Berliner Zeitung 08.07.2019

BerlinerVerlagGmbH

America First: US-Mannschaft ist wieder Frauenfußball -Weltmeister – Seite 18

Ist

Preußen

schuld

an Hitler?

Seite 10

9°/19°

Wenig Sonne

Wetter Seite 2

Biermann singt im

ehemaligen Stasi-Knast

Berlin Seite 13

www.berliner-zeitung.de

Unterm Kyffhäuser:

Der Flügelkampf der AfD

Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 8

Montag,8.Juli 2019 Nr.155 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Markus Söder im Gespräch:

Anreize statt Strafen

Politik Seite 4

Bremer Bürgermeister

Gesunder

Verstand,

linkes Herz

VonPaul Linke

Andreas Bovenschulte hat mehr

Freunde als Feinde,das ist in der

Politik nun wirklich keine Selbstverständlichkeit.

Und sofanden selbst

tendenziell feindlich gestimmte Kollegen

freundschaftlich warmeWorte,

als Bovenschulte sein Bürgermeisteramt

in der Gemeinde Weyhe niederlegte,

um fünfzehn Kilometer

nördlich ins Bremer Rathaus einziehen

zu können.

Eine CDU-Frau

hatte etwa eine

„geile Zeit“ mit

dem SPD-Mann

erlebt.

Auf dem Landesparteitag

der

Andreas Bovenschulte,

bald Bürgermeister

in Bremen.

Bremer (und

Bremerhavener)

Sozialdemokraten

am Sonntag

wurde Bovenschulte,

53, schon mal mit 95,9 Prozent

zum Bürgermeisterkandidaten

ernannt; Mitte August soll die Wahl

folgen. Bovenschulte wirddann Rot-

Grün-Rot anführen und auch seinen

Nichtwählern erklären müssen, wie

genau die neue Dreierkoalition die

Bremer Innenstadt bis 2030 (nahezu)

autofrei machen will. Am

Sonntag versprach er: „Wir sind ein

Bündnis des gesunden Menschenverstands.“

EinVerstand, zu dem ein

Herz gehört, das links schlägt.

Bovenschulte ist zwei Meter groß,

wirdvon den meisten aber zu einem

Bovi verniedlicht. So ein Spitzname

schafft Bürgernähe, und auf Bürgerfesten

–imGegensatz zum spitznamenlosen

Vorgänger Carsten Sieling

– fühlt er sich der Bovi besonders

wohl; hier soll seine Eloquenz seinen

Ehrgeiz überdecken.

Eigentlich wollte Bovenschulte

mal Rockmusiker werden, er spielt

Gitarre. Dann ist er nach dem Abitur

1984 in die SPD eingetreten und

wurde immerhin Jurist; ein Streiter

für die gute und ein Kümmerer um

die eigene Sache. Bereits vor fünf

Jahren hatte er versucht, die Bremische

Bürgerschaft anzuführen.

In einem Punkt muss er sich verbessern–oder

wenigstens dafür sorgen,

dass diese eine Geschichte sich

nicht herumspricht: Beim Abschied

aus Weyhe gab es nämlich weitere

Wortmeldungen, und einer zufolge

soll Bovenschulte „angefressen“ gewesen

sein, als seine Wahl zum Ersten

Gemeinderat verschoben werden

musste –wegen eines Bundesligaspiels.

Wer in Bremen regieren

will, muss Werder mindestens respektieren.

Gilt für alle Demokraten.

Ein

Jahrhundertleben

Der Filmproduzent Artur Brauner ist

am Sonntag verstorben. Ein Nachruf

Seite 3

Trump will Bundeswehr in Syrien

USA fordern von VerbündetenmehrEngagement im Kampf gegen den IS. Belastung für die große Koalition

VonMarina Kormbaki

Die Bundesregierung

hatte gehofft, dass dies

nie passiert. Nun aber

fordern die USA auch

deutsche Bodentruppen für den

Krieg in Syrien. Die maßgeblich am

Kampf gegen die Terrororganisation

„Islamischer Staat“ beteiligten Kurden

bräuchten Unterstützung, sagte

der US-Sonderbeauftragte für Syrien,

James Jeffrey, der Deutschen

Presse-Agentur. Jeffrey bat die Bundesregierung

darum, die vonKurden

angeführten Syrischen Demokratischen

Kräfte (SDF) mit Ausbildern,

Logistikern und technischen Hilfskräften

der Bundeswehr zu unterstützen.

„Wir wollen von Deutschland

Bodentruppen, um unsere Soldaten

teilweise zu ersetzen“, sagte

der US-Diplomat. Die Antwort erwartet

er noch im Juli.

Jeffrey sagte,dass es ihm nicht um

Truppen zur Sicherung der geplanten

Pufferzone zwischen der türkischen

Grenze und dem von Kurden

dominierten Part Nordsyriens oder

gar um Einheiten für Kampfhandlungen

gegen den IS gehe. „Den IS

kann man besser mit syrischen Ortskräften

zurückdrängen. Aber man

braucht eine bestimmte internationale

Präsenz, um die Luftunterstützung

sicherzustellen, für Logistik,

Ausbildung und technische Hilfe“,

sagte er. Dennoch wäre bei einem

Einsatz deutscher Bodentruppen

nicht ausgeschlossen, dass sie in

Kampfhandlungen verwickelt werden.

„Die Soldaten müssen bereit

sein, sich zu verteidigen.“

Ausdem Auswärtigen Amt hieß es

am Wochenende, Deutschlands Beitrag

am Anti-IS-Einsatz werde wertgeschätzt,

die Gespräche über dessen

weiteren Verlauf seien konstruktiv.

Die Bundeswehr beteiligt sich

mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen,

einem Tankflugzeug und Ausbildern

imIrak ander Mission. Ihr

Mandat läuft am 31. Oktober aus.

Eine weitereVerlängerung gilt angesichts

des großen Widerstands innerhalb

der SPD-Bundestagsfraktion

als fraglich. Außenminister

Heiko Maas hatte bei einem Irak-Besuch

Anfang Juni allerdings die

„Deutsche Bodentruppen in Syrien

wird esmit uns nicht geben.“

Thorsten Schäfer-Gümbel, kommisarischer Co-Vorsitzender der SPD

Dringlichkeit des Einsatzes betont.

Die Entscheidung über das Mandat

liegt beim Bundestag.

Eigentlich wollte dieser sich nach

der Sommerpause damit befassen.

Doch die Forderung der Amerikaner

setzt die Regierung unter Druck. Der

großen Koalition droht eine weitere

Zerreißprobe. Der kommissarische

SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-

Gümbel stellte bereits auf Twitter

klar:„Deutsche Bodentruppen in Syrien

wirdesmit uns nicht geben.“

Die Unionsfraktion fordert wiederum

ein klares Bekenntnis zum

Anti-IS-Einsatz. „Außenminister

Maas muss jetzt in der eigenen Fraktion

Überzeugungsarbeit leisten: Die

Hängepartie wegen der von uns erwarteten

Fortsetzung des bisherigen

Anti-IS Einsatzes dauert schon lange

und nährt Zweifel an unserer Bündnisfähigkeit“,

sagte Unionsfraktionsvize

Johann Wadephul der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). Wadephul rief zur unvoreingenommenen

Prüfung der US-

Bitteauf.„Einen reinen Kampfeinsatz

schließe ich aus. Alles andere erfordert

eine umfassende Abwägung.“

DieGrünen lehnen einen Einsatz von

Bodentruppen der Bundeswehr in

Syrien ab. „Die Bundesregierung

muss der gefährlichen Ausweitung

mit Bodentruppen eines bereits

schon hochproblematischen und

völkerrechtswidrigen Einsatzes in Syrien

eine klareAbsage erteilen“, sagte

die stellvertretende Vorsitzende der

Grünen Bundestagsfraktion, Agnieszka

Brugger. Leitartikel Seite 8

ULLSTEIN BILD

Taxi fahren

in Berlin

wird teurer

Nach vier Jahren Pause

steigen die Tarife deutlich

VonPeter Neumann

Taxifahrgäste müssen sich in Berlin

auf höhereFahrpreise einstellen.

In den kommenden Wochen will

der Senat über eine Tarifanhebung

entscheiden. Der Entwurf für die

neue Entgeltordnung sieht vor, die

Preise deutlich anzuheben. Beobachter

rechnen damit, dass die

neue Tariftabelle in diesem Sommer

in Kraft tritt. DieInnung des Berliner

Taxigewerbes hatte den Antrag im

Frühjahr 2018 eingereicht.

Nach dem Entwurf soll der Kurzstreckentarif

vonfünf auf sechs Euro

erhöht werden –um20Prozent. Der

Kilometerpreis für Entfernungen bis

sieben Kilometer soll um 15 Prozent

auf 2,30 Euro angehoben werden.

Der Kilometerpreis für Fahrten, die

darüber hinausgehen, soll um zehn

Prozent auf 1,65 Euro steigen.

Zum Teil fällt die Anhebung höher

aus, als die Taxibranche dies beantragt

hatte.Ein vomSenat bestellter

Gutachter begründete dies damit,

dass die Kosten seit derjüngsten

Tarifanhebung 2015 stärker gestiegen

seien. Dienächste Mindestlohnerhöhung

Anfang 2020 eingerechnet,

beträgt der Zuwachs der Personalkosten

sechs Prozent. DerAnstieg

der allgemeinen Betriebskosten wird

auf vier Prozent beziffert.

Nach mehr als vier Jahren Pause

sei eine Tarifanhebung angesichts

der Kostensteigerungen unumgänglich,

sagte Detlev Freutel vom Taxi

Verband Berlin-Brandenburg. Doch

der Taxitarif werde den Fahrgästen

auch künftig die Sicherheit bieten,

die zu erwartenden Kosten im Voraus

abschätzen zu können. Anders

als anderswo schlagen Stopps bis zu

einer Minute vor Ampeln oder in

Staus bei der Tarifberechnung nicht

zu Buche. Berlin Seite14

Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin

Redaktion: (030) 63 33 11-457

(Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499;

leser-blz@dumont.de

Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76;

www.berliner-zeitung.de/leserservice

Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97;

berlin.anzeigen@dumont.de

Postvertriebsstück A6517

Entgelt bezahlt

4

194050

501603

11028

2. und3.

November 2019

10 –17Uhr

Cafe Moskau

Karl-Marx-Allee 34

10178 Berlin

Jetzt

Aussteller

werden!

Diebesten Jahre

Doppelmesse Reise &Gesundheit

Anmeldung unter:

berlin.messen@dumont.de

oder (030)2327 6758

BERLIN

MESSEN


2 Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Tagesthema

Sein Auftritt lässt lange auf

sich warten und wird mit

viel Pathos als Höhepunkt

des Kyffhäusertreffens inszeniert.

Björn Höcke, Landeschef

der AfD Thüringen und Chef der

Rechtsradikalen in der Partei, betritt

unter minutenlangem Jubel den Saal

in Leinefelde, nachdem ein emotionaler

Einspieler den Anführer der

„Flügel“-Bewegung begrüßt. Höcke

winkt eine Weile ins Publikum, verbeugt

sich mehrfach, so ist es im

Livestream zu verfolgen. VorOrt war

keine Presse zugelassen.

Zumfünften Maltrafsich der völkisch

ausgerichtete„Flügel“, diesmal

vorallem mit Blick auf die für die AfD

vielversprechenden Landtagswahlen

in Brandenburgund Sachsen am

1. September sowie Thüringen am

27. Oktober. Doch bevor es –mehr

oder weniger –umInhalte geht, thematisiertHöcke

erst einmal Interna.

Es ist eine Abrechnung mit dem

Bundesvorstand, der nach seiner

Ansicht seit anderthalb Jahren

Machtpolitik betreibe und an wichtigen

Aufgaben scheitere. Vor allem

dem Gleichbehandlungsgrundsatz

komme der Vorstand nicht nach, die

Schiedsgerichte müssten ausgetauscht

werden. Hintergrund sind

vorausgegangene Entscheidungen,

die sich gegen verschiedene Vorhaben

Höckes richteten.

Gefahr,unterwandertzuwerden

Doch es gibt auch einen aktuellen

Anlass: der Streit um die schleswigholsteinische

Landesvorsitzende

Doris von Sayn-Wittgenstein. 2017

fehlte ihr nur eine Stimme bei der

Wahl zur Parteivorsitzenden. Seit

Dezember 2018 läuft ein Parteiausschlussverfahren

beim Bundesschiedsgericht

gegen sie wegen der

Fördermitgliedschaft im rechtsextremen

Verein „Gedächtnisstätte“,

der auf einer Unvereinbarkeitsliste

der AfD steht. Ende Juni wurde Sayn-

Wittgenstein dennoch als Landesvorsitzende

wiedergewählt.

Die Parteispitze treibt die Sorge

um, die AfD könne von Rechtsextremisten

„unterwandert“ werden. Das

geht aus einem Schreiben des Vorstands

an das AfD-Bundesschiedsgericht

hervor, das der Deutschen

Presse-Agentur vorliegt. Im Berufungsantrag

zum Parteiausschlussverfahren

gegen von Sayn-Wittgenstein

heißt es: „Die besondere Gefahr,

der die Partei Alternative für

Deutschland ausgesetzt ist, nämlich

von Rechtsextremisten unterwandert

zu werden und in Folge

dessen politisch zu implodieren, war

allgemein und damit auch der Antragsgegnerin

bekannt, als sie ihren

Aufnahmeantrag im Jahr 2016

stellte.“

AfD-Chef Jörg Meuthen warb für

innerparteiliche Unterstützung für

Ausschlussverfahren. Er sehe „alle

involvierten Funktionsträger in meiner

Partei in der Pflicht, die Notwendigkeit

des Parteiausschlusses all denen

zu vermitteln, die bisher noch

zur Unterstützung von Frau von

Sayn-Wittgenstein und anderen neigen“,

sagte er der Welt am Sonntag.

Meuthen war dieses Mal nicht

beim „Flügel“-Treffen dabei, im Gegensatz

zu den vergangenen Jahren.

Beim Treffen des

nationalistischen „Flügels“

stimmt sich die Partei

auf die drei Landtagswahlen im

Osten ein. Bundessprecher

Alexander Gauland

fürchtet Radikalisierung

und fordert

verbale Mäßigung

Machtkampf in der AfD

Brand am

Rand

VonJulia Rathckeund JanSternberg

IMAGO

Julia Rathcke glaubt, dass

die AfD trotz des Flügels politisch

überleben wird.

DieAllianz zwischen ihm und Höcke

ist zerbrochen, seit Meuthen versucht,

gegen den rechtsextremen

Rand der Partei vorzugehen.

Höcke kündigte in seiner Rede

jetzt erstmals an, selbst für den Bundesvorstand

kandidieren zu wollen –

sollte Thüringens Ministerpräsident

Bodo Ramelow(Linke) im Herbst abgewählt

werden und die AfD „Geschichte

schreiben“. So oder so

könne er versichern, dass der aktuelle

Bundesvorstand nicht wiedergewählt

werde, sagt Höcke unter tosendem

Applaus in Leinefelde.Das Treffen

hatte diesmal das Motto: „Der

Osten steht auf“.

Seit Januar ist die „Flügel“-Bewegung

vom Bundesamt für Verfassungsschutz

als Verdachtsfall im Bereich

des Rechtsextremismus eingestuft.

DasTreffen dürfte die Beamten

daher besonders interessiert haben,

um festzustellen, wersich dieserVereinigung,

die keine festen Mitgliedschaften

verlangt, zugehörig fühlt.

Parteichef Gauland rief die „Flügel“-Vertreter

zur verbalen Mäßigung

auf –mäßig war auch der Applaus,den

er dafür bekam. „Wir sind

keine Spielwiese zum Austesten, wie

weit man gehen kann“, sagte er.„Die

Lage ist zu ernst, wir können keine

Zeit mehr vertrödeln beim Erwachsenwerden.“

Sonst würde die AfD

„niemals die bürgerliche Mehrheit

gewinnen, niemals an die Macht gelangen,

machtlos den anderen zuschauen

müssen“.

Chaotische Verhältnisse

Andere Töne kamen von Gaulands

einstigem politischen Ziehsohn,

dem brandenburgischen Landeschef

Andreas Kalbitz. Er wurde von

der Moderatorin bereits als „künftiger

Ministerpräsident“ präsentiert,

rief zum „Widerstand“ auf und betonte

die Bedeutung des „Flügels“.

„Wir haben den Anspruch, im Osten

stärkste Kraft zu werden, unser Land

zurückzuholen. Dafür machen wir

keine Kompromisse“, sagte Kalbitz.

„Wir werden uns nicht prostituieren

in irgendeiner Juniorkoalition mit

der CDU.“ Die AfD müsse dabei gemeinsam

an einem Strang ziehen.

AfD-Mitglieder aus Nordrhein-

Westfalen waren beim Kyffhäusertreffen

in Thürigen nicht anwesend –

bei einem vorgezogenenLandesparteitag

in Warburg stritt der Verband

an diesem Wochenende um seine

Führung. Auf einer chaotischen Versammlung

traten Landeschef Helmut

Seifen und alle Vorstandsmitglieder,die

nicht dem „Flügel“ angehörten,

zurück. Es verblieb ein dreiköpfiger

Rumpfvorstand um den

Höcke-Parteigänger Thomas Röckemann.

Die AfD im bevölkerungsreichsten

Bundesland wird nun also

vom„Flügel“ geführt.

JanSternberg fragt sich,

was den Flügel voneiner

Sekte unterscheidet.

Der erbitterte Richtungsstreit innerhalb

der AfD hat den Parteivorstand

in Nordrhein-Westfalen gesprengt.

Es betrifft immerhin den

mit rund 5300 Mitgliedern größten

Landesverband. Aufeinem Parteitag

in Warburgtratder als gemäßigt geltende

Co-Vorsitzende Helmut Seifen

am Sonnabend gemeinsam mit einem

Großteil des zwölfköpfigen

Landesvorstandes zurück.

Dergleichberechtigte Landeschef

Thomas Röckemann und zwei weitere

Vorstandsmitglieder bleiben

vorerst im Amt. MehrereAnträge auf

ihre Abwahl erreichten bei dem vorgezogenen

Parteitag der Rechtspopulisten

nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit

der rund 500 Delegierten.

Der nächste reguläre Parteitag

steht Ende des Jahres an. Dann

muss der gesamte Vorstand neu gewählt

werden. Der von Kreisverbänden

und Teilen desVorstands inWarburg

geforderte komplette Neuanfang

scheiterte damit zunächst.

Applaus und Buhrufe

Röckemann gilt als Sympathisant

des „Flügels“ der AfD um den Thüringer

Landesparteichef Björn Höcke.

In Warburg lehnte er einen

Rücktritt ab: „Ich für meinen Teil

habe die Eier, das, was ich angefangen

habe, auch durchzuziehen“,

sagte er. Kritische Abgeordnete, die

von ihren Posten zurückträten, bezeichnete

er als „Fahnenflüchtige“.

Chaotischer Parteitag in NRW

Die große Rücktrittswelle

Helmut Seifen, Ex-NRW-Chef der AfD,verlässt die Bühne.

DPA /SWEN PFÖRTNER

Nach stundenlanger Debatte

steuerte der Landesparteitag auf den

Höhepunkt zu, als nacheinander

neun Vorstandsmitglieder unter Applaus

und Buhrufen ihre Rücktritte

erklärten. Seifen wurde dabei fast

niedergeschrien.

Neuer Chef stand schon bereit

Er warfden Anhängerndes „Flügels“

vor, die Partei in NRW und bundesweit

zu unterwandern,zuspalten. In

entscheidenden politischen Fragen

handelten Höckes „willfährige Werkzeuge“

nicht im Interesse des Landesverbandes,

sagte er.„Ihre Loyalität

gilt in erster Linie dem ‚Flügel‘.“

MitRöckemann sei eine pragmatische

Arbeit nicht möglich, sagte

Seifen. Er habe Maßnahmen gegen

Mitglieder wegen parteischädigenden

Verhaltens verzögertund keines

der elf Parteiordnungsverfahren mitgetragen.

Wegen der „Machenschaften“

der „Flügel“-Anhänger, die die

AfD in Nordrhein-Westfalen bis in

die Kreisverbände unterwanderten,

sei „der Bestand der Partei in großer

Gefahr“, sagte Seifen.

Ein potenzieller neuer Parteichef

stand in Warburg bereit. Der verteidigungspolitische

Sprecher der AfD-

Bundestagsfraktion, Rüdiger Lucassen,

sagte am Rande des Parteitags,

er wolle antreten, aber nur unter

zwei Bedingungen: als„Einzelspitze“

und wenn der gesamte Landesvorstand

zurücktrete. (dpa)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute zeigt sich mitunter für kurze Zeit die Sonne. Es gibt aber auch Regenschauer,

und es sind 18 bis 20Grad zu erwarten. Der Wind weht

mäßig, in Böen frisch aus West. In der Nacht machen die Tiefstwerte bei

12 bis 8Grad halt. Dazu ist es gebietsweise klar, hin und wieder ziehen

jedoch Wolken durch.

Biowetter: Stoffwechsel und Durchblutung

laufen beschleunigt ab. Das

Wohlbefinden vieler Menschen wird

durch Kopfweh- und Migräneattacken

beeinträchtigt. Vorallem Rheu-

10°/20°

Wittenberge

matiker leiden unter der Wetterlage.

Pollenflug: Der Flug von Sauerampfer-,

Brennnessel-, Spitzwegerichund

Gräserpollen ist mäßig. Des

Weiteren sind örtlich Linden-, Gänsefuß-

und Beifußpollen in der Luft.

Gefühlte Temperatur: maximal 19Grad.

Wind: mäßig aus West.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

9°/18° 9°/19°

Luckenwalde

7°/20°

Cottbus

8°/18°

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

wolkig Regenschauer wolkig

11°/21° 11°/20° 12°/24°

Prenzlau

9°/18°

Frankfurt

(Oder)

9°/19°

Zwischen hohem Luftdruck über den Britischen Inseln und einem Tief über dem

Baltikum dringt relativ kühle Nordseeluft zu den Alpen vor. Dies ist mit Windböen

aus Nordwest, vielen Wolken und örtlichen Schauern verbunden. Rund um das

Mittelmeer hält die hochsommerliche Wärme an. Vonder Iberischen Halbinsel

bis Norditalien gehen einzelne gewittrige Schauer nieder.

Sylt

10°/17°

Hannover

7°/18°

Köln

9°/19°

Saarbrücken

13°/23°

Konstanz

15°/22°

Hamburg

10°/16°

Erfurt

7°/18°

Frankfurt/Main

12°/21°

Stuttgart

14°/21°

Rügen

10°/17°

Rostock

9°/17°

Magdeburg

8°/19°

Nürnberg

10°/20°

München

13°/22°

Dresden

10°/17°

Deutschland: Heute gehen gelegentlich

Regenschauer nieder. Wolken

und Sonne wechseln sich ab. Dabei

werden im Tagesverlauf 16 bis

23 Grad erreicht, nachts kühlt es

dann auf 13bis 7Grad ab. Der Wind

weht schwach bis mäßig aus West.

Morgen strahlt bei einigen durchziehenden

Wolken die Sonne. Die Temperaturen

erreichen Wertevon

15 bis 24Grad, und der Wind weht

schwach bis mäßig aus Nordwest.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 15°-17°

Nordsee: 15°-17°

Mittelmeer: 23°-31°

Ost-Atlantik: 16°-21°

Mondphasen: 09.07. 16.07. 25.07. 01.08.

Sonnenaufgang: 04:53 Uhr Sonnenuntergang: 21:29 Uhr Mondaufgang: 12:00 Uhr Monduntergang: 00:27 Uhr

Lissabon

26°

Las Palmas

23°

Madrid

30°

Reykjavik

17°

Dublin

18°

London

23°

Paris

22°

Bordeaux

32°

Palma

37°

Algier

43°

Nizza

33°

Trondheim

13°

Oslo

22°

Stockholm

17°

Kopenhagen

20°

Berlin

19°

Mailand

30°

Tunis

37°

Rom

33°

Warschau

17°

Wien

22° Budapest

24°

Palermo

36°

Kiruna

17°

Oulu

18°

Dubrovnik

30°

Athen

37°

St. Petersburg

21°

Wilna

17°

Kiew

22°

Odessa

24°

Varna

30°

Istanbul

35°

Iraklio

30°

Archangelsk

19°

Moskau

22°

Ankara

31°

Antalya

38°

Acapulco 35° heiter

Bali 31° heiter

Bangkok 33° bewölkt

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 13° wolkig

Casablanca 22° wolkig

Chicago 27° sonnig

Dakar 27° wolkig

Dubai 39° heiter

Hongkong 34° wolkig

Jerusalem 32° sonnig

Johannesburg 18° sonnig

Kairo 37° sonnig

Kapstadt 16° bedeckt

Los Angeles 19° wolkig

Manila 32° heiter

Miami 33° Gewitter

Nairobi 26° wolkig

Neu Delhi 40° wolkig

New York 27° bewölkt

Peking 32° heiter

Perth 21° heiter

Phuket 33° wolkig

Rio de Janeiro 22° bewölkt

San Francisco 19° wolkig

Santo Domingo 31° heiter

Seychellen 27° Gewitter

Singapur 33° Gewitter

Sydney 15° Regen

Tokio 26° bedeckt

Toronto 26° sonnig


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 3 *

·························································································································································································································································································

Seite 3

Die Kunst des Lebens

Der Filmproduzent Artur Brauner prägte das deutsche Nachkriegskino. In vier Wochen hätte er seinen 101. Geburtstag gefeiert. Am Sonntag ist er nach einem Schwächeanfall in Berlin gestorben.

THOMAS GRABKA

Ineinen Fragebogen hat Artur Brauner

in seinen späten Jahren einmal eingetragen:

„Ich bin restlos glücklich.“ Es

war eine überraschende Aussage von

einem Mann, der seine ganze Existenz darauf

gründete, dass er einem Rest entstammte:

den überlebenden europäischen

Juden, die der Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten

entgangen waren. Als er

1946 nach Berlin kam, aus Polen, wo er 1918

in Lodz als Sohn des Holzgroßhändlers

Moshe Brauner und dessen Frau Brana geboren

worden war und wo er sich vor den

Verfolgernversteckt gehalten hatte,begann

eine unvergleichliche Geschichte: Brauner

wurde Filmproduzent, Immobilieninvestor,

Gesellschaftsmensch. Er wollte diese beiden

Tatsachen – sein persönliches Glück

und seine Zeugenschaft für das Verbrechen

–immer im Zusammenhang sehen. Aber sie

fielen immer wieder auseinander.Also fügte

er sie zusammen, indem er Filme produzierte,indenen

das jüdische Leiden im Mittelpunkt

stand.

Schon ein Jahr nach seiner Ankunft in

West-Berlin brachte er „Morituri“ von Eugen

York heraus: Diezum Tode Verurteilten,

von denen der Titel sprach, schlugen sich

auf der Flucht vorder Gestapo in dieWälder,

um auf die Rote Armee zu warten. Es ging

darum, so etwas überhaupt erzählbar zu

machen. In einer Zeit, in der sich im Osten

der Antifaschismus schon ideologisierte

und im Westen die Entnazifizierung immer

pragmatischer gehandhabt wurde, wollte

Brauner von spezifischen Erfahrungen erzählen.

Er setzte dabei auf eine Filmsprache,

die sich durch Deutlichkeit auszeichnete.

Ihm lag nicht an den Möglichkeiten

des Kinos, indirekt vom Trauma zu sprechen.

Brauner suchte immer den direkten

Weg: zum Bild, zum Publikum, zum Erfolg.

„Morituri“ wurde vielfach gelobt, aber die

Menschen wollten den Film nicht sehen,

und Artur Brauner zog vorerst die Konsequenz:

Seine Central Cinema Compagnie,

die CCC-Studios in Spandau, wurden zu einem

Zentrum der kommerziellen Filmproduktion

in der Bundesrepublik.„Unschuld in

tausend Nöten“ aus dem Jahr 1951 ist ein gutes

Beispiel: Ein Fabrikant steht für die aufstrebende

Wirtschaft; das Mädchen, dem er

nachstellt, für den neuen Hedonismus; die

Lösung des Konflikts für die Konventionen

eines Bürgertums ohne eigene Kultur.Inder

polemischen Rückschau sprach man später

von „Papas Kino“, und Papa ist selten eine

Respektsperson in diesen Filmen.

Selbst auf dem Höhepunkt seiner Erfolge

hatte Brauner aber den größeren Zusammenhang

im Blick: In den 50er-Jahren holte

er Fritz Lang und Robert Siodmak nach

Deutschland zurück, zwei Exil-Regisseure,

Er überlebte den Holocaust, wurde in der Nachkriegszeit einer der

erfolgreichsten deutschen Filmproduzenten, handelte mit Immobilien

und war ein Fixstern des Gesellschaftslebens.

Am Sonntag ist Artur Brauner im Alter von 100 Jahren in Berlin gestorben.

VonBertRebhandl

die während des Kriegs das Studio-System in

Hollywood mitgeprägt hatten. Siodmak

drehte 1955 „Die Ratten“, nach dem Stück

von Gerhart Hauptmann. Maria Schell beeindruckte

als junge Mutter, die nach West-

Berlin geflohen war und um ihr Kind kämpft.

Bei der Berlinale gab es einen Goldenen Bären

für den Film. Aber die weitere Zusammenarbeit

zwischen Brauner und Siodmak

erwies sich als schwierig, weil der eine nur

wirtschaftliche Risiken sah, wo der andere

nach künstlerischer Integrität suchte.

1964 sichtet Brauner das Material, das Siodmak

für den Karl-May-Film „Der Schut“

gedreht hatte: „Bei allen Mustern bekam ich

zum ersten Mal Angst, da mir absolut die

Breite und die Größe fehlt, die ein Karl-May-

Film benötigt. Ich bitte Sie sehr ernsthaft

(…), jede Einstellung fotografisch so zu stellen,

dass überall ein großer Background zu

sehen und zu spüren ist. Da ich den Film auf

eigenes Risiko drehe und damit einen großen

Teil meiner Existenz mit aufs Spiel setze,

bitte ich Sie von nun an, mit aller Intensität

die oben genannten Mängel zu sublimieren.“

Vier Jahrespäter,nach dem Monumentalfilm

„Der Kampf um Rom“, schreibt Siodmak

bitter: „Wenn du einmal einen Film

hast, der nicht nur im Freien spielt, kannst

du mir ja schreiben.“

MitFritz Lang, dem kühlen Professional,

war es nicht weniger kompliziert, zumal

Brauner ein Projekt vorschlug, das auf eine

Ex-Frau von Lang zurückging: „Das indische

Grabmal“, nach einem Drehbuch von

Thea von Harbou, war einer der Kassenschlager

in der Weimarer Republik. Das Remake

nach dem Krieg stand aber schon im

Zeichen eines neuen, touristischen Exotismus.

Und die Dreharbeiten standen auch

unter kulturellen Spannungen: Während

Arthur Brauner zur Eile trieb, verbat sich

Lang Belehrungen nach dem Muster „bei

uns in Deutschland“, woraufhin Brauner

wiederum Lang vorwarf, er mache „Experimente

mit unserem Geld“.

Davon kann in Wirklichkeit keine Rede

sein. „Der Tiger von Eschnapur“ und „Das

indische Grabmal“ (beide 1959) sind Geschichten

auf dem Niveau vonQuick, jener

Illustrierten, die von den Angestelltengattinnen

in diesen Filmen gelesen wird. Dass

Arthur Brauner um dieselbe Zeit auch die

Figur jenes Dr. Mabuse wiederbelebte,den

Fritz Lang in drei Filmen zu einem Archetyp

der Weimarer Republik gemacht hatte,

trug nicht zum besseren Verständnis mit

dem stolzen Regisseur bei. Regie bei „Die

tausend Augen des Dr. Mabuse“ (1961)

führte Harald Reinl, der später auch „Die

Nibelungen“ auf den neuesten Stand der

Trivialfantasie brachte.

Ihm lag nicht an den

Möglichkeiten des

Kinos, indirekt vom

Trauma zu sprechen.

Brauner suchte immer

den direkten Weg:

zum Bild,

zum Publikum,

zum Erfolg.

Es wäre zueinfach, Brauner nur einen

Konflikt zwischen kommerziellen und

künstlerischen Erwägungen zu unterstellen.

Er wusste, dass er in Siodmak einen Meister

seines Metiers vor sich hatte. Erwusste aber

auch, dass Deutschland nicht Hollywood

war, dass der deutsche Western von dem

Sachsen Karl May stammte, und die deutschen

Kriminalromane nicht von Raymond

Chandler, sondern von Edgar Wallace. Mit

diesen beiden Namen hielt Brauner in den

1960er-Jahren seinen Betrieb noch am Laufen,

als die Generation des Neuen Deutschen

Films –von Alexander Kluge bis Rainer Werner

Fassbinder –bereits ganz andereVorstellungen

vonKino vertrat.

Vonnun an war Brauner ein Anachronist,

und er stilisierte sich zunehmend als Einzelgänger.

InBerlin liebte man ihn als Gastgeber

–ineiner Villa in Grunewald, die der des

Hollywood-Stars Kirk Douglas nachempfunden

ist –und als Partygast auf jeder Bambi-

Gala. Hinter seinem Rücken neidete man

ihm seinen Erfolg, den er zunehmend mit

Immobilien erzielte.Der halbe Ku’damm gehöre

ihm, hieß es, worauf Brauner locker

kontern konnte, mit halben Sachen gebe er

sich nicht zufrieden.

Er lebte der deutschen Filmwirtschaft eine

Form der Quersubventionierung vor, vonder

diese bis heute lernen könnte.Aber seine engagierten

Projekte, wie „Sie sind frei, Dr. Korczak“

(1973), waren altmodisch, sie rochen

nach den 50er-Jahren und fanden wenig Zuspruch.

Mit den Gremien, die im deutschen

Kino die Geldströme lenkten, hatte Brauner

gar kein Glück: Als er in den 80er-Jahren einen

Film über Oskar Schindler drehen wollte,

lehnte die Filmförderung sein Projekt ab. Sie

verwies auf eine Stelle im Drehbuch,die sie als

spekulativ erachtete: Der Lagerkommandant

Göth fällt über sein jüdisches Dienstmädchen

her. In Brauners Verständnis wurde damit das

Unrecht erst so richtig deutlich –erkonnte die

Shoah nur mit den Mitteln seines populären

Kinos erfassen. Als Steven Spielberg später

„Schindlers Liste“ so perfekt auf visuelle Befriedigung

hin inszenierte, dass der Film beinahe

aussah wie aus dem Hause Brauner, bekam

der Amerikaner dafür auch in Deutschland

enormes Lob.

Die zweierlei Maß, mit denen er gemessen

wurde,ließen Braunerbitter werden.Mit

„Hitlerjunge Salomon“ der Regisseurin Agnieszka

Holland, dem erfolgreichsten seiner

Filme über die nationalsozialistische Zeit, erfuhr

er 1992 eine weitereDemütigung, als die

deutsche Auswahlkommission ihn nicht für

den Auslands-Oscar nominierte.Wiedergab

es dafür gute Gründe,die jedoch wieder einmal

nur auf Arthur Braunerangewandt wurden.

Während ein neuer Produzenten-Typus

wie der 2011 verstorbene Bernd Eichinger

virtuos die öffentlichen Gelder für seine

hoch kommerziellen Unternehmungen flie-

ßen ließ, wandte Brauner seine späten Jahre

für Projekte auf, die kaum mehr eine Öffentlichkeit

fanden: „Babij Jar“ (2003) erzählt von

einem Massaker in der Nähe von Kiew im

Jahr 1941. Es sollte ein„filmisches Mahnmal“

sein, kündete jedoch nur von dem Starrsinn

eines Mannes, der es der Welt noch einmal

zeigen wollte –mit den Mitteln eines B-Kinos,das

er in Deutschland zur Hochblüte gebracht

hatte,das hier aber fehl am Platz war.

Arthur Brauners eigenes Leben im Spiegel

der Boulevardpresse wurde zunehmend

komplizierter: Staatsanwälte prüften in den

90er-Jahren seine Geschäfte; eine Tochter

täuschte eine Entführung vor; mit den Partnernseiner

Immobiliengeschäfte traf er sich

vor Gericht. Spektakulär nahm er 1999 den

von der Spendenaffäre gebeutelten Altkanzler

Helmut Kohl vor den Medien in Schutz:

„Denn abgesehen von Kohl, dem Parteileader,

gibt es noch den Menschen Kohl. Und

mit diesem wird nun Schindluder getrieben

–auf gemeinste Art“, inserierte er in einer

überregionalen Tageszeitung.

Einen kleinen Skandal erregte er schließlich

im Jahr 2000, als er einen Autor, der im

Stadtmagazin tip einen Film aus Steven

Spielbergs ShoahFoundation kritisierthatte,

nach Auschwitz wünschte –zum Anschauungsunterricht.

Darum ging es ihm auch in

jenen Filmen, mit denen er nicht nur Geld

verdienen wollte. Er wollte zeigen, was er

selbst gesehen hatte, und wovon ersich ein

Bild gemacht hatte. Das Kino war ihm ein

problemloses Medium, deswegen blieb er

hinter seiner Zeit zurück.

Brauner produzierte etwa 500 Filme,viele

davon für Fernsehanstalten. Er erhielt immerhin

zwei Golden Globes undeinen Oscar

als Coproduzent. Im März 2016 übergab Artur

Brauner 21 Filme, die er im Laufe seiner

langen Karriereproduzierthatte und die thematisch

die Nazi-Verbrechen aufgreifen, in

einer Schenkung dem Jüdischen Museum.

YadVashem ehrt Brauner bereits seit 2009,

indem ebenfalls 21 seiner Produktionen, die

einen Bezug zum Holocaust aufweisen, ständig

in der Gedenkstätte gezeigt werden. Der

so Geehrte bezeichnete diese Vorführungen

als „Krönung meines Filmschaffens“.

In Berlin war Brauner zugleich Avantgarde

und Nachhut: Er stand für einen wirtschaftlichen

Realitätssinn, der sich erst allmählich

eintrübte,aberauch für jenes West-

Establishment, das sich dem intellektuellen

Leben verweigerte und beim Feiern lieber

unter sich blieb.Nach eigener Aussagehatte

er dabei immer ein schlechtes Gewissen. Er

standeben in einer Schuld. Brauner bezeichnete

es als eine „göttliche Fügung“, dass er

die Judenvernichtung überlebt hatte. Dieses

Schicksal hat ihn umgetrieben. Ein langes,

rastloses Leben fand am 7. Juli sein Ende.


4* Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Politik

NACHRICHTEN

Bundeswehr:Laptop mit

vertraulichen Daten verkauft

DieBundeswehr soll nach einem

Medienbericht einen gebrauchten

Laptop verkauft haben, auf dem

noch vertrauliche Informationen gespeichertwaren.

Dabei handele es

sich um die als „Verschlusssache –

Nurfür den Dienstgebrauch“ eingestufte

Bedienungsanleitung für den

Raketenwerfer „Mars“, berichtete

die Süddeutsche Zeitung. Anscheinend

sei die Festplatte vordem Verkauf

nicht gelöscht worden. DasVerteidigungsministerium

teilte der

Zeitung mit, aus der Beschreibung

des Raketenwerfers könnten „keine

kritischen Erkenntnisse abgeleitet

werden“. (dpa)

Gysi will nicht Präsident von

Europas Linken bleiben

Gregor Gysi will nach drei Jahren als Präsident

von Europas Linken aufhören. DPA

Gregor Gysi will nicht noch einmal für

das Amt des Präsidenten der Europäischen

Linken kandidieren.„Als Präsident

habe ich für eine europäische

Integration gestritten, die demokratischer,sozial

gerechter und ökologisch

nachhaltiger wird, friedlich

bleibt“, sagte Gysi am Sonnabend,

wie die Linkspartei mitteilte.„Nach

drei Jahren als Präsident möchte ich

denWechsel auf die nächste Generation

ermöglichen.“ (dpa)

Kühnertschließt Kandidatur

als SPD-Chef nicht aus

Juso-Chef Kevin Kühnerthält sich

eine mögliche Kandidatur für den

SPD-Vorsitz offen. Er habe sich noch

nicht entschieden, sagte er am Rande

eines Kongresses der SPD-Jugendorganisation

in München. In der Politik

finde er„Ausschließerei“ albern, am

Ende falle es einem sowieso auf die

Füße.Die derzeitige Personaldebatte

in seiner Partei begrüßte er.„Dasalles

sorgt ja für eine Richtungsdebatte in

der Partei.“ DieimUmfragekeller steckende

SPD sucht nach dem Rücktritt

vonParteichefin Andrea Nahles

eine neue Führung. (dpa)

Erneute Gewalt bei

Protesten in Hongkong

BeiProtesten gegen die Regierung in

Hongkong ist es erneut zu Gewalt gekommen.Wieein

AFP-Reporter berichtete,ging

die Polizei imViertel

Mongkok mit Schlagstöcken gegen

rund 300 mehrheitlich junge und

maskierte Demonstranten vor. Unklar

blieb zunächst, was den Einsatz

der Polizei ausgelöst hatte,nachdem

tagsüber Zehntausende friedlich gegen

die pekingtreue Führung der chinesischen

Sonderverwaltungszone

demonstrierthatten. (AFP)

Irakisches Militär beginnt

Einsatz gegen IS

Dasirakische Militär hat einen großangelegten

Einsatz gegen die Terrormiliz

Islamischer Staat (IS) nahe der

Grenzezum Nachbarland Syrien begonnen.

DieAngriffe würden sich

vonder Provinz Salah al-Din im Norden

bis zur Provinz Anbar im Westen

ziehen, teilte Generalleutnant Abdul

Amir Raschid mit. Dieirakische Armee

und verbündete Milizen beteiligten

sich am Kampf gegen die Extremisten,

um das vonden USA geführte

Militärbündnis zu unterstützen,

hieß es. (dpa)

„Die alte Tante SPD jammert zu viel“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder über Europa, die Koalition und die Stärke der Grünen

Markus Söder, bayerischer

Ministerpräsident

und Franke,

kommt Berlin ein wenig

entgegen für dieses Gespräch. Er

empfängt in seiner Heimatstadt

Nürnberg, im Heimatministerium,

das er früher geleitet hat. Jetzt ist dort

ein Bürofür den MP eingerichtet. Söder

wirkt entspannt, trägt Turnschuhe

und ärgertsich zugleich über

die Blockade in der EU.

Herr Söder,wirdUrsula vonder Leyen

im Europaparlament eine Mehrheit

als EU-Kommissionspräsidentin bekommen?

Wenn das scheitert, haben wir einen

europäischen Totalschaden. Wir

müssen verhindern, dass es zu einer

monatelangen europäischen Krise

und Blockade der Institutionen

kommt. DieWelt lächelt bereits jetzt

über uns.

Waserwarten Sievon der SPD?

Dass sie im Europaparlament zustimmt.

Ich kann der SPD nur raten,

nicht gleich den nächsten schweren

Fehler zu begehen.

Sollte Ursula vonder Leyen durchfallen

–wäre dies das Aus für die große

Koalition?

Es galt immer die Regel, dass man

innerhalb einer Koalition zwar unterschiedlicher

Meinung sein kann,

aber dass man als Deutschland nach

außen –zum Beispiel in Europa –mit

einer Stimme spricht. Wer parteiliches

Klein-Klein über alles stellt,

schwächt Deutschland in der Welt.

DasVerhalten der SPD ist kein Ruhmesblatt

für Deutschland.

Washeißt das für Berlin?

Ich rate den Sozialdemokraten,

sich nicht jeden Tagden Kurs aus der

zweiten Reihe diktieren zu lassen.

Wir erleben in der SPD im Moment

wieder nur Selbstbespiegelung. Von

früh bis spät werden nur Gründe gesucht,

die das Regierungshandeln

erschweren oder verhindern. Man

muss zeigen, dass man Lust auf Politik

hat –und nicht immer nur jammern.

Gibt es für Sieeine Lehreaus den vergangenen

Wochen?

Wirmüssen klären, wie sich institutionelle

Blockaden in Zukunft vermeiden

lassen. Waswir bei dem EU-

Gipfel erlebt haben, war nichts anderes

als der Beweis für den zerstrittenen

Zustand Europas. Nationale

Interessen werden rücksichtslos vertreten

und die deutsch-französische

Achse ist leider deutlich geschwächt.

Muss das Spitzenkandidaten-Modell

verbindlicher Standardwerden?

Das Spitzenkandidaten-Modell

ist der richtige Ansatz. Es hat zu einer

steigenden Wahlbeteiligung geführt.

Populistische Erfolge von rechts wie

von links gibt es immer dann, wenn

die Mitte nicht wählen geht. Daswar

bei der Europawahl anders.Das derzeitige

Verfahren zwischen Rat und

Parlament braucht eine Reform.

Sind die von Frankreichs Präsident

Emmanuel Macron vorgeschlagenen

europaweiten Listen die Lösung?

Ich halte es für sinnvoll, langfristig

über neue Verfahren zu sprechen.

Aber es ist schon seltsam, wie Präsident

Macron die Argumente wechselt.

Mich hat sehr gestört, wie er

über Manfred Weber gesprochen

hat. Ihm vorzuwerfen, dass er kein

Französisch spricht, ist in einem modernen

Europa unpassend. Ein

Kommissionspräsident muss kein

Dolmetscher sein, sondern jemand,

der zusammenführt.

Warum hat die CSU akzeptiert, dass

Manfred Weber nicht Präsident der

Kommission wird?

Weil auch Manfred Weber dies

mitträgt. Ich habe vor ihm großen

Respekt. Manfred hat persönliche

Ambitionen zurückgestellt, damit

Deutschland die Chance auf den

Kommissionsvorsitz in Brüssel be-

ZUR PERSON

DANIEL KARMANN (3)

Markus Söder wurde am 16. März 2018 BayernsMinisterpräsident. Der CSU-Politiker hat

langedaraufhingearbeitet, diesen Posten zu bekommen

Der gebürtigeNürnberger,Jahrgang 1967, studierte Jura und absolvierte ein Volontariat

beim Bayerischen Rundfunk.

In die Politik ging Söder früh, 1994 wurde er das erste Mal in den bayerischen Landtag gewählt.

Er übernahm verschiedene Ministerien, unter anderem Umwelt, Finanzen und Heimat.

hält. Manfred Webers Prinzip war,

zusammenzuführen und nicht zu

spalten.

Hätte sich Weber energischer um eine

Mehrheit bemühen müssen?

DerHauptgrund für dieses Ergebnis

ist, dass Emmanuel Macron und

Victor Orban eine unselige Allianz

gebildet haben. Dasalles bleibt auch

eine schwere Belastung für das bayerisch-ungarische

Verhältnis.

Zur Innenpolitik: Sie fordern den

Kohleausstieg bereits im Jahr 2030.

Werden Siedafür kämpfen?

Es ist die effektivste Strategie, um

die Klimaziele 2030 zu erreichen.

Statt einfach nur CO 2 -Steuern zuerhöhen,

wäre ein rascher Kohleausstieg

sinnvoller. Dazu brauchen wir

einen massiven Ausbau der erneuerbaren

Energien, der Speicherung

über Power-to-Gas-Technik und den

Einsatz von modernen Gaskraftwerken.

Technisch sind wir in diesem

Bereich Spitze, es fehlt nur der politische

Wille.

Kritiker sagen: Sie machen es sich

leicht, weil Bayern nicht unter einem

früheren Kohleausstieg leiden würde.

Dasstimmt nicht. Bayern hat seinen

Strukturwandel in der Vergangenheit

immer selbst bezahlt. Wir

haben auch Sorgen: Im Norden soll

der Strom produziert und im Süden

nur bezahlt werden. Damit wird

Strom imSüden Deutschlands teurer.

Dasführtzueiner schleichenden

Deindustrialisierung Süddeutschlands.

Das kann ich als bayerischer

Ministerpräsident nicht akzeptieren.

Umweltministerin Schulze sagt, eine

CO 2 -Bepreisung ist sozial gerecht

möglich. Überzeugt Siedas?

Ein Gutachten allein überzeugt

nicht. Bei einer einseitigen Belastung

vonMineralöl bin ich skeptisch.

DieLenkungswirkung der bereits existierenden

Ökosteuer ist leider

gleich null. Wer ein Auto braucht,

muss es nutzen können. Klimaschutz

darf kein Projekt der Eliten

sein. Wirdiskutieren momentan Klimaschutz

nur aus der Perspektive,

dass es uns wirtschaftlich gut geht.

Wir brauchen Klimaschutz auch in

konjunkturell schlechteren Zeiten.

Wasmuss dann geschehen?

Wir müssen Anreize setzen, statt

bestrafen. Wir brauchen Innovationen

statt alter ideologischer Schablonen.

Es braucht eine Klimasteuerreform.

Wer CO 2 spart, soll belohnt

und nicht bestraft werden.Wir

wollen Anreizefür die Elektromobilität,

synthetische Kraftstoffe, Wasserstoff

und Brennstoffzellen. Einseitige

Aktionen gegen sozial

Schwächere oder Pendler könnten

nur eine deutsche Gelbwesten-Bewegung

produzieren und spielen

der AfD in die Hände.

Momentan profitieren die Grünen

vonder politischen Stimmung. Kann

sich die CSU etwas abschauen?

Der Aufschwung der Grünen hat

gar nicht so viel mit der Partei selbst

zu tun. Siebleiben eine monothematische

Partei. DieGrünen profitieren

vorallem vonder Schwäche der großen

Koalition. Die ewigen Selbstzweifel

der SPD stärken die Grünen.

Dasspüren die Wähler.Wie eine alte

Tante immer sagte:Werjammert, der

bekommt keinen Besuch. Die alte

Tante SPD jammertzuviel, und viele

Wähler gehen dann lieber zu den

Grünen.

Wirktnoch immer nach, dass die SPD

die Koalition nie wollte?

Das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen

belastet bis heute das

Land. Ich schätze Christian Lindner

persönlich, aber er hat damals eine

strategisch schwere Fehlentscheidung

getroffen. Sie wirkt bis heute

auf die FDP und auf das Land. Der

Ausstieg der FDP war der erzwungene

Einstieg der SPD.

Wiegeht es weiter mit der Maut?

Wir brauchen eine europäische

Lösung. Straßenblockaden und

Blockabfertigungen wie in Tirol

funktionieren nicht und sind rechtswidrig.

Deswegen gilt für mich das

Prinzip: entweder keine Maut oder

eine Maut für alle in Europa. Eine europäische

Maut für alle kann ökologisch

ausgestaltet werden.

In Baden-Württemberg hat die Kultusministerin

gerade ein Zentralabitur

vorgeschlagen –ist das denkbar?

Ichbin mir mit Ministerpräsident

Winfried Kretschmann einig, dass

der Bildungsföderalismus eine große

Stärke ist. Zentralismus führt immer

nur zu einer Schwächung. Mit der

Grundidee, dass ein Abitur aus Berlin

gestaltet wird, tun wir uns keinen

Gefallen. Ein Zentralabitur wird es

mit der CSU nicht geben.

DasGespräch führten Rasmus Buchsteiner

und Gordon Repinski.

Enteignung

nicht

ausgeschlossen

Justizministerin sieht

Maßnahme als letztes Mittel

Bundesjustizministerin Christine

Lambrecht (SPD) hat die Enteignung

privater Wohnungsbaugesellschaften

unter bestimmten Bedingungen

nicht ausgeschlossen. „Die

Enteignung ist eine Möglichkeit, die

im Grundgesetz verankert ist“, sagte

Lambrecht den Zeitungen der Funke

Mediengruppe. Sie glaube allerdings,dass

sie immer die Ultima Ratio

–das letzte Mittel –sein müsse.

Kritik kam von Union und FDP,

Applaus vonder Linken. DieGrünen

forderten von der Bundesregierung

konkrete Vorschläge in der Wohnpolitik.

Die SPD-Spitze hat sich bislang

gegen Enteignungen ausgesprochen.

Dadurch werde „nicht eine

einzige neue bezahlbare Wohnung

geschaffen“, hatte etwa die heutige

kommissarische Parteichefin Manuela

Schwesig im April gesagt.

Lambrecht entgegnete nun den Enteignungskritikern:

„Was heißt da Sozialismus?“

Die Frage sei, wann Enteignungen

sinnvoll seien. „Denn nur

dann, wenn alle anderen Möglichkeiten

ausgeschöpft sind, können

Enteignungen das richtige Mittel

sein.“ Es gehe darum, Menschen zu

helfen, „die dringend auf eine bezahlbareWohnung

angewiesen sind

oder nicht wissen, ob sie sich ihre

Wohnung in Zukunft noch leisten

können“, sagte die SPD-Ministerin.

CDU fordertmehr Bauprojekte

Die neue Justizministerin Christine Lambrecht

(SPD)

DPA

Unionsfraktionsvize Ulrich Lange

(CSU) erklärte,die Union lehne Enteignungen

strikt ab.Die Antwortauf

die Wohnfrage heiße: „Wir müssen

mehr bauen“, sagte Lange der Nachrichtenagentur

AFP. Notwendig sei

„ein schlüssiges Bündel an Maßnahmen

wie Nachverdichtung, Dachgeschossausbau

und mehr Bauflächen“.

Dieses müsse flankiert werden

durch steuerliche und finanzielle

Anreize wie das bereits

beschlossene Baukindergeld.

Auch die FDP äußerte sich ablehnend.

Lambrecht „tut sich und dem

Wohnungsmarkt keinen Gefallen

damit, als Erstes Enteignungen aufzugreifen“,

sagte Parlamentsgeschäftsführer

Marco Buschmann. Je

mehr über Enteignungen gesprochen

werde, „desto weniger private

Investitionen wirdesgeben“. Dassei

„absolut kontraproduktiv“. Die einzig

wirksame Lösung für den angespannten

Wohnungsmarkt sei

„bauen, bauen, bauen“. FDP-FraktionsvizeMichael

Theurer hob hervor,

Enteignung koste „viele Milliarden

Euro Entschädigung“ und bekräftigte

die Forderung nach einem Freibetrag

bei der Grunderwerbsteuer

für Selbstnutzer. Für die Grünen

sagte der Fraktionssprecher für Bauund

Wohnungspolitik, Chris Kühn,

„dass eine Justizministerin auf die

rechtlichen Grundlagen verweist, ist

eine Selbstverständlichkeit“. Damit

allein sei der Krise auf dem Wohnungsmarkt

aber nicht beizukommen.

Kühn forderte die Regierung

auf, „jetzt schnell und konkret Vorschläge“

vorzulegen, wie sie für

mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen

wolle. Linke-Chef Bernd Riexinger

begrüßte die Äußerungen der

neuen Justizministerin. (AFP)


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 5 **

·························································································································································································································································································

Politik

Weitere Verhandlungen über das Atomabkommen nicht ausgeschlossen: Behrouz Kamalvandi (links), der Sprecher der iranischen Atomorganisation, Regierungssprecher Behrouz Kamalvandi und Vizeaußenminister Abbas Araghchi.

AP/EBRAHIM NOROOZI

Rückschlag bei den Atomverhandlungen

Die iranische Regierung erklärt, dass sie sich nicht mehr an das Limit zur Urananreicherung halten wird. Diplomaten sehen aber noch Handlungsspielraum

VonMarina Kormbaki

und Farshid Motahari

Grünen-Außenpolitiker

Omid Nouripour hat davor

gewarnt, die Ankündigung

des Iran über eine

bevorstehende Überschreitung des

Limits zur Urananreicherung überzubewerten.

„Das Kernanliegen des

Atomabkommens war stets, den

Aussagen der internationalen Atomenergie-Behörde

zu vertrauen, nicht

den Verlautbarungen Teherans“,

sagte Nouripour der Berliner Zeitung

(Redaktionsnetzwerk Deutschland).

„Das muss weiter gelten“, betonte

der Bundestagsabgeordnete. „Sollte

der Iran allerdings gegen das Abkommen

verstoßen, müssen die Europäer

den UN-Sicherheitsrat unverzüglich

anrufen, um das weitere

Vorgehen zu beraten.“

Russland und China gefordert

DerIranhatte erklärt, dass er sich ab

sofort nicht mehr an das im Wiener

Atomabkommen erlaubte Limit zur

Urananreicherung gebunden fühlt.

„Abheute halten wir uns nicht mehr

an die 3,67 Prozent, und unsere

Urananreicherung wird jenach Bedarf

erhöht“, hatte Regierungssprecher

Ali Rabei am Sonntag in der iranischen

Hauptstadt Teheran gesagt.

Die Begrenzung der Urananreicherung

auf maximal 3,67 Prozent ist

eine zentrale Auflage des 2015 in

Wien geschlossenen Abkommens,

mit dem der Iran am Bau einer

Atombombe gehindertwerden soll.

Der Iran werde die Urananreicherung

je nach technischem Bedarf

schrittweise auf fünf bis 20 Prozent

erhöhen, sagte der Sprecher der iranischen

Atomorganisation, Behrus Kamalwandi,

auf einer gemeinsamen

Pressekonferenz mit Rabei und Vizeaußenminister

Abbas Araghchi.

Derzeit gebe es jedoch noch keine

Anweisungen für eine Anreicherung

auf 20 Prozent, die für den medizinischen

Reaktor inTeheran erforderlich

sei, sagte Kamalwandi. Vizeminister

Araghchi bezeichnete den iranischen

Schritt als legitim und im legalen Rahmen

des Wiener Abkommens. „Wir

haben nach dem Ausstieg der USA im

vergangenen Jahr der Diplomatie ein

Jahr Zeit gegeben, aber ohne Ergebnisse“,

sagte Araghchi. Zugleich

machte der Iran aber deutlich, dass

das Land das Atomabkommen wieder

einhalten werde, sollten die verbliebenen

Vertragspartner seinen

Wünschen nachkommen. Jüngst

hatte Teheran bereits die nach der

Vereinbarung erlaubte Menge an

Uranvorräten überschritten.

Der Gouverneursrat der Internationalen

Atomenergiebehörde

(IAEA) in Wien wirdamMittwoch zu

CHRONIK EINES KONFLIKTS

8. Mai 2017 7. August 2018 8. April 2020 8. Mai 2019 Juni 2019

• • • • •

US-Präsident DonaldTrump kündigt

das internationale Atomabkommen

mit dem Iran einseitig auf. Bis dahin

hatte das Land nach offiziellen Berichten

alle Auflagen des Abkommens

erfüllt. Trump droht Ländern,

die weiter Öl aus dem Iran importieren,

mit Strafmaßnahmen.

Die US-Regierung setzt Sanktionen

gegenden Iran wieder in Kraft. Unter

anderem werden Geldbeträgeeingefroren

und der Handel mit Rohstoffen

verboten. Teil des Abkommens war,

dass Sanktionen schrittweise abgebaut

werden. Anfang November verhängen

die USA weitere Sanktionen.

Washington erklärtdie iranischen

Revolutionsgarden zur Terrororganisation.

Es ist das erste Mal, dass die

USA eine ausländische staatliche

Organisation als „terroristisch“ einstufen.

Als Reaktion erklärtTeheran

die USA zum „staatlichen Förderer

des Terrorismus“.

Iran kündigt an, teilweise aus dem

Atomabkommen auszusteigen.Teheran

erklärt, nach Ablauf einer Frist

von60Tagen am 7. Juli die vertraglich

vereinbarte Höchstgrenze der

Uran-Anreicherung zu überschreiten,

sollte es keine Fortschritte beim Abfedernder

US-Sanktionen geben.

einer Sondersitzung zusammenkommen,

um die Lage zu beraten.

Mit dem neuen Schritt durch Teheran

ist der Wille der verbliebenen

Partner –Russland, China, Großbritannien,

Frankreich und Deutschland

–, den Deal zu retten, schwerer

umsetzbar denn je. Möglicherweise

wird ein Streitschlichtungsmechanismus

aktiviert, an dessen Ende

eine Neuauflage auch der UN-Sanktionen

stehen könnte. Das wäre das

faktische Ausdes Abkommens.

Nach Angaben des Sicherheitsexperten

Wolfgang Ischinger gibt es

noch Chancen, dass Abkommen einzuhalten.

„Es gibt einen diplomatischen

Manövrierraum, der noch

Die USA machen Teheran für Explosionen

auf zwei saudi-arabischen Öltankerninder

Straße vonHormusverantwortlich.

DerIran schießt eine US-

Drohne ab.Washington bestreitet,

dass sichdie Drohneimiranischen

Luftraum befand. EinenVergeltungsschlag

stoppt Trump kurzfristig.

nicht völlig ausgeschöpft ist“, sagte

Ischinger dem Nachrichtenportal t-

online.de. Der Leiter der Münchner

Sicherheitskonferenz empfiehlt, dass

die verbliebenen Partner des Abkommens

die Angelegenheit zur Chefsache

machen sollten. Es komme vorallem

darauf an, dass Russland und

China sich der Rettung des Deals von

2015 verpflichtet fühlten.

Konstantin Kossatschow, Chef

des Auswärtigen Ausschusses im

russischen Föderationsrat, sagte der

Agentur Interfax, dass bei allem Bedauern

über die iranischen Handlungen

Teheran sich letztlich an die

juristischen Grundsätze halte. Zuerst

seien die USA ausgestiegen,

dann habe sich die Europäische

Union schwergetan mit der Einhaltung

ihrer Verpflichtungen. „Der Ball

liegt auf der amerikanischen Seite“,

sagte Kossatschow. Nur die USA

könnten den Deal noch retten.

„Sie spielen mit dem Feuer“

DieUSA sind 2018 aus der Vereinbarung

mit Teheran ausgestiegen. US-

Präsident Donald Trump hat zudem

Sanktionen gegen das Land verhängt,

die jedem Staat wirtschaftliche

Nachteile androhen, der iranisches

Öl kauft. Damit will er die Einnahmen

der Islamischen Republik

drastisch vermindern und Teheran

politisch gefügiger machen. DieUSA

hatten die Führung in Teheran

jüngst eindringlich vor der angedrohten

Urananreicherung gewarnt.

„Sie wissen, womit sie spielen, und

ich denke, sie spielen mit Feuer“,

hatte US-Präsident Donald Trump

im Weißen Haus gesagt.

DerIranhat mehrmals behauptet,

dass auch bei einem eventuellen Ausstieg

aus dem Atomabkommen das

Land nicht an einem Atomwaffenprogramm

arbeiten werde. Die Herstellung

und Nutzung von Massenvernichtungswaffen

sei nach islamischen

Vorschriften verboten. Diesbezüglich

gebe es auch ein Dekret des

obersten iranischen Führers, Ajatollah

Ali Chamenei, das sogar bei den

UN registriertsei. (mit dpa)

Die Griechen versuchen es wieder konservativ

Parlamentswahl führt zum Regierungswechsel. Der neue Regierungschef von der altbekannten Nea Demokratia, Kyriakos Mitsotakis, entstammt einer mächtigen Politikerdynastie

VonFrank Nordhausen

Ich werdefür alle Griechen da sein,

ich werde hart arbeiten“, versprach

der Sieger der griechischen

Parlamentswahl, Kyriakos Mitsotakis

in seiner ersten Ansprache am

Sonntagabend. Da hatten Hochrechnungen

ein klares Resultat gezeigt:

Mitsotakis’ Partei, die Nea Dimokratia

(ND), lag demzufolge mit

39,7 Prozent deutlich vorder linksgerichteten

Syriza von Tsipras, auf die

31,5 Prozent entfielen. Der amtierende

Ministerpräsident Alexis Tsipras

gratulierte dem Gewinner noch

am Wahlabend.

DerWahlausgang habe nicht nur

den Wunsch zum Ausdruck gebracht,

dass die schweren Zeiten der

Krise endeten, sagte Mitsotakis. „Es

geht darum, unser Glück selbst in die

Hand zu nehmen, selbst Verantwortung

zu übernehmen. Jetzt krempeln

wir die Ärmel hoch!“

So sieht ein Wahlsieger aus: Kyriakos Mitsotakis am Sonntagabend

GETTY IMAGES EUROPE

Weil der Wahlsieger im 300-köpfigen

griechischen Parlament zusätzlich

50 Sitzebekommt, erhält die Nea

Dimokratia voraussichtlich 158 Sitze

und hat somit die absolute Mehrheit

erzielt. Die Wahlbeteiligung lag bei

knapp 58 Prozent.

Beobachter führten die Niederlage

des linken Regierungschefs Tsipras

und seiner Partei Syriza auf die

harten Sparmaßnahmen der vergangenen

Jahre zurück, die hauptsächlich

die Mittelklasse getroffen haben.

Ein großer Teil des Mittelstands, der

in Griechenland traditionell über

den Ausgang der Wahlen entscheidet,

hat demnach der Syriza den Rücken

gekehrtund auf die Konservativen

gesetzt. Auch viele Rentner

wandten sich von der linken Partei

ab, nachdem Tsipras mehrere Rentenkürzungen

durchgeführt hatte.

Zudem konnte die Nea Dimokratia

bereits bei den Europawahlen im

Mai stark bei jungen Wählern punkbeln

und damit auch die Arbeitslosigkeit

zu bekämpfen. Zurzeit sind

mehr als 18 Prozent der Griechen

ohne Job. Auch Tsipras hatte im

Wahlkampf versprochen, sich um

die Mittelklasse zu kümmern, daten.

Mitsotakis' Partei gilt als proeuropäisch

und wirtschaftsfreundlich.

Er versprach während des

Wahlkampfes, die Privatisierungen

zu fördern, mit der Senkung von

Steuern die Wirtschaft anzukurbei

allerdings auch soziale Aspekte

nicht zu vergessen.

Mitsotakis, 51 und Vater dreier

Kinder,wurde in eine der mächtigen

Politikerdynastien Griechenlands

hineingeboren. Sein Vater ist der frühere

konservative Premierminister

Konstantinos Mitsotakis, seine

Schwester DoraBakogiannis war bis

2009 drei Jahre lang Außenministerin.

Der Hoffnungsträger der Mittelschicht,

den seine Anhänger nur„Kyriakos“

nennen, studierte an den renommierten

Universitäten Harvard

und Stanford und arbeitete für die

Unternehmensberatung McKinsey

und griechische Banken, bevor er

2004 in die Politik ging. Mitsotakis ist

kein Populist, sonderneher ein höflicher

Mann der leisen Töne, auch

wenn er sich im Namensstreit mit

Nordmazedonien auf die Seite der

Ultranationalisten gestellt hatte.

Im Kabinett des rechten Ministerpräsidenten

Antonis Samaras war

Mitsotakis bis 2015 zwei Jahre lang

Minister für Verwaltungsreform und

E-Governance. Damals überwachte

er die Entlassung Tausender Beamter

nach den strikten Vorgaben der

Troika. Nach der Wahlniederlage gegen

Tsipras’ Syriza erkämpfte er sich

den ND-Parteivorsitz.

Im Wahlkampf entschied er sich

für eine wirtschaftsliberale Agenda,

um die Mittelschicht anzusprechen.

Als Ministerpräsident will er Steuern

und Sozialversicherungsbeiträge

senken, den Staatsapparat weiter

schrumpfen und in der EU eine gemeinsame

Asylpolitik mit gerechter

Aufgabenteilung erreichen.

Die AfD hofft nach dem Sieg der

Konservativen auf einen Austritt des

Landes aus der Währungsunion.

„Hoffentlich ist das Ziel der neuen

Regierung der baldige Austritt aus

dem Euro“, erklärte der Partei- und

Fraktionschef, Alexander Gauland,

am Sonntagabend. (mit dpa)


6 Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

NACHRICHTEN

Längere Arbeitszeit und

weniger Lohn im Osten

Auch 30 Jahrenach dem Fall der

Mauer zeigen sich am Arbeitsmarkt

deutliche Unterschiede.Imvergangenen

Jahr kamen Arbeitnehmer in

Westdeutschland im Schnitt auf

1295 Arbeitsstunden, im Osten warenes1351

Stunden. Zugleich lagen

die Jahresbruttolöhne je Arbeitnehmer

im Westen mit durchschnittlich

36088 Euro um knapp4900 Euro höher

als im Osten mit 31242 Euro.Das

ergeben Daten der Statistischen

Ämter vonBundund Ländern, die

die Linke-Bundestagsfraktion ausgewertet

hat. Vongleichwertigen Lebensverhältnissen

könne nach wie

vornicht gesprochen werden, sagte

deren Sozialexpertin Sabine Zimmermann.

(dpa)

Ausländeranteil in den

Chefetagen wächst

Deutschlands Topkonzerne bauen

in ihren Chefetagen zunehmend auf

Fachwissen aus dem Ausland: Aktuell

hat einer Studie zufolge mehr als

jeder dritte der 198 Manager in den

Vorstandsgremien der 30 Dax-Konzerneeinen

ausländischen Pass.

DerAnteil sei damit innerhalb eines

Jahres von30auf 35 Prozent gestiegen,

teilt das Beratungsunternehmen

Simon Kucher &Partners mit.

In neunder Konzerne im Deutschen

Aktienindex ist der Vorstand nach

jüngsten Daten sogar mindestens

zur Hälfte mit Managernaus dem

Ausland besetzt: Allianz, Beiersdorf,

Fresenius,Fresenius Medical Care,

Henkel, HeidelbergCement, Linde

undWirecard. (dpa)

Erdogan feuert Chef der

türkischen Zentralbank

Murat Cetinkaya mussgehen.

Dertürkische Staatspräsident Recep

Tayyip Erdogan hat den Chef der

Zentralbank abgesetzt. MuratCetinkaya

werdedurch seinen bisherigen

Stellvertreter MuratUysal ersetzt.

EinGrund wurde nicht genannt. Erdogan

hatte die Zentralbank immer

wieder unter Druck gesetzt, die Zinsen

zu senken. Diemeisten internationalen

Experten halten dagegen

Zinserhöhungen für nötig, um dem

Anstieg der Inflation zu begegnen.

DieUnabhängigkeit der Zentralbank

war vonErdogan immer wieder

infrage gestellt worden. (dpa)

Allianz fordert Klarheit

über E-Roller-Unfälle

FOTO: UWE ANSPACH/DPA

DerAllianz-Konzernmischt sich in

die Diskussion über die Gefahren

vonElektrotretrollernein:Die PolizeisollteUnfälle

mit E-Scooternals

eigene Kategorie in ihreStatistiken

aufnehmen, fordertder Versicherer.

„Nur so können die Sicherheitsexperten

vonBeginnanFehlentwicklungen

und typische Unfallmuster

erkennen und frühzeitig Gegenmaßnahmen

empfehlen“, heißt es

in einer Stellungnahme.„DieUnfallforscher

der Allianz gehen von

einem Anstieg der Unfallzahlen aus,

sowohl bei Kollisionsunfällen als

auch bei Alleinunfällen.“ Für Versicherer

sind die Unfallzahlen auch

wegen der Risikoabschätzung von

Bedeutung. (dpa)

Jedes Ärgernis dokumentieren

Stromausfall im Hotel oder Bauarbeiten am Pool –mit Reisemängeln müssen Urlauber sich nicht abfinden

Von Mechthild Henneke

Die schönste Zeit des Jahres

gerät manchmal zur

größten Enttäuschung:

Wenn das Hotel sich entgegen

den Angaben im Prospekt

nicht in ruhiger Lage, sondern an

einer Schnellstraße befindet oder

wenn der Flug ausfällt und dadurch

Urlaubstage verloren gehen. Wir erklären,

wie bei Pauschalreisen Ansprüche

gegenüber dem Veranstalter

geltend gemacht werden können.

Dokumentation: Was immer schiefläuft

–die Ärgernisse müssen genau

dokumentiertwerden. Verschmutzte

Hotelzimmer oder Bauarbeiten am

Pool können gefilmt oder fotografiert

werden. Eine weitere Variante sind

Zeugenaussagen von anderen Urlaubsgästen,

die die Mängel bestätigen.

Es ist darauf zu achten, dass die

Dokumentation zeitlich und örtlich

zugeordnet werden kann. Mansollte

daher bei Videos und Fotos beim

Handy die Ortungsdienste aktivieren

oder beim Fotoapparat die Datumsangabe

anzeigen lassen. „Wichtig ist,

die Mängel konkret zu benennen:

Von wann bis wann fanden Bauarbeiten

statt? Welches Gerät kam

zum Einsatz?“, empfiehlt Eva Klaar

von der Verbraucherzentrale Berlin.

Werkeine Pauschalreise gebucht hat,

muss sich individuell mit Hotel oder

Fluggesellschaft auseinandersetzen.

Kommt es zum Streit, muss eventuell

im Ausland geklagt werden. „Das

kann aufwendig sein, und das Kostenrisiko

ist hoch“, sagt Klaar.

Vor Ort reklamieren: Gibt es gravierende

Mängel, die das Urlaubserlebnis

massiv beeinträchtigen, sollten

diese direkt am Urlaubsort gegenüber

dem Reiseveranstalter,der Vertragspartner

ist, reklamiert werden.

Veranstalter sind Unternehmen wie

Thomas Cook, Tui oder Neckermann,

also nicht das Hotel oder das

Reisebüro, bei dem gebucht wurde.

Reiseveranstalter haben vor Ort Reiseleitungen.

Die reklamierten Mängel

müssen in einer angemessenen

Frist beseitigt werden. Erst, wenn

dies nicht passiert, hat man nach Ende

der Reise einen Anspruch auf Minderung

des Reisepreises.

Grundlage für den Regress: Eine

Orientierung für die Höhe der Erstattung

ist zum Beispiel die Frankfurter

Tabelle zur Reisepreisminderung.

Das Frankfurter Landgericht hat sie

ausgearbeitet. DieTabelle listet Mängel

und eine Wiedergutmachung in

Prozent auf. Es gibt außerdem die

Kemptener Reisemängeltabelle und

eine ADAC-Tabelle. Alle drei sind

zwar nicht verbindlich, doch sind

ihre Empfehlungen gängig. Um sich

durchzusetzen, muss manchmal

auch der Klageweg beschritten werden.

MängelamHotel:IstdasZimmerzum

Beispiel bedeutend kleiner als im Katalog

angegeben, kann die Wiedergutmachung

5 bis 10 Prozent des

Von Frank-Thomas Wenzel

Die Windenergie ist im ersten

Halbjahr zur wichtigsten Quelle

der Stromerzeugung geworden.

Doch beim Ausbau hapert esgewaltig.

Im Mai gingen in Deutschland

nur neun Windenergieanlagen ans

Netz. Die Bundesnetzagentur sieht

eine Krise in „besorgniserregender

Dimension“. Die Grünen schlagen

nunein Sofortprogramm vor, um die

Errichtung neuer Windparks wieder

in Schwung zu bringen.

Der Ausbau scheitere häufig daran,

dass keine genehmigten Stand-

Pauschalreise: Das Pauschalpaket ist gut

abgesichert. Ein Urlauber bekommt bei Insolvenz

des Veranstalters sein Geld zurück und

kann bei Mängeln und Flugverspätungen den

Reisepreis mindernund Schadenersatz verlangen.

Werbei einer Individualreise alles

einzeln bucht, hat diese Rechte nicht.

orte zur Verfügung stünden, heißt es

in einem Papier vonAnton Hofreiter,

Grünen-Fraktionschef im Bundestag,

und Julia Verlinden, Energieexpertin

der Fraktion, das dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland (RND)

vorliegt. Deshalb schlagen sie vor,

dass „mindestens zwei Prozent der

bundesdeutschen Fläche an geeigneten

Stellen“ als Standorte für

Windräder festgelegt werden. Derzeit

ist es nur etwa halb so viel.

Zu dem Fünf-Punkte-Sofortprogramm

gehört auch, dass die Bundesnetzagentur

statt bisher 2800

Megawattjährlichdiedoppelte Men-

REISERECHT

Verbundene Reiseleistung: Diese Rechtsformentsteht,

wenn ein Reisebüro oder Onlineportal

als Vermittler ein Reisepaket aus

einzelnen Leistungen verkauft. Jeder Baustein

muss mindestens 25 Prozent des Gesamtpreises

ausmachen. Geht das Reisebüro

oder Portal pleite, gibt es Geld zurück.

Grüne fordern mehr Fläche für Windkraft

Sofortprogramm soll Ausbau der Ökoenergiewieder in Schwungbringen

ILLUSTRATION: SASCHA JAECK

Preises betragen, heißt es in der

FrankfurterTabelle.FehlteineKlimaanlage,

obwohl eine versprochen

war,sind es 10 bis 20 Prozent –jenach

Jahreszeit. Auch ein fehlender, aber

angekündigter Swimmingpool berechtigt

zu einer Entschädigungsforderung

über 20 Prozent.

Lärmund Gestank: Manchmal beeinträchtigen

Bauarbeiten den Aufenthalt

schwerwiegend oder eine

schlechte Abwasseranlage führt zu

Gestank. Lärm amTag wird inder

Frankfurter Tabelle mit 5bis 25 Prozent

Entschädigung veranschlagt,

Lärminder Nacht mit 10 bis 40 Prozent.

Unangenehme Gerüche könnenzueinerRückzahlungsforderung

von5bis 15 Prozent führen. Entschädigungen

müssen auch gezahlt werden,

wenn die Beeinträchtigungen

nichtimHotelentstehen,sondernim

Umfeld, zum Beispiel durch Straßenarbeiten.

„Veranstalter besitzen eine

Umweltbeobachtungspflicht. Sie

schulden den Erfolg der Reise“, sagt

Klaar.

Verpflegung: Schlechtes Hotelessen

ist ein häufiges Ärgernis,esist jedoch

auch eine Frage des Geschmacks.

Rückforderungen müssen deshalb

gut fundiertsein. Einanderer Fall ist

es, wenn das Essen während der gesamtenReiseausfällt,weiles–anders

als im Prospekt zugesagt –kein Restaurantgibt.

Dann können vomReisepreis

50 Prozent zurückgefordert

werden.

Gepäck: Wenn der Reisende sein Gepäck

am Ankunftsflughafen nicht erhält,

ist es wichtig, den Verlust am

Lost-and-found-Schalter im Flughafen

zu melden. Anschließend muss

die örtliche Reiseleitung informiert

werden. Der Reisende kann eine

Grundausstattung kaufen, mit der er

in der Lage ist, den Urlaub zu beginnen.

Siemuss aber zweckmäßig sein.

Die Haftungshöchstgrenze liegt bei

1400 Euro. Vorsicht: Die Frist für die

Reklamation liegt bei 21 Tagen ab

dem Tag, an dem das Gepäck verschwindet.

Parallel hat man Anspruch

auf Reisepreisminderung

gegenüber dem Reiseveranstalter.

Für jeden Tag, an dem das Gepäck

nicht zur Verfügung stand, kann man

zwischen 15 und 25 Prozent zurückfordern.

Ist das Gepäck beschädigt,

kann dies auch gegenüber der Fluggesellschaft

reklamiertwerden. Hierfür

gibt es sieben Tage Zeit.

Flugausfall, Überbuchung, Verspätung:

Nach der EU-Fluggastrechteverordnung

haben auch Pauschalreisende

bei Flugausfall, Überbuchung

oder Verspätung von mehr als drei

Stunden ein Recht auf Ausgleichszahlung.

Die Höhe der Entschädigung

richtet sich nach der Entfernung.

Bis1500 Kilometer sind es 250

Euro, bis 3500 Kilometer und innerhalb

vonEuropa beträgt sie 400 Euro.

Darüber hinaus sind es 600 Euro.

Auch zahlende Kinder sind entschädigungsberechtigt.

Die Verjährungsfrist

beträgt drei Jahre.

ge für Windenergie an Land ausschreiben

soll. Kleinere Vorhaben

sollten ohne Ausschreibung vergeben

werden.

Hofreiter und Verlinden halten es

auch für notwendig, dass die Bundesregierung

klare und bundesweit

„einheitliche Bewertungsmaßstäbe

für die Koexistenz von Windenergie

und Naturschutz“ formuliert. Hintergrund:

Die Vorgaben zum Schutz

von Tieren und Pflanzen variieren

vonBundesland zu Bundesland und

sind häufig nicht eindeutig.

Kommunen und Anwohner

müssten mehr als bisher „am finanziellen

Erfolg der Windenergie vor

Ort“ beteiligt werden. Es geht darum,

dass Bürgerenergie-Gesellschaften,

Stadtwerke, Landwirte und Gewerbetreibende

sich an Windparks beteiligen

können, um Einnahmen in

öffentliche Einrichtungen zu investieren.

Undschließlich gehörtzuden

Forderungen des Sofortprogramms,

dass die Bundesregierung mit der

Deutschen Flugsicherung verhandelt.

Es geht um die UKW-Funkfeuer,

die Flugzeuge zur Navigation benötigen.

Bislang müssen Windräder mindestens

15 Kilometer von den Anlagen

entfernt sein.

Deutsche Bank

plant radikalen

Umbau

Aktienhandel wird

aufgegeben

Von Jörn Bender

Die Deutsche Bank änderterneut

die Strategie -mit weit reichenden

Folgen: Vor allem im Investmentbanking

werden Tausende Stellen

wegfallen, die nötigen Rückstellungen

bringen einen Milliardenverlust.

Insgesamt werde der KonzernumbaubisEnde2022

voraussichtlich

7,4 Milliarden Euro kosten, teilte der

Dax-Konzern nach einer Aufsichtsratssitzung

am Sonntag in Frankfurt

mit.

Die Schritte waren erwartet worden,

nachdem mehrere Sparprogramme

nicht den gewünschten Erfolg

gebracht haben. Am Freitag

musste bereits Garth Ritchie, stellvertretender

Vorstandsvorsitzender

und Chef des Investmentbanking,

seinen Hutnehmen –das galt als Vorbote

der Beschlüsse.

Angekündigt wurde nun unter anderem

eine drastische Verkleinerung

des Investmentbanking mit dazugehörigem

Rückzug aus dem weltweiten

Aktiengeschäft. DieKosten sollen

innerhalb von drei Jahren deutlich

gedrückt werden, 18 000 Stellen dürften

dabei wegfallen. Ende März2019

hatte die Deutsche Bank auf Vollzeitkräfte

umgerechnet weltweit knapp

91 500 Mitarbeiter, davon gut 41 500

in Deutschland.

Konzernchef Christian Sewing

hatte bei der Hauptversammlung im

Mai „harte Einschnitte“ angekündigt.

Schon damals war klar,dass das

seit zwei Quartalen verlustreiche Kapitalmarktgeschäft

dabei im Fokus

stehen würde.

Am Sonntag teilte die Bank mit,

dass sie sich aus dem Aktienhandelsgeschäft

zurückziehen wird. Darüber

hinaus soll das Handelsgeschäft, insbesondere

der Handel mit Zinsprodukten,

verkleinert werden. UmBilanzpositionen

in Höhe von 74Milliarden

Euro aus diesen Geschäftsfeldern

abzuwickeln, gründet die Bank

eine interne „Bad Bank“. So verschwinden

diese Vermögenswerte

aus der Bilanz der Deutschen Bank.

Sewing hatte im Mai gesagt, die

Bank werde„konsequent auf die profitablen

und wachsenden Bereiche“

ausgerichtet, die für die Kunden besonders

wichtig seien. „Wir haben

immer noch zu hohe Kosten, die wir

nicht direkt einer Leistung für unsere

Kunden zuordnen können.“

Zum Investmentbanking gehört

beispielsweise die Beratung von Firmen

bei Börsengängen oder Übernahmen.

Hier will die Bank aber aktiv

bleiben. Im sogenannten Transaction

Banking, das Zahlungsverkehr,

Handelsfinanzierung und Wertpapierdienstleistungen

umfasst,

zählt die Deutsche Bankzur Weltspitze.Potenzial

sieht das Geldhaus auch

in der Vermögensverwaltung. Dagegen

galt schon länger als ausgemacht,

dass das US-Handelsgeschäft

mit Anleihen und Aktien gestutzt

wird.

Beider Hauptversammlung hatte

auch der Aufsichtsrat klargemacht,

dass es nicht weitergehen kann wie

bisher -erst recht nicht nach der Absage

einer Fusion mit der Commerzbank.

(dpa)

ChristianSewinghofft aufeinen Befreiungsschlag.

FOTO: FÖRSTER/IMAGO IMAGES


Deine digitale

Kundenkarte

Mit LidlPlus noch

mehr sparen

9:41

7aktivierte Coupons

Lidl Plus Karte

Kundennummer: 12345678901234567

1. Lidl Plus App

gratis downloaden

2. Registrieren

3. Vorteile sichern

5€*

Willkommens-

Coupon

Einfach an derKasse

scannen undprofitieren

Karte schließen

*Ab einem Einkauf im Wert von25€gibtes5€Rabatt auf den Einkaufswert (ausgenommen Tabakwaren, Zeitschriften, Säuglingsanfangsnahrung, Bücher,Pfand, Telefon- und Gutscheinkarten). Keine Barauszahlung möglich. Der Coupon kann nur innerhalb der ersten 2Wochen nach Registrierung eingelöst werden. Mehr Infosunter lidlplus.de.

Abb.ähnlich. FürDruckfehler keine Haftung. Filial-Angebote: Lidl Dienstleistung GmbH &Co. KG,Rötelstr.30, 74166 Neckarsulm •Namen und Anschrift der regional tätigen Unternehmen unter www.lidl.de/filialsuche oder 0800 4353361.


8* Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Meinung

SPD

ZITAT

Regeln gelten auch

für Ministerinnen

Annika Leister

findet es Betrug um der Profilierung

willen, wenn Politiker falsch zitieren.

Dreist, dreister, Giffey. Den Superlativ

hat sich die Familienministerin

durch ein Interview verdient. Sie forderte

ausgerechnet jetzt in dem Gespräch mit

Blick auf die zerrüttete SPD: Die Partei

solle wieder stärker für Ordnungs- und

Leistungsprinzipien eintreten. Regeln

seien wichtig, so Giffey, weil „die Leute

frustriert werden, wenn sie selber ein

Parkticket bekommen, aber der Drogendealer

an der Ecke weitermacht“.

Ordnung! Leistung! Regeln! Fairness!,

fordert Giffey also. Dabei steht sie doch

gerade selbst unter Verdacht, Regeln, die

für alle gelten, nicht eingehalten zu haben.

Plagiatsjäger werfen ihr vor, dass sie

auf 76 von 205 Seiten ihrer Doktorarbeit

plagiiert – also zu gut Deutsch: abgeschrieben

–hat, dass sie diese Übernahmen

nicht oder falsch gekennzeichnet

und auch sonst bei den Quellenangaben

einige Fehler gemacht hat.

Zuletzt ließ Giffey von ihrem Anwalt

mitteilen: Siehabe sich nach einer irgendwie

lockereren, „amerikanischen“ Zitierweise

gerichtet. Nurgibt es die nicht. Ob in

Amerika oder Deutschland, an jeder Uni,

in jeder Abschlussarbeit, ob Bachelor oder

Doktor,gilt:Werdie Ideen oderWorteeines

anderen Autors übernimmt, der muss

exakt angeben, aus welchem Buch und

vonwelcher Seite.Punkt. Regel ist Regel.

Noch hat die Freie Universität, an der

Giffey ihre Doktorarbeit über Europa

schrieb,nicht ihr Urteil gefällt. So lange gilt

die Unschuldsvermutung. Sollte in dem

Fall aber gegen Giffey entschieden werden,

hat sie sich mit diesem Interview nicht nur

komplett unglaubwürdig gemacht, sondern

auch ihrer Partei geschadet, der sie

helfen will. Undschon jetzt dürfte die Lektüre

für Studenten und Doktoranden einen

schalen Beigeschmack haben.

AfD

Für die Partei ist es

bereits zu spät

JanSternberg

geht davonaus, dass die Zerrissenheit

in der AfD zu groß geworden ist.

AfD-Seniorchef Alexander Gauland

ruft die Radikalen in der Partei auf,

sich verbal zu mäßigen. Um an die Macht

zu kommen und „unser Land wieder in

Ordnung zu bringen“, könne man sich

„ruhig einmal auf die Lippe beißen“. Dieser

Satz auf dem „Kyffhäusertreffen“ ist

aus zwei Gründen hoch spannend.

Erstens ruft Gauland die Rechtsradikalen

in der AfD nicht dazu auf, ihrePositionen

zu mäßigen, nur ihre Sprache. Zweitens

zeigt Gaulands Rede,wie ernst es um

die zerrissene Partei steht. Der Patriarch

aus Potsdam, der so gerne auf das Erbe

der Achtundsechziger schimpft, führte

die Partei im Stile eines Anarcho-Opas.

Sollen die jungen Wilden in der Partei –

Gaulands einstige Ziehsöhne Höcke und

Kalbitz vorneweg –doch hetzen und sich

streiten. Irgendwann, so das Kalkül,

wachse sich das aus. Noch am vergangenen

Wochenende blieb Gauland absichtlich

dem Landesparteitag in Schleswig-

Holstein fern. Er versuchte, nicht zu verhindern,

dass die mit einem Parteiausschlussverfahren

belegte Doris von

Sayn-Wittgenstein ein Comeback hinlegt.

Gauland fürchtete eine Trotzreaktion. Es

half nichts.Sayn-Wittgenstein, der vorgeworfen

wird, Fördermitglied eines rechtsextremen

Vereins zu sein und die Rückkehr

der ehemals deutschen Ostgebiete

zu fordern, ist wieder Chefin im Norden.

DieBundesspitzeist düpiert.

Plötzlich sagt Gauland, die Partei habe

keine Zeit mehr, als „gäriger Haufen“ herumzugammeln.

Er irrt sich. Für die AfD

ist es bereits zu spät. Sieist unrettbar zerrissen

zwischen West und Ost, den letzten

Bürgerlichen und den immer radikaler

werdenden Rechten, zwischen Verschwörungstheoretikernund

Postenjägern.

Ballwechsel, der an die Nerven geht

Die gute Nachricht des Tages zuerst:

DieUSA kennen doch noch

ein wichtiges Wort der Diplomatie,

es schien zwischenzeitlich

nur in Vergessenheit geraten zu sein. Es ist

dasWort Koalition.Weil die US-Regierung ihr

Engagement in Syrien verringernwill, sollen

nun deutsche Bodentruppen die US-Militärs

im Kampf gegen die Terrormiliz IS teilweise

ersetzen.

Es ist eine bemerkenswerte Forderung

der Trump-Regierung an einen Partner,dessen

Wünsche ansonsten von Woche zu Woche

weniger wichtig genommen werden. Die

USA haben gegen deutsche und europäische

Interessen das Anti-Atom-Abkommen mit

dem Iran gekündigt. Sie blockieren Entschlüsse

zur Klimapolitik und riskieren mit

einer fast blind auf Zöllen basierten Handelspolitik

den Einbruch der Weltwirtschaft.

Klima, Welthandel, Nuklearfragen – die

Alleingänge der USA haben das bestehende

Gerüst internationaler Zusammenarbeit unter

PräsidentTrump binnen kurzerZeit Stück

für Stück abgebaut. Sie tun es noch, in großen

und kleinen Fragen. Unterhändler der

G20 berichten, dass es in denVerhandlungen

mit den US-Kollegen vor allem darum geht,

größere Zerstörungen von früher erreichten

Ergebnissen zu verhindern.

Diplomaten der Uno inNew York verlieren

sich in Zynismus, wenn es um die Rolle

derVereinten Nationen in Zeiten des US-Präsidenten

geht, dessen Gold-und-Marmor-

Zuhause nur wenige Blocks vom Hauptgebäude

am East River entfernt ist. Es gehe offensichtlich

ganz um die strukturelle Schwächung

von multilateralen Organisationen,

seufzen sie, dabei mache es gar keinen Unterschied

mehr, über welches Thema man

verhandele.

Esgibt ja das Vorurteil, dass Deutsche ungernüber

Geld reden. Ichkann das nicht

bestätigen. Mir als Autorin stellen Unbekannte

immer sofort die Frage, obich denn

davon leben könne. Selbst wenn ich darauf

hinweise, dass ich selbst für ungeübte Beobachter

leicht erkennbar noch nicht gestorben

bin, reicht ihnen das nicht.

Also gut, reden wir über Geld und Leute,

die es haben. In Berlin war das vor20Jahren

kein großes Thema. Die meisten hatten

keins. Deshalb konnte ich als junge Studentin

mit ein paar HundertMarkpro Monat gut

über die Runden kommen und relativ problemlos

am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Kommerzielles Interesse stand damals

im Schatten kreativer Selbstverwirklichung.

Mit ein bisschen Glück konnte man aber

auch noch in einer Dreizimmerwohnung

mit Fischgrätparkett residieren, wenn man

dreimal die Woche kellnernging.

Heute müssen Leute neben ihrem Vollzeitjob

noch dreimal die Woche kellnern gehen,

um die Fischgrätparkettwohnung behalten

zu können. Aber werweiß, sollte jetzt

der Mietendeckel kommen, wird vielleicht

alles anders.Schenkt man den Wirtschaftsliberalen

Glauben, werden nun die armen

Deutsche-Wohnen-Anleger kellnern gehen

müssen, um weiterhin wohltätig Wohnraum

vermieten zu können.

Im Zuge der ganzen Mietpreisdiskussion

wurde jedenfalls immer wieder betont, es

gebe kein Recht auf Wohnen in der Innenstadt.

Das stimmt. Aber es gibt auch kein

Syrien-Einsatz

Nur nicht

wegducken

Gordon Repinski rät der Bundesregierung zu

Gesprächsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein

im Umgang mit den USA.

KOLUMNE

Reiche sind

erstaunlich

langweilig

Katja Berlin

Autorin

Recht auf Liebe oder ein Recht auf ein Glas

kühlen Rosé an warmen Sommerabenden,

und es ist trotzdem super,wenn man es hat.

Denn wie öde sähen Innenstädte aus, indenen

nur wohlhabende Menschen leben?

Reiche sind ja erstaunlicherweise häufig

sehr langweilig. Das ist für mich das größte

Rätsel, ich jedenfalls wäre eine sehr unterhaltsame

Reiche. Indem Bereich sagt man,

glaube ich, exaltiert. Aber wahrscheinlich

HEIKO SAKURAI

Es hat etwas Unverschämtes,dass die US-

Regierung in dieser Lage nach Unterstützung

fragt, weil sie eigene Soldaten abziehen

möchte. Zumal der Einsatz in Syrien für

Deutschland zwei Grundprobleme mit sich

bringt: Zumeinen ist er nicht völkerrechtlich

gedeckt, er basiertauf einer Koalition mithelfender

Staaten, nicht auf einem UN-Mandat.

Zum Zweiten würde er ein heikles militärisches

Engagement in einem Nachbarland Israelsmit

sich bringen –mit offenem Ende.

DieUSA sprechen die Forderungmit klaremKalkül

aus.Sie wissen, dass der Nahe Ostenfür

sie Relevanz verloren, für Europa aber

gewonnen hat. DerKonflikt in Syrien undim

Irak ist der Ursprung der Flüchtlingskrise des

Jahres 2015 und damit vorallem ein europäisches

Problem. Die Ausweitung des Militäreinsatzes

geht auf eine Initiative von Frankreichs

damaligem Präsidenten Francois Hollande

zurück, der damit auf die Terroranschläge

in ParisimJahr 2015 reagierthat.

Europa und Deutschland im Besonderen

müssen sich daran gewöhnen, bei genau

diesen sicherheitspolitischen Fragen voranzugehen.

Das muss nicht bedeuten, sich in

militärische Abenteuer zu stürzen, im Gegenteil.

Es kann auch bedeuten, Einsätze zu

beenden und die Diplomaten übernehmen

zu lassen. Aber die sicherheitspolitische

Strategie dazu muss aus Europa, nicht mehr

aus den USA kommen. In Deutschland redet

man viel davon, mehr internationale Verantwortung

übernehmen zu wollen, es gehörtin

jedes Manuskript einer Rede bei der Münchener

Sicherheitskonferenz. In der Realität

ist der Wegdahin dann besonders kompliziert,

wenn es um einen konkreten Einsatz

geht. Jetzt ist es wieder so weit.

Wenn die USA ernsthaft erwägen, ihre

Truppen in Syrien zu reduzieren, muss sich

Deutschland den Gesprächen öffnen. Das

muss schon deshalb geschehen, damit auch

wieder über andere Fragen miteinander geredet

werden kann. Syrien und der Iran sind

zwei kaum voneinander trennbare Lagen,

politisch und regional sind sie eng verknüpft.

Der Weg, den die USA im Iran gehen, ist

provokant, ideologisch und gefährlich. Womöglich

stellt die Iran-Frage das größte globale

Sicherheitsrisiko dieser Monate dar.

Deutsche Gesprächsbereitschaft in der Syrienfrage

wäreein wichtiges Signal an die Vereinigten

Staaten, alle Fragen der Region gemeinsam

und kooperativ lösen zu wollen.

Das kann und darf auch als Forderung ausgesprochen

werden. Aber eben nur, wenn

man sich ansonsten nicht wegduckt.

wird man einfach auch nicht reich, wenn

man sein Geld lieber in gesellige Runden als

in Immobilienfonds investiert.

Gleichzeitig wollen aber auch nicht alle

Gutverdienenden nur unter ihresgleichen

wohnen, sonst wären lediglich die Mietpreise

in Frohnau explodiertund nicht die in

Neukölln und Friedrichshain. Die internationale

Attraktivität Berlins geht eben nicht

vom Prenzlauer Berg aus. Niemand zieht

hierher,weil es in Wilmersdorfsonette Boutiquen

gibt, und kein Tourist kommt wegen

Pankows hübschen Villen.

Sogar wenn man so dermaßen kapitalistisch

denkt, dass Friedrich Merz einem anerkennend

auf die Schulter haute,ist es im Interesse

der Stadt, auch ärmere Leute in der

Innenstadt wohnen zu lassen. Also selbst,

wenn es einem egal ist, ob der Supermarktkassierer

pendeln muss oder die arbeitslose

Mutter in die Uckermark umsiedelt, damit

ein Arztsohn ihre Wohnung in Mitte bekommt,

gibt es doch ein übergreifendes Interesse

aneiner sozialen Heterogenität in der

Innenstadt.

Berlins Clublandschaft, die Dönerläden

und vietnamesischen Imbisse, die Spätis

und die Kulturszene sind Teil des Kapitals

dieser Stadt. Gerade die Diversität macht

Berlin für viele so attraktiv.Wenn wir das zugunsten

des kurzfristigen Profits aufgeben,

sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen.

Ichweiß nicht, ob Geld wirklich den Charakter

verdirbt, den Charakter einer Innenstadt

meiner Meinung nach aber schon.

„Die Erle und die Kiefer

werden langfristig vermutlich

nicht überleben. (…)

Die Eiche ist hier recht

stabil, aber auch

Kirsch- und Birnbäume.“

Steven Jansen, Botaniker an der Universität Ulm,

über die Auswirkungen der Dürre auf hiesige

Baumarten im Interview mit dem Spiegel

AUSLESE

Nicht nach Libyen

zurückbringen

Das Schicksal der Boots-Flüchtlinge

beschäftigt die Kommentatoren. „Die

europäischen Regierungen sollten die derzeitige

relative Ruhe auf dem Mittelmeer

besser nutzen, um eine neue Flüchtlingspolitik

zu formulieren“, fordert die Neue

Zürcher Zeitung am Sonntag. Eine Koalition

gleichgesinnter Staaten um Deutschland

könnte diese Aufgabe übernehmen.

Aber: „Europa ist dann keine Solidargemeinschaft

mehr, sondern lediglich eine

Geschäftsgemeinschaft, in der nach eigenen

nationalen Vorteilen geschaut wird.

Lasten werden nicht mehr unter allen verteilt.

Renitenz und Blockadehaltung, wie

sie osteuropäische Regierungen in der EU

vorführen, werden auf diese Weise belohnt.

Dasist der Preis, um große Probleme

wie die Migrationsfrage zu lösen.“

Flüchtlinge nach Libyenzurückzubringen

ist für deVolkskrant keine Lösung.„Libyen

seikein sicheres Land für Migranten.

So argumentieren Rettungsorganisationen

(…). Unddas meinen auch alle Menschenrechtsorganisationen,

darunter jene der

UN, und auch die EU selbst. (...) Dass Italien

eine rechts-nationalistische Regierung

hat, liegt vorallemamMangelanSolidarität

der anderen EU-Mitgliedstaaten. Solange

die anderen Länder, unter ihnen

auch die Niederlande, Italien bei der Aufnahme

von Flüchtlingen nicht zur Hilfe

kommen, wird Salvini die italienischen

Häfen geschlossen halten (…). Libyen ist

keine Partei, auf die man die Migrationsprobleme

abwälzen kann.“ Tobias Miller

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

Chefredakteur: Jochen Arntz.

Mitglied der Chefredaktion: Elmar Jehn.

Newsdesk-Chefs (Nachrichten/Politik/Wirtschaft): Tobias Miller,

Michael Heun, Michaela Pfisterer.

Textchefin: Bettina Cosack.

Newsroom-Manager: Jan Schmidt.

Teams:

Investigativ: Kai Schlieter.

Kultur: Harry Nutt.

Regio: Arno Schupp, Karim Mahmoud.

Service: Klaus Kronsbein.

Sport: Markus Lotter.

Story: Christian Seidl.

Meinungsseite: Christine Dankbar.

Seite 3/Report: Bettina Cosack.

Die für das jeweiligeRessortanerster Stelle Genannten sind

verantwortliche Redakteure im Sinne des Berliner Pressegesetzes.

Reporterin: Sabine Rennefanz.

ArtDirektion: Annette Tiedge.

Newsleader Regio: Sabine Deckwerth, Stefan Henseke, Susanne Rost.

Newsleader Sport: Matthias Fritzsche, Christian Schwager.

Hauptstadtredaktion: Gordon Repinski (Ltg.), StevenGeyer (Stv.).

RND Berlin GmbH, GF: Wolfgang Büchner,Uwe Dulias.

Autoren: Joachim Frank, Holger Schmale, Dieter Schröder,ArnoWidmann.

Istanbul: Frank Nordhausen,

Moskau: Stefan Scholl, Paris: Axel Veiel,

Rom: Regina Kerner,

TelAviv: Anja Reich, Washington: KarlDoemens.

Redaktion: Berliner Newsroom GmbH, Berlin24 Digital GmbH,

Geschäftsführung: Aljoscha Brell, Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin

Lesertelefon: 030-63 33 11-457, E-Mail: leser-blz@dumont.de

Berliner Verlag GmbH Geschäftsführer:Jens Kauerauf.

Postadresse 11509 Berlin. Besucher:Alte Jakobstraße 105,

Telefon: (030) 23 27-9; Fax: (030) 23 27-55 33;

Internet: www.berliner-zeitung.de.

Vertrieb: BVZ Berliner Lesermarkt GmbH, KayRentsch.

Leserservice Tel.: (030) 23 27-77, Fax: (030) 23 27-76

www.berliner-zeitung.de/leserservice

Anzeigen: BVZ BM Vermarktung GmbH (BerlinMedien), Andree Fritsche.

Postfach 11 05 06, 10835 Berlin;

Anzeigenannahme: (030) 23 27-50; Fax(030) 23 27-66 97

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr.30, gültig seit 1.1.2019.

Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH, Am Wasserwerk 11,

10365 Berlin, Internet: www.berliner-zeitungsdruck.de

Die Berliner Zeitung erscheint sechs Mal in der Woche. Bezugspreis monatlich

45,90 €einschl. 7% Mehrwertsteuer,außerhalb vonBerlin und Brandenburg

49,50 €; AboPlus, inklusiveStadtmagazin tip 54,19 €(nur in Berlin und

Brandenburg). Bezugspreis des Studentenabonnements monatlich 27,60 €,

außerhalb vonBerlin und Brandenburg 28,50 €. Das E-Paper kostet monatlich

29,99 €einschl. 7% Mehrwertsteuer.Der Preis für Studenten beträgt monatlich

18,99 €.Im Fallehöherer Gewalt und bei Arbeitskampf (Streik/Aussperrung)

besteht kein Belieferungs- und Entschädigungsanspruch. Erfüllung und

Gerichtsstand Berlin-Mitte. Für unverlangt eingesandte Manuskripte oder Fotomaterial

wird keineHaftung übernommen.

Die Auflageder Berliner Zeitung wird vonder unabhängigen Informationsgemeinschaft

zur Feststellung der Verbreitung vonWerbeträgerngeprüft.

Die Berliner Zeitung ist die reichweitenstärkste Abonnementzeitung Berlins

und erreicht laut Mediaanalyse 2018 in Berlin und

Brandenburg täglich 274 000 Leser.


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 – S eite 9 *

·························································································································································································································································································

Berlin

Ist Preußen

schuld an

Hitler?

Seite 10

Seenotretter Marcel Ditt zur Lage im Mittelmeer Seite 12

Bei Feuerwehrleuten gehört die Krebserkrankung zum Berufsrisiko Seite 13

Stadtbild

Blumen von

unten

BarbaraWeitzel

glaubt nicht an die Mär

vomstummen Berliner.

Neulich las ich irgendwo in den

sogenannten sozialen Medien,

in Berlin grüßten sich die Leute nicht

auf der Straße.Vielen gefiel das, obwohl

es ja, wenn es denn stimmte,eigentlich

kaum jemandem gefallen

sollte. Mir gefiel es nicht, weil ich

finde,dass es einfach nicht stimmt.

Nicht nur im Lieblingsblumenladen.

Eine Frau und ich wollen gleichzeitig

eintreten. Unser beider„Hallo“

und„Guten Tag“ mischt sich lustig in

das Kuddelmuddel, das entsteht,

wenn zwei gleichzeitig auf engem

Raum dasselbe tun wollen. Am Ende,

das zugleich ein Anfang ist, öffnet sie

die Tür, und ich trete zuerst ein.

Drinnen empfangen uns der vertraute

Duft von feuchtem Grün und

mehrere„Hallos“ und „Guten Tags“,

teils gemurmelt, teils geflötet. Zwei

Kundinnen mit sehr genauen Vorstellungen

und ein unschlüssiger

Mann werden gerade vondreiFloristinnen

mit buntem Glück versorgt.

Bei dem Mann könnte es sich

auch um eine bunte Entschuldigung

handeln, so wie der guckt. Seine Ratlosigkeit

scheint nicht nur die Wahl

des Straußes zu betreffen. Aber er ist

in guten Händen. Die Blumenhändlerin

weiß sichtbar schon mehr und

zupft, windet und arrangiert mit

kundigen Händen Stängel, Blüten

und Gräser.

Auch ich weiß noch nicht so recht,

wie mein Strauß aussehen soll, finde

das aber kein bisschen schlimm. Es

gibt kaum Schöneres, als zuzusehen,

wie etwas wächst, von dem man gar

nicht wusste, dass man es genau so

wollte.Während ich warte,beugt sich

eine der Floristinnen nach unten, betrachtet

die Unterseite einer prachtvollen

weißen Blüte und ruft aus: „So

würde ich auch gerne vonunten aussehen!“

Alle lachen.

Mein Strauß ist fertig und eine

Wucht. „Gott ist der schön“, entfährt

es mir,wie jedesmal. DieKünstlerin,

die ihn fertigte, fragt: „Verschenkste

oder behältste?“ Das frage ich mich

auch plötzlich und nehme vorsichtshalber

noch einen kleinen, bereits

fertig gebundenen mit. „Auf Wiedersehen!“

„Tschüß.“ „Auf Wiedersehen!“

geht es durcheinander. Der

ratlose Mann hält mir die Tür auf. Bei

mir ging es schneller, aber ein Geburtstagsstrauß

braucht eben nicht

so lange wie einer für Momente, in

denen sonst nichts mehr hilft.

Auf dem Wegnach Hause grüßt

ein etwas Verlotterter voneiner Bank.

Eine Nachbarin, die ich nicht kenne,

nur vom Sehen. Die Postbotin. Ich

glaube nicht, dass es an den zwei Blumensträußen

liegt, nur ein bisschen

an meinem frohen Gesicht, und bin

jetzt mal pingelig: Wenn angeblich

keiner grüßt, also wirklich niemand,

dann wäreesdoch an dem, der das als

Erster merkt und moniert, damit anzufangen.

Denn er oder sie hat ja offenbar

auch nicht gegrüßt.

Sollte er oder sie es aus Angst, allen

anderen damit einen Schrecken

einzujagen, nicht tun, reicht ein offener

Blick oder ein versuchsweises

Lächeln.Vorher Blumen kaufen hilft

auch. Vondenen gibt es zwar in den

sogenannten sozialen Medien

reichlich. Aber für den Duft der Blumen

und den Klang der Freundlichkeit

muss man schon rausgehen.

Auch in Berlin.

In dichtem Qualm riskieren die Männer und Frauen der Feuerwehr ihre Gesundheit.

VonPhilippe Debionne

Sie gehen dahin, von woandere

fliehen. In brennende

Häuser, verqualmte Lagerhallen,

in mit Chemikalien

verseuchte Gebäude.Alles,umMenschen

vor schweren oder sogar lebensgefährlichen

Verletzungen zu

beschützen. Dafür riskieren die

Männer und Frauen der Feuerwehr

sogar ihre eigene Gesundheit: Das

Risiko,anKrebs zu erkranken, ist für

Feuerwehrkräfte im Vergleich zu anderen

Menschen laut einer internationalen

Studie 30 Prozent höher.

Der Senat sagt dazu, ihm lägen

„keine Erkenntnisse über eine entsprechend

erhöhte Krebshäufung

bei Mitarbeitenden der Berliner Feuerwehr

vor“. So steht es in der Antwortdes

Senats auf eine Anfrage des

FDP-Abgeordneten Marcel Luthe.

Toxische Kohlenwasserstoffe

Analyse eines Fingerabdrucks dauert 235 Tage

Im Kriminaltechnischen Institut des LKA türmen sich die unerledigten Fälle. Es fehlt Personal

VonGisela Gross

Auf die Auswertung von Spuren

müssen Ermittler in Berlin oftmals

lange warten. Beim Kriminaltechnischen

Institut des Landeskriminalamtes

(LKA) hat sich die Zahl

noch nicht abgeschlossener Untersuchungen

seit Ende 2014 etwa verdoppelt:

auf knapp 52 000 Aufträge Ende

2018. Dasgeht aus einer Antwortder

Innenverwaltung auf eine parlamentarische

Anfrage hervor.

Demnach geht der Anstieg vor allem

auf vermehrtangeforderte DNA-

Analysen zurück. Der Rückstand des

Berufsrisiko Krebs

Streit im Abgeordnetenhaus über den Umgang mit erkrankten Feuerwehrkräften

67

Sekunden liegen zwischen

zwei Einsätzen der Feuerwehr

Hintergrund: Bei fast jedem Brand

entstehen mit den Rauchgasen

hochgiftige polyzyklische aromatische

Kohlenwasserstoffe. „Feuerwehrleute

nehmen diese toxischen

und karzinogenen Stoffe über die

ungeschützten Atemwege, aber

auch über die offenen Poren der

Haut auf“, heißt es bei der nicht offiziellen

Feuerwehrorganisation„Feuerkrebs“.

Eine Organisation, die sich

nach eigener Aussage„dieser Problematik

annimmt und nach Lösungen

sucht, um die Einsatzkräfte zu schützen“.

Durch zahlreiche repräsentative

internationale Studien wurde

laut der Vereinigung „nachgewiesen,

dass bei Feuerwehrleuten das Risiko,

an Krebs zu erkranken, bereits nach

wenigen Jahren im Einsatzdienst um

bis zu 30 Prozent steigt“. Dennoch

werde Krebs in Deutschland „nicht

als Berufskrankheit anerkannt. Und

die Retter und ihre Familien werden

mit den Folgen alleingelassen“.

Laut Senat werden Krebserkrankungen

wie Lungen-, Kehlkopf- oder

Hautkrebs, die „auf die Einwirkung

von polyzyklischen aromatischen

Kohlenwasserstoffen und Ruß zurückzuführen

sind“, unter Umständen

zwar „als Berufserkrankung angesehen“.

Eine „pauschale Anerkennung

von Krebserkrankungen bei

dafür zuständigen Fachbereichs lag

Ende 2014 noch bei rund 5900 –inzwischen

beziffert die Polizei ihn auf

rund 29 000 Aufträge. DNA-Analysen

im Zusammenhang mit Kapitalverbrechen

würden vorrangig bearbeitet,

erklärte die Polizei auf Anfrage.Im

Schnitt liege die Bearbeitungsdauer

bei 58 Tagen.

Der Staatsanwalt Ralph Knispel

sprach kürzlich in der ZDF-Talkshow

vonMarkus Lanz voneinerWartezeit

auf DNA-Analysen von zwei bis drei

Jahren bei Delikten wie Einbrüchen.

Reisende Täter etwa seien nicht

mehr greifbar, wenn das Ergebnis

FEUERWEHR IN ZAHLEN

3900

Männer und Frauen

arbeiten bei der Truppe

30

Prozent höher ist bei

ihnen das Krebsrisiko

komme.„Selbst im Bereich der organisierten

Kriminalität und auch bei

Tötungsdelikten warten wir bisweilen

Monate auf die Untersuchungsergebnisse“,

so Knispel. Der Grund

sei Personalmangel. „Es türmen sich

Bergeauf.“

Bei Fingerabdrücken dauere die

Bearbeitung 235 Tage,beiWaffen 238,

bei Urkunden und Handschriften

325. DieBehörde schränkt jedoch ein:

Oft bearbeiteten mehrere Fachbereiche

eine Spur, teils auch nacheinander.

Deshalb ließen sich die realen

Zeiten nur bedingt erfassen.

Insgesamt wurden 2018 rund

Feuerwehrangehörigen als Berufserkrankung“

gebe es aber nicht.

Das bedeutet, dass ein an Krebs

erkrankter Feuerwehrmann zunächst

mit aufwendigen ärztlichen

Gutachten nachweisen muss, dass

seine Krankheit mit seiner Arbeit als

Lebensretter zusammenhängt. „Nur

wenn man ganz fest die Augen zukneift,

kann man –wie der Senat –

die massiv erhöhte Krebsrate bei

Feuerwehrleuten nicht erkennen,

die sich in einer Vielzahl vonErkrankungen

äußert“, sagt FDP-Mann Luthe.Wie

schon in der Schießstandaffärebehandele

der Senat„diejenigen

am schlechtesten, die sich am meisten

für unsereSicherheit einsetzen!“

Auch der Ex-Polizist Professor

Bernd Grigoleit übt in diesem Zusammenhang

heftige Kritik am Senat.

Grigoleit ist Chef der Berliner Interessengemeinschaft

solidarischer

Staatsbediensteter (B.I.S.S.), die im

Zuge der Schießstandaffäremit mindestens

13 Toten entstand und sich

als Sprachrohr aller Berliner Beamten

sieht.

Werschützt die Feuerwehr?

DPA

Nach seinen Worten würden Feuerwehrler

ebenso wie Polizisten von

den zuständigen Stellen im Senat

nicht ernst genommen. „Bei all den

toxischen Stoffen, denen die Feuerwehrkräfte

bei ihren Rettungseinsätzenausgesetztsind,

muss man doch

fragen: Wer schützt eigentlich die

Feuerwehr davor?“

Laut Senat würden Kräfte der

Feuerwehr seit Januar 2018 zwar an

einer Forschungsstudie des Instituts

für Prävention und Arbeitsmedizin

der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung

teilnehmen, „um Erkenntnisse

über die Expositionssituation

speziell im Berliner Feuerwehrdienst

zu gewinnen“. Dass

diese Studie jedoch unter Aufsicht

der Unfallversicherung durchgeführtwird,

also derjenigen Stelle,die

im Fall der Fälle zahlen muss, sieht

Grigoleit kritisch. Undsagt: „Ich drücke

den Kameraden die Daumen,

dass es keine reine Gefälligkeitsstudie

für diejenigen ist, die von einem

erhöhten Krebsrisiko bei Feuerwehrkräften

nichts wissen. Oder nichts

wissen wollen.“

136 000 Untersuchungen bei der Kriminaltechnik

angefordert. Dabei

ziehen die Experten bestimmte Analysen

vor: Wenn es zum Beispiel um

schwere Delikte geht und um eilende

Fälle, indenen das Ergebnis

mit entscheidend sein kann für die

Anordnung von Untersuchungshaft.

So erklärt es ein Polizeisprecher.

Längere Bearbeitungszeiten beträfen

zum Beispiel Kleinkriminalität,

wie Diebstahl aus Autos.

Nach Auskunft des Senats würden

in den nächsten Jahren konstant etwa

1,1 Millionen Euro proJahr in die Kriminaltechnik

investiert. (dpa)

NACHRICHTEN

BVGwill härter gegen

Vandalismus vorgehen

DieBerlinerVerkehrsbetriebe (BVG)

fordernnach zunehmenden Schäden

durch Graffiti-Sprayer härtereStrafen

fürVandalismus.Jeder U-Bahn-Wagen

werdestatistisch gesehen jeden

zweiten Monat beschmiert, sagte

Vorstandschefin Sigrid Nikutta der

Berliner Morgenpost. Dashabe es so

noch nicht gegeben. Nach BVG-Angaben

werden dieZüge nicht nur

nachts auf Abstellgleisen, sondern

auch während der Fahrtoder bei

Bahnhofsstopps besprüht. (dpa)

15-köpfige Gruppe

attackiertMann mit Reizgas

EinMann ist aus einer etwa 15-köpfigen

Gruppe heraus in Berlin-Oberschöneweide

angegriffen und verletzt

worden. DieGruppe trat und

schlug am Sonnabend auf den 30-

Jährigen ein, wie die Polizei am

Sonntag mitteilte.Sie soll ihn auch

mit Reizgas besprüht haben. Den

Angabenzufolge flohen die Männer

unerkannt. Nach Aussagen des 30-

Jährigen soll es zuvor in einem Imbiss

zu einem Streit mit einem Mann

gekommen sein. Ob dieser Teil der

Tätergruppe war,wirdlaut Polizei

noch ermittelt. Der30-Jährige wurde

ambulant behandelt. (dpa)

Michael Müller will

Jahresticket für 365 Euro

VorbildWien:Wieinder österreichischen

Hauptstadt, so soll es auch in

Berlin ein Jahresticket für den Nahverkehr

geben, das proTag einen

Euro kostet. Dashat der Regierende

Bürgermeister Michael Müller bei einem

Podiumsgespräch der Neuen

Zürcher Zeitung (NZZ) angekündigt.

„Ich will Schritt für Schritt das Ziel

verfolgen, ein Jahresticket für den öffentlichen

Personennahverkehr für

365 Euro anbieten zu können“, sagte

der SPD-Politiker.Erhabesich von

Wien„anstecken lassen“. (pn.)

Hühner im Gehege mit

Luftgewehr beschossen

MehrereHühner sind in Oberschöneweide

vermutlich beschossen

worden und verendet. DieBesitzerin

des Geheges zeigte der Polizei am

Freitag an, dass sie seit Mittwoch insgesamt

13 tote Tiereauf dem Freigelände

des Geheges gefunden hatte,

wie die Beamten am Sonntag mitteilten.

Eine pathologische Untersuchung

legte demnach den Verdacht

nahe,dass die Tieremit einem Luftdruckgewehr

oder einer ähnlichen

Waffe beschossen wurden. (dpa)

Statt der gewünschten Ruhe

gab es Prügel

Weil sie um etwas mehr Ruhe baten,

sind drei Erwachsene und ein Jugendlicher

voneiner Gruppe Jugendlicher

in Marzahn verprügelt worden.

Diebeiden Gruppen waren am Sonnabend

am Biesdorfer Baggersee,als es

laut Polizeibericht zum Streit kam, bei

dem die Erwachsenen zum Teil verletzt

wurden. Besonders aggressiv

verhielten sich ein 17-Jähriger und

ein 19-Jähriger.Beide wurden in einem

U-Bahnhof in der Nähe festgenommen.

Laut Polizei versuchte der

Jüngeresich in Polizeigewahrsam mit

Hose und Handfesseln zu strangulieren.

(dpa)


10 Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Stadtgeschichte

Am 16. Juni 1871 warimLustgarten ein mit Kanonen dekorierter Altar für einen Feldgottesdienst aufgebaut. An jenem Tagkehrten die im deutsch-französischen Krieg siegreichen Truppen heim. Im Januar wardas Deutsche Reich ausgerufen worden. AKG IMAGES (2)

Ist Preußen schuld an Hitler?

Militarismus und Untertanengeist herrschten im Staat und seiner Hauptstadt –und zugleich ein rebellischer Geist. Ein Buch beantwortet historische Fragen

VonMaritta Tkalec

Mit Preußen sind wir

noch lange nicht fertig.

Zu viele unterschiedliche

Bilder jenes

Staatswesens,das 300 Jahrelang

die Geschichte dominierte, stecken

in den Köpfen. Was Preußen gewesen

sein soll, erklärten Historiker je

nach politischer Interessen- oder

Stimmungslage und fanden für jede

These geeignete Belege. Preußen,

voran seine Hauptstadt Berlin, war

ein Hort des Militarismus mit einer

Bevölkerung voller Untertanengeist

und Kadavergehorsam. Und genau

das Gegenteil davon. Berlin, Kapitale

jenes Obrigkeitsstaates, hatte über

die Zeiten auch immer den Ruf als

Hauptstadt der Rebellion, der Opposition,

der Widerspenstigkeit. Die

hinhaltende Gleichgültigkeit, mit

der die Bevölkerung auf so manche

obrigkeitsstaatliche Aktion reagierte,

trieb Regierende immer wieder zur

Verzweiflung.

Gute Tugenden, böse Tugenden

Die einen halten die sogenannten

preußischen Tugenden –Aufrichtigkeit,

Bescheidenheit, Fleiß, Pflichtbewusstsein,

Zuverlässigkeit – für

die Basis eines funktionierenden Gemeinwesens

und sind stolz darauf.

Andere lesen daraus knechtischen

Geist, Härte, Disziplinversessenheit,

Spaßverzicht. Aber ist Preußen, später

Deutschland, nicht gut mit dem

Ordnungssinn gefahren? Verdanken

wir unsereheutige Demokratie nicht

auch solchen Werten, deren Mangel

sich in Ländern mit überbordender

Korruption so verheerend zeigt?

Die Figur, die diese Werte mit allem

Zwiespalt wie kein anderer verkörpert,

ist Friedrich II., der Alte

Fritz, Friedrich der Große.Erlinderte

den Hunger des Volkes,indem er die

Kartoffel verbreitete –und drangsalierte

es; er führte Kriege, schickte

Soldaten, Landeskinder wie auswärts

gekaufte, mitleidlos in den

Tod. Er holte Einwanderer ins Land,

verblüffte mit religiöser Toleranz –

und verabscheute Juden wie Katholiken.

Er war Philosoph, Künstler, ungewöhnlich

gut gebildet –und ein

autoritäres Ekel. Er verbot die Folter

als Verhörmethode, vereinheitlichte

die Rechtsprechung, schuf mehr

Rechtssicherheit – und erwartete

von allen Unterwerfung unter den

Staat, seinen Staat.

In der westdeutschen Debatte

dominierte lange die Sonderweg-

These, die den „Zivilisationsbruch“

Holocaust aus der autoritären preußischen

Tradition erklären sollte. Sie

beschrieb eine Kontinuität vom Soldatenkönig

FriedrichWilhelm I. über

den Alten Fritz zu Bismarck und Hitler,

vom Exerzierplatz nach Auschwitz.

Der NS-Staat selber hatte sich

gern des Mythos von den starken

Preußen-Führernbedient.

In der DDR erklärte man die Entwicklung

vorzugsweise mit der unzureichenden

Radikalität der Revolutionsversuche

und zogeine gerade

Linie vonder unvollendeten bürgerlichen

Revolution von 1848 zum inkonsequenten,

weil nicht in den

Kommunismus mündenden Umsturzvon

1918/19 hin zum Machtantritt

der Nationalsozialisten 1933.

Beide Interpretationen benutzten

Preußen, um die Verantwortung der

NS-Propagandakarte von 1935: Friedrich II., Otto von Bismarck, Adolf Hitler

eigenen Generation, bzw.die der Väter,möglichst

weit in die Vergangenheit

verlagern.

Deshalb verdient eine Geschichte

Preußens großes Interesse,die einseitige

Darstellungen aufbrechen, die

Vielfalt der Zusammenhänge bedenken

und die Dinge an ihren Platz rücken

will. Genau das unternimmt der

an der Sorbonne Nouvelle in Paris

lehrende Historiker Armin Owzar mit

seinem Buch „Das preußische Berlin

– auf dem Weg zur Metropole

1701–1914“. Er fragt: Wasist dran an

den Mythen über Preußen, seine

Hauptstadt und ihre Bewohner? Wie

viel Toleranz herrschte wirklich? Waren

die Berliner tumbe Untertanen

oder Freiheitssucher?

Owzar präsentiert keine steilen

Thesen, sondern bietet einer größeren

Öffentlichkeit Antworten auf die

genannten Fragen. Er legt Wert auf

vielfache Perspektiven, auf die Einordnung

in die jeweiligen Zeithorizonte,

auf den Vergleich mit zur selben

Zeit ablaufenden Prozessen in

anderen Staaten. In wohlsortierten

Kapiteln wie „Politik und Protest“,

„Militär und Militarismus“, „Arme

und Außenseiter“ sowie „Wissenschaft,

Kunst und Kultur“ lieferterdie

zentralen historischen Fakten und

prüft sie seinen Kriterien folgend.

Hält zum Beispiel die These

stand, Preußen, speziell Berlin, sei

durchmilitarisiertund also bereit für

den Nationalsozialismus gewesen?

1755 waren 26 Prozent der Bevölkerung

Berlins Militärpersonen,

Uniformen allgegenwärtig. Dass die

Gesellschaft aber vomMilitär durchdrungen

gewesen sei, verneint Owzar.

Seine Argumente: Das Preußenheer

war im europäischen Vergleich

keineswegs das größte –Frankreich

war weit stärker militarisiert. Die

Berliner wehrten sich gegen die

zwangsweise Einquartierung von

Soldaten, sie schimpften die auswärtigen

Soldaten gottlos und verkommen,

empfanden das enorme Militärbudget

als drückend, unterliefen

die handelsfeindliche Akzisemauer

(sie sollte Soldaten am Desertieren

hindern) durch Schmuggel. Die

preußischen Soldaten kämpften keineswegs

begeistert, viele litten –die

enorme Zahl der Selbsttötungen

kündet davon. An den Kriegen Friedrichs

II. fanden die Leute nichts Gutes,sie

ignorierten des Königs Ambitionen

solange es ging.

So nimmt sich Owzar Periode für

Periode vor. Weder in der Franzosenzeit

(1806–1813), noch in der Restauration

noch in der 1848er-Revolution

findet er harte Beweise für allzu gerade

Linien.

Kreativ und versteinert

Auch in Frankreich scheiterte die Februarrevolution

1851 und mündete

in eine Diktatur,ohne dass dies einer

späteren (reaktionären) republikanischen

Diktatur entgegenstand, erinnert

Owzar. Zudem seien 1848/49

hierzulande eine Reihe liberaler und

demokratischer Traditionen begründet

worden, was ebenfalls gegen „die

Einbahnstraße“ 1849–1933 spreche.

Um 1900 stand Deutschland ökonomisch

mächtig da, mit einer

Hauptstadt in kulturellem Aufbruch,

voller Kreativität und Innovation.

Darüber lag eine „versteinerte“ Politik,

wie Owzar schreibt. Der Erste

Weltkrieg verstärkte die unerhörten

Spannungen in der Gesellschaft.

1918/19 kam gewaltsam und grundstürzend

das Ende der Monarchie.

Allenthalben machten sich Verunsicherung

und Angst breit. Die Republik

blieb schwach, und Berlin rieb

sich in den Zwanzigern wund zwischen

wildem Leben und rauem Alltag,

zwischen Sehnsucht nach ordnender

Autorität und nach Freiheit.

Bei aller Einsicht in die Extreme,

die dieser Staat in sich trug: Preußen

ist nicht Schuld an Hitler. Das kann

Armin Owzar in seinem Buch plausibel

zeigen. DieLektürehilft auch, auf

das heutige Berlin zu schauen –auch

jetzt randvoll mit Extremen und Exzentrik

hier und schnoddriger Gleichgültigkeit

da. DieStadt wächst wieder

auf die Vier-Millionen-Bevölkerung

zu, ächzt unter Wachstumsschmerzen,

wie seit 1700 fast unausgesetzt.

Berlin wählt anders als die Provinz,

mokiert sich über deren Bewohner,

besteht selber zum gutenTeil aus Provinzlern

und wird von der Provinz

misstrauisch beäugt. Die„Hauptstadt

der Parvenus und der Parvenu der

Hauptstädte“ (Walther Rathenau)

schielt wie eh und je auf Paris, London,

NewYork.

Eine städtische Werbeagentur

sucht gerade nach einem passenden

Etikett für die Stadt. Die Ideensuche

steckt in Ratlosigkeit fest. VorJahren

rettete man sich ins inhaltsleere„Be

Berlin“. Jetzt steht man bei „Berlin –

irgendwie anders“. Istdie Metropole

etwa auf einem Sonderweg? Ist Berlin

gefährlich?

ArminOwzar

Das preußische Berlin –

aufdem Wegzur

Metropole1701–1914

ElsengoldVerlag Berlin

2019,

205Seiten, 32 Euro

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

Kloster Lehnin

Moabiter Kissen

Sommer im Hof

ImJahr 1180, da hatten Siedler in Berlin und Cölln ihre

ersten Brunnen gegraben, gründete Markgraf Otto I. in

Lehnin das erste märkische Kloster, umdie christliche

Macht in Brandenburg zusichern. Die Zisterzienserabtei,

Grablege der Herrscher,wurde im Zuge der Reformation

1542 säkularisiert. Manche Teile verfielen, andere

wurden Jagdschloss, Sommerresidenz, Kulturort, Stift,

Zwangsarbeiterlager, Krankenhaus. Heute sind Teile der

wunderbaren Zisterzienser-Anlage, namentlich Klosterkirche

und Museum, der Öffentlichkeit zugänglich.

Klosterkirche: Besichtigung April bis Oktober Mo–Fr 10–16 Uhr,Sa10–

17 Uhr,So13–17 Uhr.Museum: Mo–Sa 10–17 Uhr,So13–17 Uhr

Wie bekommt man Ruhe in Nebenstraßen? Wie

bremst man Autofahrer,die noch durch die stillste

Wohngegend unbedingt mit vollem Tempo durchbrettern

müssen? Man breitet Kissen auf dem Boden aus –

nicht weiche,die ignorant zu überfahren wären, sondern

harte, steinerne. Auf diese Idee kam 1979 Johann Anton

Schilcher, damals Leiter des Tiefbauamtes Tiergarten,

der an einem Versuch zur flächenhaften Verkehrsberuhigung

arbeitete.Wahrscheinlich kannte er die niederländischen

Vorbilder, dort als Delfter Hügel bekannt. Praktisch

sieht das so aus: Mitten auf der Straße wirdeine Erhöhung

in die Fahrbahn gebaut, die man nur im Schritttempo

überfahren kann. In den meisten Fällen wurden

die großen Straßenpflastersteine etwa zehn Zentimeter

erhöht verlegt, die Kanten wie kleine Rampen angeschrägt,

dem darüberrollenden Fahrzeug zuliebe.Oft liegen

die Moabiter Kissen als Rechtecke im Straßenbett,

etwa 1,50 Meter breit und zwei Meter lang. Werversucht,

sie schneller als in Schrittgeschwindigkeit zu überwinden,

wirdmit heftigen Stößen bestraft –heftig genug, um

das nächste Maldas Kissen als harte Realität zu akzeptieren.

Es gibt sie auch in anderer Gestalt, asphaltiert, als

runde Metallteller, etc. InFrankreich sind die gemauerten

Tempostopper auch als „Coussins berlinois“ bekannt,

anderswo kennt man sie als „schlafender Polizist“

(sleeping policeman). (mtk.)

Die Sicht auf eine Stadt ist immer sehr persönlich –

und so sind die Lesungen zur Ausstellung „Ost-Berlin.

Die halbe Hauptstadt“ im Ephraim-Palais. Die Autorinnen

und Autoren stellen ihre Texte im Hof des Märkischen

Museums vor. Die Termine: 14. Juli Katja Oskamp

„Marzahn, MonAmour“, Annett Gröschner„Berliner Bürger*Stuben“,

21. Juli Lea Streisand „War schön gewesen“,

Andreas Ulrich „Torstraße 94“, 28. Juli Marion Brasch „Ab

jetzt ist Ruhe“, Alexander Osang„Darfman um seine Katze

trauern, wenn Deutschland Weltmeister wird?“

Sommer im Hof –Zwischen den Zeilen Lesung und Gespräch, im Hof des

Märkischen Museums, 14. Juli, 21. Juli, 28. Juli, jeweils 17 Uhr


Mo.08.07.–Sa. 13.07.

Aktion

VieleMarken aus dem Sortiment –

diese Woche noch günstiger!

Knaller-

Angebote!

Jede Woche

neu!

-28%

blend-a-med

ZahncremeXXL

In den Sorten Classic

oder Rundumschutz extra

frisch clean, extraweiß

oder Kräuter clean

125-ml-Tube

1.11 *

(100ml=0.89)

1.55

-22%

-42%

175-g-Packung

0.85 *

(100 g=0.49)

1.49

Beutel

0.77 *

(kg=3.42/3.08/2.37)

0.99

nimm 2Lachgummi

Verschiedene Sorten und

Gewichte, 225 g, 250 g

oder 325 g

Philadelphia 1

Frischkäse; in den Sorten Milka, Original,

Kräuter,Schnittlauch oder Balance A

aldi-nord.de/aktion

*Bitte beachten Sie, dass diese Artikel nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung stehen. Sie können daher zu bestimmten Zeiten der Aktion ausverkauft sein.

1Aus der Kühlung AMindestens 30%weniger Fett alsPhiladelphia Doppelrahmstufe

ALDI Einkauf GmbH &Co. oHG, Eckenbergstr.16+16A, 45307 Essen. Firma und Anschrift unserer regional tätigen Unternehmen finden Sieunter aldi-nord.de unter

„Filialen und Öffnungszeiten“.Ferner steht Ihnen unserekostenlose automatisierte telefonische Hotline unter 0800-723 48 70 zur Verfügung.

08072019


12 * Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Berlin

„Wir würden am liebsten gleich wieder los“

Der Berliner Rettungssanitäter Marcel Ditt ist Seenotretter auf der „Alan Kurdi“. Die 65 Flüchtlinge an Bord durften in Malta an Land. Italien hatte sie abgewiesen

Vor etwas mehr als einer

Woche hat die deutsche

Organisation Sea-Eye ihr

Seenotrettungsschiff „Alan

Kurdi“ an die libysche Küste entsandt.

Mit anBord: Rettungssanitäter

Marcel Ditt, 26 Jahrealt, aus Charlottenburg.

Am Freitagmorgen hatte

die Crew 65 Flüchtlinge von einem

Schlauchboot aufgenommen. Damit

begann eine Irrfahrtauf dem Mittelmeer.

Das italienische Lampedusa

wies das Schiff ab, dann auch Malta.

Erst am Sonntagabend lenkte die

maltesische Regierung ein – und

nahm die Flüchtlinge von der„Alan

Kurdi“ auf. Wir haben mit Marcel

Ditt über die Situation an Bord,seine

Motivation und die teils heftige Kritik

an Seenotretterngesprochen.

Herr Ditt, wie ist die Stimmung bei

Ihnen?

Super, sehr emotional. Ein paar

Tränen wurden auch verdrückt. Wir

sind alle noch ein bisschen baff. Mit

so einer schnellen Einigung hatte

hier niemand gerechnet –weder die

Crew noch unserePassagiere.

Istdie Crew jetzt wieder alleine?

Ja, Malta hat alle anderen gerade

mit mehreren Booten abgeholt.

Auch die drei medizinischen Notfälle,

umdie wir uns große Sorgen

gemacht haben.

Wiewar die Lage in den Tagen zuvor?

Die Geflüchteten waren sehr erschöpft

und von den Strapazen der

letzten Monate und Jahre sehr mitgenommen.

ZumTeil waren sie jahrelang

in libyscher Gefangenschaft.

Vonden 65 Personen an Bord waren

39 minderjährig, der Jüngste war gerade

einmal zwölf Jahrealt.

Wie sah Ihre Arbeit nach der Rettung

genau aus?

Vorher waren wir 20 Menschen an

Bord, dann plötzlich 85. Das ändert

so ziemlich alles und ist der wohl anstrengendste

Teil einer Rettungsmission.

Wir haben eine kleine separate

Gästeküche, inder wir für die Gäste

zweimal am TagMahlzeiten kochen

können. Wirwaren rund um die Uhr

zu zweit bei den Gästen auf Deck,

auch in der Nacht. Wir wollten sicherstellen,

dass es allen gut geht.

Immerhin war es für viele das erste

Mal, dass sie auf einem Boot waren.

Warum hat die Suche nach einem

Hafen drei Tage gedauert?

DieRettung hat 34 Meilen vorder

libyschen Küste stattgefunden. Nach

Das deutsche Flüchtlings-Rettungsschiff „Alan Kurdi“ mit 65 Migranten an Bord suchte drei Tage lang einen sicheren europäischen Hafen.

Libyendürfen wir die Leute nicht zurückbringen,

weil dortKrieg herrscht

und das Land von Milizen regiert

wird. Der nächste sichere Hafen war

Lampedusa. Doch vonItalien haben

wir keine Erlaubnis für die Einfahrt

erhalten. Auch Malta hat zunächst

geblockt.

ZUR PERSON

Marcel Ditt lebt in Charlottenburg,hat Politikwissenschaften studiertund arbeitet als Rettungssanitäter.Vor

dem Einsatz auf der „Alan Kurdi“ hat der 26-Jährigebereits auf Lesbos mit

Geflüchteten gearbeitet. Dafür hat er sich vonder Arbeit freistellen lassen. Die „Alan Kurdi“

rettete nach Angaben vonSea-Eyevor diesem Einsatz bisher 81 Menschen das Leben.

DPA/FABIAN HEINZ; SEA-EYE/FABIAN HEINZ

Siesind zum ersten Malauf der „Alan

Kurdi“ dabei. Warum?

Die Seebrücke-Bewegung in

Deutschland macht deutlich, wie

viel Kraft der Veränderung von der

Zivilgesellschaft ausgehen kann. Ich

wurde besonders durch die Situation

2016 sehr politisiert und habe überlegt,

wie ich als Politikwissenschaftler

und Rettungssanitäter ganz praktisch

Einfluss nehmen kann.

Seenotretter stehen immer wieder vor

Gericht. Haben Sienicht Sorge, rechtliche

Probleme zu bekommen?

Die„Alan Kurdi“ fährtals einziges

Schiff der zivilen Seenotrettung unter

deutscher Flagge. Damit haben

wir zwar mehr Auflagen zu erfüllen,

aber auch mehr Rechtssicherheit.

Das ändert aber nichts am Grundproblem:

Seenotretter füllen einerseits

eine politisch gewollte Lücke

der Verantwortlichkeit. Und laufen

andererseits mehr und mehr Gefahr,

kriminalisiertzuwerden. Daswirdso

bleiben, solange Fälle wie die Sea-

Watch 3immer noch im Einzelfall

entschieden werden und es keine gesamteuropäische

Lösung gibt.

Wo zeigt sich diese „politisch gewollte

Lücke der Verantwortlichkeit“?

Die EUinvestiert inFrontex und

damit in den Ausbau einer militarisierten

Grenzsicherung. Außerdem

wird die libysche Küstenwache kontinuierlich

ausgebaut, die nachweislich

gegen die Genfer Flüchtlingskonventionen

verstößt. Die EUbeteiligt

sich damit an Verbrechen gegen

die Menschlichkeit. Es gibt keine

Militärschiffe im Mittelmeer mehr,

die Geflüchtete retten dürfen. Deshalb

übernehmen Organisationen

wie Sea-Eye diese Aufgabe ja überhaupt.

Aus konservativen und rechten Kreisen

werden Seenotretter massiv kritisiert:

Sie würden Flüchtlinge aufs

Meer locken, seien Schlepper. Was

entgegnen Sieder Kritik?

Sie beruht auf Falschinformationen

und Ignoranz, das Thema wird

leider viel zu oft simplifiziert. Ich

versuche dann immer, den Blick zu

weiten: Die Grenzen in Afrika entspringen

dem Kolonialismus, den

Europa zu verantworten hat. Nach

wie vor beuten wir den Kontinent

systematisch aus. Mit einem deutschen

Pass darf ich in 187 Länder

ohne Visa einreisen. Miteinem Pass

aus Somalia nur in 31. Das ist Willkür,

das sind rassistische Machtstrukturen.

Deutsche Politiker wie die Minister

Gerd Müller und Heiko Maas haben

im Fall Carola Rackete fleißig Solidarität

bekundet. Was halten Sie von

solchen Äußerungen?

Wenn der Bundesaußenminister

Italien für das Kriminalisieren von

Seenotrettern kritisiert, dann sehen

wir das natürlich erst einmal positiv.

Wenn die Verantwortung für die Seenotrettung

dann aber auf ein Land

wie Libyenübertragen wird, das sich

im Bürgerkrieg befindet, zeigt das:

Hinter der humanitären Fassade verbirgt

sich eiskalte europäische Abschottungspolitik.

Wiegeht es weiter für die Crew?

Daswissen wir noch gar nicht. Alles

ist noch so frisch. Wirwürden am

liebsten gleich wieder los. Aber das

liegt nicht nur an uns.

DasGespräch führte Annika Leister.

Deutschland will bis zu 40 Personen von der „Alan Kurdi“ aufnehmen

Innenminister Seehofer fordert eine Regelung für die Zukunft. Doch sein italienischer Kollege verweigert jedes Zugeständnis –und weiß die Mehrheit des Landes auf seiner Seite

VonRegina Kerner,Rom

Deutschland wird einen Teil der

Passagierevon der „Alan Kurdi“

aufnehmen. Malta hatte sich am

Sonntag bereiterklärt, die 65 Migranten

von dem Seenotrettungsschiff

der Organisation Sea-Eye an Land zu

lassen. Sie würden umgehend auf

andere europäische Länder verteilt,

gab die Regierung in Valletta nach

Gesprächen mit der EU-Kommission

und Deutschland bekannt. Die

maltesischen Behörden teilten mit,

außerdem sei eine Vereinbarung erzielt

worden, dass EU-Länder die

Hälfte von weiteren 58 Migranten

aufnehmen werden, die von der

maltesischen Marine aus dem Mittelmeer

gerettet worden seien.

Bundesinnenminister Horst Seehofer,CSU,

begrüßte,dass Malta den

insgesamt 123 Migranten erlaubt

hat, an Land zu gehen. „Auf Bitten

von Malta sollen hiervon 94Personen

in andere Mitgliedstaaten verteilt

werden. Im Geiste der europäischen

Solidarität habe ich angeboten,

dass wir uns hieran mit bis zu 40

Personen beteiligen“, teilte er am

Abend über sein Ministerium mit. Er

sei zufrieden, hieß es weiter, dass es

gelungen sei, zügig eine Ausschiffung

zu ermöglichen. „Allerdings

brauchen wir für diese Fälle jetzt

schnell einen tragfähigen und funktionierenden

Mechanismus. Daran

müssen die Europäische Kommission

und die Mitgliedstaaten mit

Hochdruck arbeiten.“

Auch Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden

Isler drängt auf eine dauerhafte

politische Lösung: „Dass sich nun

wieder Staatschefs mit derVerteilung

einzelner Migranten befassen müssen,

ist wirklich peinlich“, sagte Isler.

Es müsse endlich einVerteilungsmechanismus

für Flüchtlinge und Migranten

in Europa gefunden werden.

„Dann würden auch keine Häfen

mehr für Rettungsschiffe geschlossen“,

sagte er. Der Vorsitzende der

Grünen-Bundestagsfraktion, Anton

Hofreiter, forderte, Deutschland

solle alle 65 Migranten vonder „Alan

Kurdi“ aufnehmen.

Der Fall hatte auch für Streit zwischen

Seehofer und Salvini gesorgt.

Seehofer hatte seinen italienischen

Kollegen am Sonnabend aufgefor-

Rechtsnationaler Hardliner:der italienische Innenminister Matteo Salvini

Migranten per Busdirekt in die deutsche

Botschaft in Romfahren lassen,

sagte er in einem im Internet verbreiteten

Video.

Italiens rechtsnationaler Innenminister

Salvini will die Strafen für

Seenotretter noch einmal drastisch

erhöhen. Nachdem nur wenige Tage

nach der „Sea-Watch 3“ am Sonndert,

die Dauerkrise der Rettungsschiffe

im Mittelmeer zu beenden.

„Wir können es nicht verantworten,

dass Schiffe mit geretteten Menschen

an Bord wochenlang im Mittelmeer

treiben, weil sie keinen Hafen

finden“, schrieb Seehofer am

Sonnabend an Salvini. Der wies das

prompt zurück. Eher würde er die

ZUMA PRESS

abend auch das italienische Flüchtlingsrettungsschiff

„Alex“ trotz seines

Verbots im Hafen von Lampedusa

angelegt hatte,kündigte Salvini

an, die Geldstrafe für Kapitäne, Betreiber

und Eigner der Schiffe solle

auf eine Million Euro steigen. Auch

die Beschlagnahmung der Schiffe

solle nochmals erleichtert werden.

Wegen dieser Haltung war die „Alan

Kurdi“ am Sonnabend von Lampedusa

aus Richtung Malta abgedreht.

Noch vor wenigen Tagen hatte

Salvini mit der maltesischen Regierung

vereinbart, dass der Motorsegler„Alex“

der italienischen Hilfsorganisation

Mediterranea statt Lampedusa

das weitere100 Seemeilen entfernte

Malta ansteuern kann. Als

Gegenleistung wollte Italien Migranten

aus dem Inselstaat aufnehmen.

DerHandel kam nicht zustande,weil

die „Alex“, die am Donnerstag im

Meer vor Libyen 53Migranten aus

Seenot gerettet hatte, den Notstand

erklärte und am Sonnabend trotz

Verbots in den Hafen von Lampedusa

fuhr.Um1.30 Uhrinder Nacht

durften die Flüchtlinge an Land, die

„Alex“ wurde beschlagnahmt. Gegen

den Kapitän wird wie gegen die Sea-

Watch-Kapitänin Carola Rackete ermittelt.

Außerdem muss er laut Medienberichten

16 600 Euro Strafe

zahlen. Dassei das in Salvinis Dekret

vorgesehene Minimum beim ersten

Verstoß.

Salvini schäumte am Sonnabend

vor Wut, wie schon nach der Landung

der „Sea-Watch 3“ und sprach

von einem Angriff auf sich und Italien.

Es sei jetzt offensichtlich, dass

die Hilfsorganisationen mit ihren

„Piratenschiffen“ einen geplanten

und organisierten Menschenhandel

betrieben, der von Milliardären wie

George Soros finanziert werde, um

die europäischen Völker durch eine

Invasion auszulöschen, sagte er in

einem Video. „Aber ich gebe nicht

auf“, versicherte er. Er werde den

Stolz und die Grenzen Italiens schützen.

Dabei kann er sich der Zustimmung

einer Mehrheit seiner Landsleute

sicher sein: Nach einer am

Sonnabend veröffentlichten Umfrage

halten 59 Prozent der Italiener

der Schließung der Häfen für Rettungsschiffe

von Hilfsorganisationen

für richtig. (mit dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 13 *

·························································································································································································································································································

Berlin

Berlin –die

Hauptstadt der

Mietfahrzeuge

Senat nennt aktuelle Zahlen

zu Sharing-Angeboten

VonPeter Neumann

Radfahrer freuen sich über das

große Angebot, Fußgänger kritisieren

zugestellte Gehwege. InBerlin

stehen mehr als 15 000 Mietfahrräder

zur Verfügung. Das geht aus Zahlen

hervor, die Verkehrs-Staatssekretär

Ingmar Streese (Grüne) auf eine Anfrage

der AfD hin nannte. Nach Einschätzung

vonBeobachternist Berlin

die deutsche Sharing-Hauptstadt.

Das chinesische Unternehmen

Mobike bietet rund 7300 Mieträder

an, so der Senatspolitiker. Auf dem

zweiten Platz folgt Lidl-Bike, das

einstige Call-A-Bike der Bahn, mit

zirka 3000 Zweirädern. Deezer Nextbike

offeriert zirka 2500 gemeinschaftlich

genutzte Räder. Als weitere

Anbieter nannte Staatssekretär

Streese Jump von Uber und Donkey

Republic (jeweils tausend Räder),

Lime (700) und Byke (50). DieZahlen

schwanken je nach Jahreszeit.

Gebühren gefordert

Derzeit stehen aber die elektrischen

Tretroller im Zentrum der Debatte.

Doch zu den E-Scootern, die Straßen

und Gehwege bevölkern, kann der

Senat noch nicht viele Angaben machen.

Nursoviele:Vier Anbieter seien

im Juni gestartet, fünf hätten dies angekündigt

oder zeigten Interesse.

Lime habe mit Einzelzulassungen für

250 elektrische Tretroller angefangen.

Zu den elektrischen Motorrollern

heißt es, dass Emmy rund 800 und

Coup zirka 1500 Zweiräder dieser

Art anbietet. Felyx käme im Oktober

dazu, so Streese.Und was ist mit dem

Carsharing? Es gibt Anbieter, deren

Fahrzeuge an Stationen abgeholt

werden müssen –inBerlin seien es

900 Autos,soder Senat. Anteil der E-

Autos: weniger als ein Prozent. Im

Free-Floating-Carsharing, bei dem

die Autos auf den Straßen verteilt

werden, gab es Ende Juni 3100 Fahrzeuge.Weniger

als zehn Prozent sind

E-Autos.Dank WeSharekamen 1500

elektrische Carsharing-Autos dazu.

„Es sollte erwogen werden, Gebühren

für die Nutzung des öffentlichen

Straßenlandes durch Sharinganbieter

zu erheben“, sagte Frank

Scholtysek (AfD). „Es ist nicht einzusehen,

warum von der zusätzlichen

Verstopfung der Straßen nur die Unternehmen

profitieren sollten und

nicht auch die Landeskasse.“

Rund 200 Personen haben Wolf Biermann einst bespitzelt. Am Sonntag trat der Liedermacher erstmals auf dem Gelände des einstigen Stasi-Gefängnisses auf.

Mit der Gitarre auf dem Knast-Hof

Beim ersten Tagder offenen Tür in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen trat Wolf Biermann auf

VonMechthild Henneke

Der Auftritt an diesem Ort

ist etwas ganz Außerordentliches“,

sagt Wolf

Biermann am Sonntag,

kurz bevor er die Bühne im Hof des

ehemaligen Stasi-Gefängnisses in

Hohenschönhausen betritt. Der 82-

jährige Liedermacher ist selbst jahrelang

bespitzelt und schikaniert

worden, bevor er 1976 aus der DDR

ausgebürgert wurde. Jetzt singt er

erstmals vor den vergitterten Fenstern

der Gedenkstätte, hinter denen

einst Regimekritiker gefangen gehalten

wurden.

Rund 700 Menschen sind gekommen,

um den prominentesten DDR-

Dissidenten zu hören. Sein Repertoire

hat Biermann dem Ort angepasst.

Er spielt auf dem rund einstündigen

Konzert zum Beispiel die

„Stasi-Ballade“, in der er ironischbitter

mit den Menschen abrechnet,

die ihn jahrelang verfolgten und die

an diesem OrtGefangene körperlich

und seelisch traktierten.

Es ist der erste Tagder offenen

Tür, der Gedenkstätte, Haftkrankenhaus,

Archiv und die Sonderausstellung

„Stasi in Berlin“ präsentiertund

aus dessen Anlass Biermann singt. In

insgesamt 40 Führungen ziehen

Menschen am Sonntag durch die

Gebäude. Sie sind besonders beeindruckt

von den persönlichen Geschichten,

die sie erfahren.

Den 38-jährigen Dennis, der mit

seiner Frau und seinen sieben und

elf Jahrealten Söhnen in die Gedenkstätte

kam, berühren die Erzählungen

eines Zeitzeugen. „Erwar erst 17

Jahre alt, als er hierher gebracht

wurde“, sagt er. Dennis, der seinen

Nachnamen nicht nennen möchte,

lebt ganz in der Nähe der Gedenkstätte.„Voneinem

vergitterten Fenster

konnte ich unser Haus sehen.“

Dieser Anblick habe ihn getroffen.

Dass diese „geheimste Herzkammer

der Staatssicherheit“, wie der

Zeitzeuge Mike Fröhnel, 54, den Ort

nennt, mitten in Berlin lag, wussten

zu DDR-Zeiten nur Eingeweihte.Auf

den Landkarten war an der Stelle des

Stasi-Gefängnisses ein weißer Fleck.

Auch die Menschen, die hierher

Ein Mann, eine Gitarre –Wolf Biermann sang seine Balladen vor rund 700 Menschen.

transportiert wurden, erfuhren

nicht, wo sie sich befanden. „Ich

dachte, ich sei in Ahrensfelde“, sagt

Fröhnel, der als junger Mann sechseinhalb

Jahreinhaftiertwar.

Die Schrecken der Vergangenheit

fühlen die Besucher sofort, wenn sie

die Gebäude,vor allem die winzigen

Zellen, betreten. Undwer immer die

DDR-Zeit erlebt hat, erinnertsich an

MARKUS WÄCHTER(2)

eigene Erfahrungen. Der Schauspieler

Rüdiger Joswig („Küstenwache“),

der mit seiner Frau Claudia Wenzel

und dem Schauspieler Michael

Mendl kam, hatte vier Jahre Berufsverbot

in der DDR. Nach 36 Ausreiseanträgen

konnte er 1987 das Land

verlassen. Mitseiner Frau hält Joswig

Lesungen vorSchülern, in denen das

Paar über seine Erfahrungen in der

DDR berichtet.

Wiewichtig es ist, die Erinnerung

zu bewahren, betont der französische

Künstler Paul Beanti, der gegenüber

der Gedenkstätte sein Atelier

hat. „Was hier passiert ist, darf

nicht vergessen werden“, sagt er.

Dafür kämpft auch Biermann, der

zwischen den Liedernvon der DDR-

Zeit berichtet. Er ist immer noch

streitbar und hat erst kürzlich einen

Aufruf unterzeichnet, der gegen den

Auftritt des Ex-Linke-Chefs Gregor

Gysi beim Jahrestag des 9. Oktobers

1989 in Leipzig protestiert. Biermann

bleibt kompromisslos. „Ich

habe hier nie gesungen –auch nicht

in einer Zelle“, sagt er am Sonntag

kämpferisch. Das Publikum honoriertseine

Haltung mit Applaus.

Mechthild Henneke

hörte den Zeitzeugen mit

großem Interesse zu.

SPD-Vorsitz:

Giffey legt sich

nicht fest

Ihre Partei fordert sie auf,

für „Regeln“ einzutreten

Bundesfamilienministerin

Franziska

Giffey hat sich zur Frage einer

möglichen Kandidatur für den

SPD-Vorsitz noch nicht festgelegt.

„Ich werde mir die Zeit nehmen, die

es braucht, um diese Frage zu überdenken

und mich dann rechtzeitig

dazu äußern“, sagte sie dem Tagesspiegel.

„Das sollte keine leichtfertige

Entscheidung sein –für niemanden“,

betonte die ehemalige Neuköllner

Bürgermeisterin. Für sie sei

das immer auch „eine Frage der Vereinbarkeit

vonFamilie und Beruf“.

Giffey forderte ihre Partei außerdem

auf, für Ordnungs- und Leistungsprinzipien

einzutreten. „Regeln

müssen durchgesetzt werden –

in der Flüchtlings- und Integrationspolitik

genauso wie in allen anderen

Bereichen.“ Die Durchsetzung von

Regeln sei in der SPD „ein wenig aus

dem Fokus geraten“, sagte die Ministerin.

Soziale Gerechtigkeit und Freiheit

könnten aber ohne sie nicht

funktionieren, weil Leute frustriert

würden, „wenn sie selber ein Parkticket

bekommen, aber der Drogendealer

an der Ecke weitermacht“.

Die Ministerin fügte hinzu: „Für

alle gilt das Gleiche. Anders funktioniert

esnicht.“ Sofern die Politik Regeln

nicht durchsetze, habe das weitreichende

Folgen. „Dann wenden

sich Menschen ab, weil sie sich in

dem was sie täglich sehen, was ihnen

Sorgebereitet, nicht verstanden fühlen“,

warnte Giffey.

DieimUmfragekeller steckenden

Sozialdemokraten suchen nach dem

Rücktritt von Parteichefin Andrea

Nahles eine neue Führung. Kandidaten

haben bis zum 1. September Zeit,

ihren Hutinden Ring zu werfen. Der

Vorsitz soll nach einer Mitgliederbefragung

auf einem Parteitag Anfang

Dezember besetzt werden. Diekommissarischen

Parteichefs hatten ausdrücklich

Teams zur Kandidatur ermutigt.

Die Freie Universität Berlin (FU)

prüft seit Februar Giffeys Doktorarbeit

wegen eines Plagiatsverdachts.

Wann die Prüfung abgeschlossen

sein wird, ist noch unklar.Giffey promovierte

von 2005 bis 2009 im Bereich

Politikwissenschaft am Otto-

Suhr-Institut der FU. Ihre Dissertation

verfasste sie zum Thema „Europas

Wegzum Bürger –die Politik der

Europäischen Kommission zur Beteiligung

der Zivilgesellschaft“. (dpa)

Vermischtes

dienstleistungen

Entrümp.,10%Rabatt f. Seniorenbei Leerwhg.

an- und Verkäufe

Kaufgesuche

Kaufe Ölgemälde, Münzen, Antiquität.Dr.

Richter, 01705009959

Sofort

Barauszahlung!

berliner adressen

Wir kaufen alle EDELMETALLE...

Zahngold - Altgold

Faire Preise!

Schmuck - Münzen - Platin - Silber

Zinn und Versilbertes

Berlin-Tegel

Grußdorfstr.16, gegenüber derGorki-Einkaufspassage

Mo.-Fr.: 9.00 -13.00 u. 14.00 -18.00 Uhr, Sa.: 9.00 -13.00 Uhr

seit 41 Jahren

Schwäbische

schwäbisch solide, fleißigund schnell

Goldverwertung Reutlingen

Tel. 07121/38 13 01 Fax07121/38 03 25

Waimer GmbH

www.waimergold.de

Wir bringen

Lachen zu

kranken

Kindern!

Spenden Sie

jetztfür Clowns

im Krankenhaus!

www.rotenasen.de

Spendenkonto: 1133

Bank fürSozialwirtschaft

BLZ100 20500

Telefonische anzeigenannahme: 030 2327-50

Hilfe für pflegebedürftige alte Menschen!

In Würde alt werden ·www.senioren-bethel.de


14 Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Berlin/Brandenburg

GdP-Chef

warnt vor

der AfD

Die Partei widerspreche

Berufsethos der Polizei

Ineinem am Sonnabend veröffentlichten

Brandbrief der Gewerkschaft

der Polizei (GdP) warnt der

Berliner Landesvorsitzende Norbert

Cioma vor der AfD: „Demokratisch

gewählt heißt nicht demokratisch

sein“. Die AfD stehe für menschenverachtende

Inhalte,Populismus und

spiele mit den Ängsten und der Frustration

der Menschen.

Zugleich äußerte Cioma Mitleid

für seine Kollegen in den Bundesländern,„in

denen man sich in absehbarerZeit

als GdP womöglich mit einem

AfD-Innensenator herumplagen

muss“. In den betroffenen Landesbezirken

sei den Kollegen „schon mehrfach

deutlich der dann anders wehende

Wind angedroht“ worden. Die

AfD, ist Cioma überzeugt, „will Gewerkschaften

abschaffen“.

Bereits vergangene Woche hatte

Benjamin Jendro, Sprecher der GdP,

der Berliner Zeitung auf Anfrage gesagt,

dass „natürlich auch einige Berliner

Polizisten die AfD gewählt“ hätten.

Beider GdP betrachte man diese

Entwicklung aber mit Sorge, weil die

AfD „dem Berufsethos demokratischer

Polizistinnen und Polizisten

und somit unseren Grundsätzen widerspricht“.

Jetzt legt Landeschef Cioma mit

deutlichen Worten nach und machte

deutlich, dass die Gewerkschaft an einem

Austausch mit der AfD keinerlei

Interesse hat. Selbstverständlich beantworte

man Fragen von Abgeordneten

der Partei, auf einen proaktiven

Austausch wie mit den anderen fünf

im Abgeordnetenhaus vertretenen

Parteien verzichte man aber ebenso

wie auf Diskussionsrunden mit AfD-

Vertretern auf dem Podium, heißt es

in dem Statement. Man habe, soCioma

wörtlich, „mit dieser Partei rein

gar nichts zu bereden und werden nie

an einem Strang ziehen“.

Mit Blick auf Berliner Polizisten,

die AfD-Wähler seien, sagte der Berliner

Gewerkschafts-Chef, man werde

zwar „auch in Zukunft niemanden

bevormunden“. Es sollte aber „jedem

klar sein, dass die GdP für Inhalte und

Werte steht, die nicht mit denen der

AfD in Einklang zu bringen sind“. Als

Gründe, weshalb Polizisten die AfD

wählen würden, werden nach Ciomas

Worten „vor allem ein generelles

Misstrauen gegenüber polizeilichem

Handeln sowie jahrelanges Schweigen

über Probleme der inneren Sicherheit

und damit verbundene Tatenlosigkeit

der anderen Parteien“ genannt.

(pde.)

Taxifahren in Berlin wird teurer

Nach jahrelanger Pause steigen die Fahrpreise. Die Lage der Branche bleibe trotzdem prekär

VonPeter Neumann

So viel Preisstabilität gibt es

sonst nur selten. Schon seit

mehr als vier Jahren sind die

Taxitarife in Berlin unverändert.

Doch jetzt ist eine Erhöhung

der Fahrpreise in Sicht. „Die Senatsverwaltung

für Umwelt, Verkehr und

Klimaschutz bereitet derzeit die Senatsvorlage

zu den Taxitarifen vor“,

sagte Behördensprecherin Dorothee

Winden auf Anfrage. „Die nächsten

Schritte sind die Mitzeichnung der

beteiligten Senatsressorts und ein

Senatsbeschluss.“ Noch in diesem

Sommer,sagen Beobachter,könnten

die neuen Tarife in Kraft treten. Was

kommt dann auf die Fahrgäste zu?

Dazu zwei Beispielrechnungen:

Eine Fünf-Kilometer-Tour, zum Beispiel

vom Alexanderplatz zur Stargarder

Straße in Prenzlauer Berg,

verteuert sich um 1,50 Euro auf etwas

mehr als 15 Euro.Wer zehn Kilometer

im Taxi zurücklegt, etwa vom

Hardenbergplatz am Zoozur Puschkinallee

in Treptow, legt demnächst

2,55 Euro drauf. Dann werden für so

eine Taxifahrtknapp 25 Euro fällig.

Wersich den künftigen Preis für

seine Strecke schon mal ausrechnen

möchte, kann sich anhand des Entwurfs

der neuen „Verordnung über

Beförderungsentgelte im Taxiverkehr“

orientieren. DerTarifplan liegt

der Berliner Zeitung vor. Bis sieben

Kilometer beträgt der Kilometertarif

künftig 2,30 Euro –derzeit sind es

zwei Euro.Danach werden statt 1,50

demnächst 1,65 Euro pro Kilometer

fällig. Immerhin: Der Grundpreis

bleibt in jedem Fall bei 3,90 Euro.

Viel preiswerter als in Hamburg

Angehoben wird jedoch der Pauschaltarif

für Kurzstrecken –von fünf

auf sechs Euro.Dieses Angebot ist als

„Winkemanntarif“ bekannt: Werauf

der Straße ein Taxi herbeiwinkt und

maximal zwei Kilometer mitfährt,

kann es für diesen Preis nutzen.

Wartezeiten von mehr als einer

Minute schlagen bald ebenfalls stärker

zu Buche. Wer ein Taxi warten

lässt (zum Beispiel, weil er nach dem

Bestelltermin am Fahrzeug eintrifft),

zahlt statt 30 demnächst 33 Euro pro

Stunde. Hier wollte die Taxibranche

ursprünglich eine Erhöhung auf

36 Euro proStunde durchdrücken.

Doch der Gutachter Thomas

Krause aus Hamburg, der die Tarifanträge

im Auftrag des Senats geprüft

hat, setzte ein Stoppzeichen. Schon

jetzt liege dasWartezeichenentgelt in

Berlin deutlich über dem Niveau andereGroßstädte,rechnete

er vor–im

Durchschnitt sind es 28,80 Euro.Ansonsten

aber gehöreBerlin aktuell zu

Hallo Taxi! Eine Rufsäule in Berlin. Mehr als 8000 Taxis gibt es hier. IMAGO IMAHES/ JÜRGEN RITTER

StarkeKonkurrenz: Taxi?

Nein danke! Nicht nur ausländische

Touristen, die dieses

Verkehrsmittel in ihrer

Heimat nicht mehr nutzen,

greifen lieber auf digitale

Fahrdienste zurück –zum

Beispiel Uber.Mietwagen

mit Fahrer,bequem per App

zu rufen, machen der Taxibranche

auch in Berlin zunehmend

Konkurrenz.

ZUSCHLAG FÜR TEGEL KÜNFTIG ZWEI EURO?

Stress am Flughafen: In Tegelgibt

es immer wieder Ärger.

Anlass sind nicht nur die

neuen Fahrdienste, auch

manche Taxifahrer.Die

„Schwarzlader“ sparen sich

das Warten auf dem offiziellen

Nachrückeplatz an der

Flughafenzufahrtund fahren

direkt zu den „Ladeleisten“,

an denen gerade eingetroffene

Fluggäste warten.

Schrankenlos: Mit Schrankenvor

den Terminals Aund

Cwollte die Flughafengesellschaft

die Zufahrtregeln.

Doch das Projekt wurde

abgesagt. Mit Denkmal- und

Brandschutz sei es nicht zu

vereinbaren. Folge: Zur geplanten

Erhöhung des

Zuschlags für Taxifahrten ab

Tegelvon 50 Cent auf zwei

Euro wird es nicht kommen.

den„eher preiswerten deutschen Taxistädten“,

stellte der Gutachter fest.

So sei Taxifahren im Hamburg gut

20 Prozent teurer. Anders gesagt:

Berliner Taxifahrer hätten einen größeren

Schluck aus der Pulle verdient.

Krause sprach sich während des

Genehmigungsverfahrens dafür aus,

die Fahrpreise stärker zu erhöhen als

die Taxi-Innung und die Berliner Taxivereinigung

beantragt hatten.

Während die Branchenverbände Tarifanhebungen

rund acht Prozent

mehr Geld wollten, schlug der Hamburger

Taxi-Experte sogar eine Anhebung

um 10,7 Prozent vor –zu der

es nun offenbar auch kommen soll.

Denn nach Krauses Berechnungen

lägen die Gesamtkosten der Taxiunternehmer

im kommenden Jahr

um rund 10,5 Prozent höher als

2015 –dem Jahr der jüngsten Tariferhöhung.

Ein Faktor sei der Mindestlohn,

der in diesem Jahr von8,85 auf

9,19 Euro pro Stunde erhöht wurde

und 2020 auf 9,35 Euro steigen soll.

Keine Investoren im Rücken

Leszek Nadolski weiß schon, was

jetzt kommt. „Sicher werden sich

viele mokieren, dass Taxifahren wieder

teurer wird“, sagte der Erste Vorsitzende

der Berliner Taxi-Innung.

Doch während die Fahrpreise unverändert

blieben, sei die Kostenbelastung

gestiegen. „Auch wir haben mit

Teuerungsraten zu kämpfen und

müssen, soweit wir uns nicht selbst

ausbeuten, Mindestlöhne zahlen“,

gab der Taxifahrer zu bedenken.

Generell müsse die Taxibranche

andere, zum Teil härtere Regularien

einhalten als Fahrdienste wie der

Berlkönig der BVGoder Clever Shuttle.

So hätten Taxibetriebe immer

dann, wenn sie bei der Behörde ihre

Konzession verlängern lassen wollen,

wirtschaftliches Arbeiten nachzuweisen

–während es sich die Konkurrenz

lange leisten könne,Verluste

zu erwirtschaften. „Wir sind selbstständige

kleine Unternehmer, die

keine milliardenschweren InvestorenimRücken

haben“, so Nadolski.

Wasden Innungs-Chef besonders

ärgert: Die Senatsverwaltung habe

sich„selbst für BerlinerVerhältnisse“

ungewöhnlich viel Zeit gelassen. Der

Tarifantrag sei bereits vor 15Monaten

bei ihr eingegangen. Doch das

Verfahren ging sehr zögerlich voran–

unter anderem mit dem Argument,

dass erst einmal eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung

eingeholt werden

müsse. „Dadurch spielte man

den neuen Firmen wie Uber, Clever

Shuttle und Berlkönig in die Karten“,

kritisierte der Innungs-Chef. Auch

wenn bald die Fahrpreise steigen:

DieLage der Branche bleibe prekär.

Lieberoser

Heide weiter

in Flammen

Zwei Brände auf 100 Hektar

Wald- und Heidefläche

Im südlichen Brandenburg hatte

die Feuerwehr am Sonntag weiterhin

mit Waldbränden zu kämpfen.

Vor allem die Lieberoser Heide

(Dahme-Spreewald) war betroffen.

„Derzeit brennt es auf etwa 80

Hektar“, sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle

Lausitz am Sonntagnachmittag.

Die Feuerwehr sei mit

90 Mann und 24 Fahrzeugen in dem

Gebiet unterwegs. „Der Nieselregen

hat uns in der Nacht nur wenig geholfen“,

erklärte der Sprecher. Erst

am Freitag hatte die Feuerwehr ihren

Einsatz in dem teils mit Munition belasteten

Gebiet beendet. Dann brach

das Feuer erneut aus.

Der zweite Brand entlang der

Bahnstrecke zwischen Falkenberg

und Finsterwalde (Elbe-Elster) war

am Sonntagmorgen zumindest teilweise

gelöscht. In Finsterwalde

brannte es aber noch auf rund 18

Hektar in dem Waldgebiet Bürgerheide.

Auch dort sei alte Munition

ein Problem. (dpa)

GEWINNZAHLEN

Lottozahlen: 19 -22-27-40-45-46

Superzahl: 9

Spiel 77: 3123155

Landeslotterie Super 6: 181555

Glücksspirale: (Gewinner nach Endziffern)

5=10Euro

16 =25Euro

908 =100 Euro

2498 =1000 Euro

27 188 =10000 Euro

499 847 =100 000 Euro

244 530 =100 000 Euro

Prämie: Monatliche „Sofortrente“ in Höhe von

10 000 Euro auf die Nummer 3738 566.

ARD-Fernsehlotterie:

9084 143 gewinnt einen VW Up

3892 958 gewinnt einen VW Golf

0850 415 gewinnt Reise nach Warnemünde

9041 282 gewinnt eine Kreuzfahrt

Prämienziehung (nur für Mega-Lose):

7633 199 gewinnt 1000 000 Euro

319 689 gewinnt 100 000 Euro

11 703 gewinnt 10 000 Euro

5505 gewinnt 1000 Euro

10 gewinnt 10 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

Elch-Erlebnis in Schweden

Die Schönheiten Südschwedens entdecken

LESERREISEN

INFORMATIONEN UND BUCHUNG

030 –683890

Kennwort: Berliner Zeitung

©flyfischer/fotolia.com

21.09. -23.09.2019

09.10. -11.10.2019

ab €359,–

p. P. im DZ

Im Preis enthaltene Leistungen:

·Hin- und Rückfahrt im Komfortreisebus

·1xSektfrühstück plus

·Fähre Travemünde -Trelleborg -Travemünde

·2xÜNinder gebuchten Kabinenkategorie

·2xFrühstücksbuffet, 2xAbendbuffet inkl.

3Getränken (Wein, Bier, Softdrinks) an Bord

·ganztägige Südschweden-Rundfahrt

·Eintritt Elchpark inkl. „Elchsafari“ in Markaryd

·Besichtigung Schloss Bosjökloster

·Stadtrundgang in Wismar

·Reiseleiter ab/bis Berlin

Zusätzliche Kosten p. P.:

·EK-Zuschlag: €50,-

·Zuschlag Außenkabine €20,-

·Zuschlag Termin 1€30,-

Mehr Informationen unter www.berliner-zeitung.de/leserreisen |leserreisen@berliner-zeitung.de

Detaillierte Informationen zur Reise und rechtliche Hinweise erhalten Sie vor Buchung vom Reiseveranstalter.

Reiseveranstalter (i. S. d. G.): BVB-Touristik /Freizeitreisen KG, Grenzallee 15, 12057 Berlin

Eine Fahrt nach Südschweden ist das ideale

Ziel für alle, die einmal kurz dem Alltagsstress

entfliehen wollen. Für wenig Geld fahren Sie

komfortabel über die Ostsee, erleben das Gefühl

der Weite und genießen die Seeluft. Auf

einer ausgedehnten Südschweden-Rundfahrt

erleben Sie die Schönheiten des Landstrichs

Skane. Neben den kulturellen Sehenswürdigkeiten

erwartet Sie eine Elchsafari, ein einmaliges

Erlebnis für Groß und Klein. Vielleicht

möchten Sie mit Ihren Enkeln oder der ganzen

Familie verreisen... wir haben auch einen Ferientermin

ausgewählt.

©TT-Line


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 15 *

·························································································································································································································································································

Lokalsport

Positive Gefühle

Bogenschützin Elena Richter gewinnt beim Weltcup in Berlin mit dem Team Silber.Esist auch das Ergebnis eines ständigen sich Hinterfragens

VonChristian Kattner

Die letzte Notiz musste

noch schnell in das

kleine Heft geschrieben

werden. Es war, nach

zwischenzeitlich weniger guten Ergebnissen,

zumindest noch einmal

eine Zehn, die Elena Richter da vor

der Siegerehrung in ihrem Büchlein

vermerken konnte.Inder Regel wird

die Aufnahme der Pfeile notiert, „im

Finale schreibe ich mir aber auch

auf, wie viele Pfeile ich geschossen

habe“, erzählt die Berliner Bogenschützin.

Neben einer zweiten Zehn,

gleich mit dem ersten Pfeil des Finals

am Sonntagvormittag, konnte sie

auch eine Neun sowie eine Acht,

aber eben auch zweimal die Sieben

eintragen. Schüsse, die beim Weltcup

am Anhalter Bahnhof gegen Italien

den Unterschied machten. Mit

1:5 musste sich Elena Richter mit ihren

beiden Teamkolleginnen Lisa

Unruh und Michelle Kroppen geschlagen

geben, der Schritt auf die

oberste Stufe des Siegerpodests blieb

also verwehrt. Finale verloren, Silber

gewonnen – ein Gefühl, das nach

kurzzeitiger Enttäuschung schnell in

das Bewusstsein rückte.

Tückischer Wind

Aufdie Tage vonBerlin kann Richter

sehr positiv zurückblicken. Am Mittwoch

feierte sie ihren 30. Geburtstag,

tags darauf beendete sie die Einzelkonkurrenz

mit dem Recurvebogen

als Zehnte.„DieVorrunde war ergebnistechnisch

unter dem, was ich

kann. Als Zehnte war ich aber dann

doch ganz gut platziert“, sagt sie im

Rückblick.Vorallem derWind erwies

sich in den erstenWeltcup-Tagen auf

dem Maifeld vor dem Olympiastadion

als zusätzlicher Gegner. Auch

wenn Richter den Wind nicht als

Darauf eine Faust: Elena Richter (l.), Lisa Unruh und Michelle Kroppen überzeugen auf dem Maifeld genauso wie am Anhalter Bahnhof.

IMAGO IMAGES

Ausrede gelten lässt, so spürte auch

sie dessen Auswirkungen. „Es sind ja

zwei Problematiken“, sagt sie, „der

Wind am Körper und der Wind am

Pfeil, der dadurch abgetrieben wird.

Teilweise kam alles zusammen.“

Simulieren kann man solche Bedingungen

kaum. Wenngleich das

deutsche Team in Hohenschönhausen

tatsächlich einen windigen Trainingsplatz

besitzt. Unter Wettkampfbedingungen,

auf teilweise

unbekannten Anlagen, ist aber alles

anders. Auch deshalb nutzte Richter

beispielsweise den Freitag für zusätzliches

Training auf dem Maifeld,

am Sonnabend fuhr die deutsche

Mannschaft zum Trainingsplatz

nach Hohenschönhausen. Geschlossen

vomHotel, in dem die Berlinerinnen

auch in ihrer Heimatstadt

in der vergangenen Woche übernachteten.

Jede Möglichkeit des

Trainings wurde genutzt. DasGefühl

in und das Vertrauen auf die eigene

Technik sind extrem wichtig. Jede

kleine Änderung kann den sensiblen

Ablauf stören, das System ins Wackeln

bringen. In Minsk, eine Woche

vor dem Weltcup in Berlin, war die

Ausrüstung der deutschen Bogenschützinnen

beim Hinflug verloren

gegangen. Und mit Ersatzausrüstung

schießt es sich eben nicht so

gut. „Das hatte mein Vertrauen in die

Technik zurückgeworfen. Hier in

Berlin ist zum Glück alles gleich da

gewesen“, sagt Richter.

Die 30-Jährige hat man in diesen

Tagen häufig lächelnd gesehen. „Das

Verhalten wirkt sich auch auf das Gefühl

aus. Gerade wenn man sich unter

Stress oder eingeschüchtert von

der Situation fühlt, sollte man sich

noch mal groß machen, lächeln und

einfach positiv bleiben. Dasist super

wichtig“, sagt sie. Gerade beim

Thema Sportpsychologie hat die

Sportsoldatin ihre Arbeit in den vergangenen

Monaten intensiviert.

Geht ein Pfeil, so wie im Finale am

Sonntag, eben mal nur in die Sieben,

sollen positiveGedanken bei der Bewältigung

dieser Situation helfen.

Auch das kleine Notizheft kommt gezielt

zum Einsatz. „Tatsächlich

nehme ich mir nach dem Wettkampf

noch einmal Zeit, wenn ich das Gefühl

habe, dawar etwas Wichtiges

dabei, das ich mir gerne notieren

möchte“, sagt sie,„in den vergangenen

Tagen habe ich das noch mal genutzt,

habe zurückgeblättertund geschaut,

was waren bei anderen Wettkämpfen

die Schlagworte, die mich

wieder zurückgeholt haben.“

Technik umgestellt

Neben der psychologischen Komponente

sind es noch andere Aspekte,

die Richter verändert hat. „Im vergangenenWinter

hat sie ihreTechnik

noch etwas umgestellt. Um mehr

Stabilität zu erlangen, hat sie mehr

Pfeile in der Vorbereitungszeit geschossen.

Auch das Krafttraining

wurde intensiviert, der Fokus anders

gelegt. Der sportliche Erfolg ließ

nicht lange auf sich warten: Das Ticket

für die Olympischen Spiele in

Tokio im kommenden Jahr hat die

deutsche Mannschaft bereits sicher.

Einen Vorgeschmack gibt es vom

12. bis 18. Juli bei einer olympischen

Testveranstaltung in der japanischen

Hauptstadt, am Dienstag geht

das Flugzeug. Neben der eigenen

Ausrüstung, die dann hoffentlich ankommt,

hat Richter dann auch die

positiven Gedanken an die Silbermedaille

und ihren Notizblock im

Gepäck.

KICKER

Menz wird Vikinger

Sentürk wird befördert

Krüger wird besiegt

Christoph Menz ist zurück in Berlin.

Der Defensiv-Allrounder,

der einst beim 1. FC Union ausgebildet

wurde,schließt sich dem FC Viktoria

1889 an. Für den Regionalligisten

aus Lichterfelde kickte Menz, 30,

bereits ein halbes Jahr von Sommer

bis Winter 2018, ehe er sein Glück

noch einmal in der Dritten Liga versuchte

und Eintracht Braunschweig

beim Klassenerhalt half.

Bei den Niedersachsen löste der

gebürtige Magdeburger seinen Vertrag

jedoch aus „persönlichen Gründen“

auf. Die Rückkehr zu Viktoria

hat nicht nur sportliche Gründe.Neben

seinen Verpflichtungen als Spieler

wird Menz eine Rolle im neu

strukturierten Nachwuchs des

Klubs, den Vikingern, übernehmen.

Am Sonnabend gewann Viktoria den

Test gegen den VfB Krieschow4:1.

Ufuk Sentürk ist der Tausendsassa

beim Berliner AK. Er trainiert

nicht nur die U13-Mannschaft

des Moabiter Klubs, sondern wird

auch als medizinischer Berater der

Regionalliga-Mannschaft eingesetzt.

Offensichtlich fühlen sich die Spieler

so gut aufgehoben bei ihm, dass

auch der türkische Fußballverband

nicht auf seine Kenntnisse verzichten

möchte.

Zumzweiten Malberief der türkische

Nationaltrainer Senol Günes

Sentürknun in seinen Stab.Dortsoll

er die Position des verantwortlichen

Teamarztes bekleiden und maßgeblich

an der Rehabilitation der Nationalspieler

mitwirken. Sentürk hat

übrigens eine blau-weiße Vergangenheit.

Als Medizinstudent assistierte

er Herthas Teamarzt Ulrich

Schleicher.

Katharina Krüger, 29, ist es nicht

gelungen, zum sechsten Maldie

German Open im Rollstuhltennis in

ihrer Heimatstadt Berlin zu gewinnen.

Am Sonnabend unterlag die

Studentin der Reha-Pädagogik auf

der Tennisanlage der Zehlendorfer

Wespen der Chinesin Zhenzhen Zu

mit 0:6, 0:6. Zhenzhen holte sie gesternauch

den Titel gegen die Kolumbianerin

Angelica Bernal (6:2, 7:6).

Das Turnier in Berlin bildet gemeinsam

mit den Deutschen Meisterschaften

in Leverkusen eine Art

Doppel, das es den Sportlernermöglicht,

sich und ihren Sport der Öffentlichkeit

zu präsentieren. Krüger,

bei den Paralympics 2008, 2012 und

2016 mit zwei neunten Plätzen im

Einzel und Platz fünf im Doppel erfolgreich,

strebt die Teilnahme an

den Paralympics 2020 an.

Meinen Ausbildungsplatz habe

ich auf azubis.de gefunden!


16 * Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Sport

Rotkäppchen

für den

Sachsenking

MotoGP-Star Marc Márquez

feiert historischen Sieg

VonMax Ohlert

Dass er weiß, wie man in Sachsen

große Erfolge feiert, steht nach

dem zehnten Sieg im zehnten Rennen,

in das Marc Márquez, 26, zum

zehnten Mal von der Pole Position

gestartet war, wohl endgültig fest.

Kaum hatte der Spanier die Ziellinie

am Sachsenring überquert, ließ er

seine Honda zur Zuschauertribüne

ausrollen, kletterte da über die Absperrung

und ließ sich eine Flasche

Rotkäppchensekt reichen, den er

über die jubelnden Motorsportfans

versprühte. Untermalt wurde das

Schauspiel vonkrachenden Raketen

aus der Silvester-Batterie. Rotkäppchen

und Böller, oder: ein ganz normaler

Sonntagnachmittag in Hohenstein-Ernstthal.

Pech für Rins und Quartararo

Dabei war der historische Sieg vom

„Sachsenking“ Márquez auf seiner

Lieblingsstrecke nur eine von vielen

Geschichten, die das letzte MotoGP-

Rennen vor der vierwöchigen Sommerpause

schrieb. Denn während

der Repsol-Honda-Pilot den edlen

Qualitätsschaumwein versprühte,

saßen Alex Rins (Suzuki) und Fabio

Quartararo (Petronas-Yamaha)

längst betrübt in ihren Fahrerboxen.

Für den französischen Shootingstar

Quartararo, 20, war es nach seinen

jüngsten Glanzleistungen in Assen

(Rang drei) und Barcelona (Rang

zwei) ein Rennen zum Vergessen.

Von Platz zwei startend setzte sich

der Youngster zunächst an die Spitze

des Feldes, touchierte in der ersten

Kurve aber Kontrahent Jack Miller

(Pramac-Ducati) und fiel auf Platz

sieben zurück. Zwei Runden später

ging er bei einem Überholmanöver

zu tief in die Kurve und stürzte −

Rennende!

Marc Márquez (r.) jubelt am Sachsenring

stilecht mit Sekt aus der Region. DPA/MICHAEL

Ähnlich übel erwischte es Alex

Rins.Schon in der vergangenen Woche

war der 23-Jährige in Assen als

Führender gestürzt, am Sachsenring

erwischte es ihn auf Platz zwei liegend.

Entsprechend bedient war der

Katalane, der sich wenig um die anwesenden

Kameras scherte, als er

vorblanker Enttäuschung seine Fahrerboxzusammenbrüllte.

Erfolgreicher lief der Ritt vor

mehr als 200 000 Zuschauern für

Maverick Viñales (Yamaha). Der

Teamkollege von Valetino Rossi

(wurde Achter) bestätigte seine

starke Leistung vom Sieg in Assen

und wurde hinter Márquez Zweiter,

Rang drei erkämpfte sich der Brite

CalCrutchlow(LCRHonda). Diebeiden

Ducati von Danilo Petrucci und

Andrea Dovizioso landeten auf den

Plätzen vier und fünf, Stefan Bradl

aus Augsburg sicherte sich als einziger

Deutscher im Fahrerfeld einen

ordentlichen zehnten Platz.

Noch besser lief es in der unterklassigen

Moto2 für Marcel Schrötter.

Der Bayer holte vor heimischem

Publikum sensationell den dritten

Platz und durfte auf dem Podest mit

Álex Márquez, dem Bruder von

Sachsenking Marc, jubeln, der das

Rennen der Moto2 gewann. Noch

ein Grund mehr für weitereFlaschen

Rotkäppchensekt.

Rampensau aus Überzeugung: Sprinter Peter Sagan vom Team Bora-hansgrohe

Die Rad-Rocker

Das deutsche Team Bora-hansgrohe genießt bei den Fans der Tour de France große Sympathien

VonStephan Klemm, Brüssel

VonStephan Klemm, Brüssel

Nach der Extrembelastung beginnt

die Suche nach festem

Boden unter der körpereigenen Sitzfläche.

Das Jumbo-Visma-Team, als

Letztes gestartet, und mit der besten

Zeit beim Mannschaftszeitfahren in

Brüssel gestoppt, fand hinter dem

Ziel in der Nähe des Atomiums allerdings

schnell ein Plätzchen voreiner

Tribüne. Dasaßen die tempofesten

Fahrer des Teams um den deutschen

Zeitfahr-Experten Tony Martin völlig

erschöpft nach 27 heftig heruntergekurbelten

Kilometern für die sie

knapp 29 Minuten benötigten,

kämpften um Luft und tranken so

viel Wasser wie möglich. Zwei Etappen

gab es bisher bei dieser 106. Tour

de France,beide hat die niederländische

Auswahl gewonnen, was bedeutet,

dass sie auch das Gelbe Trikot

in ihren Reihen präsentieren

kann – es trägt der Niederländer

Mike Teunissen, 26, Sieger des ersten

Tagesabschnitts am Sonnabend.

Jumbo-Visma duellierte sich

letztlich mit dem Team Ineos,das als

erste Mannschaft gestartet war und

geschlossen bis zum Schluss warten

Die Niederlage mag bitter

gewesen sein, ein paar

Zentimeter haben Peter

Sagan am Sonnabend ja

nur zum Etappensieg und zur Übernahme

des Gelben Trikots zum Tour-

Auftakt in Brüssel gefehlt. Doch negative

Gefühle sind dem slowakischen

Filou fremd. Stattdessen springt er

knapp 20 Minuten nach der Entscheidung

geduscht und bester Laune mit

einer Go-Pro aus dem Teambus,sagt:

„Hallo Leute“, dreht sich um sich

selbst und filmt die Szene. Und die

Leute, Hunderte sind um das Fahrzeug

von Sagans deutschem Team

Bora-hansgrohe versammelt, feiern

den Rockstar des Radsports, dessen

Beliebtheit in der Szene sich auf exakt

solchen Einlagen gründet.

Wie esihm nach der Niederlage

gegen den Niederländer MikeTeunissen

geht? Er lächelt. Überlegt: „Was

soll ich da machen?“ Er entscheidet

sich für Freude: „Ich bin sehr glücklich,

dass ich den Zwischensprint gewonnen

habe.Ich war Etappen-Zweiter,

habe viele Punkte für das Grüne

Trikot gesammelt. DasTeam funktioniert.

Daswar doch alles gut.“

Etwas abseits der Szene steht ein

ebenfalls entspannter Team-Manager

Ralph Denk: „Es war knapp, ja.

Aber verlieren gehört dazu.“ Es gibt

Mannschaften bei der Tour, die all

ihre Kraft auf einen einzigen Etappensieg

legen. Denk und Bora-hansgrohe

gehören nicht dazu, denn sie

besitzen bei dieser Rundfahrt nicht

nur die Option Sagan. Denks Tour-

Auswahl ist in jedem Terrain für die

Jagd nachTageserfolgen ausgerichtet:

Sagan bei den Sprints. Der deutsche

Meister Maximilian Schachmann hat

bei welligerem Terrain Chancen. Der

Ravensburger Emanuel Buchmann

„Ich war Etappen-Zweiter, habe viele Punkte

für das Grüne Trikot gesammelt.

Das Team funktioniert.

Das war doch alles gut.“

Peter Sagan hat trotz des verpassten Auftaktsieges gute Gefühle, was

den Verlauf der diesjährigen Tour de France angeht.

Luftholen am Atomium

Der Niederländer Mike Teunissen ist der Mann des ersten Tour-Wochenendes

Vorneweg: MikeTeunissen mit seinem Jumbo-Visma-Team.

musste, ob es mit dem Tagessieg

klappt. Den verpassten die Briten

um 20 Sekunden. Doch Ineos setzte

ein erstes Zeichen in Bezug auf die

Gesamtwertung. Während der französische

Mitfavorit Thibaut Pinot

mit seiner FDJ-Auswahl überraschend

nur zwölf Sekunden auf

Ineos um Vorjahressieger Geraint

Thomas verlor, war Romain Bardet,

AFP/MARCO BERTORELLO

die zweite französische Hoffnung,

mit seiner AG2R-Équipe fast eine Minute

langsamer als Ineos.

Die deutsche Mannschaft Borahansgrohe

blieb im Bereich der eigenen

Erwartungen. Das Team um

Emanuel Buchmann war als Tages-

Zwölfter 26 Sekunden langsamer als

Ineos. „Das ist okay“, sagte Team-

Mitglied Maximilian Schachmann.

AP/CAMUS

und der Österreicher Patrick Konrad

sollen in den Bergen überzeugen und

in der Tour-Endwertung in die Top-

Tenvordringen.

Wobei: DasTeam hätte nach dem

weggelächelten Sagan-Rückschlag

beinahe einen Buchmann-Rückschlag

hinnehmen müssen. Buchmann

stürzte in den Formationskämpfen

der Sprinter über den vor

ihm liegenden Niederländer Dylan

Groenewegen, der gut 1,5 Kilometer

vordem Ziel zu Fall kam. Doch Buchmann

kam mit einer Schramme am

Knie sowie Platzwunden an Oberlippe

und Kinn davon. Am Abend

hatte er zwar SchmerzenimKnie,die

aber am Sonntag verschwunden waren.

Denk sagte: „Stürze gehören

dazu. Ist jaalles gutgegangen.“ Das

betrifft auch Zeitrückstände. Weil

Buchmann in der neutralisierten

Drei-Kilometer-Zone stürzte, wurde

er mit derselben Zeit gewertet wie der

Tagessieger.

Sagan wiederum konzentriertsich

lässig auf seine nächsten Aufgaben:

Etappensiege und Punkte sammeln

fürs Grüne Trikot. Sollte er diesen

Dress zum Abschluss in Paris tragen,

wäreesSagans siebter Erfolg in dieser

Sonderwertung und ein Rekord. Bisher

teilt er ihn sich mit dem Berliner

Erik Zabel. Zum Abschied winkt Sagan

in die Menge. Sie reagiert mit

Kreischen. Abgang in den Bus. Ende

des Rockkonzerts.Zumindest für diesen

Tag.

Doch aus dem Team desWochenendes

ragte Mike Teunissen als

Mann der ersten beiden Etappen

heraus. AmSonnabend hatte er bereits

eine Geschichte mit einem nie

erwarteten Ende geschrieben. Teunissen

ist einer der Sprint-Helfer für

Dylan Groenewegen, einem niederländischen

Champion mit bereits

zehn Tageserfolgen in diesem Jahr.

Monatelang hatte sich Jumbo-Visma

auf Brüssel vorbereitet, doch dann

fiel Groenwegen nach einem Sturz

rund 1,5 Kilometer vordem Ziel aus.

Groenwegen raus, Jumbo-Visma

und Hollands Chancen auf das erste

Gelbe Trikot seit 30 Jahren dahin. So

schien es. Doch wenige Augenblicke

später gab es doch eine Erlösung,

weil Teunissen die Situation nutzen

konnte.Erschaffte es zu den Führenden,

bekam den Hinweis, dass er

nun freie Fahrt besitzt. Dann fuhr er

einen klugen Sprint im Windschatten

der Favoriten und schaffte es in

letzter Sekunde vorbei am Slowaken

Peter Sagan zum Tagessieg. Der Erfolg

vom Sonntag wiederum war

auch ein Verdienst vonTony Martin,

das betonte Teunissen auch: „Seine

Erfahrung hat uns sehr geholfen.“

NACHRICHTEN

Albas Talent Wagner

geht in die USA

BASKETBALL. Franz Wagner wechselt

vonAlba Berlin in die USA an die

University of Michigan. Dies gaben

das College-Team der MichiganWolverines

und der 17-Jährige am Sonnabend

bekannt. DerU18-Nationalspieler

tritt damit in die Fußstapfen

seines Bruders Moritz Wagner,der

ebenfalls drei Jahrefür Michigan

spielte,ehe er zu den Los Angeles Lakers

in die nordamerikanische Profiliga

(NBA) wechselte.Kommende

Saison wechselt Moritz Wagner mit

seinem deutschen Kollegen Isaac

Bonga zu den Washington Wizards.

Basketball-EM 2021 soll

nach Deutschland kommen

BASKETBALL. DerDeutsche Basketball

Bund hofft am 15. Juli in München

auf den Zuschlag für die Europameisterschaft

2021. Deutschland

hatte sich als eins vonsieben Ländernfür

die EM 2021 beworben. Berlin

gehörtzuden Spielorten.

Deutsche Triathleten

gewinnen Mixed-Silber

TRIATHLON. Dasdeutsche Quartett

ist bei der WM in der Mixed-Staffel

Zweiter geworden. In der Besetzung

LauraLindemann (Potsdam), Valentin

Wernz(Tuttlingen), Nina Eim(Itzehoe)

und Justus Nieschlag (Saarbrücken)

ließen die Gastgeber am

Sonntag in HamburgTitelverteidiger

Frankreich um vier Sekunden den

Vortritt. DasDTU-Team erreichte

1:20:22 Stunden.

Pedroza siegt endlich

beim Deutschen Derby

GALOPP. Nach 16 sieglosen Teilnahmen

am Deutschen Derbyist Jockey

Eduardo Pedroza, 44, der große Wurf

gelungen. Mitdem Hengst Laccario

gewann er am Sonntag in Hamburg-

Horn das mit 650 000 Euro bestdotierte

deutsche Rennen. Er setzte

sich vorDjango Freeman (Lukas Delozier)

und Accon (JiriPalik) durch.

ZAHLEN

Fußball

Frauen-WM, Finale

USA -Niederlande 2:0 (0:0)

Spiel um Platz drei

England -Schweden 1:2 (1:2)

Tennis

Grand-Slam-Turnier in Wimbledon

3. Runde, Frauen: S. Williams (USA/11) -Görges

(Bad Oldesloe/18) 6:3, 6:4; Barty (Australien/1)

-Dart(Großbritannien) 6:1, 6:1; Strycova (Tschechien)

-Bertens (Niederlande/4) 7:5, 6:1; Kvitova

(Tschechien/6) -Linette (Polen) 6:3, 6:2.

3. Runde, Männer: Kukuschkin (Kasachstan) -

Struff (Warstein/33) 6:3, 7:6 (7:5), 4:6, 7:5; Federer

(Schweiz/2) -Pouille (Frankreich/27) 7:5,

6:2, 7:6 (7:4); Nadal (Spanien/3) -Tsonga

(Frankreich) 6:2, 6:3, 6:2; Nishikori (Japan/8) -

Johnson (USA) 6:4, 6:3, 6:2.

Radsport

Tour de France

2. Etappe: Mannschaftszeitfahren Brüssel -

Brüssel (27,6 km): 1. Team Jumbo (Niederlande)

28:57 Min.; 2. Team Ineos (Großbritannien)

+20Sek.; 3. Deceuninck-Quick-Step (Belgien)

+21; 4. Team Sunweb (Deutschland) +26;

5. Katusha Alpecin (Russland); 6. EF Education

First (USA) +28; 7. CCC Team (Polen) +31; 8.

Groupama-FDJ (Frankreich) +32; 9. Bahrain-Merida

(Bahrain) +36; 10. Astana (Kasachstan) +

41; ... 12. Bora-hansgrohe (Deutschland) +46

Gesamtwertung: 1. MikeTeunissen (Niederlande)

-Team Jumbo 4:51:34 Std.; 2. Wout van

Aert(Belgien) -Team Jumbo +10Sek.; 3. Steven

Kruijswijk (Niederlande) -Team Jumbo; 4. Tony

Martin (Kreuzlingen/Schweiz) -Team Jumbo; 5.

GeorgeBennett (Neuseeland) -Team Jumbo.


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 17 *

·························································································································································································································································································

Sport

Zwei

neue

Lieblinge

Thole/Wickler Zweite bei

der Beachvolleyball-WM

Der Applaus unten im Kessel der

Arena am Hamburger Rothenbaum

galt am Sonntagnachmittag

den Siegern und den Verlierern, die

alle barfuß im Sand standen oder

überwältigt auf ihre Knie gefallen

waren, gleichermaßen. Denn vorder

Weltmeisterschaft im Beachvolleyball

hätten sich die Weltranglistenzwölften

Julius Thole, 22, aus Hamburg

und Clemens Wickler, 24, aus

Starnberg, selbst kaum vorstellen

können, bis zur letzten Partie, dem

Männerfinale,imTurnier zu bleiben.

Nachdem die beiden Studenten,

die erst seit 2017 zusammenspielen,

ein Weltklasseduo nach dem anderen

ausgeschaltet hatten – Alison,

den Olympiasieger von2016 mit seinem

brasilianischen Partner Alvaro

Filho im Achtelfinale,Phil Dahlhausser,den

Olympiasieger von2008 mit

seinem US-Partner Nick Lucena im

Viertelfinale und im Halbfinale dann

die norwegischenWeltranglistenersten

Anders Mol/Christian Sorum –

boten sie auch im Finale den Russen

Oleg Stojanowskij und Wjatscheslaw

Krasilnikow lange ausdauernd, konzentriertund

gewitzt Paroli.

Am Ende reichte es für

Thole/Wickler nicht ganz: Die Russen

schlugen zum Goldmedaillenpunkt

auf. Trotz der Unterstützung

von13000 Zuschauernmussten sich

die Deutschen, die sich im Lauf der

Woche zu den Lieblingen der Fans

gebaggert und geschmettert hatten,

den Weltranglistendritten mit 1:2

(21:19, 17:21, 11:15) geschlagen geben.

„Sie sind schon jetzt das neue

Aushängeschild“, sagte DVV-Sportdirektor

Niclas Hildebrand.

Thole fand zu Beginn ebenso wie

sein Partner die richtige Mischung

zwischen harten Angriffen und taktischer

Finesse.Wickler sorgte mit einem

Ass für die Satz-Führung. Doch

Zukünftig wird wohl nur Platz für einen sein: Davie Selke(l.) oder Vedad Ibisevic

Kein Fall für Zwei

Ante Covic muss den Konkurrenzkampf zwischen Davie Selke und Vedad Ibisevic austarieren

VonSebastian Schmitt, Neuruppin

Ante Covic will in seiner Debütsaison

als Bundesligatrainer

möglichst flexibel

sein. Auch deswegen war

es dem kroatischen Trainer in Diensten

vonHertha BSC ein Anliegen, gegen

Drittligist Eintracht Braunschweig

drei Halbzeiten mit einer jeweiligen

Dauer von 35Minuten zu

spielen. Die Abschnitte beim 4:1-

Sieg (3:1, 0:0, 1:0) des einzigen Tests

während des Trainingslagers vor

2742 Zuschauern in Neuruppin

nutze Covic entsprechend, um drei

verschiedene Systeme (3-5-2, 3-4-2-

1, 4-3-3) einzustudieren.

Grundsätzlich soll es auf ein 4-3-

3-System hinauslaufen, in dem die

erste getestete Variante, eine Doppelspitzeaus

Vedad Ibisevic, 34, und

seinem zehn Jahre jüngeren Kollegen

Davie Selke, wohl nicht allzu

häufig Platz findet. „Das 4-3-3-System

ist eines der Lieblingssysteme

von Ante Covic. Dass Davie und ich

darin zusammenspielen, glaube ich

nicht“, vermutet auch Ibisevic. Das

Duell um den Platz im Sturmist eine

der kniffligsten Personalentscheidungen

für den Trainer. Es wird

spannend, wie der gebürtige Berliner

den Positionskampf der beiden

Angreifer moderiert, wie er auch

denjenigen bei Laune hält, der zunächst

nur auf der Bank sitzen wird.

HERTHA BSC − EINTRACHT BRAUNSCHWEIG 4:1

1. Drittel: Jarstein -Klünter,Baak, Torunarigha

-Leckie, Covic, Friede, Duda, Dilrosun -

Ibisevic, Selke.

2. Drittel: Smarsch -Pekarik, Baak, Friede,

Torunarigha -Albrecht, Grujic -Duda -Covic,

Kiprit, Jastrembski.

Ibisevic geht vorseiner fünfzehnten

Profisaison gelassen mit der Situation

um. Vorallem, weil er schon

oft genug in seiner Karriere erlebt

hat, dass sich das Blatt innerhalb weniger

Wochen wenden kann. „Wer

von uns spielt, entscheidet der Trainer“,

sagt er und fügt mit all seiner

Routine noch an: „Wir sind Profis,

das ist Fußball. Wirbrauchen diesen

Konkurrenzkampf.“

Gemeinsamkeiten mit Covic

Auch deswegen ernannte Covic den

Bosnier erneut zum Kapitän. Die

Eindrücke der ersten Woche hätten

ihm genügt. „Die Frage hat sich

überhaupt nicht gestellt“, sagt Covic,

„Vedad hat das nötige Standing in

der Kabine und unheimlich viel Erfahrung.

Das spürt man sofort“, be-

3. Drittel: Klatte -Esswein, Stark, Rekik,

Plattenhardt -Skjelbred, Grujic, Darida -Dardai,

Köpke, Kalou.

Tore: 1:0 M. Covic (11.), 2:0 Friede (18.),

3:0 Duda (26.), 3:1 Becker (31.), 4:1 Esswein

(100.).

IMAGO IMAGES/MICHAEL HUNDT

gründet er seine Wahl. Und auch

deshalb sucht Covic Ibisevics Nähe.

„Wir sprechen ja beide noch eine andere

Sprache, haben schon früher

viel über Fußball geredet und sehen

viele Dinge ähnlich“, erklärtIbisevic.

Einen besonderen Draht zum neuen

Trainer will er deswegen aber nicht

haben. „Klar ist“, betont Ibisevic,

„wir haben trotzdem ein ganz normales

Trainer-Spieler-Verhältnis.“

Erneut die Binde zu tragen, erfülle

ihn mit Stolz. „Meine Rolle ändert

sich aber nicht. Ich werde Verantwortung

übernehmen und auf dem

Platz alles reinwerfen, was ich habe.“

Dass das immer noch einiges ist,

hat der mittlerweile mit 119 Toren

viertbeste ausländische Angreifer

der Bundesliga erst in der vergangenen

Saison bewiesen, als er nach Selkes

schwerer Lungenverletzung in

die Bresche sprang und am Ende der

Spielzeit mit zwölf Treffern Herthas

bester Torschütze war. Für Manager

Michael Preetz Anlass genug, seinen

im Sommer auslaufenden Vertrag

um ein weiteres Jahr zu verlängern.

Dabei ist klar,dass die Zukunft im

blau-weißen Sturm Selke gehören

soll. Deswegen überwies Preetz im

Sommer 2017 die klubinterne Rekordablöse

von achteinhalb Millionen

Euro an RB Leipzig. Nach einem

starken ersten Jahr wendete sich das

Blatt in der vergangenen Saison,

nicht zuletzt wegen Selkes in Neuruppin

erlittenem Lungenkollaps.

Pal Dardai fand dabei stets die richtige

Mischung, um Konflikte im Angriff

erst gar nicht aufkommen zu

lassen. Obwohl beide ehrgeizig sind,

fiel nie ein böses Wort –selbst, wenn

man die Unzufriedenheit des jeweiligen

Bankdrückers spüren konnte.

Stand jetzt sind beide zum Bundesligastartbeim

Deutschen Meister

Bayern München Mitte August fit.

Selke zeigte gegen Braunschweig bereits

eine auffällige Frühform, überzeugte

mit gutem Tempo und einer

Torvorlage. Ibisevic, der gegen die

Niedersachsen mit einem Fallrückzieher

am Pfosten scheiterte, verspricht

mit seinen fast 35 Jahren keinen

Deut nachzulassen. „Ich bin nie

zufrieden und will immer mehr.Vom

Toreschießen habe ich nie genug.“

In

München

rumort es

Der FC Bayern wartet weiter

auf namhafte Verstärkungen

Kein Leroy Sané, kein Ousmane

Dembélé, kein Callum Hudson-

Odoi. Wenn Doublesieger Bayern

München am Montag in die Vorbereitung

auf die neue Saison startet,

stellt sich in Lucas Hernández zwar

der teuerste Spieler der Bundesliga-

Geschichte vor. Auf den ersehnten

neuen Offensivstar warten die Fans

aber vergebens.Und deshalb rumort

es an der Basis − undintern.

Nach Trainer Niko Kovac hat auch

Kapitän Manuel Neuer Alarm geschlagen.

Der Torhüter ließ seinen

Berater Thomas Kroth via Süddeutschen

Zeitung offen mit Abschied

drohen, sollte es nicht endlich zu

den dringend benötigten Top-Transfers

kommen.„DieVertragsverlängerung

und ein Karriereende beim FC

Bayern ist natürlich das naheliegende

Modell“, wird Kroth zitiert,

„aber nicht das einzige.“

Gravierender Abstand

Neuer sei erfolgsorientiertund wolle

nach 2013 erneut die Champions

League gewinnen. Aber, meinte

Kroth: „Mein Eindruck ist, dass der

Abstand zu den vier englischen Top-

Teams schon gravierend ist und der

Münchner Kader aktuell noch nicht

entsprechend −also konkurrenzfähig

− aufgestellt ist, um auch die

Ziele von Manuel ernsthaft anzugehen.“

Laut Bild am Sonntag denken

„viele“ von Neuers Kollegen genauso.

Das Blatt schreibt deshalb

vom „Pulverfass Bayern“. Zumal

auch Coach Kovac die weiter vergeblichen

Bemühungen vonSportdirektor

Hasan Salihamidzic auf dem

Transfermarkt mit zunehmender

Nervosität verfolgt. „Vier Spieler

brauchen wir noch“, forderte er im

kicker. Nach dem Abgang der Top-

Profis Arjen Robben, Franck Ribéry,

Steile Karriere: Julius Thole (l.) und Clemens

Wickler

GETTY IMAGES/MARTIN ROSE

im zweiten Durchgang kam Stojanowskij

besser in die Partie. Der 22-

Jährige brachte die Deutschen mit

seinen teils über 100 km/h schnellen

Aufschlägen in Bedrängnis. ImTiebreak

fehlte am Ende ein wenig die

Kraft. Thole musste sich zwischenzeitlich

wegen Nackenproblemen

behandeln lassen. Dennoch verwandelten

sie einen 4:7-Rückstand in

eine 8:7-Führung. Beim 8:12 war die

Vorentscheidung gefallen. Neben

der ersten Medaille bei einem Großereignis

darf sich das deutsche Duo

mit 40 000 Euro Preisgeld und 1440

Weltranglistenpunkten trösten.

Diese Punkte sind wichtig, wenn

es um die Qualifikation für die Olympia

2020 in Tokio geht. Diese Punkte

zu sammeln, haben die anderen

deutschen Duos, allen voran Laura

Ludwig/Margareta Kozuch, die ihre

erste K.-o.-Partie verloren, in Hamburg

verpasst. Thole/Wickler werden

am Hamburger Olympiastützpunkt

von Bundestrainer Martin

Olejnak und Erfolgscoach Jürgen

Wagner betreut, der Julius Brink/Jonas

Reckermann und Laura Ludwig/Kira

Walkenhorst zu Olympia-

Gold geführt hat. Sie agierten erstaunlich

reif. Ihnen halfen auch

feste Rituale: Etwa die Portion Spaghetti

zwei Stunden vor jedem

Match, die sich beide teilen. (BLZ)

Kapitel geschlossen

Nach der ersten Woche in Wimbledon sind alle deutschen Tennisprofis im Einzel bereits ausgeschieden

VonDoris Henkel, London

An manchen Tagen wird einem

sehr schnell klar,wie nebensächlich

Niederlagen sein können, das

fand auch Jan-Lennard Struff. Anfang

des vierten Satzes seiner Partie

gegen Michail Kukuschkin aus Kasachstan

brach eine 60 Jahrealte Zuschauerin

auf der Tribüne zusammen,

Spieler und Zuschauer mussten

den Platz verlassen, während sie

wiederbelebt wurde. Als Struff und

Kukuschkin nach etwas mehr als einer

Stunde ins Spiel zurückkehrten,

wussten sie zwar, dass die Frau auf

dem Wegins Krankenhaus war,doch

es war für beide nicht leicht, mit dieser

Situation umzugehen.

Struff gelang es allerdings nicht

mehr, das Spiel noch zu drehen. In

den ersten beiden Sätzen habe er

nicht gut gespielt, meinte er hinterher,und

nach der Unterbrechung sei

der andere einfach brutal gut gewesen.Wärefrüher

in diesem Satz einer

seiner Returns bei diversen Gelegenheiten

zum Break im Feld gelandet

und nicht außerhalb oder im Netz,

dann hätte er vielleicht einen fünften

Aus: Jan-Lennard Struff scheiterte als letzter Deutscher im Einzel.

Satz erzwungen, doch schließlich

gewann der unscheinbar wie effektiv

spielende Mann aus Kasachstan 6:3,

7:6, 4:6, 6:4.

Eindrucksvolle Williams

GETTY IMAGES/HANGST

monstrativ gezeigten Faust, wirkte

Williams im zweiten Satz ruhiger,

aber nicht weniger souverän. Jedes

Spiel zähle für sie dieser Tage doppelt,

hatte sie vergangene Woche gesagt.

Mit den Erkenntnissen dieser

Begegnung wirdsie mit einem guten

Gefühl in die zweite Woche gehen.

Für Görges war es die fünfte Niederlage

im fünften Spiel mit Williams,aber

sie fand, es sei ihrebisher

Julia Görges hingegen musste sich

einer eindrucksvollen Serena Williams

beugen (3:6, 4:6). Im ersten

Satz mit reichlich Gebrüll, feurigen

Blicken und der ein oder anderen debeste

gemeinsame Partie gewesen.

„Das war heute das erste Match, in

dem ich sehr nah dran war, das war

viel hochklassiger als im vergangenen

Jahr. Sie war von Anfang an voll

da, und ich hab das auch als Zeichen

von Respekt für mich gesehen. Du

zeigst, was du kannst, aber am Ende

gewinnt halt doch die andere.“ Görges

ist überzeugt, in der unteren,

deutlich weniger stark besetzten

Hälfte des Tableaus wäresie mit ihrer

Leistung in der zweiten Woche gelandet,

aber die Idee führt schließlich

auch nicht weiter.

Nach dieser Niederlage und jener

vonStruff ist das deutsche Kapitel im

Einzel der Championships 2019

nach der ersten Woche beendet.

„Klar ist das enttäuschend. Wenn

man zwei Spitzenspieler hat, hat

man sich mehr erhofft“, sagte der

frühere Davis-Cup-Kapitän Patrik

Kühnen, der als Sky-Experte arbeitet.

Der 53-Jährige will von schlechten

Zeiten aber nichts wissen: „Das ist

eine Momentaufnahme. Das kann

sich schnell wieder ändern. Es kann

bei den US Open schon wieder ganz

anders aussehen.“

Manuel Neuer denkt mittlerweile über

einen Wechsel nach. IMAGO IMAGES/POLLER

Mats Hummels, James und Rafinha

genügt sein Kader den höchsten Ansprüchen

nicht mehr −trotz Ausgaben

in Höhe von fast 120 Millionen

Euro für Hernández (Atlético Madrid),

Benjamin Pavard (VfB Stuttgart)

und Jann-Fiete Arp (HSV).

Dabei hatte Vorstandschef Karl-

Heinz Rummenigge angekündigt,

dass die Bayern „den Fokus auf die

Champions League wieder deutlich

schärfen“ wollen. Wie das klappen

soll, kann der Bayern-Boss am Montag

erklären −vor dem ersten öffentlichen

Training (17 Uhr) mit einem

Rumpfkader ohne Nationalspieler

wohnt er der Vorstellung von

Hernández (14 Uhr) bei. Am Dienstag

spricht Kovac, am Freitag Salihamidzic.

Der Sportdirektor hatte zuletzt

angesichts der stockenden Bemühungen

etwa um Sané wie Präsident

Uli Hoeneß öffentlich um

Geduld geworben.

Allerdings hatte Hoeneß bezüglich

der Kaderplanung auch betont:

„Bis Ende Juli musst du fertig sein.“

Am 3. August steht mit dem Supercup

in Dortmund das erste Pflichtspiel

an, am 12. August gastieren die

Bayern in der ersten DFB-Pokalrunde

bei Energie Cottbus, vier Tage

später starten sie gegen Hertha BSC

in die Liga. Dann soll auch der ein

oder andereNeue dabei sein. (sid)


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 – S eite 18 *

·························································································································································································································································································

Sport

Ganz schön viele eiserne Fußballspieler,und einige waren noch nicht mal auf dem Feld.

JÜRGEN ENGLER

Magathsche Verhältnisse

Der 1. FC Union geht mit einem üppig besetzten Kader ins Trainingslager nach Österreich. Dort startet ein harter Konkurrenzkampf

VonMathias Bunkus

Die größte Angst der Fans

des 1. FC Union konnte

am Sonnabend gegen

14.30 Uhr als gebannt

betrachtet werden. Nicht wenige

fürchteten nach dem Transferfeuerwerk,

mit dem Manager Oliver

Ruhnert die Zugänge elf und zwölf

beschert hatte, dass sie auch bei

der offiziellen Saisoneröffnung der

Eisernen kurzfristig weitereNamen

lernen müssen.

Das blieb ihnen erspart. Doch

Christian Arbeit, Mediendirektor

der Köpenicker Fußballer, musste

sich bei seinem Job als Stadion-

Conférencier mächtig sputen, ehe

er alle 34 Mann auf den Rasen gebeten

und vorgestellt hatte. Es

fehlte schließlich nur Suleiman Abdullahi,

dessen Passprobleme laut

Arbeit immerhin mittlerweile

überstanden sein sollen. Der nigerianische

Stürmer kann nach verpasster

erster Übungswoche aus

seiner Heimat ausreisen und den

Trip ins Trainingslager nach Oberösterreich

mit antreten.

Nicht wenige fühlen sich übrigens

angesichts von Unions Kadergröße

an Magathsche Dimensionen

erinnert. Auch Sebastian Polter,

der einst unter Felix Magath in

Wolfsburggewirkt hatte.„Derhat ja

auch gerne mal einen mehr verpflichtet“,

erinnert sich der 28-Jährige,

der am Sonnabend beim 2:1

im Testspiel gegen Bröndby IFdas

erste Tor des Neu-Bundesligisten

erzielt hat.

Subotic und Gentner fehlen

„Klar ist es in der Summe relativ

viel geworden. Aber ich glaube,

dass man für die Bundesliga einen

breiteren Kader braucht. Man darf

in dieser Saison ja zwei Spieler

mehr mitnehmen. Ichhabe gehört,

dass der Trainer davon gern Gebrauch

machen möchte – gerade

auswärts. Eswird jeden individuell

stärker machen“, gibt sich Polter

gelassen. Er präsentierte sich zum

Startjedenfalls bestens vorbereitet.

Mit seinem Laktatwert von 4,1 erreichte

er eine persönliche Bestmarke.

Nie zuvor hatte er in seiner

Laufbahn die 3,95 übertroffen.

Der 28-Jährige steht allerdings

auch ziemlich unter Druck. Für

den zentralen Angriff holte Union

den bundesligaerfahrenen Anthony

Ujah sowie den Dänen Marcus

Ingvartsen, der auch als hängende

Spitze agieren kann. Auch

Sebastian Andersson wird seinen

Vorjahres-Stammplatz nicht freiwillig

räumen wollen. Unddass Urs

Fischer sein bevorzugtes System

mit einer Spitze aufgibt, auf ein 4-

4-2 oder gar 3-5-2 umstellt −das

Personal dafür wäre mittlerweile

vorhanden − darf bezweifelt werden.

Die beiden Spitzentransfers

Christian Gentner und Neven Subotic

waren am Wochenende indes

noch außen vor. Weil beiden noch

jedwedes Teamtraining fehlt, entschied

sich Urs Fischer dafür, kein

unnötiges Risiko einzugehen und

„Alles, was es im Trainingslager braucht,

sind ein gutes Bett, gutes Essen

und ein guter Platz.“

Christopher Trimmel hat als Kapitän des 1. FC Union die entscheidenden Faktoren

ausgemacht, die es für eine gute Saisonvorbereitung braucht.

ließ sie beim Testspiel gegen

Bröndby ebenso draußen wie die

eingetrudelten Nationalspieler Sebastian

Andersson (Schweden),

Rafal Gikiewicz (Polen), Cihan Kahraman

(U21 Türkei) und Marcus

Ingvartsen (U21 Dänemark). Auch

Rückkehrer Marvin Friedrich −neben

Michael Parensen von den

rund 12 000 Fans am lautesten begrüßt

−und Sheraldo Becker durften

die Atmosphäre imStadion An

der Alten Försterei zunächst noch

vonden Rängen aus einsaugen. Zudem

musste Florian Hübner wegen

einer Blessur zuschauen.

Laut Urs Fischer soll er aber im

Trainingslager in Windischgarsten

zum Teil schon wieder ins Mannschaftstraining

einsteigen können.

Da ist zumindest das Ambiente

schon mal großartig. Sonne, grüne

Wiesen und die malerischen Gipfelzüge

der Kalkalpen. Auch wenn

die Kicker davon wohl wenig mitbekommen

werden. „Ich habe immer

gesagt, alles, was es im Trainingslager

braucht, sind ein gutes

Bett, gutes Essen und ein guter

Platz. Für mehr ist da nicht Zeit“,

gab daher auch Unions Kapitän

Christopher Trimmel zum Besten.

Ein neuer „Tusche“

Der 32-Jährige suchte am Wochenende

merklich die Nähe von Christian

Gentner und Neven Subotic,

denen absolute Führungsrollen im

Bundesligateam der Köpenicker

zugetraut werden. „Die beiden sind

sportlich eine Bereicherung. Sie

sind absolute Leadertypen und

sehr erfahren. Das hilft natürlich“,

sagt der Rechtsverteidiger. Man

darf gespannt sein, ob er recht behält.

Dass niemand sich auf neue Namen

einstellen musste, stimmt allerdings

doch nicht so ganz. Maurice

Opfermann, mit vollständigem

Namen Maurice Noel Miguel Opfermann

Arcones, firmiert künftig

nur noch unter der recht kurzen

Form: Maurice Arcones. Wer sich

das nicht merken kann: Im Team

wird er seit langem nur „Tusche“

gerufen, weil er bei den C-Junioren

wegen seiner Rückennummer 17

von einem Trainer so betitelt worden

war. Die trug ja einst der große

Torsten Mattuschka. Und dessen

Namen kennt bekanntlich jeder in

Köpenick.

Mathias Bunkus

kennt die Namen aller

Union-Profis bereits.

Der nächste Streich

Für Fifa-Boss Gianni Infantino scheint der Frauenfußball ein Vehikel zu sein, um seine Vision vom Weltfußball durchzudrücken, was Weltmeister-Kapitänin Megan Rapinoe widerstrebt

VonFrank Hellmann, Lyon

Die Geschichte von Cameron

und Harmony Gerst DeVaughn

ist selbst für amerikanische Verhältnisse

fast schon zu kitschig. Kennengelernt

hat sich das seit dem Frühjahr

verheiratete Paar aus Colorado

nämlich bei einem Länderspiel der

Männer:USA gegenVenezuela im Januar

2012. Er entdeckte sein Faible

für den Fußball über die Frauen, als

er beim Endspiel der WM 1999 unter

mehr als 90 000 Zuschauernsaß. Ihn

hatte damals sein Kumpel an der

High School, US-Nationalspieler

und Bundesligaprofi Landon Donovan,

in die Rose Bowl nach Pasadena

mitgenommen. Er hat noch das Bild

vor Augen, wie sich die US-Spielerin

Brandi Chastain nach dem letzten

Elfmeter das Trikot vomLeib riss.

Frisch vermählt haben sich die

beiden in aktuellen US-Jerseys das

Finale der Frauen-WM 2019 im

Stade de Lyon angesehen. Sie jubelten,

als Kapitänin Megan Rapinoe ihr

Team zum vierten WM-Titel führte.

Die USA besiegten Europameister

Niederlande mit 2:0 (0:0), Rapinoe

gewann den Goldenen Ball für die

beste Spielerin der WM sowie den

Goldenen Schuh für die beste Torschützin.

Zuvor hatte sie den von

Fifa-Präsident Gianni Infantino und

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel

Macron überreichten WM-Pokal

in den Himmel vonLyongereckt.

Camron Gerst DeVaughn konnte

nicht fassen, wie sich der Frauenfußball

in 20 Jahren entwickelt hat.„It’sa

great game!“ Ein großartiges Spiel.

Wenn solch ein Turnier sogar den

Flitterwochen das besondere Flair

verleiht, ist einiges passiert.

Infantino jedenfalls hat die achte

Auflage als „phänomenal, unglaublich,

und fantastisch“ bezeichnet.

Und natürlich war es für den zu Superlativen

neigenden Schweizer „die

beste Frauen-WM aller Zeiten“. Das

trifft weniger auf die Zahl der Stadionbesucher

(1,16 Millionen) als bei

den Fernsehzuschauernzu: weltweit

die Rekordmarke von einer Milliarde.

Die größte Aufmerksamkeit

generierte

dabei das Achtelfinale

Frankreich gegen Brasilien:

58,7 Millionen. Mehr

als 35 Millionen in der

Heimat von Marta, die

kurzzeitig gar Neymar in

den Schatten stellte.

Eingedenk dieser Resonanz

soll die Frauen-

WM 2023 von 24auf 32

Teilnehmer aufgestockt werden.

Neun Länder haben Interesse angemeldet:

Argentinien, Bolivien, Brasilien

und Kolumbien aus Südamerika,

Australien und Neuseeland, Japan

und Südkorea (eventuell mit

Nordkorea), dazu Südafrika. Biszum

4. Oktober muss die Bewerbung offi-

ziell werden, über die im März 2020

entschieden wird. In der Ausschreibung

war zunächst nur von 24Teilnehmerndie

Rede,doch so etwas hat

Infantino noch nie gekümmert.

Bei den Männern ist

der 49-Jährige mit der

handstreichartigen Erweiterung

für die WM

2022 in Katar gescheitert,

aber bei den Frauen kann

man es ja mal versuchen.

„Ich hoffe,dass die Council-Mitglieder

mir folgen,

sonst werde ich darauf

Frauenfußball-Versteher?

Infantino

DPA/GOLLNOW

bestehen.“ Ohnehin

scheint ihm der Frauenfußball

als Vehikel willkommen, um

durchzudrücken, was bei den Männern

auf Widerstand stieß: eine

Klub-WM undWeltliga. DieFrage ist,

ob nicht eine nachhaltige Entwicklung

besser helfen würde.

Noch immer gibt es große Lücken

an der Basis der Frauen.Vonden 13,3

Millionen registrierten Spielerinnen

sind laut neuester Fifa-Studie die mit

Abstand meisten in Nordamerika

beheimatet: allein 9,5 Millionen in

den USA, 290 000 in Kanada, dann

knapp 200 000 in Deutschland. In

rund einem Drittel der Fifa-Mitgliedsverbände

bestreiten Frauen-

Nationalteams weniger als fünf Länderspiele

im Jahr −odersie existieren

gar nicht erst. In Asien oder Afrika

hat die Hälfte nicht an denWM-Qualifikationsspielen

teilgenommen. Infantino

will für Projekte zur Förderung

des Frauen- und Mädchenfußballs

nun sogar eine Milliarde Dollar

für vier Jahre locker machen. Und

auch das Preisgeld für die WM 2023

soll von30Millionen Dollar mindestens

verdoppelt werden.

Aber ausgerechnet Megan Rapinoe,

die streitbare US-Fußballerin

vomlinken Flügel, hat den Fifa-Boss

als zweites Feindbild nach US-Präsident

Donald Trump ausgemacht.

Die Geringschätzung der Frauen

könne schon daran festgemacht

werden, dass am selben Tag die

Männer-Finals der Copa América

und beim Gold Cup angesetzt seien.

„Eine furchtbareIdee!“ DasPreisgeld

sei auch nicht ausreichend, kritisierte

die 34-Jährige,wenn die Lücke

zu den Männern(440 Millionen Dollar

2022) noch größer werde.

Und überhaupt: „Wenn man es

schafft, eine WM nach Katar zu vergeben,

muss auch anderes möglich

sein.“ Ihre Attacken schienen vor

dem Finale Teil einer ausgeklügelten

Strategie des US-amerikanischen

Fußballverbandes (USSF) zu sein,

der selbst noch eine Klage seiner

Spielerinnen nach besserer Bezahlung

behandeln muss. US-Medienchef

Aaron Heifetz klatschte die Vorkämpferin

nach der Pressekonferenz

am Sonnabend fast so kräftig ab wie

sich Cameron und Harmony Gerst

DeVaughn nach jedem Tordrückten.


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 – S eite 19 *

·························································································································································································································································································

Feuilleton

Wiedervereinigung:

Beth Ditto und Gossip

im Tempodrom

Seite 21

„Er wäre gerne auch DJ geworden.“

Ingeborg Ruthe in ihrem Nachruf auf den Dresdner Maler Eberhard Havekost Seite 21

Unesco

Raus

aus dem Saft

Nikolaus Bernau

applaudiertdem Erzgebirge

und Augsburg zum Welterbe.

Dass Deutschland in Sachen Infrastruktur

schon avantgardefreundlicher

war als heute, da die

Energierevolution unter anderem an

besorgten Bürgern zu scheitern

droht, die keine Überlandleitungen

durch ihre Heimatlandschaften dulden

wollen, ist keine Neuigkeit. Jeder,

der aus Peking oder dem Baltikum

zurückkommt, erschrickt über

unser Handynetz, unsere Verwaltungstechnologie,

die stinkenden

Riesenautos, die Feindschaft gegenüber

den sinnvollsten Neuerungen.

Insofern sind die beiden neuesten

deutschen Welterbestätten, die

am Sonnabend von der Welterbekommission

der Unesco bestätigt

wurden, genau richtig gewählt: die

faszinierenden Wasserversorgungsanlagen

von Augsburg, die seit dem

späten Mittelalter entstanden, um

dort die Handwerks- und Fabrikbetriebe

sowie die Haushalte zu versorgen,

und die gemeinsam mit der

Tschechischen Republik eingetragenen

Bergwerksstädte und Bergwerksanlagen

im Erzgebirge.Sie sind

zwar auch Zeugnis einer ungeheuren

Umweltzerstörung, haben tief

die Natur der Region verändert, mit

Folgen, die bis weit in kommende

Generationen hinein reichen.

Aber all diese Anlagen sind auch

Hinterlassenschaften eines enormen

Aufbruchsgeistes, der seit dem

Mittelalter unsere Kulturlandschaften

neu geformt hat. DerMensch erklärte

sich zum Schöpfer seiner Umwelt,

sei es durch die Umleitung von

Bächen und Flüssen, den Vortrieb

tiefer Stollen, die Anlage neuerWaldformen

und den Bau ganzer Städte,

die von diesem neuen Selbstbewusstsein

lebten.

Charakteristisch dafür war aber

nicht nur die Offenheit für neue

technische Entwicklungen, sondern

auch für neue Kulturen und Menschen,

die oft aus fernen Landen kamen,

um den Einheimischen beizubringen,

wie man besser bauen, graben,

forsten und forschen kann. Italiener

und Franzosen, Tschechen,

Juden und Polen, Niederländer,Engländer,Skandinavier

–sie alle halfen,

Augsburgwie auch das Erzgebirge zu

gestalten. In der alten Handelsstadt

an der Donau ist das bis heute bewusst

und wird als europäisches

Erbe hochgehalten. Aus dem Erzgebirge

dagegen hört man vor allem

von der Sehnsucht nach „national

befreiten Räumen“. Doch wernur im

nationalen Saft stecken bleibt, bringt

es nicht weit. Auch davon erzählt das

Welterbe.

Ein Wasserrad dreht sich an einem der

Augsburger Stadtkanäle. DPA/STEFAN PUCHNER

Wieder einmal: ein Aufstand der Massen

VonArnoWidmann

In bestimmten Kreisen der lateinamerikanischen

Linken

gilt Mario Vargas Llosa als ein

Verräter, einer, der sich den

Banken, den Konzernen, den USA,

dem Neoliberalismus an den Hals

warf. Es hat keinen Sinn mit Leuten

darüber zu streiten, die ihre linken

Ideale zum Beispiel bei Fidel Castro

oder Hugo Chávez wenn schon nicht

realisiertsodoch wenigstens gut vertreten

sahen. Wir wissen nicht, wie

Mario Vargas Llosa Peru regiert haben

würde, wenn 1990 er und nicht

Alberto Fujimori die Präsidentschaftswahlen

gewonnen hätte. Es

ist aber ausgeschlossen, dass er das

Land so runtergewirtschaftet und

sich dabei persönlich so bereichert

hätte wie der Wahlsieger es dann tat.

MarioVargas Llosa wurde 1936 in

Peru geboren. Seit 1963 „Die Stadt

und die Hunde“ erschien, gilt Mario

Vargas Llosa als einer der bedeutendsten

spanischsprachigen Autoren.

2010 erhielt er den Nobelpreis

für Literatur.

Seine großen Liberalen

Schon seit den Sechzigerjahren kritisierte

Vargas Llosa undemokratische

Regime rechts und links. Seine Entwicklung

vom sich an Sartre orientierenden

Linken zu einem Liberalen

stellt Vargas Llosa in seinem Vorwort

seines neuen Buches „Der Ruf der

Horde“ knapp dar. Esträgt den Untertitel

„Eine intellektuelle Autobiografie“.

Das ist nicht falsch. Aber es

ist eine Autobiografie in Form von

sieben Essays über große Liberale:

Adam Smith, José Ortega yGasset,

Friedrich August von Hayek, Karl

Popper, Raymond Aron, Isaiah Berlin,

Jean-Francois Revel. Eine sehr

persönliche Auswahl. Das ganze 19.

Jahrhundertmit seinen großen Liberalen

fehlt. Insofernist es tatsächlich

mehr eine Autobiografie als eine Geschichte

des Liberalismus.

Eine Sache wird dabei sehr deutlich.

Abgesehen vonAdam Smith gilt

Mario Vargas Llosas Interesse ausschließlich

den Liberalen, die ihre

Position in der Auseinandersetzung

mit dem real existierenden Sozialismus

und den Varianten des Faschismus

entwickelten. Das gilt auch für

Ortega yGasset (1883–1955). Dessen

1929 erschienener Essay „Der Aufstand

der Massen“ kreise „um eine

geniale Intuition: Mit der Vorherrschaft

der Eliten ist es vorbei; die

Massen, ihnen nicht länger unterworfen,

sind in das Leben hereingeplatzt

und haben die bürgerlichen

und kulturellen Werte sowie die gesellschaftlichen

Verhaltensweisen

durcheinandergewirbelt. Geschrieben

in einer Zeit, als der Kommunismus

und die Faschismen, der Syndikalismus

und die Nationalismen im

Aufstieg begriffen waren und mit

dem Massenkonsum eine Populärkultur

entstand, kam Ortegas Intuition

genau im rechtenMoment.“

Liest man das, hat man freilich

den Eindruck, der richtige Moment

sei heute. Auf Variationen des ersten

der zitierten Sätze stößt man derzeit

fast täglich in den Zeitungen. Heute

wird das Internet für die Entmachtung

der Eliten, für den Zerfall bürgerlicher

Öffentlichkeit und ihrer

Werte verantwortlich gemacht. Vargas

Llosa öffnet dem Leser die Augen

für die Klarsicht Ortega y Gassets,

aber eben auch für unsere eigene

Kurzsichtigkeit.

Sein Buch bietet eine Heldengalerie.

Aber es gehört zuVargas Llosas

Mario Vargas Llosa schreibt seine intellektuelle Autobiografie „Der Ruf der Horde“

Mario Vargas Llosa, fotografiertbei einer Filmpremiere im Juni in Madrid.

„Natürlich wohnt auch dem Liberalismus eine

,Kinderkrankheit‘ inne, esist das Eifernde

mancher Ökonomen, die wie verzaubert sind

vom freien Markt als Allheilmittel für die Lösung

sämtlicher gesellschaftlicher Probleme.“

großen Talenten, bei aller Bewunderung

auch die Mängel nicht zu übersehen.

Seine vorbehaltlose Bewunderung

für Ortega yGasset –einer

der „intelligentesten und elegantesten

liberalen Philosophen des zwanzigsten

Jahrhunderts“ –hindertVargas

Llosa nicht daran, nicht nur dessen

Missachtung des Zusammenhangs

von politischer und

wirtschaftlicher Freiheit zu kritisieren.

Er arbeitet auch Ortega yGassets

verhängnisvolle Einschätzung

des spanischen Bürgerkrieges heraus.

Inden Augen vonOrtega yGasset

wehrte sich nicht die Republik

Mario Vargas Llosa in „Der Ruf der Horde“

GETTY

gegen einen, der sie abschaffen

wollte, sondern Ortega yGasset sah

Francisco Franco im Krieg gegen die

Kommunisten. Damit übernahm er

die Darstellung Francos. Der große

Liberale, der kritische Intellektuelle,

der Verteidiger der Rechte des Einzelnen

votierte für Franco als das

kleinereÜbel.

Die liberalen Ideale können

ebenso verraten werden wie die sozialistischen

oder die christlichen.

Auch Liberale können der „totalitärenVersuchung“

–soder Titel eines

1976 erschienenen Buches vonJean-

François Revel–erliegen.

Keine Theorie, keine Weltanschauung

schützt einen vor gewaltigen

Irrtümern oder gar vor dem

Rückfall in die eigene Gemeinheit.

Man kann noch so genau den „Aufstand

der Massen“ kritisieren und

sich dennoch plötzlich mitten in ihm

wiederfinden.

„Der Ruf der Horde“, so der Titel

des Buches von Mario Vargas Llosa,

kann jeden erreichen. Karl Popper,in

den Augen von Vargas Llosa Autor

des wichtigsten philosophischen

Buches des 20. Jahrhunderts, wetterte

zum Entsetzen des peruanischen

Autors,der seit 1993 auch Spanier

ist, gegen Kafka und Musil und

pries an deren Stelle den viktorianischen

Bestsellerautor Anthony Trollope

(1815–1882). Im Popper-Kapitel

schreibt dann Vargas Llosa: „Die

Schlacht ist noch nicht geschlagen,

und dazu kommt es wahrscheinlich

nie. Der Ruf der Horde, die Anziehungskraft,

die von dieser Form des

Daseins (der geschlossenen Stammesgesellschaft)

ausgeht, in der das

Individuum sich der mühsamenVerpflichtung

der Freiheit ebenso begibt

wie der Souveränität, die Ratio

walten zu lassen – im freiwilligen

Joch einer Religion, einer Doktrin

oder eines Herrschers,der für ihn die

Verantwortung übernimmt und Antworten

gibt auf all seine Probleme –,

dieser Ruf schlägt im Herzen der

Menschen offenbar tiefste Saiten an.

Denn ein ums andere Mal wird er

von Nationen und Völkern oder, in

den offenen Gesellschaften, voneinzelnen

Menschen und Gemeinschaften

gehört, die alles daransetzen,

sie wieder zu schließen und die

Kultur der Freiheit abzuschaffen.“

Manmuss ihnen nicht folgen

Vargas Llosas Helden in der Wirklichkeit

sind Ronald Reagan und MargaretThatcher.Allerdings:

„Invielen gesellschaftlichen

und moralischen

Fragen vertraten sie konservative, gar

reaktionäre Positionen.“ Der einzig

wahre Liberale scheint für für Vargas

Llosa Vargas Llosa zu sein. Aber man

versteht das Buch nicht, wenn man es

so liest. Es ist der Versuch eines Intellektuellen

sich anderer Intellektuellen

zu bedienen, um sich klar zu werden,

was heute zu tun ist.

Ohne die tribalistischen Neigungen,

die überall auf der Welt aufblühen,

wäredieses Buch nicht entstanden.

Es ist ein Aufschrei gegen alle

die, die uns einreden wollen, wir

brauchten starke Führer, die uns sagen,

wo es lang geht, die unter dem

Vorwand des Kampfes gegen die Eliten

ihre eigene Klientel als Elite einsetzen

wollen. Es gibt keinen Leisten,

über den man alles schlagen kann.

Wo der vorgeschlagen wird, geht es

um Folter und Vernichtung. Das ist

der Basso continuo dieser Aufsätze.

Man hört ihn so deutlich, dass man

misstrauisch wird und sich fragt, ob

Vargas Llosa nicht selbst seine Variante

des Liberalismus als Maßstab

ins Spiel bringt. Dastut er.

Aber er zeigt uns, dass er es tut

und auch, wie er es tut. Er ermuntert

uns, seine Leser, nicht dazu, seinen

Wegen zu folgen. Wir würden Vargas

Llosa zu einer Hordemachen, deren

Ruf wir folgten. Er führt uns vor, wie

man sich frei bewegen kann zwischen

seinen Helden und wie befriedigend

es ist, ihnen auch einmal den

Laufpass zu geben.

Mario Vargas Llosa: Der Ruf derHorde.

Eineintellektuelle Autobiografie.

Ausdem Spanischen vonThomas Brovot.

Suhrkamp, Berlin 2019, 315 S.,24Euro.

NACHRICHTEN

João Gilberto ist gestorben –

der Vater des Bossa Nova

Derbrasilianische Sänger und Gitarrist

João Gilberto ist tot. DerMusiker

galt als der Vater des Bossa Nova.

Durchseine Interpretationen von

„Das Mädchen aus Ipanema“ gelangte

er zu Weltruhm. DasLied

wurde zunächst vonGilbertos Frau

Astrud auf Portugiesisch eingesungen,

später aber ins Englische übersetzt

und vonzahlreichen Künstlern

interpretiert, darunter vonFrank Sinatra.

Zuletzt lebte Gilberto schwer

krank und hoch verschuldet in Rio

de Janeiro. Nach Angabendes Nachrichtenportals

G1 starbGilberto am

Sonnabend im Alter von88Jahren in

seiner Wohnung. Deram10. Juni

1931 in JuazeiroimBundesstaat Bahia

geborene Gilberto musizierte

unter anderem mit dem Saxofonisten

Stan Getz und dem Sänger und

Komponisten Antônio Carlos Jobim.

Mitden beiden nahm er mehrereAlben

auf. Fast 20 Jahrelebte Gilberto

in den USA –mit einer zweijährigen

Unterbrechung in Mexiko.Ende

1979 kehrte Gilberto nach Rio de Janeirozurück.

Einen seiner letzten

Auftritte hatte er 2008 in Salvador de

Bahia. (dpa, AFP)

João Gilberto (1931–2019) AFP/MARCO HERMES

Hauptpreise beim Filmfest

München für „Lara“

DasFilmdrama „Lara“ mit Corinna

Harfouch und TomSchilling ist auf

dem Filmfest München vominternationalen

Verband der Filmkritiker

ausgezeichnet worden. DerPreis

wurde am Sonnabend zum Abschluss

des zehntägigen Festivals in

München verliehen. Erst am Freitag

hatte Regisseur JanOle Gerster den

Förderpreis Neues Deutsches Kino

für seinen Kinofilm über eine komplizierte

Mutter-Sohn-Beziehung erhalten.

DerArri/Osram Award

(50 000 Euro)für den besten internationalen

Film ging an„Bacurau“. Der

Thriller vonKleber Menonca Filho

und Juliano Dornelles wirft einen

Blick in eine düstereZukunft, in der

ein DorfinBrasilien vonder Landkarte

gelöscht werden soll. (dpa)

Pussy Riot protestiertgegen

Abtreibungsgesetz

Dierussische Protestgruppe Pussy

Riot gibt am Donnerstag ein BenefizkonzertimUS-Bundesstaat

Alabama,

um gegen das dortjüngst verschärfte

Abtreibungsverbot zu protestieren.

DieEinnahmen des bereits

ausverkauften Konzerts in der Stadt

Birmingham sollen der auf Familienplanung

spezialisierten Organisation

Planned Parenthood und dem

Yellowhammer Fund zugute kommen,

der Frauen unterstützt, die abtreiben

lassen wollen. (dpa)


20 Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Feuilleton

„Die Liederfeste sind unsere Selbstbetätigung,wie ein Glaubensbekenntnis an unsere Freiheit“, sagt die Chorleiterin Triin Koch.

SVEN ZACEK

Der größte Schatz des Landes

In Estland wird derzeit das 150. Jubiläum des Chorfestes Laulupidu begangen –mit Zehntausenden Sängern und noch mehr Publikum

VonJulia Kaiser

Wenn Sie beim Laulupidu

nicht dabei sind,

existieren Sie als Estin

oder Este nicht“, sagt

Triin Koch. Die Chorleiterin trägt

schon ihren dunkelblauen Wollrock

und eine weiße Trachtenbluse, auf

dem Stuhl neben ihr liegt der frisch

geflochtene Kranz aus Ähren, Kornblumen

und Margeriten, den sie später

auf ihr flachsblondes Haar setzen

wird, wenn sie als künstlerische Leiterin

der Jubiläumsfeier den Festzug

aller Chöredurch Tartuanführt.

Singende Revolution

Knapp 9000 Sängerinnen und Sänger

jeden Alters beteiligen sich in

diesem 150. Jubiläumsjahr, von Kindergartenchören

mit Dreijährigen

bis zu den weit über 80-jährigen Ehrendirigenten

laufen alle in ihren farbenfrohen

estnischen Trachten zur

Festwiese. Laulupidu bedeutet Liederfest

und auch Sängerfest, denn

hier treten estnische Chöre an, um

nicht gegeneinander um den besten

Platz zu wetteifern, sondern umgemeinsam

ihren größten Schatz zu

feiern, das Liedgut in estnischer

Sprache.

Es ist stets ein großes Gemeinschaftserlebnis

und in dieser Form

ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal

in der europäischen Kultur.

Alle fünf Jahrefinden in jedem der 15

estnischen Landkreise Sängerfeste

statt –aber zeitversetzt, sodass in jedem

Sommer irgendwo Laulupidu

ist. „Es ist für uns wie in die Kirche zu

gehen, wir bekräftigen alle fünf

Jahre, dass wir noch an uns selbst

glauben“, sagt Triin Koch. „Als wir

nach der singenden Revolution vor

30 Jahren die Freiheit gewonnen hatten,

haben wir auch Gespräche geführt,

ob wir jetzt die Sängerfeste

überhaupt noch brauchen. Aber

auch wenn die unmittelbare Bedrohung

durch die Besatzer heute weg

ist, müssen wir uns doch weiter als

Nation behaupten. Estland ist wirklich

klein. Die Liederfeste sind unsereSelbstbestätigung,

wie ein Glaubensbekenntnis

an unsereFreiheit.“

Es gibt sie auch, die Selfies beim

Festumzug mit den besten Freundinnen

aus dem Chor oder später in

der großen Laulupidu-Arena, die

jede estnische Stadt statt eines Fußballstadions

hat. Oder die Handyfilmchen

singender Verwandter,

die unter 2900 Kindern oder im riesigen

Gesamtchor eines der vielen

Lieder auf Isamaa anstimmen. Aber

das Handy verschwindet schnell

wieder in der gefilzten Chortasche.

Von Digi-Autismus, dem fixierten

Tradition: Der erste estnische

bzw.estnischsprachige

Gesangsverein, Revalia,

wurde 1863 gegründet. Gesungen

wurde in dem baltischen

Land aber bereits in

der vorschriftlichen Zeit und

im Mittelalter.

Teenagerstarren aufs Smartphone,

ist hier nichts zu spüren. Hier geht

es um echtes Erleben, Mitfiebern in

jeder Sekunde und mit jeder Silbe

des teils aus dem Gründungsjahr

des Laulupidu stammenden Volksliederschatzes.

Die 22-jährige Linda studiert

Französisch, trägt einen bunten

Trachtenrock, eine bestickte weiße

Bluse und ein rotes Käppi. Sie singt

bei den Liederfesten, seit sie sich erinnern

kann. Ihre Freundin Karen

studiert Neurologie in London, ist

extra für das Laulupidu gekommen.

Sie hat noch nie eines verpasst. „Es

ist im Grunde egal, ob man auf der

Bühne dabei ist oder davor.Wir sind

WELTERBE

Liederfest: 850 Sänger

und 15000 Zuhörer nahmen

am I. Liederfest 1869 in

Tartuteil. Bis zum III. Liederfest

waren nur Männerchöre

zugelassen. Gesungen

wurde auf Estnisch, Finnisch

und Deutsch.

Unesco-Würdigung: 2003

wurden die estnischen, lettischen

und litauischen Lieder-

und Tanzfeste vonder

Unesco als Meisterwerkedes

immateriellen Erbes der

Menschheit anerkannt,

2008 auch als Kulturerbe.

wie Spiegel der Sängerinnen und

Sänger. Sie singen laut, und wir singen

im Herzen mit.“ Das gemeinsame

Lieblingslied der Freundinnen

ist „Mu isamaa armas“, übersetzt

„Mein Vaterland, mein liebes“. Der

Text ist ähnlich der estnischen Nationalhymne

„Mu isamaa, mu õnn ja

rõõm –Mein Vaterland, mein Glück

und meine Freude“, vertont von

Friedrich Pacius, zudem der Gründervater

des Laulupidu, Johann Voldemar

Jannsens die estnischen

Worte verfasste. Bereits 1857 rief der

Publizist die erste Tageszeitung von

Estland ins Leben, ein Sprachrohr

der Gegner der zaristischen Russifizierungsbemühungen.

Für die vor-

nehmlich bäuerliche Leserschaft berichtete

sie aus aller Welt in estnischer

Sprache und unterstützte das

junge Nationalbewusstsein.

Die Hansestadt Tartu war schon

damals das wichtigste Bildungszentrum

Estlands. Noch heute sind von

93 000 Einwohnern knapp 40 000

Studierende der beiden Universitäten

und Fachschulen. Tartu ist mit

Budapest und Helsinki einer der

wichtigsten Forschungsstandorte

für finno-ugrische Sprachen und ein

IT-Zentrum – hier wurde 2003 die

weltweit erfolgreiche Kommunikationsplattform

Skype erfunden, erzählt

der Bürgermeister von Tartu,

Urmas Klass, der mit Triin Koch den

Festzug anführt.

Jedes Jahr neue Lieder

Wenn heute so viele Menschen in

Tartumiteinander das Singen feiern,

ist dies zwar nur ein lokaler Vorgeschmack

auf das schon wenige Jahre

nach dem ersten Liederfest in die

Hauptstadt Tallinn umgezogenen

nationale Laulupidu, bei dem am

ersten Juliwochenende 40 000 Singende

und über 100 000 Zuschauer

erwartet werden. Aber das Fest in

Tartu Ende Juni ist besonders breit

aufgestellt. Drei Tage lang feiertman

das sängerische Erbe estnischen Nationalbewusstseins.Mit

einem feierlichen

Gedenkkonzert inder Gründungskirche

St. Johann, einem Konzert-Marathon

vom Garten des Laulupidu-Museums,

über Konzerte in

einem ehemaligen sowjetischen

Luftwaffenhangar und im Stadion

der Universität Tartu.

Der Liederschatz wird weiterwachsen,

dafür sorgen junge, nach

wie vorzum größten Teil ehrenamtliche

Chordirigenten, derer es zwar

nicht mehr so viele gibt wie noch vor

der singenden Revolution der baltischen

Staaten vor genau 30 Jahren,

aber die zu jedem Sängerfest Kompositionen

einfacher,ins Ohrgehender

Chorliteratur auf Estnisch

schreiben.

ZurJubiläumsfeier hat außerdem

der estnische Komponist Jüri Reinvere,

der einige Jahre inBerlin lebte

und demnächst mit einem Auftragswerk

des Rias Kammerchores in der

Berliner Philharmonie zu erleben

sein wird, ein mit zwölf Minuten großes

Chorwerk zur Laulupidu-Literatur

beigesteuert. Es schlägt die Brücke

vondenWurzeln der kleinen baltischen

Nation ins heutige Selfie-

Zeitalter, in dem junge Esten wie

viele andere inZukunft Verantwortung

tragende Europäer und Weltbürger

vor der Herausforderung stehen,

zu entscheiden, wohin ihr Isamaa

sich entwickeln soll.

Immer

und

überall.

Nur im

E-Paper:

Rätsel, Videos,

Sonderausgaben

u.v.m.

www.berliner-kurier.de/mobil


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 21

· ·

·······················································································································································································································································································

Feuilleton

Und jetzt

noch mal das

Original

Die „West Side Story“ als

Gastspiel in der Staatsoper

Vonder

Schönheit des

Zerfalls

Zum Todder Malerin

Sarah Schumann

VonBirgit Walter

Das Traumpaar Tony und Maria (Todd Jacobsson

und Sophie Salvesani). JEFF BUSBY

Ist es gewagt, mit der „West Side

Story“ in Berlin zu gastieren, wo

hier die opulenteste,modernste und

härteste Inszenierung dieses Musicals

seit sechs Jahren auf dem regulären

Spielplan der Komischen Oper

steht? Es gedenkt nicht, da wieder

abzutreten. Die Vorstellungen sind

immer voll. Und nun kommt ein

Gastspiel an die Staatsoper und

wirbt damit, die Originalversion zu

zeigen, entstanden 1957. Als wäre

Unveränderlichkeit eine Qualität an

sich. Den Coup landete doch Barrie

Kosky, der den Rechte-Inhabern abtrotzte,dem

betagten Stück eine neue

Sicht zu verleihen. Das verträgt auch

ein Klassiker wie dieser, die Sternstunde

der Gattung schlechthin.

Der Vergleich ist natürlich ungerecht:

DieOpernbekommen zig Millionen

Subventionen, um solche

Ausnahme-Inszenierungen zu stemmen.

Die kommerziellen Musical-

Anbieter dagegen bespielen dankenswerterweise

im Sommer leer

stehende Theater, müssen damit

Geld verdienen, den Opern Miete

zahlen. Siebereicherndas Kulturangebot

der Stadt außerordentlich, lassen

Touristen nicht vor verschlossener

Tür stehen. Auf Tour sind seit

1990 nur noch „Originale“, trotzdem

sieht jedes Gastspiel anders aus.Neben

lustlos abgespielten Varianten

gibt es so packende wie das aktuelle

in der Staatsoper vonJoey McKneely.

Als einer von drei Regisseuren ist er

autorisiert, das Musical vonLeonard

Bernstein, Jerome Robbins (Choreografie),

Arthur Laurents und Stephen

Sondheim (Texte) zu inszenieren, in

heutiger Ausstattung. Undindiesem

Fall –eine Kooperation mit der Oper

Australien – sind nur überragende

Tänzer am Start, schneidig und

schnittig, die Sprünge synchron wie

computergesteuert. Die zu sehen,

lohnt allein den Besuch.

Der Rest ist bekannt. Die Story

vonTony und Maria, die sich im New

York der 1950er-Jahre inmitten verfeindeter

Gangs aus Einwanderern

verlieben, endet mit einem Missverständnis,

einer Massenvergewaltigung

und drei Toten. Die Aktualität

stammt von Shakespeares „Romeo

und Julia“ und wird ewig halten.

Aber herrlich, wie hemmungslos Puerto-Ricaner

damals Amerika anbeten:

die Kühlschränke, das Licht, die

Telefone!

DieMusik rührtbis heute,unverwüstliche

Hits wie „Maria“, „Tonight“,

„America“, hat selbst Bernstein

nicht mehr erreicht. Die triumphierendste

Rolle füllt Anita aus

(Chloé Zuel), während Tony und Maria–Todd

Jacobsson und Sophie Salvesani

mit souveränen klassischen

Stimmen –zubravangelegt bleiben.

Alles wie immer, bis hin zur ungebremsten

Leidenschaft. Aber man

geht nach Hause und singt „I feel

pretty“.Wiedie Stadt zwei, drei„Zauberflöten“

verträgt, so auch zwei

„West Side Stories“ –amSonnabend

blieb kein Platz frei.

„West Side Story“ bis 14.7. Staatsoper Unter

den Linden.Tel. 01806-101011

Eberhard Havekost (1967–2019) vor zwei Jahren in seiner Schau im Neuköllner Kindl-Kunstzentrum. Das Gemälde widmet er mit Tiefsinn unseren Ur-Ur-Ahnen.

Ein wahrheitssuchender Augentäuscher

VonIngeborg Ruthe

Das Atelier am Berliner

Flutgraben ist verwaist.

Dabei wollte Eberhard

Havekost dort den halben

Sommer durch malen, seine

Musik hören. Seine Malklasse an der

Kunstakademie Düsseldorf hat Semesterferien.

Endlich Zeit für den

Lehrer,mal ganz bei sich zu sein.

Aber es kam anders. Der 52-Jährige

ist am Freitagmorgen plötzlich

gestorben. Die Retter, die seine Frau

rief, konnten nichts mehr tun. Hirnschlag,

wie wir erfuhren. Sein Dresdner

Galerist und Freund Frank Lehmann,

seine Berliner CFA-Galeristen

Nicole Hackert und Bruno Brunnet,

Freunde, Studenten, Sammler sind

bestürzt und fassungslos. Dort, bei

CFA inCharlotenburg, hatte er erst

kürzlich beim GalleryWeekend neueste

Bilder gezeigt, in seinem kühlen,

von den digitalen Medien und von

der Musik –erwäre gerne auch DJ

geworden, wie er mal verriet –inspirierten

Malstil.

Mitdiesem zählte er zu den international

angesehensten deutschen

Künstlern der Gegenwart. Er bekam

Ausstellungen in großen Museen wie

dem Stedelijk Amsterdam, im MoMa

Der Dresdener Künstler Eberhard Havekost starb im Alter von 52 Jahren in Berlin

NewYork, in der Londoner Tate Modern.

Zu seinen Sammlern zählten

die kalifornische Familie Rubell,

Frieder Burda, Heiner Bastian.

Der gebürtige Dresdner hatte

die Kreuzschule besucht und war

Sängerknabe im Dresdner Kreuzchor.

Nach dem Abitur machte er

eine Steinmetzlehre. 1989 floh er

über Budapest in den Westen und

lebte anschließend in Frankfurtam

Main. Später ging er zurück in

seine Heimatstadt, studierte an der

Hochschule der Bildenden Künste

Dresden, wurde Meisterschüler

vonRalf Kerbach. Seit Jahren war er

Professor für Malerei an der Kunstakademie

Düsseldorf.

Havekosts unnachahmliche Eigenheit

war,dass er aus der Tradition

realistischer wie abstrakter Malerei

und des Fotorealismus der 70er-

Jahre einen Malstil entwickelte, der

so wahrheitsgetreu wie augentäuschend

ist. In einem Gespräch in seiner

Ausstellung im Neuköllner

Kindl-Kunstareal 2017 sagte er nur

ganz bescheiden, er befrage halt die

Mechanismen unserer visuellen

Wahrnehmung. Immer wieder

führte er uns in den letzten zwanzig

Jahren die „Welt der Dinge“ und die

der Erscheinungen als einen Prozess

des Sehens und Wahrnehmens vor

Augen: Landschaften, Himmel, Apparate,

Körperteile, Lippen, Zähne,

Augen, Fabelwesen, halb Tier, halb

Mensch. Er transformierte das alles

vonder eigentlichen Bedeutung hinüber

in eine andere, auch surreale,

mystische, irrationale. Und er

schaffte so ein spannendes Kunst-

Spiel vonSein und Schein. Auch von

der Vergänglichkeit alles Irdischen.

Im Gespräch mitUrmenschen

Einige Kunstkritiker verglichen Havekost

mit dem jungen Gerhard

Richter, ebenfalls gebürtiger Dresdner

und heute,mit 87, Deutschlands

Star-Maler schlechthin. Daslag wohl

an Havekosts Virtuosität auf abstraktem

wie realistischem Terrain und

seinen meisterhaften Experimenten

zwischen beiden Stilen.

Er antwortete darauf ironisch mit

einem Bild, hatte eine verschleierte

Farbfläche des berühmten Kollegen

kopiert und stellte eigene farbige

konstruktivistische Abstraktionen

daneben, und dazu ein fotorealistisches

Selbstporträt. Auf die Frage,

warum das?, gab er zurück: „Weil ich

Richters Bild nie verstanden habe.“

Eine Provokation? Nun, eher auch

eine Selbstbefragung. Eine Suche

Genüsslich unverschämt

nach der eigenen Wahrheit. Diefand

er wohl auch in seinem ganz aus

dem stilistischen Rahmen fallenden

riesigen Gemälde vonunseren Urahnen

in einer urzeitlich-unwirtlichen,

grünschwefelgelbgrauen Vegetation:

„Homo erectus erectus“, 2016 (Abb.

oben), als Kommentar zum modernen

Menschen Homo sapiens: Der

Homo erectus gilt als eine ausgestorbene

Artder Gattung Homo.Aus dieser

pleistozänen Population entwickelte

sich vermutlich in Europa der

Neandertaler und –parallel zu diesem,

aber unabhängig von ihm –in

Afrika der moderne Mensch. Die

Wissenschaft streitet noch.

Forschungsstand und Spekulation

bildeten somit den Humus für

eine Malerei, die eine verwirrend illustrative

Wirkung hat. Der Homo

erectus war laut Evolutionsforschung

die erste hominide Art, die

den aufrechten Gang beherrschte.

Havekost malte also eine Metapher

auf dem langenWegder Menschwerdung.

Welch tiefer Doppelsinn.

Gossip feierten das zehnjährige Jubiläum ihres Major-Label-Debüts im Berliner Tempodrom

VonAnna Gyapjas

Tapfer buhlen die Indie-Rocker

vonMeggie Brownumdie Gunst

der Tempodrom-Besucher. Die

Frontfrau, eine zierliche, in Anzug

gekleidete Sprungfeder, schleudert

ihre Glieder von sich, was zum Marschier-Sound

der Band passt, die

schon mit Franz Ferdinand tourte.

Doch die Berliner lassen sich bloß zu

bravem Applaus bewegen, was Meggie

Cousland zu einem semi-frustrierten

Ausruf nötigt: „Es ist mein

erstes MalinBerlin, kommt schon!“

DieAnwesenden quittieren es mit

Schweigen. Tough crowdist die englische

Bezeichnung für solche Unentflammbarkeit:

ein schwieriger

Haufen. Aber natürlich brennt die

Hütte, als die Vorband sich verabschiedet

und die Bühne bereitet ist

für Gossip,die im Dunkeln auf ihren

Einsatz warten. Jubel und Pfiffe, bis

die funky Kuhglocke aus „Pop Goes

the World“ einsetzt.

Das Eröffnungslied könnte nicht

besser gewählt sein. Eigentlich gehen

Beth Ditto, Nathan „Brace

Paine“ Howdeshell und Hannah Blilie

seit drei Jahren getrennte Wege.

Um das zehnjährige Jubiläum ihres

Albums „Music For Men“ zu feiern,

haben sie sich wieder zusammengetan.

Geprägt vom Sound der Riotgrrrl-Bewegung,

machten sie damit

2009 einen Schritt weg vom Punk,

um Ja zu den Konventionen der Pop-

Industrie zu sagen. Sie lernten, wie

man in einem Studio arbeitet, eigneten

sich musikalische Begriffe an, alles

unter Anleitung von Rick Rubin,

dem Popdruiden mit dem markanten

Bart, der nicht nur für das massenkompatible

Spätwerkvon Johnny

Cash, sondern auch für den Erfolg

von Stars wie Jay-Z, Adele und Ed

Sheeran verantwortlich zeichnet.

„Music for Men“ war definitiv für die

Tanzflächen gebaut. „Heavy Cross“ –

das Lied mit dem unverkennbaren

„ah-ah-ay, oh-oh-oh-yia-oh!“ –hielt

sich ganzezweiJahreinden Charts.

Dem Vorwurf des Ausverkaufs

hielt die Postpunkband Pragmatismus

entgegen, Schlagzeugerin Blilie

sagte einst: „Im Mainstream hat

man mehr Einfluss.“ Das ist nicht

ganz unwesentlich für eine Band,

die ihren Durchbruch mit einem

Lied gegen das Verbot gleichgeschlechtlicher

Ehen feierte und deren

füllige Frontfrau als Aktivistin

für queere Gleichberechtigung und

fat acceptance gilt. Entsprechend

selbstbewusst heißt es in „Pop Goes

theWorld“:„Ein für alle Malmachen

wir das,was natürlich daherkommt,

wir gehen es lässig an und ohne

Rechtfertigung.“

Beth Ditto im Tempodrom

DAVIDS/SVEN DARMER

Abbitte ist Beth Dittos Sache nie

gewesen. Man feiert die inzwischen

als Modedesignerin tätige Sängerin,

weil sie ungeachtet gängiger Schönheitsideale

kurze Kleider trägt und

auf Magazintiteln ihren Körper zeigt.

Auch die ersten deutschen Worte, die

sie im Tempodrom andie Fans richtet,

kommen unverblümt daher:

„Scheiße,ist das heiß hier oben!“ Frenetischer

Applaus. Dann dreht sie

sich um, nach Handtücherngreifend.

Ein neckischer Blick über die Schulter,bevor

sie sich bückt: „Genießt die

Aussicht!“ DasPublikum flippt aus.

Zwischen funkenstiebenden

Songs, die alle vonden Sitzen reißen,

gibt Ditto nicht nur Anekdoten zum

SABINE GUDATH

Ingeborg Ruthe

weiß um einen großen

Verlust für die Kunst

Besten –Hannah Blilie etwa hätte ihren

Hintern dank geteilter Hotelzimmernschon

aus jeglicher Perspektive

gesehen –, sie macht auch auf eigensinnige

Matrone. Sie witzelt, wie toll

es sei, betrunken zu performen, sie

echauffiert sich, dass all die guten

amerikanischen Witze, die sie in Berlin

mache, für die Katz seien. Überhaupt

werde sie es entspannt angehen

lassen, sie sei ja so faul und der

Abendwie jeder andere. AufDeutsch

kommentiert sie den Jubel mit „jetzt

ist aber gut!“ Tough Love wäreder Begriff

für diesen genüsslich unverschämten

Umgang mit ihren Fans,

die genau für Dittos liebevolle Strenge

gekommen sind: „Ich finde diese dicke

Lesbe toll!“ schwärmt einer.

Die Jubiläumsparty ist da noch

lange nicht vorbei. Gossip spielen

die Hits all ihrer Alben, interpretieren

ein Lied der R’n’B-Heldin Aaliyah,

bis auch die soften Seiten der

Beth Ditto durchscheinen. Singend

macht sie sich an denVentilatoren zu

schaffen, bis diese in Richtung Publikum

pusten. Sie fischt gerührt ein

Geschenk aus der Menge, klatscht

die Fans ab. Als Zugabe singt sie

George Michaels„CarelessWhisper“.

Als das Lied verklungen ist, wedelt

sie mit ihrer Hand vor dem Gesicht.

Es ist unklar, obsich Ditto Luft zuoder

Tränen wegfächelt.

VonArnoWidmann

Vergangenen Mittwoch starb SarahSchumann

im Mittagsschlaf.

1933 war die Malerin in Berlin geboren

worden. Ihre Eltern waren Bildhauer.Den

Namen SarahSchumann

hatte sie nicht von ihnen, sondern

sich selbst gegeben. Schon mit fünfzehn

verließ sie das Elternhaus.1953

hatte sie ihreerste Ausstellung in der

Zimmergalerie Franck in Frankfurt

am Main. Danach lebte sie in London

und in Italien. Seit 1968 wieder

in Berlin, unterbrochen von Aufenthalten

in Rom, Neu-Delhi, Mumbai

und Nairobi.

Als ich sie vergangenes Jahr das

letzte Mal traf,

sagte sie mir, sie

habe aufgehört

zu malen. Bisdahin

hatte sie jeden

Tag an einem

Bild gearbeitet.

Schon

lange nicht mehr

IMAGO IMAGES

die großen,

prachtvollen Gemälde,

auf denen

Porträtfotos mit Malereien zu

Traumbildern verschmolzen. Es warenFeste

der Schönheit in einem Milieu,

das beschlossen hatte, dass

Schönheit obsolet geworden war.

Ihre Savannenbilder aus Kenia

schienen noch einmal vor ihrer Vernichtung

die Schönheit der Tiere zu

beschwören.

Wergenauer hinsah, der konnte

erfahren, wie sehr Sarah Schumann

die Schönheit sezierte, umsie sichtbar

zu machen. So kam sie in den

80er-Jahren immer wieder in die

DDR. Denn hier hatte der Wiederaufbau

noch nicht alles glatt geleckt.

Sarah Schumann zeichnete und

malte die ruinöse Schönheit Dresdens.

Die Parklandschaften von

Lenné und Pückler-Muskau. Sie

liebte die Spuren derVernichtung als

Spuren desLebens.

Mitte der 70er-Jahre gehörte sie

zur Frauengruppe „Brot und Rosen“

und organisierte die Ausstellung

TOP 10

Sonanbend, 6. Juli

Sarah Schumann

(1933–2019)

„Künstlerinnen international

1877–1977“ In einem Interview mit

ihr, das man auf der Website des

Frankfurter Städel nachlesen kann,

erzählt sie,dass zu Beginn derVorbereitungen

sie noch an die Entdeckung

einer eigenen weiblichen Ästhetik

geglaubt habe. Aber jemehr

Arbeiten sie sah, desto deutlicher

wurde, dass sich von den Werken

nicht auf das Geschlecht des Künstlers

schließen ließ. Die Ausstellung

machte damals Epoche. Mit einem

Male wurde deutlich, wie viele

Künstlerinnen es gegeben hatte, wie

viele es gab.

Sarah Schumann, die Künstlerin

gewesen war,bevor sie eine Feministin

wurde, blieb es auch, nachdem

der Feminismus in die Ecke geschoben

wurde. Sie verkaufte weniger.

Am 25. Oktober 2017 starb ihre 13

Jahre jüngere Freundin, die Autorin

Silvia Bovenschen. Jetzt ist auch Sarah

Schumann gestorben. Vorihrer

Wiederentdeckung.

1 Klein gegenGroß ARD 5,37 25 %

2 Ein starkes Team ZDF 4,67 21 %

3 Tagesschau ARD 4,05 20 %

4 Der Staatsanwalt ZDF 3,68 17 %

5 heute ZDF 3,56 22 %

6 Fußball WM 3. Platz ZDF 2,91 21 %

7 heute Xpress ZDF 2,64 20 %

8 Tagesthemen ARD 2,64 19 %

9 SOKOKitzbühel ZDF 2,40 13 %

10 heute journal ARD 2,33 12 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Die Therapie

ETI (✆ 278 53 01)

20.00: Es regnet in Korinth

KABARETT/VARIETÉ

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: TheatersportBerlin: Das Match

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Wohin mit Mutti?

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Die Magier 2.0 (Die Magier)

KINDER

Amerika-Gedenkbibliothek (✆ 902 26 -0)

11.00 Kinderbibliothek: Pride Weeks: Drag Queen

StoryHour,Bilderbuchlesung mit anschließendem

Kinderschminken (bis 10 J.). Anm. erf.

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

14.00: Ferienprogramm: Wirsammeln Dinge. Was

sammelt ein Museum?, Treff: Zeughaus (ab 5bis 7J.)

Deutsches Technikmuseum (✆ 90 25 40)

11.00 Altbau, 1. OG, Textiltechnik: Sommerferienprogramm:

In der Werkstatt: Gehackte Maschen,

Workshop (ab 6J.)

FEZ Berlin (✆ 530 71 -0)

10.00: FEZitty –Die Hauptstadt der Kinder (ab 6bis

14 J.)

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00, 14.00: Welcome to diversCITY! Queer in

Schöneberg und anderswo

Käthe-Kollwitz-Museum (✆ 882 52 10)

11.00: Bilder vonheute –Visionenfür morgen. Auf

grafischer Spurensuchedurch Käthe Kollwitz Werk,

Führung und Workshop (ab 8bis 11 J.). Anm. erf.

Labyrinth Kindermuseum (✆ 800 93 11 50)

9.00:1,2,3,Kultummel –Die Ausstellung mit dem

Vielfalter,Lernvielspaß für Mitmachkinder (ab 3bis

11 J.)

me Collectors RoomBerlin (Auguststr.68)

12.00: Art&Kids, Offenes Kinderprogramm

Museumsdorf Düppel (✆ 802 66 71)

17.00: Kleine Summer School: Wasser und

Globalisierung –Campen im Museumsdorf Düppel,

Sommer-Camp für 14- &15-Jährige(ab 14 bis 15

J.). Anm. erf.

Puppentheater Firlefanz (✆ 283 35 60)

10.00: Der Froschkönig,Puppenspiel nachdem

Märchen (ab 4bis 8J.)

SO36 (✆ 61 40 13 06)

17.00: Roller Kidz,Rollschuhdiskofür Kinder

LITERATUR/VORTRAG

Begine (✆ 215 14 14)

19.00: Literaturrunde: Die Vegetarierin, Han Kang,

Lesung und Diskussion

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: „Märker,Berliner,Weltbürger“ Theodor

Fontane –Eine doppelte Perspektive, Regina Dieterle

im Gespräch mit Holger Teschkeüber ihre neue

Fontane-Biografie, Ausstellungseröffnung mit Holger

Herschel

Literaturhaus Berlin (✆ 88 72 86 -0)

21.00: Wortservierung: Herkunft, vonSasa Stanisic

mit Richard Burger

MessageinaBottle –Craft Café (Knaackstr.76)

18.00: Letzte Tage am Savignyplatz. GeorgeGrosz

in Berlin 1959, Joachim Burdack, Moritz Eisentraut,

Lesung mit Musik

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

20.00 Kl. Salon: Autorenforum: Lesen –Zuhören –

Diskutieren, Vorlesen unveröffentlichter Texte

FÜHRUNG

Ansichtssachen (✆ 99 54 80 53)

11.30: Kreuzberg SO36: Schillerndster Bezirk

Berlins, Treff: U-Bhf. Kottbusser Tor, Adalbertstr.unterm

Brückenhochhaus. Anm. erf.

11.30: Bingo, Bunker &Bikini: Geheimnisse des

Kurfürstendamm, Treff: Kurfürstendamm/EckeRankestr.,

gegenüber der Gedächtniskirche. Anm. erf.

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

14.00: Kurator*innenführung: André Kirchner.

Stadtrand Berlin, Ulrich Domröse

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

11.00, 12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí –

Die Ausstellung am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

10.00: Demokratie-Labor,Führungen für Schulklassen

und Gruppen. Anm. erf.

14.00: Weimar:Vom Wesen und Wert der Demokratie,

Treff: Ausstellungshalle

15.00: Demokratie-Labor,Treff: Ausstellungshalle

me Collectors Room Berlin (Auguststr.68)

12.00: Forschen, Entdecken, Verstehen –Die Wunderkammer

Olbricht, Treff: CounterimmeCollectors

Room Berlin

Meyers Stadtgänge (✆ 442 32 31)

14.00: Brennpunkt Babylon. Kämpfe, Kino, Kräche.

Morde. VomJahrhundertortRosa-Luxemburg-Platz

zum Soho., Bernd S. Meyer, Treff: Eing.Volksbühne

Olympiastadion (✆ 30 68 86 18)

10.30: Tour durchs Olympiastadion (in English)

11.00: Tour durchs Olympiastadion

Stadt im Ohr (✆ 20 07 88 41)

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge, Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im CafeSibylle,

Karl-Marx-Allee 72

Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie –Haus 7

(Ruschestr.103) 15.00: Einblickins Geheime, Treff:

Foyer

KONZERT

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: Open-Stage–Singer-Songwriter +Poets

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: The Bodhisattwa Trio

Bar jederVernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Cäthe &Mockemalör,5.Frauensommer:

Science-Fiction

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

21.00: Cuarteto de Nos (Latin)

Café Engels (Herrfurthstr.21)

20.00: Blue MoondayJazzsession hosted by Charlotte

Joerges

Gendarmenmarkt

19.30:, Classic Open Air:Die Prinzen &das Orchester

der Musikalischen Komödie Leipzig,Ltg.Stefan

Klingele, special guests: Christina Stürmer,Fools

Garden

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Jazz: Lukas Traxel (b), TalArditi (g)

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: MondayNight Pro Jam Session mit Jürgen

Bailey

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: Soniquete

Toast Hawaii (Danziger Str.1)

20.00: Yawning Man +Kaleidobolt

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

20.30: Larry Goldings/Peter Bernstein /Bill Stewart

Pop

Noch nicht

genug vom

Leben

Esist schon etwas her, da

hatten Die Prinzen die

Idee, ihre barocke Liederfröhlichkeit

in royaler oder zumindest

fürstlicher Umgebung

aufzuführen. Im Rahmen ihrer

Schlösser-Tournee veredelten

sie ihr zu einer beachtlichen

Zahl von Hits angewachsenes

Repertoire gewissermaßen

durch die Hinzufügung einer

noblen Kulisse. So ähnlich

wirdman es sich auch diesmal

gedacht haben, wenn sie in der

Mitte Berlins am Gendarmenmarkt

zusammen mit der Musikalischen

Komödie Leipzig

auftreten. „Du musst ein

Schwein sein“, wenn es denn

sein soll, auch orchestral. Die

Prinzen kommen nicht allein,

zur Verstärkung haben sie die

österreichische Rocksängerin

Christina Stürmer mitgebracht,

die, trotz eines gewissen

Reifeprozesses, immer

nocht nicht genug vom Leben

kriegen kann.Außerdem dabei:

Fools garden. HarryNutt

DiePrinzen 19.30 Uhr,Gendarmenmarkt

In Neuruppin schaut Fontane vom Denkmalssockel herab. Im Literaturforum im Brecht-Haus in Berlin wird sein Werk jetzt von Montag bis Frei

Das Schöne am Lesen ist

ja, dass es die Welt aussperrt

–ein Mensch, ein

Buch und nichts sonst.

So gesehen verträgt es sich nicht so

richtig gut mit dem Sommer, der ja

eine einzige Aufforderung ist, hinauszugehen

und die Welt zu spüren.

Umso schöner, wenn sich beides

verbinden lässt, die Freude an der Literatur

und der Drang nach draußen.

In diesem Jahr geht das ganz hervorragend

mit Theodor Fontane, Apotheker,

Schriftsteller und Brandenburg-Erkunder,

dessen Geburt vor

200 Jahren ausgiebig gefeiert wird.

Bevorman sich, ausgerüstet mit den

„Wanderungen durch die Mark

Brandenburg“, auf den Wegmacht,

empfiehlt sich in dieser Woche unbedingt

der Besuch des Brecht-Hauses

in der Chaussestraße, das Fontane

jeden Abend eine andereVeranstaltung

widmet. Am Montag unterhält

sich die Germanistin Regina

Dieterle mit Holger Teschke über

ihre neue, schon viel gelobte Fontane-Biografie.

Für ihren frischen

Zugang spricht auch, dass sie sich

nicht gleich dem Schriftsteller selbst,

sondern zunächst seiner Tochter

Martha genähert hat, über die sie

schon vor einigen Jahren ein Buch

vorgelegt hat. Mit Martha, Fontanes

Frau Emilie, seinen Schwestern und

seinen Romanheldinnen geht es

auch direkt weiter: Christine von

Brühl hat ein Buch über Theodor

Fontanes Frauen geschrieben und

stellt es am Dienstag vor. Für Mittwoch

ist ein weiterer Fontane-Enthusiast

geladen: der österreichische

Filmemacher Bernhard Sallmann,

der sich seit seiner Gymnasialzeit für

den Schriftsteller begeistert und

ganze drei Filme über Fontanes

Mark Brandenburg gedreht hat, die

er mit der heutigen kontrastiert. Einer

der Filme wird gezeigt, ein Gespräch

schließt sich an.

Der Donnerstagabend ist Fontanes

Theaterkritiken gewidmet, die in

einer neuen Edition erschienen sind,

und der Freitag seinen Balladen, Liedern

und Gedichten. Wernach dem

Besuch des Brecht-Hauses Lust hat,

sich auch mal wieder mit Bertolt

Brecht zu beschäftigen, kann einen

Ausflug nach Buckow planen. Da lassen

sich die Sommerhäuser von

Brecht und seiner Frau Helene Weigel

besichtigen, und Fontane war so-

PetraAhne

fühlt sich Theodor Fontane verbunden,

seit sie festgestellt hat, dass er in dem

Brandenburger Haus, in dem sie ihre

Hochzeit feierte, auch schon gewesen

war.Für ihre nächsten Ausflügehat sie

sich vorgenommen, mit „Das Oderland“,

Band 2der „Wanderungen“, den Barnim

und das Oderbruch zu erkunden.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) DancingQueens

15.00; Rocketman 17.30; Paula –Mein Leben soll

ein Fest sein 20.15

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Ein Becken voller

Männer 15.30, 20.30; Der Klavierspieler vom Gare

du Nord 18.00

DelphiFilmpalast (✆ 3121026) Geheimnis eines

Lebens 15.30,18.00, 20.30

Delphi LUX (✆ 322 931040) Rocketman (OmU)

15.00,17.45, 20.30;Tel AvivOnFire 15.40, 18.00,

20.20; Geheimnis eines Lebens –Red Joan (OmU)

14.00,21.00; TelAviv On Fire (OmU) 16.20, 18.40;

Ramen Shop –Ramen Teh(OmU) 14.00; The Dead

Don‘t Die (OF) 16.00, 18.30, 21.00; Der Klavierspieler

vom Gare duNord 14.30; Burning 16.50,

20.00; They Shall Not Grow Old (OmU) 15.45,

18.00, 20.15; Yoga: Die Kraft des Lebens 14.00;

Sunset 16.00; Zwischen den Zeilen 19.00; OBeautiful

Night 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 1753) Traumfabrik 17.30,

20.00; Britt-Marie war hier 18.00; Eine moralische

Entscheidung 20.15

Kant Kino (✆ 319 98 66) Pets II 14.00, 16.00,

18.20, 20.50; Kroos 14.45, 18.00, 20.40; Jussi

Adler-Olsen:Verachtung15.30, 18.00, 20.40; Britt-

Marie war hier 16.15; Roads 18.30; Rocketman

17.20,20.00; Nur eine Frau 16.10, 20.20

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D: Spider-

Man: Far From Home 11.15, 14.00, 17.00, 20.00,

23.00; Pets II11.00, 13.00, 15.00; Traumfabrik

17.15, 20.10; John Wick: Kapitel III 23.05; Aladdin

12.15; Traumfabrik 15.00; Annabelle III 18.00,

20.40, 23.15; Spider-Man: Far From Home 12.30,

15.20; 3D: Pets II 18.15, 20.30; 3D: Spider-Man:

Far From Home (OF) 22.45; TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 12.15; 3D: Pets II 14.30; 3D:

Aladdin 16.45, 19.45, 22.40; MeninBlack: 12.15,

23.00; Drei Schritte zuDir 15.00, 17.40, 20.15;

Glam Girls: Hinreißend verdorben 12.30; Kroos

14.45; Ein Becken voller Männer 17.30; Long Shot

–Unwahrscheinlich,aber nichtunmöglich 20.20; X-

Men: Dark Phoenix 23.10

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Under the

Tree –Undir trenu (OmU) 11.00; Blown Away –Music,

Miles and Magic (OmU) 12.30; Berlin Bouncer

(OmenglU) 14.30; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 16.00;Yoga: Die Kraft des Lebens –Debout

(OmU) 17.45; Free Solo (OmU) 19.15; Tolkien

(OmU)21.00; Der Goldene Handschuh(DFmenglU)

22.50;

Once Again –Eine Liebe in Mumbai (OmU) 11.00;

Klasse Deutsch (OmU) 12.45; Ray &Liz (OmU)

14.15; Edie –Für Träume ist esnie zu spät 16.15;

Eine moralische Entscheidung 18.00; Rocketman

(OmU) 19.45; Dave Made aMaze (OmU) 21.45;

The Hole in the Ground (OmU) 23.15; Once Again

–Eine Liebe in Mumbai(OmU) 11.00;Green Book –

Eine besondere Freundschaft (OmU) 12.45; Ramen

Shop –RamenTeh (OmU) 15.00;Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 16.30; Van Gogh: An der Schwelle

zur Ewigkeit –At Eternity‘s Gate (OmU) 18.15;

The Dead Don‘t Die (OmU) 20.15; Border –Gräns

(OmU) 22.00

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Roads (OmU)

16.00; Zwischen den Zeilen –Doubles vies (OmU)

18.00; Rocketman (OmU) 20.00; Burning –Beoning

(OmU) 22.15; Esta todo bien –Alles ist gut

(OmU) 16.15; Push –Für das Grundrecht auf Wohnen

(OmU) 17.45; Erde (OmU) 19.30; Free Solo

(OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Rocketman 13.45,

18.15; Monsieur Claude II 13.45; Traumfabrik

14.00, 17.00, 20.00; IMAX 3D: Spider-Man: Far

From Home 14.00, 17.00, 20.00; Men in Black:

14.00, 16.45; 3D: Pets II 14.15, 16.30, 19.45;

Aladdin 14.20,16.15; Spider-Man: Far From Home

14.35, 17.30, 19.20; Pets II –The Secret Life of

Pets 2(OF) 14.35, 16.50; Bailey: Ein Hund kehrt

zurück 14.45; Pets II 15.00, 17.20; Drei Schritte

zu Dir 15.00, 17.30, 20.15; Godzilla 2–King of

the Monsters 15.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

15.30; Kroos 16.40; Avengers: Endgame

17.30; Annabelle III 17.50, 19.20; X-Men: Dark

Phoenix 18.15; Brightburn: SonofDarkness 19.00;

Long Shot19.30; 3D:Aladdin 19.30; SneakPreview

20.30; Ein Becken voller Männer 20.45; Spider-

Man: FarFrom Home (OF)21.00;3D: MeninBlack:

21.15; Geheimnis eines Lebens 21.15; 3D: X-Men:

Dark Phoenix 21.20

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) The Dead Don‘t

Die (OmU) 20.00; Der Goldene Handschuh 22.00;

Berlin Bouncer (OmU) 18.00; Kaviar 19.45; Das

melancholische Mädchen 21.45

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Traumfabrik 13.45,

16.40, 19.40; Long Shot –Unwahrscheinlich, aber

nicht unmöglich 13.50; Aladdin 13.50, 16.45,

19.45; Spider-Man: Far From Home 14.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.00; Pets II 14.20,

16.50; 3D: Pets II 14.50,17.20,20.00;Annabelle

III 16.50, 20.10; Drei Schritte zuDir 17.00,20.15;

3D: Spider-Man: Far From Home 17.10, 19.30;

John Wick: Kapitel III 19.50

Kino Kiste (✆ 998 7481) Unheimlich perfekte

Freunde 13.00; Yuli 14.35; Mister Link: Ein fellig

verrücktes Abenteuer 16.40; Kaviar 18.25; Monsieur

Claude II20.05

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) Alfons Zitterbacke

–Das Chaos ist zurück 11.50; Aladdin

11.50, 14.20, 17.00, 19.50; 3D: Pets II 12.00,

14.10, 17.10, 19.40; 3D: Aladdin 12.00; TKKG –

Jede Legende hat ihren Anfang 12.10; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen12.15;Willkommen im Wunder

Park 12.20; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

12.30,14.50; Pets II12.40,15.00,16.00,18.10;

Dancing Queens 14.00; 3D: Spider-Man: Far From

Home 14.15, 17.20, 20.10; Long Shot –Unwahrscheinlich,

aber nicht unmöglich 14.20; Bailey:

Ein Hund kehrt zurück 14.40; Traumfabrik 14.45,

17.10, 20.00; Spider-Man: Far From Home 16.40,

19.45;Godzilla 2–King of theMonsters 17.00;Annabelle

III 17.15, 20.20; Drei Schritte zu Dir 17.30,

20.15; Avengers: Endgame 19.30; John Wick: Kapitel

III 20.00

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A The Dead Don‘t Die

(OmU) 17.30, 20.00, 22.20; B Tel Aviv OnFire

(OmU) 17.15,19.30,21.45

fsk amOranienplatz (✆ 614 2464) Erde (OmU)

18.00; Das melancholische Mädchen (DFmenglU)

18.15, 20.15, 22.00; Nuestro tiempo –Our Time

(OmU) 20.00

Moviemento (✆ 692 4785) Eine moralische Entscheidung

–Bedoone tarikh, bedoone emza (OmU)

13.15; Preview: Tel Aviv On Fire (OmU) 15.30,

17.45, 20.00, 22.15; TKKG –Jede Legende hat ihrenAnfang

11.30; Checker Tobi und das Geheimnis

unseres Planeten 13.45; Rocketman (OmU) 15.45;

Blown Away–Music,Miles and Magic (OmU) 18.30;

High Life (OmU) 21.15; Die Winzlinge: Abenteuer in

der Karibik 10.30; Preview: TelAviv On Fire (OmU)

12.45; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück

15.00; TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang

17.15; Inna de Yard –The Soul of Jamaica (OmU)

19.30; Border –Gräns (OmU) 21.45

RegenbogenKino (✆ 69 57 95 17)Die rote Linie –

Widerstand im Hambacher Forst 20.30

Sputnik (✆ 694 1147) Push –Für das Grundrecht

auf Wohnen (OmU) 17.00; Don‘t Give aFox (OmU)

18.30; Roads (OmU) 20.15; Rocketman (OmU)

22.00; All MyLoving –Eine Geschichte von drei

Geschwistern (OmenglU) 17.00; Kaviar (OmenglU)

19.00; Burning –Beoning (OmU) 21.00; Kinobar

im Sputnik TheArtist &The Pervert (OmU) 21.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Geheimnis eines Lebens

15.20, 17.40, 20.00; New TelAviv OnFire 16.45,

19.00, 21.15

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Pets II 12.45,

14.00, 16.00, 18.00; Spider-Man: Far From Home

14.15; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.45;

Aladdin 14.45, 19.45; 3D: Pets II 15.00, 20.15;

3D: Spider-Man: Far From Home 17.00, 20.00;

Kroos 17.00; Traumfabrik17.15, 20.00; Drei Schritte

zu Dir 17.30; Ein Becken voller Männer 20.15

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Pets II13.00,

15.45; Geheimnis eines Lebens 13.00, 17.45; Ein

Becken vollerMänner 13.00; DerKlavierspieler vom

Gare du Nord 15.15; 3D: Aladdin 15.15; TKKG –

Jede Legende hat ihren Anfang 18.00; 3D: Pets II

18.00,20.15;Tolkien 20.00; Men in Black: 20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.30; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 11.30; Willkommen imWunder

Park 11.45; TKKG –Jede Legende hat ihren

Anfang 11.45; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

11.45; Pets II 12.00, 14.15,17.00;Aladdin 12.00,

14.00, 17.00; 3D: Pets II 12.30, 15.00, 17.30,

20.15; Spider-Man: Far From Home 14.00, 19.45;

Men inBlack: 14.00; Long Shot –Unwahrscheinlich,

aber nicht unmöglich 14.00; Drei Schritte zu

Dir 14.00, 17.00; Avengers: Endgame 15.15; 3D:

Spider-Man: Far From Home 16.30, 19.45; Traumfabrik

16.45, 19.50; Annabelle III 17.05, 20.15;

3D: Men inBlack: 19.50; 3D: X-Men: Dark Phoenix

20.00

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Mirai: Das Mädchen aus

der Zukunft 17.00; Eine moralische Entscheidung

19.00; Kaviar 21.00; Mamacita (OmU) 18.00; Nur

eine Frau (OmenglU) 19.45;Wenn Fliegen träumen

21.45

Babylon (✆ 2425969) NewYork–New York: Fame

–Der Wegzum Ruhm(OmU) 17.00; NewYork–New

York: Cruising (OmU) 17.00; New York –New York:

Hundstage –Dog Day Afternoon (OmU) 17.15; Peter

Azen Trilogy: Cacaya (OmenglU; m. Vorfilm, Gast

u. Gespräch) 19.30; NewYork –New York: Birdman

oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

–Birdman orthe Unexpected Virtue of Ignorance

(OmU) 19.30; New York – New York: Taxi Driver

(OmU) 20.00;

New York –New York: The Wolf of Wall Street (OF)

21.15; New York –New York: 25 Stunden –25th

Hour (OmU) 21.45; NewYork –New York: Der Marathon

Mann (OmU) 22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73)

Rocketman (OmU) 12.15, 14.45, 17.15, 20.00,

22.45; Der Klavierspieler vom Gare du Nord –Au

bout des doigts (OmU) 11.00, 19.45; Greta (OmU)

13.15; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück

15.15; Monsieur Claude II – Qu‘est-ce qu‘on a

encore fait auBon Dieu? (OmU) 17.30; Border –

Gräns (OmU) 22.15

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 11.00; Spider-

Man: Far From Home 11.10, 14.20; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 11.10; Drei Schritte zuDir

11.20, 17.15, 20.00; Dancing Queens 11.20; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.30; Bailey: Ein

Hund kehrt zurück 11.40; 3D: Pets II 12.00, 14.30,

17.00,19.30; Pets II12.30, 15.00, 17.30, 22.30;

Avengers: Endgame 13.15; X-Men: Dark Phoenix

13.30;Aladdin 13.45, 16.45; Long Shot –Unwahrscheinlich,

aber nicht unmöglich 14.00, 22.50;

Glam Girls: Hinreißend verdorben 14.10; Traumfabrik

14.15, 16.20,20.15; 3D: Spider-Man: Far From

Home 16.40,19.45, 23.00; Kroos17.00; Annabelle

III 17.45, 20.30, 23.15; 3D: Aladdin 19.20; 3D:

Men inBlack: 19.40, 22.40; John Wick: Kapitel III

19.50, 23.10; 3D: Avengers: Endgame 22.00; 3D:

X-Men: Dark Phoenix 23.15; Ma –Sie sieht alles

23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Britt-Marie war

hier –Britt-Marie var här (OmU) 14.30; Nonna Mia!

–Metti la nonna in freezer (OmU) 16.45, 19.00;

Vice –Der zweite Mann (OmU) 21.15; Berlin Babylon

(Omdt+englU) 14.30; Ein Becken voller Männer

–Legrand bain (OmU) 16.30, 19.00; Nuestro

tiempo –Our Time (OmU) 21.30; Sunset –Napszallta

(OmU) 14.30; Inna deYard –The Soul of

Jamaica (OmU) 17.30; The Dead Don‘t Die (OmU)

19.45, 22.00; TelAviv On Fire (OmU) 14.45, 19.00;

Das melancholische Mädchen (OmenglU) 17.00,

21.15; Burning –Beoning (OmU) 14.00, 21.00; O

Beautiful Night (OmenglU) 17.00, 19.00

International (✆ 24 75 60 11) Geheimnis eines

Lebens 16.30, 19.00; Siegessäule und Teddy präs.

MonGay: Preview: Yesterday (OmU) 22.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Willkommen im Wunder Park 12.00; Spider-Man:

Far From Home 12.00, 14.10, 17.10, 20.00; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 12.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 12.00, 14.40; Pets II

12.00,14.30,17.00; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 12.00; Aladdin 12.00,14.15, 17.10;

3D: Pets II12.30, 15.00, 17.30, 20.00; Traumfabrik

14.00, 17.10, 19.45; Drei Schritte zu Dir 14.00,

16.45; TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang

14.30;Pets II –The SecretLifeofPets 2(OF)14.50;

Spider-Man: FarFrom Home (OF) 17.00,20.15; Annabelle

III 17.00, 20.10; Men in Black: 17.10; 3D:

Spider-Man: Far From Home 19.30; Sneak Preview

(OF) 20.00; Sneak Preview 20.00; Kroos 20.00

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Ein Becken voller Männer

–Legrand bain (OmU) 12.00, 19.00; Aladdin

(OmU) 14.30; Zwischen den Zeilen –Doubles vies

(OmU) 17.00; Burning –Beoning (OmU) 21.15

Neues Off (✆ 62 70 95 50) The Dead Don‘t Die

(OF) 17.00, 19.30,22.00

Passage (✆ 68 23 70 18) The Dead Don‘t Die

(OmU) 18.15, 20.45; Rocketman (OmU) 18.15,

20.45;Nur eine Frau 19.00; Ein Beckenvoller Männer

–Legrand bain (OmU) 21.10

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Spider-Man: Far From

Home (OF) 17.40, 20.30, 22.20; Geheimnis eines

Lebens –Red Joan (OmU) 17.40, 20.00; They

Shall Not Grow Old (OmU) 16.45, 19.00; Burning

(OmenglU) 21.15;Tolkien (OmU) 16.15; TelAviv On

Fire (OmU) 18.40, 20.50; Burning –Beoning (OmU)

16.30,19.30; OBeautiful Night (OmenglU) 22.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Aladdin13.50,16.45, 19.45; MeninBlack: 14.05;

Long Shot –Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

14.10; Pets II 14.15,17.30; Spider-Man: Far From

Home 14.20; 3D: Pets II 15.00, 17.10, 20.00; 3D:

Spider-Man: Far From Home 16.30, 19.45; Traumfabrik

17.20, 20.15; Annabelle III 17.30, 20.10;

Sneak Preview 20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) Erde (OF) 12.00, 19.00;

Burning –Beoning (OmU) 12.20; Das melancholische

Mädchen (OmenglU) 14.20, 21.20; Pippi

Langstrumpf 16.00; Mo&Friese unterwegs 16.00;

High Life (OmU) 17.00; OBeautiful Night (OmenglU)19.10;

Nuestrotiempo –Our Time (OmU) 21.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Pets II

14.00, 16.00, 18.40, 20.45; Geheimnis eines Lebens

16.20, 18.00, 20.30; TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 14.15


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

tag von mehreren Autoren umkreist.

Luft und Lesen

Bücher sind Einkehr,Sommer ist

Draußensein –das passtnicht zusammen?

Doch: Wenn manLyrik auf dem Schiff hört

oder sich auf die Spuren des

Brandenburg-Wanderers Fontane begibt

LITERATUR

Theodor-Fontane-Woche 8.–12. 7.,

jeweils ab 20 Uhr,Literaturforum im

Brecht-Haus, Chausseestr.125

Körper.Texte I: Lesung und Gespräch

mit Doris Anselm und Isabelle Lehn

9. 7., 19.30 Uhr,Literarisches

Colloquium, Am Sandwerder 5

Floating Alphabet 11. 7., 20.30–

22.30 Uhr,Bootsanlegestelle HKW

DPA

wieso auch da und schrieb: „Buckow

hat einen guten Klang hierlands (...)

und bei bloßer Nennung des Namens

steigen freundliche Landschaftsbilder

auf.“

Die Woche bietet aber noch andereMöglichkeiten,

in schöner,luftiger

Umgebung zu sein und gleichzeitig

Literatur zu erleben. Das Literarische

Colloquium, das schon wegen

prächtigster Wannsee-Lage

immer einen Besuch wert ist, beginnt

am Dienstag eine neue verheißungsvolle

Reihe mit dem Titel„Körper.Texte“.

So sparsam der Name,so

ergiebig das Thema: Was heißt es,

dass Literatur und Kunst über Jahrhunderte,

ach, Jahrtausende von

Männern bestimmt wurden? Dass

die meisten Frauenfiguren in Romanen

Produkte männlicher Vorstellung

sind,EffiBriest oder Jenny Treibel

zum Beispiel der Fantasie des

Mannes Theodor Fontane entsprangen?

DieReihe im Literarischen Colloquium

stellt die Frage, ob es neue

Ausdrucksformen, neue Erzähltechniken,

braucht, mit denen schreibende

Frauen dem männlichen

Blick entkommen und über ihre Erfahrungen,

ihr Leben schreiben können.

Unter den nicht wenigen Autorinnen,

deren Romane und Essays

sich nach und nach zu einem neuen

weiblichen Kanon summieren könnten,

sind zunächst Doris Anselm

(„Hautfreundin“, Luchterhand) und

Isabelle Lehn („Frühlingserwachen“,

S. Fischer) ins LCBeingeladen. Beide

eint ein klischeefreier humorvoller

Blickauf Körper,Sexualität, Gefühle,

der dasSelbstreferenzielle nicht verhehlt.

Isabelle Lehns Protagonistin

etwa heißt: Isabelle Lehn.

Eine weitere reizvoll am Wasser

gelegene Institution, das Haus der

Kulturen der Welt, hat am Freitag

eine Veranstaltung auf dem Programm,

bei der man dem sommerlichen

Aktivitätsdrang ebenso gerecht

werden kann wie dem Wunsch nach

gedanklicher Einkehr:Die „Alphabet

Readings“, eine Veranstaltungsreihe,

die verschiedene literarische Genres

nach ihrem aktuellen Weltbezug befragt,

wird auf ein Schiff verlegt. Es

legt am HKW ab,fährtamHansaviertel

vorbei bis zumWesthafen und zurück.

Dichter und Dichterinnen lesen

auf dem Oberdeck, besprochen

werden kann das Gehörte auf dem

Unterdeck.

Freiluftkino

Ein Film

für die große

Leinwand

Die Wetteraussichten für

Montagabend sind gut.

Temperaturen von umdie 17

Grad lassen sich mit einer

leichten Jacke aushalten und

die Regenwahrscheinlichkeit

von drei Prozent ist eine zu

vernachlässigende Größe. Das

ist eine prima Gelegenheit für

alle Nachzügler, sich einen

Film anzusehen, der definitiv

die Kinoleinwand braucht.

Netflix ist ja schön und gut,

aber doch was für den Winter.

Es geht hier um „Roma“, diesen

wundervollen Film des

mexikanischen Regisseurs Alfonso

Cuarón, der nicht nur

mit drei Oscars ausgezeichnet

wurde, sondern sogut wie jeden

Filmpreis dieser Welt erhalten

hat. Aufgrund der Spannungen

zwischen dem Streamingdienst

und der Kinobranche

war „Roma“ seinerzeit nur

recht kurzinden Filmtheatern

zu sehen. Also nichts wie hin!

Frank Junghänel

Roma 21.30Uhr,Freiluftkino Kreuzberg,

im Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz

2

CLUB

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Nice One, Nadine, Nils Twachtmann, Steve

Challier

KitKat/Sage-Club (Köpenicker Str.76)

23.00: Electric Monday, Andre Lohmann, Alexis

Cabrera, Ricardo Rodriguez

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

22.00: Hungry Monday

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 18.00: Multisexual Boxhopping

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

21.00: StrangeTunes On Monday

SO36 (✆ 61 40 13 06)

19.00: Roller Skate Disko, Rollers HiFi

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Salsa, Flori, Wilbert, Naudy

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Montagsswing,MondaySwing Night DJ Team

MUSEEN

Anti-Kriegs-Museum (✆ 45 49 01 10)

16.00: StändigeAusstellungdes Anti-Kriegs-Museums,

Gruppen n. Vereinb.: 402 86 91

16.00: Die Revolution –Rätedemokraten gegen

Gewalt und Krieg 1919-2019, tgl. 16-20 Uhr

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

10.00: Kunst in Berlin 1880–1980

10.00: Fazit, realities:united

10.00: Gartenparade, Atelier le balto

10.00: Stadtrand Berlin, André Kirchner

10.00: Lotte Laserstein. VonAngesicht zu Angesicht

10.00: Gesichter der Zwanziger Jahre,

Mi-Mo 10-18 Uhr

Braun-Sammlung Ettel Museum für Design

(Elberfelder Str.37) 11.00: Unterhaltungselektronik

1950-1990, So/Mo 11-17 Uhr

Brücke-Museum (✆ 831 20 29)

11.00: Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke

im Nationalsozialismus, Mi-Mo 11-17Uhr

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí–Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

DDR Museum Berlin (✆ 847 12 37 31)

10.00: Geschichte zum Anfassen, tgl. 10-20,

Sa 10-22 Uhr

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

10.00: Deutsche Geschichte in Bildernund

Zeugnissen

10.00: Weimar:Vom Wesen und Wert der Demokratie,

tgl. 10-18 Uhr

Deutsches Spionagemuseum (✆ 398 20 04 51)

10.00: Hauptstadtder Spione, tgl. 10-20 Uhr

Georg Kolbe Museum (✆ 304 21 44)

10.00: Lynn Chadwick –Biester der Zeit,

tgl. 10-18 Uhr

Haus der Wannsee-Konferenz (✆ 80 50 01 -0)

10.00: Villencolonie Alsen am Großen Wannsee

10.00: Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord

an den europäischen Juden, tgl. 10-18 Uhr

Jüdisches Museum (✆ 25 99 33 00)

10.00: res.o.nant,Mischa Kuball

10.00: Awie Jüdisch. In 22 Buchstaben durchdie

Gegenwart

10.00: DAGESH-Kunstpreis: Open, Closed,Open, Liat

Grayver,Yair Kira, Amir Shpilma

10.00: This Place, WendyEwald, Martin Kollar,Josef

Koudelka, Jungjin Lee, Gilles Peress u. a.,

tgl. 10-20 Uhr

Keramik-Museum Berlin (✆ 321 23 22)

13.00: 100. Ausstellung des KMB –ein Rückblick

13.00: Till Sudeck (1926-2014)

13.00: Max Roesler, Fr-Mo 13-17 Uhr

Käthe-Kollwitz-Museum (✆ 882 52 10)

11.00: Mehr als ein Leben. Dauerausstellung des

Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, Käthe Kollwitz

11.00: Verein der Berliner Künstlerinnen: 12 aus46,

tgl. 11-18 Uhr

Liebermann-Villa am Wannsee (✆ 80 58 59 00)

10.00: Max Liebermann –Gartenbilder

10.00: Max Liebermann und Lesser Ury. Zweimal

Großstadt Berlin, Mi-Mo/Feiert. 10-18 Uhr

Mauermuseum –MuseumHaus am Checkpoint

Charlie (✆ 25 37 25 -0) 9.00: StändigeAusstellung

desMauermuseums, tgl. 9-22 Uhr

Mori-Ôgai-Gedenkstätte (✆ 282 60 97)

10.00: Zwischen den Kulturen.Mori Ôgai 1862-1922

10.00: TokyoBlurred, 2019, Peter Brune, Mo-Fr

10-14 Uhr

Museum BlindenwerkstattOtto Weidt

(✆ 28 59 94 07) 10.00: Blindes Vertrauen –versteckt

am Hackeschen Markt 1941-1943

10.00: „... und immer wieder bewundernwir Eure

mit aufopfernder Liebe prima gepackten Pakete“, tgl.

10-20 Uhr

Museum für Film und Fernsehen (✆ 300 90 30)

10.00: 120 Jahre Deutsche Filmgeschichte und

Fernsehgeschichte in West und Ost

10.00: Kino der Moderne. Film in der Weimarer

Republik, Mi-Mo/Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Neues Museum (✆ 266 42 42 42)

10.00: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

10.00: Museumfür Vor- und Frühgeschichte mit

Objekten der Antikensammlung

10.00: Zurück! Steinzeit. Bronzezeit. Eisenzeit

10.00: Schätze aus dem Rhein –Der Barbarenschatz

vonNeupotz

10.00: Die Krone vonKertsch. Schätzeaus Europas

Frühzeit

10.00: Cinderella, Sindbad &Sinuhe, tgl./Feiert.

10-18, Do 10-20 Uhr

Neue SynagogeBerlin –Centrum Judaicum

(✆ 88 02 83 16) 10.00: Tuet auf die Pforten, Apr.-

Sept: Mo-Fr 10-18, So 10-19 Uhr

10.00: Es wareinmal in Jerusalem. AVeryPersonal

View.Palestine-Israel, 1938-1955, Gabriella Rosenthal,

Mo-Fr 10-18, So 10-18 Uhr

Pergamonmuseum (✆ 266 42 42 42)

10.00: Transkulturelle Beziehungen, globale Biografien

–islamische Kunst?

10.00: Antikensammlung

10.00: Museum für Islamische Kunst (Steinfassade

vonMschatta)

10.00: Vorderasiatisches Museum (Ischtar-Tor)

10.00, 10.00 Museum für Islamische Kunst: Traum

und Trauma. Wiedereröffnung der Teppichsäle

10.00: Elefantengeschichten, tgl./Feiert. 10-18,

Do 10-20 Uhr

Pergamonmuseum. Das Panorama

(Am Kupfergraben 2) 10.00: Pergamon. Meisterwerke

der antiken Metropole und 360°-Panorama von

Yadegar Asisi, tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Schwules Museum (✆ 69 59 90 50)

14.00: My Dearest Sweet Love:Christopher Isherwood

&Don Bachardy

14.00: Karol Radziszewski: Queer Archives Institute,

Mi-Mo 14-18, Do 14-20, Sa 14-19 Uhr

Stasi Museum Berlin (✆ 553 68 54)

10.00 Haus 1: Staatssicherheit in der SED-Diktatur,

Mo-Fr 10-18, Sa/So/Feiert.11-18 Uhr

Topographie des Terrors (✆ 25 45 09 50)

10.00: Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt

in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße

10.00: Das Reichsarbeitsministerium1933-1945.

Beamte im Dienst des Nationalsozialismus

10.00: Topographie des Terrors, tgl. 10-20 Uhr

Trabi-Museum Berlin (✆ 30 20 10 30)

10.00: Die Welt der Trabis, tgl. 10-18 Uhr

Werkbundarchiv –Museum der Dinge

(✆ 92 10 63 11) 12.00: 111/99: Einzelstück oder

Massenware?, Do-Mo 12-19 Uhr

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Geheimnis

eines Lebens 15.40, 20.20; Geheimnis eines

Lebens –Red Joan (OmU) 18.00; Sneak Preview

22.00;Tel Aviv On Fire 14.15, 16.30, 18.45, 21.00;

Pets II 14.00, 16.00, 18.00, 20.00; TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 14.20; Rocketman (OmU)

16.30;The Dead Don‘t Die (OmU) 19.00; The Dead

Don‘t Die 21.15; Der Klavierspieler vom Gare du

Nord 15.15; Ein Becken voller Männer 17.30; Burning

20.00

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang 13.45;

Spider-Man: Far From Home 13.45, 16.45, 19.45,

22.30; Traumfabrik 14.00, 17.00, 20.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.00; Pets II 14.15,

16.40; Zwischen den Zeilen –Doubles vies (OmU)

14.20; 3D: Pets II 14.30, 16.30; Der Fall Collini

14.40; Spider Murphy Gang –Glory Days of Rock

‚n‘ Roll 16.15; Ein Becken voller Männer –Legrand

bain (OmU) 16.40, 19.30; Der Klavierspieler vom

Gare du Nord –Aubout des doigts (OmU) 17.00;

Geheimnis eines Lebens –Red Joan (OmU) 17.30,

19.00; Kaviar 18.30; Tolkien (OmU) 19.00; Pets II

–The Secret Life ofPets 2(OmU) 19.30, 23.00;

Sneak Preview 20.00; The Dead Don‘t Die (OmU)

20.50, 22.50; Avengers: Endgame (OmU) 21.30;

Burning –Beoning (OmU)21.40; Rocketman (OmU)

21.45;Aladdin (OmU) 22.40

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Kurische Nehrung

(OmU) 19.00; Kaviar (OmU) 20.30

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Rote Räte- Die

bayrische Revolution aus der Sicht vonAugenzeugen

17.30; Iminneren Kreis 18.30; Der kleine Vampir

(OmenglU; m. Vorfilm) 20.30; Roland Klick: The

Heart IsaHungry Hunter 22.15

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00)Traumfabrik

14.10, 17.00, 19.50, 22.45; Aladdin 14.10,

17.05, 19.50; Spider-Man: Far From Home 14.15;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.15; Men in

Black:14.15, 17.00; Godzilla 2–Kingofthe Monsters

14.20;EinBeckenvoller Männer14.20, 17.10,

19.55; Pets II14.30, 17.00; Drei Schritte zu Dir

14.30, 17.15, 20.10; 3D: Pets II 15.00, 17.30,

20.00, 22.45; 3D: Spider-Man: Far From Home

16.45, 20.00, 22.45; Annabelle III 17.15, 20.15,

22.45;JussiAdler-Olsen: Verachtung17.20;X-Men:

DarkPhoenix 19.45; Long Shot–Unwahrscheinlich,

aber nicht unmöglich 19.50; 3D: Spider-Man: Far

From Home (OF) 20.00; Kaviar 22.45; John Wick:

Kapitel III 22.45; Brightburn: Son of Darkness

22.45

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Ein Becken voller Männer14.45;Rocketman 17.40,

20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Stan &Ollie 18.00; Nur

eine Frau 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Geheimnis eines Lebens

– Red Joan (OmU) 16.10, 18.30; The Dead Don‘t

Die (OmU) 20.50

Xenon (✆ 78 00 15 30) Freak Show (OmU) 18.00;

Ein Becken voller Männer –Legrand bain (OmU)

20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) TKKG –

Jede Legende hat ihrenAnfang 10.00, 12.15; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 11.55, 14.15;

Pets II 10.00, 12.15, 14.30, 17.00; 3D: Pets II

10.00, 12.40, 14.45, 19.30; Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 12.10; Spider-Man: Far From Home

14.10, 17.10; Drei Schritte zu Dir 14.40, 16.50;

Kroos 17.15; Traumfabrik 17.20, 19.40; Sneak

Preview 20.00; 3D: Spider-Man: Far From Home

20.15; Annabelle III 20.20

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Van

Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 16.00; Monsieur

Claude II 18.15; Rocketman 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 0711) Traumfabrik 14.30,

17.30,20.30

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 13.00; TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 13.15; Pets II 14.00, 16.00,

18.30, 20.30; Spider-Man: Far From Home 15.00;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 15.30; Drei

Schritte zuDir 16.00, 20.30; Traumfabrik 17.45,

20.30; 3D: Spider-Man: Far From Home 17.45,

20.30; All MyLoving –Eine Geschichte von drei

Geschwistern 18.00

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Pionierinnen des Film

Noir: xxxlöschenxxxDoden er et kjaertegn –Death is

aCaress (OmenglU) 20.00; China im DEFA-Dokumentarfilm:

Starke Freunde im fernen Osten (u.a.;

m. Einführung) 19.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

Pets II 12.30, 13.00, 14.00, 16.40; Dancing

Queens 12.30; Traumfabrik 12.40, 16.00, 19.20,

22.00; Aladdin 12.50, 13.30; Spider-Man: Far

From Home 13.00, 16.00, 19.40; Bailey: Ein Hund

kehrt zurück 13.10; Nur eine Frau 13.15; Drei

Schritte zu Dir 13.30, 16.50,20.10, 22.50;

Der Junge muss an die frische Luft 13.30; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 13.40; Hollywoodtürke

13.40; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

13.45; After Passion 13.50; 3D: Spider-Man: Far

From Home 14.15, 17.00,20.30, 23.00; Monsieur

Claude II 14.20; 3D: Pets II 14.30, 17.10, 19.45,

23.00; TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang

15.00, 15.10; Avengers: Endgame 16.00, 20.20;

Ein Becken voller Männer 16.10, 19.20; Geheimnis

eines Lebens 16.20,19.10; 3D: Aladdin 16.20,

19.30, 22.50; Men in Black: 16.30, 20.00,23.00;

Godzilla 2–King ofthe Monsters 16.30; Kroos

16.40, 19.45; Der Klavierspieler vom Gare du Nord

16.50; Annabelle III 16.50, 19.50, 23.00; Tolkien

17.10; X-Men: Dark Phoenix 17.40, 19.30, 23.00;

3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 17.40; Glam

Girls: Hinreißend verdorben 17.50; Rocketman

19.40; Sneak Preview 20.00; Brightburn: Son of

Darkness20.00,23.10; Der Fall Collini 20.35; John

Wick: Kapitel III 20.40, 22.40, 22.50; Long Shot

–Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich 20.45,

22.40; 3D: Godzilla 2–King of theMonsters 22.40;

The Dead Don‘t Die 22.50

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 0200)

Aladdin (OF) 13.20, 16.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu –Pokemon Detective Pikachu (OF)

13.30; Men in Black: (OF) 13.30; Tolkien (OF)

13.45; Avengers: Endgame (OF) 13.50; Spider-

Man: Far From Home (OF) 14.00; Pets II –The Secret

Life of Pets 2(OF) 14.30, 17.50; 3D: Pets II –

The Secret Life of Pets 2(OF) 15.00, 17.10,19.30;

3D: X-Men: Dark Phoenix (OF) 16.20; Annabelle III

(OF) 16.40, 20.20; Long Shot –Unwahrscheinlich,

aber nicht unmöglich (OF) 16.50; 3D: Spider-Man:

Far From Home (OF) 17.00,20.10; Brightburn: Son

of Darkness (OF) 17.30; 3D: Men in Black: (OF)

19.20; Rocketman (OF) 19.30; 3D: Aladdin (OF)

19.40; Geheimnis eines Lebens –Red Joan (OF)

19.50; John Wick: Kapitel III –John Wick: Chapter

3–Parabellum (OF) 20.00

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Galapagos:

Rätsel der verlorenen Welt 11.30; 3D: Spider-Man:

Far From Home (OF) 12.45, 16.00; 3D:

Spider-Man: Far From Home 19.15

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Diamantino

(OmU) 18.00; Cleopatra (OmU) 20.00; Spider-

Man: Far From Home (OF) 22.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 1650) Traumfabrik 10.00, 14.30,

17.00, 20.00, 22.30; TKKG –Jede Legende hat

ihren Anfang 10.00, 12.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 10.00, 12.15, 15.00; Pets II 10.00,

12.00, 14.00, 16.00; Mister Link: Ein felligverrücktes

Abenteuer 10.00; Spider-Man: Far From Home

12.30, 14.00, 17.00; 3D: Pets II 12.30, 15.00,

17.30, 20.15, 22.30; Drei Schritte zu Dir 17.30,

20.00;Annabelle III 18.00, 20.15, 22.30; 3D: Spider-Man:

Far From Home 20.00, 22.30; John Wick:

Kapitel III 22.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Pünktchen und Anton

14.00; Lampenfieber 16.15; Edie –Für Träume ist

es nie zu spät 18.15; Britt-Marie war hier 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Spider-Man: Far From Home 11.30, 14.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.30; Pets II 11.30,

14.00, 16.30; Drachenzähmen leicht gemacht

3: Die geheime Welt 11.30; Avengers: Endgame

11.30, 15.30; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist

zurück 11.35; Ostwind 4 – Aris Ankunft 11.45;

Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 11.50;

3D: Pets II 12.10, 14.40, 17.10, 19.30; Aladdin

14.00; Traumfabrik 14.05, 17.05, 19.40; Men in

Black: 14.15; TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang

14.30; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 14.45;

3D: Men in Black: 17.00; 3D: Spider-Man:Far From

Home 17.05, 20.10; Annabelle III 17.15, 20.10;

Glam Girls: Hinreißend verdorben 17.30; 3D: X-

Men: Dark Phoenix 19.20; 3D: Aladdin 19.30; 3D:

Godzilla 2–King of the Monsters 19.40; John Wick:

Kapitel III 19.55; Drei Schritte zu Dir 19.55

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) TKKG –

Jede Legende hat ihrenAnfang 12.00; Spider-Man:

Far From Home 12.00, 14.00, 17.00; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 12.00, 14.45; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 12.00, 14.30; Bailey: Ein

Hund kehrt zurück 12.00; Pets II 12.15, 14.35,

17.00; 3D: Pets II 12.30, 15.00, 17.30, 20.00;

Aladdin 14.10, 17.00; Drei Schritte zu Dir 14.20;

Traumfabrik 16.40, 19.40; Kroos 17.00; Annabelle

III 17.00, 20.10; 3D: Spider-Man: Far From Home

19.30; Spider-Man: Far From Home (OF) 20.00;

Sneak Preview 20.00; Sneak Preview (OF) 20.10

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Die Alptraumfrau

19.00; Erde (OmU) 21.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Pets II 10.15,

12.15, 14.15, 16.15, 18.15, 20.15; Rocketman

12.30, 20.00; TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang

15.15; Der Klavierspieler vom Gare duNord

17.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85)All My Loving –

Eine Geschichte von drei Geschwistern 15.30; Erde

18.00; Der Klavierspieler vom Gare du Nord 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Aladdin 13.00,

20.15; Dancing Queens 15.45; Ein Becken voller

Männer 17.45

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Monsieur Claude II18.00; Außer

Atem –About de souffle (OmU) 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Geheimnis eines Lebens

15.30, 18.00, 20.30

FREILUFTKINOS

Freiluftkino Friedrichshagen (✆ 65 01 31 41)

Weit. Die Geschichte von einem Weg umdie Welt

21.15

Freiluftkino Hasenheide (✆ 2834603) Vice –Der

zweite Mann (OmU) 21.45

Freiluftkino Insel imCassiopeia (✆ 35 12 24 49)

Roads (OmU) 21.45

Freiluftkino Kreuzberg Roma (OmU) 21.30

Freiluftkino Rehberge Birds OfPassage: Das grüne

Gold der Wayuu –Pajaros de verano (OmU) 21.30

Open Air Kino Mitte (✆ 28 59 99 73) Capernaum

–Stadt der Hoffnung (OmenglU) 21.45

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Mandy (OmU) 21.45

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain RBG –Ein

Leben für die Gerechtigkeit (OmU) 21.45

Sommerkino Kulturforum amPotsdamer Platz (✆

89 37 14 31) Coffee and Cigarettes (OmU) 21.30

POTSDAM

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Pets II

14.00, 16.15, 18.30; Die unglaublichen Abenteuer

von Bella 14.30;Traumfabrik 15.45,18.15, 20.30;

TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang 16.15;They

Shall Not Grow Old (OmU) 16.45; Geheimnis eines

Lebens 16.45, 18.30; Ein Becken voller Männer –

Le grandbain (OmU) 18.45; Pets II –The Secret Life

of Pets 2(OmU) 20.45; Geheimnis eines Lebens –

Red Joan (OmU) 21.00; Dunkel,fast Nacht –Ciemno,prawie

noc (OmU) 21.15

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

Spider-Man: Far From Home 13.40; Aladdin 13.40,

16.45; Traumfabrik 13.50, 16.50, 19.55; Pets II

14.00, 17.00; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 14.00;

Men inBlack: 14.10, 16.45; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.15; 3D: Pets II 14.30, 17.20,

20.15; 3D: Spider-Man: Far From Home 16.30,

19.45; Rocketman 17.00; Annabelle III 17.00,

20.15; John Wick III 19.35; Godzilla 2–King of the

Monsters 19.40; 3D: Aladdin 19.50; Long Shot –

Unwahrscheinlich,aber nicht unmöglich 19.55

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 8877) Pets II

15.00, 17.15; 3D: Pets II19.30

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Spider-

Man: Far From Home 11.45, 14.30; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.45, 14.15; Aladdin

11.45, 14.40; Willkommen im Wunder Park 11.50;

Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime

Welt 11.50; TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang

12.00; 3D: Pets II 12.00, 14.30, 17.00, 19.30;

Mister Link 12.00; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 12.20; Pets II 12.30, 15.00, 17.30, 20.00;

Traumfabrik 14.10, 17.10, 20.05; Bailey: Ein Hund

kehrt zurück 14.15; Dancing Queens 14.25; Glam

Girls 14.30; Men in Black: 14.40; Rocketman

16.45; 3D: Aladdin 16.45, 19.40; Drei Schritte

zu Dir 16.50, 20.10; 3D: Spider-Man: Far From

Home 17.00, 20.00; Long Shot 17.20; Annabelle

III 17.30, 20.20; 3D: Men inBlack: 17.35, 20.30;

3D: Avengers: Endgame 19.30; John Wick III 19.50

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 13.00; TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 13.00; Pets II 13.30,

16.00; Spider-Man: Far From Home 14.45; Aladdin

15.00; 3D: Spider-Man: Far From Home 17.30,

20.30; All My Loving –Eine Geschichte von drei

Geschwistern 17.45; Drei Schritte zu Dir 17.45,

20.30; 3D: Pets II 18.30, 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Willkommen imWunder Park 12.00; TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 12.15; Aladdin 12.30,

15.05; Pets II 13.00, 15.00, 17.00; 3D: Pets II

14.00,16.00, 18.00, 19.45; Spider-Man: Far From

Home 14.30; 3D: Spider-Man: Far From Home

17.15, 20.15; Traumfabrik 17.45, 20.20; Niemandsland

–The Aftermath 20.00

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Jussi Adler-

Olsen: Verachtung 14.00, 18.00; Pets II 15.30,

19.45; Willkommen im Wunder Park 16.15; 3D:

Pets II 17.30; Godzilla 2–King ofthe Monsters

20.30


24 Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Spreewild

Klartext

Wir sprechen,

wie wir sind

VonJessica Schattenberg, 20 Jahre

Esliegt mal wieder etwas im Argen!

Der Verein Deutsche Sprache

ist besorgt über die Sprachentwicklung

bei uns jungen Leuten. Wir

hätten Probleme,uns richtig und vor

allem angemessen auszudrücken.

Überall nur noch Anglizismen und

Fantasiewörter.Schreiben, so richtig

mit Schreibschrift, können wir auch

nicht mehr, sagen sie, und klingen

dabei verfluchtkonservativ.

Dabei ist die Sprache doch kein

starres Konstrukt. Sprache, das ist

ein ewiger Prozess, stets äußeren

Faktoren ausgesetzt –seien es politische

Entscheidungen, kulturelle Einflüsse,neue

Entwicklungen oder die

Globalisierung.

Würden wir

alle das Frühneuhochdeutsch

aus

den Zeiten Martin

Luthers herauskramen

und

vom „Luftikus“

und von „Hanswurst“

sprechen,

Jessica findet nicht,

dass unsere

Sprache verfällt.

PRIVAT

wäre das dem

Sprachverein sicher

auch nicht

recht. Undnatürlich

wissen seine Mitglieder,dass Luther,

der alte Revoluzzer, seinerzeit

selbst gegen die verkrusteten

Sprachregeln aufbegehrthat.

Die Kritik ist so alt wie Aristoteles

Wie man es macht, macht man es

falsch. Auch Aristoteles hat sich

schon über die verkommende Jugend

und den Verfall der Kultur beschwert.

Denn früher war wohl mehr

Lametta. Doch auch eureVorfahren,

lieber Sprachverein, haben sich einige

Schnitzer erlaubt: Sie erfanden

Wörter wie „Fisimatenten“ und

nutzten wahrscheinlich stolz den

scheinbar französischen Begriff.

Sollte der wirklich auf den Ursprung

„Visitez matente!“ („Besuchen Sie

mein Zelt!“, sollen französische Soldaten

während der Besatzung im

19. Jahrhundert junge Damen angebaggert

haben) zurückgehen, wäre

das deutsche „Unsinn“ als Übersetzung

nämlich genau das: Unsinn.

Natürlich hat jemand, der „als“

und „wie“ vertauscht und von

„Robert seine Mom“ spricht, auch

bei mir einen schweren Stand. Und

ein handgeschriebener Brief bleibt

wesentlich schöner als Emojis.Doch

Digitalisierung rules the world. Also

warum kommen wir alle nicht wieder

auf den Carpet und atmen mal

ganz locker-flockig durch die Pants?

Im Endeffekt müssen wir uns gegenseitig

verstehen können. Nicht mehr

und nicht weniger.

MELDUNG

Kurzfilmtour macht Halt

in Berlin

Ihr seid nur noch halbstündige

Netflix-Serien gewohnt, wollt aber

mal wieder raus? Dann fahrt am16.

Juli doch in das Lichtblick-Kino in

Prenzlauer Berg. Dort werden im

Rahmen der Kinotournee des

Deutschen Kurzfilmpreises sechs

Filme aus dem aktuellen deutschen

Kurzfilmpreisrepertoire präsentiert.

jill

Mehr Infos findet ihr auf:

www.kurzfilmtournee.de

Sie ist 16 Jahrealt und Sportlerin.

Reiten, Akrobatik oder

Tanzen sind aber nicht wirklich

Milenas Metier. Crossfit,

ein hochintensiver Kraft- und Ausdauersport

mit komplexen Bewegungsabläufen

und regelmäßig

wechselnden Programmen, das ist

ihr Kampffeld. Und darin ist sie die

Beste. Indiesem Jahr wurde sie zum

„Fittest Teen in Germany“ gekürt,

landete beim deutschlandweiten

Vorentscheid für die internationalen

CrossFit Games also vor allen anderen

Mädchen unter 18. Das war Anlass

genug für uns, ihr ein paar Fragen

zu stellen. Über das, was sie zu

solchen Leistungen antreibt, über

das, was sie erreicht hat, und über

das,was sie noch erreichen will.

Wiebist du zum Crossfit gekommen?

Ich war jahrelang Kunstturnerin.

Das hat mir irgendwann keinen

Spaß mehr gemacht, da habe ich was

Neues gesucht, was trotzdem mit

Turnen zu tun hat. Unddann bin ich

übers Internet auf die CrossFit

Schmiede in Kassel (ein spezielles

Fitnessstudio, im Crossfit-Jargon

„Box“ genannt; Anm. d. Red.) gekommen.

Was ist der größte Unterschied zwischen

Turnen und Crossfit?

Im Turnen hat man vier Geräte

und seine Choreografien dazu, die

auf den Punkt genau sitzen müssen.

Siewerden deswegen immer wiederholt

und perfektioniert, während

man im Crossfit ein Work-out niemals

oder nur bei Ausnahmen zweimal

macht. So weiß man nie,was auf

einen zukommt und wie man mit

der Situation umgehen soll.

Hast du mit Klischees zu kämpfen?

Du bist muskulöser als andereMädchen,

Stichwort: „Shehulk“.

Ja,anfangs schon. Ichbekomme

auch öfter Kommentare, die das ansprechen.

Am Anfang musste ich da

auch mit mir selber kämpfen, dass

mich die negativen Kommentare

nicht unterkriegen. Aber mittlerweile

liebe ich es, wie ich aussehe, weil

daseinfach ein Zeichen vonsehr viel

harter Arbeit ist. Undwer will schon

aussehen wie alle anderen?

„Crossfit ist mein Ausgleich“

Wenn Milena Thiele nicht in der Schule ist, macht sie Sport –und zwar sehr erfolgreich

VonJulien Hoffmann, 25 Jahre

Der sogenannte Snatch ist einer von Milenas Lieblingsübungen.

Deine absolute Lieblingsübung?

Ich mag viele Sachen, aber

durch meinen turnerischen Hintergrund

besonders alle „gymnastic

movements“. Umso höher der Anspruch

der Übung, desto mehr Spaß

hat man –zum Beispiel beim Laufen

im Handstand oder beim Snatch (so

nennen Crossfitter das Reißen aus

dem olympischen Gewichtheben;

Anm. d. Red.). Ich mag komplexe

Übungen, wo man seinen Kopf anschalten

und sich konzentrieren

muss.Jeder kann mehrereMeter rudern,

aber wenige können einen perfekten

Snatch ausführen.

Drei Grundsätze, um es im Sport

weit zu bringen?

Erstens: Nicht aufgeben, auch

wenn’s mal nicht läuft, wie man will.

Zweitens: Niemals negativ denken.

Drittens: Nicht nur im Gym100 Prozent

geben, sondern auch außerhalb.

Dasind zum Beispiel Schlaf

und Ernährung sehr wichtig.

Wie sieht ein typischer Tagbei dir

aus?

Von8bis 16.30 Uhr gehe ich in

die Schule. Danach geht’s direkt in

die Box für circa drei Stunden trainieren

und coachen. Dann bin ich

Sie meinen es ernst

Vielen Kindern und Jugendlichen fehlt es an Möglichkeiten der Mitbestimmung

Bei den „Fridays for Future“-Demos protestieren Jugendliche für Klimaschutz.

Wie wichtig es ist, gerade der

jungen Generation zuzuhören,

haben die „Fridays for Future“-

Proteste eindrucksvoll gezeigt: Ohne

die zahlreichen Jungaktivisten, die

nun schon seit Monaten jeden Freitag

hoch motiviert durch Europas

Stadtzentren ziehen, würde unser

Klimaproblem heute wohl noch immer

unter einem Mantel des Schweigens

liegen.

Ungeachtet der Aufmerksamkeit,

die klimabewussten jungen Menschen

zukommt, fühlt sich ein großerTeilder

Kinder und Jugendlichen

in Deutschland jedoch weiterhin

nicht von den Erwachsenen ernst

genommen. Zu diesem Ergebnis

kommt eine Studie, die im Auftrag

der Bertelsmann Stiftung erstellt

wurde und bei der insgesamt

3500 Kinder im Alter von acht bis

14 Jahren befragt wurden. Nur rund

ein Drittel der 14-Jährigen habe

demnach das Gefühl, über ausreichend

Mitwirkungsmöglichkeiten in

Schule und Gesellschaft zu verfügen.

Zehn Prozent der Befragten aller Altersgruppen

gaben sogar an, überhaupt

nicht bei Entscheidungen der

Erwachsenen involviertzuwerden.

Offenbar nehmen viele Jugendliche

ihr Alter dabei als Stigma war:

JONAY.PHOTOGRAPHY

LISA DUCRET/DPA

so um 20 Uhr wieder zu Hause, wo

ich esse, Hausaufgaben mache, lerne

und um circa 21.30 Uhr schlafen

gehe, damit um 6Uhr mein Wecker

wieder klingeln kann.

Dein Tagist also ganz schön durchgetaktet,

das klingt wie bei einem

Profi. Wie siehst du deine Zukunft:

als Vollzeitathletin oder im Nine-tofive-Job?

Das Ziel ist, irgendwann

Vollzeitathlet zu sein. Crossfit ist für

mich mein Hobby und mein Ausgleich

zu dem ganzen Schulstress.

Und ich mache es, solange es mir

Spaß macht. Ich werde nach dem

Abierst mal ein duales Studium anfangen

mit einem Ausbildungsplatz

bei der CrossFit Schmiede. Dawerde

ich dann weiter coachen und nebenbei

trainieren, was praktisch ist,

da mein Coach, Jörn von The Forge

Concept, gleichzeitig der Inhaber

der Box ist.

Hast du eigentlich Probleme beim

Zeitmanagement?

Es ist oft schwierig, aber die

Zeit, die ich in der Box mit Training

oder Coachen verbringe, ist die beste

Zeit des Tages und fühlt sich für

mich wie Freizeit an. Ansonsten

geht Schule immer vor Training.

Die meisten Athleten bei Crossfit-

Wettbewerben sind deutlich älter als

du. Fühlst du dich da noch sehr

klein?

Nicht wirklich. Ich finde es sogar

viel besser, bei den „Großen“

mitzumachen, da ich mir vonihnen

so einiges abgucken und daraus lernen

kann. Meistens mache ich aber

auch in den „Teen“-Kategorien mit,

und da macht es dann auf dem Feld

keinen Unterschied.

Milena war am vergangenen Wochenende

bei dem Crossfit-Wettbewerb

„Berlin Throwdown“ angemeldet.

Welchen Herausforderungen sie

sich dort stellen musste und wie es

ihr dabei ergangen ist, könnt ihr am

Dienstag auf spreewild.de nachlesen.

Dieses Gespräch führte Hannes

Beyer,18Jahre.

„Die nehmen mich nicht ernst, weil

ich in der Pubertät bin“, lautet der

Befund eines resignierten Studienteilnehmers.

Sabine Andresen und

Renate Möller, die Leiterinnen der

Umfrage, stellen fest: „Sie erleben

wiederholt Abwertungen und machen

daran ungleiche Machtverhältnisse

fest.“ Grundsätzlich gelte,dass

das Empfinden der Ablehnung mit

dem Alter zunehme und Grundschüler

noch eher das Gefühl hätten,

beispielsweise im Unterricht mitbestimmen

zu können, als das in weiterführenden

Schulen der Fall sei.

Eltern hören zu, Lehrer weniger

In der eigenen Familie fühlten sich

die meisten Befragten jedoch überwiegend

ernst genommen. Fast

80 Prozent gaben an, dass ihnen die

Elternzuhören würden. Mehr als die

Hälfte habe auch das Gefühl, bei

Entscheidungen innerhalb der Familie

involviert zu sein und aktiv

mitentscheiden zu können.

Wie wichtig es ist, Kindern zuzuhören,

zeigt ein weiterer Befund der

Studie: Knapp 30 Prozent der befragten

Grundschüler berichteten, im

vergangenen Monat geschlagen, gehänselt

und ausgegrenzt worden zu

sein. An Haupt- und Gesamtschulen

waren es 20 Prozent, am Gymnasium

hingegen nur10Prozent.

Der Geschichte

so nah wie

nirgends sonst

Ein persönliches Ranking

der Berliner Museen

Von Annalena Schwobe, 20 Jahre

Noch nie habe ich mich der Geschichte

verbundener gefühlt

als indieser Stadt, in Berlin bin ich

zur regelmäßigen Museumsbesucherin

geworden. Hier ist meinganz

persönliches Ranking:

Platz 1: Naturkundemuseum

Dieses Museum ist eine der weltweit

bedeutendsten Forschungseinrichtungen

auf dem Gebiet der

Biologie und Evolution. Unter den

zahlreichen Ausstellungsstücken

befinden sich unter anderem komplett

erhaltene Skelette aus der Saurierwelt,

beeindruckende Kometen

aus dem All und lebensnahe Tierpräparate,

die uns die Geschichte

unserer Entstehung und Evolution

näherbringen als jemals zuvor. Vor

allem Dino-Fans und kleine Biologen

werden begeistert sein.

Imposant: 180 Kilogramm bringt der Kopf von

T-Rex „Tristan Otto“ auf die Waage. PICTURE ALLI-

ANCE/BERND OERTWIG

Platz 2: Dt.Historisches Museum

Von prächtigen Ölgemälden des

18. Jahrhunderts über prunkvolle

Kleider und Uniformen bis zu Originaldokumenten

aus dem Ersten

und Zweiten Weltkrieg –das Museum

bietet, vom Mittelalter bis zum

Mauerfall, tolle und lehrreiche Einblicke

in die Geschichte Deutschlands,die

selbst für Geschichtsmuffel

interessant sein werden.

Platz 3: Menschen Museum

Die Ausstellung „Körperwelten“

wagt einen tiefen und höchst komplexen

Einblick in die innere und

äußere Struktur des Menschen. Bei

denAusstellungsstücken handelt es

sich größtenteils um echte Menschen,

die beschlossen haben, ihren

Körper nach ihrem Toddem Museum

und der Wissenschaft zur Verfügung

zu stellen. Super spannend,

aber ganz sicher nichts für schwache

Nerven.

Platz 4: Neues Museum

Ob ägyptische Mumien, Pfeilspitzen

aus der Bronzezeit oder gut erhaltene

Skelette aus längst vergangenen

Zeiten –imNeuen Museum

findet man zahlreiche spannende

Ausstellungsstücke von der Steinzeit

bis heute. Eines der beeindruckendsten

ist die mehr als 3000 Jahre

alte Büste der Nofretete,einer der

bekanntesten Kunstschätze des alten

Ägyptens.

Platz 5: DDR Museum

Im DDR Museum erfährt man viel

über den Alltag und das Leben in

einem Staat, der noch gar nicht so

lange der Vergangenheit angehört.

Hier wird Geschichte lebendig. So

hat man zum Beispiel die Möglichkeit,

in einem echten Trabi zu fahrenoder

eine typischeWohnung der

damaligen Zeit zu besichtigen. Für

nicht wenige ist der Besuch im DDR

Museum eine kleine Zeitreise in die

Kindheit ihrer Eltern.

Mit freundlicher Unterstützung von:

Das Projekt „Spreewild“

im Internet unter:

Die Beiträge dieser Seite werden von

Jugendlichen geschrieben.

KONTAKT

Berliner Zeitung

Jugendredaktion

Telefon: 030/695 66 50

blz-jugendredaktion@berliner-zeitung.de

instagram.com/spreewild_de

facebook.com/spreewild

twitter.com/Spreewild


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 25

·························································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live nach Neun

9.55 (für HG) Sturm der Liebe 10.45 (für HG)

Meister des Alltags 11.15 (für HG) Gefragt –

Gejagt 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für

HG) Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau

15.10 (für HG) Sturm der Liebe 16.00 (für

HG) Tagesschau 16.05 (für HG) Radsport: Tour

de France. 3. Etappe: Binche –Épernay 17.30

(für HG) Brisant 18.00 (für HG) Gefragt –Gejagt

18.50 (für HG) Großstadtrevier 19.45 (für

HG) Wissen vor acht –Zukunft 19.55 (für HG)

Börse vor acht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Die Anden –Natur am Limit

Wüstes Hochland

21.00 (für HG) Hart aber fair

Talk

Moderation: Frank Plasberg

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Wohnungslos –Wenn

Familien kein Zuhause haben

23.30 (für HG) Operation Mondlandung

Die NASA und die Ex-Nazis

0.15 (für HG) Nachtmagazin

0.35 (für HG) Tatort Auf einen Schlag

TV-Kriminalfilm, D2016

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Susanna Ohlen, Jan Hahn 8.30 (für HG) Gute

Zeiten,schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter

uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation:

Katja Burkard 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 16.00 Meine Geschichte –

Mein Leben 17.00 Meine Geschichte –Mein

Leben 17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00

Explosiv –Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das

Star-Magazin 18.45 aktuell 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Soap 19.40 (für HG) Gute Zeiten,

schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Bauer sucht Frau International

Doku-Soap

Inka Bause begleitet die eingeladenen

Frauen auf ihren Reise zu

deutschsprachigen Landwirten in aller

Welt.

22.15 Extra –Das RTL Magazin

23.25 SpiegelTV

Clan-Kriminalität -Anklage gegen

Mitglieder einer arabischen Familie, die

sich als falsche Polizisten ausgegeben

haben

0.00 Nachtjournal

12.35 (für HG) Zwei irre Spaßvögel. Komödie,

F1983 14.00 (für HG) MDR um zwei 15.05

(für HG) Die Gänsehirtin am Brunnen. TV-Märchenfilm,

DDR 1979 16.00 (für HG) MDR um

vier 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für HG) Brisant

18.54 (für HG) Sandmann 19.00 (für

HG) MDR Regional 19.30 (für HG) Aktuell

19.50 (für HG) Ein Sommer auf Hiddensee

20.15 (für HG) Zur See 21.25 (für HG) Zur

See 22.35 (für HG) Aktuell 22.55 Kruso. TV-

Drama, D2018 0.35 (für HG) ABBA –Der

Film. Musikfilm, AUS/S 1977

Bayern

16.15 (für HG) Wir inBayern 17.30 Regional

18.00 (für HG) Abendschau 18.30 (für HG)

Rundschau 19.00 (für HG) Querbeet 19.30

(für HG) Dahoam is Dahoam 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Bezzel &Schwarz –

Die Grenzgänger 21.00 (für HG) Mit dem Luftschiff

über Bayern 21.45 (für HG) Rundschau

Magazin 22.00 (für HG) Lebenslinien 22.45

(für HG) Kir Royal 23.50 (für HG) Mama Bavaria

0.35 Vereinsheim Schwabing 1.20 (für HG)

Dahoam is Dahoam 1.50 (für HG) Wir inBayern

3.05 Frankenschau aktuell

Vox

10.55 MeinKind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 12.00 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –

Wieerziehst du denn? 15.00 Shopping Queen

16.00 Makel? Los! 17.00 Zwischen Tüll und

Tränen 18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei

19.00 Das perfekte Dinner 20.00 Prominent!

20.15 (für HG)KitchenImpossible. TimMälzer

vs. Juan Amador 23.35 Goodbye Deutschland!

Die Auswanderer. Familie Kotter,Tansania 0.35

nachrichten 0.55 (für HG) Medical Detectives–

Geheimnisse derGerichtsmedizin. Das Phantom

Super RTL

14.40 ALVINNN!!! und die Chipmunks 15.00

Dragons –Die Wächter vonBerk 15.25 Bugs

Bunny&LooneyTunes 15.50 Hotel Transsilvanien

–Die Serie 16.15 ZakStorm–Super Pirat

16.45 King Julien 17.15 What's NewScooby-

Doo? 17.40 Inspector Gadget 18.10 AL-

VINNN!!! und die Chipmunks 18.40 Woozle

Goozle 19.10 Bugs Bunny&LooneyTunes

19.40 Angelo! 20.15 On the Case –Unter

Mordverdacht 21.10 On the Case –Unter Mordverdacht

22.10 On the Case –Unter Mordverdacht

23.10 On the Case –Unter Mordverdacht

Sport1

18.00 MassiveMoves–Gefährliche Schwertransporte.

Schwimmende Festung 18.30 Massive

Moves–Gefährliche Schwertransporte. Refugium

am Fluss 19.00 Hans Sarpei –Das Tsteht für

Coach 20.00 StorageHunters. Schiffspoker

20.30 StorageHunters. Am Haken 21.00 StorageHunters.

Leere Versprechen 21.30 Storage

Hunters. Vollgas 22.00 StorageHunters. Fehlschuss

22.30 StorageHunters. Jahrmarkt 23.00

StorageHunters. Hawaii I 23.30 StorageHunters.

Hawaii II 0.00 Sport-Clips

ZDF

5.00 (für HG) ZDF.reportage. Letzter Ausweg

Pfandleihhaus 5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin

9.00 heute Xpress 9.05 Volle Kanne –

Service täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante.

Das gestohlene Kind. Krimiserie 11.15

(für HG) SOKO Stuttgart 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 17.00 (für HG) heute 17.10

(für HG) hallo deutschland 17.45 (für HG)

Leute heute 18.00 (für HG) SOKO München.

Quid pro Quo.Krimiserie 19.00 (für HG) heute

19.25 (für HG) WISO

20.15 (für HG) Lucky Loser

Komödie, D2017

Mit Peter Trabner,Annette Frier,Emma

Bading,Elvis Clausen u.a.

Regie: Nico Sommer

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) Mord auf La Gomera

Thriller,E2017

23.50 heute+

0.05 (für HG) Neue Götter inder

Maxvorstadt TV-Komödie,D2019ke

1.15 (für HG) Bares für Rares

Die Trödel-Show mit Horst Lichter

Sat.1

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Matthias

Killing,Marlene Lufen 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit

Alexander Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im

Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf

Streife. Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten. Reportagereihe 16.00 Klinik am

Südring 17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer.

Doku-Soap 18.00 Endlich Feierabend!

Magazin 19.00 Genial daneben –Das

Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Kokowääh

Komödie, D2011

Mit Til Schweiger,Emma Schweiger,

Jasmin Gerat, Samuel Finzi, Meret

Becker,Friederike Kempter u.a.

Regie: Til Schweiger

22.50 Männerherzen

Komödie, D2009

Mit Til Schweiger,Maxim Mehmet, Jana

Pallaske, Nadja Uhl u.a.

0.55 Kokowääh Komödie, D2011

2.50 Criminal Minds: Team Red

Nur ein Schuss. Krimiserie

15.45 (für HG) Heimathäppchen 16.00 (für

HG) Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für

HG) aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Rentnercops 21.00 (für HG) Rentnercops

21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für HG) Überschätzte

Paare der Weltgeschichte 22.55 (für

HG) Überschätzte Paare der Weltgeschichte

23.40 (für HG) Überschätzte Paare der Weltgeschichte

0.25 (für HG) Zimmer frei! 1.25 (für

HG) Zimmer frei!

NDR

15.15 (für HG)Argentinien –ImLand der Gauchos

16.00 (für HG) aktuell 16.20 (für HG)

Quizduell 17.10 (für HG) Seehund, Puma &

Co. 18.00 Ländermagazine 18.15 (für HG) Die

Nordreportage 18.45 (für HG) DAS! 19.30

Ländermagazine 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Evelyn Hamann –„Sie war tatsächlich

fabelhaft” 21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für

HG) Wer weiß denn sowas? 22.45 (für HG)

Reinhold Beckmann trifft... 23.30 (für HG)

Türkisch für Anfänger. Liebeskomödie, D2012

1.15 (für HG) Die Erbschaft

Kabel eins

7.35 Blue Bloods –Crime Scene NewYork

8.30 Blue Bloods –Crime Scene NewYork

9.25 Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.15

Without aTrace 12.10 Numb3rs 13.05 Castle

14.00 The Mentalist 14.55 Navy CIS: L.A.

15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –

Der Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle!Wir

kümmern uns drum 20.15 Matrix. Sci-Fi-Film,

USA/AUS 1999 23.00 Matrix Reloaded. Sci-

Fi-Film, USA 2003 1.25 Late News 1.30 Matrix.

Sci-Fi-Film, USA/AUS 1999

RTL 2

6.00 Köln 50667 7.00 Berlin –Tag &Nacht

8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Zuhause im Glück –Unser Einzug in ein neues

Leben 14.00 Die Reimanns –Ein außergewöhnliches

Leben 15.00 Hilf mir! Jung,pleite,

verzweifelt ... 17.00 News 17.10 Krass Schule

–Die jungen Lehrer –Wie alles begann

18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht

20.15 Promis auf Hartz IV22.15 Naked Attraction

–Dating hautnah 23.15 exklusiv –Die

Reportage 0.15 exklusiv –Die Reportage 1.10

exklusiv –Die Reportage

Eurosport 1

17.35 Radsport: Tour de France extra 18.05

WATTS. Die Radsport-Spezial-Ausgabe der Eurosport-Clipshow

18.30 Springreiten: Global

Champions League 19.00 Eurosport News

19.05 Tourenwagen: Weltcup 19.50 Tourenwagen:

Weltcup 20.30 WATTS. Die Radsport-Spezial-Ausgabe

der Eurosport-Clipshow 20.55 Eurosport

News 21.00 Radsport: Tour de France

Today 22.00 Tourenwagen: Weltcup 22.45 Tourenwagen:

Weltcup 23.30 Radsport: Tour de

France 1.00 Superbike: Weltmeisterschaft

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

ZDF, 20.15 UHR KOMÖDIE

Lucky Loser

Mikeist das,was manwohleinen HappyLoser nennt. So glaubt er immer

noch,zwischen ihm und seiner Ex-Frauherrsche nursoeine Artneunjähriger

Beziehungspause. Dabei ist die erfolgreiche Ärztin mit einem spießigen

Anwalt liiertund führtmit ihm und ihrer und MikesTochter Hannah (EmmaBading)

ein geruhsames Lebeninder Vorstadt.Zugeruhsam für Hannah,die plötzlich

beschließtzuihrem Vater zu ziehen. Derhat zwar gerade seine Wohnung

verloren, aber so ziehterebenmit ihr aufeinen Campingplatz.Als dann erst

Hannahs Freund Otto und auch die Chaos witternde Claudia auftauchen, überschlagen

sichdie Ereignisse.Und Mike witterteine Chance beiClaudia. Sommerkomödie

vonNico Sommer über unterschiedliche Ansprüche ans Leben,

unsterbliche Liebe, glückliche Verlierer und verzweifelte Gewinner.

(Dtl./2017)

Anzeige

MDR, 20.15 UHR UNTERHALTUNGSSERIE

Zur

Exklusiv

See

für Abonnenten!

Zusätzlich zur gedruckten Ausgabe:

die Berliner Zeitung als E-Paper.

Überallhin mitnehmen &mobil informiert bleiben

Auf bis zu drei Geräten gleichzeitig lesen

Zoomfunktion –höherer Lesekomfort

Foto: ZDF

Kapitän Karsten (Horst Drinda) übernimmtdas

Kommando aufder „Fichte“und

gerätpromptmit seinem Chief Paul

Weyer(Günter Naumann, l.) aneinander.

Denn trotzdessenWarnung lässt Karsten die

Maschine an der Grenzeihrer Belastbarkeit

laufen. DerChief behält recht: Bald treibt

MDR WDR Gleich anrufen und Angebot bestellen: die „Fichte“mit Kolbenfressermanövreierunfähigauf

Arte

schwerer See. Karsten muss eine

(030) 240025 Entscheidungfällen. Mitder Episode „Die

berliner-zeitung.de/vorteil Bewährung“ begann die DDR-TV-Serie„Zur

*bei bestehendem Printabonnement (Mo. –Sa.) nur

4,99 €statt 29,99 €. Ihnen steht ein gesetzliches

Widerrufsrecht zu. Alle Informationen über dieses Recht

und die Widerrufsbelehrung fnden Sie unter

www.berliner-zeitung.de/widerruf

Berliner Verlag, Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin

NORMALVARIANTE -mittel

NORMALVARIANTE –MITTEL

4 8 2

7 3

5 9 1

3 4

8

2 5 6 7

7 4 9

9 6

1 3

MitDIAGONALEN-schwer

MIT DIAGONALEN –SCHWER

See“,die nichtzuletzt dankihrer Top-Besetzungzum

Straßenfeger wurde.Gedreht wurde

u.a.auf einer Reisenach Kuba.Teil 2der

neunteiligenSerie folgt im Anschluss.

(DDR/1977)

Foto: MDR

3 1

4 5

1

8 5

3 4 6

7 6

9 3 2

SUDOKU

4

4,99 €

monatlich *

AUFLÖSUNG Auflösung

VOM vomXX. 6.7.2019

MITTEL mittel

7 8 3 9 5 1 6 4 2

4 2 9 7 8 6 3 5 1

5 1 6 2 4 3 7 9 8

6 5 8 4 3 7 1 2 9

1 4 2 5 6 9 8 3 7

9 3 7 1 2 8 4 6 5

2 6 5 8 7 4 9 1 3

8 9 4 3 1 5 2 7 6

3 7 1 6 9 2 5 8 4

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM

vom

XX.

6.7.2019

7. 2019

SCHWER schwer

4 5 7 3 1 6 9 2 8

8 1 3 9 5 2 6 4 7

6 9 2 8 7 4 1 5 3

2 3 6 5 4 7 8 1 9

9 4 8 6 3 1 2 7 5

1 7 5 2 9 8 3 6 4

3 2 9 4 6 5 7 8 1

7 6 4 1 8 3 5 9 2

5 8 1 7 2 9 4 3 6

6.30 rbb Praxis 7.30 Gartenzeit 8.00 Brandenburg

aktuell /Abendschau 8.30 Brandenburg

aktuell /Abendschau 9.00 In aller

Freundschaft 9.45 In aller Freundschaft –Die

jungen Ärzte 10.30 Rote Rosen 11.20 Sturm

der Liebe 12.10 Tierärztin Dr.Mertens 13.00

rbb24 13.10 Verrückt nach Meer 14.00 Lecker

aufs Land –Eine kulinarische Reise 14.45 Einfach

genial 15.10 Landschleicher 15.15 Hessen

von oben 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß

denn sowas? 17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla

&Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –

Das Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in

berlin &brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell

/Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Pfarrer Braun

Glück auf! Der Mörder kommt!

TV-Kriminalfilm, D2009

Mit Ottfried Fischer,Hansi Jochmann,

Antonio Wannek u.a.

21.45 rbb24

22.00 Tatort Es ist böse

TV-Kriminalfilm, D2012

Mit Nina Kunzendorf, Joachim Król u.a.

Regie: Stefan Kornatz

23.30 Polizeiruf 110 Parkplatz der Liebe

TV-Kriminalfilm, DDR 1986

0.35 Alles Klara Herz aus Glas. Krimiserie

ProSieben

10.20 Mike &Molly 10.45 How IMet Your Mother

11.35 2Broke Girls. Nicht hübsch genug/

Der Messie. Comedyserie 12.30 Mom. Cinderella

kann mich mal. Comedyserie 13.00 Two

and aHalf Men. Der Schwachkopf kriegt ein

Auto/Ein Sarg ist keine Sonnenbank/Sie können

jederzeit rein. Comedyserie 14.15 The

Middle. Der Partyschreck/Die Zugfahrt. Comedyserie

15.10 The Big Bang Theory. Für ihn

oder mit ihm/Der Mann, der seine Omi liebte/

Football für Nerds/Der Gitarrist auf der Couch.

Comedyserie 17.00 taff 18.00 Newstime

18.10 Die Simpsons. Ziemlich beste Freundin/Feigheit

kommt vor dem Fall. Zeichentrickserie

19.05 Galileo

20.15 The Big Bang Theory

Das Eiersalat-Äquivalent. Comedyserie.

20.45 The Big Bang Theory Man lernt nie aus

21.15 Mom Tacos für Tammy.Comedyserie

21.45 The Big Bang Theory Willkommen in

der Donnerkuppel. Comedyserie

22.15 The Big Bang Theory Spoileralarm!

22.40 The Big Bang Theory Der Romantik-

Ninja. Comedyserie

23.10 The Orville Vertraue dem Feind

0.05 The Big Bang Theory

Das Eiersalat-Äquivalent. Comedyserie

0.35 The Big Bang Theory Man lernt nie aus

13.00 Stadt Land Kunst 13.50 Ich will dich.

TV-Drama, D2014 15.20 (für HG) Gefangen –

Der Fall K. TV-Drama, D2018 16.55 Yoga in

Indien –Unterwegs mit Esther Schweins 17.50

Kanadas Nationalparks 18.35 Kanadas Nationalparks

19.20 Arte Journal 19.40 (für HG)

Re: 20.10 Anderswo in Europa 20.15 (für HG)

Philadelphia. Drama, USA 1993 22.15 Teorema

–Geometrie der Liebe. Drama, I1968

23.50 Männerfreundschaften. Dokumentarfilm,

D2018 1.20 Arte Journal 1.40 Falsche

Vertraulichkeiten. TV-Drama, F2016

3Sat

16.45 (für HG) Universum 17.30 (für HG) Universum

18.15 (für HG) Universum 19.00 (für

HG) heute 19.20 Kulturzeit kompakt 19.30

Bauhausfrauen 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Wildes Bayern 21.00 (für HG)

Wildes München 21.45 Erlebnisreisen 22.00

(für HG) ZIB 2 22.25 American Dream Stories.

Dokumentarfilm,A/USA 2017 23.45 Ab 18!

0.15 (für HG) Sarah und ihr fremdes Herz 0.45

10vor10 1.15 (für HG) Science Busters –Wer

nichts weiß, muss alles glauben 1.45 Sendung

ohne Namen

Phoenix

17.15 Ätna –Höllenschlund im Mittelmeer

17.30 phoenix der tag 18.00 ZDF.reportage

18.30 (für HG) Wildes Indochina 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Alexander der

Große –Auf dem Weg zur Macht 21.00 Alexander

der Große –Bis ans Ende der Welt 21.45

(für HG) heute-journal 22.15 ZDF-History

23.00 (für HG) Was wäre wenn... 23.45 Aufgedeckt:

Geheimnisse des Altertums 0.30 (für

HG) Geheimnisvolle Orte 1.15 (für HG) Alexander

der Große –Auf dem Weg zur Macht 2.00

Alexander der Große –Bis ans Ende der Welt

Kika

11.00 (für HG) Find me in Paris –Tanz durch

die Zeit 12.40 H2O –Plötzlich Meerjungfrau

14.10 Schloss Einstein 15.00 H2O –Plötzlich

Meerjungfrau 15.45 Stoked 16.30 Mirette ermittelt

16.55 (für HG) Hexe Lilli 17.40 Die

Abenteuer des jungen Marco Polo –Reise nach

Madagaskar 18.05 Bobby &Bill 18.20 (für

HG) Sam 18.40 Jim Hensons: Doozers 18.50

Sandmann 19.00 Das Dschungelbuch 19.25

(für HG) Wissen machtAh! 19.50 (für HG)

logo! 20.00 (für HG) KiKA Live 20.10 Club der

magischen Dinge 21.00 Pause

Dmax

14.15 Das Survival-Duo: Zwei Männer,ein Ziel

15.15 Lone Star Law –Die Gesetzeshüter von

Texas 16.15 Highway Patrol 17.15 Fast 'N'

Loud 19.15 A8 –Abenteuer Autobahn 20.15

Der Geiger –Boss of Big Blocks 21.15 Trans

Am –Zwei Brüder mit Drive 22.15 Pick-up-

Battle USA 23.15 Offroad –Karren imDreck

23.45 Roadkill –Krasse Karren 0.15 Der Geiger

–Boss of Big Blocks 1.15 Trans Am –Zwei

Brüder mit Drive 2.00 The Devils Ride –Ein

Leben auf zwei Rädern

5.02 hessenschau 5.30 Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 45 Min 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Alles Wissen 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 ZDF-Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.20 Weltspiegel

20.00 Tagesschau 20.15 Im Schatten der

Netzwelt –The Cleaners. Dokumentarfilm, D/BRA/

NL/I/USA 2018 21.42 Westpol 22.12 Landleben4.0

23.00 Tagesthemen 23.30 Hessen-Reporter

0.00 Glanz undElend deutscher Zarinnen 0.53

Extra 1.00 Nachtmagazin 1.20 DieSoldatin –eine

Frau willandie Front 1.50 Schätzeder Welt 2.05

Die Tagesschau vor 20 Jahren 2.20 SachsenSpiegel

2.50 Extra 3.00 Tagesschau 3.47 Extra

ONE

7.05 PartyofFive 7.45 PartyofFive 8.30 Landschwärmer

(1) 9.00 Quarks 9.45 Dawson's Creek

10.30 Dawson's Creek 11.15 Lindenstraße 11.45

Bauchtanz 12.00 Radsport:Tour de France. 3.

Etappe: Binche–Épernay(214km) 16.10 Bauchtanz

16.35 Dawson's Creek 17.20 Lindenstraße

17.50 Die Kanzlei 18.40 Sturmder Liebe 19.25

Sturmder Liebe 20.15 Die Frau die singt–Incendies.

Drama, CDN/F 2010 22.15 Carolin Kebekus:

PussyTerrorTV23.00 TheHeartGuy 23.40

TheHeart Guy 0.30 Mordkommission Istanbul.

Tödliche Gier.TV-Kriminalfilm, D2017 2.00 The

HeartGuy 2.40 The Heart Guy 3.30 DieKanzlei

4.20 Lindenstraße 4.50 Dawson's Creek

ZDF NEO

7.35 Topfgeldjäger 8.30 Lafer! Lichter! Lecker!

9.10 Bares für Rares 10.05 Bares für Rares

10.55 kaputt und ...zugenäht! 11.40 Die Rettungsflieger

12.30 Die Rettungsflieger 13.15

Monk 14.35 Kommissar Stolberg 15.35 Die Rettungsflieger

17.05 Monk 18.30 Baresfür Rares

19.20 Bares für Rares 20.15 (für HG) Inspector

Barnaby. Melodie des Todes. TV-Kriminalfilm, GB

2005 21.50 (für HG) Inspector Barnaby. Fluch

über Winyard. TV-Kriminalfilm, GB 2005 23.25 (für

HG) InspectorBanks. DieToten im Fluss. TV-Kriminalfilm,GB2015

0.55 Spooks–Im Visier des MI5

1.45 Callin' Mr.Brain 2.30 Dieglorreichen10

3.15 TerraX4.00 TerraX4.45 Kräfte der Natur

ZDF INFO

6.25 1491 –Amerika vor Kolumbus 8.40 Täterjagd

9.25 Täterjagd 10.10 Täterjagd 10.55 Täterjagd

11.40 Täterjagd 12.25 Mördern auf derSpur

13.00 Mördernauf derSpur 13.30 Tödliche Wissenschaft

–Chemische undbiologische Waffen

14.15 Panzer! 15.00 Panzer! 15.45 Panzer! 16.30

Panzer! 17.15 (für HG) Pioniere 18.00 (für HG)

Pioniere 18.45 Die Entstehung der Erde 19.30 Die

Entstehung der Erde 20.15 Die Entstehung der

Erde 21.00 Die Entstehung der Erde 21.40 Die

Entstehung derErde 22.25 (für HG)Wilder Planet

23.10 (für HG) Wilder Planet 23.55 (für HG) Wilder

Planet 0.35 (für HG)heute-journal 1.05 (für HG)

Pioniere 1.50 (für HG)Pioniere 2.35 Panzer!

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Mehr als ein Kanon: Die Musik von

Johann Pachelbel. Der aus Nürnberg stammende

Organist und Komponist Johann Pachelbel

zählt zu den bedeutendsten

süddeutschen Komponisten des 17. Jahrhunderts.,

ca. 56 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Schöne Stimmen Hermann Prey zum 90. Geburtstag.,

ca. 56 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Klavier-Festival Ruhr 2019 Mit Werken von

Busoni, Chopin, Schubert, ca. 105 Minuten

21.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Einstand Von den Großen lernen. Das Jugendorchester

Tatarstans. Als die Geigenlehrerin

Svetlana Los vor sieben Jahren inden Musikschulen

der tatarischen Hauptstadt Kasan

nach Musikern für ein Jugendorchester suchte,

war die Resonanz verhalten. Im Vergleich zum

Sport hat es die Musik in der russischen Provinz

Tatarstan schwer und so nahm man in den

ersten Jahren jeden auf, der mitspielen wollte.

Doch den Kindern und Jugendlichen gefiel das

gemeinsame Musikmachen. Mittlerweile vereint

das Jugendorchester Tatarstans 88 junge Musiker

zwischen 8und 18 Jahren.,

ca. 30 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Siri Hustvedt: „Damals” (34/34). Es

liest Iris Berben, ca. 30 Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

„Der Dieb” Kriminalhörspiel nach dem gleichnamigen

Roman von Fuminori Nakamura.Mit

Steven Scharf, Katrin Wichmann, Matti Krause,

Enno Luncke, Axel Wandtke, Peter Moltzen, Johann

Jürgens, Stefanie Heim. Regie: Heike

Tauch, ca. 57 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Siri Hustvedt: „Damals” (34/34),

ca. 31 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Fola Dada. Mit Lothar Jänichen, ca.

30 Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

In Concert 13. Jazzdor Strasbourg-Berlin.

Claudia Solal und Benoit Delbecq /„The Point

is Question” (Uraufführung), Miles Perkin Quartet.

Moderation: Matthias Wegner,

ca. 87 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Neue Musik Made in Berlin. Formationen der

Echtzeitmusikszene. Von Christoph Reimann,

ca. 55 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 155 · M ontag, 8. Juli 2019 – S eite 26 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

DannyBolye raubt uns die letzten Illusionen.

So verrät der Regisseur

nun, dass die britische Königin lebt

wie Hinz und Kunz. Boyle drehte mit

der Monarchin einen Film zur Olympia-Eröffnungsfeier

2012 und durfte

die Königin in ihren Privatgemächernbesuchen.

Diese habe

schlechte Laune gehabt, da sie gerade

voneinem Zahnarztbesuch gekommen

sei, wäreaber sonst „sehr

smart“ gewesen. Überall Tabletts mit

Teeund Nippes und ansonsten „eine

normale Wohnung, in der ein normaler

Mensch lebt“, so Boyle (62).

Joaquín „El Chapo“ Guzmán hat noch

mehr Ärger am Hals als bisher.Nun

forderndie US-Bundesanwälte die

Summe von12,6 Milliarden Dollar

vomverurteilten mexikanischen

Drogenboss.Die Anwälte erklärten,

dies sei eine konservativeSchätzung

der Summe,die Guzmán aus der

Drogenkriminalität eingenommen

habe.Der 62-Jährige war im Februar

in NewYorkinallen zehn Anklagepunkten

schuldig gesprochen worden.

Guzmán muss damit lebenslang

hinter Gitter.

Otto Waalkes indes tat schon immer

alles,umandereLeute zu erfreuen.

Schon als Junge wollte der mitunter

etwas manisch wirkende Komiker

seine Mitschüler zum Lachen bringen.

„Ich bin ja eigentlich sogar bis

heute Klassenclown geblieben. Die

Klasse ist nur etwas größer

geworden“, sagte

er der Neuen Osnabrücker

Zeitung.

Mädchen indes seien

damals nicht im Publikum

des 70-Jährigen

gewesen, denn

der Blödelbarde

besuchte ein

Gymnasium für

Jungen. DieZeit

dortallerdings sei auch

in Abwesenheit des

weiblichen Geschlechts

„lehrreich und

wichtig“ gewesen.

(mpw./mit dpa)

Otto Waalkes muss und kann

nicht anders: Er ist der Clown der

Nation.

DPA/GERALD MATZKA

TIERE

Er ernährte sich glücklicherweise

rein pflanzlich.

DPA/JAMES KING

Sieht eigentlich ganz gemütlich aus,

ist jedoch zum Kuscheln gänzliche

geeignet: DasFoto des Australian

Museum in Sydney zeigt die Nachbildung

eines ausgestorbenen Riesenwombats,dessen

schiereGröße

jeden Menschen beim Kuschelversuch

umgebracht hätte.Der Riesenwombat

aus der Ordnung der Diprotodontia

war rund vier Meter groß

und brachte drei Tonnen auf die

Waage.Ausgrabungen in Australien

haben nun den gewaltigen Kiefer eines

Diprotodons freigelegt. Örtliche

Behörden fanden den rund 50 Zentimeter

langen versteinerten Knochen

kürzlich in der südöstlichen Region

Monaro. DerSäuger war das größte

bekannte Beuteltier und starb im

Zuge der sogenannten quartären

Aussterbewelle gegen Ende des

Pleistozäns aus. (mpw.)

Gruppenbild mit Baby

XXXXXXX

Die Hauptperson trug das schönste Kleid: Am Sonnabend wurde Archie

Harrison Mountbatten-Windsor getauft und blickt auf dem Schoß

seiner Mutter Meghan sitzend recht entspannt in die Kamera. Die Öffentlichkeit

war ausgeschlossen vomZeremoniell, wie berichtet soll es

zwischen den Prinzen Harry(vornesitzend) undWilliam (r.) zurzeit ohnehin

nicht zum Besten stehen. Fürs Foto wurden dann aber Feiertagsmienen

aufgesetzt, wie auch bei den anderen Anwesenden: Vonlinks

nach rechts: Herzogin Camilla, Prinz Charles, Meghans Mutter Doria

Ragland, Lady Jane Fellows,Lady SarahMcCorquodale (die Schwestern

vonLady Diana), Prinz William und Herzogin Kate. (mpw.)

Vorpommersche Posse

In Vitt auf der Insel Rügen streiten die Bewohner mit der Kirche um die Farbgebung ihrer Kapelle

VonAndreas Förster

Für den Urlauber, der nach

Kap Arkona kommt, gibt es

vor allem drei Besuchsziele:

die beiden Leuchttürme am

Kap, deren kleineres Exemplar Karl

Friedrich Schinkel entworfen hat; der

eine Viertelstunde Fußweg von dort

entfernte Söbenschniedersteen, ein

Findling am nördlichsten Strandzipfel

Rügens; und das östlich vom Kap

liegende FischerdorfVitt.

Lieber vonaußen als voninnen

Die Handvoll Häuser der 17 Dorfbewohner

schmiegen sich in eine sogenannte

Liete, eine keilförmige Uferschlucht

in der Steilküste. Den Einstieg

in diese Liete markiertseit mehr

als 200 Jahren die oberhalb des Dorfes

errichtete Vitter Kapelle –umdie nun

schon seit einiger Zeit ein regelrechter

Kulturkampf mit Unterschriftenlisten

und Protestplakaten tobt.

DerKonflikt lässt sich auf eine einfache

Formel bringen: braun oder

weiß. Wobei es hier nicht um politische

Kategorien geht, sondernumeinen

simplen Farbenstreit. Deraber so

simpel wiederum nicht ist, weil es irgendwie

auch um die Frage geht, ob

die Dörfler nach der Pfeife eines Pfarrers

tanzen müssen oder umgekehrt.

Eine Art vorpommersches Don-Camillo-und-Peppone-Stück

also, wobei

Peppone hier nicht für einen

kommunistischen Bürgermeister

steht, sondern für die 17 Vitter Einwohner,die

ihreKirche lieber vonaußen

als voninnen sehen.

Jetzt mögen dieVitter ihr achteckiges

Gotteshaus aber nicht einmal

mehr von außen sehen, weil es nach

der letzten Renovierung im vergangenen

Jahr eine Außenfarbe hat, die irgendwo

zwischen Braun und Ocker

changiert. Kackbraun nennen es die

Dörfler verächtlich. Dabei leuchtete

ihre Kapelle doch jahrzehntelang

wunderschön in unschuldigemWeiß.

Wie konnte es

so weit kommen?

Vor zwei Jahren

hatte die Kirchengemeinde

die Sanierung

des Baus

in Auftrag gegeben.

Zwischen 1806 und

1816 war das markante

oktogonale

Gebäude mit Reetdach

nach Plänen

Schinkels errichtet

worden. Seitdem

ist die Bausubstanz

nie gründlich saniert worden. Hinzu

kam, dass 1980 Innen- und Außenwände

des Hauses mit einer diffusionsdichten

Farbe gestrichen wurden,

die das Mauerwerk praktisch abdichteten

und ein „Atmen“ der Steine verhinderte.Die

Folge war,dass der Putz

und weichere Ziegelsteine in der Außenmauer

zu großen Teilen zerstört

wurden. Eine Restaurierung des Baus

war unumgänglich. Beim Abschlagen

des Außenputzes stießen die Bauarbeiter

auf mehrereFarbschichten, die

auf dem Mauerwerk in den vergangenen

200 Jahren aufgebracht worden

waren.Vonaußen nach innen fanden

sie Weiß, rötliches Ocker, Gelbocker

und schließlich als älteste Farbschicht

Ocker/Terrakotta. Das Landesamt

für Denkmalpflege hielt daher

in einem Schreiben vomJuli 2017

an die Kirchengemeinde fest, man

empfehle „aufgrund der besonderen

bau- und kunsthistorischen und historisch

überregionalen Bedeutung

der achteckigen Kapelle …aus denkmalfachlicher

Sicht die Wiederherstellung

der Erstfassung“.

„Eine Empfehlung,

ganz richtig“,

sagt Iris Möbius

mit Nachdruck in

der Stimme. „Es

war keine Auflage

des Landesamtes,

wie uns die Kirchgemeinde

lange

glauben machen

wollte.Zumal es ei-

Die originalgetreue Farbe. Vorher

wardie Kapelle weiß.

ANDREAS FÖRSTER

nen Restaurator

gibt, der die Sache

mit der angeblichen

braunen Originalfarbe

bestreitet.“

Die resolute Imbissbetreiberin ist

gleichzeitig Bürgermeisterin der 220-

Einwohner-Gemeinde Putgarten, zu

der auch Vitt gehört. Sie wird, wenn

man es freundlich ausdrücken

möchte, sehr leidenschaftlich,

kommt die Sprache auf die aus ihrer

Sicht selbstherrliche Entscheidung

der Kirchengemeinde und ihres Pfarrers

Christian Ohmüber den Farbton

der Vitter Kapelle. „Das wurde über

die Köpfe der Einwohner hinweg entschieden,

obwohl Pfarrer Ohm

wusste,dass die Vitter ihreweiße Kapelle

behalten wollten“, schimpft sie.

„Traurig ist das,denn so,wie das Gebäude

jetzt aussieht, geht es total unter

in der Landschaft. Das höre ich

vonvielen Urlaubern.“

Ricarda Schwanz kann das auch

bestätigen. Seit vielen Jahren lebt sie

in Vitt und ist so etwas wie die Sprecherin

der Protestbewegung ihres

Dorfes. Mit Gleichgesinnten hat sie

eine Unterschriftensammlung initiiert

und ein Holzgestell vor der Kapelle

aufgestellt, an dem seit einigen

Monaten ein riesiges Protestplakat

hängt. „Wir fordern die Wiederherstellung

unserer historischen weißen

Kapelle“, steht darauf und dass sich

Unterstützer an das Gemeindepfarramt

in Altenkirchen wenden sollen,

wenn sie die braune Farbe „so entsetzt

wie uns“.

Gescholtener Gottesmann

Das Plakat habe Erfolg, sagt Ricarda

Schwanz. „Ich weiß vonvielen Urlaubern,

die mit Anrufen und Mails sich

an das Pfarramt gewandt haben.“

Aber warum ist die Kapelle dann

noch immer braun, obwohl die Vitter

inzwischen der Kirche sogar vorgeschlagen

haben, das Gebäude auf eigene

Kosten und in Eigenleistung

umzustreichen? Sie zuckt die Achseln:„Wenn

Pfarrer Ohmseine Macht

zeigen will, dann tut er das auch“, sagt

sie.„Aber beim Pfarrer führtkein Weg

rein.VonunsVitterngeht deshalb keiner

mehr in den Gottesdienst bei

Ohm.“ Der so gescholtene Gottesmann

bestreitet am Telefon, dass es

andere Gründe als denkmalpflegerische

gebe für die Farbgestaltung der

Kapelle.„Weil so viel historische Bausubstanz

heutzutage verschwindet,

sind wir verpflichtet und wollen das

auch, bei einer Restaurierung den

Originalzustand des Gebäudes wiederherzustellen“,

sagt Pfarrer Ohm.

Vergwaltigung: Zwölf- bis

14-Jährige unter Verdacht

Nach der Vergewaltigung einer jungen

Frau ermittelt die Polizei in Mülheim

an der Ruhr gegen fünf Kinder

und Jugendliche im Alter vonnur

zwölf bis 14 Jahren. Mitglieder der

Gruppe sollen die junge Erwachsene

am späten Freitagabend vonder

Straße weginein Grüngelände gezerrtund

missbraucht haben. „Es

war Gewalt im Spiel, massiveGewalt“,

sagte ein Polizeisprecher am

Sonntag. DasOpfer sei verletzt ins

Krankenhaus gekommen. Diezwei

Zwölfjährigen Kinder wurden in Anwesenheit

der Elternvon der Polizei

angehörtund danach noch am Freitagabend

ihren Elternübergeben.

Diedrei14-Jährigen mussten die

Nacht in der Zelle verbringen und

wurden offiziell vernommen. Siekamen

im Laufe des Sonnabends zurück

zu ihren Familien. Ermittelt

wirdwegen eines „schweren Sexualdeliktes“.

Alle Verdächtigen haben

die bulgarische Nationalität. Siegelten

laut Polizei als „dringend tatverdächtig“.

(dpa)

Fünf Verletzte bei Stierhatz

in Pamplona

Fünf Männer sind zum Auftakt des

traditionellen Stiertreibens im spanischen

Pamplona verletzt worden.

Zwei 23 und 46 Jahrealte US-Bürger

und ein 40-jähriger Spanier seien

vonden Tieren auf die Hörner genommen

worden, teilte die Regionalregierung

vonNavarraamSonntag

mit. Zwei weitereSpanier im Alter

von18und 23 Jahren hätten ein

Schädeltrauma erlitten. Örtlichen

Medienberichten zufolge ist der Zustand

eines der Verletzten ernst.

Beim mehrtägigen San-Fermín-Fest

werden Stieredurch die historische

Altstadt vonPamplona zur Arena getrieben,

wo sie später vonToreros getötet

werden. Immer wieder werden

dabei Menschen verletzt oder gar getötet.

(dpa)

Regelmäßig kommt es zu Verletzen bei

der zeremoniellen Tierquälerei. GETTY IMAGES

23 Verletzte bei Explosion in

Einkaufszentrum in Florida

Beieiner Explosion in einem Einkaufszentrum

im Süden Floridas

sind am Sonnabend Berichten zufolge

23 Menschen verletzt worden.

DieExplosion habe sich in einer leer

stehenden Pizzeria ereignet, zitierte

die Zeitung SunSentinel eine Polizeisprecherin

in der Stadt Plantation.

DieSicherheitsbehörden vermuteten

ein Gasleck, hieß es in dem

Bericht weiter. (dpa)

Veranstalter:1,2 Millionen

beim CSD-Umzug in Köln

DieKölner Christopher-Street-Day-

Parade hat nach Veranstalter-Angaben

am Sonntag 1,2 Millionen Besucher

angezogen. DerZug selbst sei

mit 148 Gruppen so groß gewesen

wie noch nie,sagte Colognepride-

Sprecher Oliver Lau. Nach Angaben

der Kölner Polizei verlief die Parade

ohne besondereVorkommnisse.Das

diesjährige Motto des Kölner CSD

lautete „50 Years of Pride.Viele.Gemeinsam.

Stark!“ (dpa)


Lieber E-Paper Leser,

aufgrund eines technischen Fehlerskann

diese Seite leider nicht angezeigt werden.

Wir arbeiten mit Hochdruckander Lösung

und bitten Sie, die gesamte Ausgabe zu einem

späteren Zeitpunkt erneut zu laden.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Kundenservice


Das Bundesliga-Team

1. Reihe (L-R): Mannschaftsbetreuer und Busfahrer Sven Weinel, Mannschaftsleiterin Susi Kopplin, Maurice Arcones, Laurenz Dehl

Suchung Kim, Masseur Thomas Riedel.

2. Reihe (L-R): Co-Trainer Sebastian Bönig,Cihan Kahraman, AnthonyUjah, Sheraldo Becker,Julius Kade, Julian Ryerson, Felix Kro

3. Reihe (L-R): Trainer UrsFischer,Manager Oliver Ruhnert, Co-Trainer Markus Hoffmann, Nicolai Rapp, KenReichel, Marcus Ingva

trainer Michael Gspurning.

4. Reihe (L-R): Reha-Trainer Christopher Busse, Keven Schlotterbeck, Marvin Friedrich, LarsDietz, Florian Hübner,Neven Subotic,


des 1FCUnion . 2019/20

FOTO: FLORIAN POHL/CITY-PRESS GMBH

, Joshua Mees, Jakob Busk, Rafal Gikiewicz, Moritz Nicolas, Manuel Schmiedebach, Akaki Gogia, Marcel Hartel, Mannschaftsarzt

os, Michael Parensen, Christopher Lenz, Florian Flecker,Videoanalyst Adrian Wittmann, Physiotherapeut Maximilian Perschk.

rtsen, Grischa Prömel, Marius Bülter,RobertAndrich, Christian Gentner,Lennard Maloney, Athletiktrainer Martin Krüger,Torwart-

Sebastian Polter,Sebastian Andersson, Christopher Trimmel, Physiotherapeut Frank Placzek. Es fehlt: Suleiman Abdullahi


Lieber E-Paper Leser,

aufgrund eines technischen Fehlerskann

diese Seite leider nicht angezeigt werden.

Wir arbeiten mit Hochdruckander Lösung

und bitten Sie, die gesamte Ausgabe zu einem

späteren Zeitpunkt erneut zu laden.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Kundenservice