RE-SOLUT 02/2019

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RE-SOLUT 02/2019

Ausgabe 68 2 / 2019

Humor ist die Medizin,

die am wenigsten kostet

und am sichersten hilft.

Deutsches Sprichwort


Inhaltsverzeichnis Seite

Der Sommer kann kommen Gedichte 3

Endlich Sommer 4

Es wird Sommer, die Bienen sind da 5

Butter in die Klo 6

Sommerliche Fotoparade 7

Humor ist … wenn man trotzdem lacht Was ist Humor? 9

Interessantes, nicht nur für Senioren Gedenktage 2019 (Teil 2)

Zum Lesen und Vorlesen

Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen 10

Die Sache mit dem Humor 12

Eine Fahrt in den Urlaub – Humor oder Galgenhumor? 13

Enkelkinder – Eine Quelle besonderen Humors 15

Witze und Humor 17

Haben Hunde Humor? 18

Häschen-Styling 18

Humorvolles – in Worten und in Bildern 19

Der erste Mensch im Weltall

James Last wird 90

70 Jahre Grundgesetz

Wir gratulieren: Der Oscar wird 90

Die Leiden der jungen Profis 24

(Brett-) Spiele des Lebens – Ein Dank an Oma Frieda 25

Der Alte Fritz und der Müller Arnold 26

BIP – ein Lotse im Pflegedschungel 26

Friedvolle Erinnerungsorte 29

Der Platz am Fenster – Erinnerungen können helfen 31

Heinrich Zille, der Meister des Milljöhs

Wenn ich mal alt bin........

Der Neinengel

Sonnenblumen

Es wenigstens versuchen (Inge Wuthe)

Plötzlich Gänsevater (Michael Quetting)

Das Leben geht weiter (Wilko Johnson)

Der Klügere gibt Nachhilfe

Sprachakrobatik für alle Lebenslagen (Philipp Scharri)

Fräulein Nettes kurzer Sommer (Karen Duve) 37

Rätsel 38

Aus der Arbeit des Seniorenbeirates 39

Mitteilungen der Redaktion 43

Impressum / RE-BELL 44

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Der Sommer kann kommen

Wie freu` ich mich der Sommerwonne

Wie freu` ich mich der Sommerwonne,

des frischen Grüns in Feld und Wald,

wenn`s lebt und webt im Glanz der Sonne

und wenn`s von allen Zweigen schallt!

Ich möchte jedes Blümchen fragen:

Hast du nicht einen Gruß für mich?

Ich möchte jedem Vogel sagen:

Sing, Vöglein, sing und freue dich!

Die Welt ist mein, ich fühl es wieder:

Wer wollte sich nicht ihrer freu`n,

wenn er durch frohe Frühlingslieder

sich seine Jugend kann erneu`n?

Kein Sehnen zieht mich in die Ferne,

kein Hoffen lohnet mich mit Schmerz;

da wo ich bin, da bin ich gerne,

denn meine Heimat ist mein Herz

Hoffmann von Fallersleben.

Der Sommer

Der Sommer, der Sommer,

das ist die schönste Zeit:

Wir ziehen in die Wälder

und durch die Au'n und Felder

voll Lust und Fröhlichkeit.

Der Sommer, der Sommer,

der schenkt uns Freuden viel:

Wir jagen dann und springen

nach bunten Schmetterlingen

und spielen manches Spiel.

Der Sommer, der Sommer,

der schenkt uns manchen Fund:

Erdbeeren wir uns suchen

im Schatten hoher Buchen

und laben Herz und Mund.

Der Sommer, der Sommer,

der heißt uns lustig sein:

Wir winden Blumenkränze

und halten Reigentänze

beim Abendsonnenschein.

Hoffmann von Fallersleben


Endlich Sommer

Es ist der 21. Juni und ein Blick in meinem

Kalender verrät mir: „Sommeranfang“. Endlich

Sommer! Schönes Wetter, verbunden mit

sonnig warmen Tagen liegen nun hoffentlich

vor mir.

Jedoch ein zweiter Blick lässt mich gleich

wieder frösteln. Steht da doch gleich in den

ersten Sommertagen etwas von Schafskälte,

Siebenschläfer und später von den Hundstagen.

Ich dachte, mit der Kälte und der Frühjahrsmüdigkeit

sei es nun endgültig vorbei. Aber

weit gefehlt, wie ich bei näherer Recherche

herausfinden konnte.

Wenn es im Juni (ca. 4. - 20. Juni) plötzlich

zu einem Temperatureinsturz kommt, dann

ist dies ein eindeutiges Zeichen für die sogenannte

Schafskälte. Ihren Namen verdankt

sie den Schafen, denn für gewöhnlich war

dies die Zeit für das Scheren dieser Tiere.

Die plötzlich eintretende Kälte war jedoch

unangenehm für sie und konnte gesundheitliche

Gefahren mit sich bringen. Darum werden

die Mutterschafe sowie ihre Lämmer

inzwischen erst gegen Ende des Junimonats

geschoren.

Die Schafskälte ist ein besonderes Wetterphänomen,

welches die Wetterlage seit

unzähligen Jahren immer wieder von neuem

durcheinander bringen kann. Typisch dafür

sind neben den kalten Temperaturen das

wechselhafte Wetter und der häufige Regen.

Verantwortlich dafür sind feuchtkühle Lufteinströmungen

aus Nordwesten, welche ein

Absinken der Temperatur um 5 bis zu 10

Grad Celsius bewirken können.

Ein Tiefdruckgebiet über Nordosteuropa

zapft dann auf seiner Rückseite kalte Meeresluft

an und lenkt diese nach Deutschland.

Überwiegend sind Deutschland und Österreich

am stärksten davon betroffen; so sagen

die Meteorologen.

Und was hat es mit dem 27.Juni, dem sogenannten

Siebenschläfertag, auf sich?

Anders als vielleicht vermutet, hat der Siebenschläfertag

weniger etwas mit dem

gleichnamigen Nagetier zu tun. Vielmehr

steht dieser Name für einen liturgischen

Gedenktag und bezieht sich auf die sieben

Schläfer von Ephesus.

Einer alten Legende nach sollen sich sieben

junge Christen in der Zeit der Christenverfolgung

unter Kaiser Decius (249 - 251) in einer

Berghöhle nahe Ephesus/Türkei Zuflucht

gesucht haben. Sie wurden jedoch entdeckt

und lebendig eingemauert. Der Legende

nach starben sie aber nicht, sondern schliefen

195 Jahre lang. Am 27.Juni (nach unserer

Zeitrechnung) im Jahr 446 wurden sie

zufällig entdeckt, wachten auf und bezeugten

den Glauben an die Auferstehung der Toten.

Wenig später starben sie.

Erstmals wurde die Legende von den Sieben

Schläfern von Ephesus im 6. Jahrhundert

von Bischof Gregor von Tours (538 - 594)

schriftlich dokumentiert und ins Lateinische

übersetzt. Die Legende ist auch in der

18. Sure des Korans enthalten, so dass die

Höhle bei Ephesus heute sowohl für Christen

als auch Muslime eine heilige Stätte ist.

In Süddeutschland waren Legende und Kult

um die Siebenschläfer besonders stark verbreitet,

sodass im 18. Jahrhundert in Rotthof

bei Passau die Höhle nachgebaut und so

zum Wallfahrtsort wurde.

Schafe im Schnee

Die sieben Schläfer von Decius

(Gemälde aus dem 14. Jahrhundert)

Foto: www.donnerwetter.de/wetter-lexikon/

siebenschlaefertag_cid_4055.html


Doch soll der kleine Nager namens Siebenschläfer

an dieser Stelle auch kurz seine

Beachtung finden. Dieser Nager wird auch

Schlafmaus genannt und hält seinen Winterschlaf

von September an bis in den Mai/Juni

des folgenden Jahres.

So ist der 27. Juni nicht nur ein liturgischer

Gedenktag, sondern auch ein wichtiges

Datum im Kalender eines jeden Landwirts.

Eine von vielen Bauernregeln lautet: Wie das

Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es

sieben Wochen lang bestellt.

Doch Vorsicht mit der Prognose! Sie muss

nicht bedeuten, dass das Wetter in den

darauf folgenden sieben Wochen genauso

wird, wie es an diesem Tag ist.

Von Bedeutung ist das Wetter eher um die

Zeit von Ende Juni / Anfang Juli, weil es Auswirkungen

auf den zu erwartenden Ernteertrag

hat und somit von großer Wichtigkeit für

die Bauern ist.

Da die Bauernregel bereits vor der Gregorianischen

Kalenderreform 1582 entstand,

stimmt der heutige Siebenschläfertag bzgl.

des Nagers nicht mehr mit dem ursprünglichen

Tag überein. Durch die Verschiebung

um etwa zehn Tage wäre der "richtige" Siebenschläfertag

erst am 7. Juli.

Ich persönlich halte es da lieber mit der Bauernregel:

Kräht der Hahn auf dem Mist,

ändert sich`s Wetter oder es bleibt, wie es

ist. Da hilft nur einfach „abwarten!“

Ihren Sommerurlaub, liebe Leser, sollten Sie

unbedingt in der Zeit vom 23. Juli – 23. August

einplanen, denn da ist die Zeit der

Hundstage. Diese Zeit bezeichnet traditionell

die sommerliche Hitzeperiode, also die heißeste

Zeit des Jahres. Aus astronomischer

Sicht beginnen die Hundstage mit dem ersten

sichtbaren Aufgang des Hundssterns Sirius

in der Morgendämmerung.

Die Ansicht, dass die Hundstage mit besonders

schönem oder heißem Wetter einhergehen,

stammt aus dem 14. Jahrhundert. Da

sich die Hitzeperiode über die Jahrhunderte

hinweg jedoch tendenziell eher Richtung Mitte

Juli nach vorne verschoben hat, ist diese

zeitliche Verbindung nicht mehr exakt zutreffend.

Mit unseren vierbeinigen Freunden haben die

Hundstage nur wenig zu tun – abgesehen

von der Suche nach dem erfrischenden

Nass.

Und was haben wir Menschen mit den

Hundstagen zu tun?

Wir folgen dann wohl eher der Empfehlung

von Conny Froboess, die vor vielen, vielen

Jahren einen großen Erfolg hatte mit dem

Schlager „Pack die Badehose ein, nimm dein

kleines Schwesterlein und dann nichts wie ab

zum Wannsee“; oder, wie in meinem Fall:

Ab zur Mollbeck!

Sommer-Limerick

Jeder wünscht sich wieder den Sommer

vom letzten Jahr

man geriet einfach ins Schwärmen,

traumhaft, wunderbar

überall nur strahlende Gesichter

ich wurde inspiriert wie ein Dichter

so kann es ruhig weitergehen

auch in diesem Jahr

Friedemann Petzke

Es wird Sommer,

die Bienen sind da

(ew)

Allerorts blüht und gedeiht die Natur. Ein

wundervoller Anblick. Am Nachmittag lässt

es sich gut draußen sitzen – ein Stück Kuchen,

eine mit Zucker versehene Tasse Kaffee

– es macht uns zufrieden und glücklich.

Aber da sind sie wieder, die Bienen: große,

kleine, kompakte, schlanke. Sie sehen unterschiedlich

aus und sind es auch.

Da lohnt es sich, Informationen einzuholen.

Seit langen Jahren wird laufend vom Bienensterben

gesprochen. Aber so ganz richtig ist

diese Aussage nicht.

Honigbienen werden nicht aussterben, solange

es Imker gibt, die sie fürsorglich betreuen.

Die Zahl der Imker hat zugenommen und


somit auch die Zahl der Bienenstöcke.

Bis zu einer Million

Bienenvölker werden,

laut einer Statistik des Deutschen

Imkerbundes, dieses

Jahr wieder ausschwärmen.

Das wären 60 Milliarden

Bienen (ein Volk besteht

aus ungefähr 60.000 Bienen)

– der Kauf von Honig

und Honigprodukten ist

also gesichert.

Wenn in Recklinghausen besondere Festivitäten

stattfinden, besuche ich stets einen jungen

Imker, der etliche Produkte in seinem

Sortiment hat. Ich habe mich auf Seife und

Kerzen spezialisiert, ein Zusatz zu einem

„Honigbad“ darf es im kommenden Winter

auch sein.

Aber zurück zum „Bienensterben“. Gemeint

sind die Wildbienen. Diese benötigen gewisse

Nährpflanzen, einen ruhigen Nistort, Nistmaterial,

da sie über Monate in der Nisthöhle/Niströhre

liegen. Dort entwickeln sich die

Eier, Larven und Puppen.

Als Folge der Versiegelung der Landschaftsräume

durch Bebauung von Wohn- und

Gewerbegebieten, schlichte „praktische“ Gartengestaltung

und vieles mehr wird ihr

Lebensraum stark verkleinert. Dazu kommen

noch die versprühten Insektizide, die nur auf

Honigbienen getestet worden sind.

Man sollte den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

reduzieren und sie nur außerhalb der

Flugzeiten der Bienen ausbringen. Die Ränder

von Feldern sollten nicht gemäht oder

nur nach der Blüte der Wildblumen umgepflügt

werden.

Natürlich hat die Honigbiene auch Feinde: In

der Überwinterungszeit ist es hauptsächlich

die sog. Varroose. Es ist der Parasit Varroamilbe.

Gegen diese Milbenart muss der Imker

fleißig sein.

Biene ist nicht Biene: Es gibt die Honigbienen

und die Waldbienen, Wespen, Hummeln

und Hornissen. Die Honigbiene hat einen

rundlichen Körper, kurze Haare, eine bernstein-

bis dunkelbraune Farbe. Nahrung sind

Pollen und Nektar. Wenn sie einen Menschen

sticht, muss sie sterben (der Stachel

hat einen Widerhaken, der sich verfängt).

Die Wespen sehen ähnlich aus wie Bienen.

Angelockt werden sie durch Kuchen, Marmelade,

machen aber auch vor Fleischgerichten

und Getränken nicht halt.

Stechen sie, bleibt ihnen der

Stachel erhalten.

Die Hummel ist viel größer,

die Behaarung lang, die

Farbe ist bernstein-braun.

Ihre Nahrung sind Pollen

und Nektar. Auch sie behalten

nach einem Stich ihren

Stachel.

Die Hornissen sind die größten

Tiere der Gattung. Ihr

Summen, wenn sie in unsere Nähe kommen,

ist recht laut. Sie ernähren sich ebenfalls von

Pollen und Nektar. Der Stich beraubt sie

ihres Stachels nicht. Sie sind auch bekannt

dafür, sich an den Vorräten der Bienen zu

bedienen. Kurz gesagt, sie stehlen.

Der Mensch sollte aber bei allen vier Gattungen,

wenn sie in die Nähe kommen, keine

hektischen Bewegungen machen. Das ist

leichter gesagt, als getan. Aber ein kleines

vorsichtiges Schubserchen ist sicher erlaubt.

Gläser und Tassen sollte man abdecken.

Nimmt man ein Stück Kuchen zu sich oder

trinkt aus einem Glas, ist es ratsam, immer

nachzusehen, ob sich ein Tierchen niedergelassen

hat. Auch sollte man nicht mit offenem

Mund im Sessel sitzen (schlafen) – ein Stich

im Mundraum oder im Hals ist kein Kinderspiel!

Das finden noch nicht einmal der Notarzt

oder die Notfallstelle gut!!

(sm)

Butter in die Klo

Auch wenn schon in der Bibel gefordert wird,

man möge doch im Lande bleiben und sich

redlich nähren, zieht es zumindest zur

Urlaubszeit ganze Heerscharen von

Abwechslung oder Sonnenbrand Suchenden

in fremde Gefilde.

Wogegen auch im Grunde nichts einzuwenden

ist, liegt es doch in der Natur des Menschen,

seinen Horizont zu erweitern und

Neues zu entdecken. Zumindest aber, sich in

anderer Herren Länder all inclusive versorgen

zu lassen und von dort zollfrei Schnaps

und Zigaretten mitzubringen.

Nun vertritt der durchschnittliche Tourist in

aller Regel die Auffassung, wenn er schon


sein Geld in ferne Länder trägt, habe man

doch bitte dort auch seine Muttersprache zu

sprechen. Gut, auf Malle tritt er damit zweifellos

offene Türen ein. Doch auch andernorts

gibt man sich verständigungstechnisch in der

Regel alle Mühe.

Wie auch der Portier in der italienischen Herberge,

bei dem sich der treusorgende Gatte

von Elfriede soeben um eine adäquate

Problembewältigung bemüht.

„Buon giorno, ecco Paolo Maldini, portiere de

Albergo Mozzarella“.

„Tschuldigung,

äh, sorry, ach

nee, Quatsch,

Elfriede, wie

heißt dat noch

ma in Italienisch,

weißte

auch nich, is ja

auch egal, oder

nee, jetz hab ich et, scusi,

senor, aber is da die Rezeption?“

„Si, si, hier isse Ressepcion von die Hotel,

was könne tue für Sie?“

„Ja, also, dat is so, ich hab da, oder nee,

eigentlich hat ja mehr meine Frau,

jedenfalls, wir ham da ein Problem mit

unsern Badezimmer.“

„Ah, Badessimmer, isse was kaputte? Keine

Wasser in die Dusse? Oder fehlte

Wasser in die Klo und Ssseiße bleibte liegen?“

„Nee, dat isset ja nich, also, Wasser,

Dusche, allet in Ordnung, und auch

Klo, nee, flutscht wirklich bestens, also, allet

in Butter…“

„Ah, verstehe, isse Butter in die Klo, isse nich

gut, musse sprecke mitte Putzfrau.“

„Nee, oder eigentlich ja, also, Putzfrau is gut,

aber nich wegen Butter in dat

Klo, is doch Quatsch, da is doch gar keine,

aber mit die Handtücher,

da liegt dat

Problem begraben.“

„Ah, Handtuke, was

isse mitte Handtuke?

Isse smutzig

oder was isse?“

„Nicht schmutzig,

Gottes Willen, nee,

wirklich, die sind so

sauber, so kenn ich dat ja nich ma von zu

Hause ... wie? … wat is? ... Elfriede, lass gut

sein, so war dat doch nich gemeint, mehr

so'n Vergleich, mein Gott, nun nimm doch

nich immer gleich allet persönlich ... hallo,

sind se noch dran? Ja? Also,

tschuldigung noch ma, mein Gott, wie heißt

dat nur in Italienisch, jedenfalls, Handtücher

nix dreckig, auf keinen Fall, nee, is vielmehr,

wir haben eins zu wenig.“

„Ah, Handtuke ssu wenig, verstehe, brauche

noch eine Handtuke, si? Von die

große oder von die kleine?“

„Wieso große? Hier gibtet nur eine Sorte

Handtücher.“

„Eine Sorte? Was ist Sorte? Musse nochma

frage, große oder kleine?“

„Große! Kleine! Ja, mein Gott, Elfriede, sach

doch auch ma wat. Wat meinste?

Ach, Badelaken, dat könnte sein, also Sie,

Herr, Senior, Badelaken, wenn se

die meinen, is kein Problem, nee, da fehlt

keins, im Gegenteil, da hatten

wir gestern sogar eins zuviel.“

„Ah, habe Handtuke ssuviel, ich denken, ssuwenig?“

„Ja, nee, also Badelaken is okay, zuviel war

ja gestern.“

„Also morgen eine Badelake weniger, si?“

„Nee, nich gut, hören se, Badelaken alles

gut, aber Handtücher, also kleine,

davon bitte eins mehr!“

„Eine Handtuke für an Meer? Prego, meine

Herr, nehme keine Handtuke mit ssu die

Meer, isse nix erlaubt, isse bittesssön verbote.“

„Ja, tun wir doch auch nich, ... mein Gott,

der versteht mich nich, … also, hörense, nich

für am Meer, da würd ich ja auch ein Badelaken

mitnehmen, aber keine Bange, auf die

Idee käm ich im Leben nich, ja, nee, is klar,

aber Sie, wir brauchen ein Handtuch! Handtuch

zu wenig, nich

zuviel, nur Badetuch

zuviel und gestern

und nich heute,

heute Handtuch zu

wenig.“

„Meine Herr, bleibe

ganz ruhig, also,

habe verstande,

Handtuke ssuviel


und nicht ssu wenig und nicht ssuviel und

doch ssuwenig, alles klar, keine Problem,

und was könne tue für Sie?“

„Ja, also, wissen se wat, schicken se meintwegen

doch die Putzfrau, damit se die

Butter aus'm Klo wegmacht. Und du, Elfriede,

pack dat verdammte Handtuch wieder aus’m

Koffer. Et gibt kein neuet!“

Wilfried Besser

Sommerliche Fotoparade


Humor ist … wenn man trotzdem lacht

Humor ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen,

den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu

begegnen. Diese Auffassung ist in der sprichwörtlichen Wendung Humor ist, wenn man

trotzdem lacht ausgedrückt.

Humor ist unzweifelhaft eine großartige Kraftquelle, mit Stress und Belastungen umzugehen

und die Dinge leichter zu nehmen.

Was ist Humor?

Folgen Sie unserem Gang durch die Welt des Humors.

Ich habe mir viel Gedanken über

Humor gemacht. In mich hineingehorcht:

Habe ich Humor? Normal

oder eher weniger? Oder

bemerken das nur meine

Gesprächspartner? Etliche Zeit

habe ich Freunde und Bekannte

beobachtet – wer lacht oft, wer

weniger und warum? Alles gar

nicht so einfach!

Berufsbedingt habe ich recherchiert: Amerikanische

Wissenschaftler haben festgestellt,

dass es im menschlichen Gehirn eine Art

„Humorzentrum“ gibt. Aber ob es vollkommen

humorlose Menschen gibt, haben sie

noch nicht herausgefunden.

Vier Tests mit jeweils 13 Personen zeigen,

dass sich Aktivitäten auf einem kleinen

Bereich auf der Unterseite des Gehirns

abspielen. Während der Untersuchungen

wurden Witze vorgelesen, hat man Lachen

vorgespielt und lustige Bilder gezeigt. Wer

darüber gelacht hat, zeigte sich auf Magnetresonanz-Abbildungen.

Soweit die Erfahrung

der Gehirnforscher.

Gewissheit hat man aber auf jeden Fall, dass

Humor und Lachen ein wichtiger Teil und bei

jeder menschlichen Persönlichkeit vorhanden

und notwendig sind, um schlechte Erfahrungen,

Angst und Stress auszugleichen.

Ist der Mensch gesund, lacht er mehr als ein

Kranker.

Menschen lachen aber aus unterschiedlichen

Gründen: herzhaft, wenn etwas Lustiges passiert,

hämisch bei Schadenfreude. Viele

schmunzeln, manche lachen nur kurz auf.

Andere aber lachen bei jeder Kleinigkeit (die

nerven ganz besonders!). Ist man glücklich,

lacht es sich leichter. Nach Schicksalsschlägen

wird erst gar nicht oder kaum gelacht.

Nicht umsonst gibt es den Spruch „Ich habe

gar nichts zu lachen.“

Aber: Lachen kann trainiert werden! Es gibt

Seminare, die sich Humortraining nennen.

Viele von uns haben sicherlich schon einmal

vom Lachyoga gehört. Beobachtet man als

Außenstehender die Gruppe, sieht es schon

sehr komisch aus, wenn dort zehn Menschen

hüpfen, die Arme komisch bewegen, sich auf

die Schulter klopfen und lachen und lachen

(meine Medienkollegin Edelgard Rose hat es näher

beschrieben, ich habe während des Lesens

herzhaft gelacht). Es werden sogar Seminare

abgehalten, um sich als Humortrainer ausbilden

zu lassen.

In Kinderkliniken werden oft Clowns zur

Erheiterung eingesetzt. Keine, die sich das

Gesicht schminken und ein zugehöriges Kostüm

tragen – wir sind schließlich nicht im Zirkus.

Nein, nur eine lustige Mütze auf dem

Kopf, ein quietschbuntes Tuch um den Hals

gebunden und eine rote Pappnase aufgesetzt,

fertig ist der Clown. Mit kleinen Witz-


chen bringt er selbst schwerkranke Kinder

zum Lachen.

Kindern hilft Humor auch beim Schulunterricht.

Ein Lehrer, der es versteht, im Unterricht

etwas Lustiges einzuflechten, ist beliebter,

als derjenige, der „staubtrocken“ alles

herunterrasselt. Persönlich habe ich beides

erlebt, muss aber sagen, dass, je nach Fach,

Humor nicht immer angesagt war. Aber nach

Unterrichtsende haben einige freundliche

Worte plus ehrlicher Mimik immer gewirkt.

Schauen Sie sich Ihr Umfeld einmal bewusst

näher an. Gehen Sie aufmerksam durch die

Straßen: Pinkelt da nicht gerade ein Hund

zufrieden an den Baum? Herrchen oder

Frauchen stehen, in die Luft guckend, teilnahmslos

daneben. Ein Bild für die Götter.

Bei mir im Garten spaziert seit kurzer Zeit

eine Katze quer über das Rasengrundstück,

macht aber stets einen kurzen Schlenker

Richtung Terrassentür. Ist die Tür geöffnet,

kommt sie immer näher. Arme wedelnd und

mit Lauten wie „Sch, Sch“ vertreibe ich sie.

Aber ca. 5 Meter entfernt setzt sie ein Häufchen

ins Gras und versucht es zu verbuddeln.

Beim ersten Mal habe ich mich geärgert,

dann festgestellt, dass sie es nur macht,

wenn ich wedelnd dastehe. Ist die Tür geschlossen,

die Gardine nicht zugezogen,

steht sie einige Zeit da, schaut durch die

Scheibe – meinerseits keine Reaktion – und

geht weiter: ohne Häufchen.

Ich könnte etliche Gegebenheiten erzählen,

aber das würde den Rahmen sprengen. Das

ist wie das morgendliche in den Spiegel

Schauen: Grinsen Sie sich an, die Laune

steigt. Lachen ist gesund!

(sm)

Die Hoffnung, der Schlaf

und das Lachen

Lachen kann doch schließlich jeder, ist uns ja

auch angeboren. Aber warum sagen viele

Menschen, dass es ihnen so schwer fällt?

Wenn man sich mit den Themen Humor und

Lachen beschäftigt, könnte man trübsinnig

werden. All die Weisheiten, guten Ratschläge,

Glücksrezepte in Büchern und Zeitschriften

ohne Zahl machen einen eher konfus

statt weise und helfen meistens überhaupt

nicht. Doch folgenden Sinnspruch möchte ich

davon ausnehmen. Ihn habe ich öfter in meinem

Leben als äußerst hilfreich und passend

erlebt: „Um mit den Widrigkeiten des Lebens

besser fertig zu werden, helfen die Hoffnung,

der Schlaf und das Lachen.“ Das trifft meiner

Meinung nach genau den Kern des Humor-

Problems.

Wir Deutschen gelten ja gemeinhin als Miesepeter,

als Jammerer auf hohem Niveau,

als humorlose

Ordnungsfanatiker,

als Pessimisten

und so weiter.

Man könnte diese

negative Liste

noch fortführen.

Dabei geht es

insbesondere uns

Senioren im Großen

und Ganzen

besser als jeder

Generation vor

uns. Was fehlt

uns dann, um ein

zufriedeneres Leben

zu führen?

Warum sind wir

nicht glücklicher? Typisch deutsch?

Manche meinen,

es werden wohl die Gene sein. Wir sind eben

unterschiedlich von Geburt an. Die einen

kommen als Optimisten zur Welt, tun sich

leichter mit allen Schwierigkeiten des

Lebens, wo hingegen die bedauernswerten

Pessimisten ja auch nichts dafür können,

dass sie solche Schwarzseher sind. Damit

hat man endlich die pauschale Entschuldigung:

„Da kann man halt nichts machen, das

ist nun mal so. Das Leben ist kein Kinderspiel.“

Und „Altwerden ist nichts für Feiglinge“.

Jeder kennt das aus eigenem Erleben.

Doch genug von solch theoretischen Gedankengebilden.

Zu diesem Thema können

Fachleute wie Psychologen, Ärzte u. v. a. m.

viel besser und kompetenter etwas sagen.

Begegnung am Gesundheitstag

Im April 2016 lockte mich der von Zeit zu Zeit

stattfindende Gesundheitstag ins Festspielhaus.

Da gab es scheinbar für absolut alle

Leiden dieser Welt eine Lösung. So schien

es mir jedenfalls angesichts der Fülle an

Informationen und Vorträgen. Ehe ich so

richtig mit der Besichtigung angefangen hat-


te, hörte ich aus einer Ecke des Erdgeschosses

ziemlichen Lärm. Was da wohl los war?

„Lachyoga“ las ich auf einer Tafel, Beginn

10.30 Uhr, Eintritt frei.

Das passt ja gut, dachte ich, Lachyoga wolltest

du doch immer schon kennenlernen.

Eine Gruppe von ca. 20 Personen, überwiegend

Frauen, stand laut schwatzend, aber

auch etwas verlegen in der Runde. Ich stellte

mich kurz entschlossen dazu. Bald darauf

kam die Leiterin dieser Veranstaltung und

berichete Wissenswertes über diese noch

recht junge Sportart. Eine Stunde intensives

Lachen soll ja wie Sport wirken. Es könne

Blockaden lösen, Stresshormone abbauen,

das Herz- und Kreislaufsystem stärken, kurz:

die Schwierigkeiten des Alltags abfedern und

entschärfen.

Ein indischer Arzt hat Ende des vorigen Jahrhunderts

entdeckt, dass intensives Lachen

das Gehirn anregt, Glückshormone auszuschütten,

die das alles bewirken sollen. Und

zwar erstaunlicherweise egal, ob mit oder

ohne Grund gelacht wird. Das gibt es?, fragten

wir die (Yoga)-Lehrerin verwundert. „Ja,

ganz sicher! Nur lachen wir mit 15 - 16 Mal

am Tag viel zu wenig. Schauen Sie sich Kinder

an, die lachen ca. 500 Mal. Aber wir können

ja mit dem Lachyoga helfen, es ihnen

gleichzutun, um eine heilsame Wirkung zu

erreichen. Und arbeiten die sogenannten Klinikclowns

nicht ebenfalls auf dieses Ziel

hin?“

Theorie und Praxis

Nach kurzen Einstimmungsübungen begannen

wir mit einem Mix aus Klatsch-, Dehnund

Atemübungen, die nicht schwer nachzumachen

waren. Wenn mir da nur nicht dauernd

mein Schamgefühl im Wege stünde! Es

sieht ja auch ganz schön blöd aus, so ohne

Anlass wie ein Löwe zu brüllen bzw. zu

lachen oder Queen Mums königliches

Lachen erschallen zu lassen mit gleichzeitig

erhobener Winkhand. Danach sollten wir

unser Gesicht eincremen, dabei in einen imaginären

Spiegel schauen und uns wieder

schlapplachen, obwohl es uns eigentlich

nicht danach war. Hier kommt die eigene

Vorstellungskraft so richtig zum Einsatz.

Plötzlich ertönte aus einem Handy ziemlich

blechern der ‚Ententanz‘, was uns, Sie werden’s

nicht erraten, das Entenlachen entlockte.

Wir probierten noch das Elefantenlachen

und v. a .m., zogen uns an den Ohren, auch

gegenseitig. Dazwischen kamen immer wieder

Yoga-ähnliche Körperübungen.

Es ging inzwischen schon ganz gut, einfacher,

natürlicher, fast wie echt. Wir kicherten

vor uns hin: Hohoho und hihihi, schlugen laut

auf unsere Schenkel und fühlten uns befreiter

und entspannter. Die ganze Welt war für

uns komisch geworden. Schnell verging die

Zeit, und unsere Leiterin erzählte zum

Abschluss von ihren eigenen guten Erfahrungen

mit dem Lachyoga, welches ihr in

schwieriger Lebensphase (Brustkrebs) mithalf,

aus dem Loch heraus zu finden. Alle

waren erstaunt bis begeistert.

Ich nahm mir vor, mich sofort zum nächsten

Kurs anzumelden (typisch). Leider ist es bis

heute beim Vorsatz geblieben.

Aber ich kann es beschwören: Nach der

Lachyogastunde fühlte ich mich, als hätte ich

eine Flasche Sekt auf ex getrunken und ging

dabei wie auf Wolken. Leider verspürte ich

nach einer gewissen Zeit eine Art Kater wie

nach einem echten Rausch. Ich hatte mich

wohl ein wenig übernommen und in eine

Euphorie geschaukelt.

Eine interessante Erfahrung war es allemal.

Ist mehr von etwas Gutem jetzt etwas

Schlechtes? Oder allzu viel doch ungesund?

Oder wie wäre es mit „Die Dosis macht das

Gift?“

(er)


Die Sache mit dem Humor

Als sich das Team der RE-SOLUT auf die

zweite Ausgabe 2019 vorbereitete, einigte

man sich auf das Thema Humor . Einige Tage

überlegte ich mir, was ich denn dazu beisteuern

könnte. Da fiel mir eine kleine Anekdote

ein, welche sich vor vielen Jahren zugetragen

hatte.

Meine damals fünfjährige Tochter war in der

Weihnachtszeit den weihnachtlichen Liedern

sehr zugetan. Besonders das Lied „Hört der

Engel helle Lieder, klingen weit das Feld entlang“

mit dem Refrain „Gloria in excelsis

Deo“ hatte es ihr angetan.

Versunken im Spiel trällerte sie eines Tages

das Lied vor sich hin. Doch statt des zu erwartenden

Refrains „Gloria, in excelsis Deo“

hörte ich es lauttönend aus dem Kinderzimmer

schallen: „Gloria, in dem Zelt sitzt Leo.“

Noch heute können wir über die etwas andere

Refrainversion herzlich lachen.

Von humorvollen Begebenheiten aus seinem

Leben weiß sicherlich jeder von uns zu

berichten. Und wer hat nicht schon herzlich

über seine eigene oder anderer Leute Torheit

und Missgeschick lachen müssen, ja sogar

Tränen lachen müssen. Der Dichter und Satiriker

Jean Paul Richter verstand den Humor

als eine Weisheit, Torheiten und Leiden der

Menschen „unter Tränen zu belächeln“.

Die Sache mit dem Tränen lachen kommt

nicht von ungefähr, denn das Wort Humor

stammt von dem lateinischen Wort humor,

das eng an dem Begriff umor (Feuchtigkeit) –

und in diesem Zusammenhang sind unsere

körpereigenen Säfte gemeint – angelehnt ist.

So kommt es wohl nicht von ungefähr, wenn

wir sagen: „Da hab‘ ich Tränen lachen müssen“

oder „Ich hab‘ mir vor lauter Lachen in

die Hose machen müssen“.

Für mich ist Humor die Fähigkeit, auch die

Schattenseiten des Lebens mit heiterer

Gelassenheit und geistiger Überlegenheit zu

betrachten, denn Wo gelacht wird, wird nicht

gekämpft.

Humor zeigt sich in vielen Formen und drückt

sich durch Bild und Sprache unterschiedlich

aus. Nicht selten verstecken sich hinter dem

„Spaß“ Schadenfreude, Verlogenheit oder

Traurigkeit. Humor, der im Zusammenhang

steht mit ehrlicher und aufrechter Freude und

Anteilnahme, ist mir bis heute nicht bekannt.

Als „Altmeister“

der humoristischen

Dichtkunst

ist an dieser Stelle

ohne Zögern Wilhelm

Busch zu

nennen. In seinen

Werken und satirischen

Bildergeschichten

in Versen

spiegeln sich

auf humoristische

Weise Blindgläubigkeit, Bigotterie (Der Heilige

Antonius von Padua, die fromme Helene)

und Respektlosigkeit (Max und Moritz) wider.

Ein Beispiel: „Beim

Duett sind stets zu

sehn, zwei Mäuler,

welche offenstehn.“

Dem steht Heinz

Erhardt, ein Komiker,

Schauspieler

und Kabarettist

unserer Zeit, an

Wortwitz in nichts

nach. So lautet eines

seiner vielen

scherzhaften und durchaus tiefsinnigen Wortspiele:

„Gerichtsvollzieher sind wie kleine

Kinder, was sie sehen, wollen sie haben.“

Nahtlos einreihen darf sich hier auch in seiner

mitunter sarkastischen Ironie Joachim

Ringelnatz, ebenfalls Kabarettist und Schriftsteller.

Zitat: „Auch die besessensten Vegetarier

beißen nicht gerne ins Gras.“

Auf keinen Fall darf an dieser Stelle ein pfiffiger

Geselle namens Till Eulenspiegel

(13. Jhd.) ungenannt bleiben. Seine Art von

Humor bestand darin, Redewendungen

„wörtlich“ zu nehmen und/oder übertrieben


komisch darzustellen – zur allgemeinen

Belustigung der Leute. Er machte auch

keinen Halt vor makabren Scherzen: „Alter

geht vor“, sagte er, „da warf er seine Mutter

die Treppe hinunter.“

Und noch einen Witz: Vor dem Kanzleramt

ist ein Rentner gestürzt. Die Kanzlerin hilft

ihm auf und sagt: „Dafür müssen Sie mich

aber das nächste Mal wählen“. Antwort des

Rentners: „Ich bin auf den Rücken gefallen -

nicht auf den Kopf!“

Liebe resolute Leser, egal was Ihnen wie

begegnet, bitte verlieren Sie nicht Ihren

Humor!

(ew)

Fotos:

Wilhelm Busch – https://www.wilhelm-busch.de/wilhelm-busch/

lebenslauf-von-wilhelm-busch/

Heinz Ehrhardt – http://www.heinz-erhardt.de/

Viele seiner „Späße“ waren nicht selten dem

sogenannten „schwarzen Humor“ entlehnt.

Sie dienen heute noch als Grundlage für

Schwänke, in denen derbkomische Situationen

oder Pointen dargestellt werden. Gerne

sprechen wir dann von „Eulenspiegeleien“.

Derbkomische Beispiele finden wir auch im

Karneval. Da werden gerne Politiker und

andere öffentliche Personen oder Situationen

mittels eines „Mottowagens“ auf die „Schippe“

oder „aufs Korn“ genommen. Oder nehmen

wir den Begriff „Satire“, welche durch

Ironie und spöttische Übertreibung menschliche

Schwächen, politische Ereignisse usw.

kritisiert. Sie erlebt zurzeit in den Medien

größte Beliebtheit.

Nicht selten kann Humor aber auch Kontroversen

darüber auslösen, wenn tragische

Ereignisse zum Gegenstand genommen werden

und dabei die Grenze des guten

Geschmacks überschritten wird. Da kann einem

das Lachen wohl schon mal im Halse

stecken bleiben; denn eigentlich erwartet

man bei Themen wie Krankheit, Religion

oder Tod eine Abhandlung in ernsthafter

Form.

Ich persönlich halte es da lieber mit einem

guten Witz, der in herzerfrischender Form

unsere menschlichen Marotten sowie alltägliche

Dinge des Lebens und den nicht enden

wollenden Geschlechterkampf zwischen

Mann und Frau widerspiegelt. Fragt der Ehemann:

„Liebling, du siehst heute aber bezaubernd

anders aus. Hast du eine neue Frisur?“

Ehefrau: „Schatz, ich bin hier drüben.“

Eine Fahrt in den Urlaub

Humor oder Galgenhumor?

Zugegeben, ich gehöre nicht zu den Vielfahrern

der DB (Deutsche Bahn) und somit auch

nicht zu den vielen zu bemitleidenden Bahnfahrt-Geschädigten.

Aber wenn ich dann

doch mal das Auto stehen lasse und per

Bahn in den Urlaub fahre, dann erwischt es

mich auch, dieses „Bahnfahrt-Syndrom“.

So geschehen letzten Sommer auf der Fahrt

mit den Enkeln an die Ostsee, noch

„beeindruckender“ aber an einem Gründonnerstag

bei einer Reise mit einem Teil meiner

Familie in den Osterurlaub nach Tirol. Da war

wirklich Humor gefragt, Sie werden sehen.

Hier die Situation: ICE Frankfurt a.M. nach

München / Weiterfahrt IC nach Innsbruck /

Umsteigezeit 45 Minuten.

Soweit so harmlos und unspektakulär, jedenfalls

an normalen Tagen. Unser Tag sollte

allerdings nicht normal werden. Nein, es lag

nicht an der ferienbedingten Fülle im Zug –


das war zu ertragen. Der Grund, warum

(nicht nur) unsere Urlaubsstimmung immer

mehr verschwand und wir trotz aller positiver

Versuche immer ärgerlicher wurden, waren

„unerwartete Beeinflussungen von außen“,

so einer der Zugbegleiter.

Es begann mit einer Streckensperrung

wegen Oberleitungsarbeiten zwischen Würzburg

und Nürnberg. Der ICE wurde folglich

„über die Dörfer“ umgeleitet – 40 Minuten

Verspätung in Nürnberg. Aber das war noch

nicht alles: Bis München wurden es 55 Minuten

Verspätung.

Schlecht für alle Reisenden, die – warum

auch immer – pünktlich in München sein

mussten. Schlecht natürlich auch für uns,

denn der IC in Richtung Süden war weg. Und

da der nicht alle paar Minuten fährt, hieß es

70 Minuten warten; 70 lange Minuten im

Münchener vorösterlichen Bahnhofsgewühl.

Nur gut, dass wir keine Kleinkinder „im Gepäck“

hatten.

Natürlich hatten wir unser Hotel benachrichtigt,

denn für uns war der Transfer vom

Bahnhof zum Hotel gebucht. „Alles o.k., kein

Problem“, war die beruhigende Antwort.

Als dann der IC Richtung Alpen pünktlich

München verließ, schien sich alles zum

Guten zu wenden. Doch nach gut 15 Minuten

musste der Zug auf einem kleinen Bahnhof

unplanmäßig halten: „Die Weiterfahrt verzögert

sich um etwa 20 bis 30 Minuten aufgrund

von Personen auf den Gleisen.“

Was tun? Sich ärgern oder diesmal auf die

ÖBB (Österreichischen Bundesbahnen)

schimpfen?

Nein, es

waren humorvolle

Humor ist der Knopf,

Situationen der verhindert,

und Menschen,

die

dass uns der Kragen platzt.

uns halfen,

das

Joachim Ringelnatz

offensichtliche

Reisepech leichter zu ertragen.

Auf dem Bahnsteig trafen sich wildfremde

Menschen, glücklich über die unverhoffte

Zigarettenpause, glücklich, dass sie sich die

Füße vertreten konnten, glücklich über die

sauberere Luft draußen als im Abteil. Ein

Wagen weiter nutzte eine offensichtlich

feuchtfröhliche Gruppe die Pause und stimmte

mit Gitarrenbegleitung Oldies an – sie alle

Leidensgenossen mit einem großen Schuss

Humor. Irgendwie merkte man, dass der

Urlaub nicht mehr weit war.

Nach fast 30 Minuten fuhr der Zug endlich

wieder an, um dann die nächsten endlos

erscheinenden Kilometer fast im Schritttempo

zu fahren. Als er dann endlich seine

normale Reisegeschwindigkeit aufnehmen

konnte, meinte man ein deutliches Aufatmen

bei den Mitreisenden hören zu können.

Natürlich hatten wir in der Zwischenzeit

unser Hotel über das erneute Malheur

informiert und von dort tröstende und

aufmunternde Worte erhalten.

Eine besondere Art von

Humor

ist der Galgenhumor,

der den allerschlimmsten

Situationen noch eine

spaßhafte Seite

abgewinnt.

Max Haushofer

Endlich in Innsbruck

angekommen,

stand unser

Taxifahrer

auf dem Bahnsteig

und empfing

uns mit einem

herzlichen

„Grüß Gott und

griaß aich!“ und

mit einem strahlenden

Lächeln.

Das tat richtig

gut nach all den Missgeschicken der Fahrt.

Und dann folgte der wirkliche positive Höhepunkt

dieser Bahnfahrt. Der Taxifahrer gab

unseren Damen einen kleinen blumigen

Frühlingsgruß und uns Herren ein Stamperl

mit Marillenschnaps. Und dann sagte er:

„Tragt’s mit Humor; schaut, ihr habt es geschafft.

Die Sonne scheint. Freut euch jetzt

auf schöne Tage in Tirol.“ Wenn das kein

Trost für die so humorlose Bahnreise war!

Es gehört sich, am Schluss zu erwähnen,

dass die Rückfahrt sowohl mit den ÖBB als

auch der DB ohne Probleme verlief. Geht

doch!

(mm)


Enkelkinder

Eine Quelle besonderen Humors

Drei Generationen

Als Oma noch Enkelin war

Unsere beiden Enkelkinder sind jetzt viereinhalb

Jahre alt. Mindestens einmal die Woche

sind sie bei uns. Dann holen wir sie vom Kindergarten

ab. Manchmal übernachten sie

auch bei uns. Wir schauen uns mit ihnen Kinderbücher

an, lesen ihnen die Geschichten

vor und lassen sie auch selbst erzählen.

Großeltern können deshalb viel über Enkelkinder

erzählen!

Pipi-Alarm

Im Sommer 2018 waren Oma und Opa mit

den Enkeltöchtern im Freibad Mollbeck. Opa

war mit den beiden auf dem Rückweg vom

Planschbecken zur Oma auf der Liegewiese,

da sagte eine „Ich muss Pipi!“ und die andere

„Ich auch!“. Kein Problem, die Toilette lag auf

dem Weg.

Opa nahm beide Kinder an die Hand und

marschierte mit ihnen ins Häuschen. (Herren

oder Damen? Bei den Damen war Gott sei

Dank alles leer.) Ich setzte sie nacheinander

auf den Topf. Wir waren gerade mit Händewaschen

fertig, da kam ganz aufgeregt eine

Bademeisterin angerannt und fragte, ob sie

helfen könnte.

Ich finde es gut, wenn die Kleinen nicht einfach

ins Becken machen, und auch, dass

Dritte aufmerksam sind!

Einkaufen macht Spaß

Die Beiden wissen schon sehr gut, wo Eltern

oder Großeltern einkaufen gehen. „Aldi“ und

„Lidl“ waren fast die ersten Worte. Am

schönsten ist es jedoch, mit Oma und Opa

zu Rewe zu fahren. Da gibt es für jede einen

Einkaufswagen, in die sie sich vorne hinter

ein Lenkrad klemmen. Opa und Oma müssen

dann um die Wette schieben (in der

Wochenmitte ist es – Gott sei Dank – nicht

so voll). Der Einkauf wird gleichmäßig auf

beide Wagen verteilt, sodass jede etwas auf

das Band legen kann.

Aber wie man modern einkauft, wissen sie

auch genau. Als sie mal wieder bei uns zu

Besuch waren, ging uns ein Elektrogerät

kaputt. Guter Ratschlag: „Das kannst du

doch am Computer bestellen!“ Wir haben

zwar noch nie was im Internet bestellt, aber

Mama und Papa sind beide berufstätig und

haben nette Nachbarn, die Post für sie

annehmen. Wenn wir den Kindern aus Liefer-

Kartons kleine Wohnungen bauen, spielen

sie sehr gerne „Post beim netten Nachbarn“.

Aufräumen und Sauberkeit

Die Kinder sollten bei Oma und Opa die

Spielsachen aufräumen. Die eine schob die

herumliegenden Bausteine einfach mit dem

Fuß zur Seite. Mama schüttelte den Kopf.

Papa fragte: „Von wem hat sie das wohl

gelernt?“ Mama: „Von mir nicht!“ Schwesterchen:

„Von mir auch nicht!“

Beim Essen fiel einem Mädchen eine Nudel

mit Tomatensoße aus dem Mund, purzelte

den ganzen langen Weg über ihr Shirt, den

Rock, die Strumpfhose, Kinderstuhl und bis

auf den Boden. Sehr gut nachvollziehbar

anhand der deutlich sichtbaren, roten Spur.

Daraufhin rügte Mama: „He, was haben wir

dir immer gesagt? Bitte pass beim Essen auf,

damit nicht alles dreckig wird.“ Antwortet die

Tochter: „Ja. Aber mir macht das nichts.“

Die Schnuller-Fee

Vor einem Jahr hatte sich eine der beiden an

der Lippe wehgetan. Sie wollte keinen

Schnuller mehr und sagte, jetzt könnte die

Schnuller-Fee kommen und das versprochene

Babybett für ihre Babypuppe bringen. Und

so geschah es: Am nächsten Tag stand da

für ihre Babypuppe ein Bettchen mit pinkfar-


enen Gardinchen. Die Freude war groß.

Mittags wollte die andere auch so ein Bettchen.

Papa hat dann mit den Kindern alle

Schnuller auf einen Haufen auf die Kommode

im Elternschlafzimmer gelegt. Irgendwann

waren die Schnuller weg, und am nächsten

Morgen stand auch für die zweite Babypuppe

ein Kinderbettchen mit ebenfalls pinkfarbener

Ausstattung im Wohnzimmer. Ganz trocken

maulte die Babypuppen-Mutter: „Da ist es ja!

Aber es hat keine Beine wie das meiner

Schwester.“ Trotzdem war die Welt abends

zum Schlafengehen in Ordnung.

Die Geschichte von der Clown-Frau

Augustine

Oma und Opa haben ihren Enkeltöchtern

zum vierten Geburtstag ein schönes Buch

geschenkt. Besonders gefallen hat ihnen die

Geschichte von der Clown-Frau Augustine.

Deren Mann, der Clown August ist ganz

besonders wichtig

für den kleinen

Zirkus und

macht in der

Manege viele

Späße, über die

sich die Kinder

freuen. Eines

Tages hat der

Clown große

Zahnschmerzen

und geht zum Zahnarzt. Dort muss er eine

Weile warten und die Behandlung dauert länger.

Und als der Zirkusdirektor ganz aufgeregt

zur Augustine gelaufen kommt, übernimmt

sie die Rolle ihres Mannes. Als der

wieder nach Hause kommt, freut er sich,

dass seine Augustine ihn so gut vertreten

hat. In Zukunft treten sie zusammen auf.

Nachdem Großeltern und Eltern die

Geschichte zum fünften oder sechsten Mal

vorgelesen hatten, sagte eines der Mädchen,

dass es die Geschichte vorlesen wolle. Und

das tat sie auch, erzählte zu jedem Bild den

passenden Teil der Geschichte und blätterte

immer rechtzeitig um.

Vier Jahre alt und kann schon lesen!?

Kindergarten

Oma und Opa holten mal wieder die beiden

Mädchen vom Kindergarten ab. Morgens war

es noch sehr kalt gewesen, aber zu Mittag

war es schön sonnig und warm. Nach der

herzlichen Begrüßung durch die Kleinen hieß

es: Sachen zusammen suchen, Jäckchen

braucht ihr nicht anzuziehen, aber wo sind

Schals und Mützchen? Beide Schals und ein

Mützchen waren schnell aufgetrieben. Nach

vergeblicher Suche in allen Fächern der Kinder

sagte eine: „Das findet sich schon wieder!

Wir gehen jetzt nach Hause.“ Gesagt,

getan. Ab ging es nach Hause. Oma nahm

die Kinder beim Überqueren der Straße an

die Hand, Opa trug Jacken und Taschen

(Kinderspruch: Opa ist unser Lastesel“). Zu

Hause wurden die Jacken aufgehängt, und

was fiel da aus

einem Ärmel: die

fehlende Mütze.

Der trockene

Kommentar:

„Habe ich gleich

gesagt, das findet

sich schon

noch.“

Die Kinder lassen

sich gern bemalen - im Kindergarten o-

der von ihrer Mama für eine Veranstaltung im

Kindergarten (z.B. Karneval). Als die Kinder

einmal bei uns übernachten sollten, äußerte

die Oma Zweifel, ob die Farbe abends wieder

abginge. Da hatten die Kinder keine

Zweifel: „Ein Waschlappen und warmes

Wasser und schwuppdiwupp, weg ist die Farbe.“

Na ja, ganz so leicht war es doch nicht. Am

nächsten Morgen hatten die Beiden noch

eine leichte Rotfärbung um die Augen. „Nicht

Rot, Oma! Das ist Pink!“

Alter und Größe

Bei Opa und Oma steht eine Waage im Bad.

Jedes Mal, wenn die Zwillinge zu Besuch

sind, wollen sie sich wiegen. Eine wiegt

etwas mehr als die andere. Deren trockener

Kommentar dazu: „Sie ist größer und schwerer,

ich bin älter!“

Zur Erläuterung: Die eine wiegt etwa 500

Gramm mehr und ist 2 cm größer, die andere

ist laut Geburtsanzeige der stolzen Eltern

zwei Minuten älter.

Die Zwillinge machen Eltern und Großeltern

immer wieder neuen Spaß! Sie erinnern sie

an die eigene Kindheit, z.B. dass die heutige

Oma vorwitziger war als ihre etwas ältere,

aber schüchterne Schwester.

(jh)


Witze und Humor

Mit dem Humor ist das so eine Sache. Einige

entwickeln ihn nur, wenn derbe Witze erzählt

werden. Und in manchen Männerrunden können

die Witze nicht platt genug sein. Dabei

stellen sich dann mannigfaltige Fragen, wie:

Sind Witze über Blondinen erlaubt? Ja, meine

ich, wenn eine Blondine sie erzählt, zweifelsohne.

Und wer darf Ostfriesenwitze erzählen? Der

Ostfriese natürlich, wer denn sonst?

Im Zusammenhang mit dem Karnevalsauftritt

der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-

Karrenbauer las ich, Witze über Minderheiten

seien durchaus erlaubt. Nicht zulässig sei es

dagegen, mit den Witzen die Existenz einer

Minderheit in Frage zu stellen. Und da wird

es für viele schon schwierig.

Einer meiner Lieblingswitze ist folgender:

Eine Frau geht in die Apotheke und verlangt

10 Gramm Strychnin. Die Apothekerin fragt,

wofür sie das Gift benötige. Die Frau antwortet,

sie wolle damit ihren Mann vergiften. Entrüstet

lehnt die Apothekerin ab. Daraufhin

schiebt die Frau über die Theke der Apothekerin

ein Foto ihres Mannes zu. Die Apothekerin

nimmt das Foto, schaut es sich an und

sagt: „Ach, ich sehe, Sie haben ein Rezept

dabei.“

Der Witz ist schon ein bisschen gemein. Er

lebt von der Vorstellung, dass der Ehemann

der Kundin dermaßen unansehnlich, ja hässlich

sein muss, dass die Apothekerin ihre

ursprüngliche strikte Weigerung aufgibt und

nun bereit ist, die Frau bei der Vergiftung

ihres Mannes zu unterstützen. Die Lacher

gehen also auf Kosten der Männer, die die

Natur nicht besonders üppig mit Schönheit

ausgestattet hat.

Ist das erlaubt? Wenn ja, dürfen auch Frauen

diesen Witz erzählen oder nur Männer? Und

nur die hässlichen Männer oder auch Schönlinge

wie Rock Hudson?

Witze über andere sollten bestimmte Grenzen

nicht überschreiten. Denn am Witz beteiligt

sind immer drei: Der Erzähler, der Zuhörer

und der, über den gelacht wird. Wenn

schwarzhaarige Männer Witze über Blondinen

machen, hat das eine andere Qualität,

als wenn zwei blonde Frauen sich diese Witze

erzählen, also quasi über sich selbst

lachen.

Böswillige Verunglimpfungen von Randgruppen,

die es in der Regel schon schwer genug

im Leben haben, sollten eher vermieden werden.

Denn man muss in Betracht ziehen,

dass derjenige, der mit dem Witz durch den

Kakao gezogen werden soll, sich verletzt fühlen

könnte. Satire ist also durchaus erlaubt,

aber nicht grenzenlos.

Ich bin zwar Rentner, aber auch noch

Anwalt. Und ich liebe Anwaltswitze. Sie sind

so herrlich nahe an der Realität, aber eben

nur nahe dran. Gerade das macht ihren Reiz

aus. Möchten Sie einen hören? Gerne:

Frage: Was sind zehn tote Anwälte auf dem

Meeresgrund? Antwort: Ein guter Anfang.

Frage: Am Strand ist ein Anwalt bis zum Hals

im Sand eingegraben. Was ist da passiert?

Antwort: Da hat der Sand nicht gereicht.

Oder der:

Zwei Freunde steigen in Koblenz auf dem

Rhein in ein Ruderboot und rudern Richtung

Köln. Es kommt Nebel auf, der sich erst nach

einiger Zeit lichtet. Die beiden Ruderer haben

die Orientierung verloren und wissen

momentan nicht mehr, wo sie sich befinden.

Sie sehen am Ufer einen Jogger. Sie rufen

ihm zu „Hallo, wo sind wir hier?“ Der Jogger

hält kurz an, schaut zu ihnen hinüber und ruft

zurück „In einem Ruderboot, auf dem Rhein“,

und läuft weiter. Die beiden Freunde schauen

sich ratlos an. Sagt der eine zum anderen:

„Du, das muss ein Anwalt gewesen sein.

Die Antwort war völlig richtig, aber total

unbrauchbar.“

(dw)


Haben Hunde Humor?

Wissenschaftler haben herausgefunden,

dass es optimistische und pessimistische

Hunde gibt.

Die Optimisten kommen mit einer Trennung

gut zurecht. Sie sind sich sicher, dass ihre

Bezugsperson zurückkehrt.

Gemeinsamer Spaß, Freude bei gestellten

Aufgaben schweißen zusammen. Das

Anspringen, das Anstupsen – das macht ihm

Spaß.

Aber Humor, wie wir Menschen ihn kennen?

Nein, das haben sie nicht. Sie können Schabernack

treiben, uns überraschen - das ist

Komik. Ein Hund reagiert nur kurzfristig und

hat das „Vorher“ schon wieder vergessen.

Alles andere ist trainiert und anerzogen. Sie

sollen im Rahmen gehorchen und nicht

immer machen, was sie wollen.

Vermenscheln wir unseren ‚Fiffi‘ nicht, sondern

nehmen ihn so, wie er ist. Hunde sind

nicht ärgerlich oder nachtragend, sondern

bereiten auch uns Lebenslust und zaubern

oftmals ein Lächeln oder Lachen auf unser

Gesicht.

Häschen-Styling

(sm)

Hans, seines Zeichens bayernweit sehr

bekannter Sänger und Liedermacher, wohnt

in einem sehr idyllischen Dorf im Berchtesgadener

Land. Er hat ein hübsches Häuschen

mit Garten und einen sehr netten Nachbarn,

mit dem er, wenn sich die Gelegenheit ergibt,

gern ein „Pläuschchen über den Gartenzaun“

hält. Doch diese Idylle geriet eines Tages

ernsthaft in Gefahr, und das kam so.

Hans hatte einen Jagdhund, den Jago, an

dem er seine Freude hatte, sein Nachbar

einen außergewöhnlich hübschen, schneeweißen

Stallhasen namens Flocke, den er

liebte und hätschelte. Doch eines Morgens

war etwas unsagbar Schreckliches geschehen:

Jago kam von seinem morgendlichen

Ausflug zurück, mit dem total verschmutzten

Kaninchen des Nachbarn im Maul. Flocke

war tot.

Hans war wie vom Donner gerührt – das würde

äußerst unerwünschte Folgen haben.

Was also tun, um das gut nachbarschaftliche

Verhältnis nicht allzu sehr zu belasten?

Hans las erst einmal seinem Hund ordentlich

die Leviten und nahm ihm das tote Häschen

ab. Im Badezimmer bekam Flocke dann eine

gründliche Wäsche mit Shampoo, dann föhnte

Hans sie trocken. Klammheimlich legte er

dann das nun wieder blendend weiße,

hübsch gestylte Kaninchen zurück in seinen

Stall.

Als Hans am nächsten Morgen zufällig mit

seinem Nachbarn im Garten zusammentraf,

fand er diesen ziemlich ratlos vor. „Hanse,

mir ist was passiert, da kann ich mir einfach

keinen Reim drauf machen“, erzählte der

Nachbar. „Meine Flocke ist gestorben und ich

hab sie im Garten begraben. Aber heute

Morgen lag sie mit blitzsauberem Fell wieder

im Stall, so als wäre sie nie in einem Erdgrab

gelegen. Ja, bin ich denn schon total dement?

Ich hab die Flocke wirklich eingegraben

und sie war ganz sicher mausetot!“

Da Hans im Grunde genommen ein sehr ehrlicher

Mensch ist, konnte er den Nachbarn

hinsichtlich des Verlustes seines Erinnerungsvermögens

schnell beruhigen, indem er

das Geschehene erzählte.

Als dann einige Tage später ein graubraunes

Kaninchen in Nachbars Garten

herumhüpfte, meinte der stolze Besitzer verschmitzt:

„Damit du nächstes Mal nicht so

viel Shampoo einsetzen musst, Hanse, um

ihn sauber zu kriegen, wenn dein Hund mal

wieder Bestatter spielt...“

Rosi Behringer

Foto: https://www.kundengewinnung-im-internet.com/

fokus-ein-hund-der-10-hasen-jagt/


Humorvolles in Worten ...

Wo der Spaß aufhört, muss der Ernst nicht

unbedingt anfangen.

Solange der Ernstfall nur geprobt wird,

hat der Spaß noch nicht verloren.

Wenn Lachen ansteckend ist, lasse ich mich

gern infizieren.

Trockener Humor geht auch mit feuchter

Aussprache.

Eine Henkersmahlzeit lässt sich nur mit

Galgenhumor genießen.

Schwarzer Humor erfreut vor allem helle

Köpfe.

Wilfried Besser

… und in Bildern

Fatale Folgen des Kunstunterrichts

Quelle: H.-D. Hornschuh, Humor rund um Lehrer und

Schüler, Manz Verlag München, 1986

Eindeutig weiblich

Foto: M. Großmann / pixelio.de


Interessantes, nicht nur für Senioren

Gedenktage 2019

(Teil 2)

Der erste Mensch im Weltall

Am 12. April 1961 fand der erste bemannte

Raumflug statt. Wir alle können uns an den

Namen erinnern: Juri Gagarin. 108 Minuten

nur dauerte sein Flug, aber er machte ihn zur

Legende.

Juri Gagarin

Entgegen der Berechnungen der sowjetischen

Ingenieure landete Gagarin nicht auf

dem für ihn vorgesehenen Platz, sondern

vier Kilometer entfernt. Er hatte aus Sicherheitsgründen

in sieben Kilometer Höhe den

Schleudersitz betätigt und war an einem Fallschirm

auf die Erde geschwebt. Eine in der

Nähe stehende Waldarbeiterin hat sicher

gedacht: ein Außerirdischer! Der Raumanzug,

der klobige Helm und sein langsamer,

unsicherer Gang ließen keine Zweifel aufkommen.

Nach Aussagen gab er sich als

Freund zu erkennen und bereits heraneilende

Techniker taten ihr Übriges.

An die Kapsel wurde ein Schild gestellt mit

der Aufschrift: „Nicht entfernen! 12.04.1961,

10.55 Uhr“. An der Landestelle wurde später

ein Denkmal errichtet.

Juri Gagarin ist am 9. März 1934 in einem

kleinen Dorf nahe Moskau zur Welt gekommen.

1951 machte er in Moskau die Ausbildung

zum Gießer. 1955 ging er zur Armee

und wurde zum Kampfpiloten ausgebildet.

Fünf Jahre später war er Kampfjetflieger und

trainierte bereits für den geheim gehaltenen

Flug ins All.

Endlich war es soweit und er der erste

Mensch, der aus einer Kapsel heraus die

Erde erblickte. Die Worte: „Der Blaue Planet“

prägen bis heute die Medienwelt. Er wird

besungen, betanzt, angesehen (Gasometer

Oberhausen), beurlaubt.

Juri Gagarin war der erste „Popstar“ des Ostblocks.

Er reiste um die Welt als „Botschafter

des Friedens“, besuchte zahlreiche Länder:

ein charmanter, spontaner junger Mann, der

die Regierungsoberhäupter bezauberte.

1964 kam es zum Machtwechsel in der

Sowjetunion und Gagarin verlor schlagartig

alle politischen Kontakte. Breschnew fing das

Wettrüsten wieder an und hatte für ihn keine

Verwendung mehr. Gagarin bewarb sich

trotzdem für eine erneute Weltraummission,

wurde aber abgelehnt. Als Kosmonautenausbilder

hatte er allerdings etwas später zahlreiche

Erfolge zu verzeichnen.

Am 27. März 1968 unternahm er zusammen

mit einem Kollegen einen Testflug mit einem

Kampfjet – die Maschine stürzte nahe Moskau

ab. Natürlich ranken sich bis heute

Gerüchte über den Absturz: War es eine

technische Panne, ein Pilotenfehler oder

Sabotage?

Gagarins Urne wurde bei einem Staatsbegräbnis

an der Kremlmauer beigesetzt. Nur

44 Jahre ist er alt geworden, heute wäre er

bereits 85 Jahre alt und hätte sicher viel

Freude an den riesigen Fortschritten der weiteren

Weltraumflüge gehabt.

Seit 1962 ist der 12. April in Erinnerung an

Gagarins Raumflug in der Sowjetunion ein

offizieller Gedenktag (Tag der Kosmonauten).

Am 7. April 2011 erklärte auch die

Generalversammlung der Vereinten Nationen

den 12. April zum Internationalen Tag der

bemannten Raumfahrt.

Ich hoffe nur, dass unser „Blauer Planet“ uns

noch viele, viele Jahre erhalten bleibt.

(sm)


James Last zum 90. Geburtstag

Meine erste Langspielplatte war „Deep Purple

in Rock“. Ich war gerade 14 geworden, als

sie im September 1970 erschien. Eine umwerfende,

vollkommen neue Musik, die da

auf dem Plattenteller lief. Umwerfend war

auch die Reaktion meiner Eltern, die mich

unmissverständlich baten, diese Musik nur

unter dem Kopfhörer oder hinter geschlossener

Tür zu hören.

Auf dem Plattenteller meiner Eltern dagegen

liefen der Don Kosaken Chor, die Original

Oberkrainer und James Last. Den Oberkrainern

gab ich keine Chance, wohl aber James

Last, vermutlich wegen seines englischen

Namens.

Was ich hörte, warf mich damals allerdings

nicht um: Angepasste Tanzmusik, für einen

vierzehnjährigen Rebellen wie mich fraglos

unter meinem Niveau. Optisch fand ich ihn

auch eher mäßig, mit seinem langweiligen

Scheitel und dem Henriquatre-Bart. Wenigstens

sang er nicht, dachte ich damals.

Vierzig Jahre später, ich war längst kein

Rebell mehr, kehrte ich reumütig zu James

Last zurück. Auf langen, spätabendlichen

oder nächtlichen Autofahrten waren Deep

Purple nicht zu ertragen, wohl aber die Musik

von James Last, sie entspannte und beruhigte,

machte sogar fröhlich. Nicht umsonst

bezeichnet man James Last als den Erfinder

des „Happy Sound“.

James, oder Hans, wie er mit bürgerlichem

Namen hieß, ist gebürtiger Bremer. Er war

der Inbegriff der Chartstürmer in den sechziger

und siebziger Jahren. Er hat über 80 Millionen

Schallplatten verkauft und bekam

mehr als 200 goldene Schallplatten. Zeitweilig

war er mit mehreren Alben gleichzeitig in

den Top Ten vertreten, vergleichbar mit den

Beatles. Und trotz aller Erfolge blieb der

Mann bescheiden und bodenständig, kein

Wunder als Hanseat. Er liebte die Musik und

lebte für sie.

Sein Instrument war der Bass. Für einen

Bandleader, den man in der Regel mit einem

Saxophon in Verbindung brachte wie bei Max

Greger oder mit einem Klavier wie bei Paul

Kuhn, ein eher ungewöhnliches Instrument.

James Last arrangierte unzählige Titel und

schrieb die Musik zur „ZDF-Hitparade“ und

zum „Traumschiff“.

Er war ein musikalischer Botschafter der

Bundesrepublik Deutschland und spielte

bereits Anfang der siebziger Jahre in der

Sowjetunion, Mitte der siebziger Jahre in

Japan und Ende der siebziger Jahre in der

DDR.

Aufgrund seiner Verdienste verlieh ihm Bundespräsident

Walter Scheel im Jahre 1978

das Bundesverdienstkreuz.

James Last starb 2015 im Alter von 86 Jahren

in Florida, am 17. April 2019 wäre er

90 Jahre alt geworden. Seine Musik wird

auch heute noch gerne gehört.

Ach ja, was vielleicht noch erwähnenswert

wäre: In einem Interview hat er mal gesagt,

er mag die Musik von AC/DC, einer australischen

Rockband. Hätten Sie das für möglich

gehalten?

(dw)

Gedenktage (eine kleine Auswahl)

2. Mai: 500. Todestag Leonardo da Vinci

2. Mai: vor 30 Jahren begann Ungarn mit

dem Abbau der Grenzbefestigungen

9. Mai: vor 25 Jahren wurde Nelson Mandela

erster schwarzer Staatschef Südafrikas

10. Mai: vor 70 Jahren wurde Bonn Hauptstadt

der BRD

6. Juni: vor 75 Jahren begann die Invasion

der Alliierten in der Normandie

9. Juni: vor 30 Jahren geschah das Massaker

auf dem Platz des Himmlischen Friedens

in Peking


70 Jahre Grundgesetz

Menschenwürde und demokratische Prinzipien

sind der Kern der Bestimmungen des

Grundgesetzes für die Bundesrepublik

Deutschland. Es wurde am 8. Mai 1949 vom

damaligen Parlamentarischen Rat verabschiedet.

Das Inkrafttreten des Grundgesetzes

gilt als Geburtsstunde der Bundesrepublik

und hat entscheidend zum Funktionieren

des Rechtsstaates beigetragen.

Nach Ende des 2. Weltkrieges erteilten die

westlichen Siegermächte einem Parlamentarischen

Rat unter Vorsitz von Konrad Adenauer

den Auftrag, eine rechtliche und politische

Grundordnung für Nachkriegsdeutschland

festzulegen.

Der Parlamentarische Rat tagte ab dem

1. September 1948 in Bonn und bestand aus

65 stimmberechtigten Mitgliedern (61 Männer,

4 Frauen), die zuvor von den Länderparlamenten

der drei westlichen Besatzungszonen

gewählt worden waren.

Bei seinen Beratungen über ein Grundgesetz

war es den Mitgliedern ein wichtiges Anliegen,

Lehren aus dem Scheitern der Weimarer

Verfassung zu ziehen.

Menschenwürde, persönliche Freiheitsrechte,

Glaubens- und Gewissensfreiheit und die

Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz

wurden als unveräußerliche Grundrechte des

Menschen gegenüber dem Staat im Grundgesetz

festgelegt.

Der Gesetzestext umfasst 146 Artikel. Ihm ist

eine Präambel vorausgestellt, in ihr wird der

Wille Deutschlands, als „gleichberechtigtes

Glied in einem vereinten Europa dem Frieden

der Welt zu dienen“, dokumentiert.

Durch die Stärkung des Parlamentes und

des von ihm gewählten Bundeskanzlers

gegenüber einem „schwachen“ Bundespräsidenten

sollen demokratische Verhältnisse

gesichert werden. Betont wird die föderale

Staatsstruktur mit festgelegten Zuständigkeiten

des Bundes und der einzelnen Bundesländer.

Änderungen des Grundgesetzes

bedürfen einer 2/3 Mehrheit von Bundestag

und Bundesrat. Grundrechte dürfen in ihrem

Wesensgehalt nicht angetastet werden.

Am 8. Mai 1949 wurde das Grundgesetz

vom Parlamentarischen Rat mit 53 gegen 12

Stimmen verabschiedet und danach auch

Foto: https://www.bmi.bund.de/DE/themen/verfassung/staatlicheordnung/unsere-verfassung/unsere-verfassung-artikel.html

von den Alliierten bestätigt und in den Länderparlamenten

– außer Bayern – ratifiziert.

Da jedoch 2/3 der Länderparlamente für die

Annahme stimmten, trat das Grundgesetz

auch in Bayern in Kraft.

Auch im sowjetischen Sektor Deutschlands

wurde an einer Verfassung gearbeitet. Die

Gründung der Bundesrepublik wurde von der

sowjetischen Besatzungsmacht zum Anlass

genommen, am 7. Oktober 1949 einen zweiten

Deutschen Staat zu etablieren.

Am 23. August 1990 verzichtete die frei

gewählte Volkskammer der Deutschen

Demokratischen Republik (DDR) auf eine

neue verfassungsgebende Versammlung

und die DDR trat dem Geltungsbereich des

Grundgesetzes bei. Am 3. Oktober 1990

erfolgte der Beitritt der DDR zur BRD.

Die Urschrift des Grundgesetzes befindet

sich heute im Reichstagsgebäude Berlin. Für

die Öffentlichkeit ist sie nur zu sehen, wenn

Bundespräsidenten oder Bundeskanzler

ihren Amtseid leisten.

Bis heute haben sich die Bestimmungen des

Grundgesetzes während seiner nunmehr

70jährigen Geschichte bewährt, auch wenn

Änderungen und Ergänzungen teilweise umstritten

sind und schon heftige Proteste von

Bürgern zur Folge hatten. Beispielsweise im

Jahr 1955 die Wiederbewaffnung und Gründung

der Bundeswehr oder die Notstandsgesetze,

mit denen ab 1968 einzelne individuelle

Rechte eingeschränkt wurden.

Auch aktuell gibt es politische Diskussionen

um Änderungen im Grundgesetz, es geht um

die Kompetenzen des Bundes gegenüber

den Ländern in Bezug auf die Mitfinanzierung

bei Schulen, Wohnungsbau und Digitaltechnik.

(ag)


Wir gratulieren: Der Oscar wird 90

Was macht man in Krisen? Einen Preis erfinden.

So geschehen Ende der 1920er Jahre

in den USA. Das Kino schwächelte. Das

Radio holte auf. Also prämierte man Filme

und deren Schauspieler, um die Leute wieder

ins Kino zu locken. Man verlieh ihnen den

Academy Award, besser bekannt als Oscar.

Nur die allerbesten sollten

ausgezeichnet werden.

Am 16. Mai 1929 war es soweit:

And the winner is:

Emil Jannings! Ein deutscher

Schauspieler wurde

der erste Preisträger für den

1927 gedrehten Film „Der

Weg allen Fleisches“.

Einige Jahre später, dafür

zweimal hintereinander,

wurde der deutschen

Schauspielerin Luise Rainer

der Oscar verliehen. Es sollten

die letzten Oscars für

deutsche Schauspieler sein, sofern man

Christoph Waltz, der auch die österreichische

Staatsbürgerschaft besitzt, nicht dazu zählt.

Der prominenteste deutsche Oscarpreisträger

dürfte nach meinem Empfinden Bernhard

Grzimek sein. Für die Tierdokumentation

„Serengeti darf nicht sterben“ erhielt er 1960

einen Oscar für den besten Dokumentarfilm.

Wie nah Freud und Leid nebeneinander liegen

können, zeigt die Historie des Films:

Sein Sohn Michael starb bei einem Flugzeugabsturz

anlässlich der Dreharbeiten im

Jahre 1959.

Die Liste der Ausgezeichneten ist beeindruckend.

Manche Namen kennt man selbst lange

nach ihrem Tod, andere jedoch sind

bereits zu Lebzeiten von der breiten Öffentlichkeit

kaum beachtet oder gar vergessen.

Spencer Tracy und Tom Hanks gewannen

beide zweimal, und das sogar in Folge. Meryl

Streep war dreimal erfolgreich. Respektable

viermal gewann ihn Katherine Hepburn, unter

anderem 1982 für ihre grandiose Rolle im

Film „Am goldenen See“. Die Herren Tom &

Jerry bekamen die begehrte Trophäe sage

und schreibe siebenmal. Aber über allen

thront der Herr der bewegten Zeichnungen,

ein Mann, dessen Filme wohl die meisten

von uns erfreut haben dürften: Walt Disney.

Ganze 26 Mal war er, meist mit Kurzfilmen,

erfolgreich.

Ein Schauspieler namens Daniel Day-Lewis

gewann den Oscar allerdings dreimal, ohne

dass ich es bemerkt hätte. Immerhin zweimal

stand eine Dame namens Frances McDormand

auf dem Siegertreppchen. Auch ihr

Name muss mir entgangen sein, obwohl ich

den Film „Fargo“, für den sie 1997 den Oscar

erhielt, mehrfach gesehen und für gut befunden

habe.

Obwohl die Oscar-Trophäe nur einen Materialwert

von knapp 300 € hat, ließ sie sich ein

ums andere Mal sehr ordentlich verkaufen.

Der Oscar von Orson Welles erzielte vor

knapp zehn Jahren den Rekordpreis von

einer dreiviertel Million Euro. Hätte Luise Rainer

das zu Lebzeiten geahnt, hätte sie wahrscheinlich

nicht einen ihrer Oscars als Türstopper

benutzt und, nachdem er infolgedessen

angeschlagen war, die Figur nach einem

Umzug einem Möbelpacker geschenkt.

Ob die mit einem Oscar ausgezeichnete Filme

automatisch gute Filme sind, bleibt dem

Betrachter überlassen. Nicht jeder mag „Vom

Winde verweht“, „Verdammt in alle Ewigkeit“

oder „Titanic“, aber Kassenschlager waren

sie allemal. Und das war ja wohl der Sinn der

Sache: Die Kinos sollten wieder voller werden.

Ach so, ich besitze übrigens auch einen

Oscar. Obwohl er erst sechs Jahre alt ist, ist

sein Materialwert unschätzbar und der Verkauf

ausgeschlossen. Hier ist er:

(dw)


Die Leiden

der jungen Profis

Neulich hat Heinz den Manfred in der Stadt

getroffen. Vor langer Zeit haben beide zusammen

mit Richard in einer A-Jugendmannschaft

Fußball gespielt.

Spontan entstand die Idee, sich wieder einmal

zu treffen. Gesagt getan, mittlerweile

treffen sich die Ehemaligen alle zwei Monate

und schwärmen bei einem leckeren Essen

von alten Zeiten, die nun schon über 40 Jahre

vorüber sind. Jeder erinnerte sich an Mitspieler

von damals, sodass inzwischen eine

Gruppe in Mannschaftsstärke von 11 Leuten

entstanden ist. Natürlich sind sie alle Fußballkenner

und wissen meist, mit verklärtem

Rückblick auf die eigenen sportlichen Fähigkeiten,

das heutige Fußballgeschehen zu

kommentieren.

Letztens ist mal wieder über die Belastung

der Profis diskutiert worden. Müssen diese

doch manchmal zweimal in der Woche in der

sogenannten englischen Woche spielen und

zwischendurch auch noch zweimal täglich

trainieren. Obendrein müssen sie sich noch

massieren lassen und vor Erschöpfung und

zur Regeneration in die Eistonne steigen.

Der ein oder andere muss sich auch noch

einem Sprachtraining zur Verbesserung seiner

rhetorischen Fähigkeiten für die Interviewsituation

unterziehen. Nicht zu vergessen

die anstrengenden Planungen der weiteren

Karriere und Beobachtung des Transfermarktes,

mit Hilfe des Beraters.

Bei solchen Diskussionen erinnern wir uns

mit verklärtem Blick zurück an unsere Spielfähigkeiten.

Heinz wendet ein, dass er schon mit 16 Jahren

jeden Tag, sogar samstags, als Postbote

gearbeitet und dabei im Bezirk etliche Kilometer

zurückgelegt

hat, um dann am

Abend mit viel Vorfreude

zum 90-

minütigen Training

zu gehen. Nach

dem Training kurz

geduscht, ein Feierabendbierchen

genehmigt, zuhause

bei Muttern

noch ein Schnittchen

gegessen

und danach erschöpft in die Heia. „Apropos

geduscht”, wendet Thomas ein, „Duschen

war im Keller der Vereinskneipe, manchmal

mussten wir noch den Kohleofen befeuern

und anschließend kurz durchwischen.“

„Übrigens, schnelles Duschen war angesagt,

sonst wäre das Wasser so temperiert gewesen

wie in der Eistonne”, wirft Dieter ein.

„Zur Belastung der Jungs von heute hab’ ich

auch noch einen”, meint Hermann. „Später in

der ersten Mannschaft hab‘ ich am Samstag

vor unserem Sonntagsspiel noch in der Kneipenmannschaft

gezockt – durfte nur keiner

vom Verein wissen, sonst hätten die mich für

Sonntag gesperrt, wennse auf mich verzichten

konnten.“

„Wer von Euch hat denn montags noch in der

Firmentruppe gekickt? Kann mich an einige

von euch erinnern“, meldet sich Freddy. „Will

ja nicht angeben, aber Rainer und ich haben

mit 17 bereits E- und C-Jugendteams trainiert

und waren vor unserem eigenen Mannschaftstraining

bereits zwei Stunden vorher

auf dem Platz. Von denen, die wir trainiert

haben, waren später auch Bundesligaspieler

dabei. Ach ja, und fürs Studium hat bei uns

die Zeit später auch noch gereicht“, steuert

Gerd noch ein Anekdötchen bei.

Also, nicht dass jemand auf den Gedanken

kommt, wir würden den heutigen Jungprofis

die Kohle neiden, schließlich waren wir überaus

ehrgeizig. Aber Fleiß alleine?

Wir müssen uns schon eingestehen, dass die

meisten von uns zugegebenermaßen im Verhältnis

zu den Zockern von heute leider

talentfrei waren.

In Anlehnung an das folgende Zitat aus Heinrich

Spoerls Feuerzangenbowle war es doch

schön, mal etwas fabuliert zu haben. Oder

glauben Sie etwa, verehrter Leser, das könnte

sich alles so abgespielt haben?

„Denn wahr sind

die Erinnerungen,

die wir mit uns tragen,

die Träume,

die wir spinnen,

und die Sehnsüchte,

die uns treiben.

Damit wollen wir uns

bescheiden.“

Norbert Jandt


(Brett-) Spiele des Lebens

Ein Dank an Oma Frieda

Spiele haben mich mein ganzes Leben lang

begleitet. Und sie tun das heute noch.

Das erste Spiel, an das ich mich erinnere,

habe ich irgendwann um 1960 herum mit

meiner Oma Frieda gespielt: Jeder bekam

ein Fünfpfennigstück, genannt Sechser.

Dann ging’s los: Beide Hände hinter den

Rücken, den Sechser verdeckt in eine Hand

nehmen, beide Hände zur Faust ballen, nach

vorne nehmen und übereinander vor die

Brust halten. Dann eine Faust um die andere

drehen und die Zauberformel sprechen:

Rummel Rummel Ross, wo wonne Voss,

unne oder bove? Dann stoppen: Eine Faust

unten, eine oben. Und der andere musste

raten, in welcher Faust sich der Sechser, der

Voss (= Fuchs), verbarg.

Ein wunderbares Spiel: Einfacher und

schneller geht’s kaum, man kann raten und

sich freuen oder ärgern, wie im richtigen

Leben.

Ich erinnere

mich an Malefiz,

ebenfalls aus

den Sechzigern,

ein Ärgerspiel

par excellence,

bei dem wahrscheinlich

auch

die eine oder

andere Träne

vergossen wurde, wenn meine lieben Mitspieler

zum wiederholten Male die Blockiersteine

vor meine Puppen gestellt hatten, um

mich am Weiterkommen zu hindern.

Meiner Oma war der Ärgerfaktor zu groß, sie

spielte lieber harmonischere Spiele. Wie zum

Beispiel Poch.

Man nehme ein Holzbrett mit neun Mulden,

ein paar hundert Pfennige und ein Kartenspiel:

Jeder Spieler bekommt 100 Pfennige

als Startkapital und legt einen Pfennig in jede

der Vertiefungen des Pochbretts. Die 32 Karten

werden reihum verteilt. Eine Farbe wird

zum Trumpf bestimmt. Wer die auf dem

Pochbrett abgebildeten Karten der Trumpffarbe

besitzt, darf sich alle Pfennige aus dieser

Mulde nehmen. Anschließend werden die

Karten nach einem relativ einfachen Grundmuster

ausgespielt. Wer zuerst alle seine

Karten los geworden ist, darf sich die Pfennige

aus der mittleren Mulde nehmen.

Wer’s kennt, hat es meistens geliebt: Einfach,

schnell und spannend – Oma Frieda

liebte es.

Ich erinnere mich an Monopoly und Risiko,

zwei absolute Spieleklassiker, die in den späten

Sechzigern regelmäßig auf unserem

Spieltisch landeten. Meiner Oma waren diese

Spiele zu kompliziert, aber wofür hatte man

Schulfreunde.

Später kamen Slotter, Cluedo und Sagaland

hinzu. Und nicht zu vergessen das Spiel des

Jahres 1979: Hase und Igel.

Ein 40 Jahre altes Spiel, aber noch immer

eine Perle unter

den Gesellschaftsspielen.

Die Geschichte

dazu ist bekannt:

Der Hase

macht sich über

den Igel lustig,

der ärgert sich

darüber, anschließend gibt es einen Wettlauf,

den der Igel gewinnt, weil er seine Frau

erfolgreich dazu anstiften kann, den Hasen

zu betuppen.

Was, frage ich mich schon seit 40 Jahren,

will uns diese fast 200 Jahre alte Geschichte

eigentlich sagen? Dass, wer sich über andere

lustig macht, seinen Denkzettel schon

noch bekommt? Oder dass der zwar körperlich

Unterlegene, aber jedenfalls geistig

Gewitzte, jeden minderbemittelten Vorzeigeathleten

in seine Schranken weisen kann?

Oder dass derjenige, der erfolgreich betuppt,

am Ende immer als Sieger auf dem Podest

steht?

Egal, welche Quintessenz wir aus dieser

scheinbar nichtssagenden, aber meines

Erachtens ungemein lehrreichen Geschichte

ziehen, meist zaubert sie uns ein Lächeln auf

unsere Lippen.

Genauso wie bei mir die Erinnerung an alte

Spiele und an meine Oma Frieda. Vielen

Dank, dass du geduldig und begeisternd mit

mir gespielt hast.

(dw)


Der Alte Fritz

und der Müller Arnold

Zufällig fiel mir in der Vorbereitung zur

nächsten RE-SOLUT ein Bericht zum preußischen

König Friedrich dem Großen, dem

Alten Fritz, und der Auseinandersetzung um

die Mühle des Müllers Arnold in die Hände.

Die Richter wurden zum König zitiert und auf

seine Weisung nach einer Verhandlung zu

Gefängnis verurteilt. Dem Müller wurde der

Betrieb der Mühle weiterhin gestattet, die

Ableitung des Wassers oberhalb des Mühlenortes

durch den Landrat verboten.

Der zuständige Justizminister weigerte sich,

die Weisungen auszuführen. Der Alte Fritz

sprach deshalb das Urteil höchst persönlich.

Nebenbei bemerkt: Der Alte Fritz engagierte

sich für den Falschen. Der Müller war ein

Querulant und ein schlechter Müller. Die

Gerichte hatten rechtens entschieden. Der

König war im Unrecht, jedoch nicht bereit, es

zuzugeben. Er wollte ein Exempel statuieren.

Die Handlungsweise des Alten Fritz weckte

Begeisterung im Volk. Er wurde sehr populär

und es entstand der Spruch: „Wenn ich kein

Recht bekomme, gehe ich zum König.“

(hft)

Der Alte Fritz

Foto: https://www.kinderzeitmaschine.de/neuzeit/

absolutismus/lucys-wissensbox/hl-roem-reichpreussen/warum-hiess-der-alte-fritz-alter-fritz/

Ich muss anmerken, ich bin ein bekennender

Preuße und ein Verehrer des Alten Fritz. So

ist sicherlich der folgende Bericht royalistisch

gefärbt. Ich bitte hierum um Verzeihung.

Anfang 1779 erging gegen den Müller Arnold

aus der preußischen Neumark ein Gerichtsbeschluss,

dass wegen nicht gezahlter Erbpacht

die Mühle versteigert würde. Müller

Arnold machte geltend, ihm sei die Zahlung

nicht möglich gewesen, weil der Landrat ihm

das Wasser abgegraben habe. Das vom Müller

angerufene Obergericht und das Kammergericht

bestätigten das Urteil.

Der Alte Fritz griff ein. Er beschloss, ein

Exempel gegen die nach seiner Meinung

adlige Standesjustiz zu führen. Die urteilenden

Richter gehörten alle dem Adel an und

würden parteiisch Recht sprechen. Er sei der

Meinung, alle Preußen seien vor Gericht

gleich.

BIP

Ein Lotse im Pflegedschungel

Manchmal kündigt es sich lange vorher an,

manchmal ist man aber auch plötzlich damit

konfrontiert: Ein Familienmitglied oder man

selbst braucht nicht nur gelegentlich Hilfe,

sondern bedarf dauerhafter Pflege.

Ein schwieriges Thema und ein bürokratischer

Dschungel dazu. Pflegebedürftigkeit

stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen.

Um das meistern zu können ist eine

gute Beratung das A und O. Und die gibt es

beim BIP – dem Beratungs- und Infocenter

Pflege der Stadt Recklinghausen, trägerunabhängig,

neutral und kostenlos. Seit über 20

Jahren unterstützen die Sozialarbeiterinnen

ratsuchende Angehörige und Betroffene im


persönlichen Gespräch, auf Wunsch bei

einem Hausbesuch oder einfach am Telefon.

RE-SOLUT sprach darüber mit den beiden

Mitarbeiterinnen Beate Schniederjan und

Anetta Tucholski.

? Was ist im Falle einer eintretenden Pflegebedürftigkeit

zu tun?

Um Leistungen aus der Pflegeversicherung

zu erhalten, muss bei der Krankenkasse ein

Antrag auf Feststellung eines Pflegegrades

gestellt werden. Beim Ausfüllen des manchmal

komplizierten Antrags können wir auch

helfen und mit den Ratsuchenden über weitere

Möglichkeiten der Unterstützung sprechen.

? Wann ist man eigentlich pflegebedürftig?

Die Pflegebedürftigkeit wird vom MDK

(Medizinischer Dienst der Krankenkassen) bei

einem Hausbesuch festgestellt. Die Krankenkasse

fordert beim MDK ein Gutachten an.

Bei dieser Begutachtung wird in sechs verschiedenen

Lebensbereichen / Modulen untersucht,

was der pflegebedürftige Mensch

noch alleine kann und was nicht. Im Vordergrund

stehen die Selbstständigkeit und die

noch vorhandenen Fähigkeiten als Maß für

einen Pflegegrad. Und ganz wichtig dabei:

die Notwendigkeit der Hilfe durch eine andere

Person. Die Pflegebedürftigkeit muss auf

Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs

Monate bestehen.

? Das hört sich kompliziert an. Kann man

sich auf den Besuch des MDK vorbereiten?

Ja, das sollten die Betroffenen und die Angehörigen

auf jeden Fall tun.

Bei der Begutachtung ist zu berücksichtigen,

dass nicht die Schwere einer oder mehrerer

Erkrankungen, sondern alleine die Beeinträchtigung

der Selbstständigkeit oder fehlende

Fähigkeiten die Grundlage für die Bestimmung

eines Pflegegrades sind. Außerdem

muss deutlich werden, in welchen Situationen

der Pflegebedürftige personelle Hilfe

benötigt. Viele selbstverständliche Hilfen z.B.

unter Eheleuten werden oft nicht als Pflege

gesehen und nicht erwähnt.

Die Begutachtung ist in sechs Module gegliedert,

in denen bestimmte Kriterien mit Einzelpunkten

bewertet und nach festgelegten

Berechnungsregeln zusammengeführt werden.

? Was muss man sich unter den sogenannten

Modulen, die Sie ja auch Lebensbereiche

nennen, vorstellen?

Zu den Modulen, die für einen Pflegegrad

ausschlaggebend sind, gehören:

1. Mobilität – das sind die motorischen Fähigkeiten

eines Menschen in seinem

Wohnbereich wie Körperkraft, Balance,

Bewegungskoordination usw.

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

– hierbei geht es um Aspekte wie

Erkennen, Entscheiden oder Steuern, und

in welchem Ausmaß die geistigen Fähigkeiten

dafür vorhanden sind

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

– als Folge von Gesundheitsproblemen,

die immer wieder auftreten

und personelle Unterstützung erforderlich

machen

4. Selbstversorgung – hierzu zählen viele

Verrichtungen der bisherigen Grundpflege

wie Waschen und Anziehen, aber auch

ein Bedarf im Bereich der Ernährung

sowie die Bewältigung einer möglichen

Harn- oder Stuhlinkontinenz und die

Nutzung der Toilette

5. Bewältigung von und selbstständiger

Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten

Anforderungen und Belastungen

– hierbei geht es um die Fähigkeit, ärztlich

angeordnete Maßnahmen durchführen

zu können, wie z.B. Einnahme von

Tabletten

6. Gestaltung des Alltaglebens und sozialer

Kontakte – hier soll festgestellt werden,

ob ein pflegebedürftiger Mensch in der

Lage ist individuell und bewusst seinen

Tagesablauf zu gestalten und Kontakt zu

anderen Menschen aufzunehmen.

Leider haben die Lebensbereiche „Haushaltsführung“

und „Außerhäusliche Aktivitäten“

keinerlei Auswirkungen auf die Bewertung

eines Pflegegrades.

Wir vom BIP besprechen auf Wunsch mit

den ratsuchenden Menschen die einzelnen

Kriterien in den jeweiligen Modulen – und

das sind insgesamt 64 an der Zahl – und was

es überhaupt heißt, „überwiegend selbstständig“

oder „überwiegend unselbstständig“ zu

sein.


? Worauf sollten Pflegebedürftige bei der

Begutachtung besonders achten?

Der MDK muss den Termin der Begutachtung

rechtzeitig ankündigen, und der Termin

findet in der Wohnung der Antragsteller statt.

Es ist gut, wenn zu diesem Termin vorhandene

Krankenhaus- oder Arztberichte, der

Medikamentenplan und, wenn ein Pflegedienst

im Einsatz ist, auch dessen Dokumentationsmappe

vorliegen.

Auf jeden Fall ist es hilfreich, wenn ein Angehöriger

oder die Person, welche die Pflege

leistet, bei dem Termin dabei ist. Oftmals

wird von den Betroffenen aus Scham die

häusliche Situation beschönigt, und dann ist

es gut, wenn die Pflegeperson den Tagesablauf

auch aus ihrer Sicht schildert.

Der Gutachter oder die Gutachterin werden

an diesem Termin die beschriebenen Module

anhand eines Formulars besprechen und

bewerten. Da es darum geht, bei welchen

Dingen Hilfe durch eine Pflegeperson notwendig

ist, sollte man unbedingt ehrlich sein.

Wenn Unterstützung in den abgefragten Situationen

notwendig ist, dann muss man es

auch sagen. Problematisch ist es, wenn man

sagt, dass etwas „einigermaßen“ geht oder

„es schwierig ist“. Entweder man kann es

problemlos alleine, oder man braucht Hilfe

dabei.

Die Begutachtung ist keine Prüfung, die man

erfolgreich bestehen muss. Es muss sich

auch niemand besonders darstellen oder

„herausputzen“, um eine perfekte Pflegesituation

darzustellen. Einfach normal sein,

wie immer, das reicht aus.

? Und wie geht es nach der Begutachtung

weiter?

Die Pflegekasse wird auf

Grundlage des MDK-

Gutachtens einen schriftlichen

Bescheid schicken,

in dem der ermittelte

Pflegegrad mitgeteilt

wird. Es gibt seit

2017 fünf Pflegegrade.

Sollte man mit der Einstufung

der Pflegekasse

nicht einverstanden sein,

besteht die Möglichkeit,

Widerspruch einzulegen.

Auch in diesem Fall

Die Damen vom BIP-Recklinghausen:

Frau Tucholski (links) und Frau Schniederjan

kann man sich an das BIP wenden, um Hilfe

zu bekommen.

? Und welche Leistungen erhält man mit

einem Pflegegrad?

Die Pflegeversicherung hält eine Vielzahl an

unterschiedlichen Möglichkeiten bereit. Wenn

jemand seine Pflege durch eine private Person

sicherstellt, wird monatlich ein Pflegegeld

ausgezahlt.

Ist ein professioneller Pflegedienst im Einsatz,

gibt es kein Pflegegeld aufs Konto. Dafür

kann der Pflegedienst seine Arbeitsleistung

direkt mit der Pflegekasse abrechnen.

Das nennt sich dann Pflegesachleistung.

Es besteht auch die Möglichkeit der Kombination

der beiden genannten Möglichkeiten.

Zusätzlich besteht ein Anspruch auf einen

monatlichen Entlastungsbetrag für z.B. eine

Betreuungskraft oder eine Haushaltshilfe zugelassener

Anbieter. Der Betrag kann aber

auch angespart werden, um ihn im Rahmen

der Kurzzeitpflege oder Tagespflege in

Anspruch zu nehmen.

Sollte die Pflegeperson einmal verhindert

sein, bezahlt die Pflegekasse eine Ersatzpflege.

Das ist die sogenannte Verhinderungspflege.

Oder der pflegebedürftige

Mensch zieht für eine gewisse Zeit als Gast

in ein Altenheim. Die Kosten dafür werden

als so genannte Kurzzeitpflege von der Pflegekasse

übernommen.

Wenn die Pflege in der eigenen Wohnung an

baulichen Problemen scheitern sollte, erhalten

Pflegebedürftige einen Zuschuss für

„Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“ wie

z.B. einen Badumbau oder die Installation

einer Rampe.

Und wenn die Pflege im eigenen Zuhause

nicht mehr möglich sein

sollte, übernimmt die

Pflegekasse auch einen

Anteil der Kosten für ein

Pflegeheim.

All diese Leistungen sind

komplex und auf den ersten

Blick verwirrend. Sie

müssen individuell passend

auf die jeweilige

Pflegesituation besprochen

und angepasst werden.

Und es darf nicht

vergessen werden, dass


es sich bei der Pflegeversicherung um eine

„Teilkaskoversicherung“ handelt. Es kann

daher sein, dass bei notwendigen Pflegeleistungen

auch ein Eigenanteil fällig wird.

Aber bei all diesen Fragen kann ein Beratungsgespräch

mit uns vom BIP hilfreich

sein.

! Frau Schniederjan, Frau Tucholski – vielen

Dank für Ihre Ausführungen!

„Ich kann nichts daran ändern,

dass ich alt werde,

aber ich kann dafür sorgen,

Norbert Jandt

dass ich jede Menge Spaß dabei habe.“

Autor unbekannt

Friedvolle Erinnerungsorte

Als Kind beobachtete ich, dass nicht nur meine

Oma, sondern auch viele ältere Leute

eine besondere Beziehung zu Friedhöfen

hatten und dort gerne spazieren gingen.

Damals fragte ich mich noch nicht, warum

das so war.

Es wird wohl an den schönen Blumen, den

prächtigen Bäumen und den liebevoll hergerichteten

Gräbern liegen, dachte ich. Man

besuchte die letzte Ruhestätte Angehöriger

und bewunderte einzelne, besonders schön

gestaltete Grabstätten. Für mich war der

Friedhof ein großer Park, auf dem man an

der Hand Erwachsener die Wege beschritt.

„Betreten verboten“-Schilder waren nicht aufgestellt.

Aber die Stimmung dort empfand ich

als Kind wohl als so feierlich-geheimnisvoll,

dass sie auch nicht nötig waren. Heute gehöre

ich selber zur älteren Generation.

Lange waren Friedhöfe mir unheimlich. Stille

Orte der Toten und des Todes. Ich erlebte

Beerdigungen, die mich und die Menschen

um mich herum in Trauer stürzten. Lange

machte ich daher nach Möglichkeit einen

Bogen um Friedhöfe, ging nur hin, wenn ich

nicht anders konnte. Hätte man mich bis vor

einigen Jahrzehnten gefragt, ob Friedhöfe

auch interessante, ja sogar spannende Orte

sein können, ich hätte die Frage wohl nicht

recht verstanden.

Inzwischen sind Friedhöfe für meinen Mann

und mich zu interessanten Lern- und Erinnerungsorten

geworden. Zu einer Art Geschichtsbuch,

das viel vom Leben und Sterben

der Menschen erzählen kann. Da Zeitreisen

trotz allen technischen Fortschritts immer

noch nicht möglich sind, muss man sich mit

Büchern „behelfen“. Jetzt sind gleich zwei

Bücher erschienen, mit denen sich auf Zeitreise

gehen lässt.

„Ein Friedhof voller Geschichte(n)“ von RZ-

Redakteurin Silvia Seimetz und von Alfred

Stemmler ist das erste. In dem Buch ist eine

Artikelserie über den alten Friedhof am

Lohtor zusammengefasst, die in der Recklinghäuser

Zeitung erschienen ist. In Kurzbiographien

wird an bekannte Recklinghäuser

Bürger erinnert, die dort beerdigt sind und

von denen meist nur noch Straßennamen

bekannt sein dürften. Dabei haben sie vom

18. bis ins 20. Jahrhundert unsere Heimatstadt

entscheidend mitgeprägt.

Dann das im vorigen Jahr erschienene zweite

Buch „Stätten des Friedens und der

Menschlichkeit“ von VHS-Leiter Jürgen Pohl

und Georg Möllers, dem Ersten Beigeordneten

der Stadt, beide seit langem mit der

Lokalgeschichte Recklinghausens befasst.

Neben einem Streifzug über sämtliche Recklinghäuser

Friedhöfe stellen Pohl und Möllers

auch weitere Gedenkstätten in Recklinghausen

und außerhalb Deutschlands vor. Zum

Beispiel den Wald von Bikernieki bei Riga

(Lettland). Dort liegen auch etliche jüdische

Bürgerinnen und Bürger Recklinghausens

begraben, die während des zweiten Weltkriegs

bei Massenerschießungen getötet

wurden.

Auch die historische Entwicklung von Friedhöfen

ist ein Thema des Buches. Beginnend

mit Kirchhöfen, auf denen man die Verstorbenen

rund um die Kirchen beerdigte, über

Grabstätten für Bombenopfer, gefallene Soldaten

beider Weltkriege, verunglückte Bergleute,

Gemeinschaftsgrabstätten von Ordensleuten

und den Veränderungen der

Friedhofskultur. Neben Informationen über

christliche, muslimische oder jüdische Trauerfeiern,

Trauerrituale und Gebräuche nehmen

die Schicksale der ermordeten Juden


und anderer Opfer des Holocaust breiten

Raum ein.

„Stätten des Friedens und der Menschlichkeit“

enthält zudem wunderbare Fotos interessanter,

oft künstlerisch gestalteter Skulpturen,

Statuen und Denkmäler auf Gräbern

und anderen wichtigen Orten.

Besonders eindrucksvoll finde ich die Skulpturenguppe

„Die trauernden Bergleute“ auf

dem Nordfriedhof und das Familiengrab Timmann/Carl

mit der großen „trauernden

Engelsfigur“ auf dem evangelischen Friedhof

an der Halterner Straße. Eine Besonderheit

bilden die ungewöhnlich gestalteten Statuen

„Der Auferstandene“, geschaffen von Tisa

von der Schulenburg, die auf dem St. Franziskus-Friedhof

in Stuckenbusch die Siegesfahne

hoch hält, und „Der Posaunenengel“

an der Grabstätte der Clemensschwestern

auf dem Nordfriedhof. Ich finde: eine tröstliche

Symbolik als Zeichen der Auferstehung.

Wenn es heißt, Friedhöfe könnten lehrreiche

Erinnerungsstätten, ja Geschichtsbücher

sein, bedeutet das keineswegs, dass sie

nichts mit uns zu tun haben. So sagte der

überzeugte Europäer Jean-Claude Juncker

auf dem Volkstrauertag 2008 : „Wer an Europa

zweifelt, wer an Europa verzweifelt, der

sollte Soldatenfriedhöfe besuchen.“ Und weiter:

„Nirgendwo besser, nirgendwo ist eindrücklicher

zu spüren, was das europäische

Gegeneinander am Schlimmsten bewirken

kann.“

Gut gesagt, aber: Lernen wir denn etwas aus

der Geschichte? Ich fürchte nein, nicht wirklich.

Aktuell können wir es Tag für Tag erleben,

wie zerbrechlich Europa, die Demokratie

und der Frieden sind.

Fazit

Friedhöfe können eine Oase sein, eine Labsal

für Körper, Seele und Geist. Wo sonst

außer im Wald findet man eine solche Ruhe,

solche Erholung und gute Luft? Und das

sogar mitten in der Stadt.

Besuchen Sie einmal die beiden ältesten

Friedhöfe unserer Stadt, den am Lohtor

hinter der barocken Kreuzigungsgruppe und

den evangelischen an der Halterner Straße.

Nehmen Sie vielleicht eines der Bücher zur

Orientierung mit und lassen Sie die Orte auf

sich wirken. Vielleicht spüren Sie es: Hier

endet alle Eitelkeit der Welt.

Und irgendwann beginnen die Gräber zu

erzählen: Von den dort begrabenen Berühmtheiten,

die genauso wie die Namenlosen und

Armen eines Tages alles zurück lassen

mussten. Von den kleinen Kindern, die oft

schon im Säuglingsalter ihr Leben ließen.

Wie viele der Kleinen hätte man mit den heute

hoch entwickelten medizinischen Möglichkeiten

retten können? Aber auch die Gräber

der sogenannten „Sternenkinder“, die tot geboren

wurden oder gleich nach der Geburt

ihr Leben wieder verloren und die man früher

einfach irgendwo mit verscharrte.

Ein echter Fortschritt, dass das heute sensibler

gehandhabt wird.

„Hast du Angst vor dem Tod?“

fragte der Kleine Prinz die Rose.

„Aber nein: Ich habe gelebt, ich habe

geblüht und meine Kräfte eingesetzt,

soviel ich konnte.

Und Liebe tausendfach verschenkt.“

(Antoine de Saint Exupery)

(er)

Jürgen Pohl, Georg Möllers: Stätten des Friedens und

der Menschlichkeit. Die Recklinghäuser Friedhöfe als

Lern- und Erinnerungsorte. Recklinghausen, Verlag

Rudolf Winkelmann 2018, ISBN 978-3-938850-21-3

Silvia Seimetz, Alfred Stemmler: Ein Friedhof voller

Geschichte(n), Recklinghausen, Medienhaus Bauer

ISBN 978-300-054993-0


Der Platz am Fenster

Erinnerungen können helfen

In einem Krankenzimmer eines großen

Sanatoriums lagen zwei im Krieg schwer verwundete

Männer. Der eine durfte sich für

eine Stunde am Tag im Bett aufsetzen, um

besser atmen zu können, er hatte sein Bett

an dem einzigen Fenster des Zimmers. Der

andere musste auf Grund seiner Verwundungen

auf dem Bauch liegen, sein Bett stand in

der dunklen Ecke neben der Tür.

Den ganzen Tag nun erzählten sich die Männer

von ihren Frauen und Kindern, von ihrem

Beruf, den sie vor dem Krieg ausgeübt hatten,

von ihrem Zuhause, ihren Hoffnungen

und Träumen. Immer, nachdem die Krankenschwester

gekommen war, dem Mann am

Fenster aufzuhelfen, damit er seine Stunde

sitzend im Bett verbringen konnte, begann

dieser seinem Bettnachbarn zu beschreiben,

was er sah und erzählte dabei so bildhaft,

lebendig und schön, dass der Mann in der

dunklen Zimmerecke die Bilder plastisch vor

sich sah.

Er konnte sich den tiefblauen See vorstellen,

die Enten und die Schwäne, die darauf

herumschwammen, und die Segelschiffe. Er

stellte sich das lichtdurchflutete Laub der

Bäume vor, das filigrane Schatten auf die

Wiese warf, das Schilf am Ufer, das sich

sanft im Wind wiegte, und die bunten Blumen

auf der Wiese, die von nicht minder bunten

Schmetterlingen besucht wurden.

Immer, wenn der Kamerad am Fenster

erzählte, erlebte der Kranke in der Ecke eine

Stunde voller Heiterkeit und Glück. Und so

kam es, dass er für diese eine Stunde am

Tag zu leben begann,

wegen dieser einen

Stunde am Tag neue

Hoffnung und Lebenswillen

schöpfte.

Es entwickelte sich

zwischen den beiden

Männern eine tiefe

Freundschaft und

Vertrautheit.

Doch eines Tages

blieb der Freund am

Fenster stumm. „Er ist

wohl sehr müde heute“,

dachte sich der

Verliere nie die Hoffnung

Kamerad in der dunklen Zimmerecke. „Wir

haben wohl gestern Nacht zu lange

gequatscht“. Also wartete er geduldig darauf,

dass sich sein Kamerad melden würde, ganz

leise verhielt er sich, um ihn ja nicht aus seinem

Tiefschlaf zu wecken. Als dann die

Schwester kam, um dem Mann zu helfen,

sich aufzusetzen, fand sie einen Toten in den

Kissen. Er war friedlich in der Nacht verstorben.

Die Trauer bei dem Freund im Nachbarbett

war unsäglich. Doch weil nun der Platz des

Verstorbenen am Fenster frei war, bat er die

Schwester, das Bett am Fenster belegen zu

dürfen. „Kein Problem“, meinte die Schwester

und schob sein Bett an den Fensterplatz.

Unter Schmerzen zwar, doch mit unbändigem

Willen, all die Schönheit nun selber

sehen zu dürfen, drehte sich der Mann in seinem

Bett um und stützte sich mit aller Kraft

auf die Arme, um hoch zu kommen. Doch

wie enttäuscht war er, als der Moment kam,

nach dem er sich so lange gesehnt hatte, als

er endlich selber aus dem Fenster schauen

konnte. Kein See, keine Wiese, keine Strandpromenade

sah er, nur eine kahle, hohe

Mauer, ganz nahe an der Hauswand, so

nahe, dass er nicht einmal den blauen Himmel

darüber erblicken konnte.

Ganz empört sagte er zur Schwester: „Wie

konnte mir mein Freund so schöne Dinge

schildern, wenn er in Wirklichkeit immer nur

die Wand sah?“

Die Schwester blickte ihn lächelnd an.

„Wissen Sie“, sagte sie, „Ihr Freund erzählte,

was er mit den Augen der Liebe sah. Er wollte

Sie und sich selber aufheitern. Die Bilder,

die sich Ihrer Seele einprägten, ließen Sie für

eine Stunde Ihre Schmerzen, Ihren Kummer

und Ihre Zukunftsangst

vergessen. Sie gaben

Ihnen Hoffnung, und

das wiederum gab ihm

Hoffnung und bereicherte

sein Herz. Nur

eines konnte er nicht

sehen – die Mauer vor

dem Fenster. Ihr

Freund war nämlich

blind.“

Zugeschickt von

Rosi Behringer


Zum Lesen und Vorlesen

Heinrich Zille,

der Meister des Milljöhs

paar Striche, ein wenig Farbe mitunter und

es sind Meisterwerke“.

Auf Liebermanns Empfehlung hin wurde Zille

als Mitglied in der Preußischen Akademie der

Künste aufgenommen. Eine hohe Ehrung.

In einem Buch, gedruckt 1941, habe ich folgende

Gedichtzeilen zu Zille gefunden:

Et war nicht immer schön,

wat du jezeichnet,

die Wahrheit schmeckt nun

leider selten sieß.

Und wat in Hinterhäusern sich ereignet –

Tja – Mietskasernen sind kein Paradies.

Selbstportrait Heinrich Zille (1922)

Foto: https://www.berlin-lese.de/index.php?

article_id=117

Die berühmte Luft meiner Heimatstadt Berlin,

das pralle Leben und Treiben im Milljöh der

Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts

hat Heinrich Zille (1858-1929) packend

eingefangen. Er war ein engagierter zeitkritischer

Künstler. Er schaute genau hin und

zeigte die Menschen mit ihren Problemen,

Sorgen und Nöten. Besonders Frauen und

Kinder standen für ihn im Mittelpunkt seiner

kritischen Werke.

Die Porträtierten erwiderten seine Liebe. Seine

Bilder trafen den Nerv einer Zeit, die

geprägt war vom 1. Weltkrieg und den Jahren

danach, von politischen und sozialen

Umbrüchen.

Die Zeichnungen z.B. von Kohle schleppenden

Frauen, den Witwen mit ihren Tätigkeiten

zum Erwerb des nötigen Geldes für den

Unterhalt der Familie und den frechen, auf

den Straßen spielenden Kindern und andere

Grafiken zeigen, dass das Berliner Leben

von 1900 bis 1930 gar nicht so prickelnd war,

wie uns sich das heute darstellt.

Scharf sind Zilles Werke, und trotzdem war

er der Zeichner des Volkes und deshalb

geliebt.

Käthe Kollwitz beschrieb die Arbeitsweise

Zilles mit den Worten: „Ein paar Linien, ein

Wenn ich mal alt bin........

(hft)

Wenn ich einmal alt bin –

und bis dahin ist es nicht mehr weit –

dann kauf ich mir, nein, dann leist’ ich mir

ein knall-quietsch-buntes Partykleid.

Dazu ‘nen Strohhut, wunderbar,

der passt zu meinem Silberhaar.

Und „highheels“ – ach, das lass ich sein,

da bleib’ ich lieber rund und klein.

Dann möchte ich – wer kann’s verstehn –

den Eiffelturm von oben sehn.

Von da mit einem Fallschirm runter –

wie fühl ich mich dann leicht und munter!

Auch will ich mal um Mitternacht

am Meeresstrande wild, nicht sacht,

ein Picknick machen mit viel Wein,

Baguettes und Käse obendrein.

Mit Wind im Haar und Sand im Schuh

und vielen Freunden noch dazu.

Will endlich raus aus dem „Korsett“:

„Das tut man nicht, das ist nicht nett!“


War viel zu brav zu lange Zeit,

vergaß die Träume allzu leicht.

Schön angepasst, nicht ungehörig,

ein bisschen mehr stromlinienförmig.

Tief drin im Innern bin ich jung,

neugierig, mutig, mit viel Schwung.

Drum wart ich nicht mehr lange Zeit

auf mein knall-buntes Partykleid.

Ich lebe heute und so gern,

das Alter ist mir dann sehr fern.

Ideen hab ich noch genug!

Zum Glück fehlt mir nur noch der Hut?

(er)

Sonnenblumen

Wenn ich die Sonnenblumen sehe,

dann tauche ich in sie hinein,

und falle, bis ich endlich stehe.

Ich bin umgeben von dem Schein

der großen, vollen, gelben Blüten,

die locken und nichts and'res tun,

als die Insekten zu behüten,

die kommen, um sich auszuruh'n.

Oh welch ein Meer von gelber Wonne,

das, von dem satten Grün geziert,

im warmen Strahl der hellen Sonne

sich selbst im Himmel noch verliert.

Peter Bertram

Der Neinengel

Das muss ein starker Engel sein,

der uns den Mut macht für ein Nein.

Ein Kämpferengel, der gerade geht,

der sicher auf beiden Füßen steht.

Ein trotziger Engel, hell wie der Tag,

einer, der offene Worte mag.

Das muss ein starker Engel sein

der uns Mut macht für ein Nein.

Ein Nein, das heißt etwas zu wagen.

Das nicht zu tun, was andere sagen,

ist schwer, viel schwerer, als zu nicken,

sich einzufügen und zu schicken.

Das muss ein starker Engel sein,

der uns Mut macht für ein Neín.

Jutta Richter

Es wenigstens versuchen

Inge Wuthe

Märchen und Geschichten zum Mutmachen

ist der Untertitel des 130 Seiten umfassenden

Buches von Inge Wuthe.

Das Märchen vom Lachen ist so eine wunderbare

MutMachGeschichte über den

Besuch eines kleinen Lachens in einer kleinen

Hütte bei einem alten Griesgram.

Dieser hat sich in seiner dunklen Welt völlig

zurückgezogen, das Lachen ist ihm vor

langer Zeit vergangen.

Das kleine Lachen gibt die Hoffnung nicht

auf, auch wenn sich der grantige Alte längst

damit abgefunden hat, sein Leben als

gescheitert abzuhaken.

Das kleine hartnäckige Lächeln schafft es

tatsächlich, den alten Mann zu bewegen, ins

Dorf zu gehen. Nach langen Jahren der Einsamkeit

macht sich der Alte auf den Weg.

Und er ist ganz überrascht, dass ihm freundliche

Blicke begegnen.


Mit insgesamt 15 Mut machenden, an- und

berührenden Geschichten zaubert die Autorin

jedem Leser

Lächeln ins Gesicht.

(hp)

Plötzlich Gänsevater

Sieben Graugänse und die

Entdeckung einer faszinierenden Welt

Michael Quetting

Plötzlich Vater werden – im normalen Leben

wohl nicht denkbar, aber in der wissenschaftlichen

Arbeit mit Tieren schon eher.

Michael Quetting, Pilot und Mitarbeiter des

Max-Planck-Instituts für Ornithologie in

Radolfzell am Bodensee stellte sich für ein

wissenschaftliches Projekt bereit, Graugänse

groß zu ziehen, zu trainieren und mit seinem

Ultraleichtflugzeug seinen „Kindern“ durch

die Lüfte zu folgen.

Dieses Projekt kann für Klimaforscher

und Wetterkundler von

großem Wert sein, wollen sie

durch die Tiere, die besendert

werden, wertvolle Informationen

aus den Lüften erhalten, Informationen

über die Umgebung, in

der die Gänse unterwegs sind -

etwa über die Windverhältnisse

und die Temperatur.

Über dieses Projekt hat Michael

Quetting ein Buch geschrieben.

Wer nun aber eine wissenschaftliche

Abhandlung in ebenso wissenschaftlichem

Ton erwartet,

wird enttäuscht. Vielmehr erwarten

den Leser 239 sehr persönliche

Seiten.

Inge Wuthe: Es wenigstens

versuchen - Märchen

und Geschichten

zum Mutmachen, Taschenbuch,

130 Seiten,

epubli Verlag, 5. Auflage

(2018), ISBN: 978-

3746743165, Preis: 9,99

Euro

Das Buch folgt den sieben Graugänsen von

der Zeit im Brutkasten bis zum Abschiednehmen,

wenn sie ihrer Natur folgen und wegfliegen,

und zeigt in anschaulicher und berührender

Weise den Forscher und Gänsevater

Michael Quetting, den seine sieben „Kinder“

nicht nur zu kompletter Entschleunigung seines

normalen Lebens zwingen, sondern sein

Herz erobern und ihm das Gefühl vermitteln,

Teil der Natur zu sein.

„Die verschiedenen Abstufungen von Grün

und die verschiedenen Gerüche wahrzunehmen,

während ich bei fünf Grad Celsius auf

einer Isomatte lag und sieben Gänseküken

unter meinem Pulli wärmte. Das erste

Kuscheln, das erste gemeinsame Schwimmen

im See, die ersten kleinen Hüpfer im

Flugtraining, der erste gemeinsame Flug.

Diese und viele andere intensive Eindrücke

sind mir bis heute geblieben und haben mein

Leben nachhaltig verändert“, so der Autor in

dem Umschlagtext des Buches.

Frieder, Maddin, Calimero, Nils, Paul, Nemo

und Glorio, sieben Charaktere (wie bei Menschenkindern)

machen dem „Vater“ das

Leben manchmal schwer. Es sind aber keine

„dummen Gänse“: Jede hat ihre liebenswerten

und weniger liebenswerten Eigenheiten,

jede hat ihren eigenen Kopf und ihre eigene

Sicht auf die Dinge.

In seinem Buch erzählt Quetting sehr anschaulich

und herrlich humorvoll von seinem

Sommer mit den Tieren und lässt den Leser

somit teilhaben an einem einzigartigen Abenteuer

– die wirklich schönen

Fotos ergänzen den Eindruck.

Und es erläutert die faszinierende

Arbeit mit Tieren für die

Wissenschaft, ohne dass sie

leiden, sondern ganz offensichtlich

noch Freude daran

haben.

(mm)

Michael Quetting: Plötzlich Gänsevater,

239 Seiten, Ludwig Verlag,

München, 2017, ISBN: 978-3-453-

28091-5, Preis: 19.99 Euro


Das Leben geht weiter

Wilko Johnson

Wilko, 1947 geboren,

wächst wie die meisten

Nachkriegskinder

in eher ärmlichen Verhältnissen

auf. Er

hasst seinen gewalttätigen

Vater. Mit 15

fängt er an, Gitarre zu

spielen. Als er irgendwann

sechzehnjährig

nach Hause kommt,

ist sein Vater tot. Wilko

fühlt sich zum ersten

Mal frei.

Nach der Schule studiert

er englische Literatur.

Seine Fähigkeiten

als Musiker sind mittlerweile aber so

gut, dass er 1971 mit einem befreundeten

Sänger eine Band gründet: Dr. Feelgood. Sie

touren durch England und sind für ihre Auftritte

berühmt. Mitte der 70er der Durchbruch:

Ihr Live-Album „Stupidity“ landet auf Platz

eins der englischen Charts.

Wie so oft treten mit dem Erfolg auch Differenzen

auf: Neid, Missgunst, Vorherrschaft in

der Band, musikalische Richtung. All das

führt letztlich dazu, dass sich Wilko von der

Band trennt, wobei er von einem Rausschmiss

spricht. In der Folgezeit spielt er in

wechselnden Besetzungen, unter anderem

mit Ian Dury.

2004 stirbt seine Frau, mit der er seit seiner

Jugend zusammen war und zwei Kinder hat,

an Krebs. 2012 erhält er bei einer Tournee

selbst eine Krebsdiagnose. Die Ärzte stellen

einen nahezu 3 kg schweren Tumor in seinem

Bauch fest und geben ihm nur noch

wenige Monate zu leben. Zum zweiten Mal in

seinem Leben fühlt Wilko sich frei. Frei von

Verantwortung, frei von der Vergangenheit

und frei von der Zukunft. Er selbst sagt, dass

er in diesem Moment eine unglaubliche Ruhe

in sich verspürt.

Er entscheidet sich, den prognostizierten kurzen

Rest seines Lebens damit zu verbringen,

was er am besten kann und am liebsten

mag. Er organisiert eine Abschiedstournee

und letzte Studioaufnahmen, vielleicht wird ja

noch eine ganze Platte daraus. Nicht nur er,

auch seine ganze Umgebung stellt sich

darauf ein, dass es die letzten Aufnahmen

und Konzerte sein werden. Er spielt ein

Album mit Roger Daltrey, dem Sänger der

Who, ein, was im Märze 2014 veröffentlicht

wird. Moderner Rock and Roll, mir gefällt’s.

Irgendwie läuft alles nach Plan. Das einzige,

was sich partout nicht einstellen will, ist sein

Tod: Wilkos Körper ignoriert den Krebs und

sein nahes Ende. Die Ärzte stehen vor einem

Rätsel. Das Ergebnis der Enträtselung ist

eine 11-stündige Operation, in der sie ihm

den Tumor, der etwa so schwer ist wie ein

Baby, entfernen.

Die Operation gelingt, und er geht einen langen

und beschwerlichen Weg der Rekonvaleszenz.

Er muss sich mit dem Gedanken

auseinandersetzen, dass er vermutlich noch

eine Zeit lang weiterleben wird. Das macht er

übrigens heute noch: leben.

Das Buch, 252 Seiten, ist keine Weltliteratur,

und Wilko Johnson wird niemals den Literaturnobelpreis

bekommen. Aber es ist ein

bewegendes Buch. Wer sich darauf einlässt,

wird mit einem Wechselbad der Gefühle

belohnt. Vor allem macht das Buch eins: Es

nimmt die Angst vor dem Sterben und macht

Appetit auf das Leben. Wenn sich das nicht

lohnt!

(dw)

Wilko Johnson: Das Leben geht weiter (Originaltitel

Don't you leave me here), Gebundene Ausgabe: 256

Seiten, Heyne Verlag (2017), ISBN-13: 978-

3453270817, Preis: 19,99 Euro

Es geht uns mit Büchern

wie mit den Menschen.

Wir machen zwar

viele Bekanntschaften,

aber nur wenige erwählen wir zu

unseren Freunden.

Ludwig Feuerbach


Der Klügere gibt

Nachhilfe

Sprachakrobatik für alle

Lebenslagen

Philipp Scharri

Sprachakrobatik für alle Lebenslagen

verspricht Philipp Scharri

auf 272 Seiten… und das hält er

auch. Für alle, die Nachhilfe in

Sachen Humor, Wortspiel, Silbenjonglage

und vieles mehr

brauchen.

Und das fängt schon auf der

ersten Seite an, wo er dem

Leser das Du und ihm alternativ

eine Tabelle mit Sie, sich, -en

anbietet, um jedes Ihr und Euch

im Buch ersetzen und die t-Endungen mit einem

-en überkleben zu können. Hier ein Beispiel

zum Verdeutlichen: Aus Du besitzt nun

ein Exemplar wird in Höflichkeitsform Sie besitzen

… ein Exemplar.

An dieser Stelle wird schon deutlich, dass

der Autor kein gewöhnlicher Buchschreiber

ist. Nein, Philipp Scharri ist Wortakrobat auf

der Bühne, er ist Kabarettist, Poetry Slammer

und Performance Poet.

Das Buch ist ein Bastelbuch für Sprache und

Inspiration. Angereichert durch witzige Zeichnungen

von Volker Collmann ist das Buch

eine Augenweide und, wenn man es hört,

eine Ohrenweide dazu. Scharri schreckt nicht

zurück vor Wortgetümen wie z. B. „Lebenspartnerunterhaltungsunwilligkeit“

verdichtet

aus dem Satz: „Schatz, ich geh kurz spazieren“.

Die Bereiche, die Scharri mit seinen Worten

berührt, sind unglaublich vielfältig, wie das

pralle Leben. Ob es der Vokabelsalat ist, angereichert

mit philosophischen Kochrezepten

oder einer Beziehungskistenkunde, seine Loveletters

beweisen, dass auch die Worte Gefühle

haben: „Ein kleines e kam in die Scheune,

traf ein kleines u. Sie legten sich ins Heu

und machten ein eu.“

Eine hinreichende Erklärung für die Entstehung

von Buchstaben.

Scharri bleibt aber nicht dabei stehen, sondern

betreibt und empfiehlt sprachliche Ahnenforschung.

Die Veränderungen in der

Sprache „haben sich in so kleinen Schritten

vollzogen, dass es kaum aufgefallen ist. So

ähnlich wie beim Altern: Eh

man sich’s versieht, steht

man vor dem Spiegel und

fragt sich, wer den Rentner

ins Zimmer gelassen hat.“

Dass sein Buch für alle Altersklassen

geeignet ist, beweist

seine Kürzeldichtung.

SMS-taugliche Zitate liefert

er gleich mit. Als Beispiel:

„himmelhoch jauchzend, zu

Tode betrübt“ verdichtet er

zu hjztb. Oder: „Ich weiß

nicht, was soll es bedeuten“

wird zu iwnwseb verknappt.

An vielen Stellen ermutigt er

die Leserin, den Leser, eigene

Erkenntnisgewinne mit

ihm zu teilen, wie eigenverdichtete

Gedicht-Phrasen, die zu schicken

sind an: poesims@derklügere.de. Ausprobiert

und nicht bestanden: Die Nachricht

konnte nicht gesendet werden…

Der Autor setzt auf mit-, nicht auf vormachen!

Er wettert gegen Sprachpanscher, in seinen

Augen Politiker, Journalisten und Werber, die

Unworte des Jahres produzieren, und bietet

als Gegengift eine Bastelanleitung für den

SprachSheriff-Stern.

Zu guter Letzt empfiehlt Phillip Scharri einen

Besuch seiner Webseite zum Buch:

www.philippscharrenberg.com. Hier können Sie

einen guten Eindruck von Herrn Scharri (im

richtigen Leben heißt er Phillip Scharrenberg)

bekommen. Auf seiner Internetseite erfährt

man auch, dass sein Buch nicht mehr

gedruckt wird – schade! So ist dieses Buch

für interessierte Käufer wohl nur noch

gebraucht im Handel zu erwerben. Aber der

Fan von Phillip Scharri kann sich auf neue

Titel von ihm freuen.

(hp)

Philipp Scharri: Der Klügere gibt Nachhilfe: Sprachakrobatik

für alle Lebenslagen, Taschenbuch, Fischer-

Verlag, 2012, ISBN: 978-3-596-19077-5, 9,99 Euro

Ein Haus ohne Bücher ist arm,

auch wenn schöne Teppiche

seine Böden

und kostbare Tapeten und Bilder

die Wände bedecken.

Hermann Hesse


Fräulein Nettes

kurzer Sommer

Karen Duve

Mit „Fräulein Nette“ ist die Dichterin

Annette von Droste-Hülshoff

(1797-1848) gemeint. Das Buch

von Karen Duve ist keine Biografie.

Es erzählt, eingebettet in

Schilderungen der Lebenswelt

der Menschen im damaligen

Westfalen, ein Ereignis aus dem

Sommer 1820, das Annette von

Droste-Hülshoff nachhaltig geprägt

hat.

Es ist in der damaligen Zeit für

eine intelligente und begabte

Frau sehr schwer, sich zu behaupten.

Dies bekommt auch Annette von

Droste-Hülshoff zu spüren. Ihre dichterischen

Ambitionen werden von der – reichlich vorhandenen

– adeligen Verwandtschaft größtenteils

abgelehnt. Von adeligen Damen wird

erwartet, dass sie sticken und musizieren,

sich anständig benehmen und auf den passenden

Ehemann warten. Diese Erwartungen

erfüllt Annette nicht, sie gilt als „vorlaut“ ,

schreibt Gedichte, interessiert sich für Naturwissenschaften

und ist somit das „schwarze

Schaf“ der Familie.

Umso glücklicher ist Annette, wenn sie Zeit

auf dem Anwesen ihrer Großeltern, dem Herrenhaus

Bökenhof bei Brakel, verbringen

kann. Hier pflegt die Familie, allen voran ihr

fast gleichaltriger Onkel August von Haxthausen,

intensive Kontakte zu literarischen Größen

der damaligen Zeit. Die Gebrüder Grimm

und Heinrich Hoffmann von Fallersleben zählen

zu den häufigen Besuchern der Familie.

Auf dem Bökenhof trifft Annette im Sommer

1820 den Dichter Friedrich Straube, einen

Studienfreund ihres Onkels August. Sie verliebt

sich in ihn, aber eine Ehe zwischen ihr

und dem armen und bürgerlichen Straube ist

undenkbar; entsprechend ablehnend reagiert

die Familie.

August von Haxthausen und ein weiterer Studienkollege,

August von Arnswaldt, inszenieren

daher eine Intrige, die Annette blamiert

und dem Gespött der Verwandtschaft preisgibt.

Das ist in einer Zeit, in der Ansehen und

Ruf einer Familie mehr zählen

als alles andere, für Annette

eine Katastrophe und wirft sie

völlig aus der Bahn. Sie verlässt

den Bökenhof und kehrt

nicht wieder dorthin zurück.

Auch den Kontakt mit der Verwandtschaft

bricht sie ab. Heiraten

wird sie nie.

Die „Affäre“ ist zwar im Detail

nicht belegt, aber das sie stattgefunden

hat, geht aus zeitgeschichtlichen

Texten und Briefen

hervor.

Die Schilderung dieser Intrige

macht nur einen Teil des Buches

aus. Das Jahr 1820 ging

als „Jahr ohne Sommer“ in die

Geschichte ein. Missernten

und Hunger stürzen die Menschen in großes

Elend. Der Adel pocht aber trotz wirtschaftlichen

Unterganges und politischer Umwälzungen

auf seine Privilegien.

Viele Ereignisse dieser Epoche schildert

Karen Duve kenntnisreich in ihrem Buch und

bietet somit auch ein interessantes Zeitportrait.

Das umfangreiche Literaturverzeichnis zeigt,

wie sorgfältig und detailliert die Autorin für ihr

Buch recherchiert hat, um die schwierigen

Lebensumstände der Menschen und das

eigenartige Leben des westfälischen Landadels

zu beschreiben. Dabei hält sie sich

größtenteils an historisch belegte Fakten.

Aber es wird auch deutlich, dass Karen Duve

für Annette von Droste-Hülshoff und deren

Kampf um Anerkennung viel Sympathie empfindet.

Übrigens: Der Geburtsort Annette von

Droste-Hülshoffs, die Burg Hülshoff bei Havixbeck,

lohnt einen Besuch. In einem kleinen

Museum kann man Räumlichkeiten

besichtigen, welche die Familie zu Annettes

Zeiten bewohnte, und auch der angrenzende

Park ist in den letzten Jahren erneuert worden.

(ag)

Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer, 592

Seiten, Galiani - Berlin, 2018, ISBN 978-

3869711386, Preis: 25 Euro


Rätsel

TRIO

Ein Spiel von Heinz Wittenberg

(Ravensburger)

49 Plättchen mit Ziffern von 1-9 werden

quadratisch ausgelegt, hier ein Beispiel:

7 1 3 9 2 8 5

2 6 3 5 8 4 9

5 7 1 9 4 6 6

3 2 5 2 8 7 1

8 4 4 6 2 7 3

6 1 8 3 5 1 4

3 4 5 2 6 9 7

Dann gibt es eine Rechenaufgabe. Zum Beispiel:

Errechne die Zahl 28.

Die Besonderheit dabei ist: Man muss genau

3 Plättchen finden, die waagerecht, senkrecht

oder diagonal unmittelbar nebeneinander

liegen. Aus diesen 3 Plättchen muss sich

die gesuchte Zahl errechnen lassen. Man

darf addieren, subtrahieren, multiplizieren

oder dividieren, egal in welcher Reihenfolge.

Beispiel: Wir fangen bei der fett gedruckten 6

unten links an, gehen dann diagonal nach

rechts oben und multiplizieren: 6 x 4 = 24.

Dann gehen wir weiter nach rechts zur

nächsten 4 und addieren diese: 24 + 4 = 28.

Fertig.

Jetzt sind Sie dran, viel Erfolg!

1. Rätsel: Gesucht wird die Zahl 7.

2. Rätsel: Gesucht wird die Zahl 49.

3. Rätsel: Gesucht wird die Zahl 34.

Sie können sich selbst Aufgaben stellen. Sie

können es alleine spielen oder in der

Gruppe.

Lösungen:

Spalte 1 Zeile 2: 2 (nach rechts) + 6 = 8 (nach oben)

– 1 = 7

Spalte 6 Zeile 7: 9 (nach links) x 6 = 54 (nach oben)

– 5 = 49

Spalte 6 Zeile 2: 4 (nach oben) x 8 = 32 (nach links)

+ 2 = 34

Fehlende Buchstaben im Alphabet

In jeder der folgenden Zeilen ist das Alphabet aufgeführt, jedoch fehlen jeweils

bis zu 9 Buchstaben. Notieren Sie diese auf einem Zettel und ordnen Sie sie danach

zu sinnvollen Begriffen für Gewürze und Backzutaten.

:

ABCDEFGHJKLNOPQRSUVWXY

BCDEFGHIJKMNOPQRTUVWXY

ABDFGHIJLMNOPQSTVWXY

BCDEFGHIJLNOPQRVWXYZ

ABCDFGHJKLOQRSUVWXYZ

ABCDFGHJKLOPQRSTUVWXY

BFGIJKMNPQSTUVXYZ

Lösungen

IMTZ

ALSZ

CEKRUZ

AKMSTU

EIMNPT

EIMNZ

ACDEHLORW

ZIMT

SALZ

ZUCKER

MUSKAT

PIMENT

MINZE

WACHOLDER


Aus der Arbeit des Seniorenbeirates

Ein Hoch

auf das Ehrenamt

„Die Menschen, die ehrenamtlich

arbeiten, leisten einen unglaublich

wichtigen Beitrag für

unsere Stadt, indem sie sich

für die Gesellschaft und das

Gemeinwohl einsetzen.“

Diese Worte von Bürgermeister

Tesche sind der Kerngedanke

einer kleinen Feierstunde

im Ratssaal anlässlich der

Überreichung der ersten Ehrenamtskarten

in Recklinghausen.

„Mit der Ehrenamtskarte wollen

wir unseren Dank und unsere

Wertschätzung für dieses keinesfalls

selbstverständliche Engagement

zum Ausdruck bringen“, so Herr Tesche.

Gut die Hälfte der bis April insgesamt 83

Ehrenamtskarteninhaber war der Einladung

des Bürgermeisters gefolgt, unter ihnen auch

Mitglieder des Seniorenbeirates.

Sie alle folgten aufmerksam seinen Worten,

aber auch dem sehr gelungenen Vortrag eines

Gedichtes in der Art des Poetry Slam,

das ehrenamtlich tätige Menschen würdigt.

Daraus drei sehr passende Zitate:

„Du füllst keine Lücke, aber Herzen.“

„Für die Gesellschaft bist du

das Öl in der Fritteuse.“

„Es geht dir um die Sache,

nicht ums Geschäft.“

Der Seniorenbeirat freut sich, dass seine Initiative

zur Ehrenamtskarte auch in Recklinghausen

offensichtlich zum Erfolg geworden

ist.

Weniger offiziell, sondern fast familiär war ein

anderes Ehrenamtstreffen, das im Februar

stattfand. Die Einladung des Bürgermeisters

in den großen Ratssaal hatte einen einzigen,

aber sehr wichtigen Grund: Dankeschön zu

sagen an die ehrenamtlichen Tätigen im

Seniorenbereich. Eingeladen waren neben

den Mitgliedern des Seniorenbeirates auch

die zahlreichen Externen, die

wesentlich mit zum Gelingen

der Arbeit in den Arbeitskreisen

des Seniorenbeirates beitragen,

und die Verantwortlichen

in den diversen Seniorengruppierungen

der Stadt

Recklinghausen.

Gut 80 Personen trafen sich

im großen Ratssaal zu Kaffee

und Kuchen und lauschten

den Worten des Bürgermeisters.

Für kurzweilige Unterhaltung

mit Gitarre und Gesang

sorgte Vera Gehling.

In seinen Dankesworten an die

Ehrenamtler sagte Rudolf Koncet

in seiner Funktion als Vorsitzender

des Seniorenbeirates u. a.: „Sie

sind es, die uns immer wieder bewusst machen,

dass Zusammenleben dann gelingt,

wenn wir einander zugewandt sind und diese

Zuwendung gerade im Bereich der Senioren

oder in der Familie eingesetzt und gelebt

wird. … Wir danken Ihnen für die gute Zusammenarbeit

und rufen Ihnen zu: Bleiben

Sie dem Ehrenamt treu.“

Bürger tragen ihre Stadt –

Sinnbild für die

ehrenamtliche Arbeit

Vieler

in Recklinghausen

Der Arbeitskreis Kultur lebt

„Gibt es keine Fahrten mehr vom Arbeitskreis

Kultur?“

Diese Frage hat man in den letzten Wochen

häufiger gehört. Hier die eindeutige Antwort.

Was nach dem Ausscheiden von Christa

Appels, der langjährigen Sprecherin des

Arbeitskreises Kultur und unermüdlichen

Organisatorin von kulturellen Veranstaltungen

des Seniorenbeirates Recklinghausen,

nach einem „Dornröschenschlaf“ des Arbeitskreises

aussah, erweist sich als falsch, denn

der Arbeitskreis zeigt sich in neuer Frische

und mit neuem Tatendrang.

Auf der Suche nach einem neuen Ideengeber

für die kulturellen Angebote wurde man

fündig in der Person von Sigrid Meinberg,

neue Sprecherin des AK Kultur. Um die orga-


nisatorischen Belange der Fahrten kümmert

sich nun Heinrich Stöcker, Sprecher des

Arbeitskreises Stadtentwicklung - Umwelt -

Verkehr (StUV) und seit Jahren ein „alter

Hase“ im Organisieren von Fahrten.

Ab sofort werden also die beiden Arbeitskreise

Kultur und StUV gemeinsam tagen – das

Café Hohbrink in RE-Hochlar ist ein angenehmer

Tagungsort, nicht nur wegen seines

leckeren Kuchens.

Und ab sofort werden Sie, verehrte Leser,

wieder Termine für die so beliebten Fahrten

des AK Kultur in dieser Zeitung (siehe S. 43)

und auch in der Presse finden. Alle Kulturinteressierten

können sich auf attraktive Fahrtziele

freuen.

Dann also auf zu neuen Fahrten und Begegnungen!

(mm)

Eine ganz neue Erfahrung

Als Vorsitzender des Seniorenbeirates

mache ich mir immer wieder Gedanken, wie

wir uns als Vertreter der Senioren mehr

Gehör verschaffen bzw. mehr in der Öffentlichkeit

beachtet werden können.

Neben Gesprächen mit der Presse und Auftritten

im WDR-Fernsehen mit einem Bericht

über das Projekt Gemeinsam statt einsam

waren es bislang eigentlich nur kurze Presseberichte

in der Recklinghäuser Zeitung, in

denen über Aktionen des SBR informiert

wurde.

Auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten

versuchte ich mein „Glück“ im Internet, ob es

da nicht z.B. lokale TV

Sender gibt, mit denen

wir enger zusammenarbeiten

könnten.

Ich fand eine lokale

TV-Anstalt. Kurz eine

Mail geschrieben und

meine Wünsche und

Erwartungen formuliert.

Ganz fix kam eine

freundliche Mail

zurück mit der Bitte

um Rückruf. Da war

ich erstmal schon

ganz schön aufgedreht.

„TV lokal mit

dem SBR“ im Kopf

hatte ich schon die Maskenbildnerin vor meinen

Augen, die mich für einen Auftritt bearbeitete.

Schnell den Hörer genommen und

die Radaktion angerufen. Dann allerdings fiel

mir der Grauschleier von meinen Augen. Alle

Visionen waren nach dem Gespräch auf Null

gefallen: Dieser Sender verbreitet nur fertige

Video-Aufzeichnungen. Es gibt kein Team

von Reportern, das unterwegs ist, um von

den unterschiedlichen Anlässen zu berichten.

Und da wir keine versierten Filmemacher in

unseren Reihen haben, war das Thema auch

schnell wieder aus dem Kopf.

Also weiter suchen.

Ich fand „RE-TV MoMa“ (www.augenfänger.de),

Redaktion Michael Böhm. RE-TV ist ein

webTV-Sender, der in erster Linie mit Mobiltelefonen

und Actioncams filmt, um kostengünstig

und schnell interessante Movies und

Berichterstattungen aus der Kreishauptstadt

Recklinghausen und den Städten des Vest

Recklinghausen zu produzieren. Seit 2016

läuft die Sendung „RE-TV MoMa bei innogy

vor Ort“.

Schnell also eine Mail an die Redaktion mit

der Bitte um intensivere Zusammenarbeit.

Und dann kam die Antwort: Klar, können wir

gerne machen. Termin abgestimmt für den

Auftritt im TV am 11. März, sofort Unterstützung

aus den eigenen Reihen geholt in Person

von Norbert Jandt, Sprecher des Arbeitskreises

Soziales. Gemeinsam wollten wir in

der Sendung über den Seniorenbeirat und

über dessen Projekt Gemeinsam statt einsam

berichten.

Am Tag der Sendung trafen wir uns schon

früh in der Stadt

im Verkaufsbüro

der Firma innogy,

in dem die Sendung

durchgeführt

wurde. Herr

Böhm war schon

voll in den Vorbereitungen

für die

Sendung MO-MA

(Montags-

Magazin). Wir

Für den Seniorenbeirat im Fernsehen:

Norbert Jandt (links) und Rudolf Koncet

warteten dann

mit anderen Gästen,

die vor oder

nach uns in der

Sendung an der

Reihe waren.


Herr Böhm ist ein routinierter Moderator, der

zu allen Themen blendend vorbereitet ist –

eine Freude, den klaren, aber präzise sitzenden

Worten zuzuhören und dann mit viel

Herzklopfen Antworten zu geben.

Ja so kamen Norbert Jandt und ich ins Fernsehen.

Sie haben die Möglichkeit, das alles im Internet

sich in Ruhe anzusehen. Unseren Beitrag

finden sie als dritten Block der Sendung 51.

RE-TV MoMa bei innogy vor Ort im Internet

unter

www.youtube.com/watch?v=FkO8eVpUqsU

oder

www.augenfaenger.de/webtv-videos

Foto: https://re-tv.chayns.net/Ticker

Seniorennachmittag

auf der Palmkirmes

Bevor die Besucher die Palmkirmes, größte

Kirmes im Vest Recklinghausen, besuchen

können, fließt so mancher Tropfen Schweiß,

wird gehämmert und poliert, um alles auf ein

Optimum für die Besucher herzurichten.

Denn der Stolz der Schausteller ist, jedes

Jahr beim Publikum zu glänzen. Und dass

die glänzen können, haben sie auch in diesem

Jahr wieder bewiesen.

Glänzen konnte die Schaustellervereinigung

der Palmkirmes am Montag auch zum Seniorennachmittag.

Die Schausteller unter Führung

von Richard Abendroth hatten,

wie schon fast zur Tradition geworden,

die Senioren aus Recklinghausen und

Gäste aus dem Umfeld der Gastkirche

eingeladen, einen bunten, lockeren

Nachmittag auf der Palmkirmes zu erleben.

Auf kurzem Dienstweg halten

Richard Abendroth und Rudolf Koncet

vom Seniorenbeirat Kontakt, um die

Seniorengruppen und Gäste zu informieren.

Und wie konnte es auch anders

sein, in diesem Jahr wurden die

Senioren bei blauem Himmel, Sonnenschein

und bestgelaunter Mannschaft

der Schaustellervertretung in „Leos

Treff“ erwartet.

Und alle dachten an das kalte Wetter von

2018, und damit in diesem Jahr die Kuchenverteilung

noch besser wird, hat Richard

Abendroth sich Hilfe aus der Schaustellervereinigung

geholt, denn fast 100 Personen sollten

ohne große Wartezeiten ein Stück

Kuchen bekommen.

Nach der Begrüßung der Senioren durch

Herrn Abendroth und Herrn Koncet als Vorsitzender

des Seniorenbeirates der Stadt

Recklinghausen spielte eine Musikkapelle zu

munteren und bekannten Weisen auf.

Den echt leckeren Kuchen kaum aufgegessen,

fing dann die Gästeschar im Banne dieser

guten Unterhaltung an, die Lieder lauthals

mitzusingen und an den Tischen zu

schunkeln. Es war eine wirklich gute Stimmung

im Zelt, die sich nur ergibt, wenn Herz

und Gemüt sich wohlfühlen.

Nach verzehrtem Kaffee und Kuchen wurden

alle Anwesenden mit einem Lebkuchenherz

der Palmkirmes bedacht und die Senioren zu

einer Runde im Riesenrad eingeladen. Bei

dieser Fahrt im herrlichen Frühlingswetter

war ein ganz weiter Blick über die Grenzen

von Recklinghausen möglich, aber nur für

den, der auch schwindelfrei ist oder keine

Höhenangst hat.

Wir Senioren freuen uns darauf, im kommenden

Jahr auf Einladung der Schausteller

wieder zur Palmkirmes und zu Kaffee und

Kuchen zu kommen und einen schönen

Nachmittag zu erleben.

Seit Jahren eine gelungene Veranstaltung:

Seniorennachmittag auf der Palmkirmes

(rk)


NRW - Senioren zu Gast in

Recklinghausen

Jedes Jahr einmal ruft die Landesseniorenvertretung

NRW (LSV) seine Delegierten aus

den verschiedenen Städten und Gemeinden

zur Mitgliederversammlung zusammen. Die

Tagungsorte wechseln dabei. In diesem Jahr

fand die Mitgliederversammlung aus Anlass

des 25. Geburtstages des Seniorenbeirates

in Recklinghausen statt. Dank der Unterstützung

der Stadt und mit großer tatkräftiger Hilfe

der Seniorenbeauftragten Frau Hahn fand

die Mitgliederversammlung am 25. April im

Bürgerhaus Süd statt.

Nach 2003 war die LSV mit ihrer Mitgliederversammlung

zum zweiten Mal in Recklinghausen

zu Gast. Der Seniorenbeirat der

Stadt, vertreten durch seinen Vorsitzenden

Rudolf Koncet, konnte anlässlich des

25-jährigen Bestehens des Gremiums eine

Urkunde entgegennehmen. (siehe Foto)

Über die Urkunde freuen sich Frau Hahn,

Herr Koncet und Herr Tesche

Zu der Veranstaltung kamen knapp 300

Delegierte aus ganz NRW. Neben Neuwahlen

und der Abarbeitung diverser Anträge

stand die Verabschiedung der bisherigen

Vorsitzenden Gaby Schnell im Vordergrund

der Veranstaltung. Dass der Abtritt von Frau

Schnell durchaus eine „Zäsur“ für den Dachverband

bedeute, hob Minister Karl-Josef

Laumann als Gastredner hervor. Gaby

Schnell habe ihr Ehrenamt sehr ernst

genommen und auch der Politik stets deutlich

gemacht, wie wichtig kommunale Seniorenvertretungen

seien.

Frau Schnell hatte nach 10 Jahren Vorstandsarbeit

und insgesamt 14 Jahren Arbeit

im LSV nicht mehr kandidiert. Lang anhaltender

Beifall, für den sich Delegierte und Gäste

von den Plätzen erhoben, dankte Gaby

Schnell für die Jahre des intensiven Einsatzes

für die LSV. „Es ist eine tolle und erfüllende

Zeit gewesen“, so Frau Schnell, die

sich trotz etwas Wehmut nun auf mehr freie

Zeit und mehr Sport freut. Die ihr angetragene

Ehrenmitgliedschaft nahm sie sichtlich

überrascht und gerührt entgegen.

Ihr Nachfolger Jürgen Jentsch setzt, so sagte

er in seiner kurzen Bewerbungs-Vorstellung,

auf Gemeinsamkeit und Teamwork, um die

Herausforderungen von Gegenwart und

Zukunft zu bewältigen. Seine langjährige

Erfahrung u.a. als Landtagsabgeordneter

und Mitglied des Vorstandes der Landesseniorenvertretung

werteten die Delegierten als

gute Voraussetzung für eine Fortsetzung der

LSV-Arbeit in der Ära nach Gaby Schnell.

Ihm zur Seite werden als Stellvertreter

Magdalene Sonnenschein (Herne) und Karl

Josef Büscher (Rheda-Wiedenbrück) tätig

sein. Den ausscheidenden bisherigen Vorstandsmitgliedern

wurde herzlich gedankt.

Recklinghausens Bürgermeister Christoph

Tesche hatte als Hausherr die Delegierten zu

Beginn mit viel Lob für das ehrenamtliche

Engagement der Älteren in der Stadt willkommen

geheißen und auf die partnerschaftliche,

erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Politik

und Seniorenvertretern hingewiesen.

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit,

Gesundheit und Soziales des Landes, ging in

seiner Rede vor allem auf wichtige Zukunftsaufgaben

ein. Schwerpunkte der Arbeit seien

u.a. das Thema Altersdiskriminierung und die

Schaffung besserer Strukturen für alle Generationen

im ländlichen wie im städtischen

Raum – von ausreichender Hausarztversorgung

über bezahlbaren Wohnraum bis hin

zur Bekämpfung von Einsamkeit und Altersarmut.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde

über die 27 Anträge beraten. Die Mehrheit

der Anträge befasste sich mit Fragen der

Wertschätzung und Förderung des Ehrenamtes.

In diese Richtung zielte auch die einstimmig

verabschiedete „Recklinghäuser Resolution“,

die direkt an Minister Laumann übergeben

wurde.

(rk)


Termine des Seniorenbeirates

(Juni - September)

18. Juni: AK Kultur, Tagesfahrt Amsterdam

(Rembrandt-Ausstellung), 68 Euro

25. Juni: AK Medien, 9 Uhr, Redaktionssizung

RE-SOLUT, Oerweg 38

2. Juli: 25 Jahre SBR, Feierstunde, 16.30 Uhr,

Rathaus

11. Juli: öffentliche Sitzung SBR, 15 Uhr,

Rathaus, Raum 322

16. Juli: AK StUV, Tagesfahrt Papenburg

(Meyer-Werft), 60 Euro

30. Juli: AK Medien, 9 Uhr, Redaktionssitzung

RE-SOLUT, Oerweg 38

21. August: AK StUV, Emscher Kläranlage

Dinslaken + Binnenhafen Duisburg, 32 Euro

27. August: AK Medien, 9 Uhr, Redaktionssitzung

RE-SOLUT, Oerweg 38

18. September: Seniorenforum, 9.45 Uhr,

Rathaus

24. September: AK Medien, 9 Uhr, Redaktionssitzung

RE-SOLUT, Oerweg 38

26. September: AK Kultur, Hagen, Ausstellung

Leonardo da Vinci + Kaffeetrinken Wasserschloss

Werdringen, 35 Euro

Anmeldungen für Veranstaltungen der Arbeitskreise:

AK Kultur: 02361 / 8496254 (Frau Meinberg)

AK Soziales: 02361/372349 (Herr Jandt)

AK StUV: 02361 / 13401 (Herr Stöcker)

Beachten Sie auch die Meldungen in der

Presse.

Mitteilungen der Redaktion

Möchten Sie uns Ihre Meinung sagen oder

einen Leserbrief oder Artikel schreiben?

Schreiben Sie oder rufen Sie an! Die Adresse

für Ihre Zuschriften bzw. Ihren Anruf:

Herr H.-F. Tamm, Dürerstraße 5, 45659

Recklinghausen, Telefon: 02361/22382

Mail: maria.tamm@gmx.de

oder

Herr M. Mebus, Lessingstraße 37, 45657

Recklinghausen, Telefon: 02361/15405

Mail: michael-mebus@web.de

Wo erhalten Sie die RE-SOLUT?

RE-SOLUT liegt wie immer aus im Rathaus,

im Stadthaus A, in der VHS, in der Stadtbücherei,

in der „Brücke“ im Willy-Brandt-Park,

im Bürgerhaus Süd, in der Stadtbücherei

Süd, im Fritz-Husemann-Haus, im Kreishaus,

in verschiedenen Seniorenheimen, Gemeindehäusern,

vielen Arztpraxen und Apotheken.

Die Zeitung wird auch im Seniorenkino verteilt.

Auch im Internet kann die Seniorenzeitung

gelesen werden: http://t1p.de/8l8q oder über

www.seniorenbeirat-recklinghausen.de.

Dort finden Sie die Ausgaben der letzten

Jahrgänge abgespeichert.

Natürlich können Sie die Ausgaben als pdf-

Datei auch auf Ihren Computer oder Ihr

Tablet laden und dann in aller Ruhe lesen.

Wie erreichen Sie die Geschäftsstelle des

Seniorenbeirates?

Geschäftsstelle des Seniorenbeirates:

Stadt Recklinghausen

Fachbereich Soziales und Wohnen

(Fachbereich 50)

Frau Hahn, Raum 2.28 (2. Stock))

Stadthaus A, Rathausplatz 3,

45657 Recklinghausen

Telefon (02361) 50 2111

E-Mail: soziales@recklinghausen.de


Verleger:

Stadt Recklinghausen

Fachbereich Soziales und Wohnen

(Fachbereich 50)

Rathausplatz 3, 45657 Recklinghausen

Telefon: 02361 / 50-2111

E-Mail: soziales@recklinghausen.de

Druck:

Schützdruck GmbH, Oerweg 20

45657 Recklinghausen

Gestaltung:

Seniorenbeirat Recklinghausen

Arbeitskreis Medien

Michael Mebus

Verantwortlicher Redakteur i.S.d.P:

Rudolf Koncet (Vorsitzender des Seniorenbeirates

Recklinghausen)

Wiesenstr. 6a, 45659 Recklinghausen

Telefon: 02361/16055

Redaktion:

Bernd Borrmann (bb) - Tel. 8497299

Annegret Grewing (ag) - Tel. 0151 51427973

Jürgen Herrmann (jh) - Tel. 42575

Rudolf Koncet (rk) - Tel. 16055

Sabine Matthias (sm) - Tel. 25154

Michael Mebus (mm) - Tel. 15405

Helmut Peters (hp) - Tel. 4900068

Edelgard Rose (er) - Tel. 21636

Siegfried Stolte (sst) – Tel. 3060612

Hans-Friedrich Tamm (hft) - Tel. 22382

Erika Waida (ew) – Tel. 498183

Detlef Wendt (dw) – Tel. 9044087

Externe Autoren:

Rosi Behringer, Wilfried Besser, Norbert

Jandt, Sandra Paulsen

Auflage:

3.650 Exemplare

Erscheinungsweise:

4 Ausgaben pro Jahr

Impressum

Liebe Freunde,

wir Vierbeiner haben ja keine Ahnung von

Kunst. Und – unter uns – mein Herrchen

auch nicht. Würde er zwar nie zugeben,

aber, von Maul zu Maul,

so ganz im Vertrauen…

Letztens hat mich Herrchen zur

Recklinghäuser neuen Kunstmeile gezerrt!

„Neuer Teilabschnitt eröffnet“ – stand in der

Menschenzeitung, die ich meinem Herrchen

jeden Morgen brav vor die Füße lege.

Was tut Hund nicht alles

für ein paar Streicheleinheiten.

„Die sogenannte „Kunstmeile Recklinghausen“

bezeichnet die ehemalige Zechenbahngleisfläche

zwischen der Friedrich Ebert-

Straße im Westen und dem Hellbach im

Osten, deren Länge mit 1,9 Kilometern

nahezu exakt einer Meile entspricht. Ein

Teilstück dieser citynah gelegenen Strecke

wird seit 2005 als öffentlicher Geh- und

Radweg genutzt.“

So weit, so offiziell.

Entstanden sind

Lichtkunstobjekte,

sogenannte

„Mückenhäuser“.

Tagsüber wirken sie

sehr technisch,

nachts entfalten sie

ihre wahre Pracht:

Sie verwandeln sich

in Laternen

mit illuminierten

Lampenschirmen.“

Ich finde,

die Mücken machen sich breit genug –

wo bleibt die illuminierte Hundehütte??!

Kommt da noch mehr,

oder reicht das an Kunst?

Das fragt sich der künstlerisch unbeleckte

RE-BELL.

(hp)

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