LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2019 Journal 3

markus.jaklitsch

ABS. LOGISTIK EXPRESS | HAMEAU STRASSE 44 | 1190 WIEN | AUSTRIA

LE 3/2019

„Aufbruch jetzt!“

i

Fachzeitschrift

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eCommerce Logistik-Day

Ausgabe 3/2019

• Das freie Spiel der Kräfte

• Omnichannel als Maß aller Dinge

• Neues Zoll- und Steuerrecht für Warensendungen

• Aufbruch in das digitale Zeitalter

• Die EU im Handelsstreit - Tipps mit Strafzöllen

• Beschaffung in China: Shenzhen

• Goodbye Hierarchie?


LOGISTIK express 2/2019 | S2

LOGISTIK EXPRESS

STRATEGIE

wikifolio-Indexzertifikat

Der Markt zur privaten

Kapitalanlage befindet

sich in einem Umbruch.

2019 MESSEN EVENTS ORT INTERNET

LOGISTIK EXPRESS AUSGABE 3/2019 - 19.06.

26.06. FUTURE DAY Linz www.vnl.at

27.06. ÖSTERREICHISCHER LOGISTIK-TAG Linz www.vnl.at

FinTech-Unternehmen fordern

die klassischen Anbieter heraus.

24. bis 26.09. FACHPACK 2019 Nürnberg www.fachpack.de

25.09. 4. ECOMMERCE LOGISTIK-DAY 2019 Wien www.logistik-express.com

Mit der LOGISTIK express

Strategie wollen wir in die

Branche investieren und mit

aktivem Trading ein alternatives

Portfolio anbieten...

26.09. TAG DES HANDELS Wien www.handelsverband.at

26. bis 27.09. LOGISTIKSOMMER Leoben www.logistik-sommer.at

10. bis 11.10. EINKAUFSFORUM Wien www.bmoe.at

23. bis 25.10. DEUTSCHER LOGISTIK KONGRESS 2019 Berlin www.bvl.de

07.11. TECH DAY 2019 Wien www.handelsverband.at

21.11. DEUTSCHER HANDELS KONGRESS 2019 Berlin www.handelskongress.de

26. bis 27.11. EXCHAINGE 2019 Frankfurt www.exchainge.de


INHALT / EDITORIAL / IMPRESSUM

Sehr geehrte

LeserInnen!

INHALT LE 3/2019

02 Termine und Events

04 Das freie Spiel der Kräfte

06 Ausgaben im Onlinehandel steigen auf Rekordniveau 7,5 Milliarden

08 Omnichannel als Maß aller Dinge

12 Identity Fraud im Payment – Spielwiese für kriminelle Konsumenten

14 Neues Zoll- und Steuerrecht für Warensendungen mit geringem Wert

16 Der deutsche Mittelstand – Aufbruch in das digitale Zeitalter

22 Mehr finanzieller Spielraum dank KI

24 Hat der Handel die Wichtigkeit von Transparenz in der Lieferkette ...

26 Prädiktive BI-Lösungen in der Unternehmensplanung

28 100% Transparenz bei outgesourcter Intralogistik

30 Sensorgestütztes Tracking auf Warenebene

32 Sportlerherzen schlagen höher

34 Zu Gast bei Freunden

36 Kompakte Materialflusstechnik für effiziente Prozesse

42 Auswirkungen des Brexits auf Irland

44 Die EU im Handelsstreit - Tipps zum Umgang mit Strafzöllen

46 Aussichtsreiche Exportmärkte auf dem indischen Subkontinent

50 Beschaffung in China: Shenzhen – das nächste Silicon Valley?

54 Goodbye Hierarchie? Neue Arbeitsformen lockern alte Strukturen

56 Schuldig!?

60 Menschen in Bewegung

62 eCommerce Logistik-Day

Die Zukunft gestaltet sich

spannend, denn drei

österreichische Medien'

bündeln Ihr Portfolio und

Erfahrungspotential. So können

Cross-mediale Kampagnen über

drei Zeitschriften, Newsportale und

Social Media Kanäle etc. initiiert

werden. Des Weiteren werden die

Publikationen nicht nur über einen

ePaper Webkiosk, sondern auch

schon bald über einen App-Kiosk

ausgespielt. Mehr Erfahren Sie am

25.09.2019 am vierten eCommerce

Logistik-Day in Wien.

Sichern Sie sich Ihr Ticket: Der 4.

eCommerce Logistik-Day 2019 am

25.09. rückt näher - hierzu stehen

bereits namhafte Referenten fest

und am 26.09. folgt der Tag des

Handels vom Österreichischen

Handelsverband in der Albert Hall.

Wenn Sie Ihr Unternehmen vor Ort

präsentieren möchten, so kontaktieren

Sie uns zeitnah. Doch lesen

Sie jetzt Neuigkeiten über E-Commerce

Logistik sowie Neues zu

Unternehmen und Märkte.

Markus Jaklitsch

IMPRESSUM

Medieninhaber, Herausgeber: Markus Jaklitsch

Redaktion: Angelika Gabor, Dirk Ruppik, Peter

Baumgartner

Grafik: Margenta / GettyImages, istockphoto

Hameaustraße 44, 1190 Wien, Austria

T: +43 (0)676 7035206

E-Mail: info@logistik-express.at (.com)

https://logistik-express.com

https://epaper.logistik-express.com

https://network.logistik-express.com


LOGISTIK express 2/2019 | S4

Das freie Spiel der Kräfte

Huiii, es geht rund in Österreich. Erstmals in der Geschichte der zweiten Republik

wurde einer Bundesregierung das Misstrauen ausgesprochen, und nach einigem

Hin und Her haben wir nun eine so genannte Expertenregierung – die zusehen

darf, wie das Parlament die Gesetzgebung mit wechselnden Mehrheiten übernommen

hat. Auch der Verkehrsbereich ist davon betroffen, denn es stehen

noch vor dem Herbst einige Änderungen ins Haus.

REDAKTION: ANGELIKA GABOR

zu glauben. Doch wie dem auch sei, das Resultat

ist eindeutig: die Koalition ist gesprengt,

die Regierung abgesetzt, es weht frischer

Wind durch die ehrwürdigen Hallen des Parlaments.

Erstmals steht eine Frau als Kanzlerin

an der Spitze, und damit ein Mensch, der

nicht durch einen undurchdringlichen Parteienbeförderungsmechanismus

an diese Position

kam, sondern durch Qualifikation. Das

ist doch mal eine erfrischende Abwechslung!

Als Juristin und ehemalige Generalanwältin

am Obersten Gerichtshof sollte sie wirklich

genau wissen, was erlaubt ist, und was nicht.

Die Gefahr, dass demnächst ein Video von

Brigitte Bierlein auf Ibiza auftaucht, ist daher

zum Glück mehr als gering.

ANGELIKA GABOR

REDAKTION

LOGISTIK EXPRESS

Eine beschauliche Insel im Mittelmeer,

rund ein Viertel größer als Wien, wurde

zum Ausgangspunkt eines politischen

Erdbebens, das einige Institutionen

und vor allem das (ohnehin geringe) Vertrauen

in manche Politiker in Schutt und Asche

legte. Heinz Christian Strache hätte den Trip

ins gut 1.500 km entfernte Ibiza wohl doch

lieber den Vengaboys überlassen sollen. Die

erfuhren Ende Mai einen überraschenden

Höhenflug auf Platz 1 der Downloadcharts –

wohingegen Herr Strache und sein Kumpel

Johann Gudenus eine Bruchlandung sonder

gleichen hinlegten. Natürlich sind Politiker niemals

um Ausreden verlegen, aber man muss

schon sehr simpel gestrickt oder naiv sein, um

hier tatsächlich an eine „b'soffene G'schicht“

Kraftfahrgesetz & Straßenverkehrsordnung

Während vor dem „Ibizagate“ das österreichische

Parlament eher eine ruhige Kugel

schob, geht es jetzt Schlag auf Schlag (oder

doch zack-zack-zack?). In gemeinsamen

Initiativanträgen von ÖVP, SPÖ und FPÖ (ja,

die drei können auch miteinander) wurden

wichtige Gesetzesänderungen aus dem

Verkehrsbereich auf den Weg gebracht und

sollen noch vor dem Wahltermin Ende September

umgesetzt werden. Während die 37.

Novelle des Kraftfahrgesetzes (KFG) – Feuerwehrfahrzeuge

erhalten mit „FW“ ein eigenes

Kennzeichen-Kürzel und die Begutachtungsintervalle

nach§ 57A für Motorräder,

Motorfahrräder und Quads werden an jenes

der Pkw angepasst – für die Logistikbranche

keine Auswirkungen hat, sollten Frächter,

Spediteure und LKW-Hersteller bei der der 32.

Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO)

genau aufpassen. Denn während der Plan

der EU vorsieht, dass ab 2022 neu zugelassene

LKW verpflichtend mit einem Abbiege-


eCommerce

Assistenzsystem ausgestattet sein müssen,

erlaubt die österreichische Neuregelung es

Behörden, in bestimmten Ortsgebieten, Teilen

von Ortsgebieten oder näher bestimmten Gebieten

ein Rechtsabbiegeverbot für Lkw über

7,5 Tonnen ohne Abbiege-Assistenzsysteme

zu verhängen. Das ist eine abgeschwächte

Variante des Plans von Frankreich, das das

Fahren ohne einen Abbiege-Assistenten in

bestimmten Bereichen generell verbieten

möchte. Ja, man kann auch über das Ziel

hinausschießen. Nötig ist eine umfassende

Aufklärung darüber, wie groß der tote Winkel

bei einem LKW tatsächlich ist – und ein

verpflichtender Fahrradführerschein. Denn

solange Radfahrer im Straßenverkehr unterwegs

sind wie gesengte Säue ohne Rücksicht

auf irgendjemanden, und glauben, dass Vorrangregeln

für sie nicht gelten, hilft auch kein

Abbiege-Assistent.

Logistik - Day

Die wechselnden Koalitionen bei Beschlüssen

können sich als Segen entpuppen. Als absoluter

Nichtraucher begrüße ich natürlich die

Doch-noch-Umsetzung des Rauchverbotes in

der Gastronomie. Frech genug, nach einem

Volksbegehren mit so viel Unterstützung nicht

zu reagieren. Auch der gesetzliche Papamonat,

eine Anhebung der Mindestpension

und das Glyphosat-Verbot fanden endlich

Mehrheiten. Von mir aus kann das ruhig so

weitergehen, bitte jetzt noch Reformen des

Krankensystems und der Schulen durchführen.

Die aktuelle Situation hat ein Ablaufdatum,

im Herbst ist Schluss. Doch egal, wie die

nächste Wahl dann ausgehen mag, wir alle

haben miterlebt, wie hautnah Geschichte

plötzlich umgeschrieben wird. Eigentlich

schade, dass es nicht noch ein paar Jahre so

weitergehen kann. (RED)

www.logistik-express.com


LOGISTIK express 2/2019 | S6

Ausgaben im Onlinehandel steigen

auf Rekordniveau von 7,5 Milliarden

Die brandneue 10. Ausgabe der bundesweiten "eCommerce Studie Österreich

2019“ der KMU Forschung Austria im Auftrag des Handelsverbandes und der

Plattform "eCommerce & Versandhandel", der die führenden Onlinehändler des

Landes angehören, zeigt überraschende Resultate: ein Allzeit-Ausgabenhoch im

Onlinehandel, sinkende Käuferzahlen im klassischen Versandhandel und einen

massiven Trend zum Mobile-Commerce.

BEITRAG: REDAKTION

Die rund 9.000 heimischen Webshops profitieren

vom wachsenden Markt allerdings

nur begrenzt, da mehr als jeder Zweite im

Ausland bestellt und so den Kaufkraftabfluss

verschärft.

Die Top-Warengruppen im Distanzhandel

sind aktuell Bekleidung (1,9 Milliarden

Euro an Ausgaben), Elektrogeräte (1,2

Milliarden) und Bücher (0,7 Milliarden).

Die stärksten Zuwächse haben 2019 die

Sektoren Möbel/Deko mit +18 Prozent, Kosmetik

mit +12 Prozent und Schuhe/Lederwaren

mit +9 Prozent verzeichnet. Mehr als

90 Prozent der Distanzhandelsausgaben

werden bereits online getätigt, das entspricht

einem Ausgabenwachstum von +4

Prozent gegenüber der Vorjahresperiode.

Aber: Mittlerweile fließen 4,5 Milliarden oder

57 Prozent der Distanzhandelsausgaben zu

ausländischen Anbietern, die Loyalität zu

österreichischen Shops nimmt weiter ab.

Stark zurückgegangen sind auch die Ausgaben

im klassischen Versandhandel, das

Minus beträgt 100 Millionen Euro.

RAINER WILL

GESCHÄFTSFÜHRER

HANDELSVERBAND

Die österreichischen Distanzhandelsausgaben

werden

vom eCommerce getragen

und erreichen mit 8,1 Milliarden

Euro einen absoluten Rekordwert.

Von 7,5 Milliarden Euro Onlineumsatz fallen

bereits 800 Millionen Euro auf den

M-Commerce, was einem Zuwachs von

+25 Prozent entspricht. Smartphone-Shopping

ist damit beliebt wie noch nie zuvor.

Online-Anteile im Ländervergleich:

Deutschland vor Österreich und Schweiz

- Rund 11 Prozent der gesamten Einzelhandelsausgaben

der österreichischen

Privathaushalte fließen bereits in den Distanzhandel.

Damit liegt Österreich im

Ländervergleich auf dem Niveau der

Schweiz, aber weiterhin unter den 13 Prozent

in Deutschland. Deutliche Unterschiede

bestehen zwischen den beiden Einzelhandelssegmenten

Food und Non-Food.


Während hierzulande im Lebensmittelhandel

lediglich rund 1 Prozent der Konsumausgaben

in den Distanzhandel fließen,

werden im Non-Food-Handel bereits knapp

18 Prozent im in- und ausländischen Internet-Einzelhandel

getätigt.

Handy-Shopping boomt: 60% der jungen

Konsumenten kaufen per Smartphone

Die Wachstumsdynamik beim Online-Shopping

wird noch übertroffen vom anhaltenden

Boom beim Smartphone-Shopping.

Mehr als ein Viertel der Österreicher kauft

im Internet bereits via Smartphone ein, die

Ausgaben liegen aktuell bei 800 Millionen

Euro. Damit haben sich die Umsätze im

M-Commerce seit 2013 vervierfacht.

Allerdings ist Smartphone-Shopping nach

wie vor eine Altersfrage: Bei den unter-29-Jährigen

Konsumenten kaufen mittlerweile

6 von 10 via Smartphone ein. Bei

den über-60-Jährigen liegt die M-Commerce-Quote

hingegen bei bescheidenen

6 Prozent, allerdings sind auch hier dynamische

Wachstumszahlen zu verzeichnen.

New Digital Deal - sieben Hebel für mehr

Fair Play auch online:

1: Versteuerung und digitale Verzollung

ab dem ersten Cent

2: EU-weite Konditionen bei der

pauschalen Palettenverzollung

3: Online-Marktplätze bei der Mehrwersteuer

zur Verantwortung ziehen

4: Gesetzliche Verhinderung von

eCommerce-Monopolen

5: Strengere Zollkontrollen, um

Produktfälschungen zu bekämpfen

6: Verankerung einer Plattform-Haftung

für die Verpackungsentpflichtung

7: Einführung der digitalen Betriebsstätte

für mehr Steuerfairness

Paketlawine im B2C-Bereich

Noch stärker als der Distanzhandel hat im

letzten Jahr der sog. KEP Markt (Kurier-,

Express- und Paketdienste) zugelegt. 2018

lag die Zahl der zugestellten Pakete im B2C

Bereich laut Zahlen des Branchenradars

bei 122,7 Millionen. Damit ist die Zahl der

Pakete innerhalb eines Jahres um +16,1

Prozent gestiegen. Hauptgründe für die

Paketlawine sind neben dem generellen

eCommerce-Boom vor allem überproportional

steigende Teillieferungen und Retouren.

Darüber hinaus wird Österreich nach

wie vor mit China-Paketen geflutet, indem

die bestehende 22-Euro-Freigrenze für Pakete

durch asiatische Online-Händler vorsätzlich

ausgenutzt wird.

The Next Big Thing: Sprachassistenten auf

dem Vormarsch

Der zuletzt medial gehypte Megatrend

Voice Commerce steht in Österreich noch

am Anfang, das Wachstum verläuft allerdings

exponentiell. Im Vorjahr haben

knapp 200.000 Österreicherinnen und Österreicher

internetbasierte persönliche Assistenten

wie Amazon Echo oder Google

Home genutzt. Mittlerweile liegt die Nutzerzahl

bei über 450.000 – eine echte Ansage,

mit allen datenschutzrechtlichen Schattenseiten.

30.000 Konsumenten haben bereits

via Alexa & Co. Produkte bestellt. Damit

hat sich die Zahl der Voice-Shopper seit

2018 verdoppelt.Gerade aus datenschutzrechtlicher

Perspektive ist die zunehmende

Verbreitung der permanent lauschenden

Smart Speaker in den heimischen Wohnzimmern

nicht unproblematisch. Umso

wichtiger wäre eine rasche Umsetzung des

vom Handelsverband geforderten "New

Digital Deals", um auch im Online-Handel

Fair Commerce sicherzustellen. (RED)

Die eCommerce Studie Österreich 2019

ist auf der Website vom Handelsverband

www.handelsverband.at erhältlich.


LOGISTIK express 2/2019 | S8

Omnichannel als Maß aller Dinge

Im Internet finden und in der Filiale abholen. Oder aus dem Onlineshop geliefert

bekommen und im stationären Handel umtauschen. Kunden sind bequem und

umfassende Serviceleistungen spiegeln sich in Bewertungen wieder – dem Kapital

der Zukunft.

REDAKTION: ANGELIKA GABOR

Stolze 85 Prozent der Konsumenten führen

vor einem geplanten Kauf eine Online-Recherche

durch – um Preise, aber auch Produkte

zu vergleichen. Da scheint es wenig

verwunderlich, das fast zwei Drittel (62 Prozent)

der stationären Käufe ebenfalls digital

beeinflusst sind. Laut Internet World Stats

nutzten im Jahr 2018 rund 7,7 Millionen Österreicher

das Internet, davon kauften rund

60,3 Prozent im Alter von 16 bis 74 Jahren

online ein - in der Altersgruppe der 16 bis

24-Jährigen waren es sogar 82 Prozent, Tendenz

steigend.

Mehr als vier Fünftel aller Internetanwender

gehen bereits von einem Smartphone oder

Tablet aus online (vgl. statista.com, Anteil

der Online-Käufer an der österreichischen

Bevölkerung von 2010 bis 2018). Dieses weiter

steigende Potential liegen zu lassen, kann

sich kaum ein stationärer Händler leisten.

Wie aus den Ergebnissen der

Omnichannel Readiness Studie

(ORI) 2019 des Österreichischen

Handelsverbandes

hervorgeht, nimmt die Verzahnung der

Handelskanäle spürbar zu. Die in der ersten

Ausgabe der Studie im Jahr 2018 aufgezeigten

Lücken zwischen Kundenwunsch

und Realität sind erfolgreich verschlossen

worden. Sehr zur Freude von Handelsverband-Geschäftsführer

Rainer Will: „Der ORI

ist Werkzeug für den österreichischen Handel,

ein Leitfaden und Fahrplan mit konkreten

Empfehlungen für künftige Entwicklungen

und Investitionen – für den gesamten

Markt, vom KMU-Händler bis zum großen

Handelsunternehmen.“ Schwächen gibt es

vor allem noch bei Filtermöglichkeiten der

Suchergebnisse in den Online-Shops nach

Filialverfügbarkeiten und bei Track & Trace-

Optionen.

Von den 45 befragten Händlern haben im

Jahresabstand alle ihren ORI-Index steigern

können, wobei der Lebensmittel-Einzelhandel

und die Fashion-Branche am meisten

Zuwächse verzeichneten. Gesamtsieger

des Vergleichs waren der Sporthändler

Gigasport (ORI-Indexsteigerung von 60

auf 78 Prozent) und das Modelabel Esprit,

gefolgt von Kastner & Öhler gleichauf mit

Hornbach (77,7%) sowie Bipa auf Platz drei

mit 77,3%. Diese Unternehmen schaffen es

besonders gut, mit ihren Angeboten die

Menschen sowohl online, als auch im stationären

Handel abzuholen und so auch zu

binden. Doch auch hier gibt es noch Luft

nach oben. Neben genereller Gratislieferung

– die eine große wirtschaftliche Herausforderung

darstellt – wünschen sich besonders

viele Konsumenten die Anzeige der

Produktverfügbarkeit in einer gewünschten

Filiale und im Kontext die Filteroption nach

der Wunschfiliale.


Die Angabe (und Einhaltung) eines konkreten

Liefertermins ist ebenso ein dringlicher

Wunsch, der aktuell nur selten erfüllt wird.

Ökonomisch sinnvolle Lieferung

Amazon hat es vorgemacht: die Gratis-Lieferung.

Ursprünglich nur für Bücher ab 20

Euro, nunmehr ab 29 Euro – selbst bei wertvollen

Gegenständen verleiht manchmal

der Hinweis auf kostenlosen Versand den

letzten Schub bei der Kaufentscheidung. Im

harten Preiskampf und bei sinkenden Margen

ist insbesondere für KMU eine kostenfreie

Zustellung oftmals nicht rentabel. Hier

bietet sich das „Click & Collect“ an: online

aussuchen/kaufen, in der Filiale abholen.

Alternativ wäre ein Abomodell denkbar, wie

Amazon prime es mit dem Premiumversand

anbietet, oder Billa mit dem „Lieferpass“.

Für Abholungen an den Tagesrandzeiten,

Feiertagen und nachts sind eigene Abholstationen

eine gangbare Lösung, selbst für

Tiefkühlprodukte. Der Druck, kostengünstige

Varianten zu finden, um die Kundenwünsche

zu erfüllen und trotzdem konkurrenzfähig

zu bleiben, ist enorm.

Kunden wollen wählen

Nicht nur die Sortimentsauswahl beeinflusst

das Kaufverhalten der Online-Shopper,

sondern auch die Versandoptionen. Wie

eine Umfrage des Marktforschungsinsitutes

Kantar TNS, die beinahe zeitgleich mit der

Omnichannel-Studie durchgeführt wrude,

zeigt, halten europaweit 72 % der Käufer

in einem Onlineshop es für wichtig, im Moment

der Kaufentscheidung zu wissen, wer

der Paketdienstleister ist. Unterschiedliche

ALLES

AUF LAGER. WIE UNSERE

LOGISTIKSOFTWARE WAMAS®

DIE WARENVERFÜGBARKEIT

FÜR COOP SICHERT.

Eine Erfolgsgeschichte von SSI SCHÄFER.

ssi-schaefer.com


LOGISTIK express 2/2019 | S10

Eine neutrale Rezension eines Menschen,

der das gewünschte Produkt schon gekauft

hat und über seine Erfahrungen berichtet,

schafft Vertrauen und beeinflusst

nachweislich das Kaufverhalten. Die Jagd

nach der 5-Sterne-Bewertung hat daher

eigene Berufsbilder geschaffen. So sind

nicht nur Horden von Mitarbeitern damit

beschäftigt, Anfragen zu beantworten und

negative Kritik zu entkräften, auch Betrüger

haben eine lukrative Einnahmequelle gefunden

– Stichwort gekaufte Bewertungen.

Optionen bei der Zahlungsweise gehören

schon lange zum Standard bei Online-Präsenzen,

warum also nicht auch den Paketdienstleister

selbst auswählen? Schlechte

Erfahrungen aus der Vergangenheit dienen

hier oft als Katalysator, um sich für oder gegen

einen Paketdienst zu entscheiden. Die

Möglichkeit, den Lieferweg dann zu verfolgen

– beispielsweise via App – ist ein willkommenes

Extra. Bei manchen Anbietern

kann man den Weg nicht nur verfolgen,

sondern auch Änderungswünsche hinsichtlich

der Zustelladresse einfließen lassen.

Persönlicher Kontakt vs. Onlinebewertung

Wer kennt sie noch, die kleinen Geschäfte,

in denen die Kunden einzeln beim Namen

begrüßt werden? Der direkte, persönliche

Kontakt schuf eine Kundenbindung, die

oft viele Jahrzehnte überdauerte. Während

der intensive Kundenservice in manchen

Branchen eine Renaissance erlebt,

hat die Mundpropaganda als Werbeträger

ebenfalls online Konkurrenz bekommen:

Bewertungen. Bewertungsportale und

Preisvergleichsplattformen erfreuen sich zunehmender

Beliebtheit, da die Waren online

weder probiert noch angefasst werden

können.

Besonders bei Hotel- und Restaurantbewertungen

wird viel getrickst, aber auch

Produktbeschreibungen spiegeln nicht immer

objektive Erfahrungen wider. Da viele

Online-Käufer sich vor Bestellungen die

Bewertung eines Händlers ansehen, liegt

es natürlich in dessen Interesse, möglichst

positive Erfahrungsberichte über sich im

Internet zu wissen.

Wesentliche Kriterien hierfür sind – neben

der Qualität des Produktes oder der Dienstleistung

– Geschwindigkeit bei der Beantwortung

von Anfragen und Lieferung, der

Umgang mit Reklamationen und die Benutzerfreundlichkeit

im Hinblick auf das

gesamte Einkaufserlebnis. Genau wie reine

Onlinehändler müssen auch stationäre

Händler mit Online-Präsenz den Kunden

ein möglichst komfortables Einkaufen und

Kommunizieren ermöglichen.

Logistische Meisterleistungen gefragt

Das anhaltende Wachstum von eCommerce

und OmniChannel stellt die Logistik

vor große Herausforderungen. Das betrifft

nicht nur Nachschubplanung und Lagerlogistik

bei den Händlern, sondern natürlich

auch die Transportlogistik, die neben den

Bestellungen auch die Retouren effizient

meistern soll. Am 4. eCommerce Logistik-Day

am 25. September in der Wiener Albert

Hall werden genau diese Problematik

und Zukunftserwartungen thematisiert. Experten

aus der Logistik und dem Einzelhandel

suchen effiziente urbane Logistik-Konzepte

und technische Lösungsansätze – wie

beispielsweise Robotik – um die veränderten

Anforderungen der Logistik von morgen

erfüllen zu können. (RED)


#15 STANDORTTAG

TICKETS AUF

HANDELSVERBAND.AT

Early Bird Frist:

22. August 2019

TAG DES

HANDELS

26. SEPTEMBER 2019

ALBERT HALL, WIEN


LOGISTIK express 2/2019 | S12

Identity Fraud im Payment – Spielwiese

für kriminelle Konsumenten

Studien zufolge wurden in den letzten sechs Jahren weltweit 112 Milliarden

US-Dollar durch Identitätsbetrug gestohlen, was ungefähr einem Verlust von

35.600 US-Dollar pro Minute entspricht. Sieben Prozent der Zahlungsvorgänge sind

dabei in den Branchen E-Commerce, Finanzdienstleistungen, Medien, Glücksspiel,

Telekommunikation und Versicherungen betrügerisch. Miriam Wohlfarth,

Geschäftsführerin von Ratepay, erklärt, wie sich Händler vorbereiten und schützen

können. REDAKTION: DUNJA KOELWEL

finanziellen Schaden sitzen bleibt, geht ein solcher

Betrug für den Identitätsinhaber mit viel

Aufwand (Unternehmen kontaktieren, Anzeige

erstatten usw.) und teilweise auch psychischer

Belastung einher, da dieser nicht weiß,

wie oft er noch mit Mahnschreiben etc. konfrontiert

wird“, hat Miriam Wohlfarth, Mitgründerin

und Geschäftsführerin vom Payment-

Dienstleister Ratepay in den letzten

Monaten oft mitbekommen.

DUNJA KOELWEL

FACHJOURNALISTIN

Identitätsbetrug ist eine Art von Betrug,

bei dem persönliche Daten einschließlich

Namen, Geburtsdatum, Adresse

und anderer Details gestohlen werden.

Betrüger verwenden diese Informationen

beispielsweise, um ein Bankkonto zu eröffnen,

Kreditkarten zu erhalten, ein illegales

Geschäft zu eröffnen oder einen Reisepass

zu beantragen. Diese Daten können auch

zur Begehung schwerwiegender Straftaten

wie Geldwäsche und sogar terroristischer

Handlungen verwendet werden.

Identitätsdiebe suchen dabei nach allem,

was persönliche Daten enthält: Kontoauszüge

und Kreditkartenabrechnungen, Kontoinformationen

in sozialen Medien, Rechnungen,

Führerschein, Reisepass, Investitionsberichte,

Aufzeichnungen zur Altersvorsorge, Speichermedien

wie USB-Geräte und so weiter.

„Gerade im Onlinehandel hat der Anteil von

Identity Fraud zugenommen. Leider kommt

es immer öfter vor, dass Waren von Betrügern

mit Daten real existierender Personen bestellt

werden. Auch wenn der Händler auf dem

Eine neue Form der Kriminalität

Das Thema gibt es nun zwar schon einige

Jahre und ist in Fachkreisen bekannt. Die Anonymität

des Internets und die Einfachheit

der Datenbeschaffung spielt hier sicherlich

eine Rolle. Betrüger passen sich ständig an

den Gegebenheiten an und suchen zunehmend

neue Wege, um auf persönliche Daten

zugreifen zu können und Sicherheitssysteme

zu umgehen. Miriam Wohlfarth erklärt dazu:

„Es ist eine Professionalisierung des Betruges

festzustellen: oft handelt es sich nicht mehr

um Einzelpersonen, sondern um ganze Banden.

Dies führt zu erhöhten Fallzahlen und einer

zunehmenden medialen Aufmerksamkeit

und öffentlichen Wahrnehmung.“

Die häufigsten Formen bei Identity Fraud

Die Spielformen von Identity Fraud im Payment

sind dabei je nach Zahlungsart durchwegs

unterschiedlich:

• Gestohlene Kreditkartendaten

• Gehackte PayPal Accounts

• Account take over

• Identitätsbetrug durch gestohlene

persönliche Daten (Darknet, Soziale

Medien, Telefonbücher, Klingelschilder)


Eigenschutz durch Payment-Dienstleister

Für Händler gibt es aber auch einige Möglichkeiten,

Identity Fraud zu erkennen. Die ideale

Lösung wäre es natürlich, die Bestellungen

in Echtzeit zu prüfen. Mustererkennung bzw.

Plausibilitätsprüfung spielen dabei eine große

Rolle. Indizien können unter anderem sein:

• Der Kunde nutzt bei mehreren Bestellungen

verschiedene Daten, die nicht plausibel erscheinen

(unterschiedliche Geburtsdaten,

Telefonnummern, Adressen)

• Es gibt mehrere Kunden mit gleichen Daten

(z. B. x Kunden mit der gleichen Kreditkartennummer

oder Handynummer)

• Viele Bestellungen mit ggf. noch gleichen

Waren nacheinander

• Ungewöhnliche Lieferadressen

(Restaurants, Bahnhöfe etc.)

• Auffällige E-Mail-Adressen

Doch Miriam Wohlfarth hat auch oft erfahren,

dass es aufgrund der immer voranschreitenden

Komplexität es für Onlinehändler

inzwischen sehr schwer ist, alles selbst zu managen.

Miriam Wohlfarth: „Es gibt natürlich

Maßnahmen, die der Händler selbst noch

machen kann, wie die oben genannte Mustererkennung

bzw. Plausibilitätsprüfung. Ich

denke aber, das traditionelles Risikomanagement

mit Fokus auf die Bonität und statischen

Regeln lange nicht mehr ausreicht.

Es gibt inzwischen zahlreiche Technologien,

um Betrug effizient zu verhindern. Hier gilt es

relevante Datenpunkte für die Entscheidung

heranzuziehen, diese auch miteinander in

Verbindung zu bringen und eine flexible,

schnell anpassbare Echtzeitsteuerung zu haben.

Auch der Einsatz von Machine Learning

ist meiner Meinung nach unabdingbar, um

Identity Fraud wirksam zu bekämpfen und skalierbar

zu sein. Da sich die Muster aber ständig

ändern, ist es wichtig, die Regelwerke zur Betrugserkennung

kontinuierlich anzupassen.“

Sie rät daher: „Händler sollte auf jeden Fall ein

System haben, um das Risiko zu minimieren.

Ob er es nun selbst macht oder einen Dienstleister

nutzt, muss abgewogen werden.“ (RED)

Auf dem diesjährigen Payment Summit

am 6. und 7. November spricht

Miriam Wohlfarth zum Thema Identity

Fraud und Schutzmaßnahmen für

den Onlinehändler. Noch bis zum

14.08.2019 sind die günstigen Crazy Bird

Tickets erhältlich. Die Konferenztage

sind auch einzeln buchbar. Ab 4 gekauften

Tickets gibt es eines umsonst.

Miriam Wohlfarth


LOGISTIK express 2/2019 | S14

Neues Zoll- und Steuerrecht für

Warensendungen mit geringem Wert

Eine neue Bestimmung im Unions-Zoll-Kodex öffnet das bestehende Monopol in

der Verzollung von Warenbriefsendungen der Postadministrationen in der EU mit

1.1.2021. BEITRAG: WALTER TREZEK

WALTER TREZEK

WALTER TREZEK

GRÜNDUNGSMITGLIED

HÄNDLERBUND-

FACHGREMIUMS

LOGISTIC NATIVE

Mit der Spezifikation eines, verglichen

mit der Standardzolldeklaration,

deutlich reduzierten

Datensets wird die

digitale Voranmeldung von Warensendungen

aus Drittstaaten in die EU festgeschrieben.

Ziel ist es ab dem ersten CENT

Importabgaben einzuheben, gleichzeitig

damit Abgaben- und Zollbetrug, sowie Produktfälschungen

abzustellen und die Konsumentenschutzrechte

zu stärken. Gleichzeitig

mit der EU werden fortgeschrittene

digitale Datensysteme für Zoll und Transportsicherheit

verpflichtend in Weltpostnetz

mit 1.1.2021 eingeführt. Damit gelten

die nun veröffentlichten Grundlagen nicht

nur für den Import von Drittstaatensendungen

in die EU, sondern in ähnlicher Weise

auch für den Export europäischer Warensendungen

weltweit.

Mit Unterstützung des Handelsverbandes

hat Austrian Standards (früher: Österreichisches

Normungsinstitut) die Vorarbeiten

zur ÖNORM A 2455: Postalische Dienstleistungen

— Anforderungen für elektronische

fortgeschrittene Daten (EAD) im Postverkehr

gemäß Sicherheits- und Zollvorschriften,

begonnen.

Neuer Art 143a: superreduzierten Datensatz

für Warenbriefsendungen bis EUR 150

Mit einem neuen Artikel (Artikel 143a UCC

DA) wird die Zoll- und Steuergesetzgebung

der EU für Sendungen mit geringem Wert

grundlegend verändert. Nachdem die Europäische

Kommission und der Rat die delegierte

Verordnung bereits im März 2019

beschlossen hatten tritt die Verordnung

voraussichtlich Mitte Juni nach der Veröffentlichung

im Amtsblatt der Europäischen

Union in Kraft. Mit der grundlegenden

Änderung der delegierten Verordnung (EU)

2015/2446 wird der Unions-Zoll-Kodex geändert.

Es wird die Möglichkeit geschaffen,

Sendungen mit geringem Wert für Zoll und

Einfuhrabgabenzwecke mit einem, verglichen

mit der Standardzolldeklaration, deutlich

reduzierten Datensatz voranzumelden

(superreduzierter Datensatz oder "SRDS").

Das vereinfachte Verfahren für Post

sendungen wird allen geöffnet

Art 143a UCC DA schafft die Grundlage,

um Einfuhrabgaben auf Waren, die in Sendungen

mit einem in der Richtlinie (EU)

2017/2455 festgelegten Wert von höchstens

150 EUR eingeführt werden, ab dem 1.

Jänner 2021 zu erheben. Damit hat die jetzt

veröffentliche Gesetzesänderung erhebliche

Auswirkungen auf Handelssendungen,

die heute noch ausschließlich im Postverkehr

von Drittländern in die Europäische

Union versandt werden. Neben Postadministrationen

dürfen auf Basis des neuen Art

143a, ab dem 1.1.2021 auch andere, das

vereinfachte Zollverfahren nutzen. Neben

dem neuen Art. 143a UCC DA werden im

kommenden Monat zudem verfahrenstechnische

Änderungen der europäischen

Zoll- und Einfuhrabgabengesetzgebung

einhergehen.


Die erforderlichen Arbeiten wurden

von der GD TAXUD-Projektgruppe der

Kommission für Sendungen mit geringem

Warenwert durchgeführt, zu der

auch Ecommerce Europe beiträgt.

Gsetzlichen Vorgaben führen zu

Normung der Datensysteme

Das Europäische Komitee für Normung

(CEN) erarbeitet in zwei Projekt

Gruppen, Spezifikationen für

offene technische standardisierte

Schnittstellenbeschreibungen. Ziel ist

es fortgeschrittene digitale Datensysteme

zu definierten, die sowohl

heute bestehende weltweite Postwarensendungssysteme,

als auch die

neuen europäischen Vorgaben für

Warensendungen mit geringen Wert,

nach dem nun definierten superreduzierten

Datensatz der EU beinhalten.

Austrian Standards erarbeitet

nationale Umsetzungsstandards

Austrian Standards (früher: Österreichisches

Normungsinstitut) stellt als

unabhängige und neutrale Plattform

einen transparenten Normungsprozess

in Österreich in seinem Komitee

001 - Informationstechnologie und

deren Anwendung sicher. Dazu haben

die Vorarbeiten zur ÖNORM A

2455: Postalische Dienstleistungen

— Anforderungen für elektronische

fortgeschrittene Daten (EAD) im Postverkehr

gemäß Sicherheits- und Zollvorschriften,

begonnen. Dies parallel

zu den Arbeiten auf europäischer

Ebene, um deutsche zoll- und abgabenrechtliche

Spezialitäten berücksichtigen

zu können. (WT)

KONZENTRIEREN SIE SICH AUF DAS WESENTLICHE.

MIT LOGISTIK-OUTSOURCING VON LOGSERV.

Wir verbinden, was zusammen gehört. Wirtschaftliche

Abläufe und effiziente Transporte sind heute wichtiger

denn je. Als Full-Service-Spezialist für industrielle Logistik

sind Ihre Herausforderungen bei uns bestens aufgehoben.

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Logistik in Bewegung.


LOGISTIK express 2/2019 | S16

Der deutsche Mittelstand –

Aufbruch in das digitale Zeitalter

Vernetzte Produktion, Big Data Analytics, Digitale Kommunikation – täglich

durchdringen Schlagwörter wie diese die Industrie und verdeutlichen damit

den flächendeckenden Präsenz und Relevanz der Digitalisierung. Waren es zu

Beginn überwiegend Konzerne, die sich in das digitale Zeitalter aufmachten, so

schlagen mittlerweile auch verstärkt mittelständische Unternehmen diesen Weg

ein. Während ERP-Systeme immer breitere Verwendung finden, steigt gleichzeitig

die Funktionalität der Maschinen. Dass sich daraus ein Konflikt ergibt, ist ein gutes

Beispiel für die stetig wachsende Komplexität der IT-Landschaft

REDAKTION: ANGELIKA GABOR

Um sich den neuen Herausforderungen

zu stellen und eine wettbewerbsstarke

Position im Zeitalter

der Digitalisierung zu schaffen,

wird vermehrt in Digitalisierungsvorhaben

investiert und digitale Geschäftsmodelle

entwickelt. Die Investitionsvolumina sind

unermesslich, der Nutzen allerdings nicht

absehbar und quantifizierbar. Dabei mangelt

es häufig an Know-How und Erfahrung.

Beratungsunternehmen empfehlen

in diesem Zusammenhang oft nur unklare

Maßnahmen und berücksichtigen dabei

nicht die speziellen Bedürfnisse des Mittelstands.

Vor diesem Hintergrund stellt

sich die CONCEPT AG die Forschungsfrage

„Was braucht ein mittelständisches

Unternehmen, um sich erfolgreich

in das digitale Zeitalter aufzumachen?“.

Die CONCEPT AG ist eine unabhängige

Management- und Umsetzungsberatung

mit Sitz in Stuttgart. Seit über 20 Jahren und

mit Standorten u.a. in Türkei und Brasilien,

beraten Experten für Operations insbesondere

mittelständische Unternehmen bei der

Umsetzung schlanker Prozesse in Produktion

und Logistik, Restrukturierung sowie Kostenund

Working-Capital-Optimierung. Um die

Forschungsfrage zu beantworten, führte die

CONCEPT AG in Kooperation mit sechs Studierenden

der ESB Business School in Reutlingen

und gemeinsam mit Prof. Dr. Marco

Schmäh (Professor am Lehrstuhl für Marketing

und Vertriebsmanagement und Mitglied

des Instituts PSM) eine Studie durch.

Auf Basis erforschter Kerntrends der Digitalisierung

war das Ziel, mittels einer quantitativen

Umfrage zu ermitteln, wie digitalisiert

der Mittelstand derzeit ist, sowie jene Trends

zu identifizieren, die den größten Nutzen für

den Mittelstand stiften. Das aus den gesammelten

Daten abgeleitete Resultat ist eine

Digital Roadmap, die mittelständischen

Unternehmen den Weg zur digitalen Transformation

aufzeigt und als Umsetzungs-Meilensteinplan

fungiert.

Vorgehensweise der Forschungsarbeit

Anhand einer Marktforschung – unterschiedlilche

Studien und Berichte aus der

Industrie wurden ausgewertet – wurden

vorhandene Trends und Technologien und

in weiterer Folge treibende Kerntrends

identifiziert. Darauf basierend erfolgte eine

Feldanalyse mittels einer quantitativen


Online-Umfrage bei Unternehmen des

produzierenden Mittelstands. In der

letzten Projektphase schließlich wurden

die gewonnenen Informationen

validiert und der Digitalisierungsstand

ermittelt. Darüber hinaus lassen sich

Rückschlüsse aus Korrelationen zwischen

Kerntrends und Nutzenvorstellung

des produzierenden Mittelstands

ableiten. Eine Digital Roadmap rundet

die Studie als Endergebnis des

Gesamtvorhabens ab. Basierend auf

den ermittelten Erkenntnissen stellt sie

einen Leitfaden zur digitalen Transformation

für den produzierenden Mittelstand

dar.

Marktforschung – Trends

der Digitalisierung

Die Studie der Hochschule für Angewandte

Wissenschaften St. Gallen

aus dem Jahr 2017 sieht insbesondere

Cloud Computing und Internet der

Dinge als signifikante Treiber der Digitalisierung.

Demnach sollen bis 2020

über 20 Milliarden Geräte mit dem Internet

verbunden sein (FHS St. Gallen

2017, S.30ff.). Die Studie “Wirtschaft

Digital 2017” des Bundesministeriums

für Wirtschaft und Energie erkennt insbesondere

im Bereich Big Data und

Digitale Plattform große und noch ungenutzte

Chancen (Bundesministerium

für Wirtschaft und Energie 2017,

S.14). Weiterhin spricht das Institut für

Mittelstandsforschung der Implementierung

einer digitalen Arbeitsumgebung

und eines digitalen Geschäftsmodells

hohe Bedeutung zu (ifM

2015, S.15ff.). Insgesamt lassen sich

aus den Forschungsergebnissen neun

wesentliche und treibende Kerntrends

der Digitalisierung identifizieren.

In Anlehnung an die Quellen und

im Austausch mit Experten der CON-

CEPT AG, wurden zu jedem Kerntrend

jeweils vier Reifegrade als Indikatoren

für den Grad des Implementierungsstandes

definiert. Die identifizierten

Kerntrends der Digitalisierung inklusive

ihrer Reifegrade sind das Ergebnis der

Marktforschungsphase und bilden die

Grundlage für die Feldanalyse. Diese

neun Trends lauten Cloud-Com-

Österreichischer

Logistik-Tag

26.–27. Juni 2019

Design Center Linz

Stand 14

puting, Digitale Arbeitsumgebung,

Digitale Geschäftsmodelle, Digitale

Kommunikation, Digitale Plattform,

Vernetzte Produktion, Machine to

Machine, Big Data Analytics und

Internet der Dinge.

making complexity simple

Die Digitalisierung bringt eine neue Generation von

Mitarbeitern in Produktion und Logistik – den Smart

Worker. Mensch und Maschine ergänzen sich als starkes

Team, um die hohen Anforderungen zu erfüllen. Neue

Interaktionsformen mit Maschinen entstehen: Gamification,

Smart Gadgets oder digitale Assistenzsysteme, die auf

intelligenten Bildverarbeitungslösungen der KNAPP-Tochter

ivii basieren. Dabei werden optische Daten erfasst und mittels

Bildverarbeitung nutzbar gemacht. Manuelle Prozesse werden

zu digitalen Erlebnissen erweitert und steigern Qualität,

Performance und Zufriedenheit.

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LOGISTIK express 2/2019 | S18

ESB Business School – Marketing

Projects, Autoren:

Prof. Dr. Marco Schmäh

Chair of Marketing and

Sales Management, ESB

Business School Reutlingen,

Germany Marco.

schmaeh@reutlingenunversity.de

Anne Hämmerle Student

of International Business

Development (MSc.), ESB

Business School Anne_Elisabeth.Haemmerle@

Student.ReutlingenUniversity.DE

Marie Kolb Student of International

Business Development

(MSc.), ESB

Business School Marie_

Tina.Kolb@Student. Reutlingen-University.DE

Katrin Kurz Student of International

Business Development

(MSc.), ESB

Business School Katrin.

Kurz@Student. Reutlingen-University.DE

Burak Okkuscu Student

of International Business

Development (MSc.), ESB

Business School Burak.Okkuscu@Student.

Reutlingen-University.DE

Massimo Solarino Student

of International Business

Development (MSc.), ESB

Business School Massimo.

Solarino@Student. Reutlingen-University.DE

Kathrin Strehl Student of

International Business Development

(MSc.), ESB

Business School Kathrin_

Miriam.Strehl@Student.

Reutlingen-University.DE

Feldanalyse – Digitalisierung im

Mittelstand

Die Feldanalyse wurde als quantitative Umfrage

mittels Online-Plattform (SurveyMonkey)

durchgeführt. Im ständigen Austausch

mit Experten der CONCEPT AG und mit

vorangegangener Pilot-Durchführung, entstand

eine Umfrage mit insgesamt 27 (teils

offenen) Fragen. Der Befragungszeitraum

erstreckte sich über ca. einen Monat zwischen

dem 24.04. und 27.05.2018.

Insgesamt wurden über 1.000 Kontakte

unterschiedlicher mittelständischer Unternehmen

überwiegend per E-Mail sowie

per Telefon kontaktiert. Ferner wurde die

Umfrage in bestimmten Gruppen sozialer

Business-Netzwerke (z.B. Xing und LinkedIn)

veröffentlicht. Insgesamt nahmen 61 Personen

an der Umfrage teil, nach Abzug nicht

auswertbarer Ergebnisse (aufgrund von Unvollständigkeit

oder willkürlichen Angaben)

verblieben 47 validierbare Umfragen. Von

diesen kommen mit 36% die meisten Beantwortungen

aus der Branche der Automobilhersteller/-zulieferer,

gefolgt vom Maschinen-

und Anlagenbau mit 26%.

Weitere kommen aus dem Gleisbau, der

Filtration und Bauzulieferbranche. 38% der

Rückläufe stammen aus Unternehmen

mit über 1.000 Mitarbeitern, gefolgt von

501-100 und 251-500 mit jeweils 19%. Bei

36% handelt es sich um Antworten von

Geschäftsführern, was für eine hohe Repräsentativität

der Studie spricht. 64% der

Teilnehmer stammen aus der Projektleitung

Digitalisierung, dem Business Development

oder der Produktion. Durch die Heterogenität

der Antworten wird der Mittelstand

möglichst breit repräsentiert.

Status Quo – Wo steht der Mittelstand

heute?

Um den Digitalisierungsstand gesamtheitlich

abzubilden, wurde der Implementierungsstand

von Strategien und Investitionen,

der Fortschrittsstatus pro Kerntrend

anhand der definierten Reifegrade sowie

der Fortschrittsstatus pro Operations Bereich

ermittelt. Weiterhin vervollständigten

Fragen zu den derzeit größten Herausforderungen

im Unternehmen die Analyse

des Status Quo. Das Thema Digitalisierung

ist bei 94% der mittelständischen Unternehmen

schon seit mehreren Jahren präsent.

Mehr als zwei Drittel (71%) haben bereits

eine Digitalisierungsstrategie teilweise oder

unternehmensübergreifend implementiert.

Obwohl sich viele schon seit mehreren Jahren

mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen,

besitzt ein Viertel davon keine

Digitalisierungsstrategie.

Ein Großteil (77%) hat bereits Investitionen

für Digitalisierungsvorhaben getätigt. Erwähnenswert

ist weiterhin, dass 15% derer,

die keine Strategie besitzen, bereits Investitionen

getätigt haben.

Für eine detaillierte Analyse des Status Quo

wurde der Entwicklungsstand in den Operations

Bereichen Einkauf, Produktion, Qualität

und Logistik anhand von vier bis fünf

definierten Kriterien abgefragt. Während

in den Bereichen Einkauf und Produktion

durchschnittlich 60% bzw. 56% der Kriterien

umgesetzt sind, sind es bei Qualität nur 37%

und bei Logistik sogar nur 33% - allerdings

mit sehr unterschiedlich ausgeprägten

Kriterien. So nutzen im Einkauf beispielsweise

81% eine „Plattform zur Verwaltung

von Lieferantendaten und Aufträgen“ und

„identifizieren Teile mit schlechter Lieferperformance“.

Jedoch nutzen nur 17% eine

„elektronische Verhandlungsführung“. Im

Bereich Produktion sind bei 17% die „Produktionsprozesse

mit Lieferanten und Kunden

vernetzt und Datenbestände werden

automatisch synchronisiert“.


Gleichzeitig nutzen mehr als 50% „elektronische

Arbeitspläne und Stücklisten am Arbeitsplatz“

und „Dashboards zur Sicherstellung

der Transparenz“. Mehr als die Hälfte

führt „ABC/XYZ-Analysen“ durch und nutzt

ein „automatisiertes Lagerverwaltungssystem“

im Bereich Logistik. Lediglich 9% nutzen

hingegen „Pick by Voice“ und nur 11%

“ ein „fahrerloses Transportsystem“.

Die Ermittlung des Status Quo bezüglich

der neun identifizierten Kerntrends der Digitalisierung

erfolgt über vier definierte Reifegrade,

wobei die Ergebnisse sehr große

Diskrepanzen zwischen sehr stark und weniger

fortgeschrittene Kerntrends erkennen

lassen. Während Digitale Kommunikation

und Vernetzte Produktion mit mehr als 70%

3. bzw. 4. Reifegrad (Selbsteinschätzung)

am stärksten ausgeprägt sind, rangieren

Big Data Analytics und Digitale Plattformen

am anderen Ende der Skala. Bei Digitalen

Plattformen hat noch kein Unternehmen

den 4. Reifegrad umgesetzt.

Herausforderungen

Die Umfrageteilnehmer mussten 14 branchen-übliche

Herausforderungen nach

Rating-Verfahren mit „trifft zu“ bis „trifft

nicht zu“ bewerten. Demnach ist die größte

Herausforderung das Erfüllen hoher Anforderungen

durch individuelle Kundenwünsche,

gefolgt von schwankender

Kapazitätsauslastung und mangelnder

Kommunikation.

Quo Vadis – Wo will der Mittelstand hin?

Zur Ermittlung des Quo Vadis bewerten die

Teilnehmer mit „trifft zu“ bis „trifft nicht zu“,

inwieweit sie die neun Trends als Kerntrend

der Digitalisierung ansehen. Die Auswertung

ergibt, dass Vernetzte Produktion, gefolgt

von Big Data Analytics und Digitale Kommunikation,

als wichtigste Kerntrends gesehen

werden. Cloud Computing, Internet

der Dinge und Digitale Geschäftsmodelle

werden dagegen weniger als Kerntrends

angenommen. Bei der Gegenüberstellung

von Status Quo und Zielbild zeigt sich, dass

die Kennlinien Reifegrad und Wichtigkeit

einen ähnlichen Verlauf aufweisen. Lediglich

bei Big Data Analytics und Machine to

Machine ist eine große Diskrepanz zwischen

Reifegrad und Wichtigkeit zu erkennen. Daraus

lässt sich schließen, dass die Unternehmen

diese zwei Kerntrends als wichtig für

die Zukunft sehen, es aber noch nicht geschafft

haben, einen entsprechend hohen

Reifegrad im Unternehmen zu erreichen.

Von 139 Antworten zum Nutzen der Digitalisierung

nimmt der Oberbegriff Effizienz mit

38 Nennungen den ersten Platz ein, gefolgt

von Datenqualität, -verfügbarkeit bzw.

-relevanz. Weitere Themenbereiche sind

Produktivitätssteigerung, Zukunftsfähigkeit,

Kundenorientierung und Transparenz.

Digital Roadmap als Wegweiser

Mit der Digital Roadmap wird dem Mittelstand

ein Weg zur digitalen Transformation

aufgezeigt. Bei der Erstellung werden zuerst

bereichsspezifische sowie -übergreifende

Herausforderungen des produzierenden

Mittelstands (Customer Pains) analysiert.

Diesen werden jeweils Nutzen (Customer

Gains) zugeordnet, mit welchen die Herausforderungen

bewältigt werden. Hierbei

handelt es sich um die Nutzen, welche laut

Auswertung von der Digitalisierung erwartet

werden. Zuletzt werden die Kerntrends

zugeordnet, die als Treiber (Enabler) den

definierten Nutzen realisieren.

Beispielsweise zeigt sich die am häufigsten

erwähnte bereichsübergreifende Herausforderung

in den hohen Anforderungen

durch individuelle Kundenwünsche. Die

Nutzen Kundenorientierung und Flexibilität,

welche mit acht bzw. zwei Stimmen genannt

sind, adressieren genau dieses Problem.

Kerntrend und Enabler ist in diesem Fall

eine Digitale Plattform.

Eine mögliche konkrete Lösungsmaßnahme

zur Bewältigung individueller Kundenwünsche

ist folglich die Implementierung eines

Produktkonfigurators. Mit den vorliegenden


LOGISTIK express 2/2019 | S20

beispielsweise für die schwankende Kapazitätsauslastung

die Einführung einer digitalen

Plattform zur zentralen Auftragsabwicklung

mit Kunden und Lieferanten. Im

zweiten Schritt bietet es sich an, diese zu einem

gemeinsamen Arbeits- und Marktplatz

für Partnerangebote umzufunktionieren.

Customer Pains, Gains und Enabler gilt es

im nächsten Schritt eine GapAnalyse für

die aufgezeigten, sieben größten Herausforderungen

durchzuführen. Von Bedeutung

sind hierfür der Ist- und Ziel-Zustand,

bei dem sich der Erste aus dem Reifegrad

und der Zweite aus der Wichtigkeit des zugewiesenen

Kerntrends ergibt. Des Weiteren

werden die Herausforderungen und die

entsprechenden Lösungsansätze priorisiert.

Die Priorisierung wird anhand der mit den

Lösungsansätzen verknüpften Nutzen sowie

der Wichtigkeit der entsprechenden

Kerntrends vorgenommen. Dabei ergibt

sich die folgende Lücke zwischen Ist- und

Ziel-Zustand sowie Priorisierung der Herausforderungen.

Aus der Berechnung gehen die drei höchst

priorisierten Herausforderungen schwankende

Kapazitätsauslastung, mangelnde

interne und externe Kommunikation sowie

geringe Vernetzung mit Lieferanten

und Kunden hervor. Die Digital Roadmap

definiert für diese drei Herausforderungen

konkrete kurz-, mittel- und langfristige

Lösungsmaßnahmen. So empfiehlt sich

Fazit:

Big Data Analytics, Machine to Machine,

digitale Plattformen – Technologien und

Trends, die heute als Enabler der Digitalisierung

schon vorhanden sind und in vielen

Unternehmen erfolgreich umgesetzt bzw.

gelebt werden. Es mangelt folglich weniger

an der technischen Realisierbarkeit, sondern

an der Kenntnis der Lösungsansätze

der Digitalisierung und derer Nutzen. Dabei

adressieren die Technologien der Digitalisierung

genau die Herausforderungen, mit

denen der produzierende Mittelstand häufig

konfrontiert ist. Um langfristig und nachhaltig

wettbewerbsfähig zu bleiben, ist der

Aufbruch in die Digitalisierung unumgänglich.

Die aus der Markt- und Feldanalyse resultierende

Roadmap dieser Forschungsarbeit

bietet mittelständischen Unternehmen einen

Leitfaden, um die digitale Transformation

einzuleiten und voranzutreiben. Sie stellt

in diesem Fall eine konkrete Ausprägung

dar, welche sich anhand der größten ermittelten

Herausforderungen ableitet. Der

Ansatz zur Erstellung einer Digital Roadmap

– Customer Pains, Customer Gains, Enabler,

Target & Priotization und Implementation

– ist allerdings allgemeingültig und wird individuell

auf das Unternehmen angepasst.

Entscheidend sind die richtige Priorisierung

sowie die Definition eines Zielbilds, worauf

basierend ein konkreter kurz-, mittel- und

langfristiger Implementierungsplan konzipiert

wird – die Digital Roadmap. (RED)


2019

Fotos: Matthias Rhomberg , Adobe Stock

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Top-Themen | Top-Speaker

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mit Wirtschaft und Forschung, bilden den

perfekten Rahmen zum Wissensaustausch

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Die Top-Keynote-Speaker des heurigen

Thinktanks widmen sich aktuellen Themen

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die Gesellschaft, veranschaulichen Trends

und Innovationen und entwickeln eine neue

Ethik im digitalen Zeitalter.

26. – 27. 09. 2019

Montanuniversität Leoben

VORDENKER

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WAS KOMMT NACH

DER DIGITALISIERUNG?

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Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.tech. Paul O´Leary | Montanuniversität Leoben

DIGITALISIERUNG UND IT –

AUF DIE PROPORTIONEN KOMMT ES AN

Dr. Robert Schweiger | voestalpine

SCHÖNE, NEUE ARBEITSWELT –

WAS KOMMT AUF UNTERNEHMEN WIRKLICH ZU?

Mag. Dr. Markus Tomaschitz, MBA | AVL List Gmbh, Graz

ETHIK 4.0: WERTEFRAGEN ZUR DIGITALISIERUNG

ZWISCHEN HEILSBESCHWÖRUNG UND UNTERGANGSANGST?

Prof. (FH) Mag. Mag. Dr. Harald A. Friedl | FH Joanneum

NEW WORK? REFLEXION, REBELLION, REVOLUTION!

Leonie Müller | Digital Nomadin

Programm & Anmeldung: www.logistik-sommer.at


LOGISTIK express 2/2019 | S22

Mehr finanzieller Spielraum dank KI

Preisnachlässe für frühzeitige Zahlungen werden seit altersher gewährt. Die

Digitalisierung erlaubt heute aber eine automatisierte Zahlungsabwicklung und

individualisiertes, dynamisches Discounting. Das erhöht die Wertschöpfung.

BEITRAG: THOMAS KOFLER

THOMAS KOFLER

ACCOUNT EXECUTIVE

SCHWEIZ, TRADESHIFT

Zahlungsziele als Finanzierungsinstrument

sind trotz rekordverdächtiger

niedriger Zinsen bei vielen Unternehmen

immer noch sehr beliebt. Nicht

selten werden die gesetzten Fristen jedoch

überschritten und Rechnungen zu spät bezahlt.

Das kann bei Lieferanten zu Problemen

führen, denn Kapitalengpässe können

selbst gesunde Betriebe in die Knie zwingen.

Deswegen sind 80% der Lieferanten bereit,

bei frühzeitigen Zahlungen Rabatte zu

gewähren.

Wird dieses Kostensenkungspotenzial auch

ausgeschöpft? Jedes Finanzjahr beginnt von

neuem mit guten Vorsätzen. Die Geschäfte

sollen profitabler, die Digitalisierung noch

schneller vorangetrieben werden. Und die

Verbesserungsvorschläge der Revisoren zum

Jahresabschluss wollen auch abgearbeitet

sein. Spätestens zum Ende des zweiten Quartals

wird es Zeit, die Fortschritte zu überprüfen.

Wie häufig wurden Zahlungsziele überschritten?

Wie viele Rechnungen wurden immer

noch manuell in den Bereichen Beschaffung

und/oder Buchhaltung abgearbeitet? Wie

viele Personen beschäftigen sich im Back Office

mit diesen Aufgaben?

Divergierende Ziele

Während die meisten Einkäufer Zahlungen

so lange wie möglich hinauszögern wollen,

möchten die meisten Lieferanten so schnell

wie möglich bezahlt werden. Ein Kompromiss

ist nicht immer leicht zu finden. Aber viele Lieferanten

sind bei einer Zahlung innerhalb von

beispielsweise zehn Tagen bereit, 2-3% Skonto

zu gewähren, wenn das Zahlungsziel normalerweise

30 Tage ist und immer mehr Kunden

effektiv erst nach 90 Tagen zahlen.

In vielen Fällen können Firmen solche Skonti-

Angebote allerdings nicht wahrnehmen, weil

ihre BackOffice-Prozesse zu schwerfällig sind

und die Rechnungsabwicklung 20 Tage oder

mehr dauert. Da stellt sich die Frage, könnte

durch Reorganisation, Investitionen und Automatisierung

die Situation verbessert und

gleichzeitig Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen

erzielt werden?

Bisher verfügen nur circa 20% aller international

tätigen Grossfirmen über einen automatisierten

Zahlungslauf. Die effizientesten

Unternehmen benötigen durchschnittlich 4

Tage für die Bearbeitung eingehender Rechnungen

bis zur Bezahlung, der Durchschnitt


30 Tage, laut Erhebungen der grossen

Wirtschaftsprüfer. Mit der Einführung

von e-Invoicing und einer automatisierten

Rechnungsbearbeitung, das

heisst mit Hilfe einer integrierten SCF-Lösung,

lassen sich die Durchlaufzeiten im

Rechnungswesen deutlich verkürzen.

Allerdings weniger als 26% der Firmen

nutzen eine e-Invoicing-Software und

noch weniger eine integrierte Supply-Chain-Finance

(SCF)-Lösung.

Dynamic Discounting in der Praxis

Wie kann die Zahlungsabwicklung im

Rahmen der digitalen Transformation

eines Unternehmens rechtskonform

automatisiert und kontrolliert werden,

insbesondere bei einer Zunahme der

Aufträge, aber sinkenden Losgrössen?

Mit Hilfe von Online-Plattformen ist dies

heute möglich. Durch moderne Netzwerk-Technologie

können Lieferanten-

und Käuferökosysteme weltweit

verbunden und auch Banken in diese

Systeme eingebunden werden. Der gesamte

Finanzprozess wird KI gestützt, bedarfsgerecht

und speditiv abgewickelt.

Diese neuen Lösungen können problemlos

in ERP-Systeme eingebettet oder

als Stand-alone eingesetzt werden.

Käufer können angeben, wie viel Kapital

für Frühzahlungen zur Verfügung

steht und welche Rendite sie erreichen

möchten. Lieferanten können ihrerseits

Skontostaffelungen anbieten. Gemeinsam

werden dann die Skonti festgelegt,

die bei früher Zahlung automatisiert angewendet

werden. Bei State-of-the art

Systemen können Käufer von Rechnung

zu Rechnung entscheiden, ob sie diese

zur Frühzahlung freigeben wollen. Und

ebenso kann der Lieferant rechnungsweise

eine Frühzahlung beantragen.

Vielfältige Vorteile

Für Unternehmen die Skonti auf alle Eingangsrechnungen

erhalten, ergeben

sich signifikanten Einsparungen und höhere

Gewinnmargen. Aber auch Personaleinsparungen,

Imagegewinn sowie

langfristig, stabile Partnerschaften mit

Lieferanten sind positive Nebeneffekte.

Darüber hinaus bringt die Automatisierung

der Zahlungsprozesse in der Supply

Chain mehr Transparenz in Bezug

auf effektive Kosten und Zahlungsverhalten.

Auswertungen von Frühzahlungen,

Skonti und effektiven Einkaufskosten

geben dem Einkäufer eine solide Basis

für Preisforderungen und Einkaufsbedingungen

bei zukünftige Preisverhandlungen.

Sie erleichtern das Durchsetzen

von e-Invoicing, und Onboarding

neuer Lieferanten. Für den Lieferanten

ist die Teilnahme an automatisierten

Frühzahlungssystemen meist kostenlos

und einfach zu handhaben. Wichtiger

als hohe Margen ist vor allem für noch

junge Produzenten und kleinere Lieferanten

ein positiver Cashflow.

Er sichert die Handlungsfähigkeit und

Stabilität des Unternehmens. Darüber

hinaus können Lieferanten innovative

Dynamic-Discounting-Plattformen

auch für Eigengeschäfte nutzen - ein

wichtiges Argument. Die Kollaboration

von Käufern und Lieferanten auf

Plattformen für Dynamic Discounting

ermöglicht eine faire Zusammenarbeit,

durch die beide Seiten profitieren. So

wird das Vertrauen zwischen den Geschäftspartner

gefördert und die Käufer-Lieferanten-Beziehung

gefestigt.

(TK)


LOGISTIK express 2/2019 | S24

Hat der Handel die Wichtigkeit von

Transparenz in der Lieferkette

erkannt?

Steigende Kundenansprüche tragen erheblich zu mehr Komplexität, Kosten

und Überschuss in der Lieferkette von Einzelhändlern bei. Unternehmen

führen flexiblere Retouren, schnellere Lieferungen und Informationen über

den Lieferstatus in Echtzeit als Hauptgründe dafür an – was den unbestrittenen

Bedarf nach mehr Transparenz in der Lieferkette verstärkt.

BEITRAG: REDAKTION

AMIR HAREL

GENERAL MANAGER

OF VISIBILITY SOLUTIONS

ZETES

Dies ergab eine aktuelle von Sapio

Research für den Supply-Chain-

Technologiespezialisten Zetes

durchgeführte Umfrage, an

der insgesamt 451 Entscheidungsträger

aus dem Handel in Großbritannien, Frankreich,

Deutschland und Spanien teilnahmen.

Mangelnde Transparenz beeinträchtigt

die Performance von Unternehmen. Die

meistgenannten Probleme sind übermäßige

Bestände und höherer Überschuss, Umsatzeinbußen

durch nicht verfügbare Produkte,

Mangel an Echtzeitwarnungen, um

gegen potenzielle Unterbrechungen vorzubeugen

sowie die Möglichkeit, Retouren

als verfügbaren Bestand zu identifizieren.

'

Die Umfrage zeigt, dass 94 Prozent der Befragten

eine optimale Transparenz auf Ereignisse

fehlen, die sich auf die Leistung ihrer Lieferkette

auswirken. 87 Prozent stimmen zu, dass

eine vollständig transparente Lieferkette mit

Statusinformationen in Echtzeit Unternehmen

einen Wettbewerbsvorteil verschaffen

kann. Dagegen geben drei Viertel (71 Prozent)

an, dass mangelnde Transparenz in der

Lieferkette negative Auswirkungen auf das

Geschäft hat.


Weitere wichtige Erkenntnisse der Umfrage

33 Prozent der Befragten äußerten, dass die

enormen Datenmengen und der mangelnde

Zugang zu Echtzeitdaten bei der Optimierung

der Lieferkette eine Herausforderung darstellen.

Die Zufriedenheit und Treue der Kunden

sind wesentliche Ziele der Unternehmen. Es

besteht Einigkeit darüber, dass sich beides

durch Transparenz in der Lieferkette um über

30 Prozent verbessern ließe. 42 Prozent der

Entscheidungsträger halten die Reduzierung

von Überschuss für sehr schwierig. Angesichts

der Vielzahl an Bereichen der Lieferkette mit

akutem Handlungsbedarf, stellt sich die Frage,

welchen Weg der Handel hier einschlagen

soll.

eCommerce

Logistik - Day

Dazu Amir Harel, General Manager of Visibility

Solutions bei Zetes: „Ziel der Transparenz ist

letztendlich, die Kontrolle zu verbessern und

Leistungspotenziale freizusetzen. Als Plattform

für mehr Effizienz und Zusammenarbeit im

Netzwerk kann sie einen Wandel herbeiführen.

Ohne Transparenz wird es dem Handel

schwerfallen, die großen Gewinne durch Verbesserungen

bei Überschuss, Regalverfügbarkeit,

Lieferantenleistung und Kundenbindung

zu erzielen. Der Schlüssel liegt darin, die große

Vision mit Pragmatismus zu verbinden.

Mit anderen Worten, es ist wichtig groß zu

denken, aber klein zu beginnen und dann

zu skalieren, wenn es um die Gewinne geht.

Wenn Unternehmen die Lieferkettenprozesse

genau kennen und wissen, wie sie physische

und digitale Datenströme auf verschiedenen

Systemen synchronisieren, lässt sich ein

schneller ROI bei minimaler Technologieinvestition

und Komplexität realisieren.“ (RED)

Zetes-Studie Supply Chain Visibility:

https://www.zetes.com/de/white-papers/

transparenz-in-der-lieferkette-bericht-2019/838

www.logistik-express.com


LOGISTIK express 2/2019 | S26

Prädiktive BI-Lösungen in der

Unternehmensplanung

Prädiktive BI-Lösungen helfen Logistikdienstleistern, ihre Lieferzeiten zu verringern,

Kosten und Leerfahrten einzusparen und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.

Auch im Bereich der strategischen und operativen Unternehmensplanung leistet

die neue Technologie wertvolle Dienste. Lesen Sie hier, worauf es beim Einsatz

von Predictive Planning ankommt. BEITRAG: REDAKTION

PETER KÜSSNER

GESCHÄFTSFÜHRER

CUBEWARE

Die Datenanalyse ist aus kaum

einer Branche mehr wegzudenken.

Auch Logistikdienstleister optimieren

auf der Basis von Daten

Prozesse wie den Transport oder die Lagerhaltung

und -verwaltung. Mithilfe von professionellen

BI-Lösungen lassen sich Lieferzeiten,

Zuverlässigkeit und Flexibilität verbessern,

Kosten und Leerzeiten einsparen und die

Kundenzufriedenheit steigern. Denn auch

die Kunden fordern immer detailliertere Informationen

ein – etwa über den Verbleib ihrer

Fracht, Bestände im Lager oder den besten

Verkehrsweg für einen vorgesehenen Transport.

Hinzu kommen die steigenden Anforderungen

im Online-Handel: Auftraggeber von

Paketdienstleistungen wollen ihre Sendungen

nicht nur tracken können. Sie wollen auch

selbst bestimmen, wann und wo sie ihr Paket

in Empfang nehmen.

Vielfältige Einsatzgebiete

Zunehmend an Bedeutung gewinnen dabei

vor allem prädiktive BI-Lösungen mit

denen sich – ausgehend vom Status Quo

– die wahrscheinlichsten Zukunftsszenarien

errechnen lassen. Auf der Grundlage relevanter

Daten werden künftige Zustände

eines Systems – etwa eines Lagers oder einer

Lieferkette – in einem Datenmodell simuliert.

Dadurch lassen sich bereits relativ genaue

Vorhersagen über die Zukunft treffen.

Die Anwendungsbereiche sind vielfältig.

Potenzial bietet beispielsweise die Tourenplanung:

Transporte, die auf Basis der Bewegungsdaten

von LKW geplant und gemanagt

werden, helfen Leerfahrten zu vermeiden.

Zeit und Kosten spart auch die vorausschauende

Wartung (Predictive Maintenance), bei

der sich Ersatzteile bedarfsgerecht liefern und

Wartungstermine an den tatsächlichen Zustand

der jeweiligen Komponente anpassen

lassen.

Predictive Analytics: Unternehmensplanung

Eines der Hauptanwendungsfelder von

prädiktiven Technologien ist die strategische

und operative Unternehmensplanung.

BI-Lösungen mit prädiktiven Fähigkeiten zeigen

frühzeitig Abweichungen zwischen dem

Ist- und dem anvisierten Sollzustand auf und

ermöglichen so Prognosen und validere Entscheidungen.

Logistikunternehmen haben

damit die strategischen, taktischen und operativen

Daten der Lieferkette permanent im

Blick. Sie können auf veränderte Anforderungen

schneller reagieren und detaillierte

Kosten-Nutzen-Analysen daraus ableiten.

Die Planungssicherheit nimmt deutlich zu,

Chancen und Risiken werden schneller erkannt

und effizienter genutzt. Das versetzt das

Unternehmen in die Lage, sich flexibel und

zeitnah an aktuelle Marktbedingungen und

Veränderungen anzupassen. Gerade für die

Logistik-Branche ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Predictive Planning: Planungsprozess

Um von Predictive-Lösungen profitieren zu

können, müssen bestimmte Voraussetzungen

erfüllt sein. Predictive Analytics erfindet

den jeweiligen Prozess nicht neu, sondern

setzt darauf auf. Denn wer Aussagen über

die Zukunft treffen will, braucht erst einmal

Klarheit über die Vergangenheit und die Gegenwart.

Ohne beschreibende und diagnostische

BI-Abläufe kann es daher auch keinen

prädiktiven Prozess geben. Beides gehört

untrennbar zusammen. Und finaler Entscheidungsträger

ist und bleibt der Mensch.


So ersetzt auch Predictive Planning weder

den herkömmlichen Planungsprozess – Planfindung,

Soll-Ist-Abgleich, Abweichungsanalyse,

Gegensteuerung –, noch die BI-Lösung.

Es ist eher als Add-On anzusehen, das mögliche

Szenarien kontinuierlich auf Basis aktueller

Daten und den daraus generierten Entscheidungsvorlagen

simuliert.

Entscheidend sind agile Prozesse und internes

Know-how

Es gibt eine Vielzahl von Einflussfaktoren, die

die Planung erschweren – etwa unterschiedliche

Interessen und Planungshorizonte, volatile

Märke, neue Vertriebswege und Lizenzmodelle.

Der Planungsprozess sollte daher

möglichst agil gestaltet sein und sich flexibel

an neue Situationen anpassen lassen. Predictive

Planning bietet hier nützliche Methoden

an, unter anderem Plandaten-Sets, die

nach Wahrscheinlichkeiten sortiert sind. Eine

wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen

Einsatz von Predictive Planning sind Kenntnisse

über das eigene Geschäftsmodell und

die damit verbundenen Geschäftsfälle. Auch

technologisches Wissen ist gefragt – etwa

darüber, wo die relevanten Daten liegen und

an welcher Stelle und in welcher Form Systemübergaben

erfolgen. Unternehmen sollten

dieses Know-how intern aufbauen und

so wenig Kompetenzen wie möglich nach

außen geben, um sich nicht von Dritten abhängig

zu machen.

Passende Software und Architektur finden

Von Vorteil ist daher, wenn der Anbieter

zusammen mit der Predictive-BI-Lösung ein

umfassendes Schulungs- und Beratungsangebot

zur Verfügung stellt. Die Software sollte zudem

in Sachen Bereitstellung der Plandaten

und -modelle einfach zu bedienen sein und

gleichzeitig die Möglichkeit bieten, mit wenig

Spezialwissen gute Ergebnisse zu liefern. Von

entscheidender Bedeutung ist zudem die

Wahl der Lösungsarchitektur. In vielen Best-

Practice-Projekten hat sich als solide technologische

Grundlage eine modular aufgebaute

BI- und Performance-Management-Plattform

bewährt, die die grundlegenden Informationsprozesse

abdeckt und für einen Best-of-

Breed-Predictive Analytics-Ansatz offen ist.

(RED)


LOGISTIK express 2/2019 | S28

100% Transparenz bei outgesourcter

Intralogistik

Der E-Commerce Markt boomt und ein Stillstand ist in den nächsten Jahren nicht

zu erwarten. Die digitale Einkaufswelt wächst in rasantem Tempo weiter und

immer mehr Unternehmen wenden sich dem wachsendem Geschäftsfeld B2C

E-Commerce zu. Die Abwicklung der intralogistischen Prozesse im E-Commerce

Business stellt hierbei ein der wesentlichen Herausforderungen dar. Zunehmend

ist der Trend hin zu Outsourcing der Logistik im Online-Handel zu erkennen.

BEITRAG: REDAKTION

Unabhängig der Gründe für die Entscheidung

von Outsourcing steht der Qualitätsanspruch,

den Händler an die Fulfillment-Anbieter stellen:

Neben einem schnellen Versand der

bestellen Ware, erwarten Händler zudem

Transparenz über die outgesourcte Logistik zu

haben. Fragen, wie „Wie schnell wurde der

Artikel durch den Fulfiller versendet?“, „Wo

steckt die Bestellung im Versandprozess?“

und „Ist die Retoure optimal verarbeitet worden?“

sollten dem Händler in Echtzeit zur Verfügung

stehen.

DIRK HASCHKE

VICE PRESIDENT SALES

DACH & E-COMMERCE

OPERATIONS

DESCARTES SYSTEMS

Die Gründe, warum Online-Händler

ihre Versandabwicklung an Fulfiller

outsourcen sind vielfältig: begrenzte

Lagerflächen, personelle

Engpässe, Auslagern von bestimmten Artikeln.

Auch gibt es Händler im E-Commerce,

die den Fulfillment-Anbieter nur temporär einbinden

wollen, um beispielsweise den Neubau

einer Lagerhalle im laufenden Betrieb zu

ermöglichen.

Die wesentlichen Vorteile des Outsourcings

liegen auf der Hand:

• Wachstum oder die Erweiterung des Artikelsortiments

sind durch Outsourcing auf der

Kostenseite kalkulierbarer.

• Fokus auf Kernkompetenzen: Durch die Auslagerung

der logistischen Versandabwicklung

bleibt auf Management-Ebene mehr Zeit für

die Gestaltung des Online-Shops, Marketingstrategien

und strategische Positionierung.

Per Knopfdruck 100% Transparenz und Einsicht

für Fulfiller und Händler

Descartes pixi hat für diese Herausforderung

eine Lösung geschaffen: pixi White Box Fulfillment.

Fulfillment-Anbieter haben nun die

Möglichkeit, ihren Kunden eine professionelle

und starke Auftragsabwicklung zu bieten und

ihnen außerdem 100% Einsicht in die Abwicklung

ihrer Bestellungen zu ermöglichen – per

Knopfdruck.

Das Lager outgesourct – Payment, Einkauf

und Kundenservice inhouse

Zudem können Fulfillment-Anbieter ihren Kunden

mit pixi ganz nach ihren Wünschen Module

wie den Einkauf, Kundenservice oder

die Zahlungsabwicklung freischalten und positionieren

sich mit einer einzigartigen Unique

Selling Proposition (USP) am Markt gegenüber

dem Wettbewerb. Die Lagerverwaltung bietet

Fulfillment-Anbietern folglich eine automatisierte

Abwicklung aller Versand- und Logistikprozesse

für das B2C E-Commerce Business

und informiert Kunden und Fulfiller proaktiv

über den Status des Versandprozesses.


Online-Händler Twothirds: Hier funktioniert

Fulfillment – europaweit, modern, nachhaltig

Mit dem Slogan “We make goods for a better

future” setzt der Online-Händler Twothirds

ein klares Statement! Mit strengen Dos and

Don’ts in der Produktion und der Verwendung

rein organischer und recyclebarer Produkte,

hebt sich das Unternehmen deutlich

ab von den in der Modebranche gängigen

Textilproduktionen.

Die stimmige Verbindung von Perfektion im

Design und ökologisch nachhaltiger Herstellung

findet beim Endkunden Anklang: Mit bis

zu 300 Paketen pro Tag liefert das in Barcelona

ansässige Unternehmen seine Produkte

nach ganz Europa. Einkauf, Distribution und

Produktion kommt aus einer Hand und werden

vom Gründer bis ins Detail perfektioniert.

Wie sieht die technische Struktur hinter dem

Erfolg aus?

Die Base in Barcelona, die Logistik in Deutschland,

die Zielgruppe europaweit auf Instagram,

Facebook, Amazon und dem

eigenen Shop – um seinen Kunden ein bestmögliches

Einkaufserlebnis zu bieten, setzt

Twothirds das Shopsystem Shopify ein, mit

dem sämtliche Vertriebskanäle bedient werden

können.

Aus dem Shopsystem werden alle Bestellungen

nahtlos an das Logistiksystem Descartes

pixi weitergegeben, welches vom Fulfillment-Dienstleister

VDS eingesetzt wird. Die

logistischen Prozesse hat Twothirds an VDS

outgesourct, um sich zu 100 Prozent um die

Produktion und die Kommunikation seines

Produktsortiments zu kümmern.

Keine Zeit für aufwendige Kommunikation

Händler wie Fulfillment-Anbieter arbeiten mit

dem gleichen pixi System. So werden Bestellungen

aus Verkaufskanälen durch pixi

in Echtzeit an den Fulfillment-Anbieter weitergegeben

und Artikelverfügbarkeiten im

Lager des Fulfillers mit den Beständen in den

Vertriebskanälen der Händler automatisiert

abgeglichen. Auch sklz.de mit Kunden wie

Werder Bremen, profitiert von den Benefits

der White-Box-Fulfillment Lösung.

„Wir haben uns 2015 für pixi Fulfillment entschieden,

einfach, weil wir Ahnung vom Verkaufen

und von Marketing haben, aber die

Logistikprozesse unseres E-Commerce Business

mussten von allein laufen – ohne dass wir die

Transparenz über die Versandabwicklung verlieren“,

erzählt Gründer Marcus Voß von sklz.de

Online-Händler wissen somit zu jeder Zeit über

die Bestellabwicklung, Lagerbestände, Versandzeiten

und vielem mehr bescheid – und

das alles ohne zeitaufwendige Abstimmungstermine

mit dem Fulfillment-Anbieter.

„Wer als Händler auf Fulfillment setzt, sollte die

Transparenz auf die logistischen Prozesse nicht

verlieren“, erklärt Dirk Haschke, Vice President

E-Commerce Operations bei Descartes pixi.

„Daher bieten wir unseren Kunden mit pixi

Fulfillment ein System, das ihnen trotz Outsourcing

Transparenz und Überblick ermöglicht!

Und wenn sich der Händler eines Tages doch

für ein eigenes Lager entscheidet, kann pixi

auch für dieses verwendet werden. Transparenz

und Flexibilität ist bei der Logistikstrategie

essenziell – ob inhouse Lager oder Fulfillment

Lager“, erklärt Haschke. (RED)

Trotz Outsourcing ist es für die moderne Marke

Twothirds zu jeder Zeit möglich, sich einen

Überblick über den aktuellen Status einer

Bestellung zu verschaffen. So weiß Twothirds

trotz der großen Distanz zu jeder Zeit, wo sich

die Artikel oder die Bestellung befindet und

kann Kunden bei Rückfragen bestmöglich

betreuen.

Dirk Haschke ist Vice President Sales DACH

& E-Commerce Operations bei der Descartes

Systems (Germany) GmbH und verantwortet

die strategischen und operativen

Entscheidungen des Warenwirtschaftsund

Logistikspezialisten Descartes pixi.


LOGISTIK express 2/2019 | S30

Sensorgestütztes Tracking auf

Warenebene

Die Liste der Anforderungen an Logistikunternehmen ist lang und betrifft nicht zuletzt

die sensible Phase des Transports zum Endkunden. Denn dieser erwartet die

Lieferung der Waren nicht nur zum vereinbarten Liefertermin, sondern vor allem

auch im unversehrten Zustand. BEITRAG: UWE SCHNEPF

Was benötigen Logistiker folglich? Sie benötigen

eine geeignete, das heißt auch wirtschaftlich

tragbare Technologie, mit der sie

den pünktlichen und sachgerechten Transport

– und zwar jedes einzelnen Assets – überwachen

und nachweisen können. Vor allem

versetzt sie eine entsprechende Lösung aber

auch in die Lage, im Falle einer Beschädigung

oder Verspätung sofort eingreifen zu können.

UWE SCHNEPF

ACCOUNT EXECUTIVE

Q-LOUD

UNTERNEHMEN DER

QSC AG

Kontrolle und Transparenz über den

Ort und Zustand der einzelnen Güter

während des Transports könnte ein

kleinteiliges Tracking (Asset Tracking)

kombiniert mit einer lückenlosen Zustandsüberwachung

der Assets bieten. Mit dem

Funkstandard NarrowBand-IoT (NB-IoT) steht

hierfür nun auch eine geeignete Technologie

zur Verfügung. Die Überwachung des pünktlichen

und vor allem auch des sachgerechten

Transports stellt Logistikunternehmen vor große

Herausforderungen.

Nehmen z. B. empfindliche Güter wie temperatursensitive

Medikamente oder Lebensmittel,

aber auch Maschinen oder Geräte

mit anfälliger Mechanik auf dem Transportweg

Schaden, kann es schnell teuer weiter.

Gleiches gilt für die Verspätung von

Just-in-Time-Lieferungen, die nicht selten mit

erheblichen Strafen belegt sind. Tatsächlich

werden heute noch allzu oft unbrauchbare

Waren weitere Tage zum Empfänger

transportiert, weil der Schaden während des

Transports nicht festgestellt werden konnte.

Das geschieht – zum Ärger der Kunden –

dann in aller Regel erst vor Ort, so dass auch

für das Anstoßen der Ersatzlieferung wertvolle

Zeit verloren geht.

Mit NB-IoT einzelne Güter vernetzen

Warum sind hierfür aktuelle Trackingtechnologien

via GPS und Mobilfunk nicht geeignet?

Schließlich stellt der Wechsel auf digitale Verfahren

wie Barcode oder Near Field Communication

(NFC) mittlerweile längst auch die

Verbindung zwischen dem Transportfahrzeug

und der Beladung, also der Ware her, was

das gewünschte Tracking auf Warenebene

durchaus ermöglicht. Gleich mehrere Faktoren

kommen hierbei zum Tragen. Dazu zählen

der hohe Energieverbrauch, der hohe manuelle

Aufwand und die hohen Kosten, die

die bisherigen mobilfunkbasierten Verfahren

für die Überwachung jedes einzelnen Assets

erzeugen würden. Sie sind für diesen Anwendungsfall

folglich wirtschaftlich einfach nicht

tragbar. Der Kommunikationsstandard NarrowBand-IoT

(NB-IoT) hat das Potenzial dies zu

ändern.

NB-IoT ist ein neuer Mobilfunkstandard, der

auf die Vernetzung von Geräten im Internet

of Things spezialisiert ist. Im Gegensatz zu den

gängigen Verfahren, zeichnet er sich nicht

nur durch eine robuste und zuverlässige Übertragung,

sondern vor allem durch einen geringen

Stromverbrauch und minimale Kosten

aus. In Ergänzung zu anderen Mobilfunkstandards

wie LTE oder 5G ist er damit besonders

für die zuverlässige und wartungsfreie Ver-


netzung von Geräten mit langfristigem Batteriebetrieb

geeignet. Gleichzeitig bedeutet

das, dass gerade Anwendungen mit einer

hohen Anzahl an Geräten wirtschaftlich realisiert

werden können. Dazu zählt eben vor

allem auch das Tracking vieler, individueller

Güter. Beschleunigt wird der Einsatz des

neuen Kommunikationsstandards übrigens

durch die günstigen Tarifkonditionen, die Mobilfunkanbieter

wie Telekom, Vodafone oder

1NCE inzwischen anbieten. So ist schon heute

der Abschluss eines Konnektivitätsvertrags

als Flatrate für einen Euro pro Gerät und Jahr

möglich.

Intelligentes Monitoring der Transportgüter

Tatsächlich wird mit der Realisierung eines

kostengünstigen Übertragungswegs auf Ebene

der einzelnen Güter auch die so dringend

benötigte Zustandsüberwachung einzelner

Waren während des Transports möglich. Hierfür

werden die Tracker mit zusätzlichen Sensoren

versehen oder aber Sensoren verbaut,

die mit den Trackern lokal kommunizieren.

Möglich ist hierdurch z. B. die automatisierte

Überwachung von Kühlketten. Beschleunigungssensoren

können wiederum Hinweise

auf Sturzschäden geben, Luftfeuchtigkeitssensoren

auf Korrosionsgefahr.

In allen Fällen löst das Überschreiten von

definierten Schwellwerten einen Alarm des

Systems aus und lässt Rückschlüsse auf den

Zustand der Waren zu. Nicht zuletzt werden

auch der Zeitpunkt und Ort des Alarms und

damit des möglichen Schadens exakt dokumentiert

und nachvollzogen. Entscheidend

ist jedoch, dass sich auf dieser Basis mögliche

Probleme schon auf dem Transportweg identifizieren

lassen und geeignete Behebungsmaßnahmen

ohne Zeitverzug angestoßen

werden können. Das spart Wege, Zeit und

– insbesondere im Kontext von JIT-Zulieferprozessen

– mitunter erhebliche Strafen.

Von besonderem Interesse dürfte zudem sein,

dass für das Tracking mittels GPS in Kombination

mit Sensorik und NB-IoT-Konnektivität

schon heute Komplettlösungen zur Verfügung

stehen. Sie umfassen nicht nur die Tracker,

sondern auch den Datentarif sowie das Portal

zur Tracker-Konfiguration und Darstellung

der Position und Zustandsdaten. Gleichzeitig

raten Fachexperten wie z. B. der Q-loud dazu,

bei der Auswahl der geeigneten Lösung vor

allem auch auf die Integrationsfähigkeit in

übergeordnete IT-Systeme zu achten, wo die

Daten gesammelt und weiterverarbeitet werden

können. Empfehlenswert sind daher vor

allem Lösungen, die über eine REST-API verfügen.

Modernes Monitoring während des Transports

Der Ausbau des neuen Funkstandards NB-

IoT versetzt Logistikunternehmen in die Lage,

auch einzelne Güter kostengünstig zu vernetzen

und während des Transports überwachen

zu können. Durch die integrierbare Erfassung

und Übertragung von Zustandsinformationen

ist zudem eine automatisierte, kleinteilige

und zeitnahe Überwachung der gesamten

Lieferketten und Transportwege sowie eine

schnelle Reaktion auf Störungen möglich. Für

die Logistikbranche sind hiermit enorme Effizienzgewinne

verbunden – und zufriedenere

Kunden. (RED)


LOGISTIK express 2/2019 | S32

Sportlerherzen schlagen höher

Die Freude am Sport mit anderen zu teilen, ist die Firmenphilosophie von DECATH-

LON. Das Unternehmen, dessen Mitarbeiter Sport leben und lieben, bietet mehr

als 35.000 Artikel für über 70 verschiedenen Sportarten an. Um sportbegeisterte

Kunden schnellstmöglich mit Artikeln zu versorgen ist eine Sorter-Tasche aus der

KNAPP-Gruppe im Einsatz.

BEITRAG: REDAKTION

Seit Ende 2017 sortiert DECATHLON

Liegeware für Kundenaufträge mit

einem Taschensorter-System von

Dürkopp, einem Unternehmen der

KNAPP-Gruppe. Der Standort in Schwetzingen

(Deutschland) ist eines von zwei Zentrallagern.

Von dort aus werden Filialen aus ganz

Süd-Deutschland mit Sportartikeln beliefert

und E-Commerce-Bestellungen abgewickelt.

Ergonomische Arbeitsplätze

Viele verbinden mit sportlichen Aktivitäten

ein Gefühl von Freiheit, Weite und Ruhe

vom Stress des Alltags. In diesem Sinne bietet

DeCATHLON seinen Mitarbeitern rund um die

Technik ein angenehmes Umfeld zum Arbeiten.

Grünpflanzen in Blickrichtung der Bediener

und Bilder mit sportlichen Szenen sorgen

für ein visuell ansprechendes Arbeitsumfeld.

Die Arbeitsplätze sind hell und großzügig

konzipiert. Damit die Mitarbeiter in einem ruhigen

Umfeld arbeiten können, erstreckt sich

die Fördertechnikanlage über zwei Hallen. In

Halle 1 befinden sich 8 Belade- und 23 Packplätze,

während sich die Pufferstrecken, der

Sequenzsorter und die Leertaschenpuffer

fernab der Personenarbeitsplätze verteilt auf

3 Ebenen in Halle 2 befinden. Belade- und

Packstationen sind ergonomisch konzipiert

und bieten den Bedienern höhenverstellbare

Tische sowie die Möglichkeit, im Sitzen oder

Stehen eine von 16.000 eingesetzten Sorter-Taschen

zu befüllen und dem System zuzuführen.

Großes Artikelspektrum

Bei über 70 angebotenen Sportarten ist das

Artikelspektrum, das über die Dürkopp-Sortertasche

abgewickelt werden muss, dementsprechend

groß. So finden auch nicht-Fashion-Teile,

wie zum Beispiel Rucksäcke, Bälle

oder in Kartons verpackte Camping-Artikel ihren

Platz. Ein Großteil der Artikel wird über RFID

ausgelesen. Dies erfolgt über eine im Beladeplatz

integrierte RFID-Antenne. Weitere Artikel

werden über die Barcodelesung erfasst.


Packarbeitsplatz

Taschensorter-System von Dürkopp

Richtige Reihenfolge

Vom Beladeplatz gelangen die Taschen zum

dynamischen Pickspeicher. 9 Speicher bieten

jeweils eine Aufnahmekapazität von 1.400

Teilen. Das Selektieren kompletter Kundensendungen

erfolgt durch den Sequenz-Sorter,

der anschließend die einzelnen Artikel in vorgegebener

Reihenfolge dem Packbereich

zuführt.

An 23 Packplätzen werden die Einzelteile den

Taschen entnommen und je nach Volumen

in einen Karton oder eine Versandtasche verpackt.

Die Leertaschen gelangen über ein

automatisches Rückführ- und Speichersystem

zum erneuten Befüllen wieder an die Aufgabeplätze.

(RED)

Belade- und Packstationen

• Michel Leclercq eröffnete bei Lille am

27. Juli 1976 sein erstes Sportartikelgeschäft

und gründete damit das Unternehmen

DECATHLON

• 1986 begann DECATHLON mit der Herstellung

von Sportartikeln unter eigenem

Namen; im selben Jahr eröffnete in Dortmund-Kley

das erste Geschäft außerhalb

Frankreichs

• 2016 existierten 1065 Filialen in 29 Ländern,

die meisten in Frankreich (302) und

China (169), in Deutschland sind es inzwischen

52 (2018)

• Am Konzern-Campus in Villeneuve-d´Ascq

(Nordfrankreich) entwickeln mehr als

530 Ingenieure und 150 Produktdesigner

jährlich bis zu 2.800 Produkte und reichen

rund 40 Patente ein

• Mit über 10 Mrd. € Umsatz (2017) und

mehr als 70.000 Mitarbeitern ist Decathlon

einer der größten Sportartikelhersteller

und -vertreiber der Welt

• www.decathlon.com


LOGISTIK express 2/2019 | S34

Zu Gast bei Freunden

Die Logistikreise für den Online- und Omnichannel-Handel - Deutschlands neue,

mobile Informations- und Networking-Plattform für die Handelslogistikszene - ist

in den ersten Juni-Tagen mit einem ausgebuchten Teilnehmerfeld und einer

herausragenden Gastfreundschaft von Seiten der besuchten Logistikbetriebe

über die Bühne gegangen. Beitrag: Karin Walter

KARIN WALTER

JOURNALISTIN

WAL-MEDIEN

Die Anfang Juni vom Institut des

Interaktiven Handels (IDIH) in Kooperation

mit dem Medienbüro

Karin Walter erstmals durchgeführte

Logistikreise für den Online- und Omnichannel-Handel

war ein voller Erfolg: Auf

der Busreiseroute von Frankfurt nach Augsburg

bot sich für die Reisegruppe - einem

Team aus 33 Vollblutlogistikern, Logistikberatern,

Hard- und Softwareanbietern - die

Chance, Eindrücke von modernsten Robotik-

und Virtual-Reality-Anwendungen,

teilautomatisierten Logistikprozessen sowie

von über die Jahre hinweg gewachsenen

Prozessstrukturen aufzusammeln und in die

eigenen Unternehmen mit nach Hause zunehmen.

Das von der BLG Logistics Group betriebene

Retourenlager des Workwear-Spezialisten

Engelbert Strauss, die auf Münzen- und

Sammlerstücke spezialisierte Göde Gruppe,

die Gries Deco Company mit der Handelsmarke

DEPOT, das IT-Systemhaus Bechtle,

der Modeversender PETER HAHN sowie die

EM Group, ein auf die Hotelerie- und Gastronomiebranche

spezialisierter B2B-Versender

ermöglichten dem bis auf den letzten

Platz ausgebuchten Teilnehmerfeld einen

teilweise sehr umfassenden und offenen

Blick hinter die Kulissen.

Automatisierung mit Grips angehen

An den beiden von Pierau Planung und

dem Logistikautomatisierungsspezialisten


LIPPERT gesponserten Abenden bot sich

für alle Beteiligten die Gelegenheit, neue

Freundschaften zu knüpfen und sich mit

den Kollegen bei einem Glas Bier über

die eigenen Retouren-, Lager-, Versandund

Transportprozesse auszutauschen. Die

wichtigste Botschaft der Reise brachte Logistikberater

Bernd Kratz, Co-Founder und

Gesellschafter des Instituts des Interaktiven

Handels gleich zu Beginn der Reise in

einer kurzen Ansprache während der Busfahrt

von Frankfurt nach Aschaffenburg auf

den Punkt: „Es gibt in der Regel nicht das

eine optimale Logistiksystem“, betonte der

ehemalige Logistikvorstand des Elektronikversenders

Conrad Electronic und heutige

Geschäftsführer der Logistikberatung Executive

Management Advisors. „Die optimale

Lösung ergibt sich meist aus der Kombination

mehrerer Best-Practice-Lösungen.“

Automatisierung sei in den meisten Fällen

ein richtiger und wichtiger Schritt, um das

bestehende und kommende Wachstum

abzufedern. Doch um durch Automatisierung

das Optimum zu erreichen, bedürfe

es im Vorfeld einer genauen Analyse und

Planung der Prozesse.

sechs besuchten Logistikbetrieben im

Reisegepäck waren sich die Teilnehmer

schließlich einig: Die Idee der Logistikreise

als neue, mobile Informationsbörse und

Networking-Plattform muss spätestens im

kommenden Frühjahrahr eine Fortsetzung

erfahren. (WAL)

Nächster Logistik-Trip voraussichtlich schon

im Februar

Nach einer Reisezeit von drei Tagen und

mit den Eindrücken und Inspirationen von


LOGISTIK express 2/2019 | S36

Kompakte Materialflusstechnik für

effiziente Prozesse

Mit einer flexiblen Intralogistiklösung hat SSI Schäfer im neuen Fulfilment-

Logistik-Center der Etivera Verpackungstechnik GmbH eine Logistikanlage realisiert,

die mit einem intelligent automatisierten Materialflusskonzept, einem

vollautomatisierten Hochregallager und kompakter Fördertechnik exakt auf die

aktuellen Anforderungen der Auftragsfertigung zur Just-in-Time-Belieferung des

B2B- wie des B2C-Segments mit Großaufträgen und Kleinstmengen ausgelegt ist

und zugleich künftige Wachstumsoptionen des Marktführers abdeckt.

BEITRAG: REDAKTION

Eingliederung des

neuen Logistikzentrums

in das landschaftliche

Bild der

Region

Der Inhalt ist das Eine, die Verpackung

das Andere, weiß der Volksmund.

Attraktive, nutzwertige

Verpackungen schützen, wirken

und animieren – und bieten Mehrwert auf unterschiedlichsten

Ebenen. Flaschen, Gläser,

Tragetaschen aus Papier, Geschenkkartons

und Etiketten tragen zu einer Wertsteigerung

bei, die das Produkt mit seiner Hülle zu einer

Einheit verschmelzen lässt. Mit individueller

Form grenzen sie ab, steigern den Wiedererkennungswert,

tragen zum Markenaufbau

bei oder machen das Präsent einfach nur

hübsch. Das gilt für Nahrungsmittelunternehmen,

Direktvermarkter und Nebenerwerbler

ebenso wie für Geschenkartikelanbieter und

private Verbraucher. Peter Kulmer erkannte

den Bedarf dieses breiten Nutzerkreises aus

dem B2B- und dem B2C-Segment. 2003 begann

er damit, für dieses „Nischensegment“

ein Angebot flexibler, individualisierbarer Verpackungslösungen

aufzulegen. Heute hält

sein Unternehmen, die Etivera Verpackungstechnik

GmbH mit Sitz St. Margarethen/Raab,

Oststeiermark, mehr als 1.500 verschiedene

Verpackungslösungen aus Glas, Metall, Papier,

Karton oder Holz vorrätig und zählt zu

Österreichs führenden Anbietern innovativer

Lebensmittelverpackungen und Etiketten.

Effiziente Prozesse für Just-in-time Lieferung

Mehrere tausend Kunden aus ganz Europa

bestellen ihre Produkt- und Geschenkhüllen

inzwischen bei Etivera. Eine Erfolgsgeschichte.

Allein: Mit dem rasanten Wachstum durch

die kontinuierliche Nachfrage konnten Pro-


duktion und Lager am Firmensitz nicht mehr

Schritt halten. Ein weiterer Ausbau war auf

der Fläche des Standortes allerdings nicht

möglich. 2016 begann Unternehmensgründer

und Geschäftsführer Peter Kulmer die Suche

nach einer geeigneten Standortalternative,

die einerseits die Realisierung modernster Produktions-

und Warehousing-Prozesse, andererseits

ausreichend Fläche für Erweiterungsoptionen

bei künftigem Wachstum bot. Mit

Unterstützung seiner Heimatgemeinde konnte

nur 400 Meter vom Stammsitz entfernt ein

Areal erschlossen werden, das die Voraussetzungen

erfüllte.

Im Juli 2017 begann die erste Baustufe, im

August 2018 ging das neue HighTech-Center

von Etivera in Betrieb. Auf 700 m² informiert

ein Showroom die Besucher und Kunden

über das Produktspektrum des Lösungsanbieters.

Angebunden sind eine High-End-Etiketten-

und Verpackungsdruckerei und ein automatisches

Fulfillment-Logistik-Center. Den

Auftrag für Konzeption und Ausstattung des

auf weiteres Wachstum ausgelegten Distributionszentrums

erhielt, nach einer Ausschreibung,

SSI Schäfer als Generalunternehmer.

Neben aussagekräftigen Referenzen sowie

der bewährten Produkt- und Lösungsqualität

überzeugte SSI Schäfer mit einem Materialfluss-

und Ausstattungskonzept, das „eine

Vielzahl projektspezifischer Anforderungen

erfüllt“, erläutert Jörg Kappel, Projektleiter

SSI Schäfer. „Bei der Lösung ging es zunächst

weniger um hohe Durchsatzleistung als um

Kapazitätssteigerung, die eine große Menge

verschiedener Produkte im direkten Zugriff verfügbar

macht. Gleichwohl müssen – von Großaufträgen

bis zu Kleinstmengen – schlanke

Intralogistikprozesse und eine effiziente Prozesssteuerung

die Just-in-Time-Versorgung

der Kunden sicherstellen. Daraus ergeben

sich ein kompakter Materialfluss und ein Anlagenlayout,

das sich bei weiterem Bedarf mühelos

erweitern lässt. Und schließlich war eine

Anlage gefordert, die die Aspekte von Nachhaltigkeit

und Energieeffizienz erfüllt.“

Einsatz von 2 RGBs des Typ Exyz im 170m

langen und 30m hohen Hochregallager

Ergänzend wurde die Anlage mit einer Stahlbühne

ausgestattet, die eine Fläche von ca.

150 m² umfasst. Hier werden Kartons automatisch

aufgerichtet und der von SSI Schäfer

entwickelten Entpackstation zugeführt, worin

die vollen Glaspaletten, halbautomatisch in

Kartons vereinzelt werden und auf zwei ca. 20

m langen Staustrecken für den weiteren Ablauf

gepuffert werden.

Des Weiteren konnte SSI Schäfer als Gesamtanbieter

den Verwaltungstrakt sowohl mit

Fachbodenregale für Archiv und Kleinteile

als auch die Sozialräume mit Spinden ausstatten.

Pro Tag werden gegenwärtig rund 200

Paletten im Wareneingang des neuen Distributionszentrums

von Etivera erfasst und in

die automatisierten Warenflüsse eingespeist.

Dazu hat SSI Schäfer direkt hinter den Wareneingangstoren

zwei staplerbediente Palettenaufgabestationen

mit jeweils drei Rollenhubtischen

und automatischer Palettenkontrolle

eingerichtet.


LOGISTIK express 2/2019 | S38

sind die Aufgabestationen mit einem Leerpalettenpuffer

ausgestattet. Per Wahlschalter

initiieren die Staplerfahrer bei Bedarf die

Bereitstellung der Unterpalette, setzen die folierte

Wareneingangspalette darauf ab und

starten die Automationsprozesse. Eine weitere

manuelle Aufgabestation als auch Abgabestation

ist für die direkte Versorgung des Kommissionier-

und Packbereichs eingerichtet.

Kundenindividuelle Lösung mit größter

Effizienz

Die Aufgabestationen im Wareneingang bieten

eine kurze Staustrecke von bis zu 3 Paletten.

Dabei ist die gesamte Fördertechnik

sowohl auf das Handling von Euro- als auch

den größeren Industriepaletten ausgelegt.

Von der Staustrecke werden die Paletten an

einen Querverschiebewagen übergeben. Er

ist eines von zwei zentralen Verbindungselementen

für den kompakten Materialfluss im

Etivera-Distributionszentrum. Über ihn werden

die Wareneingangspaletten an einen I-Punkt

für Kommissionier- und Packbereich oder an

einen Fördertechnikloop übergeben.

Einlagerung der Palette

mit Hilfe des RBGs

.

Besonderheit: Mehrere Produzenten insbesondere

von Glaswaren liefern folierte Paletten

an. „Die Folien unterstützen die Stabilität

der Paletten auch auf der Fördertechnik“,

sagt Kappel. „Vielfach umschließen sie allerdings

auch die Paletten, was Sensorik und

Mechanik der automatisierten Transporte beeinträchtigen

kann.“ Daher werden die foliert

angelieferten Paletten an den Aufgabestationen

auf eine Unterpalette gesetzt, um eine

störungsfreie Transportfähigkeit der Paletten

auf der Fördertechnik sicherzustellen. Dazu

Zudem bedient er 3 Schwerkraftrollenbahnen,

auf denen die Warenausgangspaletten

für die Lkw-Verladung als auch Nachschub in

die manuellen Regale mittels Stapler bereitgestellt

werden. Im manuellen Teil das Lagers,

das rund 5800 Lagerplätze bzw. Kommissionierplätze

umfasst, wird ein vordefinierter

Lagerbestand für die Kommissionierplätze

bereitgehalten, um einen Palettenwechsel

schnellstmöglich zu ermöglichen. Bei der Inbetriebnahme

und Produktivbegleitung, war

die größte Herausforderung, Direktabholer

schnellstmöglich bedienen zu können.

Dies wurde mit der WAMAS Software so parametriert,

dass bei Eintreffen eines Direktabholerauftrags

im WAMAS, dieser mit hoher Priorität

an den nächsten freien Kommissionierer

zur Bearbeitung zugeteilt wurde. Im Selbstversuch

hat dies hervorragend auch bei einer

Kleinmenge funktioniert, und die beauftragten

Artikel wurden binnen 7 Minuten mit einem

Lächeln im Gesicht des Lagermitarbeiters

übergeben, sagt Kappel. Die Flexibilität

und Anpassungsmöglichkeiten der WAMAS


Software können in einem System sowohl

Funktionen im Hochregal, als auch Transportaufträge

mittels Stapler und manuelle Kommissionierung

steuern und auch koordinieren.

Gesteigerte Prozesseffizienz durch automatisches

Hochregallager

Paletten für den Kommissionier- und Packbereich,

in dem Etivera Veredelungsprozesse

wie etwa die Kartonierung von Flaschen

für Abfüllbetriebe übernimmt, werden von

dem Verschiebewagen auf einen kurzen

Förderstich ausgeschleust und an dessen Abnahmeplatz

von Hochhubwagen abgenommen.

Parallel werden dort kommissionierte

Auftragspaletten in die automatisierten Materialflüsse

eingespeist.

Die Wareneingangspaletten zur Bestandslagerung

übergibt der Verschiebewagen an

den Fördertechnikloop. Über ihn laufen alle

Materialflüsse, in die das Herzstück des neuen

Distributionszentrums, das vollautomatisierte

Hochregallager (HRL), eingebunden ist. In

2 Gassen hält der mehr als 30 m hohe, 16m

breite und nahezu 170m lange Lagerkomplex

auf einer Grundfläche von 2.500 m2 rund

13.400 Stellplätze für doppeltiefe Lagerung

von Europaletten vor. Zwei moderne, energieeffiziente

Exyz-Regalbediengeräte (RBG)

von SSI Schäfer sorgen darin mit dynamischen

Ein- und Auslagerungsprozessen für direkten

Zugriff auf das gelagerte Artikelspektrum.

„Mit der Entscheidung für ein automatisiertes

HRL hat Etivera die Prozesseffizienz gesteigert

und enormen Flächenbedarf eingespart“,

erläutert SSI-Projektleiter Kappel. „Bei einem

herkömmlichen, staplerbedienten Lager mit

dieser Kapazität und Betriebsleistung hätten

etwa 10.000 m2 versiegelt werden müssen.“

Für eine harmonische Einbindung des HRL in

die oststeirische Hügellandschaft sorgt überdies

die spektakuläre künstlerische Fassadengestaltung

des Komplexes.

Verschiebewagen –

Querverschiebewagen

für mehrere

Einsatzbereiche

Lagerverwaltung und

koordinierte Anlagenund

Prozesssteuerung

durch WAMAS


LOGISTIK express 2/2019 | S40

Für die Versandbereitstellung werden die

Warenausgangspaletten aus dem HRL oder

direkt aus dem Kommissionier- und Packbereich

über Loop und Querverschiebewagen

auf die drei Versandbahnen ausgeschleust.

Beide Elemente würden bei Bedarf eine in die

Prozesse integrierte, sequenzierte Bereitstellung

ermöglichen. Diese Option nutzt Etivera

gegenwärtig allerdings noch nicht und nutzt

diese Bahnen hauptsächlich für die Nachbestückung

der manuellen Regale in der Kommissionierzone

Der Querverschiebewagen

bedient die 3 Schwerkraft-Palettenrollenbahnen

an den Warenausgangstoren gleichwohl

nach spezifischen Verlademuster der jeweiligen

Destination. Jeweils 12 Paletten fasst

eine Bahn. Die 3 Bahnen insgesamt decken

eine Lkw-Ladung oder bieten die Möglichkeit,

parallel 3 Touren vorzulagern beziehungsweise

bereitzustellen. Die Paletten werden mit

Elektro-Deichselhubgeräten von der Entnahmestelle

abgenommen und verladen. Unterpaletten

verbleiben im Distributionszentrum,

werden manuell von den Warenausgangsstichen

abgenommen, gestapelt und via Fördertechnik

in das Hochregal eingelagert und

anschließend an die Palettenmagazine im

Wareneingangsbereich verbracht.

Manuelle Lager- und

Kommissionierregale

ermöglichen schnellstmöglichen

Palettenwechsel

Neuerlicher Erweiterung steht nichts im Wege

Generell hat SSI Schäfer durch das bidirektionale

Materialflusskonzept mit Querverschiebewagen

und Fördertechnikloop als zentrale

Fördertechnikkomponenten für Etivera eine

gleichermaßen kompakte wie effiziente Anlagenautomatisierung

realisiert. Insgesamt

wurden nicht mehr als 250 m Palettenfördertechnik

installiert. „Grundsätzlich wurde das

Anlagenlayout dabei so angepasst, dass perspektivische

Ausbaustufen bereits eingeplant

sind, der Warenfluss in der Vorzone jedoch

nicht massiv verändert werden muss“, unterstreicht

Kappel. Tatsächlich hat Etivera am

neuen Unternehmensstandort gegenwärtig

lediglich ein Drittel der verfügbaren Fläche

ausgebaut. Für das HRL sind zwei potenzielle

Ausbaustufen um 12.500 und 11.500 Stellplätze

in den Planungen berücksichtigt.

Wenn eine Palette zur Verladung von der

Rollenbahn abgenommen ist, wird automatisch

die nächste Auslagerung aus dem HRL

angestoßen. Für die Lagerverwaltung sowie

die koordinierte Anlagen- und Prozessteuerung

sorgt das Warehouse Management

System WAMAS von SSI Schäfer. Es kommuniziert

direkt mit der Steuerungstechnik der

automatisierten Anlagenkomponenten – und

ermöglicht, bei Bedarf, auch eine sequenzierte

Reihenfolgesteuerung bei den Auslagerungen.

Pro Tag können im neuen Distributionszentrum

von Etivera auf diese Weise gegenwärtig rund

20.000 Paletten vollautomatisch gesteuert

und 500 Aufträge pro Tag abgewickelt werden.

Durchschnittlich verlassen 5 Lkw mit Auftragsposten

auf etwa 150 Paletten das Fulfillment-Logistik-Center

in St. Margarethen. „Mit

dem realisierten Materialfluss- und Ausstattungskonzept

ist die Intralogistik in St. Margarethen

exakt auf die aktuellen Anforderungen

bei der Auftragsfertigung zur Just-in-Time-Belieferung

des B2B- wie des B2C-Segments

zugeschnitten und bietet zugleich maximale

Flexibilität bei künftigem Wachstum von Etivera“,

resümiert SSI-Projektleiter Kappel. „Damit

hat SSI Schäfer in einem anspruchsvollen

Projekt die Erwartungen eines in seiner Branche

führenden und prosperierenden Kunden

erfüllt – und einmal mehr die Kompetenz für

intelligente Intralogistiklösungen aus einer

Hand untermauert. Ein rundum gelungenes,

repräsentatives Projekt.“ (RED)


LOGISTIK express 2/2019 | S42

Auswirkungen des Brexits auf Irland

In der irischen Wirtschaft, insbesondere im Agrarsektor, geht seit zwei Jahren die

Angst um. Es wird mit massiven Verwerfungen im Außenhandel gerechnet, ganz

egal, ob es ein weicher oder harter Brexit wird.

BEITRAG: ARNE MIELKEN

ARNE MIELKEN

GLOBAL KNOWLEDGE

AMBER ROAD

Es gibt wohl kein Land in der EU, welches

wirtschaftlich so eng mit Großbritannien

(GB) verflochten ist, wie

die Republik Irland. 15 Prozent der

irischen Ausfuhren gehen auf die Nachbarinsel.

Der Anteil britischer Waren an der Einfuhr

ist noch höher. So werden beispielsweise

einzelne Warengruppen wie Brot/Getreideprodukte

oder Mineralwässer/Softdrinks/Säfte

zu Zweidrittel aus dem Vereinigten Königreich

(VK) importiert.

Laut Schätzungen des irischen ESRI (Economic

& Social Research Institute) kommen 38

Prozent der Milch, Käse und Eier aus GB. Bei

Fleisch liegt der Anteil bei 24 Prozent, bei verarbeiteten

Nahrungsmitteln bei 44 Prozent.

Im Fall eines harten Brexits und WTO-Zöllen

würden sich diese Importe massiv verteuern.

Für Brot/Getreideprodukte liegen die WTO-

Zölle bei 52 Prozent, für Milch, Käse und Eier

bei 122 Prozent, bei Fleisch bei 100 Prozent

und bei Getränken bei 40 Prozent etc.

Substitution ist angesagt

Irische Unternehmen haben sich bei der Substitution

britischer Lieferanten bis jetzt noch sehr

zurückgehalten. Das AußenwirtschaftsCenter

in Dublin erwartet aber spätestens ab Sommer

verstärkte Aktivitäten. Auch im Transportwesen

müssen neue Wege gesucht werden.

Die Haupttransportrouten zwischen Irland

und dem europäischen Kontinent führen

über die britischen Inseln. Laut der Irish Road

Haulage Association (IRHA) fahren rund 2.000

irische Transportunternehmen regelmäßig ins

VK oder durchqueren die Insel auf dem Weg

zum europäischen Festland. Das Transportgewerbe

befürchtet, dass die Lkw im Falle der

Einführung von strengen Grenzkontrollen von

und nach GB mit erheblichen Wartezeiten

und Kunden damit auch mit Transportverzögerungen

rechnen müssen.

Als Alternative zum VK-Transit kommen nur direkte

Fähren zwischen Irland und Frankreich,

Belgien oder den Niederlanden in Betracht.

Von der Küste bis Österreich ist es dann aber

noch weit. Es ist auch fraglich, ob genug Kapazitäten

zur Verfügung stehen, insbesondere

in den Sommermonaten, wenn Touristen

nach Irland strömen.

Anfang des Jahres haben sich einige irische

Parlamentarier studienhalber die Grenzabfertigung

am Dreiländereck Deutschland/Frankreich/Schweiz

angeschaut, wo sich freitags

und montags respektive vor/nach Feiertagen

die Lkw regelmäßig kilometerweit stauen. Der

Eindruck war ernüchternd. Eine innerirische

Grenze ohne sichtbare Kontrollen nach dem

Brexit ist wohl eine Illusion.

Traditionsreicher Handel Deutschland-Irland

Irland verdankt seinen Wohlstand in den

letzten Jahrzehnten vor allem Tochterfirmen

multinationaler Konzerne, die durch eine niedrige

Körperschaftssteuer angelockt wurden/

werden. Die Industrie, insbesondere in den

Segmenten Pharma, Medtech und Biotech,

Nahrungsmittel und Getränke, produziert

vor allem für den Weltmarkt. Irland verfügt

nur über wenige Rohstoffe. Das Image einer

naturnahen Landwirtschaft macht Lebensmittel

aber zum Exportschlager.

Der irische Markt mit nur 4,8 Mio. Einwohner,

davon 1,8 Mio. im Großraum Dublin, ist relativ

klein. Das irische BIP pro Kopf liegt aber weit

über dem EU-Schnitt. Irische Händler/Abnehmer

suchen meist einen direkten Kontakt zu

Lieferanten. Es ist jedoch eine Marktbearbeitung

durch einen lokalen Vertreter/Importeur,

der vor Ort den Vertrieb, die laufende Betreuung

der Kunden, ggfs. eine technische Beratung

und Wartung übernimmt, zu empfehlen.

Häufig wird von irischen Vertretungen auch


der nordirische Markt mit betreut, was nach

dem Brexit schwierig werden könnte. In manchen,

wenig beratungsintensiven Wirtschaftszweigen

ist auch ein Direktvertrieb in Irland

möglich. So importieren manche Supermarktketten

direkt.

Einige deutsche Unternehmen lassen Irland

durch Vertriebspartner im VK bearbeiten.

Dies funktioniert nicht immer zufriedenstellend.

Bei vielen irischen Firmen bestehen Vorbehalte,

dass sie so mehr bezahlen oder die

britischen Zwischenhändler sie vernachlässigen

könnten. Ein Vertrieb über einen GB Partner

kann jedoch sehr erfolgreich sein, wenn

dieser über eine eigene Vertriebsorganisation

in Irland verfügt. Nach dem Brexit wird man

hier wohl neue Lösungen suchen müssen.

Das Internet ist in Irland im internationalen

Vergleich sehr verbreitet und wird auch für

Geschäftszwecke stark genutzt. 88 Prozent

der irischen Konsumenten recherchieren vor

Kaufentscheidungen im Internet (EU-Durchschnitt:

79 Prozent) und 32 Prozent der irischen

KMU sind schon im Onlinehandel aktiv (EU: 26

Prozent).

Einfache Importbestimmungen

Irland ist seit 1973 Mitglied der EU und ist Teil des

Euro-Zone. Seit Vollendung des Europäischen

Binnenmarkts 1993 entfällt im innergemeinschaftlichen

Warenverkehr die Aus- und Einfuhrabfertigung

durch die nationalen Zollverwaltungen.

Für Waren aus Nicht-EU-Ländern

kommen die Zollsätze gemäß dem gemeinschaftlichen

Zolltarif der EU zur Anwendung.

Neben der Mehrwertsteuer werden Verbrauchssteuern

(Excise Duties) auf alkoholische

Getränke, Tabakwaren, Kraftfahrzeuge

und Mineralölprodukte erhoben. Diese sind

relativ hoch.

In Irland gilt - wie auch in GB - Common Law

und Case Law. Bei Vertragsabschlüssen ist

es daher empfehlenswert, einen Rechtsanwalt

einzuschalten. Die Durchsetzung von

Rechtsansprüchen ist zeitraubend und kostspielig

und gestaltet sich meist schwierig,

da das Verfahrensrecht oft den Beklagten

begünstigt. Zu beachten ist außerdem, dass

die obsiegende Partei grundsätzlich nur den

Ersatz der Verfahrenskosten zugesprochen

bekommt, d.h. jener Kosten, die für die Führung

des Prozesses unvermeidlich waren. Die

reinen Beratungsgebühren sind grundsätzlich

von jeder Partei selbst zu tragen.

Fazit

Der Brexit bietet Außenhandelsunternehmen

in Österreich und Deutschland gute Chancen,

englische Lieferanten oder Abnehmer

im kleinen, aber feinen irischen Markt zu ersetzen.

Allerdings schmälern lange und teure

Transportwege den Erlös. Im Handel mit Irland

gelten die Regeln und Gesetze des innergemeinschaftlichen

Handels. Da Irland auch Teil

der Euro-Zone ist wird in Euro fakturiert. (AM)


LOGISTIK express 2/2019 | S44

Die EU im Handelsstreit - Tipps zum

Umgang mit Strafzöllen

Weltweit nehmen Handelsstreitigkeiten und protektionistische Tendenzen zu.

Außenhandelsunternehmen müssen schnell auf Zusatzzölle, nicht-tarifäre

Handelshemmnisse und neue Sanktionen in Lieferländern und Absatzmärkten

regieren. Digitalisierung und Transparenz mildern Negativeffekte.

BEITRAG: ARNE MIELKEN

Die schlechten Nachrichten kommen

Schlag auf Schlag: Erst verhängten

die USA Strafzölle auf

rund 1300 chinesische Industrie-,

Medizin, Hightech- und Transportprodukte,

dann erhöhte China die Zollabgaben auf

diverse US-Importe. Es folgten Androhungen

von Strafzöllen auf Importe aus Mexiko in die

USA. Damit schließt sich der Umweg über Mexiko,

um deutsche Waren zollfrei in die USA

einzuführen. Die Zölle auf China-Exporte treffen

Hunderte von EU-Firmen, die aus Produktionsstätten

in China den US-Markt beliefern

oder Teile, die in China produziert werden, in

Produkte für Exporte in die USA einbauen.

Produktionswerken sowie Absatzmärkte. Wie

können oder sollten Unternehmen reagieren,

um die finanziellen Schäden möglichst gering

zu halten? Dabei geht es nicht nur um Verzollungskosten,

sondern auch um sinkende

Absatzmengen auf Grund der wachsenden

Unsicherheit im bilateralen wie auch im Welthandel.

Transparenz

Es ist empfehlenswert, mit einer sorgfältigen

Evaluierung des Supply Chain-Ökosystems

und der Import- und Exportprozesse des Unternehmens

zu beginnen. Dabei sollten folgende

Fragen beantwortet werden:

Die USA drohen aber auch mit Strafzöllen auf

EU-Importe. Am 1. Juni 2018 wurden bereits

Sonderabgaben für Stahl und Aluminium eingeführt.

Die EU ihrerseits erhebt ab 22. Juni

2019 Extrazölle auf US-Produkte wie Whiskey,

Erdnussbutter, Motorräder, Jeans und Tabakwaren.

Der Streit über illegale Subventionen

für Airbus, Boeing etc. sowie Schwarzlisten unerwünschter

Firmen wie Huawei, Fedex usw.

befeuern weitere Strafmaßnahmen.

Der Brexit wird zusätzliche Veränderungen in

der Zolllandschaft bringen, genauso wie verschärfte

Sanktionen gegen Nordkorea, Venezuela,

den Iran und Russland. Die Spirale von

Strafzöllen, Gegenmaßnahmen und neuen

Sanktionslisten dreht sich so fast im Monatstakt

ständig weiter. Dazu kommt der drohende

Verlust von Präferenzbehandlung in den

USA für Waren beispielsweise aus Indien.

• Welche Länder sind für meine Im- und

Exporte relevant?

• Welche Länder sind für meine Lieferanten

als Lieferquellen relevant (2. Und 3. Ebene)?

Welche gesetzlichen Vorgaben und Zölle betreffen

diese Warenflüsse, direkt und indirekt?

Was sind die Ursprungseigenschaft von Zulieferteilen

und Herstellungserzeugnissen?

Habe ich einen Gesamtüberblick über die Ursprungskalkulationen?

Verfüge ich über eine korrekte Produktklassifizierung

aller Vorprodukte und des Exportprodukts,

eine Zuordnung der Exportkontroll- und

Zolltarif-Nummern? Nutze ich irgendwelche

Freihandelsabkommen? Verändern sich die

Präferenzkalkulationen eventuell durch die

neuen Schutzzölle in Lieferländern oder Absatzmärkten?

Die Kollateralschäden im deutschen Außenhandel

sind enorm. Betroffen sind Lieferquellen

bis auf die zweite und dritte Ebene,

firmeninterne Lieferungen aus ausländischen

Die notwendige Transparenz in der Beschaffung,

wie auch im Absatz zu erreichen,

ist, insbesondere für KMU, eine große

Herausforderung. Die Komplexität lässt sich


ei der Beschaffung, im Vorfeld von

geplanten Strategieänderungen, die

Auswirkungen auf die Ursprungskalkulationen

beim Import und auf die Herstellungsprozesse

sowie ggfs. den Export in

die diversen Exportmärkte zu überprüfen.

Die Erfassung aller Daten in einem System

ermöglicht zudem eine schnelle

Auswertung aller Informationen (AI =

Intelligent Analytics) für eine zeitnahe

Kostenkontrolle und weitere Optimierungen.

Innovative Cloud-basierte

Global Trade Management (GTM)-Lösungen

schaffen Transparenz in Supply

Chains. Mit ihnen können Firmen

sämtliche Supply-Chain-Prozesse im

grenzüberschreitenden Handel automatisieren

– von der Beschaffung und

Produktentwicklung über die Logistik

und Zollabwicklung bis zur Distribution.

häufig nur mit Softwarelösungen, gekoppelt

mit einer aktuellen Datenbank,

und einer entsprechenden Schulung

der Mitarbeiter in den Griff bekommen.

Die Veränderungen im Welthandel

(Zolltarife, Gesetze, Währungskurse

usw.) und im eigenen Unternehmen,

die Einfluss auf strategische Entscheidungen

haben könnten, sollten stets

im Auge behalten werden. Hierfür muss

abgeklärt werden:

• Wer übernimmt und dokumentiert

das Monitoring?

• Wer veranlasst welche Maßnahmen

wann (Event-Management)?

• Wer kontrolliert die Umsetzung?

Digitalisierung

Bei den vorherrschenden volatilen

Rahmenbedingungen im Außenhandel

ist es wichtig, bei Veränderungen

jeweils schnell einen Überblick über

möglicherweise betroffene Lieferteile

oder Exportprodukte zu gewinnen.

Eine automatisierte Datenanalyse

sollte die finanziellen Auswirkungen

der Veränderungen bei Zolltarifen,

aber auch Absatzmengen und Absatzprognosen

zeitnah aufzeigen.

So kann das Unternehmen entscheiden,

ob es Lieferanten wechseln,

Herstellungsprozesse und/oder Transportrouten

ändern, Exporte umleiten

oder vor Zollerhöhungen und bei sinkendem

Absatz, Zwischenläger in den

betroffenen Absatzmärkten anlegen,

oder die Handelsbeziehungen mit von

den USA sanktionierten Ländern oder

Personen ganz einstellen möchte.

Es ist empfehlenswert, insbesondere

Nur eine weitgehende Digitalisierung

des Supply Chain Managements

versetzt Unternehmen in die Lage,

dynamisch zu planen und schnell

Veränderungen umzusetzen, um wettbewerbsfähig

zu bleiben. Die Automatisierung

von Prozessen von der

Exportverzollung, übers Compliance-,

Lager- und Transportmanagement bis

zur Importverzollung, einschließlich Absatzprognosen

und Supply Chain Finance,

reduziert Komplexität, verhindert

Fehler, reduziert Kosten und erhöht die

Profitabilität.

Zusammenarbeit

Die schnellen und zunehmenden Veränderungen

im Unternehmensumfeld

verlangen eine höhere Flexibilität und

Agilität. Falls ein Lieferantenwechsel auf

Grund einer Zollerhöhung notwendig

war, möchte man nach Abschaffung

der Schutzzölle eventuell wieder zum

Originallieferanten zurückkehren. Eine

Supply-Chain-Plattform- oder -Netzwerklösung

versetzt ein Unternehmen in

die Lage, sich zeitnah und kosteneffizient

mit neuen oder alten Firmen digital

und nahtlos zu vernetzen. Eine IT-gestützte,

unternehmensübergreifende

Zusammenarbeit birgt unumstritten hohes

Rationalisierungspotenzial und hilft

allen Beteiligten dieses Potenzial in der

Praxis auch zu heben.

Fazit: Europas Wirtschaft kann nur erfolgreich

mit einem freien Warenverkehr

und möglichst geringen Zöllen

bleiben. Doch die Entwicklung geht in

die entgegengesetzte Richtung. Außenhandelsunternehmen

müssen sich

darauf einstellen. Bei der Androhung

von Strafzöllen müssen Firmen schnell

reagieren können. Jedes Unternehmen,

das über Produktionsstätten im

Ausland (z.B. in China, den USA oder

Mexiko) verfügt oder Komponenten zur

Weiterverarbeitung zwischen mehreren

Ländern transportiert, kann möglicherweise

betroffen sein.

In der Textil- und Hightech-Branche,

aber auch in anderen Industriezweigen

mit komplexen globalen Lieferketten

erstreckt sich die Wertschöpfung vom

Rohstoff bis zum Fertigprodukt häufig

auf bis zu zehn Länder. In der Halbleiterindustrie

haben einige Endprodukte

– abstrakt gesprochen – bereits vier

Mal die Welt umflogen, bevor sie zum

Endabnehmer versandt werden. Basis

für fundierte, schnelle Entscheidungen

sind Digitalisierung und Transparenz.

Das eine ist ohne das andere nicht

möglich. Um die Auswirkungen von

Zusatzzöllen und anderen Handelsbeschränkungen,

aber auch daraus

folgenden Absatzeinbrüchen zeitnah

auf die eigenen Exporte einschätzen

zu können, braucht es transparente

Wertschöpfungsprozesse, KI und

IT-Kompetenz. Moderne Plattformtechnologie

ermöglicht eine schnelle

Einbindung neuer Lieferanten und

Kunden in Suppy-Chain-Ökosysteme.

(AM)


LOGISTIK express 2/2019 | S46

Aussichtsreiche Exportmärkte auf

dem indischen Subkontinent

Bangladesch, Indien und Sri Lanka bieten gute Absatzchancen für die deutsche

Maschinenbau-, elektrotechnische und chemische Industrie. Infrastrukturmängel,

Bürokratie und Korruption bremsen jedoch die dynamische Entwicklung des

Außenhandels mit diesen Ländern. BEITRAG: ARNE MIELKEN

ARNE MIELKEN

GLOBAL KNOWLEDGE

AMBER ROAD

Der indische Subkontinent hat sich

in den letzten Jahren sehr dynamisch

entwickelt – trotz politischer

und sozialer Unruhen, politisch und

religiös motivierter Terroranschläge sowie

immer wieder aufflammenden Kämpfen zwischen

Indien und Pakistan. Die Wirtschaft dieser

Länder profitiert von kostengetriebenen

Produktionsverlagerungen, dem steigenden

Lohnniveau in der VR China sowie den

Spannungen zwischen den USA und China.

Der Mittelstand und die Nachfrage nach

Qualitätsprodukten wachsen.

Gigant Indien

Rund 1,2 Milliarden Menschen leben in Indien.

Davon werden je nach Bemessungsgrenze

10 – 30% dem Mittelstand zugerechnet. Dies

ist ein riesiger Markt, aber mit großen Herausforderungen.

Dazu gehören das komplexe

indische Zoll-, Steuer- und Rechtswesen, eine

Vielzahl nichttarifärer Handelshemmnisse,

einschließlich komplizierter Kennzeichnungspflichten,

Patentrechtsprobleme, die ausufernde

Bürokratie und die Korruption sowie

eine zum größten Teil marode, überlastete

Verkehrsinfrastruktur.

Der Zolltarif (Customs Tariff Act 1975) basiert

grundsätzlich auf der Brüsseler Nomenklatur

(Harmonisiertes System), unterscheidet sich

aber in manchen Bereichen. Sowohl die

Zentralregierung als auch die Regierungen

der Bundesstaaten verfügen über Steuerhoheit

und je nach Bundesstaat gibt es unterschiedliche

Regelungen und Steuersätze.

Mit Einführung eines landesweiten Umsatzsteuersystems

(Goods and Services Tax, GST)

im Juli 2017 wurde eine Harmonisierung angestrebt.

Diese ist aber aufgrund der Vielzahl

der Steuersätze und der komplexen Verfahrensstruktur

nur partiell gelungen.

Seit 2007 verhandelt die EU mit Indien über ein

Freihandelsabkommen, um den Warenaustausch

zu vereinfachen. Bis heute zeichnet

sich kein konkretes Ergebnis ab. Seit 2008 gibt

es jedoch mehrere Verträge zur wirtschaftlichen,

wissenschaftlichen, technologischen

und militärischen Zusammenarbeit zwischen

Deutschland und Indien.

Deutschland ist Indiens wichtigster Handelspartner

innerhalb der EU und sechstwichtigster

Handelspartner im weltweiten Vergleich.

Seit Beginn der indischen Reformpolitik und

Öffnung der indischen Wirtschaft 1991 hat das

bilaterale Handelsvolumen stark zugenommen.

2018 standen deutschen Ausfuhren im

Wert von 10,5 Mrd. Euro Einfuhren aus Indien

im Wert von etwa 8,5 Mrd. Euro gegenüber. Es

besteht eine hohe indische Nachfrage nach

deutschen Investitionsgütern (Maschinen, die

etwa ein Drittel am Gesamtexport nach Indien

ausmachen) sowie Elektrotechnologie,

Metallwaren, Chemie, Automobile und Automobilteile.

Indien exportiert vor allem Textilien

nach Deutschland, gefolgt von chemischen

Erzeugnissen, Elektrotechnologie, Metallwaren,

Leder und Nahrungsmitteln.

Wachstumsmarkt Bangladesch

Neben politischen und sozialen Unruhen

gefährden vor allem Wetterereignisse Supply

Chains von/nach Bangladesch. Die rund

163 Millionen Einwohner leben in einem Gebiet,

das von circa 400 Flüssen durchzogen ist

und zu dem eines der größten Flussdeltas der

Welt gehört. Jährliche Überschwemmungen


und Infrastrukturmängel erschweren just-intime

Lieferungen und belasten die Wirtschaft.

Diese ist zwar in den letzten Jahren dynamisch

mit jeweils über 7 % gewachsen, das Land

zählt jedoch mit einem Pro-Kopf-Einkommen

von USD 4,176 immer noch zu einem der am

wenigsten entwickelten Länder der Welt.

Rund die Hälfte der Bevölkerung lebt von der

Landwirtschaft. Wichtigster Exportzweig ist die

Bekleidungsindustrie mit einem sehr niedrigen

Lohnniveau. Trotzdem wächst auch in Bangladesch

ein gut ausgebildeter Mittelstand mit

steigender Kaufkraft heran.

Deutschland ist der zweitgrößte Exportmarkt

für Bangladesch nach den USA. Das bilaterale

Handelsvolumen steigt kontinuierlich

und erreichte 2017 6,08 Milliarden Euro. Dabei

exportierte Bangladesch Waren im Wert von

rund 5,4 Milliarden Euro nach Deutschland.

Der Import belief sich auf magere 0,7 Milliarden

Euro. Deutsche Exporte bestehen

hauptsächlich aus Maschinen (55 %) sowie

chemischen (20 %) und elektrotechnischen

Erzeugnissen (9 %). Deutsche Reeder lassen

außerdem seit einigen Jahren Schiffe in Bangladesch

bauen.


LOGISTIK express 2/2019 | S48

Kleines Sri Lanka

Nach dem Ende des von 1983 bis 2009 dauernden,

blutigen Bürgerkriegs befindet sich Sri

Lanka wieder im Aufschwung. Die Terroranschläge

im April werden diesen jedoch wieder

empfindlich bremsen. Das Land kann mit

seiner Lage an der maritimen Seidenstrasse,

einer hohen Alphabetisierung (91%) und niedrigen

Löhnen punkten. Negativ wirken sich

allerdings die sozialistisch geprägte Arbeitsgesetzgebung

und unklare bürokratische

Entscheidungsabläufe aus. Mit einem pro

Kopf Einkommen von 4,065 USD zählt Sri Lanka

mit seinen 21 Mio. Einwohnern zu den ärmsten

Ländern der Welt.

Deutschland ist der zweitwichtigste Investor

aus der EU in Sri Lanka. Zahlreiche Unternehmen,

vor allem aus der Textilbranche,

haben sich hier angesiedelt. Der Handel mit

dem Inselstaat bewegt sich allerdings auf niedrigem

Niveau. 2018 exportierte Deutschland

Waren im Wert von 351 Mio. Euro nach Sri

Lanka und importierte im Gegenzug Waren

im Wert von 701 Mio. Euro. Deutschland

ist damit der drittwichtigste Absatzmarkt

für Sri Lanka. Neben Bekleidung werden

Gummi- und Kunststoffwaren, Nahrungsmittel

und Futtermittel sowie Erzeugnisse der

Landwirtschaft und Fischerei exportiert. Die

wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Sri

Lanka sind Fahrzeuge, Maschinen, chemische

Erzeugnisse, Datenverarbeitungsgeräte,

elektrische und optische Erzeugnisse. Seit den

1950er Jahren wurden diverse Handelsabkommen

zwischen Deutschland und Sri Lanka

abgeschlossen, welche als Grundlage

für die wirtschaftliche Kooperation dienen.

Wichtigster Handelspartner und Investor der

Inselrepublik ist China.

Schritt für Schritt zum Erfolg

Der indische Subkontinent bietet deutschen

Exporteuren interessante Absatzmöglichkeiten.

Die Länder haben in vielen Bereichen

Aufholbedarf, u.a. bei der Energie- und

medizinischen Versorgung, im Umwelt- und

Klimaschutz. Das Marktumfeld ist jedoch

schwierig. Dazu tragen eine ausgeprägte

Bürokratie, Korruption und komplexe regulative

Hürden bei. Es gibt keine Freihandelsabkommen

mit der EU.

Auf dem indischen Subkontinent herrscht

zudem ein anderes Qualitätsverständnis. Im

B2C-Bereich begnügt sich der Kunde gerne

mit mehr Schein als Sein. Gleichzeitig erwartet

er im B2B-Bereich, dass der Lieferant rund um

die Uhr erreichbar ist. Es ist daher empfehlenswert,

einen lokalen Partner zu engagieren.

Facharbeiter sind Mangelware, da ein entsprechendes

Ausbildungssystem fehlt. Eine

Wartung oder Reparatur vor Ort ist so oft eine

große Herausforderung.

Verschiedene Software-Häuser bieten IT-

Lösungen an, die die Abwicklung von Exporten

in die Region wirkungsvoll unterstützen.

Sie helfen bei der Suche nach der

richtigen Zolltarifnummer und Exportkontroll-

Güterlistennummer. Sie informieren, welche

Vorschriften tagesaktuell bei der Ausfuhr respektive

Einfuhr in Bangladesch, Indien oder Sri

Lanka zu beachten sind, welche Dokumente

(Handelsrechnung, Ursprungszeugnisse, Konnossemente,

Inspektionszertifikate, Packlisten,

Zollerklärung) notwendig sind und welche

Handelsabkommen ggfs. genutzt werden

können. Sie dokumentieren Behördenkontakte

und lassen sich in CRM-, ERP- und Logistik-

Systeme integrieren.

Fazit

Ein wachsender Mittelstand mit steigenden,

verfügbaren Einkommen, eine zunehmende

Industrialisierung, mehr Umweltbewusstsein

sowie geplante Infrastrukturinvestitionen in

Indien, Sri Lanka und Bangladesch bieten

deutschen Unternehmen interessante Absatzchancen.

Für den Erfolg in diesen Märkten

braucht es ein pro-aktives Vorgehen,

um eine rechtskonforme, kosteneffiziente

Lieferfähigkeit zu gewährleisten. Reaktives

Risikomanagement reicht nicht aus. Durch

Digitalisierung und Prozessautomatisierung

können die Außenhandelsrisiken und der administrative

Aufwand bei Exporten erheblich

verringert werden. (AM)


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LOGISTIK express 2/2019 | S50

Beschaffung in China: Shenzhen – das

nächste Silicon Valley?

Shenzhen hat sich rasant zur Welthauptstadt der Elektronik entwickelt. Die Megacity

besitzt nicht nur eine exzellente Infrastruktur, sondern auch einen gewaltigen

Pool an Talenten. Sie eignet sich sowohl für die Fertigung eigener Produkte, als

auch für die Beschaffung.

REDAKTION: DIRK RUPPIK

DIRK RUPPIK

FACHJOURNALIST

Es ist nicht besonders neu, eine aufstrebende

High-Tech-Region als Silicon

Valley zu bezeichnen. Das kalifornische

Silicon Valley im südlichen

Teil der San Francisco Bay Area fungierte als

Inkubator für Unternehmen wie Apple, Intel,

Google, AMD, San Disk, Adobe, Symantec,

Yahoo und natürlich Facebook. Es existieren

weltweit viele High-Tech-Standorte,

die aus Marketing- und Identitätsgründen

an das kalifornische Silicon Valley anknüpfen

wollen. Dazu gehören beispielsweise

das indische Bangalore, das israelische Silicon

Wadi in Haifa (Tel Aviv), das brasilianische

Silicon Valley in Campinas oder auch

der deutsche IT-Cluster Rhein-Main-Neckar.

Warum also ist Shenzhen besonders und

tatsächlich prädestiniert als neues Silicon

Valley bezeichnet zu werden? Was rechtfertigt

die Bezeichnung Silicon Valley? Die

Bezeichnung Silicon (deutsch: Silizium) wird

auf die hohe Anzahl von Industriebetrieben

zurückgeführt, die im kalifornischen Silicon

Valley Halbleiter und Computer herstellen.

Heutzutage wird dieser Begriff generell auf

die gesamte Hightech-Branche ausgeweitet.

Am Anfang des Silicon Valleys steht zudem

die Stanford Universität und die Idee der Ansiedlung

von durch Studenten gegründeten

Unternehmen auf angrenzenden ungenützten

Landflächen (Stanford Industrial Park).

Mittlerweile existieren neben der Stanford

Universität eine Vielzahl weiterer Schulen

und Zweigstellen anderer Universitäten. Laut

Stephan Grabmeier, Experte für New York

und Innovation bei Kienbaum, existiert ein

Masterplan mit sechs Erfolgsfaktoren für das

Silicon Valley: vorhandene staatliche Subventionen,

großes Flächenangebot, sehr gute

Infrastruktur, reichlich Venture-Kapital, Ausnahmetalente

sowie ein ausgesprochener

Gründergeist (eine Kultur des Gründens und

Scheiterns).

Warum also Shenzhen?

Die Megacity, die an Hong Kong angrenzt,

hat eine extreme Transformation hinter sich.

In den 80er-Jahren war Shenzhen noch ein

Fischerdorf mit 30 000 Einwohnern, als es von

der chinesischen Regierung (geführt unter

Deng Xiaoping) den Status der ersten Sonderwirtschaftszone

Chinas erhielt und somit

staatlich subventioniert und ebenso ausländischem

Kapital geöffnet wurde. Sie gilt heute

als eine der schnellst wachsenden Städte

der Welt (momentan circa 12,5 Millionen

Einwohner) mit mit dem höchsten Pro-Kopf-

Einkommen in China. Die Megacity besitzt

nicht nur eine exzellente Infrastruktur, sondern

auch einen gewaltigen Pool an Talenten. Der

Hafen von Shenzhen liegt im Hafen-Ranking

des World Shipping Councils mittlerweile auf


Platz 3 mit rund 24 Millionen Tonnen jährlichen

Umschlagsvolumen. Hong Kong liegt

mit knapp 20 Millionen nur noch auf Platz 6.

Shenzhen Baoan International Airport ist der

viertgrößte Flughafen Festlandchinas. Zudem

sind die Verbindungen von und nach Hong

Kong optimal ausgebaut. Güter, die in Shenzhen

hergestellt werden, können einfach und

direkt über den Seehafen und den Flughafen

versendet werden.

Die Qualität der Ausbildung hinkt laut dem

China Education Newspaper noch um einiges

dem Ausbildungsniveau der amerikanischen

Talente in der San Francisco Bay Area

hinterher. Allerdings wurden in den letzten

Jahren einige neue Universitätsstandorte angesiedelt.

Dazu gehören SUSTech, die Chinese

University of Hong Kong (Shenzhen), die

Shenzhen MIS-BIT University, der Sun Yat-Sen

University Shenzhen Campus und das Harbin

Institute of Technology (Shenzhen). In der

ganzen Stadt hat sich eine lebhafte Startup-

Kultur ausgebreitet.

Traumwelt für Gründer und Produktentwickler

Das amerikanische Startup-Magazin Inc.

bezeichnet Shenzhen aufgrund billiger

Bauteile, günstiger Fertigung und Versendung,

billigen Arbeitskräften und Crowdsourcing

als Traumwelt für Gründer und Produktentwickler.

Es ist sehr einfach Prototypen

herstellen zu lassen und direkt danach ein

Crowdfunding beispielsweise via Kickstarter

ins Leben zu rufen.

Laut dem Magazin sind schon Venture

Capital-Geber und sog. Tech-Startup-Accelerators

(Technologie-Startup-Beschleuniger)

aus Kalifornien in Shenzhen präsent. Dazu

gehört HAXLR8R, die sich vor allem auf Robotik,

Internet der Dinge und tragbare Geräte

wie z. B. Fitnessarmbänder und Smartwatches

spezialisieren. Der Accelerator bietet ein

111-Tage-Programm für Startups mit anschließender

Vorstellung in San Francisco an.

Der Hax-Partner Benjamin Joffe bezeichnet

Shenzhen als „Silicon Valley für Hardware“.

Nachdem das Elektronik-Startup Voltera mit


LOGISTIK express 2/2019 | S52

Download. “Shenzhen Map for Makers:

http://www.seeedstudio.com/document/pdf/

Shenzhen%20Map%20for%20Makers.pdf

seinem Leiterplatten-3D-Printer in das HAX-

Programm aufgenommen wurde, zog es

direkt in die chinesische Megacity, um dort

die Kontrolle über den Fertigungsprozess und

die Supply Chain zu übernehmen. Der Mitbegründer

von Voltera bezeichnet Shenzhen als

„Welthauptstadt der Elektronik“. Gemäß dem

Inc. Magazin sollte man aber bei der Ansiedlung

in Shenzhen noch weitere Dinge bedenken.

Dazu gehört die weitgreifende Überwachung

des Internets in China, Ideenklau und

Produktpiraterie, aber auch eine geringe Unternehmenssteuer

von 25 Prozent sowie die

Vielzahl von vorhandenen Teilelieferanten

und Herstellern.

Ideendiebstahl muss eingeplant werden

Der Diebstahl des geistigen Eigentums an

Produktideen ist sehr weit verbreitet und

muss eingeplant werden. Ein strenges Immaterialgüterrecht

und auch der Vollzug

von Gesetzen wie in Amerika oder Europa

existieren nicht. Diebstahl des geistigen Eigentums,

Wirtschaftsspionage und Produktfälschungen

werden vielmehr durch den

Staat, Großunternehmen und Hersteller

ausgeübt. Manchmal, wie z. B. beim Hoverboard,

kopieren die Entwicklungsteams

von chinesischen Herstellern neue Produkte

im Internet und produzieren nahezu identische

Produkte oder die chinesische Partnerfirma

stellt nebenbei Produkte für den

eigenen Verkauf her, die eigentlich für eine

ausländische Firma hergestellt werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die eigenen

Produkte schnell bei Aliexpress oder Alibaba

wiederfinden ist also groß. Laut dem amerikanischen

National Crime Prevention Council

stammen acht Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts

aus der Fälschung von Software,

Konsumgütern und Industrieprodukten.

Beschaffung in Shenzhen

Nichtsdestotrotz eignet sich die Megacity

gut für die Beschaffung von Elektronik- und

IT-Produkten. In Shenzhen werden 90 Prozent

der weltweit erzeugten Elektronikprodukte

hergestellt. Möchte man also Elektronikartikel

beschaffen, kommt man kaum um Shenzhen

herum. Allerdings sind viele Hersteller in der

Stadt nicht ausreichend nach EU-Normen zertifiziert.

Eine Überprüfung ist daher dringend

notwendig. Die Gewinnmargen sind aber

hoch, sodass sich der Aufwand durchaus

lohnt. Die Chancen einen vertrauenswürdigen

Lieferanten zu finden sind weitaus größer,

wenn man schon im Vorfeld einer Chinareise

eine Produkt- und Lieferantenrecherche

durchführt und ersten Kontakt aufnimmt.

Für die Lieferantensuche eignen sich neben

Google auch Alibaba, Aliexpress, DHgate

sowie die Verzeichnisse Global Sources und

Made in China. Um in Shenzhen Produktideen

zu finden, ist der Besuch der Elektronikmärkte

im Huaqiangbei-Gebiet zu empfehlen. Dazu

gehören der SEG Square, Shenzhen SEG Electronic

Market und der Shenzhen New World

Communications Electronics Market. Die Geschäfte

sind gleichzeitig Vertretungen von

Herstellern in Shenzhen. Mit der „Shenzhen

Map for Makers“ (s. Download) lassen sich

einige dieser Geschäfte bzw. Lieferanten

lokalisieren. Sollten Produkte für das Sourcing

in Frage kommen, kann man die einzelnen

Fabriken besuchen und sich die Produktion

zeigen lassen. Da die meisten Händler kein

Englisch sprechen, sollte man einen Übersetzer

anstellen. Eine weitere Möglichkeit

für den Einstieg in das China Sourcing ist die

Zusammenarbeit mit einem vertrauenswürdigen

Sourcing Agenten. (DR)


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LOGISTIK express 2/2019 | S54

Goodbye Hierarchie? Neue Arbeitsformen

lockern alte Strukturen

Als Spezialistin berät Dr. Consuela Utsch seit über 20 Jahren mittelständische

Unternehmen und die Großindustrie bei der Implementierung von

Betriebs- und Projektmanagementprozessen sowie in allen Themenbereichen

der IT-Governance sowie der nachhaltigen Implementierung der

Digitalen Transformation und des damt verbundenen Veränderungsmanagements.

AUTORIN: CONSUELA UTSCH

des digitalen Wandels in Einklang bringen“,

erklärt Dr. Consuela Utsch, Geschäftsführerin

der Acuroc Solutions GmbH sowie AQRO

GmbH und Expertin für Human Resource

Management. „Vor allem die junge Generation

strebt nach neuen Führungsansätzen

mit mehr Teamspirit, die Macht und Verantwortung

breiter verteilen und Mitarbeiter bei

Entscheidungen einbeziehen. Doch auch die

erfahrenen Köpfe müssen mitziehen, damit

verkrustete Strukturen aufbrechen“, so Utsch.

Agiles Management und Digital

Leadership: Zur Beschreibung

von modernen Arbeitswelt-Trends

rund um teambasiertes Arbeiten,

Gruppenverantwortung und Agilität gibt

es viele Bezeichnungen. Was zunächst wie

eine Sammlung von Buzzwords klingt, findet

mittlerweile seine berechtigte Verwendung

in der dynamischen und beschleunigten Arbeitswelt.

Agilität, Scrum und Kanban gehören

zur digitalen Arbeit dazu und besitzen für

viele Unternehmen einen hohen Stellenwert.

„Starre Hierarchien, mit denen ein ausgeprägtes

Kontrollbewusstsein einhergeht, lassen

sich dabei nicht mit den Herausforderungen

Arbeitswelt der Zukunft

Coaching-Programme sprießen wie Pilze aus

dem Boden und regen Führungskräfte zu einer

Reflektion und Optimierung ihres bisherigen

Handelns an. Ein absolutes Muss, denn im

Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung

erscheinen Zyklen kürzer, Technologien innovativer.

„Komplexität, Unsicherheit, Volatilität

und Mehrdeutigkeit gelten dabei als die Rahmenbedingungen

unserer heutigen VUCA-

Welt“, erläutert Utsch. Anstatt starrer Routinen

müssen Flexibilität sowie organisationales und

lebenslanges Lernen mehr Raum einnehmen.

Learning Agility, oder auch Lern- und Veränderungsbereitschaft,

gilt heute als bedeutende

Metakompetenz, die jeder Manager

mitbringen muss. Hierbei existieren allerdings

zwei zentrale Herausforderungen: Führungskräfte

sehen sich in erster Linie mit einer steigenden

dynamischen Komplexität konfrontiert,

die die Steuerung von Entwicklungen auf

dem Markt und im Unternehmen erschwert.

Darüber hinaus müssen sie Risiken der aktuellen

Arbeitsbedingungen erkennen und bestehende

Geschäftsmodelle reorganisieren.


„Entsprechende Veränderungen lassen sich

wiederum in neuen Formen der Arbeit und

Organisation – beispielsweise in selbst organisierten

Teams – erkennen“, so Utsch.

Teamwork als Erfolgsrezept

Führungskräfte müssen eine Veränderungsintelligenz

entwickeln: Mindset-Aspekte wie

Offenheit für Umbrüche oder Transferstärke,

aber auch agile Arbeitsweisen wie Design

Thinking, AQRO oder Scrum gelten dabei

als Grundlage. Daneben kommunizieren

veränderungskompetente Manager zum

Beispiel eine transparente Unternehmensvision,

befähigen ihre Mitarbeiter zu konsequenter

Selbstorganisation und etablieren

eine ausgeprägte positive Fehler- und Vertrauenskultur.

Denn in digitalisierten Arbeitsumfeldern

arbeiten diverse Personen von

Zeit und Raum unabhängig zusammen.

„Heute führen Manager virtuelle Teams, die

aus Mitarbeitern unterschiedlicher Zeitzonen

mit ganz unterschiedlichen kulturellen, aber

auch fachlichen Hintergründen bestehen.

Aus diesem Grund müssen Unternehmen

neue Methoden zur Umsetzung innovativer

Ideen implementieren, indem sie Mitarbeiter

zum Out-of-the-box-Denken befähigen“, erklärt

Utsch.

Freiräume schaffen

Rollenbasiertes Arbeiten hilft, Mitarbeitern

über Aktivitätenbündel einen sicheren Rahmen

für ihre Aufgaben zu geben. Die Methode

legt eine zielorientierte Kommunikation

fest und garantiert eine übergreifende

Planung und Sicherheit der performanten

Zusammenarbeit in Communitys. „Somit ermöglicht

AQRO – als Enabler für dynamische

Organisationen – einerseits belastbares Projektmanagement

in Teams und Community,

steigert gleichzeitig die Produktivität jedes

Mitarbeiters um mehr als 1,5 Stunden pro Tag

und ermöglicht Freiraum für Innovationen. Für

Teamleiter bietet AQRO gleichzeitig einen

guten Überblick, wer zu welcher Zeit welche

Themen fokussiert“, so Utsch. Zudem ermöglicht

die Methode zuverlässiges Multiprojektmanagement:

Führungskräfte können dem

Top-Management gegenüber aufzeigen,

welche Projekte umsetzbar sind und auch,

welches Know-how und welche Ressourcen

zur Verfügung stehen.

Von der Führung zur Vision

Zukünftig besteht für Führungskräfte die Aufgabe

darin, Visionär und Mentor zu sein und

Mitarbeiter durch Zielbilder zu leiten. „Dies

setzt bei Managern starke kommunikative

Fähigkeiten, aber auch Digitalkompetenz

voraus, um so Ideen auch über digitale Kommunikationsmittel

weiterzugeben“, erläutert

Utsch. Grundlegendes Ziel dabei: Alle Brainworker

gleichermaßen individuell zu fördern,

denn die Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource,

um auf die Anforderungen und Entwicklungen

des Marktes zu reagieren.

(RED)

Weitere Informationen über die Acuroc Solutions

GmbH und über die AQRO GmbH

unter www.acuroc.de und www.aqro.eu

CONSUELA UTSCH

GESCHÄFTSFÜHRERIN UND

GRÜNDERIN DER ACUROC

SOLUTIONS GMBH UND

AQRO GMBH


LOGISTIK express 2/2019 | S56

Schuldig!?

Es hat eine Schülerin aus dem hohen Norden gebraucht um der Welt zu zeigen,

der Heilige Gral des Kapitalismus, das Bruttoinlandsprodukt (BIP), in der bisherigen

Form, ist am Ende. REDAKTION: PETER BAUMGARTNER

Kindermund tut Wahrheit kund

Noch werden die vermeintlich Schuldigen

an der Klimakatastrophe allgemein in Überbegriffen

benannt. Die Industrie, der Verkehr,

der Hausbrand, die Landwirtschaft usw.

Jeder kann, muss sich aber nicht betroffen

fühlen. Nur die Kühe stehen schon personifiziert

am Pranger, weil sie ihre Abgase nicht

beherrschen können. Es wird aber nicht mehr

lange dauern, dann steht jeder am Pranger

und muss sich für sein Handeln verantworten.

PETER BAUMGARTNER

FACHJOURNALIST

LOGISTIK EXPRESS

Die Auswirkungen des grenzenlosen

Wachstums können von den Entscheidungsträgern

nicht mehr ignoriert

werden, wenn selbst Kinder

aus Furcht vor der Zukunft auf die Straße gehen.

Erwachsene Demonstranten konnte man

lange als Wollpulli tragende Spinner abtun

und auf Erwachsene kann man gelegentlich

auch hin dreschen (lassen), wenn sie es gar zu

bunt treiben. Aber wie bändigt man Kinder?

Verbieten bewirkt bekanntlich das Gegenteil

und von der Straße prügeln geht gar

nicht, denn wie man weiß, Kindermund tut

Wahrheit kund. Also begibt man sich jetzt

auf die Suche nach den Schuldigen und

sucht Lösungsansätze, die das anscheinend

unausweichliche Desaster in letzter

Sekunde vielleicht doch noch mildern kann.

Aber hier ist Aufmerksamkeit gefordert, denn

die Schuld liegt oft im Auge des Betrachters.

Schon heißt es „wir“ müssen alle einen Beitrag

zum Klimawandel leisten. Damit wird bereits

jeder und jede zum potentiell Schuldigen erklärt

– aber noch nicht beim Namen genannt.

Bevor das passiert und ein Schuldspruch gefällt

wird, lohnt es sich unter die Oberfläche

zu schauen. Und hier sollte es – anders als vor

dem Richter – nicht nur um ein Urteil, sondern

auch um Gerechtigkeit gehen. Sonst enden

wir in einer Ökodiktatur, wo sich Teile der Gemeinschaft

mit „beschränkter Haftung“ aus

der Verantwortung schleichen. In die Richtung

einer Ökodiktatur geht es zum Beispiel

bereits, wenn „wir alle“ ein E-Auto kaufen

sollen, aber ja keinen Kilometer weniger fahren

dürfen. Damit können „wir“ einen Beitrag

leisten, aber nicht für den Klimaschutz. Wenn

der benötigte Strom für 100 Prozent E-Mobilität

aus der Kernenergie oder endlichen Energiestoffen

kommt, nützt das der Energiewirtschaft,

nicht der Umwelt.

Auch die Logistik wird unter dem Überbegriff

schon längst als schuld am Klimawandel

angeprangert. Immer mehr LKW verursachen

Luftverschmutzung, Stau, Unfälle und

Infrastrukturschäden. Glasklar, die Zahlen

sprechen eine eindeutige Sprache und in

der Zeitung steht es auch täglich. Die Logistik

ist schuldig! Noch dazu hat der Verkehrssektor

einen erheblichen Anteil am

BIP und treibt uns mit dem grenzenlosen

Wachstum direkt in das Design by Desaster.

Aber sind der LKW, der Verkehr und die Logistik

im eigenen Wirkungsbereich wirklich

allein schuld am Anteil der Klimaänderung.


Foto: Peter Baumgartner

Oder sind es vielleicht auch immer mehr Konsumenten,

die jeden Konsumartikel möglichst

Same Day Delivery haben wollen und weil

die Schuhe nicht passen, auch postwendet

wieder retour schicken? Oder ist es vielleicht

die Industrie, die für sich selber einen erheblichen

Anteil am BIP hat und für das Wegwerfen

produziert, was vorher um die halbe

Welt transportiert wird? Oder ist es vielleicht

die verladende Industrie, die fast leere LKW

durch die Gegend schickt? Oder muss man

sich vielleicht auch überlegen, welchen Anteil

der Handel am überbordenden Verkehr

hat? Immerhin ist es für den Handel sehr verlockend,

wenn der Schnittlauch aus Israel inklusiver

Transportkosten noch immer billiger ist,

als aus dem Marchland.

Die fulminanteste Dummheit findet natürlich

auf oberster Ebene in der EU statt: Warum sagt

man, der freie Warenverkehr ist eine tragende

Säule der Gemeinschaft, praktiziert aber in

Wahrheit die freie Wahl der Verkehrsmittel?

Dummheit kann das eigentlich gar nicht sein,

denn dann müsste man davon ausgehen,

dass mehrheitlich Tölpel am Werk sind. Bei allen

Schweinereien ist es für die Verteidiger der

„freien Marktwirtschaft“ nur wichtig, immer

das „Wir“ in den Vordergrund zu stellen. Wir

sind schuld, wir müssen uns ändern, wir sollen

dies oder jenes machen. Wir produzieren x-Kg

Müll sagt die Statistik, damit wir uns ja nicht

aus dem Schuldgefühl befreien können. Richtig

und gerecht ist aber, die außer Rand und

Band geratene Wirtschaft mit dem BIP-Dogma

produziert Müll ohne Ende und wir alle bezahlen

dafür – mehrfach.

Mit ein wenig Unvoreingenommen und der

Bereitschaft nachhaltige Lösungen zu finden,

lassen sich Probleme besser lösen und die Last

kann gerecht auch alle Schultern verteilt werden.

Vielleicht lässt sich damit nicht nur die

Umwelt retten, sondern auch gleich das Problem

Fahrermangel und desaströse Arbeitsbedingungen

beseitigen.

Weniger bekannt und kaum in den Verdacht

eines Schuldigen kommt der Staat mit seinen

untergeordneten Institutionen, wenn es um

die Frage geht, welchen Anteil die Logistik

am Klimawandel hat. Ein typisches Beispiel


LOGISTIK express 2/2019 | S58

ist die Raumordnung wo sich die öffentlichen

Institutionen heimlich aus der Verantwortung

stehlen. Der Gesetzgeber überantwortet die

Raumordnung weitgehend den Bürgermeistern,

die mit dieser Verantwortung völlig überfordert

sind. Die ureigensten Interessen einer

Gemeinde sind die Gemeindeeinnahmen,

die sie für ihre Verpflichtungen in Ermangelung

eines innovativen Finanzausgleiches

brauchen und die sie daher zu einem großen

Teil über die angesiedelten Unternehmen lukrieren.

Folglich steht für jeden Bürgermeister

die Betriebsansiedlung in der Rangliste weit

vor dem Umweltschutz. Noch dazu steht jede

einzelne Gemeinde in Konkurrenz zu anderen

Kommunen bundesweit. Wer also die Hose

runter lässt, schnell und billig Industriefläche

zur Verfügung stellt, macht das Rennen.

Ein Beispiel: Die kleine Gemeinde Liebenfels

in Kärnten liegt an einer eigentlich ausgelasteten

einspurigen Bahnstrecke, mit vielen

unbeschrankten Kreuzungen und an einer

gefährlichen, kaum ausbaubaren Bundesstraße

mitten im Wasserschongebiet in einer

idyllischen Tallandschaft. Die Gemeinde hat

also keine Verkehrsinfrastruktur für große Betriebsansiedlungen.

Aber sie hat Flächen

und die Bereitschaft, diese quasi umsonst zur

Verfügung stellen zu wollen. In Spuckweite

entfernt von Liebenfels liegt die Konkurrenzgemeinde

St. Veit. Die liegt an der Südbahn

und hat eine Schnellstraße mit guter Anbindung

an das hochrangige Straßennetz und

zum Flughafen. St. Veit hat sogar zwei perfekt

gewidmete Industriegebiete direkt an der

ausgezeichneten Verkehrsinfrastruktur.

Jetzt kommt ein Industrieunternehmen und

möchte in der Region die weltweit größte

Produktion von Solarpanelen bauen. Preisfrage:

Wer von den beiden Gemeinden

macht das Rennen? Genau. Liebenfels

zieht den Joker, weil es dort für die Industrie

billiger ist zu produzieren. Durch die Finger

schauen das Klima und die Umwelt. Ohne

leistungsfähige Straße und Schiene müssen

sich natürlich zahlreiche LKW im stop

and go Verkehr durch das Tal schlängeln.

Wer ist also schuld? Die Logistik nicht. Der LKW

auch nicht. Die wären auf so eine schwachsinnige

Raumordnungspolitik und Industrieansiedlung

nicht gekommen. Solche Beispiele

gibt es ohne Ende. Überall setzt sich die

Ökodiktatur fort und Klimaschutzmaßnahmen

werden zugunsten „systemrelevanter“

Entscheidungen nicht gesetzt. Der Wandel

zu einer nachhaltigen Zukunft kann nur gelingen,

wenn wir uns vom BIP als zentralen

Wohlstandsindikator abwenden, schreibt

Bernhard Rebernig (Ökosoziales Forum).

Wenn Dummheit, Ignoranz und Profitgier

schlicht und ergreifend für das BIP besser sind

als Nachhaltigkeit und Gemeinwohl, dann

gute Nacht liebe Zukunftsgeneration. Pech

gehabt liebe Kinder. Hättet eben nicht auf

die Welt kommen sollen, die wir verbrauchen,

bevor ihr sie nutzen könnt.

Die von gierigen Despoten gesteuerte Politik

„mit beschränkter Haftung“ wird also zunehmend

zum Problem. Dank gesetzlicher

Regelung sind Schädigungen dann keine

Schädigungen mehr, wenn sie ausdrücklich

genehmigt wurden. Der Bürger und der Konsument

darf – ohne Rücksicht auf Vermögen

und Gesundheit, behördlich sanktioniert nach

Strich und Faden betrogen und belogen werden

– ja, er darf sogar vergiftet werden. Es

müssen nur „Grenzwerte“ eingehalten werden,

deren flächendeckende Kontrolle letztlich

unmöglich ist. Außerdem bleibt in jedem

Fall der Konsument auf den Kosten sitzen,

denn die Klimakosten werden jedenfalls „wir“

tragen. Wenn also aus der Politik und Verwaltung

die „Wir-Keule“ kommt, ist Obacht

angesagt. Gemeint ist das Wahlvieh. Wenn

die Wirtschaft und die Industrie von „Wir“

sprechen meinen sie die Konsumenten, den

Absatzmarkt – exklusive derer, die am Finanzmarkt

Gewinne auf Kosten der Gemeinschaft

machen und vermutlich einen anderen lebenswerten

Planeten kennen. Diese Politik ist

gescheitert. Da muss man den Jugendlichen

auf der Straße leider Recht geben. Jedenfalls

ist das keine Umweltpolitik, sondern Katastrophenmanagement.

(PB)


LOGISTIK express 2/2019 | S60

Menschen in Bewegung

KARIN STAINER

GESCHÄFTSFÜHRERIN

MILFORD TEE

AUSTRIA

Karin Stainer wird neue Geschäftsführerin

der Milford Tee Austria GmbH mit

Sitz in Hall in Tirol. Sie folgt in dieser Position

Christian Moser nach, der sich

neuen beruflichen Herausforderungen

stellt. Die Milford Tee Austria GmbH ist

seit 1972 in Österreich aktiv. Das Unternehmen

wurde durch die Übernahme

von Grosch Tee durch die Laurens

Spethmann Holding gegründet.

JENS HAPPE

GESCHÄFTSFÜHRER

KONTRAKTLOGISTIK

GEODIS

Das Transport- und Logistikunternehmen

Geodis hat Jens Happe

zum neuen Geschäftsführer für seine

Kontraktlogistiksparte in Deutschland

ernannt. Happe blickt bereits auf über

30 Jahre Erfahrung im Transport- und

Kontraktlogistik-Geschäft zurück und

war für verschiedene nationale und internationale

Logistikunternehmen tätig.

THOMAS BUNGARD

GESCHÄFTS-

FÜHRUNG

DIGITAL HUB

COLOGNE

Mit Wirkung zum 1. Juni 2019 tritt Thomas

Bungard in die hauptamtliche Geschäftsführung

des Digital Hub Cologne

ein. Er löst damit den aktuellen

Interims-Geschäftsführer Marc Kley ab,

der zum 1. Juli 2019 sich wieder seinen

Aufgaben als Leiter des Gateway-

Gründungsservice der Universität zu

Köln widmen wird.

MATTHIJS VAN

DOORN

VORSTANDS-

MITGLIED

BDB

Matthijs van Doorn, Manager Logistics

beim Hafenbetrieb Rotterdam, ist

Mitglied des Vorstands des Bundesverbands

der Deutschen Binnenschifffahrt

(BDB) geworden. Damit ist er der erste

Niederländer, der in diesem Interessenverband

der deutschen Binnenschifffahrt

eine Rolle als Vorstandsmitglied

übernimmt.

STEFAN REHMET

GESCHÄFTS-

FÜHRUNG

24PLUS LOGISTICS

NETWORK

Die Stückgutkooperation 24plus Logistics

Network hat ihre Geschäftsführung

erweitert. Zum 1. Mai ist Stefan Rehmet

als Nachfolger von Peter Baumann

neben diesem in die Geschäftsleitung

der Stückgutkooperation eingetreten.

Der 55-jährige Stefan Rehmet ist Landverkehrsexperte

mit langjähriger Führungserfahrung

im speditionellen Mittelstand

und in Konzernnetzen.

INI NSIEN

DEVELOPMENT

MANAGER

SEGRO

Segro hat Ini Nsien (42) als neuen Development

Manager gewonnen. Seit

April ist der studierte Dipl. Wirtschaftsingeniur

und Immobilienökonom wieder

Teil des Segro-Teams. Bereits von 2006

bis 2015 war Nsien als Leasing Manager

für Segro tätig. Zwischenzeitlich war er

vier Jahre Head of Industrial und Logistics

NRW bei dem Immobilienberater

Colliers International.

CELESTINO SILVA

MANAGING

DIRECTOR

DACHSER

Celestino Silva wird als Managing Director

die Dachser Business Unit European

Logistics (EL) Iberia leiten. Er folgt auf

Juan Quintana, der das Unternehmen

auf eigenen Wunsch verlassen wird,

um sich neuen beruflichen Aufgaben

zu widmen. Mit dem 51-jährigen Portugiesen

Silva rückt ein überaus erfahrener

Logistikmanager an die Spitze der

iberischen Landverkehrsgesellschaft.

THOMAS MÜLLER-

SCHÖN

CEO

SEIFERT LOGISTICS

GROUP

Thomas Müllerschön ist Nachfolger von

Harald Seifert als CEO der international

tätigen Logistikgruppe mit Sitz in Ulm.

Gesellschafter Harald Seifert übernimmt

eine neue Rolle und wechselt

als Vorsitzender in den Beirat der Seifert

Logistics Group. Dort wird er sich um

Immobilien, Beteiligungen und Akquisitionen

sowie Groß- und Sonderprojekte

kümmern.


Günther Reder folgt als WKÖ-Fachverbandsobmann

auf Franz Danninger.

Der Oberösterreicher Günther Reder

übernimmt, zusammen mit seinen

beiden Stellvertretern Markus Fischer

und Roman Eder, ab sofort als Fachverbandsobmann

die Geschicke des

Fachverbandes Güterbeförderung

in der Wirtschaftskammer Österreich

(WKÖ).

GÜNTHER REDER

WKÖ FACHVER-

BANDSOBMANN

Seit Anfang 2019 ist Mag. Mirjam Ernst,

MAS (44) neue Leiterin Corporate PR

& Nachhaltigkeit der Vöslauer Mineralwasser

GmbH. Mirjam Ernst verfügt

über langjährige Erfahrung und umfassendes

Know-how in den Bereichen

Nachhaltigkeitsmanagement, PR,

Marketing und Kommunikation sowie

Eventmanagement.

MIRJAM ERNST

LEITERIN

CORPORATE PR &

NACHHALTIGKEIT

VÖSLAUER

Am 3. Mai 2019 wurde Fritz Lehr im

Rahmen der EFIP-Jahreshauptversammlung

in Aalborg (Dänemark)

zum Präsidenten der European Federation

Of Inland Ports (EFIP) gewählt.

Der kaufmännische Geschäftsführer

des Hafen Wien folgt in dieser Funktion

auf Roland Hörner, der die EFIP-Präsidentschaft

von 2016 bis 2019 ausübte.

FRITZ LEHR

PRÄSIDENTEN

EUROPEAN

FEDERATION OF

INLAND PORTS

Zum 1. April wurde Rudolf Egbert in

die Geschäftsführung des Bremer Seehafendienstleisters

Weserport berufen.

Der 52-Jährige war viele Jahre bei ArcelorMittal

beschäftigt und zuletzt Geschäftsführer

bei ArcelorMittal Commercial

Germany. Rudolf Egbert folgt

auf Glenn Kneipp, der sein Mandat als

Weserport-Geschäftsführer planmäßig

niederlegte.

RUDOLF EGBERT

GESCHÄFTSFÜHRUNG

WESERPORT

FreightHub, die digitale Spedition Europas,

bekommt einen CFO. Dr. Martin

Fritsch (52) unterstützt die Gründer

und Geschäftsführer Ferry Heilemann

(CEO), Erik Muttersbach (CTO), Michael

Wax (CCO) und Dr. Michael Ardelt

(COO) beim Unternehmensausbau.

Fritsch war CFO in der Accountmanagement-

und Innovationseinheit von

DHL, die weltweit tätig ist.

MARTIN FRITSCH

CFO

FREIGHTHUB

TIS mit neuem Gesellschafter. Josef

Bielefeld (68), Gründer und bisheriger

Alleininhaber des Telematikanbieters

TIS, hat jetzt wesentliche Unternehmensanteile

auf seinen Sohn Fabian

Bielefeld (32) übertragen. Mit der Erweiterung

des Gesellschafterkreises ist

sichergestellt, dass die im Jahr 1985 als

Ingenieurbüro gegründete Firma langfristig

im Familienbesitz bleibt.

FABIAN BIELEFELD

GESELLSCHAFTER

TIS

Der Aufsichtsrat der ASFINAG hat Dr.

Josef Fiala zum Finanzvorstand bestellt.

Fiala, zuletzt kaufmännischer Geschäftsführer

der ASFINAG Service

GmbH, verantwortet künftig Belange

des Finanz- und Rechnungswesen

sowie das Mautwesen. Mag. Hartwig

Hufnagl hat seine Tätigkeit als Betriebsvorstand

der ASFINAG bereits am 1.

Februar 2019 begonnen.

JOSEF FIALA

FINANZVORSTAND

ASFINAG

Quicargo, digitaler Logistikdienstleister

aus den Niederlanden hat Wolfgang

Lehmacher mit Wirkung vom 25. Februar

2019 zum Beiratsmitglied berufen.

Lehmacher, Jahrgang 1960, hat sich

auf die Gebiete Supply Chain und

Logistik spezialisiert. Er unterstützt die

gesamte Bandbreite des Ecosystems

durch Beratungsleistungen.

WOLFGANG

LEHMACHER

BEIRATS-MITGLIED

QUICARGO


LOGISTIK express 2/2019 | S62

OMNICHANNEL

Bernd Kratz

Gesellschafter

IDIH + EMA

Florian Seikel

Geschäftsführer

Händlerbund

Rainer Will

Geschäftsführer

Handelsverband

AUTOMATION IM ECOMMERCE

Bernd Stöger

Executive Product

Manager

KNAPP

Rainer Buchmann

Geschäftsführer

DEMATIC

Peter Bimmermann

Geschäftsführer

AUTOSTORE

JOB KARRIERE

Gerd Reinecke

Geschäftsführer

Reinecke & Associates

Hans-Joachimm Schlobach

Medieninhaber

BUSINESS LOGISTIC

Joachim Horvath

Medieninhaber

VERKEHRSZEITUNG


LETZTE MEILE

Doris Pulker-Rohrhofer

Geschäftsleiterin

Hafen Wien

Rainer Schwarz

Geschäftsführer

DPD Direct Parcel

Distribution Austria

Wolfgang Einer

Senior Vice President

CEE Mail

Österreichische Post

Sind Sie mit

dabei?

Helmut Lindinger

Gesellschafter

H.Gautzsch

Großhandel Bayern

Bernhard Bachofner

Gesellschafter

Fiegl & Spielberger

Solution

Sascha Stranz

Technical Projekt Manager

GEUTEBRUECK

4. eCommerce Logistik-Day | 25.09.2019 - 8:30 -17:00 | ALBERT HALL | Albertgasse 35, 1080 Wien

Welche Themen erwarten Sie: Die Zukunftserwartungen des OmniChannel an die Logistik

| Digitalisierung der Urban Logistics / Mirco-Hubs | Eine Herausforderung der Logistik auf

der letzten Meile in Wien | Logistikautomation im eCommerce - Quo vadis? | Automatisierung

und signifikante Verbesserung der Lagerdichte kombiniert in einem Logistik-System

| Herausforderungen im Weihnachtsgeschäft | Verdoppelte Mengen pünktlich unter dem

Weihnachtsbaum – sonst kommt die Retoure! | Vor der Automatisierung kommt die detaillierte

Prozessoptimierung | Produktivitätserhöhungen durch Prozess-Relaunch in der eCommerce-

Logistik + Praxisbeispielen | Podiumsdiskussion: Automatisierung versus manueller Logistik |

Künstliche Intelligenz - Potenziale und praktische Anwendungen | Die neue Handelslogistik

fordert neue Skills der Führungskräfte | Erfahrungen im Change Management der Logistik

in der Praxis | Podiumsdiskussion: Können Mitarbeiter, Führungskräfte der dynamischen

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Markus Jaklitsch

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