architektur_519_eMag

architekturonline.com

gruene Architektur - Architektur Fachmagazin - Architekten - 2019 - Projekte - gruener Leben - Naturmaterialien - Planer - Ingenieure - Lesen - Zeitschrift - Bau - Interior Design - Sanitär - Baustoffe - Licht

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Perchtoldsdorf, Verlagspostamt 2380 Perchtoldsdorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

05

www.architektur-online.com

Grüne Architektur

architektur FACHMAGAZIN

05 2019

Juni/Juli 2019

Grüne

Architektur

© Adobe Stock/Reicher


duscholux.at


www.architektur-online.com

3

Editorial

Genügt grüne Architektur?

Grün oder blau, das ist die Frage. Vom Weltraum aus, von der ISS Raumstation,

sieht unser Planet Erde – wegen der großen Wasserflächen

– blau aus. Wir auf der Erde bezeichnen ihn als grünen Planeten. Grün

ist für uns die Lebensgrundlage, ohne grüne Pflanzen entsteht kein

Sauerstoff und das Leben auf der Erde würde versiegen.

Was tun wir, was tut die Architektur, damit

die Erde grün bleibt? Genügt es „grüne Architektur“

(mit all ihren Ausprägungen) zu

entwerfen, zu errichten? Oder müssen wir

unseren Lebensstil grundlegend ändern,

damit wir weiterhin grün sehen können?

Wenn wir wie bisher die Ozeane mit Plastik

zumüllen, wird der Planet bald nicht

einmal mehr von oben blau aussehen. Urbane

Agglomerationen kämpfen zurzeit mit

den Hitzeinseln und im Moment scheint die

Ampel für die Vorwärtsbewegung unserer

Zivilisation bereits auf Orange zu stehen,

der „point of no return“ ist nahe. Warten wir

nicht, bis sie auf Rot umschaltet!

Viele Beispiele von Architektur und Innovation

zu diesem Thema enthält diese

Ausgabe des Fachmagazin architektur

– alle versuchen einen kleinen Beitrag

zur Verbesserung und zum Erhalt unserer

(noch) grünen oder blauen Erde zu leisten.

Ob durch das Aufgreifen und Aufwerten

bereits vorhandener Bausubstanz, durch

begrünte Fassaden und Architektur, durch

Vermeidung von unnötigen Klimatisierungen,

durch passiven Energietransfer, durch

Bildung, durch Dachgärten, Pocket-Parks,

Parklets, Urban Gardening oder die (fast)

ausschließliche Verwendung von Holz oder

Lehm als ressourcenschonender Baustoff

– alle Wege führen nach Rom, wie man so

schön sagt. Die Palette der Möglichkeiten in

der Architektur, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit

zu leisten, ist groß und wird ständig

breiter. Im Großen und Ganzen gilt aber:

Weniger und bescheidener ist manchmal

mehr und auch besser!

Neben den diesmal – aufgrund der gerade

erwähnten Beispiele und auch Fragen

– sehr aktuellen und auch vielfältigen Projektberichten

erwarten Sie in dieser Ausgabe

auch ein gut bestücktes Potpurrie an

internationalen Beispielen im Magazinbereich,

interessante Fachberichte zum Thema

Brandschutz und Lehmbau sowie die

gewohnten Kolumnen.

Viel Spaß beim Lesen und eine angenehme

Sommerpause im hoffentlich noch nicht zu

heißen Sommer wünscht Ihnen

Peter Reischer

Kreatives Bauen mit Metall

DOMICO - IHR SPEZIALIST

IN SACHEN METALLFASSADEN

Hinterlüftete Planum®-Fassade

Individuelle Gestaltungsvielfalt mit Deckbreiten von 200 - 800 mm sowie

unterschiedlichen Fugenausbildungen und Verlegemöglichkeiten.

• Durchdringungsfreie Befestigung der Außenschale

• Projektbezogene Produktion mit hohem Vorfertigungsgrad

• Systemlösung mit technischen Details für effiziente Montage

DOMICO Dach-, Wand- und Fassadensysteme KG

A-4870 Vöcklamarkt · Mösenthal 1 · Tel. +43 7682 2671-0

office@domico.at · www.domico.at

Foto: ©Sirona Dental Systems GmbH


architektur FACHMAGAZIN

Editorial 03

Start 06

Die Zukunft einer grünen Architektur

Magazin 10

Die flexible Wohnkapsel 46

die Architektur der Zukunft?

Architekturszene 52

Bau & Recht 54

Pocket-Parks 56

Grüne Stadtoasen

Grüne Architektur 60

Ein biomimetischer Wald 64

Palingenesis / Paris /

Vincent Callebaut Architectures

Grüner Flughafen 70

Oslo International Airport /

Gardermoen / Nordic –

Office of Architecture

Die Verlassenheit von Weihai 76

Rocknave Teahouse / Weihai,

Shandong / Trace Architecture Office

(TAO)

Ein Baumhaus als 80

urbaner Wohnraum

25 Verde / Turin, Italien / Luciano Pia

Zurück zur Natur 86

Alnatura Arbeitswelt / Darmstadt /

haascookzemmrich STUDIO2050

Geformt aus Erde 94

Lehm als Baustoff

Licht 96

Produkt News 98

edv 130

AVA-Textdatenbanken

4

64 70

80

76

86

Inhalt

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Hochstraße 103, A-2380 Perchtoldsdorf, Österreich

CHEFREDAKTION Ing. Walter Laser (walter.laser@laserverlag.at) n REDAKTIONSLEITUNG mag. arch. Peter Reischer (rp)

MITARBEITER Linda Pezzei, Dolores Stuttner, Mag. Heidrun Schwinger, DI Marian Behaneck, Mag. Matthias Nödl, Julia Mörzinger, Edina Obermoser

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at) n LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

MEDIASERVICE RETAILARCHITEKTUR Marion Allinger (marion.allinger@laserverlag.at)

GRAFISCHE GESTALTUNG Andreas Laser n WEB Michaela Strutzenberger n LEKTORAT Helena Prinz n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 86,- / Ausland: € 106,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 56,- / Ausland: € 83,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 12,- / Ausland € 13,50

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917, BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000

IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied

der Redaktion gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

www.architektur-online.com

DRUCKAUFLAGE 12.000 n ÖAK GEPRÜFTE VERBREITETE AUFLAGE 11.155 (Jahresschnitt 2018) n Österreichs meist verbreitete Architektur-Fachzeitschrift


wasserwellfit

Das Wellfit-Duschsystem: HANSAEMOTION mit drei

wohltuenden Regenerationsfunktionen auf Knopfdruck.

Erholen, entspannen, Kraft tanken – jeden Tag aufs Neue.

Mehr unter hansaemotion.hansa.com/de


architektur FACHMAGAZIN

6

Start

Die Zukunft einer

grünen Architektur

Ständig wird (oder soll) Architektur effektiver, nachhaltiger werden, ständig

entwickeln Wissenschaftler neue Konzepte zur Bekämpfung des Klimawandels:

Spiegel im Weltraum halten die Sonnenstrahlung von der Erde fern, eine künstlich

erzeugte Algenblüte frisst CO 2 auf – so klingen Geoengineering- oder Climateengineering-Pläne,

mittels derer die Erderwärmung und damit der Klimawandel

durch eine künstliche Manipulation aufgehalten werden soll. Die Auswirkungen

solcher Eingriffe sind bisher zumeist nur theoretisch oder unzureichend erforscht.

Text: Peter Reischer Illustrationen: Nicholas Stathopoulos

Tatsache ist aber, dass der Mensch immer noch versucht,

die Natur und die Architektur, die Schöpfung an sich anzupassen,

statt sich endlich der Realität anzupassen. Diese

Unbelehrbarkeit hat Nicholas Stathopoulos zum Anlass

genommen, ein dystopisches Märchen über eine mögliche,

immer wahrscheinlicher werdende Zukunft der Architektur

zu entwerfen. Die Erzählung spielt in 100 Jahren.

Früher Morgen 07.15 – Eine starke Windböe trifft

Vater und Sohn, als das Frachtschiff v34 über

ihre Köpfe hinweg fliegt und etwas, das wie ein

künstlicher Wald aussieht, zu einem in der Nähe

gelegenen Museum bringt.


www.architektur-online.com

7

Start

Ein neuer Werkstoff für alle Oberflächen

www.pandomo.at


architektur FACHMAGAZIN

8

Start

„Vor langer Zeit“, erzählt ein Mann seinem

Sohn, während beide mit schweren Atemschutzgeräten

und Schutzanzügen auf

einer Hafenmauer sitzen, „war der Planet

Erde von vielen Hügeln und großen Wäldern

bedeckt. Sie existierten damals noch außerhalb

unserer Museen. Wir kletterten auf

diese Berge und konnten auch die Sonnenuntergänge

sehen.“

In dieser Geschichte sind die Wälder verschwunden

und die Berge von Abgasen,

Staub und Rauch verhüllt. Die Natur hat aufgehört

zu existieren und eine Welt ähnlicher

einer Marslandschaft zurückgelassen. Eltern

erzählen ihren Kindern nur noch die Geschichten

von Wäldern, Wiesen und Bergen,

wie sie einst waren. Die Kinder staunen und

können sich das nicht mehr vorstellen. Hunderte

Jahre hat man die Natur und Mutter

Erde als gegeben und selbstverständlich erachtet.

Sie wurde sehenden Auges zerstört,

Hektar Waldflächen verdorrten und wurden

von Käfern gefressen, Städte expandierten

und verbrauchten die natürlichen Ressourcen.

Die Menschheit ignorierte die Zeichen

des Klimawandels und als es ernst wurde –

war es zu spät. Das Grün verschwand und

Staubwolken hüllten alles ein.

In dieser Welt werden von Menschen künstlich

erzeugte „Naturstücke“ produziert, in

Museen gebracht und können so besichtigt

werden. Diese Superstrukturen beinhalten

die Schätze einer Vergangenheit und sollen

die Schönheit der Erde, wie man sie früher

als selbstverständlich ansah, repräsentieren.

In dieser zukünftigen Welt reisen nun

Tausende herum, um diese architektonischen

Megastrukturen und mit ihnen das,

was einmal Natur gewesen war, zu bestaunen:

Denkmäler einer Vergangenheit.

Mittag 12.00 – Vater und Sohn nähern sich einem Denkmal, das an die grünen Berge

und die verschwundenen Gletscher erinnern soll.

Nachmittag 14.00 – Ein Museum von Hügeln, Tälern und landwirtschaftlichen Flächen,

eingebettet in Aussichtsterrassen und Warnschilder.

Abenddämmerung – Kann das eine Pflanze sein?

Nicholas Stathopoulos ist ein Konzeptkünstler.

Der aus Griechenland stammende,

in Australien, Melbourne lebende

Architekt, Designer und Illustrator hat

seine Architekturausbildung an der Architecture

RMIT University absolviert.

Seine Arbeiten befassen sich intensiv

und immer wieder mit den Problemen

des Klimawandels und wollen zum Nachdenken

anregen. Mit flauen Tönen und

einer pastellähnlichen Farbpalette gestaltet

er nostalgische Bilder einer immer

möglicher scheinenden Zukunft. Der

Mensch spielt in ihnen nur noch eine unbedeutende,

winzige Rolle.


architektur FACHMAGAZIN

10

Magazin

Die 13. Auflage

Im Mai fand zum 13. Mal das „Architektenkochen“ als „Brückenschlag zwischen

Architektur, Kulinarik und geselligem Beisammensein unter Kollegen“

im Miele Experience Center in Wien statt.

Fotos: Andreas Laser

Was vor Jahren als spontane Idee begann, ist mittlerweile

zweimal im Jahr zum Fixpunkt geworden: Das

Architektenkochen, organisiert vom Laser Verlag

und Miele, bei dem jedes Mal von einer handverlesenen

Gruppe von kochwilligen Leserinnen und Lesern

des Fachmagazins architektur – unter der Anleitung

von Profikoch Roman Rosmanith – ein 5 Gänge Menü

gekocht wird.

Ausgangsbasis für das Werken in der voll ausgestatteten

Praxisküche in der Miele Galerie in Wien 23

waren wie immer für jede Speise ein entsprechendes

Rezept und die dafür erforderlichen Zutaten in handelsüblichem

Zustand. Darauf basierend wurden die

einzelnen Gänge in kleinen Gruppen in kulinarische

Köstlichkeiten umgesetzt.

Den Abschluss der geselligen Küchenarbeit bildete

wie gewohnt das gemeinsame Essen, wo die einzelnen

Kochgruppen regen Zuspruch und viel Beifall erhielten.

So wie bei allen bisherigen Veranstaltungen

kam auch das Netzwerken nicht zu kurz – die Gespräche

unter Kolleginnen und Kollegen fanden erst lange

nach dem letzten Gang ihren Ausklang.

Gemeinsames Kochen, Essen und Trinken verbindet

– im Herbst 2019 ist ein weiterer „Brückenschlag

zwischen Architektur, Kulinarik und geselligem Beisammensein

unter Kollegen“ geplant. Interessenten

mit und ohne Kocherfahrung – aber Begeisterung

am Kochen, Essen, Trinken und Netzwerken – können

sich unter folgenden Kontaktdaten informieren

und anmelden: silvia.laser@laserverlag.at oder unter

T +43 (0)1 869 58 29 16. Die Teilnahme ist selbstverständlich

kostenfrei.


www.architektur-online.com

GEBERIT ONE

11

Magazin

DAS BESTE

AUS ZWEI WELTEN

WIRD EINS

Geberit entwickelt sich stetig und mit Erfolg weiter. Nun machen

wir den nächsten Schritt und vereinen Know-how hinter der Wand

mit Designkompetenz vor der Wand. So schaffen wir mit Geberit

ONE voll integrierte, technisch wie ästhetisch clevere Lösungen.

Für ein besseres Bad.

www.geberit.at


architektur FACHMAGAZIN

12

Magazin

Erinnerungen und kulturelle Identität

Warum entscheiden sich Designer oder

Kunsthandwerker bei ihren Projekten

für bestimmte Materialen oder Verarbeitungstechniken?

Ob naturnahe Verfahren

oder ungewöhnlich zusammengesetzte

Baukörper – unterschiedliche

Ansätze drücken individuelle Werte

aus, wecken Erinnerungen an vergangene

Zeiten oder spiegeln kulturelle

Identität wider.

Wie ausdrucksstarke Konzepte und detailverliebte

Umsetzung Hand in Hand gehen,

zeigten 25 Nachwuchskünstler im Förderareal

Talents sowie die Gewinner des renommierten

Design-Wettbewerbes FORM vom

29. Juni bis 1. Juli 2019 auf der Tendence.

Fotos: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Pietro Sutera

Mit dem Förderprogramm Talents gab die

Messe Künstlern aus den Bereichen Design,

Kunsthandwerk und Schmuck eine Bühne.

An allen drei Messetagen konnten sie ihre

Unikate und Produktserien kostenfrei ausstellen

und sich dabei mit wichtigen Entscheidern

der internationalen Design- und

Konsumgüterbranche vernetzen. Die ausgewählten

Talente präsentierten sich im direkten

Umfeld der Ausstellung FORM 2019,

die prämierte zeitgenössische Produkte im

Spannungsfeld zwischen Kunsthandwerk

und Design zeigte. Insgesamt 25 nationale

und internationale Talente stellten im Förderareal

Modern Craft in diesem Jahr aus

und erzählten mit ihren Werken Geschichten,

riefen vergessene Zeiten ins Gedächtnis

oder drückten Einstellungen und Identitäten

aus.

www.messefrankfurt.com

www.tendence.messefrankfurt.com

Die Trends der Outdoor-Saison

Vom 1. bis zum 3. September 2019 präsentiert

die spoga+gafa, die weltweit

größte Gartenmesse, wieder aktuelle

Trends und Themenwelten der grünen

Branche. Die Angebotsvielfalt reicht

dabei von trendigen Outdoor-Möbeln

und Design für die Gartenausstattung

über smarte Gartengeräte, Hightech-Grills

und Outdoor-Küchen bis

hin zu dekorativen Accessoires für das

Leben im Freien.

Als übergreifenden Trend greift die Messe in

diesem Jahr das zukunftsweisende Thema

„City Gardening“ auf und setzt damit neue

Akzente bei der Gestaltung und Ausstattung

des grünen Wohnzimmers. Mehr und mehr

Menschen zieht es in die Stadt und dort wollen

sie auf ihr eigenes Grün und Entspannung

unter freiem Himmel nicht verzichten. Denn

für Stadtbewohner werden begrünte Orte

als Rückzugsort im hektischen Alltag immer

wichtiger. Der Garten gibt den Menschen

ein Gefühl von Sicherheit und Zuhause und

bekommt so eine ganz neue Bedeutung. Es

blüht und gedeiht in kleinen Gärten und auf

immer mehr Balkonen und Dachterrassen.

Zahlreiche Aussteller zeigen auf der diesjährigen

Messe ihre Neuheiten für die Nutzung

dieser urbanen Freiräume.

www.koelnmesse.de

spoga+gafa vom 1. bis zum 3. September

2019 in Köln

Fotos: Koelnmesse


www.architektur-online.com

200 Jahre

Wienerberger

Was 1819 als kleine Ziegelmanufaktur

im Süden Wiens begann, ist mittlerweile

zum Weltmarktführer und

internationalen Baustoff-Konzern

herangewachsen.

13

Wienerberger AG-Vorstand Heimo Scheuch

Anlässlich dieses 200-jährigen Jubiläums

luden die Wienerberger AG-Vorstände Heimo

Scheuch, Willy van Riet und Solveig

Menard-Galli sowie Wienerberger Österreich-Geschäftsführer

Mike Bucher und Pipelife

Austria-Geschäftsführer Franz Grabner

Geschäftspartner, prominente Gäste

und Mitarbeiter in die Wiener St. Marx-Halle

zur großen Gala-Feier.

Burgschauspieler Peter Matić führte die

rund 2.000 Anwesenden im Rahmen eines

Rückblickes durch die Geschichte des weltweit

erfolgreichen Konzerns: Von den Anfängen

bis in die Gegenwart – Wienerberger

ist mittlerweile der größte Ziegelproduzent

(Porotherm, Terca) weltweit und Marktführer

bei Tondachziegeln (Koramic, Tondach)

in Europa sowie bei Betonflächenbefestigungen

(Semmelrock) in Zentral-Osteuropa.

Bei Rohrsystemen (Steinzeugrohre der Marke

Steinzeug-Keramo und Kunststoffrohre

Magazin

Fotos: Wienerberger AG

der Marke Pipelife) zählt das Unternehmen

zu den führenden Anbietern in Europa. Mit

gruppenweit 195 Produktions standorten

erwirtschaftete Wienerberger im Jahr 2018

einen Umsatz von 3,3 Mrd. Euro.

WICLINE 75 MAX Fenstersystem

Weniger ist mehr!

Verdeckter Fenstergriff –

ausgezeichnetes Design

Das Fenster für maximale Ansprüche.

Ein innovatives Aluminiumfenster, das mit maximalem Design ein homogenes Erscheinungsbild

schafft, mit maximaler Transparenz mehr Helligkeit und Komfort bietet und mit maximaler

Nachhaltigkeit zum Klimaschutz beiträgt – das ist ein Fenster für die Stadt der Zukunft.


architektur FACHMAGAZIN

14

Magazin

Der Hybrid-Geschossbau

Holzkonstruktionen kombiniert mit Deckensystemen aus Beton bilden beim Bau

mehrstöckiger Gebäude eine Erfolg versprechende Kombination. Die als Hybridbauweise

bezeichnete Art ermöglicht Geschosshöhen, an die beim Bauen mit Holz

vorher nicht zu denken war.

Fotos: Dennert

Im Heilbronner Stadtteil Neckarbogen steht das

derzeit höchste aus Holz gebaute Haus Deutschlands.

Mit seinen 34 Metern und zehn Stockwerken

ragt „Skaio“, Deutschlands momentan höchstes

Holzhochhaus, in den Himmel und beweist, welche

Möglichkeiten die Hybridbauweise eröffnet. Mit Holz

alleine wären Gebäude dieser Größe schon aus Gründen

des Brandschutzes nicht zu verwirklichen. Doch

in Kombination mit Beton kommen die spezifischen

Vorteile beider Materialien zum Tragen.

Grundlage bildet der Holzskelett- und Rahmenbau.

In der Kombination von Raumdecken aus Beton mit

Holz als vertikale Elemente profitieren Holzhäuser

von den besseren Schall- und Brandschutz-Eigenschaften

des Materials Beton. Trittschall ist dann

kein Thema mehr, die Gebäude gewinnen an Stabilität,

da die Betondecke nicht schwingt – selbst dann

nicht, wenn sie punktuell stark belastet wird.

Ein Betonfertigteil-Spezialist aus Deutschland hat

nun für den Hybridbau eine bereits im Massivbau

bestens bewährte Raumklima-Decke weiterentwickelt.

Sie ist in den Brandschutzklassen REI 30, REI

60 und REI 90 erhältlich und verfügt über erstklassige

Schalldämmeigenschaften. Mit diesen Betondecken

lassen sich Spannweiten von bis zu sieben Me-

tern überbrücken. Sie haben – je nach Ausführung

– eine Stärke von nur 20 oder 24 Zentimetern. Unterm

Strich wiegen sie weniger als Varianten aus Holz,

die eine vergleichbare Schalldämmung und Brandschutzklasse

aufweisen. Mit einem entsprechenden

Rohrsystem ausgestattet, können sie Wohnungen

heizen, kühlen und lüften. Raumklima-Decken mit ihrem

hohen Anteil an Strahlungswärme sorgen dabei

für einen schnelleren Baufortschritt und später für

ein Plus an Wohnqualität. Es ist eine behagliche Wärme

mit einem hohen Anteil an Wärmestrahlung. An

heißen Sommertagen fungieren die Leitungen, mit

kaltem Wasser gefüllt, als Kühlung.

Jedes Element wird individuell nach Plan vorgefertigt.

Die Hohlräume können für Versorgungs- und

Kabelkanäle genutzt werden. Ausgestattet mit Ringankern,

werden die Elemente montagefertig angeliefert

und per Vergussverfahren – oder idealerweise

mithilfe eines patentierten Verschluss-Systems – trocken

verbaut. Die Decken sind sofort begeh- und belastbar,

müssen weder verkleidet noch verputzt werden.

Vor Ort benötigt man für die Montage von 100

Quadratmetern etwa drei Stunden. Und der Wohnkomfort,

der so entsteht, ist weder mit Holz noch mit

Beton allein zu erzielen.


www.architektur-online.com

15

Magazin


architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin

© www.schreinerkastler.at

Vorzeigeprojekt

In der Marktgemeinde Theresienfeld in Niederösterreich feierte man am 22.

Mai 2019 die Grundsteinlegung zu einem Wohnbauvorhaben, bei dem Ökologie

großgeschrieben wird. Zu den Besonderheiten dieser Wohnhausanlage zählt die

innovative Gebäudetechnik mit thermischer Bauteilaktivierung. Beim Projekt Tonpfeifengasse

handelt es sich um ein Vorzeigeprojekt vom Wohnkonzept über die

Heizungsanlage bis hin zur Gestaltung der Freiräume und Parkplätze.

Zu den Besonderheiten zählt unter anderem das

Heizsystem, das mittels einer hocheffektiven Luftwasserwärmepumpe

auf dem Dach der Gebäude

über die bauteilaktivierten Betondecken die Räume

im Winter wärmt bzw. im Sommer auch kühlt. Außerdem

kommen noch eine Fotovoltaikanlage und Mikrowärmepumpen

zur Warmwassererzeugung zum

Einsatz. Der benötigte Strom wird über die Fotovoltaikanlage

sowie durch die Nutzung von Ökostrom

geliefert. Zusammengenommen ergeben alle diese

Maßnahmen wesentlich geringere Energiekosten für

die künftigen Mieter. Als zusätzliches Angebot wird

es ein eCar-Sharing geben. Ein flexibles Wohnkonzept

soll eine Trennung der Etagen ermöglichen. Mit

ganz geringem Aufwand können aus einer großen

Wohnung zwei kleine gemacht werden.

Der Start für dieses attraktive geförderte Wohnbauvorhaben

in Theresienfeld wurde mit der Grundsteinlegung

im Mai 2019 gesetzt. Die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft

Arthur Krupp Ges.m.b.H. errichtet

die moderne Wohnhausanlage in Form von vier jeweils

3-geschossigen Wohngebäuden mit insgesamt

28 Wohnungen. Geboten werden 3-Zimmer-Wohnungen

mit rund 70 m² Nutzfläche, Gartenanteil, Terrassen

bzw. Balkonen, 5-Zimmer-Maisonette-Wohnungen

mit ca. 100 m² Nutzfläche und Garten oder

auch zwei Dachgeschosswohnungen mit großen Terrassenflächen.

Hinzu kommen noch Einlagerungsräume

im Erdgeschoss der Häuser, ein Fahrrad- und

Kinderwagenabstellraum und ein zentraler Müllraum

sowie ein Kinderspielplatz und 59 Autoabstellplätze

im Freien. Die Gesamtkosten des Projekts betragen

4,5 Mio. Euro.

VÖZ Vereinigung der Österr. Zementindustrie

T +43 (0)1 714 66 85-23

www.zement.at


www.architektur-online.com

Magazin

OHNE GLASLEISTE

ABSOLUT FLÄCHENBÜNDIG

Brandschutz

in seiner

eleganten Form

Die starken Brandschutztüren von Peneder beeindrucken nicht

nur durch Größe und Stabilität, sondern auch durch hohe

Eleganz. Mit dem neuen flächenbündigen Glasausschnitt

wird jede Sicherheitstür ein schönes architektonisches

Designelement. Das ist Brandschutz in elegantester Form.

peneder.com

PENEDER Bau-Elemente GmbH // Brandschutz

Ritzling 9, A-4904 Atzbach // +43(0)50 5603 0

brandschutz@peneder.com


architektur FACHMAGAZIN

18

Magazin

Pflegeleichte

Fassadenbegrünung

Die Sommer werden immer heißer. Dicht verbaute, urbane Gebiete haben daher

mit dem Entstehen von Hitzeinseln zu kämpfen. Durch die Implementierung

von Grünflächen im Stadtraum lässt sich eine Überhitzung der Gebäude und

Straßen verhindern.

Fotos: Dolores Stuttner

Ein vielversprechender Ansatz ist die Fassadenund

Dachbegrünung von Wohnhäusern. Doch ist

die Begrünung von Hausfassaden entlang von Straßenzügen

heute aufwendig und mit hohen Kosten

verbunden. Auch die Abwicklungs- und Genehmigungsprozesse

sind in Städten wie Wien komplex.

Das Projekt „50 grüne Häuser“ will das ändern. Gemeinsam

mit der Stadt Wien entwickelte das interdisziplinäre

Team von tatwort zum ersten Mal eine

Kombi-Lösung für Hausfassaden. Erprobt wird sie

jetzt in Innerfavoriten. Das Ziel der Kampagne ist die

Begrünung von mindestens 50 grünen Häusern im

10. Wiener Gemeindebezirk.

Mit dem Grünfassadenmodul BeRTA – der Name

steht für die Komponenten Begrünung, Rankhilfe,

Trog – soll eine rasche Begrünung kostengünstig

möglich sein. BeRTA ist modular aufgebaut. Dabei

sind die einzelnen Komponenten aufeinander abgestimmt.

Die Basis der Konstruktion bildet ein stabiler

Trog. Nach außen hin ist er robust und widerstandsfähig,

während er den Pflanzen innen Raum zum

Wachstum bietet. Daneben ist das Material leicht zu

reinigen, frostsicher und hält Witterungseinflüssen

stand. Für den Einsatz im öffentlichen Raum und auf

Gehsteigen bringt der Trog also ideale Bedingungen

mit. Je nach Pflanzenart lohnt es sich, eine Rankhilfe

zu installieren. Planern stehen dabei flexible und

starre Konstruktionen zur Verfügung. Gewächse haben

so die Möglichkeit, in die Höhe zu wachsen.

Die Bestandteile der Fassadenbegrünung lassen sich

dem Standort und Gebäude anpassen. Auch sind sie

beliebig erweiterbar. So gibt es Lösungen mit Sitzgelegenheiten,

Vandalismus-Schutz und einer Überwuchsleiste,

die individuelle Bedürfnisse abdecken.

Durch den modularen Aufbau lassen sich verschiedene

Kletterpflanzen einsetzen. Auf dem Konstrukt

kommen lediglich winterharte und langlebige Gewächse

zur Anwendung. Das Team von „50 grüne

Häuser“ wählt die Pflanzen für jedes Objekt individuell

aus und berücksichtigt dabei Beschattung und Himmelsrichtung.

Eine nachhaltige Fassadenbegrünung

ist das Ergebnis. Als Prototyp wurde die Fassadenbegrünung

bereits an einem Wohnhaus in Favoriten installiert.

Bewährt es sich, wird BeRTA wahrscheinlich

ab September käuflich zu erwerben sein.


VORDERSEITE

VELUX Tageslicht-Lösungen

für Schulen und Kindergärten

Helle Räume – helle Köpfe: mehr Konzentration mit Tageslicht

VELUX bringt mit großflächigen Tageslicht-Lösungen eine positive, motivierende Stimmung in Schulen

und Kindergärten. Mit dem flexiblen Oberlichtband VELUX Modular Skylights dringt das natürliche Licht

von oben tief in die Räume der Volksschule Bütze in Vorarlberg: Die Kinder genießen eine völlig neue

Lernatmosphäre mit Wohlfühlcharakter.

Projekt-

Doku

ansehen

commercial.velux.at/

buetze


RÜCKSEITE

Planen Sie

Ihr Projekt

mit uns

Werkshalle GST: Mit der Kraft der Sonne

Energieeffizienz und natürliche Belichtung über das Dach.

Energieeffizienz und beste Tageslichtnutzung waren Prämissen für

das Hallenprojekt des führenden Maschinenbauunternehmens GST.

In der Fertigungshalle sorgt VELUX Modular Skylights als Lichtband

für optimalen Tageslichteinfall von Norden. Die Südseite des Daches

wird mit Photovoltaikmodulen zur Energiegewinnung genutzt. In den

Aufenthaltsräumen gewährleisten VELUX Flachdach-Fenster mit ihrer

großen Tageslichtzufuhr einen hohen Wohlfühlfaktor. Für Architekten

und Bauherren waren die überzeugenden Oberlicht-Lösungen und die

rasche Montage ausschlaggebend für die Umsetzung mit VELUX: So

einfach war Oberlicht noch nie.

VELUX Modular Skylights:

die Oberlicht-Revolution

• Modulares System für große Hallen und

Flachdachflächen im Gewerbe- und Wohnbau

• Mit PV-Modulen kombinierbar

• Einfache Planung (CAD/BIM-Daten als Download)

• 100 % vorgefertigt, einfach schnell montiert

• Geprüftes System, 10 Jahre Garantie

Nähere Infos auf: www.velux.at/modularskylights

VELUX Flachdach-Fenster:

die High-End-Lösungen

• Optional mit innovativem Konvex Glas-Design

(mehrfach ausgezeichnet)

• Hervorragende Wärme- und Schalldämmung

• Kombinierbar mit Hitze- und Sonnenschutz

• Ideal für sichtbare Installation im Dach

• Durchsturzsicherheit durch Verbundsicherheitsglas

Nähere Infos auf: www.velux.at/konvexglas

Planen Sie unkompliziert mit mehr Tageslicht und frischer Luft. Gerne informieren wir Sie persönlich.

Mehr Information und Ihre Ansprechpartner auf: www.velux.at/gst


www.architektur-online.com

21

Magazin

Dämmung

aus Abfall

Jute ist ein Fasergewächs und eine alte Kulturpflanze. Sie wird biologisch nachhaltig

und sozial ausgewogen auf Schwemmlandböden angebaut. Neben der

Verwendung in der Autoindustrie und im Handwerk wird sie zu hochwertigen

Transportsäcken für Kakaobohnen und andere sensible Lebensmittel verarbeitet.

Jute wächst einjährig und bindet große Mengen an CO 2 .

Fotos: Thermo Natur

So weit, so gut, dachte sich ein Schokoladenhersteller,

der seine Kakaobohnen in

großen Mengen in solchen Jutesäcken geliefert

bekam. Die Säcke wurden üblicherweise

weggeschmissen, verbrannt oder

entsorgt – warum sie nicht weiterverwenden

und ein 100%iges Upcyclingprodukt daraus

erzeugen? Also startete er das Unternehmen

THERMO NATUR zur Erzeugung eines

Hochleistungsdämmstoffes. Die Kakaosäcke

werden zerfasert und die so gewonnenen

Jutefasern unter Zugabe von Soda und einer

langlebigen Stützfaser zu hochwertigen

Matten und Vliesen verarbeitet. Heraus

kommen Produkte, die absolut einzigartig

auf dem Dämmstoffmarkt sind: hygienisch

einwandfrei, schimmelresistent und stark

im sommerlichen Hitzeschutz. Jute ist aufgrund

ihrer robusten Struktur sehr langlebig.

Ihre pflanzliche Kapillarfunktion bei Feuchtigkeit

bewahrt sie auch als Dämmstoff. Das

schafft ein gesundes Raumklima und beugt

auch den Folgen (Schimmel, Sondermüll) eines

industriegesteuerten Dämmwahns vor.

Der Naturdämmstoff erreicht einer Untersuchung

der Materialprüfanstalt Leipzig

zufolge mit 2.350 J/(kgK) die derzeit beste

spezifische Wärmekapazität bei allen auf

dem Markt befindlichen Dämmstoffen. Dies

macht sich vor allem beim sommerlichen

Hitzeschutz deutlich bemerkbar. Mit einem

gemessenen Lambdawert von 0,0356

W/(mK) erreicht die Jutedämmung zudem

sehr gute Dämmwerte, ist wohngesund und

erfüllt alle Anforderungen an den baulichen

Brandschutz. Der konstruktive Aufwand

ist vergleichbar mit einer klassischen Zwischensparrendämmung.

Das Produkt ist

als Platten- und Rollenware erhältlich und

daher sehr flexibel in seiner Handhabung

– bestens geeignet für die Dachdämmung.

Aber auch bei Holzbalkendecken sowie

Außen- und Innenwänden in Holzbauweise

kann dieser hochwertige Dämmstoff eingesetzt

werden.

Neben der hohen Dämmwirkung und dem

wohngesunden Raumklima überzeugen

zahlreiche ökologische Vorteile. Sollte das

Material irgendwann einmal entsorgt werden

müssen, ist das problemlos möglich,

bei der Variante „Plus“ sogar durch Kompostierung.

Da bereits die Herstellung

energetisch wenig aufwendig ist, fällt die

Ökobilanz ausgesprochen positiv aus. Der

Naturdämmstoff ist schnell nachwachsend,

das Vorkommen bei einer Weltproduktion

an Jutefasern von zwei bis drei Millionen

Tonnen pro Jahr schier unbegrenzt.


architektur FACHMAGAZIN

22

Magazin

© DOMICO

© pierer.net

Ein inspirierender

Arbeitsplatz

In den letzten 40 Jahren hat sich das Familienunternehmen DOMICO als Spezialist

mit Schwerpunkt Metall etabliert, insbesondere bei Großprojekten mit einem

hohen Anspruch an Design, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit.

Fotos: DOMICO

Das spiegelt sich auch in der neuen Firmenzentrale

in Vöcklamarkt wider. Gemeinsam mit Architekt

DI Volkmar Burgstaller wurde auf einem unbebaubar

erscheinenden Gelände neben der Bundesstraße ein

siebengeschossiges Kunden- und Kompetenzzentrum

errichtet.

40 Jahre und € 9 Mio. Investment für Innovation und

Partnerschaft wurden gebührend mit einer Abendgala

am 17. Mai und einem Mitarbeiterfest am 19. Mai

für insgesamt mehr als 700 Gäste gefeiert. Neben einem

Abendprogramm der Spitzenklasse, garniert mit

künstlerischen und artistischen Highlights, gab es

nicht nur Glückwünsche, sondern eine ganz besondere

Ehrung für Firmengründer und Seniorchef Josef

Hummer mit der Auszeichnung „Wirtschaftsmedaille

in Silber“.

Für Mitarbeiter und Kunden schafft die neue Firmenzentrale

ein funktionelles Wohlfühlambiente, das die

Grundwerte des Unternehmens mit offenen, aber flexiblen

Arbeitsbereichen und mit Begegnungszonen

wie Teeküche, Bibliothek und Cafeteria auch architektonisch

umsetzt. Die Arbeitswege sind kurz, auch

Geschoss übergreifend. Der Informationsfluss im Unternehmen

soll smart erfolgen, das Ambiente für Inspiration

und positive Stimmung sorgen.

Das Design des Kommunikationszentrums ist insgesamt

offen und transparent. Durch die 18 m freie

Auskragung des 1. und 2. Stockwerks entsteht eine

ganz besondere Leichtigkeit, welche durch die Edelstahluntersicht

ein edles Finish erhielt. Ein weiteres

Highlight ist die gläserne Treppe, welche die Arbeitsbereiche

transparent vertikal verbindet.

Eine zusätzliche Schulungshalle „Home of Innovation

for Metal Buildings“ ergänzt das neue Kunden- und

Kompetenzzentrum. Auf 800 m 2 gibt es Ausstellungsflächen

sowie Raum, um Praxisschulungen für Metallverarbeiter,

aber auch für Architekten, Studenten und

Schüler anzubieten.

DOMICO Dach-, Wandund

Fassadensysteme KG

T +43 (0)7682 2671-0

office@domico.at

www.domico.at

© Mathias Lauringer


www.architektur-online.com

23

Magazin

Recycling am Times Square

Fotos: FMS Presents

Fernando Mastrangelo scheut nicht die

Öffentlichkeit. Der in Brooklyn wohnende

Künstler hat aus Plastik, Sand

und zerkleinertem Altglas ein kleines

Häuschen entworfen und am Times

Square in NY während des Events „NYC

x Design 2019“ aufgebaut.

Das Projekt zeigt, wie die Architektur dazu

beitragen kann, den Lebenszyklus von bereits

verbrauchtem Material zu verlängern.

Auf nur 16 Quadratmetern – mit einem kleinen

vorgelagerten Garten – eröffnet sich

ein höhlenartiger Raum, ein Mausoleum und

zeigt, dass die Grenzen von Architekten

und Designern nicht mehr allein physisch

determiniert sind. Recyceltes Plastik diente

dem Künstler für den schillernden Effekt der

dunklen Außenfassade, im Inneren sind die

Wände aus geschrottetem Glas. Ganz hinten,

in blaues Licht getaucht, ergibt sich ein

weiterer Ausblick in einen Garten, der das

Gesamtprojekt zu einer Oase in der Stadt

werden lässt.

Führend in Lüftungs- und Brandschutzsystemen

Eine Symbiose von höchster Lebensqualität bei lebendiger Architektur

THE ICON Vienna beim Wiener Hauptbahnhof

gute Raumluftqualität mit den

X-CUBE Lüftungsgeräten

www.trox.at


architektur FACHMAGAZIN

24

Magazin

Lehmfeinputz

zum Leben

Lehm wird seit Jahrtausenden zum Bau von Häusern verwendet: Schon Jericho,

eine der ältesten Städte der Menschheit, wurde mit Lehm gebaut, genauso wie

mittelalterliche Fachwerkhäuser hierzulande. Im Zuge der aktuellen Klima- und

Umweltschutz-Debatten bekommen die Vorzüge dieses uralten Materials eine

neue Aktualität. Denn Lehm erweist sich nicht nur bei Produktion und Entsorgung

als völlig bedenkenlos für die Umwelt, der Baustoff sorgt auch in Wohnräumen für

ein gutes Klima.

Fotos: Haga

Je höher beim Lehmputz der Anteil an Ton

ist, desto besser. Denn Ton kann Feuchtigkeit

aufnehmen, speichern und wieder

abgeben – neunmal so viel wie Gips. Dadurch

weisen Innenräume mit Lehmfeinputz

eine konstante Luftfeuchtigkeit auf,

die zwischen 45 und 60 Prozent liegt. Das

sorgt bei Menschen für ein Wohlfühlklima,

verhindert Schimmelbildung und bekommt

auch Holzmöbeln und Treppen aus Holz

gut. Ein weiterer Vorteil des atmungsaktiven

Materials: Es kann Schadstoffe und

Gerüche aus der Raumluft aufnehmen und

binden. Da Ton elektrostatisch neutral ist,

wird in Wohnungen mit Lehmfeinputz weniger

Staub aufgewirbelt. Auch im Hinblick

auf Schall- und Brandschutz weist das rein

mineralische Material gute Werte auf.

Je höher der Tonanteil, desto besser die

Regulierung der Luftfeuchtigkeit und die

Luftreinigung. Wohngesunder Lehmputz

ist außerdem völlig frei von organischen

Zuschlagstoffen oder anderen chemischen

Bestandteilen. Mancher Lehmfeinputz

weist einen besonders hohen Anteil an Ton

auf. Der Grund dafür ist die Herstellung aus

reinem Kaolin (Ton). Er kann im Neubau und

für Renovierungen verwendet werden und

fungiert als Farbe und Putz in einem. Angereichert

mit natürlichen Pigmenten wie

Glimmer, Erd- und Eisenoxiden oder farbigen

Sanden steht eine Palette von vielen

Farbtönen zur Wahl. Gestalterisch lassen

sich mit glatten oder rauen Oberflächenstrukturen

zusätzlich Akzente setzen. Der

ökologische Fußabdruck von Lehmfeinputz

kann sich ebenfalls sehen lassen: Für die

Verarbeitung ist nur wenig Primärenergie

nötig, das Material voll kompostierbar.

Aufgrund der Reinheit des Lehmfeinputzes

und des stark erhöhten Tonanteils ist das

eine interessante Alternative für die natürliche

und wohngesunde Wandgestaltung.

Lehmfeinputz wird in zwei Arbeitsgängen in

einer Gesamtschichtstärke von 2,5 bis drei

Millimetern aufgetragen. Für eine Schicht

von zwei Millimetern sind pro Quadratmeter

ca. 2,4 Kilogramm Lehmfeinputz (Trockenmasse)

nötig. Mindestens zwölf Stunden

vor dem Verputzen muss die Wand mit einer

Mineralputzgrundierung vorgestrichen

werden.


www.architektur-online.com

Mobiler Klimaraum

für die Stadt

Als Weiterentwicklung von „breathe.austria“, dem

österreichischen EXPO Pavillon 2015, schuf das interdisziplinäre

Designteam Breathe Earth Collective

gemeinsam mit der Österreich Werbung die hybride

Waldoase Airship.01. Nach Stationen in Italien, in

Frankreich und auf der „Green Art Tulln“ ist die Installation

noch bis Mitte September im Haupthof des

MuseumsQuartier Wien frei für Besucher zugänglich.

Zwei für Österreich typische Waldökotypen erzeugen in

dem mobilen Stadtmöbel ein atmosphärisches Raumerlebnis.

Die Synergie aus einer Leichtbaukonstruktion, modularer

Verschattung, Ventilatoren und Sprühnebelsystemen

unterstützt die Pflanzen bei der Evapotranspiration und

kühlt somit die Luft um bis zu 6°C – ganz ohne Klimaanlage.

Damit leistet „Airship.01 – Kulturwald“ auch einen Beitrag

zur Reduktion des Urban Heat Island Effekts. Mittlerweile

gibt es bereits drei Airship-Varianten, die sich mit unterschiedlicher

Architektur und Vegetation mit den Themen

Klima, Raum und Luftverschmutzung auseinandersetzen.

www.mqw.at

25

Magazin

Silica ®

Das flexible Linearsystem für dezentes Lichtdesign

in der Office-Beleuchtung.

www.siteco.at


architektur FACHMAGAZIN

26

Magazin

Der Stadtelefant

Ein 08/15-Bürobau kam für die Wiener Architekten Franz&Sue (auch für den Eigenbedarf)

nicht infrage. Sie entwarfen ihre eigenen Arbeitsbereiche als flexibles

Raumkonzept, das den Zusammenhalt innerhalb des gesamten Gebäudes stärkt

und auf zukünftige Veränderungen problemlos reagieren kann. Den Beinamen

Stadtelefant verdient sich der Bau über seine mächtige Kubatur und die graue

Farbgebung – im Inneren erscheint er aber alles andere als träge, sondern viel

mehr lebendig und voller Energie.

Fotos: Franz&Sue, Andreas Buchberger, Abdul Fattah

Mit dem Projekt im Wiener Sonnwendviertel, einem

Wohnquartier in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs,

beweisen die Planer, dass grüne Architektur

weit mehr als nur ein intelligentes Energiekonzept

bedeuten kann. Hinter der Lochfassade aus Beton

verbergen sich, inspiriert von Wiener Gründerzeitbauten,

wandlungsfähige Grundrisse, die sich in

Clustern organisieren. Über sechs Stockwerke und

ein Dachgeschoss verteilt, ziehen hier offene Arbeitswelten

für die Architekten selbst und ihre Partnerfirmen,

Wohnungen und Gemeinschaftsflächen in

den Multifunktionsbau ein.


www.architektur-online.com

Freie Grundrisse, die bei zukünftigen Umnutzungen

jederzeit flexibel angepasst werden können, verdeutlichen

den Nachhaltigkeitsaspekt des Stadtelefanten.

Franz&Sue verzichten zur Gänze auf tragende

Zwischenwände und Erschließungsbereiche. Die

einzelnen Niveaus werden nur vom Treppenhaus und

den Nasszellen zoniert. Im Parterre befindet sich ein

Lokal, das von den Angestellten als Kantine genutzt

wird und außerdem die Bewohner der Umgebung in

den Bau einlädt und diesen somit belebt und mit der

urbanen Struktur verwebt.

27

Magazin

Neben dem Miteinander und der räumlichen Flexibilität

widmen sich die Architekten dem Thema

Nachhaltigkeit auch über bautechnische Feinheiten.

Sie verzichten auf Hightech und setzen stattdessen

auf intelligente Materialien. Dank dieser kann

die Haustechnik auf ein Minimum reduziert werden.

Die Fertigteilfassade besteht aus zwischengedämmten

Betonelementen. Diese wirken gleichzeitig als

Speichermasse für thermische Energie und sorgen

gemeinsam mit geringer zusätzlicher Kühlung und

Lüftung über die STB-Decken für ein angenehmes

Raumklima. Viele Oberflächen, wie zum Beispiel die

sandgestrahlte Fassade, bleiben unverkleidet, sparen

Zeit und Kosten und machen den Stadtelefanten zu

einem grünen oder viel mehr bunten und zukunftsweisenden

Anlaufpunkt in Wien.

Energiespeicher Beton

Innovativ, zukunftssicher und nachhaltig.

In der Decke integrierte Rohrleitungen speisen den Betonspeicher

und sorgen für eine effiziente Raumtemperierung.

Beton ist ein hervorragender Wärmespeicher

und ein sehr guter Wärmeleiter. Eine thermisch

aktivierte Geschoßdecke aus Beton sorgt für

wohlige Wärme im Winter und angenehme

Frische im Sommer.

Infos unter:

www.betonmarketing.at/

Energiespeicher-Beton


architektur FACHMAGAZIN

28

Magazin

Wegweiser

in die Zukunft

Im Auftrag der Stadtsiedlung Heilbronn GmbH realisierte das Berliner Architekturbüro

Kaden+Lager einen Neubau zur Stadtausstellung im Rahmen der Bundesgartenschau

Heilbronn 2019. Dieses „Stadtquartier Neckarbogen“ kann Zug um Zug

weiterentwickelt werden und einmal bis zu 3.500 Bewohnern ein Zuhause geben.

Fotos: Bernd Borchardt

Für eine grüne Umgebung sorgen die Daueranlagen

der BUGA mit der Seenlandschaft, dem Neckaruferpark,

dem Hafenberg mit Himmelspfad und der urbanen

Aue. Mit 34 Metern wird die Architektur mit der

Bezeichnung SKAIO das aktuell höchste Holzhaus

in Deutschland. Am Eingang des Bundesgartenschau-Geländes

empfängt der Neubau den Besucher

als Wegweiser in die Zukunft und zeigt die erfolgreiche

Kombination von nachhaltiger Bauweise und anspruchsvoller

Gestaltung.


www.architektur-online.com

29

Magazin

Das Hochhaus wurde in einer Holz-Hybrid-Bauweise

errichtet: Wände und Decken sind aus Holz und

machen den überwiegenden Teil der Konstruktion

aus. Nach der Vorfertigung erfolgte die Montage vor

Ort. Ein Stockwerk pro Woche ist ein beachtlicher

Baufortschritt. Die Stützen des Neubaus bestehen

aus Brettschichtholz. Sockelgeschoss und Treppenhaus

bestehen jeweils aus Stahlbeton und wurden

zuerst errichtet. Für die Holzwände und -decken hat

man ausschließlich Fichtenholz mit PEFC-Zertifikat

verwendet. Über dem verglasten Sockelbereich mit

sichtbarem Erschließungskern aus Beton setzen sich

die Obergeschosse mit einer hochwertigen Aluminiumlochfassade

ab. Auf den zweiten Blick lassen die

Holz-Unterseiten der Loggien auch von außen erkennen,

dass der Bau ein Holzgebäude ist.

Die Decken bestehen aus Brettsperrholz, die Stützen

aus Brettschichtholz. Die gesamten Horizontallasten

der Aussteifung werden von dem Stahlbetonkern,

der auch als notwendiger Fluchtweg dient,

abgetragen. Die sichtbar eingebauten, 240 mm starken

Brettsperrholzdecken spannen von innen (dem

Stahlbetonkern) in Richtung der Außenwände. Aufgrund

der großen Öffnungen in den Außenwänden

und auch um Setzungen vorzubeugen, liegen die Decken

dort auf Stahlunterzügen auf. Diese wiederum

tragen ihre Vertikallast über blockverleimtes Brettschichtholz,

das ebenfalls später sichtbar bleibt, in

die Gründung ab. Für die nicht tragenden Außenwände

wird Brettsperrholz gewählt, das außenseitig noch

eine Dämmung und eine Gipsfaser-Platte erhält.

Die im Standard offen und hell gestalteten 1- bis

2-Zimmer-Mietwohnungseinheiten (60 Stück) werden

über einen Erschließungskern mit Aufzügen und

Sicherheitstreppenhaus barrierefrei erreicht, sind

zwischen 40 und 90 m² groß und können aufgrund

des Gebäudekonzeptes zusammengeschaltet werden.

Die Wohnungen sind mit Fußbodenheizung und

Einbauküche ausgestattet und haben öffenbare, bodentiefe

Fenster. Nahezu alle Wohnungen verfügen

zudem über eine Loggia. Das Dach ist teilweise als

extensives Gründach geplant. Als weitere Attraktionen

sind für die Bewohner zwei möblierte gemeinschaftliche

Dachterrassen inklusive bewirtschaftbaren

Gemüsegärten vorgesehen. Den Bewohnern

präsentiert sich in über 30 m Höhe ein spektakulärer

Ausblick über die Stadt Heilbronn und den Neckar.


architektur FACHMAGAZIN

30

Magazin

Berlins neue

Oberschicht

Wenn Berlin im Jahr 2030 die prognostizierte Einwohnerzahl von vier Millionen

knackt, sind das zwar rund 500.000 Einwohner mehr als heute, aber immer noch

knapp 500.000 weniger als vor dem Zweiten Weltkrieg. Während die Infrastruktur

mit Kanalisation und U-Bahn-Netz durchaus noch nicht an ihre Grenzen stößt,

herrscht auf dem Wohnungsmarkt akute Not. Wie kommt das?

Fotos: Sigurd Larsen

Beim Wiederaufbau Berlins nach 1945 stand trotz erheblichem

Bevölkerungsrückgang an erster Bedarfsstelle

Wohnraum. Dieser wurde auch geschaffen,

allerdings in viel komprimierterer Form als zuvor. Seitdem

erstrecken sich entlang der breiten Boulevards

Berlins gefühlte, endlos lange Plattenbauten, Stockwerk

über Stockwerk, noch dazu mit viel geringeren

Raumhöhen als bis dato in den Altbauten üblich.

Insgesamt führte das zu einer weniger verdichteten

Bebauung und als Nebeneffekt zu den vielen Brachoder

Freiflächen, die dem heutigen Berlin (auch dank

kreativer Zwischennutzungen) dessen besonderen

Charme verleihen. Die deutsche Hauptstadt lebt von

den aus der Geschichte resultierenden kontrastreichen

Nachbarschaftsgefügen, den sogenannten

Kiezen. Doch trotz ständiger Nachverdichtung kann

die Stadt mit der stetig wachsenden Nachfrage nach

(bezahlbarem) Wohnraum nicht Schritt halten.

Zeit für neue Ideen und innovative Konzepte – so wie

den „Dachkiez“ des dänischen Architekten Sigurd

Larsen. Auf der letztjährigen Biennale in Venedig

präsentierte der Wahl-Berliner in einer Ausstellung

seinen Lösungsansatz für eine sozialverträgliche und

ökologisch nachhaltige Nachverdichtung bestehender

Substanzen. Das Studienobjekt: ein massiver und

lückenloser Betonblock, an attraktiver Stelle zwischen

den Stadtteilen Kreuzberg und Mitte gelegen.

Die Idee: Ein neuer, grüner Kiez auf dem Dach des

Plattenbaus, bunt durchmischt und zugänglich für

alle Schichten.


www.architektur-online.com

31

Magazin

Dabei wird der Plattenbau nicht separiert betrachtet.

Vielmehr gewinnen die langjährigen Bewohner eine

neue Nachbarschaft und zugleich Zugang zu einer

komplexen Infrastruktur. Diese erstreckt sich sowohl

auf horizontaler, als auch auf vertikaler Ebene und umfasst

Grünflächen, malerische Aussichtspunkte und

Treffpunkte für alle Kiezbürger von Jung bis Alt. Die

„neue Oberschicht“ legt sich als grünes Band mit tief

wurzelnden Bäumen, Wiesen und Hügeln auf das bestehende

Betondach. An dessen Rändern reihen sich

in leichter Holzbauweise Wohnungen wie an einer Perlenkette

zu einem lang gezogenen Dorf aneinander.

Die einzelnen Module basieren auf einem flexiblen

Baukastensystem, das sich individuell an die Bedürfnisse

der Bewohner anpassen lässt. Das Basis-Modul

kann von einem Single oder Paar bewohnt werden.

Ein zusätzliches Plug-in-Modul mit Schlafzimmer

schafft entweder Raum für ein Kind oder für einen

zusätzlichen Bewohner in der WG. Eine dritte Einheit

ergänzt ein weiteres Schlafzimmer und wertet das

Badezimmer für größere Familien auf. Wohnraum für

jedermann und beste Aussichten für die neue Oberschicht

Berlins.


architektur FACHMAGAZIN

32

Magazin

Architektur mit

minimalsten Mitteln

Nicht nur der diesjährige Pritzker Preisträger Arata Isozaki arbeitet mit der Leere,

mit dem Zwischenraum, auch die Chinesen können das. Und zwar, fast ohne Architektur

zu machen!

Fotos: Zhu Enlong

Das ursprüngliche Projekt bestand aus einer Anhäufung

von zehn Containern, in drei Ebenen übereinander

geschlichtet und mit ein paar Stiegen verbunden,

in einige waren Fenster- und Türflächen eingeschnitten.

Die Umgestaltung zu einem kleinen Zentrum für

Arbeit, Kommunikation und Freizeit bedeutete eine

gewisse Herausforderung für das Team von Yiduan

Shanghai Interior Design aus China. Einerseits stand

das Ensemble ziemlich isoliert auf einem weiten Grasgebiet

in Orenda auf der Insel Chongming in der Nähe

von Shanghai, andererseits brachten die engen Innenräume

der Container große Einschränkungen mit sich.

Statt nun dem gewöhnlichen Container einfach einen

ungewöhnlichen Anstrich zu verpassen, um so

das Projekt aufzuwerten, erweiterten die Planer die

Innenräume durch die Schaffung von angeschlossenen

Leerräumen nach außen. Diese Volumina werden

durch Gitter, Lamellenwände und -decken gefasst,

spürbar gemacht und erweitern so den nutzbaren

Raum. Sie erfüllen auch funktionelle Bedürfnisse und

bilden einen Kontrast mit der Masse und dem Körper

der Container. Das durch die Gitterflächen eintretende

Tageslicht generiert fast poetische Licht- und

Schattenspiele. Die Container und die neuen „Körper“,

die aus ihnen so entstanden sind, stellen nun

eine überlappende und gestapelte architektonische

Form dar – sie wirkt fast futuristisch, auf jeden Fall

interessant und modern.


www.architektur-online.com

33

Magazin

Der Gesamteindruck dieser, im Mai 2018

fertiggestellten Architektur spiegelt sich in

einer wohl abgestimmten Palette von Weißund

hellen Holztönen wider. Sie erzeugen

einen sauberen, einfachen visuellen Eindruck.

Außerdem fügen sich die Gebäude

so recht harmonisch in die Weite der umgebenden

Wiesenflächen ein. Ein mäandernder

Flusslauf schlängelt sich in der Mitte

der Gebäude durch, er symbolisiert Veränderung

und Leben.

Auf den drei Ebenen befinden sich im Erdgeschoss

der Empfang und eine Ausstellungsfläche,

in der mittleren erhält man

einfache Speisen, Kaffee und Tee und oben

ist der Bereich für Arbeit, Treffen und geschäftliche

Dinge. Die Wegführung durch

die Räume nimmt Rücksicht auf die Umgebung,

jeder Punkt bietet unterschiedliche

Ausblicke und die verwendeten Zen-Elemente

passen sich gut an den modernen

und minimalistischen Designstil an. Innenund

Außenräume fließen ineinander, bilden

ein Ganzes – immer mit kleinen Aufenthaltsbereichen

und Unterbrechungen, die

der Architektur eine Seele verleihen. Ein

gutes Beispiel, wie sich ohne viel neu zuzubauen,

eine vorhandene Substanz mit einfachsten

Mitteln und nachhaltig zu einer interessanten,

funktionalen Architektur (um)

gestalten lässt. Man kann davon lernen!


architektur FACHMAGAZIN

34

Magazin

Leistbares

Wohnen aus Holz

Schon seit einigen Jahren arbeiten holzaffine Personen in Österreich an Konzepten,

Holzbauten in Modulform zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Architekt

Lukas Lang und Stefan Schrenk, Sohn des Waldviertler Tischlers Franz Schrenk,

zählen zu diesem Kreis und nun haben sie sich mit der Firma Appel aus dem

Waldviertel zusammengetan und „ZiKK 2.0 – Das Plug-In Haus“ aus der Taufe

gehoben. Der Name ZiKK steht für Zimmer, Kuchl, Kabinett im 21. Jahrhundert.

Fotos: Julian Haghofer

Das Haus, das in vier Modellen angeboten

wird, besticht durch seine herausragenden

ökologischen Eigenschaften

samt technischem High-End. Drei Jahre

lang hat man an der Entwicklung des

Hauses getüftelt. Das Plug-In-Haus basiert

auf einem Baukastensystem der Lukas

Lang Building Technologies GmbH

und der vorproduzierten Technikbox von

Appel mit der gesamten Haustechnik. So

kann jedes der Haus-Modelle zwischen

47 und 101 Quadratmetern in fünf bis

zehn Tagen Bauzeit schlüsselfertig an

seine Besitzer übergeben werden.


www.architektur-online.com

35

Magazin

ZiKK 2.0 benötigt kein Fundament, sondern

steht auf Stelzen, dadurch wird

kein Boden versiegelt. Das Dach ist begrünt

und überschüssiges Regenwasser

wird in den Boden abgeleitet. Wenn

man woanders wohnen will, nimmt man

sein Haus einfach mit und gibt den Boden

wieder frei für die Natur. Außerdem

wurde bei der Bauweise auf alle Verbundwerkstoffe

verzichtet und durch

die komplette Zerlegbarkeit des Hauses,

wird jeder Sondermüll vermieden. Alle

Komponenten können im Bedarfsfall

getrennt wiederverwertet oder entsorgt

werden, es entstehen keine Altlasten.

Das eben eröffnete Musterhaus in Vitis

ist eine von vier möglichen Varianten

mit 77 m², einer großzügigen Wohnküche,

zwei Schafzimmern und Terrasse.

Je nach Größe liegen die Preise für die

schlüsselfertige Errichtung zwischen

189.000, - und 297.000, - EUR. Das Niedrigenergie-Smart-Home

kombiniert High

Tech mit dem unvergleichlichen Duft

und dem heimeligen Gefühl von Holz und

ist sozusagen die Summe aller intelligenten

Erfindungen, bewehrten Prüfungen

und Weiterentwicklungen der letzten

20 Jahre in der Baubranche. Über eine

intelligente App lassen sich Funktionen

wie Beschattung, Licht, Heizung u. a. bequem

vom Smartphone aus steuern. Der

Energiebedarf für das Heizen ist beim

Modell „Basis“ (76 m² Wohnnutzfläche)

mit etwa 5.000 kWh pro Jahr angegeben,

somit beläuft sich der Tagesbedarf

auf ca. 13,7 kWh.

MEHR LICHT,

MEHR RAUM,

MEHR RUHE

Mit dem Trennwandsystem

Variflex gestalten Sie Räume

schnell und kom for tabel

genau nach Bedarf. Die Kombination

mit Glas-Elementen

ermöglicht eine Raumteilung

mit maximaler Transparenz und

gleichzeitigem Schallschutz.

T +43 732 600451

office@dorma-hueppe.at

www.dorma-hueppe.at


architektur FACHMAGAZIN

36

Magazin

Monomaterielle

Bauweise aus Holz

Das IBA Timber Prototype House verkörpert einen neuartigen Ansatz zur Mikro-Architektur:

Es funktioniert im Prinzip wie ein auf die Seite gedrehtes

Blockhaus für das 21. Jahrhundert und kombiniert so die Vorteile traditioneller,

kostengünstiger Blockbauweisen mit den Möglichkeiten digitaler Planungs- und

Fertigungsverfahren. Das Projekt untersucht ein neuartiges Holzbausystem für

zugleich umweltfreundliche, wirtschaftliche und architektonisch ausdrucksstarke,

mono-materielle Gebäudehüllen.

Fotos: ICD Universität Stuttgart, Thomas Mueller

Im Gegensatz zu der horizontalen Stapelung typischer

Blockbauweisen sind hier Kantvollhölzer

stehend aufgereiht. So stimmt die Ausrichtung der

Wandbauteile mit der Haupttragrichtung des Holzes

überein. Zugleich ermöglicht es ohne Beeinträchtigung

der Tragfähigkeit das Einbringen von Schlitzen.

Diese dienen zugleich als Entlastungsschnitte, die

ein Reißen des Vollholzes verhindern. So kann die

Formstabilität und Dichtigkeit gewährleisten werden.

Gleichzeitig werden die Schlitzungen als Luftkammern

genutzt, was die Wärmeleitfähigkeit reduziert

und die Isolationswerte des Materials erhöht. Die

digitale Fertigung ermöglicht dabei die Ausbildung

hochpräziser, luftdichter und sortenreiner Verbindungen

der Holzelemente, ohne jegliche zusätzlichen

Metallbauteile oder Klebstoffe. Das so entstandene,

nachhaltige Mono-Material-Bausystem ist Tragwerk,

Hülle und Dämmung in einem. Es werden selbst die

strengen deutschen Energiesparstandards mit einem

U-Wert von 0,20 W/(m 2 K) erfüllt.


www.architektur-online.com

37

Magazin

Die neuartige Blockbauweise ermöglicht es, die

schachtelartige Ausprägung der meisten Mikro-Architekturen

zu überwinden. Der integrative, computerbasierte

Planungs- und Fertigungsansatz lässt

es zu, Wände und Decken sanft zu verdrehen. Dies

bietet nicht nur die Möglichkeit, das Verhältnis von

Raum und Hüllfläche zu maximieren. Es intensiviert

auch den architektonischen Ausdruck dieses einzigartigen

Mikro-Gebäudes und demonstriert die

Möglichkeiten einer innovativen Baukultur, die auf

regionalem Material und tradiertem Wissen basiert.

Simulationen zeigen, dass der Bau durch seine energieeffiziente

Bauweise alle Merkmale eines Passivhauses

erfüllt.

Herkömmliche Gebäude setzen sich aus einer Vielzahl

verschiedener Materialien zusammen, die mit

hohen Energiekosten und aufwendigen Recyclingmaßnahmen

verbunden sind. Durch den Forschungsansatz,

der auf traditionellen Holzverbindungen

basiert, wurde für das Timber Prototype House ein

System entwickelt, bei dem die strukturellen Fügeund

Verbindungslösungen sowie die luftdichte Hülle

ausschließlich auf der Materialität des Holzes beruhen.

Dadurch konnten die Anzahl der Schichten des

Bausystems erheblich minimiert werden und nach

Ende der Nutzungsdauer ist eine einfache Demontage

für die stoffliche Verwertung gewährleistet. Darüber

hinaus konnten durch die Verwendung des ausschließlich

regionalen Rohstoffes die Energiekosten

für den Materialtransport gering gehalten werden.

Das Timber Prototype House wurde im März 2019

eröffnet. Es ist ein Projekt der Internationalen Bauausstellung

(IBA) Thüringen und kann zur Zwischenpräsentation

der IBA vom 24. Mai bis 29. September

2019 vor dem Eiermannbau in Apolda, Thüringen, besichtigt

werden. Ein kleines, frei stehendes, vollständig

geschlossenes Mikro-Haus. Die geschwungenen

Wände und die Decke sind sowohl von innen als auch

von außen erlebbar. Die Gebäudeenden finden ihren

Abschluss in übergroßen Fensteröffnungen, die den

Blick auf den Eiermannbau und das angrenzende

Grundstück ermöglichen. Konzipiert als komplett

möbliertes Mikro-Haus, kann das Timber Prototype

House mit allen notwendigen Funktionen für ein angenehmes,

kompaktes Wohnen ausgestattet werden.


architektur FACHMAGAZIN

38

Magazin

Perspektive

für die Zukunft

Architektur kann, bzw. soll auch einen pädagogischen Aspekt haben und auch sensitiv

etwas in der Rezeption der Nutzer ändern. Das Internat für die Landwirtschaftsschule

in Bella Vista auf einem Agronomie-Campus im andinen Cochabamba, Bolivien

ist ein gutes Beispiel dafür. Das Ausbildungszentrum mit dem neuen Internatsgebäude

bietet Jugendlichen aus extrem armen Familienverhältnissen eine Perspektive, die

über die in Bolivien übliche Subsistenzlandwirtschaft weit hinausreicht.

Fotos: Cristóbal Palma

Das Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion von

Prof. Ralf Pasel, CODE widmet sich mit dem interdisziplinären

und langfristig angelegten Projekt für das

andine Dorf Bella Vista in Bolivien lokal wirksamen

Lösungsvorschlägen zur Armutsbekämpfung, aber

auch globalen Themen zur wachsenden Urbanisierung

und der Landflucht. Darüber hinaus findet ein

Wissenstransfer über mögliche Baukonstruktionen

zwischen der TU Berlin und der Universidad Major de

San Simon in Cochabamba, Bolivien sowie zwischen

den Studenten und den lokalen Kooperativen, die

handwerklich am Projekt ausgebildet werden, statt.


www.architektur-online.com

39

Magazin

Das Internatsgebäude weist eine klare Gliederung

zwischen Sockel, Wand und Dach auf. Diesen drei

Schichten sind spezifische Materialien und die damit

verbundenen Konstruktionsmethoden, mit welchen

sich die Studierenden auseinandergesetzt haben, zugeordnet:

Beton, Mauerwerk und Holz. Im Gespräch

mit den Einheimischen und unter Verwendung ortsüblicher

Materialien wurden innovative Lösungen auf

Anforderungen der Statik und somit der Sicherheit,

der Gebäudehülle und somit des Komforts und der

Gebäudetechnik entwickelt. Das neue Gebäude ergänzt

funktional die bereits in Betrieb genommene

Schule u. a. mit einer Schlafstätte für die Schüler,

einem Dozentenraum, einer Küche, Ess-, Lern- und

Aufenthaltsbereichen sowie eigenständigen Nassbereichen.

Es ermöglicht in seinem Grundriss Orte

der Begegnung und der Ruhe. Ein privater Patio als

kontemplativer Freiraum und ein kollektiv nutzbarer

Hof erweitern zudem das Angebot von unterschiedlich

qualitativen Außen- und Freiräumen auf dem

Campus. Das bestehende Schulgebäude und der

Neubau des Internats teilen sich die neu erstellte

Pflanzenkläranlage und Frischwasseraufbereitung

für die Felder, die Stromerzeugung durch eine Fotovoltaikanlage

und die Warmwasserzubereitung durch

die im Dachgefälle des Internats integrierte Thermosiphonanlage.

Aufgrund der Materialisierung weist

das Gebäude für die Nutzer einen hohen Wiedererkennungswert

auf und setzt architektonische Standards,

die in Selbstbauweise von den Bewohnern auf

andere Projekte übertragen werden können. Das Gebäude

wird somit zum Lehrmodell selbst.


architektur FACHMAGAZIN

40

Magazin

Selbstformende Fertigung

Der Urbach Turm stellt eine einzigartige Holzstruktur dar. Der Entwurf des Turms

verwendet einen neuartigen Selbstformungsprozess für gebogene Holzkomponenten.

Diese Formänderung wird allein durch das Schwinden des Holzes bei

abnehmendem Feuchtegehalt erreicht.

Fotos: IBA Thueringen, Thomas Mueller

Die Technologie der selbstformenden Fertigung von

Massivholzplatten eröffnet mit ihrer einfachen Anpassung

an unterschiedliche Krümmungsradien neue

und unerwartete architektonische Möglichkeiten für

die Verwendung des nachhaltigen, erneuerbaren und

regional verfügbaren Baumaterials Holz.

Die bahnbrechende Entwicklung der großflächigen

Selbstformung stellt einen Paradigmenwechsel im

Holzbau dar. Statt aufwendiger und energieintensiver

mechanischer Umformprozesse, die schwere Maschinen

erfordern, verformt sich der Werkstoff hier ganz

von selbst. Die gebogenen Komponenten der Turmstruktur

aus Brettsperrholz (BSPH / CLT) werden

als flache Paneele geplant und hergestellt, die sich

während des Trocknens autonom in vorausberechnete,

gekrümmte Formen biegen. Die 5,0 m x 1,2 m

großen Bilayer aus Fichtenholz werden mit hoher

Holzfeuchte und spezifischem Schichtaufbau hergestellt

und in einem industriell standardisierten Trock-

nungsverfahren getrocknet. Beim Herausnehmen

aus der Trockenkammer sind die Elemente präzise

gekrümmt. Diese werden anschließend miteinander

überlappend laminiert, um die Geometrie zu fixieren,

und bilden so größere, formstabile, gekrümmte

Brettsperrholz-Komponenten.

Die selbstformenden Komponenten bestehen vollständig

aus regional bezogenen Fichtenholzbrettern

aus der Schweiz. Die einzelnen Bauteile weisen eine

Länge von bis zu 15 m auf, mit einem Radius von

2,40 m und einer Bauteildicke von nur 90 mm. Die

Komponenten sind aus Halbzylinderrohlingen 5-achsig

CNC-gefräst und zu Baugruppen aus drei Komponenten

einschließlich Wassersperre und externer

Holzverkleidung für den Transport vormontiert. Mit

präziser, vorausberechneter Krümmung und optimaler

Faserausrichtung aus dem Herstellungsprozess

wird jede Komponente in nur 90 Minuten Maschinenzeit

geschnitten und bearbeitet.


www.architektur-online.com

41

Magazin

Auf der Außenseite wird eine maßgefertigte Fassade

aus geschnittenen Brettschichtholzträgern aus Lärche

aufgebracht. Dies umfasst ebenfalls die Anwendung

einer transparenten, dauerhaften anorganischen

Beschichtung, die das Holz vor UV-Strahlung und

Pilzbefall schützt. Anstatt zu reißen und unter Witterungseinflüssen

silbergrau zu werden, erhält das Lärchenholz

mit der Zeit eine gleichmäßige weiße Farbe.

Die gesamte Prozesskette, vom Schneiden der regionalen

Stämme im Sägewerk über die Herstellung

der selbstformenden Platten, den Trocknungsprozess

bis hin zur Endbearbeitung und Vormontage,

erfolgt innerhalb derselben Unternehmensgruppe

und am gleichen Standort. Dies ermöglicht nicht nur

eine nachhaltige und innovative Produktion, sondern

zeigt auch, wie sich die selbstformende Fertigung

nahtlos in bestehende industrielle Holzverarbeitungs-

und Fertigungsabläufe integrieren lässt.

Der Urbach Turm besteht aus zwölf gekrümmten

Bauteilen aus Brettsperrholz. Die Tragkonstruktion

des Turms weist eine Dicke von 90 mm auf und ist

über 14 Meter hoch, was zu einem Spannweiten-Dicken-Verhältnis

von ca. 160:1 führt. Die Krümmung

ermöglicht eine sehr schlanke und leichte Turmstruktur

von nur 38 kg pro Quadratmeter Turmoberfläche.

Im montierten Zustand wirkt der Turm durch seine

ausdrucksvolle gekrümmte Geometrie statisch als

flächenaktive Struktur. Die Verbindung der Leichtbauelemente

erfolgt durch kreuzweise angeordnete

Vollgewindeschrauben, deren Anordnung und spezifischer

Winkel im gesamten Bauwerk in Bezug auf

ihre statische Ausnutzung optimiert sind, wobei eine

durchgehende Verbindung entlang der Naht für einen

homogenen Lastabtrag sorgt.

Auf Zuverlässigkeit bauen.

Mit dem Schöck Isokorb®.

Ob frei auskragender oder gestützter Balkon, ob Attika oder Brüstung. Der Schöck Isokorb®

bietet optimale Wärmedämmleistung ohne Einschränkung der Statik und der Gestaltungsfreiheit.

Verlassen Sie sich auf die bewährte Spitzenqualität von Schöck.

Schöck Bauteile Ges.m.b.H | Thaliastraße 85/2/4 | 1160 Wien | Tel.: 01 7865760 | www.schoeck.at


architektur FACHMAGAZIN

42

Magazin

Eine Hommage

an den Bambus

Anmutig winden sich zahllose Bambusstangen spiralförmig in den Himmel, verdichten

sich hier und da zu einem höhlenartigen Gewölbe, lösen sich an anderer

Stelle wieder komplett auf. Gerade dieser Wechsel zwischen durchscheinenden

und geschlossenen Strukturen, Geborgenheit und Offenheit, verleiht dem Nocenco

Café hoch über den Dächern der Stadt Vinh in Vietnam seinen besonderen Charme.

Fotos: Trieu Chien

Die vom Vietnamkrieg gebeutelte Regionalmetropole

orientierte sich beim Wiederaufbau städtebaulich an

europäischen Vorbildern und überrascht neben einigen

Plattenbauten im DDR-Stil auch mit zahllosen

Fassaden kolonialistischer Façon. So auch das zentral

gelegene siebenstöckige Bestandsgebäude, auf dessen

oberstem Geschoss sich seit Mai 2018 ein Loungecafé

mit darüberliegendem Club befindet. Trotz umfassender

Renovierungsarbeiten sollten die Fassade

und tragende Strukturen unangetastet bleiben.


www.architektur-online.com

43

Magazin

Eine interessante Herausforderung für das

erprobte Team der VTN Architekten, welche

den gesamten Entwurfsprozess unter das

Motto “Leichtigkeit” stellten. Planern und

Bauherren war es außerdem ein Anliegen, die

Bauzeit kurz und das Budget knapp zu halten.

So fiel die Wahl des Baustoffes schnell

auf den von den Architekten favorisierten

Bambus. Dieser grüne Stahl der Zukunft ist

nicht nur leicht, robust, schnell nachwachsend

und in unmittelbarer Nähe zur Genüge

verfügbar, sondern verkörpert im asiatischen

Raum auch Tradition und Demut.

In der Industriestadt Vinh wirkt der Einsatz,

des in der Region sonst so allgegenwärtigen

Tausendsassa Bambus, geradezu innovativ

und revolutionär. Aus der Ferne präsentiert

sich der kuppelartige Aufbau als neue Ikone

der Nachbarschaft. Bei näherer Betrachtung

weckt die schon von der Straße aus

erkennbare kunstvolle Konstruktion der

selbsttragenden Bambusröhren die Neugier

des Betrachters. Im Inneren schließlich

eröffnet sich eine mäandernde Raumfolge,

deren Struktur sich in alle vier Himmelsrichtungen

sowie nach oben öffnet, um den

Blick auf die umliegenden Flachbauten und

historischen Gebäude, den Fluss, die Waldlandschaft

und den Himmel freizugeben.

Im Inneren verdecken zehn Bambussäulen

die bestehende tragende Konstruktion, vier

weitere fungieren als raumbildende Strukturen,

welche die Fläche zonieren und die

Blicke elegant nach außen lenken. Der neue

Dachaufbau wirkt von außen respektvoll,

mutet sogar etwas archaisch an. Im Inneren

sorgen grüne Pflanzen, transparente

Glaskugelleuchten und leichte Holzmöbel

für moderne Leichtigkeit und eine loungige

Atmosphäre.

Das Nocenco Café ist sicherlich ein gelungenes

Beispiel für eine moderne und verspielte

Interpretation eines altgedienten und bewährten

Baustoffes, der auch in Zukunft andere

Baumaterialien ersetzen könnte, wenn

mehr Architekten lernten, seine Stärke und

Vielseitigkeit kreativ zu nutzen.


architektur FACHMAGAZIN

44

Magazin

Abfallstoff als

„Liquid Gold“

Das WC ist (laut Kreativitätsforscher und Psychologe Mihály Csíkszentmihályi) als

Ort der Kreativität bekannt, als Ort von sogenannten entfunktionalisierten Phasen im

Tagesverlauf. Dass es auch ein Ort von ausgesprochener Nachhaltigkeit sein kann,

beweist die Entwicklung von Save! Die erste Separations-Toilette der Welt, die Urin

vom Rest trennt und ein neues Kapitel des nachhaltigen Urban-Wastewater-Managements

darstellt.

che Verwendung von Düngemitteln werden

von der Wissenschaft bereits als genauso

gefährlich eingestuft wie zu hohe CO 2 -Werte

und der Klimawandel.

Die Schlüsselinnovation von Save! ist ein von

EOOS entwickeltes Rohrsystem, das Urin

unter Ausnutzung der Oberflächenspannung

in einen getrennten Ablauf ableitet

und so vom Rest separiert. Mittels kompakter,

hocheffizienter dezentraler Bio-Reaktoren

werden die Nährstoffe aus dem Urin

extrahiert, Medikamenten-Rückstände und

Hormone neutralisiert und bis zu 80 Prozent

des im Abwasser enthaltenen Stickstoffs

entfernt. Der im Urin vorkommende

Stoff kann nun dort verwendet werden, wo

er als wertvolle Ressource Nutzen bringt,

zum Beispiel als Dünger auf Feldern.

Man hat diese Technologie, die modernsten

Industrie-Standards entspricht, auf das

Wand-WC angewandt und mit innovativer

Wasser- und Urinführung neu gestaltet, um

die Leistung zu optimieren. Durch die perfekte

Integration der neuen Technik ist das

WC optisch nicht von anderen spülrandlosen

Design-WCs im High-End-Bereich zu

unterscheiden. Produziert wird die Innovation,

die serienreif ist und in Neubauprojekte

installiert werden kann, im Werk im niederösterreichischen

Wilhelmsburg.

Die Zukunfts-Toilette ist das perfekte Beispiel

dafür, was alles erreicht werden kann,

wenn die Disziplinen Social Design, Industrie

und Forschung kooperieren. Nämlich die

Lösung eines Umweltproblems, das besonders

in urbanen Zentren immer gravierender

wird und durch die Rückführung von

Nährstoffen in die Landwirtschaft gelöst

werden kann.

Save! ist Teil des „Reinvent the Toilet Challenge“

Programms der Bill & Melinda Gates

Foundation.

Bei konventionellen Toiletten gelangt der

Urin über das Abwasser in Flüsse und Meere.

Der darin enthaltene Stickstoff unterstützt

hier das Wachstum von Algen. Jene

Mikroben, die diese zersetzen, verbrauchen

dabei fast den gesamten Sauerstoff. Viele

Flussmündungen werden so zu „Dead

Zones“ – fast 60 davon gibt es bereits an

europäischen Küsten. Deshalb haben LAU-

FEN und EOOS Design gemeinsam mit der

Eawag (Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung,

Abwasserreinigung & Gewässerschutz)

Save! entwickelt. Das Produkt

wurde bei den Architekturtagen 2019 erstmals

in Österreichpräsentiert.

Wie Abwässer derzeit entsorgt werden,

trägt maßgeblich zu einem der dringlichsten

Umweltprobleme der Erde bei. Übermäßige

Stickstoffwerte, verursacht durch

menschlichen Urin und die landwirtschaftli-


www.architektur-online.com

45

Magazin

Gernot Bohmann,

Harald Gründl

& Martin Bergmann

© Elfi Semotan

Der lange Weg in eine

bessere Zukunft

Selten hört man von Erfindungen – die noch

dazu bereits von der Industrie produziert

werden können – die ein Wesentliches zur

Verbesserung der Umweltsituation auf unserem

Planeten beitragen. Die Präsentation von

Save! war Grund genug für architektur, sich

mit einem der Entwickler, mit Harald Gründl

vom Designbüro EOOS zu unterhalten.

Welche Beweggründe hat ein Designer, sich

mit der Rettung der Welt zu beschäftigen?

Dieses Produkt, diese Entwicklung, stellt einen

Paradigmenwechsel in der Sanitärindustrie

dar. 2008 haben wir von EOOS beschlossen,

unsere Kräfte systemischer und nachhaltiger

einzusetzen. Denn Designer werden meist nur

nach einem Produkt gefragt, zum Beispiel einer

Badewanne. Aber kein Mensch überlegt

sich, wie wird das Wasser erwärmt und was

passiert mit dem Abwasser.

Ist das so eine Art Tunnelblick des Designs,

nicht im Kontext zu arbeiten?

Das sind nicht nur die Designer, sondern

auch die Industrien, die nicht vernetzt funktionieren

oder denken.

Wie ging es dann weiter?

Wir haben damals beschlossen, zwar auch

weiterhin isoliert über Dinge nachzudenken

– aber nicht mehr ausschließlich. Ich bin

dann in die Schweiz gefahren, auf die ETH

Zürich zur Eawag und habe dort die führende

Abwasserwissenschaftlerin gefragt: „Ich

bin Designer, könnt ihr uns für irgendetwas

gebrauchen?“ „Ja“, hat sie gesagt, „entwirf

ein Urinseparationsklo und schau, dass es

jemand herstellt.“

Ich habe fast zehn Jahre gebraucht, um dieses

Versprechen einzulösen – aber ich habe

es geschafft!

Glauben Sie, dass die Probleme bezüglich

Ressourcen, Klima etc, die wir haben, nicht

genügend kommuniziert werden?

Nein, am Wissen über die Probleme liegt es

nicht. Das Stickstoffproblem der Erde ist allerdings

vielleicht nicht wirklich genug bekannt,

schließlich ist es noch alarmierender

als der Klimawandel.

Wieso handeln die Menschen dann nicht

entsprechend? Sind wir zu dumm?

Eine starke Verhaltensänderung benötigt

sicherlich Courage. Niemand zerstört absichtlich

die Welt, aber unser Konsumverhalten

ist dann doch ein großes Problem. Es

braucht ein Zusammenwirken von Politik,

Industrie und natürlich Design und Architektur.

Ein nachhaltiges Abwassersystem

ist eine Infrastrukturentscheidung, keine

individuelle Konsumentscheidung. Unsere

Toilette Save! ist eine Systemkomponente

die eine nachhaltige Abwasserlösung

ermöglicht. Statt Algenteppichen im Küstenbereich

können wir mit den Nährstoffen

besser die Felder düngen! Ja, vielleicht sind

wir wirklich zu dumm, wenn wir das nicht

schnell umsetzen.

Ist dieses Gebiet der Produktentwicklung

für eine „grüne“ Zukunft, nicht auch ein riesiges

Geschäftsfeld?

Natürlich, aber Pioniere müssen auf die Ernte

manchmal länger warten. Aufgrund der

Dringlichkeit des Systemwandels sollte es

jetzt aber schneller gehen. Es gibt viel zu

tun für das Design.


architektur FACHMAGAZIN

46

Wohnkapseln

© Luca Rotondo

Die flexible Wohnkapsel –

die Architektur der Zukunft?

Der sparsame Umgang mit dem Raum ist ein neuer, wichtiger Trend in der Architektur.

Viele Planer sehen es als ihre Aufgabe an, nachhaltige und vor allem platzsparende

Lösungen für das Koexistieren des Menschen mit seiner Umwelt zu finden.

Auch steht die Architektur heute vor der Herausforderung, Bauten zu entwerfen, die

sich wechselnden Temperaturen und Witterungsbedingungen anpassen. Nicht nur

hierzulande sorgt der Klimawandel für unvorhersehbare Wetterphänomene. Folgende

Beispiele zeigen, wie sich kompakte Wohnformen auf knappem Raum realisieren

lassen und dabei trotzdem Lebensqualität bieten.

Text: Dolores Stuttner

Das Haus aus dem Drucker

Mit einem tragbaren Roboter schafften es

die Planer von Arup und CLS Architetti, ein

Haus im 3D-Druckverfahren in weniger als

einer Woche herzustellen. Präsentiert wurde

das 3D Housing 05 auf der Milan Design

Week 2019.

Es steht auf dem Piazza Cesare Beccaria in

Mailand mit einer Wohnfläche von 100 m 2

und setzt sich aus 35 Modulen zusammen.

Geschwungene Wände umschließen ein

Wohnzimmer, eine Küche, ein Schlaf- und

ein Badezimmer. Der Bau selbst besteht aus

einer Mischung aus Beton mit speziellen

Zusätzen. Ein Stapel aus sauber verarbei-

teten Schichten bildet das Mauerwerk. Die

Wände wurden vom Roboter wie Zahnpasta

aus der Maschine gedrückt. Das Ergebnis

kann sich aber sehen lassen – die daraus

entstandene Struktur ist formgebend und

verleiht dem Haus Individualität. Nur 48

Stunden dauerte der Aufbau des Gebäudes,

wobei die Konstruktion eines Mauersegments

nur eine Stunde in Anspruch

nahm. Nicht im Druckverfahren hergestellt

wurden Bestandteile wie Fenster und Türen.

Der Innenraum ist eine Mischung aus Moderne

und Minimalismus. Vergoldete und

glänzende Oberflächen samt glatten Stein-

möbeln bilden einen ansehnlichen Kontrast

zu den mattweißen, rauen Wänden. Diese

umschließen die Räume kreisförmig und

bilden dadurch eine heimelige, schützende

Hülle. Derzeit ist das Mailänder Haus aus

dem 3D-Druck noch ein Prototyp. Die Architekten

wollen die Technik derart weiterentwickeln,

dass das Konzept bald in Serie

geht. Mit ihrem Konstrukt zeigen die Planer

eine Alternative zum traditionellen Bau auf.

Auch die Herstellung von Möbeln ist mit

dieser Methode möglich.


www.architektur-online.com

47

Wohnkapseln

© Janez Martincic

Ein Pavillon für jede Klimazone

Den Prototyp für ein modulares Haus, das

sich für eine Vielzahl an Standorten und

Klimazonen eignet, entwarf die slowenische

Firma OFIS Arhitekti. Der Bau besteht

aus mehreren Modulen, die sich variabel

zusammensetzen lassen. Sie können beispielsweise

vertikal übereinander oder horizontal

angeordnet werden – damit passt

sich der Wohnbau dem Terrain und den

Witterungsbedingungen an. Das Gebäude

kann unter anderem als permanenter oder

auch als temporärer Wohn- und Aufenthaltsraum

genutzt werden. Die Basis-Einheit

ist 2,5 Meter breit, 4,5 Meter lang und

2,7 Meter hoch. Sie bietet ausreichend Platz

für ein Bett, eine Küche und ein Bad. Beim

Prototyp verfügt die Einheit über einen hölzernen

Rahmen, wobei das Material je nach

Einsatzgebiet austauschbar ist. Auch das

Innere der Module besteht fast vollständig

aus Holz. Die Einrichtung ist funktional und

bietet ausreichend Möglichkeiten zur Personalisierung.

Doch auch in Bezug auf die

Bausubstanz sind Erweiterungen und Anpassungen

möglich.

© Janez Martincic

Die Module fallen auf. Verantwortlich dafür

ist nicht zuletzt der satte Schwarzton mit

der konischen Struktur. Diese Mischung

macht es zu einer Landmarke – ganz gleich,

ob es sich im urbanen oder ländlichen Raum

befindet. Quadratische Fenster an beiden

Seiten gewähren Blicke auf die Umgebung.

Die Basis ist mit dem flächenmäßig größten

Fenster versehen, welches die Vorderseite

fast zur Gänze ausfüllt. Ansonsten sind sie

bewusst klein gehalten, um eine Überhitzung

der Module zu verhindern. In seiner

horizontalen Ausrichtung ist das modulare

Haus platzsparend. Der sparsame Umgang

mit dem Raum trifft den Zahn der Zeit. Die

Module, die allesamt aus erneuerbaren

Rohstoffen bestehen, fügen sich nahtlos

in ihre Umgebung ein und bieten trotzdem

Lebensqualität. In Ljubljana ist „The Cabin“

derzeit als temporäre Bibliothek im Einsatz.


architektur FACHMAGAZIN

48

Wohnkapseln

© oxygen

Im Einklang mit der Natur

Ein Rückzugsort inmitten der Natur ist die kompakte

Hütte Lumipod der Entwickler Lumicene. Die Bewohner

haben in ihr die Gelegenheit, Komfort auf kompaktem

Raum zu genießen. Eine große Glasfront mit

fünf Metern Durchmesser bildet das Herzstück der

Hütte. Der Bereich lässt sich öffnen und sorgt für das

Verschwimmen von Innen- und Außenbereich – die

Natur wird damit zum Wohnzimmer. Ist Privatsphäre

gewünscht, können die Bewohner die Fenster auch

ganz verschließen und sich von der Außenwelt abschirmen.

Der Grundriss der Hütte ist ein simpler Kreis mit einem

Durchmesser von nur 5,45 Meter. Auf einer Fläche

von 17 m² mit einer Höhe von 3,25 Meter wird den

Bewohnern alles zur Verfügung gestellt, was sie für

einen kurzen, komfortablen Aufenthalt brauchen. In

der Kapsel befinden sich Schlafzimmer, Toilette und

Dusche. Da die Unterseite des Gebäudes den Untergrund

nur punktuell (vier Sockel) belastet, wird dieser

nicht beeinträchtigt und die Wiese bleibt fast frei

von Druckstellen.

Außenwände aus dezent gefärbtem Holz verleihen

der Hütte ein natürliches Aussehen. Beim Innenraum

beschränkten sich die Designer ebenfalls auf

das Wesentliche. Jeder Bereich hat eine Funktion,

wobei Komfort trotzdem nicht zu kurz kommt. Minimalistisch

ist auch die Beleuchtung. Glühbirnen und

Leuchtdioden erhellen Wohnzimmer und Sanitärbereich.

Das Design fällt abgesehen davon, hell und

schlicht aus. Gerade Linien und rechte Winkel stehen

im Gegensatz zum kreisrunden Fundament. Die Konstruktion

lässt sich innerhalb von zwei Tagen zusammenbauen

und wird innerhalb von sechs Monaten an

den gewünschten Ort geliefert. Die Designer streben

derzeit eine auf Energieautarkie ausgelegte Weiterentwicklung

der Kapsel an.

© oxygen


www.architektur-online.com

49

Wohnkapseln

© Rana Rmeily

Nur ein Raum

Abseits der Öffentlichkeit liefert der Pavillon von

TheLoveTriangle einen Raum für experimentelle

Kunst und Ausstellungen. Die Planer machten aus

der abgeschiedenen Lage des Objekts eine Tugend.

So ist seine Zurückgezogenheit im libanesischen Baabdat

für den Bau identitätsstiftend. Fast unscheinbar,

aber keinesfalls unbedeutend integriert er sich

in die natürliche Umgebung. Das Design ist einfach

und das Ergebnis ein Rechteck mit 96 m² Fläche. Das

Rechteck schafft eine neutrale Grundlage für vielseitige

Nutzungen.

Pinienbäume umgeben den Bau und werden für ihn

durch die großen Fenster zu einer wichtigen Kulisse.

Die Umgebung präsentiert sich als neutraler Hintergrund

und wirkt – genauso wie der Pavillon – wie

ein unbeschriebenes Blatt Papier. Dabei reguliert

die Natur mit dem dichten Baumwuchs das Klima im

Gebäude. Sie schirmt den nach Nord-Süd ausgerichteten

Pavillon im Sommer vor intensiver Sonneneinstrahlung

ab. Im Winter trifft ihn die Sonne ungehindert

und erwärmt die Südseite. Zurückhaltung ist

auch im Innenraum Programm. Sowohl der Boden als

auch die Raumdecke wird von hellem Beton gebildet.

Dreidimensionale Strukturen an der Oberseite der

Raumdecke sorgen mit einem Wechselspiel aus Licht

und Schatten für Abwechslung.

Der Pavillon kommt ohne elektrischen Anschluss

und ohne Heizung und Warmwasser aus. Das Ziel der

Planer war es, ein Gebilde zu schaffen, dessen Bedürfnisse

die Natur erfüllt. Trotzdem wurden Grundlagen

für elektrische Installationen geschaffen. Ein

Stromaggregat müssen die Aussteller oder Künstler

selbst organisieren. Es ist für eine Vielzahl an Nutzungen

geeignet und liefert Raum für Experimente

der Kunst und Nachhaltigkeit.

© Rana Rmeily


architektur FACHMAGAZIN

50

Wohnkapseln

© Agnès Clotis

© Agnès Clotis

Flexibler Minimalismus in roher Hülle

Eine Mischung aus modernem Komfort und traditionellen

Materialien ist die vorgefertigte Hütte h-eva im Südwesten

Frankreichs. Die Architekten von Studio A6A bedienten sich

beim Bau nur einheimischer Holzarten. Um die Hölzer vor Insekten

und Witterungseinflüssen zu schützen, wurden sie im

Vorfeld mit Feuer versiegelt. Eine robuste und dunkle, beinahe

rohe Außenhaut ist das Ergebnis.

Auf 20 m² brachten die Planer die gesamte Ausstattung unter.

Sie setzt sich aus einem Ess- und Wohnzimmer, einer Küche,

einem Badezimmer und zwei Betten zusammen. Der Raum

wurde so gestaltet, dass er das tägliche Leben mit dem Außenbereich

verknüpft. Der Pavillon berührt die Erde nur leicht

und belastet den Boden möglichst wenig. Nach seiner Entfernung

lässt sich das Land schnell wieder seiner ursprünglichen

Nutzung zuführen.

Mit einem Kran lässt er sich schnell und leicht aufbauen. Der

rechteckige Grundriss nimmt wenig Platz ein und lässt sich

selbst auf knapp bemessenen Grundstücken aufstellen. Zwei

Personen haben in der Hütte Platz – er lässt sich damit sowohl

als minimalistischer Wohnraum als auch als Ferienhaus

einsetzen. Wände, Decken, Fußböden und Möbel bestehen

allesamt aus hellem Holz – sie tauchen die Räume in ein angenehmes

Licht. Man verzichtete bewusst auf aufwendige

Verzierungen und beschränkte sich beim Entwurf auf das

Wesentliche – ohne Farben und übertriebene Formensprache.

Für die Beleuchtung sorgen neben geschickt angebrachten

Lampen im Ess- und Wohnbereich, die großen, leinwandähnlichen

Fenster. Je nach Ausrichtung der mobilen Hütte dienen

sie entweder als Kulisse oder als natürliche Lichtquelle. Durch

die breite Fensterfront, die sich vollständig öffnen lässt, verwischen

sich Innen- und Außenbereich.


www.architektur-online.com

51

Wohnkapseln

© Nice Architects

Energieautarkes Ei

Smartes Design auf kompaktem Raum – mit diesen

Eigenschaften könnte das innovative Projekt eines

slowakischen Designbüros zum Vorreiter unter mobilen

Wohnlösungen werden. Denn das Objekt funktioniert

unabhängig von existierender Infrastruktur

– damit ermöglicht es auch an abgelegenen Orten

einen angenehmen Aufenthalt.

Einen Lebensraum für zwei Erwachsene bietet die

eiförmige Kapsel von nice&wise design. Das kompakte

Objekt namens „Ecocapsule“ ist dabei nicht nur

energieeffizient, sondern bietet auch Lebensqualität.

Es enthält zwei Betten, ein Bad mit Warmwasser,

eine kleine Kücheneinheit, eine trockene Toilette und

großzügigen Stauraum. Dabei verbraucht die Einheit

nur wenig Energie – den benötigten Strom bezieht

sie aus Solar-Paneelen mit 880 Watt auf dem Dach

und einem Windrad mit bis zu 750 Watt. Über die

Oberfläche wird Regenwasser gesammelt und in einem

Wassertank gespeichert. Dort steht es bei Bedarf

gefiltert zur Verfügung.

Durch ihr kompaktes Design eignet sich die Kapsel

für den mobilen Einsatz. So kann sie mitunter als Unterkunft

für Sportler sowie für Forscher dienen. Sie

lässt sich in unterschiedlichen Klimazonen aufstellen,

schützt die Bewohner vor Witterungseinflüssen

und kann leicht transportiert werden. Vier kurze Beine

verleihen ihr Standfestigkeit und verringern den

Eco-Footprint.

Die weißen Flächen bieten eine neutrale Kulisse für

die Bewohner. Dem Inneren der Kapsel verleihen sie

eine freundliche, helle Atmosphäre. Die Leuchtmittel

sind versteckt und offenbaren sich erst nach Einschalten

des Lichts. Dank der rechteckigen Fenster,

die sich an beiden Seiten des Objekts befinden, wird

der Innenraum untertags durch Tageslicht erhellt. Die

mobile Lösung bietet Bewohnern den Luxus eines Hotelzimmers,

wobei sie trotzdem Unabhängigkeit von

existierender Infrastruktur gewährt. Da das Objekt im

Hinblick auf Praktikabilität und Energieeffizienz entworfen

wurde, ist es zu 100 Prozent energieautark.

© Nice Architects


architektur FACHMAGAZIN

52

architekturszene

Hans Hollein

Architekt, Designer und Künstler

„Alles ist Architektur“ ist der Slogan, mit dem Hans Hollein in die Geschichte einging.

Tatsächlich war der Wiener nicht nur Architekt. Er wurde auch als Designer,

Aussteller und Raumkünstler angesehen. Vielseitigkeit war bei Hollein Programm.

Experimente gehörten zu seinem Tagesgeschäft. Damit schaffte er es, auch in

Bezug auf Nachhaltigkeit Akzente zu setzen. Herausragend ist dabei vor allem die

Zusammenarbeit mit Walter Pichler. Mit ihm schuf er immer wieder Situationen, die

mit der Wirkung des Raums spielten. Enge und Breite sowie Weite und Höhe machte

sich dieser Doyen der Architektur zunutze.

Text: Dolores Stuttner

Hans Hollein wurde in Wien geboren und

war in der Hauptstadt Österreichs auch zu

Hause. Da verwundert es nicht, dass viele

seiner Bauten hier zu finden sind. In Wien

gehört das 1990 eröffnete Haas Haus im

1. Wiener Gemeindebezirk wohl zu den bekanntesten

Bauten Holleins. Mit seinem

einzigartigen Stil eckte der modernistische

Bau durchaus an und sorgt noch heute für

Diskussionen. Nicht umsonst wurde das

Haas Haus als „Eckhaus der Nation“ bezeichnet.

Mittlerweile ist es mit seiner unverkennbaren

Fassade ein angesehener

Klassiker postmoderner Architektur. Seit

2012 steht das ursprünglich als Bausünde

verschriene Gebäude unter Denkmalschutz.

Bekannt war der Architekt nicht

nur in Wien. Er machte sich vor allem international

einen Namen. So entwarf er unter

anderem die amerikanische Botschaft in

Moskau, das Nationalmuseum Ägyptischer

Zivilisation in Kairo und das Museum für

Glas und Keramik in Teheran. Mit seinen

Projekten schaffte er es, die Baubranche

wieder mit Sinnlichkeit und Emotionalität

zu verknüpfen.

Geordneter Stilbruch

Drastische Effekte scheute Hans Hollein

nicht – Individualität und der Wiedererkennungswert

standen bei seinen Projekten

stets im Vordergrund. Sein Anliegen bestand

auch darin, die Bauwerke der Umgebung

anzupassen. Der Architekt und

Stadtplaner arbeitete gerne mit Bezügen

und betrachtete seine Bauwerke stets im

Kontext des bebauten Raums. Er brachte

mit seinem Spiel der Elemente Harmonie in

den Raum.

Hans Hollein, Haas-Haus, Wien, AT, 1985-1990, Baustelle 1989

Architekturzentrum Wien, Sammlung

Foto: Margherita Spiluttini

Hans Hollein plante gerne fernab der Konventionen.

Jenseits geltender Regeln wollte

er der Architektur zu neuer Blüte verhelfen.

Dafür bediente er sich schon mal gewagter

Visionen – so plante er, die Stadt Wien mit

Felsformationen zu überbauen. Letzten Endes

beschränkte sich sein Schaffen in der

Hauptstadt aber auf einzelne Gebäude –

mit seinen Maßnahmen prägte er das Ortsbild

Wiens trotzdem maßgeblich. Hollein

verewigte sich unter anderem an der Albertina.

Nach der Renovierung der grafischen

Sammlung im Jahr 2001 schrieb die Stadt

Wien einen Wettbewerb aus. Das Gebäude

© Margherita Spillutini

sollte ein neues Wahrzeichen bekommen.

Hollein hob sich mit seinem Entwurf eines

Flugdachs von seiner Konkurrenz ab. Auch

hier bediente er sich einer modernen – und

dabei nicht minder kritisierten – Form und

kreierte inmitten historischer Bauten einen

Stilbruch. Die Rampe zerteilt mit einer

Länge von 53 Metern und einer Breite von

12 Metern den Abschnitt vor dem Museum

und ragt ins Stadtgebiet hinein. Als Symbol

für Geschwindigkeit und Zukunft fungiert

das Dach nunmehr als neues Wahrzeichen

der Sammlung.


www.architektur-online.com

53

architekturszene

Das Bauwerk als Stadt im Kleinen

„Architektur ist kultisch, sie ist Mal, Symbol,

Zeichen, Expression. Architektur ist die

Kontrolle der Körperwärme – schützende

Behausung.“ Hans Hollein, 1967.

Gebäude waren für ihn nicht nur Lebensund

Arbeitsstätten. Er sah sie vielmehr als

Miniaturstädte – also als Stadt in der Stadt

– an. Daher zeichnen sich viele seiner Bauwerke

durch eine vielseitige Handschrift

sowie wechselnde Materialien auf engem

Raum aus. Zu erwähnen ist hier wiederum

das Haas Haus, an dem sich dieses Stilmittel

deutlich erkennen lässt. Aus einem Mantel

aus Quarzit und Gneis schälte Hollein

hier einen Glaskörper aus. Darüber befindet

sich eine pavillonartige Struktur. In der

glänzenden Oberfläche des Haas Hauses

spiegelt sich der Stephansdom, weshalb

sich das Konstrukt trotz seiner neumodischen

Erscheinung gut in die Wiener Innenstadt

mit ihren Altbauten integriert. Und

gerade wegen dem, auf den ersten Blick so

unterschiedlichen, Baustil sticht das Gebäude

aus seiner Umgebung heraus und ist

für die Altstadt damit identitätsstiftend.

Dass Hollein die Architektur als Kommunikationsmittel

ansah, zeigte er durch die

Realisierung von Leitsystemen. Finesse

bewies er mit seinem 1972 realisierten Orientierungssystem

im Olympiadorf in München.

Schon damals galt sein Konstrukt

aus Röhren als kommunikatives Ideal. Verschiedene

Farben, Beleuchtungen, Dia-Projektoren

und Fernsehschirme dienten der

Orientierungshilfe. Fußboden- und Infrarot-Heizung

samt Wassersprenklern erweiterten

den Komfort. Damit bewies er, dass

– zumindest für ihn selbst – Architektur

tatsächlich alles ist.

© Peter Reischer

Planungsphase noch beim Bau überließ

er etwas dem Zufall. Sogar über die Farbe

des Bauzauns und über Schriftzüge machte

er sich Gedanken. Aufschluss über den

aufwendigen Arbeitsprozess geben seine

detaillierten Studien. Sein Können als Designer

machte sich der Architekt dabei zunutze,

denn neben Häusern entwarf er auch

Details wie Türklinken und Möbel.

Nachhaltige Projekte entstanden aber auch

in der Zusammenarbeit mit Walter Pichler.

Letzterer war für seine bescheidene Lebens-

und Arbeitsweise bekannt. Die Behausungen

für seine Skulpturen schuf er

stets selbst. Dies galt auch für seine erste

Präsentationsmodell Bearbeitungsstand Frühjahr 1987

Archiv Hans Hollein, Az W und MAK, Wien

Foto: Elmar Bertsch

Ausstellung, die er 1963 mit Hollein auf die

Beine stellte. Dabei widmeten sich beide

Visionäre utopischen Architekturmodellen.

Damit waren sie auch erfolgreich – denn

einige Entwürfe wurden 1967 sogar im Museum

of Modern Art in New York gezeigt.

Die Designs bezogen sich auch hier auf die

sparsame Nutzung des Raums.

Über Hans Hollein und eines seiner bedeutendsten

Werke – das Haas Haus – informiert

das Architekturzentrum Wien seine

Besucher seit 13. Juni bis 19. August 2019

im Rahmen der Ausstellung „Hans Hollein

ausgepackt: Das Haas Haus“.

Erste Schritte in

Richtung Nachhaltigkeit

Weitaus weniger bekannt sind die „nachhaltigen“

Projekte des Planers – Begriffe

wie Aktiv- oder Passivhaus sowie Ökologie

standen für ihn nicht im Vordergrund, und

doch gibt es sie. Während er zwar nicht

klassisches „Green Building“ betrieb, verstand

er es trotzdem, die Ressourcen und

den Raum bewusst und sparsam zu nutzen.

Zeugnis dafür ist unter anderem der

erste Großbau des Architekten. Das 1982

errichtete Museum in Mönchengladbach

wurde regelrecht in einen Berg hinein komponiert

und ist ein Musterbeispiel für den

sparsamen Umgang mit Raum. Auch studierte

Hollein vor der Realisierung eines

Projekts stets die Umgebung. Weder in der


architektur FACHMAGAZIN

54

Bau & Recht

Naturalteilung durch Begründung

von Wohnungseigentum

Steht eine Liegenschaft im Eigentum mehrerer schlichter Miteigentümer, kommt

allen Miteigentümern der Besitz der gemeinschaftlichen Sache insgesamt zu. Diese

Rechtslage birgt erhebliches Konfliktpotenzial in sich, insbesondere wenn sich die

Miteigentümer nicht auf eine alle zufriedenstellende Benützungsregelung einigen

können. Eine Möglichkeit, einen solchen Konflikt zu lösen, besteht in der Begründung

von Wohnungseigentum, wodurch jedem Miteigentümer das exklusive Recht

zur Nutzung und Verfügung über ein bestimmtes Wohnungseigentumsobjekt der

Liegenschaft eingeräumt wird.

Text: Mag. Matthias Nödl, Ing. Mag. Julia Mörzinger

Die Begründung von Wohnungseigentum

erfolgt üblicherweise durch den Abschluss

eines Wohnungseigentumsvertrages zwischen

den Miteigentümern und bewirkt die

Aufteilung der Nutzungs- und Verfügungsrechte

an allen wohnungseigentumstauglichen

Objekten der Liegenschaft, sohin

an Wohnungen, sonstigen selbstständigen

Räumlichkeiten (Geschäftsräumlichkeiten,

Lager, etc.) und an Kfz-Stellplätzen. Die

zentralen Bestimmungen des Wohnungseigentumsvertrages

sind im Wohnungseigentumsgesetz

(WEG) geregelt.

Jedoch kann ein einzelner Miteigentümer

den Abschluss eines Wohnungseigentumsvertrages

verhindern, indem er seine

Zustimmung hierzu verweigert. Dies wird

insbesondere dann der Fall sein, wenn der

jeweilige Miteigentümer andere Interessen

als die Begründung von Wohnungseigentum

verfolgt, z. B. die Liegenschaft veräußern

möchte, um daraus einen Erlös zu lukrieren.

In einem solchen Fall kann für jene

Miteigentümer, welche die Begründung

von Wohnungseigentum wünschen, unter

Umständen die gerichtliche Teilung der

Liegenschaft durch Begründung von Wohnungseigentum

Abhilfe schaffen.

Die Teilung einer Liegenschaft durch Begründung

von Wohnungseigentum ist eine

Sonderform der Naturalteilung (physische

Aufteilung der Liegenschaft), welcher nach

herrschender Rechtsprechung gegenüber

der Zivilteilung (durch Veräußerung der

Liegenschaft und Aufteilung des Erlöses)

der Vorzug zu geben ist. Voraussetzung für

eine solche Naturalteilung ist zunächst die

formelle Aufhebung der Miteigentümerge-

meinschaft, die mittels Klage geltend gemacht

werden kann.

Die Miteigentümergemeinschaft wird dadurch

in eine Wohnungseigentümergemeinschaft

umgewandelt, wenn die Begründung

von Wohnungseigentum an der jeweiligen

Liegenschaft faktisch möglich und tunlich

ist. Die Naturalteilung durch Begründung

von Wohnungseigentum ist faktisch möglich

und tunlich, wenn eine ausreichende

Anzahl von Wohnungseigentumsobjekten

vorhanden ist und durch die Begründung

von Wohnungseigentum keine Wertminderung

der Liegenschaft eintritt.

In der Regel wird die Anzahl der Wohnungseigentumsobjekte

von der Rechtsprechung

als ausreichend angesehen, wenn

jeder Miteigentümer Wohnungseigentum

an einem Wohnungseigentumsobjekt erhält,

dessen Nutzwert- bzw. Mindestanteil

seinem bisherigen Miteigentumsanteil

entspricht. Wenn mehr Miteigentümer als

Wohnungseigentumsobjekte vorhanden

sind, können einzelne Miteigentümer auch

auf Liegenschaftsanteile verzichten oder

Eigentümerpartnerschaften mit anderen

Miteigentümern bilden, um die Begründung

von Wohnungseigentum zu ermöglichen.

Die Miteigentümer der jeweiligen Liegenschaft

können im Rahmen des Verfahrens

auch Teilungsvorschläge unterbreiten.

Die Zulässigkeit (Tunlichkeit) der Teilung

durch die Begründung von Wohnungseigentum

ist nicht davon abhängig, ob die

Miteigentümer über die zukünftige Gestaltung

eines oder mehrerer Wohnungseigentumsobjekte

Einigung erzielen. Vielmehr ist

die Zulässigkeit der Begründung von Wohnungseigentum

anhand des „Ist-Zustandes“

und der tatsächlichen Nutzungsverhältnisse

der Liegenschaft zu beurteilen. Eine

Wertsteigerung, die sich allenfalls künftig

realisieren lässt (z. B. durch einen Dachgeschossausbau,

Zu- oder Anbau), ist für diese

Beurteilung nicht ausschlaggebend. Das

Gericht ist bei seiner Entscheidung auch

nicht an etwaige Teilungsvorschläge der

Miteigentümer gebunden.

Für den Fall, dass die Nutzwert- bzw. Mindestanteile

von den bisherigen Miteigentumsanteilen

abweichen, lässt die Rechtsprechung

zu, dass solche Abweichungen

durch Zahlungen ausgeglichen werden.

Sind für diesen Wertausgleich jedoch unverhältnismäßig

hohe Zahlungen erforderlich,

wird die Teilung der Liegenschaft

durch Begründung von Wohnungseigentum

von der Rechtsprechung wiederum als

unzulässig erachtet. Gleiches gilt für den

Fall, dass die Realteilung unverhältnismäßig

hohe Umbau- oder Teilungskosten voraussetzt.

Der Oberste Gerichtshof hat etwa

schon eine erforderliche Ausgleichszahlung

in Höhe von 9,55 % des Verkehrswertes der

Liegenschaft als unverhältnismäßig hoch

angesehen und daher die Teilung durch

Wohnungseigentumsbegründung abgelehnt.

Eine erforderliche Ausgleichszahlung

hindert die Wohnungseigentumsbegründung

jedoch nicht, wenn der von der Anteilsminderung

betroffene Miteigentümer

auf die Ausgleichszahlung verzichtet und

mit der Verminderung seines Anteils einverstanden

ist.


www.architektur-online.com

| BA12-16G |

Bau & Recht

Facility Manager.

Eine Steuerung für alle Gewerke:

Gebäudeautomation von Beckhoff.

Die Frage der Tunlichkeit der Begründung von Wohnungseigentum

ist durch einen Vergleich des Verkehrswertes

der Liegenschaft vor der Begründung

von Wohnungseigentum mit jenem nach der Begründung

von Wohnungseigentum zu beantworten. Auch

bei daraus resultierenden Wertschwankungen lässt

die Rechtsprechung im Interesse der Begründung

von Wohnungseigentum einen Wertausgleich in Geld

zu, wiederum vorausgesetzt, dass es sich dabei nicht

um unverhältnismäßig hohe Zahlungen handelt.

Voraussetzung für die Begründung von Wohnungseigentum

ist unter anderem ein Nutzwertgutachten

und ein Gutachten über den Bestand an wohnungseigentumstauglichen

Objekten. Die Nutzwertermittlung

sowie die Erstellung der Gutachten erfolgt

durch einen für den Hochbau zuständigen Ziviltechniker

oder einen allgemein beeideten und gerichtlich

zertifizierten Sachverständigen für das Hochbauoder

Immobilienwesen. Das Gericht hat im Falle einer

auf Wohnungseigentumsbegründung ausgerichteten

Teilungsklage – aufgrund meist fehlender eigener

Fachkenntnis – einen Sachverständigen aus dem

Bereich Hochbau und/oder Immobilienwesen oder

einen Ziviltechniker mit der Nutzwertermittlung und

der Beurteilung der faktischen Möglichkeit und Tunlichkeit

der Begründung von Wohnungseigentum zu

beauftragen.

Es liegt daher vielfach am Fingerspitzengefühl des

involvierten Sachverständigen oder Ziviltechnikers,

im Rahmen der technischen Schwankungsbreiten

bei der Ermittlung der Nutzwerte und Verkehrswerte

einer Liegenschaft ein für alle Miteigentümer möglichst

ausgewogenes Ergebnis zu erzielen, wobei

insbesondere der sich ständig weiter entwickelnden

Rechtsprechung Rechnung zu tragen ist.

Auch wenn die Teilung durch Begründung von Wohnungseigentum

ein durchaus probates Mittel zur

Verhinderung einer Zivilteilung und damit verbundenen

Liegenschaftsveräußerung darstellen kann, ist

zu beachten, dass sich ein Rechtsstreit über die Teilung

einer Liegenschaft durch Begründung von Wohnungseigentum

daher als ein riskanter – auch für

den jeweiligen Sachverständigen bzw. Ziviltechniker

haftungsträchtiger – Ritt auf der Rasierklinge erweisen

kann, wenn die Aufteilung der Liegenschaft bzw.

der einzelnen Wohnungseigentumsobjekte nicht einwandfrei

und nicht ohne Wertverlust möglich ist.

www.beckhoff.at/building

Das ganze Gebäude zukunftssicher im Griff: Mit der integralen

Gebäudeautomation von Beckhoff implementieren Sie eine PC-basierte

Steuerungslösung, mit der Sie heute schon an den nachhaltigen

Betrieb von morgen denken. Alle Gewerke der TGA werden von einer

einheitlichen Hard- und Softwareplattform gesteuert: Ganz gleich, ob

es um die nutzungsgerechte Beleuchtung, die komfortable Raumautomation

oder die hocheffiziente HLK-Regelung geht. Die Steuerungslösung

besteht aus leistungsstarken Industrie-PCs, Busklemmen zur

Anbindung aller Datenpunkte und Subsysteme sowie der Automatisierungssoftware

TwinCAT. Für alle Gewerke stehen vordefinierte Softwarebausteine

zur Verfügung, die das Engineering enorm vereinfachen.

Funktionserweiterungen oder -änderungen sind jederzeit möglich. Die

Systemintegration erfolgt über die gängigen Kommunikationsstandards

Ethernet, BACnet/IP, OPC UA oder Modbus TCP.

Skalierbare Steuerungstechnik –

von der ARM-CPU bis zur

x86-CPU mit 2,3 GHz auf 4 Cores

Embedded-PCs

(ARM)

Embedded-PCs

(x86)

Industrie-PCs

(x86)


architektur FACHMAGAZIN

56

Pocket-Parks

Grüne Stadtoasen

Das Sprießen der Pocket-Parks

Brachflächen verwandeln sich in üppige Gemüsegärten, verlassene Hinterhöfe werden

zu grünen Oasen, Parkbuchten laden zum Verweilen auf buntem Stadtmobiliar

ein und aus jeder noch so kleinen nicht asphaltierten Stelle am Gehwegrand sprießen

Blumen und Kräuter. Die Sehnsucht nach dem eigenen Fleckchen Erde ist bei

den Städtern so groß wie nie. Dabei muss es nicht immer der Schrebergarten sein,

unzählige Initiativen bieten den interessierten Bürgern mittlerweile die Beteiligung

an gemeinnützigen grünen Projekten. Und wer nur zwischen den Beeten flanieren

oder bei einem gemütlichen Bier Lärm und Hektik der Stadt entfliehen möchte, auch

der ist herzlich willkommen.

Text: Linda Pezzei

Ob Wien, Berlin, Prag, London, Melbourne

oder New York, egal in welche Metropole

man dieser Tage blickt: Es grünt so grün.

Das liegt zum einen an dem kommunalen

Engagement der Städte- und Landschaftsplaner,

zum anderen an einer Vielzahl gemeinnütziger

Initiativen der Stadtbewohner

selbst. Neben offiziellen Park- und Grünflächen

werden immer mehr Brach- und

Freiflächen zur (zwischengenutzten) Spielwiese

der ambitionierten Freizeitgärtner.

Solche ehemals „toten“ Räume werden als

Pocket-Parks, also Westentaschen-Parks,

bezeichnet. Je nach Flächenangebot und

Umgebung variiert auch die Nutzung. Ob

Spielfläche, Aufenthaltsraum, Nutz- oder

Ziergarten – die liebevoll gestalteten Grünflächen

werten unsere Stadtbilder zum

Wohle aller nachhaltig auf.

Im Zuge der stetigen Verdichtung in den

städtischen Bereichen wird der Wert von

Raum an sich immer mehr anerkannt. Aber

auch die Nutzung des vorhandenen Raums

zum Wohle aller spielt eine immer größere

Rolle. Denn Freiräume bauen Barrieren

ab, vernetzen Menschen unabhängig von

gesellschaftlichen Schichten, werten die

Nachbarschaft auf, bieten aber auch Raum

zur persönlichen Entfaltung und Erholung.

Was einst als Guerilla Gardening bezeichnet

wurde, macht heute auch bei den Überlegungen

von Städteplanern und Investoren

Schule. Denn schon mit geringem finanziellen

Aufwand lassen sich beträchtliche Ergebnisse

erzielen.

Gemeinschaftlicher Selbstbau der sogenannten Laube in den Prinzessinnengärten

in Berlin. Dort finden Workshops und Events statt.

© Marco Clausen


www.architektur-online.com

57

Pocket-Parks

Ein bekanntes und etabliertes Projekt

stellen die Prinzessinnengärten in Berlin-Kreuzberg

dar. 2009, lange bevor die

Gegend um den Moritzplatz zu boomen begann,

verwandelte das Kollektiv Nomadisch

Grün gemeinsam mit Freunden, Aktivisten

und Nachbarn eine bis dahin über ein halbes

Jahrhundert lang verwilderte 6.000 m 2

große Brachfläche in eine für alle offene

Stadtoase. Seitdem sprießen biologisch

angebaute Kräuter und Gemüse in den

selbst gebauten Beeten, Bänke laden zum

Verweilen ein und man verkauft Getränke

und kleine Gerichte aus Zutaten, die der

Garten bietet. Mit der „Laube“ setzten die

Macher zudem ein architektonisches Statement.

In dem Selbstbau finden Workshops,

Versammlungen oder spontane Aktionen

statt. „Bio ist in Deutschland immer noch

ein Thema bessergestellter bürgerlicher

Milieus und immer noch mit teurerem Essen

konnotiert. Wir versuchen zu zeigen,

dass sich das Soziale und das Ökologische

nicht auseinanderdividieren lassen, dass

unsere Lebensverhältnisse auch von unserem

Verhältnis zur Natur abhängen,“ bringt

Marco Clausen, einer der Initiatoren, die

Wichtigkeit solcher Projekte auf den Punkt.

Mittlerweile gibt es allein in Berlin mehr als

113 dieser Gemeinschaftsgärten.

Prinzessinnengärten in Berlin

© Marco Clausen

Prinzessinnengärten in Berlin

© Christian Burkhard

An der Entstehung des Gemeinschaftsgartens Prazelenina in Prag wirkten

gerade die Nachbarn und zukünftigen Nutzer tatkräftig und maßgeblich mit.

© Ondřej Štindl, Prazelenina

Ein ähnliches Projekt ist der Prazelenina

Gemeinschaftsgarten im hippen Prager

Stadtteil Holešovice. Seit 2012 treffen sich

auf der ehemaligen Gewerbefläche Bürger

aller Schichten zum gemeinsamen Gärtnern.

„Lasst uns, anstatt passive Kritik zu üben an

der großen weiten Welt, aktiv in den Ereignissen

um uns herum sein“ – lautet das Credo

der Gründer. Auch bei diesem Leuchtturmprojekt

geht es um das Verständnis für

eine regionale und nachhaltige Anbauweise,

um soziokulturelle Interaktionen und um einen

besseren Klimaschutz durch die Reduktion

von CO 2 . Neben dem Gartenbaukonzept

versteht sich der Prazelenina aber auch als

Treffpunkt der Nachbarschaft, was sich in

dem bunten Veranstaltungsprogramm widerspiegelt,

das Konzerte, Filmvorführungen

unter freiem Himmel, Events für Kinder

und Flohmärkte umfasst.


architektur FACHMAGAZIN

58

Pocket-Parks

Die Grätzloase PartyZipation lädt Jung und Alt unter dem Motto “Nimm Platz & erlebe

deine Stadt” zum gemeinsamen Nutzen und Erleben des öffentlichen Raumes ein.

© Daniel Auer

Auch in Wien tut sich in diesem Bereich

eine ganze Menge. Hier sorgen sogenannte

Parklets für gute Laune. Ehemalige Parkflächen

werden in diesem Zusammenhang

durch temporäre Stadtmöbel zu Aufenthaltsorten

für Anwohner und Passanten.

Die Parkbank mit Mehrwert könnte man sagen.

Die einzelnen Installationen umfassen

Sitzgelegenheiten, Pflanzen, Beleuchtung,

Regenschutz oder Fahrradabstellmöglichkeiten.

Die Initiative CityMaking!Wien zeigt

interessierten Bürgern auf einer Onlinekarte,

wo potenzielle Parklets entstehen könnten

und animiert zur Einreichung eigener

Ideen. „Wir würden gerne neue Dynamiken

in der Stadt auslösen, indem die Bürger

einfach und kurzfristig öffentliche Räume

„buchen“ können. Das würde eine dynamische

Mitgestaltung der Stadt ermöglichen,

die sich stark von den modernen Top-down

Planungsmethoden unterscheidet,“ ist sich

der Projektgründer Juan Carlos Carvajal

Bermúdez sicher.

Seit 2015 unterstützen die Stadt Wien und

der Verein Lokale Agenda 21 Wien das Aktionsprogramm

Grätzloase, das Gruppen,

Vereine, Schulen, lokale Unternehmen oder

Einzelpersonen dazu auffordert, Ideen zur

Belebung des öffentlichen Freiraums einzureichen.

In den vergangenen vier Jahren

konnten so bereits 215 Aktionen (davon

89 Parklets) umgesetzt werden. Das Aktionsprogramm

unterstützt in diesem Zusammenhang

bei der Organisation der Bewilligungen,

bietet fachliche Beratung und

gewisse Finanzierungen.

„Viele Wienerinnen und Wiener haben ganz

konkrete Ideen, wie ihr Grätzl schöner und

belebter werden kann. Dieses enorme kreative

Potential wird mit der Aktion Grätzloase

unterstützt. Interessierte in ganz Wien werden

selbst aktiv und setzen ihre Ideen im

öffentlichen Raum um. Dabei werden BürgerInnen

zu Machern und Macherinnen und

bereichern das Leben in ihrer unmittelbaren

Nachbarschaft,“ bringt Maria Vassilakou,

Vizebürgermeisterin der Stadt Wien, den

Grundgedanken der Initiative auf den Punkt.

© Juan Carlos Carvajal Bermúdez © Juan Carlos Carvajal Bermúdez


www.architektur-online.com

59

Pocket-Parks

Die Vielzahl an bereits realisierten Projekten

zeigt ganz deutlich, dass die Bürger

durchaus interessiert sind an der Mitgestaltung

der Architektur ihrer Umwelt und sich

mit vielen kreativen Ideen ehrenamtlich in

einen aktiven Gestaltungsprozess mit einbringen

möchten.

Um es mit den Worten von Marco Clausen

auf den Punkt zu bringen: „Wir können die

Welt mit diesen kleinen Eingriffen nicht ändern,

aber wir können die Perspektive der

Menschen verschieben, indem sie am eigenen

Leib erfahren, dass es Orte gibt, die

anders sind und trotzdem funktionieren.

Die Kraft dieser Orte besteht darin, infrage

zu stellen, was uns beständig als alternativlos

präsentiert wird. Sobald die Menschen

erfahren, dass es auch anders geht, ändert

sich ihr Blick auf das Mögliche.“

© Daniel Auer

© Juan Carlos Carvajal Bermúdez

© Christian Fürthner/MA 21

© Ines Ingerle/Radlobby

© Stadtfein

© Tehilla Gitterle

© Juan Carlos Carvajal Bermúdez


architektur FACHMAGAZIN

60

Grüne Architektur

Grüne

Architektur

Veranstaltungen wie „Houston, we have a problem. Ökologie und Verantwortung“

im DAZ letzten Jahres, oder „Anthropozänkitsch: Architektur als Ersatzhandlung“

in der Gesprächsreihe „Wir müssen reden!“ zeigen, dass Handlungsbedarf besteht.

Selbst wenn noch ein unbelehrbarer, westlicher Präsident den Klimawandel leugnet.

Doch wir sollten mehr tun als nur reden!

Text: Peter Reischer

Nachhaltiges Bauen ist mehr als ein kurzfristiger

Trend: Das Berücksichtigen von

ökologischen, ökonomischen und sozialen

Faktoren beeinflusst heute maßgeblich

die Form und Funktion von Gebäuden. Die

Nutzung erneuerbarer Energien, die Verwendung

regenerativer und nachhaltiger

Materialien oder flächensparendes Bauen

sind Planungsansätze für eine zeitgemäße,

nachhaltige Architektur. Grüne Architektur

hat aber viele Gesichter – nicht nur

die einer architektonisch gebauten Substanz

– und „Green Building“ ist, durch die

sich immer deutlicher abzeichnenden Auswirkungen

des Klimawandels, unter Architekten,

Projektentwicklern und Investoren

zum geflügelten Wort geworden. Alles was

nachhaltig, ökologisch oder energiesparend

aussieht und den allgemeingültigen

Standards für umweltfreundliche Architektur

entspricht, wird unter dem Oberbegriff

der „grünen Architektur“ zusammengefasst

und vermarktet. Damit stellt sich auch die

Frage, ob das ein neues Geschäftsmodell

darstellt und ob das (moralisch) gut ist. Offenbar

kann mit der Rettung unserer Umwelt

Profit gemacht werden, eine wahrlich

schizophrene Haltung, wenn gleichzeitig

immer lamentiert wird, dass die Reduktion

des CO 2 -Ausstoßes, die nachhaltige Sanierung

von Gebäuden, die Verwendung

schadstofffreier und „fairer“ Materialien zu

viele Milliarden koste. Scheitert die Rettung

unseres Planeten am Geldmangel?

Auch die EU hat den Begriff „Grüne Architektur“

in ihrem Programm, dabei handelt es

sich allerdings um rein landwirtschaftsbezogene

Agenden der Gemeinsamen Agrarpolitik

(GAP). Jedoch gehen EU-weit wöchent-

lich am Freitag (Fridays for Future) Schüler

mittlerweile auf die Straße und demonstrieren

für den Klimaschutz. Die Initiatorin dieser

Proteste, die 16-jährige Greta Thunberg

war auch schon in Wien und hat zusammen

mit Terminator Arnold Schwarzenegger

auf dem R20 Austrian World Summit gesprochen.

Aber was werden die Politiker,

Behörden und Wirtschaftstreibenden unternehmen,

wann werden sie reagieren? Wie

weit werden oder sollen sie die Architektur,

die ja einen großen Anteil am weltweiten

CO 2 -Ausstoß hat, in die Pflicht nehmen?

Genügt es denn, Bauordnungen, Standards

und Normen zu erfüllen und nach Zertifikaten

zu streben und wie sieht eine Architektur

aus, die ein Wohnen, ein Benutzen

im Gleichgewicht mit der Umwelt zulässt?

Initiativen wie Pocket-Parks, Parklets, Urban

Gardening, Vertical Farming und viele

andere auch, zählen eindeutig zur „Grünen

Architektur“, vor allem mit ihrem Anspruch,

die Welt ein Stückchen besser zu gestalten

und die Umwelt zu schonen (siehe auch andere

Berichte in dieser Ausgabe).

Den Trend zur Grünen Architektur versinnbildlichte

in Europa lange Zeit vor allem das

Projekt Bosco Verticale vom Architekturbüro

Boeri Studio und dem Bauherrn Manfredi

Catella. Auf zwei Hochhäusern wachsen

dort ebenso viele Bäume wie auf einer

Waldfläche von 10.000 Quadratmetern –

800 Stück sind es. Jedoch bereits zwei

Jahre früher, 2012 wurde mit dem Projekt

„25 Verde“ eine Zukunftsvision von grüner

Architektur Wirklichkeit. Entworfen wurde

Caixa Forum Madrid

© Cillas


www.architektur-online.com

61

architekturszene

Casa Ojalá

© Architect Beatrice bonzanigo, IB Studio

sie vom italienischen Architekten Luciano

Pia und dieses Projekt stellen wir in einem

eigenen Bericht (Seite 80) vor.

Grüne Architektur meint sicher nicht nur

begrünte Architektur (obwohl natürlich

auch diese), auch nicht nur sogenannte

nachhaltige oder (energie)effiziente Architektur.

Vielmehr soll damit die Frage diskutiert

werden, ob und wie weit Architektur

zur Rettung der (noch) grünen Umwelt, Natur

und unseres ganzen Planeten beitragen

kann. Denn nicht alles, was vielleicht danach

aussieht, ist wirklich gut für Mensch

und Umwelt. So haben sich schon manche

hoch zertifizierte Projekte als Etikettenschwindel

herausgestellt, während umgekehrt

Gebäude, die recht konventionell wirken

(Alnatura Arbeitswelt Seite 86), höchst

effizient im Ressourcenverbrauch sind und

obendrein von einer hohen Lebensqualität

und nachhaltiger Bauweise zeugen.

Es gibt mittlerweile jede Menge von innovativen

und wirklich guten Ideen für umweltverträgliche

Architekturen. Viele davon

sind zwar als Einzelideen gut, aber in der

Masse – also bei Einbeziehung der demografischen

Veränderung und dem Wachsen

der Städte zum Beispiel – nicht durchdacht.

Daran kann man erkennen, dass das

Bewusstsein für die Notwendigkeit eines

sofortigen Handelns auch im Bereich der

Architektur, noch nicht in die Köpfe der

Menschen eingedrungen ist. Psychologen

erklären das mit dem Mechanismus, zu bedrohliche

Szenarien auszublenden und zu

verdrängen. Aber auch mit dem Gefühl der

Ohnmacht des Einzelnen.

Naturnah zeigt sich etwa die mobile Miniarchitektur

„Casa Ojalá“ der italienischen

Architektin Beatrice Bonzanigo vom Mailänder

IB Studio. Ihre Idee wurde auf der

Milan Design Week 2019 als 1:10-Modell

präsentiert. Auf 27 Quadratmetern hat sie

alles, was für eine moderne Herberge benötigt

wird, untergebracht. Der Bau enthält

verschiedenste Variationsmöglichkeiten

zur individuellen Auswahl. Sein runder

Grundriss fasst zwei Schlafzimmer, eines

mit Doppelbett, eines mit Einzelbett, ein Badezimmer,

eine Terrasse, eine Küchenzeile

und ein Wohnzimmer. Ermöglicht wird diese

Grundrissflexibilität durch ein manuell zu

bedienendes System aus Seilen, Rollen und

Kurbeln, mittels derer man das Haus den

gewünschten Bedingungen anpassen kann.

Schiebewände aus zwei verschiedenen Materialien

– zum einen aus Stoff, zum anderen

aus Holz – unterteilen den Raum dieser

off-the-grid-Wohnmöglichkeit variabel.

Ausgangspunkt der Idee war auch, wie man

mit größtmöglicher Mobilität leben und in

Architektur wohnen kann. Durch die freie

Wahl des Aufstellungsortes (totale Unabhängigkeit)

ist diese Mobilität natürlich

gegeben – aber auch ein typisches Beispiel

einer neoliberalen Geisteshaltung. Müssen

wir 100% mobil sein, was bedeutet das an

Energie, wer kann sich das leisten? Als Tourismuskonzept

für Luxusherbergen sicherlich

geeignet, jedoch zur Lösung unserer

Probleme trägt diese Idee nichts bei. Und

ob das der richtige Weg ist, mit Ressourcen

wie Landschaft, Architektur und Gemeinwohl

umzugehen, ist eine andere Frage. u

Casa Ojalá

© Architect Beatrice bonzanigo, IB Studio


architektur FACHMAGAZIN

62

architekturszene

Gardens by the Bay von Grant Associates in Singapur

Überall planen Architekten grüne Gebäude,

vor allem in den urbanen Ballungszentren.

Mit Pflanzen an Fassaden, auf Terrassen,

Balkonen und Dächern. Denn eine begrünte

Fassade reduziert die Hitze, wirkt auch

gegen städtische Hitzeinseln. Pflanzen sind

der natürlichste Schutz vor Sonneneinstrahlung

und außerdem produzieren sie

Sauerstoff.

Singapur versteht sich als „Stadt in einem

Garten“ und aus diesem Grund haben Architekturbüros

schon vor vielen Jahren

– als man in Europa noch kaum daran gedacht

hat – begonnen, die Stadt grün zu gestalten.

Pflanzen sollten möglichst in jedes

Gebäude integriert werden. Mit dem Bauen

in die Höhe wächst auch das Grün mit in die

Höhe. Neun Prozent der Landfläche Singapurs

wurden für Parks und Naturreservate

frei gehalten. Nach und nach werden diese

Gebiete miteinander verbunden, damit die

Leute überall in der Stadt im Grünen spazieren

gehen, joggen und Fahrrad fahren

können. Singapur ist die grünste Stadt Asiens

– und hat das ehrgeizige Ziel, die grünste

Stadt der Welt zu werden.

In Singapur findet man auch ungewöhnlich

viele, wie mit einer zotteligen Perücke überzogene

Bauten – sie stammen meist vom

Architekturbüro WOHA (Wong Mun Summ

und Richard Hassell). Diese Architekten

setzen neben auskragenden Fassadenelementen

vor allem Pflanzen ein. Dabei geht

es ihnen nicht um Dachgärten, die wie ein

grüner Deckel dekorativ obenauf sitzen,

sondern um kühlende Begrünungen und

Berankungen, die Teil der Gebäudestruktur

und -technik sind. Diese WOHA-Bauten lösen

sich nicht nur nach außen hin auf. Sie

sind auch im Inneren porös. Offene, luftige

Strukturen aus vielen schmalen Türmen,

offene Gänge, brücken- und balkonartige

Terrassen und in luftiger Höhe eingezogene,

sogenannte Sky Gardens machen aus

massiven Blöcken locker verhäkelte, winddurchlässige

und weitgehend natürlich gekühlte

Komplexe. So sind sie ganz anders

als der sonst in Südostasien dominierende

Wohnblocktyp, der undurchlässig gegenüber

Wind und Wetter ist und künstlich klimatisiert

werden muss.

Die „School of the Arts“ zum Beispiel, ist

eine Windmaschine, ebenfalls entworfen von

WOHA. Sie ist derart gestaltet, dass die leichten

Brisen, welche die Stadt durchziehen, in

der Architektur kanalisiert und intensiviert

werden. Die Luftdurchzugskorridore in ihrem

Inneren bieten eine angenehme, komfortable

Atmosphäre und auch Interaktionsraum

für die Nutzer. Das Design zur Windführung

und -leitung hat sich als sehr wirkungsvoll

erwiesen und sorgt für eine ständige Kühlung

im tropischen Klima der Stadt mit ihrer,

fast immer 100%igen Luftfeuchtigkeit

im Außenraum. Die Dachfläche ist als ein

großer Erholungspark gestaltet und enthält

auch eine 400 Meter lange Laufstrecke. Der

Bau wurde bereits 2007 begonnen und 2010

größtenteils fertiggestellt.

Der spezifisch tropische Hochhausbau des

Singapurer Büros orientiert sich an traditionellen

Wohnformen Südostasiens: An den

Kampongs genannten Dörfern, in denen

Bäume und große Dächer pavillonartigen

Bauten Schatten spenden, während Wände

aus mobilen, durchlässigen Paneelen und

spezielle Korridore jeden leichten Luftzug

weiterleiten und intensivieren. Einige dieser,

sogenannten passiven Ansätze für grüne

Architektur sind so alt wie die Geschichte

der Architektur selbst, andere basieren

auf allerneuesten „grünen“ Technologien.

Der amerikanische Architekturkenner Philip

Jodidio beschreibt in dem Doppelband

„100 Contemporary Green Buildings“ viele

visionäre, aber auch gebaute Entwürfe, die

sich des Einsatzes „grüner“ Technologie

bedienen. Er merkt aber auch nachdenklich

an, dass die Nebenwirkungen dieser

neuen Technologie und der eingesetzten

Produkte nicht endgültig geklärt sind und

aufgrund erheblicher Profite vielleicht nie

geklärt werden können/sollen. Es ist eine

Tatsache, dass Solarzellen Schwermetalle

enthalten und auch die Herstellung von

Biozement enorme Ressourcen verschlingt.

Ebenso meint er, dass es schon bemerkenswert

sei, dass heute wieder Architekten historische

Rückbezüge wagen und manchmal

in die Vergangenheit blicken. Wenn Gropius

von der Tabula rasa sprach, ist diese

Einstellung heute eindeutig überholt. Dass

die Baukunst heute wieder auf Jahrtausende

alte Weisheiten zurückgreift, ist ein Befreiungsschlag

vom Diktat der Technik und

wird dem Begriff und der Verbreitung der

Nachhaltigkeit und einer „Grünen Architektur“

sicherlich förderlich sein.


www.architektur-online.com

63

architekturszene

School of the Arts


architektur FACHMAGAZIN

64

Grüne Architektur

Einen Vorschlag zum Neuaufbau

des durch ein Feuer zerstörten

Daches der Notre-Dame, der

gleichzeitig eine nachahmende

oder museumsähnliche Architektur

vermeiden soll, hat Vincent

Callebaut entwickelt. Er birgt

neben ästhetischer Architektur

auch einen Weg zur Erhaltung

von Biodiversität, Urban Farming,

Nachhaltigkeit, Soziales und eine

spirituelle Komponente.


www.architektur-online.com

65

Vincent Callebaut Architectures

Ein

biomimetischer

Wald

Palingenesis / Paris / Vincent Callebaut Architectures

Renderings: Vincent Callebaut Architectures


architektur FACHMAGAZIN

66

Grüne Architektur

Am 15. April 2019 erlebten die Pariser Bürger eine

Katastrophe und die Kathedrale Notre-Dame, die seit

Jahrhunderten über die christliche und westliche

Kultur gewacht hatte, beinahe ihr Ende. Ein Feuer

zerstörte das Dach über dem Hauptschiff, ein Teil der

Gewölbe stürzte sogar ein. Das Feuer war noch kaum

gelöscht, begannen schon einige Architekten und

Büros mit der medialen Publikation von Vorschlägen

für den Wiederaufbau.

Die verschiedensten Visionen tauchten auf, von einem

Penthouse für Quasimodo, einem mehrgeschossigen

Parkhaus, einer McDonald´s Filiale bis zum

Schwimmbecken auf dem Dach der ehrwürdigen

Dame reichten sie. Stahl und Glas waren die bevorzugten

Baumaterialien der eingereichten Entwürfe.

Der französische Senat allerdings ließ verlauten,

dass die Notre-Dame in ihrem „zuletzt bekannten

Zustand wieder aufgebaut werden müsse“. Man wird

also sehen, ob sich Denkmalschützer, Konservative

und Utopisten auf einen Nenner einigen können.

Ein Vorschlag kam auch von dem – für seine utopischen

und grünen Visionen bekannten – Architekten

Vincent Callebaut. Seine Vision liegt auf jeden Fall

im Trend: Der Projektname „Palingenesis“ steht in

diesem Zusammenhang für Wiedergeburt, Wiedererschaffung

nach einer Katastrophe und würde es also

den Bewahrern recht machen. Seine Idee, das Dach

der Kathedrale mit einem naturähnlichen Wald zu

bepflanzen entspricht den derzeitigen Bemühungen

um „grüne Architektur“. Die momentane Identifikationskrise

der Kirche und die Klimakrise verlangen beide

nach Reaktionen, die in diesem Fall eine direkte

Folge der derzeitigen Herausforderungen sein können.

Die Kirche muss sich genauso wie die Architektur

neu positionieren, es kann nicht so weiter gehen

wie gehabt.

Callebaut trachtet nun in seinem Vorschlag der Rekonstruktion

der Notre-Dame sowohl Fragen der

menschlichen Intelligenz, der zeitgenössischen

Geschichte aber auch die der Wissenschaft, Kunst,

Transzendenz und Spiritualität zu vereinen. Sein Projekt

vertritt die Symbolik einer Resilienz und einer

ökologischen Zukunft in der Stadt. Er verordnet Paris

sozusagen einen Cocktail aus Biomimetik und Biomimicry,

der sich hier als allgemeine Ethik für eine faire,

symbiotische Beziehung zwischen Mensch, Stadt

und Natur offenbart.

Ein aus Ökoressourcen entstehender neuer Turm, als

Beispiel einer spirituellen Anbetung, versucht sich

mit dem ehrwürdigen, steinernen Kirchenschiff zu

verbinden, sich mit ihm wie ein vegetativer Baumsteckling

zu verschmelzen. Eine einzige gebogene

Kurve soll alles zu einer Einheit zusammenfassen –

Dach und Turm. Von den vier Giebelwänden ausgehend

gleicht sich die Konstruktion an die ehemalige

Höhe an und steigt gegen den Vierungspunkt dann

in einem 55-Grad-Winkel an, um den zentralen Turm

zu bilden. Auf diese Weise werden die vorgegebenen

Prinzipien der Lastabtragung des Bauwerks auf die

Strebebögen und die innen liegenden Pfeiler eingehalten

und die vier Dachlinien der Firste vereinen

sich in einem eleganten, parametrischen, gegen den

Himmel ragenden Turm in einer leichten Geometrie.

Die Konstruktion soll aus kreuzweise verleimten

Holzbalken, die mittels Glasfaserstäben vorgespannt

sind, errichtet werden. Das neue Rahmenwerk aus Eiche

versucht, mit einem minimalen Materialaufwand

auszukommen, um den ökologischen Fußabdruck so

gering wie möglich zu halten und gleichzeitig eine

größtmögliche Transparenz für die Kathedrale zu

generieren. Diese Durchlässigkeit, das Teilen und die

Öffnung zur Gesellschaft sind die grundlegenden Entwurfskriterien

für diesen diaphanen Wald auf der Notre-Dame

– sie sollen auch das neue Erscheinungsbild

der Kirche im 21. Jahrhundert ausmachen. u

Ulf Mejergren Arkitekter

Swimmingpool auf der Notre-Dame

whocaresdesign

Penthouse für Quasimodo


www.architektur-online.com

67

Vincent Callebaut Architectures

David Deroo

Parametrischer Wiederaufbau

Studio NAB

Bienenstöcke im Turm

© www.bnutsvisual.com


architektur FACHMAGAZIN

68

Grüne Architektur

Die ephemere Konstruktion und die im Geviert

eingesetzten Glasplatten schaffen zusätzliches

Naturlicht in dem Innenraum der Kathedrale.


www.architektur-online.com

69

Vincent Callebaut Architectures

Natürlich beinhaltet die Idee von Architekt Callebaut

auch jede Menge Effizientes zum Thema Energie.

Der Sprössling auf dem Dach soll dazu beitragen, die

Notre-Dame in ein Gebäude zu verwandeln, das mehr

Energie liefert, als sie selbst verbraucht. Durch eine

energietechnische Verbindung mit dem historischen

Körper der Architektur soll der dreidimensionale

Glaskörper die gesamte Elektrizität, Wärme und passive

Ventilation produzieren, die die Kathedrale für

den Betrieb benötigt. Und zwar sowohl mittels passiver

Systeme, wie auch durch die Benutzung erneuerbarer

Energiequellen. Die Holzkonstruktion ist mit

einer dreidimensionalen Glashülle versehen, diese

teilt sich in diamantförmige Elemente. Diese Kristalle

bestehen aus einer organisch aktiven Schicht aus

Kohlenstoff, Hydrogen, Wasserstoff und Sauerstoff –

sie absorbiert Licht und wandelt es in Energie um.

Diese Energie soll in Wasserstoffzellen gespeichert

und direkt an die Architektur zur Nutzung abgegeben

werden.

Um einen Glashauseffekt zu vermeiden sind diese

kristallinen Einheiten (Trägerhüllen) am Boden entlang

der Akroterien des Längs- und des Querschiffes

offen – so erzeugen sie einen natürlichen Luftstrom in

Richtung Turmspitze wie bei einem Windkamin. Diese

natürliche Ventilation - sie funktioniert ähnlich, wie in

einem Termitenbau - sorgt für eine exzellente Luftqualität

im Inneren. Weiters stellt der Turm der Kathedrale

in den Winterzeiten einen thermischen Pufferspeicher

für die warme, aufsteigende Luft dar. Im Sommer dient

er als Generator für frische und kühle Luft durch die

Verdunstungsoberflächen der Pflanzen. So würde der

Bau ein Musterbeispiel einer Öko-Ingenieurskunst und

die Kirche gleichzeitig ein echter Pionier für eine umweltbezogene

Resilienz werden.

In seinem Zentrum stellt das Palingenesis-Projekt einen

Garten, welcher der Kontemplation und Meditation

gewidmet ist, dar. Der Garten hat aber nicht nur

ästhetische, sondern auch ganz praktische Aspekte:

Er soll von Freiwilligen und karitativen Organisationen

betreut werden und den Obdachlosen und ärmsten

Bevölkerungsschichten der Stadt Nahrung zur Verfügung

stellen. Aquaponik und Permakulturen können

bis zu 25 Kilo Früchte pro m 2 produzieren. Also wäre

eine Ernte von bis zu 21 Tonnen Gemüse und Früchte

pro Jahr auf dieser Fläche möglich. Ein Wochenmarkt

könnte im Vorhof der Notre-Dame stattfinden und für

die direkte Verteilung sorgen. Diese urbane Farm liegt

über dem Kreuzungspunkt der Kirchenschiffe. Der

geometrische Garten „à la française“ lässt Grünpflanzen

entlang der Ost-West-Richtung wachsen und

nord-süd-gerichtet sind die Fischteiche angeordnet.

In deren Wasserfläche würden sich auch die Rosettenfenster

der beiden Stirnseiten spiegeln.

Die Öffnung in der Mitte des Gewölbes, die durch den

teilweisen Einsturz während des Feuers entstand, will

der Architekt mit Glas verschließen und so zusätzliches

natürliches Licht in die Mystik des gotischen

Innenraumes leiten. So soll eine Erinnerung an das

schreckliche Feuer und gleichzeitig eine neue „göttliche“

Atmosphäre entstehen.

(rp)


architektur FACHMAGAZIN

70

Grüne Architektur

Grüner Flughafen

Oxymoron oder Schritt in die richtige Richtung

Oslo International Airport / Gardermoen / Nordic – Office of Architecture

Fotos: Ivan Brodey, Dag Spant, Knut Ramstad


www.architektur-online.com

71

Nordic – Office of Architecture

Das Architekturbüro Nordic –

Office of Architecture machte

aus dem Lufthavn Oslo-Gardermoen

in Norwegen im Zuge einer

Sanierung und Erweiterung den

grünsten Flughafen der Welt,

ausgezeichnet mit dem BREEAM

Nachhaltigkeitszertifikat. Sie renovierten

den Bestandsbau effizient,

hielten die Distanzen trotz

Verdopplung der Nutzfläche

minimal und halbierten gleichzeitig

den Energieverbrauch.

Es scheint wie ein Oxymoron, den Dreh- und Angelpunkt

eines per se alles anderen als grünen Industriesektors,

als grün zu bezeichnen. Die Rahmenbedingungen

waren dem Architekturbüro aus Oslo bereits

bestens bekannt, da sie doch schon den Wettbewerb

zum Bau des Flughafens in den 1990er-Jahren gewonnen

hatten. Nun konnten sie auch den aktuellen

Wettbewerb zur Sanierung für sich entscheiden. Sie

widmen sich dem kontroversen Thema mit einem

Vorschlag, der behutsam an den Bestand anknüpft,

dessen Design zeitgemäß interpretiert und auf innovative,

nachhaltige Art und Weise weiterführt. Die

Sanierung und Erweiterung umfasst 52.000 m 2 , der

neue Trakt 63.000 m 2 . Damit steigert der Entwurf von

Nordic – Office of Architecture die Passagierzahl von

19 auf 30 Mio. jährlich und lässt Raum nach oben für

zukünftiges Wachstum.

Der Osloer Flughafen zeichnete sich bis dato vor

allem durch sein kompaktes Layout aus. Diese Qualität

sollte auch nach dem Umbau erhalten bleiben.

Der rechteckige Grundriss des bestehenden Traktes

erstreckt sich von Ost nach West. Während seine

südliche Längsseite zur erschließenden Straße hin

orientiert ist, reihen sich entlang der Nordfassade

die Gates aneinander. Das Hauptgebäude wurde im

Zuge der Erweiterung nach außen hin verlängert,

verändert sich in seiner ursprünglichen Form sonst

aber nicht. Den neuen Terminal dockten die Architekten

direkt an den Bestand an. So gelingt es, die

Wege, welche die Passagiere zurücklegen müssen,

trotz doppelter Nutzfläche auf maximal 500 m zu begrenzen.

Der neue, fingerförmige Trakt ist zentral an

der Nordfront positioniert und scheint seine Fühler

nach Norden auszustrecken. Er bietet auf drei Geschossen

reichlich Platz für nationale und internationale

Gates sowie die Gepäckausgabe. Das konische

Volumen weitet sich im Bereich der Schnittstelle zum

Hauptgebäude zu einer großen Ankunftshalle, in der

sich die Bahnstation befindet.

u


architektur FACHMAGAZIN

72

Grüne Architektur

Durch Stapelung der

Funktionen wird der Platz

im 300 m langen Terminal

optimal genutzt. Großflächige

Verglasungen bringen

viel Licht ins Innere

und geben den Blick auf

den Flugverkehr frei.

In seiner architektonischen Sprache orientiert sich

der neue Teil am Haupttrakt. Die Konstruktion beruht

auf mächtigen Leimbindern, ergänzt durch Stahlbetonelemente.

Diese tragen das gekrümmte Dach, das

den 300 m langen Terminal überspannt, sowie das

der mächtigen Ankunftshalle. In Letzterer bleibt die

Holzstruktur von unten frei einsehbar. Großflächige

Verglasungen formen die seitlichen Abschlüsse und

das nördliche Ende der Röhre. Sie bringen viel Tageslicht

nach innen und geben den Blick auf die ankommenden

und abfliegenden Flugzeuge vor der Kulisse

der rauen, norwegischen Landschaft frei.

Auch im Inneren folgt der Trakt der Hierarchie des

Bestands. Seine simple Form wirkt selbsterklärend

und erleichtert Lesbarkeit und Orientierung. Die Intention

der Architekten war es, die Wegführungen

für die Passagiere auch ohne exzessive Beschilderung

zu erschließen. Die Gestaltung der Innenräume

ist geprägt von lokalen Materialien. Holzoberflächen

und Marmorböden ergänzen grün bepflanzte Wände,

Wasser und Steinelemente sorgen für einen Naturund

Ortsbezug.

Seine Kompaktheit macht den Lufthavn Oslo-Gardermoen

um ein Vielfaches kosteneffizienter als

vergleichbare Projekte. Bereits im Bau reduziert die

Materialwahl den CO 2 -Verbrauch um 34%. Neben

skandinavischer Eiche kommen norwegischer Marmor,

recycelter Stahl und Vulkanasche als Betonzuschlag

zum Einsatz. Dank eines optimierten Energiekonzepts

auf Passivhausniveau ist der Flughafen

auch im Betrieb deutlich nachhaltiger.


www.architektur-online.com

73

Nordic – Office of Architecture

Dank ganzheitlicher, auf Nachhaltigkeit bedachte

Planung, bringen die Architekten Nordic – Office of

Architecture den Flughafen auf Passivhausniveau

und senken damit auch die laufenden Betriebskosten.

Die gekrümmte Geometrie des neuen Nordterminals

umschließt bei minimaler Außenhülle den

größtmöglichen Innenraum und bietet damit die geringste

Angriffsfläche für eisige Winde im Winter und

Hitze im Sommer. Ergänzend sind die Fassaden und

Dachflächen hoch isoliert und sämtliche Glasflächen

in 3-fach Verglasung ausgeführt.

u


architektur FACHMAGAZIN

74

Grüne Architektur

Die Farbe Grün hält nicht

nur in Form von nachhaltiger

Energieplanung

Einzug im Flughafen,

sondern schmückt auch

als Bepflanzung die

Wände und sorgt für ein

angenehmes Ambiente.

Diverse passive Erträge machen den Bau über weite

Strecken energieautark. Die Sonnenenergie wird

zum einen über Solarpaneele auf dem Dach, zum

anderen als natürliche Lichtquelle maximal genutzt.

Die verminderte künstliche Beleuchtung wirkt sich

zudem positiv auf die Atmosphäre der Innenräume

aus. Geheizt wird mittels Wärmerückgewinnung aus

dem Abwasser der Nachbargemeinde. Außerdem

gelingt es, die thermische Energie aus Mechanik und

Lüftung zu 83 % wieder in Wärme umzuwandeln und

somit den Primärenergiebedarf deutlich zu senken.

Zum Herzstück der ökonomischen Planung wird ein

riesiges Schneedepot. In diesem wird der in den Wintermonaten

anfallende Schnee der Start- und Landebahnen

gelagert und damit die Kühlung des Flughafens

– laut Architekten – bis in den August hinein

natürlich gespeist.

BREEAM, das britische Zertifizierungssystem für

nachhaltiges Bauen, prämiert den Lufthavn Oslo-Gardermoen

mit dem Gütesiegel „Excellent“ und

macht ihn damit zum grünsten Flughafen der Welt.

Überzeugen konnte das Projekt vor allem durch

sein ganzheitliches Konzept. Das effiziente Zusammenspiel

der einzelnen Komponenten der Energieplanung

ergänzt das Design und die Materialwahl

stimmig und sorgt somit für eine ökonomische Gesamtperformance.

Nordic – Office of Architecture erweiterten den Lufthavn

Oslo-Gardermoen zu einem überzeugenden Ensemble

aus Alt und Neu, das sich den Titel „grünster

Flughafen“ mittels intelligenter, an den Ort angepasster

Planung aus bautechnischer Sicht redlich verdient.

Über die typologische Komponente und die Industrie,

die sich hinter und vor den grünen Fassaden des Baus

abspielen, kann man natürlich diskutieren. (eo)


www.architektur-online.com

75

Nordic – Office of Architecture

New areas

Neue New areas Bereiche

Domestic

Domestic Inland

International

International

Non-Schengen

International

International

Non-Schengen

Int. Non-Schengen

Snow Schneedepot

Sunlight provides

natural light as well as heat

Sonnenlicht als Natürliche Licht- und Wärmequelle

Fernheizwerk

District heating plant

Recovered heat from

waste water

Abwasser Wärmerückgewinnung

Ground source

heat

Erdwärme

technology

Heat Wärmerückgewinnung

recovery

Oslo International Airport

Oslo-Gardermoen, Norwegen

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Avinor Oslo Lufthavn

Nordic — Office of Architecture, NSW Architects

Gudmund Stokke, Erik Urheim (PGL), Roald Sand,

Christian Henriksen, Geoffrey Clark, Ole Tørklep,

John Arne Bjerknes, Bjørn Olav Susæg,Ingrid Motzfeld,

Ivar Ivarsøy

Bebaute Fläche: 115.000 m 2

Planungsbeginn: 2009

Fertigstellung: 2017

Baukosten: 1,4 Milliarden €


architektur FACHMAGAZIN

76

Grüne Architektur

Die Verlassenheit

von Weihai

Rocknave Teahouse / Weihai, Shandong / Trace Architecture Office (TAO)

Fotos: Hua Li

Das Rocknave Teahouse

lädt Besucher des in der

chinesischen Provinz

Shandong gelegenen Tashan

Parks zum Verweilen

ein. In einem ehemaligen

Steinbruch schufen TAO

(trace architecture office)

ein zurückhaltendes Bauwerk,

das nicht nur den

Stein aus der unmittelbaren

Umgebung als authentisches

Gestaltungsmittel

in Szene setzt, sondern

auch in seinen Raumstrukturen

auf die Naturlandschaft

reagiert.

Für einen Moment scheint die Zeit im Tashan Park

stillzustehen. Die endlosen Betonblöcke der nahe gelegenen

Stadt Weihai rücken in die Ferne, der Fokus

richtet sich ganz auf die nahezu unberührt scheinende

Naturlandschaft im Hier und Jetzt. Die fruchtbare

Erde leuchtet in der warmen Sommersonne in den

verschiedensten Rottönen und bildet zu dem satten

Grün der Baumwipfel einen herrlichen Kontrast.

Erst bei näherem Hinsehen nimmt die Mischung aus

Farben und Texturen eine erkennbare Gestalt an

und vor der Kulisse einer mächtigen Steinwand lädt

eine Plattform aus rostrotem Cortenstahl zum unbeschwerten

Verweilen ein.

Das eigentliche Funktionsgebäude liegt sozusagen

eine Etage tiefer. Das in Peking ansässige Architekturbüro

Trace Architecture Office (TAO) steht für die

Architektursprache eines sich entwickelnden Organismus,

der nicht nur ein formales Objekt, sondern ein

untrennbares Ganzes mit seiner Umwelt darstellt. Folgerichtig

haben die Architekten ihre Interpretation eines

Teehauses bewusst an die bestehende Topografie

angepasst. Während die Aussichtsplattform vom Weg

aus ebenerdig über einen Steg erschlossen wird, führen

mehrere natürliche Steintreppenstufen hinab ins

Innere des Pavillons. Teehaus, WC-Anlage und Lounge

sind für die Besucher des im Nordosten Chinas gelegenen

Naturlandschaftsparks öffentlich zugänglich.

Die besondere Kulisse des Bauplatzes rührt von einem

ehemaligen Steinbruch aus den 1970er und 80er

Jahren her. Die Gegend wird in China als „Shiwozi“

bezeichnet und die lokale Regierung der Provinz

Shandong machte es sich zur Aufgabe, derartige

verlassene Felsformationen zu Parks und Naherholungsgebieten

für die Bevölkerung umzugestalten.

Die Planer von TAO erkannten von Anfang an die

einmaligen Möglichkeiten, an dieser Stelle mit der

Naturlandschaft und den vorhandenen Materialien

zu interagieren. Es ging den Architekten vielmehr


www.architektur-online.com

77

Trace Architecture Office (TAO)

darum einen Ort zu bewahren, als ein Gebäude zu

errichten. Einen Ort der „Verlassenheit“, den sich die

Natur vom Menschen langsam wieder zurückerobert

hat. „Verlassen zu sein ist in der Tat ein primitiver und

künstlerischer Zustand, der von der Natur geprägt

ist und nicht durch künstliche Werke ersetzt werden

kann”, beschreiben die Architekten das Wesen ihres

Entwurfsgedankens.

Baulich spiegelt sich das in der Positionierung des

Gebäudes wider: Das relativ flache Gelände in der

südwestlichen Ecke der ausgewiesenen Baufläche

schien den Architekten bestens geeignet, um größere

Eingriffe in die Landschaft zu vermeiden. Die Raumfolge

hingegen ergab sich aus der Horizontalen, entwickelt

ganz natürlich aus den bestehenden Felsen

und dem Baumbestand, der unbedingt erhalten werden

sollte. In der Vertikalen hatte die Topo grafie des

Geländes ein optisches Absenken des Teehauses zur

Folge, das nun verborgen zwischen rauen Felswänden

liegt und dessen Dach als Aussichtsdeck dient,

welches direkt vom Spazierweg begehbar ist.

Aufgrund der Anforderungen einer minimalinvasiven

Bauweise wurde die Konstruktion als leichter Stahlbau

aus vorgefertigten Elementen errichtet. Alle tragenden

Strukturen sind in sechs soliden Baukörpern

verborgen, sie bergen alle Funktionsbereiche wie

WC-Anlagen, Technik, Ruheraum. So gibt es keine

sichtbaren Stützen, was wiederum die Wand zum bestimmenden

Element im Raum erklärt. Als Referenz

an die Umgebung, die Geschichte und aus Respekt

für Ressourcen wurde für die Gestaltung der Wände

und Böden der Stein verwendet, der direkt aus

dem hiesigen Steinbruch stammt. Sämtliche Fenster

und Türen lassen sich in Form von Schiebeelementen

unsichtbar in den Boxen versenken. So entsteht

eine offene und durchlässige Raumfolge, welche die

Grenzen zwischen Innen und Außen, Natur und Gebautem,

verschwimmen lässt. Die schützenden, rauen

Steinwände scheinen auch vom Innenraum zum

Greifen nah und vermitteln einen höhlenartigen, fast

archetypischen Charakter.

u


architektur FACHMAGAZIN

78

Grüne Architektur

Zwei Innenhöfe zum Schutz bestehender Bäume verstärken

dieses Gefühl des Eins-Seins mit der Natur

noch. Gewohnte Denkmuster werden durchbrochen,

der Rhythmus des Wechsels von Innen- und Außenräumen

konzentriert. In seiner Reduktion steht das

Teehaus von TAO für eine moderne chinesische Architektursprache.

Die Kultur des Teehauses an sich kann im asiatischen

Raum auf eine lange historische Tradition zurückblicken.

In China im 20. Jahrhundert aus politischen

Gründen ausgebremst, erwacht dieses kulturelle

Erbe langsam wieder zu neuem Leben. Das Rocknave

Teahouse stellt in seiner Formensprache eine Besonderheit

der Teehausarchitektur dar, die in China

– im Gegensatz zu Japan – zumeist üppig verziert

zu finden ist. TAO hingegen konzentrieren sich ganz

auf die Natur, auf die Geschichte, eben jene Verlassenheit

des Ortes und verstärken diese Wirkung

noch durch den reduzierten Einsatz von Oberflächen

(Cortenstahl, Stein und Holz) und Strukturen. Im gleichen

Maße stellt die Materialwahl eine direkte und

greifbare Beziehung zur Umgebung dar, die Grenzen

zwischen Gebautem und Landschaft verschwimmen:

Das verrostete Stahldach fügt sich mit seinen schimmernden

Rottönen nahtlos in die leuchtende Erdlandschaft

ein, das Holz der Fensterrahmen nimmt

Bezug auf die umgebende Bewaldung und der Stein

könnte an eben jenen Stellen schon immer genau so

als trutzige Felswand gestanden haben.

Während im Inneren des Teehauses geborgene

Rückzugsräume gerahmt von massiven Steinwänden

und eindrucksvollen Blickwinkeln in den archaischen

Steinbruch Schwere und Erdung suggerieren,

vermittelt der Anblick aus der Ferne eine gewisse

Leichtigkeit. Die klaren horizontalen Linien des Daches

verweben sich mit den grazilen Vertikalen des

Waldes. Der massive tragende Sockel tritt aufgrund

seiner topografischen Lage optisch zurück, das Dach

hingegen erscheint nahezu schwebend, wie eine an

Fäden aufgehängte Plattform inmitten des Waldes.

Das an sich schwere Material Stahl wird so zu einem

gewissen Grad entmaterialisiert und das Gebäude

erhält eine Leichtigkeit. Dieser Eindruck verstärkt

sich noch beim Betreten der Plattform. Wie auf einem

fliegenden Deck eröffnet sich urplötzlich ein

atemberaubender Blick auf die menschengemachte

massive Felswand inmitten der Waldlandschaft des

Tashan Parks. Für die nötige Bodenhaftung bei einem

solchen Anblick sorgen die Baumwipfel, die durch die

Innenhöfe grazil nach oben wachsen und das Aussichtsdeck

in Balance halten.

Ein Ort der Verlassenheit ist auch immer ein Ort der

Zeitreise. Schließlich bedeutet verlassen zu sein, dass

einmal etwas da war. Mit diesem Gedanken im Kopf

erscheint der rostrot verwitterte Cortenstahl plötzlich

nicht mehr nur als Reminiszenz an die natürliche Umgebung,

sondern auch an die Vergänglichkeit oder die

Veränderung unserer Umgebung. Genauso wie sich

die Palisaden vor Ort nach jahrelanger Winderosion

braunrot verfärbt haben, so hat sich die Oberfläche

des Decks im Laufe der Zeit verändert. Aber nicht

nur die äußeren Schichten durchleben im Laufe der

Jahre und Jahrzehnte einen Wandel, auch Orte selbst

verändern und entwickeln sich. Und das nicht unbedingt

gegen, sondern vielmehr im Einklang mit der

Natur. Ein besonders gelungenes Beispiel dafür stellt

das Teehaus in Weihai dar, in seiner ganzen Schlichtheit

und dabei umso größeren Ausdrucksstärke. TAO

geht es eben immer um die Essenz des Ortes, welche

die Architektur unter Berücksichtigung der örtlichen

Gegebenheiten tief in ihrem kulturellen und ökologischen

Kontext verankern soll.

(lp)


www.architektur-online.com

79

Trace Architecture Office (TAO)

Rocknave Teahouse

Weihai, Shandong, China

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Weihai Bureau of Landscape and Forestry

Trace Architecture Office (TAO)

Hua Li, Jiang Nan, Liang Wenyu, Lai Erxun

Grundstücksfläche: 202 m 2

Bebaute Fläche: 141 m 2

Planungsbeginn: 2012 - 2013

Bauzeit: 2014 - 2015

Fertigstellung: 2015


architektur FACHMAGAZIN

80

Grüne Architektur

Ein Baumhaus

als urbaner Wohnraum

25 Verde / Turin, Italien / Luciano Pia

Fotos: Beppe Giardino


www.architektur-online.com

81

Luciano Pia

Das Projekt „25 Verde“

von Luciano Pia in Turin

schafft es, die Vorteile

von Stadt und Land zu

verbinden. Als urbane

Wohnform wertet es mit

seiner Fassaden- und

Dachbegrünung das

ehemalige Industrieviertel

auf. Gleichzeitig

verbessern die bis zu acht

Meter hohen Bäume das

Mikroklima im Gebäude

und im Stadtteil.

Nicht immer muss ein Baumhaus im Wald stehen. Architekt

Luciano Pia zeigt mit seinem 2012/2013 realisierten

Projekt „25 Verde“, dass es auch als urbane

Wohnform infrage kommt. Das Ergebnis kann sich

sehen lassen. Ein gekonntes Zusammenspiel aus hölzernem

Fundament und Bäumen bietet den Bewohnern

hier eine hohe Lebensqualität.

Auf den ersten Blick wirkt das Objekt, das mitten im

Industrieviertel von Turin steht, experimentell. Denn

das moderne Wohnhaus mit fünf Stockwerken besteht

fast vollständig aus Holz und beheimatet obendrein

150 Bäume an seiner Fassade. Platziert sind sie

in stabilen, großen Töpfen auf den Balkonen und am

Gerüst des Baus. Damit steht dieser in einem klaren

Kontrast zum Umfeld. Das graue Stadtviertel – früher

die Heimat der Arbeiterschicht Turins – beinhaltet

neben monotonen Wohnblöcken die Fiat-Werke

und verlassene Fabrikshallen. Aus der fantasielosen

Ansammlung von Industriehäusern sticht das Baumhaus

hervor. Architekt Pia sah es vor diesem Hintergrund

als eine Herausforderung an, ein Wohnhaus zu

errichten, in dem sich die Bewohner, abgesehen von

dessen Standort, wohlfühlen.

Mit einem richtigen Baumhaus hat das Projekt tatsächlich

wenig gemeinsam – dafür ist es zu raffiniert.

Denn der Planer berücksichtigte beim Entwurf

nicht nur umwelttechnische Aspekte. Das Haus wurde

auch im Hinblick auf die Lebensqualität und ein

harmonisches Zusammenspiel mit dem bebauten

Umfeld entworfen. Mit seinem fantasievollen Design

sticht es zwar aus der Masse hervor, wirkt aber keinesfalls

fehl am Platz.

u


architektur FACHMAGAZIN

82

Grüne Architektur

Ein lebendiger Bau

Das Gebäude setzt sich aus 63 Wohnungen zusammen.

Alle Wohneinheiten sind entweder mit einem

großen Balkon oder einer Dachterrasse ausgestattet.

Bei einer Brutto-Grundfläche von 7.500 Quadratmetern

verfügt der Bau zusätzlich über einen Innenhof

mit 1.500 Quadratmetern sowie einen Dachgarten

mit 1.200 Quadratmetern. Das Projekt fördert nicht

nur ein gutes Stadtklima, sondern hat auch einen

optischen Nutzen. Mit seinem einzigartigen, harmonischen

Aussehen wertet es das Ortsbild Turins auf

und mit seiner unverkennbaren Fassade ist es für den

Stadtteil identitätsstiftend. Die gesichtslosen Straßen

lockert der Bau mit seinen verspielten Terrassen

auf. Die mit Lärchenholz verkleidete Fassade bildet

einen Kontrast zur umliegenden Bebauung und wirkt

fast wie eine Architektur der Übertreibung. Von Pia

ist dieses Image durchaus gewollt. Als praktisch erweist

sich in diesem Kontext, dass das Gebäude und

dessen Vegetation einem steten Wandel unterworfen

sind. Die Bäume wachsen, verändern sich und lassen

die Bewohner am natürlichen Zyklus der Jahreszeiten

teilhaben. Die Konstante ist hier die Veränderung,

welche den Bau belebt und ihn zu einem bemerkenswerten

Naturschauspiel macht. Damit bereichert das

Baumhaus nicht nur seine Residenten, sondern auch

sein Umfeld.

Das Objekt ist nicht nur schön anzusehen, sondern

auch stabil. Gestützt wird das Konstrukt mit seinen

fünf Stockwerken durch eine Struktur aus Stahl. Um

den natürlichen Eindruck zu verstärken, sind die

Stahlträger in Baum-Optik gehalten. Um mit seinem

Bau einen guten energetischen Wirkungsgrad zu

erreichen, versah der Architekt das Haus mit einer

äußeren Isolationsschicht, belüfteten Wänden und

Heiz- und Kühlsystemen, die mit Grundwasser betrieben

werden. Die Grünanlagen werden durch wiederverwendetes

Regenwasser bewässert. Mit diesen

Maßnahmen erreichte er bei seinem Baumhaus eine

hohe Energieersparnis.

Derzeit gilt das urbane Baumhaus als Luxusimmobilie.

Zu erkennen ist dies vor allem am Preis. Ein Appartement

mit 110 Quadratmetern wird derzeit um

rund 600.000 Euro angeboten. In die Rubrik sozialer

Wohnbau fällt dieses Projekt damit sicherlich nicht.

Dafür sind auch die Erhaltungskosten zu hoch. Trotzdem

ist es ein wichtiges Beispiel für grüne Architektur

im urbanen Raum. Es zeigt auf, wie sich nachhaltiges

Bauen auch in dicht besiedelten Gebieten

realisieren lässt.

u


www.architektur-online.com

83

Luciano Pia


architektur FACHMAGAZIN

84

Grüne Architektur

Die Bäume im Innenhof

des Baus wirken wie eine

natürliche Klimaanlage

und kühlen den Wohnbau

an heißen Tagen.

Mitten in der Stadt – mitten in der Natur

„25 Verde“ schafft es, eine natürliche Brücke zwischen

Mensch, Stadt und Natur zu schlagen. Das

Zukunftsmodell des nachhaltigen Wohnens vereint

gekonnt die Vorteile des urbanen und des ländlichen

Umfelds. Die Vegetation an der Fassade nimmt in

der Stunde fast 200.000 Liter Kohlendioxid auf und

verbessert dadurch das Klima. Schädliche Giftstoffe,

die durch Autos in die Luft gelangen, werden durch

die Bäume absorbiert. Sie regulieren auch die Temperatur

in den Wohnräumen. Im Innenhof des Baus

wurden ebenfalls 50 Bäume gepflanzt. Dort fungieren

Sie als Klimaanlage und schaffen ein gesundes

Mikroklima. Die Bepflanzung erreicht eine Höhe zwischen

2,5 und 8 Metern. Die Auswahl der Pflanzenarten

erfolgte bewusst – der Planer setzte auf eine

ausgewogene Mischung aus verschiedenen Farben,

Blüten und Blättern. Und das Potpourri ist geglückt.

Das Bauwerk strahlt eine natürliche Atmosphäre aus

und wirkt spannend.

Durch die dicht begrünte Fassade sind die Wohnungen

vor dem Außenlärm geschützt. Die Bepflanzung

wirkt zwischen den Wohnräumen und der Straße wie

ein Puffer und sichert dadurch die Lebensqualität

der Bewohner. Auch schirmt sie intensive Sonneneinstrahlung

ab. Verlieren die Bäume im Winter ihre

Blätter, wird der natürliche Sonnenschutz lichtdurchlässig,

sodass in der kalten Jahreszeit Licht in die

Wohnungen fällt.

Die echte Wildnis können Projekte wie „25 Verde“

natürlich niemals ersetzen. Das wollen sie auch gar

nicht – begrünte Bauten können aber durchaus die

Grenze des vorherrschenden Stadtbilds versetzen

und ein neues Bild des urbanen Raums vermitteln.

Bisher wurden Wildnis und Zivilisation als Gegensätze

angesehen – also zwei Faktoren, die sich gegenseitig

ausschließen. Diese Definition gilt es, neu

zu überdenken. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass

Stadt ohne Natur nicht funktioniert. Ohne intakte

Ökosysteme gibt es weder saubere Luft noch frisches

Wasser. Die heutige Avantgarde der Baukunst

nähert Mensch und Natur einander an.

Architektur führt Mensch und Natur zusammen

Auch „25 Verde“ ist ein Beispiel für eine ausgewogene

Mischung aus Natur und Urbanität. Die Menschen

haben die Natur damit vor ihrer Haustüre und müssen

nicht erst aufs Land flüchten, um sich im Grünen

zu erholen. Das moderne Baumhaus hat damit nicht

nur als Lebens-, sondern auch als Erholungsraum

seinen Reiz. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Wohnform

langfristig durchsetzt. In Turin sorgt sie jedenfalls

für Zufriedenheit.

Italien ist für urbane Experimente offen. 2012 fasste

die grüne Architektur mit Luciano Pias Projekt in

Turin Fuß. Nur zwei Jahre darauf erfolgte in Mailand

die Realisierung des Projekts „Bosco Verticale“. Dass

ein innovatives Projekt nicht nur den Bewohnern der

Immobilie, sondern gleich der ganzen Stadt zugutekommt,

lässt sich an beiden Beispielen beobachten:

Die begrünten Hoch- und Wohnhäuser gelten als

Sensation und locken jedes Jahr viele Touristen an.

(ds)


D

131

5

4

3

2

1

1

2

3

4

5

5

4

3

2

1

SPLIT

1

2

3

4

5

5

4

3

2

1

5

4

3

2

1

C

www.architektur-online.com

85

Luciano Pia

3_D5S

IPE1

P209.1

EG OG 3

Condomino 25 Verde

Italien, Turin

Bauherr:

Planung:

Statik:

GRUPPO CORAZZA, MAINA COSTRUZIONI, DE-GA S.p.A.

Luciano Pia

Giovanni Vercelli

Grundstücksfläche: 9000 m²

Bebaute Fläche: 7500 m²

Planungsbeginn: 2007

Bauzeit:

6 Jahre

Fertigstellung: 2013

Baukosten:

22 Millionen Euro


architektur FACHMAGAZIN

86

Grüne Architektur

Zurück zur Natur

Alnatura Arbeitswelt / Darmstadt / haascookzemmrich STUDIO2050

Fotos: Roland Halbe

Die berühmte Aufforderung „Retour à la nature!“

findet sich bei Jean-Jacques Rousseau zwar nicht

wörtlich, wurde ihm aber fälschlicherweise zugeschrieben.

Der Philosoph, Naturforscher und Pädagoge

Rousseau meinte allerdings, dass, „wenn man

zu früh damit anfängt, die natürlichen Gefühle, Neigungen

und Bedürfnisse mit aufgepfropften Idealen,

anerzogenen Gewohnheiten und unverstandenen

Pflichten zu unterdrücken“ – man einen entzweiten

Menschen schüfe! Sein pädagogischer Ausgangspunkt

lag dabei auf der Bildung der Organe und Sinne

in der Erziehung. Mit dem neuen Alnatura Campus

in Darmstadt, entworfen vom Architekturbüro haascookzemmrich

STUDIO2050 auf dem Gelände der

ehemaligen Kelley-Barracks, ist eine Architektur entstanden,

welche genau diesen Kriterien gerecht wird.

Ein Bau, der alle Sinne anspricht, Nachdenken fordert

und einen neuen Weg in der Planung und Errichtung

von Architektur beschreibt. Und auch vielleicht der

ständigen Diskussion, ob „Abreißen oder Neubauen“

neue Inputs liefert.

u

Es ist kein „wildes“, ins Auge stechendes Projekt, das

die Architekten haascookzemmrich STUDIO2050 in

Darmstadt für Alnatura entworfen haben. Eher unaufgeregt,

aber von einer sehr weitreichenden und verantwortungsvollen

Konzeption geprägt, weist diese Architektur

einen neuen Weg für nachhaltiges, grünes Bauen.


www.architektur-online.com

87

haascookzemmrich STUDIO2050


architektur FACHMAGAZIN

88

Grüne Architektur

Ein ressourcenneutraler Neubau

Alnatura entwickelt Bio-Produkte und betreibt

eigene Bio-Supermärkte, liegt also im

Trend. Trendig ist auch die Architektur des

neuen Campus der Firma in Darmstadt, der

eine Arbeitswelt für (fast) alle ist: nicht nur

für Mitarbeiter, sondern auch für Besucher.

Weit weg vom üblichen Image einer grün

angehauchten Architektur. Schon beim

Eingang wird der Besucher verführt, in das

links vom Haupteingang gelegene vegetarische

Restaurant „tibits“ abzuzweigen. Widersteht

man der kulinarischen Verlockung

und geht geradeaus, gleitet der Blick über

die geschwungenen Ebenen nach oben in

ein lichtdurchflutetes Holzdach.

Man wird an einem geschwungenen, hölzernen

Empfangstresen begrüßt und darf es

sich in der Wartelounge bequem machen.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet

sich das Konferenzzentrum mit den dienenden

Funktionen wie den Garderoben und

Schließfächern. Der Übergang zwischen

öffentlichem und internem Bereich ist fließend

und fügt sich in das Gesamtkonzept

ein. Dieses zieht sich als Wegegeflecht

durch den Körper und schafft horizontale

und vertikale Nachbarschaften. Spielerisch

werden so die auf den drei Ebenen liegenden

Bürobereiche miteinander vernetzt. Es

gibt keine Barrieren. Die Arbeitswelt verliert

sich nicht in einzelnen Abteilungen,

abgeschlossenen Räumen und unübersichtlichen

Gängen: Ein großer Raum, der

sich vom Erdgeschoss bis unter das Dach

zwischen den Fassaden – ohne störende

Trennwände – aufspannt, bietet den Mitarbeitern

und dem Unternehmen eine unbegrenzte

Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten

und bricht mit dem Dogma starrer

Bürostrukturen. Auf allen Ebenen befinden

sich daher offene Teeküchen, die auch als

Besprechungsorte genutzt werden.

Der Begriff Teeküche beschreibt allerdings

diese Meeting-Points nur unzureichend. Die

Arrangements von Küchen, Holztischen,

Sesseln und Sofas wirken entspannt und

einladend und bilden eine Plattform für anregende

Treffpunkte. Hier liegt die Post bereit,

man holt sich einen Kaffee oder macht

eine Kopie. Denn es sind diese spontanen

Begegnungen, die zufälligen Impulse, die

Arbeitswelten attraktiv machen und die

Kreativität der Mitarbeiter fördern können.

Der Arbeitsplatz in der neuen Arbeitswelt

ist – überall. Vom Lümmelbrett entlang

der Galeriebrüstung, der Sitznische in den

Lehmwandfenstern, bis zum Holzdeck am

Seerosenteich gehören das Gebäude und

der Campus den Mitarbeitern. Diese flachen

Hierarchien spiegeln sich in der offenen

Struktur des neuen Hauses wieder. Ob

Restaurant, Meeting Point, Konferenzräume

oder die Bürolandschaft – es existiert

eine Vielfalt an Räumen, die eine lebendige

und flexible Arbeitsatmosphäre ermöglicht.

Konzentrierte, „private“ Arbeitsbereiche

wie die Alkoven, stehen „öffentlichen“ Flächen

gegenüber. Es gibt keine trennenden

Türen. Mit akustisch wirksamen Vorhängen

können Besprechungsbereiche bei Bedarf

abgetrennt werden. Jeder Arbeitsplatz bietet

einen besonderen Ausblick und alle Mitarbeiter

können durch das Atrium und die

Schaufassade im Westen auf den Freiraum

mit seiner vielfältigen Naturwelt blicken.

Das ganze Erdgeschoss funktioniert als

Treffpunkt, als Raum für Kommunikation,

der die unkomplizierte Begegnung von Besuchern

und Mitarbeitern ermöglicht. Wer

in das Atrium der neuen Arbeitswelt tritt,

fühlt sich beinahe wie unter freiem Himmel.

Das Dach und die transparenten Stirnfassaden

lassen so viel Sonnenlicht hereinströmen,

dass der gesamte Innenraum taghell

erleuchtet wird. Und die Materialien Holz,

Lehm und der unbehandelte Beton geben

dem Gebäude eine natürliche, unprätentiöse,

frische und freundliche Anmutung.

Das Atrium ist ein Ort, der atmen und damit

eine besondere Anziehungskraft auf alle,

die sich im Gebäude aufhalten, ausüben

soll. Es teilt den längs gerichteten Baukörper

in zwei Hälften, reicht bis zum Dach, wo

die 91,4 Meter langen Haushälften durch ein

Glasband wieder verbunden sind. Verschiedenste

Stege, geschwungene Rampen,

Treppen und Verbindungen schaffen die

kommunikative und logistische Verbindung

der beiden Bürohälften in den Geschossen.

Ganz gleich, auf welcher Ebene man sich

befindet, der Blick ist von allen Standpunkten

spannend und abwechslungsreich.

Das Tragwerk für die Holzsatteldachkonstruktion

bilden markante Brettschichtholzträger

mit einer Gesamtlänge von 22 m.

Die Trägerhöhe von 2,3 m über der Stütze

ist auf die weite Auskragung von 11,6 m zurückzuführen.

Das großzügige Raumgefühl

wird auf diese Weise unterstrichen. Aufgrund

des Standorts des Gebäudes in einer

Erdbebenzone lag besonderes Augenmerk

auf der Planung der Verbindungsdetails.

Insbesondere die Anschlussbereiche von

Oberlicht und Fassade an das Tragwerk

müssen im Erdbebenfall auftretende Differenzverformungen

aufnehmen können.

Schlichter Körper

Der äußere Eindruck ist eher seriell, eben

büro- oder verwaltungsmäßig – umso mehr

wird man im Inneren von den bewegten, geschwungenen

und ineinander verwobenen

Ebenen überrascht. Auch die Dachschrägen

bewirken nicht den üblichen begrenzenden

Eindruck, das mag an der Wärme, die das

verwendete Holz ausstrahlt, liegen, oder

auch an der Großzügigkeit der Raumgefüge.

Die Lage und die Ausrichtung des Gebäudes

sind nach mikroklimatischen Gesichtspunkten

festgelegt. Um bestmögliche

Tageslichtbedingungen im Inneren der Arbeitswelt

zu bieten, ist der Baukörper mit

seinen Längsseiten Nord/Süd orientiert.

Damit wird sichergestellt, dass durch das

Oberlichtband des Atriums reines Nordlicht

ins Gebäude geleitet wird. Ungewollte solare

Wärmeeinträge können so vermieden

werden. Um das Atrium herum gruppieren

sich auf drei Geschossen ca. 10.000 m 2

Bürofläche für bis zu 500 Mitarbeiter. Die

Geschosshöhe von 4 m im Erdgeschoss

und 3,5 m im Obergeschoss ermöglicht eine

durchgehende Tageslichtnutzung, auch in

den tiefer liegenden Bürobereichen. Helle

Oberflächen und ein heller Bodenbelag

unterstützen die tageslichtfreundliche Arbeitsatmosphäre.

Alle Fenster sind mit einem Blend- und

Sonnenschutz ausgestattet, der individuell

gesteuert werden kann. Auf der sonnenbeschienenen

Südseite des Gebäudes befindet

sich mit dem Teich ein natürlicher Klimapuffer,

der das Mikroklima des Standortes

im Sommer positiv beeinflusst. Die schönen

hohen Bestandskiefern auf der Südseite

des Gebäudes liefern im Sommer die gewünschte

Verschattung. Und natürlich wird

das Sonnenlicht über eine 480 m 2 große

Fotovoltaikanlage auf dem Dach auch zur

Energiegewinnung genutzt. An der kühleren

Nordseite befinden sich mit dem Konferenzbereich

im Erdgeschoss hingegen Räume,

welche hohe Luftwechselraten benötigen

und von der kühleren Umgebung profitieren.

Die West- und Ostseite der Arbeitswelt sind

transparent gestaltet. Ein Ausblick in beide

Welten, welche der Campus so gut miteinander

verbindet: im Westen, der Wald und die

naturnahe Umgebung, im Osten die gebaute

Umwelt und die Stadt.

u


www.architektur-online.com

89

haascookzemmrich STUDIO2050


architektur FACHMAGAZIN

90

Grüne Architektur


www.architektur-online.com

91

haascookzemmrich STUDIO2050

Frischluft aus dem Wald

Es war von Anfang an ein Planungsziel, das Gebäude

ganzjährig natürlich zu belüften und auf Ressourcen

verbrauchende und wartungsintensive Klima- und

Lüftungsgeräte zu verzichten. Der westlich gelegene

Wald bietet hierfür optimale Voraussetzungen. Im

Sommer entsteht über die Verdunstung an den Blattoberflächen

ein natürlicher Klimatisierungseffekt. Die

Frischluft für die Arbeitswelt wird daher über zwei

Ansaugtürme am Waldrand in einen Erdkanal geleitet

und von dort ins Gebäude geführt. Das Erdreich

bietet eine stabile Durchschnittstemperatur, dadurch

wird die ins Gebäude strömende Luft auf natürlichem

Wege vorkonditioniert – im Winter erwärmt und im

Hochsommer gekühlt. Die frische Luft wird im Gebäude

an den Kernen in die Geschosse geleitet. Für

den Antrieb dieses Luftstroms sorgt der Kamineffekt

des Atriums, eine Thermik, die sich unter dem Oberlichtband

einstellt. Bei besonderen Wetterereignissen,

Inversionswetterlagen und Gewittern können Ventilatoren

im Inneren des Kanals zugeschaltet werden.

Darüber hinaus können die Mitarbeiter aus Komfortgründen

die Fenster der Fassade individuell öffnen.

Erdwärme

Durch die vorkonditionierte Zuluft des Erdkanals ist

der zusätzliche Heiz- und Kühlbedarf des Gebäudes

sehr gering. Die Speichermasse der Lehmwände und

der Betondecke sorgen für ein stabiles, ausgeglichenes

Temperaturniveau. An heißen Sommertagen helfen

die extra hohen Räume und die Verdunstungskühlung

des Lehms, Wärmeinseln im Arbeitsbereich zu

vermeiden. So kommt die Architektur mit den 69 cm

dicken Lehmwänden sehr gut ohne mechanische

Kühlgeräte durch den Sommer. Im Winter braucht

es allerdings zusätzliche Wärme. Die effizienteste

Art Räume zu beheizen ist, über Strahlung Wärme

zu verbreiten. Daher sind in die Lehmwände des Gebäudes

Heizschlangen eingestampft, die mit Warmwasser

aus regenerativen Quellen wie den Geothermiesonden

und aus der Abwärmerückgewinnung der

Küchentechnik gespeist werden.

u

Helle freundliche Räume,

Holz, Lehm und viel

Naturlicht prägen diese

Architektur.


architektur FACHMAGAZIN

92

Grüne Architektur

Die Wassernutzung

Der Wechsel zwischen lang anhaltenden

Trockenphasen und plötzlichen Starkregenereignissen

ist ein weiterer Hinweis auf die

Auswirkungen des Klimawandels. Auf dem

Campus wird mit Regen und Wasser daher

sehr bewusst gewirtschaftet. Die Modellierung

des Geländes führt das Wasser gezielt

über Bachläufe und Aufkantungen weg vom

Gebäude in eine über 1000 m 3 große unterirdische

Zisterne. Auch die Dachentwässerung

mündet hier, um dann für die Bewirtschaftung

der Partner- und Schulgärten

sowie als Grauwasser gezielt genutzt zu

werden.

Die Akustik

In der Planung wurde von Anfang an ein

besonderes Augenmerk auf die Bedämpfung

unangenehm empfundener Geräuschquellen

gelegt. Um die thermische Speicherfähigkeit

der Decken und Wände nicht

zu beeinträchtigen, war der Einsatz von

Vorsatzschalen und abgehängten Decken

ausgeschlossen. Eine besondere Lösung

stellt daher der Einsatz der Absorberstreifen

in der Betondecke dar. Die geschäumte

Betonstruktur der in den Rohbau eingelegten

Fertigteile sorgt für eine wirksame Brechung

der Schallwellen und trägt wesentlich

zur Bedämpfung der Arbeitswelt bei.

Neben dieser Neuentwicklung des Fraunhofer

Instituts ist das Holzdach mit der

schallwirksamen Holzlammellendecke ein

weiterer wichtiger Baustein. Auch die hölzerne

Fensterrahmung und die Mikroperforierung

der Kernwandverkleidung wirken

dämpfend auf den Raum. Darüber hinaus

trägt die offenporige Struktur der Stampflehmwand

zu der guten Geräuschkulisse

des Hauses bei.

Renaturierung

Bei der Umgestaltung des ehemaligen Kasernenareals

wurden versiegelte Flächen,

wo immer möglich, rückgebaut und renaturiert.

Die alten Fahrbahnplatten wurden

vor Ort gebrochen und als Sitzstufen und

Bachlaufkanten oder als Füllkies direkt wiederverwertet.

Lediglich für die baurechtlich

notwendigen Stellplätze blieben die alten

Betonplatten wie vorgefunden liegen. Eingebettet

in die Dünenlandschaft, mit dem

für die Region typischen Magerrasen, befinden

sich ein Fahrradhaus aus Holz, ein

KinderNaturGarten, eine Streuobstwiese,

öffentliche Bio-Pachtgärten auf 5.000 m 2 ,

ein Schulgarten der Montessori-Schule

Darmstadt, Hochbeete, ein Naturteich,

Kräutersinnesgärten sowie ein kleines

Amphitheater aus Betonbruchstücken des

ehemaligen Panzerübungsplatzes.

Die Stampflehmfassade

In Zusammenarbeit mit Martin Rauch und

Transsolar ist eine innovative Stampflehmwand

entstanden. Die einzelnen Stampflehmblöcke

(3,5 m x 1,0 m) wurden an der

Nord- und Südfassade zu 16 je 12 m hohen

Wandscheiben geschichtet. Weltweit zum

ersten Mal wurde die Stampflehmwand

dabei mit einer geothermischen Wandheizung

belegt. Eine weitere Besonderheit ist

die Kerndämmung der direkt neben der

Baustelle vorgefertigten Stampflehm-Fertigteile:

Die 17 cm starke Dämmung besteht

aus Schaumglasschotter, einem Recyclingmaterial.

Die äußere Stampflehmschicht

ist 38 cm, die innere 14 cm dick. Insgesamt

hat der Aufbau eine Dicke von 69 cm und

erreicht einen guten U-Wert von 0,35W/

(m 2·K). Die 12 m hohen Stampflehmscheiben

sind selbsttragend und lediglich mit

Ankern an den Geschossdecken fixiert. Die

Wände enthalten nicht nur Lehm aus dem

Westerwald und Lavaschotter aus der Eifel,

sondern auch recyceltes Material aus dem

Tunnelaushub von Stuttgart 21.

Gestampfter Lehm ist sehr massiv, seine

Dichte ist mit Beton vergleichbar. Stampflehm

wirkt somit hervorragend als Speichermasse

und reguliert auf natürliche Art

und Weise die Raumluftfeuchte. Um der

Oberflächenerosion von Stampflehm entgegenzuwirken,

sind horizontale Erosionsbremsen

aus Ton und Trasskalk in einem

Abstand von 30 bis 60 cm eingebracht. Wie

eine Flussverbauung bremsen sie die Kraft

des Wassers und minimieren so die Erosion.

Die graue Energie bei der Herstellung, Verarbeitung

und dem möglichen Rückbau von

Lehm ist praktisch null. Es zeigt sich, dass

Lehm hier noch weit vor bekannten Naturprodukten

wie Holz oder Tonziegeln liegt.

Durch die Langlebigkeit des Materials, wie

auch durch die hervorragende Luftfeuchteregulation

und Wärmespeicherfähigkeit

des Lehms, entsteht ein Bau von hoher

Wertstabilität. Die Oberfläche bleibt frei von

Algen- oder Moosbildung, der Reinigungsoder

Pflegeaufwand der Fassade entfällt. Im

Inneren verbessert die poröse Oberfläche

neben dem Raumklima auch wesentlich die

Akustik der angrenzenden Bürofläche.

Klimaneutrales Gebäude

Neben den genannten Maßnahmen, beispielsweise

der Verwendung nachwachsender

und natürlicher Baustoffe wie Holz und

Lehm sowie dem Einsatz wiederverwerteter

und wiederverwendbarer Materialien, sind

es auch die vielen kleinen, kaum sichtbaren

Entscheidungen, die dazu beigetragen haben,

aus dieser Arbeitswelt ein klimaneutrales

Gebäude zu machen. (so wurde z. B.

die Dämmung des Kellers aus recyceltem

Schaumglas hergestellt).

(rp)


www.architektur-online.com

93

haascookzemmrich STUD102050

OG2

Alnatura Arbeitswelt - Grundriss OG2 1:200

Alnatura Arbeitswelt - Grundriss EG 1:200

EG

Alnatura Arbeitswelt

Darmstadt, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Campus 360 GmbH

haascookzemmrich STUDIO2050

Martin Haas (verantw. Partner), Sinan Tiryaki (Projektleiter)

Knippers Helbig, Stuttgart

Grundstücksfläche: 55.000 m 2

Bebaute Fläche: 4.000 m 2

Nutzfläche: 10.000 m 2

Planungsbeginn: 2014

Bauzeit:

2,5 Jahre

Fertigstellung: 01/2019

Baukosten:

24,3 Mio. Euro


architektur FACHMAGAZIN

94

Lehm als Baustoff

Geformt aus Erde

Als nachhaltiger und wohnbehaglicher Baustoff ist Lehm trotz eines erkennbaren

Booms seit den 80er Jahren in der Architektur noch immer weit unterschätzt.

Dabei handelt es sich bei der reichlich vorhandenen Mischung aus Sand, Schluff

und Ton um einen der ältesten Baustoffe, den die Menschheit kennt. In unseren

Breiten stammen die Lehmvorkommen zumeist aus der Eiszeit. Gestein, von Gletschern

zu Löss und Sand zerrieben, wurde durch Flüsse verfrachtet und vom Wind

zu Ablagerungen verweht.

Text: Linda Pezzei Fotos: Emanuel Dorsaz, Laura Egger

Um Lehm am Bau sinnvoll einsetzen zu

können, gilt es, dessen bauphysikalische

Eigenschaften und baubiologisches Verhalten

zu verstehen. Im feuchten Zustand

quillt Lehm und ist formbar, beim Trocknen

schwindet er und wird fest. Lehm wirkt im

Raum Luftfeuchte regulierend und konservierend

auf angrenzende Holzbauteile

(Stichwort Fachwerkbau). Kombiniert mit

der Fähigkeit Wärme zu speichern, aber

auch Gerüche und Schadstoffe zu binden,

rangiert Lehm zurecht seit mehr als 9.000

Jahren ganz oben in der Liste der beliebtesten

Baustoffe. De facto lebt auch heute

noch rund ein Drittel der Weltbevölkerung

in Lehmhäusern.

Als „gesunder” und ökologischer Baustoff

passt Lehm nebenbei perfekt in den Geist

unserer Zeit. Weiterer großer Pluspunkt:

seine Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit.

Gebrannt kommt Lehm in Form von

Ziegeln auf der Baustelle zum Einsatz. Ob

als Putz, Estrich oder Farbe, im Innen- oder

Außenraum, als technisches oder gestalterisches

Element – Lehm ist auch ohne

Brennvorgang beinahe ein Alleskönner.

Bei Gestaltern steht der Lehm in Form von

gestampften Schichten seit geraumer Zeit

hoch im Kurs. Gestampfter Lehm ist aber

nicht nur aus optischer Sicht ein echter

Hingucker, es sind allen voran die positiven

Eigenschaften im Bezug auf das Raumklima,

die überzeugen. Im Außenbereich besticht

Lehm durch seine Licht- und Farbechtheit,

die sich mit dem Alterungsprozess sogar

in ihrer Leuchtkraft noch verstärkt. Ein

Vermoosen oder Pilzbefall sind dann ausgeschlossen,

wenn die Stampflehmwände

konstruktiv witterungsgeschützt sind.

Die Lehmbauteile können bei Verwendung

des Aushubmaterials „direkt aus der Erde”

geformt werden. Erfordert eine knappe

Bauzeit den Einsatz von Fertigteilelementen,

wird Stampflehm modulweise und

vorgetrocknet in Form von individuellen

Teilelementen – auch als dünnere Stampflehmschale

– auf die Baustelle geliefert und

direkt verbaut.

Ein weiteres interessantes Anwendungsgebiet

sind Stampflehmböden. Mit ihrer

heterogenen Oberflächenerscheinung

und den vielen feinen Mikrorissen wirken

die Böden trotz ihrer extremen Härte und

Strapazierfähigkeit eher weich und lebendig.

Wird der fertige Boden mit einem

Diamantflächenschleifer leicht abgeschliffen,

entsteht ein terrazzoähnlicher Effekt.

Eine Imprägnierung mit Kasein und Wachs

macht den Boden zu einem pflegeleichten

Belag für den Wohnraum. Die Herstellung

allerdings erfordert langjährige Erfahrung,

eine Reihe an Arbeitsschritten und mehrere

Wochen Zeit.


www.architektur-online.com

95

Lehm als Baustoff

Abgesehen von der baulichen Seite, bietet

der Lehm auch eine Vielzahl an Möglichkeiten,

Wohnräume behaglich und mit einem

gesundheitlich unbedenklichen Material zu

gestalten. So lassen sich bestehende Räume

durch das nachträgliche Auftragen von

Lehmputzen einfach und kostengünstig

aufwerten: Eine verbesserte Luftfeuchteregulierung,

angenehmere Akustik und weniger

Staub sind nur einige der positiven Effekte.

Besondere Behaglichkeit bieten auch

Öfen aus Lehm. Ob als Fertigelement oder

individuell gestaltet – Lehmöfen speichern

die Wärme hervorragend und sorgen so bei

geringer Heizlast für angenehm temperierte

Wohnräume.

Zu guter Letzt lassen sich aus Lehm auch

Fliesen oder Wohngegenstände wie Waschbecken

fertigen. Verschiedene Brenntechniken

ergeben nicht nur optisch variierende

Ergebnisse, sondern machen jedes Stück

zum individuellen Objekt mit ganz eigenem

Charakter. Gerade in dieser Lebendigkeit

liegt die große Stärke des Baustoffes Lehm,

der im wahrsten Sinne des Wortes mit den

Händen greifbar ist. Erde zu Erde, wenn

man so will.


architektur FACHMAGAZIN

96

Licht

Der Stephansdom

im neuen Licht

Für die Lichtplanung „Der Stephansdom zeigt sich im neuen Licht“ wurde

podpod design im Mai 2019 vom Deutschen Lichtdesignpreis der Sonderpreis

der Jury verliehen.

Text und Fotos: podpod design – Iris und Michael Podgorschek

Der Wiener Stephansdom hat zum ersten

Mal in seiner Geschichte mit dem von

podpod design ausgearbeiteten Lichtkonzept

eine flexible und hochwertige, multifunktionale

Beleuchtung im gesamten

Innenraum erhalten. Diese Planung und

Umsetzung wurde erst durch innovative

LED-Technologie ermöglicht. Mit dem Einsatz

präziser Optiken bei guter Blendungsbegrenzung

und programmierbarer Lichtszenen

kann mit geringem Energieeinsatz

von ca. 3W/m² das gewaltige Raumvolumen

energieeffizient bespielt werden.

Licht ist Berührung

Die Planung der neuen Beleuchtung für den

Wiener Stephansdom ist sicherlich eine der

herausforderndsten Aufgaben, die sich ein

Lichtplaner wünschen kann. Im ehrwürdigen

gotischen Gemäuer mit seiner jahrhun-


www.architektur-online.com

97

Licht

dertealten Geschichte fand man eine Beleuchtung

vor, die zweckmäßig gewachsen,

aber dennoch ein fremdes Element im Raum

war. Der Vision der Planer folgend, hat man

alle störenden Lichtquellen entfernt und

Leuchten entwickelt, die dezent in den Hintergrund

treten, um nur mit ihrer Lichtwirkung

den Dom selbst in seiner Würde erlebbar

zu machen. Das präzise gelenkte Licht

berührt die Figuren und Altäre und zeigt

die gotischen Säulen erstmals in ihrer ganzen

Höhe. Es moduliert das Raumvolumen

durch die Deckenaufhellung und ermöglicht

auch funktionales Direktlicht nach unten.

Der Dom wurde ursprünglich nur durch

das, durch polychrome Glasfenster einfallende,

veränderliche Tageslicht und Kerzen

beleuchtet. So zeigte er seine mystische

Seite. Im Barock hat man ihn mit Maria-Theresien-Lustern

ausgestattet – diese waren

ursprünglich noch mit Kerzen bestückt und

wurden im Zuge der Elektrifizierung mit

Glühbirnen ausgestattet. Als Finalisierung

der neuen Beleuchtung hat man sie in diesem

Sommer gänzlich auf ästhetisch anspruchsvolle

LED-Kerzen umgerüstet.

Das Lichtkonzept

Die große Bandbreite der Nutzung (Messen,

Abendandachten, Konzerte, Führungen

oder Kunstinstallationen) erforderte

eine hohe Flexibilität. Sämtliche Leuchten

sind in LED-Technik ausgeführt und in ein

technisch komplexes, jedoch auch von Laien

leicht zu bedienendes, Lichtsteuerungssystem

eingebunden. Das Lichtkonzept

setzt sich daher aus mehreren funktionalen

Ebenen zusammen, die im Zusammenspiel

die jeweiligen Lichtszenen ergeben:

Licht zum Sehen – Grundlicht

Das Grundlicht bildet die Basis für die funktionale

Nutzung des Doms. Es dient der Orientierung

und der sicheren Bewegung im

Kirchenraum und ermöglicht die liturgische

Nutzung durch ein ausreichendes Lichtniveau

in den Bankreihen.

Licht für den Raum I – Deckenaufhellung

Die Deckenaufhellung schafft einen Ausgleich

der starken Kontraste während der

Tagesstunden, lenkt die Aufmerksamkeit

auf sehr subtile Weise und erlaubt die Veränderung

der Gewichtung des wahrgenommenen

Raumvolumens.

Licht für den Raum II – Säulenaufhellung

Die Säulenaufhellung verbindet in ihrer

Vertikalität Boden und Decke, erzeugt eine

räumliche Tiefe und schafft ein sehr ausgewogenes

Erscheinungsbild im gesamten

Innenraum.

Objektlicht – Akzentuierung

der Altäre und Figuren

Die Akzentuierung der Altäre und Figuren

zeigt erst die Vielzahl der im Kontext des

Doms bedeutenden Persönlichkeiten. Sie

ermöglicht auch die selektive Betonung von

Elementen und Themen, je nach Situation

und Zeitpunkt. Durch Licht lassen sich Altäre

für Messen aktivieren, oder in der Osterzeit

die Kreuzwegstationen sichtbar machen.

Mystisches Licht – Kerzenlicht

auf Lustern und Altären

Die Kerzenluster sind nicht nur Teil der festlich-prunkvollen

Beleuchtung, sie können

auch im Zusammenspiel mit den Altarkerzen

sehr intime, meditative und mystische

Lichtstimmungen erzeugen, die den Raum

mehr spürbar als sichtbar erscheinen lassen.


architektur FACHMAGAZIN

98

Produkt News

Licht, das Welten verbindet

In einem der Altstadthäuser in Freiburg, zwischen denkmalgeschützten Wandfresken

und bemalten Holzdecken, bietet das traditionsbewusste Schuhhaus

Lüke heute seine exquisiten Schuhmoden in einem historischen Ambiente an. Für

dieses Kleinod unter den Ladenlokalen schuf Ansorg ein einzigartiges Beleuchtungskonzept.

Es besteht nicht nur aus Licht, Leuchten und Technik, sondern

auch aus Design, Stil und Einfühlungsvermögen und weist auf die ursprüngliche

Funktion des Raums als Rittersaal hin. Bei den farblich gefassten Holzdecken

durfte es nur zu minimalen Eingriffen an der historischen Bausubstanz kommen.

Die niedrigen Rundbogen-Schaufenster erstrahlen

heute im Licht kompakt designter Leuchten. Speziell

für solche Raumsituationen hat man die Leuchte

Coray CXS entwickelt. Unter den Decken sorgen frei

dreh- und schwenkbare Leuchten für viel Flexibilität

und ein stets einheitliches Erscheinungsbild. Es

bleibt in jeder Beleuchtungssituation zurückhaltend

homogen, da für die unterschiedlichen Aufgaben lediglich

der innenliegende Reflektor angepasst werden

muss. Das Licht aus den stilvollen Deckenleuchten

lässt die Farben der Wandfresken dynamisch

erstrahlen und sorgt für blendfreie Glanzpunkte auf

dem präsentierten Schuhwerk. Sie hängen an filigranen

schwarzen Stromschienen, die sich wie dünne

Schnürsenkel über die Decke ziehen. Diese sind nur

dort, wo es die Stabilität unbedingt erfordert, in der

Holzdecke verankert, und tragen gleichzeitig die Deckenbeleuchtung.

Für den Besucher unsichtbar, verlaufen

auf ihrer Oberseite speziell an dieses Ladenlokal

angepasste LED-Streifen. Die unterschiedlichen

Farben und Muster der Decke kommen in schonendem

Licht kontrastreich zur Geltung.

Ansorg GmbH

T +49 (0)208 4846-0

info@ansorg.com

www.ansorg.com


www.architektur-online.com

99

Produkt News

Universalgenie unter

den Polstermöbeln

Mit ray soft bietet Selmer einen universell einsetzbaren Polstersessel für Restaurants,

Konferenzräume, Cafeterien und Büros. Ideal für alle, die auf ein starkes

Designstatement setzen und auf höchsten Sitzkomfort Wert legen.

Das Design von ray soft stammt aus der Feder des

legendären Designerduos jehs+laub und zeichnet

sich durch schlichte Eleganz und moderne Formgebung

aus. Dank seiner großen Vielfalt an exklusiven

Materialien lässt sich der Polstersessel individuell an

die jeweilige Architektur anpassen, ohne dabei seine

eigenständige Formensprache zu verlieren. Ziernähte

und eine umlaufende, optional auch farblich

abgesetzte, Kedernaht unterstreichen das exklusive

Understatement.

Sitzmöbel gestalten Räume entsprechend der jeweiligen

Anforderungen und unterstreichen dabei

auch die Architektur. Mit dem modularen Aufbau

der Polsterstühle ray soft ist ein harmonisches Gesamtkonzept

auch dann einfach umsetzbar, wenn

an die Sitzgelegenheiten innerhalb eines Raumes

unterschiedliche Anforderungen gestellt werden.

Drei verschieden hohe Sitzschalen können mit vier

unterschiedlichen Gestelltypen kombiniert werden.

Ob ein Vierfußgestell aus Eichenmassivholz, ein

Kufengestell aus Vollstahl oder ein Fußkreuz aus

Aluminium-Druckguss bevorzugt wird, mit ray soft

lassen sich Raumkonzepte und auch Stilrichtungen

perfekt unterstreichen.

Die schlanke Vollpolsterschale des ray soft trägt wesentlich

zur einnehmenden Optik der Stühle bei. Die

integrierten Armlehnen und die hochwertige Polsterung

sorgen aber auch für höchsten Sitzkomfort.

Deshalb ist der universal einsetzbare Polstersessel

von Selmer nicht nur in Büros und Konferenzräumen

ein beliebtes Sitzmöbel, sondern auch eine ideale

Lösung für Cafeterien und Restaurants. ray soft findet

überall seinen Platz – und lädt selbst ein, einfach

Platz zu nehmen.

Selmer GmbH

T +43 (0)6216 20210

info@selmer.at

www.selmer.at


architektur FACHMAGAZIN

100

Produkt News

Luxuriös und charakterstark

Schwarze Akzente in der Badgestaltung sind modern und wirken luxuriös. Sie

verleihen dem Bad einen designstarken Charakter. KEUCO bietet für die Badmöbel

der EDITION 11 eine neue Oberfläche in Schwarz gebürstet an, mit der besonders

schön die Armaturen und Accessoires in Schwarzchrom harmonieren.

Neben Waschtischunterschänken sind

Side boards, Hochschränke und Unterbauschränke

in der besonderen Oberfläche

erhältlich. Der edle, mattschwarze Look

strahlt eine geheimnisvolle Extravaganz

aus und gibt dem Bad gleichzeitig eine behagliche

Atmosphäre. Die haptisch ausgesprochen

angenehme, samtmatte Qualität

zeichnet sich durch besondere Unempfindlichkeit

und Pflegeleichtigkeit aus.

Die samtmatte Lackoberfläche der Möbel

mit einem leichten Metallic-Schimmer

passt perfekt zu den exklusiven IXMO-

Dusch armaturen sowie EDITION 400 und

EDITION 11 Armaturen und Accessoires

in Schwarzchrom gebürstet. Die Waschtisch-Armaturen

erhalten auf den weißen

Keramik-Waschtischen der Serie maximale

Aufmerksamkeit. Zudem bilden sie einen

eleganten Kontrast. Für ein stimmiges Bild

setzt der ROYAL LUMOS Lichtspiegel, mit

umlaufendem Rahmen in schwarz eloxiert,

ein leuchtendes Highlight. Die zwei LED-Beleuchtungs-Quellen

– Hauptbeleuchtung

und Waschtischbeleuchtung – lassen sich

über das intuitive Bedienpaneel dimmen

und in der Lichtfarbe stufenlos einstellen.

Optional ist der Spiegel mit praktischer

Spiegelheizung erhältlich. Für den letzten

Schliff der dunkel akzentuierten Badgestaltung

sorgt der iLook_move Kosmetikspiegel

ebenfalls mit schwarz gebürsteter

PVD-Oberfläche.

Abgestimmt im Design und mit durchgängig

schwarzmatten Oberflächen in metallischer

Optik entsteht eine luxuriöse

Badausstattung in der gehobenen Innenarchitektur.

KEUCO GmbH

T +43 (0)662 45 40 56-0

office@keuco.at

www.keuco.com

www.ixmo.de


www.architektur-online.com

101

Produkt News

Das Komplettbad

Der europäische Marktführer für Sanitärprodukte bietet – neben den bewährten

Systemlösungen hinter der Wand – zeitgemäßes Design vor der Wand, insbesondere

in Form von durchdachten Komplettbädern mit hohem Qualitätsanspruch.

Die neu gestaltete Badserie Geberit Smyle etwa präsentiert sich in schlanker,

eleganter, top-moderner Anmutung.

Dank einer Vielfalt an soft-organischen und soft-geometrischen

Waschtischen, WCs und Bidets sowie frei

kombinierbaren Wandablagen, Seiten-, Mittelhochund

Waschtischunterschränken kann die Komplettbad-Serie

auf eine attraktive Sortimentsbreite verweisen.

Auch farblich gibt es viel Spielraum: „Weiß

hochglänzend“, „Lava matt“, „Sandgrau hochglänzend“

und „Nussbaum hickory“ heißt hier die Qual

der Wahl. Da auch die Griffleisten die Farben der Möbelfronten

aufgreifen, ergibt sich ein bestechend elegantes

Badambiente. Keramik und Möbel sind dabei

so optimal aufeinander abgestimmt, dass die individuelle

Kombination spielend gelingt.

Die Smyle WCs und Bidets lehnen sich in ihrer Formensprache

jeweils an die Waschtische an. Neu im

Sortiment sind ein Wand-WC und Bidet mit geometrisch-geradlinigem

Design. Sie haben eine komplett

geschlossene Außenform und sind daher besonders

reinigungsfreundlich. Hygienisch und leicht sauber

zu halten ist auch das spülrandlose Innenbecken. Der

WC-Sitz ist in zwei schlanken Design-Varianten erhältlich,

wahlweise als Modell mit Absenkautomatik

oder zusätzlich mit Quick-Release-Funktion, die ein

einfaches Abnehmen ermöglicht. Mit diesen Features

stellt der Hersteller sein Markenversprechen „Design

Meets Function“ einmal mehr eindrücklich unter Beweis

und überzeugt in puncto Qualität und Optik.

Geberit Vertriebs GmbH

& Co KG

T +43 (0)2742 401 0

sales.at@geberit.com

www.geberit.at


architektur FACHMAGAZIN

102

Produkt News

Ein redesignter Longseller

Mit power #5 bringt Conform Badmöbel einen redesignten Longseller auf den Markt,

der mit einem vollkommen neuen, progressiven modularen Konzept den modernen

ästhetischen Ansprüchen und technischen Möglichkeiten angepasst wurde. Zu

erwarten ist ein eigenständiges, äußerst vielseitiges Planungsprogramm mit neuen

architektonischen Formen und praktischer Funktionalität im unteren bis mittleren

Preissegment, mit klarer Linienführung – präzise, funktionell und ausdrucksstark.

Stilprägend sind die neuen Keramik-Waschtische sowie

ein variantenreiches Allover-Spiel mit offenen und

geschlossenen Flächen. Die Waschtische bilden eine

prägnante Beckenkumme, die durch einen ultradünnen

Rand gefasst ist und sind in Einzel- und Doppelausführung,

jeweils mit durchgängigem Becken sowie

symmetrischen und asymmetrischen Formen mit

großzügigen Seiten- und Mittelablagen erhältlich. Die

charakteristische Formensprache von power #5 zeigt

sich in variantenreichen Schrankmöbeln mit offenen

Seiten- und Frontregalen, die ein Maximum an Stauraum

und Präsentationsfläche bieten. Dass die serientypischen

Eigenschaften von Leichtigkeit, Eleganz

und Variabilität auch die weitere Waschplatzausstattung

kennzeichnen, zeigt sich beispielsweise an den

Spiegelschränken: 15 verschiedene Lösungen, symmetrische

und asymmetrische Formen, klassischer Spiegelschrank

oder dreidimensionaler Leuchtspiegel, mit

oder ohne Regale und ein smartes Beleuchtungskonzept,

das sowohl Raum als auch Regale spannungsreich

illuminiert.

Das umfangreiche Neuheiten-Programm wurde erstmalig

heuer auf der Energiesparmesse Wels vorgestellt.

Auf einem großen Gemeinschaftsstand mit den

Traditionsunternehmen Hansgrohe und Artweger

zeigte der Produzent in zehn attraktiven Kojen einen

repräsentativen Querschnitt aus der Kollektion 2019.

Messe-Highlights waren neben der programmatischen

Serie power #5 auch die mehrfach prämierten

Designserien Foqus, Xanadu und TiAmo sowie die

Kollektion Riva_Hotel, die nun authentische Formen

mit innovativen, natürlichen Oberflächen aus Heu und

Heublumen verbindet. Mit einem neuen Messekonzept,

das neben dem Fachpublikum auch verstärkt

den privaten Besucher einbezieht, hat man vielfältige

Anstrengungen unternommen, um die bisher bereits

äußerst erfolgreichen Auftritte auf Österreichs wichtigster

SHK Messe zu toppen.

CONform Badmöbel GmbH

T +43 (0)5412 63493

office@conformbad.at

www.conformbad.at

www.conform-partnersystem.com


www.architektur-online.com

103

Produkt News

Spektakulär in Form und Format

Ohne Anfang und Ende, ohne Ecken und Kanten: Der Kreis ist die vollkommenste

und ausgewogenste Figur in der Geometrie. Bei den neuen Badewannen

BettePond und BettePond Silhouette kombiniert Bette diese perfekte, puristische

Form mit dem perfekten Material im Bad – dem glasierten Titan-Stahl.

Entworfen wurde die kreisrunde Badewanne von

Dominik Tesseraux (Tesseraux + Partner, Potsdam)

als Reminiszenz an die Ursprungsform des Wannenbades,

den Badezuber. Mit einem Durchmesser von

großzügigen 150 Zentimetern, die sich bequem in

jede Richtung nutzen lassen, ist die runde Badewanne

der ideale Ort für Muße und Entschleunigung im

Alltag – und ein echter Ruhepol im Bad. Der Kreis ist

ein Ursymbol der Menschheit und steht für Harmonie,

Unendlichkeit und Eins-Sein und das beschreibt

das Erlebnis beim Baden sehr treffend: Denn beim

Entspannen im warmen Wasser bleibt die Zeit beinahe

stehen und wir finden zu uns selbst.

Je nach Raumarchitektur und Platz kann die Wanne

entweder frei stehend oder als Einbauversion zum

Einsatz kommen. Die frei stehende Version trägt den

Namenszusatz Silhouette und bietet sich als ein bewusst

eingesetztes Stilmittel in der Badarchitektur

an, deren Wirkung sie unterstützen oder zu der sie

einen Kontrapunkt setzen kann. Allein schon durch

ihre schiere Präsenz, die sich aus dem Volumen des

zylindrischen Körpers, dem edlen Material und der

makellosen, brillanten Oberfläche speist, zieht sie

bewundernde Blicke auf sich und lenkt die Blickrichtung

im Bad – das Wannenbad wird zur Bühne.

Um das einladende Rund aus glasiertem Titan-Stahl

zu realisieren, war Meisterschaft in der Produktion

gefordert. In seiner Reduktion wirkt der Kreis als

Form zwar simpel, die Herstellung einer Badewanne

aus dem robusten Werkstoff fordert jedoch profundes

Material- und Fertigungs-Know-how. Eine runde

Form mit einem Durchmesser von 150 Zentimetern

und die fugenlose Verbindung von innerer und äußerer

Form erfordert ein hohes Maß an Kunstfertigkeit

in der Verarbeitung von glasiertem Titan-Stahl. Das

absolut hygienische Material ist nicht nur äußerst

langlebig, sondern zeichnet sich durch seine hautsympathischen

Eigenschaften, dauerhafte Farbbeständigkeit

und Unempfindlichkeit gegenüber Kosmetika

und Badezusätzen aus.

Bette GmbH & Co. KG

T +49 (0)5250 511-0

architektur@bette.de

www.bette.de


architektur FACHMAGAZIN

104

Produkt News

Matte Optik, natürliche Haptik

Mit dem innovativen Material DUSCHOLUX Bestone erfüllt die neue Rechteckwanne

Formia höchste Ansprüche an geradliniges Design und Komfort. Ob als

frei stehende Variante oder mit Wandanschluss – sie überzeugt mit matter Optik,

natürlicher Haptik und einem mittigen, bündig abgedeckten Ablauf.

Dieses Material sorgt auch bei den analog entwickelten

Duschböden Savona für ein angenehmes

Gefühl und einen sicheren Stand. Der flache Duschboden

besitzt eine Ablaufabdeckung in Wannenfarbe

und wird in vielen gängigen Größen in den

Farbnuancen Weiß und Zement Grau gefertigt.

Die glatte, antibakterielle Oberfläche ist einfach zu

reinigen und die Rutschsicherheit nach DIN 51097,

Klasse C ist auch gewährleistet. Ebenso ist das Produkt

chemikalienresistent nach DIN EN 14527 und

temperaturschockresistent nach DIN EN 14527.

Die rahmenlose und mehrfach ausgezeichnete Duschwand

Colletion 3 wird neu in der Variante Collection

3C angeboten. Mit DUSCHOLUX CareTec

Pro veredelt und innenbündige geschraubte Scharniere

sind besonders reinigungsfreundlich und

bieten Einstellmöglichkeiten, zusätzliche Verbauvarianten

auch mit Spiegelglas. Standard-Glashöhe

2000 mm bis 2200 ist auch in Kombination mit

Unterputz-Profilen möglich. Durch das neue Glas-

Glas-Scharnier sind Sondergrößen und zusätzliche

Verbauvarianten möglich.

Duscholux GmbH & Co. KG

T +43 7221 708 0

duscholux@duscholux.at

www.duscholux.at


www.architektur-online.com

105

Produkt News

TECTUS® Glas

Ganzheitliches

Beschlagsystem für

Ganzglastüren

Dampfbad mit System

Den individuellen Dampfbadbau mit System revolutioniert Repabad und

bietet ohne vorheriges Aufmaß individuelle maßgefertigte Dampfbäder

an. Tonangebend sind die Dampfpaneele Atlanta, Malta, Ventura und

Malmö. Sie bringen gewohnt starke Dampfbadleistung und Qualität ins

Bad. Egal ob Ecke oder Nische von 90 x 90 cm bis zu 150 x 150 cm lassen

sich die Dampfbad Systeme ohne vorheriges Aufmaß einfach einbauen.

Wandanschlussprofile ermöglichen einen Toleranzausgleich von bis

zu +/- 8 mm, sollten nach Verlegen des Wandbelags Korrekturen nötig

sein. Die Dampfbadhöhe ist fest vorgegeben. Bei der Generatorleistung

kann zwischen 3,2 kW, 4 kW und 6 kW gewählt werden. Bei Atlanta, Malta

und Malmö werden die Armaturen bauseits gestellt. Ventura wird als

Komplettpaket inklusive Armatur geliefert. Alle Dampfbadoptionen wie

Infrarot, Sole, Farblicht- oder Aromatherapie sowie Nebeldüsen sind

möglich und über die integrierten Bedienfelder intuitiv steuerbar. Ein ans

Abwasser angeschlossenes integriertes Entkalkungssystem ist bei allen

Dampfbädern Standard. Die Glasfront der Dampfbadpaneele ist in den

Farben Dark Black, Obscure, Snow, Pearl, Coffee sowie auf Wunsch in allen

RAL Tönen lieferbar. Beim Dampfbad Malmö wird die Dampfbadtechnik

außerhalb der Dampfdusche platziert und der Generator vormontiert

inklusive Abdeckhaube geliefert.

repaBAD GmbH

T +43 (0)800 29 35 18

info@repabad.com

www.repabad.com

Ihr Kontakt

Alexander Moser

+43 664 / 167 2514

www.tectus-glas.de


architektur FACHMAGAZIN

106

Produkt News

Hotelumbau

und Brandschutz

Auf über 1.700 Metern Seehöhe, mitten im Skigebiet am Arlberg, befindet sich

das Vier Sterne Superior Hotel Goldener Berg. Das Stammhaus wurde 1930 am

Standort eines mittelalterlichen Bergbauernhofes errichtet und seitdem mehrfach

umgebaut. 2018 standen das Interiordesign von zwölf Zimmern und Suiten

inklusive der Erschließungswege sowie die Neugestaltung der Baukörper mit

ihren Fassaden auf dem Programm. Wesentliche Aufgabe waren dabei auch die

thermische Sanierung des gesamten Hauses und die Umsetzung eines zeitgemäßen

Brandschutzkonzepts. Wir sprachen mit Architekt Christian Prasser von cp

architektur über aktuelle Anforderungen, Planungstipps und konkrete Maßnahmen

zum Brandschutz im Hotel Goldener Berg.

Wann haben Sie mit der Planung des

Umbaus begonnen?

Der jüngste Relaunch in Kooperation mit

cp architektur erfolgte in zwei Phasen. Die

erste Bauphase erstreckte sich vom Planungsbeginn

im Jänner 2013 bis zur Fertigstellung

im Juni 2014. Die zweite Bauphase

rund um Brandschutz und thermische Sanierung

begann mit der Planung ab Juni

2017 und wurde Anfang 2019 fertiggestellt.

Inwieweit wurde die Historie des Hauses

berücksichtigt?

Bewusst werden die Gestaltungselemente

der verschiedenen Bauphasen des Goldenen

Bergs zitiert und wieder aufgenommen.

Bilder an die 30er- und 60er-Jahre werden

geweckt, als der Goldene Berg in Oberlech

zu den Pionieren der alpinen Hotelarchitektur

gehörte. Als Elemente der traditionellen

Alpinarchitektur werden auch die weit

vorkragenden Dachflächen durch vertikale

Schrägbalken gestützt.

Wie hat sich das Design des Hauses

im Innenbereich verändert?

Im Inneren wurde der Bestand saniert und

bekam durch neue Gestaltungselemente ein

zeitgemäßes Erscheinungsbild. Entlang der

Gänge erstreckt sich zum Beispiel als hochgezogene

Sockelleiste das abstrahierte Lecher

Bergpanorama.

Ergaben sich dabei auch Synergien in

Bezug auf den Brandschutz?

Ja, zum Beispiel bei der Neugestaltung der

Erschließungswege. Die neue indirekte Be-

leuchtung in den Gängen ermöglichte etwa

die Installierung einer Kabeltrasse, in der die

Brandmeldeanlage aller Bestandszimmer

geführt wird.

Inwieweit spielt der Brandschutz bei

Umbauten eine Rolle?

Es ist ganz klar, dass in den Brandschutz

laufend nachinvestiert werden soll, bzw.

Gebäude bewusst überprüft werden sollten,

damit die Sicherheit für Gäste und MitarbeiterInnen

bestmöglich gewahrt bleibt.

Gerade im Bestand wird zumeist in der Hotellerie

themenbezogen saniert, zum Beispiel der

Zimmertrakt, der Gastronomiebereich oder

der Wellnessbereich. Sinnvoll ist dabei abschnittweise

– entsprechend einzelner Brandabschnitte

– den Brandschutz zu überprüfen

und auf den Stand der Technik zu bringen.

Was hat sich in Bezug auf Brandschutz in

den letzten Jahren wesentlich verändert?

Aufgrund der Normen bezüglich Gebäudedämmung

ist der Brandschutz um einiges

komplexer geworden, da Brandüberschläge

mit den Dämmmaterialien abgestimmt werden

müssen bzw. der jeweiligen Brandlast

standhalten müssen, was auch in einer geschlossenen

Verbauung gebäudeübergreifend

zu bedenken ist.

Weiters nimmt der Grad an Gebäudetechnik

insbesondere bei Sanierungen enorm zu,

wodurch auch hier Brandabschottung im

Gebäude zu einem komplexeren Planungsaufwand

wird.

Läuft man ohne Investition Gefahr, Vorschriften

zu verletzen und Strafen zahlen zu

müssen?

Baurechtlich ist ein Gebäude nach Stand

der Technik zum Zeitpunkt der Baugenehmigung

bzw. der Umsetzung auszuführen.

Wird ein Gebäude nicht saniert und entsprechen

die Grundlagen des Bauwerkes nicht

mehr dem Stand der Technik, kann der Hotelier

zivilrechtlich sehr wohl verklagt bzw.

durch das Arbeitsinspektorat mit Strafen

konfrontiert werden.

Wo kann ich mich informieren und gegebenenfalls

auch Förderungen beantragen?

Die Arbeitsinspektion kontrolliert die Einhaltung

der Vorschriften zum ArbeitnehmerInnenschutz

vor Ort in den Betrieben und auf

Baustellen. In Genehmigungsverfahren z. B.

von gewerblichen Betriebsanlagen ist sie als

Partei beteiligt und achtet auf die Aspekte


www.architektur-online.com

107

Produkt News

der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes

bei der Arbeit. Sie führt aber auch Beratungen

durch.

Förderungen gibt es für die Hotellerie aber

auch in einzelnen Bundesländern. Wichtig

ist, dass diese zumeist vor Projektstart beantragt

werden sollten.

Was empfehlen Sie in Bezug

auf die Planung?

Sinnvoll ist hier, von Anfang an einen Brandschutzbeauftragten

mit in das Planungsteam

zu nehmen und die Absichten bzw.

auch einen Phasenplan mit der Behörde und

dem Arbeitsinspektorat bzw. der Feuerwehr

abzuklären.

Und welche Maßnahmen würden Sie darüber

hinaus dem Hotelier ans Herz legen?

Wichtig ist, dass im Hotel ein Teammitglied

über die Grundlagen des Brandschutzes informiert

ist und hierfür eine laufende Fortbildung

erfährt.

Als sehr positiv erachte ich außerdem eine

simple Einschulung über die Verwendung

von Feuerlöschern und Erstmaßnahmen im

Zuge eines Brandfalles für das ganze Team.

Ein Fluchtwegplan in den Zimmern kann Leben

retten und sollte daher als Gestaltungselement

sichtbar und grafisch ansprechend

montiert werden und eventuell auch in mehreren

Sprachen verfasst sein, abhängig von

der jeweiligen Klientel.


architektur FACHMAGAZIN

108

Produkt News

Perfekter Brandschutz

bei Holzkonstruktionen

Neuerungen in der Landesbauordnung Baden-Württemberg hinsichtlich des Brandschutzes

erlauben seit 2015, dass auch im mehrgeschossigen Holzbau Decken,

tragende und aussteifende Wände sowie Stützen aus Holz sichtbar und unverkleidet

bleiben dürfen. Das bedeutet, dass es auch bei Wohngebäuden bis zu 13 Meter

Höhe möglich ist, Brettsperrholzkomponenten mit ihrer besonderen Sichtqualität

und effektiven Akustikprofilen zu verwenden. Laut Brandschutzexperten darf in

Österreich diese Bauweise auch verwendet werden (siehe HOHO mit 83 Meter

Höhe in Wien Aspern), sofern ein geeignetes Brandschutzkonzept vorliegt.

Fotos: Lignotrend, Foto&Design

Die zwei Mehrfamilienwohnhäuser im Riedpark, der

Entwurf stammte von Architekt Jörg Kaiser, beherbergen

sechzehn Wohneinheiten unterschiedlicher

Größe und sind als Zwei- und Dreispänner organisiert.

Für tragende Wände mit einer erforderlichen

Feuerwiderstandsdauer von 60 Minuten kamen

Rippenelemente in hohlraumloser Ausführung zum

Einsatz, deren Zwischenräume mit Glaswolle ausgefacht

sind. Der flächige Feuerwiderstand konnte

über Gipskarton-Feuerschutzplatten hergestellt werden.

Dabei wurde an den Ecken der Plattenstoß der

Brandschutz in doppeltem Versatz ausgebildet. Für

Steckdosen, Lichtschalter und andere Stellen, an denen

die Gipskartonplatte durchdrungen wird, entwickelte

man eine praktikable, im Wandinneren brand-

schutzgerecht abgeschottete Elektroinstallation, in

die einfache Hohlraumdosen eingebaut werden können.

In diesem Bereich ist das tragende Holzbauteil

hinter der Gipskartonplatte durch intumeszierende

(aufschäumende) Materialien in Form von passgenau

vorgestanzten Folien und entsprechend behandelten

Holzklötzen geschützt, damit Feuer nicht über

die Steckdosen ins Wandinnere eindringen kann. Alle

Wohnungstrennwände im Riedpark sind zweischalig

konstruiert. Eine Dichtungsbahn, die geschossweise

unter den Wandschwellen hindurchgeführt ist und im

Fußbodenaufbau zusammengeführt wird, verhindert

den Rauchdurchgang zwischen den Wohnungen – vor

allem an den Knotenpunkten von Decke und Wand.


www.architektur-online.com

109

Produkt News

Die Deckenbauteile sind mit ihren sichtbaren Holzoberflächen

auch bezüglich des Innenausbaus

endfertig. Der Feuerwiderstand ist rein über den

theoretischen Holzabbrand gewährleistet. Die Decken-Elemente

werden mit sogenannten Z-Lagen

für den nötigen Feuerwiderstand konfiguriert und

erhalten nach der Elektroinstallation zwischen ihren

Rippen eine Kalksplittschüttung für den Schallschutz.

Mit dem auch auf die tiefen Frequenzen der Gehgeräusche

abgestimmten Aufbau entsteht ein im Brandschutzsinne

hohlraumfreies Bauteil, das die strengen

bauakustischen Anforderungen an den Schallschutz

in Mehrfamilienhäusern sogar übertrifft.

Die Untersicht der Decken ist je nach Anforderung

gestaltbar – als geschlossene Holzfläche oder mit

verschiedenen Akustikprofilen. Im Riedpark wurden

die Deckenbauteile in den Wohnräumen mit Akustikprofilierung

ausgeführt, in den Schlafzimmern teils

ohne. In den Flurbereichen verbergen abgehängte

Decken die Leitungen für das Lüftungssystem. Diese

Planung ist wohnungsweise konzipiert, um auf wartungsintensive

Brandschutzklappen zwischen den

Wohnungen verzichten zu können: Die Lüftungsleitungen

durchdringen die Brandschutzebenen nicht.

Steigschächte für Wasserleitungen und die elektrische

Leitungsführung hingegen mussten hochfeuerhemmend

abgeschottet werden. Hierfür wurden

verschiedene Brandschottlösungen eingesetzt, die

trocken und damit einfach einzubauen und nachweislich

auch für den Einbau in den verwendeten Rippendecken

geeignet sind. Mit ebenfalls intumeszierendem

Verhalten im Brandfalle sorgen sie dort für eine

brandschutzgerecht perfekt isolierte Leitungsdurchführung.

Ohne Gipsbekleidung kann damit ein Feuerwiderstand

von 90 Minuten erreicht werden.

Sogar die beiden Aufzugstürme und die Treppenhauswände

konnten aus großformatigen Brettsperrholztafeln

konstruiert werden, lediglich für die Treppenläufe

kamen Betonfertigteile zum Einsatz. Damit

der Treppenraum auch nach 60 Minuten als Fluchtweg

genutzt werden kann und für die Feuerwehr als

Rettungsweg bestehen bleibt, bekam auch die treppenhausseitige

Wandschale eine entsprechende Beplankung

mit Gipskarton-Feuerschutzplatten.


architektur FACHMAGAZIN

REI 120 ab jetzt

preisgleich zu R0

Die Anzahl der Brände in Österreich ist in den letzten

Jahren leicht gesunken. Dennoch verursachen Großbrände

nach wie vor vielfachen Millionenschaden

an Sachgütern, und leider sind immer wieder auch

Menschen bedroht. Beim konstruktiven Hochbau

sollte daher auf ein Höchstmaß an Sicherheit Wert

gelegt werden. Um Planende und Ausführende dahingehend

zu unterstützen, ihre Arbeit zu vereinfachen

und zugleich die Sicherheit von Gebäuden zu

erhöhen, bietet Schöck Österreich nun den Isokorb

äquivalent auch in der Brandschutzklasse REI 120 an.

Der Schöck Isokorbwird als gesamtes System inklusive

der angeschlossenen Bauteile geprüft. Bauteilversuche

finden in akkreditierten Zertifizierungsstellen

in Österreich und anderen europäischen Ländern

statt, welche diese gemäß den aktuellen Prüfnormen

für Brandschutz durchführen. Die Brandschutzausführung

besteht aus einem Zweikomponenten-System,

das die bauphysikalischen Funktionen Wärmeschutz

und Brandschutz getrennt ausführt. Der

Wärmeschutz wird über den Dämmkörper gewährleistet,

Brandschutz wird über eine obere und untere

faserzementgebundene Brandschutzplatte mit seitlichen

Quellbändern sichergestellt. Der Dämmkörper

aus Neopor lässt keine Feuchtigkeits- oder Wasserzunahme

zu, er kann also im Außenbereich uneingeschränkt

eingesetzt werden. Bei Hybridsystemen, bei

denen ein Material zwei Funktionen übernimmt, also

110

Wärme- und Brandschutz, kann dies nicht immer sichergestellt

sein, da die äußeren Rahmenbedingungen

einen Einfluss haben können.

Schöck Bauteile Ges.m.b.H.

T +43 (0)1 786 5760

office@schoeck.at

www.schoeck.at

Produkt News

Die Stärken von Steinwolle in Bild und Ton

Steinwolle entsteht aus dem Rohstoff Basalt. Dank

seiner besonderen Eigenschaften und der Verarbeitung

auf modernen Fertigungsanlagen zu unterschiedlichsten

Steinwolle-Dämmungen zeichnet sich

dieses Material durch eine Reihe von Vorteilen aus.

Eine Dämmung aus Steinwolle ist nicht nur eine nachhaltige

Lösung von langer Lebensdauer. Sie bietet

gleichzeitig einen hervorragenden Schall- und Brandschutz

und leistet einen wertvollen Beitrag zur Wohngesundheit

und Energieeffizienz von Gebäuden.

Der Schmelzpunkt dieser Produkte liegt bei über

1000°C und hilft somit, das Ausbreiten von Feuer zu

verhindern. An Hand einer Testserie zu den sieben

Stärken von Steinwolle kann man sich im Internet

auf www.rockwool.at selbst überzeugen. Der erste

Themenschwerpunkt der neuen Videoserie ist das

besondere Plus an Sicherheit – der Brandschutz. Anschauen

lohnt sich!

ROCKWOOL HandelsgmbH

T +43 (0)1 79726-0

info@rockwool.at

www.rockwool.at


www.architektur-online.com

111

Produkt News

Sesam öffne dich!

Nicht durch Zauberhand, sondern dank modernster Technik öffnen und schließen

sich die automatischen Schiebetüren EI30 von forster fuego light. Eine sichere

Pforte im Nachtbetrieb sowie eine reibungslose Funktionalität im Tagesbetrieb

werden mit maximaler Transparenz in einem Element vereint. Nachhaltige Sicherheit

wird großgeschrieben, denn die Schiebetüren bieten zuverlässigen Brandschutz

und Rauchschutz und überzeugen durch ihre Robustheit und Langlebigkeit.

Automatische Schiebetüren sind praktisch, weil sie

einen reibungslosen Personenverkehr in Durchgängen

mit hohem Publikumsaufkommen gewährleisten.

Zusätzlich lassen die Schiebekonstruktionen mit

ihren schlanken Profilkonstruktionen aus Stahl und

den großflächigen Gläsern viel Licht in die Räume

fließen und bieten gleichzeitig maximale Transparenz

für einen freien Durchblick. In kritischen Bereichen

von Gebäuden halten die 4-seitig dicht schließenden

Türen im Brandfall Flammen und Rauch

zurück. So schützen sie Leben und Sachwerte, indem

sie sich selbstständig und stromlos schließen. Beim

Schließen der Türen bleibt immer gewährleistet, dass

niemand verletzt oder eingeklemmt wird. Die forster

fuego light Brandschutzschiebetüren mit Rauchschutz

sind als 1- und 2-flügelige Varianten möglich

und lassen sich in Massiv- und Leichtbauwände oder

in Verglasungen einbauen.

Forster Profilsysteme GmbH

T +43 (0)2236 677 293

at@forster.ch

www.forster-profile.at


architektur FACHMAGAZIN

112

Produkt News

Gebändigter Brandschutz

Maßgefertigte Türen mit Brandschutz sind heute so selbstverständlich wie Wärmedämmung

und LED Beleuchtung. Sturm gehört zu den Initiatoren und Schrittmachern

dieser Entwicklung und stellt Portfolios für Projekte zur Verfügung, die

nach Einsatzbereichen gegliedert sind.

Schon vor 30 Jahren erkannte man: Wer schöner

wohnen, leben und arbeiten möchte, will sich die Sicherheit

des Brandschutzes nicht mehr durch unförmige

Eisentüren erkaufen. Mit der Lust junger Techniker

am Auflösen von Zielkonflikten entstanden so

die ersten Brandschutztüren aus Holz, die letztlich

auch die größten Zweifler in den Testlabors überzeugen

konnten. Seither ist man der Treiber einer Entwicklung,

in der die Abhängigkeit des Tür-Designs

von der Brandschutztechnik immer geringer wurde.

Parallel dazu erhöhte sich die Komplexität: Normen

und Vorschriften wurden verschärft und in den Architekturbüros

entstanden neue Nutzungs- und

Designkonzepte, die zusätzliche Anforderungen an

Funktionselemente stellen.

So hat man die Brandschutztür vollkommen gebändigt,

die wilden grauen Urformen sind zu

High-End-Lösungen geworden, deren Schutzfunktion

der Nutzer nicht mehr wahrnimmt. Sie werden mit

individuellen Maßen, Ausführungen und Oberflächen

gefertigt, die Referenzen reichen vom noblen Palais

Coburg in Wien bis zu den Green Buildings der neuen

BORA-Unternehmenszentrale in Oberösterreich, für

deren Innenraumplanung Simon Gafriller von werkhaus

verantwortlich zeichnet.

Die Komplettlösung von der Beratung und Detailplanung

bis zur Maßfertigung und Montage – das war

von Anfang an die Strategie des Herstellers. In weiterer

Folge ist das Unternehmen dazu übergegangen,

die Vielfalt der verfügbaren Konstruktionen nach

Einsatzbereichen und ihren spezifischen Anforderungen

zu gruppieren. So gibt es heute ein Brandschutztüren-Portfolio

u.a. für Krankenhäuser und für

Schulen, aber auch für Wohnbau, Hotels und Bürogebäude.

In Projekten ist das der kurze Weg zu den

benötigten Türen, denn auch erforderliche Ausführungen

wie abgerundete Kanten oder stoßfeste Beschichtung

sind bereits vorausgewählt. Unabhängig

davon kann jedes Element mit weiteren Funktionen

wie Rauchschutz oder Einbruchhemmung ausgestattet

werden.

STURM GmbH

T +43 (0)6589 4215

office@funktionstueren.eu

www.funktionstueren.eu


www.architektur-online.com

113

Produkt News

Ästhetik, Flexibilität und

minimierte Komplexität

Die Aluminium Brand- und Rauchschutzplattform Schüco FireStop ist eine ästhetische

Lösung für Brandschutztüren mit innovativer Technik. Bereits 2018 wurde das

System mit dem begehrten „Red Dot Award 2018: Product Design“ ausgezeichnet.

Zwei Varianten der Aluminium-Brandschutzkonstruktion sorgen für die Sicherheit.

Schüco FireStop ADS 90 FR 30 erfüllt alle Anforderungen

der Feuerwiderstandsklassen EI30 sowie

EW30. Das System hat eine innovative, falzoffene

3-Kammer-Profilgeometrie mit einer Bautiefe von

90 mm. Das nachträgliche Einbringen von Kabeln

zur Elektrifizierung von Türen oder der Wechsel von

Schlössern, z. B. von Einfachverriegelungen auf Mehrfachverriegelungen,

ist dank der falzoffenen Profile

einfach durchführbar. Ein entscheidender Mehrwert

des neuen Systems ist seine Wirtschaftlichkeit: Die

Türelemente überzeugen durch einen hohen Vorfertigungsgrad

in der Werkstatt und eine rationelle

Montage. Das gewährleistet einen einfachen, schnellen

und sicheren Einbau vor Ort im Objekt.

Schüco FireStop ADS 76.NI SP ist ein innovatives,

falzoffenes 1-Kammer-Profilsystem mit einer Bautiefe

von 76 mm. Das ungedämmte Rauchschutzsystem

bietet speziell für den Innenbereich variable Lösungen

für Wand- und Türkonstruktionen, vor allem für

Multifunktionstüren. Auch bei diesem System ist das

nachträgliche Einbringen von Kabeln zur Elektrifizierung

von Türen oder der Wechsel von Schlössern

möglich. Ebenso wie FireStop ADS 90 FR 30 punktet

dieses ungedämmte Rauchschutzsystem durch einen

hohen Vorfertigungsgrad in der Werkstatt.

Die Besonderheit beider Systeme ist der geprüfte

Einsatz ohne Schlösser. Der Vorteil des Einsatzes

ohne Schloss liegt auf der Hand. Die Türen sind immer

begehbar – ein Komfort, den speziell Nutzer von

stark frequentierten Innentüren zu schätzen wissen.

Auch eine Nutzung in Verbindung mit Drehtürantrieben

ist realisierbar. Der Einsatz von E-Öffnern kann

hierbei unterbleiben.​

ALUKÖNIGSTAHL GmbH

T +43 (0)1 98130-0

office@alukoenigstahl.com

www.alukoenigstahl.com


architektur FACHMAGAZIN

114

Produkt News

Brand-, Feuer- und Umweltschutz

Der führende österreichische Feuerschutztor- und Feuerschutztürenproduzent

Tortec erweitert seine Produktionsfläche um eine weitere Produktionshalle.

Mehrere Millionen Euro investiert man damit auch 2018 am Standort in Wolfsegg

und baut somit weiter die Produktionskapazitäten aus. Insgesamt sind mehr als

15.000 Quadratmeter Hallenfläche auf dem bereits vorhandenen Betriebsareal

in Wolfsegg seit 2006 zusätzlich entstanden. Es stehen nun gesamt rund 25.000

Quadratmeter Produktionsfläche zur Verfügung, um dem Bedarf an Feuerschutzprodukten

mit hochwertigen architektonischen Lösungen gerecht zu werden.

Die Tortec Brandschutztor GmbH gehört

seit 2006 zur Hörmann Gruppe. Hörmann

ist ein familiengeführtes, expandierendes

Unternehmen der Bauzulieferindustrie mit

internationaler Ausrichtung. In 36 hoch spezialisierten

Werken stellt man Tore, Türen,

Zargen und Antriebe für Europa, Nordamerika

und Asien her. Mit mehr als 6.000 Mitarbeitern

wird ein Umsatz von über einer Milliarde

Euro erwirtschaftet. Ein Netz von über

100 eigenen Vertriebsstandorten in mehr

als 40 Ländern garantiert dem Kunden kurze

Wege. Die Tortec Brandschutztor GmbH

agiert am Standort Wolfsegg als eigenständiges

Werk mit rund 300 Mitarbeitern.

Durch die Vielfalt der Produkte, sowie dem

eigenen österreichischen Vertrieb mit Niederlassungen

in Wien, Graz und Innsbruck

ist man in der Lage, sowohl für Architekten

als auch für Bauträger ein hervorragendes

Gesamtpaket für Feuerschutztore und -türen

anzubieten und stellt somit einen starken,

zukunftsorientierten Partner für den

Objekt- und Industriebau dar.

Der Hersteller hat sich bereits vor Jahren

als einziger österreichischer Hersteller die

Nachhaltigkeit aller Feuerschutztüren und

-tore durch eine Umwelt-Produktdeklaration

(EPD) nach ISO 14025 bestätigen lassen. Die

umweltschonende und nachhaltige Produktion

wurde durch eine Ökobilanz für alle Produkte

bestätigt. Der Großteil der Rohstoffe

wird aus Österreich und Zentraleuropa bezogen.

Tortec hat bereits jetzt große Erfahrung

durch zahlreiche Objekte zum Thema nachhaltiges

Bauen sammeln können.

Tortec Brandschutztor GmbH

T +43 (0)7676 6060

www.tortec.at


www.architektur-online.com

Produkt News

Zwei Fliegen mit einer

neuen Regel-Klappe

Die Aufgabe, mehr Energie einzusparen, führt oftmals zum

Einbau größerer RLT-Geräte mit geringeren Luftgeschwindigkeiten

in den Luftleitungen. Somit muss sich das Messprinzip

ändern, um auch kleinste Volumenströme noch messen zu

können. Zudem sind die Einbausituationen auf den Baustellen

oft sehr beengt. Die Entwicklung einbausicherer Produkte, die

gleichzeitig gute Messergebnisse erzielen, muss daher stets

ein wichtiges Ziel von Neuentwicklungen sein. Die Verfolgung

dieser beiden Zielsetzungen führte zu der Entwicklung eines

neuen Messprinzips und einer zum Patent angemeldeten Regelklappe,

welche erstmals in der neuen Volumenstrom-Regelgeräteserie

TVE verbaut wird. Das neue Prinzip der TVE-Serie

erlaubt es, den Volumenstrom ohne Messlanzen oder sonstige

Sensorik innerhalb des Kanals direkt über die Regelklappe zu

ermitteln. Der innovative Aufbau führt zu einer kompakten

Bauform und erlaubt – bei dynamischen Transmittern sogar

in beiden Luftrichtungen – höchste Messgüten auch bei ungünstiger

Anströmung.

TROX Austria GmbH

T +43 (0)1 25043-0

trox@trox.at

www.trox.at

sicher geSTAHLtet

Brandschutztüren und -verglasungen EI30 aus Stahl

• schlanke Ansichten für maximale Transparenz

• auch mit Einbruchhemmung und Antipanikfunktion

• barrierefrei und optional mit Fingerschutz

• System: forster fuego light

www.forster-profile.ch


architektur FACHMAGAZIN

116

Produkt News

© Bernadette Grimmenstein

© Bernadette Grimmenstein

© Bernadette Grimmenstein

Bandtechnik für Schwerlasttüren

Das Wälderhaus wurde im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) in

Hamburg als Exzellenzprojekt realisiert und mit dem BDA Hamburg Architektur

Preis ausgezeichnet. Das fünfgeschossige Multifunktionsgebäude gliedert sich in

die Nutzungsbereiche Ausstellung und Hotel.

Die beiden unteren Geschosse in Stahlbetonbauweise

mit einer Fläche von 650 Quadratmetern beherbergen

ein Informationszentrum mit einer Dauerausstellung

zum Thema Wald, einen Gastronomiebereich

sowie Büro-, Seminar- und Veranstaltungsräume und

den Sitz des Landesverbandes der Schutzgemeinschaft

Wald (Bauherrin und Betreiberin). Die oberen

drei Etagen mit dem 3-Sterne Superior Raphael Hotel

Wälderhaus wurden in Massivholzbauweise errichtet

und mit einer Fassade aus unbehandeltem Lärchenholz

verkleidet. Das Gebäude verjüngt sich nach oben

hin und wirkt durch seine unregelmäßige Holzfassade

und die Dachbegrünung optisch wie ein Baum.

Bei den gefälzten Innentüren entschieden sich die

Architekten des Büros Andreas Heller für die Bandtechnik

von SIMONSWERK aus Rheda-Wiedenbrück.

Um die hohen Gewichte der Türelemente sicher zu

verteilen und eine dauerhafte Funktion zu gewähr-

leisten, kam die Schwerlast Bandtechnik der Marke

VARIANT VX mit einem Belastungswert bis 400 kg

zum Einsatz. Bei dieser Modelausführung wird die

Materialstärke erhöht, die Bandrolle zusätzlich verschweißt

und die Aufnahmeelemente für die Anforderungen

werden verändert. Die Bandtechnik verfügt

über eine komfortable 3D Verstelltechnik und

ermöglicht eine Justierung der Schwerlast-Türen

von jeweils +/- 3,0 mm zur Seite und Höhe sowie die

Veränderung des Andrucks von +/- 1,0 mm. Weitere

Vorzüge sind die wartungsfreie Gleitlagertechnik,

hervorragende Laufeigenschaften und die Klassifizierung

für den Einsatz an Funktionstüren für Schall-,

Feuer- und Rauchschutzbereiche. Alle Bandsysteme

des Herstellers verfügen über eine Umweltproduktdeklaration

(EPD) zur ökologischen Gebäudebewertung,

die CE-Produktzertifizierung und den zertifizierten

Herkunftsnachweis Made in Germany.

SIMONSWERK GmbH

T +49 (0)5242 413-0

info@simonswerk.de

www.simonswerk.com

© Simonswerk


www.architektur-online.com

Produkt News

Moderne trifft Tradition

Das Junghans Terrassenbau Museum in Schramberg zeigt die

Historie der Firma und ihrer berühmten Schwarzwalduhren. Von

1918 bis in die 1970er wurden in dem einzigartigen Industriebau

Millionen von Zeitmessern gefertigt. Nun wurde das Bauwerk

des Industriearchitekten Philipp Jakob Manz zwei Jahre lang

unter Denkmalschutzgesichtspunkten saniert und modernisiert.

Im Eingangsbereich werden Innovationen der Gegenwart

und der Vergangenheit verbunden. Ein besonderer Eyecatcher

ist der bündig ins Rauminterieur installierte Kassenautomat, der

einem überdimensionierten Smartphone gleicht und so die Ästhetik

der Zeit trifft. Hier können Besucher alternativ zur Museumstheke

ihr Ticket erwerben.

Mit diesem geht es dann zu einer Drehsperre als vollautomatische

Zugangskontrolle. Das Hightech-Einlasssystem stammt

vollständig von Wanzl. Um den Zugang zum Museum möglichst

einfach zu gestalten, selbst wenn - etwa während der Betreuung

angemeldeter Gruppen - kein Personal im Eingangsbereich anwesend

ist, muss die Menüführung des Kassenautomaten V21

interaktiv und intuitiv sein. Jeder einzelne Schritt wird leicht

verständlich auf dem übersichtlichen 21‘‘ Touchscreen abgebildet.

Zusätzlich signalisieren LED-Leuchtbänder den Betriebsstatus

der jeweiligen Aktionsfelder im Automatengehäuse. Blinken

diese auf, sind sie betriebsbereit. Bezahlt wird bar oder per

EC-/Kreditkarte.

ARCHITEKT I RENZO PIANO BUILDING WORKSHOP, PARIS

OBJEKT I PARKAPARTMENTS AM BELVEDERE, WIEN

FOTOGRAFIE I MICHEL DENANCÉ, PARIS

Wanzl Metallwarenfabrik GmbH

T +49 (0)8221 729-0

info@wanzl.de

www.wanzl.com

MOEDING KERAMIKFASSADEN

DAS FASSADENSYSTEM DER ZUKUNFT

VORGEHÄNGT I HINTERLÜFTET I WÄRMEGEDÄMMT

WWW.MOEDING.DE


architektur FACHMAGAZIN

118

Produkt News

Lichtdurchflutetes Wohnen

Dieses Haus östlich von München im Landkreis Erding ist im wörtlichen Sinne

ein Familienprojekt. Der junge Architekt David Wolfertstetter hat den Neubau für

seine Eltern geplant - sein erstes eigenes Projekt. Es ist ein ökologisch gebautes

Haus, das auch gestalterisch und energetisch überzeugt. Es ist zudem barrierefrei

und hat extrem viel Tageslicht zu bieten.

Im Sinne der Nachhaltigkeit wurde das Haus durch

eine Zimmerei erstellt, die spezialisiert ist auf den Bau

von Massivholzhäusern aus Fichte und Lärche und auf

biologische Dämmstoffe. Aus ökologischen Gründen

entschied sich der Architekt für den nachwachsenden

Rohstoff Holz und auch für die Holzfaser-Dämmung

von Fassade, Dach und Bodenplatte. Diesem Konzept

folgen außerdem die Fassadenverkleidung aus unbehandeltem

Lärchenholz und auch die Fenster und die

Haustür sind in der Holzart Lärche gefertigt.

len individuell gefertigt und bietet barrierefreie Übergänge

von innen nach außen. Gleichzeitig trägt die

Pfosten-Riegel-Fassade neben den Glasflächen auch

die Dachflächen, sodass auf zusätzliche Stützen verzichtet

werden konnte.

Hingucker bei diesem Objekt ist eine 60 m² große

Fassadenöffnung, die sich nach Süden orientiert und

die den Wohnraum über große Glasflächen mit viel

Licht und Sonnenwärme versorgt. Licht war einer der

wichtigsten Wünsche, die sich die Bauherren erfüllen

wollten. Die Verglasung eröffnet dabei herrliche Ausblicke

in die umgebende Landschaft und garantiert

lichtdurchflutete Räume. Sie verbindet den offenen

Koch-, Ess- und Wohnbereich mit dem Außenraum.

Die Glasfassade erstreckt sich über die gesamte

Breite des Hauses über zwei Geschosse bis unter die

Dachfläche. Sie ist als Pfosten-Riegel-Verglasung von

Kneer-Südfenster mit 80 mm Aluminium-Holz-Profi-


www.architektur-online.com

119

Produkt News

Außen schützt die Aluminium-Schale – ein besonders

wichtiger Punkt, da die Fassade ohne Dachüberstand

stark der Witterung ausgesetzt ist. Innen entfalten die

Pfosten und Riegel aus farblos gewachstem Fichtenholz

eine behagliche Raumatmosphäre. Beschattet

wird die Fassade mit einer Raffstoren-Anlage, die zusammen

mit der Verglasung vom Fensterbauunternehmen

realisiert wurde.

Die Öffnungen an der Ost- und Westseite des Hauses

als Einschnitte in der sonst eher geschlossen wirkenden

Holzfassade sind in Nischen zurückgesetzt.

In diese wurden raumhohe Holzfenster nach hinten

versetzt eingebaut. Sie bilden Loggien im Obergeschoss

bzw. einen Eingangsbereich im Erdgeschoss,

die durch anthrazitfarbene Fassadenplatten an den

Laibungen betont werden.

Süd-Fensterwerk GmbH & Co. Betriebs KG

T +49 (0)7950 81 0

info@suedfenster.de

www.kneer-suedfenster.de

STADTKLIMA-RETTER

PLANEN GRÜNDÄCHER

Urbaner Klimaschutz

mit OPTIGRÜN Systemlösungen

Begegnen Sie überhitztem Stadtklima und Starkregenereignissen

mit zukunftsfähigen Gründachlösungen.

Dachbegrünungen kompensieren die Flächenversiegelung,

speichern und verdunsten Niederschlagswasser und entlasten

dadurch die Kanalisation. Gleichzeitig sorgen sie

für ein angenehmeres Stadtklima, mildern den Hitzeinseleffekt

und erhöhen die Biodiversität.

Sprechen Sie uns an: info@optigruen.de

Optigrün international AG | www.optigruen.de


architektur FACHMAGAZIN

120

Produkt News

Konsequente Nachhaltigkeit

der Systemlösungen

Das Ulmer Aluminiumsystemhaus WICONA beweist einmal mehr, dass ökologische

Verantwortung oberste Priorität hat. Bereits Anfang 2017 wurden seine Systeme

mit dem Cradle to Cradle (C2C) Zertifikat in Bronze ausgezeichnet. Nur zwei Jahre

später, zur BAU 2019, erhielten Fenster-, Tür- und Fassadenlösungen sogar das

C2C-Zertifikat in Silber.

Das C2C-Zertifikat stellt eine Ergänzung

und auch Alternative zu den bekannten Gebäudezertifikaten

(DGNB, LEED, BREEAM,

etc.) dar. Die Kriterien sind dabei direkt auf

das Produkt bezogen, nicht auf das gesamte

Gebäude. Die Verantwortung des Produktherstellers

inklusive seiner kompletten

Vorfertigungs- und Lieferantenkette

tritt in den Fokus. Die fünf C2C-Kategorien

(Materialien, Materialkreislauf, erneuerbare

Energien und Klima, Wasser, soziale Verantwortung)

erlauben es, im Zertifizierungsprozess

alle Aspekte zu den verwendeten

Materialien, dem Herstellungsprozess bis

hin zur sozialen Verantwortung des Unternehmens

und seinen Impact für die Gesellschaft

zu betrachten.

Sehr genau werden beispielsweise der Wasserverbrauch,

eventuelle Produktionsabfälle

und der Umgang damit sowie der Energieaufwand

analysiert. Die Beurteilung der

sozialen Standards reicht bis zu dem, was

das Unternehmen seinem direkten Umfeld

an Mehrwert zurückgibt. Besonders streng

sind die Anforderungen in der C2C-Kategorie

Materialien. Hier dürfen keine Inhaltsstoffe

enthalten sein, die als krebserregend,

mutagen oder reproduktiv giftig eingestuft

sind. Der Hersteller erfüllt dieses Kriterium

vollumfänglich, durch eine sehr enge und

verantwortungsvolle Zusammenarbeit mit

seinen Lieferanten. Für den Silber-Status

werden 95 % (bei Bronze 75 %) der Massenanteile

eines Produkts analysiert und

bewertet. C2C-Zertifizierungen in Silber

verschaffen der Marke und damit auch den

Marktpartnern eine höhere und qualifiziertere

Aufmerksamkeit im international geprägten

Wettbewerbsumfeld und bei entsprechenden

Ausschreibungen. Die Systemlösungen lassen

sich damit werthaltiger und zukunftsorientierter

positionieren. Architekten und Planer

können mit nahezu allen Systemen des Produzenten

automatisch den C2C-Standard Silber

einsetzen. So bietet man den Geschäftspartnern

die Chance, sich vom Wettbewerb zu unterscheiden

und bei ihren Auftraggebern mit

der Kombination Hightech-Systeme plus Nachhaltigkeit

zu punkten.

Hydro Building Systems Austria GmbH

T +43 (0)6212 20000

info@wicona.at

www.wicona.at


www.architektur-online.com

121

Produkt News

Gefälledämmung

in Gold für die Umwelt

Das aktuelle Referenzprojekt des Tiroler Dämmstoff-Spezialisten Steinbacher

erfüllt die strengen Kriterien des klimaaktiv-Gebäudestandards des Bundesministeriums

für Nachhaltigkeit und Tourismus – das europaweit anspruchsvollste

Gütesiegel für nachhaltiges Bauen. Eine hohe Auszeichnung in Sachen Ökologie

und Qualität, die unter anderem durch die effizienten Dämmstoffe und die durchdachte

Gefälledämmplanung erreicht wurde.

Das neue Justizgebäude in Salzburg vereint Sanierung

und Neubau in klimaschonender Weise: Der

denkmalgeschützte Teil des Gebäudes wurde nach

höchsten energetischen und ökologischen Standards

umgebaut und saniert, ein moderner Zubau

verbindet die beiden Gebäudetrakte miteinander. Die

Warmdachaufbauten wurden von den Flachdachspezialisten

der Fa. Karl Mayr aus Saalfelden mustergültig

ausgeführt. Steinbacher hat dafür nicht nur ca.

1.100 m 2 sehr gut dämmende steinopor®-Produkte

geliefert, sondern konnte seine Expertise auch in

die Planung der Gefälledämmung einfließen lassen.

Eine große Herausforderung waren die komplizierten

Dachformen und vielen Flachdächer mit unterschiedlichen

Anforderungen an die Aufbauhöhen

und Dämmstärken. Bereits in der Gefälleplanung

wurden die einzelnen Flächen erfasst und dämmtechnisch

auf die jeweiligen Bedingungen hin optimiert.

Die Gefälledämmplatten wurden schließlich

an die Baustelle entsprechend den Einzelflächen beschriftet

ausgeliefert.

Steinbacher Dämmstoff GmbH

T +43 (0)5352 700-0

office@steinbacher.at

www.steinbacher.at


architektur FACHMAGAZIN

122

Produkt News

Es wird heiß in unseren Städten

Der Klimawandel ist ein globales Problem, das sich aber vor allem in seinen lokalen

Folgen bemerkbar macht. So verändert sich auch das Klima in unseren Städten: Es

wird extremer. Doch wie genau und wodurch verändert sich das Stadtklima? Und

was können wir dagegen tun?

Mit zunehmenden Niederschlagsstärken (Starkregen)

steigt auch die Belastung der Entwässerungssysteme

und somit deren Überlaufhäufigkeit. Denn

die bestehenden Systeme sind für geringere Regenwasserintensitäten

dimensioniert und müssten, um

anfallendes Regenwasser ohne Rückstau ableiten

und so Schäden vermeiden zu können, deutlich größere

Kapazitäten aufweisen. Um ein sicheres Ableiten

bzw. Speichern des Regenwassers gewährleisten

zu können, müssen Regenwasserrückhalteräume,

geschaffen werden. Einfach verfügbar sind hierbei

vor allem die Dachflächen: Sie stellen einen nennenswerten

Flächenanteil im Stadtbereich dar und

sind zudem oft durch ihre bauliche Beschaffenheit

zur Nutzung als Retentionsfläche prädestiniert. So

wird die Belastung der städtischen Infrastruktur und

damit die Häufigkeit von Überflutungsereignissen

deutlich reduziert. Maßnahmen dieser Art, angewendet

auf ganze Baugebiete, würden die Resilienz des

gesamten urbanen Bereiches gegenüber Starkregenereignissen

deutlich erhöhen.

Neben dem Schutz vor Überflutungen ist die Hitzereduzierung

eine drängende Aufgabe der modernen

Stadtplanung. Die einzige Möglichkeit, um die Temperaturen

aktiv zu vermindern und somit dem Effekt

der Hitzeinseln in Städten und Ballungsräumen entgegenwirken

zu können, ist die Verdunstung. Doch

dafür werden große Mengen an Wasser benötigt.

Wenn wir das Regenwasser – sowohl über die Wintermonate,

als auch die Starkniederschläge in den

Sommermonaten – dezentral zurückhalten, kann genau

dieses Wasser für die Verdunstung verwendet

werden. Gleichzeitig können die Retentionsflächen

auf den Gebäudedächern durch eine Bepflanzung

optisch ansprechend gestaltet werden.

Um das in die Praxis übertragen zu können, müssen

ausreichende Wasserspeicher für die Pflanzen verfügbar

sein. Dafür können Wasserretentionsboxen

z. B. die WRB von Optigrün eingesetzt werden, in denen

wiederum Kapillarsäulen verbaut sind, die das

gespeicherte Regenwasser auf die Oberfläche der

Boxen fördern. Ein kapillarwirksames Vlies, das darüber

verlegt wird, verteilt das Wasser auf der gesamten

Oberfläche der Box. Auf diesem Weg steht den

Pflanzen das ursprünglich in den Wasserretentionsboxen

gesammelte Regenwasser wieder zur Verdunstung

zur Verfügung.

Optigrün

International AG

T +49 (0)7576 772-0

info@optigruen.de

www.optigruen.de


www.architektur-online.com

123

Produkt News

Drei Arten von Weiß

Höchste Sicherheitsstandards, ohne hermetisch zu wirken, natürlich belichtete Arbeitsplätze

trotz strengster Gebäudeanforderungen und eine ästhetische Ensemblewirkung

ohne Monotonie – das waren die Zielsetzungen, denen sich Jean-Paul

Viguier et Associés Architekten (Paris) für die Um- und Neubauten der französischen

Zentralbank „Banque de France“ stellten.

Der 2018 fertiggestellte Gebäudekomplex

nördlich von Paris umfasst als Herzstück

ein dreiteiliges Tresor-Gebäude, in dem

ein Viertel aller französischen Banknoten

verarbeitet wird. Ein Bestandteil des Komplexes

ist mit einer Fassade aus individuell

gefertigten, glasierten Ziegelplatten von

Moeding gestaltet.

Während die Dienstleistungsbereiche mit

Büros und öffentlichen Empfangsräumen in

die beiden sanierten und um ein verglastes

Betriebsrestaurant erweiterten Altbauten

einzogen, ist das Herzstück des Neubaus

der Tresorkomplex. Er besteht aus drei

unterschiedlich großen Volumen, die über

einen dreieckigen, nur für die Mitarbeiter

zugänglichen Lichthof miteinander verknüpft

sind. Zunächst steht hier das Technikgebäude,

in dem das Geld entladen wird.

Von dort gelangt es automatisch in den

Sortierraum, in dem die Mitarbeiter normalerweise

unter bunkerähnlichen Bedingungen

arbeiten. Die Architekten schlugen hier

jedoch als „leuchtende Doppelhaut“ eine

Verglasung in Richtung des Erschließungsflurs

vor, der sich optisch zum Außenraum

öffnet. Auf der anderen Seite führen Fenster

und Türen zum begrünten, bomben- und

kugelsicher verglasten Innenhof.

Für die Fassade dieses Gebäudes wünschten

sich die Architekten ein besonderes

Material: einfach im Unterhalt, robust und

zugleich ästhetisch attraktiv. Zudem sollte

es einzigartig, nachhaltig und aus natürlichen

Materialien hergestellt sein. Die Lösung

boten weiß glasierte Ziegelplatten.

Die Plattenform wurde in enger Zusammenarbeit

zwischen dem Architekten und dem

Produzenten erarbeitet. So entspricht der

Horizontalschnitt der Platten dem Logo der

Banque de France. Die Ziegelplatten erzeugen

ein optisches „Vibrieren“ und schaffen

Tiefe in der Fläche sowie ein Spiel verschiedener

Lichttöne aus Orange, Blau und Rosé.

Als moderner Kontrast dazu sind die beiden

– rein technisch genutzten – Gebäude

mit einer Metallfassade bekleidet. Der dritte

und höchste Baukörper, der „Treibhaus“ genannte

Lagerraum, erhielt eine äußere Hülle

aus nach oben hin abnehmend perforierten

Blechen. Sie verleiht dem fensterlosen

Betonvolumen eine optische Unschärfe und

Leichtigkeit. Verbindendes Element der

drei Körper ist die Farbe: Alle drei Bauteile

schimmern in strahlendem Weiß.

Moeding Keramikfassaden GmbH

T +49 (0)8732 2460-0

info@moeding.de

www.moeding.de


architektur FACHMAGAZIN

Die Natur zum Vorbild

Die Trendfarben 2019 strotzen nur so vor Lebendigkeit:

Satte Gelb-Nuancen, Salbeigrün oder lebhafte

Korallentöne – alles signalisiert strahlende Frische.

Die Trendfarben machen Lust auf Sommer, Sonne und

Sonnenschein. Mit StarTop, einer neuen Generation

von Premiumputzen und -farben, bietet Baumit über

100 zusätzliche Farbtöne in Silikonqualität.

124

Der Farbton Koralle wurde nicht ohne Grund gewählt,

denn durch die Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung

sterben weltweit Korallen. Mit „Living

Coral“ wird auf das wichtige Thema Umwelt- und Meeresschutz

und das damit einhergehende weltweite Korallensterben

aufmerksam gemacht. Der Putz ist mit

einem neuen Füllstoff ausgestattet, der wie eine Koralle

über eine sehr große Oberfläche und damit Tausende

winzige Hohlräume, Poren und Vertiefungen verfügt.

Genutzt wird das hydrophil-hydrophobe Wirkprinzip

zur Reduktion von Oberflächenverschmutzung. Die

hydrophilen, wasseranziehenden Eigenschaften bewirken

eine schnelle und großzügige Verteilung von

aufliegender Feuchtigkeit. Gleichzeitig sorgt die feine

Mikrostruktur für eine besonders rasche Trocknung.

Die hydrophobe, also Wasser abstoßende Struktur an

der Oberfläche funktioniert wie eine effektive Dränage.

Die Kombination abperlender Regentropfen und

Aufnahme von Feuchtigkeit bei Tau bewirkt eine rasche

Rücktrocknung der Oberfläche, den sogenannten

Drypor-Effekt. Dieser hält Verschmutzungen von

der Fassade fern und bietet einen erhöhten Schutz vor

Algen und Pilzen.

Produkt News

Baumit GmbH

T +43 (0)501 888-0

www.baumit.com

Für alle Flächen geeignet

Die ARDEX Baustoff GmbH bringt ein neues panDOMO-Produkt

auf den Markt. Völlig neue Möglichkeiten eröffnet die Designspachtelmasse

Studio, mit der Wand-, Decken- und Bodenflächen

mit nur einem Material ausgeführt werden können – damit entstehen

Oberflächen in einheitlicher Optik. Vor 20 Jahren hat der

Hersteller die ersten panDOMO-Produkte auf den Markt gebracht

– damals eine „Revolution“. Denn bis 1999 waren Spachtelmassen

normalerweise unsichtbar. Jetzt hat man das Sortiment mit einem

„grenzenlosen“ Produkt erweitert, das komplett einheitliche Flächen

ermöglicht.

Studio lässt Wand-, Decken- und Bodenflächen miteinander verschmelzen

und so zu einem Ganzen werden. Ebenso wichtig wie

die Optik war den Entwicklern auch die Handhabung des neuen

Produkts. Es ist leicht zu verarbeiten, haftet hervorragend und ist

sehr ergiebig. Durch die Wünsche und Vorstellungen von Planern,

Architekten und Auftraggebern kann die Oberflächenstruktur variabel

gestaltet werden – von strukturiert bis homogen. In Zusammenarbeit

mit den Systempartnern des Produzenten entstehen

einzigartige Oberflächen nach dem Wunsch der Kunden.

ARDEX Baustoff GmbH

T +43 (0)2754 7021-0

marketing@ardex.at

www.ardex.at

www.pandomo.at


www.architektur-online.com

Der Schutz gegen Hitze

125

Produkt News

Die Zahl der Jahrhundertsommer war im vergangenen

Jahrzehnt eklatant hoch. Die daraus resultierende Hitze

erhöht bei Hausbenützern den Wunsch nach einem wirkungsvollen

Wärmeschutz beträchtlich. Um amerikanische

Verhältnisse mit energiefressenden Kühlaggregaten

in Büros und Wohnungen zu vermeiden, ist ein intelligentes

Wechselspiel von Temperatur-Vermeidung und -Reduktion

gefragt. Dafür ist die vorgehängte, hinterlüftete

Fassade (VHF) prädestiniert. Sie hilft entscheidend, den

Wärmeeintrag im Inneren eines Gebäudes zu minimieren,

da praktisch die Fassade selbst die dahinterliegende

Wandkonstruktion verschattet. So können Temperaturspitzen

an der Oberflächenverkleidung wesentlich besser

ausgeglichen werden, da die eingetragene Wärme über

den Hinterlüftungsquerschnitt wirkungsvoll abgeführt

wird. Der vorgehängte Fassadenteil wirkt dabei wie eine

natürliche Klimaanlage, während die dahinterliegende

tragende Wand den Temperaturausgleich optimal übernimmt.

Eine weitere Möglichkeit stellen Fassadenbegrünungen

auf VHF dar. So sind Gebäude nicht nur gegen

Überhitzung gewappnet, sondern leisten auch einen

wertvollen Beitrag für das Mikroklima. Pflanzen tragen zur

Kühlung und Reinigung der Luft bei. Das Mikroklima eines

Viertels profitiert von jedem einzelnen begrünten Gebäude.

Vor allem in Ballungszentren werden diese nicht nur

vorgeschrieben, sondern auch gefördert.

Österreichischer Fachverband für hinterlüftete Fassaden (ÖFHF)

T +43 (0)1 890 38 96

info@oefhf.at

www.oefhf.at

+


architektur FACHMAGAZIN

126

Produkt News

MUREXIN GMBH

T +43 (0)2622 27 401-0

info@murexin.com

www.murexin.com

Exklusives Wohnen

und Logieren im Lifestyle-Hotel

Die 342 Parkapartments am Belvedere, auf Pylonen gestelzt, lassen ihre Bewohner

Fernblicke über Wien genießen. Touristen und Geschäftsreisende, die coolen Lifestyle

bevorzugen, werden sich im Hotel ANdAZ Vienna wohlfühlen. Beide Projekte

stammen aus der Feder des italienischen Stararchitekten Renzo Piano. Bauherr des

Komplexes ist SIGNA – beim Hotel im Joint Venture mit der Hyatt Gruppe.

Neben der architektonischen Besonderheit und der in

jedem Detail durchdachten Ausstattung ist es vor allem

die besondere Lage im Quartier Belvedere, welche

diese Location zu einer begehrenswerten Adresse in

Wien macht. Denn einerseits liegen das Wiener Stadtzentrum

und der Hauptbahnhof nur rund zehn Minuten

Gehweite entfernt. Zudem wurden die Grün flächen

des Schweizer Gartens optisch an die Gebäude herangeholt

und zusätzlicher Grünraum geschaffen.

Die umfangreichen Fliesenverlegearbeiten wurden

von der HB Fliesen GmbH mit Produkten von Murexin

ausgeführt. Für den Fachbetrieb war dabei die größte

Herausforderung, neben der immensen Flächenleistung

von insgesamt rund 24.000 Quadratmetern, die

geforderte hohe Qualität der Verfliesung sowohl im

Hotel als auch in den Wohnanlagen. Beispielsweise

wurden Matrix Mosaike und hochwertige Großformatfliesen

verlegt. „Die Logistik, um die Arbeiten in den

fünf Türmen mit bis zu 19 Stockwerken reibungslos

durchführen zu können, war nicht einfach zu bewerkstelligen.

Zu Spitzenzeiten hatten wir bis zu 40 Personen

auf der Baustelle und fünf im Büro für das Projekt

gebunden“, so Projektleiter Hubert Ledersteger.

Bewährt haben sich dabei die rasche Materialbereitstellung

und flexible Lieferungen durch Murexin. „Gerade

bei einem derart umfangreichen Bauvorhaben

müssen sich die Verarbeiter auf das Material verlassen

können, um den Kopf für andere Sachen frei zu haben“,

bestätigt Murexin Vertriebsleiter Peter Reischer.


www.architektur-online.com

Produkt News

Gute Ideen

für Dämmung

Die neue Hotelkollektion

Gerade textile Böden werden bei der Wohnlichkeit oftmals unterschätzt.

Maßgeblich für die Verwendung und den Einsatzort

ist dabei die Struktur des Teppichs: Sie bestimmt letztlich, ob

der textile Boden etwa in Schlaf- und Wohnräumen zum Wohlfühlen

einlädt und Behaglichkeit sowie Gemütlichkeit ausstrahlt.

Oder ob er durch seine Robustheit die nötige Strapazierfähigkeit

für stark frequentierte Bereiche wie Flure, Büros

oder Bars besitzt.

SONNHAUS bietet mit der neuen, vorliegenden Teppichbodenkollektion

Hotel 2.0 #UeberallZuhause eine Vielfalt an Möglichkeiten.

Erstmalig enthält diese Kollektion Fliesen- als auch

Bahnenware, die dank ihrer höhengleichen Rückenausrüstung

individuell mit- und untereinander kombiniert werden können.

Auch sind sämtliche Holzoptiken als Bahnen in 400 cm Breite

verfügbar. Als wahrer Alleskönner bietet Business ein umfassendes

Sortiment hochwertiger Objekt-Teppichböden für unterschiedlichste

Verwendungsmöglichkeiten und vereint diese

mit mehreren, innovativen Eigenschaften in einem einzigen

Konzept. Als Bahnenware oder SL-Fliese (selbst liegend) verfügbar,

eignen sich die Teppiche der Kollektion zum Einsatz im

klassischen Büro-Objekt bis zum Semi-Objektbereich für die

leichtere Beanspruchung in attraktiven Preiseinstiegslagen.

Moderne Druckqualitäten sowie die Möglichkeit, ab ca. 240 m²

individuelle, moderne Designs in drei Qualitätsstufen drucken

zu können, ermöglichen in jedem Objekt einen breiten Gestaltungsspielraum.

Sonnhaus GmbH

T +43 (0)7242 634-100

servicecenterwels@sonnhaus.at

www.sonnhaus.at

Information

jetzt anfordern

Liapor ® Ground

Die Dämmung unter der

Fundamentplatte und seitliche

Arbeitsgraben Verfüllung

Liapor

Naturrein und circa 11,5

Millionen Jahre alt –

Illit-Ton bildet den hochwertigen

Grundstoff für

Liapor. Im Liapor-Werk wird

das natürliche Rohmaterial

gemischt und bei circa

1.200 °C gebrannt.

Dabei verbrennen die organischen

Anteile und der Ton

bläht sich auf. Gewicht,

Größe und Festigkeit des

luftporendurchsetzten

Materials lassen sich im

technisch ausgereiften Produktionsverfahren

exakt

steuern.

So entsteht ein natürlicher

Hochleistungsbaustoff mit

besten Eigenschaften bei

sehr geringem Gewicht.

Liapor Ground eignet sich aufgrund seiner einzigartigen

physikalischen Eigenschaften hervorragend

zur hochbelastbaren Fundamentplattendämmung

und zur seitlichen Arbeitsgrabenverfüllung.

Die luftporen-durchsetzten, keramischen Tonkugeln

vermindern den Erddruck dank seiner geringen

Trockenschüttdichte deutlich. Die Schüttung

ist formstabil und nahezu selbstverdichtend. Der

Eintrag kann auch in schmalste Spalten erfolgen,

zusätzliche Rüttler oder Verdichter sind nicht erforderlich.

Liapor Ground ist nicht brennbar (A1), reduziert

Wärmeverluste, kann gleichzeitig Wärme

speichern und wirkt schalldämmend

Lias Österreich GesmbH. - 8350 Fehring - Fabrikstraße 11

Tel. +43 (0)3155 - 2368 - Email: info@liapor.at


architektur FACHMAGAZIN

128

Heavy Metal in Beton

Produkt News

Schnell, einfach montierbar und eine Top-Performance

mit hohem Leistungsniveau in Beton: Die fischer

Betonschrauben stehen für absolute Verlässlichkeit

und sind die ROCKSTARS – mit Heavy Metal in Beton.

Die Bezeichnung ULTRACUT FBS II ROCKSTARS

bringt die Vorteile des Betonschrauben-Sortiments

schlagfertig auf den Punkt: Die innovative Gewindegeometrie

sorgt für die Aufnahme hoher Zug- und

Querkräfte in Beton. Beim Eindrehen schneiden sich

die Flanken der Betonschrauben tief in den Beton ein.

Durch diesen Formschluss überträgt die Betonschraube

die Kräfte zuverlässig und verankert spreizdruckfrei

im Verankerungsgrund. Mit ihren Montagevorteilen

bieten sie eine einfache und schnelle Installation

vor Ort: Die Betonschraube kann zulassungskonform

bis zu zweimal gelöst, unterfüttert und nachjustiert

werden. Die Unterkopfrippen verhindern ein unabsichtliches

Lösen der Betonschraube. Bei senkrechten

Bohrungen im Boden- und Deckenbereich oder der

Verwendung von Hohlbohrern mit Absaugfunktion ist

keine Bohrlochreinigung nötig.

Fischer Austria GmbH

T +43 (0)2252 53730-0

office@fischer.at

www.fischer.at

EuGH-Urteil zur Zeiterfassung – Pflicht und Kür

Der Europäische Gerichtshof EuGH hat

mit seinem Urteil vom 14. Mai 2019 zum

Schutz der Sicherheit und Gesundheit der

Arbeitnehmer die EU-Mitgliedstaaten dazu

verpflichtet, gesetzliche Regelungen zur

Messung der täglichen Arbeitszeit jedes

Arbeitnehmers zu verabschieden. Arbeitgeber

sollen demnach die Arbeitszeiten ihrer

Arbeitnehmer systematisch und vollständig

erfassen und dadurch alle Überstunden dokumentieren.

Auch wenn die Umsetzung in nationales

Recht noch Monate, wenn nicht Jahre

dauern wird, erhob sich eine kleine Welle

der Aufregung aus besonders betroffenen

Branchen, so auch aus dem Bereich der

Bauplanung. Der zusätzliche bürokratische

Aufwand erschwere es den Planungsbüros,

sich auf ihre eigentlichen, planerischen

Aufgaben zu konzentrieren. Anwender

der Controlling Management Software untermStrich

können sich derweil entspannt

in den Schreibtischsessel sinken lassen und

wichtigeren Themen zuwenden. Denn mit

den Modulen „Stunden“ und „Zeitprotokoll“

haben sie alles Nötige in Sachen Zeiterfassung

längst an Bord. Das browserbasierte

Programm läuft im stationären wie im mobilen

Einsatz auf den verschiedensten Betriebssystem-

und Geräteplattformen, auch

als optimierte Smartphone-Version.

untermStrich software GmbH

T +43 (0)3862 58106-0

office@untermstrich.com

www.untermstrich.com


www.architektur-online.com

129

Produkt News

Visuell. Effizient. Einfach.

VON BAUEXPERTEN

FÜR BAUEXPERTEN.

Wir entwickeln ganzheitliche

Software-Lösungen, die

intelligentes Arbeiten bei jedem

Planungsschritt ermöglichen –

ob AVA, BIM oder Kalkulation.

Eine integrierte Bausoftware mit

transparenten Kosten und einem

effizienten Bauprozess.

Bald auch für Sie?

Abbildungen: CPU Pride, Moskau

OPEN BIM in der Anwendung

Das Moskauer Architekturbüro CPU Pride

plante im integrierten Planungsprozess

das Zentrum für Rhythmische Sportgymnastik

(ZRG) und wurde im nationalen

BIM-Technologiewettbewerb „BIM 2016“ in

der Kategorie „BIM-Projekt: Sportstätten“

prämiert. Die Architekten setzen in ihrem

Projekt konsequent auf den Open-BIM-

Ansatz und auch auf die BIM-Planungssoftware

ARCHICAD. Das ZRG, das sich

am Moskauer Olympiastützpunkt Luschniki

kurz vor der Fertigstellung befindet,

verfügt über 4 000 Sitzplätze und soll für

Wettbewerbe und Trainingsveranstaltungen

genutzt werden.

Die Arbeit mit der digitalen Planungsmethode

BIM ist eine der Kernkompetenzen

von Pride. Die BIM-Technologie ermöglicht

bei ihrem konsequenten Einsatz einen

großen Mehrwert für alle Beteiligten – und

das über alle Phasen des Lebenszyklus

eines Gebäudes hinweg. Die Planer setzen

bei ihrem Projekt in Moskau auf einen

offenen, herstellerübergreifenden Datenaustausch

(Open BIM) via IFC-Format

und planen im Projekt modellorientiert mit

ARCHICAD und der App BIMx. Im Sinne

des Open-BIM-Ansatzes kamen darüber

hinaus weitere Softwarelösungen von anderen

Planungspartnern zum Einsatz. Mit

dem IFC-BIM-Datenaustausch erreichten

die Fachleute ein höheres Niveau der Zusammenarbeit.

Auf diese Weise wurden

viele Fehler verhindert und die Qualität der

Dokumentation war wesentlich höher.

GRAPHISOFT Deutschland GmbH

Vertrieb Österreich

mail@graphisoft.at

www.archicad.at

www.nevaris.com


architektur FACHMAGAZIN

130

edv

AVA-Textdatenbanken:

Besser ausschreiben

Datensammlungen für LV-Texte und Baupreise machen Ausschreibungen und Kostenkalkulationen

komfortabler und sicherer. Worauf kommt es an, welche Anbieter

gibt es und was bieten sie?

Text: Marian Behaneck

AVA-Software ohne Ausschreibungstexte

ist wie ein Auto ohne Räder. Deshalb werden

herstellerneutrale Texte teilweise mit den

AVA-Programmen mitgeliefert. In der Praxis

werden diese Texte häufig zusammen

mit bürointernen, über viele Jahre gewachsenen

Textsammlungen verwendet. Diese

Mischung aus vorgefertigten und individuell

formulierten Leistungsbeschreibungen

auf aktuellem Stand zu halten, ist allerdings

zeitintensiv. Eine Aktualisierung und Anpassung

an neue Richtlinien unterbleibt

deshalb häufig. Daraus können Probleme

bei der Bewertung von Angeboten und Konflikte

in der Ausführungsphase resultieren.

Unvollständige, nicht mehr normgerechte

oder fehlerhafte Leistungsbeschreibungen

können zu Auftragnehmer-Nachforderungen

und Schadensersatz ansprüchen gegenüber

dem Planer führen. Eine optimale

Leistungsbeschreibung sollte daher vollständig,

eindeutig, stimmig, aktuell und

rechtssicher sein.

Online-Datenbanken für Ausschreibungstexte rationalisieren die Ausschreibung von Bauprojekten,

machen sie komfortabler und sicherer.

© W. Riemenschneider

Was bieten Ausschreibungstext-

Datenbanken?

Ausschreibungstext-Datenbanken unterstützen

Planer mit vorformulierten,

normgerechten Texten bei der Erstellung

eindeutiger, vollständiger, aktueller und

rechtssicherer Leistungsbeschreibungen.

Die Ausschreibungstexte werden dazu regelmäßig

an die allgemein anerkannten

Regeln der Technik, an Richtlinien, Normen

und die Vorgaben der VOB (Vergabe- und

Vertragsordnung für Bauleistungen), respektive

der ÖNORM B 2110 angepasst und

versprechen so mehr Rechtssicherheit.

Einheitspreise und Kalkulationshinweise

vereinfachen Kostenplanungen und Angebote.

Diverse Offline-Datensammlungen

auf CD-ROM oder zum Download sowie

Online-Datenbanken bieten dazu entsprechende

produktspezifische oder produktneutrale,

teilweise richtlinienkonforme Ausschreibungstexte,

als Kurz- oder Langtext,

für international auszuschreibende Projekte

manchmal auch mehrsprachig. Für Kostenkalkulationen

und Angebote sind die

Leistungsbeschreibungen bei einigen Anbietern

auch mit marktorientierten, teilweise

auch nach abgerechneten Bauprojekten

ermittelten Einheitspreisen versehen.

PDF-Anlagen, Richtlinien und Normen, Produktfotos,

Pläne, Zertifikate und zunehmend

auch BIM-Objekte unterstützen Planer

und Bauunternehmer darüber hinaus

bei der Auswahl des passenden Produktes,

der Planung, Konstruktion und Angebotserstellung.

Eine übersichtliche, nach Gewerken,

Herstellern und Begriffen sortierte

oder an der DIN 276, respektive ÖNORM B

1801-1 orientierte Ordnungsstruktur sorgt

ebenso dafür, dass man sich schnell zurechtfindet,

wie eine Volltextsuche in der

kompletten Datenbank oder in ausgewählten

Gewerken. Auch Suchvorschläge oder

eine Ähnlichkeitssuche vereinfachen die

Suche, Ergebnisfilter erleichtern die Auswahl

bei sehr vielen Suchtreffern. Die in der

Textvorschau angezeigte Produkt- oder

Leistungsbeschreibung kann meist einfach

per Drag & Drop in einer Sammelbox

abgelegt und ebenso einfach oder per Datenschnittstellen

wie GAEB 90, GAEB DA

XML, DATANORM, DOC, RT, XLS, teilweise

auch in den ÖNORM-Formaten B2063 und

A2063 in ein AVA-Programm importiert

werden. Manchmal können die Datenbanken

auch direkt aus der jeweiligen Software

aufgerufen und genutzt werden.


www.architektur-online.com

131

edv

Worauf sollte man achten?

Das Datenbank-Konzept – offline als CD-

ROM, respektive Download-Link oder online

als Web-Lösung – hat mehrere Auswirkungen.

Unter anderem auf die Aktualität

der Daten und die Art und Weise, wie häufig,

von wem und in welcher Form aktualisiert

wird: beispielsweise jährlich vom Datenbankanbieter

oder mehrmals jährlich als

Download. Bei einer Web-Lösung aktualisieren

die Bauprodukthersteller kontinuierlich

ohne Zutun des Datenbanknutzers.

Auch der Umfang des Angebots spielt eine

wichtige Rolle, denn mit ihm steigt auch die

Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer genau

die Hersteller, Produkte, Gewerke und Leistungen

findet, die er sucht. Bei öffentlichen

Aufträgen dürfen einzelne Hersteller oder

Produkte nicht bevorzugt werden, was in

der Nennung eines Fabrikat- oder Produktnamens

aber der Fall ist. Ausnahmen sind

zulässig, wenn beispielsweise andernfalls

der Aufwand für die Ersatzteilhaltung,

Mitarbeiterschulung oder Wartung und

Instandhaltung aus technischen oder wirtschaftlichen

Gründen unvertretbar hoch

wäre. Die weitere Frage ist deshalb, ob der

Angebotsschwerpunkt auf produktspezifischen

Angebotstexten liegt (z. B. AUS-

SCHREIBEN.DE) oder ob ausschließlich

produktneutrale Ausschreibungstexte offeriert

werden (z. B. SIRADOS Baudaten).

Gehören öffentliche und international ausgeschriebene

Aufträge zum Tätigkeitsspektrum,

sollte man auch auf Normen-Konformität,

respektive mehrsprachige Texte

achten. Sind zusätzliche Informationen und

Daten enthalten, wie Einheitspreise, technische

Informationen, Planskizzen oder Produktfotos,

lassen sich auch Baukosten oder

Angebote kalkulieren, Detailpläne zeichnen

oder bebilderte und dadurch für Privatkunden

attraktivere, weil anschaulichere Angebote

erstellen. Angaben zu Einheitspreisen

sollten aktuell sein, von Experten anhand

von Marktdaten recherchiert werden oder

aus abgerechneten Projekten stammen.

Das gilt natürlich auch für die vorformulierten

Ausschreibungstexte, die regelmäßig

von Planern, respektive den Bauproduktherstellern

geprüft und an aktuelle Entwicklungen

angepasst werden sollten.

Bei den Angaben zu den Kosten der Datenbank

sollte man darauf achten, ob es sich

um einen Kauf- oder Mietpreis handelt, respektive

welche laufenden Kosten – etwa bei

jeder Aktualisierung – zu berücksichtigen

sind. Bei kostenpflichtigen Web-Lösungen

respektive einer Software-Miete ist die

Laufzeit des Mietvertrags wichtig. Welche

Variante wirtschaftlicher ist, ob online oder

offline, hängt vor allem von der Nutzungsdauer

ab. Bei einer kurzfristigen Nutzung

ist das Abonnement im Allgemeinen günstiger,

eine Nutzung über mehrere Jahre ist

meist als Offline-Variante sinnvoller.

Wer bietet was?

Folgende Datensammlungen für Ausschreibungen,

Kostenkalkulationen und Angebote

werden offeriert (ohne Anspruch auf

Vollständigkeit):

Die frei zugängliche und in viele AVA- und

Handwerkerprogramme integrierte Online-Datenbank

AUSSCHREIBEN.DE von

ORCA Software bietet rund eine Million

Leistungsbeschreibungen von Produktherstellern

aus unterschiedlichen Gewerken

sowie herstellerneutrale und normkonforme

Texte zum kostenlosen Download. Die

Texte werden von den Herstellern gepflegt

und sind so stets aktuell. Suchfunktionen

und eine klare Strukturierung ermöglichen

eine schnelle LV-Zusammenstellung (www.

ausschreiben.de).

Offline- oder Online-Datenbanken bieten

produktspezifische oder produktneutrale

Ausschreibungstexte. © Heinze

Dank zahlreicher Schnittstellen lassen sich die

Daten praktisch in alle AVA- und Handwerkerprogramme

importieren. © Orca Software

BAUDATENBANK.AT von Info-Techno Baudatenbank

ist ein Online-Portal für Baustoffe,

Bau- und Ausstattungsprodukte für

Planung, Kalkulation, Ausschreibung und

Anwendung. Eine Produkt- und Firmendatenbank,

herstellerspezifische CAD-/

BIM-Daten, Preislisten und Normen gehören

ebenso zum Leistungsumfang wie

eine Ausschreibungstext-Datenbank. Diese

bietet eine Vielzahl produktspezifischer

LV-Texte von renommierten Herstellern aus

den Bereichen Hochbau und Haustechnik

nach ÖNORM B2063/A2063 und in anderen

Formaten (www.bdb.at).


architektur FACHMAGAZIN

132

edv

Die kostenpflichtige Online-Datenbank BKI

Positionen des Baukosteninformationszentrums

enthält rund 5.600 Leistungspositionen

aus 91 Gewerken mit über 13.000

aktuellen Baupreisen, getrennt für die Bereiche

Neu- und Altbau. Die Ausschreibungstexte

sind von Fachverbänden geprüft und

VOB-konform. Die statistischen Baupreise

werden über die Auswertung abgerechneter

Projekte ermittelt. Die Daten ermöglichen

damit regelkonforme Ausschreibungen, präzise

Kostenermittlungen und eine schnelle

Prüfung von Baupreisen (www.bki.de).

Einen alternativen Ansatz verfolgt Dr. Schiller

& Partner mit DBD-BIM. Qualitäten und

Kosten werden bereits während der BIM-/

CAD-Planung definiert. Die dafür nötigen

Baudaten wie Bauleistungen, Preise, Normen

und Richtlinien stehen mit DBD-BIM

direkt in der CAD-/BIM-Software passend

zum bearbeiteten Bauteil zur Verfügung.

Auch in BIM-fähigen AVA-Programmen lassen

sich IFC-Bauteile bemustern, was eine

durchgängige Datennutzung ermöglicht

(www.dbd-bim.de).

Auch in BIM-fähigen AVA-Programmen

lassen sich IFC-Bauteile bemustern, was

eine durchgängige Datennutzung ermöglicht

(www.dbd-bim.de). Die kostenlose,

nach Herstellern sortierte Online-Datensammlung

Heinze Hersteller-Ausschreibungstexte

von Heinze mit über 350.000

produktspezifischen Leistungsbeschreibungen,

Ausschreibungstexten und Muster-LVs

von 410 Bau- und Ausstattungsprodukte-Herstellern

beschleunigt die

LV-Erstellung und erhöht die Rechtssicherheit.

Einzelne Leistungsbeschreibungen

oder ganze Strukturelemente werden entweder

per GAEB-, Text- oder PDF-Format

oder über eine direkte AVA-Schnittstelle

in das aktuelle LV eingefügt. Mit den produktneutralen

Stammpositionen Heinze

Ausschreibungstexte vom gleichen Hersteller

lassen sich Leistungsverzeichnisse

schnell und präzise erstellen. Die vorformulierten

Texte zu mehr als 40 Gewerken

im Bereich Hochbau werden regelmäßig

von Planern aktualisiert und beschleunigen

die Erstellung rechtssicherer Leistungsverzeichnisse.

Ebenfalls von Experten geprüfte

Orientierungspreise und zugewiesene Kostengruppen

runden die als Online- und Offline-Lösung

erhältliche Datensammlung ab

(www.heinze.de).

LV-Texte – Leistungspositionen mit ZTV

der Verlagsgesellschaft Rudolf-Müller enthalten

über 5.500 Leistungspositionen aus

40 Gewerken für Hoch- und Objektbau. Die

Texte berücksichtigen auch Schnittstellen

zu Vor- und Folgeleistungen. Einheitspreise

und Kalkulationshinweise für die eigene

Preisbildung vereinfachen die LV- und Angebotserstellung.

Zusätzliche technische

Vertragsbedingungen, Ausschreibungshinweise

und eine Zuordnung zu Kostengruppen

ergänzen das Angebot. Ein AVA-Datenimport

ist über GAEB und native Formate

möglich (www.besser-ausschreiben.de).

STLB-Bau Online von DIN Bauportal offeriert

mit mehr als einer Million Ausschreibungstexten

aus 77 Gewerken eine umfangreiche

Online-Sammlung aktueller, neutraler

und VOB-gerechter Ausschreibungstexte.

Die Datensammlung wird zweimal pro Jahr

aktualisiert. Alle Ausschreibungstexte entsprechen

der aktuellen VOB-Ausgabe, den

einschlägigen technischen Regelwerken,

den öffentlich rechtlichen Bestimmungen

und den anerkannten Regeln der Technik

(www.stlb-bau-online.de).

Die sirAdos-Baudaten von WEKA Media

werden in mehreren Varianten offeriert.

Das Komplettpaket Architektur Premium

enthält die Bereiche Neubau, Bauen im Bestand,

Tiefbau/GaLa, Heizung, Lüftung, Sanitär,

Elektro, Asbestsanierung, Reinigung/

Wartung und Gebäudeelementen, inklusive

VOB-Vorbemerkungen und Vertragsbedingungen.

Die Daten sind strukturiert und

enthalten marktrecherchierte Baupreise,

Zeitwerte, Skizzen und Kostengruppen. Die

Daten lassen sich per GAEB-, DATANORM-,

ÖNORM-, und weitere Schnittstellen importieren

(www.sirados.de).

Auf der Online-Baudatenbank www.euro-

BAU.com der Inndata Datentechnik präsentieren

rund 120 Anbieter ihre Produkte,

davon 44 inklusive LV-Texten. Die kostenfreien

produktspezifischen LV-Daten lassen

sich per ÖNORM A 2063-Schnittstelle

Weitere Infos und Quellen*

https://besser-ausschreiben.de

https://avanova.de/textsysteme

www.cad.de

Werden Bauteile bereits in der CAD-/BIM-Software

beschrieben, lassen sich daraus VOB-konforme

produktneutrale Leistungsbeschreibungen

und Kosten generieren. © Dr. Schiller & Partner

in AVA- oder Angebotsprogramme importieren.

Integriert ist auch kostenpflichtiger

BIM-Bauteilserver der nach ÖNORM

A 6241-2 konforme Standardkalkulationen

ermöglicht. BIM-Bauteile mit hinterlegten

LV-Positionen sind kostenfrei (www.eurobau.com).

Fazit und Trends

Online-Datenbanken für Ausschreibungstexte

und Preise rationalisieren die LV-Erstellung,

machen sie komfortabler und

sicherer, sofern die Daten regelmäßig aktualisiert

werden. Sobald sich die modellorientierte

Planung mittel- und langfristig

durchsetzt, wird das auch die Bereiche

Ausschreibung, Kostenplanung und Angebotskalkulation

verändern. Ausschreibungstexte

werden dann beispielsweise

nicht mehr manuell zusammengestellt,

sondern aus dem BIM-Modell automatisch

generiert. DBD-BIM gibt hier die Richtung

vor. Damit lassen sich Bauteile bereits in

der CAD- oder BIM-Software beschreiben

und bauteilorientiert verknüpfen. Daraus

können normenkonforme, produktneutrale

Leistungsbeschreibungen und Kosten

generiert werden. Ein weiterer Trend sind

BIM-Objektdatenbanken, die auch Ausschreibungs-

und Kosteninformationen

bieten sowie Ausschreibungstext-Datenbanken,

die zunehmend BIM-Objekte offerieren.

Langfristig wird wohl auch hier zusammenwachsen,

was zusammengehört.

Anbieter mit Ausschreibungstipps

Übersicht LV-Textdatenbanken

Rubrik „Foren AEC“, „AVA Bauwesen“

Rösel, W./Busch, A.: AVA-Handbuch, Ausschreibung - Vergabe - Abrechnung,

9. Auflage, Springer Vieweg, Wiesbaden 2017

* Ohne Anspruch auf Vollständigkeit


Jeder Einzelne von uns kann die Welt zum Besseren

verändern. Helfen wir den Menschen in Äthiopien

sich selbst zu helfen und die Armut zu besiegen!

MEHR AUF MFM.AT

Bankinstitut Raiffeisen

IBAN AT28 3200 0000 0022 2000

GEMEINSAM SIND WIR MENSCHEN FÜR MENSCHEN!

Menschen für Menschen dankt für die Schaltung dieses Gratisinserats sowie PARTLHEWSON und der Werbeakademie für die Gestaltung.


Made of Stil.

crona steel von Archirivolto.

Den können Sie ruhig im Regen stehen lassen. Mit seinen ergonomisch

geformten Flachstahlstreben passt crona steel zu jeder Umgebung

und trotzt jedem Wetter – selbst in der Sitzkissenvariante. Mit den

wasserfesten Polstern in verschiedenen Farben lassen sich auf Terrasse

und Balkon die richtigen Akzente setzen. So sorgen Sie für eine starke

Außenwirkung.

www.selmer.at

Exklusiver Partner der Brunner Group für Österreich

www.brunner-group.com

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine