 20.15 UHR THRILLER

Heat

Eine Reihe vonRaubüberfällen gibt der Polizei vonL.A.Rätselauf.Die Täter

agieren brutal und hochprofessionell. Bissie eines Tageseinen tödlichen

Fehlermachenund sich der knallharte Ermittler VincentHanna aufihreSpur

setzt. DerobsessiveHannafindet seine Nemesis im Anführer der Bande,dem

Gangster Neil McCauly (RobertDeNiro). Derwill sicheigentlich mit seiner neuen

Liebezur Ruhe setzen, doch ein letzter Raubzuggibt Hannadie Gelegenheit

zum Zugriff.Eskommtzueinem bleihaltigenShowdown. Mitdem komplexen

Gangster-Drama„Heat“gelangdem erfahrenen TV-Macher MichaelMann ein

fulminanter Durchbruch als Kino-Regisseur.Seitdem balanciertermitFilmen

wie„Ali“,„TheInsider“ unddem Kino-Remakeseiner eigenen Serienschöpfung

„Miami Vice“auf dem schmalen Grat zwischenGenre-und Autorenfilmer.

(USA/1995) Foto:Tele 5

Anzeige

ARD, 0.40 UHR DRAMA

Immer

und

überall.

Tiger Girl

www.berliner-kurier.de/mobil

Die jungeVanilla wäregernPolizistin,

schafft es aber nurzueinem Rätsel, Jobbeim Videos,

Sicherheitsdienst. Tiger(Ella Sonderausgaben

Rumpf)ist

das genaueGegenteil: unangepasst, u.v.m. leicht

durchgeknallt.Trotzdem oder genau deswegenwerden

die beiden Freundinnen, und

Tigerbringt Vanilla,vonder sie fasziniert

MDR WDR ist, das Beißen bei. Nach dem preisgekrön-

Arte

ten Debütvon „LoveSteaks” ist „Tiger Girl”

das Nachfolgeprojektdes FOGMA-Teams

um Regisseur und Autor JakobLass, Produzentin

und AutorinInes Schiller sowie Produzentund

Komponist Golo Schultz. 2017

feierte er Premiereals Eröffnungsfilm der

Sektion „PanoramaSpecial”der Berlinale..

(Dtl./2017)

SUDOKU

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

1 4

2 9 7

3 5 6

4

5 8 3

8 6 9 1

6 2

4 9

7 3

MitDIAGONALEN MIT –SCHWER -schwer

8 7

4 1

3 5

3

7 9 5 4

8

2 8

4 5

Nur im

E-Paper:

Foto: ARD

Auflösung

AUFLÖSUNG

vom VOM17.6.2019

mittel MITTEL

3 8 2 5 6 9 7 1 4

5 9 1 7 4 8 2 3 6

6 7 4 2 3 1 9 5 8

2 3 7 1 8 5 4 6 9

8 6 5 9 7 4 1 2 3

4 1 9 6 2 3 8 7 5

1 2 8 4 5 6 3 9 7

7 5 3 8 9 2 6 4 1

9 4 6 3 1 7 5 8 2

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 17. 6. 2019

vom 17.6.2019

schwer

SCHWER

7 5 6 9 8 4 1 2 3

1 4 9 3 7 2 8 5 6

3 2 8 5 1 6 4 7 9

9 1 3 2 4 7 5 6 8

4 8 2 6 9 5 3 1 7

6 7 5 8 3 1 9 4 2

5 9 1 7 2 3 6 8 4

8 6 7 4 5 9 2 3 1

2 3 4 1 6 8 7 9 5

5.30 Giraffe, Erdmännchen &Co. 6.20 zibb.

zuhause in berlin &brandenburg 7.20 Brisant

Classix 8.00 Brandenburg aktuell /Abendschau

8.30 Brandenburg aktuell /Abendschau 9.00

In aller Freundschaft 9.45 In aller Freundschaft

10.30 Rote Rosen 11.20 Sturm der Liebe

12.10 Tierärztin Dr.Mertens 13.00 rbb24

13.10 Verrückt nach Meer 14.00 Land und lecker

14.45 Traumhäuser 15.15 Der Mekong in

50 Booten 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn

sowas? 17.00 rbb24 17.05 Giraffe,Erdmännchen

&Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –

Das Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in

berlin &brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell

/Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Bilderbuch

Berlin-Weißensee

Reportagereihe

21.00 Bilderbuch

Berlin Pankow.Reportagereihe

21.45 rbb24

22.00 Meine heileWelt

Mit Michael Kessler

22.30 Der große Heinz Erhardt Abend

Mit Hans-Joachim Heist

23.15 Talk aus Berlin

23.45 Bilderbuch

Berlin-Weißensee. Reportagereihe

ProSieben

7.10 The Big Bang Theory 8.45 The Middle

9.35 Fresh off the Boat 10.30 Mike &Molly

10.55 How IMet Your Mother 11.45 2Broke

Girls 12.40 Mom. Alles für die Katz. Comedyserie

13.00 Twoand aHalf Men. Entweihnacht/Alan

ist anders/Superman und Dornröschen.Comedyserie

14.20 The Middle. Der Tag

der Geständnisse/Der Kuss. Comedyserie

15.15 The Big Bang Theory. Das Trauzeugen-

Testverfahren/Die Watkins-Wahrscheinlichkeit/

Die Zeitzonen-Klausel/Die Professor-Proton-

Personalie. Comedyserie 17.00 taff 18.00

Newstime 18.10 Die Simpsons. Homergeddon/Das

Bart Ultimatum. Zeichentrickserie

19.05 Galileo. Moderation: Stefan Gödde

20.15 Joko &Klaas gegen ProSieben

Mit Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-

Umlauf.Moderation: Steven Gätjen

Joko und Klaas fordern erstmals einen

Sender heraus. Dabei gilt es,gegen

das ProSieben-Universum zu gewinnen.

22.50 1:30 Moderation:Teddy Teclebrhan

23.40 Die Simpsons Der alte Mann und Lisa

0.10 Die Simpsons Marge als Seelsorgerin

0.40 Die Simpsons Homer hatte einen Feind

1.05 Die Simpsons Ihre Lieblings-

Fernsehfamilie. Zeichentrickserie

1.40 Joko &Klaas gegen ProSieben

16.45 (für HG) X:enius 17.10 Magische Orte

in aller Welt 17.40 Indien –Angry Bird gibt den

Tonan18.35 (für HG) DieWüstenlöwen der

Namib –Aufbruch undWiederkehr 19.20 Arte

Journal 19.40 Re: 20.10 Anderswo in Europa

20.15 Armes Schwein –Fettes Geschäft. Dokumentarfilm,

D2017 21.45 (für HG) Gut,

besser,vegan? 22.35 Der UN-Sex-Skandal

23.30 (für HG) WHO –AmTropf der Geldgeber.

Dokumentarfilm,D2016 0.50 Mit offenen

Karten 1.05 Arte Journal 1.30 (für HG) Africa

Rising. Dokumentarfilm,D2019

3Sat

9.45 nano 10.15 (für HG) Männlich,weiblich

oder was? 11.00 (für HG) Ich bin Sophia!

11.40 Natur im Garten 12.10 (für HG) Am

Schauplatz 13.00 (für HG) ZIB 13.15 Cuntrasts

13.40 Panamericana. VonAlaska nach

Feuerland 18.30 nano 19.00 (für HG) heute

19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Chaos-Queens: Für jede Lösung

ein Problem. TV-Komödie, D2017 21.45

kinokino 22.00 (für HG) ZIB 222.25 Steffi

Graf –ein Porträt 0.05 Reporter 0.30 10vor10

1.00 Cuntrasts 1.25 Panamericana

Phoenix

9.30 phoenix plus 10.00 phoenix vor ort

10.30 phoenix plus 11.30 phoenix vor ort

12.45 phoenix plus 14.00 phoenix vor ort

14.45 phoenix plus 16.00 Das große Insektensterben

16.50 plan b 17.20 Smart Farming

–Die Digitalisierung der Landwirtschaft

17.30 phoenix der tag 18.00 Menschen hautnah

18.30 Wie die DDR wirklich war 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Wie die

DDR wirklich war 21.45 heute journal 22.15

phoenix runde 23.00 phoenix der tag 0.00

phoenix runde 0.45 Wie die DDR wirklich war

Kika

13.20 (für HG) Lassie 13.40 (für HG) Die Pfefferkörner

14.10 Schloss Einstein 15.00 H2O –

Plötzlich Meerjungfrau 15.45 Sherlock Yack –

Der Zoodetektiv 16.25 (für HG) Mirette ermittelt

16.50 Hexe Lilli 17.35 Die Abenteuer des

jungen Marco Polo –Reise nach Madagaskar

18.00 (für HG) Mascha und der Bär 18.10

Super Wings 18.35 Beccas Bande –Mit Mut

wird alles gut! 18.50 Sandmann 19.00 (für

HG) Lassie 19.25 (für HG) Wissen macht Ah!

19.50 (für HG) logo! 20.00 (für HG) KiKA Live

20.35 Du bist STYLE!

Dmax

12.15 A2 –Abenteuer Autobahn 13.15 Yukon

Men –Überleben in Alaska 14.15 Das Survival-Duo:

Zwei Männer,ein Ziel 15.15 Lone Star

Law –Die Gesetzeshüter von Texas 16.15

Highway Cops 16.45 Highway Cops 17.15

Fast 'N' Loud 18.15 Fast 'N' Loud 19.15 A8 –

Abenteuer Autobahn (3) 20.15 Steel Buddies

–Stahlharte Geschäfte 21.15 112: Feuerwehr

im Einsatz 22.15 Die Türsteher 23.15

Dein bestes Stück –Gebracht,gemacht 0.15

Fast N' Loud präsentiert: Crash-Clips

5.02 hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Quarks 9.59 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Super.Markt 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 Mittagsmagazin 14.00

Tagesschau-Nachrichten 19.15 Schalom Neues

Deutschland –Judeninder DDR 20.00 Tagesschau

20.15 Die Investoren 21.02 Die Investoren 21.47

Extra 22.00 Marktcheck 22.45 DieTagesschau vor

20 Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30 Report Mainz

0.00 Umschau 0.45 Schätze der Welt 1.00 Nachtmagazin

1.20 7Tage ... 1.50 Brandenburg aktuell

2.20 SachsenSpiegel 2.50 Extra 3.02 SWR Landesschau

Baden-Württemberg 3.47 Extra 4.02

Abendschau 4.30 aktueller bericht

ONE

7.20 Utta Danella: EineNonne zumVerlieben.

TV-Liebesdrama, D2010 8.50 Alfredissimo! 9.20

BrisantClassix 10.00 Dawson's Creek(1) 10.45

Dawson's Creek 11.30 Lindenstraße 12.00 Sturm

der Liebe 12.45 Sturmder Liebe 13.30 Um Himmels

Willen 14.20 Mona kriegt ein Baby. TV-Familienfilm,D2014

15.50 Dawson's Creek 16.35

Dawson'sCreek 17.20 Lindenstraße 17.50 Die

Kanzlei 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder

Liebe 20.15 Doctor Who 21.15 Doctor Who 22.10

Hustle –Unehrlich währtamlängsten 23.00 Torchwood

23.50 Doctor Who 0.50 Doctor Who 1.45

Hustle –Unehrlichwährtamlängsten 2.40 Torchwood

3.35 Die Kanzlei 4.25 Lindenstraße

ZDF NEO

5.00 Terra X 5.45 Terra X 6.30 Terra X 7.10 Terra

X 7.55 Topfgeldjäger 8.50 Lafer! Lichter! Lecker!

9.35 Bares fürRares 10.30 Bares für Rares

11.20 Viel zu bieten 12.05 Die Rettungsflieger

13.35 Monk 14.55 Heldt 15.40 Die Rettungsflieger

17.10 Monk 18.30 Baresfür Rares 19.20

Bares für Rares 20.15 München Mord. TV-Kriminalfilm,D2017.

Einerder’s geschafft hat. MitBernadette

Heerwagen, MarcusMittermeier,Alexander

Held 21.45 DieToteohne Alibi. TV-Kriminalfilm,D

2012 23.15 Blockbustaz 0.15 (fürHG) Modus–

DerMörderinuns. TV-Kriminalfilm, S/DK/N/D/IRL

2018 1.45 Todesfalle Highlands. Kriminalfilm, GB

2011 3.15 Gätjens großes Kino 3.35 TerraX

ZDF INFO

6.15 Countdown zumZweitenWeltkrieg 8.30 ZDF-

History 9.15 Murder Maps –Geheimnisvolle Verbrechen

12.45 ZDF-History 16.30 Dasunterirdische

Reich 18.00 Böse Bauten 18.45 Größenwahn

in Beton 19.30 (für HG) Superbauten der

Geschichte 20.15 Time Scanners: Geheimnisse in

3D.Statiker erklären, wie das 45 Meter hoheKloster

in der antiken Stadt Petra(Jordanien)aus dem

Fels gehauen wurde. 22.30 (für HG) TerraX0.45

(fürHG) heute-journal 1.15 (fürHG) RBG–EinLebenfür

dieGerechtigkeit. Dokumentarfilm, USA

2018 2.45 (für HG) TrumpsRussland-Connection

3.45 Kinder in Käfigen –Trumps Flüchtlingspolitik

4.15 Citizen Trump –Eine amerikanischeKarriere

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Jacques Offenbach zum 200. Geburtstag Die

Offenbachiade –eine neues Genre., ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Internationaler Königin-Elisabeth-Wettbewerb

Violine Abschlusskonzert mit den Preisträgern

und Werken von Brahms, Bruch,

Beethoven, ca. 147 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik-Werkstatt Brahms'erstes Klaviertrio.

Brahms war mit seinem ersten Klaviertrio op. 8aus

dem Jahr 1857 sehr unzufrieden. 1888überarbeitete

er es komplett und nannte es „op. 108“. Der

jugendliche Überschwang ist auch in dieser heute

üblichen Überarbeitung gut zu spüren.,ca. 56Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musikszene 200 Jahre Offenbach. Die Autorin

Marie König begibt sich auf die Suche nach

Jacques mit dem Ziel, den Jubilar im Wimmelbild

der Musikgeschichte wiederzufinden.,

ca.45Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Siri Hustvedt: „Damals”(20/34). Es

liest Iris Berben, ca. 30 Minuten

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

„Franz Kafka –Der Bau” Mit Bernardo Arias

Porras,Jenny König., ca. 50 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Siri Hustvedt: „Damals”(20/34),

ca. 31 Minuten

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Sprechstunde Bein-Deformationen. X-, O-

oder ungleich lange Beine., ca. 80 Minuten

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Leben in Deutschland, pflegen in

der Heimat? Wenn die alternden Eltern im

Ausland wohnen., ca. 26 Minuten

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Die Last der Immobilie,

ca. 45 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Feature Der Fußball und ich. Geschichte einer

Abhängigkeit., ca. 55 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Kadri Voorand, ca. 30 Minuten

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Kontinente Tango Clásico –Tango

Nuevo.Mit Peter Rixen, ca. 56 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazz live Jugend Jazzt. Höhepunkte von der 17.

Bundesbegegnung., ca. 55 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 138 · D ienstag, 18. Juni 2019 – S eite 26 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Philippe Petit (69) ist mit seinen riskanten

Hochseilstunts weltberühmt

geworden. Unvergessen: 1974 balancierte

er in schwindelerregender,

böenumtoster Höhe zwischen den

Zwillingstürmen desWorld Trade

Center in NewYork. Bereits 1971 war

der Franzose zwischen den beiden

Haupttürmen der Pariser Kathedrale

Notre-Dame unterwegs –und genau

das würde er jetzt gernwieder tun.

Nach dem Brand des berühmten Sakralbaus

fühlt sich der Franzose offenbar

bemüßigt, ein Zeichen zu setzen.

Underfühlt sich auch noch fit:

„Ich denke,dass ich tun kann, was ich

mit 18 Jahren tun konnte.“

„Das FBI wirdinKürze

bei dir sein. Also pass

auf!“ (schl./mit dpa)

Bella Thorne (21) ist uns aus dem Film

„Assassination Nation“ noch in blasser

Erinnerung. In dem Gruselschocker

wütet ein Lynchmob in dem kleinen

Städtchen Salem, nachdem sich

dortein Hacker den Zugang zu den

Online-Profilen der Bewohner verschafft

und deren intimeVorlieben

veröffentlicht hat. Im wirklichen Leben

musste Thorne jetzt etwas Ähnliches

erleben: DieSchauspielerin

wurde voneinem Hacker mit Obenohne-Fotos

erpresst. Doch sie gab

nicht klein bei und veröffentlichte

amWochen-

ende die Bilder kurzerhand

selbst auf

Twitter.Und postete

dazu diese Nachricht:„Hier

sind die

Fotos,mit denen er

mich bedroht hat.

MitanderenWorten:

Hier sind meine

Brüste.“ Nunkönne sie

besser schlafen, dennn

sie habe ihreMacht wie-

dererlangt. Am Ende

droht sie dem Erpresser:

Setzt sich gegen einen Erpresser

auf Twitter zur

Wehr.

AP

TIERE

In Südostasien zu Hause: der Malaienspint.

DPA/MEI YONGCUN

Zwei Vögel im Gespräch. Sagt der

eine zum anderen: „Schau mal, der

Düsenjäger dortoben.“ Daraufhin

der andere: „Warum kann der so

schnell fliegen und ich nicht?“ Antwort:

„Würde dein Hinternbrennen,

wärest du auch so schnell.“ –Okay,

Spaß beiseite.Unser Bild zeigt zwei

Malaienspinte (Merops viridis)beim

trauten Stelldichein in der Nähe der

südostchinesischen Stadt Fuzhou.

Diezur Familie der Bienenfresser gehörenden

Vögel leben bevorzugt in

den tropischen oder subtropischen

Mangrovenwäldern. (schl.)

Sie wurden als Glamourpaar gefeiert, bis ganz andere Schlagzeilen folgten: O. J. Simpson und Nicole Brown Simpson auf einem undatierten Foto.

Eine offene Wunde

O. J. Simpson war in den USA ein gefeiertes Sportidol. Durch ein Verbrechen vor 25 Jahren änderte sich alles

VonSebastian Moll, New York

Nicole Brown Simpson

war ein sorgloses All-

American Girl: blond,

groß, hübsch und unerschütterlich

lebensfroh. Ihr Lachen

war einnehmend und breit, gleich,

ob sie mit ihrer Schwester eine Familienfeier

besuchte, sich mit ihren

Kindern imGarten im Sackhüpfen

übte oder ob sie in der Highschool

der Marschkapelle voranmarschierte.

Das ist das Bild, das eine

Ausstellung in Tennessee von jener

Frau zeichnen möchte, die vor 25

Jahren zum wohl bekanntesten

Mordopfer Amerikas wurde. Ausgeblendet

werden die Schlagzeilen

über ihre Ehe mit Footballstar O. J.

Simpson, die Geschichten über

Misshandlungen, die sie erleiden

musste und die schier endlose Berichterstattung

über ihren Tod, die

grausamen Polizeifotos,die Spekulationen

über die Umstände,unter denen

sie im Juni 1994 in ihrem Haus in

Hollywood ihr Leben verlor.

DieAusstellung im Alcatraz-East-

Kriminalmuseum ist der Versuch der

Familie Nicole Brown Simpsons, sie

als Privatperson zu ehren und ihren

Namen von der Symbolfunktion zu

befreien, den er im öffentlichen Diskurs

der USA seit einem Vierteljahrhundert

unweigerlich besitzt. Viel

Erfolg wird die Ausstellung dabei

nicht haben. Brown Simpson wird

auf ewig eine Projektionsfläche für

all jene Ängste,Zorngefühle undVorurteile

bleiben, die ein aufgewühltes

Amerika bis heute zerreißen. „Ihr

Fall“, schreibt der schwarze Intellektuelle

Michael Eric Dyson, „hat die

tiefen Risse des Hasses bloßgelegt,

die unter unserem gemeinsamen Leben

in den USA verlaufen.“

Als Nicole Brown 1985 den ehemaligen

Football-Superstar heiratete,

feierte der Boulevard die Verbindung

als Glamourehe.O.J.Simp-

son war der Darling von Amerika –

ein unwiderstehlich gut aussehender

Modellathlet mit einer vielversprechenden

Laufbahn im Showgeschäft.

Doch das Hochglanzbild bekam

bald Schmutzflecken. Nachrichten

drangen an die

Öffentlichkeit, dass Brown Simpson

nach schweren Misshandlungen

durch ihren Mann zur Polizei geflohen

war. Estauchten Bilder von ihr

mit geschwollenem Gesicht und

blauen Augen auf.

Auch nach der Scheidung entkam

sie O. J. Simpson nicht. Der Sportler

ertrug die Trennung nicht, er belauerte

und belästigte sie. Bis zu jenem

verhängnisvollen Abend, der in einem

Blutbad endete,bei dem Brown

Simpson und ihr Freund Ron Goldman

ihr Leben verloren. Der folgende

Prozess gegen den Footballer

entwickelte sich 1994 zum wohl

größten Medienereignis des Jahrzehnts.

Elf Monate lang beherrschte

das Verfahren die Öffentlichkeit,

sämtliche Zeitungen und Fernsehstationen

berichteten über kaum etwas

anderes mehr.

Der Fall traf Amerika an seiner

sensibelsten Stelle. Zueiner Zeit, in

der nach den Unruhen in Los Angeles

(1992) die Beziehungen zwischen

SchwarzundWeiß so angespannt waren

wie lange nicht mehr, stand ein

allseits beliebter schwarzerMann vor

Gericht. Sein Freispruch wegen der

löchrigen Beweislage entzweite das

Land endgültig. Das schwarze Amerika

schöpfte Hoffnung, dass es für sie

in den USA doch Hoffnung auf Gerechtigkeit

gibt. Dabei, so schreibt

Dyson, ging es gar nicht so sehr um

die Unschuld von Simpson, sondern

lediglich darum, dass er ein fairesVerfahren

bekommen hatte. Das weiße

Amerika war hingegen wegen der

überwältigenden Indizien gegen

Simpsonempörtund schockiert.

O. J. Simpson hat 25 Jahre

nach dem Mord einen eigenen Twitter-Kanal

eröffnet, wo ihm bereits mehr

als 650 000 Nutzer folgen. In einem Video

verspricht er,„ein wenig abzurechnen“.

Simpson ging dann doch noch ins

Gefängnis, wegen eines Vergehens,

das allerdings mit dem Tod seiner

Exfrau nichts zu tun hatte: 2008

wurde er wegen bewaffneten Raubüberfalls

und Geiselnahme zu einer

Haftstrafe von 33 Jahren verurteilt

und 2017 vorzeitig aus dem Gefängnis

entlassen. Danach lebte er zurückgezogen

in Las Vegas.

Bis zum Wochenende: Am Sonnabend

eröffnete Simpson einen eigenen

Twitter-Kanal. Der Mann drängt

zurück in die Öffentlichkeit, offenbar

genau zu richtigen Zeit –bis Montag

hatte @TheRealOJ32 schon über

650000 Follower. In einem ersten Video

kündigt er an, „ein wenig abzurechnen“,

ohne das genauer auszuführen.

Ein Cliffhanger, esfolgte ein

zweitesVideo,indem er seine Absichten

näher erläutert: „Jahrelang ist es

den Leuten möglich gewesen, über

IMAGO IMAGES

mich zu sagen, was sie sagen wollten,

ohne dafür die Verantwortung zu

übernehmen. Ich werde vieles von

diesem Bullshit richtigstellen.“

Wir sehen einen lächelnden, betont

lässigen Mann, der nun „die

Herausforderung“ annehmen und

ansonsten über seine „Lieblingsthemen“

sprechen will, allen voran den

Football, aber auch Politik. Simpson

kann sich der Aufmerksamkeit gewiss

sein, die rasant steigenden Follower-Zahlen

bestätigen das unverminderte

Interesse anseiner Person

und an dem mit seinem Namenverbundenen

Mordfall. Er wird den

Hype für seine Zwecke zu nutzen

wissen und alsbald zu einem Millionenpublikum

sprechen.

Dagegen kann eine kleine Ausstellung

in einem Kriminalmuseum

nicht viel ausrichten. Nicole Brown

Simpson dient weiterhin als Projektionsfläche

und verschwindet als der

Mensch, an den ihre Familie erinnernmöchte,inder

öffentlichen Debatte.

Für das schwarze Amerika

bleibt sie ein Symbol dafür, dass

weiße Frauen wichtiger sind –hätte

es so viel Aufheben um ein schwarzes

Opfer gegeben? Für weiße Feministinnen

ist Brown Simpson wiederum

ein Symbol dafür, dass das

Thema rassistischer Diskriminierung

in den USA wichtiger sei als der

Sexismus. Die Frauenrechtlerin Gloria

Steinem etwa beklagte, dass in

der Diskussion um den Fall die Gewalt

gegen das Opfer hinter der Debatte

um ein rassistisches Strafrechtssystem

zurücktrat. Von

schwarzen Bürgerrechtlern musste

sie sich dafür anhören, dass sie

durch ihre Hautfarbe verblendet sei.

Es bleibt unversöhnlich. (mit schl.)

Sebastian Moll denkt nicht,

dass eineAusstellung die

Sicht auf das Opfer ändert.

Argentinien sucht nach

Ursachen für Blackout

Nach dem massiven Blackout in Argentinien

und Uruguay ist die

Stromversorgung in den beiden südamerikanischen

Ländernwieder

vollständig hergestellt worden. Die

Mitarbeiter der Stromversorger versuchten

am Montag zu klären, wie es

zu dem Blackout kommen konnte.

„Soetwas ist in der Geschichte Argentiniens

noch nie passiert“, sagte

Energiestaatssekretär GustavoLopetegui.

Nach einer überhöhten Spannung

an der Stromleitung zwischen

den Wasserkraftwerken Yacyretá und

Salto Grande sei dasVersorgungssystem

automatisch abgeschaltet worden,

erklärte er.Eine solche automatische

Abschaltung bei Spannungsschwankungen

komme häufig vor,

seiaber örtlich begrenzt, die Verbraucher

bekämen davon üblicherweise

nichts mit. „Die Frage ist:

Warumhat das System,das darauf

ausgelegt ist, nur den betroffenen

Abschnitt zu isolieren, nicht genau

das getan?“ (dpa)

Polizei beendet Geiselnahme

in Lübecker Gefängnis

Glückliches Ende eines rund fünfstündigen

Geiseldramas in der Justizvollzugsanstalt

Lübeck. DerTäter

konnte durch Spezialkräfte überwältigt

werden und wurde dabei leicht

verletzt. Diebefreite Frau blieb dabei

unverletzt, teilte die Polizei am Montagabend

mit. DieMitarbeiterin des

Gefängnisses wurde am Abend ärztlich

betreut. Polizisten kamen bei

dem Einsatz nicht zu Schaden. Der

bewaffnete Mann hatte die Frau am

Nachmittag gegen 15 Uhrinseine

Gewalt gebracht. Nach dpa-Informationen

handelt es sich bei dem

Geiselnehmer um einen rumänischen

Gefangenen. (dpa)

Gloria Vanderbilt im Alter von

95 Jahren verstorben

Millionenerbin, Schauspielerin und Malerin:

Gloria Vanderbilt (1924–2019). AFP

DieUS-Schauspielerin, Malerin und

Modedesignerin Gloria Vanderbilt

ist im Alter von95Jahren gestorben.

Dasteilte ihr Sohn, der Fernsehmoderator

Anderson Cooper,amMontag

im Sender CNN mit. Dievielseitige

Vanderbilt entstammte einer der

vormals reichsten Familien der Vereinigten

Staaten und war über viele

Jahrehinweg eine der prominentesten

gesellschaftlichen Figuren des

Landes: Siegalt als das erste It-Girl.

Cooper bezeichnete seine Mutter als

eine „außergewöhnliche Frau, die

das Leben liebte und es zu ihren eigenen

Bedingungen lebte“. (BLZ)

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