DorfStadt 09-2019

markuskrohn

Wir sind Elbvororte. Hochwertige lokale Berichte und Reportagen aus und über Rissen, Sülldorf, Iserbrook, Blankenese, Osdorf, Groß Flottbek, Nienstedten, Othmarschen, Bahrenfeld und Schenefeld.

4 • DorfStadt-Zeitung 9/2019 • 27.6.2019 Elbvororte

Kohleausstieg und Fernwärme: Zu viel für Grün?

Die Grünen im Senat planen für eine nachhaltige Energiegewinnung der Zukunft. Kann das Ziel erreicht werden? | Markus Krohn

Der Rückkauf des Fern wär -

menetzes und der Anspruch

der Grünen, eine für den

Klimaschutz günstige und

nachhaltige Politik zu ge -

stalten, gerät in Gefahr.

Nicht, weil der politische

Wille dafür fehlt. Längst sind

alle größeren Parteien dafür –

allein das von den Grünen vorgegebene

Tempo lässt die Pläne

wackeln. Zudem könnten über -

eilt beschlossene Gesetze für

Chaos und Rückschritte auf

dem Weg zu einer nachhaltigen

Energiewirtschaft sorgen.

Für den Hamburger Westen

spielt vor allem das Fern wär -

me kraftwerk in Wedel eine

große Rolle. Um die klimapolitische

Revolution zu vollziehen,

müsste das Kraftwerk

abgeschaltet und eine alternative

Energiequelle gefunden werden.

Das ist gar nicht so einfach.

Zumal sich der aktuelle

Senat selbst zeitlich ambitionierte

Ziele gesteckt hat, die

nicht unbedingt zu erreichen

sind. Zumal das Fernwärme -

netz der Stadt noch nicht einmal

offiziell gehört – das soll

erst im Herbst soweit sein.

Die Zeitvorgaben wurden allerdings

schon mehrfach korrigiert.

Das Rückkaufverfahren

stellt sich als einfach zu kompliziert

heraus. Nun kommt

eine neue zeitliche Hürde hin -

zu: Durch einen Beschluss der

Bürgerschaft am 5. Juni wurde

eine Einigung zwischen der

Volksinitiative und den Regie -

rungsfraktionen abgesegnet,

das Hamburgische Kohleaus -

stiegs gesetz, das u.a. vorsieht,

dass es nach dem 31.12.2025

keine durch Kohle erzeugte

Wärme mehr in städtischen

Wärmenetzen geben soll. Ein

ehrgeiziges Ziel, denn das

bedeutet, dass die Stadt innerhalb

von nur sechs Jahren eine

Alternative zum Kraftwerk

Wedel haben muss. Bei Bau -

vorhaben mit einem derartigen

Umfang ist die Umsetzung

innerhalb dieser Frist schon

ELBVORORTE

heute fraglich.

Wichtig ist, zügig zu klären,

wie die Alternative zum Kohle-

Heizkraftwerk Wedel aussehen

soll. Die Umweltbehörde (BUE)

hat dazu bislang nur eine

unzureichende Planung vorgelegt,

die bereits am 27. Juni

2017 vorgestellt wurde, aber

auf große Skepsis in der Be -

völkerung gestoßen ist, denn

die neue Fernwärmeleitung soll

mitten durch Othmarschen und

Bahrenfeld geführt werden. Die

Rohre werden ca 70 cm Durch -

messer haben. Eine wandernde

offene Baustelle mit Lärm und

Verkehrsbehinderungen über

mehrere Jahre würde den

Stadt teilen drohen – parallel

zum Bau des Deckels vor dem

Elbtunnel! Hintergrund dieser

Planungen sind Verhandlungen

zwischen dem schwedischen

Energiekonzern Vattenfall, von

dem die Stadt auch das Fern -

wärmenetz kaufte und der

Stadt, die mit diesem so ge -

nannten „Südszenario“ Wärme

aus dem Süden der Stadt unter

der Elbe hindurch in den Ham -

burger Westen transportieren

will. Anwohner in Othmar -

schen haben bereits Widerstand

angekündigt und wollen gegen

die (Bau-)Pläne klagen.

Eine Arbeitsgruppe des Ener -

gienetzbeirats (Hamburger

Ener gietisch) hat hierzu am 18.

April 2019 einen Bericht vorgelegt.

Der Tenor: Es ist besser,

vom Bau der Elbtrasse Abstand

zu nehmen und das HKW

Wedel auf einer seit langem

brach liegenden Fläche im

Stellinger Moor zu ersetzen

(„Nordvariante“).

Der Hamburger Energietisch

(HET) ist ein Zusammenschluss

von Menschen, der sich für die

Umsetzung der Energiewende

in Hamburg einsetzt. Unter

Energiewende versteht der HET

eine möglichst schnelle Trans -

formation des Energiesystems

hin zu einer vollständigen und

klimaverträglichen Versorgung

durch erneuerbare Energien,

das Ergreifen von Maßnahmen

für erhebliche Energieein spa -

rungen und eine signifikante

Steigerung der Energieeffi -

zienz. „Diese Transformation

kann nur durch den Umbau weg

von einem Großkonzern hin zu

einem Stadtwerk und den Auf -

bau von Energiege nossen schaf -

ten und anderer Bürger be tei li -

gungs modelle am Hamburger

Energiesystem durch geführt

werden. Darüber hinaus muss

die Hamburger Bevölkerung in

sämtliche Ent scheidungs pro -

zes se dieser Tranformation

durch eine größtmögliche

Rund 200.000 Hamburger nutzen Fernwärme – die Energie dafür wird im Kohlekraftwerk Wedel

erzeugt und bringt die Nachbarn wegen Rußpartikel auf die Zinne

Foto: Hannes Grobe, CC BY/Wikimedia

Trans parenz und Partizipation

eingebunden werden“ fordert

der HET.

Der HET versteht sich als

begleitendes Gremium für die

vollständige politische und

praktische Umsetzung des

erfolgreichen Volksentscheids

über die Rekommunalisierung

der Hamburger Energienetze

zusammen mit dem Trägerkreis

von „Unser Hamburg, unser

Netz“.

Die gewaltige Elbtrasse kostet

sehr viel Geld: Schon jetzt wird

eingeräumt, dass „grob“ 150

Mio. € dafür aufzuwenden sein

werden. Tendenz: stark steigend.

Die Arbeitsgruppe be -

fürchtet: Die Elbtrasse kann,

auch wegen Klagen, nicht

rechtzeitig fertig gestellt werden.

Infolgedessen kann das

HKW Wedel nicht vor Ende

2025 endgültig stillgelegt werden.

Daraufhin verliert Ham -

burg 100 bis 140 Mio. € an

Kraft-Wärme-Kopplungs-Zu -

schlägen, mit denen bei der

Begründung des Rückkaufs fest

gerechnet wurde.

Zur Verminderung dieses und

anderer Risiken machte die

Arbeitsgruppe der Umweltbe -

hörde unter anderem folgende

Vorschläge:

Das Risiko von Klagen gegen

den Wedelersatz, insbesondere

der von Lärm, Schmutz und

Einkommenseinbußen geplagten

Anwohner lässt sich verringern,

wenn die BUE unter neutraler

Debatten-Leitung die

vom Trassenbau Betroffenen

davon überzeugen kann, dass

die Elbtrasse mit Südvariante

eine bessere Ersatzlösung ist als

eine Nordvariante ohne Elb -

trasse.

Zur Vermeidung von Zeitver lu -

sten sollte ab sofort unter

Federführung der Umwelt be -

hörde nicht nur die Südva -

riante, sondern auch die Nord -

variante geplant werden, bis

entschieden ist, welche Vari -

ante die bessere ist.

Da Ende Februar 2020 Bürger -

schaftswahlen in Hamburg an -

stehen, ist fraglich, wie weit die

Planungen in der Umweltbe -

hörde bis dahin gedeihen, denn

je nachdem, wie die politischen

Verhältnisse nach der Wahl

aussehen, könnte es erneute

Verzögerungen bei der Umset -

zung der ehrgeizigen Pläne der

Stadt aussehen. Es wäre nicht

das erste Mal, dass der Wille

des Volkes nicht vollständig

umgesetzt würde. In diesem

komplexen Fall wäre das vielleicht

sogar besser, weil damit

möglicherweise die Chance auf

Realisierung der besten Vari -

ante steigt.

Rapunzel-Turm zu kaufen

Bahrenfeld – Man findet ihn

nur, wenn man genau nach ihm

sucht, den Wasserturm von

Bahrenfeld. Das gut hinter Bäu -

men versteckte 15 Meter hohe

Objekt an der Theodorstraße

dürfte derzeit die ungewöhnlichste

Hamburger Kaufim -

mobilie sein. Die Besitzerin hat

das 120 Jahre alte vierstöckige

Backsteingebäude komplett

saniert und aus dem einst verwahrlosten

Grundstück einen

kleinen Garten Eden mit Hor -

tensien, Obstbäumen und Rho -

dodendren gezaubert. An -

schau en kann man den „Ra-

punzel-Turm“ in einer Internet -

galerie mit Wassertürmen in

aller Welt: www.wasserturmgalerie.de

Dolce Vita an der Elbe

Blankenese – Wie an der Ri -

viera oder an einem Karibik -

strand fühlt es sich derzeit an

warmen Tagen am Elbstrand

an. Die früher eher selten

besuchten Sandbuchten zwischen

Blankeneser Bulln und

Leuchtturm Wittenbergen sind

inzwischen zum Sammelpunkt

für Sonnenanbeter, Kinder und

Familien geworden. Das Ein -

zigartige: während die Sonne

lacht und feiner Sand die

Zehen kitzelt, gleiten große und

kleine Pötte fast zum Greifen

nah vorbei. In der Woche kommen

gemütlich die Einhei mi -

schen, am Wochenende auch

Touristen.

Wer macht sowas?

Lurup – Gleich sechs Autos und

zwei Motorräder sind kürzlich

zu nachtschlafender Zeit in

einem Carport am Brachvo -

gelweg durch Feuer komplett

vernichtet worden. Laut Polizei

wird wegen Brandstiftung er -

mittelt. Hinweise auf Motive

oder die Täter gab es zunächst

nicht. Doch die Kripo lässt

nicht locker. Wer etwas gesehen

hat oder Genaueres weiß, der

kann sich als Zeuge vertraulich

an jede Polizeiwache wenden.

Wolf Achim Wiegand

»Lebendiger Kirchturm« in Iserbrook

Nabu zeichnet Martin-Luther-Kirche für Maßnahmen zum Schutz des Turmfalken aus | Konrad Matzen

Viele Vogelarten siedeln

sich gerne in der Nähe des

Menschen an. Turmfalken,

Dohlen, Fledermäuse oder

Schleiereulen nutzen Kirch -

türme und andere Gebäude

als Ersatz für natürliche

Bruthöhlen. Viele der Arten leiden

jedoch darunter, dass Brut -

möglichkeiten in den Siedlun -

gen zunehmend verloren gehen.

Bei Kirchturmsanierungen werden

zum Beispiel Einfluglöcher

oder Brutnischen verschlossen

oder Gitter zur Abwehr von

Tau ben angebracht. Auch kleine

ISERBROOK

Ihr Experte für Dachbeschichtungen

in Hamburg-Osdorf für die Elbvororte

Büro: 040 - 76 97 99 50

Mobil: 0178 - 5 12 25 16

www.dachsanierung-weiss.de

Ulf Hanson (Kirchengemeinderat), Marco Sommerfeld (NABU)

und Pastor Fabio Fried vor der Martin-Luther-Kirche Foto: PR

Jetzt

anfragen!

Arten wie Spatz oder Hausrot -

schwanz stehen dann vor verschlossener

Tür.

In der Martin-Luther Kirche in

Iserbrook ist dies seit 2010 nicht

mehr so, denn die Ev.- Kirchen -

gemeinde Sülldorf-Iserbrook hat

ihre Kirche für die Dohle attraktiv

gemacht und vorbildlich

zwei Nistkästen installiert, die

seitdem erfolgreich besetzt sind.

In diesem Frühjahr wurde zu -

dem noch ein Turmfalkenkasten

angebracht.

Um die Martin-Luther- Kirche

herum besteht noch ein intaktes

Dohlen-Vorkommen in Ham -

burg. Die meisten Tiere brüten

hier in stillgelegten Schorn -

steinen, die seit einigen Jahren

jedoch nach und nach „wegsaniert“

werden. Um den Bestand

der Dohlen zu erhalten und den

Turmfalken anzusiedeln, hat die

Gemeinde Nistkästen angebracht

und hat für ihr Enga ge -

ment im Artenschutz am 20.

Juni die NABU-Plakette „Lebens -

raum Kirchturm“ verliehen be -

kommen.

„Die Vögel haben die Kästen gut

angenommen und sind nun richtige

Kirchgänger. Wir wünschen

uns, dass die Dohlen ein Vorbild

für Menschen sind, die geistliche

Lebensräume ausprobieren wollen

und brauchen“, sagte Pastor

Fabio Fried. Die Glocken läuten

rechtzeitig zum Gottesdienst...

KIWI-Cup: Hockeyturnier

der Superlative

Das Wochenende des 15./16.

Juni wird nicht nur den

Rissenern lange im Ge -

dächt nis bleiben: beim THK

Rissen fand ein Sport er -

eignis der Superlative statt:

15 Vereine schickten 315 ju -

gend liche Hockeyspielerinnen

aus neun deutschen und dänischen

Städten zum 2. KIWI-CUP

Rissen in den Hamburger

Westen.

Sie alle kämpften um die heiß

begehrten Pokale aus Neusee -

land, gestiftet u.a. von Hausch &

Partner, einer in Bahrenfeld

ansässigen Spezialagentur für

Schulaufenthalte in Neuseeland,

Australien und Kanada in

Zusammenarbeit mit Education

New Zealand und 30 neuseeländischen

Schulen.

In vier Wettbewerben mit 23

Mann schaften spielten die

Jungs und Mädels um den Sieg

in ihrer jeweiligen Altersklasse.

Heiß umkämpfte, aber immer

faire Spiele tobten über die

RISSEN

Anlage, nur einmal unterbrochen

von sintflutartigen Regen -

fällen, die die Turnierleitung vor

eine große Herausforderung

stellten:

Starkregenfälle mit bis zu 50

l/m2 fielen innerhalb kürzester

Zeit über Rissen nieder und

setzten die komplette Hockeyund

Tennisanlage unter Wasser.

Beim gemeinsamen „Trocken -

legen“, vor allem des alten

Kunstrasens, wurde jegliches

verfügbares Gerät genutzt. Die

Jugendlichen hatten eine

Mordsgaudi bei kurzerhand neu

erfundenen Sportarten: Bier -

bank-Wasserschippen, Wasser-

Polo oder was ihnen sonst noch

einfiel.

Dank der großartigen Turnier -

leitung bzw. der Schiedsrichter

konnte bereits abends gegen

20:30 - nur wenig später als ge -

plant - das letzte Spiel des

Abends abgepfiffen werden. Der

Abend endete mit einem großartigen

Discospektakel.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine