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Die Malteser-Zeitung 2/2019

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

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Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 2/2019

CARAVAGGIO & BERNINI

CARAVAGGIO & BERNINI

MALTESER Private Preview

12. Oktober 2019, 19 Uhr

Kunsthistorisches Museum Wien

MALTESER Private Preview

12. Oktober 2019, 19 Uhr

Kunsthistorisches Museum Wien

Christliche Werte in der Politik

Rom: Neue Ordensregierung

Neu: Zentrum für Menschen im Alter


INHALT

IMFOKUS

04 Menschenrechte und Politik: Subsidiarität

und christliche Werte

RUNDSCHAU

10 Helfen über den Tod hinaus

RELIGIONAKTUELL

12 Bloggen über Gott und die Welt

14 Religionsunterricht versus Ethikunterricht

10 14

LEBENSWERT

16 Gutes tun im Schlaf

17 In Österreichs Wäldern barrierefrei wandern

MALTESERWELTWEIT

18 Helfen mit Herz

20 Malteser in aller Welt

23 Jugend ist unsere Zukunft

24 Wie ein Flüchtling anderen Flüchtlingen

eine Stimme gibt

MALTESERÖSTERREICH

26 Berichte aus den Bundesländern:

Vielfältige Initiativen und Dienste

18

26

MALTESERORDEN

50 Erster gemeinsamer Rittertag

50 Delegationen

52 Das Zentrum für Menschen im Alter

öffnet seine Tore

54 Zwei Österreicher in der neuen

Malteser-Ordensregierung

MEDIZINAKTUELL

56 AGEISM: „Gemeinsam alt werden“

GELESENEMPFOHLEN

58 Interessante Neuerscheinungen

50 52

TAGEBUCH

60 Menschen und Events

62 Nekrolog

ÜBERBLICK

63 Termine und Kontakte

Spenden

Bitte verwenden

Sie den beiliegenden

Zahlschein!

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STEUERLICH

ABSETZBAR

2

DIE MALTESER 2/2019


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

erlauben Sie mir ein kleines Gedankenexperiment: Stellen

wir uns vor, die Politik hätte ganz grundlegend die Achtung

der christlichen Werte, des Lebens, der Freiheit und der

Würde des Menschen zum Ziel. Dann könnte sie doch zu

einem äußerst wirkungsvollen Vehikel für die Verbreitung

des Prinzips der Nächstenliebe werden. Politiker würden zu

wunderbaren Vorbildern für den gelebten Dienst am Nächsten.

Diese Nächstenliebe könnte zu Frieden führen.

Würden der Glaube und die Spiritualität in der Politik eine

stärkere Rolle spielen, wäre es um die Nächstenliebe in unserer

Gesellschaft und um unseren Zusammenhalt deutlich besser

bestellt. Dann wären wir weniger einsam, nicht mehr ständig

auf der Suche nach etwas Tieferem, nach besonderen Werten,

nach immer detaillierter geregelten Gesetzen mit Geboten und

Verboten und entsprechenden Sanktionen bei Nichteinhaltung.

Dann wären wir eine solidarische, einander unterstützende,

teilende Gemeinschaft – unabhängig davon, wer wir

sind, woher wir kommen, was und wie viel wir haben.

Doch leider – weite Teile der Politik können mit dem Glauben

und der Spiritualität nur (noch) wenig anfangen. Dabei wäre

es so einfach, sich vom Prinzip der Nächstenliebe leiten zu

lassen. Es lenkt jede Tätigkeit, es bestimmt den Zweck, den

diese Tätigkeit erfüllen muss. Nächstenliebe ist kein Pro-

gramm, das man erst erstellen muss, das man den Menschen

aufwändig „verkaufen“ muss, um gewählt zu werden, das

nach Ablauf der Amtsperiode wieder obsolet ist.

Nächstenliebe findet einfach statt – selbstverständlich und

ständig, auch heute, denn heute leidet jemand, heute hat

jemand kein Dach über dem Kopf, heute hat jemand Hunger,

heute braucht jemand Hilfe, weil er in Not ist. Diesem Gedanken

folgen wir in unserem Ordensleitspruch: „Tuitio fidei

et obsequium pauperum – Bewahrung des Glaubens und

Hilfe den Bedürftigen.“ Unser tägliches Ziel ist es, Nächstenliebe

vorzuleben und missionarisch zu verbreiten. Lassen wir

dieses Ziel niemals aus den Augen!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer

mit Ihren Familien und Freunden. Genießen Sie erholsame

Urlaubstage und lassen Sie sich von guten Gedanken leiten.

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden (Malteserorden),

Großpriorat Österreich, 1010 Wien, Johannesg. 2,

Telefon: 01/512 72 44, E-Mail: presse@malteser.at.

Chefredaktion: Katharina Stögner Mitarbeiter bzw. Autoren

dieser Ausgabe: Markus Aichelburg-Rumerskirch, Susanna Cho,

Megan Cungu, Hannah Flachberger, Alexander Haufschild, Edith

Holzer, Jörg Jakoblevich, Valentin Khuen, Katharina Kiecol, Naomi

Kienreich, Gudrun Kugler, Ersida Kurtaj, Fra’ Gottfried Kühnelt-

Leddihn, Jan Ledochowski, Clara Male, Georg Male, Lukas Mandl,

Richard Mischak, Bernhardt Pauger, Georg Pirker, Andrea Rauch,

Msgr. Franz Schlegl, Richard Steeb, Katharina Stögner, Kenneth

Ttyaaba, Ares Vafiadis, Mariella Visy, Christian Wagner, Manuel

Weinberger, Georg Wick, Susanne Wick. Lektorat: Mag. Ute Maybachl

Fotos: Markus Andre, erzdiözese.wien.at, Alfie Evans, Hochstrasser,

Wolfgang Kastel, KHM, Lahousse, Malteser Albania, Malteser International,

Order of Malta, Melchior Platter, Franz Josef Rupprecht/kathbild,

Schedl, Shutterstock, Socialbnb, Zentrum für Menschen im Alter

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige

Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für

beiderlei Geschlecht. Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050

Wien. Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung

über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und

seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der

Redaktion entsprechen. Redaktionsschluss: Juni 2019

DIE MALTESER 2/2019 3


IMFOKUS

SOLIDARITÄT, SUBSIDIARITÄT

UND CHRISTLICHE WERTE.

Wie verbindlich sind die Menschenrechte? Welche Bedeutung haben christliche Werte in der Politik? Gedanken von

Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn, Gudrun Kugler und Lukas Mandl.

GOTT SCHUF DEN MENSCHEN

ALS SEIN ABBILD

Von Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn

Mit diesem Essay möchte ich zum Nachdenken anregen:

Anerkenne ich die Würde des Menschen und seine Rechte

als Abbild Gottes bedingungslos oder sage ich: „Ja,

aber …“ und erzeuge damit Ungleichheit vor dem Fundament

unserer Rechtsordnung?

Politische Entwicklungen in den letzten Jahren zeigen

einen Trend zu einer „Relativierung“ und damit einer Einschränkung

der Menschenrechte. Bin ich nur ein mangelhaft

gebildeter und informierter Pessimist, oder gibt es

tatsächlich Bestrebungen politischer Gruppierungen,

Rechte der „Anderen“ zugunsten der eigenen Klientel zu

beschneiden? Kann und darf eine Grenze – oder gar ein

Zaun, eine Mauer – gezogen werden zwischen dem berechtigten

Schutz der eigenen Interessen und dem Gebot

„Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst“?

Zwei Wochen vor der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

(AEMR) im Jahr 1948 durch die Vereinten

Nationen erblickte ich das Licht einer ziemlich zerstörten

Welt. Unter dem Eindruck der durch Nationalismus und

Hass verursachten Katastrophe der beiden Weltkriege

waren nicht nur die Großmächte bestrebt, ein friedliches

Zusammenleben der Völker und Staaten auf der Erde zu

erreichen. Auch in Europa wurde, nur zwei Jahre später,

die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte

(EMRK) beschlossen.

Die Wurzeln der Menschenrechte

Wenn auch der Kyros-Zylinder aus Persien (538 v. Chr.)

historisch formal als „erste Menschenrechtscharta“ gilt,

finden wir im Schöpfungsbericht der Bibel eine viel ältere

Begründung für die heute bekannten Menschenrechte:

„Gott schuf den Menschen als sein Abbild.“ (Gen 1, 26-

29) Nirgendwo ist ein Hinweis zu finden, dass den unterschiedlichen

Ausprägungen dieses Abbildes unterschiedliche

Rechte zukommen könnten oder irgendein Typus

ein ähnlicheres Abbild des Schöpfers wäre.

Dieselbe Würde als Geschöpf Gottes, mit einer unsterblichen

Seele aus dem Atem Gottes (Gen 2, 7) ausgestattet,

kommt also allen Menschen zu, unabhängig von äußeren

Merkmalen, unabhängig von Sprache und Kultur, von

Herkunft oder Geschlecht. Jede Einschränkung dieser

Menschenwürde steht somit im Widerspruch zu der von

unserem Schöpfer geschaffenen Ordnung und unserem

christlichen Menschenbild.

Alle Menschenrechte, so wie wir sie heute kennen und

anwenden (sollten), gründen auf dem Fundament der

Nächstenliebe, wie sie dem Abbild unseres gemeinsamen

Schöpfers zusteht. Wenn wir von „unseren Werten“ oder

dem „Abendland/Europa und seinen Werten“ sprechen,

dann dürfen wir diese Basis aller unserer Werte niemals

4

DIE MALTESER 2/2019


IMFOKUS

Bundespräsident Alexander Van der Bellen: „Die Botschaft

des Neuen Testaments ist mir wichtig.“ Dass

das Christentum für Österreich nicht nur aus Tradition,

sondern wegen der Botschaft des Neuen Testaments

bedeutsam ist, erklärt der Bundespräsident

im Gespräch mit Österreichs Kirchenzeitungen. Das

Staatsoberhaupt ist wieder in die evangelische Kirche

eingetreten und wünscht sich einen EU-Patriotismus.

Quelle: Erzdiözese Wien

aus den Augen verlieren. Bei Matthäus heißt es dazu (Mt

22, 35–40): „Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte

ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister, welches

Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du

sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen,

mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken (Dtn 6,5).

Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig

ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich

selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz

samt den Propheten.“ Und ein Stück weiter (Mt 25, 31–

46): „[...] Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner

geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan [...]

Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten

nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“

Beispiel geben und überzeugen

Menschenwürde und Menschenrechte, so wie sie in

der AEMR und der EMRK beschrieben sind, haben also

ganz eindeutig jüdisch-christliche Wurzeln. Als Christen

müssen wir dazu stehen und alles zur Durchsetzung dieser

Rechte tun, unabhängig davon, ob „die Anderen“ sich

ebenso verhalten oder nicht. Wir müssen das Beispiel

geben, denn nur dadurch kann unser Christentum überzeugend

sein. „Wir zuerst“ bringt uns, über kurz oder lang,

an den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Am Ende dieses

Weges treffen wir einander – wie es Pastor Manfred

Rekowski formulierte – auf den Soldatenfriedhöfen wieder.

Laut Artikel 1 des Bundes-Verfassungsgesetzes (B-VG)

geht in Österreich das Recht vom Volk aus. Als Wähler

müssen wir darauf einwirken, dass in unserem Namen

nur solches Recht geschaffen wird, das mit dem von den

Vereinten Nationen und vom Europarat geschaffenen

Katalog von Menschenrechten im Einklang steht, sonst

verlassen wir den Boden dieser Völkergemeinschaften.

Unantastbare Grundrechte

Nicht alles Recht hat der Politik zu folgen, es gibt auch

Grundrechte, die von der Politik nicht angetastet werden

dürfen. Wenn die von der AEMR und der EMRK gezogenen

Grenzen unscharf sein sollten, ist es wohl besser,

innerhalb des eindeutig gesicherten Rahmens zu bleiben.

Ich persönlich halte das schrittweise Untergraben der

Menschenrechte für höchst gefährlich und unvertretbar.

Euphemismen wie „Ausreisezentrum“ erinnern mich an

vergangen geglaubte Zeiten mit verhöhnenden Inschriften

über Eingangstoren. Herabwürdigende Bewertungen der

Tätigkeit von NGOs für benachteiligte Mitmenschen

können das soziale Klima nachhaltig schädigen. Ebenso

gefährlich erscheint mir die beträchtlich hohe Frequenz

an ausgrenzenden oder gar verhetzenden „Wortspenden“

von niederrangigen Politikern oder Organisationen, die

der Politik nahestehen. Ist es ein Mangel an politischer

Kultur oder gar Absicht, um auszuloten „was noch geht“,

um die Lufthoheit über den Stammtischen zu erobern?

Wenn der Aufschrei allzu laut ist, dann „entschuldigt“

sich der Täter, und das war es dann. Kann man sich selbst

entschuldigen? Muss ich nicht eher um Entschuldigung

bitten?

Wenn nun jemand so rücksichtslos gegen Mitmenschen

handelt, aber behauptet, er glaube an den christlichen

Gott, dann prüfe sein Verhalten an den Worten aus dem

Jakobusbrief 2, 14-17: „Meine Schwestern und Brüder,

was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber

es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?

Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist

und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen

sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt

ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was

DIE MALTESER 2/2019 5


IMFOKUS

nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn

er nicht Werke vorzuweisen hat.“ Wie diese Werke auszusehen

haben, hat bereits der Evangelist Matthäus beschrieben

– siehe oben.

Mein besonderer Dank gilt Botschafter a.D. Dr. Franz Cede,

der mir mit seinem reichhaltigen Wissen, seiner Erfahrung

und seiner Bibliothek zur Seite gestanden ist.

EINE STIMME FÜR DIE WÜRDE

DES MENSCHEN – EHRENAMTLI-

CHES ENGAGEMENT, BITTE AUCH

IN DER POLITIK!

Von Gudrun Kugler

Im Parlament geht es oft drunter und drüber. Gehört

wird, wer lauter schreit. Beachtet wird derjenige, an dem

man nicht vorbeikommt. Politik folgt dem Druck, der auf

sie ausgeübt wird. Ist die Stimme der Christen in diesem

Stimmengewirr hörbar? Könnte man mehr tun? In welcher

Weise betrifft das die Malteser?

Von den Grünen etwas lernen!

2011 hielt Papst Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag

eine Rede. „Wir können von der grünen Bewegung

etwas lernen“, sagte er dort. Jedes Lebewesen hat eigene

Gesetzmäßigkeiten, die wir beachten müssen, damit es

gut leben kann. Wir versuchen heutzutage, die Ökologie

jedes Wesens zu beachten Dabei haben wir laut Papst

Benedikt einen großen Fehler gemacht: Wir haben diese

Logik nicht auch auf den Menschen angewendet. Wir haben

schlichtweg nicht daran gedacht, dass es auch etwas gibt,

was für den Menschen „ökologisch“ ist – eine Ökologie

des Menschen sozusagen!

Was ist für den Menschen ökologisch?

Was braucht der Mensch, um „blühen“ zu können? Es ist

eigentlich „logisch“: Freiheit, Menschenrechte, Sicherheit,

Infrastruktur. Ökologisch heißt auch: In einer Familie

und – wenn möglich – bei den eigenen Eltern leben zu

dürfen, füreinander Zeit haben zu können, beste Bildung

und Förderung zu erhalten.

Und: Auch unter

schwierigen Umständen

geboren werden zu dürfen.

Nicht ökologisch ist

es, wenn Menschenrechte

mit Füßen getreten werden.

Allein in Wien leben mehr als 8.000 Frauen, die genitalverstümmelt

wurden. Österreich ist Ziel- und Transitland

des Menschenhandels, einer modernen, aber nicht minder

grausamen Form der Sklaverei. Nicht ökologisch ist eine

Ideologie, die meint, die Existenz von Mann und Frau sei

reine Einbildung und ein überkommenes Modell, das wir

hinter uns lassen sollten. Ebenso entspricht eine Frühsexualisierung

durch manche Formen der Sexualerziehung

in Österreich nicht „menschen-ökologischen“ Standards.

Was logisch klingt, ist nicht immer logisch in der

Politik

Die bürgerliche Mitte sagt oft nicht, was sie sich denkt,

so die Theorie der Schweigespirale von Elisabeth Noelle-

Neumann, bestätigt von der modernen Politologie.

Bürgerliche fühlen sich „enthaust“, sagt der deutsche

Publizist Wolfram Weimer, nicht zuletzt wegen der Deutungshoheit

der Linken in den letzten Jahrzehnten. Die

Konsequenzen sind die Wutbürger und eine Stärkung der

Rechtspopulisten auf Kosten der (bürgerlichen) Mitte.

Die Wertestudien zeigen: Die Jugend ist so „konservativ“

wie noch nie. Respekt vor Gesetz und Ordnung sind groß,

Fleiß und Ehrgeiz stehen hoch im Kurs. 92 Prozent der

jungen Menschen empfinden Heimat als etwas Positives.

90 Prozent der Jugendlichen haben ein gutes Verhältnis

zu ihren Eltern und drei Viertel würden ihre Kinder so

erziehen, wie sie von ihren Eltern erzogen worden sind.

Steht eine bürgerliche Renaissance vor der Tür?

Kulturelle Veränderung entsteht laut James Davison

Hunter aus der Zusammenarbeit von Eliten, des Wirkens

innerhalb der Institutionen und neuen Ideen auf den

Universitäten. Abstimmungen im Nationalrat sind nur

6

DIE MALTESER 2/2019


IMFOKUS

die Spitze des Eisbergs. Veränderung liegt in den Händen

von allen jenen, die über ihren Tellerrand blicken. Wer

sich nicht einbringt, dessen Stimme fehlt.

Feines Gefühl für die Bedürfnisse anderer

Die Malteser sind eine der bedeutendsten Hilfsorganisationen

Österreichs. Unzählige Menschenleben wurden

und werden durch die Arbeit der Malteser erleichtert und

verbessert. Die Stimme von derart engagierten Menschen

mit einem feinen Gefühl für die Bedürfnisse der anderen

und dem Motiv der Nächstenliebe braucht es auch in der

öffentlichen Debatte und im politischen Umfeld.

Ich wünsche mir von den Maltesern ein starkes politisches

Mitdenken, ein Hinführen der jungen Generation in die

Selbstverständlichkeit des Mitredens in der Öffentlichkeit

und eine selbstbewusste, gut hörbare Stimme in Österreich.

Das beginnt damit, jene Politikerinnen und Politiker

persönlich kennenzulernen, von denen man aufgrund des

Wohnbezirks im Parlament vertreten wird. Mitdiskutieren

bei Veranstaltungen und auf Social Media, vielleicht einmal

einen Leserbrief schreiben – auch das darf nicht fehlen.

Nur dieses Engagement – als Akt der Nächstenliebe –

sichert langfristig den Schutz der Menschenwürde und

die Akzeptanz und Unterstützung von Menschen mit

Behinderung. Nur so werden sich aus dem politischen

Stimmengewirr jene Lösungen herauskristallisieren, die

für den Menschen ökologisch sind.

Gudrun Kugler ist ausgebildete Juristin, römisch-katholische

Theologin und Nationalrats-Abgeordnete (ÖVP).

Militärmusik NÖ NÖ

Sommer

Sommer

-Benefizkonzert

-Benefizkonzert

Samstag, 24. 8. 2019, 17 Uhr

Militärmusik NÖ

Sommer -Benefizkonzert

Samstag, 24. Samstag, 8. 2019, 17 24. Uhr 8. 2019, 17 Uhr

Musikpavillon in Reichenau/Rax

ab 16 Uhr Kinderprogramm

Musikpavillon in Reichenau/Rax

Handicap.

Musikpavillon ab 16 Uhr Kinderprogrammin Reichenau/Rax

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Das Konzert findet im

Freien bei jedem Wetter im

Reichenauer Kurpark statt.

(Friedrich-Zach-Gasse 12,

2651 Reichenau an der Rax)

Eintritt frei!

Ihre Spende hilft uns helfen!

Mit Ihrer Spende unterstützen

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wie z. B. das jährliche Sommerlager

für Kinder und Jugendliche

aus sozial angespannten

Verhältnissen und für Kinder mit

Herzliches Dankeschön!

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Das Konzert findet im Freien bei jedem Wetter im Reichenauer Kurpark statt

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DIE MALTESER 2/2019 7

Das Konzert findet im Freien bei jedem Wetter im Reichenauer Kurpark statt

Eintritt frei - Ihre Spende hilft uns helfen!

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IMFOKUS

SUBSIDIARITÄT AUF DER BASIS

CHRISTLICHER WERTE: ARBEIT

FÜR ROT-WEISS-ROT IN EUROPA

Von Lukas Mandl

Europaweit erwarten die Unionsbürger Sicherheit. Voraussetzungen

dafür sind der Schutz der EU-Außengrenzen

und eine tragfähige Sicherheitsarchitektur für ganz

Europa. Dazu gehören auch Vorsorge und Hilfeleistung

im Katastrophenfall. Vor knapp zwei Jahren richteten

Waldbrände in Portugal verheerende Schäden an. Russische

und marokkanische Löschflugzeuge waren schneller

vor Ort als Einsatzmittel aus der EU. Für die EU-Kommission

war dies der Anlass, eine Neuorganisation des europäischen

Katastrophenschutzes vorzuschlagen.

Bürger verlangen – zu Recht – eine verlässliche Sicherheitspolitik

der EU, und selbstverständlich muss die EU

in der Lage sein, in solchen Fällen ohne fremde Hilfe auszukommen.

Es war daher richtig, dass die Kommission

ihren Vorschlag unterbreitet hat. Vorschläge der Kommission

werden im EU-Parlament geprüft. Im Sinne Österreichs

habe ich hierzu Änderungsanträge eingebracht.

Das war notwendig, um funktionierende lokale und

regionale Strukturen vor Zentralisierung und Kommerzialisierung

zu bewahren.

Stärkung und Schutz des heimischen

Freiwilligensystems

Rückendeckung und Expertise kam dabei vom österreichischen

Bundesrat sowie von den heimischen Einsatzorganisationen,

die im Sinne aller Rettungsdienste die

Nachteile des von der EU-Kommission vorgeschlagenen

Grundsatzes von „Command and Control“ aufgezeigt

haben. Das Ergebnis ist erfreulich: Nun gilt im neuen

EU-Katastrophenschutzmechanismus das Prinzip von

„Koordination und Förderung“.

Der EU-Katastrophenschutz verlangt ausdrücklich den

Ausbau der regionalen Vorsorge. Das heißt auch, dass ein

Mangel an Vorsorge nicht durch die EU-Ebene kompensiert

werden darf. Nunmehr stimuliert die Unions-Ebene

die lokale und regionale Entwicklung. Für Katastrophen

in unvorhergesehenem Ausmaß und als letztes Mittel

kommt der verbesserte EU-Katastrophenschutz zum

Tragen. Außerdem dürfen

Freiwillige auch weiterhin, wie

bisher, an Einsätzen in der EU

oder in Drittstaaten teilnehmen,

wenn sie dies aus freien

Stücken tun möchten. Es ist

wichtig, dass die EU die Stärke

aufbaut, in großen Katastrophen

schnell und effektiv zu

schützen und zu helfen. Für die lokale und regionale Ebene

wird dem rot-weiß-roten Vorbild Rechnung getragen.

Die EU als „Supermacht des Friedens“

Bei meiner Arbeit im Europäischen Parlament orientiere ich

mich an einem klaren christlichen Welt- und Wertebild, in

dem die Subsidiarität eine besondere Rolle spielt. Ich möchte

an einem Europa mitbauen, das nach außen mit mehr

Stärke auftritt und nach innen mehr Freiheit für uns Bürger

möglich macht.

Daher erwarte ich mir von der EU auch einen klaren,

weltweiten Einsatz für Religionsfreiheit. Das muss eine

zentrale Leitlinie der gesamten EU-Außenpolitik werden.

Es ist klar, dass Religionsfreiheit einer der Schlüssel zu

nachhaltigem Frieden ist. Der Schutz von Christen ist

auch ein Beitrag, um neue Flüchtlingsbewegungen nach

Europa zu verhindern. Aus meiner Sicht muss sich die EU

mit den Mitteln der Politik und der Diplomatie weltweit

für Verfolgte und Unterdrückte einsetzen. Das entspricht

dem europäischen Welt- und Menschenbild, und das ist

im Sinne unserer Werte. So werden wir eine neue Supermacht

der anderen Art – eine Supermacht des Friedens.

Das muss weltweit das Markenzeichen der EU werden.

Lukas Mandl ist Abgeordneter für Österreich im Europa-

Parlament.

Weiterführende Links zum Nachlesen

Originaltext der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

(AEMR):

www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf

Originaltext der Europäischen Menschenrechtskonvention

(EMRK):

www.echr.coe.int/Documents/Convention_DEU.pdf

8

DIE MALTESER 2/2019


XXXX

Wunderbare Ideen,

um mit meinem

Testament Gutes zu

tun. Jetzt Testament-

Ratgeber anfordern:

vergissmeinnicht@

malteser.at

oder unter

malteser.at

DIE MALTESER 2/2019 9


RUNDSCHAU

HELFEN ÜBER DEN TOD HINAUS

Viele Menschen möchten selbst bestimmen, was mit ihrem Vermögen nach ihrem Tod passiert. Sie möchten, dass

es jenen gemeinnützigen Zwecken zugutekommt, die ihnen schon zu Lebzeiten wichtig gewesen sind, so etwa dem

Umweltschutz, der Förderung von Kunst und Kultur oder der Hilfe für bedürftige Menschen. Viele wissen jedoch nicht

genau, wie sie diesem Wunsch am besten nachgehen können und was dabei zu beachten ist.

Aus diesem Grund haben sich mittlerweile 86 gemeinnützige

Organisationen, darunter auch die Malteser, in

der Initiative „Vergissmeinnicht“ zusammengeschlossen,

um in Kooperation mit der Notariatskammer über diese

Spendenform zu informieren. Sie engagieren sich für alle

Bereiche, die unsere Gesellschaft ausmachen, und setzen

sich für Soziales, Menschenrechte, Entwicklungszusammenarbeit,

Katastrophenhilfe, Gesundheit, Umwelt und

Tierschutz, Bildung und Wissenschaft oder Kunst und

Kultur ein.

Von Markus Aichelburg-Rumerskirch

„Regelmäßige oder einmalige kleinere Spendenbeträge

machen in Summe viel aus. Sie finanzieren häufig laufende

Ausgaben. Größere Sonderprojekte, etwa ein neues

Rettungsauto, oder neue innovative Projekte im Dienste

des Menschen sind aber oft erst durch eine Erbschaft oder

ein Legat überhaupt verwirklichbar. Testamentsspenden

sind oft der Samen für Neues, Außergewöhnliches“, so

Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising

Verbandes Austria und Initiator der Initiative „Vergissmeinnicht“.

Gemeinsames Ziel dieser Kooperation ist es, das Thema

„Vererben für den gemeinnützigen Zweck“ bekannt zu

machen und das hohe Informationsbedürfnis der Bevölkerung

durch gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit zum Thema

Erbrecht und Testament zu befriedigen. Seit den Anfängen

von „Vergissmeinnicht“ – der Initiative für das gute Testament

im Jahr 2012 sind auch die Malteser neben vielen anderen

kirchlichen Organisationen Mitglied der Initiative.

Was Vermächtnisse für die Malteser bewirken können

Seit Mitte des 11. Jahrhunderts nehmen die Malteser immer

wieder neue Aufgaben und Herausforderungen an,

die sie in einer sich stetig wandelnden Gesellschaft mit

modernem Verständnis für den Dienst am Nächsten bewältigen.

„Nur so können wir auch heute unser soziales

Engagement in christlicher Tradition erfüllen und im

Sinne des Ordens das achtfache Elend (Krankheit, Ver-

10

DIE MALTESER 2/2019


XXXX

MALTESER

Friedhofsbegleitdienst

lassenheit, Heimatlosigkeit, Lieblosigkeit, Hunger,

Schuld, Unglaube und Gleichgültigkeit) bekämpfen“, so

Georg Male, Vizekommandant von Malteser Austria.

Das soziale Engagement der Malteser ist vielfältig. Es

reicht von der Katastrophenhilfe über Rettungsdienste

und Krankentransporte bis zum gelebten Dienst am

Nächsten in der Betreuung von Kranken, Menschen mit

Behinderung, Menschen im Alter oder auf der Flucht.

Diese vielfältigen Aufgaben sind nur dann verwirklichbar,

wenn viele Menschen mit ihren Spenden die Arbeit

der Malteser fördern und mit ihrem Gebet unterstützen.

Testamentsspenden sind eine der nachhaltigsten

Formen, um die Arbeit gemeinnütziger Organisationen

zu unterstützen.

„Ein Vermächtnis für eine Hilfsorganisation wie die

Malteser kann über das irdische Leben hinaus helfen

und bewirken, dass Anliegen, die Menschen schon zu

Lebzeiten wichtig waren, auch dann noch berücksichtigt

werden, wenn Sie selbst nicht mehr aktiv eingreifen

können. Damit können Sie Menschen helfen, die

wirklich Hilfe benötigen und über das eigene Leben

hinaus viel Gutes bewirken“, so Markus Aichelburg-

Rumerskirch von der Initiative für das gute Testament.

Die ehrenamtliche Friedhofsbegleitung

richtet sich (zunächst in Wien) an ältere

Menschen, die sich auf dem Weg zum Friedhof

unsicher fühlen und niemanden haben,

der sie begleitet.

Die MALTESER begleiten Sie ehrenamtlich

und kostenlos auf den Friedhof.

Wir holen Sie von zu Hause ab, begleiten Sie

auf den Friedhof, verweilen mit Ihnen am

Grab, sind beim Blumentausch und beim Kerzenanzünden

behilflich. Danach bringen wir

Sie wieder zurück nach Hause.

Tel. +43 664 11 88 180

info@friedhofsbegleitdienst.at

Informationen:

www.friedhofsbegleitdienst.at

Unsere Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich

und spenden ihre Zeit, um anderen Menschen

ein Stück Lebensalltag zu schenken. Mit

Ihrer Spende unterstützen Sie die ehrenamtlichen

Hilfsprojekte der MALTESER in Österreich.

MALTESER Hospitaldienst Austria

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800

BIC: GIBAATWWXXX

Informationen über die MALTESER unter

www.malteser.at • www.malteserorden.at

DIE MALTESER 2/2019 11


XXXXX

BLOGGEN ÜBER

GOTT UND DIE WELT

Auf „meinefamilie.at“ und „MEINPLAN.at“ befasst sich das Medienhaus der Erzdiözese Wien mit Themen, die junge Familien

und junge Erwachsene interessieren und beschäftigen. Es bildet sich eine Community und es finden sich Gemeinschaften zusammen.

Indem wir über „Gott und die Welt“ bloggen, erreichen wir die Menschen, interessieren sie und führen Interessengemeinschaften

zusammen. Diese Plattformen schaffen Berührungspunkte mit der Kirche im Alltag.

Von Mariella Visy

Die Zielgruppe besteht nicht nur aus kirchlich beheimateten

Familien, sondern vor allem aus jenen, die durch

Veranstaltungen wie den Kinderflohmarkt seit Langem

wieder oder überhaupt mit der Kirche und ihren vielfältigen

Angeboten in Berührung kommen.

Wie kam es dazu?

Innerhalb der Erzdiözese Wien gibt es viele Angebote und

Initiativen, die sich an junge Familien und Kinder richten:

Von den St. Nikolaus-Kindergärten über den Leihomadienst

bis hin zur Familienberatung finden Jungeltern

Services, die sie in dieser so spannenden Zeit des Eltern-

Werdens und der Familiengründung unterstützen.

Die Suche nach Informationen, das Bedürfnis nach Austausch

und die Unsicherheiten in diesem neuen Lebensabschnitt

führen heutzutage die meisten Jungmamis und

Jungpapis ins Internet: Unterschiedlichste Foren und

Self-Help-Seiten geben Rat und Hilfe. Mit dem Web-Portal

„meinefamilie.at“ wurde vor vier Jahren eine Plattform geschaffen,

die diese beiden Achsen verbindet und die kirchlichen

Angebote für junge Familien an die vielen Suchenden

über das Internet kommuniziert.

Jungfamilien im Fokus

Der Ansatz des Medienhauses der Erzdiözese Wien ist es,

die Sorgen und Fragen der jeweiligen Zielgruppe zu kennen

und mit konkreten Antworten und Angeboten auf

all jene zuzugehen, die der Kirche noch fernstehen. Ausgehend

von ihren spezifischen Bedürfnissen und Suchanfragen

werden die User dort abgeholt, wo sie sind, um die

Kirche auf diese Weise als relevanten Ansprechpartner in

ihrem neuen Lebensabschnitt zu erleben.

In Österreich gibt es ca. 400.000 Familien mit einem

oder mehreren Kindern unter sechs Jahren. Um sie zu

erreichen, bloggen auf „meinefamilie.at“ Suchmaschinenoptimiert

junge Eltern unter anderem über Erziehung,

Partnerschaft, Kinderbetreuung sowie Glauben in der

Familie und teilen Veranstaltungstipps für junge Familien.

Orientierung am Beginn des Studiums

Neben der Familiengründung gibt es einen weiteren Lebensabschnitt,

der von vielen neuen Gegebenheiten und

der Suche nach Hilfe und Orientierung geprägt ist: jenen

von Studenten und jungen Erwachsenen, die nach Jahren

der Schulzeit in ein selbstständiges Leben aufbrechen.

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DIE MALTESER 2/2019


RELIGIONAKTUELL

Studienbeginn, erster Job, neue Wohnsituation, womöglich

Umzug in eine andere Stadt, die Suche nach Anschluss

und Gemeinschaft sowie die praktischen Fragen des

Lebens bergen einen großen Bedarf nach Unterstützung.

Mit einer intensiven Analyse dieses Lebensabschnitts

anhand qualitativer Interviews und Umfragen haben

vor ca. zwei Jahren die Vorbereitungen zur Plattform

„MEINPLAN.at“ begonnen. Nach dem Vorbild von

„meinefamilie.at“ wurde sie für 19 bis 25-Jährige geschaffen

und ist seit Herbst 2018 im Vollbetrieb online.

Laufende Weiterentwicklung

Neben den Luftballons und Flohmarkt-Plakaten steht eine

weitere Kiste: Blöcke, Kugelschreiber und Postkarten sind

darin vorbereitet, denn auch das Team von „MEINPLAN.

at“ bereitet sich diese Woche auf ein Event vor. Beim monatlichen

Blogger-Treffen kommen die Gesichter hinter

den Geschichten zusammen. Hier tauschen sie sich aus,

bilden sich weiter und sammeln inspirierende Ideen für die

Weiterentwicklung des Portals.

www.meinplan.at

www.meinefamilie.at

Unterstützung im selbstständigen Leben

„MEINPLAN.at“ ist ein sicherer Begleiter in das Abenteuer

eines selbstständigen Lebens. Mithilfe von authentischen

Blogs, geschrieben von jungen Erwachsenen aus der Zielgruppe,

werden Antworten auf praktische und seelische

Lebensfragen gegeben, die zum Leben in Fülle inspirieren.

MALTESER

Betreuungsdienst

Benefizlesung

Auch hier spielt der Eventkalender auf der Website eine

große Rolle, denn die Umfragen sowie das laufende Monitoring

ergeben, dass die größten Bedürfnisse in diesem

Lebensabschnitt das Kennenlernen neuer Leute, die Zugehörigkeit

zu einer Gemeinschaft und der Aufbau eines

sozialen Netzes sind.

Authentische Einblicke ins Leben eines Studenten

Auf Basis dieser persönlichen Einblicke wird die Zielgruppe

mit mutmachenden Berichten abgeholt. Blogger

erzählen von ihren Erlebnissen rund ums Studium, dem

Start in einer neuen Stadt, geben Einsicht in ihren Alltag,

die Suche nach einem Studentenheim, berichten von den

besten Lernorten und günstigsten Mensen und schildern

so, was sie auf ihrem Weg bereits gelernt haben. Über die

Themenfelder Beziehung, Entscheidungen, Talente und

den sozialen Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit wird

der Bogen zu religiösen Fragen gespannt. Durch vielfältige

Veranstaltungen wird wiederum die Möglichkeit geschaffen,

dass sich diese jungen Erwachsenen treffen, austauschen

und letztlich mit der Kirche in Kontakt treten.

Kammerschauspielerin

Andrea Jonasson liest

am Samstag, 5. Oktober 2019,

um 18 Uhr

im Haus Hofmannsthal

Anmeldung unter mbd@malteser.at

DIE MALTESER 2/2019 13


RELIGIONAKTUELL

RELIGIONSUNTERRICHT

VERSUS ETHIKUNTERRICHT

Schon viele Jahre wurde über die Einführung eines Ethikunterrichts an österreichischen Schulen

diskutiert. Unter der Regierung Kurz wurde diese nun auch vom Ministerrat beschlossen – ob sie

jetzt noch umgesetzt wird, bleibt offen. Der Grund für den Ethikunterricht liegt darin, dass wir

eine steigende Zahl junger Menschen haben, die entweder ohne religiöses Bekenntnis, oder vom

konfessionellen Religionsunterricht abgemeldet sind. (In der Unterstufe durch die Eltern, ab der

Oberstufe können Jugendliche dies selbst tun.

Von Msgr. Franz Schlegl

Diese Kinder beziehungsweise Jugendlichen kommen

infolgedessen mit ethischen und weltanschaulichen Fragen

kaum in Berührung, abgesehen von der Literatur,

etwa im Deutschunterricht. Ohne verbindliche Wertordnung,

also ohne ethische Systeme und einen entsprechenden

Grundkonsens, ist aber das Leben in einer pluralistischen

Gesellschaft kaum vorstellbar.

Kulturkampf im Klassenzimmer

Eine Wiener Lehrerin an einer integrativen Mittelschule

im 10. Wiener Gemeindebezirk erregte großes Aufsehen

mit ihrem Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“. Der

mangelnde Wille zur Integration mancher Kinder und

Jugendlicher macht seit längerer Zeit in nicht wenigen

Schulen große Schwierigkeiten. Bis zum Erscheinen des

betreffenden Buches wurden diese Dinge kaum öffentlich

angesprochen und von den Schulbehörden auch keine

Lösungswege vorgeschlagen.

Ein Grund, der des Öfteren zu Abmeldungen vom Religionsunterricht

führt, sind sogenannte Randstunden, also

von 8 bis 9 Uhr, 12 bis 13 Uhr oder 13 bis 14 Uhr. Da ist

es natürlich bequemer, eine Stunde später in die Schule

zu kommen beziehungsweise entsprechend früher wegzugehen.

Durch die Einführung eines verpflichtenden

Ethikunterrichts würde diese Möglichkeit entfallen.

Am 5. März 2019 weist die jetzige Leiterin des erzbischöflichen

Amtes für Unterricht und Erziehung in Wien, Frau

HR Mag. Andrea Pinz, auf „kathpress“ zu Recht darauf

hin, dass die Schnittmenge zwischen Religionsunterricht

und Ethikunterricht ziemlich groß sei. Ethische Fragen,

die man kurz mit dem Satz „Darf der moderne Mensch

alles, was er kann?“ umschreiben könnte, werden auch

im Religionsunterricht gestellt. Papst Johannes Paul II.,

der selbst Ethik an einer polnischen Universität unterrichtet

hat, wurde nicht müde, diese Frage zu stellen.

Auseinandersetzung mit anderen Weltreligionen

Gleichzeitig hat die Schulamtsleiterin aber auch darauf

hingewiesen, dass der Religionsunterricht über ethische

Fragen hinausgehend die Grundfragen der menschlichen

Existenz, die Kardinal Dr. Franz König so oft angesprochen

hat, nämlich „Woher komme ich, wohin gehe ich,

welchen Sinn hat mein Leben?“, ansprechen muss. Dazu

gehört auch die Auseinandersetzung mit den anderen

Weltreligionen, mit den nichtreligiösen Philosophien,

aber auch mit den Lehrdifferenzen zwischen den christlichen

Konfessionen. Man kann etwa das Leben in Indien

ohne die Kenntnis des hinduistischen Systems ebenso

wenig verstehen wie das Leben vieler Menschen in Osteuropa

ohne die Kenntnis der orthodoxen beziehungsweise

orientalischen katholischen Kirchen.

Eine konfessionelle Engführung wird man dem katholischen

Religionsunterricht wohl kaum vorwerfen können,

denn nicht selten äußern Eltern und auch Schüler

eher gegenteilige Sorgen –, nämlich, dass alles Mögliche

angesprochen werde, die Position und Praxis der katholischen

Kirche dabei aber zu kurz komme.

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DIE MALTESER 2/2019


XXXX

„Wo katholisch drauf steht, muss auch katholisch drin

sein“ – so hat es die frühere Leiterin des Schulamtes der

Erzdiözese Wien, Frau HR Mag. Dr. Christine Mann,

treffend formuliert. Da das Christentum die Leitkultur

des Abendlandes ist – auch wenn manche gesellschaftlichen

Gruppen dies gerne unter den Tisch kehren möchten

– ist es absolut notwendig, darüber Bescheid zu wissen.

Dies gilt, über den Bereich der religiösen Praxis hinausgehend,

auch für die Geschichte Europas und ebenso die

Kunst unseres Kontinents. Die erstaunliche Wiederbelebung

der christlichen Kirchen in der ehemaligen Sowjetunion

und deren Satellitenstaaten sind ein wertvolles

Zeugnis dafür, dass der Glaube einen Heroismus verleiht,

der unter Umständen bis zum Martyrium reicht. Dies ist

ein Phänomen, das wir heute auch im Orient bei von Terror

bedrohten christlichen Minderheiten antreffen.

Fächerübergreifender Religionsunterricht

In den 39 Jahren meiner Unterrichtstätigkeit an einem

Wiener Realgymnasium habe ich selbst immer wieder

erlebt, dass durchaus ein großes Interesse an religiösen

Fragen beziehungsweise auch an Antworten aus

der christlichen Praxis vorhanden ist. Je fächerübergreifender

der betreffende Religionslehrer den Bezug

zu anderen Gegenständen der Schule herstellen kann

(z. B. Geschichte, Kunstgeschichte, Literatur, Grenzfragen

zwischen Naturwissenschaft und Theologie), desto

mehr werden junge Menschen motiviert sein, am Religionsunterricht

teilzunehmen. Ich denke an Erfahrungen

in der Moraltheologie mit Schülern der Oberstufe,

wenn über bioethische Fragen und den Standpunkt der

Kirche dazu gesprochen wurde. Ich denke an Gespräche

mit Schulklassen über den umfassenden Schutz des Lebens,

angefangen von der natürlichen Empfängnis bis

zum natürlichen Tod, worauf Kardinal Dr. Franz König

in seinen letzten Lebensjahren immer wieder hingewiesen

hat. Jugendliche, die sich nicht selten für die Bewahrung

der Schöpfung engagieren, müssen über die

Gefahr einer „Kultur des Todes“, wie Papst Johannes

Paul II. sie nannte, also den Schwangerschaftsabbruch

und die heute öfters geforderte Euthanasie, informiert

werden. Dass Ehe im Sinne des Christentums eine dauernde

Lebensgemeinschaft eines Mannes mit einer

Frau und natürlich auch mit Kindern darstellt, darüber

gibt es leider in unserer Gesellschaft keinen allgemeinen

Konsens mehr! Gerade hier zeigt sich, dass der

Mensch eben „nicht alles machen darf, was er machen

kann“. Solche Kontroversen müssen im Religionsunterricht

angesprochen werden.

Natürlich soll im Religionsunterricht auch gebetet und

gesungen beziehungsweise ein Schulgottesdienst gemeinsam

vorbereitet werden. Auch Kirchenbesuche sind

möglich. Ebenso können auch sparsam Medien eingesetzt

werden. Inhalte des Religionsunterrichts sind im Sinne

einer umfassenden Allgemeinbildung für die Gesellschaft

und das Zusammenleben unglaublich wertvoll und wichtig.

Der interessierte Religionslehrer wird dadurch auch

seine Klassen motivieren können. Manchmal haben Eltern

im Zuge des Elternsprechtages sogar um Literatur

zu verschiedenen Sachgebieten des Religionsunterrichts

gebeten.

Die Freiheit zu glauben, aber das Recht zu wissen!“

Als Motto für den Religionsunterricht könnte man diese

Aussage der ehemaligen Schulamtsleiterin, Frau HR

Mag. Dr. Christine Mann, heranziehen. Nicht nur aus

den anfänglich erwähnten Gründen erscheint ein Ethikunterricht

parallel für alle, die an keinem konfessionellen

Religionsunterricht teilnehmen, sinnvoll, sondern ich erwarte

mir durch „die Konkurrenz“ zu diesem auch eine

weitere Qualitätssteigerung des Religionsunterrichts.

DIE MALTESER 2/2019 15


LEBENSWERT

GUTES TUN IM SCHLAF:

STUDENTENPROJEKT, ZUR VERRINGERUNG DER SPEN-

DENABHÄNGIGKEIT VON HILFSORGANISATIONEN

Bei einer Hilfsorganisation übernachten und dadurch eine Schule in Peru unterstützen, den Regenwald erhalten oder HIV in

Südostasien den Kampf ansagen – mit „Socialbnb“ ist das jetzt möglich. Auf der neuen Online-Plattform sind gemeinnützige

Organisationen aufgelistet, bei denen Reisende mit besonders gutem Gewissen übernachten können. Denn das Geld, das

sie für ihr Bett zahlen, kommt zum Großteil direkt dem Hilfsprojekt vor Ort zugute. Die Reisenden lernen das Hilfsprojekt

kennen, kommen in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung, und das alles mit dem Nebeneffekt des sozialen Engagements.

Entwickelt wurde „Socialbnb“ von Studenten der Universität Köln.

Von Alexander Haufschild

Inspiration aus einem kleinen Dorf

Angefangen hat alles nahe der kambodschanischen

Hauptstadt Phnom Penh. Hier trafen zwei Kölner Studierende

den Einheimischen Seng Thy, der den Kindern seines

Dorfes kostenfreien Englischunterricht ermöglichen

wollte. Seiner kleinen Hilfsorganisation erging es dabei

wie etlichen anderen weltweit: Blieben die Spenden aus,

konnte der Unterricht nicht stattfinden. Also vermietete

er mithilfe der Kölner Studierenden die bis dahin ungenutzten

Räume seines Hauses an Reisende und ließ diese

am Alltag seines traditionellen kambodschanischen

Dorfes teilhaben. Von dem Geld konnte er einen Lehrer

einstellen und Schulmaterialien kaufen – seitdem bekommen

die Kinder regelmäßig Englischunterricht.

Betten auf der gesamten Welt

„In unseren Homestays wohnen die Gäste in bisher ungenutzten

Räumen im Sitz der Organisation. Land und

Leute können so viel intensiver kennengelernt werden“,

so Fiorella Sueldo, ein Team-Mitglied von „Socialbnb“, die

erst vor Kurzem nach Peru reiste, um neue Hilfsorganisa-

tionen von der Idee zu überzeugen. Zurzeit gibt es Homestays

in 13 Ländern, darunter Kambodscha, Peru, Nepal,

Südafrika und Kenia. Fast wöchentlich sind jedoch neue

Destinationen auf der Online-Plattform von „Socialbnb“

verfügbar.

Ehrenamtliches Engagement Kölner Studierender

„Unser Ziel ist es, nachhaltiges Reisen neu zu definieren

und der lokalen Bevölkerung etwas zurückzugeben“, erklärt

Nils Lohmann aus der Projektleitung. Das Team

von „Socialbnb“ bilden Studierende der Universität Köln,

die auf ehrenamtlicher Basis gemeinsam an der Umsetzung

ihrer Idee arbeiten. Und sie sind sicher, dass der

Grundgedanke, im Schlaf Gutes tun zu können, immer

mehr Reisende überzeugen wird. Die Plattform gewann

bereits zahlreiche Auszeichnungen und wird von vielen

Start-up-Förderungen wie dem „Social Impact Lab“ in

Duisburg unterstützt.

Weitere Informationen:

www.socialbnb.net

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DIE MALTESER 2/2019


LEBENSWERT

IN ÖSTERREICHS WÄLDERN

BARRIEREFREI WANDERN

Die „WohlfühlWege“ laden zum barrierefreien Wandern in Österreichs Wäldern ein und bieten Erholung sowie zahlreiche

Aktivitäten für Jung und Alt, für Familien mit Kleinkindern ebenso wie für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder im

Rollstuhl.

Von Christian Wagner

Seit der Gründung vor über 120 Jahren setzen sich die

Naturfreunde für den freien Zugang zur Natur und ihren

Schutz ein. Das Erleben in der Natur ist Erholung

für Jung und Alt, für Menschen verschiedenster sozialer

Herkunft und für Menschen mit und ohne Behinderung

– für alle eben.

Raus in die Natur und den Alltag hinter sich lassen – dazu

laden die „WohlfühlWege“ ein. Die Wege sind kurz, ohne

große Steigungen, und ihr Untergrund ist leicht begehsowie

mit Kinderwagen oder Rollstuhl befahrbar. Das

macht sie insbesondere für Menschen mit körperlicher

Behinderung oder auch für Familien mit kleinen Kindern

attraktiv.

Die Natur spielerisch und mit allen Sinnen erleben

Eine abwechslungsreiche Landschaft zu durchwandern,

den Duft von feuchter Walderde zu riechen, dem Rauschen

eines Baches und dem Gezwitscher der Vögel zu

lauschen oder die Rinde eines Baumes zu ertasten – all

das spricht unsere Sinne an und macht uns glücklich.

Beim Gehen durch die Natur, bei einer kurzen Rast im

Grünen, beim Beobachten von Tieren und Pflanzen sammeln

wir Kraft und Energie.

Verschiedene Stationen zu den Themen „Entspannen“,

„Erfahren“ und „Erleben“ entlang der „WohlfühlWege“

laden ein, zur Ruhe zu kommen, die Natur bewusst mit

all unseren Sinnen wahrzunehmen und mehr über die

Lebensräume und ihre Bewohner zu erfahren. Alle Übungen,

Informationen und Spiele können direkt am Weg

über QR-Codes abgerufen werden.

Wer Lust hat, findet an den Stationen der „Wohlfühl-

Wege“ zahlreiche Entspannungstipps: Zum Beispiel ein

„Waldbad“ genießen und dabei Blutdruck und Stresshormonpegel

senken. Ruhig und tief einatmen, offen sein für

alle Eindrücke, welche die Sinne ansprechen. Neben dem

Sehen aber auch nicht auf das Hören, Fühlen, Riechen

und Schmecken vergessen. Ab und zu die Augen schließen,

um die Natur mit den anderen Sinnen intensiver

wahrzunehmen.

Wege zum Wohlfühlen

Aktuell gibt es zehn „WohlfühlWege“ in Niederösterreich,

Oberösterreich, Kärnten, Salzburg und der Steiermark –

weitere Wege sind in Planung.

Wegbeschreibungen und Detailinformationen:

www.wohlfuehlwege.at

DIE MALTESER 2/2019 17


MALTESERWELTWEIT

HELFEN MIT HERZ

Albanien scheint ein vergessenes Land zu sein – wäre da nicht der unermüdliche Einsatz

der MALTESER. Sie unterstützen die Bevölkerung auf vielfältige Weise. Hier ein kleiner

Auszug aus einem umfassenden Tätigkeitsbericht.

Von Ersida Kurtaj

Reintegration von Rückkehrern

In Albanien treibt die sozioökonomische Situation die

Bevölkerung zum Auswandern. Die Zunahme albanischer

Asylsuchender in den vergangenen Jahren fiel mit

der Flüchtlingskrise in der EU zusammen. Die überwiegende

Mehrheit der aus Albanien stammenden Menschen

wurde abgelehnt und als Wirtschaftsmigranten

eingestuft. Mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten,

schlechte Infrastruktur im Gesundheits- und Bildungswesen,

Armut, geringe Lebensqualität und Korruption

wurden von den Auswanderern als Hauptgründe genannt.

Die Malteser unterstützen die Wiedereingliederung

von Rückkehrern. Professionelle Teams bieten

psychologische, medizinische und soziale Integrationsunterstützung

an, Freiwillige helfen unter oft extremen

Bedingungen.

Medizinische Hilfe

Im Rahmen des Projekts „Mountain Project Onward“

decken die Malteser medizinische Basisleistungen ab,

darunter Arztbesuche, Therapien, Laboranalysen, ärztliche

Fachberatungen und Notfalltransporte zu Krankenhäusern.

Die Ambulanz am Hauptsitz der Malteser

in Albanien bietet medizinische Besuche und Gesundheitsdienste

für Patienten an, die Teil der Roma und der

ägyptischen Gemeinschaft sind, sowie für Bürger der

Stadt Shkodra, und für ältere Menschen und Bewohner

aus den Außenbezirken der Stadt, die keine Krankenversicherung

besitzen.

Integration von Roma

In der Gemeinde Lezha betreiben die Malteser ein multidisziplinäres

Zentrum für Roma und ägyptische Gemeinschaften.

Die dortigen Angebote umfassen einen

Kindergarten, Nachmittagsprogramme, Alphabetisierungskurse,

Gesundheitsdienste, Rechtsberatung und

ein „tägliches Camp“ in den Räumlichkeiten des Zentrums

mit Sport- und Freizeitaktivitäten für Jugendliche.

Hilfe für Kinder ...

Der Malteser Kindergarten in Shkodra ist eine großartige

Chance, Kinder zu integrieren und ihnen das Gefühl

zu geben, dass jedes Kind – unabhängig von seinem

Glauben oder seiner Ethnie – wertvoll ist. Dieser Kindergarten

ist übrigens auch der einzige, der behinderte

Kinder betreut.

Daneben bietet das Malteser Gemeindezentrum mit

seinem Team aus Psychologen, Logopäden, Physiotherapeuten,

Sozialarbeitern und Ärzten individuelle

Therapien an, Beratung und Schulung für Eltern sowie

Schulungen für Erzieher und Lehrer. Jedes Jahr wird ein

einwöchiges Sommercamp am Velipoja Beach für behinderte

Jugendliche und Kinder veranstaltet.

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DIE MALTESER 2/2019


Das Programm außerhalb der Schule „Jedes Kind ist bereit

zum Lesen“ soll dazu beitragen, das Bildungsniveau

zu heben. Lehrer helfen hier den Kindern, ihre Hausaufgaben

in verschiedenen Fächern zu machen und pädagogische

Schwierigkeiten zu überwinden.

... und ältere Menschen

Im Gemeindezentrum für ältere Menschen finden täglich

80 bis 120 Personen einen strukturierten Tagesablauf vorgegeben,

der ihnen die Möglichkeit gibt, soziale Kontakte

in einem sicheren Umfeld zu knüpfen. So können diese

Menschen ein gesünderes und erfüllteres Leben führen.

Besondere Anlässe

Die Fastenzeit ist in Albanien von vielen spirituellen

Aktivitäten geprägt. Mitarbeiter und Freiwillige der

Malteser begleiten die Menschen in dieser Zeit und

beten mit ihnen. In der Osterwoche wird immer eine

Kantine für arme Leute betrieben, auf deren Bedürfnisse

jeweils speziell eingegangen wird. Die jungen,

ehrenamtlichen Malteser haben sich dieser Initiative

angeschlossen und sie ausgeweitet. Mittlerweile helfen

junge Freiwillige jedes Wochenende, Tische zu decken,

sie arbeiten in der Küche mit und servieren Essen.

Während der Pilgerreise im August nach Medjugorje leisten

die Malteser Erste-Hilfe-Dienste. Sie unterstützen das

medizinische Personal vor Ort, richten Erste-Hilfe-Stützpunkte

an den verschiedenen Standorten ein, transportieren

Patienten zur Ambulanz oder ins Krankenhaus und

verleihen Rollstühle und Gehhilfen an Bedürftige.

Wir sagen herzlich danke!

Ohne die finanzielle Unterstützung folgender Persönlichkeiten,

Partnerorganisationen und Hilfseinrichtungen

wäre die Arbeit der Malteser in Albanien kaum oder gar

nicht möglich. Wir bedanken uns daher sehr herzlich bei:

• Stefano Palumbo, Botschafter des Malteserordens in

Albanien

• Franz Salm-Reifferscheidt, Botschafter des

Souveränen Malteser-Ritter-Ordens für

Roma-Angelegenheiten

Malteser Hilfsdienst, Diözese Köln

• Global Fund for Forgotten People

• Renovabis

• Medicor Foundation

• Hilfe für Albanien, Pfarrgemeinde

St. Cyriakus – Neuss – Grimlinghausen

• Gemeinde Lezha

• Gemeinde Shkodra

Mehr Informationen zu den Tätigkeiten der

Malteser in Albanien:

http://malteser.al/en/

DIE MALTESER 2/2019 19


MALTESERWELTWEIT

MALTESER IN ALLER WELT

Mit dem internationalen humanitären Hilfswerk „Malteser International“ setzen sich die MALTESER auch weltweit für Menschen

in Not ein. Aktuell betreut Malteser International Hilfsprojekte in 29 krisengebeutelten Ländern in Afrika, Asien, Latein- und

Südamerika sowie Europa.

Von Susanna Cho

Mehr als 900 internationale Experten sorgen in den verschiedenen

Programmen weltweit für ein besseres Leben,

insbesondere durch eine verbesserte Grundversorgung

in den Bereichen Medizin und Gesundheit, Ernährung

sowie Wasser und Hygiene. In vielen Ländern arbeitet

Malteser International eng mit lokalen Partnerorganisationen

zusammen, um von ihren Kenntnissen der örtlichen

Besonderheiten zu profitieren und um die Hilfe

auch langfristig vor Ort zu verankern.

Bei akuten Naturkatastrophen und gewaltsamen Konflikten

kann Malteser International schnell und effektiv

Nothilfe zu den Menschen bringen. Viele der über 100

Projekte weltweit sind jedoch langfristig angelegt und

zielen darauf ab, die Kapazitäten der lokalen Gemeinden

nachhaltig zu stärken.

ZYKLON IDAI IN MOSAMBIK

Vor Ort, um Krankheiten einzudämmen

Nachdem Zyklon Idai im März eine Schneise der Zerstörung

in Mosambik hinterlassen hatte, entsendete

Malteser International ein Nothilfeteam in das Land. In

der Ortschaft Nhangau konnte das Team gemeinsam mit

dem Technischen Hilfswerk 14.000 Menschen mit sauberem

Wasser versorgen. Nhangau liegt nahe der Großstadt

Beira, die von den Wirbelstürmen fast vollständig

zerstört wurde.

Parallel zur Wasseraufbereitung schulten die Helfer von

Malteser International 45 Hygienepromotoren ein. „In

Mosambik ist sauberes Trinkwasser knapp. Viele Brunnen

wurden durch den Sturm verschmutzt. Gleichzeitig

ist der hygienische Umgang mit Wasser aber besonders

wichtig, um sich wirksam gegen gefährliche Krankheiten

wie Cholera zu schützen“, erklärt Nicole Müller, Nothilfe-

Referentin bei Malteser International. Nach fachlichen

und didaktischen Schulungsworkshops erhielten die Hygienepromotoren

Fahrräder, um mit ihnen die umliegenden

Dörfer und Gemeinden schneller zu erreichen und

die Bewohner über die Hygienemaßnahmen aufzuklären.

Neben dem Engagement für Hygiene half Malteser International

bei der Reparatur einer Schule und eines Gesundheitszentrums

in Nhangau. Der Zyklon hatte auch

hier die Gebäudedächer abgerissen.

Zyklon Idai war im März über weite Flächen in Malawi,

Mosambik und Simbabwe gefegt und hatte innerhalb weniger

Tage über 1.000 Opfer gefordert. Stürme und heftige

Überschwemmungen hatten fast flächendeckend Zerstörungen

verursacht und hunderttausende Menschen

aus ihren Häusern vertrieben. Mit knapp 6.000 gemeldeten

Cholerafällen innerhalb von zwei Wochen allein in

Mosambik sah sich das Team von Malteser International

in einem Wettlauf gegen die Zeit, um die Epidemie einzudämmen.

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DIE MALTESER 2/2019


MALTESERWELTWEIT

VIETNAM

Langjähriges Engagement erfolgreich beendet

Malteser International hat nach seinem jahrzehntelangem

Engagement in Vietnam sein dortiges Länderbüro geschlossen.

„Es ist beeindruckend, was die Malteser-Teams

in den vergangenen Jahrzehnten in Vietnam geleistet

des Jahres weiter zugespitzt, und noch mehr Menschen

sind ins benachbarte Kolumbien geflohen. Malteser International

konnte seitdem die Flüchtlings-Nothilfe in

Kolumbien weiter ausweiten. „Die Wohnsituation der

Geflüchteten ist desolat. Wir bauen neue Unterkünfte für

sie oder bessern bestehende Unterkünfte aus. Außerdem

und erreicht haben. Seit 1966 konnten die Malteser mehr

als 60 humanitäre Projekte und Entwicklungsprogramme

umsetzen“, sagt Cordula Wasser, Leiterin der Asienabteilung

bei Malteser International. „In vielen Bereichen war

die Arbeit unserer Mitarbeiter in Vietnam wegweisend

für andere Länderbüros. 2003 hatten wir zum Beispiel

damit begonnen, die Menschen und Gemeinden vor Ort

in unsere Arbeit aktiv miteinzubinden. Sie haben die Projekte

geplant, durchgeführt und überwacht. Außerdem

wurden die lokalen Akteure gestärkt. Und bereits seit

1999 förderten wir vor allem Frauen durch Alphabetisierungskurse,

einkommensschaffende Maßnahmen und

Business-Development-Kurse.“ Die zuletzt von Malteser

International ausgeführten Projekte zur inklusiven Katastrophenvorsorge

in den ländlichen Gebieten werden

durch ehemalige vietnamesische Mitarbeiter fortgesetzt,

die nunmehr ihre eigene lokale Hilfsorganisation gegründet

haben.

KOLUMBIEN

Erweiterte Nothilfe für Geflüchtete aus Venezuela

Die politische Situation in Venezuela hat sich seit Beginn

kümmern wir uns um die medizinische Versorgung, insbesondere

von Müttern und ihren Kindern“, sagt Jelena

Kaifenheim, Regionalleiterin Lateinamerika und Karibik

bei Malteser International. „Um für die Menschen eine

echte Lebensperspektive zu schaffen, unterstützen wir

sie unter anderem beim Ausbau einer nachhaltigen und

ökologischen Landwirtschaft.“ Darüber hinaus fördert

Malteser International mit Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit

den gesellschaftlichen Zusammenhalt

und bietet den Geflüchteten psychosoziale Unterstützung,

damit sie ihre Fluchterlebnisse besser verarbeiten

können.

TÜRKEI

Stärkung für geflüchtete Frauen aus Syrien

Malteser International unterstützt in Kilis, einer türkischen

Stadt nahe der Grenze zu Syrien, ein Bildungszentrum,

das sich speziell dem Thema „Empowering“ syrischer

geflüchteter Frauen gewidmet hat. Dort erwerben

geflohene syrische Frauen Fähigkeiten für ein unabhängigeres

Leben: Sie erlernen die türkische Sprache und

erhalten psychosoziale Unterstützungsangebote sowie

DIE MALTESER 2/2019 21


MALTESERWELTWEIT

Wiederaufbau in verschiedenen, noch dramatisch unterversorgten

Bereichen. „Wir richten unser humanitäres

Programm an den unterschiedlichen Bedürfnissen der

Menschen in den vernachlässigten Gebieten aus. Dazu

gehören unter anderem die medizinische Versorgung sowie

Komponenten aus dem rechtlichen, psychosozialen

und finanziellen Bereich. Wir wollen für die Menschen

Anreize zur Rückkehr schaffen und es ihnen erleichtern,

sich langfristig wieder anzusiedeln“, sagt Stefanie Heil,

Referentin für den Irak bei Malteser International.

berufsqualifizierende Maßnahmen. „Wir wollen syrische

Frauen in Kilis aus ihrer Abhängigkeit befreien und sie

stärken. Dafür fördern wir ihre soziale Integration in die

Aufnahmegemeinde und verbessern ihren Zugang zu Bildung

und Arbeit“, erklärt Theresa Tesan, Programm-Managerin

bei Malteser International.

IRAK

Humanitäre Hilfe und Wiederaufbau nach dem

Krieg

Nachdem der Irak 2017 vom Islamischen Staat befreit

wurde, steht in vielen Teilen des Landes die große Herausforderung

des Wiederaufbaus an. Nicht nur Häuser und

Gesundheitseinrichtungen wurden weitgehend zerstört.

Viele Menschen wurden durch den gewaltsamen Konflikt

traumatisiert und sind der Möglichkeiten zur Sicherung

ihrer Existenz beraubt. Malteser International leistet in

den Gebieten humanitäre Hilfe und unterstützt beim

UGANDA

Berufliche Perspektiven in der Physiotherapie

Malteser International hat in der ugandischen Hauptstadt

Kampala ein Projekt gestartet, mit dem die Organisation

den Berufssektor der Physiotherapie stärken will.

In Uganda leben über vier Millionen Menschen mit Behinderungen.

Eine Physiotherapie könnte in vielen Fällen

Langzeitschäden verhindern oder Schmerzen lindern,

aber es gibt zu wenig Physiotherapeuten. „Wir unterstützen

das Lubaga-Krankenhaus dabei, die Physiotherapie-

Abteilung in der Klinik zu erweitern und mit modernen

Geräten und Lehrmaterialien auszustatten. In der Schule

des Krankenhauses bilden wir Lehrpersonal fort und erarbeiten

gemeinsam Updates für die Ausbildungslehrpläne,

die auch neue Methoden berücksichtigen sollen“, sagt

Alexandra Kaiser, Programm-Referentin bei Malteser

International. „Damit schaffen wir einerseits attraktive

Jobperspektiven und tragen andererseits zur Deckung

des hohen Bedarfs an Physiotherapie bei.“

22

DIE MALTESER 2/2019


MALTESERWELTWEIT

JUGEND IST

UNSERE ZUKUNFT

Mitte März fand in Wien das große Jugendforum des

Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung

(UNODC) mit mehr als 1.000 hochrangigen

Delegierten aus aller Welt statt. Ein persönlicher Bericht.

Von Megan Cungu

Als Freiwillige der albanischen Organisation des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens und Vertreterin meines

Landes durfte ich beim UNODC-Jugendforum 2019 in

Wien teilnehmen. Es war eine großartige Erfahrung für

mich, so viel Neues über Drogenpolitik und -prävention

zu lernen und diese Erfahrung als Mitglied einer multikulturellen

Jugendgruppe zu erleben. Meinen einwöchigen

Aufenthalt hat der Botschafter des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

bei den Vereinten Nationen in Wien,

Günther A. Granser, ermöglicht.

Im Jugendforum waren 43 Jugendliche aus aller Welt

vertreten. Nachdem wir über die Gründe, Folgen und Lösungen

betreffend Drogenmissbrauch diskutiert hatten,

verfassten wir ein gemeinsames Statement, das bei der

hochrangigen Konferenz der UNODC präsentiert wurde

und nachstehend im Original abgedruckt ist:

Exzellenzen, sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten unsere tiefste Dankbarkeit aussprechen für die

Gelegenheit, unsere Länder aus der ganzen Welt zu vertreten.

Aufgrund unserer unterschiedlichen Herkunft und Erfahrungen

haben wir verschiedene Perspektiven betreffend das Phänomen

der Drogenproblematik auf der Welt kennengelernt,

und wir würden Sie bitten, dasselbe zu tun. Wir, die Jugend,

sind eine leichte Zielgruppe des weltweiten Drogenproblems,

und wir gestehen zu, dass wir hin und wieder ein Teil des Problems,

aber auch ein wesentlicher Teil der Lösung sind.

Zunehmende politische Konflikte, gravierende soziale Ungleichheiten,

organisierte Kriminalität und Gewalt machen die Welt

für die Jugend sehr instabil und unsicher. Der leichte Zugang zu

Drogen, das Fehlen evidenzbasierter Gesundheits- und Sozial-

dienste und der immense Druck auf die Jugend – diese Herausforderungen

zu meistern, macht unsere Generation anfälliger

für ungesunde und unsichere Bewältigungsmechanismen und

neugierig auf die wahrgenommene Faszination von Drogen.

Wir fordern die Mitgliedstaaten auf, die Zusammenarbeit

zwischen den Regierungen und den NGOs zu stärken und die

Jugend dazu zu ermutigen, die Drogenpolitik zu beeinflussen,

sich zu engagieren und mitzuwirken. Die Mitgliedstaaten

sollten den Zugang und das Bewusstsein für menschenrechtsorientierte,

auf Gesundheit ausgerichtete Drogenabhängigkeitstherapie

und -pflege verbessern, aber vor allem die Stigmatisierung

des Drogenkonsums reduzieren.

Letztes Jahr haben wir die UNODC aufgerufen, ein Handbuch

für die Mitgliedstaaten zu entwickeln, wie Jugendliche

positiv in die Drogenprävention einbezogen werden können.

Dieses Jahr fordern wir die UNODC dringend auf, die Umsetzung

dieses Handbuches zu unterstützen. Darüber hinaus

schlagen wir vor, die Kluft zwischen politischen Entscheidungsträgern

und Jugendlichen zu schließen, indem ein regelmäßiges

Austauschforum geschaffen wird.

Vielleicht sind unsere Forderungen zu ehrgeizig, vielleicht

sind sie noch nicht gut ausgeprägt. Aber wir sind bereit und

wir müssen zusammenarbeiten, um den Missbrauch von Drogen

zu reduzieren, den wir täglich unter Gleichaltrigen und

in unseren Gemeinschaften beobachten. Es ist wichtig, die

Jugend in die Prävention von Substanzkonsum einzubinden

und die Situation durch unsere Augen zu betrachten. Dies ist

ein Beweis für unser Vertrauen in Sie als politische Entscheidungsträger

und Vorbilder. Zusammen haben wir die Fähigkeit,

Leben zu retten, die jeden einzelnen Tag verloren gehen.

DIE MALTESER 2/2019 23


MALTESERWELTWEIT

WIE EIN FLÜCHTLING ANDEREN

FLÜCHTLINGEN EINE STIMME GIBT

„Memories Scattered by War“, auf Deutsch: „Vom Krieg zerbrochene Erinnerungen“ ist der Titel des Buches, das unsere

Mitarbeiterin und Psychologin Batoul Abras im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Zehn Menschen, die aus Syrien in die

Türkei geflohen sind, erzählen unserer Malteser International-Mitarbeiterin, was sie während des Krieges erlebt haben.

„Eines Tages, als sich die Bombardierungen verstärkten,

saßen mein Mann Ahmed und ich im Wohnzimmer.

Unsere zehnjährige Tochter Shams machte gerade ihre

Hausaufgaben in ihrem Zimmer. Unsere Angst wuchs

und Ahmed beschloss, einen Weg zu finden, wie wir aus

Aleppo fliehen können. Er ging zu unserem Nachbarn,

um ihn nach einem Ausweg zu fragen, und ich ging in

Shams’ Zimmer. Ich packte ihre Kleidung, ihre Bücher

und Notizbücher ein, ohne die sie auf keinen Fall gehen

wollte. Ich ging in mein Zimmer, um mir und Ahmed

etwas Kleidung zu holen, als ich plötzlich ein lautes Geräusch

hörte und Rauch den ganzen Raum füllte, sodass

ich nichts sehen konnte. Ich schrie ,Shams, Shams!‘,

aber sie antwortete nicht.“

Krieg, Tod und Gewalt: Wie soll eine Familie

damit zurechtkommen?

Erst Stunden später konnte die Tochter von Susan und

Ahmed aus den Trümmern geborgen werden. Doch da

kam bereits jede Hilfe zu spät. Jahre später berichtet

Susan der Psychologin Batoul Abras von diesem traumatischen

Nachmittag. „Es sind Geschichten wie diese, die

mich dazu bewogen haben, ein Buch über die schrecklichen

Auswirkungen der Gewalt während des Krieges

in Syrien zu schreiben. Die Geschichte der zehnjährigen

Von Katharina Kiecol

Shams, die während eines Bombenangriffs in Aleppo

ums Leben kam, hat mich dabei am meisten berührt.

Zehn Jahre lang hatten ihre Eltern vergeblich versucht,

ein Kind zu bekommen. Schließlich wurde wie durch ein

Wunder ihre Tochter geboren. Nachdem Shams ums Leben

gekommen war, verlor ihre Mutter jeden Lebenswillen. Als

ich sie kennenlernte, sprach sie kein Wort. Anfangs saß

sie schweigend in den Gruppensitzungen und nahm kaum

Anteil an dem, was um sie herum geschah. Doch ich hatte

Geduld. Nachdem sie Vertrauen zu mir gefasst und zugehört

hatte, wie die anderen Frauen von ihren Erlebnissen

berichteten, fing auch sie an, sich mir anzuvertrauen. Als

ich ihre Geschichte Jahre später aufschrieb, weinte ich die

ganze Zeit. Es hat mich sehr berührt“, erzählt Batoul.

Während Batoul Abras in Aleppo noch Psychologie studierte,

herrschte bereits Krieg in Syrien, und die Sicherheitslage

verschärfte sich von Monat zu Monat. Im Jahr

2012 begann sie im Anschluss an ihr Studium ein Praktikum

und kümmerte sich in einem Heim um Kinder,

deren Eltern im Gefängnis waren. Doch die Situation in

Aleppo spitzte sich zu, die Bombenangriffe wurden immer

häufiger, und so floh Batoul im Jahr 2013 mit ihren

Eltern in die Türkei.

24

DIE MALTESER 2/2019


XXXX

Zuflucht fand sie in der türkischen Grenzstadt Kilis.

Hier half sie anderen Flüchtlingen aus ihrer Heimat dabei,

ihre oft traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.

Als Psychologin leitete sie von 2013 bis 2016 ein fünfköpfiges

Team für psychosoziale Betreuung.

Respektvolle Gespräche und ihr Schreibtalent

halfen Batoul, auch ihr eigenes Leid zu verarbeiten

Die Unbarmherzigkeit des Krieges, die jeden Bereich

der syrischen Gesellschaft durchdrang, spiegelt sich

in den Geschichten der Patienten wider, die Batoul in

ihrem Buch erzählt. „Die größte Herausforderung beim

Schreiben dieses Buches war es, eine Auswahl der Geschichten

zu treffen. So viele Berichte meiner Patienten

hatten mich berührt. Ich versuchte dann, ganz unterschiedliche

Patienten zu Wort kommen zu lassen, um

die Grausamkeiten in ihrer gesamten Bandbreite aufzuzeigen“,

sagt Batoul. In den drei Jahren, in denen sie

Geflüchtete psychosozial betreute, kamen hunderte Patienten

zu ihr, manchmal 30 an einem Tag.

Respekt und ein offenes Ohr – beides sehr selten inmitten

eines Kriegs – sind wesentlich für Batouls Arbeit

und maßgeblich dafür, dass ihr die Geflüchteten ihre

Leidensgeschichten erzählten. Auch darum sind die Erfahrungsberichte

in ihrem Buch so persönlich und eindringlich.

„Wenn ich einem Patienten zum ersten Mal begegne,

versuche ich zunächst, eine ruhige und entspannte Atmosphäre

zu schaffen, indem ich mit ihm über ganz

allgemeine Themen spreche, beispielsweise über seine

Lieblingsthemen oder seine Lieblingsbeschäftigungen.

Falls der Patient verwundet ist, versuche ich, den Grund

für die Verletzung in Erfahrung zu bringen. Ganz besonders

wichtig ist es, dem Patienten aufmerksam zuzuhören,

auf alles zu achten, was er sagt, und ihm Respekt

und Wertschätzung entgegenzubringen.“ So entstand

ein eindrückliches Bild der Auswirkungen des Krieges

auf die Überlebenden. Zugleich zeigen die Berichte, wie

gut es ihr gelingt, Vertrauen zu den Menschen aufzubauen.

Viele Flüchtlinge haben auf Grund ihrer Traumata

Schwierigkeiten, sich in eine Gemeinschaft zu integrieren.

In Kilis helfen die Malteser vor allem Frauen dabei,

sich in die türkische Gesellschaft zu integrieren und für

den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Zunächst bekommen

sie von unseren Mitarbeitern psychosoziale Unterstützung,

um ihre mentale Stabilität zurückzugewinnen.

Auch Kindern bieten wir individuelle Therapien und

Gruppensitzungen an, um ihre traumatischen Erlebnisse

zu verarbeiten. In einem weiteren Schritt erlernen

die syrischen Frauen die türkische Sprache, können an

Handarbeits- und Kochkursen teilnehmen, führen Gespräche

mit Arbeitsvermittlern und lernen schließlich

auch noch Englisch.

Seit drei Jahren arbeitet Batoul Abras nun nicht mehr

direkt mit Patienten zusammen, sondern unterstützt

uns bei der administrativen Arbeit. Doch die Erfahrungsberichte

ihrer Patienten aus der Zeit, als sie noch

direkt mit den Patienten arbeitete, haben sie bis heute

nicht losgelassen. „Das Aufschreiben dieser zehn Lebenserfahrungen

meiner Patienten hat mir sehr dabei

geholfen, meine eigene Flucht und auch die schrecklichen

Berichte dieser Menschen besser zu verarbeiten.

Ich wollte nicht allein diejenige sein, die all diese furchtbaren

Berichte zu hören bekommt. Die ganze Welt soll

von diesem unermesslichen Leid erfahren“, sagt sie.

DIE MALTESER 2/2019 25


MALTESERÖSTERREICH

DER GLAUBE LEBT

Auch heuer machten sich die MALTESER am ersten Wochenende im Mai auf den Weg zur traditionellen MALTESER

Wallfahrt nach Lourdes. Rund 7.400 Menschen, davon etwa 1.300 zu betreuende Pilger, nahmen an der Wallfahrt teil.

Aus Österreich reiste eine Gruppe von 250 Pilgern, Betreuten und Gästen nach Lourdes.

Von Katharina Stögner

Dieses Jahr wurde des 175. Geburtstages der Hl. Bernadette

sowie des 140. Jahrestages ihres Todes gedacht.

Seitdem der Hl. Bernadette Soubirous an der Grotte von

Massabielle die Mutter Gottes erschienen ist, hat sich

Lourdes zu einem der wichtigsten Marienwallfahrtsorte

der Welt entwickelt. Bis zu sechs Millionen Menschen

– darunter auch die Malteser – pilgern jedes Jahr nach

Lourdes, um Gemeinschaft, Stärkung und Heilung zu erfahren.

Malteser aus 45 Ländern

Unter der Leitung des Großmeisters Fra’ Giacomo Dalla

Torre del Tempio di Sanguinetto nahmen Mitglieder,

Freiwillige und Gäste des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

aus 45 Ländern und von allen fünf Kontinenten teil.

Auch die zehn neu gewählten Mitglieder des Souveränen

Rates (siehe dazu Seite 54) pilgerten mit und begleiteten

den Großmeister bei den zahlreichen Veranstaltungen –

von der Eucharistischen Prozession mit den Kranken im

Heiligtum bis zum Pontifikalamt in der Basilika St. Pius

X., die der Erzbischof von New York, Kardinal Timothy

Dolan, zelebrierte. Gemeinsam mit den Pilgern betete

der Großmeister auch das Angelus-Gebet in der Grotte

von Massabielle und nahm an der Begegnung von Bischof

Jean Laffitte mit den Kaplänen und an der Marienprozession

mit Fackeln teil. All das wurde durch zahlreiche

Treffen mit Mitgliedern, Freiwilligen und Kranken bereichert.

Jedem schüttelte der Großmeister die Hand oder

ermutigte ihn.

In seiner Rede dankte Großmeister Fra’ Giacomo Dalla

Torre del Tempio di Sanguinetto den Pilgern für ihre Teilnahme,

ihre Hingabe und ihren Glauben: „Liebe Pilger,

lasst uns gemeinsam voranschreiten, bereichert durch den

Segen, den wir an diesem heiligen Marienwallfahrtsort

empfangen haben, mit neuer Energie, Hoffnung und Mut,

um uns den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.“

„Ich bin dem Herrn begegnet“

Beeindruckt von diesen Worten zeigte sich auch der mitreisende

Kaplan Kenneth Ttyaaba, ein aus Uganda stammender

Geistlicher. Als Seelsorger betreut er aktuell

mehrere Pfarren in Oberösterreich – unter anderem die

Patronatskirche des Malteser Ordensmitgliedes Stanislaus

Czernin-Kinsky in Sandl. Nachstehend der ganz persönliche

Wallfahrtsbericht von Kaplan Ttyaaba aus Lourdes:

26

DIE MALTESER 2/2019


In Lourdes begleiten und pflegen die weltweit tätigen

Malteser Kranke und Behinderte. Man trifft dort Gruppen

von Maltesern aus sehr vielen Ländern. Sie kommen von

überall, aber alle Gruppen haben dasselbe Ziel: Sie wollen

Gott begegnen und die Mutter Gottes spüren. In Lourdes

gibt es viele spirituelle Angebote, Tag und Nacht strömen

die Pilger herbei. Jeder kommt nach Lourdes mit seinem eigenen

Glauben und seinen eigenen Erwartungen, hier Heilung

zu finden. Lourdes ist lebendig.

Lourdes ist auch ein Ort der Heilung. Viele der Pilger sind

krank oder behindert. Sie werden wie selbstverständlich

von den Maltesern begleitet. Dabei ist das nicht selbstverständlich.

Die Malteser sind immer im Einsatz, Kranke und

Behinderte zu den bestehenden spirituellen Angeboten von

Lourdes zu begleiten.

Besonders eindrucksvoll war für mich die Lichterprozession.

Ich habe so etwas noch nie zuvor in der Welt erlebt. Während

der Prozession beteten die Pilger in verschiedenen Sprachen

und sangen unterschiedliche Marienlieder. Ich habe mich gefühlt,

als ob der Himmel herabgekommen wäre.

Bemerkenswert war auch die internationale Heilige Messe

mit rund 200 Priestern und sieben Bischöfen als Abschluss

der Pilgerfahrt. Während des Gottesdienstes hat mich die

Stimmung zu Tränen gerührt, der Chor hat wunderbar gesungen,

es war einfach atemberaubend.

Ich danke den Maltesern für das großzügige und schöne

Angebot, nach Lourdes zu pilgern. Ich habe hier wirklich

den Glauben erlebt und war aufrichtig berührt. Ich bin dem

Herrn begegnet.

Kaplan Kenneth Ttyaaba

DANKE!

Wir möchten hier allen Spendern und ehrenamtlichen

Maltesern danken, die mit ihrer finanziellen

Unterstützung und ihrer Hilfe vor Ort die

Wallfahrt nach Lourdes ermöglicht und so unwiederbringliche

Erinnerungen geschaffen haben.

Wir freuen uns, wenn Sie nächstes Jahr an der

62. Malteser Lourdes-Wallfahrt von 30. April bis

4. Mai 2020 teilnehmen und diese wieder mit Ihrer

Spende unterstützen!

Kontonummer:

AT65 2011 1800 8087 0800, BIC: GIBAATWWXXX

Verwendungszweck: Lourdes Wallfahrt 2020

DIE MALTESER 2/2019 27


MALTESERÖSTERREICH

FRISCHER WIND IM

SCHLOSSHOTEL MAILBERG

Seit Mitte Jänner ist Alexandra Reisinger in Mailberg für den Hotelbetrieb verantwortlich.

Von Katharina Stögner

Mit ihrer Gärtnerlehre, einer fundierten fünfjährigen

Ausbildung an der Höheren Lehranstalt für Tourismus

und einem Diplom als PR-Fachfrau von der Donau-Universität

Krems bringt Alexandra Reisinger die besten

Voraussetzungen für ihre neue Position im Schlosshotel

Mailberg mit.

„Mein Traum war es schon immer, ein eigenes kleines

Café oder Lokal zu betreiben“, so die Managerin. Mailberg

ist zwar nicht klein und auch nicht ihr eigenes Hotel,

aber Alexandra Reisinger möchte es führen wie ihr

eigenes: mit viel Engagement und Liebe. „Das schönste

Kompliment ist doch, wenn sich der Gast bei uns wohl

fühlt, sich gern an die Zeit im Schlosshotel erinnert und

wiederkommt“, so die neue Hotelchefin.

Wechselvolle Geschichte, märchenhafte Umgebung

Mailberg ist jederzeit einen Aufenthalt wert. Das

Schloss wurde bereits im Jahr 1055 urkundlich erwähnt.

Seit 1146 gehört Mailberg dem Souveränen

Malteser-Ritter-Orden und ist damit der älteste Besitz

des Ordens weltweit. Rundherum bilden safthügelige

Weinberge eine traumhafte Kulisse, die das Herz jedes

Weinkenners höher schlagen lässt. Wunderschöne Kellergassen

laden zum Verweilen ein. Ob eine kleine Pause

während einer Radtour oder ein ausladendes, köstliches

Picknick, das liebevoll vom Team des Schlosshotels zusammengestellt

wird – das Angebot lässt keine kulinarischen

Wünsche offen.

Gebacken wird übrigens von Hotelchefin Alexandra

Reisinger selbst. Der Kuchen zum Frühstück oder am

Nachmittag zum Kaffee schmeckt nach „zu Hause“. Das

Repertoire reicht von der Topfentorte über den Apfelkuchen

bis hin zu Alexandra Reisingers berühmtem

„Gâteau au chocolat“, der zart am Gaumen schmilzt.

„Mir ist wichtig, dass die Produkte, die wir anbieten, gut

schmecken und dass größtenteils regionale und österreichischen

Zutaten verarbeitet werden“, so die vielseitige

Managerin.

„Mein Team und ich freuen

uns, Sie als Gast bei uns willkommen

zu heißen!“

Alexandra Reisinger,

Management Schlosshotel

Mailberg

Frische Energie tanken in Mailberg

Ob Tagesbesuch oder Aufenthalt mit Übernachtung – ein

Besuch im Schlosshotel Mailberg bringt wunderbare Erholung

und Entspannung. Sie können gern auch einfach

nur zum Frühstück vorbeikommen. Gegen Voranmeldung

unter reservierung@schlosshotel-mailberg.at

oder +43 2943 30301 reservieren wir Ihren Tisch.

Infos zu den verschiedenen Packages finden Sie unter

www.schlosshotel-mailberg.at

28

DIE MALTESER 2/2019


MALTESERÖSTERREICH

IN ZWEI TAGEN UM DIE WELT

Alle großen Sehenswürdigkeiten dieser Erde auf einem Platz: Das gibt es nur in Minimundus. Dorthin verschlug es den

MALTESER Sonderdienst am Palmwochenende mit einer Gruppe von Betreuten.

Von Clara Male

Während andere so kurz vor Ostern noch Skifahren

waren, haben wir uns auf eine kleine Weltreise nach

Klagenfurt begeben. Am Palmsamstag brachte uns das

Flugzeug in Minimundus vorbei am Taj Mahal, weiter

Richtung Südostasien, schnell nach New York und auf

die höchsten Berge dieser Welt. Ein kurzer erfolgreicher

Stopp in der Stadt der Liebe, in Paris, durfte natürlich

auch nicht fehlen. Und das alles ohne Jetlag!

Vom klischeehaften Aprilwetter nicht abgehalten, setzten

wir unsere Reise am Palmsonntag im „Abenteuer

Affenberg“ nahe der Burg Landskron fort. In dem Tierpark

leben auf einer Fläche von vier Hektar rund 160

aus Japan angesiedelte Makaken in freier Wildbahn.

Einige Mitglieder der großen Affenfamilie durften wir

kennenlernen. Darunter waren zwei Babys – gerade einmal

eine Woche alt, ein besonders gewiefter Affe, der in

einem Geschicklichkeitsspiel rasend schnell Äpfel einsammeln

konnte, und ein kleiner Makake mit ziemlich

diebischen Eigenschaften. Inspiriert von dieser schönen

Reise freuen wir uns jetzt schon auf die nächste spannende

Expedition!

DIE MALTESER 2/2019 29


MALTESERÖSTERREICH

MÄNNER IN DIE PFLEGE –

MÄNNER PFLEGEN ANDERS!

Die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt stetig. Bleibt die Pflege reine Frauensache, droht bald der Kollaps des Systems.

Was fehlt, sind männliche Vorbilder, die anderen Männern die Angst vor dieser Berufswahl nehmen.

Von Susanne Wick

Um zu zeigen, dass Männer für diesen Beruf höchst qualifiziert

und geeignet sind, habe ich unseren – derzeit einzigen

– Case und Care Manager Robert Heindl einen Tag lang

in Oberösterreich zu seinen Klienten begleitet.

Unser erster Besuch führte uns zu bei einem Ehepaar.

Der Mann benötigt nach einer schweren Erkrankung

palliative 24-Stunden-Pflege und -Betreuung. Pfleger

Istvan kümmert sich sehr professionell und mit größter

Fürsorge um seinen Klienten. Die Ehefrau des Kranken

sprach mit hoher Anerkennung und großer Dankbarkeit

über „ihren Istvan“, ohne den es nicht möglich wäre,

ihren Mann zu Hause zu betreuen.

Als nächstes durfte ich zwei Damen kennenlernen, die

in einem gemeinsamen Haushalt leben und von zwei

Pflegerinnen unterstützt werden. Im Gespräch erfuhr

ich, dass die beiden gerade von der Malteser-Wallfahrt

aus Lourdes zurückgekehrt waren, von der sie in höchsten

Tönen schwärmten. Abgesehen von der großartigen

Organisation der Wallfahrt unterstrichen beide, dass im

Vergleich zu früher auffällig viele männliche, ehrenamtliche

Betreuer die Wallfahrt begleitet hätten. Auch mit

der Betreuung durch ihren Case Manager Robert Heindl

seien sie ausgesprochen zufrieden.

Berufswahl als Wink des Schicksals

Am Weg zu Robert Heindls nächster Klientin hatten

wir Zeit, über seine Berufswahl zu sprechen. Ursprünglich

hatte er eine vierjährige Kochlehre abgeschlossen

und arbeitete nebenbei ehrenamtlich für die Rettung in

Linz. So kam er in regelmäßigen Kontakt mit dem dortigen

Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz,

wo er schließlich als Stationsgehilfe tätig wurde.

Die damalige Stationsschwester, Schwester Ermelinde,

schlug ihm vor, die Aufnahmeprüfung für das Diplom

des Gesundheits- und Krankenpflegers zu machen, was

Robert Heindl zunächst kategorisch ablehnte. Doch

Schwester Ermelinde meldete ihn heimlich für die Prüfung

an und stellte ihn vor vollendete Tatsachen.

Nach Ausbildung und bestandenen Prüfungen begann

Robert Heindls Karriere als diplomierter Gesundheitsund

Krankenpfleger. Die letzten 23 Jahre arbeitete er

sowohl im stationären Bereich als auch in der mobilen

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DIE MALTESER 2/2019


MALTESERÖSTERREICH

Hauskrankenpflege und in einem medizinischen Labor. Seit

fünf Jahren ist er nun bei Malteser Care beschäftigt. Zusätzlich

hat Robert Heindl noch eine Ausbildung als Kontinenzund

Stomaberater absolviert und arbeitet ehrenamtlich für

die Aidshilfe in Linz.

BESONDERER

BESUCH IM HILDE

UMDASCH HAUS

Wenn „die Jungen den Jungen“ helfen, dann steckt

zum Beispiel der Leo Club Mostviertel, die Jugendorganisation

des Lions Clubs für die 18- bis 30-Jährigen,

dahinter.

Von Katharina Stögner

Neuer Pflegestil

Für Robert Heindl ist sein Beruf, wie er selbst sagt, Berufung.

Das spürt und sieht man auch. Er macht seine Arbeit mit hoher

fachlicher Kompetenz und strahlt auch in schwierigen und

stressigen Situationen Professionalität, Ruhe, Vertrauen und

Humor aus. Seine Klienten fühlen sich von ihm unterstützt und

umsorgt, seine Kolleginnen sowie die Pflegerinnen und Pfleger

schätzen die Zusammenarbeit mit ihm sehr.

Nach einer weiteren Pflegevisite bei einer Klientin, einem Betreuerinnenwechsel

und der Neuaufnahme eines Klienten fuhren

wir noch zu den Meldestellen der Bezirksämter, um die Anbzw.

Ummeldungen der Personenbetreuerinnen vorzunehmen.

Hier endete für mich die Tour, doch für Robert war der Arbeitstag

noch lange nicht vorbei. Zu Hause mussten noch Rückrufe

getätigt werden, Informationen dokumentiert und die Abläufe

für den nächsten Tag geplant und vorbereitet werden.

Seit meiner Tour mit Robert bin ich mehr denn je davon

überzeugt, dass Pflege nicht „unmännlich“ ist. Ganz im Gegenteil:

Männliche Pfleger können zu einer sehr positiven

und notwendigen Balance im Gesundheitsbereich beitragen.

Es benötigt nur – wie so oft – mehr Akzeptanz und ein

Umdenken der Gesellschaft.

Der Leo Club Mostviertel war kürzlich zu Besuch

bei den Kindern der Malteser Kinderhilfe im Hilde

Umdasch Haus. Getreu ihrem Motto „Reserve –

persönlich, rasch und unbürokratisch“ helfen die

„Leos“ in Form von Gutscheinen, Produkten oder

Rechnungen, die sie selbst bezahlen. So haben

die jungen Lions Club-Mitglieder für das Hilde

Umdasch Haus einen Computer mit Augensteuerung

angeschafft und gespendet. Die Anwendung

dieses Computers wurde ihnen von Anna, einer

Bewohnerin des Hilde Umdasch Hauses, stolz demonstriert.

Ein großes Danke für diese tolle Bereicherung

an Daniela, Alexander, Julia, Raphael, Pia

und Simon! Die Kinder im Hilde Umdasch Haus

dürfen sich übrigens noch über zwei weitere großartige

Geschenke der Leos freuen: Es sind bunte,

kreative Tonie-Boxen, die ab sofort die Tagesgestaltung

im Hilde Umdasch Haus mit Geschichten

und Liedern untermalen und lustiger machen.

DIE MALTESER 2/2019 31


XXXXX

FÜR DEN ERNSTFALL ÜBEN

Unter diesem Motto stand ein gemeinsames Trainingswochenende der MALTESER mit der freiwilligen Feuerwehr in Mautern.

Von Valentin Khuen, Bernhardt Pauger und Georg Pirker

Bei schönstem Wetter startete heuer das Spiritualwochenende

der Grazer und Salzburger Ausbildungsgruppen

in Mautern. Samstag Vormittag hielt Pater Clemens

Grill einen Vortrag über die wichtigsten Aspekte des katholischen

Glaubens. Im Garten des Pfarrhofs setzten wir

uns mit dem Malteser Ordensgebet, dem Vater Unser, der

Bedeutung des alltäglichen Betens und wichtigen Teilen

der heiligen Messe, der Eucharistie und den Sakramenten,

auseinander. Nach dem Mittagessen unternahmen

wir eine kleine Wanderung auf den nahe gelegenen Franziskaner-Kalvarienberg.

Im Anschluss daran startete eine eineinhalbtägige

Übungssimulation eines Rettungsbetriebes für die Aus-

bildungsgruppen und die teilnehmenden Rettungssanitäter

der Bereiche Salzburg und Steiermark. Dabei

wurden eine San-Hist (Sanitätshilfsstelle) eingerichtet

und typische Einsatzszenarien für RTW-Besatzungen

in einer Stadt der Größe von Graz simuliert. Es galt von

Herz-Kreislaufstill-Stand über Unfälle bei der Gartenarbeit

oder den Absturz beim Freizeitklettern bis zu Ertrinkungsunfällen,

diverse Szenarien abzuarbeiten. Zur

Erholung gab es danach einen gemütlichen Grillabend

mit Lagerfeuer im Pfarrhof.

Am nächsten Tag ging der Übungsbetrieb weiter und

gipfelte unter Beteiligung der Freiwilligen Feuerwehr

Mautern in drei parallelen Großschadensszenarien: ei-

32

DIE MALTESER 2/2019


XXXX

TIROL

BEREICHÜBUNG

Weil Sicherheit zählt, wir uns zu professioneller Hilfe verpflichtet

sehen und unsere Mitglieder eingehend auf ihre Aufgaben

vorbereiten wollen, bieten wir regelmäßig Ausbildungs- und

Fortbildungseinheiten an.

nem Autounfall mit vier Schwerverletzten sowie

einem verletzten Fußgänger im schwierigen

Gelände, der Bergung von Personen, auf die bei

einem Forstunfall ein Baum gefallen war, sowie

der Bergung von verschütteten Kindern infolge

des Einsturzes eines Schulraumes. Die Ziele

der Übung waren neben dem Erfahrungsgewinn

die richtige Einschätzung mehrerer Szenarien,

der Abtransport von Verletzten nach richtiger

Priorität sowie eine effiziente Koordination der

Einsatzkräfte untereinander und auch mit der

Leitstelle.

Den Abschluss bildete ein gemeinsames Mittagessen

der teilnehmenden Malteser und der Freiwilligen

Feuerwehr Mautern.

Herzlichen Dank an alle Beteiligten für dieses

gelungene Übungswochenende!

Im April war es wieder so weit, zahlreiche Malteser fanden sich in

der Innsbrucker Zentrale ein. Angeboten wurden verschiedenste

Fortbildungen für Dienste im Sozial- und Sanitätsbereich.

Eines der Highlights war ein Diabetesfortbildungszyklus, angeleitet

von einer Malteserin aus dem Bereich Tirol, die hauptberuflich

als Diplomkrankenschwester tätig ist. Das Thema

wird immer wichtiger, denn die Zahl der Menschen, die vom

Typ-2-Diabetes betroffen sind, steigt stetig.

Auch das koordinierte und rasche Auf- und Abbauen der Zelte,

eine Fertigkeit, die sowohl bei Ambulanzen als auch bei Katastropheneinsätzen

relevant ist, war eine praktische Basisübung,

die zudem viel Spaß gemacht hat.

Das Programm war sehr vielseitig, und die Zeit ist im Nu vergangen.

Vielen Dank an alle Referenten für die Vorbereitungen

und die sehr gelungene und hochprofessionelle Durchführung!

Danke allen Teilnehmern für das Interesse und das Engagement,

um weiterhin bestmöglich zu helfen. Dort, wo Not ist.

DIE MALTESER 2/2019 33


TIROL

MUTTERTAG

Alljährlicher Mai- bzw. Muttertagsausflug: Hl. Messe in St. Leonhard bei Kundl mit anschließendem Picknick. Aufgrund

der Unterstützung der Mesner-Familie sowie des benachbarten Flüchtlingsheims, das uns mit arabischem Brot und Tee

beschenkte, konnten wir einen wunderschönen Tag gestalten. Herzlichen Dank!

STEIERMARK

OSTERMARKT

Sonntagsausflug nach Fürstenfeld zum Ostermarkt und auf die Pfeilburg in Fürstenfeld.

STEIERMARK

KÄLTETELEFON

Malteser am Kältetelefon der Caritas – im Kampf gegen Heimatlosigkeit, Gleichgültigkeit, Lieblosigkeit und Verlassenheit:

Das Kältetelefon ist ein Projekt, das an die Zivilcourage appelliert. Im Zeitalter von Smartphones und ständiger Erreichbarkeit

ist es kein Problem, jemandem direkt und in kurzer Zeit zu helfen und ihn – wortwörtlich – Wärme spüren zu lassen.

34

DIE MALTESER 2/2019


STEIERMARK

BALL DER VIELFALT

Ball der Vielfalt: Als deklarierte Fans dieser Veranstaltung haben sich auch dieses Jahr wieder tanzfreudige Malteser und

Betreute in den Kammersälen eingefunden, um einen Abend lang Unbeschwertheit und Lebensfreude pur zu genießen.

Besonders beeindruckend und berührend war die Polonaise mit zahlreichen Rollstuhl-Tänzern und -Tänzerinnen.

STEIERMARK

CAFÉ MALTA

Bald zwanzig Jahre Café Malta in Graz, ein zweiwöchentlicher Fixpunkt, zu dem sich Malteser mit ihren Betreuten treffen.

3.

KINDERHILFELAUF

AMSTETTEN

29. September 2019

DIE MALTESER 2/2019 35


XXXXX

BURGENLAND

TIERGARTEN

Ausflug in den Tiergarten Schönbrunn mit den Bewohnern des Hauses Malta. Ein wunderbarer und sonniger Tag mit zahlreichen

Programmpunkten. Dafür ein herzliches Dankeschön an Sonja Katzberger und Andrea Venus, die beiden Betreuerinnen

im Haus Malta, sowie an die vier Kandidaten unserer diesjährigen Ausbildungsgruppe, die tatkräftig unterstützten.

STEIERMARK

PALMSONNTAG

Grazer traditionelles Palmbuschen-Binden in Vorbereitung auf den Palmsonntag.

SALZBURG

STRASA

Straßensammlung Salzburg 2019, auch heuer wie gewohnt am Palmwochenende in der Salzburger Innenstadt.

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DIE MALTESER 2/2019


TIROL

SISTER ACT

XXXX

Ein sehr unterhaltsamer und abwechslungsreicher Theaternachmittag. „Sister Act“, vom Verein „Theater.Rum“ aufgeführt,

begeisterte Betreute und Malteser gleichermaßen, durch die gelungene Inszenierung, das kreative Bühnenbild,

die Kostüme und die humorvollen Texte.

SALZBURG

SPIELE

In Salzburg traf sich eine Gruppe von Betreuten, Maltesern und Malteens zu einem gemeinsamen Spielenachmittag.

SALZBURG

KONZERT

Ein wunderschöner Konzertbesuch gemeinsam mit unseren Betreuten und einem anschließenden gemütlichen Ausklang.

DIE MALTESER 2/2019 37


XXXXX

TIROL

STRASA

Ein herzliches Vergelt’s Gott für die Spenden im Zuge der Straßensammlung in Innsbruck. Ihre Spende hilft uns, dort

zu helfen, wo Not ist.

TIROL

MULLERSCHAUG’N

Traditionell wird in Innsbruck und Umgebung jedes Jahr ein großer Faschingsumzug veranstaltet, immer in einem anderen

MARTHA-Dorf. MARTHA steht für Mühlau, Arzl, Rum, Thaur, Absam. Mullergruppen und Faschingswägen ziehen

durch das Dorf.

TIROL

EXERZITIEN

Exerzitien der Delegation Tirol im Bildungshaus

St. Michael der Diözese Innsbruck.

BURGENLAND

WIENER ZEITUNG

Besuch der Wiener Zeitung, die 1703 als Wienerisches Diarium

gegründet wurde und somit die älteste noch erscheinende

Tageszeitung der Welt ist.

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DIE MALTESER 2/2019


XXXX

TIROL

OSTERGRÄBER

Seit rund zehn Jahren gehen die Malteser im Bereich Tirol gemeinsam mit Betreuten am Karsamstag „Ostergräberschauen“:

Ein Ausflug, der ganz dem Gedankengut der Malteser entspricht, verbindet er doch Religion, Kultur und Gemeinschaft.

SALZBURG

BRUCKFAHRDIENST

Der Malteser Bruckfahrdienst bringt Kinder regelmäßig vom Caritas-Heim St. Anton in Bruck an der Glocknerstraße

nach Salzburg, nach Hause zu ihren Familien, und wieder zurück in die Wochenbetreuung.

TIROL

CONQUER THE ALPS

Gemeinsam mit der Johanniter-Unfall-Hilfe Tirol standen die Malteser Tirol drei Tage im Einsatz bei der sanitätstechnischen

Versorgung der Konzertbesucher von Paul Kalkbrenner, Samy Deluxe uvm.

DIE MALTESER 2/2019 39


XXXXX

WIEN

KREUZWEG

Barrierefreier Kreuzweg im Stift Heiligenkreuz mit Abt Maximilian Heim und einer anschließenden gemeinsamen Jause.

WIEN

FEST DER HELFER

20. Fest der Helfer im Wiener Rathaus mit Bürgermeister Dr. Michael Ludwig und Stadtrat Peter Hanke, Präsident der

„Helfer Wiens“. Sie ehrten besonders verdienstvolle Mitarbeiter von freiwilligen und beruflichen Hilfs- und Einsatzorganisationen.

Seitens der Malteser wurde Anna Seyrl für ihren Einsatz und ihr Engagement ausgezeichnet.

WIEN

THERAPIEREITEN

Ein Nachmittag mit Pferden, Fröschen und sehr viel Spaß – Therapiereiten in der Nähe von Stockerau und ein Bilderbuchgarten

mit Hunden, Hühnern, Katzen und vor allem einem Teich voll mit Fröschen.

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DIE MALTESER 2/2019


XXXX

WIEN

WALDBRAND-

ÜBUNG

Bei einer Waldbrandübung am Wiener Cobenzl wurden Verletzte durch das Bundesheer ausgeflogen. Berufsrettung

Wien, Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs, Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich, Malteser, Wiener Rotes Kreuz und

die Akutbetreuung Wien übernahmen die Patienten und versorgten sie nach der Triage.

WIEN

HAUS DES MEERES

Zwei Highlights unseres Ausflugs in das Haus des Meeres waren die Fütterung der Haifische und das Tropenhaus mit

seiner Fülle an Vögeln und Affen.

DIE MALTESER 2/2019 41


XXXXX

WIEN

WAGENBURG

Eine besondere Führung mit Direktorin Dr. Monica Kurzel-Runtscheiner durch die Kaiserliche Wagenburg, in der wir die

Fuhrwerke der Habsburger, von Barock bis zur Neuzeit, von 2 PS bis 240 PS, von 16 km/h bis 340 km/h, bestaunen konnten.

WIEN

VISITING DAY

„Visiting Day“ am 24. März 2019: Zahlreiche Betreute wurden besucht und genossen ein jeweils individuell angepasstes

Programm. Es freuen sich schon alle auf einen weiteren „Visiting Day“ im Herbst.

WIEN

MÄRZAUSFLUG

Märzausflug ins Salzkammergut: Von Gmundner Keramik über Pinsdorf, das Schloss Scharnstein, Schloss Orth und die

Kaiservilla in Bad Ischl. Immer wieder eine Reise wert.

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DIE MALTESER 2/2019


XXXX

WIEN

SCHIFAHREN

Traditionelle Malteser-Skitage in Schladming. Weil „Skifoan is des Leiwaundste“ – eine sportliche Woche mit viel Spaß

und natürlich auch Après-Ski. Vor der Rückfahrt wurde noch eine Runde gekegelt.

WIEN

DIE VIER FÜR WIEN

Einsatz der „Vier für Wien“ am Tag der offenen Tür des Krankenhauses Nord.

DIE MALTESER 2/2019 43


XXXXX

DAS GLÜCK DIESER ERDE ...

Seit vielen Jahren ein Fixpunkt in der Karwoche: das Inclusions-Ostercamp im Pferde- und Reiterparadies Gratzi in St. Paul

im Lavanttal, gefolgt von einem Reitnachmittag mit der Familie Brandis bei Stockerau in Niederösterreich.

Von Naomi Kienreich und Ares Vafiadis

„Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“,

besagt ein Sprichwort. Für die Teilnehmer des Reitcamps

in St. Paul und Stockerau im April 2019 könnte

es nicht treffender sein. Regelmäßig finden hier Kinder

mit unterschiedlichen Krankheitsbildern die Möglichkeit,

unvergessliche Stunden mit den Therapiepferden von

Gerda Maischberger am Gratzi-Hof sowie der Voltigiertherapeutin

Claudia Soyka und der Pferdeführerin Elisabeth

Brandis in der Nähe von Stockerau zu verbringen.

„Heilpädagogisches Reiten unterstützt die Entwicklung

des sozial-emotionalen Bereichs, der Motorik, der

sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und des Gruppensinns

der Kinder“, so Trainerin Maischberger. Die Therapiestunden

beginnen bereits im Stall beim Striegeln,

Putzen und Streicheln der Tiere. Den krönenden Abschluss

bilden einige Runden hoch zu Ross.

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DIE MALTESER 2/2019


XXXX

Zeit und Ruhe für ein Lächeln

Mit dabei sind die ehrenamtlichen Helfer der Malteser.

„Es ist wichtig, individuell auf jedes Kind einzugehen.

Das braucht Zeit und viel Ruhe. Die Ruhe, die von den

Therapiepferden ausgeht, ist da eine große Unterstützung“,

so ein Malteser-Helfer.

Neben den Einheiten am Pferd werden beim Inclusions-Camp

am Gratzi-Hof auch abwechslungsreiche

Spiele gespielt. In Stockerau bei der Familie Brandis

können die Kinder den Garten mit Hunden, Hühnern,

Katzen und sogar Fröschen im Teich genießen.

Möglich sind diese besonderen Stunden nur durch das

außergewöhnliche Engagement der Pferdetherapeutinnen,

die ehrenamtliche Unterstützung der Malteser

und natürlich den finanziellen Beitrag der Spender.

Ein herzliches Vergelt’s Gott! Jede Spende hilft, den

Kindern viel Freude, Gemeinschaft, Glück und therapeutische

Betreuung zu schenken.

Mit Ihrer Spende können wir Kinder wieder

zum Lachen bringen. Bitte unterstützen Sie

unsere Arbeit und unsere Reitcamps durch Ihre

Spende! DANKE!

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800

BIC: GIBAATWWXXX, Erste Bank

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar!

DIE MALTESER 2/2019 45


INTEGRATION DURCH MITREDEN

UND MITGESTALTEN

Der Lehrgang „Empowerment für junge Christen mit Migrationshintergrund – Mitreden und Mitgestalten in Österreich“

wurde von Jan Ledochowski, einem MALTESER Ordensmitglied sowie Präsident der Plattform Christdemokratie, gegründet.

In Kooperation mit den MALTESERN ist auch asylberechtigten Christen die Teilnahme möglich.

Von Jan Ledochowski

Neben der Förderung der Integration steht die gelebte

„Tuitio fidei“, also die Bezeugung des Glaubens, als wesentlicher

Bestandteil der Spiritualität des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens und seiner Hilfswerke im Vordergrund.

Gestartet ist der von Jan Ledochowski gegründete

Lehrgang am 29. März 2019 mit 17 Teilnehmenden aus

den unterschiedlichsten Ländern, teils in Ausbildung, teils

berufstätig, teils asylberechtigt, teils bereits Staatsbürger,

teils in erster, teils in zweiter Generation in Österreich.

Mit dem Lehrgang werden zwei Ziele verfolgt: Erstens

wird den Teilnehmenden aus so unterschiedlichen Ländern

wie Syrien, dem Iran, Ägypten, Ghana, Armenien,

Polen, Litauen, der Slowakei und Rumänien die Chance

gegeben, Vorreiter einer gelungenen Integration in Österreich

zu sein. Zweitens soll auch Österreich von der

Dynamik dieser tief im Christentum und den überlieferten

Traditionen verankerten ersten und zweiten Generation

von christlichen Einwanderern profitieren.

An sieben Wochenenden setzen sich die Teilnehmenden

mit allen wichtigen Feldern der Politik auseinander und

durchlaufen ein Rhetorik-Training. Dabei werden sie

von herausragenden Vortragenden wie Bernhard Bonelli

(Kabinettschef unter Bundeskanzler Sebastian Kurz),

Winfried Pinggera (Generaldirektor der Pensionsversicherungsanstalt)

oder Peter Launsky-Tieffenthal (ehem.

Regierungssprecher) unterstützt.

Dazu Grasia Malki, 22, syrisch-orthodoxe Christin,

TU-Studentin und vor elf Jahren mit ihrer Familie aus

Syrien nach Österreich gezogen: „Ich komme aus einer

politisch sehr interessierten Familie. Meinen Eltern war

es immer wichtig, genau zu wissen, was um uns herum

passiert. Daher habe ich in dem Lehrgang die Möglichkeit

gesehen, von christlichen Politikern lernen zu

dürfen. Ich darf mich in diesem tollen Land weiterent-

46

DIE MALTESER 2/2019


MALTESERÖSTERREICH

wickeln, an mir arbeiten, studieren, meine Zukunft frei

gestalten und vor allem meine Religion ausüben. Daher

ist mein Beitrag, an Österreich das zurückzugeben, was

ich erhalte. Das ist nicht nur freies Denken, sondern auch

mein Engagement für die Kirche und das Christentum.“

„... wenn Ihr die Menschen mögt“

In den bisherigen Kurseinheiten haben sich die Teilnehmenden

mit den Fragen, was Politik ist, welche weltanschaulichen

Grundlagen die Parteien haben und wie das

politische System in Österreich funktioniert, auseinandergesetzt.

Sehr wertvoll war der Ratschlag von Nationalratsabgeordnetem

Karl Mahrer, dem ehemaligen Polizeikommandanten

von Wien: „Geht nur in die Politik,

wenn Ihr die Menschen mögt.“

Interkulturelles Miteinander

Noch wichtiger als der Wissenserwerb sind die Freundschaften,

die im Lehrgang geschlossen werden, das

gegenseitige Vertrauen, das zwischen Christen unterschiedlicher

Konfessionen und ethnischer Hintergründe

aufgebaut wird, sowie die Vernetzung mit Personen

des öffentlichen Lebens, die die jungen Menschen bei

ihrer Integration unterstützen.

Es bereitet große Freude, den Lehrgang zu begleiten,

die Begeisterung und das Interesse der Teilnehmenden

mitzuerleben. Wir von der Plattform Christdemokratie

sind davon überzeugt, dass Integration durch Verständnis

für die Strukturen, die Geschichte unseres

Landes und für unsere Politik, sowie durch ein gutes

rhetorisches Rüstzeug noch besser möglich ist und

dazu führt, dass sich die Teilnehmenden ihren Stärken

und Qualifikationen entsprechend beruflich etablieren

können.

DIE MALTESER 2/2019 47


XXXXX

ZIVILCOURAGE VON ANFANG AN

Hohe Anerkennung für das Volksschulprojekt „Ich kann Leben retten“: Das von der Stadt Wien finanzierte Erste-Hilfe-

Programm für Drittklässler wurde mit dem Österreichischen Sicherheitspreis ausgezeichnet.

Von Katharina Stögner

Das fünfte Schuljahr schon bieten die Malteser im Rahmen

der Präventionsplattform „Die Helfer Wiens“ gemeinsam

mit „Vier für Wien“, dem Verein „Puls“ und

der Medizinischen Universität Wien Erste-Hilfe-Kurse

an allen Wiener Volksschulen an. Nun wurde das gemeinsame

Projekt „Ich kann Leben retten“ in der Kategorie

„Sicherheitsprävention“ mit dem Österreichischen

Sicherheitspreis gewürdigt.

Seit der Gründung des Projekts wurden in rund 2.800

Vorträgen mehr als 60.000 Kinder in lebensrettenden

Maßnahmen geschult. Dazu kommen die Trainer direkt

in die Klassen. In zweistündigen Vorträgen lernen die

Schüler in kindgerechter Art, die Situation des Herz-

Kreislaufstillstandes richtig zu erkennen, den Notruf zu

wählen und bei Bedarf einen Erwachsenen um Hilfe zu

bitten. Es geht nicht zwingend darum, dass die Kinder

selbst die durchaus körperlich anstrengende Hilfe einer

Reanimation leisten. Vielmehr sollen sie die Scheu vor

Rettungsorganisationen und dem damit verbundenen

Hilferuf ablegen. Außerdem soll durch eigens entwickelte

Hausaufgaben die Thematik ins Elternhaus gebracht

werden, um den Wirkungsbereich zu vergrößern.

Multiplikationseffekt Elternkommunikation

Um die Nachhaltigkeit des Projekts zusätzlich zu steigern,

erhalten alle Klassen ein Plakat, das im Klassenzimmer

angebracht werden kann, sowie Flyer mit den Inhalten

des Vortrags. Die Flyer haben einen Abschnitt, der zuhause

mit den Eltern besprochen und ausgefüllt werden

kann. Mit dem ausgefüllten Abschnitt erhalten die Kinder

in der Schule den Ausweis „Ich kann Leben retten“.

Damit wird der Multiplikationseffekt des Themas „Leben

retten“ wesentlich erhöht, was soweit von den Schulen

und als auch den Eltern sehr gut angenommen wird.

Um die Fülle an Vorträgen und die Kommunikation mit

allen Beteiligten bewältigen zu können, wurde eigens

eine Buchungsplattform entwickelt. Sie ermöglicht es

den Schulen, den kostenlosen Vortrag zu buchen und

dabei auch gleich die erforderliche Administration der

Vorträge durchzuführen.

Hinschauen und helfen

Mit dem Projekt „Ich kann Leben retten“ tragen alle Beteiligten

zu einer Kultur des „Hinschauens und Helfens“

bei und fördern in hohem Ausmaß die Zivilcourage in

Wien. Die Zahlen sprechen für sich: Die Überlebens-

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DIE MALTESER 2/2019


MALTESERÖSTERREICH

rate von Herz-Kreislauf-Patienten betrug 2017 bereits

17 Prozent. Durch diese und andere Maßnahmen

konnte die generelle Überlebensrate nach Herz-Kreislauf-Stillständen

in den letzten Jahren von 10 Prozent

auf über 20 Prozent mehr als verdoppelt werden.

Nähere Informationen:

http://erstehilfe.diehelferwiens.at/home/login

Erste Hilfe kann Leben retten!

Gibt es einen Herz-Kreislauf-Stillstand (Herz hört auf

zu schlagen), wirkt sich jede Minute, jede Sekunde,

bis medizinische Hilfe eintrifft, direkt auf die Überlebenschance

des Patienten aus. Idealerweise gibt es

Ersthelfer vor Ort, die bis zum Eintreffen der Rettung

mit Herzdruckmassage und Defibrillator wichtige

Vorarbeit leisten können.

WEIL NÄHE ZÄHLT UND VERBINDET

Von Andrea Rauch

Mit unserem Mai-Ausflug nach Maria Laubegg durften

wir unseren Betreuten in der Steiermark nun schon zum

vierten Mal besondere Momente und Freude schenken.

Die mittlerweile schon traditionelle Wallfahrt ist für

unsere Betreuten eine Fahrt ins Grüne mit spirituellem

Hintergrund und vielen kleinen Details, die wir gemeinsam

mit Familie und Freunden zu einem großen Ganzen

zusammenstellen. Das Ziel: Menschen, denen es nicht

so gut geht, am Ende des Tages glücklich zu sehen.

Wir begannen den Ausflug mit einer rhythmisch gestalteten

Heiligen Messe in der Schlosskapelle Laubegg. Die

anschließende Marienandacht, die ursprünglich bei der

Mariengrotte geplant war, verlegten wir wegen des Regenwetters

kurz entschlossen in die Kapelle. Nach einem

ausgezeichneten Essen, zubereitet vom Küchenteam

des Schlosses, kam die Sonne wieder zum Vorschein.

So beschlossen einige von uns, doch noch einen kleinen

Spaziergang durch den Wald zur wunderschönen Mariengrotte

zu machen, um dort eine Andacht zu halten.

Beim Strudelfest, das zeitgleich im Schloss stattfand,

genossen wir danach Kaffee und Kuchen und staunten

über die handgefertigten Kunstwerke, die bei der Handarbeitsausstellung

der Frauenbewegung Ragnitz zu sehen

waren.

Wir danken allen sehr herzlich, die unseren Ausflug unterstützt

haben – allen voran Herrn Bürgermeister Rudolf

Rauch von der Gemeinde Ragnitz, Familie Treichler,

Familie Graupp und der Frauenbewegung Ragnitz.

DIE MALTESER 2/2019 49


MALTESERORDEN

ERSTER GEMEINSAMER RITTERTAG

Der Ritterliche Kreuzherrenorden mit dem roten Stern, der Souveräne Malteser-Ritter-Orden, der Johanniterorden, die

Familiaren der Ballei Österreich des Deutschen Ordens und die Komturei Wien des Ritterordens vom Heiligen Grab zu

Jerusalem kamen am 11. Mai zu einem Rittertag zusammen.

Zahlreiche Ritter und Damen des

Großpriorats von Österreich nahmen

unter der Leitung vonProkurator

Norbert Salburg-Falkenstein

an dieser Veranstaltung teil.

Dem gemeinsamen Hochamt in

der Karlskirche stand der Hochmeister

des Deutschen Ordens,

P. Frank Bayard OT, vor. Anschließend

gab es eine Informationsveranstaltung

und eine Agape im

Kreuzherrenpalais.

DELEGATIONEN DES SOUVERÄNEN

MALTESER-RITTER-ORDENS

Die Delegationen des Großpriorats von Österreich haben die Aufgabe, die religiösen und karitativen Ziele des Ordens in

den Bundesländern zu verwirklichen.

Von Richard Steeb und Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn

Ihnen steht jeweils ein Delegat vor, der von der Delegationsversammlung

gewählt wird und nach der Bestätigung

des Prokurators seine Tätigkeit aufnimmt.

Der Delegat leitet die Ordensmitglieder in seiner Delegation

mit der Unterstützung eines Delegationsrates

und des Delegationskaplans. Er organisiert die Gebetsabende,

Treffen, Dienste und Veranstaltungen, fördert

die Ordensberufe und ist für die Ausbildung der Aufnahmekandidaten

zuständig. Einmal jährlich legt er in

der Delegationsversammlung Bericht über den geistlichen

und weltlichen Stand der Delegation ab.

50

DIE MALTESER 2/2019


MALTESERORDEN

Delegationen Wien, Oberösterreich und Tirol unter

neuer Leitung

Markus Pejacsevich,

B.A. wurde vom Prokurator

am 14. November

2018 zum Delegaten von

Wien und Niederösterreich

bestellt, nachdem

er in der Delegationsversammlung

vom 13.

November 2018 mit großer

Mehrheit gewählt.

Markus Pejacsevich ist

verheiratet, studierte in

Buckingham und arbeitete in Buenos Aires, in London

und in Kroatien. Er ist nun selbständiger Unternehmer

im Finanz- und Beratungsbereich in Wien und an einigen

Firmen operativ beteiligt. Schon lange karitativ tätig,

engagierte er sich als Mitorganisator des Friedensgebetes

im Stephansdom und im Verein „Mary‘s Meals

– Schulernährung für hungernde Kinder“. Er ist seit

2014 Ordensmitglied und war auch Mitglied im Delegationsrat.

DDr. Johannes (Hans) Brücke wurde nach der Wahl

in der Delegationsversammlung vom 16. März am

25. März 2019 zum Delegaten von Oberösterreich bestellt.

Johannes Brücke

ist verheiratet und Vater

von drei Kindern. Seine

Schulausbildung absolvierte

er in Wien, Boston

und Linz und studierte

danach Medizin und

Zahnmedizin in Wien

und Graz. Nach der Ausbildung

zum Facharzt für

Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

sowie für

Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und einer Praxiszeit

in den USA, Schweden und Deutschland eröffnete

er 1997 seine Privatpraxis in Linz. Seit 2000 auch Notarzt,

engagierte er sich ab 2009 im Malteser Hospitaldienst

und wurde 2012 Bereichsarzt in Oberösterreich.

DDr. Brücke wurde im Juni 2013 als Ordensmitglied

aufgenommen und legte im Februar 2019 seine Promesse

zum Obödienzritter ab.

Verena Trentini

Mit Wirkung vom 5. April

2019 hat der Prokurator

des Großpriorats von

Österreich, Norbert Salburg-Falkenstein,

Gratialund

Devotionsdame in

Obödienz Verena Trentini

zum Delegaten der Delegation

Tirol und Vorarlberg

ernannt.

Verena Trentini ist seit 1972 Mitglied des Malteser

Hospitaldienstes Austria sowie seit 1986 Ordensdame

und war bis zu ihrer Ernennung Stellvertreterin des

Delegaten Dr. Ulrich Paumgartten.

Nicht nur ihre Berufung als Malteserin, sondern auch

ihr Beruf als Physiotherapeutin (mittlerweile im Ruhestand)

war geprägt von der Vorgabe unserer Ordensgründer

„Ein jeder solle so aufgenommen werden, als

sei es der HERR selbst“ (Ordensregel 1113).

Durch Zeit spenden, Zuwendung, Zuhören – in enger

Zusammenarbeit mit dem Bereich Tirol der Malteser

wird die Delegation Tirol weiterhin das Elend geringer,

das Leid erträglicher machen.

Möge Gottes Segen uns alle begleiten!

DIE MALTESER 2/2019 51


XXXXX

DAS ZENTRUM FÜR MENSCHEN

IM ALTER ÖFFNET SEINE TORE

Im Zuge der Eröffnung des „Zentrums für Menschen im Alter“ der Elisabethinen in Wien-Mitte im Mai 2019 wurde auch die

Baustelle des neuen MALTESER Ordenshauses gesegnet.

In zentraler Lage mitten in Wien entsteht, wie schon berichtet,

das neue Ordenshaus des Souveränen Malteser-

Ritter-Ordens. Dazu werden im Konvent der Elisabethinen

in neu renovierten barocken Räumen und durch

einen modernen Zubau Wohn- und Pflegeräumlichkeiten

für bis zu 80 Bewohner entstehen.

Gemeinsamer spiritueller Standort

Das neue Malteser Ordenshaus wird ab Weihnachten

2020 die Aufgaben des derzeitigen Wohnheims Haus

Malta in der Bürgerspitalgasse übernehmen. Ab 2021

ist es auch für weitere Bewohner geöffnet. Das neue Ordenshaus

wird gleichzeitig für den Malteser Hospitaldienst

und andere Werke des Ordens ein gemeinsamer,

aktiver und spiritueller Standort sein.

Er bietet älteren Menschen eine Vielzahl an Möglichkeiten

zu sozialen Kontakten und Betätigungen. Angefangen

von einem Tageszentrum über zahlreiche kreative

Angebote bis hin zu medizinischer Versorgung, Therapie-,

Pflege- und Behandlungsmöglichkeiten in Zusammenarbeit

mit dem „Zentrum für Menschen im Alter“ wird

hier ein ganzheitliches Konzept realisiert.

Lebensraum mit starken Wurzeln

In diesem Sinne wurde nun das „Zentrum für Menschen

im Alter“ – getragen von den Elisabethinen Wien-Mitte

in Kooperation mit dem Franziskus Spital und dem

Malteser Ordenshaus – eröffnet. Dieses Zentrum deckt

die Bereiche „Gesundheit im Alter“, „Therapie im Alter“

und „Wohnen im Alter“ ab – alles verbunden durch das

spirituelle Angebot der Elisabethinen. Insgesamt entsteht

ein reichhaltiges Angebot verschiedenster Versorgungsstufen

und Therapiemethoden. Auch ein Hospiz

ist zur Begleitung in der letzten Lebensphase geplant.

Ein wichtiger Meilenstein

„Wir schauen auf die Bedürfnisse der Menschen unserer

Zeit, entwickeln passende Antworten auf diese Fragen

und setzen sie gemeinsam mit verlässlichen Partnern in

die Tat um“, fasst Sr. M. Barbara Lehner, Generaloberin

und Geschäftsführerin der Elisabethinen Linz-Wien, das

Credo der Elisabethinen zusammen. Das Thema Pflege

und Versorgung im Alter ist schließlich eine der größten

Herausforderungen, die Österreich im Sozial- und Gesundheitsbereich

zu bewältigen hat. Die Neueröffnung

des Zentrums ist ein wichtiger Meilenstein in der Versorgung

und Pflege älterer Menschen in Österreich.

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DIE MALTESER 2/2019


XXXX

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#glaubandich

DIE MALTESER 2/2019 53


MALTESERORDEN

ZWEI ÖSTERREICHER IN DER NEUEN

MALTESER-ORDENSREGIERUNG

Unter dem Vorsitz von Großmeister Fra‘ Giacomo Della Torre del Tempio di Sanguinetto trat Anfang Mai in Rom die oberste

Ordensversammlung des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens zusammen.

Das Generalkapitel tagt regelmäßig alle fünf Jahre, um

die Mitglieder des Souveränen Rates, also der Ordensregierung,

sowie des Regierungsrats und der Rechnungskammer

zu wählen. Außerdem wird über die wichtigsten

Ziele des Ordens, seine geistliche und materielle Lage,

seine Werke und seine internationalen Beziehungen beraten.

Auch Änderungen der Verfassung oder des Codex

des Ordens unterliegen der Beschlussfassung dieses

höchsten Ordensgremiums.

Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn

Im Zuge des diesjährigen Generalkapitels vom 1. und 2.

Mai 2019 in der Villa Malta auf dem Aventin in Rom wurden

zahlreiche neue Mitglieder in die Ordensregierung

berufen. Mit Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn (70) wurde

– nach dem Tiroler Rechtsanwalt Bailli Fra’ Dr. Ludwig

Hoffmann-Rumerstein als Großkomtur – wieder ein

Ordensmitglied aus Österreich in die neue Ordensregierung

gewählt. Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn lebt in

Lans und ist pensionierter Tiroler Landesbeamter. Nach

dem Tod seiner Frau im Jahr 2007 verspürte der fünffache

Familienvater, der seit 1970 für die Malteser in zahlreichen

Funktionen freiwillig und ehrenamtlich tätig

ist, seine Berufung zum Professritter. Am 21. Juni 2013

legte er seine Ewige Profess im Souveränen Malteser-

Ritter-Orden ab, ist seit 2014 der für die Koordinierung

der Hilfswerke zuständige Hospitalier und Mitglied im

Kapitel des Großpriorats von Österreich.

Regierungsrat Olivier Loudon

Mit Olivier Loudon (61) wurde ein weiterer, höchst engagierter

Österreicher in den Regierungsrat berufen.

Bisher hatte dem Regierungsrat der gebürtige Steirer

Bailli Dr. Franz Harnoncourt-Unverzagt angehört. Olivier

Loudon ist derzeit in zwei Start-ups beruflich engagiert

und war zuvor lange im leitenden Management von

3M Österreich tätig. Er ist ehrenamtlicher Geschäftsführer

der Malteser Kinderhilfe in Amstetten und langjähriges

Mitglied im Kapitel des Großpriorats. Die Arbeit der

Malteser in Österreich hat er als Delegat von Wien und

Niederösterreich (1999–2010) sowie als Kommandant

des Malteser Hospitaldienstes Austria (2010–2017) wesentlich

mitgeprägt.

Prokurator Norbert Salburg-Falkenstein zeigte sich über

die Wahl zweier so kompetenter Österreicher in so wichtige

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DIE MALTESER 2/2019


XXXX

Funktionen im Gesamtorden hoch erfreut. Mit Dr. Ulrich

Glaunach, dem Präsidenten des Kommunikationsbüros

des Gesamtordens, sind nun insgesamt sogar drei österreichische

Ordensmitglieder auch in Rom tätig.

Wir wünschen den neu bestellten Funktionären der Ordensregierung,

des Regierungsrats und der Rechnungskammer

sowie unseren Ordensmitgliedern für ihre wichtigen

neuen Aufgaben im Orden viel Kraft und Gottes Segen.

DIE NEUE REGIERUNG DES SOUVERÄNEN MALTESER-RITTER-ORDENS

Großkomtur Fra’ Ruy Gonçalo do Valle Peixoto de Villas Boas (Portugal)

Großkanzler Bailli Albrecht Freiherr von Boeselager (Deutschland)

Großhospitalier Dominique Fürst de La Rochefoucauld-Montbel (Frankreich)

Großrezeptor János Graf Esterházy de Galántha (Ungarn)

Fra’ John T. Dunlap (Amerika)

Fra’ Emmanuel Rousseau (Frankreich)

Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn (Österreich)

Fra’ Roberto Viazzo (Italien)

Bailli Winfried Graf Henckel von Donnersmarck (Schweiz)

Botschafter Mauro Bertero Gutiérrez (Bolivien)

REGIERUNGSRÄTE

Peter Szabadhegÿ de Csallöközmegyercs

Olivier Loudon

Francis Joseph McCarthy

Patrick Jabre

Lady Celestria Hales

José Maria Coello de Portugal

RECHNUNGSKAMMER

Dominicus Freiherr von und zu Mentzingen

Gérald Berger

Paolo Fabris de Fabris

Niels Carl A. Lorijn

Justin S. Simpson

DIE MALTESER 2/2019 55


MEDIZINAKTUELL

AGEISM:

„GEMEINSAM ALT WERDEN“

In einer Gesellschaft mit Jugendwahn haben es ältere Menschen nicht leicht. Deshalb sollte

man sich schon während des Berufslebens auf die Pension vorbereiten.

Reflexionen eines Alternsforschers.

Von Georg Wick

Im Englischen gibt es viele Beispiele dafür, dass ein

komplexer Sachverhalt in einem kurzen, prägnanten

Begriff verpackt werden kann. „Ageism“ ist ein solches

Wort, das in Deutsch mit dem viel sperrigeren und nicht

ganz kongruenten Ausdruck „Altersdiskriminierung“

übersetzt werden kann. Das angelsächsische „Ageism“

umfasst aber nicht nur die Tatsache der Diskriminierung

alter Menschen in unserer Jugend-orientierten

Gesellschaft, sondern noch viele andere Aspekte des

Älterwerdens, unter anderem auch das oft verminderte

Selbstwertgefühl alter Menschen, für die der frühere

Sinn des Lebens verloren gegangen ist. Zum Zeitpunkt

des Verfassens dieses Essays trete ich gerade in mein

achtzigstes Lebensjahr ein – bin also mit dieser Thematik

persönlich konfrontiert, und mache mir bei einsamen

Schneeschuhwanderungen Gedanken über meine

eigenen Erfahrungen mit „Ageism“.

In meinem Fall besteht außerdem die spezielle Situation,

dass ich ein Wissenschafter bin, der sich beruflich

mit der Alternsforschung, Gerontologie, beschäftigt

und auch als Herausgeber von „Gerontology“, der ältesten

Zeitschrift auf diesem Fachgebiet, fungiert. Ich

werde also nicht nur mit meinem eigenen Alterungsprozess

und meiner eigenen Reaktion darauf sowie der

Reaktion meiner Umgebung auf meine altersbedingten

Veränderungen konfrontiert, sondern habe täglich mit

Spitzenforschung auf allen Gebieten der Gerontologie

zu tun. Wie kam es dazu, dass heute alte Menschen den

Eindruck haben, diskriminiert zu werden, oder wirklich

Diskriminierungen ausgesetzt sind? Im Folgenden

möchte ich versuchen, einigen der Ursachen des

„Ageism“ auf den Grund zu gehen.

Phasen des menschlichen Lebens

Im Jahr 1900 war die mittlere Lebenserwartung in Österreich

– für Frauen und Männer kombiniert – 49 Jahre.

2018 betrug sie für Frauen, das heißt jetzt geborene

Mädchen, 86,2 Jahre, für Männer 81,4 Jahre. Ein

Hauptgrund für dieses Phänomen war allerdings die um

die vorletzte Jahrhundertwende noch sehr hohe Kindersterblichkeit,

die seither durch verbesserte medizinische

und sozioökonomische Lebensumstände auf ein Minimum

abgesunken ist. Vor allem Impfungen und Hygiene

haben aus medizinischer Sicht dazu beigetragen. Aber

selbst unter Berücksichtigung dieser Tatsache haben damals

die meisten arbeitenden Menschen nach dem eventuellen

Erreichen des Pensionsalters nicht mehr sehr viele

Lebensjahre im Ruhestand vor sich gehabt.

Heute leben die Menschen also nicht nur länger, sondern

gehen – paradoxerweise – auch früher in Pension

als um 1900. Sie haben also nach dem Ende ihrer beruflichen

Tätigkeit im Schnitt noch circa 20 Lebensjahre

vor sich. Soziologen teilen das menschliche Leben

in vier Phasen ein: Das sogenannte erste Alter umfasst

den Zeitraum von der Geburt bis zum Abschluss der

Ausbildung, das zweite Alter den Zeitraum der Berufstätigkeit.

Das dritte Alter ist jener Abschnitt nach dem

Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, das wir heute durch

die oben erwähnten zivilisatorischen Errungenschaften

meist noch in guter geistiger und körperlicher Verfassung

erleben. Und das vierte Alter ist jenes, in dem

der Mensch mit zunehmend ernsteren Beschwerden

konfrontiert ist und schließlich stirbt. Wir wünschen

uns natürlich alle, dass das vierte Alter möglichst kurz,

schmerzlos und würdevoll verläuft. Ein wesentlicher

56

DIE MALTESER 2/2019


MEDIZINAKTUELL

Faktor für ein „gutes, erfolgreiches“ Altern ist aber die

bewusste Gestaltung des dritten Alters. Und dafür ist

es unumgänglich, sich bereits im zweiten Alter auf das

dritte vorzubereiten. In den meisten Fällen fehlt es aber

an einer derartigen Lebensstrategie, und viele Pensionisten

fallen plötzlich in ein tiefes, durch mangelndes

Selbstwertgefühl bedingtes Loch. Hier spielt die lebenslange

Einstellung zur Arbeit natürlich eine wesentliche

Rolle. Es gibt nämlich viele Menschen, die nur arbeiten,

um Geld zu verdienen und damit das eigentliche Leben

in die Freizeit verlagern. Aus dieser Ecke kommen dann

zwar lustig gemeinte, aber dem „Ageism“ natürlich zuträgliche

Sprüche wie „Arbeitest Du noch oder lebst Du

schon?“ (Helen Duphron).

Studien haben gezeigt, dass längeres Arbeiten

nicht nur volkswirtschaftliche Vorteile bringt,

sondern auch die beste Möglichkeit bietet,

gesund und aktiv älter zu werden.

Diese relativ große Gruppe von Alten hat – aus welchen

Gründen auch immer – den ursprünglichen Beruf verfehlt,

trägt in den Augen der Jüngeren nichts oder nicht

mehr viel zum Wohl der Gesellschaft bei und darf sich

über Altersdiskriminierung nicht wundern. Sie kann

jüngeren Mitgliedern auch nur schwer erklären, warum

sie ein gleichwertiges, unterstützenswertes Segment der

Bevölkerung darstellen sollte. Eine zweite Gruppe umfasst

jene Menschen, die um der Karriere willen arbeiten,

also um irgendwann irgendwohin zu kommen. Die

Alten aus dieser Gruppe sind besonders gefährdet, im

höheren Alter einen Sinn- und Werteverlust zu erleiden,

da der beruflich erreichte Status von einem Tag auf den

anderen verloren gegangen ist. Hier ist es vor allem die

Enttäuschung über die schnelllebige Zeit, die die Bruchstellen

zwischen der vorstürmenden Aktivität der Jungen

und der Frustration der Alten so offensichtlich zu

Tage treten lässt und dem „Ageism“ in die Hände spielt.

Bei einer dritten – allerdings der kleinsten – Gruppe

handelt es sich um Menschen, die den Beruf als Berufung

auffassen, also eine Tätigkeit, die man um ihrer

selbst willen ausübt. Wie in den anderen beiden Gruppen

findet man solche Menschen in allen Berufen, aber

diese Mentalität ist bei Wissenschaftern und Künstlern

in besonders hohem Maße anzutreffen. In dieser Gruppe

befinden sich auch die meisten Menschen, die bis ins

hohe Alter ihrer beruflichen Leidenschaft frönen und

noch viel zum eigenen Wohl und dem der Allgemeinheit

beitragen. Auch Probleme des „Ageism“ sind hier seltener

zu beobachten – sowohl hinsichtlich des Selbstwertgefühls

als auch der Anerkennung durch die Jungen.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass längeres

Arbeiten nicht nur volkswirtschaftliche Vorteile – etwa

durch Einsparungen auf dem Pensionssektor – bringt,

sondern auch die beste Möglichkeit bietet, gesund

und aktiv älter zu werden. Das komplexe Problem des

„Ageism“ erfordert natürlich die Einbeziehung zahlreicher

anderer kultureller Faktoren, aber die Einstellung

zur Arbeit und die daraus resultierende Gestaltung des

dritten Lebensalters stellt einen der wichtigsten Grundpfeiler

für künftige Diskussionen über dieses wichtige

Thema dar.

Kristalline Intelligenz

Angesichts der auf alle Gesellschaften zukommenden

Überalterung muss daher eine neue „Philosophie der

Arbeit“ entwickelt werden, die vor allem auch die Umstände

berücksichtigt, die durch die zunehmende Technisierung

verschiedenster Arbeitsprozesse geschaffen

werden. Jeder einzelne Mensch bewältigt das tägliche

Leben durch Verwendung seiner kristallinen Intelligenz,

also des auf seiner „Festplatte“ gespeicherten Verfügungswissens,

sowie seines Orientierungswissens,

das immer neu durch fluide Intelligenz erworben wird.

Genauso sollten auch die sogenannten Alten in der Gesamtgesellschaft

als deren kristalline, auf Erfahrung

beruhende, Intelligenz betrachtet werden, während die

Jungen unser fluides Orientierungswissen darstellen,

das in hohem Tempo laufend „upgegradet“ wird. Für

eine gemeinsame Zukunft werden wir beides brauchen.

Aber wir müssen zur gesamten Gesellschaft auch im Alter

noch einen aktiven Beitrag leisten.

Der Autor ist em. o. Prof. an der Universität Innsbruck und

war Gründungsdirektor des ÖAW-Instituts für Biomedizinische

Alternsforschung sowie Präsident des FWF

Quelle: „Die Furche“ vom 10. Jänner 2019

DIE MALTESER 2/2019 57


GELESENEMPFOHLEN

VOM SCHWERT

ZUR CARITAS

Im Mittelalter trugen die geistlichen Ritterorden die Hauptlast der Verteidigung des christlichen

Westens. Durch den aktuellen Kampf gegen islamistische Bedrohungen ist dieses

Thema wieder stärker ins öffentliche Interesse gerückt.

Von Richard Mischak

Das Buch beschränkt sich auf die Zeit vom 12. bis zum

14. Jahrhundert und beschreibt die drei großen Orden

des Heiligen Landes: Die Tempelritter, die Johanniter

und den Deutschen Orden. Den Schwerpunkt legt Autor

Georg Hinterleitner, ein Spezialist für mittelalterliche

Geschichte, auf die militärische Organisation dieser

Orden. Andere Aspekte, wie der karitative, der sozialpolitische,

der machtpolitische, der wirtschaftliche und

der kulturelle, werden nur erwähnt, soweit es für die

militärische Kultur wesentlich ist.

Durch ihre Bräuche, Symbole und Riten unterschieden

sich die Ritter deutlich von den anderen Bevölkerungsschichten

des Mittelalters, ihre gesellschaftliche Stellung

hing von ihrem militärischen Erfolg ab. Sie trachteten

nach Kriegsruhm und nahmen an Turnieren teil,

um dort ihre Kampfkraft zu beweisen. Eine Reihe von

wichtigen Schlachten wurde von den Rittern ausgefochten

– etwa die Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen

im Jahr 1278.

Zwischen Papst und Kaiser

Das Buch erläutert unter anderem die Ordensregeln für

den Waffendienst. Die verschiedenen Orden agierten

getrennt, was nach dem Verlust des Heiligen Landes

besonders deutlich wurde. Das letzte Kapitel beschreibt

die Beziehung zum Papst und die Beziehung der Orden

untereinander. Im Falle politischer Streitigkeiten

erwartete der Papst, dass die Ritterorden seine Partei

einnahmen und nicht die des Kaisers.

Die Beziehungen der Orden untereinander waren zwiespältig.

Militärisch gesehen gab es wenig Zusammen-

arbeit. Darüber hinaus waren Streitigkeiten mit den

Genuesen, den Venetianern und den Pisanern an der

Tagesordnung. Neue Formen der Kriegsführung ab dem

15. Jahrhundert haben die Funktion der Ritterorden

verändert. Durch das Aufkommen der Feuerwaffen verloren

die Panzerreiter und die Söldnerheere an Bedeutung,

die Infanterie wurde immer wichtiger. Die Ritterorden

wandelten sich zu weltlichen Fürstentümern und

übernahmen neue Aufgaben.

Georg Hinterleitner, Die militärische Kultur der geistlichen

Ritterorden, LIT Verlag 2016, 138 Seiten,

ISBN: 978-3-643-50747-1, 29,90 Euro

GRATIS,

aber leider nicht

kostenlos.

Liebe Leserinnen und Leser,

Die MALTESER“ ist traditionell gratis und

soll es auch bleiben. Denn es ist uns ein Anliegen,

Sie über unsere Arbeit umfassend zu informieren.

Doch die Produktion und der Versand sind leider

nicht kostenlos. Bitte unterstützen Sie uns.

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58

DIE MALTESER 2/2019


GELESENEMPFOHLEN

MISSION POSSIBLE!

Eine Mission, die nicht trennt, sondern vereint: Das ist das Ziel von Autor Otto Neubauer, dem Leiter der Akademie für

Dialog und Evangelisation in Wien und Verfasser des Buches mit cineastischem Titel.

Von Hannah Flachberger

Die Mitstreiter könnten unterschiedlicher nicht sein: Der

berühmte Autor von „Ziemlich beste Freunde“ genauso

wie die engagierte Wiener Pfarrgemeinderätin, die agnostische

Berliner „Zeit“-Journalistin wie der ungarische

Friseur, der Lifeball-Gründer wie der Kardinal, der haftentlassene

Maler und Anstreicher wie die Leiterin einer

Jüngerschafts-Schule, der geflüchtete Muslim wie der katholische

Priester.

Es ist ein praktisches Handbuch und zugleich ein ganzes

Programm, das Atheisten und Gläubige in den Dialog

über Gott und die Welt bringt. Es ist klar strukturiert mit

zehn Fragen, zehn Antworten, zehn Aufgabenstellungen

und vielen konkreten Beispielen.

Die

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3-4/2018

Spatenstich:

MALTESER Ordenshaus – Wohnen wie Zuhause

Wirtschaft hilft – Das Wirken von Engeln

Ausgabe 1/2019

MALTESER-Pilgerfahrt ins Heilige Land

20. MALTESER Wildwassercamp

Die Malteser-Zeitung 21_11 ok.indd 1 23.11.18 14:00

Welttag der Armen

Integration durch Empowerment

Die Malteser-Zeitung 1_2019_End-ok.indd 1 19.03.19 16:27

Spenden an den

MALTESER Hospitaldienst

sind von der Steuer absetzbar!

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 2/2018

80. Großmeister: Fra` Giacomo Dalla

Torre del Tempio die Sanguinetto

Libanon: Karawane der Nächstenliebe

„Gaudete et exsultate“

Falls Sie, Ihre

Freunde oder Ihre

Familie über unsere Arbeit

informiert werden wollen,

senden wir Ihnen die Zeitung

gern regelmäßig zu.

Die Malteser-Zeitung 2_2018_2806_ok.indd 1 29.06.18 07:45

Senden Sie einfach eine

E-Mail an:

zeitung@malteser.at

Persönlich und gleichzeitig gemeindeerprobt

Den Gemeinden, Pfarren und Diözesen dient das Buch als

ein Handwerkszeug, mit dem man auch selbstständig vor

Ort eine Schulung durchführen und damit ein konkretes

Projekt in der Gemeinde umsetzen kann. Es eignet sich

aber auch einfach als persönliches Nachschlagewerk für

eine zeitgerechte Mission zum Schmökern und Sich-inspirieren-lassen.

„Mission heißt für mich zuerst: echtes, leidenschaftliches

Interesse am Menschen. Otto Neubauer lebt dieses Abenteuer

der Begegnung mit einer mich immer neu überraschenden

Frische und Lebendigkeit. Wie spannend das

sein kann, davon zeugt dieses Buch. Es ist ansteckend“,

so Kardinal Christoph Schönborn.

Otto Neubauer, Mission Possible – Praxis-Handbuch für

Dialog und Evangelisation, Herder Verlag 2018, 288 Seiten,

ISBN: 978-3-451-38521-6, 25,00 Euro

DIE MALTESER 2/2019 59


GELESENEMPFOHLEN

LEHRREICH UND ÜBERSICHTLICH

Von Juristen für Juristen, aber nicht nur: Eine soeben als Buch erschienene Masterarbeit beleuchtet

die rechtlichen Charakteristika des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens.

Von Richard Steeb

Mit Unterstützung des Großpriorats wurde die Masterarbeit

von MMag. Florian Schwetz, LLM, unter dem Titel:

„Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden – Eine kirchenund

staatsrechtliche Betrachtung“ verlegt. Die Arbeit

geht einerseits auf die Besonderheiten des Ordens als

katholischer Laienorden ein und beschreibt andererseits

ein souveränes Völkerrechtssubjekt mit zahlreichen speziellen

Merkmalen. Dieses Buch bietet sowohl Juristen

und Theologen, aber auch allen Interessierten eine sehr

übersichtliche Lektüre. Es unternimmt eine umfassende

Betrachtung der staats- und kirchenrechtlichen Aspekte

des Eigenrechts des Ordens sowie seines jüngsten Reformprozesses.

Dazu Prokurator Norbert Salburg-Falkenstein: „Ohne

Wesentliches zu vergessen und ohne sich im Detail zu

verlieren, hat es der Autor geschafft, einen guten Überblick

über die Souveränität des Ordens zu geben. Er zeigt

seine staats- und kirchenrechtlichen Besonderheiten sowie

seine Eigenrechte auf und legt auch die karitativen

Werke des nach wie vor stetig wachsenden, weltweit agierenden

Ordens dar.

Dank guter Recherche wurden auch

die rezenten Ereignisse, die dem

Souveränen Malteser-Ritter-Orden

eine große Publizität eingebracht

und zur Einleitung eines

Verfassungs-Reformprozesses geführt

haben, ebenso objektiv dargestellt.

Ich empfehle diese gut geschriebene und klar

strukturierte Arbeit sehr zur Lektüre. Wer sie liest, wird

die rechtlichen Zusammenhänge, den religiösen Charakter,

das Charisma und die Identität unseres Ordens

besser verstehen können.“

Das Buch kann direkt über den Malteser-Orden bezogen

werden. Bestellungen per E-Mail an smom@malteser.at

oder telefonisch unter +43 1 512 72 44.

Nähere Informationen:

www.malteserorden.at/ueber-uns/literatur/

Florian Schwetz, Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden – Eine

kirchen- und staatsrechtliche Betrachtung, Jan Sramek Verlag

2019, 204 Seiten, ISBN: 978-3-7097-0194-2, 49,90 Euro

CLUB NIEDERÖSTERREICH

SPENDE FÜR DIE MALTESER KINDERHILFE

Mit einer Spende von 2.000 Euro im Gepäck besuchten

Club Niederösterreich-Präsident Landeshauptmann

a. D. Erwin Pröll und Geschäftsführerin Theres Friewald-Hofbauer

am 21. März 2019 die Malteser Kinderhilfe

in Amstetten. Dort wurden sie nicht nur herzlich

empfangen, sondern auch durch das wunderbare Haus

geführt und mit dem beeindruckenden Wohn- und Pflegekonzept

vertraut gemacht.

Erwin Pröll war dermaßen von der wohnlichen Atmosphäre,

der liebevollen Betreuung und der auf Würde

und Wertschätzung basierenden Philosophie des Hilde

Umdasch Hauses begeistert, dass er spontan eine weitere

Spende des Clubs Niederösterreich an die Malteser Kinderhilfe

in Aussicht stellte.

Der Club Niederösterreich wurde 1980 als überparteiliche

Interessengemeinschaft für den ländlichen Raum

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DIE MALTESER 2/2019


TAGEBUCH

MARILDA THUN-HOHENSTEIN

ZUM 95. GEBURTSTAG

Von Georg Male

In (trotz 75-jährigen Tabakkonsums) großer Frische und bei bester

Laune feierte Marilda Thun-Hohenstein am 13. April 2019 in

Maria Plain bei Salzburg ihren 95. Geburtstag. Die Malteser haben

ihr viel zu verdanken, erwarb sie sich doch in leitenden Funktionen

in mehreren Werken und Einrichtungen des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

große Verdienste: Ganz entscheidend prägte sie

zwischen 1977 und 1998 den Malteser Betreuungsdienst, der unter

ihrer Leitung deutlich anwuchs und den sie maßgeblich prägte. Im

Malteser Hospitaldienst trug sie gleichzeitig von 1977 bis 1981 als

Damenleiterin die oberste Verantwortung für alle weiblichen Mitglieder.

Doch damit nicht genug: Ab Mitte der 1980er-Jahre engagierte sich

Marilda Thun-Hohenstein in der Planungs- und Errichtungsphase

für das spätere Haus Malta und blieb nach dessen Eröffnung 1990

noch jahrelang verantwortlich für die Organisation und die Aufnahme

neuer Bewohner. 1987 in den Souveränen Malteser-Ritter-

Orden aufgenommen, durfte sie sich bereits 1991 über die Rangerhöhung

zur Ehren- und Devotions-Großkreuzdame freuen. Ihre

zupackende, offene, manchmal direkte Art ist Generationen von

Maltesern höchst lebendig in Erinnerung. Und selbst im hohen Alter

ist sie stets bestens informiert und begleitet uns Malteser ebenso

wie die Kirche und die Welt insgesamt mit wachen und kritischen

Augen. Wir wünschen weiterhin Gottes Segen!

gegründet und versteht sich als Plattform und Ideenbörse

für Information und Diskussion, als Stimme für

den Dialog zwischen Stadt und Land, als Wegbereiter

für kulturelles Schaffen und als Initiator sozialen

Engagements.

Die Spende an die Malteser Kinderhilfe ist ein Teil

des Erlöses, der beim 2. Benefiz Fußball-Golf-Turnier

des Clubs Niederösterreich im Juni 2018 im Diamond

Country Club Atzenbrugg erzielt werden konnte.

DIE MALTESER 2/2019 61


WIR TRAUERN UM

=

+ 18.05.2019

Herbert Hübel

Langjähriger Freund

der Malteser

+ 01.04.2019

Medizinalrat Dr. Gerhart Feucht*

Magistral-Großkreuz-Ritter

+ 17.04.2019

Eva Schmiedeck

Betreute des MHDA in der Steiermark

+ 19.05.2019

Mag. art. Liselotte Gräfin

von Spiegelfeld*

geborene Freiin von Sacken

Ehren- und Devotions-

Großkreuzdame

*Mit Mag. art. Liselotte Gräfin von Spiegelfeld und Medizinalrat Dr. Gerhart Feucht trauern wir um zwei ganz

maßgeblich an der Entwicklung der MALTESER in Österreich beteiligte Ordensmitglieder. Lesen Sie in der kommenden

Ausgabe über ihr Wirken und ihr unendliches Engagement im Sinne der christlichen Nächstenliebe.

Sanitätsdienste

Betreuungsdienste

Kinderhilfe

Betreuung

HIV-Betroffener

Rettungsdienste

Mobiler

Pflegedienst

Entlastungspflege

Palliativdienste

Seniorenwohn-

und

Pflegeheim

Mobile

24-Stundenpflege

Alten- und

Krankendienste

Wallfahrten

& Pilgerreisen

Katastrophenhilfe

Integrationshilfe

MALTESER

HELFEN. Dort, wo Not ist.

62

DIE MALTESER 2/2019


Termine 2019

JULI 2019

21 Wallfahrt Altötting MHDA

AUGUST 2019

1–4 21. Wildwassercamp MHDA

3–10 Int. Maltacamp München SMRO/MHDA

SEPTEMBER 2019

27–29 Bundesübung Steyregg MHDA/MI

29 3. Kinderhilfelauf Amstetten

MALTESER Kinderhilfe

OKTOBER 2019

5 Benefizlesung von Andrea Jonasson

im Haus Hofmannsthal MHDA/MBD

12 Caravaggio Benefiz-Preview MHDA

20 Wallfahrt Mariatrost Delegation Stmk

26–2.11 Reise nach Rhodos SMRO/MHDA

NOVEMBER 2019

11–17 Pilgerfahrt ins Heilige Land SMRO

16 Benefizball Graz Delegation Stmk

18 3. Welttag der Armen SMRO/MHDA

28–2.12 Straßensammlung Wien MHDA

30–1.12 Sammeln Halbturn MHDA

DEZEMBER 2019

7–8 Sammeln Halbturn MHDA

14 Punsch und Kekserlmarkt Amstetten

MALTESER Kinderhilfe

14–15 Sammeln Halbturn MHDA

Wiederkehrende Termine

Malteserkirche, Kärntner Straße 37, 1010 Wien

„Montag bei den Maltesern“ Hl. Messe, Predigt, Musik, Stille im Zentrum der Stadt, 12.00 Uhr

Hl. Messe mit Orgelmusik und Predigt Jeden ersten Sonntag im Monat, 10.00 Uhr

Feierliche Vesper mit Eucharistischem Segen Jeden Sonntag, 16.00 Uhr

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95

E: zentrale@malteser.at

I: www.malteser.at

Malteser International

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser-international.org

MALTESER Care

Helmut Lutz

T: +43 1 361 97 88 Fax 50

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)

E: office@mcr.or.at

I: www.malteser.care

MALTESER Kinderhilfe

Olivier Loudon

Mag. Petra Hellmich, MA

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

Haus Malta

Dir. Bogdan Norbert Bercal

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at

I: www.hausmalta.at

Johannesgemeinschaft

Marie Czernin

T: +43 1 512 72 44

E: info@jg-online.at

I: www.jg-online.at

DIE MALTESER 2/2019 63


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Caravaggio & Bernini

Private Preview

12. Oktober 2019

19.00–23.00 Uhr

Kunsthistorisches Museum Wien

Michelangelo Merisi da Caravaggio, Fra´ Antonio Martelli, 1608/09, Palazzo Pitti, Florenz

Nutzen Sie die exklusive Gelegenheit, zu den ersten Besuchern dieses beeindruckenden

visuellen Barockspektakels zu zählen. Eine vergleichbare Auswahl

herausragender Kunstwerke dieser Künstler wurde außerhalb Italiens bislang

nicht gezeigt.

Einführung durch die Kuratorin | Spezialführungen | Flying Dinner | Musik

Kartenpreis: EUR 250 pro Person

(davon EUR 150 als Sonder- bzw. Betriebsausgabe steuerlich absetzbar)

Reservierungen und Rückfragen unter

event@malteser.at oder 01 512 53 95

Eine Benefizveranstaltung zugunsten der

MALTESER und des KHM

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Souveräner Malteser-Ritter-Orden

MALTESER Austria

Großpriorat von Österreich

Bundeszentrale

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Katharina Stögner

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 72 44, F: +43 1 513 92 90

T: +43 1 512 53 95, F: +43 1 512 84 78

presse@malteser.at

zentrale@malteser.at

www.malteserorden.at

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Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2, 1010 Wien

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