GAB Juli 2019

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MUSIK

NACHGEFRAGT

SEBASTIAN RAETZEL

startet solo

Wer das Line-up für die

Abschlussveranstaltung des

diesjährigen CSD in Berlin gesehen

hat, ist wahrscheinlich erst einmal

in Ohnmacht gefallen. Und auch

beim zweiten Blick ist es mit Melanie

C., Felix Jaehn, Mia und vor allem

Marianne Rosenberg ein Programm,

das dem Jubiläum gerecht wird.

Doch neben den Stars und Legenden befindet

sich auch ein ganz neues Gesicht im

Programm, obwohl einigen dieser Sebastian

Raetzel bekannt vorkommen könnte.

Dieser neue Schlagersänger ist nicht nur

Mitglied bei The Baseballs und queerer

Fußballer bei Vorspiel

SSL, sondern er hat

schon lange vor seinem

Solodebüt an vielen

Schlagerhits der letzten

Jahre mitgeschrieben,

ob für Maximilian

Arland, Ella Endlich oder

auch gleich mal für

Helene Fischers Hit „Nur

mit dir“. Was aber noch

lange keine Freikarte für

die große CSD-Bühne

bedeuten würde …

„Ich kenne eine der Organisatorinnen

schon sehr lange, und wegen ihr haben die

Baseballs bei einer Aids-Gala im Theater

des Westens gespielt, das ist auch schon

wieder Jahre her“, klärt uns der geborene

Magdeburger lachend auf. „Wir sind immer

im Kontakt geblieben und ich habe sie

einfach angesprochen, wie es auf dem CSD

mit einem Auftritt aussieht.“ Anfang des

Jahres hat er ihr also schon mal die Lieder

seines Debüts zugeschickt. „Und dann rief

sie zurück und meinte, sie finden es total

klasse und sie wollen mich dabei haben. Als

dann das Line-up bekannt gegeben wurde,

bin ich aber hintenübergefallen – in was für

guter Gesellschaft bin ich denn da?!“

Aber nicht nur deshalb freut er sich auf

diesen Tag. „Der Auftritt beim CSD ist

natürlich ein Statement, denn es geht weiterhin

um Sichtbarkeit. Es gibt ja wieder

immer mehr Übergriffe, sogar in Berlin ...

Und wenn man dann mal

Berlin verlässt und zum

Beispiel nach Osteuropa

schaut, da herrschen noch

mal ganz andere Zustände.

Da ist dieser CSD weiterhin

genau das Richtige, auch

für alle, die immer noch

Dinge sagen wie: ,Ich habe

ja nichts gegen die – aber

die müssen sich ja nicht

in der Öffentlichkeit so

zeigen!‘ Genau deswegen

muss es gerade weiter nach außen getragen

werden!“

Und bitte nicht täuschen lassen, Sebastian

ist kein Trittbrettfahrer, der sich einschleimen

will, denn wie er selbst sagt, ist er

schon lange in der Szene unterwegs. „Und

ich bin seit vielen Jahren mit Nina Queer

befreundet.“ Da unterstützt man sich gegenseitig,

wie zum Beispiel auch später im

Jahr: „Es wird im Oktober noch ein Konzert

in Berlin geben, im Musik und Frieden –

direkt vor der ‚Irrenhouse‘-Party von Nina.

Eigentlich habe ich sie nur nach dem Kontakt

zum Musik und Frieden gefragt, aber

sie meinte: ,Warum machst du das nicht

gleich einfach vor einer Party?‘“

So ist Sebastian also wirklich ganz authentisch,

sogar der Wechsel vom Vintage-

Rocker zum Schlagerschwiegersohn liegt

näher, als man denkt: „Die Baseballs sind

genau betrachtet Pop. Klar, Rock ’n’ Roll –

aber die Songs sind Popsongs. Der Rock

der 1950er und 1960er, das waren damals

die Hits, das waren Schlager. Und ich war ja

auch schon bei den Baseballs der Schwiegersohn.

Sam ist der muskulöse Traummann,

den alle heiraten wollen, Digger ist

der Verrückte zum Spaßhaben und ich bin

der, den man den Eltern vorstellen will“,

lacht Sebastian. „Ich war der Schnulzenbasti,

der Balladentyp – und das kann ich

jetzt richtig ausleben!“

Er bekommt übrigens seit der Bekanntgabe

seines Auftritts beim CSD auch immer mehr

männliche Fans in den sozialen Medien, wie

er erfreut feststellt. Ist ja auch kein Wunder

– es gibt überall Liebhaber für so einen

Schwiegersohntyp. *fis

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