KDA-Themenheft_2019_Mobilitaet_190607-web

kwa.ekd59013

Bitte wenden

Ökologische und soziale

Herausforderungen einer

zukünftigen Mobilität.

THEMENHEFT 2019

Impulse für Wirtschaft,

Arbeitswelt und Kirche

mit Materialien für

Gottesdienst und Gemeinde


INHALT

VORWORT UND GRUSSWORT

03 Vorwort

04 Grußwort

EINLEITUNG

05 Bitte wenden

DAS THEMA

09 Ressourcenleicht, naturverträglich

und selbstbegrenzt –

und besser mobil

13 Eckpunkte einer Verkehrs wende

zu klimafreundlicher Mobilität

2030

16 Mobilität, Klimaschutz und

Arbeitsplätze in Einklang

bringen

STIMMEN AUS DER PRAXIS

18 Es muss das gesamte System

stimmen – Interview mit

Till Oberwörder und Joachim

Horner von EvoBus GmbH

28 Dios es mi Copiloto –

Interview mit Fernfahrer-

Seelsorger Josef Krebs

MOBILITÄT VOR ORT

22 Dortmund sorgt für Bewegung –

Stationen auf den Wegen

zur Nachhaltigkeit

24 „Garantiert mobil !“ –

ein vorbildhaftes Projekt

im Odenwaldkreis

26 Fahrradmodellquartier in der

„Alten Neustadt“ Bremen

SPIRITUELLE ANREGUNGEN

29 Bausteine für Andacht und

Gottesdienst

MOBILITÄT UND KIRCHE

32 Geht doch ! – Ansätze einer

neuen Mobilitätskultur im

Bereich der Kirchen

ZWISCHENRUFE

08 Die Zukunft der Mobilität in

Deutschland

20 Wohin steuert die deutsche

Automobilindustrie?

34 Links & Literatur

35 Impressum

Bitte wenden

Ökologische und soziale

Herausforderungen einer

zukünftigen Mobilität.

REDAKTION & AUTOR*INNEN

AUTOR*INNEN

Dr. h.c. Annette Kurschus

Präses der Evangelischen Kirche von

Westfalen

praeses@lka.ekvw.de

Andrej Cacilio

Betriebswirt und Wirtschaftsinformatiker

Produktmanager für autonome Fahrzeuge

andrej.cacilo@yahoo.de

Dr. Thomas Ernst

Humangeograph

Projektleiter für urbane

Mobilitätskonzepte in einer Kommune

thomas-er@gmx.de

Jobst Kraus

Dipl. Psychologe,

Erziehungswissenschaftler und Theologe,

Bad Boll

Ehrenamtlicher Landesbeauftragter für

nachhaltige Entwicklung beim BUND

Baden-Württemberg

post@jobstkraus.de

Roman Zitzelsberger

Bezirksleiter der IG Metall Baden-

Württemberg, Stuttgart

Roman.zitzelsberger@igmetall.de

MdL Winfried Hermann

Verkehrsminister des Landes

Baden-Württemberg, Stuttgart

winfried.hermann@gruene.landtag-bw.de

Dr. Karina Becker

Leiterin Kolleg

Postwachstumsgesellschaften an der

Universität Jena

kolleg-postwachstum@uni-jena.de

Gunda von Fircks

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und

Referentin der Institutsleitung im Institut

für Kirche und Gesellschaft, Schwerte

gunda.vonfircks@kircheundgesellschaft.de

Stefan Reinhardt

Öffentlichkeitsarbeit odenwaldmobil

OREG mbH, Michelstadt,

s.reinhardt@odenwaldmobil.de

REDAKTIONSTEAM:

Romeo Edel

Wirtschafts- und Sozialpfarrer, Stuttgart

KDA Württemberg

romeo.edel@ev-akademie-boll.de

Thomas Löffler

Wirtschafts- und Sozialpfarrer i.R.

KDA Baden, Mannheim

kda.mannheim@ekiba.de

Heike Miehe

Dipl. Soziologin, Referentin für Arbeit

und Soziales, Mainz

Zentrum für gesellschaftliche

Verantwortung der

ev. Kirche Hessen-Nassau

h.miehe@zgv.info

Karin Uhlmann

Wirtschafts- und Sozialpfarrerin,

Heilbronn

KDA Württemberg

karin.uhlmann@ev-akademie-boll.de

Klaus-Peter Spohn-Logé

Sozialsekretär i.R., Mitglied im KDA

Bundesvorstand, Mannheim

KDA Baden

spohn-loge@kabelmail.de

+++ 1. MOSE 2,15: UND GOTT DER HERR NAHM DEN MENSCHEN UND SETZTE IHN IN DEN GARTEN EDEN,


VORWORT

LIEBE LESERINNEN UND LESER!

Die Zukunft der Mobilität betrifft uns alle, und viele ahnen oder wissen:

Da kommen große Veränderungen auf uns zu. Es kommt darauf an, sich

von diesen Veränderungen nicht überrollen zu lassen, sondern sie zu

gestalten. Wie dies gelingen kann, dazu will die vorliegende Publika tion

Hinweise, Einblicke und auch Hintergrundinformationen geben.

Seit der UN-Konferenz in Rio 1992 steht

der Gedanke der Nachhaltigkeit für die

drei Themenfelder Ökologie, Soziales

und Ökonomie auf der globalen Agenda. Das

lange geltende gleichwertige Nebeneinander

dieser drei Themenfelder wird allerdings vor

allem durch die beiden vom Wuppertal-Institut

für Klima, Umwelt, Energie erstellten Studien

„Zukunftsfähiges Deutschland 1 und 2“ aus

den Jahren 1996 und 2008 infrage gestellt.

Erste Priorität muss vielmehr die Ökologische

Säule haben. Es muss der Menschheitsfamilie

als Ganzer gelingen, die planetarischen Grenzen

der Gefährdung und Zerstörung nicht zu überschreiten.

Ansonsten drohen wirtschaftliche und

auch soziale Folgen ungekannten Aus maßes.

Zugleich ist deutlich, dass die ökologi schen

Ziele nur dann erreicht werden können, wenn es

gelingt, die damit einhergehenden Ein schränkungen

und Kosten sozial abzufedern. Dazu

braucht es ökonomische Rahmen be din gungen,

die sowohl ökologisch verträglichere als auch

sozial gerechtere Verhaltensweisen fördern.

40 Prozent weniger CO 2 im Verkehrsbereich

sollen wir im Jahr 2030 ausstoßen – so hat es

die Bundes regie rung vor gegeben. Um dieses

Ziel zu erreichen, liegt eine „sportlich zu bewältigende

Weg strecke“ vor uns. Denn in den

ver gan genen 30 Jahren lag die Reduktion der

Emis sionen im Verkehrs bereich bei Null. Spätestens

jetzt gilt es zu star ten – nicht zuletzt,

weil es ohne Klima ge rechtigkeit auch keinen

Weltfrieden geben kann.

Doch welche Wege gilt es zu wählen? Das vorliegende

Themenheft möchte zur Orientierung

helfen und zugleich dazu einladen, das Thema

in Gemeinde und Kirche aufzugreifen. Der Philo

soph Seneca hat einmal gesagt: „Nicht weil

es schwer ist, wagen wir es nicht – sondern

weil wir es nicht wagen, ist es so schwer.“ 1

Zu folgenden Fragestellungen finden Sie in dieser

Publikation Material zur Anregung und zum

Weiterdenken:

• Wo stehen wir? Die Problemfelder

• Vier Expertenbeiträge zur Zukunft der

Mobilität

• Mehrere konkrete Beispiele aus der Praxis

• Strukturwandel und soziale Fragen

• Bausteine für Gottesdienst und Andacht.

Ich danke dem Redaktionsteam sehr für die

Erarbeitung dieses für unsere Zukunft eminent

wichtigen Themas und wünsche Ihnen viel

Freude und Gewinn beim Lesen.

MICHAEL KLATT

Landessozialpfarrer i.R., Bundesvorsitzender

des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA)

und Vorsitzender des Evangelischen Verbandes

Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA)

1

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht

wagen, ist es schwer. Lucius Annaeus Seneca (Werk: Moralische Briefe an

Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), XVII/XVIII, CIV, 26)

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

3

DASS ER IHN BEBAUTE UND BEWAHRTE. +++ 5. MOSE 30,19: ICH NEHME HIMMEL UND ERDE HEUTE ÜBER


GRUSSWORT

„Nur Genießer fahren Fahrrad

und sind immer schneller da!“

„Nur Genießer fahren Fahrrad und sind immer schneller da!“

Mit seiner Ode an das Fahr rad hat der passionierte Radfahrer Sebastian

Krumbiegel mit den „Prinzen“ im Jahr 1991 einen Hit gelandet. Eine

Provokation! Eine Irritation moderner Lebens- und Fortbewe gungsgewohnheiten.

Wer hätte damals gedacht, dass das Fahrrad heute einen

zentralen Baustein im Kontext nachhaltiger Mobilitätskonzepte darstellt.

Und längst sind es auch nicht mehr nur die „Genießer“, sondern Pragmati

kerinnen und Pragmatiker, die Sport und Alltagsmobilität, Effizienz

und Klima neutralität ganz bewusst zu verbinden suchen.

Wir Kirchen setzen uns unserem Auftrag

gemäß nach Kräften für Frieden,

Gerechtigkeit und die Bewahrung

der Schöpfung ein. Mit verschiedenen Projekten

und politischem Nachdruck beteiligen wir uns

an der Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele.

Zugleich hinterfragen wir unser eigenes Mo bilitätsverhalten.

Wo können etwa Telefon kon ferenzen

Meetings ersetzen? Dienstreisen mit der

Bahn sind längst selbstverständlich. In ländlichen

Gebieten ist der öffentliche Per so nen nahverkehr

noch unzureichend, im Ruhr gebiet lückenhaft.

Daher werden wir nicht ohne unsere

vier Räder auskommen, setzen allerdings immer

sorgfältiger auf umweltfreundliche Modelle.

Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in

Dortmund werden wir die komplexe Verkehrssituation

der Metropolregion Ruhr erleben. Sie

braucht einen klugen Mobilitätsmix. Staus auf

den Autobahnen in NRW sind buchstäblich

atemberaubend. Eine beeindruckende Alternative

bietet der Radschnellweg Ruhr. Immer

mehr Menschen satteln auch dienstlich um und

erleben dabei Entschleunigung, Eindrücke am

Weg und wachsende körperliche Fitness als

großen Mehrwert. In unseren westfälischen

Kirchengemeinden fördern wir das E-Bike als

Dienstfahrzeug.

Im Rahmen des westfälischen Projektes „Wege

zur Nachhaltigkeit“ werden die UN-Nach hal tigkeitsziele

alltagspraktisch. Dortmunder Initiativen

machen Umweltschutz, soziale Ge rechtigkeit

und Transformation – beim Kir chen tag und

darüber hinaus – erlebbar. Zu Fuß, mit dem

Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrs mitteln

er-fahren Menschen alternative Mobi litätsformen

im urbanen Bereich als einen Schlüssel

zu nachhaltigem Lebensstil. Wir sind überzeugt,

dass eine nachhaltige Mobilität, umwelt- und

menschenfreundlich, möglich ist – nicht gegen,

sondern als Teil ökonomischer Vernunft. Sie bedarf

allerdings tragfähiger Kon zepte. Eine

„Mobilitätskommission“ – etwa als Fortsetzung

der „Kohlekommission“ – könnte tragfähige

Entscheidungen für eine zukunfts fähige mobile

Gesellschaft vorbereiten.

Der Evangelische Verband Kirche-Wirtschaft-

Arbeitswelt e. V. regt mit dieser Broschüre zur

(selbst-)kritischen Auseinandersetzung an und

leistet einen differenzierten Beitrag zur Fachdebatte.

Dafür danke ich allen Beteiligten herzlich!

Den Leserinnen und Lesern wünsche ich

eine bereichernde Lektüre.

DR. H.C. ANNETTE KURSCHUS

Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen

4 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

EUCH ZU ZEUGEN: ICH HABE EUCH LEBEN UND TOD, SEGEN UND FLUCH VORGELEGT, DASS DU DAS LEBEN


EINLEITUNG

BITTE WENDEN

Es ist eine dringliche Bitte, mit der wir uns in dieser Broschüre auseinandersetzen.

Die Mobilität in unserem Land und in vielen anderen Ländern muss sich grundsätzlich

verändern. Die sozialen Folgen einer Mobilitätswende sind vielfältig: Bessere Luft in

den Städten, weniger Staus auf den Straßen, höhere Lebensqualität in den Städten,

mehr Raum für Stadtkultur. Neue Arbeitsplätze, die entstehen, und viele, die wegfallen.

Das alles will gestaltet werden.

Die überhöhten Schadstoffbelastungen

vor allem in unseren Innenstädten haben

zuerst die Zivilgesellschaft, dann

die Gerichte und schließlich die Verwaltungen

angetrieben: Das kann so nicht bleiben! Doch

flächendeckende Verkehrs verbote sind auch

keine gute Lösung.

Viel zu lange hat die Berliner Politik gezögert,

um Hardwarelösungen zu ermöglichen bzw.

einzufordern, um die Luftqualität für Millionen

von Menschen in den Städten zu verbessern.

Die jüngsten Ergebnisse der Verkehrskommission

vom März 2019 für mehr Klimaschutz

im Verkehr sind bescheiden. Im Blick sind

eigentlich nur andere Antriebstechniken bzw.

andere Energieträger, eine Wende in der Mobilitätskultur

wird kaum bedacht. 2

Seit 1990 ist es in Deutschland

nicht gelungen, den CO 2 -Ausstoß

im Ver kehrs bereich zu senken.

Weltweit nehmen die CO 2 -Emissionen immer

noch zu, unsere Mobilität hat einen großen

Anteil daran. Zugleich gibt es auch in der

Mobilitätswirtschaft erhebliche Anstrengungen,

diese klimaschädlichen Abgase pro erbrachter

Leistung der Motoren deutlich zu senken.

Aber die Leistungen steigen: Größere Fahrzeuge

(z. B. SUVs) und größere Entfernungen

machen die Effizienzsteigerung zunichte (der

so genannte „Rebound-Effekt“). So ist es in

Deutsch land seit 1990 insgesamt nicht gelungen,

den CO 2 -Ausstoß im Ver kehrsbereich zu

senken. Nach Beschlusslage der Bundesregierung

sollen jetzt aber bis 2030 40 Prozent

eingespart werden.

In der Elektromobilität sehen viele die Lösung

für die ökologischen und gesundheitlichen

Probleme: weniger Schadstoffe, weniger CO 2 .

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

5

ERWÄHLST UND AM LEBEN BLEIBST, DU UND DEINE NACHKOMMEN. +++ 1. KÖNIGE 19,7: DER ENGEL SPRACH


EINLEITUNG

Das führt im Moment noch zu einem Mehr an

Arbeitskräften, zugleich fürchten viele mittelfris

tig (bis 2030) den Wegfall von Arbeitskräften,

z. B. in Baden-Württemberg bis zu 100.000

oder auch mehr. Vielleicht kommt dem Wegfall

von Arbeitnehmer*innen in der Mobilitäts wirtschaft

der steigende Anteil von Baby boomern,

die in Rente kommen, entgegen. Das heißt, es

fallen nicht mehr Arbeitsplätze weg, als Arbeitnehmer*innen

in Rente gehen. Manche rechnen

mit einem höheren Bedarf im Bereich des Handwerks

und der Pflege.

Ein Problem für den gewohnten Wohlstand in

unserem Lande wird aber der Wegfall von sehr

gut bezahlten Arbeitsplätzen sein, deren Finanzkraft

fehlt.

Mit der einseitigen Festlegung auf die Elek tromobilität

entstehen auch neue Fragen: Wird es

genügend Rohstoffe für die Millionen von neuen,

großen Batterien geben? Haben wir schon eine

Ahnung, wie wir diese dann entsorgen? Wer

sorgt für die sozialen und ökologisch guten

Bedingungen in den Abbauregionen?

Und schließlich, die Automobilwirtschaft und

auch die Politik sind sich noch nicht klar, ob sie

wirklich einseitig nur auf eine batteriegestützte

Elektromobilität setzen wollen oder ob auch

Wasserstoff- und Brennstoffzellen oder die

Um wandlung von erneuerbaren Energien hin zu

gasförmigen oder flüssigen Treibstoffen weiterhin

eine Option sein sollen oder müssen.

Für die Luftfahrt und die Seefahrt scheint es im

Moment keine Alternative zu verbrennbaren

Treibstoffen zu geben, und damit wird dieser

Antriebsstrang weiter auch technisch realisiert

und vorgehalten werden.

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betrachten

diese Ungewissheiten mit Sorge: Was

wird das für ihre Arbeitsplätze in Zukunft bedeuten?

Trotz dieser Fragen und Unklarheiten

scheint es unumgänglich, dass wir vor einer

großen Trans formation stehen, die alle Lebensbereiche

durchdringen wird. Die Automobilwirtschaft

in Deutschland steht in besonderer

Weise vor der Herausforderung, ob sie diese

Veränderungen noch überwiegend selbst ge­

Die Idee der Zukunft heißt:

menschengerechte Städte

mit kurzen Wegen, mehr

Platz für Men schen und mehr

Nahversorgung.

stalten möchte oder im anderen Fall durch andere

Akteure in anderen Ländern zu Ver än derungen

gezwungen wird, auf die sie nur wenig

Einfluss haben wird. Also: Future by design or

by disaster? 3

Die Größe der Herausforderung wird daran

deut lich, dass die Infrastruktur – unsere Straßen-

und Schienennetze, die unsere Mobilität

erst ermöglichen – zugleich höchst immobil

sind. Veränderungen von Straßen und Schienen

benötigen Jahrzehnte für Planungen und Umsetzung.

Dabei müsste manches sich sehr

grundsätzlich ändern, damit wir eine andere

Mobilitätskultur leben können. Die Struktur unserer

Städte beruht seit der zweiten Hälfte des

letzten Jahrhunderts weltweit auf der Idee der

„Charta von Athen“ 1933: Für die modernen

Menschen in der modernen Stadt sollten die

vier klassischen Funktionen des menschlichen

(Zusammen-)Lebens getrennt werden: Wohnen,

Arbeiten, Einkaufen und Freizeit. Die Folgen

sind längere Wege, mehr Straßen, mehr Flächen

verbrauch, kurz gesagt: autogerechte

Städte mit mehr Verkehr und mehr Stau.

6 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

ZU ELIA: STEH AUF UND ISS! DENN DU HAST EINEN WEITEN WEG VOR DIR. +++ PSALM 16,11: DU TUST MIR


EINLEITUNG

Wenn wir das nicht selbst gut gestalten, dann

wird uns der Takt von außen her vorgegeben

und wir schauen nur noch zu oder versuchen

Schadensbegrenzung.

Wenn wir die Herausforderung bei uns nicht gut

annehmen und bewältigen, dann wird uns die

Transformation überrollen.

Die Idee der Zukunft heißt: menschengerechte

Städte mit kurzen Wegen, mehr Platz für Menschen

und mehr Nahversorgung.

Der Weg dorthin wird Jahre dauern, und zugleich

gibt es schon viele Städte, die sich auf

den Weg gemacht haben zu einer neuen Mobilitätskultur.

Dabei werden neben dem öffentlichen

Verkehr Fußwege und Fahrrad fahren

neue Bedeutung erlangen. 4

Wie aber kommen wir da hin?

Im Konziliaren Prozess aus den 1980er-Jahren

haben wir in den Kirchen deutlich gemacht:

Frieden, Gerech tig keit und Bewahrung der

Schöpfung gehören zusammen. Weltweit könnten

wir dies in unserer Zeit mit dem einen Satz

zusammenfassen: Ohne Klimagerechtigkeit

kein Frieden! Das gilt für die internationale

Völkergemeinschaft genauso wie für den sozialen

Frieden in unserem Land.

Gerade auch für die Abnahme der Anzahl der

Arbeitsplätze in der Automobilwirtschaft benötigen

wir so zial verträgliche Übergänge, ansonsten

wird der ökologische Umbau nicht

gelingen.

Anderseits können wir den ressourcenintensiven

Lebensstil und Konsum vor allem in den

reichen Ländern nicht aufrechterhalten, ohne

das Weltklima im realen und auch im übertragenen

Sinne massiv zu gefährden. Der reale

Wandel schlägt mit heißeren Sommern, längeren

Trockenzeiten in Afrika, mehr und stärkeren

Wirbelstürmen an vielen Orten der Welt

zu. Die Folge ist auch eine zunehmende Anzahl

von Menschen, die vor diesen Veränderungen

fliehen hin in die Regionen, die weniger von

diesen Klimaveränderungen bedroht und oft

zugleich die Verursacher sind. Folgen von maßlosem

Verhalten.

Es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass

Energie- und Ressourcenverbrauch sowie CO 2 -

Emis sio nen deutlich teurer werden müssen.

Dafür muss ein sozialer Ausgleich geschaffen

werden. Wir werden uns aber auch damit

anfreunden müssen, dass für einen großen Teil

der Be völkerung CO 2 -intensive Mobilität so

teuer werden muss, dass wir uns manche

Wege nicht mehr leisten können. Dies ist die

unangenehme Wahrheit, die sich mit der Mobilitätswende

verknüpft. Wir haben uns entschieden,

dies hier zu benennen, auch wenn es

viele nicht hören mögen. Zugleich dürfen wir

uns darauf freuen, dass unsere Städte und Dörfer

lebenswerter werden, dass wieder mehr

Menschen mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs

sind. Dass Urlaube und Erholung auch in Euro

pa möglich sind.

Es gibt viele Gemeinden und Städte, die sich

dies zum Ziel gesetzt haben, von ein paar werden

wir in diesem Heft berichten.

ROMEO EDEL

2

Siehe Artikel: Ressourcenleicht, naturverträglich und selbstbegrenzt, S. 9 ff.

3

Siehe Beitrag: Mobilität, Klimaschutz und Arbeitsplätze, Seite 16 f.

4

Siehe dazu die Beiträge: Mobilität vor Ort Seiten 22, 24 und 26

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

7

KUND DEN WEG ZUM LEBEN. +++ PSALM 24,1: DIE ERDE IST DES HERRN UND WAS DARINNEN IST, DER


ZWISCHENRUFE

DIE ZUKUNFT DER MOBILITÄT IN DEUTSCHLAND

IM LICHT DER NACHHALTIGKEITSZIELE DER

VEREINTEN NATIONEN FÜR DAS JAHR 2030

Im September 2015 haben die Vereinten Nationen 17 Ziele für eine nachhaltige

Ent wick lung beschlossen. Im Ziel 11 dieser Agenda geht es um die Entwicklung von

Städten und Siedlungen. Mit der Verabschiedung der Sustainable Development Goals

(SDGs) werden auch die sogenannten hochentwickelten Länder zu Entwicklungsländern,

da sie weit davon entfernt sind, zukunftsfähig zu sein.

Im Einzelnen wird gefordert: Bis 2030 soll

der Zugang zu sicheren, bezahlbaren, zugänglichen

und nachhaltigen Verkehrssystemen

für alle ermöglicht und die Sicherheit

im Straßenverkehr verbessert werden, insbesondere

durch den Ausbau des öffentlichen

Ver kehrs, mit besonderem Augenmerk auf den

Bedürfnissen von Menschen in prekären Situationen,

Frauen, Kindern, Menschen mit Behinderungen

und älteren Menschen. (11.2)

Bis 2030 soll die Verstädterung inklusiver und

nachhaltiger gestaltet und die Kapazitäten für

eine partizipatorische, integrierte und nachhaltige

Siedlungsplanung und -steuerung in allen

Ländern verstärkt werden. (11.3)

Bis 2030 sollen die von den Städten ausgehenden

Umweltbelastungen pro Kopf gesenkt

werden, unter anderem mit besonderer Aufmerksamkeit

für die Luftqualität … (11.6) 5

ZUSAMMENGESTELLT VON ROMEO EDEL

5

Vgl. Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

8 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

ERDKREIS UND DIE DARAUF WOHNEN. +++ PSALM 31,9: DU STELLST MEINE FÜSSE AUF WEITEN RAUM. +++


DAS THEMA

RESSOURCENLEICHT, NATURVERTRÄGLICH

UND SELBSTBEGRENZT – UND BESSER MOBIL

Baden-Württemberg – ein Leuchtturm für eine ökologische Industriepolitik

im Mobilitätssektor?

In einer Situation sprudelnder Gewinne im

Automobilland Baden-Württemberg war es

eine Provokation, die Automobilindustrie

und die Bevölkerung zu einer doppelten Transformation

herauszufordern: die Industrie zur

pro-aktiven Gestaltung des aufkommenden

Strukturwandels, die Bevölkerung zur Veränderung

ihres gewohnten Mobilitätsverhaltens.

Notwendig war dies geworden angesichts unbeantworteter

globaler Herausforderungen, wie

der Einhaltung der Klimaziele von Paris, der

Knappheit nicht-energetischer Ressourcen und

einer ungebremsten Flächenversiegelung. Als

wissenschaftlicher Beitrag, wie nachhaltige

Mobilität in Baden-Württemberg in Zukunft

aussehen und aktiv gestaltet werden kann, hat

die Baden-Württemberg-Stiftung, initiiert vom

BUND e. V. Landesverband Baden-Württemberg,

das Projekt Mobiles Baden-Württemberg –

Wege der Transformation zu einer nachhaltigen

Mobilität 6 in Auftrag gegeben.

Zusammen mit Stakeholdern aus der Automobilindustrie,

den Gewerkschaften, Verkehrsunternehmen

oder Umweltverbänden wurden

drei Szenarien zur Mobilität in Baden-Württemberg

im Jahr 2050 formuliert.

SZENARIO „NEUE INDIVIDUALMOBILITÄT“ (NIM)

Hohes Bedürfnis nach Individualität

und Flexibilität

Mobilität dient der sozialen

Distinktion

Individualverkehr mit Pkw

weiterhin dominant

Automatisierung führt zu Komfortsteigerung

von Pkw

Bessere Lebensqualität in Städten

v. a. durch weniger Emissionen

Anbindung des ländlichen Raumes

vorwiegend über autonom

fahrende Privat-Pkw

Güter- und Luftverkehr weiter

ansteigend

Das Szenario „Neue Individual

mobilität“ (NIM) ist geprägt

durch ein weiterhin

hohes Bedürfnis nach Individualität

und Flexibilität. Der

Individualverkehr mit Pkw

ist weiterhin dominant. Das

eigene, vielfach autonom

fahrende Auto ist – unabhängig

von Alter, Gesundheit

und Führerschein – in städtischen

wie ländlichen Räu men

für die meisten Menschen erschwinglich.

Eine untergeordnete

Rolle spielen fahrerlose

Busse im öffentlichen Verkehr

(ÖV) und ergänzende Fahrzeug-Sharing-Angebote.

Die Fahrleistung der Pkw

nimmt gegenüber heute geringfügig

ab. Die Lebensqualität

in Städten hat sich

v. a. durch niedrigere Emissio

nen der elektrifizierten

Fahrzeuge etwas verbes sert.

Güter- und Luftverkehr steigen

weiter an.

Quelle: Ergebnisse der Studie „mobiles baden-württemberg“

Fortsetzung: nächste Seite

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

9

PSALM 37,5: BEFIEHL DEM HERRN DEINE WEGE UND HOFFE AUF IHN, ER WIRD‘S WOHL MACHEN. +++ PSALM


DAS THEMA

SZENARIO „NEUE DIENSTLEISTUNGEN“ (NDL)

Sharing-Kultur breitet sich aus

Neue Mobilitätsangebote und

Carsharing erobern den Markt

Kombination von ÖV und indivi duellem

Fahren wird zum Mainstream

Pkw-Bestand geht v. a. in Städten

zurück, ÖV- und Rad-Anteil steigt an

Multimodale Mobilitätsketten

binden den ländlichen Raum an

Neue Formen der Nahversorgung

auf dem Land

Wachstum bei Güter- und

Luftverkehr verlangsamt sich

Im Szenario „Neue Dienstleistungen“

(NDL) ist die

Sharing-Kultur wesentlicher

Treiber. Autos haben als Statussymbole

in vielen Milieus

an Bedeutung verloren.

Stattdessen werden sie in unterschiedlichen

Größen und

für unterschiedliche Zwecke

bestellt, genutzt und danach

zur weiteren Nutzung wieder

freigegeben. Neue Mobilitätsangebote

erobern den Markt.

Der Pkw-Bestand geht v. a. in

Städten zurück und sinkt um

zwei Drittel gegenüber heute.

In den Städten findet eine

Umnutzung von öffentlichem

Parkraum zugunsten von aktiver

Mobilität (Fuß- und

Radmobilität) und Flächen mit

hoher Aufenthaltsqualität

statt. Über multimodale Mo bilitätsketten

sind ländliche

Räume gut erschlossen. Die

Zunahme des Güter- und Luftverkehrs

verlangsamt sich.

SZENARIO „NEUE MOBILITÄTSKULTUR“ (NMK)

Stärkung von Nahversorgung und

Nahmobilität

Mobilität wird durch attraktives,

öffentliches Verkehrssystem mit

unterschiedlichsten Fahrzeuggrößen

(Ridesharing) sichergestellt

MIV und Pkw-Besitz spielen nur

noch eine geringe Rolle

Flächenumwidmung zugunsten von

Aufenthaltsqualität und NMIV

Funktionsmischung, kurze Wege

Hoher Anteil NMIV und attraktive,

autofreie Quartiere

Stärkere Nachfrage nach regionalen

und langlebigeren Produkten

Trendumkehr bei Wachstum von

Güter- und Luftverkehr

Wesentliches Merkmal des

Szenarios „Neue Mobilitätskultur“(NMK)

ist die hohe Bedeutung

von Nahversor gung

und Nah mobi lität im Jahr

2050, was zu einem starken

Anstieg der aktiven Mobilität

führt. Darüber hinaus wird

Mobilität durch ein attrakti ves,

öffentliches Verkehrs system

mit unterschiedlichsten Fahrzeuggrößen

sicherge stellt.

Er gän zend nehmen Bike- und

Carsharing-Angebote zu. Die

Verkehrsleistung geht durch

die kürzeren Wege bis zum

Jahr 2050 um knapp ein Drittel

zurück. Der Pkw-Besitz

spielt nur noch eine geringe

Rolle und der Pkw-Be stand

sinkt in Baden-Württemberg

durch Verlagerung auf den

Umweltverbund (ÖV, Fuß- und

Radverkehr) von 6 Mio. auf

rund 1 Mio. Fahrzeuge. Es

finden weitreichende Flächenumwidmungen

zugunsten von

Aufenthaltsqualität und Selbstbe

weglichkeit statt. Durch

eine stärkere Nach frage nach

regionalen und langlebigeren

Produkten ergibt sich eine

Trendumkehr beim Wachstum

von Güter- und Luftverkehr.

Quelle: Ergebnisse der Studie

„mobiles baden-württemberg“

10 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

91,11F: DENN ER HAT SEINEN ENGELN BEFOHLEN, DASS SIE DICH BEHÜTEN AUF ALLEN DEINEN WEGEN,


DAS THEMA

Im Hinblick auf unterschiedliche Nachhaltig keitsindikatoren im

Handlungsfeld Mobilität zeigen sich für die drei Szenarien deutliche

Ab weichungen in den Ausprägungen.

ÖKOLOGISCH

ÖKONOMISCH

SOZIAL

Indikator

Neue

Individualmobilität

(NIM)

Neue

Dienstleistungen

(NDL)

Neue

Mobilitätskultur

(NMK)

THG-Emissionen

• • •

Endenergieverbrauch

• • •

Strombedarf

• • •

Nutzung nicht-energetischer Rohstoffe

• • •

Flächeninanspruchnahme

• • •

Luftschadstoffemissionen

• • •

Lärmemissionen

• • •

Verkehrsleistung ÖV

• • •

Modal Split Güterverkehr

• • •

Beschäftigung in der Mobilitätswirtschaft

• • •

Umsatz in der Mobilitätswirtschaft

• • •

Mobilitätskosten

• • •

Bewegung/aktive Mobilität

• • •

Nutzungsmischung

• • •

Erreichbarkeit

• • •

Aufenthaltsqualität öffentl. Raum

• • •

Fortsetzung: nächste Seite

In der Gesamtbetrachtung kommt das

Szenario „Neue Mobilitätskultur“ den Zielen

einer ökologisch und sozial gerechten

Nachhaltigkeit am nächsten.

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

11

DASS SIE DICH AUF DEN HÄNDEN TRAGEN UND DU DEINEN FUSS NICHT AN EINEN STEIN STOSSEST. +++


DAS THEMA

Ein Wandel im Mobili täts verhalten

weg vom motorisierten Indi vi dualverkehr

ist unerlässlich.

In der Gesamtbetrachtung kommt das Szenario

„Neue Mobilitätskultur“ den Zielen einer ökologisch

und sozial gerechten Nachhaltigkeit am

nächsten. Daraus folgt, dass allein ein Fokussieren

auf technische Optionen, beispielsweise

den Einsatz von Elektrofahrzeugen, nicht ausreicht,

um den ökologischen und sozialen

Nachhal tigkeits indi ka toren in ihrer Breite gerecht

zu werden. Vielmehr ist auch ein Wandel

im Mobili täts verhalten weg vom motorisierten

Indi vi dualverkehr unerlässlich. Eine Mobi litätswende

ist insofern als Teil einer gesamtgesellschaftlichen

Trans formation zu verstehen

und bedarf eines offenen gesellschaftlichen

Diskurses, in dem die Politik nicht davor zurückschrecken

darf, klar und deutlich die vorhandenen

Ziel konflikte zu benennen und nach

Übergängen in eine zukunftsfähige Verkehrspolitik

zu suchen.

Eine besondere Herausforderung stellt dabei

der ökonomische Wirkbereich dar, der für alle

drei Szenarien negative Beschäftigungseffekte

für die Mobilitätswirtschaft aufweist. Eine Kompensation

der Beschäftigungsrückgänge ist

zwar durch Verlagerung von Arbeitsplätzen in

andere (Mobilitäts-)Bereiche und eine Arbeitszeitverkürzung

denkbar, setzt jedoch eine

Veränderung der mobilitätswirtschaftlichen

Struktur sowie eine wirtschafts- und gesellschaftspolitische

Umorientierung voraus. Für

eine Sicherstellung der wirtschaftlichen Trag­

fähigkeit Baden-Württembergs ist eine industriepolitische

Strategie notwendig, die den

Struk turwandel frühzeitig aktiv gestaltet.

Voraus setzung hierfür sind langfristige Zukunfts

szenarien für die Mobilitätswirtschaft

und die Wirtschaftsstruktur Baden-Württembergs

insgesamt. Dies ist auch als Chance zu

begreifen. Baden-Würt tem berg kann ein

Leuchtturm für ökologische Industriepolitik im

Mobili täts sektor werden und zeigen, dass ein

nachhal tigkeits orientierter Struktur wan del von

Wirtschaft und Industrie langfristig auch ökonomisch

sinnvoll ist. Die vorliegende Studie mit

ihren Ergebnissen zu den drei betrachteten

Sze narien und Zukunfts visionen sieht sich als

Grundlage für einen solchen Diskurs. Sie zeigt

sowohl Entwicklungen und Chancen auf, die

mit einer Transformation von Mobilitäts verhalten

und Mobilitätswirtschaft einhergehen

können, als auch politische Hand lungsoptionen,

die den Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung

befördern würden.

ANDREJ CACILO

DR. THOMAS ERNST

JOBST KRAUS

6

Die Studie wurde erstellt vom Öko-Institut, dem Fraunhofer IAO,

dem Institut für sozial-ökologische Forschung und dem IMU Institut und

kann hier heruntergeladen werden:

www.bund-bawue.de/fileadmin/bawue/Dokumente/Themen/Mobilitaet/

Mobilitaet_Studie_Mobiles_BW_Langfassung.pdf

www.bund-bawue.de/fileadmin/bawue/Dokumente/Themen/Mobilitaet/

Mobilitaet_Studie_Mobiles_BW_Kurzfassung.pdf

12 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

PSALM 104,24: HERR WIE SIND DEINE WERKE SO GROSS UND VIEL, DU HAST SIE ALLE WEISE GEORDNET. +++


DAS THEMA

ECKPUNKTE EINER VERKEHRSWENDE

ZU KLIMAFREUNDLICHER MOBILITÄT 2030

Die Klimaziele von Paris stellen hohe Anforderungen an den Verkehrssektor.

Im Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept (IEKK) von

Baden-Württemberg sind viele verkehrliche Maßnahmen für das Zieljahr

2020 enthalten, die im Einzelnen erfolgreich sind, aber in Summe noch

keinen durchschlagenden Erfolg hatten. Dazu gehören beispielsweise

umfangreiche Maßnahmen zur Förderung des öffent lichen Verkehrs,

des Fuß- und Radverkehrs, der Elektromobilität, des betrieblichen und

behördlichen Mobilitätsmanagements und der Öffentlichkeitsarbeit.

von: MdL Winfried Hermann, Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg, Stuttgart

VERDOPPLUNG des

öffentlichen Verkehrs

Jedes DRITTE AUTO

fährt klimaneutral

VERKEHRS-

WENDE

2030

EIN DRITTEL weniger

Kfz-Verkehr in den Städten

Jeder ZWEITE WEG selbstaktiv

zu Fuß oder mit dem Rad

Abbildung 1: Verkehrswende zu klimafreundlicher Mobilität 2030.

Abgeleitet aus dem Klimaschutzszenario 2030

Trotz dieser Maßnahmen wird statt einer

angestrebten Reduktion der Treibhausgasemissionen

um Minus 20 bis 25 Prozent

bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 ein

Plus von 11 Prozent erwartet. Um die Klima ziele

der Europäischen Union (EU), der Bundes regierung

und des Landes zu erreichen, ist nicht nur

eine weitreichende Veränderung des heutigen

Mobilitätssystems, sondern auch des Mobi litäts

verhaltens erforderlich. Ein künftiges Bundesklimaschutzgesetz

muss wirksame Maßnahmen

umsetzen, die EU muss die Rah menbedingungen

für Klimaschutz steigern.

Die vier Eckpunkte in Abbildung 1 basieren auf

dem Klimaschutzszenario. Sie sind ein Bei trag

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

13

PSALM 128,1: WOHL DEM, DER DEN HERRN FÜRCHTET UND AUF SEINEN WEGEN GEHT! +++ JESAJA 57,10:


DAS THEMA

Die Landesregierung hat in der

RadSTRATEGIE das Ziel verankert,

den Radverkehrsanteil bis 2030

auf 20 Prozent zu steigern.

zur notwendigen Diskussion, wie die Klimaziele

für Baden-Württemberg erreicht werden

können. 7

ECKPUNKTE

Die vier Eckpunkte für Baden-Württemberg zeigen

die notwendige Größenordnung der Mobilitätsveränderung

auf, um die Klimaschutzziele

im Verkehr erreichen zu können. Sie beziehen

sich auf Handlungsfelder, bei denen das Land

und die Kommunen aktiv werden können, und

ergänzen damit die notwendigen Instrumente

von Bund und EU.

Das Verkehrsministerium geht davon aus, dass

es bis zum Jahr 2030 aus Klimaschutzgründen

notwendig ist, dass

• der öffentliche Verkehr (ÖV) verdoppelt wird,

• jedes dritte Auto klimaneutral angetrieben

wird,

• ein Drittel weniger Kfz-Verkehr in Städten

unterwegs ist und

• jeder zweite Weg selbstaktiv mit Rad oder

zu Fuß zurückgelegt wird.

Für die Verdopplung der Fahrgastzahlen bis

2030 setzt das Land konsequent auf den Ausbau

des Angebots. Der Stundentakt soll an

Wochentagen zwischen 5:00 und 24:00 Uhr

sowie an Wochenenden von 6:00/7:00 bis

24:00 Uhr umgesetzt werden, um ein verlässliches

Grundangebot in der Fläche zu gewährleisten.

Zudem wird der bw-Tarif eingeführt, um

Fahr ten im ÖV zu erleichtern.

Im Jahr 2030 soll ein Drittel der Autos in Baden-

Württemberg klimaneutral fahren. Aus tech nologieneutraler

Sicht können dies Elektro fahrzeuge

oder Fahrzeuge mit anderen An trieben

auf Basis regenerativer Energien sein. Hierfür

sind ein schneller Hochlauf der Ver kaufszahlen

und der Ausbau der Infrastrukturen erfor derlich.

Ein Drittel weniger städtischer Autoverkehr bezieht

sich auf Verkehr, der in die Innenstädte

hineinfährt. Bereits heute gibt es in vielen Städten

Bestrebungen, die zentralen Innenstädte

autofrei zu halten und somit zu mehr Lebensund

Aufenthaltsqualität beizutragen sowie mehr

Flächen für umweltfreundlichere Verkehrsmittel

bereitzustellen.

Die Landesregierung hat in der RadSTRATEGIE

das Ziel verankert, den Radverkehrsanteil bis

2030 auf 20 Prozent zu steigern. Hierfür wird

das RadNETZ systematisch ausgebaut, um

Radschnellwege ergänzt und für eine neue

RadKULTUR geworben. Der Fußverkehrsanteil

soll bis 2030 auf 30 Prozent der Wege gesteigert

werden.

14 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

DU HAST DICH ABGEMÜHT MIT DER MENGE DEINER WEGE. +++ JEREMIA 19,7: SUCHET DER STADT BESTES


DAS THEMA

Damit dies insgesamt gelingt, braucht Deutschland

ein Klimaschutzgesetz und eine Gesamtstrategie

mit Teilschritten zur Umsetzung und

muss zeitnah wirksame Maßnahmen umsetzen.

Auch die EU muss ihre Ziele an den Ambitionsgrad

von Paris anpassen.

BEITRAG DER KOMMUNEN

In den vier Zielbereichen sind auch die Kommunen

gefordert, die notwendigen Veränderungen

für eine Verkehrswende zu klimafreundlicher

Mobilität im Bereich ihrer Möglichkeiten

zu unterstützen. Dafür empfiehlt sich ein Verkehrskonzept,

das den Klimaschutzbeitrag im

Verkehr spezifiziert, geeignete Maßnahmen und

Öffentlichkeitsarbeit entwickelt sowie ein Monitoring

zur Zielerreichung enthält.

Bis zum Jahr 2050 wird eine weitestgehende

Treibhausgasneutralität nach dem Klimaschutz

plan der Bundesregierung und dem

Klima schutzgesetz Baden-Württemberg angestrebt.

Hierdurch werden die Heraus forderungen

nochmals steigen. Dies wird durch

Abbildung 2 illustriert.

Das Verkehrsministerium geht davon aus, dass

es bis zum Jahr 2050 aus Klimaschutzgründen

notwendig ist, dass

• der öffentliche Verkehr (ÖV) verdreifacht

werden muss,

• jedes Auto klimaneutral angetrieben

werden wird,

• halb so viel Kfz-Verkehr in Städten

unterwegs sein wird und

• jeder zweite Weg selbstaktiv mit Rad oder

zu Fuß zurückgelegt werden wird.

EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT

WINFRIED HERMANN MDL

7

Ministerium für Verkehr 2017: Verkehrsinfra struktur 2030 –

Ein Klimaschutzszenario für Baden-Württemberg. Stuttgart

VERDREIFACHUNG

PLUS X des

öffentlichen Verkehrs

JEDES AUTO fährt

klimaneutral

VERKEHRS-

WENDE

2050

HALB SO VIEL

Kfz-Verkehr in den Städten

Jeder ZWEITE WEG selbstaktiv

zu Fuß oder mit dem Rad

Abbildung 2: Verkehrswende zu klimafreundlicher Mobilität 2050.

Abgeleitet aus dem Klimaschutzszenario 2030

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

15

UND BETET FÜR SIE ZUM HERRN; DENN WENN’S IHR WOHL GEHT, SO GEHT‘S AUCH EUCH WOHL. +++ AMOS


DAS THEMA

MOBILITÄT, KLIMASCHUTZ UND

ARBEITSPLÄTZE IN EINKLANG BRINGEN

Bei einer klimaorientierten Mobilitätswende müssen in jedem Fall

auch die sozialen Belange der Beschäftigten und die Ängste der

Menschen berücksichtigt werden.

von: Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, Stuttgart

Seit diesem Frühjahr gehen jeden Freitag

Tausende Schülerinnen und Schüler für

den Klimaschutz auf die Straße. Sie

machen deutlich: Ohne einen tatsächlichen

Kurs wechsel zu einem klimaneutralen Wirtschafts

modell droht unsere Erde für künftige

Gene ra tionen unbewohnbar zu werden. Kilo meter

lange Staus auf Autobahnen, Schneckentempo

in vielen Innenstädten und ein oft unzuverlässiger

ÖPNV symbolisieren schon heute

die Grenzen des bisherigen Mobilitätssystems.

Gleichzeitig sehen sich viele Menschen durch

Dieselfahrverbote bedroht und viele fragen sich,

ob individuelle Mobi lität womöglich bald zu

einem Vorrecht der eher vermögenden und privilegierten

Bevölkerungsgruppen wird. Kurzum:

Mobilität, Klimaschutz und Arbeits plätze beinhalten

das Potenzial, um gegenein ander in

Stellung gebracht zu werden.

Für die IG Metall darf es kein Entweder-oder

ge ben. Vielmehr steht die IG Metall dafür, die

Energie- und Mobilitätswende konsequent an­

zugehen und dies mit dem ureigenen Auftrag

der Gewerkschaftsbewegung zu verbinden. Also:

Sichere Arbeitsplätze und angemessene Einkom

men für die Beschäftigten zu erreichen und

alles dafür zu tun, damit dies auch zu künftig gilt.

Das wird nicht einfach, konkretes Handeln ist

aber dringender geboten denn je: Sowohl China

als auch die USA haben sich aufgemacht, um

führend bei den neuen Technologien rund um

Mobilität zu werden. Knapp 470.000 Be schäftigte

sind heute rund um die Automobil wirtschaft

in Baden-Württemberg tätig. Elektro mobi

lität, autonomes Fahren und neue Mobi litätsdienste

sind keine vorübergehenden Moden,

vielmehr markieren sie deutliche Ver änderungen.

Das Auto und die Auto mobil industrie werden

sich in den nächsten Jahren radikal verändern.

Die Gretchenfrage dabei lautet: Wo entsteht

das Neue und wo wird es produziert?

Unser Anspruch ist es, die industrielle Basis in

Baden-Württemberg so zu erneuern, dass die

neue Generation von Autos an den bestehenden

Knapp 470.000 Be schäf tigte

sind heute rund um die

Automobil wirt schaft in Baden-

Württemberg tätig.

16 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

5,4: SO SPRICHT DER HERR: SUCHET MICH, SO WERDET IHR LEBEN. +++ MATTHÄUS 6,33: TRACHTET AM


Unternehmen können durch

Zuschüsse zu Jobtickets die

Attraktivität erhöhen.

Standorten gebaut werden kann. Dabei geht es

vor allem darum, gute Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung

und Tarifverträge zu verteidigen und

Billigkonkurrenz und Verlagerungen abzuwehren.

Investitionen in das Automobilland Baden-

Württemberg und in zukunftssichere Ar beitsplätze

müssen Vorrang vor hohen Ren di ten für

die Eigentümer haben. Wichtig ist, die gesamte

elektromobile Wertschöpfungs kette zu beherrschen,

dazu gehört insbesondere eine eigene

Batteriezellenproduktion. Hier hat die Industrie

Nachholbedarf und muss schleunigst handeln.

Nicht die Ziele der heutigen Klimapolitik sind

das Problem, vielmehr fehlt es an belastbaren

Konzepten und verbindlichen Maßnahmen dafür.

Auch die geplante Luftverbesserung in den

Städten ist richtig, aber die Politik hat zu lange

mit der Umsetzung gewartet. Seit Jahren fordert

die IG Metall zum Beispiel die Einführung

einer Blauen Plakette, um die notwendigen

Luftreinhaltungsmaßnahmen zu unterstützen.

Dazu gehören auch Übergangsregelungen für

die am stärksten betroffenen Pendler. In verschiedenen

Gremien in Stadt, Land und Bund

hat sich die IG Metall mehrfach für solche

Lösungen eingesetzt. In einem Gespräch zwischen

Vertretern der IG Metall Baden-Württemberg

und dem Landesverkehrsminister ist eine

gemeinsame Erklärung entstanden, die anstelle

von weiteren Fahrverboten Ideen für bezahlbare

und verlässliche Mobilität für alle auflistet.

Darin heißt es u. a.: „In der Region Stuttgart

leben Menschen in der Stadt und auf dem

Land; entsprechend vielfältig sind die Anforderungen

an den Verkehr. Viele Beschäftigte

kommen schon heute zu Fuß, mit dem Rad oder

mit Zug oder Bus zur Arbeit, andere Beschäf­

tigte mit dem Auto oft ohne Mitfahrer. Nicht jeder

Verkehrsträger passt für jeden, aber alle

Beschäftigte müssen schnell, bezahlbar und

stressfrei zur Arbeit kommen. Die besondere

Situation von Beschäftigten in Schichtarbeit ist

zu berücksichtigen. (…) Unternehmen können

durch Zuschüsse zu Jobtickets die Attraktivität

erhöhen. Das Angebot an Bussen und Bahnen

muss konsequent ausgebaut werden. Weitere

sinnvolle Maßnahmen bestehen u. a. in einem

betrieblichen Mobilitätsmanagement, verbesserten

Parkleitsystemen, Mitfahrer-Apps und in

attraktiven Pendlerkonzepten. Die Unternehmen

sind gefordert, Beschäftigte in Sachen nach haltiger

Mobilität besser zu unterstützen und zu

beraten.“ In vielen Betrieben sind es die Be ­

triebsräte und Vertrauensleute der IG Metall,

die sich für bessere Wege zur Arbeit einsetzen.

Mobile Arbeit kann ebenfalls ein Beitrag sein,

um das Verkehrssystem zu entlasten und die

Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben zu verbessern.

Dafür machen wir uns weiterhin stark.

Bei einer klimaorientierten Mobilitätswende

müssen in jedem Fall auch die sozialen Belange

der Beschäftigten und die Ängste der Menschen

berücksichtigt werden. Um darauf aufmerksam

zu machen und um Brücken zu bauen, ruft die

IG Metall am 29. Juni 2019 in Berlin unter dem

Motto „#Fairwandel – sozial, ökologisch, demokratisch

– Nur mit uns“ zu einer Kundgebung

auf, auf der neben gewerkschaftlichen Rednern

auch Umwelt- und Sozialverbände prominent

ver treten sein werden. Es geht um sichere

Ar beitsplätze – und darum, Arbeitsplätze, Mobi

li tät und Klimaschutz in Einklang zu bringen.

ROMAN ZITZELSBERGER

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

17

ERSTEN NACH DEM REICH GOTTES UND NACH SEINER GERECHTIGKEIT. +++ LUKAS 1,78F: GOTTES LICHT


STIMMEN AUS DER PRAXIS

ES MUSS DAS GESAMTE SYSTEM STIMMEN

INTERVIEW MIT TILL OBERWÖRDER UND JOACHIM HORNER, MANNHEIM:

In Mannheim befindet sich eine Produktionsstätte der EvoBus GmbH, einer Tochter des

DAIMLER-Konzerns, mit rund 3.500 Mitarbeitern. Hier werden unter der Marke Mercedes-

Benz ausschließlich Stadtbusse produziert. Schon 1895 war in der vom Automobilpionier

Carl Benz gegründeten Fabrik der erste Linienbus gebaut worden.

Till Oberwörder (links im Bild) ist Leiter des Geschäftsbereichs Daimler Busse und

Geschäfts führer von EvoBus. Joachim Horner (rechts im Bild) ist Vorsitzender des

Gesamt betriebsrats und Mitglied der IG Metall-Tarifkommission in Baden-Württemberg.

Ihr Stadtbus CITARO ist sehr erfolgreich und

fährt weltweit. Verraten Sie uns eini ges

zur aktuellen Produktion in Mann heim?

Oberwörder: In 2018 haben wir mit 2.100 produzierten

Bussen ein durchaus zufriedenstellendes

Jahr gehabt. Wir sind der einzige Bus-

Hersteller in Deutschland und haben hier ein

wichtiges Kompetenzzentrum für Elektrobusse

im Daimler-Konzernverbund.

Horner: Das kann ich nur bestätigen. Schon

1978, als ich in das Werk eingetreten bin, haben

wir Trolley-Busse mit Elektroantrieb gebaut.

Zurzeit bestimmen Stichworte wie „Dieselfahrverbot“

und „verstopfte Innenstädte“

die mediale Debatte. Welche Auswirkungen

hat das für das Produkt „Stadtbus“?

Horner: Wir haben ja über Jahrzehnte hinweg

an der autogerechten Gesellschaft gebaut und

damit riesige Verkehre mit Pendler- und Lieferströmen

produziert. Gleichzeitig ist der Umweltgedanke,

vor allem bei der Antriebstechnik, immer

größer geworden.

Oberwörder: Der Busverkehr leistet einen

wich tigen Beitrag zur Mobilität in den urbanen

Zen tren. Der Bus ist heute schon ein umweltfreund

liches Verkehrsmittel, wenn man nur

ein mal auf den Energieverbrauch pro Kopf oder

die Emis sio nen schaut. Deshalb halte ich bei

diesem Thema eine Entweder-oder-Diskussion

auch nicht für zielführend. Es geht um In termodu

la rität. Das heißt: Wie schafft man es,

dass man die verschiedenen Verkehrs teilnehmer

und -angebote untereinander optimal

ver bindet?

18 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

RICHTE UNSERE FÜSSE AUF DEN WEG DES FRIEDENS. +++ LUKAS 9,62: JESUS SAGT: WER DIE HAND AN DEN


STIMMEN AUS DER PRAXIS

Das Thema Mobilitätswende ist in aller Munde.

Dabei geht es nicht zuletzt um den Übergang

zu einer emissionsfreien E-Mobi lität.

Oberwörder: Mir ist zunächst wichtig, den

Die selmotor nicht grundsätzlich zu verdammen.

Wir haben mit unserem Euro-VI-Dieselaggregat

schon jetzt ein umweltfreundliches Antriebssystem,

was Effizienz und Kosten angeht. Dazu

haben wir hybrid- und erdgasbetriebene Fahrzeuge

im Programm. Jetzt kommt noch der

aus schließlich elektrisch angetriebene eCITARO

hinzu. Doch bei allen Schritten in die Zukunft

braucht es eine Kombination der verschiedenen

Technologien. Es gibt keine „one size fits all“-

Lösungen. Vielmehr muss das gesamte System

stimmen.

Horner: Es geht erst einmal darum, die Batterien

leistungsfähiger zu machen. Denn der

Linien bus soll verlässlich eine Fahrleistung

von 150 bis 250 km am Tag erbringen. Dazu

braucht er den gewohnten Komfort wie Lüftung

oder Heizung, um für die Fahrgäste attraktiv zu

sein. Wenn es darum geht, das Klima der Welt

zu retten, da sind wir dabei. Aber ein Schwarz-

Weiß-Denken hilft uns nicht weiter.

Oberwörder: Vor allem müssen wir jetzt die

Wege aufzeigen, die für die Zukunft gangbar

sind. Dazu gehört auch, dass Planbarkeit und

Der Busverkehr leistet

einen wich tigen Beitrag

zur Mobilität in den

urbanen Zen tren.

Investitionssicherheit für unsere Kunden gewährleistet

sind.

Die künftige Autoproduktion soll nicht nur

ökologisch nachhaltig, sondern auch sozialverträglich

sein. Das heißt, Umwelt wie Arbeits

platz sicherheit müssen gleichermaßen

im Blick bleiben.

Oberwörder: Ich schätze, dass bis zum Jahr

2030 etwa zwei Drittel der Fahrzeuge elektrisch

betrieben werden. Aber dafür wird es

keinen sofortigen Übergang geben können. Das

funktioniert nicht! Deshalb haben wir unseren

eCITARO auch als Serienprodukt angelegt. Das

ermöglicht uns eine Produktion auf dem gleichen

Band wie bei den konventionellen Fahr zeugen.

Damit können wir kontinuierlich auf die sich

verändernde Nachfrage am Markt reagieren.

Horner: Zurzeit setzen wir als Zielbild um, auch

noch in zehn bis 15 Jahren sichere Beschäftigungs

verhältnisse zu haben. Dazu haben wir

mit der Geschäftsführung eine Vereinbarung

getroffen, die bis zum Jahr 2024 Kündigungen

ausschließt.

Zum Schluss: Beim diesjährigen Kirchentag

in Dortmund ist die Zukunft der Mobilität ein

besonderer Themenschwerpunkt. Was würden

Sie sich im Umgang mit diesem Thema

wünschen?

Oberwörder: Wir müssen uns daran gewöhnen,

dass die Geschwindigkeit technologischer

Veränderungen höher geworden ist. Doch umgekehrt

meine ich auch, dass technischen

Entwicklungen die nötige Zeit eingeräumt werden

muss. Und da wünsche ich mir den Fokus

mehr auf der inhaltlichen Diskussion und insgesamt

mehr Rationalität bei diesem Thema.

Horner: Ich wünsche mir mehr Verlässlichkeit,

einen einmal eingeschlagenen Weg dann auch

weiterzugehen. In Deutschland sind genug

In no vationskraft und Technologieerfahrung für

die anstehenden Veränderungen vorhanden. Ich

bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen.

DAS INTERVIEW FÜHRTE

THOMAS LÖFFLER

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

19

PFLUG LEGT UND SIEHT ZURÜCK, DER IST NICHT GESCHICKT FÜR DAS REICH GOTTES. +++ 1. KORINTHER


ZWISCHENRUFE

Derzeit werden drei von vier

in Deutschland hergestellte

Fahrzeuge exportiert.

WOHIN STEUERT DIE DEUTSCHE

AUTOMOBILINDUSTRIE?

Was derzeit bereits realpolitisch in Form von Dieselfahrverboten

Umset zung findet und in Forderungen, wie der Quotierung von

Elektro autos, diskutiert wird, sind erste Schritte in Richtung eines

gebotenen Pfad wechsels zur Umsetzung ökologischer Nachhaltig -

keitsziele in der Auto mobilität.

von: Dr. Karina Becker, Leiterin Kolleg Postwachstumsgesellschaften an der Universität Jena

Die sozialen und ökologischen Kosten unseres

Wachstums, das für die Mehrung

gesellschaftlichen Reichtums akzeptiert

wurde, sind jahrelang nicht hinterfragt worden.

Nun aber setzt sich zunehmend die Erkenntnis

durch, dass sich Wohlfahrtsgewinne des industriellen

Kapitalismus national wie global höchst

ungleich verteilen und unter den derzeitigen

Be dingungen um den Preis eines beschleunigten

Energie- und Ressourcenverbrauchs sowie

steigender Emissionen generiert werden.

Der daran ansetzende soziale und ökologische

Gesellschaftskonflikt hat nunmehr die deutsche

Wirtschaft und die Automobilindustrie erreicht.

Zwar stehen die deutschen Automobil konzerne

und ihre großen Systemzulieferer, an Gewinnen

und ökonomischen Leistungs para metern gemessen,

aktuell glänzend da. Allerdings wird

sich diese Erfolgsgeschichte nicht ungebrochen

fortsetzen lassen: Die Europäi sche Union kon­

frontiert die Branche mit Richt linien für eine

drastische CO 2 -Reduktion und harten Dekar bonisierungsauflagen,

einige Länder wie Frankreich

und England zielen auf ein Verbot von

Verbrennungsmotoren. China – der wichtigste

Markt der deutschen Auto mobil bauer – treibt

die Transformation in Richtung E-Mobilität rasant

voran und erhöht so den Innovationsdruck

für die Hersteller und ihre Zu lieferer. Der neue

Protektionismus der USA verschließt zunehmend

globale Marktzugänge und auch Bin nenmärkte

bieten weniger Absatzmöglich keiten.

DER AUTOMOBILSEKTOR

ALS TREIBER DER ÖKOLOGISCH-

DIGITALEN ERNEUERUNG?

Derzeit werden drei von vier in Deutschland

hergestellte Fahrzeuge exportiert, mittelfristig

wollen alle Automobilhersteller und alle großen

Zulieferer nur noch das, was sie in Europa ab­

20 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

10,23: ALLES IST ERLAUBT, ABER NICHT ALLES DIENT ZUM GUTEN. ALLES IST ERLAUBT, ABER NICHT ALLES


ZWISCHENRUFE

setzen können, auch tat säch lich hier produzieren.

Eine weitere große Herausforderung ergibt

sich aus der Digitalisierung. Während lange der

Diskurs von der Kritik geprägt war, dass die

deut schen Automobilbauer sich von neuen

Entwicklungstrends wie der Elektromobilität im

globalen Wettbewerb abhängen lassen, ist derzeit

vermehrt zu vernehmen, dass die „ökologisch-digitale

Erneuerung Deutschlands …

nicht gegen, sondern wegen der [heimischen]

Autoindustrie“ 8 kommen wird. Welche Rolle

dabei die Zulieferer der Autokonzerne spielen

werden, ist derzeit noch völlig ungewiss. Auch

deshalb, weil keineswegs ausgemacht ist, wie

grundlegend die sozial-ökologischen Herausforderungen

angegangen werden.

ARBEITSPLATZABBAU BIRGT

GESELLSCHAFTLICHEN SPRENGSTOFF

Die Heterogenität der Forderungen und Standpunkte

in dieser Frage machen deutlich, dass

es sich um ein stark umkämpftes Feld handelt,

in dem etwa die Position eines radikalen ökologischen

Umbaus durch das Ende des Individualverkehrs

jener der Industrie gewerkschaft

Metall gegenübersteht, die zu bedenken gibt,

dass der Strukturwandel Arbeitsplätze kosten

werde und daher nur mit den Beschäftigten angegangen

werden könne. Zwar werden neue

Ar beitsplätze in den Bereichen IT und For schung

und Entwicklung entstehen, aber im Vergleich

zur Produktion von Verbrennungs motoren wird

sich die Zahl der Arbeitsplätze bei Autoher stellern

und Zulieferern, so viel scheint ausgemacht,

um vorsichtig geschätzt eine Vier tel million verringern.

Dass dies die Arbeits plätze in der Zulieferindustrie

betrifft, ist ebenso unumstritten

und bietet besonders in strukturschwachen Regionen

gesellschaftlichen Sprengstoff.

ABKEHR VOM INDIVIDUALVERKEHR

UND GERECHTE FINANZIERUNG VON

MOBILITÄT IST NÖTIG

In dieser schwierigen Gemengelage liegt es nahe,

einen allmählichen Übergang zur E-Mo bilität zu

proklamieren, auf Zeit am – technisch verbesserten

– Dieselantrieb mit seinem im Vergleich zu

konventionellen Otto-Motoren geringeren CO 2 -

Werten festzuhalten und für eine wirkliche Verkehrswende

das Jahr 2030 anzupeilen. Mit Blick

auf die Zukunft spricht daher einiges dafür, entschlossen

am Umbau des Wertschöp fungs systems

Automobil und damit auch der Ge sell schaft

zu arbeiten. Die letztgenannte Op tion zu wählen,

bedeutet, sich einzugestehen, dass selbst

ein beschleunigter Über gang zur E-Mo bilität

nicht ausreichen wird, um den Ge fahren der

menschengemachten Klima- und Res sourcenkrisen

wirksam zu begegnen. Es geht um sehr

viel mehr und um Grundlegen des: Wir benötigen

neue Mobilitäts systeme, eine allmähliche Abkehr

vom privaten Pkw, den Aus bau des öffentlichen

Nah- und Fernverkehrs – kurzum: Es geht

um einen vollständigen Bruch mit lange he gemonialen

Verkehrs kon zepten. Ohne die Rückkehr

zu öffentlichem Eigentum, etwa bei der

Bahn, ohne öffentliche und zugleich gerech tere

Finanzierungen von Mobilität dürfte eine nachhaltige

Verkehrs wende nicht zu schaffen sein.

DISKURS EINBETTEN IN

DIE DEBATTE UM EINE SOZIAL

GERECHTE GESELLSCHAFT

Eine Debatte um die Zukunft des Wert schö p­

fungs systems Automobil lebt von praktikablen

Alternativen und der Suche nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten.

Wichtig wäre es

beispielsweise, die sozialen Bedürfnisse älterer

und pflegebedürftiger Personen und die Vorstellungen

von guter Arbeit im Care-Sektor zu

einem Treiber neuer und nachhaltiger industrieller

Produktion zu machen. Dass sich die damit

verbundenen Konflikte ohne die Vision einer

besseren Gesellschaft führen lassen, ist mehr

als unwahrscheinlich. Der industrielle ist unwiderruflich

zu einem sozialökologischen Gesellschaftskonflikt

geworden.

KARINA BECKER

8

www.zeit.de/2019/11/elektromobilitaet-autoindustrie-deutschlanddigitalisierung-oekologie,

zuletzt abgerufen am 17.03.2019

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

21

BAUT AUF. +++ 1. MOSE 2,15: UND GOTT DER HERR NAHM DEN MENSCHEN UND SETZTE IHN IN DEN GARTEN


MOBILITÄT VOR ORT

DORTMUND SORGT FÜR BEWEGUNG –

STATIONEN AUF DEN

WEGEN ZUR NACHHALTIGKEIT

Beim Kirchentag in Dortmund im Juni 2019 werden die „Wege zur Nachhaltigkeit“

offiziell eröffnet. Auf diesen Wegen machen Dortmunder Initiativen Umweltschutz,

soziale Gerechtigkeit und Transformation hautnah erlebbar.

Das Projekt „Wege zur Nachhaltigkeit“,

gefördert von der Stiftung Umwelt und

Entwicklung NRW, wird vom Institut für

Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche

von Westfalen (IKG) organisiert. Als Kooperationspartner

stehen ihm der Deut sche Evangelische

Kirchentag und das Amt für Mission,

Ökumene und Weltverantwortung (MÖWe) zur

Seite. Schirmherr ist der Oberbürgermeister der

Stadt Dortmund Ullrich Sierau.

„Wie müssen wir leben und arbeiten, damit alle

Menschen – heutige und nachfolgende Generationen

– menschenwürdig leben können und

unsere natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft

geschützt sind? Auf diese Frage möchte

unser Projekt eine Antwort geben“, beschreibt

Klaus Breyer, Leiter des IKG, die Beweggründe.

In Dortmund entstanden spezielle Wege mit

Stationen, an denen Nachhaltigkeit im Alltag

auf ganz unterschiedliche Art und Weise erfahrbar

wird. Rund 40 Initiativen, Vereine, Kirchengemeinden

oder Projekte füllen den Einsatz für

die Nachhaltigkeit hier mit Leben. Sie stellen in

einer beeindruckend großen Bandbreite ihre

Aktivitäten bei Energie- und Klimaschutz, Interkulturalität

und Integration, Umweltgerechtigkeit,

biologischer Vielfalt oder auch nachhaltigem

Konsum und nachhaltiger Produktion vor

und laden einfach zum Wahrnehmen, zum Mitmachen

oder zur Nachahmung ein.

MOBILITÄTSSTATIONEN AUF

DEM KIRCHENTAG

Während des Kirchentags werden Führungen

auf den Wegen angeboten, die schließlich zu

Stationen eines verantwortlichen Um gangs mit

der Schöpfung führen. Zu Fuß, per Fahrrad oder

„Wir brauchen eine andere Mobilität.

Mehr Radfahren im Alltag,

mehr öffentlicher Nahverkehr –

das sind wichtige Stellschrauben

der Verkehrswende.“

mithilfe des öffentlichen Personen nah verkehrs

können sie auch ganz eigenständig „angesteuert“

werden.

Der Einsatz für mehr umweltfreundliche Mobilität

findet sich bei den Initiativen an den Sta tionen

wieder. So ist beispielsweise die Velo­

Kitchen, eine Fahrrad-Selbsthilfe-Werk statt,

mit dabei. Die Fahrrad-Enthusiasten haben

ihren Treffpunkt 2011 im Dortmunder Norden

22 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

EDEN, DASS ER IHN BEBAUTE UND BEWAHRTE. +++ 5. MOSE 30,19: ICH NEHME HIMMEL UND ERDE HEUTE


MOBILITÄT VOR ORT

eröffnet. Zu ihrem Domizil gehören eine große

Wohnküche und zwei Garagen im Hinter hof,

die als Werkstatt dienen. Hier können Besucher*innen

ihre Zweiräder mit Hilfe und unter

Anleitung der erfahrenen Schrauber*innen wieder

flott machen. In der Küche wird zeitgleich

vegan gekocht. Gemeinsames Essen, Planen

und Fachsimpeln stehen nach dem Werkeln an

den Rädern auf dem Programm.

der Verkehrswende.“ Und so fährt er fort: „Dazu

muss es eine stärkere Akzeptanz für diese

Mobilitätsformen geben. Gerade die Stadtplaner

sind aufgerufen, Fahrräder als gleichwertige

Verkehrsteilnehmer zu sehen und planerisch

zu berücksichtigen.“ Rolfsmeier selbst

geht mit gutem Beispiel voran. Sein täglicher

Weg zur Arbeit und zurück auf dem Fahrrad ist

zur Selbst verständlichkeit geworden.

Viel mit dem Rad

unterwegs: „Wege

zur Nachhaltigkeit“-

Projektleiter

Axel Rolfsmeier

und Teamkollege

Christian Graf.

WEGE ZUR NACHHALTIGKEIT

SIND VIELFÄLTIG

Die „Wege zur Nachhaltigkeit“ haben positiven

Zuspruch von vielen Initiativen mit ganz unterschiedlichem

Engagement bekommen – zum

Beispiel vom Lernbauernhof Schulte-Tigges mit

seiner solidarischen Landwirtschaft, von der

Verbraucherzentrale mit ihrer Umweltberatung,

vom Dienstleistungszentrum Energieeffizienz

und Klimaschutz, von der Neven Subotic Stiftung

zum Umgang mit der wertvollen Ressource

Wasser und von verschiedenen Lehr- und Gemeinschaftsgärten.

Auch Organisationen, die sich um die verschiedensten

Formen von Integration bemühen, beteiligen

sich am Projekt. So sind die ökumenische

Wohnungslosen-Initiative „Gast-Haus“

oder „Willkommen Europa“, eine erste Anlaufstelle

für EU-Bürger*innen, die Orientierungshilfe

benötigen, das Mehrgenerationenhaus des

Sozialdienstes Katholischer Frauen und die

Sozialberatung der evangelischen Kirchen gemeinde

Hörde dabei. „Total global“ und „Fai rer

Konsum“ sind die Stichworte der Welt läden in

Brackel und Aplerbeck und des Welt stands

Hombruch.

Die Fahrrad-Fans engagieren sich auch in einer

Fahrradwerkstatt für Geflüchtete und organisierten

das Cargobike-Race beim E-Bike-Festival in

Dortmund. Fast alle beteiligen sich regelmäßig

an der Critical Mass, einer Fahrraddemonstration

für bessere Einbindung in den Stadtverkehr.

Ein Thema, das auch dem Projektleiter der „Wege

zur Nachhaltigkeit“, Axel Rolfsmeier, sehr am

Herzen liegt: „Wir brauchen eine andere Mobilität.

Mehr Radfahren im Alltag, mehr öffentlicher

Nahverkehr – das sind wichtige Stellschrauben

Die „Wege zur Nachhaltigkeit“ können ganz

individuell entdeckt werden: Flyer und eine

Smartphone-Anwendung über die Projekt-

Home page www.wegezurnachhaltigkeit.de

machen es möglich. Das Projekt soll Vorbildcha

rak ter haben und schließlich in einem NRWweiten

Netzwerk über die Grenzen Dortmunds

hinaus wirken. Ein Nachhaltigkeitskongress

2020 ist ein weiterer Schritt auf den Wegen.

GUNDA VON FIRCKS

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

23

ÜBER EUCH ZU ZEUGEN: ICH HABE EUCH LEBEN UND TOD, SEGEN UND FLUCH VORGELEGT, DASS DU DAS


MOBILITÄT VOR ORT

„GARANTIERT MOBIL !“ –

EIN VORBILDHAFTES PROJEKT

IM ODENWALDKREIS

Individuelle Mobilität gehört zu den grundlegenden Bedürfnissen unseres täglichen

Lebens. In ländlich geprägten Regionen wie dem Odenwaldkreis spielt sie zudem eine

besondere Rolle, da hier die Wege zum Einkaufen oder zum Arztbesuch oftmals weit

sind und das ÖPNV-Angebot als wenig flexibel gilt. Kurzum: Ohne eigenes Auto bleibt

die individuelle Mobilität auf dem Land meist auf der Strecke.

Doch nicht jeder Mensch besitzt ein eigenes

Auto oder kann aus Alters- und Gesundheitsgründen

noch selbst mit dem

Auto fahren. Was bleibt? Vielerorts gibt es zwar

mehrmals am Tag eine Busverbindung – aber

selten dann, wenn man sie tatsächlich braucht.

Die nachhaltige Sicherung öffentlicher Mobilität

in ländlichen Räumen ist eine der wichtigsten

Zukunftsaufgaben und die Odenwald-Regio nal-

Gesellschaft mbH (OREG) leistet dazu im Odenwaldkreis

mit garantiert mobil! einen wertvollen

Beitrag.

Die konzeptionellen Anfänge von garantiert

mobil! reichen nunmehr fast zehn Jahre zurück.

Doch schon damals war der Weg klar: „Unser

Ziel war es von Anfang an, ein nachhaltiges und

verlässliches Mobilitätsangebot für den Odenwaldkreis

zu schaffen“, so Peter Krämer, verantwortlicher

Abteilungsleiter für den Nahverkehr

und gleichzeitig Ideengeber für garantiert

mobil!. „Darum ist der Kern von garantiert

mobil! auch von Anfang an unsere Mobilitätsgarantie

– ein Versprechen, dass ein Fahrtangebot

auch immer dann zur Verfügung steht,

wenn der Kunde tatsächlich fahren möchte.

Einen komplizierten Fahrplan muss er dafür

nicht studieren, die Abfahrtszeit soll der Kunde

selbst bestimmen können!“

Um das in der Praxis realisieren zu können, bedient

sich garantiert mobil! verschiedenster,

vorhandener Mobilitätsprodukte. „Das sind unsere

klassischen öffentlichen Linienverkehre,

aber auch neue Produkte wie private und gewerbliche

Mitnahmefahrten oder das taxOMobil“,

erklärt Krämer das System.

Egal welches Gefährt der Fahrgast wählt, er

kann sich immer darauf verlassen, dass er aus

allen Gemeinden, Orts- und Stadtteilen in das

nächstgelegene, größere Zentrum fahren kann.

Das Angebot steht ihm grundsätzlich an sieben

24 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

LEBEN ERWÄHLST UND AM LEBEN BLEIBST, DU UND DEINE NACHKOMMEN. +++ 1. KÖNIGE 19,7: DER ENGEL


Die Odenwald-Regional-

Gesellschaft wirbt für ihre

Aktion „garantiert mobil !“.

Tagen in der Woche von 5 Uhr morgens bis 22

Uhr abends zur Verfügung – versehen mit einer

Stunde Voranmeldezeit. „Die brauchen unsere

durchführenden Verkehrsunternehmen zur

Disposition einer Fahrt“, erläutert Krämer. „Die

Anfahrtswege sind mitunter sehr weit, da ist

eine Stunde Vorlauf schon knapp kalkuliert.“

Und um mehr Zeit zum Disponieren zu gewinnen,

hat die OREG ein Rabattsystem entwickelt:

Je früher ein Fahrgast seine Fahrt bucht, desto

günstiger wird sie für ihn. Das spart dem Fahrgast

Geld und gibt dem Verkehrs unternehmen

mehr Zeit für die Planung.

„GARANTIERT MOBIL !“ SETZT AUF

BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT

Eine wirkliche Herausforderung bei der Kon ­

zeptionierung von garantiert mobil! war die

rechtssichere Einbindung von privaten und gewerblichen

Mitnahmefahrten in das System.

Letzt endlich vermittelt die OREG lediglich die

privaten und gewerblichen Mitnahmefahrten

zwischen Fahrtanbieter und Fahrgast in einem

genehmigungsfreien Bereich. Das bedeutet:

Die OREG darf Fahrtanbietern nicht mehr als

12 Cent pro Kilometer als Aufwandsentschädigung

für mitgenommene Fahrgäste zahlen. Das

Projekt setzt dabei auf bürgerschaftliches Enga

gement und hofft, dass das Per so nen beförderungsgesetz

im Laufe des Jahres dahingehend

novelliert wird.

Zentrales Element, bei dem alle Fäden zusammenlaufen,

ist die digitale Buchungsplattform

auf www.odenwaldmobil.de, die es Kunden einfach

und schnell ermöglicht, sich über das bestehende

Fahrtangebot zu informieren, eine

Fahrt zu buchen und bargeldlos zu bezahlen.

Der Zugang zum Buchungsportal ist jederzeit

stationär von zu Hause aus oder mobil via

Smartphone möglich. Kunden ohne Onlinezugang

sind dennoch nicht ausgeschlossen:

Für sie bleibt die Möglichkeit der telefonischen

Bestellung bei der RMV-Mobilitätszentrale

Michelstadt.

Seit nunmehr eineinhalb Jahren ist garantiert

mobil! im Odenwaldkreis am Start. Rückblickend

verrät Krämer, „dass der Weg nicht

immer einfach war. Neben den genannten

rechtlichen Bedenken hatten wir auch mit

einigen technischen Herausforderungen zu

kämpfen, die aber völlig normal sind, wenn

man solch ein ambitioniertes Projekt angeht. Es

gibt in Deutschland derzeit nichts Ver gleichbares.

Wir kombinieren ÖPNV mit privaten und

gewerblichen Mitnahmefahrten und werten das

Ganze noch mit unserem Mobilitätsversprechen

zur Wunschzeit auf.“

Im Odenwaldkreis stößt garantiert mobil!

durchweg auf ein positives Echo. Alle Odenwälder

Kommunen unterstützen das Projekt auf

freiwilliger Basis. Auch an der Kampagne

„Auto fasten“ beteiligen wir uns. Ziel ist es, die

Nutzerzahlen kontinuierlich zu steigern.

STEFAN REINHARDT

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

25

SPRACH ZU ELIA: STEH AUF UND ISS! DENN DU HAST EINEN WEITEN WEG VOR DIR. +++ PSALM 16,11: DU


MOBILITÄT VOR ORT

FAHRRADMODELLQUARTIER

IN DER „ALTEN NEUSTADT“ BREMEN

Die Planung des Fahrradmodellquartiers in Bremen wurde im Februar 2018 mit dem

Deut schen Fahrradpreis ausgezeichnet. Das Projekt eines Fahrradmodellquartiers in der

Bremer Neustadt ist aus einer Initiative der im Stadtteil ansässigen Hochschule Bremen

und des ADFC gewachsen. Es fand Unterstützung von Kultureinrichtungen, Gewerbe betrieben

und Kindergärten sowie vom stadtteilübergreifend bedeutsamen Schwimmbad u. a.

Besonders wichtig war auch die Bestätigung durch den gewählten Stadtteilbeirat.

Das Bundesumweltministerium fördert das Fahrradmodellquartier Bremen mit insgesamt

rund 2,4 Mio. Euro. Die Quartierumgestaltung begann im November 2017 und soll im

Sommer 2019 abgeschlossen sein.

Das Quartier könnte als

Fahrradzone ausgewiesen

werden, da alle Straßen

Fahr radstraßen sind – ein

Novum in der deutschen

Straßenverkehrsordnung.

Die „Alte Neustadt“ ist der auf der Westseite

der Weser gelegene Teil der mittelalterlichen

Stadt Bremen. Im Stadtteil

ist eine intensive Mischung von Gewerbe, Wohnen,

Hochschule, Kultur und Freizeit ein richtungen

geboten. Er wird durchzogen vom Grün

der Wallanlagen und von Haupt verkehrs straßen,

die zugleich ÖPNV-Achsen mit Stra ßenbahn

und Busspuren sind. Hier wohnen knapp

3.000 Menschen und es gibt rund 3.500 Arbeitsplätze

(z. B. Beck’s, Mondelez und Hachez).

Darüber hinaus stu dieren an der Hochschule

9.000 Menschen.

In der alten Neustadt liegt der Anteil des Radverkehrs

mit 40 Prozent über dem Durchschnitt

der Gesamtstadt Bremen, wo rund ein Viertel

aller Wege mit dem Rad bewältigt werden.

Bremen hat 500.000 Einwohner, den höchsten

Radverkehrsanteil und zugleich die niedrigste

Stickoxide-Belastung in Deutschland. Bremen

ist wie viele europäische Fahrradstädte vergleichsweise

stauarm: 23 Prozent Stauzeitverlust.

9 Der Wunsch nach einer Stärkung des

Radver kehrs liegt nahe und ist im Bremer

Verkehrs entwick lungsplan verankert. 10 Für den

Radverkehr musste im Fahrradquartier einiges

angepasst werden: Viele Straßenabschnitte des

Quartiers hatten sehr grobes Kopfsteinpflaster,

sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder fehlten

und die Überquerung der Hauptverkehrsstraßen

war oftmals schwierig. Autos parkten

26 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

TUST MIR KUND DEN WEG ZUM LEBEN. +++ PSALM 24,1: DIE ERDE IST DES HERRN UND WAS DARINNEN IST,


MOBILITÄT VOR ORT

www.radquartier-bremen.de wurde auch viel

Interesse und Zustimmung bekundet.

Die Maßnahmen sind Kompromisse zwischen

fahrradpolitischen Wünschen und im Stadtteil

akzeptierten Umsetzungsmöglichkeiten. Die

Kom bination der Maßnahmen und der Quartiers

ansatz erzeugten dabei erhebliche Synergien.

Das Quartier könnte als Fahrradzone

ausgewiesen werden, da alle Straßen Fahrradstraßen

sind – ein Novum in der deutschen

Straßenverkehrsordnung.

vielfach auf Gehwegen und in Einmündungen

und behinderten dadurch Fußgänger, Radfahrer,

Liefer fahr zeuge, Müllabfuhr und Feuerwehr.

Das Quartier Alte Neustadt hat nun über wie gend

gleichrangige, schmale Straßen mit Rechts-vorlinks-Kreuzungen

und ist Tempo-30-Zone. Das

Kopfsteinpflaster ist nun entweder saniert oder

mit einem asphaltierten, gut mit dem Rad befahrbaren

Mittelbereich versehen. Gehweg na sen

an Einmündungen und im Kreuzungs bereich

unterbinden behinderndes Parken, ver kürzen

die Fußgängerstrecke beim Überque ren der

Fahrbahn, verbessern das Sichtfeld und schaffen

durch Fahrradbügel Radabstellplatz.

An den umgebenden Hauptverkehrsstraßen

kommen Querungshilfen zum Einsatz. Die Erreichbarkeit

des Quartiers zu Fuß und mit dem

Rad ist dadurch deutlich verbessert und die

Anbindung an die Fahrrad-Premiumrouten

Bremens (Netz von Hauptradrouten im Verkehrs

entwicklungsplan) ist auch gegeben.

Entsprechende Beschilderung war erforderlich.

Die Hochschule Bremen richtete das Fahrradrepair-Café

Musette auf dem Campus ein. Bikesharing,

Lastenradverleih und E-Bike-Lademög

lichkeiten stehen dort allen Menschen im

Stadtteil offen.

ZEHN MASSNAHMEN SCHUFEN DAS

BREMER FAHRRADMODELLQUARTIER

Die Einrichtung des Fahrradmodellquartiers

wurde begleitet durch eine Öffentlichkeitskampagne,

die jede einzelne Baumaßnahme

ankündigt. Auf der Website des Quartiers

Eine Fahrradzone wäre deutlich einfacher und

sparsamer auszuschildern, als an allen Kreuzungen

Fahrradstraßen auszuweisen. Die Kreation

einer „Fahrradzone“ könnte auch andere

Kommunen zu Quartiersansätzen anregen:

1. Holperfreies Fahren – Kopfstein pflasterstra

ßen erhalten einen asphaltierten

Strei fen oder werden vollständig saniert.

Fahren wird leise, sicherer und bequemer

für alle.

2. Fahrradstraßen – ein Netz von Fahrradstraßen

bildet eine Fahrradzone. Hier darf

auch nebeneinander geradelt werden.

3. Anschluss an Premium-Routen

4. Raum und Sicherheit mit Gehwegnasen

5. Querungshilfen für Hauptverkehrsstraßen

6. Fahrradparken – in Wohnstraßen und an

Hochschulstandorten werden sichere,

leicht zugängliche Fahrradparkplätze

angeboten.

7. Fahrradrepair-Café

8. Umgestaltung Campus Neustadtwall –

Hochpflasterung der Fahrbahn, Sanierung

der Gehwege sowie ein verkehrs beruhigter

Bereich sorgen für barrierefreie

Infrastruktur.

9. Leihstationen für Fahrräder und Lastenräder

– an allen drei Hochschulstandorten

für alle Menschen.

10. Luftpump- und E-Bike-Ladestationen 11

KARIN UHLMANN

9

TomTom Verkehrsindex www.tomtom.com/en_gb/trafficindex

10

VEP 2025 www.bauumwelt.bremen.de/vep.

11

www.radquartier-bremen.de

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

27

DER ERDKREIS UND DIE DARAUF WOHNEN. +++ PSALM 31,9: DU STELLST MEINE FÜSSE AUF WEITEN RAUM.


STIMMEN AUS DER PRAXIS

DIOS ES MI COPILOTO (GOTT IST MEIN KOPILOT)

Interview: Josef Krebs ist seit 16 Jahren Fernfahrerseelsorger und arbeitet bei der katholischen

Betriebsseelsorge der Diözese Rottenburg Stuttgart. Nebenberuflich ist er Busfahrer.

Auf Rastplätzen spricht er mit Lkw-Fahrern über ihre Sorgen und Nöte, über Einsamkeit,

Trennung von der Familie bis zu einem halben Jahr sowie Unfallerlebnisse. „Dios es mi

copiloto“, dieser Spruch hängt in Südamerika in fast allen Lastwagen und Fernbussen und

begleitet die Fahrer. Er könnte gut über der Arbeit von Josef Krebs stehen.

Rast plätzen haben, manchmal kommt auch

Alko hol dazu. Es fehlen in Deutschland zwischen

35.000 und 40.000 Stellplätze an den

Auto bah nen. Es kann natürlich auch sein, dass

sie die Assis tenzsysteme außer Betrieb setzen

oder diese ganz fehlen. Hinzu kommt, sicher

bedingt durch die Monotonie, dass sie unaufmerksam

sind.

Wie sieht der Alltag eines Berufskraft

fahrers aus?

Krebs: Zu ihrem Alltag gehören

Staus. Der Druck, rechtzeitig Waren abliefern

zu können, löst einen ungeheuren Stress aus.

Oft ist die Suche nach freien Parkplätzen vergeblich,

und die Fahrer sind gezwungen illegal

zu parken. Die Lenk- und Arbeitszeiten sind

europaweit geregelt: Neun Stunden fahren mit

einer Schicht zeit von 15 Stunden. Zwei mal in

der Woche kann die Lenkzeit auf 10 Stunden

verlängert werden, was in der nächsten Woche

ausgeglichen werden muss. Nach spätestens

4,5 Stunden muss eine 45-minütige Pause erfolgen.

Hinzu kommt bei manchen Fahrern eine

sehr schlechte Ent loh nung, maximal 800 Euro

im Monat.

Fast jeden Tag verursachen Lkw einen Unfall

auf deutschen Autobahnen. Worin liegt

die Ursache?

Krebs: Die Hauptursache ist die Übermüdung

der Fahrer, weil sie nicht genügend Ruhe auf

Könnte man nicht einen Großteil des Güterver

kehrs auf die Schiene verlegen?

Krebs: Das kann die Bahn nicht leisten. Viele

große Logistikzentren haben keinen Schienenanschluss.

Die Bahn ist im Vergleich zum Lkw

das langsamere Transportmittel, zudem transportiert

die Bahn mit dem eigenen Transportunternehmen

„DB Schenker“ Waren auf den

Straßen. Die Schienennetze sind auf den

Personen-Schnellverkehr ausgerichtet und die

Güterzüge werden in der Regel zwischen den

Personenzügen reingeschoben. Die Bahnnetze

sind bereits überlastet.

Wann werden die ersten Lkw autonom auf

europäischen Straßen unterwegs sein?

Krebs: Irgendwann wird das kommen. Es

kann auch sinnvoll sein, um Unfälle zu vermeiden.

Allerdings lässt sich das Problem des

Schwer lastverkehrs auf den Straßen nicht

lösen, solange die Wirtschaftssysteme nur auf

Wachs tum ausgerichtet sind und Waren aus

Kos tengründen über weite Strecken transportiert

werden.

Eine Veränderung des Wirtschaftens im Blick

auf die Reduzierung des Verkehrs und Nachhaltigkeit

ist notwendig.

DAS INTERVIEW FÜHRTE KARIN UHLMANN

28 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

+++ PSALM 37,5: BEFIEHL DEM HERRN DEINE WEGE UND HOFFE AUF IHN , ER WIRD‘S WOHL MACHEN. +++


AGENDA 2030, SDG, ZIEL 11.2 *

Bis 2030 den Zugang zu sicheren,

bezahlbaren, zugänglichen und

nach haltigen Verkehrssystemen für

alle zu ermöglichen und die Sicherheit

im Straßenverkehr zu verbessern,

insbesondere durch den

Ausbau des öffentlichen Verkehrs,

mit besonde rem Augen merk auf

die Bedürfnisse von Menschen in

prekären Situa tio nen, Frauen,

Kindern, Menschen mit Be hinderungen

und älteren Menschen.

* Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Natio nen

2015, Sustainable Development Goals

SPIRITUELLE ANREGUNGEN

SUCHET DER STADT BESTES !

Gedanken zu Jeremia 29,7 im Gespräch mit „Ziel 11.2“, der Agenda 2030 für Nachhaltige

Entwicklung der Vereinten Nationen

Suchet der Stadt Bestes,

dahin ich euch habe wegführen lassen,

und betet für sie zum Herrn,

denn wenn’s ihr wohl geht,

so geht‘s euch auch wohl.

Jeremia 29,7

Einer der meist zitierten Sätze bei öffentlichen

Anlässen von Politikern in gleicher

Weise wie von Pfarrer*innen, vielleicht

auch passend für eine Reflexion auf SDG 11.2.

Da geht es um die nachhaltige Entwicklung

unserer Städte. In ihnen konzentrieren sich die

Heraus forde rungen und Grenzüber schreitungen,

die zu unserem Jahrhundert gehören.

Trotz CO 2 -Emmissionen, Ressourcenverbräuche,

Gesundheitsschädigungen durch Autoabgase,

Wildwuchs von Stadträndern, in vielen Konti nen­

ten ist die Stadt zugleich Hoffnung und Sehnsuchts

ort von Millionen. Dort wird es mir besser

gehen, dort bekomme ich Arbeit, dort be kom me

ich ein neues Zuhause, dort werde ich leben,

Hoffnungsort und Ort des Elends zugleich.

Wir stehen weltweit vor großen Transformations

prozessen. In unseren Städten in Europa

und in den Mega städten dieser Welt muss sich

das Thema Nach haltige Entwicklung bewähren.

In Städten und Kommunen wird konkret, muss

konkret werden, wie die SDGs umgesetzt werden

(können). Wenn es nicht dort gelingt, wo dann?

Die zunehmende Mobilität ist eine der größten

Herausforderungen für eine nachhaltige Welt.

Neben aller Freude an der Mobilität steht die

Gewalt gegen Mensch und Natur, die mit dem

Verkehr verbunden ist. Fortsetzung: nächste Seite

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

29

PSALM 91,11F: DENN ER HAT SEINEN ENGELN BEFOHLEN, DASS SIE DICH BEHÜTEN AUF ALLEN DEINEN


SPIRITUELLE ANREGUNGEN

Suchet der Stadt Bestes – für unsere Mobilität.

Ich denke an die lauten und geschäftigen

Großstädte in unserem Land. Viele leiden unter

der schlechten Luft und ersticken fast täglich in

der Flut des motorisierten Individualverkehrs

(MIV). Viele sind Opfer und Täter zugleich.

Die Stadtplanung in der zweiten Hälfte des

20. Jahrhunderts war von der Idee bestimmt:

Alles muss gut mit dem Auto erledigt werden

können. Die Raumplanung für Städte trennte

die vier Grundfunktionen unseres Lebens:

hier Woh nen, dort Arbeiten, hier Einkaufen, dort

Frei zeit. Diese Funktionstrennung unserer

Lebens vollzüge führte zu gewaltigem Straßenbau

– Stadträume für Menschen wurden zu

Räumen für Autos.

Erzählen wir Hoffnungsgeschichten von Stä d­

ten, Gemeinden und Bundesländern, die etwas

dagegen unternehmen.

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie

zum Herrn. Jeremia stellt die Suchbewegung

in einen göttlichen Horizont: Welches Tun wäre

denn Gott gemäß – schöpfungsgemäß – dienlich

für meine Nächsten? Diese Suche nach

dem Besten für die Stadt ist schließlich verknüpft

mit der Verheißung: Denn wenn’s der

Stadt gut geht, dann geht‘s auch euch gut.

Suchet der Stadt Bestes heißt für mich innehalten

und Räume schaffen im Kopf für neue

Gedanken und Visionen. Versuchen wir es einmal:

Was für eine Stadt würde ich mir wünschen,

wie würde ich sie mir vorstellen? Tausende

Autos an den Straßenrändern müssen

nicht sein. Wir haben in Deutschland weit über

100 Millionen Stellplätze.

Eher sehe ich vor mir Freiräume für Begegnungen,

Orte zum Verweilen, Räume zum Spiel

für Kinder und Platz für Alte, genügend Wege

für Zwei radfahrer, auf denen sie sicher von A

nach B gelangen können. Ich kann mir Städte

vorstellen, in denen die Luft besser ist, in denen

wir Vogelgezwitscher und Lachen hören.

Und erzählen wir uns Hoffnungsgeschichten

von Menschen: Im Jahr 2018 wurden schon

über 800.000 E-Bikes in Deutschland verkauft.

Lastenfahrräder gehören schon in manchen

Innenstädten zu den neuen CO 2 -freien Transportfahrzeugen.

Manche Logistiker und Städte

überlegen, wie sie die letzte Meile abgasfrei für

die Innenstädte organisieren können.

Radfahrer organisieren sich zu Tausenden, um

mehr Raum für eine andere Mobilität in den

Städten zu bekommen. (Die Critical-Mass-

Be wegung gibt es in vielen Städten der Welt.)

Suchet der Stadt Bestes heißt für mich auch:

Ich werde mich mit den schlechten Bedin gungen

nicht abfinden, sondern nun das Bessere

suchen und gestalten.

Wir müssen noch suchen, es liegt nicht schon

offen da, und es macht uns richtig Mühe. Und

wir werden die Zielkonflikte bearbeiten müssen.

Wir werden nicht alle Arten der Mobilität in

gleicher Weise fördern können.

Suchet der Stadt Bestes heißt für mich dann

auch: Ehrlich sein zu uns selbst und zu den anderen.

Wenn wir eine umweltfreundlichere und

enkeltauglichere Mobilität wollen, dann müssen

wir den motorisierten Individualverkehr zurückdrängen

und mehr Raum für öffentlichen

Verkehr und Zweiräder schaffen und auch die

öffentlichen Gelder dafür einsetzen.

Und wenn sich die Mobilität wandelt – weg von

der Individualmobilität hin zu einer Mobilität, in

der wir mehr mit anderen Menschen und vermutlich

auch in anderen Verkehrsmitteln unterwegs

sein werden, dann brauchen wir auch

weniger Autos. Für Mobilität braucht es nicht

über 100 Millionen Sitzplätze in Autos, die nicht

besetzt sind.

Das bedeutet auch weniger Arbeitsplätze in der

Automobilwirtschaft. Das ist kein leichter Weg

und auf diesem Weg wird es Verlierer geben,

auch dies gehört zur Ehrlichkeit.

Wenn wir aber diesen Weg nicht gehen werden,

dann wird es noch viel mehr Verlierer geben in

unseren großen Städten und in unserem Land,

auf der ganzen Welt.

Deshalb suchet der Stadt Bestes: Die Zeit der

autogerechten Städte muss zu Ende gehen –

gestalten wir Städte für Menschen.

ROMEO EDEL

30 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

WEGEN, DASS SIE DICH AUF DEN HÄNDEN TRAGEN UND DU DEINEN FUSS NICHT AN EINEN STEIN STOSSEST.


SPIRITUELLE ANREGUNGEN

GEBETE UND TEXTE

PSALM 121

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird dein Fuß nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels schläft und

schlummert nicht.

Der Herr behütet dich;

der Herr ist dein Schatten über deiner

rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche

noch der Mond des Nachts.

Der Herr behütet dich vor allem Übel,

er behütet deine Seele.

Der Herr behütet deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit.

EINGANGSGEBET:

Allmächtiger Gott,

aus unserem Alltag haben wir uns

aufgemacht, zu Dir.

Aus allen Richtungen

in Hetze und Eile die einen,

müde und frohgestimmt die anderen.

Da stehen wir nun vor Dir, bewahrender Gott,

mit allem, was uns freut, und mit allem, was

uns belastet.

Manchmal ist es schwer, die richtigen Wege

zu gehen,

sie wirken verschlungen, sind unbequem und

scheinen unpassierbar.

Komm Du zu uns und erfülle uns mit

Deinem Geist,

damit wir Deine Worte verstehen und

spüren, was Du von uns willst.

Zeige uns die guten Wege, schenke uns Mut,

sie zu gehen.

Das bitten wir Dich durch Jesus Christus

unseren Bruder und Herrn.

REISESEGEN

Mögen die Wege, die du gehst,

leicht passierbar sein.

Möge der Wind dir den Rücken stärken,

mögen dich Gottes Engel behüten,

damit du deinen Fuß nicht an einen

Stein stößt.

Gott segne deinen Weg. Amen

KARIN UHLMANN

JEDEN TAG EIN WENIG MEHR.

Oder: Die Transformation des Nahverkehrs

Kenneth Smith hatte sieben Minuten Pause

zwischen seinen Fahrten als Straßenbahnführer

in Baltimore. Der große Platz, wo seine

Fahrt endete, war mit dickem Gebüsch und

Gestrüpp bewachsen. Kenneth Smith

beschloss, seine sieben freien Minuten der

Gartenarbeit zu widmen. Am Ende jeder Fahrt

arbeitete er und rodete die Büsche und das

Unkraut. Langsam verwandelte er den Platz,

der eine Schande gewesen war, in einen

Garten. Rote Eichen und Pappeln stehen jetzt

dort, umgeben von mexikanischen Rosen,

Petunien, Zinnien und Veilchen. Weiche

Rasenflächen sind mit weiß getünchten

Feldsteinen umrandet. Kieswege führen zu

einem Picknickplatz.

James Keller, Einen Augenblick bitte; aus: Willi Hoffsümmer,

Kurzgeschichten 1, Mainz (5. Aufl.) 1983, S. 116

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

31

+++ PSALM 104,24: HERR WIE SIND DEINE WERKE SO GROSS UND VIEL, DU HAST SIE ALLE WEISE GEORDNET.


Wenn 25 Prozent aller

täglichen Wege unter

2 km liegen, ist das Ziel

„jeder zweite Weg

selbstaktiv“ gar nicht so

schwer zu realisieren.

MOBILITÄT UND KIRCHE

GEHT DOCH ! – ANSÄTZE EINER NEUEN

MOBILITÄTSKULTUR IM BEREICH DER KIRCHEN

VERFAHREN? – Die Evangelische Kirche macht Verkehr – und zwar erheblich:

700.000 Mitarbeitende in Kirche und Diakonie, die tagtäglich zur Arbeit fahren, Dienstreisen

– auch mit dem Flugzeug – unternehmen, samt den mehr als 700.000 Ehren amtlichen,

nicht gerechnet die Veranstaltungs- und Gottesdienstbesucher, sorgen für einen

beträchtlichen CO 2 -Fußab druck. Wenn unsere Kirche aus dieser verfahrenen Situation

heraus die gesellschaftliche Mobi litäts wende mit voranbringen will, sind enorme Anstrengungen

– und nicht nur ein Umstieg auf Elektromobilität – notwendig.

ES KÖNNTE ALLES ANDERS SEIN!

Ein Blick auf das Jahr 2030: Üblich geworden

war die 25-Stunden-Woche ohne

vol len Lohnausgleich. So war es möglich

gewesen, möglichst vielen Menschen eine sinnvolle

Arbeit zu geben. Die Menschen erlebten

Zeitwohlstand und Muße und nutzten die „freie“

Zeit für zivilgesellschaftliches Engage ment, für

Pflege und Sterbebegleitung, aber auch zu

kreativer Betätigung.

Auch kirchliche Beschäf tigte erlebten die neue

Entschleunigung. Die tägliche Hetze fiel weg und

erleichterte den Umstieg auf Füße und Fahrrad.

Bemerkenswert war, dass Diakonie stationen

nicht nur auf E-Autos um gestiegen waren, sondern

auch spezielle Dia konie-E-Las tenräder

nutzten, mit denen die Mitarbei tenden schneller

vorankamen. Das Stadtbild wurde beherrscht

von Transporträdern, den neuen SUV. Lade stationen

waren gleichzeitig Quartierskühlhaus und

Energiespeicher. Leerstehende Parkhäuser wurden

zu Gemüseanbau und Hühnerhaltung genutzt,

die unterirdischen sogar zur Pilzzucht.

Energieerzeugung und die kollektive Nutzung

von Fahrzeugen und Geräten waren zu einer

32 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

+++ PSALM 128,1: WOHL DEM, DER DEN HERRN FÜRCHTET UND AUF SEINEN WEGEN GEHT! +++ JESAJA


MOBILITÄT UND KIRCHE

wichtigen Einnahmequelle für die Kirchen geworden.

Es drehten sich kleine Windräder, die

Fassaden waren mit Fotovoltaik bedeckt. Häuser

wurden natürlich gekühlt, was bei den gestiegenen

Temperaturen ein großer Vorteil war.

So wurden Gemeinden im doppelten Sinn zu

Energiespeichern und Wärmespendern für eine

damals kälter gewordene Gesellschaft.

Nicht ausgelastete Gemeindehäuser wurden

auch als Repair-Café oder Volksküchen genutzt.

Sie waren Orte kollektiver Nutzung von

Büchern, Gartengeräten, Computern. Überall

versuchte man ein rechtes Maß zu finden, das

auch global verträglich ist.

Gemeindemitglieder sprachen unter dem Motto

„Suchet der Stadt Bestes“ von ihrer Gemeinde,

da sie dort auch über ihre gemeinsame Zukunft

mitbestimmen konnten. Pfarrer*innen machten

neue interessante Erfahrungen: In Bus und

Bahn ergaben sich nebenbei seelsorgerliche

Gespräche.

Gockel-Initiativen, Umweltmanagement-Aktiven

und Umweltbeauftragten: Auto-Fasten-Aktionen,

Beschaffungsstrategie für Fuhrparks,

Be tei ligung am Carsharing, Diensträder, Umkleiden

für Radfahrer*innen, Einsatz von

Lasten rädern bei Großveranstaltungen (der

Kirchentag hat so 3.000 km Sprinter-Transport

substituiert), En ga gement für Tempolimit,

Engagement für örtliche Nahversorgung, die

den Autobesitz überflüssig macht, Fahrradrouten

zu kirchlichen Sehenswürdigkeiten, Fair

Reisen, Finanzierung von Freizeiten durch

Konfirmanden-Fahrrad-Brötchen, Jobtickets,

Kirchenrad, Klimakollekte für unerlässliche

Flugreisen, Lastenradverleih, Mobilitäts beratung,

Nutzen der Marktmacht zur Nachfragesteigerung

downgesizter Pkw, mit „Pedibus“

zum Kindergarten, Pilgerreisen zu Fuß, Reduktion

der Kilometererstattung, Repa ra turgutschein

bei mehr als 50 Prozent der Fahrten zum

Arbeitsplatz mit dem Rad, Rück bau von Parkplätzen,

Segeltörns statt Kreuz fahrten, Shuttle-

Busse zur nächsten Bahn station, sparsame

Dienstwagen für Bischöfe, Spritsparkurse für

Mitarbeitende, Thema „Selbstbeweglichkeit“

im Unterricht etc.

Der Einsatz von Lasten rädern hat

beim Kirchentag 3.000 km

Sprinter-Transporte substituiert.

Zeitaufwendiger wurde das Ein kaufen per Rad.

Nicht abgeschirmt durch die Wind- oder besser

Weltschutzscheibe des Pkw und mit Tempo

vorbeihuschend ergaben sich neue Gelegenheiten

und auch „Zwänge“, stehen zu bleiben

oder vom Rad abzusteigen und zu einem

„Schwatz“ mit Gemeindegliedern. So entwickelte

sich ein neues Verständnis von Kirchgang

und Gemeindearbeit.

ES GEHT DOCH!

Erstaunlich ist, was es von A – Z so alles im

Bereich der Kirchen an neuer Mobilitätskultur

schon gibt, engagiert umgesetzt von Grünen

GEHT NICHT NOCH MEHR?

Die genannten Aktivitäten müssen aus der

Nische in die Fläche und (kirchen-)politisch unterstützt

werden. Die Kirchen sind nicht mehr

nur Mahner und Mittler, sondern auch Motoren

einer nachhaltigen Mobilitätskultur. Um den

Übergang in eine neue Mobilitätskultur zu bewältigen,

braucht es eine Konkretisierung der

Ziele bis 2030 und attraktive Zukunftsbilder.

Wenn 25 Prozent aller täglichen Wege unter

2 km liegen, ist das Ziel „jeder zweite Weg

selbstaktiv“ gar nicht so schwer zu realisieren.

Da Mobilitätsbedürfnisse sich mit mehr oder

weniger Verkehr realisieren lassen, kommt den

Kirchen eine wichtige Funktion beim Wertewandel

zu. Gerade in städtischen Quartieren

und Dörfern hat das Erleben einer nachhaltigen

Mobilitätskultur und deren theologische Rückbindung

eine wichtige Rolle für Gemeinde entwicklung

und Mobilitätswende.

JOBST KRAUS

THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

33

57,10: DU HAST DICH ABGEMÜHT MIT DER MENGE DEINER WEGE. +++ JEREMIA 19,7: SUCHET DER STADT


LINKS & LITERATUR

LITERATURVERZEICHNIS

Alles könnte anders sein, eine Gesell schaftsutopie

für freie Menschen, Harald Welzer, Frankfurt 2019,

ISBN 938-3-10-397401-0

Club of Rome: Der große Bericht, Wir sind dran –

was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen,

Ernst-Ulrich von Weizsäcker u.a., Gütersloh 2017,

ISBN 978-3-579-08693-4

Der Umzug der Menschheit: Die transformative

Kraft der Städte, Wissenschaftlicher Beirat der

Bundesregierung Globale Umweltveränderungen

(WBGU), Berlin 2016

Printversion bestellen sowie Download über www.

wbgu.de/de/publikationen

Die digitale Mobilitätsrevolution –

Vom Ende des Verkehrs, wie wir ihn kannten,

Weert Canzler / Andreas Knie, München 2016,

ISBN 978-3-86581-754-9

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie,

Die Bundesregierung, Berlin Oktober 2016

www.deutsche-nachhaltigkeitsstrategie.de

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, Aktualisierung

2018. Die Bundesregierung, Berlin November 2018

ELAB 2.0, Wirkung der Fahrzeugelektrif izie rung

auf die Beschäfti gung am Standort Deutschland,

Stuttgart November 2018

www.iao.fraunhofer.de/lang-de/images/

iao-news/elab20.pdf

Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben,

EKD Texte 130, Hannover 2018

www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/ekd_texte_130_2018.pdf

Klimaschutzplan 2050, Bundesministerium für

Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktor sicherheit,

Berlin November 2016

www.bmub.bund.de

Laudato Si, Die Umwelt-Enzyklika des

Pabst Franziskus, Leipzig 2015,

ISBN 978-3-7462-4288-0

Leben im Anthropozän –

Christliche Perspektiven zur Nachhaltigkeit,

Brigitte Bertelmann / Klaus Heidel, München 2018,

ISBN 978-3-96238-060-1

Mit dem Elektroauto in die Sackgasse,

Winfried Wolf, Wien 2019,

ISBN 978 3 85371 4501 1

Mobiles Baden-Württemberg, Wege der

Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität.

Hrsg. Baden-Württemberg Stiftung, Stuttgart

Oktober 2017,

Pdf-Download über www.bwstiftung.de/publikationen

oder kostenlose Bestellung Printversion:

voith@bwstiftung.de

Raus aus der Wachstumsgesellschaft?

Hrsg. Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche

Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz,

Bonn 2018, ISBN 978-3-940137-83-8

Schubumkehr – die Zukunft der Mobilität,

Stephan Rammler, Frankfurt 2014,

ISBN 978-3-596-03079-8

Verkehr.Umwelt.Klima – Die Globalisierung

des Tempowahns. Winfried Wolf, Wien 2009,

ISBN 978 3 85371 300 6

Volk ohne Wagen – Streitschrift für eine neue

Mobilität, Stephan Rammler, Frankfurt 2017,

ISBN 978-3-596-29862-4

Welt im Wandel – Gesellschaftsvertag für eine

Große Transformation, Wissen schaft licher Beirat der

Bundesregierung Globale Umweltveränderungen

(WBGU), Berlin 2011, ISBN 978-3-936191-38-7

Pdf-Download: www.wbgu.de/de/publikationen

Zukunftsfähiges Deutschland in einer

globalisierten Welt – Ein Anstoß zur gesell schaftlichen

Debatte. Eine Studie des Wup per tal-Instituts

für Klima, Umwelt, Energie.

Herausgeber Brot für die Welt, ev. Entwick lungsdienst

und BUND, Frankfurt 2008,

ISBN 978-3- 596-17892-6

Zukunftsfähiges Deutschland – Ein Beitrag zu

einer globalen nachhaltigen Entwicklung.

Eine Studie des Wuppertal-Instituts für Klima,

Umwelt, Energie. Herausgeber Brot für die Welt,

ev. Entwicklungsdienst und BUND, Basel 1996,

ISBN 978-3-7643-5278-3

Menschen – Klima – Zukunft /

Jahrbuch Gerechtigkeit V,

Kirchlicher Herausgeberkreis WOEK 2012,

Download über woek.de/publikationen

34 THEMENHEFT 2019: BITTE WENDEN

BESTES UND BETET FÜR SIE ZUM HERRN; DENN WENN’S IHR WOHL GEHT, SO GEHT‘S AUCH EUCH WOHL. +++


GUTES BEISPIEL

NORDKIRCHE MIT KURS AUF KLIMANEUTRALITÄT

und Pastoren und Mitarbeitenden in kirchlichen

Einrichtungen.

Das Gute ist, Klimaschutz bringt neue Chancen.

Kirchliches Leben kann durch Klimaschutz viel

gewinnen:

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Nord -

deutschland hat mit ihrem Klima schutzgesetz

ein klares Ziel vor Augen: Die Nordkirche

will bis zum Jahr 2050 klima neutral

sein. Dazu soll der CO 2 -Ausstoß in den

Bereichen Gebäude, Mobilität und Beschaffung

kontinuierlich gesenkt werden.

Dieses Ziel lässt sich nur gemeinsam erreichen.

Viele verschiedene Aktivitäten

tragen zum Ge lingen bei: Energie sparend

heizen, sparsame Fahrzeuge nutzen, auf

Fair-Trade-Produkte umstellen und vieles mehr.

Will kommen sind En ga gement und Ideen eines

Jeden, von Gemein de mitgliedern, Pastorinnen

• Energiesparen entlastet die Gemeinde kassen.

• Gebäudesanierung steigert die Attraktivität

von Gemeindehäusern und Pastoraten.

• Gemeinsames Planen und Gestalten bringt

Impulse für eine lebendige Gemeinde vor Ort.

• Neue Mobilitätsformen auszuprobieren

macht Spaß und zeigt neue Wege auf.

Das Klimaschutzbüro der Nordkirche unterstützt

die Kirchenkreise und Gemeinden, damit

die Chancen im Klimaschutz möglichst breit genutzt

werden. Es bietet Beratung und fördert

den Erfahrungsaustausch und die Zusam menarbeit

innerhalb der Nordkirche.“ Mehr unter:

www.kirchefuerklima.de

IMPRESSUM

VERANTWORTLICH

Michael Klatt

Landessozialpfarrer i.R.

Bundesvorsitzender des Kirchlichen

Dienstes in der Arbeitswelt (KDA)

und Vorsitzender des

Evangelischen Verbandes

Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA),

Hannover

m.klatt@kwa-ekd.de

KOORDINATION UND V.I.S.D.P:

Nora Langerock-Siecken

Referentin für Arbeit und Soziales im

Evangelischen Verband

Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA)

n.langerock-siecken@kwa-ekd.de

KWA-Geschäftsstelle

Friedrich-Karrenberg-Haus

Arnswaldtstraße 6

30159 Hannover

info@kwa-ekd.de

www.kwa-ekd.de

REALISATION

Design: Holger Giebeler, Magascreen.com

Korrektorat: Dr. Angelika Fallert-Müller

Druckerei: Schroeder-Druck & Verlag GbR

www.schroeder-druck.de

Auflage: 4.000

Juni 2019

ISSN 2366-9845

BESTELLUNG

Unsere Themenhefte

können Sie hier bestellen:

KWA-Geschäftsstelle

Telefon: 0511 473877-12

E-Mail: info@kwa-ekd.de

RÜCKMELDUNGEN

ERWÜNSCHT

Das Redaktionsteam freut

sich über Rückmeldungen

zu dieser Broschüre:

info@kwa-ekd.de

BILDNACHWEIS

1 Bernd Müller-Knospe – stock.adobe.com

2 Kara – stock.adobe.com

3 Klatt privat

4 Halfpoint – stock.adobe.com

Kurschuss privat

5 Marco2811 – stock.adobe.com

6 Philipp Böhme – qimby.net

8 nadezhda1906 – stock.adobe.com

11 mihi – stock.adobe.com

12 Ralf Gosch – stock.adobe.com

13 VM Ba-Wü

14 FW – qimby.net

15 Giebeler

16 IG Metall

Ivan Traimak – stock.adobe.com

17 dima – stock.adobe.com

18/19 EvoBus

20/21 Kalyakan – stock.adobe.com

22/23 IKG

24/25 OREG

26/27 Karin Uhlmann

28 Helmut Roos

29 shootingankauf – stock.adobe.com

31 upixa – stock.adobe.com

32 Romeo Edel privat

33 DEKT, Bente Stachowske

35

AMOS 5,4: SO SPRICHT DER HERR: SUCHET MICH, SO WERDET IHR LEBEN. +++


LANDESKIRCHLICHE FACHABTEILUNGEN FÜR ARBEIT UND WIRTSCHAFT

Evangelisch-Lutherische Kirche

in Norddeutschland

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Leitung: Gudrun Nolte

gudrun.nolte@kda.nordkirche.de

Bremische Evangelische Kirche

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Leitung: Ingeborg Danielzick

danielzick.forum@kirche-bremen.de

Evangelisch-Lutherische Kirche

in Oldenburg

Kirche Wirtschaft Arbeitswelt

Leitung: Dr. Urs-Ullrich Muther

urs-ullrich.muther@kirche-oldenburg.de

Evangelisch-Lutherische

Landeskirche Hannovers

Kirche.Wirtschaft.Arbeitswelt

Leitung: Dr. Matthias Jung

jung@kirchliche-dienste.de

Evangelische Landeskirche Anhalts

Ehrenamtlicher Fachdienst

für Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt

Leitung: Günther Laux

laux-guenter@t-online.de

Evangelische Kirche

in Mitteldeutschland

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Leitung: Holger Lemme

lemme@ev-akademie-thueringen.de

Evangelische Kirche im Rheinland

Ev. Akademie im Rheinland

Leitung: N.N.

Sekretariat:

beate.weissner@ekir-lka.de

Evangelische Kirche von Westfalen

Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt

Leitung: Heike Hilgendiek

heike.hilgendiek@kircheundgesellschaft.de

Evangelische Kirche

von Kurhessen Waldeck

Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales

Leitung: Nicole Beckmann (ab 01.09.2019)

Sekretariat:

Janine.Barrera-Ortiz@ekkw.de

Evangelische Kirche in Hessen-Nassau

Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung

Leitung: Christian Schwindt

c.schwindt@zgv.info

Evangelische Kirche der Pfalz

Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft

Leitung: Gerd Kiefer

gerd.kiefer@evkirchepfalz.de

Evangelische Landeskirche Baden

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Leitung: Dr. Dieter Heidtmann

dieter.heidtmann@ekiba.de

Evangelische Landeskirche

in Württemberg

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Leitung: Karin Uhlmann

karin.uhlmann@ev-akademie-boll.de

Evangelisch-Lutherische Kirche

in Bayern

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Leitung: Prof. Dr. Johannes Rehm

rehm@kda-bayern.de

Die Zeit der autogerechten Städte

muss zu Ende gehen – gestalten wir

Städte für Menschen.

Evangelischer Verband

Kirche Wirtschaft Arbeitswelt

Friedrich-Karrenberg-Haus

Arnswaldtstraße 6

30159 Hannover

Telefon: 0511 473877-0

info@kwa-ekd.de

www.kwa-ekd.de

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