Von Entrepreneur*innen und Business Angels – Das SHE works! Magazin im Juli 2019

sheworks

Liebe Leserinnen und Leser, Wenn man etwas Neues angeht, dann ist es immer gut, jemanden zur Seite zu haben. Wer das eigene Unternehmen leitet oder gerade gründet, findet professionelle Unterstützung bei Entrepreneuren und Business Angels. Wer wünscht sich das nicht? Jemanden, der einem mit Rat und Tat und vielleicht auch dem ein oder anderen Euro zur Seite steht, viele Situationen kennt und eine Idee hat, wie man mit Problemen und kniffligen Situationen umgeht. Der antreibt, fordert und fördert und vielleicht auch mal Mut zuspricht. Herzliche Grüße und eine spannende Lektüre wünscht Carolin Schäufele

# Frauen

# Wirtschaft

# Karriere

Von Entrepreneur*innen

und Business Angels

Photo by DESIGNECOLOGIST

on Unsplash

Was macht einen

Unternehmer

eigentlich zum

Entrepreneur?

Petra Hartjes

ist Business Angel

Kunst und Wirtschaft -

Passt das

zusammen?


Inhalt

Editorial

Seite 4

Impressum

Seite 5

Entrepreneurship & Business Angels: Wir erwarten ein ambitioniertes, innovatives

Unternehmenskonzept

Von Carolin Schäufele

Seite 6

Entrepreneurship & Business Angels: Was macht eine Unternehmer*in zur Entrepreneur*in

Von Annemike Düvel

Seite 8

Entrepreneurship & Business Angels: Business Angel Petra Hartjes: Es ist eine Herausforderung

zwischen coachen und einmischen

Von Dana Rotter

Seite 12

Entrepreneurship & Business Angels:Jugend gestaltet Zukunft (Social) Entrepreneurship

Education: Ein möglicher Wegbegleiter?

Von Dr. Kirsten Mikkelsen

Seite 16

Entrepreneurship & Business Angels: Retten Sie sich vorm Tod durch Perfektion!

Von Jürgen R. Schmid

Seite 20

Entrepreneurship & Business Angels: So bezwingen Sie mit Ihrem Start-up jede Welle

Von Markus Hotz

Seite 24

Entrepreneurship & Business Angels: Gründen mit Entrepreneurial Design

Von Harriet Kollmann

Seite 28

Entrepreneurship & Business Angels: Konzept-kreatives Gründen - Stiftung Entrepreneurship

Von Florian Komm

Seite 31

RECHT

Urlaubsansprüche verfallen nicht mehr automatisch!

Von RA Ines Heydasch

Seite 32

2


FINANZEN

Girls just want to have funds

Von Caroline-Lucie Ulbrich

Seite 36

SOCIAL MEDIA

Erfolgreiches Social Media Marketing für Unternehmer*innen

Von Carmen Lichtenberg

Seite 40

DIGITALISIERUNG

CROSSMEDIA hebt Projektarbeit mit digitalen Workspaces auf neues Level

Von Arno Schambach

Seite 43

ART works!

Kunst und Wirtschaft, ein Widerspruch?

Von Dr. Ulrike Lehmann

S. 58

Unternehmerinnen im Porträt: Sarah Lindner

Seite 54

Mindshift: So werden Sie fit für die Arbeitswelt der Zukunft

Von Svenja Hofert

Seite 58

Andere Länder, andere Sitten? Indische Gründerinnen in Deutschland zu Gast

Von Lucas T. Jahn

Seite 61

Gründerinnen im Porträt: Elisabeth Schuh & Petra Moske

nestwärme e.V.

Seite 67

10. Bewerbungsphase für den Kultur- und Kreativpiloten

Seite 70

Buchtipps & Events

Seite 72

3


Editorial

Photo by "My Life Through A Lens" on Unsplash

Im wirtschaftlichen Kontext nennt man sie

Business Angels und Entrepreneur*innen.

Liebe Leserinnen und Leser,

wer etwas Neues beginnt, freut sich über

Unterstützung und Hilfe. Und wenn es um

Berufliches wie die Gründung eines eigenen

Unternehmens geht, kann gar nicht genug

Expertt*innenwissen haben. Professionelle

Unterstützung finden Sie bei Entrepreneuren und

Business Angels. Echte Fachfrauen und - männer,

die mit Rat und Tat und vielleicht auch dem ein

oder anderen Euro zur Seite stehen, viele

Situationen kennen und eine Idee haben, wie man

mit Problemen und kniffligen Situationen umgeht.

Die antreiben, fordern, fördern und vielleicht auch

mal Mut zusprechen.

Menschen, die es mit ihrer Leidenschaft und ihren

Fähigkeiten schaffen, Ideen und Unternehmen

voranzubringen.

Business Angel Petra Hartjes hat uns erzählt, wie

sie ein Business Angel wurde, und Entrepreneur

Jürgen R. Schmid gibt einen strikten Rat: Weg von

der Perfektion!

Harriet Kollmann berichtet von ihrem Weg mit

Entrepreneurial Design zu gründen und

Dr. Kirsten Mikkelsen von der Europa-Universität

Flensburg zeigt einen weiteren Weg auf:

Entrepreneurship Education. Seite 28.

Und wir haben mal einen genauen Blick darauf

geworden, was Unternehmer*innen von

Entrepreneur*innen überhaupt unterscheidet.

Seite 8.

Passend zum Sommerferienbeginn hat unsere

Autorin Ines Heydasch, Rechtsanwältin in

Hamburg, die neueste Entscheidung über

Urlaubsansprüche thematisiert. Rubrik Recht,

Seite 32

4


Wir haben Caroline-Lucie Ulbrich gebeten, uns

den Umgang mit Funds zu erklären, Rubrik

FINANZEN Seite 36, was sie wie getan hat, mit

ihren eigenen persönlichen Erfahrungen.

Carmen Lichtenberg,

Social-Media-Marketing-Expertin, gibt Tipps zum

Thema und Dr. Ulrike Lehmann, Art Coachin,

erklärt, warum Kunst und Wirtschaft eigentlich

ziemlich gut zusammenpassen, gegen die

landläufige Meinung, dass sie das nicht tun!

Rubrik ART works! Seite 46.

Bestsellerautorin Svenja Hofert hat uns einen

Gastartikel zur Arbeitswelt von morgen

geschrieben, mit Tipps zum fit werden, Seite 58.

IMPRESSUM

Herausgeber:

SHE works!

Schäufele & Brößling GbR

Anschrift: Hagenweg 2a

37081 Göttingen

✆ 0175/5240053

info@she-works.de

Vertreten

durch:

Carolin Schäufele

Katja Brößling

V.i.S.d.P. Carolin Schäufele

(gem. § 55 Abs. 2 RStV)

Internet: www.she-works.de

Redaktion:

AutorInnen:

Carolin Schäufele

Carolin Schäufele, Annemike Düvel, Dana Rotter, Dr. Kirsten

Mikkelsen, Jürgen R. Schmid, Markus Hotz, Harriet Kollmann,

Florian Komm, Ines Heydasch, Caroline-Lucie Ulbrich,

Carmen Lichtenberg, Arno Schambach, Dr. Ulrike Lehmann,

Birte Vogel, Svenja Hofert, Sarah Lindner, Lucas T. Jahn,

Elisabeth Schuh, Petra Moske

Layout: Carolin Schäufele, pw design

Wir haben interessante Bücher und auch Events

zusammengestellt, die trotz Sommer, Sonne,

Nichtstun spannend sind. Ab Seite 72.

Wir wünschen viel Erfolg bei allem, was Sie in den

kommenden Wochen beginnen!

Fotonachweis:

Social Media:

Titelbild: Photo by DESIGNECOLOGIST on Unsplash

Petra Hartjes, Kirsten Mikkelsen, André Bakker, Markus Hotz,

Harriet Kollmann, Daniel Rosenthal, Caroline-Lucie Ulbrich,

Carmen Lichtenberg, Sven Vüller, Jan Ladewig, Dr. Ulrike

Lehmann, Nikolai Brinkmann, Beatrice Hermann, Alex

Kovbasko, nestwärem e.V.

unsplash.com

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http://www.twitter.com/SHEworksDE

Herzliche Grüße

Carolin Schäufele

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Wir erwarten ein ambitioniertes, innovatives

Unternehmenskonzept

Business Angel sucht Entrepreneur*in Entrepreneur*in sucht Business Angel

Von Carolin Schäufele

Als innovative Gründer*in oder Unternehmer*in,

auch Entrepreneur*in genannt, suchen Sie …

Kapital, Erfahrungen, Kontakte, Netzwerke.

Sie sind Unternehmensinhaber*in, Ideengeber*in

und setzen sich mit Verantwortungsbewusstsein

und Willensstärke für Ihre Sache ein, neudeutsch:

Sie brennen für Ihre Idee! Sie wollen sich ihren

Traum erfüllen, sie wollen

Hightech-Entrepreneur*in (Gründen im

Technikbereich), regionale Entrepreneur*in

(Regionale Verankerung bei der Gründeridee),

Social Entrepreneur*in (Gründen eines sozialen

Unternehmens) oder Ecopreneur*in (Gründen im

Umweltbereich) werden.

Doch die Idee allein reicht meist nicht.

Entrepreneure oder Unternehmer brauchen

Kapital, um ihr Unternehmen zum Laufen zu

bringen.

Nun gibt es verschiedene, meist bekannte Wege,

um sich die benötigten Finanzmittel zu besorgen.

Ein Kredit bei der Bank, Fördermittel von Bund

und Ländern (hier gibt es auf unserer Website

eine Übersicht über die Möglichkeiten). Oder Sie

suchen die Hilfe und Unterstützung eines Business

Angels, kurz BA auch als Unternehmensengel

bezeichnet.

Ein BA beteiligt sich finanziell an einem

Unternehmen und unterstützt Existenzgründer

mit Know-how und seinem Netzwerk.

Business Angel sind häufig erfahrene

Unternehmer, vermögende Privatpersonen oder

leitende Angestellte, die aufgrund ihrer

6


langjährigen Berufstätigkeit über weitreichende

und professionelle Erfahrungen verfügen.

Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie im

Gegensatz zu konservativen Investoren

risikobereiter arbeiten. Deshalb sind auch die

Gegenleistungen deutlich höher angesiedelt, als

bei Banken oder Beteiligungsgesellschaften. Der

sogenannte Return of Investment liegt meist sehr

hoch.

Deutschland liegt hier weit zurück

Die Kapitalinvestitionen von Business Angel liegen

in Deutschland weit hinter denen in

beispielsweise den USA zurück. Laut des

Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

gab es 2014 rund 7.500 Business Angel in

Deutschland. Zum Vergleich: in den USA waren es

im gleichen Zeitraum drei Millionen. Doch auch

hier wird der Einsatz der BA immer größer. Aktuell

gibt es ungefähr 40 Netzwerke und Verbände, oft

regional ausgerichtet, in denen sich die BAs

organisieren.

Einen Business Angel zu finden bzw. zu

kontaktieren und von der eigenen Idee zu

überzeugen, ist meist schwer. Anfragen müssen

an Verbände und Vereine gestellt werden, die

dann darüber entscheiden, ob eine Idee so

brauchbar ist, dass man sie weiterverfolgt. Es

folgen in der Regel Wettbewerbe,

Auswahlverfahren und Pitches.

Lohnt es sich?

Viel Vorteile sprechen dafür, sich um einen

Business Angel zu bemühen. Denn beispielsweise

Bankkredite sind für viele Gründer und

Entrepreneure unzugänglich. Auch das Wissen

und die Kontakte eines BAs sind nicht zu

unterschätzen.

Doch es gibt auch Nachteile, der Zinssatz des

BA-Kapitals ist verhältnismäßig hoch, da

Investitionen schlicht auch daneben gehen

können.

Dagegen hat der Bund ein Programm entwickelt:

„INVEST Zuschuss für Wagniskapital“, was einen

Zuschuss in Höhe von 20 Prozent der Investition

auffängt. INVEST macht das Projekt für Investoren

interessanter. Allerdings müssen die notwendigen

Voraussetzungen erfüllt sein, das sind

beispielsweise Unternehmen, die jünger als zehn

Jahre sind, kleine Unternehmen ohne

Börsennotierung, ein Hauptsitz in der EU oder

eine Gründung in der innovativen Branche.

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Entrepreneurship & Business Angels

Was macht eine Unternehmer*in zur

Entrepreneur*in?

Von Annemike Düvel

Was ist eigentlich ein Entrepreneur?

„Entrepreneur“ das klingt nach etwas

Großem, Bedeutsamen. Nach Einfluss, nach

Erfolg und Weitsicht. Allerdings bedeutet

Entrepreneur im engeren Sinne nichts anderes

als „Unternehmer“. Die Bezeichnung stammt

aus dem Französischen und setzt sich aus den

beiden Wörtern „entre“ und „prendre“

zusammen, was so viel wie „unternehmen“

bedeutet. Geprägt wurde der Begriff bereits im

Jahr 1725 durch den britischen Volkswirt

Richard Cantillion. Cantillion sah den

Entrepreneur damals hauptsächlich als

„Risikoträger ohne Einkommenssicherheit“.

Erweitert wurde dieser Ansatz im 20. Jahrhundert

durch den Nationalökonomen Joseph Alois

Schumpeter: Entrepreneure zeichnen sich seiner

Meinung nach dadurch aus, dass sie ihre

wirtschaftliche Position ständig durch

Innovationen verbessern wollen. Demnach ist es

der Unternehmergeist, welcher Innovationen

erzeugt und damit Wirtschaftswachstum und

sozialen Wandel vorantreibt.

Eine einheitliche und umfassend gültige Definition

des Begriffs Entrepreneur und Entrepreneurship

8


fällt jedoch schwer. Im klassischen Sinne versteht

man unter einem Entrepreneur den Gründer und

Inhaber eines Unternehmens. Seine Handlungen

zeichnen sich durch Verantwortungsbewusstsein,

Eigenständigkeit und Willensstärke aus also

durch die Eigenschaften, die von einem

Firmeninhaber, der das Unternehmerrisiko trägt,

erwartet werden.

Der Entrepreneur als Unternehmerpersönlichkeit

Seit einiger Zeit hat sich der Begriff des

Entrepreneurs deutlich verändert und

ausgeweitet. Visionär, Innovator, Galionsfigur,

Einzelkämpfer, prominente Persönlichkeit der

Begriff des Entrepreneurs wird immer vielfältiger.

Natürlich gibt es bekannte und berühmte

Unternehmer, die mit ihren Geschäftsideen zum

Bild des visionären Entrepreneurs beigetragen

haben, wie beispielsweise Jeff Bezos. Der Gründer

und CEO (Geschäftsführer) des

Internetversandhändlers Amazon schuf mit

seinem Weltkonzern ein Unternehmen, das in

vielen Bereichen neue Wege geht. Kaufen und

bezahlen im Netz, Bewertung von Waren durch

Kunden diese Dinge hielten Experten vorher für

so nicht durchsetzbar. Weitere prominente

Beispiele sind die SAP-Gründer Dietmar Hopp und

Hasso Plattner oder Arianna Huffington,

Gründerin und Herausgeberin der Huffington

Post, einer bekannten amerikanischen

Online-Zeitung mit verschiedenen

Regionalausgaben. Der Mitgründer von Twitter

und Gründer der erfolgreichen Blog-Plattform

Blogger, Evan Williams, entwickelt

mit seinem Partner beständig weitere

Kommunikationsdienste.

Diese bekannten Unternehmerpersönlichkeiten

stehen für mehr als nur „Unternehmer sein“. Sie

sind Beispiele für den Entrepreneur als jemand,

der eine innovative, neue Idee unter hoher

Einsatzbereitschaft und mit hohem

unternehmerischem Risiko umsetzt. Sie erzielen

ihre oft enormen Gewinne, weil sie eine

Geschäftschance realisiert haben, die anderen

Unternehmern zu riskant erschien oder deren

Potenzial schlicht nicht erkannt wurde. Mut zum

Risiko und die Beharrlichkeit, auch nach

Niederlagen weiterzumachen, zeichnet diese sehr

bekannten Entrepreneure aus.

Entrepreneurship

Der Begriff Unternehmertum oder

„Entrepreneurship“ lässt sich also auch mit

„Unternehmergeist“ umschreiben. Im Bereich der

Wirtschaftswissenschaften beschäftigt sich die

Teildisziplin mit dem Gründungsgeschehen oder

der Gründung neuer Organisationen. In der

modernen Literatur zum Thema finden sich jedoch

auch breitere Definitionsansätze. Demnach ist

Entrepreneurship mehr als die

Unternehmensgründung und effiziente Nutzung

von Ressourcen. Es schließt kreative Elemente wie

die systematische Identifizierung von (Markt-)

Chancen, das Finden neuer Geschäftsideen und

deren Umsetzung mit ein. Der Begriff

Entrepreneurship beschreibt die Passion

9


des Unternehmers, seine Unternehmensgründung

voranzutreiben und die Motivation, seine Idee

umzusetzen und seine Geschäftsideen zu

verwirklichen.

Was muss der Entrepreneur mitbringen?

Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und

Verhaltensweisen werden als Voraussetzung für

ein erfolgreiches Unternehmertum angesehen.

Aber keine Angst: Nicht alle Merkmale müssen

dabei in einer Person vereint sein, damit ein

Unternehmen erfolgreich ist. Im Gegenteil:

Manche Eigenschaften wie beispielsweise hohe

Risikobereitschaft sind für einige Phasen der

Unternehmensentwicklung (z.B. Gründungsphase)

günstig, in anderen dagegen eher hinderlich.

Unterschiedliche Haltungen und Fähigkeiten sind

in verschiedenen Phasen des

Unternehmenslebens in unterschiedlicher Weise

gefordert.

· Leistungsmotivation: Die Vision des

Unternehmers ist die treibende Kraft hinter dem

Unternehmen. Der Unternehmer muss bereit sein,

Aufgaben anzupacken. Hohe Leistungsmotivation

ist eine notwendige Eigenschaft

unternehmerischen Handelns.

● Eigeninitiative und

Unabhängigkeitsstreben: Der

Unternehmer muss mit Ausdauer und

Entschlossenheit Strategien entwickeln,

um seine Vision selbst zu verwirklichen. Er

strebt nach Selbständigkeit sowie

Unabhängigkeit und vertraut in die

eigenen Fähigkeiten.

● Realismus und Fähigkeit zur

Zusammenarbeit: Der Unternehmer muss

seine Grenzen kennen und in der Lage

sein, mögliche Partner zu identifizieren

oder aufzubauen.








Kreativität: Ein Unternehmer sollte ein

schöpferisch denkender und

entscheidungsfreudiger Mensch sein.

Durchhaltevermögen: Hohe Kreativität kann

dazu führen, dass notwendige Routinen nicht

durchgehalten und Strategien zu oft

geändert oder zu früh abgebrochen werden.

Durchhalten!

Risikobereitschaft: Unternehmerische

Aufgaben bergen Chancen und Risiken. Der

Unternehmer muss diese abwägen und ein

abschätzbares Risiko eingehen, indem er

Kosten, Markt- und Kundenbedürfnisse

bewertet.

Emotionale Stabilität,

Durchsetzungsfähigkeit,

Einfühlungsvermögen: Ein Unternehmer

muss fähig sein, Misserfolge schnell zu

verarbeiten und in kritischen Situationen

einen klaren Kopf behalten. Außerdem muss

er kooperativ sein und Einfühlungsvermögen

besitzen, um sich z. B. in Teammitglieder,

Investoren oder Kunden hineinversetzen zu

können.

Problemlösungsfähigkeit: Viele Aufgaben

des Unternehmertums sind keine

Routine-Aufgaben. Ein Unternehmer muss in

der Lage sein, in unbekanntem Feld zu

operieren und Wege finden, um

handlungsfähig zu bleiben.

Fähigkeit zum Umgang mit Unsicherheit: Der

Unternehmer muss mit großer

informationeller Unsicherheit und unscharf

definierten Situationen umgehen können.

Unternehmerische

Selbstwirksamkeitserwartung: Damit ist die

Erwartung gemeint, dass man durch sein

eigenes Handeln entscheidenden Einfluss auf

das Gelingen seiner Vorhaben in diesem

Fall des Gründungsvorhabens hat und

dabei nicht von Dritten abhängig ist.

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Wo finde ich Unterstützung?

Ø ZE Zentrum für Entrepreneurship/PFH:

https://entrepreneurship.pfh.de/

Ø Global Entrepreneurship Monitor (GEM):

https://www.rkw-kompetenzzentrum.de/g

ruendung/gruenderoekosystem/global-ent

repreneurship-monitor-gem/

Ø Programme: Social Entrepreneurship Camp:

https://www.hilfswerft.de/social-entrepre

neurship-camps/

Ø Start Social: https://startsocial.de/

Ø ZGI:kompakt:

https://zgi-kompakt.de/was-ist-das-zgikom

pakt/

Ø ChangeMakerSpace:

http://changemakerspace.de/#inhalt/0

Ø Centre for Entrepreneurship, SMEs and

Local Development der OECD:

http://www.oecd.org/germany/

http://www.oecd.org/berlin/

Ø Social Entrepreneurship Netzwerk

Deutschland: www.send-ev.de

Ø Bundesverband Deutsche Startups e.V.:

https://deutschestartups.org/

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Entrepreneurship & Business Angels

Business Angel Petra Hartjes: Es ist eine

Herausforderung zwischen coachen und

einmischen

Von Dana Rotter

Sucht man im Internet nach Engel, bekommt man

Definitionen wie Bote, Abgesandter oder

Gesandter. Sie kommen mit einer Botschaft,

einem Auftrag, hinter dem sie ganz zurücktreten.

Sie schützen und leiten.

Auch in der Wirtschaft gibt es eine spezielle Form

des Schutzengels: Den Unternehmensengel auf

Englisch Business Angel. Erfahrene Unternehmer

stehen Gründer*innen mit ihrem Wissen und

ihren Netzwerkkontakten am Anfang der

Unternehmensgründung zur Seite. Außerdem

beteiligen sie sich in Form eines Wagniskapitals.

Als Gegenleistung erhält der Business Angel

Anteile am Unternehmen, so dass er von späteren

Umsätzen profitiert.

Das Modell Business Angel ist aber nicht zu

verwechseln mit einer

Venture-Capital-Beteiligung. Der

Venture-Capitalist steigt häufig erst zu einem

späteren Zeitpunkt ein, wenn das Startup nicht

mehr in der Anfangsphase steckt. So bieten

Venture-Capital-Geber auf der einen Seite zwar

mehr Kapital, jedoch keine so intensive Beratung

wie ein Business Angel.

In Deutschland können Netzwerke den

Gründer*innen bei der Vermittlung eines Business

Angels helfen.

Vereint werden Netzwerke und Business Angel

unter dem Dachverband „Business Angels

Netzwerk Deutschland e.V.“ (BAND), der sie

gegenüber Politik und Öffentlichkeit vertritt.

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Business Angel Petra Hartjes Foto privat

Dem BAND ist es dabei ein besonderes Anliegen

weiblichen Business Angels eine Plattform zu

bieten.

Deswegen hat der Verband 2017 den ersten

„Europe’s Female Angel Investor of the year“ ins

Leben gerufen. Eine der sieben Nominierten für

die „Goldene Aurora 2017“ war Petra Hartjes.

Nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium hat sie

über 30 Jahre in einem internationalen Konzern

der Getränkeindustrie gearbeitet. Als Mitglied des

Gründersupport Ruhr e.V. war sie parallel dazu

ehrenamtliche Beraterin für Startups. Seit 2002

widmet sie sich nun ausschließlich ihrer Arbeit als

Business Angel, coacht Startups und geht als

Mitglied der Business Angel Agentur Ruhr e.V.

(BAAR e.V) Beteiligungen ein.

Frau Hartjes, warum haben Sie sich dazu

entschieden Business Angel zu werden?

Im Prinzip fand ich es herausfordernd, mich nach

meinem Berufsleben auch einmal selbst mit

finanziellem Risiko unternehmerisch zu betätigen.

Bei einem Startup ist man normalerweise viel

intensiver an vielfältigen unternehmerischen

Entscheidungen beteiligt als in einem reifen

Unternehmen. Und das hat mich gereizt.

Welche Aufgaben übernehmen Sie dabei?

Mir erscheint es sinnvoll, grundsätzlich mit einem

oder mehreren Business Angel eine Beteiligung

einzugehen und dabei darauf zu achten, dass

jeder der sich beteiligenden Business Angel einen

Know-how Schwerpunkt hat. Insgesamt hat es

sich für mich als sehr zielführend herausgestellt,

wenn nicht jeder Gesellschafter sich um alles

kümmern möchte, sondern Aufgaben im Team

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ewältigt werden, so wie das auch von den

Gründern erwartet wird. Da ist es genau so

wichtig, in einem Team zu arbeiten, das mit

verteiltem Know-how alle sich stellenden

unternehmerischen Tätigkeiten bewältigen kann.

Was ist beim Startup-Coaching besonders

schwierig?

Es ist besonders herausfordernd, zwischen

Coaching und Einmischen zu agieren. Manchmal

ist Einmischung also direkte Beeinflussung der

Meinungsfindung oder des Entscheidens

unumgänglich. Da ist es dann wichtig, den

richtigen Ton zu treffen und sicherzustellen, dass

die Gründer weiterhin motiviert sind. Besonders,

wenn die Geschäftsentwicklung die Erwartungen

nicht trifft, ist es schwierig, diese Balance

zwischen Gelassenheit und Hilfestellung oder

Eingreifen zu finden.

Warum gibt es weniger weibliche als männliche

BAs?

Im Wesentlichen dürfte dies ein Ergebnis der

Numerik sein: weniger Frauen als Männer sind in

Führungsfunktionen tätig und daher zahlenmäßig

auch weniger prädestiniert, sich als Business

Angel zu engagieren. Ich glaube nicht, dass man

als Frau in „männlich/chauvinistischer“ Manier

daran gehindert wird. Zumindest ich habe das so

nicht erfahren. Ich könnte mir vorstellen, dass es

zukünftig mit wachsendem Selbstverständnis der

Frauen, Führungsverantwortung übernehmen zu

wollen, auch mehr weibliche Business Angel

geben wird, und zwar sowohl solche, die erst nach

ihrem „ersten Berufsleben“ aktiv werden, als

gerade auch solche, die sich bereits während ihrer

aktiven Tätigkeit engagieren.

Können Gründerinnen stärker von Business

Angels profitieren als Gründer?

Keine Ahnung, ob es dazu empirische Studien gibt.

Meine eigene Erfahrung ist, dass Coaching immer

dann gut angenommen wird, wenn man sich als

BA im Bereich von Analytik, Plausibilität und

Realitätsnähe bewegt, Genderunabhängig.

Gründerinnen sind vielleicht noch etwas

selbstkritischer und geneigter, eigene Defizite zu

erkennen. Von daher könnte Unterstützung von

erfahreneren BAs durchaus geeignet sein, gerade

Vorhaben von Gründerinnen zu fördern.

Warum würden Sie Gründern raten, mit einem

Business Angel zu kooperieren?

Als Gründer kennt man sich in erster Linie in seinem

fachlichen Bereich gut aus. Was fehlt ist die

unternehmerische Erfahrung die man braucht, um ein

Unternehmen aufzubauen und zu entwickeln. Auf die

entscheidenden Fragen sind Gründer selten

vorbereitet. Da hilft die Erfahrung des Business Angels.

Mit einer Beteiligung „erkauft“ sich der Gründer

Erfahrung, die die Abgabe von Eigentum

(= Beteiligungsprozente) in den meisten Fällen mehr

als kompensiert.

Vielen Dank für das Gespräch!

Webseite des Dachverbandes:

www.business-angels.de

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Petra Hartjes

hat Betriebswirtschaft an der Uni Münster studiert. Sie kann auf mehr als 30

Jahre Tätigkeit in einem internationalen Konzern der Getränkeindustrie mit

Tätigkeitsschwerpunkten im kaufmännischen Bereich, Merger und

Akquisition, Informationstechnologie; Erfahrungen in Logistik, Einkauf,

Vertrieb zurückblicken.

Seit 2002 ist sie „Privatier“ mit neuen Aufgaben: Coaching von Start-Ups,

Eingehen von Beteiligungen als Mitglied der Business Angel Agentur Ruhr,

e.V.

Petra Hartjes ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Ihre privaten

Interessen sind Sport (Skilaufen, Tennis), klassische Musik und Leben mit

ihrem Hund (Ausbilden, Auslasten und Spaß haben).

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Photo by Markus Spiske on Unsplash

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Entrepreneurship & Business Angels

Jugend gestaltet Zukunft (Social)

Entrepreneurship Education: Ein möglicher

Wegbereiter?

Von Dr. Kirsten Mikkelsen,

Europa-Universität Flensburg

Die aktuelle Fridays for Future Bewegung zeigt

Eines ganz deutlich: Jugendliche können sich für

Dinge interessieren und haben sehr wohl ein

Interesse an Gesellschaft und Zukunft. Angeregt

und motiviert durch die junge Schwedin Greta

Thunberg haben sich auch in Deutschland

tausende Schüler*innen einer Bewegung

angeschlossen, die den jungen Menschen eine

Stimme verleihen will, um weltweit

wahrgenommen und gehört zu werden. Was den

jungen Menschen in weiteren öffentlichen

Debatten oft insbesondere durch die Politik der

Etablierten vorgeworfen wird, ist, dass sie

unorganisiert und planlos seien und vor allen

Dingen keine besseren Lösungen, die aus

politischer und vor allem ökonomischer Sicht Sinn

machten.

Ist das zutreffend?

Ob und wenn inwieweit das zutreffend ist, vermag

an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Anerkannt

werden soll vielmehr die von den jungen

Menschen ausgehende Initiative, etwas bewegen,

gestalten und ändern zu wollen; den Status quo

infrage zu stellen. Wie können wir generell junge

Menschen dabei unterstützen, ihre Ideen, die sie

möglicherweise in diesem Zusammenhang haben,

weiterzuentwickeln und zu tatsächlichen

Lösungsansätzen zu verhelfen?

Eine Möglichkeit ist die verstärkte Integration von

(Social) Entrepreneurship Education im

schulischen und universitären

Unterrichtsgeschehen. Die Entrepreneurship

Education ist die Vermittlung von

unternehmerischem Denken und Handeln und

zielt auf den Erwerb entsprechender

Kompetenzen ab. Hierzu zählen vor allen Dingen

Problemerkennungs- und Lösungsfähigkeiten,

erste kaufmännische Fertigkeiten sowie

Projektmanagementkompetenzen.

Deutschland hinkt hinterher

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland

allerdings in Sachen Entrepreneurship Education

besonders im Kontext allgemeinbildender Schulen

hinterher. Zwar gibt es zahlreiche Initiativen (z. B.

Unternehmen macht Schule, NIFTI etc.), doch

fehlt bislang eine einheitliche curriculare

Einbindung. Dabei bietet sie aufgrund ihrer

starken Handlungsorientierung weitreichende

Möglichkeiten. Neben den zu erwerbenden

betriebswirtschaftlichen Elementen können

Schüler*innen und Studierende (das Niveau kann

je nach Wissens- und Erfahrungsstufe angepasst

werden) auch ihre Teamfähigkeit und

strukturiertes Arbeiten trainieren. Essentiell im

Rahmen von Entrepreneurship Maßnahmen ist für

alle Teilnehmenden der Perspektivwechsel, der

erst das Identifizieren von sozialen, ökologischen

oder ökonomischen Herausforderungen möglich

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macht. So kann unter Anleitung ähnlich dem

Design Thinking Prozess eine Stakeholder- oder

Zielgruppenanalyse durchgeführt werden, die der

eigentlichen Bedarfsermittlung oder

Problemidentifikation dient. Methodisch

unterstützt wird die Entrepreneurship Education

durch eine Reihe von Kreativitätstechniken, die

Lernenden zum Anders-Denken anregen soll. Im

Idealfall kann und soll dieses Anders-Denken

innovative Geschäftsideen aus unterschiedlichen

Bereichen hervorbringen. Diese können sowohl

profitorientiert sein als auch einen sozialen

Mehrwert bieten.

Das Erlebte kann sich niederschlagen

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Photo by Martin Adams on Unsplash

Neben der inhaltlichen Abwechslung und

Möglichkeit für Schüler*innen und Studierende

sich in der Erarbeitung und Realisierung eigener

Ideen zu probieren, kann sich das Erlebte mittelund

langfristig positiv in einer erhöhten

unternehmerischen Selbstwirksamkeit sowie der

erfahrenen Gründungsneigung junger Menschen

niederschlagen. Beides sind wichtige Indikatoren

für die tatsächliche Gründungsaktivität.

Nun ist es kein ausformuliertes Ziel, am Ende

jedes Unterrichtsverlaufes im Zusammenhang mit

Entrepreneurship Education am Fließband

zukünftige Gründer*innen zu produzieren.

Vielmehr lässt sich feststellen, dass die

erworbenen Kompetenzen, die ja über die rein

betriebswirtschaftlichen hinausgehen, auch

bestehenden Unternehmen Vorteile verschaffen


können; und zwar gerade dann, wenn es um den

Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation

geht.

Entrepreneurship Education kann darüber hinaus

einen wichtigen Beitrag zu größerer Diversität in

Projektgruppen und Arbeitsteams leisten. Die

komplexen Aufgaben, die es im Laufe eines

Unterrichts- oder Projektverlaufes zu erledigen

gilt, sind so unterschiedlich, dass für nahezu jeden

Charakter, jedes Talent, jede Interessengruppe

eine Aufgabe dabei ist. So können Studierende

und Schüler*innen im Idealfall ihren Neigungen

und Eignungen entsprechend im Team arbeiten.

Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass

Entrepreneurship Education dabei hilft, eine

Persönlichkeitsstruktur zu fördern, die durch

Handlungsaktivität, Problemlösungsbereitschaft,

Teamfähigkeit und Kreativität geprägt ist.

Es werden also Schlüsselkompetenzen adressiert,

die unter dem Aspekt einer sich verändernden

Arbeitswelt im Laufe der Berufsvorbereitung an

Bedeutung gewinnen.

Dr. Kirsten Mikkelsen

Europa-Universität Flensburg

E-Mail: kirsten.mikkelsen@uni-flensburg.de

Foto: privat

Für mehr Infos schauen Sie gerne auf unserem

aktuellen Projekt seed.schule

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„Wenn wir erst an den Markt gehen, müssen wir

einschlagen wie eine Bombe!“, erzählte mir ein

angehender Jungunternehmer vor kurzem. „Also

stecken wir alle Energie rein, unser Produkt

wirklich perfekt zu machen.“

Meine Antwort? „Bloß nicht!“

Denn ich möchte ihn und Sie auf einen

klassischen Gründerfehler hinweisen.

Rettung naht!

Genauer gesagt: Ich möchte Sie warnen vor dem

Perfektionismus, in dem sich viele an sich Erfolg

versprechende Start-ups verlieren.

Entrepreneurship & Business

Angels

Retten Sie sich

vorm Tod durch

Perfektion!

Von Jürgen R. Schmid

Denn Deutschland, sein Mittelstand und genauso

seine Gründer und Start-up-Helden lieben

scheinbar perfekte Produkte. Kein

Wirtschaftsweiser heult auf. Kaum ein Ingenieur

beklagt diese Situation. Alle wissen es, aber keiner

macht es deutlich. Wir optimieren und verbessern

ein Produkt noch vor seinem Erscheinen bis ins

kleinste Detail denn es soll herausragend gut

und ausgereift sein, wenn wir es erst am Markt

einführen.

Während viele alteingesessene Unternehmen

beinahe schon einem Perfektionswahn verfallen,

reagiert bei Start-ups oft eher die

unentschlossene Vorsicht, der Wunsch nach

Sicherheit. Lieber noch ein bisschen warten, bevor

man das Produkt in den Markt gibt. Lieber noch

ein bisschen daran feilen. Lieber eine perfekte

Nummer abliefern.

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21


Damit schaffen Sie letztlich jedoch nur eins: Sie

verzögern die Erkenntnis, ob Ihr Produkt

tatsächlich den erwarteten Erfolg bringt.

Langsam, aber unerbittlich

Das kommt daher, dass der Wunsch nach

Perfektionismus oft ganz heimlich und leise

wächst. Langsam, aber unerbittlich. Bis das

Streben nach immer noch mehr Perfektion

schließlich den Blick auf das Marktpotenzial des

Produkts verdeckt. Das ist eine große Gefahr.

Denn unterm Strich vergeuden Sie mit Ihrer

Zögerlichkeit wertvolle Zeit. Ein Kollege von mir

beschäftigte sich wochenlang mit der

Entscheidung für einen Bürostuhl! Andere

verschwenden Zeit auf den Anstrich des Büros,

das Design des Logos oder sonst was nur um

nicht mit ihrem wahren Business starten zu

müssen.

Ich kann das Zögern vor dem großen Schritt ins

Risiko und letzten Endes vor der Wirklichkeit

verstehen. Aber jungen Unternehmern wünsche

ich, dass Sie sehen: Das Zögern, das Feilen am

Produkt, dessen Perfektionierung, das sind im

Grunde letztlich nur „Ausweichbewegungen“, um

den angsteinflößenden Auftritt noch ein bisschen

hinauszuzögern.

Echte Probleme ohne perfekte Lösung

Ihr Produkt weiter und weiter zu perfektionieren,

es aber (noch) nicht nach draußen zu geben, ist so

gefährlich, weil es unterm Strich keine Probleme

löst. Gut, es macht Ihr Produkt ein bisschen

besser. Es sorgt dafür, dass Sie sich einreden, alles

getan zu haben, um den Prozess im neuen

Start-up in weniger ruckelnde Bahnen zu lenken.

Dass Sie intern Fortschritte sehen. Alles gut und

sehr schön. Aber wenn Sie mit echten Problemen

zu tun haben also in allererster Linie mit den

Problemen Ihrer Kunden, die Sie besser lösen

möchten als Ihr Wettbewerb dann stößt die

Perfektion schnell an ihre Grenzen.

Wenn Sie mit Ihrem neu gegründeten

Unternehmen erfolgreich in den Markt gehen

wollen, dann genügt es nicht, Ihr Produkt oder Ihr

Angebot vorab möglichst perfekt zu gestalten.

Sonst perfektionieren Sie es zu Tode.

Viel wertvoller ist es, zu starten und genau zu

beobachten, wo der Markt eine Verbesserung

fordert. Starten Sie ruhig auch unperfekt und

justieren Sie nach.

Ihr Trumpf

Ihr großer Trumpf als Start-up ist Ihr

Innovationspotenzial. Ob ein innovatives Produkt

dann schon das perfekte Design hat oder Ihr

Betrieb den perfekten CI-Auftritt dazu wen

kümmert’s? Denken Sie nur an höchst erfolgreiche

Start-ups wie Mymuesli, das völlig unperfekt aus

einer Studierenden-WG heraus gestartet ist. Und

so feststellen durfte, dass seine innovative Idee

am Markt Zug entwickelte und nach und nach

präzise auf den Kunden zugeschnitten werden

konnte.

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Es ist diese innovative

Kreativität, die Sie als frisch

gegründetes Unternehmen den

alten Hasen voraushaben. Sie

betreiben wahrhafte Innovation,

während die

Traditionsunternehmen ihre

Energie oft in unnötige

„Spielereien“ stecken: Da

werden aus Turnschuhen

Sneakers, aus Tanzgymnastik

erst Aerobic, dann Zumba, aus

Obst und Gemüse ein spannend

klingendes Superfood. Sehen

Sie, was hier passiert? Da

perfektioniert irgendeine kesse

Marketingabteilung eine Idee,

die längst nicht mehr wirklich

neu ist, noch ein bisschen

weiter. Um damit nur den alten

Wein in neue Schläuche zu

füllen, dem Produkt noch einmal

etwas Leben einzuhauchen und

den Produktlebenszyklus noch

ein bisschen zu verlängern. Das

kommt dem Weiterreiten auf

dem toten Pferd gleich.

Wichtig ist: Am Markt zählt nur

das, was den Bedarf Ihrer

Kunden wirklich trifft. Und das

finden Sie heraus, wenn Sie

starten und dann korrigieren.

Jürgen R. Schmid lebt als renommierter Designer für

individuelle und unkonventionelle Lösungen. Nicht

erst seit er den weltberühmten Mini-Akkuschrauber

erfunden hat. Seine Firma Design Tech ist ein

international führendes Unternehmen für

zielorientiertes Maschinendesign.

http://juergen-schmid.de

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Foto © André Bakker


Entrepreneurship & Business Angels

So bezwingen Sie mit Ihrem Start-up jede Welle

Von Markus Hotz

Der richtige Trainer an Ihrer Seite

Ein Start-up zu gründen, ist das eine. Es auch

erfolgreich zu führen etwas ganz anderes. Als

leidenschaftlicher Start-up-Investor sehe ich

immer wieder junge Unternehmen, die eigentlich

ambitionierte Ideen haben und dennoch

scheitern.

Es ist wie beim Surfen. Wenn Sie die ersten

Trockenübungen am Strand machen, dann klappt

das Aufstehen mit der Zeit wunderbar. Sollen Sie

dasselbe aber auf dem unruhigen Wasser machen,

ist das eine ganz andere Herausforderung.

Wenn auch Sie mit Ihrem Start-up noch in den

Kinderschuhen stecken, können Sie jedoch einiges

tun, um nicht nur auf dem Brett die Balance zu

halten, sondern jede Welle voller Spaß zu

bezwingen.

Vom Sand auf die Welle

Um einen sicheren Stand auf dem Brett zu haben,

empfehle ich jedem Start-up-Gründer, den ich

betreue: Durchdenke deine Führung und zwar

von Beginn an. Dazu gehört beispielsweise, sich

intensive Gedanken über die Rechtsform zu

machen. Oder sich bewusst für den Firmensitz zu

entscheiden. Ist der Gründungsort auch

gleichzeitig ein guter dauerhafter Firmensitz? Und

was bedeutet das für weitere Aspekte für

Wachstumspotenziale, Patentrechte und

Domain-Registrierungen?

Das sind nur einige der kleinen Entscheidungen,

die Sie am Anfang Ihres Start-ups fällen müssen

immerzu vorausdenkend und bewusst.

Natürlich werden Sie keine Gründer und

Gründerinnen finden, die alles von Beginn an aus

dem Effeff beherrschen Buchhaltung, Fertigung,

Vertrieb etc. Das Entscheidende ist, in den

Bereichen, in denen Ihnen gewisse Fähigkeiten

fehlen, sich den richtigen Experten an die Seite zu

holen. Investieren Sie hierfür lieber ein paar Euro,

Franken, Dollar und Co. mehr, um sich aber richtig

gutes Know-how ins Boot oder aufs Brett zu

holen. So heben Sie Ihr Start-up auf ein völlig

neues Level. Wenn Sie also merken, dass Sie bei

bestimmten Entscheidungen nicht wissen, nach

welchen Kriterien Sie entscheiden sollen, dann

müssen Sie sich ein hochprofessionelles Umfeld

von richtigen Beratern schaffen. So erreichen Sie

den maximalen Erfolg. Auch ich bin solch ein

Business Angel. Hier liegt meine Leidenschaft.

Wenn Sie das erste Mal surfen gehen möchten

und keinerlei Können und Wissen mitbringen,

dann engagieren Sie im besten Fall auch einen

Trainer, oder nicht?

Das notwendige Wissen

Sie stehen nun bereits mit den Füßen am Ufer, das

Brett unter den Arm geklemmt, bereit in die

Fluten zu springen. „Warum mache ich das

eigentlich?“ Eine gute Frage, die Sie sich auch in

einem Start-up stellen sollten: „Warum macht

mein Start-up das, was es eigentlich macht?“

Nur mit einer Vision, mit der Klarheit über den

24


25


Foto privat

Sinn darüber, wem das Produkt oder die

Dienstleistung Ihres Unternehmens einen

Mehrwert liefern soll, kann die Organisation

erfolgreich werden. Welches Problem lösen wir

für wen? Gründerinnen sind also in der Pflicht, die

Frage nach dem Warum zu klären. Das schafft

eine völlig neue Mentalität in dem Gründer UND

den Mitarbeitern und gibt die Richtung für die

Zukunft vor.

Sie wissen nun also, was Ihre Vision ist. Die

nächste logische Frage ist: Wie setzen Sie diese

Vision strategisch um? Es braucht Prinzipien, wie

ein Mitarbeiter die Vision in bestimmten

Situationen realisieren kann. Mit der

Beantwortung dieser Frage können Gründerinnen

einen strategischen Leitfaden festlegen. Da ist

starke Führungskompetenz gefragt.

Bevor Sie also aktiv zum Surfen übergehen,

brauchen Sie das Wissen darüber, wie Surfen

überhaupt funktioniert.

Die perfekten Abläufe

Natürlich wissen Gründerinnen, was ihr Start-up

macht. Aber mit zunehmender Mitarbeiteranzahl

verschwimmt meist auch das Wissen und die

Klarheit. Deshalb ist es unumgänglich, eine

Professionalisierung der Wertschöpfungsprozesse

und Abläufe zu tätigen.

Und das funktioniert eben nur, wenn Sie die

bisherigen Abläufe genauestens unter die Lupe

nehmen und die Transparenz über dieses Wissen

erhöhen. In der letzten Konsequenz erledigen Sie

nur die Tätigkeiten, die dem Kunden und dem

Unternehmen Mehrwert bringen.

Gute Gründerinnen legen zudem fest, wer die

gestellten Aufgaben am besten erfüllt. Dafür

müssen Führungskräfte bestimmte Rollen

definieren und darüber entscheiden, in welchen

Teams diese bestmöglich besetzt werden. Der

Gründer agiert dabei jedoch lediglich als

Moderator. Er holt alle an einen Tisch jeden

Mitarbeiter, jeden Investor, jeden Gründer und

gemeinsam beantworten sie die vier W-Fragen,

damit alle Köpfe zusammen einen optimalen

Leitfaden für das Unternehmen finden können. So

machen Gründerinnen aus einem Start-up ein

Unternehmen. Eines, das bestehen wird.

Auch beim Surfen ist noch kein Profi vom Himmel

gefallen. Sie müssen also üben, jede Bewegung

trainieren und perfektionieren.

Der Ritt auf den Wellen

Und damit Ihr Unternehmen auch in

Krisensituationen erfolgreich bleibt, empfehle ich

Jedem ein Risiko- und Strategiemanagement

aufzubauen. Gründerinnen sollten dafür die

Risiken definieren und einen fixen Plan parat

haben, wer diese Risiken aktiv navigiert und wie

die Verantwortlichkeiten verteilt sind.

Dieses Management sollte jedoch nicht nur

einmalig festgelegt und danach nie wieder

überdacht werden. Nein, es sollte laufend neu

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Foto © André Bakker

bewertet und bewirtschaftet werden. Dann kann

Ihnen auch der Fall vom Surfbrett nichts mehr

anhaben.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem

Start-up-Ritt auf den Wellen.

Markus Hotz stürzt sich voller Tatendrang in das

Abenteuer Zukunft. Von einer Welle der

Ungewissheit unvorbereitet überrollt zu werden,

ist für ihn das Horrorszenario schlechthin. Aus

seiner jahrelangen Erfahrung als Wegbegleiter bei

Business- und Peopletransformationen weiß er,

dass Jammern und die unangenehmen Dinge

aufzuschieben, nicht hilft. Er geht Neues voller

Tatendrang an. Erfahren Sie mehr unter:

www.markushotz.ch oder folgen Sie ihm auf

seinen Social-Media-Kanälen.

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Gründen mit Entrepreneurial Design

Harriet Kollmann hat es ausprobiert und MEDMIN gegründet

Frau Kollmann, Sie haben im Gesundheitswesen

gegründet. Warum?

Im Gesundheitswesen ist es „2 vor 12“. Der

Ärztemangel in Klinik und Praxis ist in aller Munde.

Die Rahmenbedingungen scheinen auf den ersten

Blick völlig unattraktiv geworden, um als Arzt tätig

zu sein - egal, ob in Anstellung in einer Klinik oder

Praxis, geschweige denn, sich niederzulassen. Der

Kosten- und Erlösdruck steigt stetig, die

Patientenflut wächst Ärzte und Patienten

werden parallel immer älter. Dieser

demografische Wandel wird ergänzt durch rasant

wachsende schwere, oft chronische

Krankheitsverläufe, häufig Mehrfacherkrankungen

sowie diverse Glaubens- und Kulturfragen unserer

Zeit. Dies alles sind Mosaiksteinchen hin zu

Überforderung von Medizinern und Teams.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in diesem

Bereich zu gründen?

Die Idee, in diesem Bereich zu gründen,

entwickelte sich sukzessive aus der Arbeit

zunächst in der Praxis meines Mannes und in

zahlreichen anderen Einrichtungen seit 2004. Ich

begleitete zunächst Ärzte in die Niederlassung aus

seinem Freundeskreis, dann aus dem Netzwerk

und lernte so die unterschiedlichsten Strukturen

der Unternehmen kennen. Ich absolvierte

Steinbeis-zertifizierte Ausbildungen, um stetig

tiefer in die Materie einzusteigen. Es lag für mich

regelrecht auf der Hand, Konzepte zu kreieren, die

den rasant wachsenden Ärztemangel, die hohe

Demotivation und Verzweiflung der Mediziner

aufgreifen, um so die Versorgung von uns allen

sicherzustellen.

Was bieten Sie Ihren Kunden mit Klinik- und

Praxisberatung an?

Regresse und Sanktionen, lange Wartezeiten und

massive Unzufriedenheit aller Beteiligten

(Behandler, nicht medizinischer Assistenz,

Patienten sowie Rahmengeber / Akteure) sind an

der Tagesordnung in den Einrichtungen. Ich biete

mit meiner freiberuflichen Tätigkeit „Klinik- und

Praxisberatung Versorgung. Anders. Denken.“,

die ich als funktionelle Beratung umsetze, eine

bedarfsgerechte und zeitgemäße 360-

Grad-Lösung an.

Bei der funktionellen Beratung wird die Wurzel

des Übels, die Ursache für die Ungleichgewichte in

der Organisation Praxis oder Klinik, zunächst

identifiziert. Das Unternehmen Arztpraxis oder

Klinik wird als gesamtes System gesehen und nicht

als eine Ansammlung von zunächst unabhängig

scheinenden Teilen der Organisation[HK2] .

So suchen wir nicht nach einzelnen Symptomen,

sondern befassen uns mit den Missständen in

ihrem Kern, um ganzheitlich, funktional agieren

und von Grund auf Strukturen schaffen zu können.

In Ihrem Portfolio bieten Sie einen Praxis-Check,

Patientenversorgung, funktionelle Medizin, QM

und Praxisübername-Beratungen an.

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Haben Sie einen medizinischen Hintergrund?

Ich habe einen betriebswirtschaftlichen und

psychologischen Hintergrund und lernte 2004

meinen Mann René kennen. Er war Facharzt für

Allgemeinmedizin und wollte sich niederlassen.

Schnell zeigte sich, dass er dem

unternehmerischen Handeln keine Leidenschaft

entgegenbrachte, wie so viele Mediziner. Warum

auch? Wenn ich mich für die Arbeit am und mit

dem Menschen entscheide, muss ich meines

Erachtens nicht für BWL und Co. brennen.

Mich faszinierte das Gesundheitswesen schon

immer. Mein Unique Selling Proposition ist

zweifellos, dass ich meinen Mann im Rahmen

seiner Niederlassung in der Praxis bis zur

Abwicklung und Übergabe an einen Nachfolger

aufgrund seines Versterbens im Alter von 47

begleitet habe. So war es mir möglich, alle Abläufe

aus nächster Nähe zu erleben, die Wünsche und

Bedarfe, Ängste und Nöte der Patienten, Ärzte

und des nicht medizinischen Personals zu sehen

und als Fundament für Lösungen zu nutzen.

Wie sind Sie an die Gründung herangegangen?

War von Anfang an klar wie und was es werden

sollte?

Ich wusste von Anfang an, dass ich in dem Bereich

etwas bewirken wollte - ich wollte

Praxis-Management anbieten: und zwar anders.

Vollkommen anders als üblich. Mein Ansatz: Unter

absoluter Würdigung der einzelnen Personen,

ihrer Gains, Pains und vor allem eben der Stärken,

die jeder in sich trägt, zu gestalten. Die Harriet

Kollmann Praxis-Management-Systeme UG

haftungsbeschränkt macht Lösungen skalierbar

und mit dem ersten Projekt MEDMIN stellt sie die

Medizin und die Mediziner in den Fokus.

Hier biete ich die Leistungen für effiziente

Strukturen und Prozesse, Rechtssicherheit,

Leadership und mehr, die den Unternehmer Arzt

stärken und die Unternehmensführung in gute

Bahnen lenken, auch als Komplettlösung aus einer

Hand anzubieten. Mir liegt es am Herzen, dass der

Slogan der kassenärztlichen Bundesvereinigung

„Lass dich nieder, den Rest machen wir!“ gelebt

wird.

MEDMIN begleitet diese Prozesse aus einer Hand

mit den maßgeblichen Experten, die mit einem

Höchstmaß an Professionalität Wegbegleiter sind

für ihre jeweiligen Fachbereiche.

Sie haben gegründet und dabei die Methode

Entrepreneurial Design verwendet. Können Sie

erklären, wie man dabei vorgeht?

Bei der konventionellen Gründung muss man alle

Unternehmensbereiche abdecken „selbst und

ständig“. Bei der Form des Entrepreneurial

Designs bucht der Unternehmer bedarfsadaptiert

professionelle Anbieter. Er kann schnell

aufstocken, reduzieren, zahlt nur für erbrachte

29


Leistungen, hat erfreulicherweise keine hohen

Fixkosten für Personal etc. Besonders in früher

Gründungsphase hat das natürlich einen großen

Nutzen. Ich schone als Unternehmer mein Budget

und bewahre mir Flexibilität.

Wie waren mit der Methode die ersten Schritte

bei der Gründung?

Wir gingen ursprünglich davon aus, dass ein

umfassendes Portal zu programmieren sei und

haben nach Programmierern geschaut. Bis heute

haben wir kein Portal - weil wir keines brauchen.

Viel wichtiger wäre es gewesen, das offline bereits

gut laufende Dienstleistungsangebot in Ansätzen

zu digitalisieren, bestimmte Abläufe zu

standardisieren und zum Beispiel den

Zahlungsstrom über externe Anbieter abzubilden.

Foto: privat

Harriet Kollmann hat MEDMIN

gegründet und dabei auf die Methode

Entrepreneurial Design

zurückgegriffen. Weitere

Informationen zu diesem Vorgehen auf

der nächsten Seite.

Passt die Methode des Entrepreneurial Designs

zu jeder Gründung?

Lange Zeit ging man davon aus, dass

Entrepreneurial Design in der Regel nur

funktioniert, wenn man Produkte anbietet. Meine

Gründung hat gezeigt, dass es auch für

Dienstleistungen funktioniert. Ich sehe keine

Einschränkung und denke, dass es einzig eine

Rolle spielt, in welchem Umfang der Unternehmer

Komponenten einbinden will und welche

Steuerung durch diese bzw. vom Unternehmer

selbst erfolgen soll oder muss.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Konzept-kreatives

Entrepreneurship

Von Florian Komm

Seit 2001 arbeitet die Stiftung Entrepreneurship,

mit Ihrem Gründer Prof. Günter Faltin, daran,

Gründerinnen und Gründern die Chancen des

konzept-kreativen Entrepreneurship näher zu

bringen.

Dieser von Prof. Faltin entwickelte Ansatz der

Unternehmensgründung bietet neben den

Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung auch

Chancen für die Gesellschaft als Ganzes. Ziel der

Stiftungsarbeit ist es aufzuzeigen, dass

Entrepreneurship, richtig angegangen, nicht nur

einigen wenigen, sondern grundsätzlich praktisch

allen Mitgliedern einer Gesellschaft zugänglich ist.

Hierzu hat die Stiftung Entrepreneurship

Veranstaltungsformate, wie das Labor für

Entrepreneurship und die Masterclass entwickelt,

um so Impulse zu geben und Gründer zu

begleiten.Der Entrepreneurship Summit ist das im

Herbst stattfindende Treffen für alle

Querdenkerinnen, Innovatoren und

Entrepreneure, die sich mit Ihren Ideen,

Konzepten und Unternehmen für eine Alternative

zum Status Quo der aktuellen Ökonomie

einsetzen.

Nutzen auch Sie den Entrepreneurship Summit

um sich mit anderen Gründerinnen zu vernetzten,

wertvolle Impulse und weitere Informationen zu

den Angeboten der Stiftung Entrepreneurship zu

erhalten. Der Entrepreneurship Summit 2019

findet am 19. & 20. Oktober in Berlin statt.

Weitere Informationen und Tickets erhalten Sie

unter www.entrepreneurship.de/summit

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RECHT

Urlaubsansprüche

verfallen nicht mehr

automatisch!

Von Ines Heydasch LL.M.

Nach einer aktuellen Entscheidung des

Bundesarbeitsgerichts (BAG) kann der Verfall von

Urlaubsansprüchen in der Regel nur dann

eintreten, wenn der Arbeitgeber den

Arbeitnehmer zuvor aufgefordert hat, noch nicht

beantragten Urlaub zu nehmen und er ihn klar

und rechtzeitig darauf hingewiesen hat, dass der

Urlaub andernfalls mit Ablauf des Urlaubsjahres

oder Übertragungszeitraums verfällt (BAG, Urteil

vom 19.02.2019, 9 AZR 541/15 -

Pressemitteilung Nr. 9/19 BAG-).

1. Die Rechtslage

Der Verfall von Urlaubsansprüchen ist in § 7 Abs. 3

Satz 1 des Bundesurlaubsgesetzes (BUrlG)

geregelt. Diese Regelung bestimmt, dass der

Urlaub im laufenden Kalenderjahr zu nehmen ist

und nicht genommener Urlaub verfällt. Nach Satz

2 der Regelung ist eine Übertragung des Urlaubs

auf das nächste Kalenderjahr nur statthaft, wenn

dringende betriebliche oder in der Person des

Arbeitnehmers liegende Gründe dies

rechtfertigen. Im Fall der Übertragung muss der

Urlaub in den ersten drei Monaten des folgenden

Kalenderjahres gewährt und genommen werden.

Nach der bisherigen Rechtsprechung des BAG

verfiel nicht beantragter und nicht genommener

Urlaub automatisch mit Ablauf des Kalenderjahres

bzw. bei Vorliegen der Voraussetzungen für eine

Übertragung des Urlaubs auf das nächste

Kalenderjahr mit Ablauf des

Übertragungszeitraums ersatzlos. Es oblag also

damit dem Arbeitnehmer, seinen Urlaub

rechtzeitig zu beantragen und anzutreten.

Ausnahmen zum Urlaubsverfall nach § 7 Abs. 3

BUrlG gelten beispielsweise nach den gesetzlichen

Sondertatbeständen für Arbeitnehmerinnen in

Mutterschutz nach § 17 Satz 2 des

Mutterschutzgesetzes (MuSchG) und für

Arbeitnehmer in Elternzeit nach § 17 Abs.2 des

Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes (BEEG).

Nach der einschlägigen Rechtsprechung des BAG

gilt eine abweichende Rechtslage im Falle der

fortbestehenden krankheitsbedingten

Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers. Danach

erlöschen gesetzliche Urlaubsansprüche nicht mit

Ablauf des Kalenderjahres oder

Übertragungszeitraums, wenn der Arbeitnehmer

aufgrund krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit

gehindert ist, den Urlaub im Urlaubsjahr oder

Übertragungszeitraum zu nehmen (vgl. BAG,

Urteil vom 23.03.2010, 9 AZR 128/09 NZA 2010, S.

810); in diesem Fall verlieren die Arbeitnehmer

ihre gesetzlichen Urlaubsansprüche nach 15

Monaten nach Ablauf des Urlaubsjahres (vgl. BAG,

22.09.2015, 9 AZR 170/14, NZA 2016, S. 37).

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2. Der Sachverhalt

In dem der Entscheidung des BAG zugrunde

liegenden Fall hatte der Arbeitnehmer nach

Beendigung seines Arbeitsverhältnisses die

finanzielle Urlaubsabgeltung für nicht

genommene 51 Urlaubstage für die letzten zwei

Beschäftigungsjahre geltend gemacht. Einen

Antrag auf Gewährung dieser Urlaubstage hatte

der Arbeitnehmer während des

Arbeitsverhältnisses nicht gestellt. Die

Vorinstanzen haben der Klage stattgegeben. Die

Revision des Beklagten vor dem BAG hatte Erfolg

und führte zur Zurückverweisung der Sache an das

Landesarbeitsgericht, das noch aufzuklären hat,

ob der beklagte Arbeitgeber in dem der

Entscheidung zugrunde liegenden Fall seinen

Obliegenheiten nachgekommen ist.

Mit seiner aktuellen Entscheidung hat das BAG die

Vorgaben des Gerichtshofs der Europäischen

Union (EuGH) aufgrund der Vorabentscheidung

vom 06.11.2018 (EuGH, Urteil vom 06.11.2018,

C-684/16) umgesetzt und entschieden, dass der

Anspruch des Arbeitnehmers auf bezahlten

Jahresurlaub in der Regel nur dann am Ende des

Kalenderjahres erlischt, wenn der Arbeitgeber ihn

zuvor über seinen konkreten Urlaubsanspruch und

die Verfallfristen belehrt und der Arbeitnehmer

den Urlaub dennoch nicht genommen hat. Klar ist

nach der Entscheidung des BAG auch, dass der

Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, seinen

Mitarbeitern von sich aus Urlaub zu gewähren,

damit ihre Urlaubsansprüche nicht verfallen.

Kommt der Arbeitgeber hingegen seiner

Obliegenheit, seine Mitarbeiter klar und

rechtzeitig auf nicht genommene Urlaubstage und

das Verfallrisiko hinzuweisen, nicht nach, verfällt

der Urlaubsanspruch nicht. Erfüllt der Arbeitgeber

hingegen diese ihm obliegende Pflicht und

entscheidet der Arbeitnehmer aus freien Stücken

in Kenntnis des Verfallrisikos den Urlaub nicht zu

nehmen, verfällt der Urlaub. Unklar ist nach der

Entscheidung, welche Folgen die Entscheidung des

BAG für vermeintlich verfallenen Urlaub aus den

Vorjahren haben wird. Auch ist unklar, in welcher

Form und bis wann der Arbeitgeber seine

Obliegenheit zu erfüllen hat. Was konkret

„rechtzeitig“ bedeutet, hat das BAG in seiner

Entscheidung nicht erläutert.

3. Empfehlungen

Den Arbeitgebern ist zu empfehlen, künftig ihre

Arbeitnehmer schriftlich, beispielsweise per Mail,

auf ihre noch bestehenden Urlaubstage

hinzuweisen und sie aufzufordern, den noch

bestehenden Urlaub vor Ablauf des

Kalenderjahres zu nehmen mit dem Hinweis, dass

der nicht in Anspruch genommene Urlaub nach

Ablauf des Bezugszeitraums verfällt. Diese

Unterrichtung muss so rechtzeitig erfolgen, dass

den Arbeitnehmern anschließend noch die Zeit

verbleibt, ihren jeweils noch bestehenden Urlaub

bis zum Ablauf des Bezugszeitraums zu nehmen.

Die entsprechenden Mitteilungen sollten in

geeigneter Weise archiviert werden, damit der

Arbeitgeber im Streitfalle auch nachweisen kann,

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dass er seiner Hinweis- und

Belehrungspflicht nachgekommen ist.

Arbeitnehmer sollten prüfen, ob sie

möglicherweise für das Jahr 2018 doch

noch Ansprüche auf Urlaub aus dem Jahre

2018 haben, die sie als verfallen glaubten.

Denn nach dieser Entscheidung des BAG

ist es durchaus wahrscheinlich, dass die

Arbeitsgerichte vermeintlich für 2018

verfallene Ansprüche zusprechen werden.

Foto: Daniel Rosenthal

Ines Heydasch, LL.M., Rechtsanwältin

BUSE HEBERER FROMM

heydasch@buse.de

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Caroline-Lucie Ulbrich ist Managementberaterin

und arbeitete u.a. für die Deutsche Bank, die

Vereinten Nationen und Volkswagen. Clara Creitz

ist Expertin für Erwachsenenbildung und Trainings.

Sie arbeitet u.a. für die UBS und ist aktuell bei der

Schweizer Privatbank Julius Bär tätig.

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FINANZEN

Girls just want to have funds

Von Caroline-Lucie Ulbrich

2014 fing ich einen neuen Job an bei einer

großen deutschen Bank. Seit meinem 26.

Lebensjahr arbeite ich immer wieder mal in der

Finanzdienstleistungsbranche. Geld, Vermögensbildung

und Investitionen sind für mich keine

böhmischen Dörfer.

"High-Net-Worth-Individuum"? Natürlich weiß ich,

welche Gruppe das bezeichnet.

Jedoch habe ich Vermögen und

Vermögensbildung nie mit mir selbst in

Verbindung gebracht. Es kam mir nie in den Sinn,

Geld anzulegen. Ich hatte zwar im Alter von 17 bis

20 Jahren Geld in einen “Bausparvertrag”

investiert, diesen dann aber zu Studienbeginn

wieder aufgelöst, um mir Möbel zu kaufen.

Einfach gesagt, sind Bausparverträge staatlich

subventionierte Sparverträge, die (in Deutschland)

beim Immobilienkauf helfen sollen.

Ich sollte beginnen, mein Geld für mich arbeiten

zu lassen

Zurück zum Jahr 2014: Einmal wieder war ich von

Bankern umgeben. Dieses Mal wurde ich den

Eindruck nicht los, dass ich damit beginnen sollte,

mein Geld für mich arbeiten zu lassen. Aber wo

anfangen? Investieren war eine große “Blackbox”

für mich. Ich hatte einige Fragen: Brauchte ich

mehrere tausend Euro, um zu investieren?

Welche Aktien soll ich kaufen Facebook-Aktien?

Wo konnte ich diese kaufen? An der Frankfurter

Börse? Um Antworten zu erhalten, fragte ich

meine Freunde. Um genau zu sein, meinen besten

(Bank-) Freund und Kollegen Daniel. Er schlug vor,

in ETFs (Exchange Traded Funds) zu investieren.

ETFs? Ich hatte noch nie zuvor von diesen

Finanzinstrumenten gehört.

Was sind ETFs?

Hier eine Definition: ETFs sind "ein

Investment-Vehikel, welche eine diversifizierte

Exposure in einem bestimmten Bereich des

Marktes bietet." (ETF-Universität). Wie bitte?

Übersetzen wir das Investment-Jargon: Ein ETF

macht nichts anderes, als die Performance von

Aktien einer bestimmten Gruppe von

Unternehmen zu spiegeln. Diese könnten sein:

alle an der Deutschen Börse notierten

Unternehmen (alle DAX-Unternehmen). Oder du

kaufst einen ETF, der die Leistung von rund 1.650

großen Unternehmen auf der ganzen Welt

spiegelt (darunter Nestlé, Merck, Coca-Cola,

Citigroup, Shell ...). In diesem Fall würdest du

höchstwahrscheinlich den MSCI World ETF

auswählen.

Für eine frischgebackene Anlegerin gibt es

mehrere gute Gründe, Geld in einen ETF zu

stecken: Sie kann mit monatlichen Sparraten von

EUR 25 starten (das ist möglich, wenn sie sich

entscheidet, das Investmentportfolio selber online

bei einer Direktbank einzurichten). Die

monatlichen Beiträge können aufgestockt werden.

Es gibt eine gewisse Flexibilität, die ich als

Anlegerin sehr schätze. Wer eine

Gehaltserhöhung erhält, kann das extra Kapital

gleich in den ETF investieren.

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Das habe ich getan: Ich habe mein Investment

Portfolio bei einer Direktbank eingerichtet.

Nachdem ich meine Log-in-Daten und meine

TAN-Liste (Transaktionsnummern) erhalten hatte,

wählte ich zwei ETFs aus, in die ich investieren

wollte. Ich besparte jeden ETF mit EUR 50 pro

Monat (das Geld hierfür wird automatisch von

meinem Bankkonto abgebucht). Ich wählte die

ETFs basierend auf der Empfehlung meines

Freundes und meinen eigenen Recherchen

bezüglich des Volumens und der Performance der

ETFs aus:

● MSCI World

● Dow Jones Global 50.

Jetzt, einige Jahre später, bin ich stolz auf mich:

Ich habe nie daran gedacht, mein ETF Portfolio

aufzulösen. Hin und wieder logge ich mich in mein

Konto ein, um zu sehen, wie die ETFs sich machen.

Unter Umständen kann es sich lohnen, Geld

nachzuschießen, um das Portfolio auszugleichen.

Beachtet, dass ich nicht mit einer klaren

Anlagestrategie begonnen habe ich habe einfach

losgelegt. Mit ETFs kann man so schnell nichts

falsch machen, finde ich. Warum? Ganz einfach,

weil Dein Geld bei einer jährlichen Rendite von 4

bis 10 % (je nach gewähltem ETF) viel besser

angelegt ist, als es auf einem Sparkonto zu

belassen (mit aktuellen Zinssätzen von 0 bis 0,5

%). Es ist dann sinnvoll, dein Geld in einen ETF zu

investieren, wenn du bereit bist, es für einen

längeren Zeitraum dort zu lassen (zehn Jahre,

fünfzehn Jahre, zwanzig Jahre). Auf diese Weise

kannst du vom Zinseszinseffekt profitieren (auch

das „achte Weltwunder“ von Albert Einstein

genannt am besten einmal den Zinseszinseffekt

nachlesen). Die unvermeidlichen Schwankungen

des Aktienmarktes werden Deine Investitionen bei

so einem Zeitraum weniger stark beeinflussen, da

sie über längere Zeithorizonte ca. 15 Jahre

ausgeglichen werden.

Einfach beginnen!

Einfach mit dem Investieren zu beginnen, hat

mich motiviert, mehr darüber zu lernen. Zunächst

mag Investieren wie eine komplizierte

Fremdsprache erscheinen, etwa Mandarin

Chinesisch. Du kannst aber kleine Schritte machen

und lernen, wie es geht. Es ist nie zu spät, Dein

Geld für Dich arbeiten zu lassen. Leider wird

Budgetieren und Investieren nicht an deutschen

Schulen unterrichtet. Glücklicherweise gibt es eine

Reihe von Webseiten, Communities wie der

unseren (Finelles) und Workshop-Anbietern, die

diese Themen runterbrechen.

Also: Starten!

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SOCIAL MEDIA

Erfolgreiches Social Media Marketing für

Unternehmer*innen

Von Carmen Lichtenberg

Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie

Unternehmer in den sozialen Medien präsent sein

müssen. Soziale Medien sind aus dem Alltag und

Berufsleben nicht mehr wegzudenken. Millionen

von Usern nutzen Facebook, Instagram, Pinterest

und Co Tendenz steigend. Auch für

Unternehmen und Selbstständige bieten die

sozialen Netzwerke eine große Chance. Hier

können sie sich eine aktive Community aufbauen

und ganz nah am potenziellen Kunden sein. Doch

wer denkt, dass er nur mit dem Hochladen von

hübschen Bildern in den sozialen Netzwerken

Kunden gewinnen kann, liegt falsch. Ich gebe

Ihnen 3 Schritte an die Hand, mit denen Sie

erfolgreiches Social Media Marketing betreiben

können.

Schritt 1: Konzept erstellen

Das eigene Social Media Konzept ist entscheidend

für den Erfolg in den sozialen Netzwerken. Ohne

ein durchdachtes Konzept werden Sie keine

Kunden in den sozialen Netzwerken gewinnen

können. In Ihrem Konzept legen Sie zum Beispiel

fest welche Plattformen Sie bespielen werden,

welche Ziele Sie erreichen möchten und wie Ihre

Bildsprache sein soll. Während der

Konzepterstellung entwickeln Sie außerdem einen

Redaktionsplan. Dies hilft Ihnen den Content für

Social Media zu planen und zielgerichtet

umzusetzen. Sie haben Bedenken, dass Ihnen das

Social Media Marketing wertvolle Zeit raubt und

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Ihr Hauptgeschäft belastet? Keine Sorge: Planung

ist die halbe Miete. Planen Sie in einem Rutsch die

Postings für eine Woche vor, so haben Sie den

größten Teil der Arbeit schon erledigt.

Schritt 2: Social Media verstehen

Wer als Unternehmer in den sozialen Netzwerken

erfolgreich sein möchte, muss sich zwingend mit

den Grundlagen des Social Media Marketings

beschäftigen. Worum geht es überhaupt in den

sozialen Netzwerken? Was ist wichtig um Follower

zu generieren und die Reichweite zu vergrößern?

Was findet der Algorithmus eines Social Media

Kanals gut, sodass der Post möglichst vielen Usern

angezeigt wird? Hier gilt: Interaktionen sind der

Schlüssel zum Erfolg in den sozialen Medien. Auf

Instagram und Co geht es um den Austausch mit

der eigenen Community und potenziellen Kunden.

Die sozialen Plattformen sind keine kostenlosen

Verkaufsplattformen, sondern ein soziales

Trittbrett. Sie müssen Ihren Followern einen

Mehrwert bieten. Wer auf Social Media ständig

nur die eigenen Produkte oder Dienstleistungen

bewirbt wird keinen Erfolg haben. Platte Werbung

ist in den sozialen Netzwerken nicht gerne

gesehen. Sie als Unternehmer müssen bestehende

Probleme der Zielgruppe lösen können,

Persönlichkeit zeigen und sich als Experte

positionieren. Nur so werden die Follower Ihnen

vertrauen und zu Kunden werden.

Schritt 3: Dranbleiben

Der Aufbau einer Community in den sozialen

Netzwerken braucht Zeit und erfordert Geduld.

Sie werden nicht über Nacht tausende Follower

bekommen und darum geht es auch gar nicht.

Denn was bringen Ihrem Unternehmen zahlreiche

Follower, die nicht zu Ihrer Zielgruppe gehören

und nicht mit Ihren Inhalten interagieren? Nichts!

Lassen Sie die Finger von diversen Strategien, um

schneller Follower zu generieren und bauen Sie

sich Ihre eigene aktive Community auf. Sie werden

sehen: Die Mühe lohnt sich!

Posten Sie regelmäßig und interagieren Sie mit

anderen Accounts. Analysieren Sie regelmäßig

Ihre Arbeit und überprüfen Sie Ihre Ziele. Sehr

wahrscheinlich müssen Sie Ihre Strategie immer

mal wieder verändern und anpassen. Es gibt nicht

die eine Social Media Strategie. Seien Sie mutig

und probieren Sie verschiedene Themen, Formate

etc. aus. So bekommen Sie ein Gefühl dafür, was

Ihre Community braucht und möchte. Sprengen

Sie übliche Sichtgewohnheiten und heben Sie sich

mit Ihren Inhalten und Ihrer Persönlichkeit von

der Masse ab.

Spätestens wenn die ersten Kundenanfragen über

Social Media eintrudeln wissen Sie, dass Sie auf

dem richtigen Weg sind.

Sie möchten Ihr Unternehmen auf Social Media

bekannter machen? Wissen aber nicht so recht,

was Sie beachten müssen, damit Ihre Arbeit auch

wirklich Erfolge bringt? Dann empfehle ich Ihnen

das Arbeitsbuch „Social Media Marketing für

41


Carmen Lichtenberg Foto privat

Unternehmer“. Hier lernen Sie nicht nur alle

wesentlichen Grundlagen des Social Media

Marketings, sondern entwickeln auch gleich

praktisch Ihr eigenes Social Media Konzept.

Verschiedene Aufgaben im Buch helfen Ihnen

dabei, die Autorin gibt Ihnen einmalig ein

kostenloses persönliches Feedback zu Ihren

bearbeiteten Aufgaben. Mehr Infos zum Buch

hier: www.carmenlichtenberg.de/buch/

oder auf Seite 74 im Magazin!

42


DIGITALISIERUNG

CROSSMEDIA hebt

Projektarbeit mit

digitalen Workspaces

auf neues Level

Von Arno Schambach, IT-Redakteur

Die CROSSMEDIA GmbH mit Hauptsitz in

Düsseldorf und weiteren Standorten u.a. in Berlin,

Hamburg und London sowie Partner-Offices in

New York, Los Angeles und Philadelphia ist als

Full-Service Mediaagentur einer der führenden

Spezialisten für die crossmediale Strategie- und

Kommunikationsberatung. Um die

unterschiedlichen Tools in den verschiedenen

Teams abzulösen und den Spagat zwischen

Qualität, Transparenz und Effizienz im

Tagesgeschäft zu meistern, hat das Unternehmen

die gesamte Kommunikation und

Projektsteuerung über die Collaboration-Plattform

Taskworld zusammengeführt.

CROSSMEDIA steht für unabhängige und

differenzierende Kommunikationsberatung und

bietet als Media Independent ganzheitliche,

crossmediale Mediaberatung, -forschung, -einkauf

sowie -optimierung an. 2017 und 2018 stand der

Umbau der internen Arbeitsorganisation im Fokus

von „New Work“. So hatte sich das Management

dazu entschlossen, das Unternehmen und

sämtliche angebundenen Gesellschaften agiler

aufzustellen, um den Anforderungen des

„crossmedialen“ Tagesgeschäftes und dem

Wandel der Arbeitswelten besser gerecht zu

werden.

Fotos Sven Vüller, Jan Ladewig

„Wir wollten nicht mehr 15

unterschiedliche Tools

nutzen, sondern eines, das

alle wichtigen Funktionen

zentral vereint“, so Senior

Managerin Operations Lisa

Wenzel.

Herausforderungen bei der

teamübergreifenden Kommunikation

Die meisten Teams hatten sich bislang ihre

eigene Arbeitsorganisation für das

Tagesgeschäft

43


Zusammenarbeit sollte smarter werden

Mit Taskworld hat

CROSSMEDIA ein Instrument

gewonnen, das den Teams und

Kollegen im Tagesgeschäft den

Spagat zwischen Qualität,

Transparenz und Effizienz

erleichtert.

geschaffen. „Das hat bisweilen auch ganz gut

funktioniert, weil die Teammitglieder

untereinander eingespielt sind. Wir wollten unser

Anforderungsprofil in den vergangenen beiden

Jahren jedoch an die strukturellen Veränderungen

unserer internen Arbeitsprozesse anpassen, um

interdisziplinäre Erfahrungen und Kapazitäten

besser zu nutzen“, erläutert Lisa Wenzel, Senior

Managerin Operations bei CROSSMEDIA. „Für die

teamübergreifende Projektarbeit war das

bestehende Setup aus Trello, Basecamp, Outlook

und Messengern allerdings nur bedingt geeignet.

Das war für uns schließlich der Ausgangspunkt für

die Entscheidung, uns nach einer zentralen

Kollaborationsplattform umzuschauen, mit der

sich die Kommunikation bündeln und das

Aufgabenmanagement besser steuern lässt.“

Fotos Sven Vüller, Jan Ladewig

Eine wichtige Anforderung bestand z.B. darin, auf

Einzel-, Team-, Gruppen- oder Projektebene

miteinander kommunizieren zu können. Die

Kommunikation sollte zudem nicht von der

Auftragsstellung getrennt sein, sondern immer

kontextbezogen erfolgen. Auch wollte man die

tägliche Email-Flut eindämmen, die die

Nachvollziehbarkeit von Projektverläufen sowie

Such- und Rechercheprozesse regelmäßig

erschwert hat.

Um standortunabhängig vollen System-Zugriff zu

haben und Informationen auch mobil austauschen

zu können, sollte die neue Lösung zudem

cloud-fähig sein und über eine dedizierte

Mobile-App verfügen. „Damit wollten wir die

Korrespondenz per Email oder WhatsApp ablösen.

Eben ein smartes, DSGVO-konformes Medium, mit

dem man Kollegen oder Teams komfortabel

erreicht und gleichzeitig die Projekthistorie im

Blick behält“, betont Lisa Wenzel. „Wir wollten

auch keine typische To-do-Liste, bei der man nicht

nachvollziehen kann, wer jetzt eigentlich welche

Aufgaben übernimmt, sondern ein Tool im

Kanban-Stil mit frei definierbaren Boards, das uns

im Handling und der Steuerung die nötigen

Freiheiten lässt.“

Mehr Qualität in der Projektarbeit

Die Entscheidung fiel Anfang 2018 schließlich auf

Taskworld einer web-basierten Collaboration-

44


und Projektmanagement-Plattform, die dann

sukzessive an weiteren Standorten ausgerollt

wurde und heute bei 250 Mitarbeiter täglich zum

Einsatz kommt. „Es ist für uns ein wichtiges

Instrument, um die anfallenden Aufgaben besser,

schneller und übersichtlicher zu organisieren“, so

Lisa Wenzel. „Früher wurden Aufgaben noch mit

zahllosen Post-Its festgehalten. Das sieht man

heute nicht mehr - wir haben unser virtuelles Büro

damit immer in der Hosentasche. Das ist nicht nur

ein beruhigendes Gefühl, sondern entspricht auch

unseren eigenen sowie den Ansprüchen unserer

Kunden an eine digitale Arbeitswelt.“

Fotos Sven Vüller, Jan Ladewig

Seit 2018 kommt Taskworld

als führendes

Kommunikations- und

Projektmanagement-Tool

zur Anwendung.

45


ART works!

Kunst und Wirtschaft - Ein Widerspruch?

ART Coachin Dr. Ulrike Lehmann setzt sich für mehr Kreativität im Unternehmen ein

Wirtschaft und Kunst, passt das zusammen, Frau

Lehmann?

Auf den ersten Blick nicht. In der Wirtschaft die

Sicht auf den Kunden, seine Wünsche und die

Optimierung von Produkten sowie die

Gewinnmaximierung, dort die kreativen

„Freigeister“, die ausschließlich Originale und

diese nur nach ihren eigenen Vorstellungen

herstellen, aber dennoch oft nicht von ihrer Kunst

leben können.

Manche sehen die Wirtschaft (nur) als Förderer

der Kunst und andere wiederum zumeist

Manager sind begeistert von Kunst und blicken

neidvoll auf die Künstler, die ihren Ideen

nachgehen, in den Tag hineinleben können, die

arbeiten, wann, wo und wie sie wollen und ihre

Entscheidungen alleine treffen, ohne dass ihnen

jemand hineinredet. Nicht selten wird auch auf

die „brotlose Kunst“ hingewiesen im Vergleich zur

prosperierenden Wirtschaft, wo man sich noch

anstrenge und entsprechend seinen Lohn dafür

bekomme. Dabei wird unterschwellig den

Künstlern nicht ernsthaftes und intensives

Arbeiten unterstellt. Es ist nicht darüber hinweg

zu diskutieren, dass diese beiden Bereiche Kunst

und Wirtschaft in unseren Köpfen unterschiedlich

bewertet werden. Dennoch gibt es über die

Bereiche von Mäzenatentum und Kunstmarkt

hinaus weitere Schnittstellen, die gerade heute

das Verhältnis von Kunst und Wirtschaft neu

definieren. Dabei geht es vor allem um die Frage

nach ihrer

gegenseitigen Annäherung und was Manager von

Kunst und Künstlern lernen können. Insbesondere

die Fragen, wie Kunst ein Kreativmotor sein und

wie sie zur Kommunikation beitragen kann,

stehen im Fokus. Kunst kann die Wirtschaft

fördern nicht nur die Wirtschaft die Kunst. Da

findet gerade ein Umdenken statt, das ich mit

initiiert habe.

Kreativität wird laut einer Studie des

Weltwirtschaftsforums 2020 zum dritt

wichtigsten Softskill für Führungskräfte. 2015

stand sie noch auf Platz 10. Kunst ist, wie Sie in

Ihrem Buch schreiben, ein echter Kreativmotor.

Wie kann so ein Motor in wirtschaftlichen und

unternehmerischen Prozessen eingebracht

werden? Und was bewirkt er?

Aufgrund des schnellen Wandels im Zuge der

Digitalisierung ist Kreativität eine neue wichtige

Währung geworden. Unternehmen erleben eine

Disruption, eine kreative Neuschöpfung. Sie

müssen sich völlig neu erfinden, um

wettbewerbsfähig zu bleiben, und überlegen, wie

so schnell so viel Kreativität in ihr Unternehmen

kommen kann. Kunst ist ein besonders geeigneter

Kreativmotor, weil sie alles bietet und fordert, was

man für Kreativität und auch für weitere

Kompetenzen in der neuen Arbeitswelt braucht

so z. B. Toleranz, kritisches, komplexes Denken

und differenzierte Wahrnehmungsfähigkeit. Kunst

ist nicht nur eine musische Inspirationsquelle. Sie

ist Ausdruck von Andersdenken und beweist den

Mut, Neues auszuprobieren, Altes und Bekanntes

46


47


auf den Kopf zu stellen oder umzudrehen. Kunst

weckt Neugier und emotionalisiert, fördert

visuelles Denken und die Vorstellungskraft.

Die Wirtschaft öffnet sich allmählich dem ideellen

Wert und den genuinen Kompetenzen von Kunst

jenseits von Prestigedenken und erkennt deren

Nutzen. Sie beginnt, von Kunst und Künstlern zu

lernen, ihre anderen Sichtweisen zuzulassen und

mit ihnen zu arbeiten.

Sie sind Art-Coachin. Was genau tun Sie?

Zum einen halte ich viele Vorträge, um das neue

Denken der Verbindung von Kunst und Wirtschaft

zu verbreiten. Manche würden sich da als

Evangelist bezeichnen. Dafür gibt es aber (noch)

keine weibliche Entsprechung. Evangelistin? Zum

anderen gebe ich Seminare und Workshops, um

mit Kunst Kreativität und Kommunikation in

Teams oder von Führungskräften zu fördern. Das

geschieht meist durch die Betrachtung von Kunst

mit unterschiedlichen Methoden, um wiederum

auch die künstlerischen Methoden

herauszuarbeiten und das anders Denken zu

trainieren. In den Unternehmen selbst mache ich

das mittels Projektionen, falls keine Kunst

vorhanden ist, aber noch besser und effizienter in

Museen oder Ateliers vor Originalen.

Die beiden Bereiche Kunst und Wirtschaft

zusammenzubringen, ist bestimmt keine

einfache Aufgabe. Wie überzeugen Sie

Unternehmen, sich mit Kunst und Kreativität

auseinanderzusetzen?

Gibt es große Berührungspunkte?

Nein, das ist in der Tat nicht einfach, aber es

wird einfacher, weil die Unternehmen sich

neuen Denkweisen öffnen und neue Methoden

suchen, um ihre Kreativprozesse

voranzubringen. Immer mehr CEO und

HR-Manager haben ein neues Mindset. Oftmals

besteht bei Mitarbeitern Angst vor

Veränderungen und der Wunsch, alles so zu

machen, wie bisher. Das Loslassen von

bewährten Wahrnehmungs- und Denkmustern

im Arbeitsalltag ist eine der schwierigsten

Hürden. Das bezieht hier oder da auch die

distanzierte Einstellung zu Kunst mit ein. Kunst

sei Luxus, zu teuer, zu nichts nutze, sie habe

keinen Mehrwert, bestenfalls ein „Nice to have“.

Andere meinen, von Kunst habe man keine

Ahnung, man könne ja auch nicht malen. Kunst

sei zu kompliziert, zu elitär, zu unverständlich

oder man habe dafür schlichtweg keine Zeit.

Sie sind Kunsthistorikerin und PR-Beraterin.

Wie haben Sie diese beiden Bereiche

zusammengebracht?

Die Schnittmenge ist die Kommunikation. Kunst

ist Kommunikation. Ich trete mit Kunstwerken in

Dialog, als sei es ein Fremder, den ich zum

ersten Mal sehe. Der Wahrnehmungsprozess mit

anderen Gesprächspartnern erzeugt weitere

Kommunikation und Austausch. PR ist auch

Kommunikation und hat zum Ziel,

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Aufmerksamkeit zu generieren und

Kommunikation zu fördern.

Warum ist Kunst für Sie so wichtig?

Ich bin schon früh in Museen gegangen und

empfinde das stets als Bereicherung, mich neuen

Kunstwerken auszusetzen und sie zu

interpretieren. Aber auch einige alte Kunst

inspiriert mich. Die Einzigartigkeit jedes

Kunstwerks und die unterschiedlichen

Bildsprachen der verschiedenen Künstler

faszinieren mich, die Ideen der Künstler

begeistern mich und Inhalte berühren mich auch

emotional. Ich schule stets aufs Neue meine

Wahrnehmung. Ich habe daher Kunstgeschichte

und Kunstpädagogik studiert mit dem Ziel, auch

anderen Menschen den Zugang zur Kunst zu

eröffnen.

Sie haben den Innovationspreis der

Peter-Moennig-Stiftung und Kulturpaten Köln

verliehen bekommen, herzlichen Glückwunsch.

Den Preis haben Sie für Ihr Konzept erhalten, das

aufzeigt, wie und mit welchen Maßnahmen

Künstlerinnen und Künstler in Unternehmen

arbeiten können. Was sind das für Maßnahmen?

Um eine Begegnung auf Augenhöhe zu erreichen

und tatsächlich eine Win-win Situation zu

schaffen, in der einerseits der Künstler sich mit

seiner kreativen Kompetenz zeigt, andererseits

der Unternehmer seine Problemstellung

mitbringt, für die er einen kreativen Mitarbeiter

braucht, der von außen anders auf den

Sachverhalt schaut und neue Ideen reinbringen

kann, könnte ein Format der Begegnung

geschaffen werden.

Wichtig ist, dass Sparringpartner gefunden

werden müssen, die zusammen passen. Dabei

geht es nicht um den Verkauf von Kunstwerken,

also der Hardware des Künstlers, sondern um

seine Software, den Einsatz künstlerischen

Denkens.

Um sich zu begegnen und vor allem, um den

„Richtigen“ zu finden, erscheint eine

Dating-Plattform in Form eines Speeddatings, aber

auch World Cafés und eines Barcamps

erfolgversprechend. In weiteren Ebenen könnten

Design Thinking und Workshops stehen, die

bereits die Fragestellungen der Unternehmen

beinhalten und lösungsorientiert bearbeiten. Vor

dem Prozess sind Coachings für Künstler zur

Einführung in die neue Arbeitswelt sinnvoll.

Zudem stelle ich mich als Intermediär zur

Verfügung, da ich beide Sprachen spreche die

der Wirtschaft und die der Künstler - und

entsprechend vermitteln und den Prozess

begleiten kann.

Kunst inspiriert zu einem Umdenken,

Andersdenken. Was glauben Sie, ist der Grund

dafür?

Kunstwerke sind Originale, hergestellt durch die

Hand des jeweiligen Schöpfers. Künstler haben die

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innere Notwendigkeit, Neues zu erschaffen. Dabei

stellen sie viele Entwürfe und Skizzen her, bis sie

sich für die endgültige Version entscheiden. Sie

nehmen Scheitern als Chance. Sie können sich

nicht stets zitieren und wiederholen, sondern

jedes Werk sollte sich vom anderen

unterscheiden. Das ist eine enorme Leistung im

Vergleich zu industrieller Produktion. Künstler sind

visionär, oft ihrer Zeit voraus, sensibel und

seismografisch .Kunst ist Ausdruck von

Andersdenken und dem Mut Neues

auszuprobieren, auf den Kopf zu stellen oder

umzudrehen. Und Kunst weckt Neugier. Sie

emotionalisiert, fördert visuelles Denken und die

Vorstellungskraft. Kunst inspiriert durch Farbe,

Form, Material und deren Zusammenstellung. Die

Kreativität und Fantasie des Künstlers überträgt

sich bei der Betrachtung von Kunst auf den

Rezipienten, weil er den Entstehungsprozess im

Geiste wiederholt und die Botschaft interpretiert.

Wer sich mit Kunstwerken beschäftigt, sie mit

Leichtigkeit und Unbeschwertheit anschaut und

sich auf sie einlässt, kann lernen, anders zu

denken.

Sie haben auch ein Buch geschrieben „Wirtschaft

trifft Kunst“. Wie kam die Idee dazu?

2012 habe ich als Kunstvermittlerin Art Coaching

gegründet. Ein halbes Jahr später initiierte und

organisierte ich das Forum „Wirtschaft trifft

Kunst“, das dann mehrere Male stattfand. Bei

jedem Forum waren Redner aus der Kunst,

Wirtschaft, Wissenschaft und Politik eingeladen.

Das Buch sollte diese Beiträge dokumentieren. Im

Verlauf der Buchproduktion kamen noch weitere

Autoren hinzu, die das Thema Kunst und

Wirtschaft aus unterschiedlichen Blickwinkeln

beobachten. Seit dem Erscheinen 2017 mache ich

mit einigen Autoren Buch- bzw.

Themenvorstellungen in unterschiedlichen

Städten Deutschlands.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das neue Buch von Dr. Ulrike Lehmann finden Sie

auf Seite 74 im Magazin.

Hierzu mal ein Beispiel: Rene Magritte hat in

einem Bild ein Weinglas in eine Landschaft

platziert. Darin ragt eine Giraffe mit ihrem Hals

über den Glasrand. Man kann hier lernen Fragen

zu stellen: Warum muss das Weinglas immer auf

einem Tisch stehen? Und warum muss es immer

Wein beinhalten? Es geht auch anders.

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Ein eigenes Sachbuch: Wie kann es ein

Erfolg werden?

Von Birte Vogel

Schreibt eine Unternehmerin ein Sachbuch, dann

möchte sie es ganz gezielt als Marketingtool

nutzen. Es soll ihr und ihrem Unternehmen zu

mehr Bekanntheit, einem höheren Marktwert und

mehr Erfolg verhelfen. Doch wie kann ein eigenes

Buch zum Erfolg werden? Sehen wir uns ein paar

Beispiele von Unternehmerinnen an, denen ein

Buch zu mehr Erfolg verholfen hat:

Die Management-Trainerin Sabine Asgodom

schrieb 2012 ihr bislang wohl bekanntestes Buch,

„So coache ich. 25 überraschende Impulse, mit

denen Sie erfolgreicher werden“.

Sina Trinkwalder, Gründerin des ökosozialen

Modelabels manomama, wurde 2013 durch ihr

Buch „Wunder muss man selber machen: Wie ich

die Wirtschaft auf den Kopf stelle“ bundesweit

bekannt.

Die Beraterin Dr. Sylvia Löhken machte 2012 mit

ihrem Buch „Leise Menschen starke Wirkung.

Wie Sie Präsenz zeigen und Gehör finden“ das

Thema Introversion, aber auch sich selbst, einem

großen Publikum bekannt.

Drei Unternehmerinnen, drei sehr

unterschiedliche Bücher und drei für diese Frauen

sehr wichtige Erfolge. Was aber war ihr

Erfolgsgeheimnis?

Was ist das Erfolgsgeheimnis eines Sachbuchs?

Wenn Sie „erfolgreiches Sachbuch“ hören, denken

Sie vielleicht sofort an sehr hohe Verkaufszahlen

und immer neue Auflagen. Doch die

Verkaufszahlen sind gar nicht das Entscheidende

für den Erfolg eines Buches.

Für den Erfolg muss ein Sachbuch vor allem eins:

den Leser*innen einen Nutzen bieten. Dabei ist es

unerheblich, ob es ein Ratgeber ist, ein

erzählendes Sachbuch oder eine Autobiografie. Je

nützlicher das Buch für die Leser*innen ist, desto

überzeugender wirkt es und desto erfolgreicher

kann es für die Unternehmerin sein.

Eine der wichtigsten Fragen für die angehende

Autorin ist daher: Wie kann das, was ich schreiben

will, meinen Leser*innen nützlich sein?

Um diese Frage zu beantworten, muss die Autorin

ihre Zielgruppe sehr gut kennen. Denn sie muss

wissen, was diese Gruppe interessiert, wofür sie

Inspiration sucht, welche drängenden Fragen sie

hat oder für welche Probleme sie eine Lösung

benötigt. Dank ihrer beruflichen Expertise kann

die Autorin dann genau diese Inspiration,

Antworten und Lösungen in ihrem Buch liefern.

Nutzen für die Leserin = Nutzen für die

Unternehmerin

Ein wirklich erfolgreiches Sachbuch muss daher

beides schaffen: Es sollte zunächst den

Leser*innen nützen und kann nur dann auch der

Unternehmerin Erfolg bringen. Je nützlicher das

Buch für die Zielgruppe ist, desto glaubwürdiger

wird die Autorin. Je glaubwürdiger sie ist, desto

besser wird ihr Ruf, den sie durch Interviews,

Vorträge, Kurse und Seminare weiter verbessern

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52


kann. Auf diese Weise steigt ihr Marktwert, was

sich meistens auch in steigendem Umsatz zeigt.

Und was ist das Erfolgsrezept der Bücher von

Asgodom, Trinkwalder und Löhken?

Sabine Asgodoms freigiebige Ratschläge und

Hilfen zur Selbstoptimierung sind leicht

verständlich, gut umsetzbar und glaubwürdig. Sie

schreibt auf Augenhöhe, locker und humorvoll. So

gibt sie ihrer Zielgruppe nicht nur zahlreiche

nützliche Tipps. Sie zeigt sich auch als Mensch und

beweist mit dem Buch ihre in vielen Jahren der

Praxis gewachsene Kompetenz. Obwohl Asgodom

seither noch viele weitere Bücher geschrieben

hat, liegt dieser Bestseller bereits in der 9. Auflage

vor und erhält nach sieben Jahren immer noch

neue Rezensionen.

Sina Trinkwalders autobiografisches Buch ist ein

Aufruf an ihre Leser*innen: Sieh her, so mache ich

das, und das funktioniert richtig gut! Komm,

mach’s mir nach! Man nimmt ihr ab, was sie

schreibt. Dieser pragmatische, ethisch und

ökologisch geprägte Zugang zu ihrer Arbeit

inspiriert und motiviert Leser*innen, ihre

unternehmerischen Entscheidungen und privaten

Kaufentscheidungen zu überdenken und zum

Positiven zu verändern. Das nützt auch

Trinkwalders Firma manomama, die sie durch

Lesungen, Vorträge und ihre starke öffentliche

Präsenz immer wieder in Erinnerung bringt.

Gerade ist ihr viertes Buch erschienen. Und die

Firma hat sich seither fest auf dem Markt

etabliert.

Sylvia Löhken griff ein Thema auf, das im Alltag

völlig untergeht: die Frage, wie introvertierte

Menschen in dieser extrem lauten, extrem

schnellen Welt besser bestehen können. Ihr Buch

ist nicht nur Ratgeber, sondern auch Augenöffner

für Intro- und Extrovertierte. Sie gibt damit den

Introvertierten, also mindestens 30 Prozent der

Bevölkerung, das Gefühl und die Chance, endlich

gesehen, verstanden und wertgeschätzt zu

werden. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen

übersetzt. Und Löhken ist heute Deutschlands

bekannteste Expertin zu diesem Thema.

So verschieden diese drei Unternehmerinnen sind,

sie haben eins genau richtig gemacht: Sie haben

Sachbücher geschrieben, die in erster Linie einen

Nutzen für ihre Leser*innen hatten und dadurch

am Ende auch einen Nutzen für sie selbst und ihr

eigenes Unternehmen.

Foto Dieter Sieg

Birte Vogel ist freie Journalistin, schreibt

Texte und Bücher für Unternehmen und

coacht Unternehmerinnen und

Unternehmer von der Idee bis zum

fertigen Buch. Sie wünscht sich, dass viel

mehr Frauen Sachbücher schreiben, da

deren Expertise in der Öffentlichkeit

schmerzlich fehlt. https://nordsee-text.de/

53


Unternehmerinnen im Porträt

Frauen tun sich leichter,

wenn sie Vorbilder haben

Sarah Lindner hat Video Impression gegründet. Sie ist Speakerin,

Multipreneurin & Investorin in gute Ideen

Frau Lindner, finden Sie, dass Frauen zu wenig

ihren eigenen Weg gehen?

Ja, definitiv gehen Frauen zu wenig ihren eigenen

Weg, denn die meisten stellen ihre Bedürfnisse

hinter Partner und Kind. Eine Frau wird schnell in

die Ecke „Rabenmutter“ geschoben, wenn sie zu

egoistisch ist. Viele Frauen haben Angst vor

eigener Meinung, Angst vor Kritik und es fehlt

ihnen der Mut, Dinge selbst zu machen. Frauen

sind auch anderen Frauen gegenüber kritischer als

zu Männern. Männer werden eher gefördert,

wenn sie sich vorn anstellen und offen ihre

Meinung sagen.

Was fehlt „den Frauen“, dass sie bewusster

entscheiden?

Natürlich sind nicht alle Frauen gleich, aber ich

habe festgestellt, dass viele Frauen nicht ganz so

viel Selbstwertgefühl haben wie Männer in der

gleichen Situation. Viele Frauen tun sich leichter,

wenn sie Vorbilder haben oder einen Mentor an

ihrer Seite. Ich persönlich mag es sehr, Frauen zu

fördern. Sie müssen lernen, Gedanken auch

auszuschalten, und sie haben oftmals die

Angewohnheit, sich Dinge vorzustellen und dabei

den Fokus zu verlieren, auf das, was wirklich

wichtig ist. Frauen fällt es deutlich schwerer, die

Sache so zu sehen, wie sie ist und zu verstehen,

dass Wahrnehmung wichtiger ist als

Interpretation.

Sie legen bei Ihrer Arbeit einen Schwerpunkt auf

die Unterstützung von Frauen, warum?

Ich finde es sehr wichtig, dass Unternehmen auch

von Frauen geführt werden. Das tut der

Gesellschaft gut, denn diese kennt oftmals nur das

Rollenbild von starken Männern. Es müssen mehr

stärkere Frauen sein, sie bringen tolle Energie in

jedes Unternehmen, sie sind sehr loyal und geben

auch gern etwas von ihrem Erfolg ab. Eine Frau

setzt auch sehr vernünftig das Geld ein und teilt

gern, Männer denken eher für sich und für

materielle Sachen. Ich arbeite auch sehr gern mit

Müttern zusammen, sie sollen nicht

ausgeschlossen werden. Sie haben eine hohe

Kompetenz für Organisation, Verantwortung und

machen sich Gedanken über das Unternehmen.

Sie sind sehr vorausschauend, denken weiter und

haben Spaß daran, Firmen mit aufzubauen. Durch

den riesigen Wandel in der Arbeitswelt und den

digitalen Möglichkeiten ist Homeoffice heutzutage

kein Problem mehr.

Sie selbst haben die sichere Festanstellung

verlassen, um Video Impression zu gründen. Was

war der Auslöser für diesen Schritt?

Bei mir war es ein absoluter Pullfaktor, es war der

Sog, frei entscheiden zu können, mit wem ich

arbeite und was ich im Leben tue. Ich möchte die

Gesellschaft verändern und frei über mein Geld

verfügen. Außerdem treffe ich gern selbst

Entscheidungen und möchte anderen helfen, ihre

Visionen als glasklare Botschaften in die Welt zu

bringen. Das vor allem mit dem Unternehmen

Video Impression (www.video-impression.com).

54


55

Photo by William Bayreuther on Unsplash

Foto: Beatrice Hermann


Ich bin ein vielseitig interessierter Mensch und

habe deshalb auch mehrere Unternehmen

gegründet, eine echte Multipreneurin also. Ich

habe einen großen Drang und viel Energie,

verschiedene Dinge umzusetzen. Mein

Lieblingsbuch ist „Du musst dich nicht

entscheiden, wenn du tausend Träume hast“. Die

Vielfalt am Leben reizt mich sehr.

Wie waren die ersten Schritte nach der

Entscheidung, sich selbstständig zu machen?

Im ersten Schritt musste ich natürlich Kunden

akquirieren, um zu wissen, wo eigentlich der

Markt ist. Ich wollte etwas ganz Neues erschaffen.

Es gab zu der Zeit schon Videoproduktionen, die

verschiedene Arten von Filmen produziert haben.

Aber ich wollte mein journalistisches Wissen

anwenden, um den Unternehmern zu helfen.

Stichwort Storytelling der Mensch steht im

Vordergrund des Films und eine Verknüpfung zum

Internet herstellen, denn in meinen Anfangsjahren

waren die meisten Firmen noch offline unterwegs.

Online-Marketing gab es bei den

Filmproduktionen noch nicht im Angebot und

genau die Verknüpfung zwischen einer Vision im

Video und das Erreichen einer speziellen

Zielgruppe wollte ich vernetzen. Das ist es, was

UnternehmerInnen wirklich hilft.

Wo liegt bei ihrer aktuellen Aufgabe der

Schwerpunkt?

Ich habe gelernt, wie wichtig Delegieren ist und

dass man ein gutes Team zusammenstellen muss,

um langfristig erfolgreich zu sein. Ich überlege

auch immer wieder neu, wie ich meine Vision in

die Tat umsetzen kann. Als Speakerin und

Potenzialentwicklerin helfe ich

UnternehmerInnen, den Sprung in die

Online-Welt zu schaffen, um auch im Internet

erfolgreich zu sein. Dazu eignet sich auch das

Portal Video Oase, das ich im vergnagenen Jahr

gegründet habe. Auf diesem Portal können

Gründerinnen und Unternehmerinnen enen

passenden regionalen Videopartner finden. Ich

vertraue daher auf verschiedene

Kooperationspartner und Networking.

Als Ziel haben Sie sich gesetzt, dass Sie einer

Milliarde Menschen helfen wollen. Warum

gerade einer Milliarde?

Das ist meine große Vision, mein Traum,

langfristig gesehen. Meine aktuellen Ziele sind

beispielsweise zehn Mitarbeiter im Team und 200

Videoproduktionen auf dem Portal Video Oase zu

haben. Natürlich habe ich immer Ziele für meine

unterschiedlichen Unternehmen, aber die Ziele

ändern sich auch, sie werden mit den

Mitarbeitern besprochen. Ich finde, jede(r)

UnternehmerIn sollte eine Vision haben und diese

sollte auch sichtbar werden. Auf Video Oase

www.video-oase.de ist meine Vision, dass sich die

Videojournalisten dort finden sollen, bei Video

Impression www.video-impression.com ist es

mein Ziel, dass Pionier-UnternehmerInnen den

Schritt ins Internet wagen und ich sie bei ihrer

Positionierung unterstützen kann. Das ist

heutzutage das Wichtigste, um aus der

Vergleichbarkeit und dem Preiskampf

56


herauszukommen. UnternehmerInnen brauchen

Vertrauen und Einzigartigkeit. Das geht am

besten, wenn man sein Gesicht zeigt und

potenzielle Käufer Vertrauen in die Marke

bekommen und die Sichtbarkeit auch mit

Weiterempfehlungen ankurbeln.

Was geben Sie Frauen mit auf den Weg, die am

Überlegen sind, ob sie den Schritt in die

Selbstständigkeit wagen sollen?

Unbedingt machen und ausprobieren, man darf

auch mal scheitern, man darf auch mal

Entscheidungen rückgängig machen. Viele

bereuen, dass sie nicht mutiger gewesen sind. Ich

möchte anderen Frauen Mut machen. Seit der

Geburt meines Sohnes mache ich mir auch

vielmehr Gedanken darüber, was passiert, wenn

ich gehe. Frauen sollten auch etwas aufbauen,

was die nächste Generation noch übernehmen

kann. Wir bauen auch Strukturen für unsere

Nachfolger auf.

Vielen Dank für das Gespräch!

Sarah Lindner ist Multipreneurin und Speakerin.

Vor ihrer Selbstständigkeit hat sie 11 Jahre beim

NDR als Redakteurin und Reporterin gearbeitet.

2012 gründete sie das Unternehmen Video

Impression und unterstützt damit

Pionier-UnternehmerInnen sichtbar zu werden

und erfolgreicher Kunden zu gewinnen. 2018

folgte das Unternehmen Video Oase, ein Portal,

auf der Videoproduzenten und Auftraggeber

schnell und unkompliziert zueinanderfinden. Als

Speakerin tritt sie ebenfalls vor

UnternehmerInnen auf und spricht zu den

Themen Online-Marketing und Immobilien. Mehr

Infos dazu auch auf ihrer persönlichen Webseite

www.sarahlindner.com.

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Mindshift: So werden

Sie fit für die

Arbeitswelt der Zukunft

Sie werden die Arbeitswelt der Zukunft nicht

mehr wiedererkennen. Deshalb vergessen Sie

einfach alles, was Sie über Karriere und

Weiterbildung wussten. Denken Sie neu und

machen Sie sich jetzt schon fit für die

Arbeitswelt von Morgen.

Die Bestsellerautorin Svenja Hofert sagt,

worauf es ankommt.

Der Tyrannosaurus Rex war so langsam wie ein

Mofa. Er bewegte sich mit 30 Stundenkilometern

vorwärts und brauchte mehrere Sekunden, um

sich einmal um die Achse zu drehen. Anders als

kleinere Reptilien und die verspielten Krokodile,

überlebte T-Rex die Verdunkelung der Erde durch

Meteoritenschläge und Vulkanausbrüche nicht.

Beweglichkeit zahlt sich eben aus das wird auch

in dieser sich fundamental wandelnden

Arbeitswelt so sein. Und selbst wenn morgen

noch kein Cyborg am offenen Herzen operiert, so

wird nahezu jeder arbeitende Mensch mit

Roboter- und Computertechnik zu tun haben.

Aber anders als heute, weniger technisch,

menschlicher.

Die Veränderungen erfassen alle: Die

Automobilindustrie muss sich neu erfinden, denn

wenn wir mit Flugtaxis, in Kugeln oder auf Rollern

reisen, dann brauchen wir immer weniger Autos.

Was verkaufen die Banken, wenn wir alle mit

ApplePay zahlen und die Zinsen nahe Null

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leiben? Das Fernsehen, wer braucht es noch

wenn alle Welt streamt? Keine Branche ist sicher.

Es reicht deshalb nicht auf die Bahnstation „neue

Richtung“ zu schreiben, um die Weichen neu zu

stellen.

Der Altenpfleger wird durch Roboter genauso

unterstützt werden wie die Lehrerin, die wissen

muss, mit welchen Lernprogrammen man Schüler

mit Dyskalkulie trainieren kann. Wenn Computer

und Mensch Hand in Hand arbeiten, ergeben sich

wunderbare Chancen für einen Shift, der uns auf

ein neues Level bringt.

Doch um Chancen der Zukunft zu gestalten,

müssen wir beweglicher werden und uns eher am

Krokodil denn am T-Rex orientieren. Unser

bisheriges „Mindset“, unsere Denk- und

Handlungslogik also, ist noch auf Industrie 2.0

programmiert. Wir betreiben Bildung und Karriere

in diesem bald hoffnungslos veralteten Modus.

Nur vier Beispiele:

1. Wir lernen, um erst gute Noten und dann einen

Job zu bekommen. So wird uns jene Neugier

abtrainiert, die wir dringend brauchen, um uns

das ganze Leben lang selbstgesteuert

weiterzuentwickeln.

2. Wir versuchen wie Computer zu sein anstatt

Roboter und künstliche Intelligenz durch unsere

menschlichen Kompetenzen zu ergänzen. So

verlernen wir Empathie, Intuition und Kreativität,

die uns vom Computer unterscheiden.

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3. Wir erwarten, dass andere uns etwas beibringen,

anstatt es selbst herauszufinden. So lernen wir gar

nicht erst zu lernen, wie es unter komplexen

Bedingungen notwendig ist und zwar durch

Experiment und Ausprobieren. Fehler gehören

damit dazu und Perfektionismus war gestern!

4. Wir suchen allein nach Lösungen für ein Problem,

anstatt uns mit anderen zu verbinden. So nutzen

wir die Kraft der Kollaboration und der

gemeinsamen Lösungen viel zu wenig. Doch in

komplexen Umfeldern ist Einzelkämpferdenken

von gestern, es geht nur noch zusammen.

Veränderungen beginnen oft mit einer

Notbremse. Sie rüttelt uns durch. Vielleicht gibt es

einen blauen Fleck. Aber wer wieder aufsteht,

geht anders durch die Welt. Wir irren uns, wenn

wir glauben, Veränderung sei in der Komfortzone

und mit dem bisherigen Denken möglich. Wer sich

grundlegend entwickelt und die Plastizität seines

Gehirns wirklich verändert, braucht immer auch

eine Krise, Schwierigkeit, Herausforderung. Bisher

haben wir die vorhandenen Straßen im Gehirn

gern nur weiter vertieft und wenig an neuen

Verbindungen gearbeitet. Neue Verbindungen

erfordern anstrengendes Stretching wir müssen

uns dahin begeben, wo wir vielleicht anfangs gar

nicht so gern hinwollen.

Foto: Nikolai Brinkmann

Svenja Hofert ist Managementberaterin, hält

Impulsvorträge und bildet Coaches und

Führungskräfte aus. Sie ist seit Januar 2015

gemeinsam mit Thorsten Visbal geschäftsführende

Gesellschafterin von Teamworks GTQ Gesellschaft

für Teamentwicklung und Qualifizierung.

Hofert lebt in der Nähe von Hamburg und in der

Nähe von Marbella, Spanien. Im Laufe der letzten

zwei Jahrzehnte hat die gebürtige Kölnerin über

30 Bücher geschrieben, darunter immer wieder

Longseller und Standardwerke, die bis zu sieben

Auflagen erreichten.

Begreifen Sie Ihr Leben als Möglichkeitenraum,

den Sie immer neu erkunden können und dürfen.

Darin sind viel mehr Möglichkeiten als Sie selbst

glauben. Die größten und wichtigsten sehen Sie

gar nicht. Es sind die Möglichkeiten, die die

Familie und unser Umfeld nie für uns vorgesehen

hatten die wir aber dennoch nutzen.

Gerade Frauen sind hier immer noch

ausgebremst. Sie glauben zu wenig an ihre

Möglichkeiten, sich auch in technischen Bereichen

auszuprobieren. Wenn das leichter, flexibler und

experimenteller geschehen darf, liegt darin die

große Chance nicht das nachzumachen, was

Männer tun, sondern den eigenen Werten zu

folgen.

Doch nur so gibt es einen Shift, der das bisherige

Mindset auf ein nächstes Level bringt.

Das aktuelle Buch von Svenja Hofert stellen wir

auf Seite 74 vor.

60


Andere Länder, andere Sitten? Indische

Gründerinnen zu Gast in Deutschland

Von Lucas T. Jahn

Gründerinnen in Deutschland stehen vor vielen

Herausforderungen: ein Netzwerk aufbauen,

Investoren finden, gegen Vorurteile ankämpfen.

Noch immer haben über zwei Drittel der Startups

in Deutschland ein rein männliches

Gründungsteam, nur ein Zehntel sind rein

weiblich. Insgesamt liegt der Anteil der

Gründerinnen deutscher Startups bei gerade

einmal 15%.

Im internationalen Maßstab schneidet

Deutschland damit unterdurchschnittlich ab. Zum

Vergleich: Shanghais und New Yorks Gründer sind

zu einem Viertel weiblich. Zudem liegt, laut einer

Studie von TechCrunch, der Fokus der von Frauen

gegründeten Startups vor allem in den Bereichen

Bildung, E-Commerce und Gesundheitswesen.

Weiblich geführte Tech-Unternehmen sind in der

klaren Minderheit.

Es bleibt die Frage, ob die geringe

Gründerinnen-Quote nur am deutschen System

liegt? Oder ob die Herausforderungen, vor denen

weibliche Entrepreneure stehen, weltweit

identisch sind?

Die Gelegenheit zu einem Austausch

verschiedener Perspektiven bot sich vom 13. bis

18. Mai 2019 in Berlin. Zehn indische

Gründerinnen aus den Bereichen IT, Künstliche

Intelligenz (KI), und Internet of Things (IoT),

reisten im Rahmen des Programms “Female

Entrepreneurship in Berlin and India” (FEBI) für

eine Woche nach Deutschland. Organisiert wurde

der Austausch von Startup Asia Berlin, einem

Projekt des Berliner Senats, der Deutschen

Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

(GIZ) und der NGO enpact.

Indien liegt mit einer Quote von 14% weiblicher

Gründer nah am deutschen Durchschnitt. Gute

Voraussetzungen also, um Erfahrungen

auszutauschen und voneinander zu lernen. Nach

einer Woche intensiver Gespräche zeigte sich:

indische und deutsche Startups kämpfen mit

ähnlichen Problemen. Ob es Motivationen oder

Herausforderungen sind, die indische und die

deutsche Startup-Welt unterscheiden sich

weniger voneinander, als man bei der großen

geographischen Differenz denken würde.

“Ich sehe keine großen Unterschiede, außer den

zu erwartenden kulturellen Unterschieden. Wenn

man sich auf die Lösung eines Problems

konzentriert, spielt die Herkunft oder

geographische Lage keine Rolle. Allerdings

wechselt man mit dem Ort auch die Perspektive.

Daher muss man sich erneut mit dem zu lösenden

Problem und seiner Relevanz befassen”, meinte

Vandhana Parkavi Valaguru, Operational &

Financial Head von Journee, einer AI-gesteuerten

Plattform für öffentliche Verkehrsmittel.

Jancy Jose, Gründerin von Strava Technologies,

bemerkte eine geringere Diversität an Ideen. “In

Indien gibt es für 2000 Projekte auch 2000

61


Foto: Alex Kovbasko

Die Gründerinnen Audrey Dsouza, Sai Gole, Divya Sharma und Asmita Moon (v.l.n.r) in Berlin

Entrepreneure, die sich um deren Entwicklung

kümmern. In Deutschland gibt es eher fünf

verschiedene Startups, die an derselben Idee

arbeiten.” In Anbetracht der Anzahl an

Carsharing-Angeboten in Berlin, scheint diese

Beobachtung akkurat.

Tithi Tewari, Gründerin der Virtual-Reality-Firma

SmartVizX, sieht die Unterschiede hauptsächlich

im technischen Umfeld. “Technische Produkte

brauchen in Indien etwas länger, um

angenommen zu werden und in Schwung zu

kommen. Das liegt mitunter auch daran, dass

unser Ökosystem sich eher auf

Dienstleistung-Startups konzentriert.”

Während Gründerinnen in Deutschland häufig mit

Vorurteilen im IT-Bereich zu kämpfen haben,

beschreibt Divya Sharma, Co-Founder und CIO von

Bixkie, das Gegenteil: “In Indien gibt es keine

Ressentiments gegenüber Frauen im IT-Sektor. Die

ganze Industrie boomt und wir haben einen tollen

Mix zwischen den Geschlechtern und Kulturen.”

Ob in Bangalore oder Berlin, Gründerinnen stehen

vor einer Reihe an Herausforderungen. Der

Aufbau eines internationalen Netzwerkes aus

Investoren, Mentoren und

Entrepreneur-Kolleginnen steht oft an erster

Stelle der Bestrebungen, gefolgt von der Frage,

wie man sein Unternehmen erfolgreich skaliert.

62


“Meine Motivation war schon immer, Workflows

zu verbessern, Effizienz zu steigern, und mir einen

Namen zu machen, indem ich etwas Nützliches

schaffe. Für die Investoren, mein Team, und mich

selbst”, so Tithi Tewari. Als eine von zehn

Gründerinnen, die aus über 500 Bewerberinnen

von enpact ausgewählt wurden, erhielt sie die

Chance, ihren Zielen noch näher zu kommen.

Der Besuch in Berlin war ein großer Schritt in

diese Richtung. Der Aufbau von internationalen

Netzwerken durch interkulturellen Austausch und

wirtschaftliche Zusammenarbeit ist das Hauptziel

des FEBI-Projekts von Startup Asia Berlin. “Meine

Hoffnung, Beziehungen zu potentiellen Investoren

und Influencern in Europa aufzubauen, hat sich

voll erfüllt”, so Tithi Tewari. “Darüber hinaus habe

ich das Berliner Startup-Ökosystem persönlich

erleben und begreifen dürfen.”

Ihre Gründer-Kollegin Divya Sharma fasst ihre

Erfahrungen und Erlebnisse dieser Woche wie

folgt zusammen: “Mein Ratschlag für

Gründerinnen ist es, ihr Themenfeld gut zu

erforschen, mit anderen Gründern zu

interagieren, und an verschiedenen Programmen

wie der Asien-Pazifik-Woche teilzunehmen, um

fundierte Entscheidungen treffen zu können.”

Zum Abschluss gab Jancy Jose aspirierenden

Gründerinnen noch einen Rat mit auf den Weg:

“Sei anders. Wenn du anders bist, stichst du aus

der Masse hervor.”

Vandhana Parkavi Valaguru, Shampa

Choudhury und Divya K. Sharma haben

gegründet in der IT- und KI-Branche. Bei ihrem

Besuch in Berlin haben wir sie zu Unterschieden

zwischen Indien und Deutschland befragt.

Sie sind nach Deutschland gekommen, um an

der Asia Pacific Week und der Smart City

Konferenz teilzunehmen. Was haben Sie bei der

Veranstaltung gelernt?

Shampa Choudhury: Es bieten sich grenzenlose

Möglichkeiten, wenn man ein einzigartiges,

disruptives und wettbewerbsfähiges

Geschäftsmodell hat. Die asiatischen Länder

sollten dazu ermutigt werden, die nächsten

Facebook, Tesla oder Uber hervorzubringen.

Ihre Start-ups sind angesiedelt in Bereichen wie

Mobilität, KI oder IoT. Untypische Bereiche für

Frauen, oder?

Shampa Choudhury: Meine Eltern haben mich

sicherlich nicht wie ein “typisches Mädchen”

erzogen. Aber ich stimme zu, dass der Anteil der

Unternehmerinnen in technologischen

Bereichen gering ist. Abgesehen davon ist es

einfacher, anderen weiblichen Führungskräften

in der Lifestyle-Branche zu folgen, als es im

Deep-Tech-Geschäft zu versuchen. Ich

persönlich ziehe es vor, den Trend zu ändern

und andere mir folgen zu lassen.

63


Vandhana Parkaci

Shampa Choudhury

Divya K. Sharma

64


Vandhana Parkavi Valaguru: Nein, das denke ich

nicht. Männer und Frauen werden von dem zu

lösenden Problem angezogen, nicht von der

Technologie als solche. Diese ist nur ein

Werkzeug, um Probleme zu lösen. Das war auch

mein Einstieg in das Smart Mobility Geschäft: Ich

wollte die Probleme des öffentlichen Verkehrs in

Indien lösen.

Divya K. Sharma: Das ändert sich derzeit. Mein

Startup-Unternehmen “Bikxie” hat eine KI- und

ML-gesteuerte, konsolidierte

Technologieplattform für alle “Last

Mile”-Mobilitätsbedürfnisse von Unternehmen

und Kunden geschaffen, um die Ressourcen vor

Ort zu optimieren und ein deutlich schlankeres

und effizienteres Transport Intelligence-Modell zu

generieren. Das umfasst auch einen IoT-basierten

docklosen Miet-Zweiradservice.

In Deutschland gibt es immer noch

verhältnismäßig wenig Frauen, die gründen. Wie

sieht das in Ihrem Heimatland aus?

Divya K. Sharma: Auch in Indien ist der

Prozentsatz der Frauen, die Unternehmerinnen

werden, unfassbar niedrig. Dabei handelt es sich

hauptsächlich um vererbte Firmen - der Anteil an

Startups, die von Frauen selbst gegründet werden,

ist also noch geringer.

Shampa Choudhury: Das indische Startup-

Ökosystem ist bereit für Veränderungen, ebenso

die Regierung. Diese fördert jetzt aktiv

Frauen geführte Initiativen in verschiedenen

Branchen.

Können Sie ganz allgemein Unterschiede

zwischen Indien und Deutschland in Bezug auf

das Gründen festmachen?

Shampa Choudhury: Vor zehn Jahren gab es im

indischen Ökosystem keine Gelegenheit,

Geschäfte zu machen, aber jetzt, da wir die

Unterstützung der Regierung haben, wird es

einfacher. Ich denke, Leadership-Initiativen, die

von der Regierung und großen Organisationen

ausgehen, sind wichtig, um die unternehmerische

Entwicklung zu erleichtern.

Vandhana Parkavi Valaguru: Nicht wirklich. Ich

sehe keine großen Unterschiede, außer den zu

erwartenden kulturellen Unterschieden. Wenn

man sich auf die Lösung eines Problems

konzentriert, spielt die Herkunft oder

geographische Lage keine Rolle. Allerdings

wechseln wir mit dem Ort auch die Perspektive,

und sollten uns erneut mit dem Problem, das wir

lösen, und seiner Relevanz befassen.

Gibt es auch bei Ihnen Ressentiments gegen

Frauen in der IT-Branche?

Divya K. Sharma : Ehrlich gesagt, nein. In Indien

gibt es keine Ressentiments gegenüber Frauen im

IT-Sektor. Die ganze Industrie boomt und wir

haben einen tollen Mix zwischen den

Geschlechtern und Kulturen.

65


Was würden Sie Frauen raten, die im Bereich IT,

KI oder IoT gründen wollen?

Divya K. Sharma: Mein Ratschlag lautet:

Erforschen Sie das Gebiet ausgiebig, interagieren

Sie mit relevanten Start-up-Leuten, um zu

verstehen, was es bedeutet, ein Unternehmer

eines Technologieunternehmens zu sein.

Weiterhin rate ich auch dazu, an verschiedenen

Programmen wie der Asia Pacific Week

teilzunehmen und dann eine fundierte

Entscheidung über den Einstieg in diese Branche

zu treffen. Falls Sie diesen Weg einschlagen,

wählen Sie das Gründungsteam sorgfältig. KI & IoT

sind aufstrebende Branchen mit vielen Impulsen,

die von öffentlichen und privaten Organisationen

in diesem Bereich ausgehen, sodass sich hier

spannende Möglichkeiten bieten.

Vandhana Parkavi Valaguru: Glauben Sie an sich,

EQ ist wichtiger als IQ. Dies gilt für alle Branchen,

nicht nur für die KI und IT.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über FEBI - Female Entrepreneurship Berlin India

Das Projekt Female Entrepreneurship in Berlin und

Indien unterstützt die Entwicklung und das

Wachstum von frauengeführten Unternehmen in

beiden Regionen durch Vernetzung, Training und

Delegationsreisen. Das Projekt bringt weibliche

Gründerinnen und Führungskräfte,

unterstützende Institutionen (wie Accelerators,

Inkubatoren und NGOs) und internationale

Akteure des Start-up-Ökosystems für

Delegationsreisen nach Indien und Berlin

zusammen.

Das Projekt Female Entrepreneurship in Berlin und

Indien wurde 2018 von der Senatsverwaltung für

Wirtschaft, Energie und öffentliche Wirtschaft in

Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft

für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ins Leben

gerufen. Es wird vom Bundesministerium für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

(BMZ) durch das

Bund-Länder-Pilotprogramm unterstützt und von

enpact e.V. als integraler Bestandteil der

deutsch-asiatischen Startup-Plattform und des

Netzwerks Startup AsiaBerlin (SUAB) umgesetzt.

StartUp AsiaBerlin zielt darauf ab, ein globales

Startup-Ökosystem zu schaffen, das Start-ups mit

Investoren, Fachkräften und Partnern in Europa

und Asien verbindet. Die Plattform zwischen den

Startup-Hubs Berlin, Singapur, Manila, Jakarta,

Delhi, Bangalore, Peking, Shenzhen und Hongkong

ermöglicht eine direkte Zusammenarbeit zwischen

Start-ups und Ökosystemakteuren. Jedes Jahr

organisiert SUAB Delegationsreisen in die Städte

des Netzwerks und lädt die Partner zum Treffen

auf der Asien-Pazifik-Woche in Berlin ein.

66


Gründerinnen im Porträt

Hingucken und mithelfen

Petra Moske und Elisabeth Schuh haben nestwärme e.V.

gegründet, ein Verein, der bei der Pflege von schwerstkranken

Kindern hilft

Eltern und ihren kranken und behinderten

Kindern unterstützen, eine große Aufgabe! Frau

Moske und Frau Schuh, wie sind Sie zu diesem

Projekt gekommen?

Indem wir das Schicksal zweier Familien hautnah

miterleben durften, welche unbewältigbaren

Aufgaben sie nach der Geburt ihres kranken

Kindes vor sich hatten. Da haben wir einfach

hingeguckt, mitgeholfen und vor allem diese

Ungerechtigkeit und Situation der Familien

öffentlich gemacht. So kam alles ins Rollen.

Was kann Nestwärme alles bieten?

Vor allem bieten wir „Nestwärme“. Denn wir

wollen miteinander leben und zusammen sein und

Begegnungen möglich machen, damit auch die

Familien, die ein krankes Kind haben mitten im

Leben stehen können, Spaß haben, Gemeinschaft

fühlen und erleben. Das schaffen wir z. B. über

unsere Familienwochenenden, unsere digitale

Plattform und das Ehrenamtsprojekt “Zeit

schenken”, welches ein Miteinander auf der

lokalen Ebene möglich macht. Für die ganz Kleinen

haben wir die bundesweit erste inklusive

Kinderkrippe gegründet …. Darüber hinaus haben

wir auch sehr spezialisierte Angebote für die

Familien mit pflegeintensiven, lebensverkürzt

erkrankten Kindern wie den Kinderhospizdienst,

die Brückenpflege mit Kurzzeitpflege oder

Anleitungspflege und den häuslichen

Kinderkrankenpflegedienst.

Sie leiten Nestwärme bereits seit 1999, also 20

Jahre, wie haben Sie angefangen?

Wir haben Ressourcen aus der Gesellschaft

aktiviert, zum Beispiel in dem wir Zeitkontingente

(Engagement von Privatpersonen oder Firmen)

gesammelt haben, um sie an die betroffenen

Familien weiterzugeben.Zusätzlich haben wir Geld

gesammelt,, um einfache Hilfen zu ermöglichen.

Eine mediale Kampagne hat uns erste

Aufmerksamkeit für die Situation der Familien

verschafft und auch uns als Organisation. Die so

gewonnenen Mitstreiter haben mit uns in der

Politik, bei Unternehmen Veränderungen bewirkt,

Projekte der häuslichen professionellen Pflege für

Kinder ermöglicht, modernes sinnstiftendes

Ehrenamt ausgebaut und Konzepte für das

gesellschaftliche Engagement von Firmen

mitentwickelt. Das alles hat die Grundlage für das

bundesweite Netzwerk gelegt.

Ich kann mir vorstellen, dass die Gründung eines

sozialen Unternehmens nicht einfach ist. Wie

waren denn die Reaktionen auf Ihre Idee?

Inhaltlich gab es für unsere Mission eine sehr

hohe Bereitschaft und Akzeptanz aber die Idee

dann in ein “Sozialunternehmen” zu gießen und zu

entsprechend zu organisieren und zu

strukturieren, war innovativ aber erfuhr ein

gleiches Maß an Unterstützung! Die

Herausforderung, die bleibt und der wir bis heute

jeden Tag begegnen und zu erfüllen haben, ist die

nachhaltige Finanzierung und Ausgestaltung.

67

Foto: Daniel Bukowski


Botschafterinnen: Nina und Julia Meise mit Léa H. aus München, Foto : Esther Jansen

Heute erfahren Sie Unterstützung von höchster

Ebene, wie Schirmherrschaften von Frau Dr.

Barley. Wie helfen solche prominenten Namen?

Neben der Reputation, Glaubwürdigkeit und der

Vielfalt des Netzwerks unserer Schirmherren sind

diese auch immer Multiplikatoren in den Medien

für unsere Mission und Vision.

Sie bauen Nestwärme immer weiter aus und

integrieren weitere Projekte. Welches Ziel

verfolgen Sie?

Wir möchten unter Einbindung unserer

Erfahrungen, unseres Netzwerkes und an erster

Stelle den Bedürfnissen der Familien unsere

Projekte ausbauen und auch innovative

Pilotprojekte wie ein nestwärme-Kinderhaus als

Modell für integrierte pädiatrische Unterstützung

im ländlichen Raum realisieren.

Wie schaffen Sie den Arbeitsalltag, haben Sie

viele ehrenamtliche Helfer und Angestellte?

Seit Gründung ist das Zusammenspiel aus

Ehrenamt und Hauptamt eine große

Herausforderung und ebenso große Bereicherung

die nestwärme e.v. Deutschland dorthin geführt

hat, wo wir heute stehen.

Aufgrund des Netzwerkes spüren wir täglich, dass

wir unsere Strukturen und Organisation immer

wieder lernend weiterentwickeln dürfen

insbesondere im Hinblick auf Digitalisierung,

gravierende Veränderungen in den Arbeitsbereich

Pflege und Ehrenamt. In dem sehr komplexen

Arbeitsalltag berührt es uns IMMER SEHR zu

erleben und zu sehen, was wir mit den

Netzwerkpartnern, den Menschen, die unsere

Wertehaltung und Mission teilen, gemeinsam

bewegen!

68


Was wünschen Sie und

Ihr Team sich für die Zukunft?

Dass unsere Projekte noch mehr Familien

unterstützen können und noch mehr Menschen

spüren können, wie wirksam und sinnstiftend ein

Mitmachen bei nestwärme ist!

Da viele unserer Projekte spendenfinanziert sind,

wünschen wir uns für uns (das TEAM) und die

Mission von nestwärme nachhaltige

Unterstützung aus Wirtschaft, Politik und

Gesellschaft damit wir weiterhin viele Familien

erreichen können.

Elisabeth Schuh und Petra Moske Foto: Daniel Bukowski

Was geben Sie Frauen an die Hand, die sich

ebenfalls mit dem Gedanken tragen, im sozialen

Bereich eine Gründung vorzunehmen?

Das Erkennen, Leben sowie Ermitteln der

Wirksamkeit der sozialen Mission, die Frauen

verfolgen. Dies sorgt für die notwendige Klarheit

im Innen und Außen, um die Nachhaltigkeit

gemeinsam mit den Stakeholdern zu

gewährleisten. Wir wünschen Selbstbewusstsein

viel Humor Lebensfreude - Hartnäckigkeit, die

Fähigkeit gute Netzwerke aufzubauen,

Beziehungen zu pflegen, keinen „Florence

Nightingale“ Duktus anzunehmen und seine

eigene WERTIGKEIT erkennen und leben! Ach ja

bitte kein Bittstellertum!

Vielen Dank für das Gespräch!

69


10. Bewerbungsphase um 10 Werktage

verlängert Vordenker*innen,

Pionier*innen, kreative

Überzeugungstäter*innen: Jetzt bis 14. Juli

bewerben!

70


Kultur- und

Kreativpiloten

Deutschland

Kultur- und Kreativpiloten sind anders: Sie

entwickeln plastikfreie Verpackungen, erfinden

neue Applications für den Gesundheitssektor und

revolutionieren die Bildung vom Kleinkind- bis

zum Erwachsenenalter. Jedes Projekt und jede

Idee ist ein Unikat, denn hinter ihr steckt eine

Persönlichkeit: Als Hinterhof-Visionär*innen und

Early Adapter sind sie Vermittler*innen zwischen

Technologie und Gesellschaft und

Übersetzer*innen an Schnittstellen zwischen

unterschiedlichen Branchen. Sie wagen

Experimente und bereiten so den Weg für

Innovationen.

Jedes Jahr zeichnen wir für die Bundesregierung

32 Unternehmen aus.

Wir suchen Menschen, die Mut beweisen,

Engagement zeigen und sich immer fragen: Was

kann ich noch besser machen? Die Auszeichnung

richtet sich an Unternehmen, Selbständige,

Gründer*innen und Projekte aus der Kultur- und

Kreativwirtschaft und deren Schnittstellen zu

anderen Branchen.

Bewirb dich mit:

Deinem Unternehmen, deinem Projekt oder

deiner Idee. Allein oder mit dem gesamten Team.

Du kannst ein/e Einsteiger*in sein, der / die

Experte*in auf deinem Gebiet oder jemand, der /

die es noch einmal wissen will.

• Einen kurzen Lebenslauf

• Eine Beschreibung von deinem Unternehmen,

deiner Idee oder deinem Projekt

• Eine Motivation, warum du Kreativpilot werden

willst

Was du bekommst:

• Eine Auszeichnung der Bundesregierung und ein

einjähriges Mentoring-Programm, um alle

Chancen zu nutzen, dein Unternehmen

weiterzuentwickeln.

• Workshops, in denen du zusammen mit Change

Makern, Experten und anderen Kreativpiloten

deine Position als Unternehmer stärkst.

• Zwei Mentoren, die dich über das Jahr begleiten,

während du deine Pläne umsetzt.

• Zugang zum Kreativpiloten Netzwerk, das

kooperiert, verändert und besser macht.

• Deutschlandweite Aufmerksamkeit.

Einfache Bewerbung

Die Bewerbung kann via Online-Formular auf

www.kultur-kreativpiloten.de, per Post an:

u-institut für unternehmerisches Denken und

Handeln e.V.

Kultur- und Kreativpiloten Deutschland 2019

Jägerstr. 65

10117 Berlin

oder per Mail an kreativpiloten@u-institut.de

eingereicht werden.

71


Und wohin?

23. Karrieretag Familienunternehmen

Wann 5. Juli 2019

Wo TRUMPF GmbH + Co. KG, Johann-Maus-Straße

2, Ditzingen

Der Karrieretag Familienunternehmen ist die

etwas andere Recruiting- und Kontaktmesse. Zum

23. Mal findet der Karrieretag unter der

Schirmherrschaft des Bundesministeriums für

Wirtschaft und Energie statt.

Spezialisiert auf die Karriere im

Familienunternehmen bekommen Kandidaten

hier die Möglichkeit, in persönlicher Atmosphäre,

mit den Top-Entscheidern und Inhabern führender

Familienunternehmen zu sprechen.

STARTUPNIGHT 2019: The only night you need!

Wann 6. September 2019

Wo Telekom-Hauptstadtrepräsentanz,

Französische Str. 33 a-c, Berlin

Die Startupnight, eine der größten

Startup-Messen Europas, findet am 6. September

2019 zum siebten Mal im Herzen von Berlin statt.

Über 250 Startups rund um die Themen Next

Gigabit Society, Connected World, Smart Data

Economy, Future Mobility und The Next Next, also

disruptive Innovationen, präsentieren sich mehr

als 4.000 Besuchern. Unter dem Motto “The only

night you need” haben junge Gründer so die

Möglichkeit, mit Großkonzernen ins Gespräch zu

kommen, Investoren auf sich aufmerksam zu

machen und potentielle Kunden und mögliche

Kooperationspartner zu gewinnen.

72


DigitaliSIErung Gründerinnen zwischen

Innovation und Wertewandel

Wann 20. September 2019

Wo Bundesministerium für Familie, Senioren,

Frauen und Jugend, Berlin

Die 1. Transfertagung zum Thema „DigitaliSIErung

Gründerinnen zwischen Innovation und

Wertewandel“ findet von 10:30 16:00 Uhr statt.

Neben Good-Practice-Beispielen zur

Begleitungspraxis für Gründerinnen im digitalen

Zeitalter möchten wir in unseren „working labs“

vertiefend an den Themen arbeiten. Hier wollen

wir mit allen Teilnehmenden die Chancen für

Gründerinnen in der Digitalisierung diskutieren,

die Auswirkungen im Hinblick auf

Geschlechtergerechtigkeit aufzeigen.

FidAR-Forum XI: Mehr Frauen in die

Führungsgremien öffentlicher Unternehmen

Wann 26. September 2019

Wo Bundesfinanzministerium, Wilhelmstraße 97,

Berlin

Vier Jahre nachdem das Gesetz für die

gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und

Männern an Führungspositionen in Kraft getreten

ist, widmen wir uns dem Thema „Mehr Frauen in

die Führungsgremien der öffentlichen

Unternehmen“. Dazu gibt es eine Keynote von

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey mit

einer anschließenden Diskussion mit ihr. Die

Verleihung des dritten WoB-Awards an ein

Unternehmen, das die gleichberechtigte Teilhabe

in besonderem Maße vorantreibt, steht ebenfalls

auf dem Programm.

73


Was zu lesen!

Social Media Marketing für Unternehmer

von Carmen Lichtenberg

Dieses Buch richtet sich an Selbstständige und

Unternehmer, welche sich bisher nicht oder nur

wenig mit professionellem Social Media

Marketing befasst haben. Schritt für Schritt leitet

die Autorin durch die wesentlichen Bausteine,

welche entscheidend für Ihren Erfolg in den

sozialen Netzwerken sind. Der Fokus liegt auf der

Entwicklung Ihres persönlichen Social Media

Konzeptes. Denn: Ohne ein durchdachtes Konzept

werden Sie keine Kunden in den sozialen Medien

gewinnen können. „Social Media Marketing für

Unternehmer“ ist mehr als ein Fachbuch. Durch

die verschiedenen Aufgaben innerhalb des Buches

können Sie sich direkt praktisch mit Ihrem Social

Media Marketing beschäftigen. Wenn Sie

möchten, schaut sich die Autorin Ihre Notizen zu

den einzelnen Aufgaben an und gibt Ihnen

einmalig ein persönliches Feedback. In zwei

Bereichen zur Wochenplanung haben Sie die

Möglichkeit Ihren Social Media Content für jeweils

drei Monate zu planen. So haben Sie einen

hilfreichen Begleiter, der Sie dabei unterstützt, die

ersten Schritte in den sozialen Medien zu gehen.

Verlag: Carmen Lichtenberg

ISBN-10: 3000617574

Wirtschaft trifft Kunst

von Ulrike Lehmann

Dieses Buch stellt erstmals umfassend dar, wie

Kunst in Unternehmen die Kreativität und den

Kommunikationsprozess anregt und welchen

hohen Stellenwert sie für die Mitarbeiter hat. Im

Zeitalter der Digitalisierung und Industrie 4.0

ändert sich die Arbeitswelt rasant. Roboter und

Automatisierungsprozesse übernehmen vielerlei

Arbeiten. Der Mensch wird zukünftig mit all

seinen Fähigkeiten gefordert, insbesondere wird

Kreativität eine herausragende Eigenschaft sein.

Auch wenn scheinbar Kunst und Wirtschaft zwei

getrennte Bereiche sind, kristallisieren sich viele

Gemeinsamkeiten und spannende Synergien

heraus. An vielen praktischen Beispielen und

Bildern werden alle denkbaren Bereiche

dargestellt, so Kunst im Personalwesen, im

Kreativprozess, in der internen und externen

Kommunikation sowie im Marketing. Über 30

namhafte Autoren diskutieren den ideellen und

materiellen (Mehr-)Wert von Kunst und geben

Einblicke in die Mechanismen des Kunstmarkts.

Verlag: Springer Gabler

ISBN-10: 3658172983

74


Mindshift - Mach dich fit für die Arbeitswelt von

morgen

von Svenja Hofert

In 20 Jahren werden 50 Prozent aller Jobs von

Robotern erledigt, so eine aufrüttelnde

Oxford-Studie. In Zukunft werden daher genau die

Fähigkeiten gefragt sein, die in der heutigen

Arbeitswelt oft zu kurz kommen: Kreativität,

Intuition und Empathie.

Die renommierte Karriereexpertin Svenja Hofert

sagt: Dafür braucht es einen Mindshift - eine

Neubelegung der Tasten in unserem Kopf. Ihr

neues Buch stiftet zum Querdenken, Umdenken,

Neudenken an. Gehirnyoga gewissermaßen. Jeder

der 22 Mindshifts zielt auf einen Aspekt, der in der

Zukunft des Lernens, Arbeitens und Lebens

wichtig ist. Es geht um neue Blickwinkel, um

Veränderung, um Erweiterung der eigenen

Möglichkeiten. Und das Tolle dabei: Gerade durch

die Belebung unserer menschlichen Fähigkeiten

werden wir up to date bleiben!

Verlag: Campus Verlag (5. März 2019)

ISBN-10: 3593509857

Die Netzwerkbibel: Zehn Gebote für erfolgreiches

Networking

von Tijen Onaran

Kontakte knüpfen mittels Networking ist im Zuge

der Digitalisierung einerseits einfacher,

andererseits auch komplexer geworden: es gibt

ein Überangebot an digitalen Plattformen, immer

mehr Events und immer mehr Entscheider und

Multiplikatoren, die wichtig erscheinen.

Gleichzeitig hat Networking an Bedeutung

gewonnen: ein tragfähiges Netzwerk und die

richtigen Kontakte helfen, sich als Experte zu

positionieren und beruflich erfolgreich zu sein

das gilt für Führungskräfte ebenso wie für

Berufseinsteiger.

Tijen Onaran zeigt, wie Networking heute wirklich

funktioniert. In ihrem ersten Buch gibt die Autorin

eigene Erfahrungen weiter, reflektiert ihre

Erlebnisse, erzählt Anekdoten aus ihrer Zeit in der

Politik und Wirtschaft und leitet daraus konkrete

Handlungsempfehlungen ab. Netzwerken?

Verlag: Springer

ISBN-10: 3658237341

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