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knv.marketing

KUDU

1


inhalt

Editorial 3

Petra Hartlieb –

Über den schönsten aller Berufe 4

13-Bücher-Fragen an

Root Leeb und Rafik Schami 6

Andreas Wunn, Mutters Flucht 8

Bücher zu Flucht, Vertreibung & Migration 12

Armstrong, Weltraum und 50 Jahre Mondlandung –

ein Interview mit Torben Kuhlmann 14

Bücher zu Mond, Mondlandung & Raumfahrt 16

Welle(n) in der Nacht – Radio Ankerherz 18

Bücher über das Meer 20

Simple? Simple! –

ein Kochversuch mit Patty Jabs 22

7x Kochen 1x Gin 24

Fremde Früchtchen –

Alarm im Supermarktregal 26

Nur Mut – lesen Sie mal ein Kinderbuch! 28

Kinderbücher für alle 30

Kinder- und Jugendbücher 32

Belletristik 36

Krimis 40

Sachbücher 42

Hörbücher 44

Bücher ohne Verfallsdatum 46

Besondere Bücher 48

Ein Foto und seine Geschichte –

Uwe Kalkowski, Der Sessel 50

Impressum 2

CARTOON

Bei den Buchbesprechungen

finden Sie kleine Icons, die

darauf hinweisen, dass dieser

Titel auch als

E-Book

und/oder Hörbuch

erhältlich ist.

impressum

KUDU – Lesemagazin

März 2019 / Auflage 20.000 Stück

Herausgeber:

Buchwert GmbH & Co. KG

Elpke 109 · 33605 Bielefeld

Geschäftsführer: Michael Rosch

buchwert-service.de

Chefredaktion: Thomas Schmitz (V.i.S.d.P.)

Lektorat: Anna Sophia Herfert

Herstellung:

Rheinische DruckMedien GmbH

rheinischedruckmedien.de

Mitwirkende:

Petra Hartlieb, Monika Hasemann (mh),

Dennis Hasemann (dh), Patty Jabs, Uwe Kalkowski,

Torben Kuhlmann, Root Leeb, Anika Neuwald (an),

Mareike Niehaus (mn), Mechthild Römer (mr),

Sandra Rudel (sr), Rafik Schami, Elena Schmitz (es),

Thomas Schmitz (ts), Kathrin Schwamborn (ks),

Andreas Wunn

Cartoons: Thomas Plassmann

Gestaltung/Illustrationen:

erste liga_büro für gestaltung, ersteliga.de

2 KUDU

Schutzgebühr 3.- Euro


editorial

© Ingo Pertramer

Guten Tag!

KUDU ist ein Lesemagazin, von dem wir uns wünschen, dass Sie es

kennen- und vielleicht sogar lieben lernen.

KUDU ist in erster Linie ein Projekt von Buchhändlerinnen und

Buchhändlern. Das zu erwähnen finden wir sehr wichtig, sind wir

doch quasi ein langer Arm, der bis in Ihre Stammbuchhandlung

greift. Wir arbeiten auch ähnlich wie unsere Kolleginnen und Kollegen

vor Ort. Wir stellen Ihnen zum Beispiel in unserem Magazin

nur Bücher vor, die wir für Sie ausgesucht haben (diese Arbeit hat

uns keiner abgenommen). Dabei sind die Besprechungen echt und

alle positiv (weil die Zeit zu schade ist, um über schlechte Bücher

zu reden). Wir empfehlen Ihnen Bücher, die uns gefallen und von

denen wir glauben, sie könnten auch Ihnen gefallen. Genauso wie

in Ihrer Lieblingsbuchhandlung Begeisterung weitergegeben wird.

Außerdem erzählen wir Ihnen Geschichten, weil wir gerne Geschichten

erzählen.

Das machen wir aber nicht allein:

Geholfen hat uns in dieser Ausgabe zum Beispiel Andreas

Wunn, Redaktionsleiter des ZDF-Morgen- und Mittagsmagazins.

Er spricht über eine Flucht nach Deutschland, die sich vor siebzig

Jahren ereignet hat.

Torben Kuhlmann, erfolgreicher Bilderbuch-Illustrator, macht

sich Gedanken über ein Ereignis, das vor seiner Geburt stattgefunden

und eher seine Elterngeneration euphorisiert hat.

Rafik Schami und seine Frau Root Leeb beantworten unsere 13

Bücherfragen.

Wir stellen aber auch ein spannendes Radioprogramm vor, das

jede Nacht in Tiefenentspannung übergeht, wir machen einen ultimativen

Kochversuch und möchten Sie ermutigen, doch auch einmal

wieder ein Kinder- oder Jugendbuch in die Hand zu nehmen.

Ja richtig, nicht um es vorzulesen, sondern zum eigenen Vergnügen.

Sie werden feststellen, wie schön das sein kann.

Jetzt sind Sie aber am Zug. Jetzt wünschen wir Ihnen viel Spaß

mit KUDU.

Ihr KUDU-Team

Noch eine kleine Anmerkung:

Und wieso KUDU?

Nein, der Titel erklärt sich wirklich nicht ohne Weiteres. Aber

muss er das?

Als wir ihn zum ersten Mal einer noch kleinen Leserschaft vorstellten,

dachten einige sofort an ein Wortspiel oder eine Abkürzung.

KUnst und DU? KUltur und DU.

Nein, Kudu bezeichnet ein Tier. Eine afrikanische Antilopenart,

um es genau zu sagen. Wenn ein Szenemagazin Marabu heißen

darf, eine Kinderzeitschrift nach dem Gecko benannt ist, ein Kinderbuchpreis

auf den Namen Luchs hört, warum dann nicht einfach

und einprägsam KUDU. Schauen Sie sich das Tier einmal an:

Es ist anmutig, es ist stolz, es ist kräftig und selbstbewusst, wir

finden die »Rallyestreifen« witzig und das Gehörn ist so wunderbar

geschwungen, wie möglicherweise das Denken die Richtung

wechselt. Und all das würden wir uns für unser – nein, Ihr Lesemagazin

doch wünschen.

Gebunden. € (D) 22,– Verfügbar auch als E-Book

VEA KAISERS

NEUER ROMAN –

EIN SCHILLERNDES

FAMILIENEPOS

Drei Tanten, ein toter Onkel und

ihr Drittel-Life-Crisis geplagter Neffe

begeben sich auf eine tragikomische

Reise durch die Jahrzehnte von

Wien bis nach Montenegro.

www.kiwi-verlag.deKUDU

3


petra

hartlieb

Buchhändlerin

Der schönste

Beruf

- Der Welt -

& Autorin

Sehr romantisch stellten wir uns das damals vor: unsere eigene

kleine Buchhandlung, ein oder zwei Angestellte, Plaudern und

Kaffeetrinken mit netten, belesenen Kunden, die selbstverständlich

nur gute Bücher kaufen. Und damit würden wir auch noch

Geld verdienen!

Ganz so ist es nicht gekommen, wir plaudern wenig, trinken noch

weniger Kaffee, und wir verkaufen in der Tat nicht nur gute Bücher.

Wir arbeiten richtig viel und manchmal haben wir sogar Kunden,

die gar nicht so nett sind.

Oft werde ich gefragt, ob ich den Schritt in die Selbständigkeit

und zur eigenen Buchhandlung je bereut habe, und ich kann nur

im Brustton der Überzeugung sagen: Ich kann mir nicht vorstellen,

einen anderen Job zu haben.

Daran ändert auch die ewige Litanei vom Untergang des Buches

nichts. Wir hören und lesen es ständig: Niemand liest mehr, keiner

besucht mehr eine Buchhandlung und überhaupt wird das Buch

bald aussterben, denn Millionen Leser sind unweigerlich verloren.

Klar, man kann die Zahlen nicht wegdiskutieren und natürlich verbringen

wir alle viel zu viel Zeit im Internet und die verregneten

Wochenenden, an denen man als Jugendliche mal schnell 500 Seiten

weggelesen hat, sind unwiderruflich vorbei, seit es Netflix, Apple-TV

und dreißig Fernsehkanäle gibt.

Dadurch hat sich auch das Image unseres Berufes geändert. Erwähnte

ich früher auf Partys, dass ich Buchhändlerin sei, erntete

ich uneingeschränkte Bewunderung, ja manchmal geradezu Neid,

doch in den letzten Jahren passiert es immer öfter, dass mein Gegenüber

mich mitleidig, oft sogar bestürzt ansieht: »Und? Wie geht

es dir? Gibt es das überhaupt noch? Kannst du davon leben?«

Ja, wir können davon leben und wir können unsere Angestellten

bezahlen. Wir haben eine warme Wohnung, ein Wochenendhäuschen

und fahren in den Urlaub. Natürlich sind wir nicht reich, wir

wussten allerdings auch vor fünfzehn Jahren schon, dass wir nicht

reich werden, und daran hat sich nichts geändert. Wenn du eine

Buchhandlung eröffnest, dann weißt du, dass du kleine Brötchen

backen wirst, und du entscheidest dich trotzdem dafür. Warum?

Gute Frage, aber jeder Buchliebhaber weiß, wovon ich spreche.

Vor ein paar Wochen war ich zu Besuch in der Buchhändlerschule

in Frankfurt. Ich durfte am Abend vor über hundert angehenden

Buchhändlern vorlesen, die danach Anekdoten aus ihrem Berufsleben

zum Besten gaben. Der Höhepunkt des Besuchs aber war

der Morgen danach. Ich verzichtete aufs Ausschlafen und setzte

mich freiwillig in den Literaturkundeunterricht. Das war eine gute

Entscheidung, denn von diesen Stunden werde ich noch jahrelang

zehren: zwei Stunden, in denen ein begeisterter Dozent seiner

Klasse Arno Schmidt und Wolfgang Koeppen näherbrachte. Immer

wieder betonte er, ihnen müsse das nicht gefallen und er erachte

es dennoch für wichtig, dass sie ein bisschen verstehen, was Arno

Schmidt sich dabei dachte, als er dieses – eigentlich unlesbare –

Stück Literatur verfasste. Die Schüler machten begeistert mit, ließen

sich hinreißen zu Textinterpretationen, Fragen und Analysen.

Junge Männer und Frauen aus allen Teilen Deutschlands, aus großen

und kleinen Buchhandlungen, schüchterne und forsche, coole

mit Piercings und Tattoos, unscheinbare mit grauen Kapuzenpullis

und Haaren, die ihnen ins Gesicht hingen. Der Raum vibrierte, ich

beneidete sie alle um ihre Jugend, ihre Unverbrauchtheit und ihre

Begeisterungsfähigkeit und hätte jeden Einzelnen von ihnen sofort

in meinem Laden angestellt. Nach diesen zwei Stunden hatte ich

definitiv nicht das Gefühl, einer untergehenden Spezies anzugehören.

Und auch wenn diese angehenden Buchhändler in Zukunft wahrscheinlich

eher selten die Gelegenheit haben, » Zettels Traum« aktiv

zu verkaufen, haben sie in diesen zwei Stunden etwas Wichtiges

gelernt. Sich einzulassen auf Schwieriges und Neues, offen zu sein

für Abwegiges und ein bisschen über den Horizont »Gefällt mir –

gefällt mir nicht« hinauszuschauen.

Natürlich bin ich nicht blind, sehe, dass sich auch Menschen in

meinem Umfeld öfter über die neue Staffel einer Serie austauschen

als über den neuesten Buchpreisträger. Immer wieder schließen

Buchhandlungen und es gibt Gegenden, in denen sich während

eines ganzen Vormittags kein Kunde in den Laden verirrt. Doch

nicht jede geschlossene Buchhandlung bedeutet den Untergang einer

ganzen Branche, auch wenn sich das in den Schlagzeilen des

Feuilletons so gut macht. Die Gründe für Schließungen sind – wie

in jeder Branche – vielfältig, und alle totzuschreiben ist leider ein

neuer Trend.

Petra Hartlieb

Meine wundervolle Buchhandlung

DuMont Buchverlag, 9,99 Euro

4 KUDU


Foto:© Pamela Rußmann

Petra Hartlieb

»Vor zehn Jahren hätte ich nicht im

Traum daran gedacht, dass ich neben

meiner Tätigkeit als Buchhändlerin

einen anderen Job haben werde, der

für mich fast genauso wichtig ist und

auch gut zum Bücherverkaufen passt«,

sagt Petra Hartlieb und jetzt ist die

Wahl-Wienerin beides: Buchhändlerin

aus Leidenschaft und Autorin, richtigerweise,

wenn man den Superlativ

benutzen darf, Bestsellerautorin. In

diesem Jahr gehört Petra Hartlieb

obendrein der Jury für den Deutschen

Buchpreis an.

Nach eigener Aussage hat der Dauerseller

»Meine wundervolle Buchhandlung«

(nur eines ihrer vielen Bücher), in

dem sie ihren Alltag in der Buchhandlung

Hartliebs Bücher im Wiener Stadtteil

Währing beschreibt, ihr Leben ordentlich

verändert. Er zog vielfältige

Lesereisen nach sich und von überallher

kommen die Leute in ihre Buchhandlung,

unter anderem um nachzuprüfen,

ob es dort wirklich so aussieht, wie

im Buch beschrieben …

Denn es gibt den Lesern, die es ja nach wie vor gibt, das Gefühl,

Teil einer untergehenden Gesellschaft zu sein, die, um an das begehrte

Produkt Buch zu kommen, depressive, fast tote Läden aufsuchen

und sich dabei mit jammernden Verkäufern rumschlagen

muss. Aber wir wollen nicht, dass Menschen aus Mitleid zu uns

kommen, uns geht´s gut und wir haben Spaß an unserem Job. Meistens

jedenfalls. Wir lieben es, die richtigen Geschenke zu finden,

das perfekte Buch fürs verregnete Wochenende oder den lang ersehnten

Urlaub.

Wir haben das Beste an Material, das es gibt, nämlich Geschichten,

und was wir damit machen, dem sind keine Grenzen gesetzt.

Meine neue 29-jährige (sic!) Mitarbeiterin hat in den letzten zwei

Monaten nicht nur einen Harry-Potter-Lesekreis ins Leben gerufen,

bei dem sie nach achtzig Anmeldungen die Liste schließen musste,

nein, sie hat auch ein »Speed-Dating mit Lieblingsbuch« in der

Buchhandlung veranstaltet (ebenfalls überbucht) und jetzt plant

sie eine Runde für Erwachsene, die gerne Jugendbücher lesen. Es

gibt unzählige Beispiele in einer vielfältigen Buchhandlungslandschaft

und das hat nichts mit sogenannten Events zu tun, über die

manch hehre Bewahrer der guten alten Zeit die Nase rümpfen. Das

hat damit zu tun, dass sich Branchen verändern, dass neue Dinge

entstehen und dass das nicht immer nur schlecht ist.

Und das Schönste ist wohl die Vielfältigkeit, die wir jeden Tag

erleben dürfen: Wir blättern gemeinsam mit Kunden den Bildband

über Thomas Bernhards Häuser durch, versuchen den neuen Beckett

packend zu erzählen, ohne das Ende zu verraten, diskutieren

mit der Fünfjährigen, welches Stickerbuch das schönste ist, überlegen,

ob die Rezepte aus dem Ottolenghi für die Wochenendeinladung

gelingen könnten, und trösten den pickeligen Jugendlichen,

weil die neue Poznanski wirklich erst am Montag ausgeliefert wird.

Und das alles innerhalb einiger Stunden, welcher Job kann da mithalten?

Bücher zu verkaufen ist nicht einfach nur Verkaufen, obwohl es

natürlich wichtig ist, dass am Abend etwas in der Kasse ist. Aber

es geht darum, was wir verkaufen, und ich könnte nichts anderes

als Bücher verkaufen. Na gut, hin und wieder ein Lesezeichen oder

eine lustige Postkarte, aber niemals Schuhe, Waschmaschinen oder

Autos. Wir verkaufen Geschichten, Träume, Denkanstöße und ich

möchte gar nicht wissen, was wir mit unseren Lesetipps manchmal

anrichten: Bücher können der Anstoß sein, Urlaubsdestinationen

zu wählen, Berufe zu wechseln, einen Seitensprung zu riskieren,

sich zu verlieben oder zu trennen, ja manchmal sogar grundlegende

Lebensveränderungen zu wagen.

Zum Glück müssen wir dafür keine Verantwortung übernehmen!

KUDU

5


13 Bücherfragen

Was freuen wir uns, dieses

Paar gleich in der ersten

Ausgabe des Lesemagazins KUDU

unsere gedoppelten 13 Bücherfragen

beantworten zu lassen:

Rafik Schami und Root Leeb.

Rafik Schami wurde 1946 in

Damaskus geboren und kam

im Alter von 25 Jahren nach

Deutschland. Hier schloss er

1979 sein Chemiestudium mit

der Promotion ab, arbeitete

einige Jahre in der Industrie,

bevor er sich seiner eigentlichen

Leidenschaft, der Literatur

und dem Erzählen, zuwandte.

Heute zählt Rafik Schami

zu den bedeutendsten Autoren

deutscher Sprache. Seine

Bücher wurden in 31 Sprachen

übersetzt.

An seiner Seite ist seit

vielen Jahren schon die Künstlerin

Root Leeb. Geboren 1955

in Würzburg, studierte sie

Germanistik, Philosophie und

Sozialpädagogik. Sie arbeitete

als Deutschlehrerin und

Straßenbahnfahrerin in

München. Heute ist sie freischaffende

Autorin, Malerin

und Zeichnerin. Die Verbindung

von Literatur und Malerei ist

für sie elementar. So wird die

Zahl der von ihr gestalteten

Buchcover immer größer.

Gemeinsam leben die beiden

in Rheinland-Pfalz.

» Root Leeb

Was war Ihr Lieblingsbuch als Kind?

Gerdt von Bassewitz, »Peterchens Mondfahrt«.

Astrid Lindgren, »Pippi Langstrumpf« (alle Bände). Selma Lagerlöf, »Die wunderbare

Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen«.

Wie heißt Ihr Lieblingsbuch heute?

Das ändert sich tatsächlich fast täglich. Heute (10. 2. 2019) ist es Giwi

Margwelaschwilis »Verfasser unser« (Verbrecher Verlag).

Gibt es ein Buch, von dem Sie sagen können, es hat Ihr Leben geprägt?

Tania Blixens »Die Träumer und andere seltsame Erzählungen«, ein dtv Taschenbuch,

das ich auf Reisen (mangels anderem an einer Tankstelle gekauft) von den

Geschwistern zum siebten (!) Geburtstag bekam. Ich habe es langsam,

aber konzentriert gelesen. Später dann immer wieder.

Welches Buch steht auf Ihrer »Hab ich immer

noch nicht gelesen«-Liste ganz oben?

Moshe Zuckermann, »Der allgegenwärtige Antisemit« (Westend).

Welches Buch oder welche Bücher halten Sie für völlig überflüssig?

Alle Bücher von Eva Heller, Hera Lind und Gaby Hauptmann (die sogenannte

He-Li-Ha-Literatur, die zwar in dieser Form wohl verschwunden ist, aber immer wieder

Nachahmerinnen findet). Also alles, was ein falsches Frauenbild festschreibt.

Ebenso alles Populistische im politischen Bereich.

Gibt es ein Buch, das Sie immer wieder verschenken möchten?

John Berger, »Auf dem Weg zur Hochzeit« (Hanser Verlag).

Wolfgang Ullrich, »Des Geistes Gegenwart« und, ebenfalls von ihm, »Siegerkunst«

(beide erschienen im Wagenbach Verlag).

Und dazu alle Bücher, die mich trösten können (s.u.).

Welches Buch lesen Sie gerade?

Naira Gelaschwili, »Ich bin sie« (Verbrecher Verlag).

Mit welcher Romanfigur möchten Sie am liebsten einen Tag den Platz tauschen?

Mit Ludwik Wiewurka, dem Heizungsableser in Radek Knapps »Der Gipfeldieb«

(Piper Verlag). Und am nächsten Tag dann (nur für einen Tag!) mit der Triebwagenführerin

Laura in Irmtraud Morgners »Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz

nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura« (Luchterhand Verlag).

Wo lesen Sie am liebsten?

Im Zug, in der Tram, auf der Wiese, im Bett.

Haben Sie schon einmal bei einem Buch weinen müssen –

und wenn ja, bei welchem?

Meistens weine ich nur bei Filmen. Ein einziges Mal (peinlicherweise)

beim Vorlesen einer eigenen Geschichte (Windgeflüster in: »Sommerabenteuer«,

erschienen bei dtv).

Welches Buch kann Sie trösten?

John Berger, »Auf dem Weg zur Hochzeit« (Hanser Verlag).

Franz Hohler, »Das Päckchen« (Luchterhand Verlag).

Seneca, »Von der Seelenruhe« (Bechtermünz Verlag).

Jane Gardam, »Eine treue Frau« (Hanser Verlag).

Was ist Ihr Lebensmotto?

Andere zum Lächeln bringen.

Welches Buch würden Sie Rafik Schami empfehlen?

Die Wahl eines einzigen Buchs fällt schwer. Eigentlich alle oben genannten Titel.

Dazu würde ich ihm von Günter Kunert »Aus meinem Schattenreich«

(Hanser Verlag) empfehlen und von Margaret Mazzantini »Das schönste Wort

der Welt« (DuMont Verlag).

6 KUDU


Rafik Schami «

Was war Ihr Lieblingsbuch als Kind?

Als kleines Kind ein lustiges Buch über Streiche des alten Hodscha Nasreddin. Ein

alter Mann, der zwischen Weisheit und Dummheit, Schlauheit und Einfalt pendelt.

Aber später verschlang ich die Bücher meines Vaters, vor allem das Buch, das er uns

verboten hat: »Die grausamen Todesurteile der Geschichte«.

Wie heißt Ihr Lieblingsbuch heute?

»Don Quijote« in der neuen Übersetzung von Susanne Lange (Hanser Verlag).

Gibt es ein Buch, von dem Sie sagen können, es hat Ihr Leben geprägt?

»1001 Nacht«, vor allem die großartige Scheherazade, die mir die Weisheit

beibrachte: Erzählen gleicht Leben, Schweigen dem Tod.

DIESER

THRILLER

BEGINNT,

WO ANDERE

ENDEN.

Welches Buch steht auf Ihrer »Hab ich immer

noch nicht gelesen«-Liste ganz oben?

Oh je, es ist ein Stapel neben meinem Sofa im Arbeitszimmer. Ganz oben liegt »Die

Hauptstadt« von Robert Menasse (Suhrkamp Verlag).

Welches Buch oder welche Bücher halten Sie für völlig überflüssig?

Alle Bücher von Thilo Sarrazin.

Gibt es ein Buch, das Sie immer wieder verschenken möchten?

Ja, es sind drei: »Suppen für Syrien« (DuMont Verlag), »Always Coca-Cola« von

Alexandra Chreiteh (Verlag Hans Schiler) und »Lob der Ehe« (Manesse Verlag).

Welches Buch lesen Sie gerade?

»Schnauze, Alexa« von Johannes Bröckers (Westend Verlag) und von Nietzsche

»Götzen-Dämmerung« (dtv).

Mit welcher Romanfigur möchten Sie am liebsten einen Tag den Platz tauschen?

Mit dem Kutscher Salim aus »Eine Hand voller Sterne« und »Erzähler der Nacht«.

Wo lesen Sie am liebsten?

In meinem Arbeitszimmer auf dem Sofa oder im ICE-Zug mit Kopfhörer (Klassik).

Haben Sie schon einmal bei einem Buch weinen müssen –

und wenn ja, bei welchem?

Merkwürdigerweise weine ich nie beim Lesen, sondern sehr oft beim Filmschauen

und beim Schreiben meiner Geschichten. Zum Beispiel beim Tod des Kutschers

Salim in »Eine Hand voller Sterne« oder bei der gefangenen Mutter in »Sami«, die in

der völlig dunklen Zelle ihrem Kind erklärt, was ein Vogel oder eine Blume ist. Der

Junge ist in der Dunkelheit dieser Zelle geboren. Auch bei Abschieds- oder Gefängnisszenen

aus »Die dunkle Seite der Liebe« musste ich das Schreiben immer wieder

unterbrechen, weil ich bitter geweint habe.

Welches Buch kann Sie trösten?

Die Karikaturbücher von Sempé (Diogenes Verlag).

Was ist Ihr Lebensmotto?

Gehe geradeaus. Das verwirrt deine Feinde.

Welches Buch würden Sie Root Leeb empfehlen?

Ein leeres Buch, damit sie es mir mit Geschichten füllt.

432 Seiten € 15,90

ISBN 978-3-423-26229-3

Auch als eBook

Eine einsame Hütte

im Wald.

Eine krankhafte

Vorstellung von

Familie.

Ein Opfer, dessen

Albtraum beginnt,

als er eigentlich

vorbei sein sollte.

Fotos:© Peter-Andreas Hassiepen

© 123RF-Foto

www.dtv.de/handel

KUDU

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8

Jahrzehntelang hat Andreas Wunns Mutter dazu geschwiegen,

wie sie als donauschwäbisches Kind nach dem Zweiten Weltkrieg

aus Jugoslawien nach Deutschland floh. In seinem Buch »Mutters

Flucht« beschreibt der TV-Moderator, wie seine Mutter und er sich

genau siebzig Jahre später auf die Spuren einer verlorenen Heimat

begeben – entlang ihrer damaligen Fluchtroute, die heute als »Balkanroute«

bekannt ist.

Andreas Wunn

Mutters Flucht

Ullstein Verlag, 20,– Euro


9

August 1947. Stiefel rammen sich ihren Weg durch die trockene

Erde. Plötzlich Hundegebell im Sonnenblumenfeld. Die ungarische

Grenzpolizei macht Jagd auf deutsche Flüchtlinge, die aus Jugoslawien

kommen. Meine Urgroßmutter und die beiden Kinder sind im

Schatten der Sonnenblumenköpfe eingeschlafen, nur meine Großmutter,

damals eine junge Frau, ist noch wach. Durch das Grün der

Blätter sieht sie die Schnauze zuerst. Der Hund kommt schnüffelnd

näher, Schritt für Schritt. Jetzt steht er direkt vor ihr und starrt

sie an. Er hechelt, doch macht sonst keinen Laut. Ein einziges Bellen,

und es wäre vorbei. Sie würden entdeckt und zurückgeschickt

werden. Meine Großmutter ist davon überzeugt, dass dies den Tod

bedeuten würde. Sie sieht dem Hund in die Augen und bewegt sich

nicht. Sie starren sich gegenseitig an. Endlose Sekunden lang.

Und dann macht er kehrt und trottet davon, ohne Hast, ohne Bellen.

Niemand entdeckt meine Familie. Sie können ihre Flucht fortsetzen.

Richtung Deutschland.

Wann immer ich an die Flucht meiner Mutter denke, sehe

ich das Sonnenblumenfeld vor meinem Auge. Und irgendwo

darin stelle ich mir meine schlafende Mutter als Kind vor und

den Hund und die Grenzsoldaten. Eigentlich hat meine Mutter

nie wirklich von früher erzählt. Nicht von ihrer Kindheit als

Deutsche in Jugoslawien, nicht von der Flucht, nicht vom Ankommen

in Deutschland. Für sie war das Dorf, in dem sie 1941

geboren wurde, ein untergegangener Sehnsuchtsort. Und jetzt

werden wir genau an diesen Ort fahren, in das Dorf Setschan,

in der nordserbischen Region Banat. >


Das Schicksal der Donauschwaben ist bis heute in Deutschland

wenig bekannt. Rund 550.000 von ihnen lebten bis zum Zweiten

Weltkrieg als Angehörige der deutschen Minderheit im damaligen

Jugoslawien. Ihre Vorfahren, meist Handwerker und Bauern, waren

vor 250 Jahren dorthin ausgewandert. Doch mit dem Zweiten

Weltkrieg änderte sich für die Donauschwaben alles. Viele von ihnen

hatten mit Hitler sympathisiert. Dafür wurden sie nach dem

Krieg von jugoslawischen Partisanen verfolgt. Historiker gehen davon

aus, dass bereits in den beiden letzten Kriegsjahren mehr als

die Hälfte von ihnen vertrieben war, Zehntausende der Zurückgebliebenen

kamen in den jugoslawischen Internierungslagern ums

Leben, darunter zahlreiche Kinder; viele von ihnen sind verhungert.

Meine Mutter und der Großteil ihrer Familie überlebten nach

1945 zwei Jahre in verschiedenen jugoslawischen Lagern, bis ihnen

Mitte 1947 die Flucht über die jugoslawisch-ungarische Grenze gelang.

Heute sollen in Serbien nur noch rund 4000 Deutschstämmige

leben.

Über ihre Erlebnisse als Flüchtlingskind hat meine Mutter nie viel

gesprochen. Doch die Flüchtlingsbewegung im Jahr 2015 war für sie

ein Wendepunkt. Und sie stellte fest: Die Balkanroute war genau

der Weg, den auch sie auf ihrer Flucht genommen hat. Von Serbien

(damals Jugoslawien) über Ungarn und Österreich bis nach Bayern.

»Jetzt könnt ihr mich alles fragen«, sagte meine Mutter an einem

kalten Februartag 2017. Draußen stürmte der dunkle Berliner Winter.

Sie hielt mir sieben handgeschriebene Seiten hin, auf denen ich

sofort ihre akkurate Lehrerinnenschrift erkannte. Sie hatte die wenigen

Erlebnisse ihrer Flucht notiert, an die sie sich erinnern kann.

Und sie zeigte mir einen kleinen Zettel, den meine Großmutter geschrieben

hatte und den ich zum ersten Mal sah: Akribisch hatte

sie dort die Stationen ihrer Flucht festgehalten, mit Orten und genauen

Daten. Aus diesen Skizzen und vielen Fragen entstand die

Idee zu einer Reise – eine Fahrt zurück in die Vergangenheit meiner

Mutter, auf den Monat genau siebzig Jahre nach ihrer Flucht.

Begonnen haben wir unsere Reise in dem kleinen pfälzischen Dorf

Hauenstein, wo meine Mutter ab 1950 aufgewachsen ist. Dann fuhren

wir nach Bayern und Österreich, auf den Spuren ihrer ersten

Jahre als Kind in deutschen Flüchtlingslagern. Wir sind zum 1700

Meter hohen Purtschellerhaus, einer Hütte in den Berchtesgadener

Alpen, geklettert, die genau auf der deutsch-österreichischen Grenze

steht, wo meine Mutter, ihre Mutter und Großmutter und ihr

kleiner Bruder auf der Flucht Station gemacht haben. Wir sind die

ungarisch-serbische Grenze entlanggefahren, haben Viktor Orbáns

Grenzzaun gesehen. In Serbien standen wir vor einer verlassenen

Fabrikhalle mit zerborstenen Fenstern, in der wahrscheinlich mein

Großvater von jugoslawischen Partisanen erschossen wurde.

Wir besuchten Orte, an denen früher die Lager standen, wo meine

Mutter als Kind Hunger gelitten hat. Wir sahen die Ruinen der Mühle

meiner Urgroßmutter. Wir besuchten das heruntergekommene

Geburtshaus meiner Mutter, die frühere Apotheke meines Großvaters,

und trafen einen ehemaligen Bewohner, der uns alte, schmutzige

Apothekerfläschchen schenkte, die er auf dem Dachboden gefunden

hatte, und er beteuerte, sie stammten aus der Vorkriegszeit,

mein Großvater habe sie benutzt. Und im Nachbarort suchten und

fanden wir das Haus meines Urgroßvaters, die alte Poststation;

es ist luxussaniert und gehört heute einer millionenschweren Geschäftsfrau

aus Bukarest.

Unsere Reise in den serbischen Spätsommer war eine Reise voller

Überraschungen und Unwahrscheinlichkeiten. Wir drangen immer

tiefer in die Familiengeschichte meiner Mutter vor. Eine Geschichte

von Idylle, Krieg, Vertreibung, Flucht, Heimat und Sprachlosigkeit

– aber auch eine Geschichte über das Wesen der Erinnerung.

»Findest du das nicht merkwürdig, dass du dich an nichts erinnerst?«,

frage ich meine Mutter irgendwann. »Bei der Flucht warst

du immerhin fast sechs Jahre alt.«

»Ich weiß es nicht. Meine Erinnerung beginnt erst 1947 in

Deutschland.«

»Vielleicht ist es ein automatischer Schutz, dass du alles verdrängt

hast?«

»Ich weiß es nicht. Oder vielleicht habe ich irgendetwas gesehen,

das mich schockiert hat.«

»Und dein Bruder? Konnte er sich erinnern?«

»Ich glaube nicht. Aber ich weiß es nicht. Wir haben nie darüber

gesprochen.«

»Ihr beide habt nie miteinander darüber gesprochen?«

»Nein.«

»Warum nicht?«

»Ich weiß es nicht.«

Wie immer komme ich bei ihr nicht weiter. Es ist, als gebe es eine

Tresortür in ihrem Kopf, die sich nicht öffnen lässt. Sie verschließt

alles, was vor der Ankunft in Deutschland geschah. Sie weiß nicht,

was sich hinter der Tür verbirgt, die sie fest verschlossen hält. Und

sie will es auch nicht mehr wissen. Verdrängen und Schweigen, das

hat sie von ihrer Mutter gelernt, es liegt in der Familie. In so vielen

Familien.

Und dann stehen wir vor einem Sonnenblumenfeld an der ungarisch-serbischen

Grenze. Es erstreckt sich fast bis zum Horizont.

Die Sonne liegt warm und drückend auf dem Land.

»Gehen wir hinein«, sage ich schließlich.

»Wirklich?«, fragt meine Mutter.

»Na klar«, sage ich.

10 KUDU


Ich schiebe die dicken Pflanzenstiele auseinander und bahne uns

einen Weg. Die Blumen wirken schwer und trocken, ihre Köpfe neigen

sich schon Richtung Boden, die Blütenblätter sind an vielen

Stellen braun ausgebrannt. Bald werden sie geerntet werden.

Jetzt stehen wir mittendrin. Die Blumen reichen mir bis zum

Hals. Meine Mutter wird von ihnen überragt.

»Jetzt sind wir also hier«, sage ich.

Ich gehe in die Knie, und meine Mutter tut es mir nach. Jetzt hocken

wir im Feld, sind völlig eingetaucht. Um uns herum die grünen

Stiele und surrende Insekten.

»Eigentlich ein angenehmer Ort. Da wir so müde waren, haben wir

geschlafen. Nur die Mutti hat gewacht«, sagt meine Mutter.

»Die Geschichte mit dem Hund hast du oft erzählt bekommen,

oder?«

»Ja, weil es doch fast ein Wunder war, dass der Hund uns nicht

verraten hat.«

»Irgendwo hier könntet ihr euch versteckt haben.«

»Es ist ein gutes Versteck«, sagt meine Mutter.

»Kannst du dir deine Flucht jetzt besser vorstellen?«

»Es muss schlimm gewesen sein. Die Angst, erwischt zu werden.

Wir waren ja noch so klein. Für meine Mutter und meine Großmutter

war das sicher nicht einfach. Es lag ja an uns Kindern, dass wir

nicht so schnell vorankamen.«

Wir reden nicht mehr viel. Es ist merkwürdig, dass wir beide

nun hier in diesem Sonnenblumenfeld hocken. Es fühlt sich inszeniert

und echt zugleich an. Zum Schluss möchte ich noch ein Foto

machen. Und genau in diesem Moment fliegt ein Hubschrauber

in einem Bogen relativ tief über uns hinweg, wie zur Kontrolle.

Grenzpolizei. Ich winke kurz in die Luft. Damals gab es hier keine

Hubschrauber. Nur Hunde.

Andreas Wunn

Andreas Wunn

leitet die Redaktion des

ZDF-Morgenmagazins und des

ZDF-Mittagsmagazins in Berlin.

Für beide Sendungen steht er

auch als Moderator vor der

Kamera. Zuvor war er sechs

Jahre lang Südamerika-

Korrespondent des ZDF in

Rio de Janeiro.

Seine TV-Dokumentationen

wurden mehrfach ausgezeichnet,

seine beiden Bücher über

Brasilien waren Bestseller.

Foto:© Selim Humbaraci

Fotos:© Privat, Andreas Wunn

KUDU

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Ulrich Alexander Boschwitz

Der Reisende

Klett Cotta, 20,– Euro

Claude K. Dubois

Akim rennt

Aus dem Französischen von Tobias Scheffel

Moritz Verlag, 12,95 Euro

Gerade noch hat Akim mit seinen Freunden am Fluss gespielt und der Krieg

schien so weit weg. Plötzlich aber nähern sich Flugzeuge, es wird geschossen,

sein Zuhause findet er zerstört wieder, seine Eltern sind verschwunden. Unterschlupf

findet er mit vielen anderen in einem Haus, das von dem Angriff verschont

blieb. Auch dort von seinen Eltern keine Spur. Zusammen mit anderen

Kindern wird er von Soldaten gefangen genommen, doch in einem unbeobachteten

Moment gelingt Akim die Flucht. Er läuft und läuft, trifft auf weitere Flüchtlinge

und landet schließlich in einem Auffanglager im Nachbarland. Dort findet

er nach einer langen, traurigen Zeit seine Mutter wieder.

Ein kleines Buch, das von den ausdrucksstarken Bildern lebt und lange nachhallt.

Claude K. Dubois gelingt es meisterhaft, in ihren skizzenhaften Zeichnungen

Akims Gefühle und Ängste einzufangen, ohne ins Detail zu gehen. Die Unbarmherzigkeit

des Krieges und das traurige Schicksal der Flüchtenden werden

so für Kinder leichter begreifbar. (sr)

Ab 6 Jahren.

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Rüdiger Bertram /

Heribert Schulmeyer (Ill.)

Der Pfad. Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit

cbt, 8,99 Euro

Marseille, 1941. Rolf und sein Vater genießen den Frühlingstag und baden ausgelassen

im Meer. Doch die Idylle trügt, denn sie befinden sich auf der Flucht vor

den Nazis und wollen schon bald mit dem Schiff nach New York reisen, wo Rolfs

Mutter auf sie wartet. Es kommt aber zu Komplikationen, da die Franzosen ihnen

die Ausreisegenehmigung verweigern. Jetzt können sie Frankreich nur noch

auf dem Landweg über die Pyrenäen nach Spanien verlassen. Und das ist alles

andere als ein Spaziergang! Der Hirtenjunge Manuel, der um die Gefahren weiß,

begleitet Vater und Sohn auf ihrem Weg. Sie sind noch nicht lange unterwegs, als

sie von Soldaten überrascht werden, die den Vater verhaften. Die Jungen konnten

sich verstecken, sind nun aber auf sich gestellt und ihre gefährliche Reise

ist noch lange nicht zu Ende. Diesen Pfad gab es wirklich und er war für viele

deutsche Emigranten die letzte Möglichkeit, Frankreich zu verlassen. Rüdiger

Bertram erzählt vor diesem geschichtlichen Hintergrund eine packende Freundschaftsgeschichte,

die das Flüchtlingsthema aus einem ganz anderen Blickwinkel

beleuchtet. (sr)

Ab 12 Jahren.

Unmittelbar nach der Reichspogromnacht im November 1938 begann Ulrich Alexander

Boschwitz die Arbeit an diesem Roman. Er erzählt eine kurze Passage

aus dem Leben des Kaufmanns Otto Silbermann, der mit der Reichsbahn kreuz

und quer durch das damalige Deutschland fährt, um den Nazischergen zu entkommen.

In Zügen, auf Bahnsteigen, in Bahnhofrestaurants trifft er auf Juden,

Flüchtlinge, Nazis, gute wie schlechte Menschen auf beiden Seiten. Dabei verliert

er erst seinen ganzen Besitz, danach seine Würde, zum Schluss seinen Verstand.

Ein eindringliches Zeitdokument eines Mannes, der damals erst 23 Jahre

alt gewesen ist.

Neu entdeckt, ist es vor einem Jahr bei Klett Cotta zum ersten Mal auf Deutsch

erschienen. (ts)

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Dietrich Garstka

Das schweigende Klassenzimmer

Ullstein Verlag, 12,– Euro

Die Geschichte war lange in Vergessenheit geraten, bis der gleichnamige Film

von Lars Kraume im letzten Jahr in die Kinos kam. Stalinstadt, 1956. Aus Solidarität

mit den Arbeitern in Ungarn nach der Niederschlagung des Volksaufstandes

organisiert eine DDR-Abiturklasse eine Schweigeminute. Der Direktor der Schule

möchte diese Angelegenheit unter den Teppich kehren. In seinen Augen sind

es Kinder, denen er ihre Zukunft nicht verbauen will. Doch die Stasi bekommt

Informationen zugespielt und beginnt mit den Ermittlungen, die im Laufe der

Ereignisse immer brutaler werden.

Die Täter werden nie gefasst, aber mit Ausnahme von zwei oder drei Schülern

flieht die komplette Klasse in den Westen, um dort ihr Abitur nachzumachen und

sich ein neues, freieres Leben aufzubauen. (ts)

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Erich Maria Remarque

Die Nacht von Lissabon

Kiepenheuer & Witsch, 12,– Euro

Lissabon ist für viele Exilanten die einzige Hoffnung, das von den Nazis besetzte

Europa verlassen zu können. Hier im Hafen starrt ein Mann auf ein Schiff, das

ihn und seine Frau außer Landes bringen könnte. Allerdings hat er weder Papiere

noch Geld. Da spricht ihn ein Fremder an und macht ihm ein unglaubliches Angebot:

zwei Schiffspassagen gegen eine Nacht, in der der Fremde seine Geschichte

erzählen möchte. Das Buch vom Autor des weltberühmten Romans »Im Westen

nichts Neues« ist spannend wie ein Krimi. (ts)

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Rafik Schami

Ich wollte nur Geschichten erzählen. Mosaik der Fremde

Schiler Verlag, 18,– Euro

Kennen Sie Rafik Schami, den sicherlich besten Erzähler Deutschlands? Wahrscheinlich

schon. Ich habe ihn oft gehört und geglaubt, alle seine Geschichten zu

kennen. Ein Irrtum! In letzter Zeit schleichen sich immer wieder auch ernstere

Themen in seine Erzählabende. Rafik Schami lässt jetzt durchblicken, wie viele

Hürden er auf dem Weg in ein Schriftstellerleben zu überwinden hatte, was

die deutsche Sprache mit ihm gemacht hat und wie er damit umgeht, dass eine

wachsende Zahl von Menschen wissen möchten, wie man erfolgreich schreibt.

(Unter uns: Er gibt ihnen Tipps, und zwar gleich 25 an der Zahl.) »Ich wollte nur

Geschichten erzählen« sind fünfzig Mosaiksteine, so nennt er seine Statements,

und wenn auch überwiegend ernst, so kommen sie doch immer leichtfüßig, humorvoll

und warmherzig daher. (ts)

12 KUDU


Anna Seghers

Transit

Aufbau Taschenbuch, 12,– Euro

»Das siebte Kreuz« machte Anna Seghers weltberühmt. Noch in den 40er Jahren

des vergangenen Jahrhunderts wurde es in Amerika verfilmt, sehr bewegend.

»Transit« ist nicht weniger eindringlich. Marseille, 1940: Wer hier strandet, versucht

vor den Nazis zu fliehen – bevorzugt nach Übersee. Man hetzt nach Visa,

Bescheinigungen und Stempeln, ohne die man Frankreich und damit Europa

nicht verlassen kann. Die verschiedensten Wege kreuzen sich in Cafés, Amtsstuben,

Konsulaten. Einer erhascht eine Schiffspassage mit den Papieren eines

Toten. Zu spät wird dem Mann dann allerdings klar, dass er die Reise gar nicht

wird antreten können.

Anna Seghers hat diesen Roman bereits während ihrer Flucht ins mexikanische

Exil begonnen. Heinrich Böll bezeichnete ihn als ihren schönsten. (ts)

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Andreas Wunn

Mutters Flucht

Ullstein Verlag, 20,– Euro

Über ihre Flucht aus Jugoslawien nach Deutschland nach dem Ende des Zweiten

Weltkrieges hat seine Mutter kaum gesprochen. Doch als 2015 die Balkanroute

als Fluchtweg Hunderttausender Menschen weltberühmt wird, bricht sie ihr

Schweigen und vertraut sich ihrem Sohn, dem Fernsehmoderator und Redaktionsleiter

des Morgenmagazins Andreas Wunn, an: Über dieselbe Route sind wir

damals nach Deutschland gekommen. Wunn möchte Familiengeschichte aufarbeiten

und bittet seine Mutter, eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen.

Sie willigt ein und so begeben sich die beiden gemeinsam mit Wunns Bruder auf

eine Reise über die Balkanroute nach Jugoslawien, wo die Donauschwäbin geboren,

wo ihr Vater ermordet wurde und wo ihre Flucht im Jahr 1947 begann. Es

wird ein beeindruckendes Zeitdokument auch über ein Volk, das zu jener Zeit

aus dem Fokus der Weltöffentlichkeit geraten war.

Neben allen dramatischen Geschichten hat mich sehr beeindruckt, wie diszipliniert,

empathisch, aber ausgesprochen wortkarg die mittlerweile alte Dame diese

Reise überstanden hat. Chapeau! (ts)

Bücher zum thema flucht, vertreibung & migration

Foto: Maurice Haas / © Diogenes Verlag

Der neue Roman von

Daniela Krien

Daniela Krien

Die Liebe

im Ernstfall

Roman · Diogenes

288 Seiten, auch als eBook und Hörbuch

Fünf Frauen versuchen das

Unmögliche: Lieben, stark

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Kunstvoll verwoben, tief

berührend und erschütternd.

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KUDU

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„Armstrong – Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“

von Torben Kuhlmann © 2016 NordSüd Verlag AG, Zürich/ Schweiz

Lieber Torben Kuhlmann, Sie sind Jahrgang 1982. Miterlebt haben

Sie die Ära und den Hype um die Apollo-Missionen nicht – es

war ja eher ein Thema unserer Väter. Woher kommt Ihre Faszination

dafür?

Ist es nicht eine Schande, dass dieser Pioniergeist ein wenig verloren

gegangen ist? Mit vereinten Kräften und einer hochtechnisierten

vernetzten Welt, da würde sich doch bestimmt ein interessantes

Gedankenspiel ergeben?

Stimmt, die Jahrzehnte des Wettlaufs zum Mond habe ich verpasst,

allerdings hat diese unglaubliche Leistung auch Jahrzehnte

später nichts an Faszination eingebüßt. Wenn man sich

genauer mit dem Thema auseinandersetzt, erkennt man, welche

enormen Hürden damals genommen wurden, um dieses beispiellos

ambitionierte Ziel zu erreichen; einen Menschen zum

Mond und wieder zurück zu bringen. Es beginnt schon mit der

häufig erzählten Anekdote über die Missionscomputer; ganze

Schrankwände, die in ihrer Leistung wohl am besten mit heutigen

Taschenrechnern zu vergleichen wären. Dieses Streben der

Menschen nach dem eigentlich Unmöglichen finde ich sehr respekteinflößend

und vor allem inspirierend. Bei »Lindbergh« war

es der alte Traum vom Fliegen und die ersten Pioniere und Erfinder,

die wagemutig im Selbstversuch erste Flugapparate testeten.

Ein klein wenig versteht sich das Buch als Denkmal für diese

frühen Pioniere der Luftfahrt. Und noch mehr war dies der Gedanke

hinter »Armstrong«, ein Lobgesang auf den Wagemut und

die Ingenieurskunst der Apollo-Missionen. (Auch wenn ich in der

Geschichte die Leistung der Menschen etwas schmälere, da ich

behaupte, die Technik sei nur von einer Maus abgekupfert.)

Armstrong, Weltraum

und 50 Jahre

Mondlandung –

ein Interview mit Torben Kuhlmann

Ich weiß nicht, ob dieser Pioniergeist verschwunden ist, aber

er ist sicherlich etwas schwerer zu erkennen. Es keimen ja oft

genug Pläne auf, zum Mond zurückzukehren oder diesen gar als

Ausgangspunkt für eine Reise zum Mars zu nutzen. Doch die notwendige

Euphorie springt oft nicht über, das Kosten-Nutzen-Verhältnis

wird hinterfragt, politische Reibereien bremsen. Ich

selbst würde mich sehr freuen, wenn die Welt für ein so ambitioniertes

Ziel noch zu meinen Lebzeiten zusammenfände. Da wäre

so viel Potenzial vorhanden – brillante Köpfe, die zusammen tüfteln,

und eine Welt, die mitfiebert. Vielleicht muss uns einfach

eine weitere Maus den Weg in die Zukunft weisen?!

Ist denn schon ein weiteres Mäuseabenteuer in Ihrem Kopf – vielleicht

sogar ein zukunftsweisendes?

Das Schöne bei der Arbeit als Illustrator ist, dass man manchmal

bei der meditativen Mal- und Zeichenarbeit für das eine Buch

schon weitere Ideen für weitere Geschichten ausbrüten kann.

Tatsächlich habe ich mir grade eine kleine »Mause-Pause« nach

»Edison« und der Arbeit an der »Armstrong«-Sonderausgabe verhängt.

Aktuell grübele ich vielmehr an einer ganz und gar mäuselosen

Erzählung, aber tatsächlich schimmert am Horizont auch

ein weiteres Mäuseabenteuer. Und zum Stichwort »zukunftsweisend«.

Diese Orientierung könnte diese Geschichte dann wohl

tatsächlich haben, was auch immer das heißen mag …

Apropos zukunftsweisend. Sie sprechen etwas an, was in nicht

allzu ferner Zukunft liegt: Am 25. April erscheint im NordSüd

Verlag die »Armstrong«-Sonderausgabe. Worauf dürfen wir uns

in dieser speziellen Ausgabe freuen?

Auf diese Sonderausgabe bin ich tatsächlich recht stolz. Es hat

mich sehr gefreut, dass NordSüd diese Idee anlässlich des fünfzigsten

Jahrestages der Mondlandung ins Spiel gebracht hat

– und damit bei mir gleich eine offene Tür einrannte. In dieser

Ausgabe findet sich, wie schon in der Originalausgabe, die Geschichte

einer Maus, die die Reise zum Mond wagt. Das Drumherum

stellt aber noch mehr die Mondlandung 1969 in den Mittelpunkt

– und die eventuellen Verbindungen zu einer kleinen

Maus. Am auffälligsten ist das neue Cover, das die unterschiedlichen

irdischen Spezies – Mensch und Maus – einmal zusammen

auf dem Mond zeigt. Auch typografisch atmet es nun den Geist

der Apollo-Missionen. Im Buch selbst gibt es ein neues Vorwort,

weitere oder erweiterte Illustrationen und eine umfänglichere

Geschichte der (menschlichen) Mondreise. Und nicht zu vergessen:

einen Mission-Patch zum Aufbügeln – für besonders ambitionierte

Mäuse-Astronauten.

14 KUDU


„Edison – Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes“

von Torben Kuhlmann © 2018 NordSüd Verlag AG, Zürich/ Schweiz

Und wie arbeiten Sie? Digital oder ganz klassisch mit Papier und Pinsel?

In meinem Atelier stehen zwei Schreibtische, die wie ein großes L um mich angeordnet

sind. Auf dem einen Schreibtisch stehen meine Monitore. Hier mache ich meine digitalen

Arbeiten: Layout- und Bildbearbeitungen oder Animationen. Und am Rechner beginnt

auch meistens der Tag mit Organisatorischem. Der zweite Schreibtisch ist mein

Zeichentisch, vollgepackt mit Aquarellkästen und Gläsern voller Pinsel und Stifte. An

diesem verbringe ich wohl die meiste Zeit des Tages, höchstens mal von einer Kaffeepause

im danebenstehenden Sessel unterbrochen.

Und so ganz nebenbei sind Sie auf Lesereise?

Lesereisen gehören mittlerweile in der Tat zu meinem Berufsleben dazu. Ich stelle

sehr gerne vor Kindern meine Arbeit und meine Abenteuergeschichten vor. Am Anfang

– mit »Lindbergh« – war ich da noch etwas zögerlich. Ich wusste nicht, ob ich ein so

kritisches Publikum, meistens Grundschülerinnen und -schüler, wirklich 45 Minuten

oder vielleicht sogar über eine Stunde unterhalten bekomme. Aber die Sorgen verflogen

sehr schnell, als ich erlebte, wie sehr die Kinder bei den Geschichten mitfiebern.

Kinder sind ja so herrlich direkt in ihren Reaktionen. Dadurch sind insbesondere die

»Armstrong«-Lesungen auch für mich ein großer Spaß. Hier regen sich die Kinder oft

am vehementesten über die »naiven« Erfindungen der Maus auf und sind dann umso

begeisterter, wenn die Rakete dann am Ende doch fliegt und die Maus Kurs nimmt

Richtung Mond. Das Einzige, was sich oftmals als etwas schwierig erweist, ist die zeitliche

Koordinierung. Lesereisen, üppige Buchprojekte und Auftragsarbeiten müssen

unter einen Hut gebracht werden – manchmal eine wirkliche Herausforderung.

Bleibt Ihnen bei all der Arbeit noch Zeit, um zu lesen?

Haben Sie ein All-Time-Lieblingsbuch?

Tatsächlich komme ich gar nicht mehr so oft dazu, wirklich etwas zu lesen, manchmal

auf längeren Zugfahrten. Allerdings habe ich in den letzten Jahren Hörbücher für mich

entdeckt, die ich bestens während meiner Mal- und Zeichenarbeit laufen lassen kann.

Das unterstützt sogar noch den manchmal meditativen Zustand beim Illustrieren. Die

Frage nach einem All-Time-Lieblingsbuch ist schwierig. Ich habe recht viele Bücher

im Schrank, die ich einst mit großer Begeisterung gelesen habe. Am prägendsten war

vielleicht in meiner Jugend der Gruselroman »Dracula« von Bram Stoker oder später

»Coraline« von Neil Gaiman.

Foto:© NordSüd Verlag AG, Zürich/ Schweiz

Torben Kuhlmann

wurde 1982 in Sulingen geboren.

Er studierte Illustration und

Kommunikationsdesign an der HAW

Hamburg mit Schwerpunkt Buchillustration.

Im Juni 2012 schloss

er sein Studium mit dem Kinderbuch

»Lindbergh – Die abenteuerliche

Geschichte einer fliegenden

Maus« ab. Das Debüt wurde international

vielfach ausgezeichnet

und war für den Deutschen Jugendliteraturpreis

2015 nominiert. Im

Juli 2016 folgte »Armstrong – Die

abenteuerliche Reise einer Maus

zum Mond«. Sein neuester Geniestreich

»Edison – Das Rätsel des

verschollenen Mauseschatzes« erschien

im August 2018 und landete

auf der SPIEGEL-Bestsellerliste

auf Platz 1. Torben Kuhlmann lebt

und arbeitet in Hamburg.

Lieber Torben Kuhlmann, herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dennis Hasemann

KUDU

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Bücher zu Mond, Mondlandung & Raumfahrt

Torben Kuhlmann

Armstrong. Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond

NordSüd Verlag, 20,– Euro

Dass Mäuse äußerst clevere und umtriebige Tiere sind, wissen wir, seit der Illustrator

Torben Kuhlmann ihre Abenteuer festhält. Auch bei »Armstrong« verknüpft

er in seinen großartigen Bildern, die Kleine wie Große stundenlang betrachten

können, fantasievoll Geschichte und Mäusemärchen miteinander.

Armstrongs Abenteuer beginnt mit seinen Mondbeobachtungen. Während seine

Mäusekumpel noch glauben, der Mond sei ein riesiger Käse, weiß Armstrong

es besser. Und er findet auch einen Unterstützer, nämlich Lindbergh, den Mäuserich,

der einst als Erster den Atlantik überquerte. Der macht Armstrong auch

Mut, an seinem Traum, zum Mond zu reisen, festzuhalten. Mut braucht es tatsächlich,

ebenso Ausdauer und Kraft, um Rückschläge wegzustecken und weiterzumachen.

Glücklicherweise gibt Armstrong nie auf und so werden wir Zeuge

seiner spektakulären Mondlandung. Als Familienunterhaltung ist auch die von

Bastian Pastewka lebhaft eingelesene Hörfassung sehr zu empfehlen. (sr)

Ab 6 Jahren.

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Joachim Brandenberg

Ein kleiner Schritt für die Menschheit

Jaja Verlag, 18,– Euro

Wenn man nur lange genug Richtung Osten wandere, müsse man schon irgendwann

an der Stelle ankommen, wo der Mond aufgeht! Zumindest denken genau

das die drei Wissenschaftler, die wir in dieser Graphic Novel auf ihrer Reise begleiten

dürfen.

Dabei widmet sich dieses Buch, trotz des berühmten Zitats im Titel, nicht der

gelungenen Landung, sondern eher den gescheiterten Versuchen, den Mond

zu bereisen. Dabei spielt natürlich das im Mittelalter vorherrschende Weltbild

die größte Rolle. Ist die Erde flach, sollte es doch gar kein Problem darstellen,

den Punkt zu erreichen, an dem der Mond aus der Erde kriecht. Die beschwerliche

Reise der drei Wissenschaftler wird dabei immer skurriler. Je weiter die

drei reisen, umso mehr versteifen sie sich auf ihren Glauben daran, dass es doch

klappen muss. Eine fantastische Reise in eine Zeit, in der die Astronomie noch

in den Kinderschuhen steckte, und eine Geschichte darüber, ob eigentlich mal

jemand den Mond gefragt hat, ob er überhaupt von Neil Armstrong besucht werden

möchte. (dh)

Matt Fitch / Chris Baker / Mike Collins (Ill.)

Apollo 11

Aus dem Englischen von Ebi Naumann

Knesebeck Verlag, 24,– Euro

Die Geschichte der ersten Mondlandung als Graphic Novel. Authentisch und im

Comic-Stil der 60er Jahre gehalten, ist dieses Buch nicht nur eines für eingefleischte

Comic-Fans, sondern auch für Interessierte, die sich mit der Geschichte

der drei Astronauten näher befassen möchten. Wir begleiten Neil Armstrong,

Buzz Aldrin und Michael Collins bei ihrem Werdegang, ihrer Ausbildung und bei

der Vorbereitung für die Mondlandung. Das Hauptaugenmerk gilt natürlich der

gefährlichen Mondmission, aber eben auch den ganz persönlichen Geschichten,

Ängsten und Sorgen der drei Helden in der Columbia-Kapsel. Überaus unterhaltsam

dürfen wir den dreien über die Schulter und in den Kopf schauen. Über was

mögen die drei nachgedacht haben? Wie gingen die Astronauten mit dem Risiko

um, das allgegenwärtig war? (dh)

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Alexander Gerst & Lars Abromeit

166 Tage im All

Frederking & Thaler Verlag, 40,– Euro

2014 war es so weit. Der deutsche ESA-Astronaut startete mit seiner

»Blue-Dot-Mission« von Baikonur aus ins Weltall zur Internationalen Raumstation

ISS. Dass diese Mission das Interesse von vielen Tausenden erwecken würde,

war zu Beginn seiner Reise noch gar nicht greifbar. Spätestens aber mit dem Beginn

der Social-Media-Aktivitäten (auf Twitter und Facebook) durch Alexander

Gerst wuchs die Begeisterung von Tag zu Tag. Tagesaktuell dokumentierte der

Wahlkölner fotografisch seine Eindrücke auf der Raumstation in 400 km Höhe

und nicht nur das: Er hielt unglaubliche Momente mit seiner Kamera fest, die für

die meisten von uns Erdenbewohnern so niemals sichtbar wären. Das Polarlicht

aus Sicht der ISS, die zerbrechliche Erdatmosphäre, Sonnenauf- und -untergänge

im Neunzig-Minuten-Takt. Unvergessen sind dabei seine Plädoyers für mehr

Nachhaltigkeit und Besonnenheit im Umgang mit unserem Planeten. In diesem

Bildband sind die schönsten und bewegendsten Aufnahmen von seiner 166 Tage

dauernden Mission zusammengefasst und kommentiert. Ein eindringlicher und,

nicht nur für Wissenschaftsfreunde, wichtiger Bildband. (dh)

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Floris Heyne mit Joel Meter, Simon Phillipson und Delano Steenmeijer

Apollo VII–XVII (englischsprachig)

teNeues Verlag, 50,– Euro

Was hatten Karl Lagerfeld und sämtliche Apollo-Astronauten gemeinsam? Sie

alle waren Hasselblad-Fotografen. Die NASA wollte sicherstellen, dass Film- und

Fotoaufnahmen bei den Missionen hundertprozentig gelingen. Die Technik dafür

musste noch entwickelt werden und Hasselblad erhielt damals den Zuschlag. In

der Folge entwickelten die Schweden eine technisch zuverlässige und sehr einfach

zu bedienende Kamera. Die Resultate sind heute weltbekannt – das Foto von

Buzz Aldrin im Meer der Ruhe, die aufgehende Erde aus dem Seitenfenster der

Apollo-8-Kapsel. Diese und viele weitere atemberaubende Aufnahmen aus den

Archiven der NASA haben die Autoren zusammengetragen, ausgewählt und in

diesem wunderbaren Bildband abdrucken lassen. (dh)

16 KUDU


emons:

immer ein guter thriller

Ulrike Schmitzer & Martin Thomas Pesl

Houston, wir haben ein Problem

Edition Atelier, 23,– Euro

Auf der Raumstation MIR gab es zwei Toiletten – zum Ärger der dort arbeitenden

Kosmo- und Astronauten war eine davon direkt neben dem Essbereich der

Station. Statt langweiliger Astronautenkost futtern Astronauten einfach die für

ein Experiment gedachten Zwiebeln, die eingelagert wurden. Kuriose und spannende

Geschichten rund um die Raumfahrt gehören genauso in dieses Buch wie

auch die aus dem gesamten Themenkomplex entwickelten Superhelden und

Science-Fiction-Werke, die schon wesentlich älter als die Raumfahrt selber sind.

Dieses Buch bietet einen Überblick über ein herrliches Kuriositätenkabinett sowie

Wissenswertes über Merkwürdigkeiten und Geschichtsträchtiges. (dh)

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Zack Scott

Apollo

Aus dem Englischen von Thomas Pfeiffer

Droemer Knaur, 28,– Euro

Seit jeher finde ich es unheimlich packend, wenn mir Menschen von ihren persönlichen

Erinnerungen an den 20. Juli 1969 berichten. Ob sie vor dem Fernseher

oder dem Radio lagen, Augen und Ohren gespitzt, auf eine der wichtigsten

Nachrichten der Menschheitsgeschichte wartend: »Houston, Tranquility Base

here – the Eagle has landed!« Fünfzig Jahre ist das nun her, hat nichts von der

Faszination eingebüßt und es gilt immer noch als das größte Abenteuer der

Menschheitsgeschichte. »Apollo« greift genau diese Faszination auf und bereitet

wichtige Daten und Abläufe in illustrierter Form auf. Jede Phase der einzigartigen

Reise von Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins, von der Planung

bis zur Landung, wird mit detaillierten Informationstexten eindrucksvoll aufs

Papier gebracht. (dh)

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Mondglobus

Columbus Verlag, UVP 99,90 Euro

Fra Mauro, das Meer der Ruhe, der Ozean der Stürme, die Hadley-Rille, das Descartes-Hochplateau

und Taurus-Littrow: die sechs Landestellen der Apollo-Missionen

von 1969 bis 1972. Der Mond übt nach wie vor eine immense Anziehungskraft

auf uns Menschen aus. Und auch in Zukunft wird er wohl eine wichtige

Rolle in der Raumfahrt spielen. Grund genug, sich intensiver mit unserem Erdtrabanten

auseinanderzusetzen. Dieser Globus veranschaulicht nicht nur die

Schwierigkeiten, die bei den Apollo-Landungen fast zum Scheitern der ersten

Mondlandung geführt haben. Endlich können wir auch einen Blick auf die Rückseite

unseres Nachbarn werfen. (dh)

ISBN 978-3-7408-0505-0 · € (D) 10,90

ISBN 978-3-7408-0499-2 · € (D) 14,95

ISBN 978-3-7408-0522-7 · € (D) 14,95

ISBN 978-3-7408-0530-2 · € (D) 14,95

www.emons-verlag.de

KUDU

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welle(n) in der nacht

RADIO ANKERHERZ

Manchmal weiß man wirklich nicht, welchen Faden man zuerst

aufnehmen soll, um eine Geschichte zu beginnen.

Ist es der allererste Kontakt mit Helgoland? Wir betreten die Insel

und verwünschen uns, weil wir die Rückfahrt erst für den nächsten

Tag gebucht haben. Was sollten wir hier?

Ist es die Geschichte zweier Männer, die sich hier treffen, beide

(im positiven Sinne) verrückt genug, um aus dem Nichts Radio zu

machen, ohne Vorkenntnisse?

Oder beginne ich die Geschichte ganz woanders, viel profaner, in

meinem Arbeitszimmer an einem gewöhnlichen Wochentag wenige

Minuten vor Mitternacht?

Ich höre Radio Ankerherz. Den Sender kenne ich erst seit ganz

kurzem, den namensgebenden Verlag aus Hollenstedt vor den Toren

Hamburgs und seinen Verleger Stefan Kruecken seit ein paar

Jahren. Stefan Kruecken ist nicht immer Verleger gewesen. Reporter

war er, ein Jahr sogar als Polizeireporter in einer amerikanischen

Großstadt unterwegs. Mit 32 Jahren entschied er sich, mit

nur einem Buch einen Verlag zu gründen.

»Wir sind damals volles Risiko gegangen, ohne Netz und doppelten

Boden. Das tun wir bis heute.« In der Tat versteht Kruecken

seinen Verlag auch nicht als reines Buchgeschäft, sondern als Gesamtkonzept,

Geschichten zu erzählen von See und Seefahrt, von

Helden des Alltags, egal ob Seenotretter, Bergmann oder Nonne.

Spannend müssen die Geschichten sein, sonst hat nichts eine Relevanz.

Doch damit nicht genug. Stefan Kruecken lässt in Island

Pullover stricken und bietet sie über seinen Verlag an. Er stellt aus

alten Marinebeständen neue Seemanns-Parka her. Er importiert

das isländische Nationalgetränk Brennivin (der schwarze Tod) und

er organisiert Kreuzfahrten vor der Haustür (Heimathäfen-Tour nach

Sylt-Helgoland-Borkum), aber auch über den Nordatlantik nach Island.

Im Januar, mit vorhersehbaren Sturmböen.

Und jetzt also Radio Ankerherz – die Welle zum Meer.

Die Uhr zeigt Mitternacht und plötzlich verstummt die Musik, verzieht

sich der Moderator. Stattdessen nur noch Meeresrauschen: Wellen, die

am Strand ausrollen, das Zischen und Kribbeln von Steinchen, Muscheln,

Sand, wenn das Wasser sich zurückzieht. Wasser, das sich an Klippen

bricht, gewaltige Brandung, glucksende Gleichmäßigkeit. Alles, was ein

Meer ausmachen kann in einer Nacht. Nein, in jeder Nacht, immer von

null bis sechs Uhr. Sehr beruhigend.

Warum Helgoland? Wäre der Sender nicht am Verlagssitz in Hollenstedt

besser aufgehoben gewesen?

Eine Welle vom Meer muss aus dem Meer kommen, ist wohl die emotionalere

der beiden Antworten, die Stefan Kruecken mir gibt. Die andere

macht dann auch praktisch Sinn. Bei einer seiner Heimathäfen-Kreuzfahrten

habe er Thore Laufenberg getroffen, der wenige Wochen zuvor

Radio Helgoland gegründet hatte. »Geh da mal hin. Den Typen musst du

kennenlernen. Der ist so verrückt wie du«, sagte man Kruecken. Die beiden

hätten dann ein bisschen »gequatscht« (O-Ton Laufenberg) und »zwei

Tage später hat Stefan mich angerufen und gefragt, ob ich mir vorstellen

könne, mit ihm Radio Ankerherz ins Leben zu rufen«.

Rein technisch scheint Internet-Radio »wirklich kein Hexenwerk« zu

sein, bestätigen die beiden. Man kann eine Menge automatisieren und

standardisieren. Deshalb könne man sich aufs Programm konzentrieren.

Stefan und Thore teilen sich die Moderationsarbeit. Dabei ist es ihnen

wichtig, dass niemand Chef ist.

18 KUDU


Fotos:© Dirk Uhlenbrock

»Wir sind hier hierarchiefrei. Jeder darf alles und macht es

auch«, sagt Laufenberg und schiebt dann noch einen Insider-Gag

hinterher: »Du darfst über alles reden, nur nicht über Zweidreißig.«

Es braucht eine Weile, bis ich die alte Reporterfaustformel begreife.

Das Studio befindet sich in der Siemensterrasse in einem ehemaligen

kleinen Modegeschäft. Sobald die Temperaturen es zulassen,

werden die bodentiefen Fenster geöffnet, dann arbeitet man quasi

auf der Straße mitten im Geschehen.

»Das war nicht von Anfang an so«, erzählt Laufenberg. »In den

ersten Wochen war ich auf anderthalb Quadratmetern untergebracht,

sozusagen in nicht artgerechter Moderatorenhaltung.«

Die Themen von Radio Ankerherz sind das Meer und Menschen,

die mit ihm leben, und natürlich ehrlicherweise Musik. Sie ist tatsächlich

einer der Gründe, warum Stefan Kruecken den Sprung ins

Internetradio gewagt hat. Es war nicht die Aussicht auf schnellen

Profit, »... aber es wäre nicht verkehrt, wenn wir langsam Werbepartner

finden, um die Kosten zu decken.« Nein, es ist seine Liebe

zur Musik: »Ich liebe Musik, Al Green, Aretha Franklin, Gregory

Porter, Jason Isbell, die werden aber selten bis nie im Format-Radio

gespielt ... Und bitte morgens kein Gelaber. Ich finde es furchtbar,

wenn man im Radio um sechs Uhr gute Laune spielt und so laut

lacht. Wir haben deshalb die ›Moin-Show‹. Da sagen wir manchmal

nur ›Moin‹ und ansonsten wird Musik gespielt.«

Mittlerweile sind wir einige Stunden auf der Insel und beginnen

unsere Vorurteile der gröberen Art zu revidieren. Das Wetter meint

es gut an diesem Februartag. Und dass die Helgoländer es geschafft

haben, Ende der 1950er Jahre ihre Insel aus dem Nichts wieder bewohnbar

zu machen, ist ihnen hoch anzurechnen. Natürlich war Architektur

damals sehr zweckmäßig und einfach. Die beiden Orte im

Ober- und Unterland sind zudem sehr dicht bebaut. Wahrscheinlich

rückt man näher zusammen bei zehn Windstärken. Und die gibt es

bald alle vierzehn Tage hier. Am meisten beeindruckt haben uns

aber die Leute. Sie sind geradeheraus, bisweilen etwas störrisch,

aber immer herzlich. Und sie probieren Dinge aus, die nirgendwo

anders besser getestet werden können als auf Helgoland. Zum Beispiel

einen Radiosender, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben,

wie man Radio macht.

»Die erste Moderation war, glaube ich, nicht so gut«, sagt Thore

Laufenberg.

Und Stefan Kruecken? Auf die beiden Fragen »Können Sie Radio?

Haben Sie das gelernt?« antwortet er: »Nein und nein! Die ersten

Moderationen sind entsprechend gruselig. Inzwischen geht es aber

ganz gut, schreiben zumindest die Hörer.«

Die Zahlen sprechen für sich und 400.000 Hörer pro Monat können

sich sehen lassen.

»Experiment geglückt«, sagen wir und verabschieden uns mit der

kleinen Freude, doch noch einen Tag länger auf dieser speziellen

Insel bleiben zu dürfen.

Thomas Schmitz

KUDU

Foto:© Ankerherz

19


Isabelle Autissier

Herz auf Eis

Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig

mare, 22,– Euro

bücher über das MEER

Suzy Lee

Welle

360 Grad, 14,– Euro

Die Sonne scheint, die Möwen fliegen über den Strand, das kleine Mädchen ist

glücklich, am Meer zu sein! Neugierig verfolgt sie das Spiel der Wellen, weiß noch

nicht, wie sie das Kommen und Gehen des Wassers einordnen soll. Schnell wird

sie mutiger, nähert sich und erschrickt fürchterlich, als sie von einer Welle überrascht

wird. Doch die hinterlässt Geschenke, die die Kleine versöhnlich stimmen.

Suzy Lee braucht für ihr Bilderbuch keine Worte, sie schafft es mit wunderbar

leichten zweifarbigen Illustrationen, die Gefühle des kleinen Mädchens, das am

Strand steht und mit der Welle spielt, derart einzufangen, dass man ganz genau

weiß, was in dem Kind vorgeht. Poetisch, leise und einfach wunderschön! (sr)

Ab 3 Jahren.

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Piotr Karski

Meer! Das Wissens- und Mitmachbuch

Aus dem Polnischen von Marlena Breuer

Moritz Verlag, 19,– Euro

Wissensvermittlung par excellence – das ist »Meer!«. Auf jeder Doppelseite finden

junge Forscher Aufträge und Anregungen, die dazu dienen, sich ganz spielerisch

mit allem, was mit Meer und Wasser zu tun hat, auseinanderzusetzen.

Angefangen von Magellans berühmter See-Expedition, die man mit Stift und

Finger nachreisen kann, über Knotenkunde und Wolkenbeobachtungen hin zum

Aufspüren von Betrügerfischen und dem Nachbau einer Qualle: Die Themen und

Beschäftigungsvorschläge sind nicht nur extrem vielfältig, sondern auch wunderbar

grafisch aufbereitet. (sr)

Ab 9 Jahren.

Louise und Ludovic, ein junges Paar aus Paris, könnten zufrieden sein, denn

sie führen ein erfolgreiches Leben in der Hauptstadt mit guten Jobs und vielen

Freunden. Wäre da nur nicht die Angst vor der Mittelmäßigkeit der Generation

Y, der Sorge vor dem Abstumpfen im Alltag, der dringliche Wunsch, das Leben

so richtig zu spüren, bevor man zu alt ist. Aus all diesen Gründen brechen die

beiden zu einer Segeltour auf und schippern von den Kanaren über Brasilien

Richtung Patagonien. Sie fühlen sich frei und sie sind glücklich. Bis sie auf einer

unbewohnten Insel an Land gehen und ihr Boot bei einem Sturm sinkt. Ab

dann geht es um existenziellere Dinge – um Hunger, Kälte und das Überleben.

Die schlichte Sprache unterstreicht den Überlebenskampf und gleichzeitig die

Schönheit und Größe der Natur in einer grandiosen Art und Weise. Dies ist ein

Roman, der mit voller Wucht zuschlägt. (es)

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Uwe Bahn (Hrsg.)

Inselstolz. Zwischen Strandkorb und Sturmflut

Ankerherz, 29,90 Euro

Der Ankerherz Verlag ist ein kleiner, feiner Verlag, der am liebsten Bücher verlegt,

die am Meer spielen, noch viel lieber über Menschen, die dort leben und

zu wahren Alltagshelden wurden. »Inselstolz« erzählt in 25 Geschichten über 25

Menschen, die in irgendeiner Weise etwas mit dem Meer zu tun haben. Ein Inselwirt

von Neuwerk kommt zu Wort, der Chef von Sylts legendärem Grandhotel,

ein Mädchen beschreibt seinen Alltag in einer Halligschule, eine Münchnerin

findet auf Hooge ihren Frieden. Spannende Lektüre, die Lust auf mehr (Meer)

macht, in edlen Leinendeckeln mit Schutzumschlag und Lesebändchen. (ts)

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Tom Blass

Die Nordsee. Landschaften, Menschen und Geschichte einer rauen Küste

Aus dem Englischen von Tobias Rothenbücher

mare, 28,– Euro

»Wer hätte gedacht, dass ein Buch über eine tückische Weite aus eiskaltem, graugrünem

Wasser solch ein Vergnügen bereiten kann«, schreibt die Daily Mail nach

Erscheinen der englischen Originalausgabe. So habe ich die Nordsee eigentlich

noch nie betrachtet, aber als alter Ameland-Fahrer kenne ich ja auch nur einen

kleinen, von Urlaubslaune getränkten Teil des Meeres. Und wenn es hier auf der

holländischen Nordseeinsel schon ordentlich kibbelig werden kann, möchte ich

mir nicht ausmalen, wie es weiter im Norden zugeht, wenn Schlechtwetter aufzieht.

Tom Blass ist bis an die entlegensten Küstenstreifen, in die kleinsten Buchten

gefahren und hat mit Fischern, Künstlern, Historikern und Bürgermeistern gesprochen.

Gesammelt hat er alles: Mythen, Legenden, Anekdoten, Kuriositäten.

Entstanden ist ein opulentes Buch, das die Vielseitigkeit der Nordsee, ihrer Anrainerstaaten

und Bewohner widerspiegelt. Und nach der Lektüre zeigt sich, so

unversöhnlich, wie die Nordsee manchmal erscheinen mag, ist sie ganz sicher

nicht. (ts)

20 KUDU


Nick Dybek

Der Himmel über Greene Harbor

Aus dem Amerikanischen von Frank Fingerhuth

mare, 10,– Euro

Der Klassiker

der Meeresliteratur

Endlich bei mare – in

ungekürzter Neuübersetzung

Cal, der vierzehnjährige Sohn eines Hochseefischers, wächst an der amerikanischen

Pazifikküste im äußersten Nordwesten auf. Zu seinem Vater, der jeden

Herbst monatelang auf Krabbenfang in der Beringsee ist, hat er ein distanziertes

Verhältnis. Dramatisch wird es in dem Ort, als der Besitzer der Fangflotte John

Gaunt ziemlich plötzlich verstirbt und in dem Städtchen durchsickert, dass der

einzige Sohn Richard wenig Interesse an dem Erbe hat und die Fanglizenzen womöglich

an die Japaner verkaufen möchte. Niemand in dem Ort will in die drohende

Erwerbslosigkeit und so schmieden die Fischer offenbar einen Plan, sich

des Problems zu entledigen und Richard zu töten. Cal, der das konspirative Zusammentreffen

der Fischer belauscht hat, steckt in einem Dilemma. Entscheidet

er sich für Recht oder Gesetz (und wie unterscheidet man beides)? Verrät er die

Fischer und damit seinen Vater? Oder schickt er Richard in den Tod? Ein atemraubendes

Buch, lakonisch, melancholisch, überraschend und geschrieben von

einem Menschen, der gerade einmal über dreißig Jahre alt war. (ts)

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John Ironmonger

Der Wal und das Ende der Welt

Aus dem Englischen von Maria Poets und Tobias Schnettler

S. Fischer Verlag, 22,– Euro

Der Wal strandet im kleinen, verschlafenen Fischerdorf namens St. Piran irgendwo

an der englischen Küste, wo die Uhren stehen geblieben sind und ein jeder

seinen Nachbarn kennt. So unbedeutend St. Piran für den Rest der Welt sein mag,

bedeutet es für seine Bewohner alles. Es liegt beinahe so versteckt, dass nur der

Wal es finden kann, für Menschen ist es vom Land aus mit nur einer einzigen

Zufahrtsstraße um einiges schwerer zu entdecken. Genau wie der Wal taucht

fast zeitgleich der unbekannte Londoner Joe auf und krempelt sogleich alles um.

Er kann die Einheimischen bei der Rettungsaktion des Meeressäugers für sich

einnehmen und mietet sich im Kirchturm ein, wo er Konserven und andere Nahrungsmittel

für kargere Zeiten einlagert. Doch ganz geheuer ist Joe längst nicht

allen. Vielleicht zu Recht, denn die unbeschwerte Idylle ist schnell vorüber und

Joe bringt die gesamte Dorfgemeinschaft in einen lebensbedrohlichen Schlamassel.

Eine wahrlich eigentümliche Geschichte, in der der Wal und der Zeitenlauf

nicht nur die Küstenbewohner so manches Mal aus der Bahn werfen können und

kaum ein Ereignis vorhersehbar ist. (mh)

416 Seiten,

Leineneinband mit Lesebändchen im Schuber

€ 42,–

ISBN 978-3-86648-291-3

www.mare.de

Robinson » Crusoe ist das

eine Buch, das uns alles lehrt, was

Bücher uns lehren können.«

Jean-Jacques Rousseau

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Ian McGuire

Nordwasser

Aus dem Englischen von Joachim Körber

mare, 22,– Euro

Man sollte ein Buch ja nicht nach seinem Cover beurteilen, das haben in diesem

Fall aber doch nicht wenige Menschen getan. Es spiegelt so ziemlich das wider,

was man vom Buch zumindest erwarten möchte: Drama auf hoher See in ferner

Zeit und die Aussicht, einen Seefahrerroman mit literarischem Tiefgang zu lesen.

Die Volunteer, ein englisches Walfangschiff, nimmt Mitte des 19. Jahrhunderts

Kurs auf die in arktischen Gewässern liegende Baffin-Bucht. Mit an Bord

sind Henry Drax, Harpunierer ohne jedes Gewissen, und Patrick Summer, ein

Arzt mit zweifelhafter Biografie. Die Lage an Bord spitzt sich zu, als Summer

den Harpunierer des Mordes an einem kleinen Schiffsjungen überführt. Und

während sich der Konflikt zwischen den beiden immer weiter verschärft, wird

auch der abgrundtiefe Sinn dieser Expedition deutlich. Hier geht es nicht mehr

um Walfang – und das Schiff darf englisches Gewässer nie wieder erreichen. (ts)

© VladimirCeresnak / Shutterstock.coms

mare

KUDU

21


Für mich waren die Kochbücher ein Segen, die warben, mit

sechs, vier oder gar drei Zutaten auszukommen. Neulich hatte

ich sogar eines in der Hand, das sinngemäß hieß »Kochen mit

nur zwei Zutaten«. Da wurde ich dann doch etwas stutzig. Aber

drei gute Zutaten, das habe ich mir immer gewünscht – Kochen

ohne Hexeneinmaleins.

Fotos:© Thomas Schmitz

Dann aber entdeckte ich die Kochbücher von Yotam Ottolenghi

und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Israelisch-palästinensische

Küche eines Starkochs, der in London ein Erste-Liga-Restaurant

betreibt, das Nopi in Soho.

Plötzlich war alles anders, ich fand mich in orientalischen Supermärkten

wieder, um Gewürze und Lebensmittel zu besorgen, die es

bei Aldi, REWE und Co. nicht gibt, und versuchte mich an Zutaten

wie Isot Biber, Sumach oder eingelegten Zitronen.

Vor wenigen Monaten erschien nun ein weiteres Kochbuch des

Wahl-Londoners mit dem verheißungsvollen Titel »Simple«. Die

Einschränkung folgt aber gleich in der Einleitung: lediglich zehn

Zutaten benötige man, um ein echtes Ottolenghi-Gericht auf den

Tisch zu bringen.

Diese Vielfalt klingt gar nicht so einfach, denke ich mir und lese,

dass es für Yotam Ottolenghi ebenfalls eine Herausforderung war.

Er konnte sich nämlich nicht vorstellen, mit nur zehn Zutaten überhaupt

kochen zu können. Deshalb merkt er auch gleich an, Salz und

Pfeffer, Zwiebeln und Knoblauch würde er, bitte schön, extra zählen.

Was dem Profi also einfach und unkompliziert erscheint, kann

für einen Gelegenheitskoch der reinste Alptraum werden.

Ich möchte es genauer wissen und stelle die Frage einem Profikoch:

Ist es ein Widerspruch in sich, in der Küche von »simpel« zu

sprechen, wenn man immer noch zehn Zutaten gleichzeitig verarbeiten

muss?

Patty Jabs, 46 Jahre, ist gelernter Koch, arbeitete unter anderem

im Team Witzigmann und trat als Fernsehkoch in der Show »Kochalarm«

auf, bevor er sich entschloss, gemeinsam mit seiner Frau

Steffi in einer alten Fabrikhalle im schönsten aller Essener Stadtteile,

in Werden, eine Kochschule zu eröffnen. Seit sieben Jahren

kocht er mit immer der gleichen großen Leidenschaft in seinem

»Lecker Werden«.

»Wir müssen es ausprobieren, danach können wir uns ein Urteil

erlauben«, meint Jabs und blättert (durchaus interessiert) in dem

Kochbuch mit der knallgelben Zitrone auf dem Cover.

Drei Gerichte sind es, für die wir uns entscheiden, ein komplettes

Menü. Als Vorspeise soll es gefüllte Zucchini geben, als Hauptgericht

gebackenen Reis mit einer orientalischen Salsa und Lammfrikadellen,

zum Dessert ein spannendes Feigengericht.

»Du bringst noch zwei Leute mit, ich besorge die Zutaten, wir

veranschlagen drei Stunden. Das muss reichen.« Die Sätze sind

kurz, die Anweisungen knapp und klar. Ich bekomme eine Ahnung

davon, wie in Profiküchen kommuniziert wird, wenn ein Gericht

nach dem anderen ins Restaurant getragen werden muss.

Wir treffen uns an einem Dienstag, einem der beiden Ruhetage

von »Lecker Werden«. Ich habe Dennis und Mechthild an meiner

Seite, Kollege und Kollegin mit Kocherfahrung, aber eben keine

Profis. Patty Jabs hat schon vorgearbeitet. Zutaten und Werkzeuge

liegen bereit, er studiert letzte Details in den Rezepten, begrüßt

seine Helfer und verteilt bestimmt die Aufgaben.

»Eins musst du dir merken«, meint er zu mir und erwartet, dass

ich mitschreibe. »Egal, was du machst, du brauchst immer gute Zutaten

und die sind nicht billig. Die können gar nicht billig sein.«

Habe ich Lektion eins also schon einmal gelernt! Und Lektion

zwei folgt auf dem Fuße:

»Du kannst bei Ottolenghi nicht kochen, ohne dir vorher einen

Einkaufszettel geschrieben zu haben. Das gehört einfach dazu.

Hier geht es um Fülle, Vielfalt und Überraschungen. Das hat man

ja nicht alles im Kopf.«

Dann aber kommt die erste Entwarnung. Viele der Arbeitsschritte

sind bestens vorzubereiten. Gut, wenn Gäste kommen, dann

kann man alles kurz vor dem Servieren zusammenfügen. Das hilft

auch dem Ungeübten, muss er doch nicht alles zeitgleich erledigen.

22 KUDU


Simple?

Simple!

Ein Kochversuch

Die Vorspeise:

Zucchini mit einer Pinienkernsalsa.

Die Zutaten (abgesehen von zwei großen Zucchini): Knoblauch

(zählt nicht), verquirltes Ei, fein zerkleinertes Sauerteigbrot, Zitrone,

Oregano, Pinienkerne, Olivenöl. Pfeffer und Salz versteht sich

von selbst. Die Salsa ist schnell gemacht und kann an die Seite gestellt

werden. Die Zucchini werden der Länge nach aufgeschnitten,

das Fruchtfleisch ausgeschabt und ausgedrückt. Hier kommt ein

erster kleiner Profitipp. Patty Jabs fügt dem Fruchtfleisch Salz hinzu.

So verliert es wesentlich mehr Wasser und die Vorspeise wird

noch aromatischer. Salsa auf die Zucchini verteilen und zu gegebener

Zeit zwanzig Minuten in den Backofen. Fertig.

Der Hauptgang:

Gebackener Reis mit Minze und Granatapfel-Oliven-Salsa.

Lammfrikadelle mit Sumach-Joghurt.

Denkbar einfach ist die Zubereitung des Reises. Reis in eine Schale

geben, doppelte Menge Wasser dazu, Butter hinzugeben und ebenfalls

für einige Zeit in die Röhre. Patty Jabs kocht Reis immer mit

Brühe statt mit Wasser, das sei einfach würziger. Ich frage ihn, warum

man den Reis nicht einfach im Kochtopf gart. Vermutlich, meint

er, würde der Reis so lockerer bleiben.

Wie bei der Vorspeise lässt sich die Salsa gut und einfach vorbereiten:

entsteinte Oliven, Granatapfelsirup, Granatapfelkerne, geröstete

Walnusskerne, Knoblauch, Olivenöl vermengen.

Tatsächlich konnte auch unser Chefkoch etwas lernen. Granatapfelkerne

mit einem Holzlöffel aus der Frucht zu klopfen, das hatte

er wohl noch nie gesehen.

Zum Reis gibt es Lammfrikadellen (letztendlich so einfach zuzubereiten

wie andere Frikadellen auch). Nur beim Sumach-Joghurt

runzelt Patty Jabs die Stirn, er findet ihn einfach nicht gut gewürzt.

Versalzen könne man alles, überwürzen aber nur weniges, sagt er

und nimmt die doppelte Menge Sumach. Etwas ruppig, finde ich,

aber jetzt schmeckt es tatsächlich.

Das Dessert lassen wir ausfallen. Es wäre am Mittag zu viel des

Guten, könnten wir anbringen, aber der eigentliche Grund sind fehlende

Feigen, es gibt einfach keine richtig reifen zu dieser Jahreszeit.

Verschieben wir also Clafoutis (eine Mischung aus Auflauf und

Kuchen) mit Feigen und Thymian auf einen nächsten Kochversuch.

Lohnen würde es sich bestimmt.

SIE MUSS DAS HERZ

DES PRINZEN STEHLEN.

IM WAHRSTEN SINNE

DES WORTES.

SARA WOLF

Heartless

Band 1: Der Kuss der Diebin

ISBN 978-3-473-40178-9

€ [A] 19,60 / SFr. 27.90 / € [D] 18,99

Um ihre Freiheit zurückzugewinnen, muss eine junge

Diebin das Herz des Kronprinzen stehlen – und zwar im

wahrsten Sinne des Wortes. Doch sie hat nicht damit

gerechnet, Gefühle für ihr Opfer zu entwickeln …

www.ravensburger.info/heartless

Und das Resultat?

First of all: Alles hat wunderbar geschmeckt. Und ja, »Simple« ist

kein Hexenwerk und uneingeschränkt zu empfehlen!

Übrigens haben die drei Köche statt drei nur zwei Stunden benötigt.

Blieb eine mehr zum Essen und Plaudern. Das gehört schließlich

dazu.

Thomas Schmitz

Yotam Ottolenghi

Simple – Das Kochbuch

Dorling Kindersley, 28,– Euro

KUDU

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Sophia Hoffmann

Zero Waste Küche

ZS Verlag, 24,99 Euro

»Ich sehe keine Mängel, sondern Möglichkeiten.« Das neue Kochbuch von Sophia

Hoffmann ist wirklich eine Bereicherung der Zero-Waste-Familie. Es ist sowohl

für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene im Bereich Kochen und Müllvermeidung

geeignet. Hier werden Lebensmittel wertgeschätzt. Die Fakten zu Lebensmittelverschwendung,

Mindesthaltbarkeit, Nachhaltigkeit, Öko-Landbau,

Einkaufen und Saisonkalender helfen, das Einkaufen zu organisieren und dabei

möglichst wenig Müll zu produzieren.

Im nächsten Kapitel erklärt die Köchin und Foodbloggerin, wie man die vierzig

von ihr ausgesuchten Lebensmittel am effektivsten verwenden kann. Wie kann

man beim Einkaufen Müll vermeiden? Wie sieht es mit der Haltbarkeit aus? Wie

werden Obst oder Gemüse am besten gelagert? Aufgepeppt wird alles mit kulturgeschichtlichen

Fakten und Sophia Hoffmanns ganz persönlichen Erfahrungen.

Die Rezepte im letzten Teil sind mehr als kreative Resteverwertung: meist alltagstauglich,

vielseitig untereinander kombinierbar und einfach lecker! (mn)

7x KOCHEN, 1x gin

Liza Asseily / Ziad Asseily

Libanon. Das Kochbuch. Mezze, Manakish und Taboulé

Aus dem Französischen von Sibylle Segovia

Dorling Kindersley Verlag, 24,95 Euro

Im April 2005 eröffneten Liza und Ziad Asseily in Paris in der Rue de la Banque

das Restaurant Liza und sind seitdem damit sehr erfolgreich. Mit diesem Buch

laden sie uns ein, das Land zu entdecken, die Menschen und die libanesische Küche

mit all ihren Köstlichkeiten kennenzulernen – von der Limonade bis zur Mezze-Tafel.

Gleich am Anfang werden die wichtigsten Zutaten vorgestellt: Bulgur,

Freekeh, Granatapfelsirup, Halloumi, Labneh, Olivenöl, Orangenwasser, Sumach

und viele mehr. Es geht weiter mit dem Frühstück und Brunch, wobei im Libanon

mit Dicken Bohnen und Kichererbsentopf recht deftig in den Tag gestartet wird.

Es folgen Mittag- und Abendessen mit köstlichen Gerichten wie Rote-Bete-Salat

mit Spargel oder gebratenem Halloumi und Tomatenkonfitüre. Es ist ein herrliches

Buch, das beim Blättern einfach Lust macht, gleich loszukochen. (mr)

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Henry Firth & Ian Theasby

Bosh. Einfach – Aufregend – Vegan

Aus dem Englischen von Stefanie Schaeffler

Edition Michael Fischer, 22,– Euro

Vegane Ernährung ist ja Gott sei Dank mittlerweile von dem Stigma befreit, Küche

für Langweiler zu sein. BOSH, die beiden Foodblogger Henry Firth und Ian

Theasby, sind aus ihrer Online-Welt herausgekommen und haben ein ziemlich

schönes Kochbuch auf den Markt gebracht. Die beiden, die einen YouTube-Kanal

mit einem Millionenpublikum haben, treten an, allen, die pflanzlich kochen

möchten, aber nicht so recht wissen, wie sie es anstellen sollen, einen perfekten

Einstieg zu bieten. Die Rezepte sind einfach nachzukochen, die allermeisten Zutaten

findet man auf dem Markt oder im Supermarktregal. Das Kochbuch selbst

ist ausgesprochen übersichtlich und schon allein die Bilder machen Appetit auf

eine immer stärker ins Bewusstsein der Menschen tretende neue Koch- und Esskultur.

(ts)

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Kat Menschik

Essen essen

Galiani, 18,– Euro

Was passiert, wenn man eine Illustratorin und Grafikerin ein Kochbuch nicht

nur schreiben und illustrieren, sondern auch gleich ganz gestalten lässt, sieht

man an diesem Buch. Klein, originell, mit Verlaub: etwas chaotisch, dabei aber

ungemein sympathisch. Und hat man sich erst einmal an das ganze Gewusel, das

unnötige witzig-schöne Beiwerk gewöhnt, dann, ja dann kann man damit sogar

arbeiten und daraus kochen. Kat Menschik, erfolgreiche Illustratorin und Buchgestalterin,

hat sich einem ihrer Lieblingsthemen gewidmet und Familienrezepte

aufgeschrieben. Manches kennt und kann man aus dem FF (Hühnersuppe, Kartoffelgratin),

anderes ist schon unbekannter und trotzdem nachkochbar (Chatschapuri,

Tschakapuli – Frau Menschik hat offenbar ein Faible für Georgien),

wieder anderes kommt einfach nur sympathisch altbacken daher (Schmorgurke,

Eierlikör). Sollten Sie darüber nachdenken, ein solches Buch zu verschenken,

dann kaufen Sie gleich zwei und behalten eins! Es lohnt sich! (ts)

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Mochi / Vanessa Maas & Christian Nilson (Fotos)

Izakaya. Japanisches Barfood für Zuhause – Das Kultbuch zum Kultlokal Mochi

Brandstätter Verlag, 30,– Euro

»Izakaya ist der beliebteste Treffpunkt für den Feierabend mit Freunden und

Kollegen in Japan.« Dieser Treffpunkt ist eine Art japanische Kneipe, hier wird

nicht nur getrunken, sondern zu jedem Getränk, das über den Tresen geht, gibt

es immer eine Kleinigkeit zu essen. So kann es passieren, dass man mit Freunden,

Kollegen, der Familie und mit diesen Köstlichkeiten einen gemütlichen

Abend versitzt und verplaudert. Das Mochi ist ein Restaurant in Wien und die

Mochi-Geschichte handelt von vier Freunden und ihrer Begeisterung für die japanische

Esskultur. In diesem wunderschönen Kochbuch bekommen wir einen

Überblick der beliebtesten Rezepte, bei denen japanische Kochprinzipien mit

europäischen Zutaten verschmolzen werden. Dabei sind die köstlichen Gerichte

einfach nachzukochen und die dazugehörigen Getränke runden diese Geschmackskombinationen

ab. (mr)

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My Feldt

Apfelduft & Heidelbeerblau. Backen mit Früchten, Beeren und Blüten

Aus dem Schwedischen von Jenny-Anne von Rußdorf

AT Verlag, 29,– Euro

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My Feldt ist Köchin und Konditorin. Sie führt in Halmstad, zwischen Malmö und

Göteborg, ihre eigene Bäckerei/Konditorei. Ihr ungewöhnliches Backbuch ist besonders

schön und liebevoll gestaltet. Die prächtigen Fotos von Linda Lomelino

laden ein zum Träumen und die herrlichen Rezepte für Tartes und Tartelettes,

Kekse und Kuchen und weitere süße Leckereien wecken Neugier und Backlust.

Die Begeisterung und Freude am Backen spürt man in den siebzig Rezepten, die

nach Jahreszeiten ausgewählt wurden. Das Frühlingserwachen zum Beispiel mit

einem wunderbaren Rezept für Rhabarberkompott, der Frühsommer wird begleitet

von Fliedersirup, Fliedersaft, Flieder-Rosen-Zucker und vielen ausgefallenen

Erdbeerrezepten. Sommerduft und Beerenrausch im Hochsommer mit himmlischen

Torten, Tartes und Marmeladen. Ja, auch die Herbst- und Winterrezepte

lesen sich so verlockend, dass man diese ebenfalls sofort ausprobieren möchte.

(mr)


E INE FÜR ALLE,

A L L E F Ü R DIC H !

MIT COOLER

INNENGESTALTUNG

Johan Rockström

Eat Good. Das Kochbuch, das die Welt verändert

Aus dem Schwedischen von Elke Adams

Gerstenberg Verlag, 34,– Euro

Nachhaltigkeit und Saisonalität spielen in deutschen Küchen eine immer größere

Rolle. Im Prinzip sind diese Eigenschaften auf jedes Kochbuch anwendbar und

eigentlich sollten sie in der heutigen Zeit selbstverständlich sein. Wenn man Johan

Rockström Glauben schenken darf, haben die Schweden aus ihrer vergangenen

Versorgungsnot eine kulinarische Tugend entwickelt und auch bis heute beibehalten.

Oben genannte Eigenschaften werden beherzigt und gelebt. Typisch

skandinavische Küche wird hier mit saisonalem Flair und reichlich Variationsmöglichkeiten

dargeboten. Dabei bestechen die Rezeptangebote durch ihre einfache

Aufmachung und Umsetzung. Einkaufs-, Vorrats- und Kochtipps selbstverständlich

inklusive. Zugegeben, manche Zutat mag etwas exotisch wirken, aber

am besten man überzeugt sich selbst von den Rezepten. Persönliche Empfehlung

zum Nachkochen: das Wildschwein »bourguignon« auf Seite 120. (dh)

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Frédéric Du Bois & Isabel Boons

Gin & Tonic. Das ultimative Handbuch für den perfekten Mix

Aus dem Englischen von Anke Wagner-Wolff und Michael Auwers

Gerstenberg Verlag, 29,95 Euro

Ab 10 · 224 Seiten · 11,00 € · ISBN 978-3-522-50611-3

MIT STICKER

ZUM ABZIEHEN,

ZIMMERVERSCHÖNERN

ODER VERSCHENKEN!

Nach dem vielen Essen wird es jetzt aber Zeit für einen Absacker! Wobei Gin Tonic

eher nicht zu den klassischen Absackern zählt. Vielmehr ist Gin, trotz seiner

schon langen Geschichte, seit einigen Jahren das In-Getränk in sämtlichen

Bars … Vor dem Essen, nach dem Essen, den ganzen Abend lang. Ein regelrechter

Gin-Boom hat dafür gesorgt, dass der Laie bei immer neuen Gin-Sorten und

Tonic-Kombinationen schnell den Überblick verliert. Hier hilft dieses ultimative

Handbuch. Es stellt die wichtigsten Gins vor, verrät Herkunft, Geschmack und

Aroma und, falls bekannt, die Zutaten. Außerdem natürlich, wie sie am besten

zu kombinieren sind. Wer seinen Gin am liebsten vom Profi gemixt genießen will,

dem werden die besten Gin-Bars vorgestellt, und Köche, die auf das Trend-Getränk

nicht verzichten wollen, finden einige außergewöhnliche Rezepte für Gerichte

mit Gin und Tonic. Auch die Theorie kommt in diesem Handbuch nicht

zu kurz. Die Geschichte des Gins – von seiner ersten Erwähnung 1552 über die

Gin-Epidemie in England im 18. Jahrhundert, die Prohibition in Amerika und

seine Glanzzeit in den 20er Jahren bis zur aktuellen Beliebtheit – wird kurz und

unterhaltsam erzählt. Ein perfektes Geschenk für Gin-Liebhaber und (Hobby-)

Barkeeper. (an)

Bonnie hat sich schon immer

eine Schwester gewünscht. Eine

Verbündete, die mit ihr durch dick und

dünn geht. Smilla, Nuca, Monti und Jo

geht es ganz genauso. Die fünf Mädchen

sind zwar nicht gerade die allerbesten

Freundinnen, aber aus der Not heraus

beschließen sie viel mehr zu sein als das

nämlich: Sicret Sistahz – total geheime

Schwesterherzen! Gemeinsam kämpfen

die fünf für Gerechtigkeit, mehr Taschengeld

und die Weltherrschaft!

www.planet-verlag.de

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Nur Mut –

lesen Sie mal ein Kinderbuch!

Es passiert. Immer öfter und sowieso viel öfter, als Sie vermuten würden. Erwachsene

betreten die Buchhandlung, gehen schnurstracks in die Kinder- und Jugendbuchabteilung,

schauen sich um, blättern hier und dort rein, kaufen dann ein Buch oder auch gleich

mehrere, um damit kein Kind, sondern sich selbst zu beglücken. Verrückt, oder?

Sie, als vielleicht eingefleischter Belletristikleser oder Liebhaber von Sachbüchern, fragen

sich nun, warum ein Erwachsener ein Kinderbuch lesen sollte. Ich könnte mit Fakten

kommen. Zum Beispiel mit der Studie der GfK, nach der wir allein zwischen 2012 und 2016

über sechs Millionen Buchkäufer verloren haben. Und laut dem Institut für Demoskopie

Allensbach waren es 2013 noch 38 Prozent der Befragten, die täglich oder mehrmals in der

Woche ein Buch in die Hand nahmen. 2017 waren es nur noch 32 Prozent. Und das, obwohl

viele Befragte ihr eigenes Leseverhalten bedauern, schließlich sei es früher wunderbar entspannend

gewesen, dem stressigen Alltag mit einer Geschichte zu entfliehen. Die Gründe

für die Abwendung vom Buch sind vielfältig, Facebook, Instagram, Videostreaming sind

nur einige. Man will informiert sein, hastet von einer Meldung zur nächsten oder suchtet

mal eben am Wochenende die neueste Lieblingsserie durch. Meist kann man sich darüber

auch besser mit Freunden oder Kollegen austauschen, weil über Bücher ja doch nicht so

wahnsinnig viel gesprochen wird. Es ist durchaus auch der Zeitfaktor, der viele davon abhält,

mal wieder zu einem Buch zu greifen.

Nüchtern betrachtet könnte man nun

meinen, Erwachsene läsen Kinderbücher,

weil’s schneller geht, weil es eine vermeintlich

leichte Lektüre ist. Mag sein, es gibt

aber viel mehr gute Gründe, in der Kinderbuchabteilung

Ihrer Lieblingsbuchhandlung

zu stöbern.

Wenn Sie sich unsicher sind, beginnen

Sie mit einem Buch aus Ihrer Kindheit. Nehmen

Sie sich Michael Ende, Erich Kästner,

Astrid Lindgren, Otfried Preußler, irgendwelche

Märchenbücher oder was auch immer

Sie als Kind begeistert und fasziniert

hat. Weckt das nicht Erinnerungen, auch

weit über das Gelesene hinaus? Schön

auch, dass man mit der erlangten Lebenserfahrung

ganz neue Nuancen wahrnimmt,

mehr zwischen den Zeilen liest, subtile

Botschaften erkennt. Und wagen Sie einen

Perspektivenwechsel! Nehmen Sie die Welt

mal wieder aus Kinderaugen wahr. Das ist

sehr erfrischend und inspirierend für den

eigenen Alltag. Jede Geschichte der Niederländerin

Anna Woltz sei Ihnen ans Herz gelegt,

denn sie schafft es mühelos, schwere

Themen leicht zu verpacken, sie lässt ihre

Heldinnen und Helden Wut, Trauer oder

Einsamkeit erleben und zeigt ihnen mit

großartigem Humor und sehr klarer Sprache

einen Weg hinaus aus ihrer misslichen

Situation. Erwachsene spielen in Anna

Woltz’ Romanen (Carlsen Verlag) allenfalls

eine Nebenrolle, die Kinder und Jugendlichen

haben den Freiraum, ihre Probleme

auf ihre Art zu lösen. Was diesen Aspekt

angeht, ist auch »Sommer mit Opa« von Sarah

Welk (ars edition) ein ausgezeichnetes

Buch. Den Alt-Hippie-Opa, der mit seinen

Enkeln im VW-Bus nach Italien will und mit

ihnen fast um die Ecke an einem kleinen

See strandet, möchte man am liebsten adoptieren.

Er ist so herrlich unpädagogisch,

verliert aber nie die Kinder und ihre Nöte

aus den Augen.

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