Berliner Zeitung 24.06.2019

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Berliner Zeitung · N ummer 143 · M ontag, 24. Juni 2019 19 *

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Sport

„Wir wollen diesen Wahnsinn nicht mitmachen“

Peter Meyer,Wirtschaftsratsboss des BFC Dynamo, über Klubs, die fahrlässig wirtschaften, das Stadtbezirksderby gegen Lichtenberg und Probleme mit der Heimspielstätte

Heute um 10 Uhr fällt

beim BFC Dynamo der

Startschuss für die neue

Spielzeit in der Regionalliga

Nordost. Vor dem Auftakt

stellte sich Peter Meyer, der Wirtschaftsratsboss

der Dynamos, den

Fragen der Berliner Zeitung.

Herr Meyer, nicht wenige haben den

BFC als Abstiegskandidaten Nr. 1

ausgemacht.

Das ist natürlich auch schon bis

zu uns durchgedrungen, stört uns

aber nicht. Natürlich sieht das durch

die vielen neuen und jungen Spieler

gewöhnungsbedürftig aus. Aber wir

haben bewusst diesen großen

Schnitt gemacht. Wir wollen in der

Zukunft mit einem jungen Team etwas

aufbauen und vor allem wieder

Spaß an der Mannschaft haben. In

allen Vertragsgesprächen haben ich

gespürt, dass die jungen Spieler etwas

aus ihrem Talent machen wollen.

Das wollen wir gezielt in den

nächsten Jahren entwickeln und fördern.

MitGeduld und Glück profitierenamEnde

beide Seiten davon. Die

Vergangenheit hat ja gezeigt, dass

leider viele gestandene Spieler einfach

keinen Ehrgeiz für höhere Ziele

mehr haben und mit der Regionalliga

einfach zufrieden sind.

Die Gefahr ist dennoch da, dass Dynamo

das verliert, was man sich in

den letzten fünf Jahren aufgebaut hat.

Ja,wir wissen, dass nicht alles von

heute auf morgen klappen kann,

dass dieser Umbruch mindestens

ein halbes Jahr Zeit braucht, bis alles

ineinander greift.Wirwerden die nötige

Geduld aufbringen, alle im Verein

werden in Ruhe arbeiten können,

ohne dass wir in Panik verfallen.

IstdieWahl vonChristian Benbennek

auch diesem Konzept geschuldet?

Der Abgang von Mathias

Maucksch hat uns unerwartet getroffen.

Das Konzept des neuen Trainers

deckte sich mit unseren Vorstellungen.

Wir wollten bewusst einen Trainer,der

keinen großen Bezug zur Regionalliga

Nordost hat, der denVerein

einfach mal von außen wahrnimmt

und seine Ideen zu Veränderungen

der Strukturen und Abläufe einbringt.

Mit Christian Benbennek haben wir

jemanden, der mit jungen Leuten im

Leistungsbereich super arbeiten

kann, diese besser machen kann.

Aber der Umbruch ist doch nicht nur

der Vernunft geschuldet. Dynamo

musste auch finanziell abspecken?

Ja, das stimmt natürlich, wir werden

den Etat deutlich reduzieren.

Zurück ins Sportforum nach Hohenschönhausen, wenn es nach Peter Meyer geht, aber nur bis der Jahnsportparkrenoviertist.

Aber das Wichtigste ist, die Saison

der ersten Mannschaft ist abgesichert.

Wir wollen diesen Wahnsinn,

der schon zur Normalität geworden

ist, nicht mitmachen.

Sieklingen wütend.

Viele Vereine leben über ihren

Möglichkeiten und geben Geld aus,

was sie nicht haben. Am Ende wird

dann die Insolvenz beantragt, maximal

neun Punkte abgezogen und

weiter geht es.Erst durch eine Änderung

im Lizenzierungsverfahren und

strengere Regeln bei Insolvenz wird

sich das ändern. Bis dahin werden

viele weiter alles auf eine Karte setzen.

Das ist nicht unser Weg, wir geben

nur das aus,was wir einnehmen.

ZUR PERSON

Der starkeMann: Peter Meyer, 51, stieg nach langen Jahren des reinen Fandaseins 2004

erstmals als Brustsponsor beim BFC Dynamo ein, den er als 12-Jähriger 1980 erstmals spielen

gesehen hatte. An der Seite seines Freundes und Geschäftspartners NorbertUhlig,65,

dem amtierenden BFC-Präsidenten, ist er seit 2007 so etwas wie der Macher beim Traditionsklub,führte

ihn aus den Niederungen der Verbandsligazurück in die vierte Liga. Meyerist als

Chef des Wirtschaftsrates der vielleicht wichtigste Sponsor des Regionalligisten.

IMAGO IMAGES/WELLS

Vorrang hat immer ein gesunderVerein,

den es auch noch in vielen Jahrengibt,

das steht dabei über allem!

Ihnen fehlt noch ein Brustsponsor.

Das Ende der zehnjährigen Zusammenarbeit

mit unserem langjährigen

Partner bedeutet für uns eine

Lücke in Höhe von250 000 Euro.Aber

uns geht es nicht ums Geld allein. Wir

schnüren ein riesiges Paket nach

Wunsch und stellen unsere Brust als

Werbefläche zur Verfügung, wenn die

Rahmenbedingungen stimmen. Soziales

Engagement ist uns sehr willkommen.

Gerade bei der Finanzierung

der angestrebten Umstellungen

im Nachwuchs sowie bei unserem

Kindergartenprojekt. Mit über 800

Kindernund Jugendlichen im Klub ist

das nur mit Mitgliedsbeiträgen allein

nicht zu stemmen.

DieLiga ist ja inzwischen fast zu einer

Berlin-Brandenburg-Spielklasse geworden

mit dem Abstieg von Cottbus

und dem Aufstieg vonLichtenberg 47.

Ich freue mich auf beide Spiele.

Ein Derby imStadtbezirk hat seinen

eigenen Reiz und die Spiele gegen

Energie sind für unsere Fans immer

interessant. Dazu kommen viele

kurze Fahrten zu den Spielen. Leider

gibt es in Berlin nicht ein Format wie

die Sendung Sport imOsten beim

MDR. Beimittlerweile zehnVereinen

aus Berlin und Brandenburg müsste

das medial besser begleitet werden,

beispielsweise durch Livestreams.

Die Regionalliga hat eindeutig zu

wenig Präsenz in der Öffentlichkeit.

Aber das Interesse an Dynamo selber

ist in der letzten Saison deutlich zurückgegangen.

Ja, die letzte Saison hat uns und

den Fans den Spaß am Fußball genommen,

was auch den lustlosen

Auftritten der Mannschaft geschuldet

war. Der BFC hat viele Sympathisanten

in der Stadt, was bei den letzten

DFB-Pokalspielen deutlich sichtbar

war. Mit Bautzen, Meuselwitz oder

Auerbach kannst du keinen hinter

dem Ofen vorlocken, dass geht nur

mit Gegnern wie Rostock, Braunschweig,

1860 München oder Magdeburg,

eine Liga höher.Aber im Verein

spürtman eine Euphorie,als ob jeder

auf einen Neuanfang gewartet hat.

Wir werden unseren Nachwenderekord

anDauerkarten deutlich übertreffen

und erstmals über 500 Dauerkarten

vor der Saison verkaufen. Das

ist für uns ein Signal und eine Bestätigung

der Fans,dass viele den Wegdes

Umbruchs mit uns gehen wollen. Das

macht mich stolz und dankbar.

Welche Probleme erwarten Sie durch

den Neubau des Jahnsportparks?

Wirsind in sehr guten Gesprächen

mit dem Berliner Senat und den zuständigen

Verantwortlichen, weil der

Umzug ins Sportforum die einzige

sinnvolle Alternativefür den BFC darstellt.

Leider sieht es der Leiter des

Sportforums nicht so, was die Sache

nicht einfacher macht. Wir merken

jedoch in den Sitzungen mit dem Senat,

dass man uns nicht alleine lässt.

Für die Dauer des Neubaus ziehen

wir ins Sportforum und kehren mit

der geplanten Stadioneröffnung wieder

in den Jahnsportparkzurück.

DasGespräch führte

Mathias Bunkus.

Eine ziemlich gute Kopie

Der ägyptische Trézéguet schießt sein Team beim Africa Cup zum Auftakterfolg

Eine ziemlich solide Partie

Deutschlands U21-Fußballer stehen nach dem 1:1 gegen Österreich im EM-Halbfinale

Immer wieder nahm Mohamed Salah

am Sonnabendabend beim Eröffnungsspiel

des Afrika Cups in

Kairo über die rechte Angriffsseite

der Ägypter Anlauf. So wie er es auch

im Trikot des FC Liverpool in der Premier

League oder eben der Champions

League macht. Mit kurzen

Dribbelschritten, in hohem Tempo,

bis sich irgendwann geradezu

zwangsläufig die Chance zum Abschluss

eröffnet. Doch an diesem

Sonnabendabend kam beim 27-Jährigen

immer etwas dazwischen, um

sich nach einer für ihn typischen Offensivaktion

als Torschützefeiernzu

lassen. Ein Bein eines simbabwischen

Gegenspielers oder eben die

Hand des simbabwischen Torhüters.

So nahm sich ein anderer die Freiheit,

beim 1:0 der Pharaonen als Siegtorschütze

inErscheinung zu treten,

nämlich ein gewisser Mahmoud Ahmed

Ibrahim Hassan, der den Künstlernamen

Trézéguet auf dem Rücken

trägt. In der 41. Minute nutzte der 24-

Jährige,der bei Kasimpasa Istanbul in

der türkischen Süper Lig sein Geld

verdient, seinen Teamkollegen Ayman

Ashraf als Doppelpassbande,

drang entschlossen in den Strafraum

ein, ließ mit einer Körpertäuschung

noch einen simbabwischen Abwehrspieler

aussteigen, bevor er mit einem

platzierten Schlenzer halbhoch ins

lange Toreck traf.

Chance auf den Ballon d’Or

Dass die Gastgeber bei der zähen

Auseinandersetzung mit den Warriors

nicht unbedingt ihr ganzes Potenzial

ausschöpften, war auch dem

umjubelten Helden des Abends bewusst:„Das

wichtigste war heute,die

drei Punkte mitzunehmen, weil wir

unbedingt den Gruppensieg wollen“,

erklärte Trézéguet und ergänzte

beinahe entschuldigend: „Das Spiel

heute war wirklich schwer. Aber wir

werden in den nächsten Partien stärker

auftreten.“

Schon als Jugendlicher hatte ihm

sein damaliger Trainer den Spitznamen

Trézéguet verpasst. Weil Mahmoud

Ahmed Ibrahim Hassan ihn

offensichtlich an Weltklassestürmer

David Trézéguet erinnerte. Und in

der Tat: Was die Bewegungsabläufe

anbelangt, erinnert der Ägypter tatsächlich

ein klein wenig an den großen

Franzosen, der von 2000 bis

2010 bei 245 Einsätzen für Juventus

Turin 138 Tore erzielte, seinen größten

Erfolg aber bereits im Jahr 1998

mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft

feierndurfte.

Es hat sich jedenfalls schon zum

Auftakt des Turniers gezeigt, dass für

die favorisierten Ägypter der Heimvorteil

offensichtlich auch eine

große Herausforderung darstellt.

Das gilt im Besonderen für Salah,

dessen Auftritte von extrem hohen

Erwartungen begleitet werden. Und

es kommt für ihn ja noch ein nicht

ganz unbedeutender Aspekt dazu:

Führt ersein Nationalteam tatsächlich

zum Titel, hat er ziemlich gute

Chancen auf den Ballon d’Or, also

auf die Auszeichnung als bester Spieler

des Jahres. Dakann ein fleißiger

Zuarbeiter wie Mahmoud Ahmed Ibrahim

Hassan, genannt Trézéguet,

nicht schaden. (BLZ)

VonTobias Schächter,Udine

Stefan Kuntz hegt große Sympathien

für Österreich, der gebürtige

Neunkirchner wurde in Wien eingeschult,

sein Vater Günter spielte damals

zwei Jahre als Profi bei Austria

Wien. Gestern Abend in Udine hielt

sich die Sympathie des Trainers der

deutschen U21-Auswahl für das

Nachbarland aber in Grenzen: Und

nach dem 1:1 (1:1) zum Vorrundenabschluss

der EM gegen Österreich

durfte Kuntz auch jubeln. Nach leichten

Siegen gegen Dänemark(3:1) und

Serbien (6:1) reichte das Remis zum

Gruppensieg und dem Einzug ins

Halbfinale.Und: Durchdas Erreichen

der Runde der letzten Vier nimmt

eine Auswahl des DFB im nächsten

Jahr in Japan an den Olympischen

Spielen teil.

Diedeutsche Elfging nach schwachem

Beginn überraschend in Führung.

Luca Walschmidt traf aus dem

Stand mit einem Schuss aus 25 Metern

inden Winkel (14.). DasTraumtor

des Freiburgers, sein fünftes im

dritten Spiel. Doch Waldschmidts

Streich blieb die einzige gefährliche

Aktion der Deutschen in der ersten

Halbzeit, die Österreicher ließen sie

durch frühes Stören im Spielaufbau

nicht zur Entfaltung kommen.

Im Mittelpunkt des Spiels stand

Torwart Alexander Nübel: Der Schalker

verursachte in der 34. Minute einen

Elfmeter, als er beim Abfangen

einer Freistoßflanke zwar den Ball

fing, aber mit dem Knie Österreichs

Stürmer Sasa Kalajdzic am Kopf traf –

Kevin Danso verwandelte zum 1:1-

Ausgleich (24.). Acht Minuten später

rettete Nübel mit einer Weltklasseparade

nach einem Kopfball vonKalajdzic

aus fünf Metern. In der Nachspielzeit

der ersten Hälfte hatte Nübel

Glück: Er verschätzte sich bei einer

Flanke, aber die Kugel sprang nach

dem Kopfball von Kalajdzic vom

Pfosten des Toreszurück ins Feld.

Auch in der zweiten Hälfte änderte

sich das Spiel nicht, Österreich nervte

den Favoriten mit aggressiven Spiel –

und Nübel stand weiter im Mittelpunkt:

Nach einem Fehler von Kapitän

Jonathan Tahparierte er glänzend

einen Schuss von Hussein Balic aus

14 Metern (57.). Kuntz versuchte das

Spiel seiner Elf mit einem Doppelwechsel

zu beleben: Für die diesmal

schwachen Florian Neuhaus und

Marco Richter kamen der Schalker

Suat Serdar und der Hoffenheimer

Nadiem Amiri (56.). Und besonders

Amirisorgte mit zwei Schüssen für offensive

Aktionen (65., 76.). Die guten

Österreicher sind mit vier Punkten

ausgeschieden.

Der Modus dieses Turniers mit

drei Gruppen mit je vier Teams sieht

vor, dass nur die Gruppenersten und

der beste Gruppenzweite weiterkommen.

DieDeutschen gingen mit dem

Gruppensieg komplizierten Rechenaufgaben

aus dem Weg. Deutschland

trifft im Halbfinale am Donnerstag

entweder in Bologna oder Reggio

Emilia auf Gastgeber Italien –oder

Frankreich oder Rumänien, die sich

am Montag noch ein Duell um den

Gruppensieg in der Gruppe Cliefern;

mit einem Remis wären beide weiter

–und Italien draußen.

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