Berliner Zeitung 09.07.2019

BerlinerVerlagGmbH

Als Bruce Springsteen in einem Café in Prenzlauer Berg auftrat – Berlin Seiten 14 und 15

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ohne Likes?

Seite 24

9°/20°

Viele Wolken

Wetter Seite 2

Notre-Dame und der

schwierige Wiederaufbau

Panorama Seite 26

www.berliner-zeitung.de

Das Weltall fliegt immer

schneller auseinander

Wissenschaft Seite 16

Dienstag,9.Juli 2019 Nr.156 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Zeithistoriker warnt

vor „Sachsen-Bashing“

Politik Seite 5

Britischer Botschafter

Diplomat

mal ganz

undiplomatisch

VonKatrin Pribyl

Seit 43 Jahren steht Kim Darroch

im diplomatischen Dienst. Der

britische Botschafter in den USA

sollte also wissen, wie er Einschätzungen

über mächtige Politiker formulieren

muss.Den US-Präsidenten

hat er gerade in einem internen Bericht

als unfähig bezeichnet. Donald

Trump strahle Unsicherheit aus und

agiere ungeschickt, befand Darroch.

Ungeschickt war

auch, dass der

Bericht öffentliche

wurde.

Kim Darroch

wählte klare Worte

über Donald Trump.

Trump ließ

die Kritik nicht

auf sich sitzen.

Sofortmeldete er

sich zu Wort.

„Der Botschafter

hat dem Vereinigten

Königreich

einen Bärendienst

erwiesen“, sagte er und

schob hinterher:„Wirsind keine großen

Fans dieses Mannes.“ Premierministerin

Theresa May sprach dem

Mann inWashington dagegen ihrVertrauen

aus, auch wenn sie seine Einschätzung

nicht teile.

Was die Briten allerdings viel

mehr beschäftigt, ist die Frage, wie

die Nachricht überhaupt an die Öffentlichkeit

kommen konnte. Es

dürfte kaum Zufall gewesen sein,

dass die vertraulichen Details ausgerechnet

in der Boulevardzeitung

Mail on Sunday erschienen waren,

enthüllt von der Journalistin Isabel

Oakeshott, die dem Rechtspopulisten

Nigel Farage nahesteht.Während

es aus der Downing Street hieß, dass

es Darrochs Aufgabe sei, „eine ehrliche

und ungeschminkte Einschätzung

der Politik“ zu liefern, schrieb

Farage, Vorsitzender der Brexit-Partei

und Trump-Freund, im konservativ

ausgerichteten Telegraph, der Diplomat

sei „völlig ungeeignet, unser

Mann in den USA zu bleiben“.

Der65-jährige Darroch, ehemaliger

Berater der britischen Regierung

zu EU-Angelegenheiten und von

2007 bis 2011 ständiger Vertreter des

Königreichs in Brüssel, dient den

Verschwörungstheoretikern als

ideale Zielscheibe. Auch wenn der

Diplomat ursprünglich Ende des

Jahres in Pension gehen wollte, gab

es Bestrebungen, die Entsendung bis

nach den US-Präsidentschaftswahlen

zu verlängern. Solche Pläne dürften

sich erledigt haben –erst recht,

wenn in Kürze voraussichtlich mit

Boris Johnson ein äußerst EU-skeptischer

Premierminister in die Downing

Street einzieht.

Länder sollten

gemeinsam

VonAnnika Leister

Wälder in der Größe von

1400 Fußballfeldern

sind in Brandenburgin

diesem Jahr bereits abgebrannt,

seitTagen ist die Feuerwehr

in der Lieberoser Heide im Einsatz,

und auch in Berlin herrscht seit Monaten

hohe Waldbrandgefahr. Angesichts

der akuten Lage denken die

Berliner Grünen sowie die Feuerwehr-Gewerkschaft

Berlin/Brandenburg

über eine landesübergreifende

Kooperation in der Feuerbekämpfung

nach. „Brandenburg muss extrem

aufrüsten“, sagte Micha Quäker

von der Feuerwehr-Gewerkschaft

Berlin/Brandenburg der Berliner

Zeitung. Schon jetzt gäbe es große

Ausrüstungslücken. Auch in kommenden

Jahren sei mit einer steigenden

Zahl von Bränden zu rechnen.

„Angeschafft werden müssten zwei

bis fünf Löschhubschrauber und ein

Löschpanzer für Brandenburg“, forderte

Quäker. Inder Schulung der

Einsatzkräfte für das schwere Gerät

plädiert er für ein gemeinsames

Konzept und eine Kooperation zwischen

der Berliner und Brandenburger

Feuerwehr.

Immer wieder wirddie Feuerwehr

in Brandenburg –wie zurzeit in der

Lieberoser Heide – mit besonders

löschen

Brandenburg braucht eigene

Löschhubschrauber,fordert dieFeuerwehr.

Berlin sollte sich daran

beteiligen, sagen die Grünen.

komplizierten und gefährlichen Löscheinsätzen

konfrontiert, weil die

Brände auf stark munitionsbelasteten

Gebieten wüten, die auch die Feuerwehr

nicht befahren kann.

Brandenburg habe bereits aufgerüstet,

die Landespolitik bemühe sich

redlich, so Quäker. „Aber es reicht

„Zurzeit gibt es aus vielen

Ländern Forderungen, aber kein

konzertiertes Vorgehen.“

Johann Georg Goldammer,

Leiter des Zentrums für Globale Feuerüberwachung

nicht.“ Das Problem kennen viele

Bundesländer:Vor allem die Flächenländer

appellieren immer wieder an

den Bund, die Mittel zur Brandbekämpfung

zu erhöhen. Brandenburg

hat weder eigene Löschhubschrauber

noch -flugzeuge, sondern muss

sie bei Bundeswehr oder Bundespolizeianfordern.

DieBerliner Grünen erwägen nun,

dem großen Nachbarn unter die

Arme zu greifen. „Wenn wir auch Zugriff

haben, sollten wir eine Beteiligung

an Lösch-Hubschraubern prüfen“,

sagte Benedikt Lux, innenpolitischer

Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus,

der Berliner Zeitung.

Berlin sei schließlich auch von

Rauchentwicklungen bei Brandenburger

Großbränden betroffen.

Zuletzt sorgte Anfang Juli sogar ein

Großbrand im 200 Kilometer entfernten

Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommernfür

starken Brandgeruch in

der Hauptstadt –und für besorgte Anrufe

bei Einsatzstellen von Bürgern,

die einen Brandinder eigenen Straße

vermuteten. Nach mehr als einerWoche

wurde der Waldbrand auf dem

ehemaligen Truppenübungsplatz am

Montagabend weitgehend gelöscht.

Johann Georg Goldammer, Leiter

des Zentrums für Globale Feuerüberwachung

mit Sitz in Freiburg,begrüßt

die Bereitschaft der Berliner Grünen,

ins Nachbarland zu schauen, aus-

DPA/JENS BÜTTNER

drücklich. Der international angesehene

Experte plädiert aber für noch

größere Kooperationen. „Zurzeit gibt

es aus vielen Ländern Forderungen,

aber kein konzertiertes Vorgehen“, so

Goldammer. „Eine 4+1-Kooperation

hätte Symbolkraft.“ Goldammer

meint damit eine Zusammenarbeit

zwischen den vier Flächenländern

Brandenburg, Sachsen-Anhalt,

Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsensowie

dem Stadtstaat Berlin.

Dringend müsse aber auch der Bund

die Mittel erhöhen –gerade für die

Gemeinden und Länder, deren Böden

durch Munition belastet seien.

„Der Bund darf diese Gemeinden

nicht alleine lassen.“

Einerster Schritt hin zu einem größeren

Einsatz der Bundespolitik

könnte diesen Dienstag geschehen:

Dann besucht Bundesinnenminister

Horst Seehofer (CSU) Lübtheen, um

sich ein Bild vom Ausmaß der Schäden

zu machen. Am Montag forderte

bereits Mecklenburg-Vorpommerns

Innenminister Lorenz Caffier (CDU)

eine bundesweite Einsatzgruppe zur

Brandbekämpfung auf munitionsbelasteten

Gebieten. Spezialtechnik

und Personal der Task Force –wie

Löschpanzer oder Räumfahrzeuge –

sollten dezentral vom Bund inganz

Deutschland stationiert werden, so

Caffier. Brandenburg Seite13

Gericht pfeift

Deutsche

Wohnen zurück

Nachtrag zum Mietvertrag

verstoße gegen Preisbremse

VonUlrich Paul

Die Deutsche Wohnen ist beim

Berliner Landgericht mit dem

Versuch gescheitert, die Miete bei

der Neuvermietung durch einen zusätzlichen

„Nachtrag zum Mietvertrag“

zu erhöhen. Die Richter sahen

in der zusätzlichen Vereinbarung,

die laut Bürgerlichem Gesetzbuch

grundsätzlich möglich ist, einen Verstoß

gegen die Mietpreisbremse.

In dem vorliegenden Fall ging es

um eine Wohnung in Friedrichshain.

Der vorgelegte Mietvertrag sah zunächst

eine monatliche Kaltmiete

von 573,29 Euro vor. Neben diesem

Kontrakt unterzeichneten die Mieter

aber zugleich eine zweite Urkunde,

die als „Nachtrag zum Mietvertrag“

bezeichnet wurde. Darin wurden

Baumaßnahmen zur Verbesserung

der Ausstattung vereinbart, wodurch

sich die Miete gut einen Monat später

auf 716,93 Euro erhöhen sollte.

Dass die höhere Miete nicht sofort

vereinbart wurde, sei „wohl nur mit

dem Versuch“ zu erklären, zu Beginn

des Mietverhältnisses eine geringe

Miete „vorzutäuschen, also die gesetzliche

Regelung durch diesen

‚Trick‘ zu umgehen“, erklärten die

Richter. Beim Abschluss eines Mietvertrages

darf die ortsübliche Miete

um maximal zehn Prozent überschritten

werden. Zulässig wäre im

vorliegenden Fall nur ein Betrag in

Höhe von 507,62 Euro –was sogar

noch weniger ist, als im Mietvertrag

vorgesehen war.

Erstritten wurde das Urteil von

der Internetplattform wenigermiete.de.

Die Entscheidung stammt

vom August 2018. Dass sie erst jetzt

veröffentlicht wurde, begründete

das Portal damit, dass die Kostenfestsetzung

erst jetzt eingetroffen

sei. Berlin Seite 9

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2* Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

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Tagesthema

Der Mann hat die Nase

voll. Es reicht. „Es isch e

Kataschtrophe“,

schimpft er in schönstem

Schweizerdeutsch. Er ist Flugkapitän,

er sitzt am Steuer des Swiss-

Fluges von Zürich nach Palma de

Mallorca, Abflug um 12.05 Uhr. Aber

er darf nicht losfliegen. Stau auf der

Startbahn. Seine Schimpferei wird

als Mitschnitt im Internet herumgereicht:

„Echt! Ich ha‘d Schnauze voll

vo dem huereDräcksplatz, Tschuldigung!“

Die Fluglotsin am anderen

Ende reagiert trocken: „Sehr professionell.“

–„Ja, ihr au!“, giftet er zurück.„Ich

bin ready nowfor 30 minutes!“

Um 12.47 Uhr darf der Flugkapitän

schließlich endlich starten.

EinPilot am Limit. Es wirdimmer

schwerer, imFlugverkehr nicht die

Nerven zu verlieren. Als Kapitän. Als

Stewardess.Als Lotse.Und erst recht

als Reisender. Die Branche ist im

Aufwind, schon seit Jahren, und das

wird nun zum Problem. Viel zu viele

Flugzeuge landen auf viel zu kleinen

Airports. Viel zu eng getaktete Flugpläne

sorgen für lange Schlangen,

überbuchte Flüge, zähe Kontrollen.

20 Millionen Gepäckstücke gehen

jährlich verloren. Dazu absurd niedrige

Preise. Für 9,99 Euro von Stuttgart

nach Venedig. Für 14,99 Euro

von Düsseldorf nach Kopenhagen.

61 Jahre nach der Einführung der

Economy-Klasse sind Flugpassagiere

heute „Weichcargo“. In den

Fliegern wird esimmer enger. Der

durchschnittliche Sitzabstand in der

Economyclass ist auf der Langstrecke

von 86(1955) auf 76 Zentimeter

zusammengeschnurrt. Die Höchststrafe

ist der Mittelsitz. Bis zu11000

Flugzeuge bewegen sich täglich am

deutschen Himmel. Vor 20 Jahren

waren 30 Prozent aller Reisen der

Deutschen Flugreisen. Heute sind es

41 Prozent. Die Zahl der Passagiere

an deutschen Airports hat sich in

zwei Jahrzehnten fast verdoppelt –

auf 122 Millionen proJahr.Der Mangel

an Fluglotsen ist so schlimm,

dass die Deutsche Flugsicherung

Mitarbeitern, die freiwillig den Sommerurlaub

verschieben, Prämien

vonbis zu 1800 Euro bietet –pro Tag.

DieKlimadebatte könnte was ändern.

Die Lufthansa fliegt bis zu 14-

mal täglich von Frankfurt amMain

nach München. Der CO 2 -Ausstoß

proPassagier:227,4 Kilogramm. Dieselbe

Strecke mit dem ICE: 17 Kilogramm.

Verständlich, dass die Fridays-for-Future-Bewegung

den

Flugverkehr als Klimakiller ausgemacht

hat. Dabei sind Fluggesellschaften

gar nicht die größten Umweltsünder.

Nur für drei Prozent der

menschengemachten Emissionen

ist das Fliegen verantwortlich, der

Straßenverkehr liegt bei 17 Prozent.

Flugzeuge sind heute 40 Prozent leiser

und sparsamer als vor 20Jahren.

Doch drei Prozent genügen, um jährlich

6000 Quadratkilometer Eisinder

Arktis schmelzen zu lassen, hat das

Max-Planck-Institut errechnet.

Stickoxide, Aerosole, Ruß, Kohlenmonoxid

–esist ein giftiger Mix, den

Abheben

Das Flugzeug zu nutzen, war noch nie so günstig. Doch mit dem Erfolg kommt

der Markt an seine Grenzen –und das Klima.

Staus in der Luft

VonImre Grimm

Flugpassagiere

auf deutschen Flughäfen*2018,inMillionen, in Klammern Veränderung zu 2017 in Prozent

Ziele

Häufigste Ziele im Ausland

Europa

Deutschland Spanien

14,7 (+ 3,7)

77,8

23,5

(+ 6,1)

(– 0,8)

Gesamt

122,6 Millionen

(+ 4,2%)

*einsteigende Passagiere

Interkontinental

21,3

(+ 3,2)

Großbritannien

7,5 (+ 3,3)

Türkei

7,5 (+ 20,1)

Italien

7,1 (+ 2,3)

USA

5,3 (– 4,3)

Griechenland

4,0 (+ 16,0)

Frankreich

4,0 (+ 5,5)

Österreich

3,5 (+ 0,9)

BLZ/GALANTY; QUELLE: AFP

DPA

Flugzeuge in großer Höhe verteilen.

„Unter vielen jungen Leuten ist Fliegen

erstmals negativ besetzt“, urteilt

der Flugexperte und Autor Andreas

Spaeth. „Das könnte in einem Jahrzehnt

ein großes Problem für die Airlines

werden.“

Doch noch ändert sich am Verhalten

wenig. Denn Fliegen ist billig.

Aber warum kostet ein Flugticket oft

weniger als ein Bahnticket? Die Antwort:Weil

es politisch gewollt ist. Der

Staat verzichtet bei Auslandsflügen

auf die Mehrwertsteuer, nicht aber

beim Tanken und Bahnfahren. Eine

Kerosinsteuer gibt es nicht, eine Mineralölsteuer

sehr wohl. Kommunen

umgarnen Fluggesellschaften mit

Fördergeld und Gebührenbefreiung

und halten selbst offenbar verkehrstechnisch

weitgehend sinnlose Flughäfen

wie Kassel-Calden am Leben,

weil Flughäfen als Prestigeprojekte

Städte attraktiv machen und Jobs,

Touristen und Messen anlocken

können. So die Hoffnung.

In Stunden um die Welt zu reisen

ist eine der großen zivilisatorischen

Errungenschaften. Es ist billig wie nie

und doch ein Privileg. Nur drei Prozent

der Menschheit sind im Jahr

2017 geflogen. Nur 18Prozent saßen

überhaupt schon mal in einem Flugzeug.

Nicht auszudenken, was passiert,

wenn das Fliegen auch nur für

20 Prozent der Weltbevölkerung zum

Alltag würde wie in den Industrienationen.

Das Ökosystem des Planeten

wäreschnell am Ende.

Was also tun? Aufs Fliegen verzichten?

Unrealistisch. Aussichtsreicher

ist wohl, das Fliegen anders zu

organisieren: ökologischer und ökonomischer.

Ideen gibt es viele. CO 2 -

Steuer, Kerosinsteuer, Klimaprämie,

gewissensberuhigende Ausgleichszahlungen

–das sind die fiskalischautoritären

Ansätze. Gleichzeitig investiert

die Branche in die Erforschung

von Biokerosin, will bis 2020

klimaneutral wachsen, bis 2050 ihren

CO 2 -Ausstoß halbieren. Dass

Elektroflugzeuge eine größere Rolle

spielen könnten, ist unwahrscheinlich:

Die Batterien sind zu schwer.

Die holländische Fluggesellschaft

KLM entwickelt derzeit ein V-förmiges

Flugzeug, in dessen„Flügeln“ die

Passagiere sitzen. Zukunftsmusik

wie auch die Wasserstoff- oder

Brennstoffzellenantriebe oder das

Hybridflugzeug E-Fan X von Siemens,Airbus

und Rolls Royce.

Immerhin gibt es Gedankenspiele,

wie sich das Chaos am Flughafen minimieren

ließe. Der Designer Morten

Just hat einen Plan entwickelt, um die

Boardingzeit zu verkürzen: DiePassagiere

besteigen am Gate eine Innenkabine

samt Sitzen und Gepäckfächern.

Diese wird, sobald das Flugzeug

gelandet ist, in die leere Flugzeughülle

geschoben und fixiert. Die

ankommenden Fluggäste werden

samt Kabine in wenigen Minuten

ausgeladen. Statt 45 Minuten stünde

ein Flugzeug nur noch fünf Minuten

am Gate. Esist das Containerprinzip

aus der Schifffahrt. Der Fluggast

würde endgültig zum Stückgut.

VonImre Grimm

Der Trend ist eindeutig: DerFlugverkehr

nimmt weltweit rasant

zu. Vier Milliarden Passagiere werden

pro Jahr befördert. In 15 Jahren

sollen es mehr als doppelt so viele

sein (8,2 Milliarden). 10,6 Millionen

Flugzeuge starten jedes Jahr allein in

Europa.

Für 2040 rechnet die Branche mit

16 Millionen. Der bisherige Rekordtag

ist der 13. Juli 2018: An diesem

Tag gingen weltweit exakt 205 468

Flugzeuge an den Start, so viele wie

noch nie.

Billigflieger: Im Winterhalbjahr

2018/19 verzeichnete der „Low Cost

Monitor“ des Deutschen Zentrums

für Luft- und RaumfahrtinDeutschland

zehn Prozent mehr Starts im

Vergleich zum Vorjahr.Der weltweite

durchschnittliche Ticketpreis sank

von 490 Dollar (2011) auf 290 Dollar

(2019). 55 Prozent der Deutschen

sind nach einer Umfrage der Meinung,

Fliegen sei zu billig geworden.

Ablasshandel gegen die Flugscham

Inlandsflüge: Trotz der Air-Berlin-

Pleite und des gesteigerten Ökobewusstseins

wächst der innerdeutsche

Flugverkehr, vor allem durch

Zubringerflüge und Geschäftsreisende.

Innerdeutsche Flüge legten

2018 gegenüber dem Vorjahr um 8,6

Prozent zu. Insgesamt flogen 23,5

Millionen Menschen von Deutschland

nach Deutschland –mehr als

60 000 an jedem Tag.

Lockangebote: Billigtickets sind

entweder Lockangebote oder Au-

Trend

genwischerei. DerTicketpreis deckt

nur die reinen Transportkosten ab.

Geld verdient die Fluglinie mit den

„Ancillary Revenues“ –den Extras:

Koffertransport, Beinfreiheit, Verpflegung.

Diese Nebenerlöse machen

bis zu 40 Prozent des Umsatzes

aus.Weitere Geldquellen: Provisionen

für Hotels, Mietwagen oder

Versicherungen. Billigflieger bieten

keine Anschlussflüge, parken meist

auf dem Rollfeld (das spart Gebühren),

checken kein Gepäck durch

und konzentrieren sich auf wenige

Direktverbindungen von Regionalflughäfen.

Auch wegen geringerer

Löhne und Gehälter kann Ryanair

9,99-Euro-Tickets anbieten.

Umwelt: DerFlugverkehr ist weltweit

für etwa eine Milliarde Tonnen CO 2

oder drei Prozent der gesamten

Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Das klingt wenig. Doch die

Schäden entstehen in großer Höhe

und sind damit wirkungsvoller.Zwar

hat sich der negative Umwelteffekt

durch jeden einzelnen Reisenden

seit 1990 halbiert. Doch deren Gesamtzahl

steigt –und damit der Einfluss

auf das Klima.

Ablasshandel: Für Passagiere mit

Flugscham bieten Projekte wie atmosfair

oder MyClimate eine Art

moralischen Ablasshandel: Reisende

können ihren CO 2 -Fußabdruck gegen

eine Spende für Klimaprojekte

reduzieren. Immer mehr Firmen

steigen ein. Selbst die Lufthansa will

Ausgleichszahlungen für die Dienstreisen

ihrer Mitarbeiter leisten.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE REISEWETTER

Heute steigen die Höchstwerteauf 18 bis 21Grad. Dazu ist der Himmel

vielerorts wechselnd bis stark bewölkt. Der Wind weht schwach bis mäßig

aus westlichen Richtungen. In der Nacht verschleiern kaum Wolken die

Sterne, und es werden Tiefstwerte von 9bis 7Grad gemessen.

Biowetter: Die derzeitige Witterung

verursacht vermehrt rheumatische

Beschwerden, Gelenk-, Muskel-,

Glieder- und Narbenschmerzen.

Wittenberge

Stoffwechsel und Durchblutung sind 10°/21°

beschleunigt.

Pollenflug: Die Konzentration von

Nessel-, Wegerich- und Gräserpollen

ist mäßig bis stark. Ferner ist mit

schwachem bis mäßigem Flug von

Gänsefußpollen zu rechnen.

Gefühlte Temperatur: maximal 20Grad.

Wind: schwach aus West.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

9°/20° 9°/20°

Luckenwalde

8°/20°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Regenschauer heiter wolkig

9°/20° 12°/23° 14°/25°

Prenzlau

9°/21°

Cottbus

10°/18°

Frankfurt

(Oder)

8°/20°

Über das nördliche und östliche Mitteleuropa wandern reichlich Wolken mit vereinzeltem

Regen von Tief Pirmin. Weiter südlich dominiert der Einfluss des

Hochs über dem Ärmelkanal. Hochsommerliche Verhältnisse mit viel Sonne treffen

wir nach wie vor rund um das Mittelmeer an. Derweil nehmen Regenwolken

über den Britischen Inseln mit wärmerer Luft Kurs auf Mitteleuropa.

Sylt

10°/16°

Hannover

8°/17°

Köln

8°/21°

Saarbrücken

9°/23°

Konstanz

12°/24°

Hamburg

9°/15°

Erfurt

7°/18°

Frankfurt/Main

11°/22°

Stuttgart

10°/22°

Rügen

11°/18°

Rostock

11°/18°

Magdeburg

11°/18°

Nürnberg

7°/19°

München

12°/22°

Dresden

11°/17°

Deutschland: Heute unterbrechen

längere Zeit Wolkenfelder den Sonnenschein.

Esüberwiegt wolkiges

Wetter. Dabei werden während des

Tages 15 bis 24 Grad erreicht,

nachts kühlt es dann auf 12bis

6Grad ab. Der Wind weht schwach

bis mäßig aus West. Morgen überwiegt

bei oftmals wolkigem Himmel

zeitweise der Sonnenschein. Es werden

Höchstwerte von 18bis 25 Grad

erwartet, und der Wind weht

schwach aus Nordwest.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 15°-17°

Nordsee: 15°-17°

Mittelmeer: 24°-32°

Ost-Atlantik: 16°-21°

Mondphasen: 09.07. 16.07. 25.07. 01.08.

Sonnenaufgang: 04:54 Uhr Sonnenuntergang: 21:28 Uhr Mondaufgang: 13:20 Uhr Monduntergang: 00:48 Uhr

Lissabon

28°

Las Palmas

24°

Madrid

30°

Reykjavik

17°

Dublin

20°

London

24°

Paris

23°

Bordeaux

28°

Palma

32°

Algier

32°

Nizza

30°

Trondheim

17°

Oslo

22°

Stockholm

19°

Kopenhagen

20°

Berlin

20°

Mailand

29°

Tunis

40°

Rom

32°

Warschau

16°

Wien

24° Budapest

23°

Palermo

39°

Kiruna

20°

Oulu

20°

Dubrovnik

29°

Athen

35°

St. Petersburg

20°

Wilna

19°

Kiew

22°

Odessa

23°

Varna

30°

Istanbul

34°

Iraklio

31°

Archangelsk

17°

Moskau

23°

Ankara

30°

Antalya

38°

Acapulco 34° wolkig

Bali 31° heiter

Bangkok 33° wolkig

Barbados 29° wolkig

Buenos Aires 15° wolkig

Casablanca 22° heiter

Chicago 30° heiter

Dakar 27° heiter

Dubai 40° sonnig

Hongkong 34° Gewitter

Jerusalem 32° sonnig

Johannesburg 20° sonnig

Kairo 39° sonnig

Kapstadt 20° heiter

Los Angeles 21° heiter

Manila 31° wolkig

Miami 31° Schauer

Nairobi 28° heiter

Neu Delhi 38° Gewitter

New York 32° sonnig

Peking 31° Schauer

Perth 18° bewölkt

Phuket 34° wolkig

Rio de Janeiro 23° sonnig

San Francisco 21° wolkig

Santo Domingo 32° heiter

Seychellen 27° wolkig

Singapur 31° Gewitter

Sydney 18° sonnig

Tokio 28° bedeckt

Toronto 27° heiter


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 3

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Seite 3

Für

immer

vielleicht

Blick in einen Flur der Christophorus-Klinik Amelsbüren ALEXIANER MÜNSTER GMBH (2)

Noch knapp zwei Kilometer bis

zur Klinik. Wiesen, Weiden, so

weit das Auge reicht, ab und zu

ein Gehöft. Plattes Münsterland.

DieProtestschilder am Rand des vielbefahrenen

Kappenberger Damms werden zahlreicher,

der Tonaggressiver. „Willkommen im

Forensik-Rückfallgebiet“, ist zu lesen. Oder

„Ein Albtraum –Sexualtäter im Schulbus.“

Die Schilder hängen hier seit fast zwei

Jahren. Einheimische nehmen sie kaum

noch wahr,aber niemand käme auf die Idee,

sie abzuhängen. Schließlich hat sich an der

Situation aus Sicht der aufgebrachten Anwohner

nichts geändert.

Es ist nicht mehr weit bis zu geschlossenen

Forensik Amelsbüren, wo psychisch

kranke Straftäter untergebracht sind. Im November

2017 hat das Oberlandesgericht

Hamm einen mühsam ausgehandelten

Kompromiss zwischen dem Sicherheitsbedürfnis

der Öffentlichkeit und den verbrieften

Rechten der Inhaftierten – zu deren

Gunsten. Unbegleitete Freigänge dürfen

nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Die Empörung brach sich schnell Bahn.

Über Nacht waren sie da, die eilig gepinselten

Transparente.

Theoretisch bis zum Tod

Der schriftliche Aufschrei der Klinik-Nachbarschaft

ist der Gruppe vonJura-Studentinnen

und -Studenten nicht entgangen. Sie

wartet jetzt vor der Eingangsschleuse zur

Christophorus-Klinik Amelsbüren. Die

meisten stehen kurz vor ihrem Master-Abschluss,und

der Besuch ist Pflichtprogramm

im Fach Kriminalwissenschaften.

Der5,50 Meter hohe Zaun, der das Klinikgelände

umschließt, glitzert in der fahlen

Sonne.Oben ist er mit rasiermesserscharfem

Nato-Draht gesichert. Fluchtversuche sind

aussichtslos; werprobiert, über den Zaun zu

klettern, würde sich in den Drahtverhauen

verheddern. Seit Eröffnung der Klinik 2011

hat es noch keiner gewagt.

Der Kriminologe Klaus Boers hat zwei

ganzeTage seines Blockseminars „Grundfragen

und aktuelle Probleme des Straf- und

Maßregelvollzugs“ von der Universität

Münster in die geschlossene Psychiatrie verlegt.

Seine Studenten –angehende Richter,

Staatsanwälte und Verteidiger – sollen die

harte Realität von Menschen kennenlernen,

die, anders als Häftlinge, nicht wissen, wie

lange der Freiheitsentzug für sie dauert.

„Theoretisch bis zum Tod“, wird später

der Klinikdirektor Dieter Seifert erläutern.

Die Seminarteilnehmer haben gelernt, dass

die Unterbringung in einem psychiatrischen

Krankenhaus nach Paragraf 63 Strafgesetzbuch

„unbefristet“ und „unabhängig vonder

Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung“

erfolgt.

Maßregelvollzug ist vom Strafvollzug und

der Sicherungsverwahrung zu unterscheiden.

Wissen angehende Richter,wie es Menschen ergeht,

die in die forensische Psychiatrie kommen?

Ein Münsteraner Kriminologe zeigt seinen Studenten

zwei Tage lang, wo und wie psychisch kranke Straftäter untergebracht

sind –und gewährt dabei Einblick

in eine abgeschottete Welt

Im Maßregelvollzug werden Straftäter behandelt,

die aufgrund einer psychischen Krankheit

oder Suchterkrankung nicht oder nur

teilweise für ihreTat verantwortlich gemacht

werden können. Die Patienten leider unter

Psychosen, Persönlichkeitsstörungen oder

sind suchtkrank. Manche sind aufgrund einer

intellektuellen Minderbegabung nicht in der

Lage, das Unrecht ihrer Tatzuerkennen. Die

Bandbreite begangener Delikte der Patienten

reicht von Beschaffungsdiebstahl bis zu Tötungsdelikten.

Sexualstraftaten machen etwa

einViertel aller Einweisungsdelikte aus,wobei

das Spektrum von Exhibitionismus bis zur

Vergewaltigung reicht.

Für manche der Studenten sind die ersten

Stunden hinter dem Klinik-Zaun ein Schock.

„Aber ein heilsamer“, findet Professor Boers,

derzeit Dekan der Juristischen Fakultät in

Münster.Erkenne Dutzende vonauch langgedienten

Richtern und Staatsanwälten, die

keineVorstellung davon hätten, wie es den in

Deutschland etwa 8000 Patienten geht, die

per Gerichtsanordnung in forensische Anstalten

eingewiesen worden sind.

Auch wenn Kritiker des Maßregelvollzugs

nicht müde werden, von einer „Schlangengrube“

zu sprechen, in der man einem Ärzte-

Regime willkürlich ausgeliefertsei: In Amelsbüren

ist man bemüht, sich sehr deutlich

von einem Gefängnis zu unterscheiden. Die

Insassen sind keine Häftlinge, sondern Patienten,

es gibt keine Zellen, sondern(nur von

außen zu öffnende) Zimmer.„Wirverzichten

auch ganz bewusst auf schwarze Sheriffs“,

sagt Dieter Seifert, der Klinikleiter. Aber wie

alle Mitarbeiter, die mit den Bewohnern in

Kontakt kommen, trägt auch der Psychiater

sein Notrufgerät stets am Mann, um im Fall

des Falles Kollegen zu Hilfe rufen zu können.

54 straffällig gewordene „intelligenzgeminderte“

Männer werden in Amelsbüren

behandelt. Früher wurden solche Täter als

„schwachsinnig“ und ihre Persönlichkeit

als „abartig“ bezeichnet. „Für jeden Patienten

wirdein individuelles,seinen intellektuellen

Fähigkeiten angepasstes Behandlungsprogramm

erstellt“, heißt es auf der

Website der Klinik.

VonHarald Biskup, Amelsbüren

Die Arbeitstherapie im Maßregelvollzug ist freiwillig

–und beliebt.

Auf dem Wegzur Arbeitstherapie treffen

wir auf eine Gruppe,die einen Küchenwagen

über den großen begrünten Hof schiebt.

„Hallo Chefarzt, wie war der Urlaub?“ grüßt

einer der Männer herüber. Seifert kennt die

Geschichte jedes einzelnen seiner Schützlinge.

Obdie Patienten voneinander wissen,

weshalb sie verurteilt worden sind, fragt eine

Studentin. Seifert schüttelt den Kopf. „Das

wirdnach Möglichkeit vermieden.“

Auf den Namensschildern anden Zimmertüren

steht bloß „Herr B.“oder „Herr E.“

Herr E. simuliert gerade auf dem Computer

ohne Internetzugang ein Fußballspiel: Erzgebirge

Aue gegen Bielefeld. „Bielefeld gewinnt“,

sagt er. Die Wohngruppe 2hat ein

richtiges Wohnzimmer mit beigefarbener

Couch und passenden Sesseln. Die Sitzgruppe

wird von Kameras überwacht wie

alle Gemeinschaftseinrichtungen. Und

doch: Hier soll soziale Kompetenz trainiert

werden. Für irgendwann später. Eine

Waschmaschine läuft im Schongang:

Baumwolle,35Grad. „Alles viel ordentlicher

als in unserer WG“, bemerkt Lisa aus der Seminargruppe.

Weiter zur Arbeitstherapie,sie ist freiwillig

und vielleicht gerade deswegen beliebt. Ein

Mittvierziger sortiert Gummiringe für Einmachgläser,

ein jüngerer Patient, der sich

kaum artikulieren kann, bemalt Becher.Wie

die Männer eingesetzt werden, richtet sich

nach ihren kognitiven und feinmotorischen

Fähigkeiten, erklärtder Therapeut, ein kahlköpfiger

Hüne im schwarzenT-Shirt. Neben

ihm liegt ein Skalpell, das er bei filigranen

Holzarbeiten einsetzt. Bevor die Frage gestellt

werden kann, beruhigt er: Ja, gefährliche

Werkzeuge werden selbstverständlich

unter Verschluss gelagert.

Träger der Christophorus-Klinik sind die

katholischen Alexianerbrüder, die Therapiestationen

heißen „Agnes“ und „Katharina

vonSiena“, die Rehabilitationsstation „Edith

Stein“. Zur Lebenswirklichkeit in Amelsbüren

gehört auch, dass es einen von zwei Seiten

begehbaren Krisen-Interventionsraum

gibt: die „Gummizelle“, in der zum Beispiel

randalierende Patienten bei Bedarfauf einer

Matratze fixiert undmedikamentös ruhiggestellt

werden können. Auch zu ihrem eigenen

Schutz, wirdversichert.

Kurz darauf in einem Konferenzraum mit

Blick auf den Hof. Die Studenten haben ihre

Präsentationen auf Sticks mitgebracht, Laptops

und Smartphones mussten an der

Pforte eingeschlossen werden.Imdritten Referat

an diesem Taggeht esumdas schwierige

Thema „Einsatz von Psychopharmaka

als Bestandteil eines Gesamtbehandlungskonzepts“.

Noch bevor es losgeht, klopft ein leicht

verwirrt wirkender Patient ans Fenster,

nachdem er den Klinikchef entdeckt hat. Seifertöffnet

das Fenster kurzund teilt dem Fragenden

sachlich mit, dass es mit der Suche

nach einem Wohnplatz nach der Entlassung

gut aussieht. Kaum ein Amelsbüren-Insasse

kehrt, wenn sich nach im Schnitt acht Jahren

das große grüne Torfür ihn öffnet, in seine

Familiezurück. Nurein Drittel der Patienten

unterhält Kontakte nach außen.

Gerade bei schizophrenen Psychosen,

mit mehr als 60 Prozent die Hauptdiagnose

bei schuldunfähigen Tätern, referiert Clara,

die im 10. Fachsemester Jura studiert, eröffneten

Psychopharmaka immense therapeutische

Möglichkeiten. Studien belegten zudem,

dass diese Medikamentengruppe auch

das Rückfallrisiko senkt. Die zweitgrößte

Gruppe sind Patienten mit einer Persönlichkeitsstörung.

Jetztschaltetsich der Kriminologe

Boersein.„Die will niemand haben, und

deswegen landen diese Leute oft im Knast“,

sagt er.Und Chefarzt Seifertwirdnoch deutlicher:

„Man begutachtet sich diese schwierige

Klientel gernweg.“

Zeit für zehn Minuten Pause. Zeit für einen

Blick in die Anstaltskapelle. Einmal im

Jahr veranstaltet die Klinik, so abstrus es angesichts

des extrem hohen Sicherheitsstandards

klingen mag, einen Tagder Offenen

Tür. Beim letzten Mal hätten die Kommentare

der Besucher zwischen „Gulag“ und

„Luxus-Knast“ geschwankt, berichtet Seifert.

Und einige hätten ihre Wut über angeblich

zu großzügige Lockerungen an der bronzenen

Altarplatte ausgelassen. Er zeigt Kratzer

und andere Spuren roher Gewalt. Ständig

müssen er und seine Mitarbeiter Risiken und

Therapieziele gegeneinander abwägen. Keiner

der Gäste des Besuchertags konnte ahnen,

dass am Grill ausgerechnet ein verurteilter

Brandstifter stand.

Fortschritt und Gefahr

Wiesetzt dieKlinik die für sie schwierige Gerichtsentscheidung

zur großzügigeren Freigang-Regelung

um? „Wir beurteilen weiterhin

individuell Therapiefortschritte und Gefährlichkeit

bei jedem unserer 54 Patienten“,

sagt Seifert. Ohnehin sei nur eine sehr kleine

Gruppe betroffen, die kurz vor ihrer Entlassung

steht. Auch bei„begleiteten Ausführungen“

durch Klinik-Mitarbeiter kann es zu Situationen

kommen, die geschicktes Reagierenverlangen.

So wie kürzlich beim Einkaufs-Training

im Supermarkt, mit dem ein Stück Normalität

zurückgewonnen werden soll. In naiver

Vertrauensseligkeit brüstete sich ein wegen

einschlägiger Delikte verurteilter Patient

beim Bezahlen mit seinen Therapieerfolgen:

„Ich mache nichts mehr mit Kindern.“ Die

Frau an der Kasse lächelte und wünschte

noch einen schönen Tag.

Harald Biskup

ist regelmäßiger Gasthörer im Fach Kriminologie

an der Universität Münster.


4* Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Lebensverhältnisse je nach

Region sehr unterschiedlich

Dievon der Bundesregierung eingesetzte

Kommission zur Untersuchung

der Lebensverhältnisse hat einem

Medienbericht zufolge erhebliche

Unterschiede zwischen einzelnen

Regionen in Deutschland

festgestellt. Es bestünden „erhebliche

Disparitäten in den regionalen

Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten,

bei derVerkehrs- und

Mobilfunkanbindung und beim Zugang

zu Angeboten der Grundversorgung

und Daseinsvorsorge“,

heiße es im Abschlussbericht der Regierungskommission

„Gleichwertige

Lebensverhältnisse“, berichteten die

Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

(dpa)

Iran: Urananreicherung

vorerst nur bis 4,5 Prozent

In der Hoffnung auf eine diplomatische

Lösung des Konflikts um sein

Atomprogramm reichertder Iran

seine Uranvorräte nur geringfügig

über das erlaubte Maßvon 3,67 Prozent

an. „UnsereAnlagen brauchen

einen Anreicherungsgrad von1,1

bis 4,5 Prozent, daher wirdein Wert

unter 5Prozent vorerst ausreichen“,

sagte der Sprecher der iranischen

Atomorganisation, Behrus Kamalwandi,

am Montag. Biszufünf Prozent

werden demnach vonder Internationalen

Atomenergiebehörde

(IAEA) nicht als gefährlicher Anreicherungsgrad

eingestuft. DerSprecher

gab zu verstehen, dass dieser

Grad langfristig auf 20 Prozent angehoben

werden könne. (dpa)

Ex-Wirtschaftsminister

verlässt türkische AKP

DerfrüheretürkischeWirtschaftsminister

Ali Babacan ist inmitten von

Spekulationen über die Gründung einer

eigenen Partei aus der islamischkonservativen

Regierungspartei AKP

ausgetreten. DasAKP-Gründungsmitglied

nannte in einer schriftlichen

Erklärung am Montag als Grund für

den Schritt„tiefe Differenzen“ hinsichtlich

des politischen Kurses der

Partei unter Präsident Recep Tayyip

Erdogan und forderte eine„neueVision“

für die Türkei. (AFP)

Opposition will Aufklärung

zum Maut-Debakel

Mit der Maut sollten Milliarden in die

deutsche Infrastruktur fließen. DPA/BÜTTNER

Wegen der gescheiterten Pkw-Maut

fordernGrüne,Linke und FDP eine

Sondersitzung des Verkehrsausschusses

noch in der Sommerpause

des Bundestags –mit Minister Andreas

Scheuer (CSU). DieOppositionsfraktionen

beantragten am Montag

eine Sitzung für diesen Mittwoch.

Notfalls könnte sie alternativ am 24.

Juli stattfinden. EinAbwarten bis

zum Beginn des parlamentarischen

Betriebs im September sei„aufgrund

der unmittelbaren Haushaltsrelevanz“

der gekündigten Verträge mit

den vorgesehenen Maut-Betreibern

nicht möglich, heißt es in einem

Schreiben an den Verkehrsausschuss.Linke-Fraktionsgeschäftsführer

JanKorte sagte,esgelte unverzüglich

herauszubekommen, wie

viele Steuermittel noch gezahlt werden

müssten, um aus den Verträgen

herauszukommen. (dpa)

Suche nach den Willigen

Die europäischen Grünen fordern ein klares Bekenntnis zur Seenotrettung im Mittelmeer

VonDamir Fras, Brüssel

Angesichts der dramatischen

Szenen im Mittelmeer

haben die Europäischen

Grünen die Bundesregierung

aufgefordert, „sich an die

Spitze einer Koalition der Willigen

für die Seenotrettung zu setzen“. Die

Europäische Union sei Friedensnobelpreisträgerin

und müsse „das

Massensterben im Mittelmeer mit

einer europäischen Seenotrettungsmission

beenden“, sagte der deutsche

Europa-Abgeordnete Erik Marquardt

der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). Wenn

es dazu keine Einigung auf EU-

Ebene gebe,stehe es einer „Koalition

der Willigen frei, eine eigene Seenotrettungsmission

zu starten“.

Ob es dazu kommt, ist allerdings

unwahrscheinlich. Ein Sprecher des

Auswärtigen Amtes räumte am Montag

zwar ein:„Es gibt da eine Lücke in

der Seenotrettung.“ Doch könne

diese Lücke erst geschlossen werden,

„wenn es danach einen Hafen

gibt für die Schiffe,inden sie einfahrenkönnen.“

Ähnlich sah es Europa-

Staatsminister Michael Roth (SPD):

„Ich habe die Hoffnung aufgegeben,

dass wir uns als gesamte Europäische

Union auf einen entsprechenden

Verteilmechanismus verständigen

können.“ Bundesinnenminister

Horst Seehofer (CSU) ließ dagegen

erklären: „Wir drängen weiter intensiv

darauf, dass es einen festen Verteilmechanismus

gibt, damit die

Schiffe jeweils sofort den nächsten,

sicheren Hafen ansteuernkönnen.“

Andauernder Streit

Doch der Streit um die Verteilung

vonFlüchtlingen geht schon seit Jahren

–und ist immer noch nicht gelöst.

Italiens starker Mann, Innenminister

Matteo Salvini vonder rechtspopulistischen

Lega, hat die Häfen

in seinem Land für private Rettungsschiffe

geschlossen. Selbst wenn

Flüchtlinge in einem anderen EU-

Staat wie etwa Malta an Land gebracht

werden dürfen, dann finden

sich in der Regel nur einige wenige

Staaten, die zur Aufnahme der Geretteten

bereit sind. Osteuropäische

Staaten wie Ungarn, Tschechien und

Polen wehren sich sogar vehement

dagegen, Flüchtlinge aufzunehmen.

Aufeine verbindliche Quote zur Verteilung

der Menschen auf alle EU-

Mitgliedsländer konnte sich die EU

bislang nicht einigen.

Aktueller Hintergrund der Debatte

ist die tagelange Irrfahrt des

Rettungsschiffs „Alan Kurdi“, das 65

Nach tagelanger Irrfahrtwerden die Flüchtlinge von der „Alan Kurdi“ an Land gebracht. AFP

Pflicht: Wenn sich Menschen

in Seenot befinden,

müssen sie gerettet werden.

Das gilt für staatliche wie private

Schiffe und ergibt sich

aus der Tradition der Seefahrtund

dem ungeschriebenen

Völkergewohnheitsrecht.

Auch internationale Seerechtsübereinkommen

und

Resolutionen regeln die Seenotrettung.

RETTUNG AUF DEM MEER

Not: „Seenot“ ist nicht genau

definiert. Generell muss

denen geholfen werden, die

vonallein „nicht in Sicherheit

gelangen können und auf

See verloren gehen“ –egal

ob auf hoher See oder in

Küstengewässern. Darunter

fällt auch, wenn Boote überbelegt

oder manövrierunfähig

sind, oder wenn Nahrung

und Wasser fehlen.

Schutz: Gerettete müssen an

einen sicheren Ortgebracht

werden. Daskann auch ein

größeres Schiff sein.Ein

Staat kann den Zugang zum

Hafen verwehren, wenn das

Schiff „eineunannehmbare

Bedrohung“ darstellt. Die

Menschen an Bord müssen

aber in Sicherheit sein. Libyen

gilt für die Bundesregierung

nicht als „sicherer Ort“.

Flüchtlinge im Mittelmeer aufgenommen

hatte. Die Einfahrt inden

italienischen Hafen Lampedusa

wurde dem Schiff der privaten Hilfsorganisation

Sea-Eye aus Deutschland

verweigert. Erst in Malta durften

die Menschen an Land. Zuvor

hatte sich Deutschland bereiterklärt,

40 Flüchtlinge aufzunehmen.

Forderung an vonder Leyen

Der Europa-Abgeordnete Marquardt,

der selbst an einigen Rettungsaktionen

im Mittelmeer teilgenommen

hat, forderte die designierte

EU-Kommissionspräsidentin

Ursula von der Leyen (CDU) auf,

„sich für die Entkriminalisierung der

Seenotrettung“ einzusetzen.

Die Kapitänin der deutschen

Hilfsorganisation Sea-Watch, Carola

Rackete, war etwa mit Dutzenden

von Flüchtlingen an Bord ihres

Schiffes ohne Erlaubnis der italienischen

Regierung in den Hafen von

Lampedusa eingefahren. Rackete

wurde festgenommen, kam aber

wieder frei. Die Behörden in Italien

werfen ihr Beihilfe zur illegalen Einwanderung

und Widerstand gegen

Vollstreckungsbeamte vor.

Marquardt forderte eine Neujustierung

der europäischen Migrationspolitik.

„Die EU-Kommission

solle Menschen auf der Flucht aus

dem Bürgerkriegsland Libyenunterstützen

und sie nicht mit Hilfe islamistischer

Milizen ins Kriegsgebiet

zurückbringen“, sagte er. Mit dem

Geld aus Brüssel, das derzeit an die

libysche Küstenwache fließe,

„könnte die EU ein europäisches

Seenotrettungsprogramm finanzieren“,

so Marquardt weiter.

Mit Spannung wurde am Montag

erwartet, wie sich von der Leyen in

der Debatte um die Seenotrettung

positioniert. Die deutsche Verteidigungsministerin

führte am Nachmittag

ein Gespräch mit den Grünen-

Fraktionsvorsitzenden im Europa-

Parlament in Brüssel. Für die Grünen

war ein klares Bekenntnis zur Rettung

der Flüchtlinge eine Bedingung, im

Parlament für vonder Leyen als Kommissionschefin

zu stimmen. Ob sich

von der Leyen darauf einließ, wurde

am Montagabend zunächst nicht bekannt.

BisAnfang dieses Jahres unterhielt

die EU die Rettungsmission „Sophia“

im Mittelmeer. Militärschiffe sollten

Schleuser und Waffen aufbringen

und auch in Seenot geratene Menschen

retten. Die Mission ist allerdings

inzwischen bis auf einige Ausbildungskurse

für die libysche Küstenwache

faktisch eingestellt.

Ein Freund der Mächtigen und des Missbrauchs

Die Festnahme des Milliardärs Jeffrey Epstein wegen Mädchenhandels rückt auch Trumps Arbeitsminister ins Zwielicht

VonKarlDoemens, Washington

Die Nachricht überraschte Donald

Trump beim Golf-Wochenende

auf seinem Anwesen in Bedminster

im Bundesstaat New Jersey.

Nureine Autostunde entfernt war am

Flughafen Teterboro der Milliardär

Jeffrey Epstein festgenommen worden,

den Trump einst einen„fantastischen

Kerl“ nannte. Der 66-jährige

Hedgefonds-Manager wird von der

New Yorker Staatsanwaltschaft des

Mädchenhandels und des Missbrauchs

bezichtigt. Er soll von 2002

bis 2005 Dutzende minderjährige

Mädchen angelockt und in seinem

2000-Quadratmeter-Palais in Manhattan

zu sexuellen Handlungen genötigt

oder vergewaltigt haben.

„Ich weiß darüber gar nichts“,

wehrte der Präsident am Sonntag ab.

Dernun drohende Prozess ist für ihn

nicht nur wegen seiner persönlichen

Beziehung zu Epstein problematisch,

die Trump 2002 in einem Interview so

beschrieb: „Es macht viel Spaß, mit

ihm zusammen zu sein. Man erzählt

sich, dass er Frauen genauso gerne

mag wie ich, und viele sind ziemlich

jung.“ Politisch heikel ist vor allem,

dass Epstein 2007 wegen ähnlicher

Vergehen bereits in Florida angeklagt

worden war.Damals kam er mit einer

bemerkenswertsanften Strafe von18

Monaten Haft davon, die sein Anwalt

mit der Anklage ausgehandelt hatte.

Tatsächlich verbrachte er nur 13 Monate

hinter Gittern und hatte täglich

zwölf Stunden Ausgang, um die Vermögen

seiner superreichen Klienten

zu verwalten. Verantwortlich für den

Deal war der damalige Bundesanwalt

in Miami, Alex Acosta. Der Mann ist

inzwischen Arbeitsminister im

Trump-Kabinett.

InvestigativeRecherche

tiven Recherchen des Miami Herald

zu tun. Dessen Reporterin Julie K.

Brown hatte im vorigen Herbst akribisch

zahlreiche Details der Sexualstraftaten

sowie des anschließenden

Verfahrens zusammengetragen und

in einer Serie mit dem Titel „Perversion

des Rechts“ veröffentlicht.

Die Zeitung machte mehr als 80

Frauen ausfindig, die von Epstein

meist im Alter zwischen 13 und 17

Jahren missbraucht worden sein sollen.

Acht von ihnen sagten öffentlich

aus. Der Missbrauch lief demnach

immer nach ähnlichem Muster ab:

Über Mittelsmänner warb Epstein

Minderjährige in ärmeren Milieus an,

bot ihnen 200 oder 300 Dollar für eine

Massage, ließ sie zu seinen Anwesen

in New York, Palm Beach oder auf

seine private Karibikinsel bringen

und nötigte sie dort, ihn zu befriedigen.

„Damals stand nicht Aussage gegen

Aussage. Dawaren mehr als 50

Frauen und ein einzelner Mann, und

die Frauen erzählten alle dieselbe Geschichte“,

sagte Michael Reiter, der

inzwischen pensionierte Polizeichef

vonPalm Beach. DieErmittler hatten

„Dieses Monster hat letztes Mal eine

lächerlich geringe Strafe erhalten“,

sagte der republikanische Senator

Ben Sasse: „Gerechtigkeit darf nicht

von der Größe des Bankkontos abhängen.“

Dass der Epstein-Fall nach

mehr als einem Jahrzehnt noch einmal

hochkocht und die New Yorker

Staatsanwaltschaft eine neue Anklage

erhebt, hat maßgeblich mit investigaeine

53-seitige Anklage vorbereitet,

die mutmaßlich für eine lebenslange

Verurteilung gereicht hätte.Doch wegen

des von Acosta ausgehandelten

Deals kam es nicht zum Verfahren,

und alle Unterlagen blieben unter

Verschluss.

Im Zuge des neuen Verfahrens soll

die damalige Anklageschrift geöffnet

werden. „Ich glaube, dass da gerade

ein paar mächtige Leute ziemlich

schwitzen“, sagte Reporterin Brown.

Nach ihren Recherchen haben sich

Epstein und Trump in derVergangenheit

bei Dinner Partys oft gegenseitig

besucht. Auch der frühere Präsident

Bill Clinton und Prinz Andrew waren

häufig bei Epstein zu Gast.

Der heutige Arbeitsminister

Acosta hatte den milden Deal, den er

als junger Staatsanwalt abschloss, in

der Vergangenheit vehement verteidigt:

„Ich verstehe die Frustration“,

sagte er.Aber mit dem Deal, bei dem

sich Epstein des Mädchenhandels in

drei Fällen schuldig bekannte und als

Triebtäter registrieren ließ, habe er sichergestellt,

dass der Milliardär überhaupt

ins Gefängnis gekommen sei.

Keine Zeit für

viel Getöse in

Griechenland

Wahlsieger Mitsotakis will

schnelle Reformen

VonAlexia Angelopoulou und Takis Tsafos

Dröhnende Volksmusik, reichlich

Essen und ausgelassene Tänze?

Fehlanzeige –wer am Sonntagabend

in Athen den klaren Wahlsieg der

konservativen griechischen Partei

Nea Dimokratia mit viel Getöse feiern

wollte, wurde enttäuscht. Bewusst

hatte der künftige Premier Kyriakos

Mitsotakis die vom Stadtzentrum

abgelegene Parteizentrale für

seinen ersten Auftritt nach der Wahl

bestimmt. Den Ball flach halten,

nicht zu viel versprechen und stattdessen

die zahlreichen Probleme des

Landes wirklich anpacken –deshalb

haben ihn die Griechen gewählt.

Nun erwarten sie mit Spannung, ob

er liefernkann.

Keine Sommerpause fürs Parlament

Am ersten Tagnach der Wahl jedenfalls

gelingt das dem 51 Jahre alten

studierten Wirtschaftsanalytiker.Bereits

am Montagmittag fand seine

Vereidigung als Ministerpräsident

statt, anschließend die Amtsübergabe

mit seinem Vorgänger Alexis

Tsipras, danach die Vorstellung des

Kabinetts. AmDienstag soll die Vereidigung

des Kabinetts folgen, am

Mittwoch die erste Sitzung –Mitsotakis

legt zum Auftakt seiner Amtszeit

ein schwindelerregendes Tempo

vor. Sogar die im heißen Monat August

übliche parlamentarische Sommerpause

vonvierWochen hat er abgeblasen

–die Parlamentarier werden

schwitzen und arbeiten müssen,

etliche Gesetzentwürfe sind schon

vorbereitet.

Einen Tagnach dem Wahlsieg wurde Kyriakos

Mitsotakis schon vereidigt. AFP

Das griechische Parlament

Sitzverteilung

KINAL

(Sozialdemokraten)

22

Syriza (Linke)

86

Mera25 (Linke)

9

KKE

(Kommunisten)

15

300

Sitze

Nea Dimokratia

(Konservative)

158

Ellinki Lysi

(Rechtspopulisten)

10

BLZ/GALANTY; QUELLE: INNENMINISTERIUM, AFP

Nicht nur darin unterscheidet

sich Mitsotakis von seinem charismatischen

Vorgänger Alexis Tsipras.

Er gilt als eher knöcherner Technokrat,

der sich bisweilen nur widerwillig

von begeisterten Wählern inden

Arm nehmen und abküssen lässt.

Gerade diese Nüchternheit hat ihn

bei der Parlamentswahl zum Sieger

gemacht, denn die Griechen haben

sich am Sonntag gezielt gegen populistische

Versprechen entschieden.

Mitsotakis versprach nichts –jedenfalls

für griechische Verhältnisse.

Erst müsse das Land wirtschaftlich

auf die Beine kommen, bevor Löhne

und Renten wieder steigen könnten,

hatte er stattdessen immer wieder

betont.

Vielen Griechen erschien das

nach vier Jahren Tsipras nur allzu

logisch. Jetzt lastet auf ihm die

Hoffnung, Ordnung in das chaotische

Land zu bringen. „Alles riecht

jetzt nach Normalität“, kommentierte

ein politischer Analyst am

Montag. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 5 *

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Politik

Sachsen kann auch anders.

IMAGO IMAGES/TIM WAGNER; DPA/BRITTA PEDERSEN

„Sachsen-Bashing ist völlig unangebracht“

DerLeipziger Zeithistoriker Jürgen Reiche über den nötigen Ost-West-Dialog, die Selbstgefälligkeit in den alten Bundesländern und die Wahl in Sachsen

Der Direktor des Zeitgeschichtlichen

Forums,

Jürgen Reiche, wuchs in

Bernburg (Sachsen-Anhalt)

auf und floh 1960 mit seinen Eltern

aus der DDR. Sein Haus zählte

zuletzt 220 000 Besucher im Jahr.

Herr Reiche, Sie arbeiten in einem

Bundesland, das deutschlandweit

den wohl heftigsten Rechtsruck zu

verkraften hat. Wiereagieren Siedarauf?

Dass sich die Rechtsradikalen in

ihrer Dreistigkeit mittlerweile sehr

viel trauen, überrascht mich nicht.

Die Ursache ist sicher, dass man das

Thema jahrzehntelang vernachlässigt

hat. In Sachsen haben die politisch

Verantwortlichen immer gesagt,

es gab und gibt kein Problem

rechts. Das rächt sich jetzt. Ähnliche

Probleme gab und gibt es aber auch

in Westdeutschland. Angefangen

beim Oktoberfest-Attentat 1980 bis

hin zum NSU und dem Fall Lübcke

ist das eine fatale Entwicklung.

Im Westen herrscht trotzdem zuweilen

der Glaube vor, wenn es den Osten

nicht gäbe, dann hätten wir das

Problem nicht.

Das bedauere ich sehr. Es gibt

zwar im Osten sehr viel rechtsradikale

Gewalt. DerRechtsextremismus

ist hier auch breiter aufgestellt. Das

alles kann man nicht wegleugnen.

Auf der anderen Seite wäre esgut,

wenn man vomWesten aus mal genauer

hinsehen und zum Beispiel

wahrnehmen würde,dass es auch in

Sachsen viele Bewegungen und Initiativen

gegen rechts gibt. Unter anderem

hier in Leipzig existiert eine

sehr liberale und engagierte Stadtgesellschaft,

die gegen rechts und für

die Demokratie auf die Straße geht.

Darauf kann man sehr stolz sein –

nicht nur in Leipzig.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie als

Wahlsachse einer Stigmatisierung

anheim fallen?

Ich selbst nicht. Aber das Land

wird als rechts stigmatisiert. Da gibt

es so ein Sachsen-Bashing, das völlig

unangebracht ist. Es ist auch kontraproduktiv.

Denn dieses Bashing hilft

nicht, Menschen zum Umdenken zu

bewegen. Da stellt sich eher Trotz

ein. DieStimmung heizt sich auf, die

Sprache wird aggressiver, und nicht

wenige sagen auch: ‚Nur so geht’s.

Endlich werden wir überhaupt mal

gehört.‘

Das stärkt eher die Versuchung, noch

mehr auf diese Kartezusetzen.

Ja.Deshalb müssen wir Angebote

zur Diskussion schaffen. Es gibt im

Osten ein riesiges Redebedürfnis

über das,was war,und das,was ist –

es ist viel ausgeprägter als imWesten.

Man hat den Leuten ja auch viel zugemutet,

sie vielfach überfordert

und ihnen jahrzehntelang trotzdem

nicht zugehört. ZurDiskussion muss

man die Bereitschaft aufbringen,

und das tun wir hier im Zeitgeschichtlichen

Forum –selbst wenn

es manchmal ätzend ist.

Wietun Siedas?

Man muss versuchen, mit Sachargumenten

zu überzeugen. Nichts

sollte schöngeredet werden, keine

populistischen Töne, keine Versprechungen,

die unerfüllbar sind. Man

drückt Ostdeutsche sonst schnell in

eine Opferrolle. Das höre ich nämlich

auch immer wieder:‚Erst waren

wir Opfer im SED-Staat, und jetzt

sind wir Opfer in der Bundesrepublik.‘

Wir geben Nachhilfe in Sachen

Geschichte und reden über die Unterschiede

von Diktatur und Demokratie.Dafür

haben wir mitten in unserer

Ausstellung das ‚Forum live‘

etabliert, eine Bühne, auf der wir

Diskussionen und Gespräche in unterschiedlichen

Formaten anbieten.

Aber ich verstehe Sie richtig, dass Sie

immer noch westdeutsches Desinteresse

wahrnehmen?

Desinteresse und Selbstgefälligkeit.

Westdeutsche wissen eigentlich

ZUR PERSON

nicht viel über die neuen Bundesländer.

Früher hörte Deutschland vom

Westen aus gesehen hinter Helmstedt

auf. Und das ist bei vielen immer

noch so. Das ist auch deshalb

bedauerlich, weil es im Osten eine

reiche Kulturlandschaft gibt und unheimlich

interessante Leute. Die

Jürgen Reiche wurde 1954 in Bernburg in Sachsen-Anhaltgeboren. Nachseiner Flucht aus der

DDRstudierte er in West-Berlin Geschichte, Kunstgeschichteund Erwachsenenbildung.

Bei der Stiftung Haus der Geschichte arbeitet er seit 1991, seit 1993 als Ausstellungsdirektor.Seit

2015 ist er Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig.

DDR-Gesellschaft war ja nicht homogen.

Westdeutsche, die sich darauf

einlassen, merken schnell, dass

sich ihr Blick relativiert.

Gilt das Desinteresse auch für die Politik?

Immerhin ist das verbale Interesse

der Parteien für Ostdeutschland

vor den anstehenden Landtagswahlen

so ausgeprägt wie nie.

Die Zugewandtheit vieler Bundestagsabgeordneter

ist aus meiner

Wahrnehmung heraus unverändert

und nicht sehr ausgeprägt. Ich wäre

froh, wenn wir hier im Haus mehr

Parlamentarier hätten, die sich der

Diskussion stellen. Ich kann da nur

eine Einladung aussprechen. Bisher

zieht es die Abgeordneten mit ihren

Besuchergruppen eher in westliche

Gefilde oder nach Berlin. Sie haben

den Osten scheinbar nicht auf der

Agenda.

Bei Ihnen mit Ihrer ost-west-gemischten

Biografie ist das offenkundig

anders.

Ja, völlig anders. Bei den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiterninunserem

Haus, die aus Ost- und Westdeutschland

kommen, ebenfalls.Die

Neugierde aufeinander, unterschiedliche

Geschichten und Erfahrungen

auch 30 Jahrenach der Friedlichen

Revolution und dem Fall der

Mauer machen das Leben ja auch

spannend. Nicht nur die westdeutsche

Geschichte ist die Geschichte

Deutschlands, die ostdeutsche Geschichte

ist es genauso –beides zusammen

ist unsereGeschichte.

Ist esschwerer geworden, die Arbeit

hier im Haus zu machen?

Wirstehen mittlerweile voranderen

Herausforderungen als früher.

Wenn Leute sagen, Demokratie und

Diktatur seien doch dasselbe, dann

muss man dem etwas entgegen setzen.

Das ist anstrengend, aber auch

lohnend.

Siesind nicht vonResignation erfasst.

Überhaupt nicht. Im Übrigen haben

wir das ganze Haus in den letzten

beiden Jahren völlig umgebaut,

es neu ausgerichtet und in der Dauerausstellung

der Zeit 89/90 und vor

allem dem Transformationsprozess

viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Wirversuchen, das auf eine

sehr anschauliche und eindrückliche

Art und Weise zu machen, die

das Publikum anspricht. Der Erfolg

zeigt sich in entsprechenden Rückmeldungen

und hohen Besucherzahlen.

DasGrößte und Schönste ist,

wenn die Leute miteinander ins Gespräch

kommen.

Nunsteht auch in Sachsen die Landtagswahl

vor der Tür. Wie geht die

aus? Undwie geht es dann weiter?

Es wirdwahrscheinlich ein Kopfan-Kopf-Rennen

zwischen CDU

und AfD geben. Danach wirdMinisterpräsident

Michael Kretschmer

mit Sicherheit nicht mit der AfD koalieren,

sondern sich andere Partner

suchen. Möglicherweise wird

sogar eine Vier-Parteien-Koalition

entstehen. Vorher und nachher

muss man sich mit dem Zuspruch

für die AfD aber auseinandersetzen.

Man kann die Leute nicht einfach

abstellen und sagen, mit denen wollen

wir nichts zu tun haben. Wir

müssen die Wähler der AfD stärker

in den Blick nehmen. Es sind zu

viele, wir können ihre Anliegen

nicht ignorieren.

Sieglauben, das hat Erfolg?

Wir arbeiten daran. Denn dieses

Deutschland ist trotz aller denkbaren

Verbesserungen das Beste, das

wir je hatten.

DasGespräch führte Markus Decker.

Keine Bodentruppen nach Syrien

Die Bundesregierung lehnt die Bitte der amerikanischen Regierung ab, auch die Parteien sind dagegen

VonMarkus Decker

Die Bundesregierung lehnt die

Bitte der amerikanischen Regierung

ab, Bodentruppen nach Syrien

zu entsenden. Regierungssprecher

Steffen Seibert sagte am Montag

in Berlin, dass die Bundesregierung

nur die bisherigen

militärischen Beiträge zur Anti-IS-

Koalition –„Tornado“-Aufklärungsjets,

ein Tankflugzeug und Ausbilder

im Irak – fortführen wolle. Dazu

zählten „bekanntlich keine Bodentruppen“.

Die Entscheidung sei aber Sache

des Parlaments, das bis dahin über

das am 31. Oktober auslaufende

Mandat für„Tornados“ undTankflugzeuge

befinden muss.Eine Verlängerung

ist in der Koalition strittig. Eine

Sprecherin des Verteidigungsministeriums

weigerte sich, hypothetisch

Auskunft darüber zu geben, ob die

Bundeswehr die von den USA geforderte

Hilfe überhaupt leisten könne.

DerUS-Sonderbeauftragte für Syrien

und die Anti-IS-Koalition, James

Jeffrey, hatte die Bundesregierung

am Freitag bei einem Besuch in Berlin

um zusätzliche Unterstützung für

den Kampf gegen den IS gebeten.

„Wir wollen von Deutschland Bodentruppen,

um unsere Soldaten

teilweise zu ersetzen“, sagte er nach

seinen Gesprächen der Deutschen

Presse-Agentur. Esgehe ihm um die

Unterstützung der vonKurden angeführten

Syrischen Demokratischen

Kräfte (SDF) im Nordosten des

Landes mit Ausbildern, Logistikern

und technischen Hilfskräften der

Bundeswehr.Noch im Juli erwarte er

eine Antwortder Bundesregierung.

Thorsten Schäfer-Gümbel, einer

der drei kommissarischen SPD-Vorsitzenden,

hatte daraufhin die Ablehnung

seiner Partei signalisiert.

Bundeswehrsoldaten und kurdische Peshmerga bei einer Übung in Erbil (Irak).

DPA

teien –Grüne, FDP, AfD und Linke –

forderten ebenfalls ein klares Nein

an Washington. Unionsfraktionschef

Ralph Brinkhaus stellte am Montag

vor einer Sitzung des CDU-Präsidi-

„Deutsche Bodentruppen in Syrien

wirdesmit uns nicht geben. Ichsehe

übrigens auch beim Koalitionspartner

nicht, dass das gewollt würde“,

twitterte er. Alle Oppositionsparums

klar: „Ich bin da sehr, sehr kritisch

bei der ganzen Sache.ImÜbrigen

ist das so: Dafür haben wir auch

keine Mehrheit im Bundestag.“ Das

wurde auch durch die Äußerung des

kommissarischen Vorsitzenden der

SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich,

deutlich. Er bekräftigte am

Montag die Forderung, die Bereitstellung

von Tornado-Kampfflugzeugen

zur Aufklärung sowie die

Luftbetankung von Maschinen der

internationalen Anti-IS-Koalition bis

zum 31. Oktober 2019 zu beenden.

„Die SPD besteht auf dieser Verabredung

und dem entsprechenden Beschluss

des Bundestags“, erklärte

Mützenich.

Auch der ehemalige Generalinspekteur

der Bundeswehr, Harald

Kujat, kritisierte die US-Forderung

sehr vehement. „Ich halte das für

eine völlig abwegige Idee“, sagte er

der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). Denn zum

einen habe der amerikanische Präsident

Donald Trump gesagt: Wir ziehen

uns aus Syrien zurück, so Kujat.

„Und jetzt sollen wir stattdessen dort

reingehen? Wir sind doch nicht die

Hilfstruppen der Amerikaner.“

Er fügte hinzu: „Zum anderen

empfehle ich einen Blick in die Verfassung.

Denn ich kann mich nicht

erinnern, dass es ein UN-Mandat für

Syrien und damit eine völkerrechtliche

Grundlage für einen solchen

Einsatz gäbe.Und ich war immer der

Meinung, dass wir uns an die Verfassung

halten sollten. Wir können

doch nicht in ein Land einmarschieren,

das uns gar nicht eingeladen

hat.“ Kujat betonte,bei einem Stabilisierungs-Einsatz

mit UN-Mandat

hielte er es für „geboten, darüber

nachzudenken, was wir dort leisten

können und wer mit uns dort reingeht“.

Aber vorher nicht.


6* Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

9.4.19

9.4.19

MÄRKTE

▼ 12543,51 (–0,20 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

9.4.19

Stand der Daten:08.07.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

8.7.19

▼ 63,87 (–0,88 %)

8.7.19

▼ 1,1215 (–0,40 %)

Quelle

aus DAXund MDAX vom08.07.zum Vortag

Knorr-Bremse 94,10 +2,01 WWWWW

Zalando 41,20 +1,70 WWWW

Lanxess 53,32 +1,52 WWWW

DialogSemic. NA 36,76 +1,41 WWWW

Dt. Wohnen Inh. 33,36 +1,34 WWW

Alstria Office 15,10 +1,14 WWW

Verlierer

8.7.19

aus DAXund MDAX vom08.07.zum Vortag

Deutsche Bank NA 6,79 WWWWWWWWWWW –5,39

Fuchs Petrolub Vz. 34,52 WWWWWWWWW –4,43

Norma Group NA 35,00 WWWWWWWW –3,90

MorphoSys 87,00 WWWWWWWW –3,60

Commerzbank 6,29 WWWWWWWW –3,57

DeliveryHero 39,22 WWWWW –1,97

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 08.07. ±% z. 05.07.

Euro Stoxx 50 (EU) –0,12

3549/2909 3523,76

CAC 40(FR) – 0,08

5630/4556 5589,19

S&P UK(UK) – 0,03

1569/1323 1526,66

RTS (RU) +0,06

1413/1033 1399,55

IBEX (ES) –0,54

9938/8286 9284,70

Dow Jones (US) –0,40

26966/21713 26815,38

Bovespa (BR) +0,32

104583/74196104420,10

Nikkei (JP) – 0,98

24448/18949 21534,35

Hang Seng (HK) –1,62

30280/24541 28302,34

Stx Singap. 20 (SG) –0,91

1643/1350 1626,62

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Advanzia */**

advanzia.com - 1,00 1,00

NIBC Direct */**

nibcdirect.de 0,75 0,75 0,75

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,70 0,70 0,70

Akbank

akbank.de 0,41 0,41 0,41

Ikano Bank

ikanobank.de 0,34 0,34 0,34

ING *

ing.de 1,00 1,00 1,00

Santander

santander.de 0,03 0,03 0,03

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Sparda Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,19 0,19 0,18

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch),Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen (Samstag).

Quelle:FMH-Finanzberatung

In Londonhat die Deutsche Bankbereits am Montag erste Entlassungen mit sofortigerWirkung ausgesprochen.

Bis 2050 werden eine Million Pflegekräfte gebraucht

Von Dirk Baas

Deutsche Bank macht Tempo

Schon am Tagnach der Bekanntgabe des radikalen Umbauplans müssen die ersten Mitarbeiter gehen

Von Steffen Weyer und Jörn Bender

Die Deutsche Bank verliert

keine Zeit beim Abbau

Tausender Stellen. „In

den Geschäftsbereichen,

in denen wir uns zurückziehen werden,

haben wir mit dem Prozess bereits

begonnen“, sagte Konzernchef

Christian Sewing am Montag. „Das

betrifft natürlich nicht nur Asien, das

betrifft auch andereRegionen.“

Deutschlands größtes Geldhaus

hatte am Sonntag im Zuge eines radikalen

Konzernumbaus den Abbau

von weltweit rund 18000 Vollzeitstellen

angekündigt. Bis Ende des

Jahres 2022 soll die Zahl der Jobs von

zuletzt 91500 auf etwa 74000 sinken.

WiestarkeinzelneLänderundStandorte

betroffen sind, wollte Sewing

nicht sagen. Dem Vernehmen nach

wurden in London und NewYorkbereits

die ersten Kündigungen ausgesprochen.

Experten beurteilen die Pläne des

Managements unterschiedlich:

Während die einen den Mut zum

Umbau loben, sorgen sich andere

weiterhin um die Kapitalstärke des

deutschen Branchenprimus. Die Investmentbank

wird deutlich verkleinert.

So steigt die Bank komplett aus

dem Aktienhandel aus. Besonders

getroffen werden davon voraussichtlich

die Standorte in New York und

London –auch wenn die Bank dort

weiterhin stark präsent sein will. Im

deutschen Privatkundengeschäft, zu

dem auch die Postbank gehört, sieht

Deutsche Bank plant Stellenabbau

Mitarbeiter am Endedes Jahres in Tausend

100

Tsd.

80 78 291

60

40

20

27 779

102 062

49 265

Übernahme

0

Postbank

2007 ’10 ’12 ’14 ’16 ’18 ’20 2022

in Vollzeitkräfte umgerechnet

Sewing ebenfalls weiteren Anpassungsbedarf.

Der Umbau soll die jahrelange

Krise des Instituts beenden. Milliardenschwere

Investitionen in neue

Technik und die Konzentration auf

erfolgreiche Geschäftsfelder sollen

den Dax-Konzernzurück in die erste

Liga bringen. „Wir werden nur noch

dortsein,wounsereKundenunswollen“,

betonte Sewing. „Wir wollen

nur dortmitspielen, wo wir auch gewinnen

können.“ Neben dem Privatkundengeschäft

auf dem Heimatmarkt

sieht Sewing vorallem im weltweiten

Geschäft mit Unternehmenskunden

große Wachstumschancen.

Im Investmentbanking will sich

AOK sieht Sicherstellungvon Versorgung und Finanzierung als ungelöstes Problem

Abbau von rund 18 000

Stellen bis 2022 geplant

davon in Deutschland

91 737

41 669

zunächst

keine Angabe

74 000

BLZ/GALANTY; QUELLE: DEUTSCHE BANK, DPA

die Deutsche Bank künftig auf das

Geschäft mit Krediten, Anleihen und

Währungen sowie auf strategische

Beratung konzentrieren. Die Investmentbank

soll weiterhin 30 Prozent

zu den Erträgen, also den gesamten

Einnahmen der Bank, beitragen.

Die 7,4 Milliarden Euro Umbaukosten

werden der Bank jedoch zunächst

rote Zahlen einbrocken. Finanzchef

James von Moltke, der im

Gegensatz zu drei Vorstandskollegen

an Bord bleibt, rechnet für 2019 mit

roten Zahlen. „Für 2020 gehen wir

davon aus, dass wir bei plus/minus

null rauskommen, vielleicht auch etwas

besser“, sagte von Moltke. Die

Aktionäresollenfür beide Jahrekeine

nal. Hochgerechnet auf Vollzeitstellen

pflegen und betreuen aktuell

knapp 590000 Fachkräfte die gesetzlich

versicherten Pflegebedürftigen.

2030 würden rund 720000 Personen

benötigt. Biszum Jahr 2050 steige der

Bedarfauf insgesamt knapp eine Million

Pflegekräfte.

„Dabei sind weitere Einflüsse auf

den Personalbedarf inunserer Projektion

noch gar nicht abgebildet“,

sagte Antje Schwinger, Leiterin des

Forschungsbereichs Pflege im Wissenschaftlichen

Institut der AOK. So

entwickle sich die Zahl der Pflegebedürftigen

regelmäßig deutlich

schneller, als es sich allein aufgrund

der demografischen Entwicklung ergebe.

Auch die bereits angekündigtenRegelungenzurverbessertenPersonalbesetzung

in Pflegeheimen seien

in diesen Zahlen noch nicht berücksichtigt.

Wiesich der BedarfanFachpersonal

in Zukunft entwickelt, hängt nach

ihren Worten eng mit der Entwicklung

der Pflegebedürftigkeit zusammen.

Laut „Pflege-Report“ waren

2017 rund 4,6 Prozent der gesetzlich

Versicherten auf Pflege angewiesen.

Nach den Prognosen des Instituts

wird ihr Anteil bis 2030 auf 5,5 Prozent

steigen. 2050 werden demnach

sogar7,4ProzentdergesetzlichVersicherten

auf Unterstützung durch die

Pflegekasse angewiesen sein.

Ungelöst ist aus Sicht der AOK-

Wissenschaftler, wie die Finanzierung

der Pflegeversicherung in Zukunft

stabil aufgestellt werden kann

und wie Pflegebedürftige vor finanzieller

Überlastung geschützt wer-

FOTO: LEON NEAL/GETTY IMAGES

Dividende erhalten. Für Erleichterung

sorgt bei Aktionären, dass die

Bank die Sanierungskosten ohne Kapitalerhöhung

bewältigen will. Ein

solcher Schritt hätte die Beteiligungen

der bisherigen Anteilseigner und

ihren Anteil an künftigen Gewinnen

verwässert. Nun nimmt das Institut

aber eine geringere harte Kernkapitalquote

in Kauf als zuvor geplant.

Kernkapital gilt als Puffer für Krisenzeiten.

Die Aufsichtsbehörden seien

damit einverstanden, versicherte Sewing.

Mit der Zeit werde die Bank

über eine Dividende auch Kapital an

die Anleger zurückgeben.

Die Ratingagentur Moody’s wertete

den Umbau als „positiven Schritt

in Richtung eines ausbalancierteren

und nachhaltigeren Geschäftsmodells“.

Ihren negativen Ausblick für

die Deutsche Bank behielt die Agentur

wegen „signifikanter Herausforderungen“

aber vorerst bei.

Analysten zeigten sich von der

Tiefe der Einschnitte überrascht. Er

habe erwartet, dass sich die Deutsche

Bank nur in einzelnen Regionen

aus dem Aktienhandel verabschiede,

schrieb Experte Jernej Omahen von

der US-Investmentbank Goldman

Sachs. Allerdings fehle es der Bank

weiterhin an sehr renditeträchtigen

Geschäftsfeldern. Das Urteil des renommierten

Experten Kian Abouhossein

vonder US-Bank JP Morgan

fällt milder aus.Die mutigen Umbaupläne

seien das erste Mal nicht halb

gar, sondern stellten einen echten

strategischen Schwenk dar. (dpa)

Die Pflegebranche in Deutschland

wird langfristig deutlich

mehr Fachkräfte benötigen als heute.

Bis 2030 würden allein aufgrund der

Alterung der Bevölkerung zusätzlich

rund 130000 Pflegekräfte in der

Langzeitpflege gebraucht, teilte das

Wissenschaftliche Institut der Allgemeinen

Ortskrankenkassen (AOK)

am Montag in Berlin mit. Es beruft

sich dabei auf seinen „Pflege-Report

2019“. Die Sicherstellung von Personal

und die Finanzierung der Pflegekosten

blieben eine drängende,weiter

ungelöste Aufgabe,hieß es.

DenAngaben zufolgeklafft schon

heute eine große Lücke zwischen der

Zahl der benötigten Pflegekräfte und

dem tatsächlich vorhandenen Persoden

können. So sind die Ausgaben

dersozialenPflegeversicherung–ohne

die Mittel für den Pflegevorsorgefond

–innur sechs Jahren von23Milliarden

Euro im Jahr 2012 auf 40 Milliarden

Euro im Jahr 2018 gestiegen.

Bisins Jahr 2022 ist nach einer Prognose

der AOKeineweitereErhöhung

aufrund50MilliardenEuro zuerwarten.

Das entspricht einem Anstieg

von220 Prozent in nur zehn Jahren.

Zugleich würden im heute bestehenden

Pflegesystem alle Kosten

für bessere Arbeitsbedingungen direkt

an die Pflegebedürftigen durchgereicht,

sodass deren Eigenanteile

weiter steigen, berichtet die AOK.

„Wir brauchen einen breiten gesellschaftlichen

Diskurs, wie wir Pflege

gestalten wollen“, betonte Schwinger.

Mai war

Wonnemonat

für Export

Herstellerrechnenauf

Jahressicht mit Minus

Von Friederike Marx

Deutschlands

Exportunternehmenhabentrotzinternationaler

Handelskonflikte im Mai gute Geschäfte

gemacht. Die Ausfuhren von

Waren „made in Germany“ stiegen

im Vergleich zum Vorjahresmonat

deutlich um 4,5 Prozent auf

113,9 Milliarden Euro,wie das Statistische

Bundesamt am Montag in

Wiesbaden mitteilte.„Sowohl Exporte

als auch Importe haben sich im

Wonnemonat Mai prächtig entwickelt“,

sagte der Präsident des Bundesverbands

Großhandel, Außenhandel,

Dienstleistungen (BGA),

Holger Bingmann. Ob der Exportdas

Tempo halten kann, ist aus seiner

Sicht allerdings fraglich.

Das gute Ergebnis werde überschattet

von der negativen Entwicklung

bei den Auftragseingängen. „Es

ist damit zu rechnen, dass die konjunkturelle

Abkühlung Fahrtaufnehmen

wird“, sagte Bingmann. Auch

die politische Situation in der Welt sei

alles andere als stabil. Zwar hatten

die USA und China jüngst neue Verhandlungen

im Handelsstreit vereinbart.

Doch bestehende Zölle bleiben

in Kraft. Zudem drohte Washington

jüngst der EU wegen verbotener

Flugzeugsubventionen mit weiteren

milliardenschweren Sonderzöllen.

Die Handelskonflikte bremsen die

Weltkonjunktur, das belastet die exportorientierte

deutsche Wirtschaft.

Auch nach Einschätzung des

Deutschen Industrie- und Handelskammertags

(DIHK) können die Exporteurenur

kurz durchatmen. „Die

globalen Unsicherheiten für deutsche

Unternehmen bleiben bestehen“,

argumentierte DIHK-

Außenwirtschaftsexperte Kevin Heidenreich.

Handelsbarrieren und

schwierige wirtschaftspolitische

Rahmenbedingungen belasteten die

Geschäftserwartungen der Firmen.

„Die Aussichten der Betriebe für das

Gesamtjahr bleiben eingetrübt.“

Starkes Plus außerhalb der EU

Im Vergleich zum schwachen Vormonat

legten die Ausfuhren im Mai

um 1,1 Prozent zu. Die Einfuhren

nach Deutschland verbesserten sich

binnen Jahresfrist um 4,9 Prozent auf

93,4 Milliarden Euro, im Vergleich

zum Vormonat sanken sie um

0,5 Prozent. Von Januar bis einschließlich

Maisummiertensich die

Warenausfuhren „made in Germany“

auf 560,1 Milliarden Euro –das

waren 2,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der BGA rechnete

zuletzt mit einem Anstieg der Ausfuhren

im Gesamtjahr um bis zu

3Prozent. Das wäre ein Plus beim

Warenexport in etwa so groß wie

2018, aber deutlich kleiner als im Jahr

davor (6,2 Prozent).

Das stärkste Plus verzeichneten

Deutschlands ExporteureimMai im

Handel mit Ländern außerhalb der

EU. Die Ausfuhren legten dort binnen

Jahresfrist um 10,4 Prozent auf

47,9 Milliarden Euro zu. Die Exporte

in die EU-Mitgliedsstaaten – dem

größten Marktfür deutsche Waren –

stiegen leicht um 0,6 Prozent auf

rund 66 Milliarden Euro. (dpa)

Im Hamburger Hafen stapeln sich Container

mit Exportwaren.

FOTO: IMAGO IMAGES


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 7 *

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

„Deutsche

Klimapolitik ist

unnötig teuer“

Kieler Institut schlägt neuen

Emissionshandel vor

Von Matthias Hoenig

Für eine wirksamere Klimapolitik

in Deutschland und Europa hat

das Institut für Weltwirtschaft (IfW)

in Kiel die Einführung eines zusätzlichen

Emissionshandels vorgeschlagen.

Ohne umfassende Reformen

seien die Ziele des Pariser Klimaabkommens

nicht mehr erreichbar,

hieß es am Montag. Langfristiges Ziel

müsse die Ausweitung des europäischen

Emissionshandels auf alle Sektoren

und Treibhausgase sein.

DasIfW empfiehlt daher,den bisher

nicht im europäischen Emissionshandel

erfassten CO 2 -Ausstoß,

etwa in den Bereichen Verkehr und

Gebäude, in einem zusätzlichen

Handelssystem zusammenzufassen.

Es sollte vonDeutschland undanderen

willigen Ländern betrieben und

mittelfristig auf alle EU-Staaten ausgedehnt

werden. Schließlich sollten

das bisherige und das neue Emissionshandelssystem

fusionieren.

Beim europäischen Emissionshandel

müssen Unternehmen für

den Ausstoß vonCO 2 Zertifikatevorweisen,

deren Zahl nach und nach

verknappt wird –und die damit teurerwerden.

Dasnun vorgeschlagene

Verfahren „ist ein realistischer Weg,

langfristig alle Sektoren und Treibhausgase

Europas über den Emissionshandel

zu erfassen, weil es eine

schrittweise Angleichung der CO 2 -

Vermeidungskosten der verschiedenen

Sektoren erlaubt und dadurch

einen sprunghaften Anstieg der Zertifikatpreise

verhindert“, betonte

IfW-Präsident Gabriel Felbermayr.

Zudem würden europarechtliche

Einschränkungen berücksichtigt.

Stromsteuerwirdüberflüssig

DieErlöse der Versteigerung der CO 2 -

Emissionsrechte sollten in Deutschland

zur Abschaffung der Stromsteuer

und zur Senkung der Umlage

aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz

verwendet werden, empfehlen

die Kieler Wissenschaftler. Ein Teil

der Erlöse sollte für die Auszahlung

eines pauschalen Energiegelds pro

Kopf verwendet werden.

Nötig sei zudem ein langfristig angelegtes

Grenzausgleichssystem. Es

müsse den CO 2 -Gehalt der Exporte

vonder heimischen CO 2 -Bepreisung

ausnehmen, jenen der Importe aber

der heimischen CO 2 -Bepreisung

unterwerfen. Sonst drohten Wettbewerbsnachteile

fürheimischeProduzenten,

die ins Ausland abwandern

könnten. Ebenso drohten andernfalls

heimische Produkte durch ausländische,nicht

der CO 2 -Bepreisung

unterworfene Importe ersetzt zu

werden.

Voraussetzung sei die genaue

FeststellungdesCO 2 -GehaltsvonImporten

und Exporten. Dies könnte

mit Anreizen für Importeureund Exporteure

erreicht werden, den tatsächlichen

CO 2 -Gehalt ihrer Produkteoffenzulegen,umsoKostenzusparen.

Deutschlands bisherige Klimapolitik

bezeichneten die Forscher als

ineffizientundunnötigteuer,weilein

Nebeneinander verschiedener Instrumente

existiere, die unterschiedliche

CO 2 -Preise implizieren. (dpa)

Warumist derVerkehr vom Emissionshandel

ausgenommen? FOTO: MARIJAN MURAT/DPA

Wegvom Wechselgeld

Bei Lidl soll der Kunde künftig mit Smartphone bezahlen. Datenschützer haben Bedenken

Von Frank-Thomas Wenzel

Stefan Brink, Datenschutzbeauftragter

in Baden-Württemberg, kündigte

denn auch schon beim Startvon Lidl

Plus an, die Appgenau prüfen zu lassen.

Unter anderem soll es darum gehen,

ob es zulässig ist, Profile von

Minderjährigen zu erstellen. Auch

soll geklärt werden, wie sensibel die

Daten sind. Je nach Einkaufsverhalten

–insbesondere bei Drogerieprodukten

–sind auch Rückschlüsse etwa

über den Gesundheitszustand

des Kunden möglich. Wobei Lidl keineswegs

der Pionier bei digitalen Rabattkarten

mit Bezahlfunktion ist –

der Rivale und Marktführer Edeka

agiert damit bereits seit 2013. Nach

Einschätzung vonExpertenstellt das

Lidl-Konzept aber eine neue Qualität

dar. Die App kann jedenfalls auch

Push-Benachrichtigungen anzeigen

und Nutzer zur nächsten Filiale navigieren.

WasDatenschützerzudemfürbedenklich

halten: Lidl behält sich vor,

die gesammelte Daten von Unternehmen

außerhalb des europäischen

Wirtschaftsraums verarbeiten

zu lassen. Lidl betont indes,dass man

sich an die Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung

der Europäischen

Union halte.

Gleichwohl, es geht um die Analyse

von Daten, die Experten „granular“

nennen: Ausden Informationen

kann der Einzelhändler theoretisch

maßgeschneiderte Angebote für seine

Kunden entwickeln, die dann

auch einen individuellen Preis haben,

der sich an den finanziellen Verhältnissen

und der Zahlungsbereitschaft

orientiert.

Bislang scheuen sich Einzelhändler

aber, mit individualisierten Preisen

zu agieren, weil sie befürchten,

dass Kunden dies als ungerecht ablehnen.

DerDiscounterLidlwilldas

Bezahlen an der Kasse

ganz einfach machen.

UndzwarmitdemSmartphone.

Lidl Pay heißt die neue

Dienstleistung, die der Handelskonzern

derzeit in Spanien testet. Im

nächsten Jahr könnte sie auch hierzulande

eingeführt werden. Datenschützer

haben Bedenken.

Der Handelskonzern war lange

Zeit sehr zurückhaltend, wenn es um

die Digitalisierung ging. Jetzt drücken

die Manager aber auf die Tube.

Mitte Juni startete der Konzern mit

der Lidl-Plus-App. Es handelt sich

um eine elektronische Kunden- und

Rabattkarte. Schon seinerzeit teilte

der Einzelhandelsriese mit: „Nach

und nach plant Lidl, zusätzliche Features

in die App zuintegrieren, um

einen noch größeren Mehrwert zu

bieten und die Kundenzufriedenheit

zu erhöhen.“ Genau das geschieht

jetzt mit dem digitalen Bezahlen, das

aber nur möglich sein soll, wenn der

Nutzer auch die Lidl-Plus-App auf

seinem Handy installierthat.

Vorteilefür dasUnternehmen

Setzt das Management seine Pläne

um, müssen Kunden kein Bargeld

mehr dabeihaben und an der Kasse

nicht auf Wechselgeld warten. Was

auch viele Vorteile für das Unternehmen

bringt. Eine Umfrage des EHI-

Handelsinstituts hat ergeben, dass

viele Händler sich vom elektronischen

Bezahlen vor allem mehr Effizienz

beim Bezahlvorgang versprechen.

Es geht schneller,und das aufwendige

und teure Hantieren mit

Bargeld wird zurückgeschraubt. Bei

den Tests von Lidl Pay inSpanien

wirddie Abrechnung über die Kreditkartenunternehmen

Visa und Eurocard

abgewickelt. Branchenkenner

vermuten, dass bei einer Einführung

hierzulande auch mit dem Lastschriftverfahren

agiertwird.

EinweitererVorteil für den Einzelhändler:

Erkann mit den Kundendaten

seine Sortimente in den Märkten

und auch die Preisgestaltung optimieren.

DieMöglichkeiten der modernen

Datenanalyse gehen sogar so

weit, dass Verschiebungen der Nachfrage

bei bestimmten Produkten vorhergesehenwerdenkönnen–beiheißem

Wetter wirddann mehr Bier angeboten.

Lidl liegt mit seinem Vorstoß beim

digitalen Bezahlen im Trend und zielt

vorallemauf Jüngere:Einst warendie

deutschen Verbraucher höchst zurückhaltend

beim Bezahlen mit dem

Handy.Doch eine Umfrage der Beratungsfirma

PWC hat ergeben, dass

fast die Hälfte aller Frauen und Männer

unter 30 Jahren mit dem Smartphone

oder dem Tablet regelmäßig

Rechnungen begleichen. Insgesamt

setzt jeder Vierte derzeit die Minicomputer

als Bargeldersatz ein.

Marktforscher gehen davon aus,dass

sich die Zahl in nächster Zeit deutlich

steigernwird.

Diese Entwicklung spielt offensichtlich

bei den Plänen des Lidl-Ma-

Digitales Geld: Für Marktforscher gibt es keinen

Zweifel, dass das digitale Geld wegender

wertvollen Daten, die bei den Transaktionen

erzeugt werden, im Einzelhandel enorman

Relevanz gewinnen wird. Konzerne wie Apple

und Google mischen mit eigenen Bezahlsystemen

mit.

die Landesminister; erliegt dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland

(RND)vor.

In dem Schreiben der Ministerin

heißt es: „Zu meinem Bedauern

muss ich leider feststellen, dass bis

Anfang Juli 2019 nur sechs Landesverordnungen

in Kraft getreten sind

bzw.kurzdavorstehen. Weiteresechs

sollen in Kürze folgen.“ Demnach

seien in Baden-Württemberg, Bayern,

Nordrhein-Westfalen, Sachsen

und Schleswig-Holstein die Verordnungen

bereits in Kraft, Thüringen

soll noch im Juli folgen. Brandenburg,

Hamburg, Mecklenburg-Vor-

EIGENE BEZAHLSYSTEME

Kooperationen: Die Drogeriemarktkette dm

hat gerade eine Kooperation mit dem gigantischen

chinesischen Bezahldienst Ali Paygestartet

–mit demKaufhof und Rossmann

oder WMF und Zwilling schon länger kooperieren,

um Touristen aus der Volksrepublik

das Shoppen zu erleichtern.

pommern, Rheinland-Pfalz und das

Saarland wollten ihre Verordnungen

im Juli/August 2019 in Kraft setzen,

Bremen und Hessen im Oktober.

„Dennoch bleibt bei den Ländern

Niedersachsen und Sachsen-Anhalt

noch offen, bis wann mit einer Umsetzung

zu rechnen ist. Sachsen-Anhalt

hat den Dezember 2019 genannt“,

moniert Klöckner in ihrem

Brief.„Hierbitteichdringenddarum,

dass die zuständigen Landesministerien

alle notwendigen Anstrengungen

unternehmen, um die Verordnungen

voranzubringen. Denn die

Zeit drängt.“

nagements eine wichtige Rolle: Mittels

der Bezahlfunktion soll Lidl Plus

unter die Leute gebracht werden. Die

Appwirdderzeit in Berlin und Brandenburg

getestet und soll ebenfalls

im nächsten Jahr bundesweit zur

Verfügung stehen. Der Kunde erhält

nach dem Herunterladen einen sogenannten

Willkommenscoupon

über 5Euro. Danach gibt es regelmäßig

elektronische Rabattmarken für

spezielle Angebote.

Und nach jedem Einkauf werden

digitale Rubbellose mit weiteren

Coupons an den Kunden verschickt.

Nachlässe werden über die Appauch

für „Partner“ wie Flixbus verteilt. Lidl

Plus/Pay funktioniertmit einem QR-

Code,der mit der Appauf das Smartphone

geladen wird. An der Kasse

hält der Kunde ihn voreinen Scanner.

Das bedeutet aber zugleich, dass

zahlreiche Informationen gespeichert

werden, was Datenschützern

Bauchschmerzen bereitet. Lidl weiß

dann, in welcher Filiale er oder sie

eingekauft hat. Auch die Uhrzeit wird

registriert. Dieerworbenen Produkte

und deren Preise werden erfasst. Daraus

lassen sich präzise Profile der

Nutzer erstellen über Einkaufsgewohnheiten

und Vorlieben.

Nutzerprofile

Länder kommen mit Gülleregeln nicht voran

Von Marina Kormbaki

Seit Ende Juni sollten bundesweit

strengere Vorschriften zur Ausbringung

von Gülle gelten. Doch

nicht einmal die Hälfte der Bundesländer

hat die Vorgaben bisher umgesetzt

–zum Ärger vonBundeslandwirtschaftsministerin

Julia Klöckner

(CDU). Wie aus einem Schreiben

Klöckners an die Agrarminister der

Länder hervorgeht, sind vor allem

Niedersachsen und Sachsen-Anhalt

im Verzug bei der Umsetzung von

Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers.Der

Brief ging am Montag an

In denUSA eröffnete Lidl kürzlich einen ersten Laden.Auch dortsoll an der Kasse das

Handy zum Einsatzkommen.

FOTO: HELBER/AP

Landwirtschaftsministerin Klöcknerfürchtet EU-Strafen underhöhtden Druck

Der Bundesregierung sitzt die

EU-Kommission im Nacken. Dem

Schreiben zufolge ist die Brüsseler

Behörde unzufrieden mit den Fortschritten

Deutschlands bei der Verringerung

des Düngereinsatzes in

Gebieten mit besonders hohen Nitratwerten.

Die EU-Kommission habe

„ausdrückliche Bedenken“ im

Hinblick auf die Umsetzung der

Düngeverordnung in den Ländern

geäußert. Deutschland droht demnach

ein Verfahren, an dessen Ende

Strafzahlungen wegen der Nichteinhaltung

der EU-Nitratrichtlinie stehen

würden.

NACHRICHTEN

Millionenstrafe

für British Airways

Diebritische Fluggesellschaft British

Airwayssollwegen gestohlener

Kundendaten 183,39Millionen

Pfund (knapp 205 Millionen Euro)

Strafe zahlen. Dasteilte diebritische

DatenschutzbehördeICO mit.

Gegendie Entscheidungkann noch

Widersprucheingelegt werden. Von

dem DatenklauimSommer 2018

waren nach ICO-Angaben rund

500 000Kundenbetroffen. Siewurden

teilweise bei der Onlineflugbuchung

vonder Website der Fluggesellschaft

aufeine Betrugswebseite

umgeleitet.Schuld an dem Vorfall

seien„schwacheSicherheitsvorkehrungen“

bei British Airways gewesen,

so dieBehörde.

Erdogan lässt

türkische Lira abstürzen

Nach der Entlassung des Chefs der

türkischen Notenbank durch Präsident

Recep Tayyip Erdogan ist die

Landeswährung LiraamMontag vorübergehend

um mehr als 2Prozent

eingebrochen. Analysten hatten die

Reaktion vorhergesehen, die Entscheidung

habe Zweifel an der Unabhängigkeit

der Zentralbank verstärkt.

Notenbankchef MuratCetinkaya

wurde durch seinen Stellvertreter

MuratUysal ersetzt. DieZentralbank

hatte seit September den Leitzins

bei 24 Prozent beibehalten, um

der Inflation entgegenzuwirken. Die

ist seit Oktober vonrund 25 Prozent

auf rund 15 Prozent gesunken. (dpa)

Ikea kauft bundesweit

gebrauchte Möbel zurück

Der Test mit demRückkauf ist gut gelaufen.

FOTO: ANDRÉ GROHE/IKEA/OBS

Ikea-Kunden können künftig an allen

Standorten in Deutschland gebrauchte

Möbel zurückgeben und

bekommen dafür eine Guthabenkarte.Das

Einrichtungshaus teilte

am Montag mit, dass das sogenannte

Zweite-Chance-Programm vom

15. Juli an bundesweit ausgerollt

werde. Einseit September laufender

Test in fünf Häusernsei gut verlaufen.

DieGebrauchtmöbel werden

zusammen mit Ausstellungstücken

und Retouren in Ikeas „Fundgrube“

weiterverkauft. Für den Rückkauf

akzeptiertIkeanur Ikea-Möbel in

gutem Zustand. Beim Test seien vor

allem Klassiker wie das Billy-Regal,

Kommoden und Kleinmöbel wie

Stühle beliebt gewesen. Besonders

groß sei das Interesse in Berlin gewesen.

(dpa)

Fresenius treibt

Telemedizin voran

Deutschlands größter Krankenhausbetreiber

Fresenius baut seine Telemedizindienste

für Patienten aus.

DerDax-Konzernhabe angefangen,

hierzulande einen Beratungsdienst

über die Gemeinschaftsfirma Helios

Dialogue einzuführen, sagte Fresenius-Vorstand

Francesco De Meo.

Patienten könnten sich künftig über

eine digitale Plattformeinwählen

und auch per Video Kontakt mit

einem Arzthelfer aufnehmen, der

gesundheitliche Beschwerden abfrage.Anschließend

werdeihnen

eine Videosprechstunde,der Gang

in die Notfallambulanz oder zu

einem nahen Facharzt empfohlen.


8* Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

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Meinung

Flüchtlingspolitik

ZITAT

Wenn Menschlichkeit

geteilt wird

Markus Decker

fordertdie Wiederaufnahme einer EU-

Rettungsmission im Mittelmeer.

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller

hat die Alternativen eines Flüchtlings

in Libyensoeben in all ihrer Brutalität zusammengefasst.

DieMenschen in den Lagerndes

nordafrikanischen Landes könnten

durch Gewalt oder Hunger sterben,

auf dem Rückweg in derWüste verdursten

oder im Mittelmeer ertrinken, sagte der

CSU-Politiker. Deshalb müsse Europa

handeln. Müller sagte das nicht vonungefähr.Denn

Europa, genauer:die Europäische

Union, handelt eben nicht. Das hat

man in den vergangenen Tagen wieder sehen

können. Stattdessen nähert sich ein

privates Rettungsschiff nach dem anderenden

Küsten Maltas oder Italiens.

Bekanntlich ist die Flüchtlingspolitik

seit Jahren das heißeste Eisen in der EU.

Teilweise mit fragwürdigen Politikern besetzte

Regierungen torpedieren solidarische

Lösungen. Andere Staaten, allen

voran Deutschland, nahmen innerhalb

kürzester Zeit so viele Flüchtlinge auf, dass

die politischen Flurschäden bis heute zu

besichtigen sind. UndimFrühjahr hat die

EU auf Druck Italiens die Seenotrettungsmission„Sophia“

gestoppt.

Die Probleme bestehen fort. Die aus

Afrika nach Europa strebenden Flüchtlinge

sitzen, wie von Müller beschrieben,

entweder unter menschenunwürdigen

Bedingungen in libyschen Lagernfest, ertrinken

im Mittelmeer oder schaffen es

auf Schiffe,die „See Watch 3“, „Alex“ oder

„Alan Kurdi“ heißen. Die mutigen Menschen,

die diese Schiffe steuern, konfrontieren

die EU mit dem weiter existierenden

moralischen Dilemma.

„Seenotrettung ist

im 21. Jahrhundert

keine private,

sondern eine

staatliche Aufgabe.“

Bundesinnenminister Horst Seehofer

(CSU) bat am Wochenende um die Öffnung

der Häfen und stellte in Aussicht, einen

Teil der Flüchtlinge zu uns zu holen.

Doch auch Seehofers Bemühen demonstriert

letztlich bloß, dass die herrschenden

Zustände unhaltbar sind. Seenotrettung

ist im 21. Jahrhundert keine private,

sondern eine staatliche Aufgabe. Nötig

sind humanitäre Korridore nach Europa.

Unabweisbar ist ferner die Wiederaufnahme

einer EU-Rettungsmission, egal

ob sie „Sophia“ oder anders heißt.

Natürlich existiert die Gefahr eines

Pull-Faktors. Je aussichtsreicher es für

Flüchtlinge erscheint, sich auf die Boote

zu setzen, desto eher werden manche bereit

sein, es zu tun. Doch das spricht eher

für deren Elend. Überdies hat die scheidende

EU-Außenbeauftragte Federica

Mogherini im Frühjahr darauf verwiesen,

dass die Zahl der illegal in Europa ankommenden

Migranten im Verlauf des „Sophia“-Einsatzes

um mehr als 80 Prozent

gesunken sei. So oder so ist es nicht akzeptabel,

zu sagen:Weil es einen Pull-Faktor

geben könnte,lassen wir die Humanität

sausen. Man kann Grundwerte nicht

einfach verrechnen. Dann sind sie keine.

Hinderlich sind neben Italien fraglos die

osteuropäischen Visegrad-Staaten, die

eine Verteilung von Flüchtlingen selbst

auf niedrigstem Niveau bisher torpediert

haben. Eine EU-Seenotrettung wirdohne

diese Verteilung auf Dauer nicht funktionieren.

Es führt kein Weg daran vorbei,

mit diesen Regierungen weiterhin das Gespräch

zu suchen, bisweilen sanften

Druck auszuüben und bis dahin auf die

„Koalition der Willigen“ zu setzen.

Der Mangel an Menschlichkeit nach

außen jedenfalls –gegenüber Fremden,

die wir im Zweifel einfach absaufen lassen–

wirdsich auf Dauer gegen uns selbst

richten, weil er uns nach innen verhärten

wird. Grundwerte werden mehr und

mehr erodieren. Eine geteilte Menschlichkeit

ist keine.Das sollten alle wissen.

Herrund Hund

Eskonnte am Sonntagabend bei Konfettiregen,

Kanonenschlägen und

Feuerwerk fast ein bisschen untergehen,

dass auch die deutschen

Fußballerinnen bei derVerleihung der großen

Preise der Frauen-WM 2019 nicht gänzlich

leer ausgingen. Mitten im Stars-and-Stripes-

Freudentaumel verkündete der Stadionsprecher

in Lyon, dass Giulia Gwinn, gerade 20,

aus Deutschland beste junge Spielerin geworden

ist. Eine Weltmeisterin kam ja nicht infrage:

Rose Lavelle als das frischeste Gesicht

der USA ist schon 24. Giulia Gwinn, die jetzt

vomSCFreiburgzum FC Bayern gewechselte

Allrounderin, ist also nicht nur neuer Social-

Media-Liebling, sondernauch offizielle Hoffnungsträgerin

der DFB-Frauen.

Auf ihrer letzten Pressekonferenz in Rennes

sagte die Gewinnerin etwas, andas es

sich aus aktuellem Anlass zu erinnernlohnt.

„Wir stehen für ehrlichen Fußball. Wir stehenschnell

auf, wir schauspielernnicht viel,

wir diskutieren nicht lange.“ Sie antwortete

ehrlich auf eine Frage zu den Unterschieden

zum Männerfußball. Eine Aktivistin im

Kampf um Gleichberechtigung ist die junge

Frau vomBodensee eher nicht.

Und gerade deshalb ergänzt ihr Beitrag

vorzüglich die Forderungen einer Megan Rapinoe,

die nicht damit zufrieden ist, wenn

derWeltverband in den nächsten Jahren eine

Milliarde Dollar in die Förderung des

Frauen- und Mädchenfußballs investiert

und eine Verdopplung des Preisgelds für die

nächste Frauen-WM 2023 verspricht. Rapinoes

radikale Forderungen nach gleicher Bezahlung

vonMännernund Frauen sind –bezogen

auf die Kräfteverhältnisse im US-amerikanischen

Fußball –nachvollziehbar. Eine

globale Transformation wäre aber töricht,

weil dieses Verlangen die Gesetzeder Markt-

Vor einer Woche behandelten wir die äußeren

Umstände der Krise im Jüdischen

Museum Berlin (JMB), heute geht es um die

inneren Zustände. Dazu erfährt man wenig,

und Staatsministerin Monika Grütters

speiste die Öffentlichkeit mit diesem Satz ab:

„Jetzt heißt es,den Blick nach vornezurichten.“

Ja,wohin denn? Mirerscheint ein Blick

zurück durchaus nützlich.

Die seit 1997 von Gründungsdirektor Michael

Blumenthal geprägte Expansionsära

des Museums war ein Riesenerfolg: Glashof,

Kammermusikfestspiele, Preisverleihungen,

Gründung der Akademie und des Kindermuseums,Blumenthals

unermüdliches Herbeischaffen

vieler Millionen an Spenden und

aus dem Bundeshaushalt.

Diese Phase ist endgültig vorbei. Der2014

berufene, wissenschaftlich hervorragende

Professor Peter Schäfer erwies sich in der

Funktion des Direktors einer großen Institution

als Fehlbesetzung. Misstrauisch oder

uninformiert vermied er Entscheidungen.

Von Anfang an war er schwer erreichbar,

häufig nicht im Haus, schrie gelegentlich

herum, hielt sich an Nebensächlichkeiten

auf, glänzte nicht durch Vorbild und Ideen.

Diese Art der Leitung wirkte lähmend und

zersetzend. Zudem verlieh der Stillstand

dem geschäftsführenden Direktor Martin

Michaelis, seines Zeichens Verwaltungsjurist,

mehr Macht als ihm zusteht.

Mehrheitlich wollte der Stiftungsrat all

das nicht so genau wissen. Man pflegte den

schönen Schein. Schließlich hatten die Mit-

Frauenfußball-WM

Dynamik

im Spiel

Frank Hellmann

hofft, dass der Frauenfußball seine

Bodenständigkeit nicht verliert.

wirtschaft aushebelt. Erst die große und

weltweite Nachfrage nach vielen Spielen im

Männerfußball durch eine unersättliche

Kundschaft, die für Pay-TV, Tickets, Trikots

und neuerdings Wetten wahre Unsummen

ausgibt, macht die Millionen-Exzesse in diesem

Business möglich. Sollte der Frauenfußball

diese Profitgier nachahmen, die jede

Identifikation mit den Klubs unmöglich

macht? Wohl kaum.

Dennoch wirddem sportlichen Fortschritt

auch eine wirtschaftliche Entwicklung folgen,

wenn weltweit die Rekordzahl voninsgesamt

mehr als einer Milliarde Fernsehzuschauern

einschaltet. Die größte Aufmerksamkeit generierte

das Achtelfinale Frankreich gegen

Brasilien: 58,7 Millionen Zuschauer.Mehr als

KOLUMNE

Tohuwabohu

im Jüdischen

Museum Berlin II

Götz Aly

Historiker

glieder dieses Aufsichtsorgans (darunter ich)

Professor Schäfer berufen, nachdem ihn Michael

Blumenthal und Monika Grütters mit

enthusiastischen Worten vorgeschlagen hatten.

Allerdings fiel bereits im vergangenen

Herbst informell die Entscheidung, Schäfers

Vertragnur noch um ein Jahr bis 2020 zu verlängern,

und im Aprildieses Jahres –also vor

dem großen Knall –war eine Findungskommission

eingesetzt worden.

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

35 Millionen waren es in der Heimat der

neuen WM-Rekordtorschützin Marta, die

kurzzeitig sogar Neymar in den Schatten

stellte.Auch in Europa sprengte der Zuspruch

die Erwartungen. In England schalteten in der

Spitze 11,7 Millionen beim Halbfinale gegen

die USA ein –noch mehr als einen Monat zuvor

beim Champions-League-Triumph von

Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool.

DieDynamik im Mutterland des Fußballs

ist besonders erdrückend, weil Verband und

Vereine für die Stärkung derFraueneinen (finanz-)kräftigen

Doppelpass spielen. Und

immer mehr renommierte Männer-Lizenzvereine

in ganz Europa, der FC Barcelona, Juventus

Turin und sogar Real Madrid, entdecken

ihre Frauenmannschaften, um zwei

Top-Produkte unter einem Dach anzubieten.

Eine große Chance, denn beide Seiten

können voneinander lernen. Die Frauen

müssen nur darauf verweisen, dass ihr Spiel

schneller und athletischer geworden ist –

und sich damit automatisch dem der Männer

annähert.

Gleichzeitig müssen sie die Unterschiede

herausstellen: auf die authentischen Akteurinnen

verweisen, die nah an der Basis ist, weil

sie sich bereits während der Karriere Gedankendarüber

machen müssen, was später beruflich

zu tun ist. Das Bodenständige sollte

der Frauenfußball soschnell nicht aufgeben.

An der Basis gibt es schon genug Probleme,

Mädchen in Vereine und Zuschauer auf die

Plätze zu locken.Warumeigentlich?

Selbst bei einerWM verliefen Stadionbesuche

in den größten Arenen wie bis zum großen

Finale im Stade deLyon völlig stressfrei,

weil keine volltrunkenen Idiotenrandalierten

oder selbstgerechte Ultras mit Pyrotechnik

hantierten. Das hat am Ende nur die Fifa für

dieÜbergabe desWeltpokals getan.

InWahrheit muss diese Kommission mindestens

zwei Personen vorschlagen: nämlich

den Direktor/die Direktorin und die Programmdirektorin/den

Programmdirektor.

Denn die vom Stiftungsrat 2016 berufene

und seit Februar 2017 tätige höchst kommunikative,

museumserfahrene, niederländisch-jüdische

Programmdirektorin

Léontine Meijer-van Mensch hat das Haus

nach nur 19 Monaten fluchtartig verlassen –

wegen unerträglicher innerer Verhältnisse,

vielfältiger Intriganz und völlig unklaren Zuständigkeiten.

Direktor Schäfer trägt dafür

Verantwortung, allerdings nicht allein. (Mittlerweile

ist noch die Leiterin der Akademie

des JMB abhandengekommen.)

Angesichts der offenkundig gewordenen

Krise berief der Stiftungsrat den exzellenten

Museumsmann Christoph Stölzl als „Vertrauensperson“

für die Zeit des Übergangs.

Eine externe Vertrauensperson braucht man

dort, wo Misstrauen herrscht. Die140 Mitarbeiter

und Mitarbeiterinnen des JMB müssen

jetzt miteinander und mit Stölzl intensiv

reden. Sie kennen die Probleme. Sie haben

Ideen. Sie können die Krise produktiv wenden.

Denn es geht nicht darum, zu einem

„Normalzustand zurückzukehren“, wie Unwissende

fordern, sonderndarum, nach den

Jahren atemberaubender Expansion und anschließender

Desorientierung eine gegenseitig

anregende, gut gelaunte Arbeitsweise

zu entwickeln, die auf das Publikum anziehend

wirkt, in die Stadt und in die Welt ausstrahlt.

Fortsetzung folgt.

„Das Aufwachen ist Teil

eines jeden Albtraums. So

schützt sich unsere Psyche

vor einer vorgestellten

emotionalen Belastung.

Aufwachen ist die ultimativeVermeidungsstrategie.“

Michael Schredl, Traumforscher, imFAZ-Interview

AUSLESE

Das großeDunddie

Bank, die schrumpft

Die Deutsche Bank, Deutschlands

größtes Geldhaus, hat den Abbau

von weltweit rund 18 000 Vollzeitstellen

angekündigt. Bis zum Ende des Jahres

2022 soll die Zahl der Vollzeitstellen von

knapp 91 500 auf etwa 74 000 sinken.

Die Süddeutsche Zeitung schaut kritsich

auf die Umstrukturierungspläne des

Konzernchefs Christian Sewing: „So brutal

er vorgehen möchte, soriskant ist der

Plan für diese Wende.Wenn er Erfolg hat,

steht am Ende im besten Fall eine solide

deutsche Bank –mit kleinem d–,die zwar

Investmentbank bleibt, als Dienstleister

für die europäische Wirtschaft aber zu ihrenWurzeln

zurückkehrt.“

Skeptisch sind auch die Badischen Neuesten

Nachrichten: „Der gigantische Umbau

kostet erst einmal viel Geld. Und die

Mitarbeiter werden nicht zur Ruhe kommen,

wenn bis 2022 ein Fünftel des Personals

gestrichen wird. (...) Erst wenn Sewing

einmal bewiesen haben wird, dass er die

Bank sanieren konnte,wirdauch die Reputation

des Instituts wieder besser sein.“

„Der Weg zurück zur Bescheidenheit

ist richtig“ schreibt die Rheinische Post.

„Gegründet wurde die Bank, um deutsche

Firmen ins Ausland zu begleiten und Privatkunden

zu betreuen. Zu diesen Wurzeln

will Sewing nun zurückkehren. Das

Investmentbanking wirdgestutzt, das Casino

der Bank wirdgeschlossen, die Hochrisikogeschäfte

will man anderen überlassen.

Wichtig wird, dass die Bank diesen

Kurs auch durchhält.“ Bettina Cosack

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Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Hotel der Stadtmission

quartiertdie AfD

doch noch aus

Seite 12

Mehr Flugziele: Easyjet baut seine Kapazitäten in Tegel aus Seite 12

Weniger Wasser: Brandenburg schränkt Entnahme aus Flüssen ein Seite 13

Stadtbild

Rätselhafter

Pfeifton

Ruth Herzberg

zweifelte zeitweilig an ihrem

Verstand und Gehör.

Eswar wie ein Alptraum, aber es

war kein Alptraum, denn sie war

ja wach. Draußen war es schon beinahe

hell. Wegen der Hitzestand das

Schlafzimmerfenster offen und sie

hörte ihn wieder.Den Pfeifton.

Er schien aus allen Richtungen

gleichzeitig zu kommen. Er war nicht

sehr laut. Manchmal ging er im Rauschen

des Baumes unter, auch ein

vorbeifahrendes Auto konnte ihn

übertönen. Der Mann neben ihr

schlief tief. Er hatte ihr schon mal einenVogel

gezeigt, als sie ihn fragte,ob

er diesen Tonauch hören würde.

Aber der Tonwar da. Er klang wie

ein leichter Tinnitus,aber es war keiner.

Denn wenn sie ins Badezimmer

ging, dessen Fenster sich zur anderen

Seite des Hauses öffneten, dann

hörte sie den Tonnicht. Siehörte das

Pfeifen nun schon seit einer Weile

nachts, aber mittlerweile war es

auch manchmal tagsüber zu vernehmen,

also wenn sie darauf achtete.

Aber sie wollte nicht darauf achten,

jetzt wollte sie ja eigentlich einfach

nur wieder einschlafen. Aber das

Pfeifen störte sie.Sie hatte genug.

Siewollte nicht zu den Menschen

gehören, die permanent ein Geräusch

hören, Menschen, die Mobilfunk,

Radiostrahlung oder Geheimdienstwellen

wahrnahmen. Sie

musste der Sache also auf den Grund

gehen. Sie schaltete den Laptop ein

und googelte: „Pfeifton, Prenzlauer

Berg“. Als sie das Suchergebnis sah,

war sie beruhigt. DenPfeifton gab es

wirklich, er war nicht nur in ihrem

Kopf, sogar das bezirkliche Anzeigenblatt

hatte darüber berichtet.

„Woher kommt der rätselhafte

Pfeifton?“ lautete die Überschrift. Im

zugehörigen Artikel fand sie den Namen

eines Mannes,der dem Phänomen

auf den Grund gegangen war

und dessen Ursache ermittelt hatte.

Ein defektes Heizkesselventil in einem

Haus in der Nachbarschaft. Der

in Bayern lebende Hausbesitzer reagierte

nicht auf Beschwerden. Sie

googelte den Namen des Pfeifton-

Detektivs, fand seine Kontaktdaten

und schrieb ihm eine Mail. Siewollte

den Tonnicht mehr hören müssen.

Wenig später klingelte ihr Handy.

Es war morgens halb sieben. Sietelefonierte

lange mit dem Mann. Er erzählte

ihr,wie er Haus für Haus in ihrer

Straße abgegangen war, umdie

Herkunft des Tones zu ermitteln.Wie

ihn manche für verrückt erklärt hatten.

Denn nicht jeder schien den Ton

hören zu können. Er hatte resigniert.

Aber jetzt hatte sie eine Aufgabe.

Er hatte ihr die Nummer des bayerischen

Hausbesitzers gegeben. Am

Vormittag erreichte sie ihn nicht,

hinterließ aber eine Nachricht. Dann

ging sie zu seinem Haus. Klar und

deutlich schallte das Pfeifen aus dem

Keller. Sie sprach die Inhaber des

Computerladens im Erdgeschoss

des Hauses darauf an. Aber auch sie

konnten oder wollten den Tonnicht

hören. Irritiert machte sie sich auf

den Heimweg. Wenn sie glücklich

bleiben wollte, würde sie den Ton

wohl ab jetzt ignorieren müssen.

Aber wie sollte sie das schaffen? Sie

bemerkte es erst später. Was immer

es auch war. Ihr Anruf, ihre Nachricht,

ihr Gespräch im Computerladen:

Vondiesem Vormittag an hörte

sie das Pfeifen nie wieder.

Wie hoch darf die Miete sein? Wersich unsicher ist, sollte seinen Vertrag überprüfen lassen.

Deutsche Wohnen unterliegt erneut

Gericht sieht in Zusatz-Vereinbarung zum Mietvertrag einen klaren Verstoß gegen Mietpreisbremse

VonUlrich Paul

Die Internetplattform wenigermiete.de

hat vor

dem Berliner Landgericht

gegen die Deutsche

Wohnen ein Urteil erstritten, das für

den größten privatenVermieter in der

Stadt zu einem Problem werden

könnte. Die vorliegende Entscheidung

betrifft zwar zunächst nur einen

Einzelfall, doch das Internetportal

spricht bereits von einem Musterurteil.

„Wir betreuen mehrere Mieter

gleichzeitig, bei denen dieser Trick

versucht wurde“, sagt Daniel Halmer,

Rechtsanwalt und Gründer vonwenigermiete.de.

„Wir glauben, dass die

Deutsche Wohnen hier möglicherweise

mit System vorgeht und eine

Abzocker-Masche daraus machen

will.“

In dem vorliegenden Fall geht es

um eine 84,5 Quadratmeter große

Wohnung in Friedrichshain. Dervorgelegte

Mietvertrag sah zunächst nur

eine monatliche Kaltmiete von573,29

Euro vor. Neben diesem Kontrakt unterzeichneten

die Mieter aber noch

eine zweite Urkunde, die als „Nachtrag

zum Mietvertrag“ bezeichnet

wurde. Darin wurden Baumaßnahmen

wie die Verlegung von Mosaikparkett

und vonKüchenbodenfliesen

sowie die Installation eines Handtuchheizkörpers

vereinbart. Durch

den Nachtrag, der wenige Wochen

nach der Anmietung der Wohnung

greifen sollte, erhöhte sich die Miete

auf 716,93 Euro.

Zuviel verlangt

Zuviel, wie die Richter befanden. Zulässig

wäre imvorliegenden Fall wegen

der Mietpreisbremse nur ein Betrag

in Höhe von 507,62 Euro –was

sogar noch weniger ist, als die Deutsche-Wohnen-Tochter

GSW im eigentlichen

Mietvertrag ohne den

Nachtrag haben wollte.

Die Mietpreisbremse sieht vor,

dass die ortsübliche Miete beim Abschluss

eines neuen Mietvertrages

nur um maximal zehn Prozent überschritten

werden darf. DieGSW hatte

in dem Verfahren argumentiert, dass

kein Fall einer unzulässig hohen

Miete vorliege. Vielmehr handele es

sich um eine freie Vereinbarung über

eine Anhebung der bisher geltenden

Miete nach Unterzeichnung des

Mietvertrages.

Die Richter ließen das aber nicht

gelten. Sieverwiesen darauf, dass der

vermeintliche Nachtrag zugleich mit

dem eigentlichen Mietvertrag unterzeichnet

worden sei. Dabei habe allein

der „Nachtrag“ jene Miethöhe

enthalten, die vorher in einem

Exposé zur Wohnung veröffentlicht

worden sei. Im Exposé habe zwar gestanden,

dass die „nach Absprache

möglichen“ Ausstattungsverbesserungen

im Mietpreis bereits berücksichtigt

worden seien. Mit keinem

Wort sei aber die Möglichkeit angeklungen,

dass die Mieter bei einem

Verzicht die Wohnung zu einer geringeren

Miete hätten anmieten können.

Eine entsprechende Absicht

habe auf Seiten des Vermieters „offensichtlich

nie bestanden“, stellen

die Richter fest. So sei am Tagdes

Mietvertragsabschlusses genau die

Miete vereinbart worden, die zuvor

angestrebt worden sei. Dies in einem

„Nachtrag“ zu verstecken, könne nur

als „untauglicher Versuch“ verstanden

werden, die Mietpreisbremse zu

umgehen. Dieser Eindruck werdegestützt

durch die,sodas Gericht, „vermeintlich

geschickte“ Vertragsgestaltung,

nach der die hohe Miete von

716,93 Euro erst ab dem 1.Mai 2017

gezahlt werden sollte, während das

Mietverhältnis schon am 31. März

2017 begonnen habe.

Beider Unterzeichnung des Nachtrags

habe aber weder das Mietverhältnis

schon begonnen noch sei die

Wohnung den Mietern überlassen

worden. Für die Mieter habe am Tag

der Vertragsunterzeichnung die „latente

Drucksituation“ bestanden, bei

Widerstand nicht zum Zuge zu kommen.

Als maßgebliche Miete zu Beginn

des Mietverhältnisses sei der Betrag

in Höhe von716,93 Euro anzusehen.

Dies stelle eine „unzulässige

Überhöhung“ der Miete um 209,31

Euro dar.

„Viele Mieter denken, wenn sie einen

Vertrag von einem großen, bör-

„Viele Mieter denken, wenn sie einen Vertrag

von einem großen, börsennotierten Unternehmen

vorgelegt bekommen, dann muss der

Hand und Fuß haben. So ist es aber nicht.“

Daniel Halmer, Rechtsanwalt und Gründer des Start-ups LexFox,

das die Mieterplattform wenigermiete.de betreibt

DPA/WOLFGANG KUMM; WENIGERMIETE.DE

sennotierten Unternehmen vorgelegt

bekommen, dann muss der Hand

und Fußhaben“, sagt Daniel Halmer.

„So ist es aber nicht. Wir sehen, dass

auch sehr große Unternehmen, die

unter öffentlicher Beobachtung stehen,

ständig neue Versuche unternehmen,

das Mietrechtzuumgehen,

und die Rendite für ihre Anleger auf

Kosten von Mietern weiter zu erhöhen“,

so Halmer.Immer wieder seien

Mieter so verzweifelt, dass sie auf

Wohnungssuche „alles unterschreiben,

was ihnen unter die Nase gehalten“

werde. Das Urteil imvorliegenden

Fall stammt vom August 2018.

Dass erst jetzt darüber informiert

wurde, begründet wenigermiete.de

damit, dass erst jetzt die Kostenfestsetzung

eingetroffen sei.

Die Deutsche Wohnen ist mit

mehr als 100 000 Wohnungen in Berlin

der größte privateVermieter in der

Stadt. Unternehmenssprecherin Manuela

Damianakis verteidigt die zusätzlichen

Vereinbarungen. Das

Landgericht habe nicht die Regelung

aus dem Bürgerlichem Gesetzbuch

(BGB) in Frage gestellt, die solche zusätzlichenVereinbarungen

erlaubt.

Freiwilligkeitbetont

Im Rahmen derNeuvermietung würden

bei der Deutsche Wohnen „alle

Wohnungen in einen technisch einwandfreien

vermietungsfähigen Zustand

versetzt“, so Damianakis. „Bei

der Besichtigung werden wir immer

wieder auf denWunsch nach zusätzlicher

Ausstattung, wie zum Beispiel

Einbauküchen angesprochen.“ Daher

habe man sich entschlossen, „in

vereinzelten Quartieren diesem

Wunsch nach Abschluss des Mietvertrages

auf freiwilliger Basis nachzukommen“,

so Damianakis. „Wenn

Neumieterdies wünschen, haben sie

die Möglichkeit, im Rahmen einer Bemusterung

gemäß ihrer individuellen

Wünsche ihr neues Zuhause mit zu

gestalten.“ Über diese zusätzlichen

Ausstattungsmerkmale werde eine

Modernisierungsvereinbarung getroffen,

die zu einer zusätzlichen

Miete führe. Eine solche Vereinbarung

sei freiwillig. Sie werde auch

Mietern mit bestehenden Verträgen

angeboten.

Kontrolle kann sich lohnen, wie

der vorliegende Fall zeigt. Halmer rät:

„Spätestens nach dem Einzug in die

neue, oft überteuerte Wohnung,

lohnt es sich, noch einmal nachzuprüfen:

Ist esüberhaupt legal, was

man da unterschrieben hat?“

Ulrich Paul

erlebt viel Kreativität bei der

Mietengestaltung in Berlin

NACHRICHTEN

Häftlinge legen zahlreiche

Brände in Gefängnissen

In der Zeit vonJanuar 2015 bis Mai

2019 ist es zu 54 Bränden in Berliner

Gefängniszellen und einigen anderenzuJustizvollzugsanstalten

gehörenden

Räumen gekommen. Das

geht aus Antworten des Senats auf

zwei Anfragen der AfD hervor. Meist

handelte es sich um Brandstiftung

durch die Häftlinge.Ineinigen Fällen

lösten aber auch defekte Tauchsieder

und vergessene brennende

Kerzen das Feueraus.Den Brand mit

dem höchsten Schaden, rund

115 000 Euro,legte ein Gefangener

am 3. Februar 2018 in Tegel. Der

Mann hatte sich in seiner Zelle verbarrikadiertund

dortein Feuerentfacht.

DasLöschwasser der Feuerwehr

beschädigte auch die darunter

liegenden Stockwerke. (dpa)

Trauerfeier für Hans Wall

in der Parochialkirche

DieTrauerfeier für den Anfang Juli

verstorbenen Unternehmer und Mäzenfindet

am 27. Juli in der Parochialkirche

in Mitte statt. Darauf hat der

Verein Denk mal hingewiesen, den

Hans Wall seit seiner Gründung 2003

unterstützt hat. Wall hat sich unter

anderem für den Wiederaufbau des

Turmsder Parochialkircheinder

Klosterstraße eingesetzt. (BLZ)

Amt lässt Badegewässer

auf Quallen prüfen

Nach Berichten über Quallen in der

HavelinBerlin-Spandau lässt das

Landesamt für Gesundheit und Soziales

(Lageso) das Wasser verstärkt

auch auf die Tiereuntersuchen. „Die

Mitarbeiter des Landeslabores werden

bei den Probeentnahmen auch

nach Quallen suchen“, sagte Lageso-

Sprecherin Silvia Kostne.Das Landeslabor

testet die Qualität der

Badegewässer in der Badesaison regelmäßig.

DieB.Z. hatte am Wochenende

über Quallen in der Bucht

„Bürgerablage“ an der Oberhavel in

Spandau berichtet. (dpa)

Schwangerschaftstest bei

Pandaweibchen Meng Meng

DiePandadame Meng Meng ist erstmals

per Ultraschall auf eine mögliche

Trächtigkeit untersucht worden.

DieBilder hätten aber kein eindeutiges

Ergebnis geliefert, sagte Zoo-

Sprecher Maximilian Jäger.Auch die

tägliche Messung des Schwangerschaftshormons

Progesteron im

Urin habe noch keine eindeutige Information

geliefert. DerUltraschalltest

habe bereits am Freitag stattgefunden.

Weil die Pandas im Berliner

Zoonoch jung und unerfahren in

Liebesdingen sind, haben Experten

Anfang Aprilnachgeholfen: Meng

Meng wurde künstlich besamt. (dpa)

Sollte Meng Meng trächtig sein, könnte

es noch dieses Jahr Nachwuchs geben. DPA


10 * Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

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Berlin

Friedrichstraße

wird an einigen

Tagen autofrei

Bezirk Mitte hat konkrete

Pläne für Anfang September

VonStefan Kruse

Ein Teil der Friedrichstraße wird

voraussichtlich im September

und im Dezember für einige Tage

autofrei. Entsprechende konkrete

Pläne des Bezirks Mitte,der Senatsverkehrsverwaltung

und von Anrainern

bestätigte Bezirksbürgermeister

Stephan von Dassel am

Montag.

Wie der Grünen-Politiker dem

RBB sagte, soll die Einkaufsmeile

zunächst vom 6.bis 8. September

zwischen Unter den Linden und

Leipziger Straße für Autos gesperrt

werden –auch wenn der zunächst

an diesem Wochenende berlinweit

geplante verkaufsoffene Sonntag

gerichtlich untersagt wurde.

Angedacht ist das zudem in der

Vorweihnachtszeit rund um den

zweiten Advent, dann womöglich

sogar länger als drei Tage. Andem

Wochenende sollen nach bisherigen

Plänen des Senats auch am

Sonntag Geschäfte öffnen dürfen.

In beiden Testläufen sollen Erfahrungen

gesammelt werden für

mögliche weitergehende Lösungen

in den kommenden Jahren.

Für die Aktion im September ist

nach Angaben von Dassels ein

Rahmenprogramm in Vorbereitung.

„Eine Idee ist, jungen Berliner

Modedesignern die Möglichkeit zu

geben, ihre Kreationen zu präsentieren“,

sagte der Bürgermeister

der Deutschen Presse-Agentur. Als

Termin komme Samstag, der 7.

September,inFrage.

Von Dassel geht davon aus, dass

es am darauffolgenden Sonntag für

Fußgänger, Rad- oder Tretrollerfahrer

auch ohne geöffnete Läden attraktiv

ist, eine Straße ohne Autolärm,

Abgase und Stau zu erleben

und zu nutzen. Auch ohne Einkaufsmöglichkeit

werde das Erlebnis einer

autofreien Stadt möglich sein.

Ein Südsee-Boot für das Humboldt-Forum

Im Berliner Humboldt-Forum soll in Zukunft auch ein nachgebautes

Segelboot aus Fidschi stehen. Spediteure lieferten die Einzelteile am

Montag zunächst nach Dahlem, wo bisher die Ethnologische Sammlung

untergebracht ist. „Dort wird das Holz noch einmal konservatorisch

behandelt“, sagte ein Sprecher der Staatlichen Museen. Später

wirddas Boot im Humboldt-Forum zusammengesetzt. DasKulturzentrum

im wiederaufgebauten Berliner Schloss auf der Spreeinsel soll in

Etappen ab September 2020 öffnen. Dortwerden unter anderem mehr

Auf die billige Tour

DPA/BRITTA PEDERSEN

als 20 000 Kunstwerke und Gegenstände aus Asien und Afrika, Amerika

und Ozeanien gezeigt. Das etwa elf Meter lange Doppelrumpfboot sei

auf den Inseln Viti Levu und Ogea Levu für das Museum nachgebaut

worden, erklärte der Sprecher.Vorbild sei ein Boot von1913. Kinder sollen

das Schiff kletternd erkunden können. DasBoot –eine sogenannte

Drua –wird eines von insgesamt sechs Südseebooten im Humboldt-

Forumsein. Einige der Südseeschiffe kamen durch Aktionen deutscher

Kolonialisten nach Berlin. (dpa)

Michael Müller will den Preis für die Umwelt-Jahreskarte mehr als halbieren –und löst eine Debatte aus

Berliner sollen

künftig mehr

mitreden

Stadtentwicklung: Senat will

Bürger stärker einbinden

Die Menschen in Berlin sollen bei

der Planung neuer Wohnungsbau-,

Verkehrs- und Stadtentwicklungsprojekte

mehr und früher mitreden

dürfen. Auf diese Weise sollen

die Akzeptanz der Vorhaben erhöht

und Konflikte etwa mit Anwohnern

frühzeitig ausgeräumt werden. Den

Rahmen dafür bilden neue Spielregeln

für die Partizipation, die Stadtentwicklungssenatorin

Katrin Lompscher

(Linke) am Montag vorstellte.

Demnach soll die Verwaltung bei

Vorhaben des Landes –etwa einer

neuen Tramlinie, einem neuen

Wohnhaus oder der Umgestaltung

eines Platzes im Kiez –früher über

die Ziele informieren. Sie soll auch

klar und verbindlich definieren, bis

wann Bürger an den Planungen mitwirken

und was sie konkret mitbestimmen

können.

Vorgesehen sind zudem eine zentrale

Anlaufstelle für ganz Berlin sowie

regionale Stellen in den Bezirken,

in denen Bürger, die mitreden

wollen, unterschiedlichste Hilfestellung

bekommen können. Sie sollen

auch die Möglichkeit haben, selbst

ein Beteiligungsverfahren bei Vorhaben

anzuregen, bei denen das zunächst

nicht vorgesehen ist. Eine Regel

besagt, dass die Menschen in jedem

Fall Rückmeldungen erhalten,

was aus ihren Vorschlägen geworden

ist. Die Haushaltsmittel für Partizipation

werden aufgestockt.

Setzt auf Bürgernähe: Stadtentwicklungssenatorin

Katrin Lompscher

DPA

Im Dezember wardie Friedrichstraße

schon mal zwei Stunden autofrei. B. FRIEDEL

Befürworter, zu denen neben

von Dassel mehrere Initiativen sowie

andere Kommunal- und Landespolitiker

gehören, verbinden

mit dem Projekt Friedrichstraße

zwei Ziele: Zum einen – und das

steht im Vordergrund –könnte es

ein Schritt in Richtung autofreie

Stadt und sauberereLuft sein. Ähnliche

Ziele verfolgt auch der Bezirk

Friedrichshain-Kreuzberg mit dem

Modellprojekt einer Begegnungszone

in der Bergmannstraße.

Zum anderen gibt es bei einigen

die Hoffnung, den Handel in der

kriselnden Einkaufsmeile anzukurbeln,

in der Luxusboutiquen

ebenso zum Bild gehören wie leerstehende

Läden. Hier sind aber

nicht zuletzt die Händler selbst

skeptisch.

Die Aktion in diesem Jahr

könnte erst der Anfang sein: Wie

von Dassel weiter ankündigte,

steht voraussichtlich im Mai kommenden

Jahres ein sogenannter

Verkehrsversuch an. Dabei soll genauer

und „gerichtsfest“ erhoben

werden, was eine längere Sperrung

der Friedrichstraße im Hinblick auf

Verkehrsströme und Unfallhäufigkeit

bringen würde. „Und dann

muss man, glaube ich, nächsten

Sommer überlegen, was man langfristig

tut“, sagte von Dassel dem

RBB. (dpa)

Die Idee des Regierenden

Bürgermeisters Michael

Müller (SPD), eine Jahreskarte

für Busse,Trams

und U-Bahnen für 365 Euro im Jahr

anzubieten, stößt bei den Grünen

auf Skepsis, bei der Opposition auf

Kritik.

Müller hatte bei einer Diskussionsrunde

der Neuen Zürcher Zeitung

in der Schweiz angekündigt:

„Ich will Schritt für Schritt auch das

Ziel verfolgen, ein Jahresticket für

den öffentlichen Personennahverkehr

für 365 Euro anbieten zu können.“

Vorbild sei die Stadt Wien,

sagte Müller in der Gesprächsrunde

mit seinen Amtskollegen aus Wien

und Zürich.

„Der Vorschlag kommt überraschend“,

sagte Harald Moritz, verkehrspolitischer

Sprecher der Grünen,

der Berliner Zeitung. Bisher sei

über das 365-Euro-Ticket nicht konkret

gesprochen worden. „Ich werte

das als erstenVorschlag der SPD,darüber

zu beraten.“ Vorallem mit Blick

auf die Kosten ist Moritz skeptisch:

DasTicket koste dann nur noch halb

so viel wie zurzeit, die BVG aber

brauche das Geld. „Die Differenz

muss irgendwie reinkommen –erstmal

müsste sie dann also aus dem

Steuertopf gezahlt werden“, so Moritz.

Er gehe allerdings davon aus,

dass die Gelder für Müllers Vorstoß

noch nicht im Haushaltsentwurf

eingeplant seien, der in der nächsten

Woche vorgelegt werden soll.

Die Grünen und Linken, Koalitionspartner

der SPD, haben außerdem

andere Pläne für den Öffentlichen

Nahverkehr, die einander gleichen:

Beide wollen eine monatliche

Summe von allen Berlinern kassieren,

die dann ohne Ticket BVG fahren

dürfen. Die Grünen nennen ihr

Modell „Solidarische Umlage Finanzierung“

und wollen das ticketfreie

Für einen Euro am Tagdurch die Stadt: 365 Euro soll die Jahreskarte kosten. IMAGO IMAGES

Berlin: Die Umweltkarte des

Verkehrsverbunds Berlin-

Brandenburg für das Berliner

Stadtgebiet kostet bislang

761 Euro im Jahr.Von August

an bekommen Azubis die

Jahreskarte für 365 Euro.

Fahren zeitlich begrenzen –zuStoßzeiten

von7bis 10 Uhrmorgens zum

Beispiel soll es nicht möglich sein.

DieLinken nennen ihr Modell „Öffi-

Flatrate“ und verzichten auf zeitliche

Begrenzungen.

Alle Möglichkeiten werden zurzeit

von der Senatsverkehrsverwaltung

in einer Studie geprüft und berechnet

– die Ergebnisse werden

nach Auskunft der Verwaltung allerdings

noch einige Zeit auf sich wartenlassen.

DieCDU bewertet MüllersVorhaben

als „interessant“, aber unrealis-

STÄDTE-VERGLEICH

Wien: In der österreichischen

Hauptstadt ist die

Jahreskarte seit dem Jahr

2012 für 365 Euro zu haben.

Vorder Tarifänderung kostete

die Jahreskarte in Wien

449 Euro.

Bonn: In der einstigen Bundeshauptstadt

und in Reutlingen

laufen aktuell Testphasen

mit 365-Euro-Karten.

Finanziertwird das

Ganze mit Hilfe vonBundeszuschüssen.

tisch: „Anders als in Österreichs

Hauptstadt ist unser Nahverkehr leider

unterfinanziert“, teilte die Partei

mit. Es fehlten Fahrzeuge, die Takte

seien auf einigen U-Bahn-Linien

deswegen zuletzt verlängertworden.

„Hier müssen klar die Prioritäten liegen.

Müller müsse klar machen, wie

er seinen Vorschlag finanzieren

wolle. Solange im neuen Doppelhaushalt

keine zusätzlichen Gelder

eingeplant seien, „muss sich Berlins

Regierender Bürgermeister fragen

lassen, wie er die Übernahme des

Wiener Modells finanzieren oder ob

er doch nur Sommertheater spielen

will“, sagte Oliver Friederici, verkehrspolitischer

Sprecher der CDU-

Fraktion.

DieFDP betonte,dass der rot-rotgrüne

Senat erst einmal ein stimmiges

Gesamtkonzept für den ÖPNV

vorlegen solle. Entscheidend seien

außerdem nicht allein die Preise –

sondern auch Sicherheit, Sauberkeit

und ein gutes Angebot.

Die BVG ist der Idee gegenüber

aufgeschlossen, verweist aber auf

begrenzte Ressourcen: „Jede Idee ist

gut, die dazu führt, dass mehr Menschen

den ÖPNV nutzen“, sagte eine

BVG-Sprecherin. Notwendig seien

dann aber auch mehr Personal und

Fahrzeuge. „Das ist eine sehr große

Investition.“

Wien hatte 2012 für Busse und

Bahnen eine Jahreskarte für 365 Euro

eingeführt, jeder zweite Wiener habe

sie im Portemonnaie,bilanzierte das

Beratungsunternehmen Civity in einer

Studie,auf die die BVGamMontag

hinwies. Allerdings sei die Zahl

der Fahrgäste seither nicht stärker

gestiegen als die der Einwohner, es

werde auch nicht weniger Auto gefahren.

In Wien war auch der Rabatt nicht

so stark wie er in Berlin wäre: Vor

2012 kostete die Jahreskarte in der

österreichischen Hauptstadt 449

Euro.Zugleich wurden ab 2012 Gelegenheitsfahrten

deutlich teurer, erläutert

die Studie. Der ÖPNV war

schon vorher gewachsen, während

die Parkgebühren stiegen.

In Deutschland testen derzeit

Bonn und Reutlingen mit Hilfe von

Bundesförderung 365-Euro-Karten.

Diese sollen mehr Menschen dazu

bringen, das Auto stehen zu lassen

und stattdessen Bus und Bahn zu

fahren. Die SPD macht sich wie die

Grünen auch auf Bundesebene dafür

stark. (ann./dpa)

Lompscher sprach von einem

„neuen Kapitel der Bürgerbeteiligung“

in Berlin. Sie zeigte sich überzeugt,

dass mit den neuen Leitlinien

„ein wichtiger Schritt hin zu mehr

Partizipation und damit zu mehr Demokratie

gelingen“ könne.

Erarbeit hat die Spielregeln ein

Gremium aus Fachleuten und interessierten

Berlinern. Die Grünen-Abgeordnete

Susanna Kahlefeld verwies

als eine der Beteiligten auf einen

zentralen Punkt: „Viel Konfliktpotenzial

fällt schon mal weg, wenn

die Leute wissen, was los ist, wenn

sie wissen, warum die Bagger rollen

sollen.“ Daher sei es wichtig, sie früher

einzubinden.

Lompscher zufolge entsteht nunmehr

ein Umsetzungskonzept für

die neuen Regeln, die so schnell wie

möglich greifen sollen. Parallel dazu

werden etwa die Anlaufstellen aufgebaut.

Die Regeln sollen zunächst allein

für Projekte des Landes gelten.

Die Bezirke können sich andocken

oder auf dieser Basis eigene Regeln

aufstellen. Lompscher ermutigte

auch private Investoren, das Thema

Partizipation ernst zu nehmen und

sich hier an den Landesregeln zu orientieren.

Bürgerbeteiligung ist in Berlin

zum Beispiel beim Thema Wohnen

ein zweischneidiges Schwert: Einerseits

wird häufig gefordert, angesichts

des Mangels an bezahlbarem

Wohnraum mehr Wohnungen zu

bauen, auch im Rahmen sogenannter

Nachverdichtung im Bestand.

Andererseits rufen solche Vorhaben

teils heftigen Widerstand von

Anwohnern und lokalen Initiativen

hervor, die – mitunter in fortgeschrittenen

Planungsstadien –

mehr Bürgerbeteiligung einfordern.

Dies kann auch Verzögerungen bei

wichtigen Vorhaben zur Folge haben.

(dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 11 *

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Berlin

Easyjet stockt Angebot in Tegel weiter auf

Die Zahl der Passagiere auf dem innerstädtischen Flughafen ist um 28 Prozent gestiegen. Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht –von „Flugscham“ keine Spur

VonPeter Neumann

Geht da noch was? Da geht

noch was! Obwohl Tegel

seit Jahren als überlastet

gilt, nimmt der Verkehr

weiter zu. In diesem Jahr lag die Zahl

der Passagiere zwischen Januar und

Mai um28,2 Prozent höher als im

selben Zeitraum des Vorjahres, bei

den Starts und Landungen betrug

das Plus 17,8 Prozent –damit hat TXL

seinen Rang als der Flughafen mit

dem stärksten Wachstum gefestigt.

Jetzt hat die britische Gesellschaft

Easyjet angekündigt, dass sie ihr Angebot

in Tegel weiter ausbaut. „Wir

nehmen weitere Ziele in den Flugplan

auf“, kündigte Stephan Erler,

Deutschland-Chef von Easyjet, am

Montag an. Die Zahl der Easyjet-

Flugziele ab Berlin steigt auf 95.

Typisch Tegel! Große Teile des

wichtigsten Flughafens im östlichen

Deutschland wirken wie eine provisorische

Budenstadt, und das Easyjet-Quartier

im Schatten des Towers

ist keine Ausnahme.Esist ein Leichtbau,

der schon etwas mitgenommen

wirkt. Doch er diente bereits jahrelang

Air Berlin, bevor die Airline in

die Insolvenz ging und im Herbst

2017 den Betrieb einstellen musste.

„Refuelling in Progress“ steht an

einer Tür –was wohl heißen soll: Bin

gerade in der Mittagspause. Imgroßen

Crewraum im Erdgeschoss treffen

sich die Besatzungen bei Kaffee

und Wasser zum Briefing. Auf den

Stehtischen zeigen Schilder wie

„OSL“ für Oslo die Flugziele an, was

das Zusammenfinden erleichtert.

Schließlich beschäftigt Easyjet in

Berlin rund 1500 Menschen (alle mit

deutschen Arbeitsverträgen), da

kann nicht jeder jeden kennen.

Die Bahn ist keine Konkurrenz

Während des Winterflugplans, der

ab Oktober gibt, kommen im Crewraum

fünf weitere IATA-Codes dazu,

zum Beispiel BRU für Brüssel, NTE

für Nantes und OSD für Åre Östersund

in Schweden. Auch Funchal auf

Madeira sowie Marsa Alam in Ägypten

werden dann vonTegel aus angesteuert,

während der Schönefelder

Flugplan von Easyjet um Marrakesch

in Marokko erweitertwird.

Erler sitzt im ersten Obergeschoss

des Easyjet-Quartiers. Er wurde in

Gera geboren, doch sein britisch anmutender

Akzent verrät seine thüringische

Herkunft nicht. „Wir sind

sehr zufrieden“, sagt der 32-Jährige,

dessen erster Easyjet-Flug einst vom

Studienort Glasgow nach Berlin

führte.Imlaufenden Finanzjahr,das

Aus dem Stand zum Marktführer in Berlin: ein Easyjet-Flugzeug in Berlin-Tegel. 22 Millionen Passagiere wurden 2018 in Tegel insgesamt gezählt.

im September endet, wird Easyjet

insgesamt rund 90 Millionen Passagiere

befördern –knapp zwei Millionen

mehr als im Finanzjahr davor.

Ein erklecklicher Teil der Kundschaft

nutzt die Berliner Flughäfen.

Im vergangenen Finanzjahr, das im

September 2018 zu Ende ging, waren

es 9,4 Millionen – was für einen

Marktanteil von 35Prozent und die

Marktführerschaft in Berlin reichte.

Davonentfielen 4,2 Millionen auf

Tegel, wo Easyjet seit Anfang des vergangenen

Jahres vertreten ist und

mittlerweile 23 orange-weiße Maschinen

stationierthat –mehr als zuvor

Air Berlin. Bis heute hat sich die

Zahl der Easyjet-Passagiere inTXL

auf rund zehn Millionen summiert.

„Wir haben gezeigt,

dass Berlin Potenzial hat.“

Stephan Erler,

Deutschland-Chef der Fluggesellschaft Easyjet

In Schönefeld, wo die Airline ihr Berlin-Engagement

2004 begann, übernachten

zwölf Easyjet-Flugzeuge.

„Wir haben gezeigt, dass Berlin Potenzial

hat“, sagt Erler.Die Flughäfen

der Tourismus-Metropole verzeichnen

mehr Fluggäste, die ihre Reise

außerhalb der Stadt begonnen haben,

als reisende Berliner. Inzwischen

kehren Spanier, Italiener,

Franzosen in die Stadt zurück, in die

sie einst als junge Touristen gekommen

waren, erzählt der Easyjet-Manager.

„Lost and Sound: Berlin,

Techno und der Easyjetset“: So heißt

das Buch des Musikjournalisten Tobias

Rapp, der über das damalige

Berlin geschrieben hat. Stephan Er-

IMAGO IMAGES

ler mag den Begriff„Jetset“ allerdings

nicht. Lieber spricht er davon, was

die Airline für Europa geleistet hat:

Sie habe die Neugier angeregt, andere

Länder dieses Kontinents kennenzulernen.

Sechs Easyjet-Ziele ab Berlin liegen

in Deutschland, zuletzt kam

Westerland auf Sylt hinzu. Mit dem

Intercity Express dauert Berlin–

München nur noch knapp vier Stunden,

trotzdem sind die Easyjet-Leute

auch auf dieser Route mit ihren Zahlen

zufrieden. DasAngebot der Bahn

sei „eine Bereicherung, eine Stimulierung“

der Gesamtnachfrage auf

dieser Strecke, aber keine Konkurrenz,

bilanziert Erler. Die Zahl der

Reisen zwischen Berlin und München

habe insgesamt zugenommen.

„Mit dem, was wir in Berlin aufgebaut

haben, sind wir zufrieden“,

stellt der Deutschland-Chef fest. Die

Zahl der innerdeutschen Fluggäste

seinicht gesunken, insgesamt entwickele

sich die Nachfrage erfreulich.

Schlimmer als Lagos und Kabul

Wiepasst das zu der Diskussion über

„Flugscham“, über Emissionen,

über die persönliche Verantwortung

für die Klimakrise? Weiterhin hinterlassen

Flugreisen viel mehr schädliches

Kohlendioxid in der Atmosphäre

als andere Arten der Fortbewegung,

weiterhin sind Bahnreisende

im Vergleich zu Flugreisenden

im Nachteil, weil für Zugfahrten höhere

Steuern fällig werden. Zwar hat

auch die Bahn Sonderangebote ins

Ausland, doch häufig ist das Flugzeug

billiger. „Die Klimadiskussion

geht nicht an uns vorbei“, sagt Erler.

Durch technische Verbesserungen

sei es gelungen, die Kohlendioxid-Emission

pro Kilometer und

Passagier seit 2000 um 32 Prozent zu

senken. Die Flugzeuge seien auch

leiser geworden. Für die Zukunft

werde analternativen Antrieben geforscht

–bis hin zu elektrischen Motoren.

Allerdings: Für große Flugzeuge

gibt es diesen Antrieb nicht.

Durch die dünne Wand im Easyjet-Quartier

dringt Turbinenkrach.

Tegel ist für viele Berliner der Flughafen

der Herzen, doch vonFluggästen

aus dem Ausland erhält er schlechte

Noten: nur auf der Straße erreichbar,

überlastet, abgeschabt. Er kenne

Flughäfen wie Lagos, Kinshasa und

Kabul, schreibt ein Schweizer im Bewertungsportal

Skytrax. Tegel lasse

sie„wie Paradiese“ aussehen. Sicherheits-

und Einreisekontrollen seien

ein „Albtraum“, schreibt ein Brite.

„Wir gehen mit einem lachenden

und einen weinenden Auge“, sagt Erler.

Zum einen sei er froh, dass der

Betrieb in TXLfunktioniert, andererseits

freue sich das Team auf das Potenzial

eines neuen Flughafens. Am

BER werde Easyjet im Terminal 1

groß vertreten sein. „Neben der Lufthansa

–oder besser: die Lufthansa

neben uns.“ Um den Flugplan zusammenstellen

zu können, müsse

die Airline sechs bis neun Monate

vorher wissen, ob der BER wirklich

öffnet. Erler ist zuversichtlich: „Wir

bereiten uns auf Oktober 2020 vor.“

Peter Neumann

ist nicht besonders oft mit

dem Flugzeug unterwegs.

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

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Berlin

Die 24

letzten

ihrer Art

Wenige denkmalgeschützte

Litfaßsäulen bleiben stehen

Das Landesdenkmalamt hat die

in Berlin bisher vorhandenen

2548 Litfaßsäulen auf ihren Denkmalwert

überprüft und festgelegt,

dass 24 dieser Säulen Denkmalschutz

genießen. „Diese bleiben als

Zeugnisse der Berliner Stadtgeschichte

an Ortund Stelle erhalten“,

teilt Landeskonservator Dr. Christoph

Rauhut mit. Die Bestandsaufnahme

war notwendig geworden,

weil der Senat den Betreibervertrag

mit der Wall AG nicht verlängert

hatte. Sie musste die Säulen abreißen.

Stattdessen errichtet eine Stuttgarter

Firma 1500 neue Säulen –dicker

und künstlich beleuchtet.

Die denkmalwerten Litfaßsäulen

stehen laut Landesdenkmalamt in

Charlottenburg-Wilmersdorf (6),

Kreuzberg-Friedrichshain (5), Mitte

(4), Pankow (3), Reinickendorf (3),

Steglitz-Zehlendorf(2) und Treptow-

Köpenick (1). Sie gehören zu Denkmalbereichen,

etwa Siedlungen und

Wohnprojekten wie an der Karl-

Marx-Allee oder Gartendenkmalen

wie dem Mexikoplatz.

Die älteste dieser Säulen ist vermutlich

die am Hackeschen Markt.

Dabei handelt es sich um eine Blechsäule,

die um 1900 errichtet wurde.

Die jüngste –von 1987 –gehört als

historisierender Nachbau zur Ausstattung

des Nikolaiviertels. (BLZ)

Nur 24 dieser Säulen erhalten Denkmalschutz

und bleiben stehen. DPA/BERND SETTNIK

Brücke zu niedrig:

Frauen stürzen

von Floßdach

Touristinnen schwer verletzt

in Kliniken eingeliefert

Auf einer Floßfahrt bei Rahnsdorf

sind am Sonntag zwei Frauen

schwer verletzt worden. Die beiden

waren zusammen mit vier weiteren

Frauen und einem 59-jährigen

Mann, der das Schiff steuerte, auf

dem Alten Spreearm in Richtung

Müggelspree unterwegs.

Zwei der vier Passagiere –Touristinnen

im Alter von55und 68 Jahren

–hielten sich auf dem Dach des Floßes

auf. Vor der Russenbrücke bemerkten

sie, dass sie auch liegend

nicht darunter durchpassen würden.

In Angst versuchten sie,das Dach zu

verlassen. Das gelang ihnen nicht.

Der Bootsführer probierte seinerseits,

das Floß zu stoppen. Das

klappte nicht, sodass es sich mit gebremster

Geschwindigkeit unter der

Brücke hindurchschob.

Die Frauen stürzten vom Dach

auf den Floßboden. Die Ältere verletzte

sich an Beinen, Rumpf und

Kopf, die Jüngereanden Beinen. Sanitäter

brachten die Frauen in verschiedene

Kliniken. (ls.)

Privat sind AfD-Mitglieder im Albrechtshof willkommen, aber nicht als Fraktion und Partei, argumentiertdie Berliner Stadtmission als Besitzerin des Hauses.

Im U-Bahn-Streit ist eine Entscheidung in Sicht

Vergabekammer befindet über Rüge eines unterlegenen Bieters. Hängepartie für die Fahrgäste könnte aber weitergehen

VonPeter Neumann

Kein Platz für die AfD

Ein Hotel der Stadtmission storniert kurzfristig Räume. Die Partei wollte sie für eine Pressekonferenz mieten

VonJan Sternberg

Das Berliner Hotel Albrechtshof

hat der AfD

kurzfristig die Nutzung

seiner Räumlichkeiten

untersagt. Die Bundestagsfraktion

wollte dorteine Pressekonferenz abhalten

und hatte dazu einen Tagungsraum

angemietet. Das Hotel

im Bezirk Mitte gehört der Berliner

Stadtmission, die unter anderem in

der Obdachlosen- und Flüchtlingshilfe

engagiertist. Stadtmission-Vorstand

Joachim Lenz erfuhr nach eigenen

Angaben erst am vergangenen

Sonnabend davon, dass die AfD

einer Veranstaltung im Albrechtshof

plante. „Ich wurde auf der Seebrücken-Demonstration

angesprochen“,

berichtet Lenz der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland).

Lenz war einer der Redner auf der

Kundgebung, die sich für Seenotrettung

im Mittelmeer einsetzt. Am

Montag wies er den Albrechtshof an,

die für 14 Uhrangesetzte Pressekonferenz

abzusagen. Die AfD wollte

eine parteieigene TV-Dokumentation

mit dem Titel „Dieselmord im

Ökowahn“ zeigen. Sie ist Teil einer

neuen Öffentlichkeits-Strategie der

AfD, mit selbst produzierten Filmen

und Clips Themen zu setzen.

Es sei nicht Aufgabe des Hotels,

die Inhalte der AfD zu verbreiten,

sagte die Hotelmanagerin laut einer

AfD-Pressemitteilung. Fraktionsvize

Peter Felser erklärte dazu: „Vor dem

Hintergrund dieser kurzfristigen Absage

ist klar,dass wir die Strategie einer

Gegenöffentlichkeit konsequent

weiterverfolgen müssen.“

Erst vor wenigen Wochen hatte

die Stadtmission über den Umgang

mit Gästen von der AfD diskutiert.

Hintergrund war ein Abend im hauseigenen

Restaurant, bei dem AfD-

Fraktionschefin Alice Weidel in einer

größeren privaten Runde zu Gast

war.AndereRestaurantgäste,darunter

Vertreter der Arbeitsgruppe Migration

der evangelischen Kirche,

fühlten sich gestört und verließen

das Lokal.

Daraufhin lud die Stadtmission

zur Diskussionsrunde mit einem

pensionierten Geistlichen und den

Berlins U-Bahn braucht dringend

mehr neue Züge. Die Fahrzeugflotte

ist im Durchschnitt mehr als

28 Jahre alt, die Zahl der Fahrgäste

und der Bedarf anweiteren Bahnen

steigt seit Jahren. Zwar liegt ein Auftrag

für bis zu 1500 neue Wagen bereit,

der an Stadler Pankow gehen

soll. Der Aufsichtsrat hat ihn im Mai

abgesegnet. Allerdings dürfen die

Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihn

nicht absenden, weil der Mitbewerber

Alstom bei der Vergabekammer

eine Nachprüfung beantragt hat.

Nun ist eine Entscheidung in Sicht.

Doch die Hängepartie für die U-

Bahn-Nutzer könnte weitergehen.

Nach Informationen der Berliner

Zeitung will die Vergabekammer am

26. Juli über den Antrag des französischen

Schienenfahrzeugherstellers

entscheiden. Dabei handelt es sich

um eine Einrichtung der Senatsverwaltung

für Wirtschaft, Energie und

Betriebe. Deren Senatorin Ramona

Pop bestätigte, dass die Entscheidung

Ende Juli fallen soll. Normalerweise

ist die Vergabekammer gehalten,

über Nachprüfungsanträge binnen

fünf Wochen zu befinden. Doch

in diesem Fall handele es sich um ein

„komplexes Verfahren“, das zudem

für die Stadt überaus wichtig sei,

teilte die Grünen-Politikerin mit.

Dass es sich auch um ein politisch

sensiblesVerfahren handelt, zeigt die

große Zahl beteiligter externer Juristen.

Dem Vernehmen nach hat der

Senat unter anderem die Berliner

Rechtsanwaltskanzlei Müller-Wrede

&Partner, zuderen Schwerpunkten

das Vergaberecht gehört, beauftragt.

Heftige Kritik an der BVG

Auch das Landesunternehmen BVG

lässt sich von Anwälten beraten und

vertreten, deren Zahl Berichten zufolge

immer weiter gestiegen ist.

Größtmögliche Rechtssicherheit –

das war das Ziel, das BVG-Chefin Sigrid

Nikutta ausgegeben hatte. Doch

es gab bereits heftige Kritik.

Dem Vernehmen nach kam sie

vorallem vonSiemens und Bombar-

Mitarbeitern von Hotel und Restaurant.

Am Ende stand ein Ergebnis:

Man werde AfD-Politiker wie jeden

anderen privat bewirten.„Wir möchten

allen Gästen, unabhängig von

Herkunft, Glauben, Geschlecht, sexueller

Orientierung oder politischer

Überzeugung, mit der gleichen

Freundlichkeit und Wertschätzung

begegnen. Dies gilt auch gegenüber

Menschen, die diese Wertenicht tei-

„Die Berliner Stadtmission heißt die AfD und

ihre ausgrenzenden Positionen gewiss nicht

willkommen. Aber FrauWeidel kriegt bei uns einen

Kaffee und Herr Gauland ein Mittagessen.“

Joachim Lenz,

Vorstand der Berliner Stadtmission

len“, schrieb die Stadtmission in einer

Erklärung.

Vorstand Joachim Lenz ergänzte

auf Facebook: „Die Berliner Stadtmission

heißt die AfD und ihre ausgrenzenden

Positionen gewiss nicht

willkommen. Aber FrauWeidel kriegt

bei uns einen Kaffee und Herr Gauland

ein Mittagessen. Unser Gewinn

fließt in Hilfsangebote, unter anderemfür

Flüchtlinge.“

dier, die sich ebenfalls an der größten

Fahrzeugausschreibung in der

Geschichte der BVGbeteiligt hatten.

Immer wieder seien Anforderungen

verändert worden, sagte ein Beobachter.

Einige Vorgaben seien

nicht nur unüblich, sie würden den

Auftragnehmer auch einem hohen

unternehmerischen Risiko aussetzen.

So möchte die BVG den Angaben

zufolge den Hersteller dazu verpflichten,

mehr als 30 Jahrelang den

zuverlässigen Betrieb der U-Bahnen

zu garantieren. Normal seien Fristen

vonwenigen Jahren. Außer durch die

Lieferung vonErsatzteilen könne der

Hersteller die Instandhaltung nicht

direkt beeinflussen, dafür soll weiterhin

die BVGverantwortlich sein.

Weil Siemens und Bombardier

ihre Bedenken äußerten, wurde das

Konsortium von der BVG aus dem

Verfahren ausgeschlossen –soetwas

sei nicht vorgesehen. WarumAlstom

vor die Vergabekammer gezogen ist,

wurde bisher nicht bekannt. „Zulaufenden

Ausschreibungen äußernwir

uns nicht“, sagte Sprecherin Tanja

CAMCOP MEDIA/A. KLUG

Warumdann jetzt die Ausladung?

Die Grenze sei ganz einfach zu ziehen,

sagt Lenz. Als Menschen sind

die AfD-Vertreter bei den Christen

willkommen, als Fraktion und Partei

nicht. Eine offizielle AfD-Veranstaltung,

zu der in den Albrechtshof geladen

wird, toleriereernicht.

AndereGastwirte haben sich entschieden,

die AfD überhaupt nicht

mehr zu bewirten. Im Mai hatte das

Restaurant „Bocca di Bacco“ an der

Friedrichstraße eine Reservierung

für ein Abendessen nicht angenommen,

an dem Weidel und die AfD-

Parteichefs Alexander Gauland und

Jörg Meuthen teilnehmen sollten.

Fraktionssprecher Christian Lüth

veröffentlichte die Absage beiTwitter

und nannte sie „undemokratisch

und dumm“.

Die Betreiberin eines Festsaals in

Moabit kündigte die Reservierung

zur Europawahl-Party, nachdem sie

von mutmaßlich Linksextremen bedroht

wurde. Die Partei wich nach

Staaken aus – eine dortige Tanzschule

gehört zuden Adressen, die

von der AfD regelmäßig angemietet

werden.

Ende Juni musste die Bundestagsfraktion

wenige Stunden vorAbfahrt

auf ihre inSzczecin geplante

Fraktionsklausur verzichten, nachdem

das gebuchte Hotel wegen angedrohter

Proteste kurzfristig stornierte.

Kampa. Berichten zufolge gehe es

aber offenbar um mehr als eine

bloße routinemäßige Rüge, sondern

um substanzielle Kritik, hieß es.

Hohe Gerichtskosten drohen

MitSpannung wirdnun beobachtet,

wie es weitergeht.Wenn dieVergabekammer

den Antrag zurückweist,

könnte Alstom vors Kammergericht

ziehen. Ob eine solche Beschwerde

die Dinge zügig klären würde, steht

nicht fest. Möglich ist, dass die zuständige

Kammer anstelle eines Urteils

ein Mediationsverfahren vorschlägt

–was die Angelegenheit weiter

in die Länge zöge.ObAlstom den

Rechtsweg beschreitet, dürfte auch

dadurch bestimmt werden, dass wegen

des großen Auftragswerts von

rund drei Milliarden Euro im Fall einer

Niederlage hohe Kosten drohen.

Noch ist also vieles ungewiss.Klar

ist aber: Mit jedem Monat, der vergeht,

wird es unwahrscheinlicher,

dass die ersten Züge 2021 kommen.

Dann sollten 24 Wagen geliefertwerden,

im darauffolgenden Jahr 76.

POLIZEIREPORT

Autoeinbrecher geschnappt.

Ein52Jahrealter Autoeinbrecher ist

in Adlershof auf frischer Tatertappt

worden. Sein Diebesgut: eine Heckenschereund

ein Laubbläser.Zunächst

hatte ein 21-Jähriger den

mutmaßlichen Täter am späten

Sonntagabend am Adlergestell an einem

Lieferwagen entdeckt und seinen

Nachbarn, dem der Wagen gehörte,informiert.

Beide stellten den

Einbrecher,der daraufhin flüchten

wollte.Alarmierte Polizeibeamte

nahmen den 52-Jährigen schließlich

fest. DieBeute wurde sichergestellt.

Fremdenfeindlich beleidigt.

Aufeinem Hinterhof in der Weddinger

Sansibarstraße sind am Sonntagnachmittag

mehrereKinder voneinem

Anwohner fremdenfeindlich

beschimpft worden. Außerdem

wurde eine 31 Jahrealte Frau bedroht.

Anwohner riefen die Polizei.

Beamte nahmen den 61 Jahrealten

Mieter einer Erdgeschosswohnung

fest. Nach der Personalienfeststellung

wurde der alkoholisierte Mann

wieder entlassen. DerStaatsschutz

ermittelt.

Neun Fahrzeuge in Flammen.

Aufeinem Parkplatz in Mitte brannten

in der vergangenen Nacht mehrere

Autos.Ein Anwohner der Caroline-Michaelis-Straße

alarmierte gegen

1.35 UhrPolizei und Feuerwehr,

nachdem er zweimal einen Knall gehörtund

beim Blick aus dem Fenster

die brennenden Wagen entdeckt

hatte.Zunächst brannten in zwei unterschiedlichen

Parkreihen ein

Range Roverund ein VW.Die Flammen

griffen vondem Range Rover

auf einen Mini und einen Audi über

und vondem VW auf zwei BMW,

zwei weitereVWund einen Mercedes.Feuerwehrleute

löschten die

Brände.Anden Fahrzeugen entstand

Totalschaden. DieHöhe des

Schadens ist noch nicht klar.Menschen

waren nach Angaben der Polizeinicht

in Gefahr.Die Polizei geht

vonvorsätzlicher Brandstiftung aus.

Hinweise auf ein politisches Motiv

hat die Polizei zurzeit nicht.

Phantombild des Messerstechers. Die

Polizei fahndet nach diesem Mann. POLIZEI

Fahndung nach Messerstecher.

Mitder Veröffentlichung des Phantombildes

eines Gewalttäters bittet

die Polizei um Mithilfe bei der Fahndung.

Er soll am 1. Aprildieses Jahres

in Rummelsburgeinen 42-Jährigen

mit einem Messer verletzt haben.

DerTäter hatte seinem Opfer in der

Weitlingstraße ins Gesäß gestochen.

Als der 42-Jährige ihn festhielt, stach

der Messerstecher ihm mehrfach in

den Arm. DerSchwerverletzte

musste in einer Klinik operiertwerden.

DiePolizei bittet Zeugen, die

den Mann kennen, sich zu melden.

Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle

entgegen.

Machete gezogen.

In der Helsingforser Straße in Friedrichshain

haben zwei Männer am

Sonntagnachmittag einen 23-Jährigen

attackiert. Er zogeine Machete

aus dem Rucksack und ging auf die

Angreifer los.Die drei Männer flüchteten,

bevor die Polizei eintraf. Der

23-Jährige wurde wenig später gestellt.

Er war der Polizei aufgefallen,

weil er die Machete noch in den

Händen hielt. Beiseiner Festnahme

leistete der betrunkene Mann erheblichen

Widerstand. Er kam wegen

seines psychischen Zustandes in die

Psychiatrie eines Krankenhauses.

Diebeiden anderen Beteiligten entkamen.

(ls.)


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 13 *

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Berlin/Brandenburg

Deutschland im Wasserstress

Noch schlagen die Behörden keinen Alarm, aber sie rufen zu sparsamem Umgang mit dem sensiblen Gut auf. Die Landwirtschaft muss wohl langfristig umdenken

VonUlrikevon Leszczynski

Wasserhahn aufdrehen

–und es kommt nichts

raus? In Deutschland

kennen die meisten

Menschen das bisher nur von Rohrbrüchen

oder Reparaturarbeiten.

Doch im zweiten trockenen Sommer

und nach Hitzerekorden wie zuletzt

im Juni stehen Regionen wie die Lausitz

vor einem Problem: Wenn es

weiter so wenig regnet, könnten

Wasservorräte knapp werden. Für

Deutschland ist das völlig neu.

„Bisher war Wasserstress bei uns

kein relevantesThema“, sagt JörgRechenberg,

Wasserexperte beim Umweltbundesamt

(UBA). „Die auffallend

lang anhaltende Trockenheit im

Sommer 2018 macht aber nicht nur

Wissenschaftlern und Behörden,

sondernauch einer breiten Bevölkerung

bewusst: Wasserknappheit ist

ein Problem oder kann zumindest

eines werden.“ Verteilungsstreitigkeiten,

zum Beispiel zwischen Wasserversorgern

und Landwirtschaft,

sind absehbar.

Sparsam mit Wasser umgehen

Elbe und Oder führen schon vor Beginn

des Hochsommers so wenig

Wasser, dass Sandbänke und Felsen

freiliegen. In Magdeburg konnten

Anfang Juli keine Schiffe mehr festmachen,

in Dresden war Güterverkehr

auf dem Wasser nicht mehr

möglich. In der Lausitz fassen die

Speicher normalerweise 88 Millionen

Kubikmeter Wasserreserven.

Nunsind noch 58 Millionen drin.

In den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz,

Spree-Neiße, Cottbus,

Dahme-Spreewald und Elbe-Elster

darf zwischen 6Uhr und 21 Uhr aus

Flüssen und Seen kein Wasser mehr

Ein Stein mit der Aufschrift „Wenn du mich siehst, ist Klimakrise“. Er liegt im Niedrigwasser der Elbe.

gepumpt werden. Dasgelte auch für

den Barnim, sagte der Leiter der Abteilung

Wasser und Boden, Kurt Augustin,

am Montag.

Zwar sei die Trinkwasser-Versorgung

in Brandenburg weiterhin

nicht gefährdet. Allerdings rief das

Ministerium dazu auf, sparsamer

mit Wasser umzugehen. „Es muss in

einer solchen Situation gefragt werden,

ob es wirklich notwendig ist, einen

Golfplatz oder Sportplatz zu berieseln.“

Auch Privatleute sollten

prüfen, ob der Rasen gesprengt werden

und das Auto jede Woche gewaschen

werden müsse. Augustin

sprach von einer angespannten Situation,

die sich in den letzten Tagen

„Die auffallend lang

anhaltende Trockenheit

im Sommer 2018 macht auch einer

breiten Bevölkerung bewusst:

Wasserknappheit ist ein Problem

–oder kann zumindest

eines werden.“

Jörg Rechenberg,

Wasserexperte

beim Umweltbundesamt

DPA/KLAUS-DIETMAR GABBERT

verschärft habe.„In einigen Fließgewässern

befinden wir uns in einer

extremen Niedrigwasserphase.“

Von flächendeckendem Wasserstress

in Deutschland will das Umweltbundesamt

noch nicht sprechen.

DieBundesrepublik habe eine

Süßwasserressource von188 Milliarden

Kubikmetern, sagt Experte Rechenberg.

Damit sei sie, verglichen

mit Südeuropa, reich an Grund- und

Oberflächenwasser. Deutschland

entnehme diesem Vorrat bisher nur

rund 13 Prozent pro Jahr. Von

Knappheit wäre erst bei mehr als

20 Prozent Entnahme die Rede. Regional

kann das aber anders aussehen.

So machen sich die Wasserversorger

mancherorts Sorgen um

Trinkwasser-Reserven. Rasensprenger

verbrauchten bis zu 800 Liter

Wasser in der Stunde, sagt Karsten

Specht, Vizepräsident des Verbands

Kommunaler Unternehmen. Das ist

rund siebenmal so viel wie jeder

Bundesbürger proTag für sich selbst

aus dem Wasserhahn zapft.

Dasspanische Beispiel

Jörg Rechenberg denkt über Sparszenarien

nach. Duschen sei besser

als ein Vollbad. Die meisten Leute

hätten Spararmaturen, zum Beispiel

bei der Toilettenspülung. Viele Bundesbürger

gingen bereits sensibel

mit Wasser um. Doch etwa in Gärten

lasse sich noch Wasser sparen –

durch Gießzeiten am frühen Morgen

oder späten Abend zum Beispiel.

Dann verdunste nicht so viel.

Mit Trinkwasserknappheit rechnet

in Deutschland noch kaum jemand.

Doch bei langer Dürremüsste

die Landwirtschaft umdenken. „Die

Wiederaufbereitung von Brauchwasser

für die Landwirtschaft könnte zu

überlegen sein“, sagt UBA-Experte

Rechenberg. In Spanien, einem der

trockensten Länder Europas, arbeiten

mehr als 3000 Aufbereitungsanlagen,

die 2017 knapp ein Fünftel aller

Abwässer recycelten. Spanien hat zudem

mehr als 900 Meerwasserentsalzungsanlagen.

Oft reicht aber selbst

das nicht.

Regulieren lässt sich der Wasserverbrauch

auch über den Preis. In

Ostdeutschland zeigte sich nach

der Wende ein deutlicher Effekt. Zu

DDR-Zeiten kostete Wasser praktisch

nichts. Als Gebühren dafür

anfielen, sank der Verbrauch rapide.Bis

heute liegt er proKopf unter

dem Niveau von Westdeutschland.

(dpa)

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

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·

Berlin

Der Boss in Berlin:

Bruce Spingsteen bei einem Konzert

in der Berliner Waldbühne im Jahr 1993.

Die Welttournee dauerte damals

zwei Jahre, Springsteen spielte

mehr als 100 Konzerte.

IMAGO IMAGES

AmNachmittag des 9. Juli 1995 überrascht

der Berliner Radiosender

Fritz seine Zuhörer mit einer ungewöhnlichen

Nachricht. Bruce

Springsteen sei in der Stadt, und er werdeam

Abend ein kleines Live-Konzert geben. Mitten

in Berlin, im Café Eckstein an der Pappelallee

in Prenzlauer Berg.

Es ist ein warmer Sonntag, die Sonne

scheint.Viele Menschen sind in der Stadt unterwegs.

Die Nachricht aus dem Radio verbreitet

sich schnell. Und sotreffen sich am

frühen Abend Hunderte Menschen an dem

Café. Es werden immer mehr, bald ist der

Platz so voll, dass Zuschauer die Pappelallee

blockieren. Autos stoppen. Straßenbahnen

können nicht weiterfahren.

In Jeans und T-Shirt

Bruce Springsteen steht auf einer eigens für

ihn gebauten Bühne im Café, er trägt Jeans,

T-Shirt, spielt Gitarreund singt: „Everybody’s

got ahungryheart...“Die Menschen im Café

und auf der Straße singen laut mit, sie reißen

die Arme hoch und tanzen. Frauen haben

sich auf die Schultern ihrer Männer gesetzt,

damit sie den US-Rockstar besser sehen können.

Große Scheinwerfer erleuchten den

Platz vordem Café in der Dämmerung.

Mankann sich all diese Szenen im Musikvideo

„Hungry Heart“ auf Youtube ansehen.

Springsteen singt von Liebe und Sehnsucht,

Enttäuschung und Einsamkeit. Jeder hat ein

hungriges Herz,heißt es im Refrain.

Erst viele Jahre später wird Bruce Springsteen

in einer amerikanischen Talkshow erzählen,

dass er diesen Song eigentlich für die

Ramones geschrieben habe,doch die hätten

den Song abgelehnt. Für Springsteen erweist

sich das als ein Glücksfall. „Hungry Heart“

erscheint 1980 auf dem Album „The River“

und wird ein großer Hit. Die Single-Auskopplung

schafft es als erster von Springsteens

Songs in die Top10der Single-Charts

in den USA.

15 Jahre später soll es zu dem Song auch

ein Musikvideo geben, denn „HungryHeart“

wird auf einem neuen Album wiederveröffentlicht.

Und Bruce Springsteen wünscht

sich, dass diesesVideo in Berlin gedreht wird.

Hannes Rossacher bekommt den Auftrag,

das Video zu produzieren.

Derösterreichische Regisseur und Musikfilmproduzent

gehört daschon zu den weltweit

erfolgreichsten Künstlern seiner Branche.

Er produziert Fernsehsendungen für

das österreichische und deutsche Fernsehen

sowie etliche Videoclips für die erfolgreichsten

Musiker der Welt: Scorpions,Queen, The

Rolling Stones, David Bowie, Michael Jackson,

Whitney Houston und Frank Zappa. In

Deutschland dreht er Videos für Musiker wie

Marius Müller-Westernhagen, Peter Maffay,

HerbertGrönemeyer,Nina Hagen, DieToten

Hosen und Udo Lindenberg. Später kommen

Videos für Rammstein hinzu.

Hannes Rossacher hat ein sehr gutes Gedächtnis

und ein geordnetes Archiv im Haus.

Darin bewahrt eralle Skizzen, Fotos und Arbeitspapiere

seiner Videoproduktionen auf.

Und soerinnert sich der heute 66-Jährige

noch sehr gut an die Berliner Videoproduktion

mit Springsteen vor24Jahren. „InBerlin

herrschte damals eine unheimliche Aufbruchstimmung“,

sagt Rossauer.„Unddiese

Stimmung passte so wunderbar zum Song

,HungryHeart’.“

Hannes Rossauer ist ein freundlicher

Mann mit sanftem Lächeln. SeinWiener Dialekt

wirkt beruhigend. An einem Freitagnachmittag

Anfang Juni sitzt er im Backstage-Bereich

der Mercedes-Benz-Arena in

Friedrichshain. Am Abend spielt Udo Lindenberg

in der ausverkauften Halle vor

13 000 Fans.Rossacher ist der Regisseur dieses

gigantischen Rocktheaterspektakels. Die

große Bühne in der Halle ist schon komplett

aufgebaut, als nächstes folgt der Soundcheck

mit UdoLindenberg und dem Panikorchester.Solange

hat Rossacher Zeit zum Reden.

Er erinnertsich, wie er im Juli 1995 durch

die Stadt gefahren ist auf der Suche nach

den passenden Motiven für das Video. Berlin

ist voller Touristen, Christo hat das

Reichstagsgebäude verhüllt und in Ost-Berlin

verändert sich das Leben der Menschen

rasant.

Die einen leiden an den Folgen der

Wende, sind arbeitslos und enttäuscht, andere,

meist sind es junge Leute,erleben eine

ungewöhnliche Unbeschwertheit mit etlichen

Möglichkeiten. WerLust hat, eröffnet

eine Kneipe oder ein Café. Oder besetzt eine

Wohnung. Die ostdeutschen Behörden

kommen mit den westdeutschen Gesetzen

noch nicht so gut zurecht. Es ist die Zeit

künstlerischer Freiräume. Anarchie,

Techno, Love Parade. Nichts scheint verboten.

Undesgibt viel zu entdecken.

Und sospaziert Bruce Springsteen wie

ein Tourist durch die Stadt. Im Video sieht

man ihn an der East Side Gallery, er besucht

das Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger,

schlendert über den Hof. Dort steht ein

ausgeschlachteter Bus, Menschen sitzen

auf dem Dach des Wracks.Springsteen fährt

im Porsche Cabrio durch das Brandenburger

Tor, er spaziert über die Museumsinsel

und durch den Lustgarten in Mitte. Das Video

ist seine Liebeserklärung an diese Stadt

und Hannes Rossacher hat mit „HungryHeart“

ein Zeitdokument dieser Stadt geschaffen.

Mit Bruce Springsteen in der Hauptrolle,inden

Straßen vonOst-Berlin.

Hannes Rossacher kennt den Ostteil der

Stadt seit seiner Kindheit. Er lebt in einem

Internat in Österreich, ein befreundeter

Mitschüler kommt aus West-Berlin. Rossacher

besucht ihn manchmal, dann fahren

die beiden Freunde nach Ost-Berlin. Rossacher

ist 14 Jahre alt. Er wird diese Besuche

nicht vergessen. Und sie helfen ihm bei der

Motivsuche.

Im Video soll es auch Live-Bilder eines

Konzerts mit Bruce Springsteen geben. Ros-

Stadt der

hungrigen

Herzen

Am 9. Juli 1995 gibt US-Rockstar Bruce Springsteen

ein Überraschungskonzert in einem Café in Prenzlauer Berg.

Die Bilder dieses Auftritts gehören zum Video„Hungry Heart“.

Es ist eine Liebeserklärung an das Berlin

der Neunziger Jahre und ein bleibendes Erlebnis

für die beteiligten Künstler

VonStefan Strauß

„Ich hatte noch

nie zuvor so

ein Gefühl gehabt,

an die Hand

genommen und

in kürzester Zeit

ins gelobte Land

geführt zu

werden.“

„Dieser Abend

im Café Eckstein

ist mir nachhaltig im

Gedächtnis

geblieben.

Das Konzert war

überwältigend,

die Atmosphäre

völlig entspannt.“

VOLKMAR OTTO

Bertram Engel, Schlagzeuger, u.a.

bei Peter Maffay und Udo Lindenberg

VOLKMAR OTTO

Pascal Kravetz, Keyboarder, u.a.

bei Peter Maffay und Udo Lindenberg


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 15 *

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·

Berlin

Ein Foto zur Erinnerung:

Hannes Rossacher (rechts)

und sein Kollege Rudi Dolezal

(links) mit Bruce Springsteen

auf der Museumsinsel.

ROSSACHER

sacher sucht nach einem geeigneten Ort, er

vermutet ihn in Prenzlauer Berg und entdeckt

im Vorbeifahren das Café Eckstein:

ein unsanierter Altbau an einer Straßenecke,

ein Platz ist davor. Das Café hat große

Fenster, sie lassen sich komplett öffnen.

„Ein guter Ort für den Dreh“, sagt Rossacher.

Doch der Wirt vom Eckstein will von

Springsteen erstmals nichts wissen. Er hat

sein Café gerade erst renoviert. Alles ist neu.

Einst wurden dort Butter und Kolonialwarenverkauft,

in der DDR lagerte Kleidung in

den Räumen. Nun ist der Dielenboden geschliffen,

die Wände frisch gestrichen. Den

Tresen haben die Inhaberaus dem Material

eines abgerissenen Hauses gebaut, die Regale

der Barstammen aus großen Industriefenstern.

Nurdie eigens angefertigten Lampen

über dem Tresen funktionieren noch

nicht. Wenn sich Springsteens Techniker

darum kümmern würden, könnten sie das

Lokal als Drehort nutzen, schlägt der Wirt

vor. DasDrehteam sagt zu.

Für zwei Tage mietet die Crew das Lokal,

sie bauen ein Podest über die Treppenstufen

links vomTresen. DaswirdSpringsteens

Bühne. Die Lampen leuchten nun in warmen

Licht, man sieht das im Video.Sie hängen

heute noch im Café.

Hannes Rossacher sagt, Bruce Springsteen

hätten die Dreharbeiten zum Video

„wahnsinnig gut gefallen. Er war sehr begeistert,

er kannte Ost-Berlin ja schon.“

160 000 verkaufte Karten

Ein großer Hit: „HungryHeart“

erschien 1980 und schaffteesin

die Top10der Single-Charts in

den USA.

SONY

Wieder muss Bertram Engel laut lachen

und er wiederholt, weil es für ihn heute immer

noch unfassbar klingt: „Springsteen

fragt mich, was wir spielen wollen! Das war

so unglaublich!“

Das Konzert imCafé Eckstein soll nämlich

nicht nur aus Halbplayback-Aufnahmen

für das Musikvideo „Hungry Heart“ bestehen,

Springsteen will seinen Fans auch musikalisch

etwas Besonderes bieten: ein kleines

Live-Konzert. Deswegen hat er sich die Profi-

Musiker ausgesucht. Neben BAP-Sänger

Wolfgang Niedecken und Schlagzeuger Hartmut

Engel sind der Bassist KenTaylor dabei

und der Pianist Pascal Kravetz, der im Panikorchester

von Udo Lindenberg Keyboard

spielt. Pascal Kravetz hat schon als Kind mit

Udo Lindenberg auf der Bühne gestanden.

Als Zehnjähriger sang er mit Lindenbergden

Antikriegssong „Wozusind Kriege da?“

Für den Auftritt mit Bruce Springsteen

unterbricht Pascal Kravetz im Juli 1995 sogar

seinen Urlaub in Südfrankreich. Er mag

eigentlich keineVideodrehs,sagt er,aber für

einen Auftritt mit Bruce Springsteen gilt

diese Ablehnung natürlich nicht. „Dieser

Abend im Café Eckstein ist mir nachhaltig

im Gedächtnis geblieben“, sagt der 49-Jährige

heute. „Das Konzert war überwältigend,

die Atmosphärevöllig entspannt.“

Am späten Nachmittag besprichtSpringsteen

im Café Eckstein mit den Musikern

das Programm für den Abend. Sie wählen

bekannte Rocksongs aus,Lieder der Rolling

Stones, von Bob Dylan und John Lee Hooker:Jumpin’

Jack Flash schreiben sie auf die

Setliste, ebenso Highway 61 und Knockin’

on Heavens Door. Diese Songs können die

Musiker sofort spielen.

ZumProbender Songs treffen sie sich im

Wohnwagenvon Bruce Springsteen, der neben

dem Café Eckstein parkt. Die Musiker

bringen ihre Gitarren mit, Schlagzeuger

Bertram Engel dreht einen Mülleimer um,

setzt sich darauf und trommelt den Rhythbereitet.

Ich wusste gar nicht, was Springsteen

spielen wird.“ Bertram Engel lacht

ganz laut, als er das erzählt. Denn heute, 24

Jahrespäter,ist diese Storysehramüsant.

Der Schlagzeuger ist heute 61, er hat sich

zu Hannes Rossacher an den schmalen Holztisch

im Catering der Mercedes-Benz Arena

gesetzt. Bertram Engel gehört zum Panikorchester

von Udo Lindenberg. Doch jetzt will

er weitererzählen vom Konzert mit Springsteen.

„Ich habe ihm schüchtern Guten Tag

gesagt“, erzählt er. „Und dann fragt mich

Springsteen, was wir am Abend zusammen

aufder Bühne spielen wollen.“

1981 reist Springsteen zum ersten Malindie

DDR, später bezeichnet er diesen Besuch als

„sehr bedrückend“. Sieben Jahr später folgt

dort sein erstes Konzert. Am 19. Juli 1988

singt Springsteen vorhunderttausenden Zuschauernauf

der Radrennbahn Weißensee.

Es ist das größte Konzert inder DDR-Geschichte,

organisiert von der FDJ. Für sie ist

Springsteen ein Sänger aus der Arbeiterschicht,

ein Kämpfer fürdie Armenund Entrechteten.

160 000 Konzertkarten verkauft

die Jugendorganisation. Fans aus dem ganzenLand

fahren nach Berlin-Weißensee.Alle

stürmen auf die Rennbahn. 250 000 Zuschauer

sollen es an diesem Abend sein,

manche schätzen die Zahl der Besucher sogar

auf 500 000 Fans. „Born in the U.S.A.“

singt Spingsteen. Undruftauf Deutschindie

Menge: „Es ist schön, in Ost-Berlin zu sein.“

Später interpretiert die Cottbusser Band

Sandow dieses Konzert mit den ironischen

Zeilen: „Wir können bis an unsere Grenzen

geh’n, hast du schon mal drüber hinweg geseh’n?

Ich habe 160 000 Menschen geseh'n,

die sangen so schön, die sangen so schön:

Born in the G.D.R....“

Springsteen spielt seit 1972 mit der E

Street Band, er ist ihr Sänger. Doch für den

Videodreh von„HungryHeart“ in Berlin sollen

ihn Musiker aus Deutschland begleiten.

Hannes Rossacher und Wolfgang Niedecken

kümmern sich darum. Den Sänger der Kölner

Gruppe BAP hat Springsteen kurz zuvor

kennengelernt. Niedecken hat ihn für eine

ARD-Dokumentation in den USA interviewt.

Rossacher und Niedecken stellen die

Band für das Video zusammen. Laut Vertrag

gehe es darum, Bruce Springsteen im Halbplayback

zu begleiten. Das heißt, die Musik

kommt vom Band, eingespielt von Springsteens

Originalband. Für das Video wird nur

Springsteens Gesang aus dem Café Eckstein

hinzugefügt. DieMusiker auf der Bühne dort

müssen also nur so tun, als ob sie spielen. Ein

Traumjob,und dann noch mit dem Boss.

So denkt auch Bertram Engel, als ihn ein

Taxi am Nachmittag des 9. Juli 1995 vomLuxushotel

Vier Jahreszeiten im Grunewald abholt.

Dort wohnen Bruce Springsteen, seine

etwa 30 Crewmitglieder und die Musiker

während des Videodrehs in Berlin.

BertramEngel ist damals 38 Jahrealt und

einer der bekanntesten Schlagzeuger des

Landes. Erspielt in den Bands von Udo Lindenbergund

PeterMaffay.Bertram Engel ist

ein großer Fan von Bruce Springsteen. Und

an diesem Sonntag im Juli 1995 wird erihm

zum ersten Mal begegnen. Er freut sich darauf.

Doch dann hörterimRadio desTaxis die

Nachricht auf radio Fritz, dass Bruce Springsteen

an diesem Abend ein Spontankonzert

in Prenzlauer Berg geben wird. „Von einem

Liveauftritt habe ich gar nichts gewusst“,

sagt er.„Ichwar darauf überhaupt nicht vormusmit.

Für ihn wirddieser Abendzum unvergesslichen

Erlebnis, erschwärmt noch

heute davon. „Ich hatte nie zuvor so ein Gefühl,

an die Hand genommen und in kürzester

Zeit ins gelobte Land geführt zuwerden“,sagter.

„Das warwirklich Wahnsinn.“

Das Café Eckstein heißt heute Café Butter.

Werdas Video gesehen hat, erkennt die

Innenausstattung wieder. Doch für Fremde

gibt es nirgendwo einen Hinweis, dass

Bruce Springsteen dort gespielt hat. Keine

Fotos, keine Zeitungsartikel. Überhaupt

keine Werbung für irgendwas.Dezentes Design

ohne Markenkunde.

Inhaber Axel Janisch sagt, er wolle keinen

Wallfahrtsort aus seinem Lokal machen.

„Die Fans von Springsteen wissen

doch, dass er hier einmal gespielt hat. Und

das reicht dann auch.“ Der frühere Besitzer

vom Café Eckstein hat ihm von dem Videodreh

mit Springsteen erzählt. Begeistert

klang er nicht.

Manchmal sitzt Niedecken im Café

Auch Axel Janisch ist kein Springsteen-Fan.

Er sagt, der amerikanische Rockmusiker

habe ihn in den Neunzigern überhaupt

nicht interessiert. Da war erMitte 20. „Die

Älteren verbinden mehr mit Springsteen“,

sagt er. Axel Janisch war Punk und Punks in

Ost-Berlin hören Bands aus der Subkultur,

die nennen sich Die anderen Bands. Sandow

gehört dazu und Axel Janisch kann die

Textzeilen aus „Born in the G.D.R.“ zum

Springsteen Konzert in Weißensee sofort

auswendig zitieren.

Manchmal besucht Wolfgang Niedecken

das Café Butter. Ab und zu fragen einige

Gäste,wie es damals war,als Springsteen im

Juli 1995 im Café Eckstein gesungen hat.

VomSpringsteen-Konzertkann Axel Janisch

nicht viel erzählen, aber von der Zeit. „Es

herrschte Aufbruchstimmung“, sagt er. „Es

war eine Zeit des Ausprobierens und der

Freiheit.“

„In Ost-Berlin

herrschte damals

eine unheimliche

Aufbruchstimmung.

Und diese Stimmung

passte so

wunderbar zum

Song ,Hungry

Heart’.“

„Das Café soll

kein Wallfahrtsort

werden. Die Fans

von Bruce Springsteen

wissen,

dass er hier einmal

gespielt hat.

Und das reicht

dann auch.“

VOLKMAR OTTO

Hannes Rossacher, Regisseur

des Videos „Hungry Heart“

THOMAS UHLEMANN

Axel Janisch, Inhaber vom Café Butter,

das früher Café Eckstein hieß


16 Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

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Wissenschaft

Bäume

könnten das

Klima retten

Milliarden Hektar Land

müssten bepflanzt werden

Der Klimawandel kann einer Studie

zufolge durch nichts so effektiv

bekämpft werden wie durch Aufforstung.

Die Erde könne ein Drittel

mehr Wälder vertragen, ohne dass

Städte oder Agrarflächen beeinträchtigt

würden, schreiben Forscher der

Eidgenössischen Technischen Hochschule

(ETH) Zürich im Fachmagazin

Science. Die Forscher zeigen auf, wo

auf der Welt neue Bäume wachsen

könnten.

Laut Weltklimarat (IPCC) müssten

für eine Begrenzung der Erderwärmung

auf 1,5 Grad nicht nur die klimaschädlichen

Treibhausgas-Emissionen

begrenzt, sondern auch bis

zum Jahr 2050 rund eine Milliarde

Hektar Land aufgeforstet werden.

„Das ist zweifellos erreichbar“, heißt

es in der Studie.

DieErdeist nach Angaben der Forscher

derzeit von 5,5 Milliarden

Hektar Wald bedeckt. Die Forscher

halten es für möglich, eine Fläche von

zusätzlich 1,7 bis 1,8 Milliarden

Hektar aufzuforsten. Städte und landwirtschaftliche

Flächen haben sie bei

ihrer Berechnung bewusst ausgespart.

Es gehe vor allem um ehemals

intakte, aber heute zerstörte Ökosysteme,

schreiben sie. Besonders viele

Flächen für eine Aufforstung habe

Russland, mit Abstand gefolgt von

den USA, Kanada, Australien, Brasilien

und China.

Stopp der Entwaldung

Dieneuen Wälder könnten 205 Milliarden

Tonnen Kohlenstoff speichern,

wenn sie herangewachsen sind. Das

sind etwa zwei Drittel der 300 Milliarden

Tonnen Kohlenstoff, die seit der

industriellen Revolution durch den

Menschen in die Atmosphäregelangten.

„Wir müssten aber schnell handeln,

denn es wird Jahrzehnte dauern,

bis die Wälder reifen und ihr Potenzial

als natürliche CO 2 -Speicher

ausschöpfen“, sagt Studienleiter Tom

Crowther.

Viele Wissenschaftler gingen in ihren

Berechnungen davon aus, dass

die Baumbedeckung durch den Klimawandel

steige, heißt es in der Studie.

Das stimme zwar für die nördlichenWälder,etwa

in Sibirien. DieBerechnungen

seien aber falsch, denn

die Baumdichte liege dort durchschnittlich

nur bei 30 bis 40 Prozent.

Gleichzeitig gingen tropische Wälder

mit einer Baumdichte von 90 bis

100 Prozent verloren.

„Die Studie setzt neue methodische

Standards,weil sie das Potenzial

der Aufforstung mit hoher räumlicher

Auflösung und mit Hilfe von Methoden

der künstlichen Intelligenz berechnet“,

sagt Felix Creutzig vom

Mercator Research Institute on Global

Commons and Climate Change

(MCC) in Berlin. „Gleichzeitig ist es

aber noch wichtiger,dass erst einmal

die Entwaldung gestoppt wird, speziell

in Brasilien und Indonesien.“

Grundsätzlich betont der Forscher:„DieAufforstung

kann trotz allen

Potenzials nur eine von vielen

Maßnahmen für den Klimaschutz

sein. Eine rasche Abkehr vomfossilen

Wirtschaftsmodell ist notwendig und

kann mit Hilfe eines sektorübergreifenden

CO 2 -Preises am besten erreicht

werden.“ (dpa)

Tropische Wälder haben eine besonders

große Baumdichte. DPA/RALF HIRSCHBERGER

Mit dem Urknall vor etwa13,8 Milliarden Jahren wurde unser Universum geboren. So beschreibt es jedenfalls das kosmologische Standardmodell.

VonMichael Odenwald

Dass sich das Universum

ausdehnt, wissen die Forscher,

seit der US-Astronom

Edwin Hubble 1929

die sogenannte Nebelflucht entdeckte.

Er hatte herausgefunden,

dass sich die Galaxien fast ausnahmslos

von unserer Milchstraße entfernen

–und zwar umso schneller, je

weiter sie weg sind. Genau genommen

erweitert sich der Raum und

trägt dabei die Sterneninseln davon.

Das gleicht dem Teig eines Kuchens:

Wenn dieser im Ofen aufgeht, bewegen

sich eingestreute Rosinen darin

voneinander weg.

Offenbar dehnt sich das All aber

mit zwei Geschwindigkeiten aus: In

der Frühzeit, kurznach dem Urknall,

der vor 13,8 Milliarden Jahren stattfand,

verlief die Expansion deutlich

langsamer als heute. Das ergab sich

aus Messdaten der Raumsonde

„Planck“ der europäischen Raumfahrtagentur

Esa sowie des Hubble-

Weltraumteleskops. Was den Unterschied

verursacht, ist den Forschern

jedoch ein Rätsel. Mitherkömmlicher

Physik lässt sich das nicht erklären.

Grundlage für die Berechnung ist

die sogenannte Hubble-Konstante.

Sie gibt an, mit welchem Tempo das

All auseinanderfliegt. Gemessen wird

sie in Kilometern pro Sekunde und

Megaparsec.Ein Megaparsec umfasst

3,26 Millionen Lichtjahre. Mit jedem

Megaparsec Abstand von der Milchstraße

nimmt die Fluchtgeschwindigkeit

ferner Galaxien also um den ermitteltenWert

zu.

Etwa 74 Kilometer proSekunde

Hubble selbst hatte errechnet, dass

sich eine Galaxie, die 3,26 Millionen

Lichtjahre von uns entfernt ist, in jeder

Sekunde um 500 Kilometer von

uns entfernt. Eine 6,52 Millionen

Lichtjahre entfernte Galaxie dagegen

ist doppelt so schnell. DerWerterwies

sich aber als über siebenmal zu hoch.

Nach dem Start des Hubble-Weltraumteleskops

1990 konnten die Kosmologen

den Fehler auf zehn Prozent

eingrenzen.

Der nächste Schritt erfolgte 2016.

Eine Forschergruppe um den Nobelpreisträger

Adam Riess vonder Johns

Hopkins University in Baltimore,

USA, hatte die Entfernungen zu einzelnen

Sternen gemessen, die sich in

19 Galaxien befinden. Dabei handelte

es sich um veränderliche Sterne –sogenannte

Cepheiden – und Sterne,

die in einer bestimmten Art von Supernova-Explosion

verglühen. Ihre

Das Weltall fliegt auseinander

Und das geht immer schneller.Eine mysteriöse Energie treibt den Prozess voran

Milchstraße: Unsere kosmische

Heimat –das, was wir

nachts als Sternenhimmel sehen

–ist nur einevon wahrscheinlich

Billionen Galaxien

im Universum. Die Milchstraße

besitzt einen Durchmesser von

etwa 100 000 Lichtjahren.

Würfelförmiger Ausschnitt des Universums

absolute Helligkeit ist nahezu konstant,

deshalb gelten sie in der Astronomie

als „Standard-Kerzen“. Durch

Messungen lässt sich ermitteln, wie

schnell sie sich entfernen. Aus den

Daten errechneten Riess und seine

Kollegen 73,02 Kilometer pro Sekunde

und Megaparsec als neuen

Wert für die Hubble-Konstante. Also

nicht 500 Kilometer, wie Hubble berechnet

hatte.

Aber die Forscher um Riess hatten

ein Problem: Ihr Wert wich um fünf

bis neun Prozent vonDaten aus dem

frühen Universum ab. Diese stammen

von der Sonde „Planck“ der europäischen

Raumfahrtagentur Esa.

Sie maß die kosmische Hintergrundstrahlung,

die etwa 380 000 Jahre

nach dem Urknall freigesetzt wurde.

Daraus ergab sich ein Wert von 67,4

Kilometern pro Sekunde und Megaparsec.Die

Diskrepanz lässt nur eine

Schlussfolgerung zu: Im Lauf der Äonen

nahm die Expansionsrate zu, so

dass sich das All heute schneller ausdehnt

als in seiner Urzeit.

Jüngst legte Riess eine weitereStudie

vor, die das Rätsel noch vertiefte.

Mit dem Hubble-Weltraumteleskop

hatte er 70 pulsierende Cepheiden in

EIN GIGANTISCHES NETZWERK

Universum. Die Größe des

gesamten Universums, aus

dem Astronomen Daten erheben,

wird auf einen Durchmesser

vonetwa 90 Milliarden

Lichtjahren geschätzt.

Und es dehnt sich ständig

weiter aus.

Struktur. Die Galaxienhaufen

sind einer Theorie zufolgein

einer netzartigen Strukturangeordnet,verbunden

durch

Gasfilamente.Die Kantenlängedes

würfelförmigen

Ausschnitts unten beträgt 1,5

Milliarden Lichtjahre.

NASA/ESA/E. HALLMAN/UNIVERSITY OF COLORADO/ BOULDER

der Großen MagellanschenWolke beobachtet.

Diese Zwerggalaxie begleitet

die Milchstraße in 162 000 Lichtjahren

Abstand. Der daraus abgeleitete

Wert für die Hubble-Konstante

von 74,03 Kilometern pro Sekunde

und Megaparsec bestätigte das frühere

Ergebnis, mit noch größerer

Messgenauigkeit. DieHoffnung vieler

Astronomen, die Abweichung in den

Messungen könne auf Instrumentenfehlern

oder fehlerhaften Methoden

beruhen, war damit zerstoben. „Der

Unterschied zwischen dem jungen

und dem heutigen Universum

könnte die aufregendste Entwicklung

in der Kosmologie seit Jahrzehnten

sein“, sagt Studienleiter Riess. „Die

Diskrepanz ist gewachsen und lässt

sich jetzt nicht mehr als Zufall abtun.“

Eine Vermutung über die Ursache

der Differenz hegen die Forscher

schon länger: Die mysteriöse Dunkle

Energie könnte das Universum beschleunigt

auseinandertreiben. Tatsächlich

bestehen gerade 4,9 Prozent

der Massen im Universum aus sichtbarer

Materie –also aus Sternen, Galaxien

sowie kosmischem Gas und

Staub –und 26,8 Prozent aus Dunkler

Materie. Der weitaus größte Teil,

nämlich 68,3 Prozent, entfällt jedoch

auf die Dunkle Energie.

DasWesen dieser Energieform ist

nach wie vor unklar. Eskönnte sich

um jene Kraft handeln, die AlbertEinstein

unter der Bezeichnung„Kosmologische

Konstante“ in seine Allgemeine

Relativitätstheorie einfügte

und die wie eine Art Antigravitation

wirkt. Sieist aber unveränderlich und

würde eine gleichmäßige Ausdehnung

des Raums bewirken. Deshalb

steht ein anderes Modell im Vordergrund,

bei dem sich die Stärke der

Dunklen Kraft im Lauf der Äonen ändert.

Dafür sprechen frühere Analysen,

die ergaben, dass die kosmische

Expansion seit etwa fünf Milliarden

Jahren an Tempo gewinnt.

Entwicklung in drei Akten

GETTY

Ende 2018 entwarfen US-Astrophysiker

eine weitereVariante dieser Theorie.

Sie beschreibt die Entwicklung

des Universums in drei Akten. Demnach

gab es eine erste Episode mit

Dunkler Energie kurz nach dem Urknall,

die das Universum schnell expandieren

ließ. Dann folgte eine Abbremsung,

weil sich die Dunkle Energie

abschwächte.Die dritte Phase begann

vor knapp neun Milliarden

Jahren mit einer erneut beschleunigten

Ausdehnung. Die Existenz der

„frühen Dunklen Energie“, glaubt

Riess, könne die Diskrepanz zwischen

den beiden Werten der

Hubble-Konstante bewirken. Er zieht

aber auch noch weit exotischere Erklärungen

in Betracht. So könnte ein

neues subatomares Teilchen, das sich

mit annähernd Lichtgeschwindigkeit

bewegt, den Raum beschleunigt auseinandertreiben.

Es wäre der Dunklen

Materie zuzurechnen. Diese unsichtbareFormvon

Materie,die nicht

aus Protonen, Neutronen und Elektronen

besteht, interagiert womöglich

stärker mit normaler Materie als

bislang vermutet.

Eine Alternative wäre die „Dunkle

Strahlung“. Sie soll aus „Dunklen

Lichtteilchen (Photonen)“ bestehen,

deren Existenz sich aus einigen Theorien

ergibt. Möglicherweise hat sie die

Energiebalance im frühen Universum

gestört. Diese Partikel könnten

einem ganzen verborgenen Bereich

der Materie angehören, der aus vielen

Teilchen besteht. „Unsere überraschende

Entdeckung könnte der

Schlüssel zu diesen mysteriösesten

Komponenten des Universums sein,

die 95 Prozent vonallem ausmachen

und kein Licht aussenden“, konstatiert

Riess. Die Suche nach der Ursache

geht weiter.

Tötung nach

33 000 Jahren

aufgeklärt

Schädel eines Mannes aus

der Steinzeit analysiert

Rund 33 000 Jahre nach dem Tod

eines Mannes haben Forscher

nachgewiesen, dass er wohl Opfer eines

Mordes oder Totschlags wurde.

Dashaben Wissenschaftler um Katerina

Harvati von der Universität Tübingen

anhand eines Schädels aus

dem Jungpaläolithikum herausgefunden.

Die Analysen ergaben, dass

der Mann wahrscheinlich zwei

Hiebe abbekam –womöglich voneinem

Linkshänder, wie das Team im

Fachjournal Plos Oneberichtet.

Der versteinerte Schädel des erwachsenen

Mannes war 1941 bei

Bergbau-Arbeiten in der Höhle Pestera

Cioclovina im südlichen Transsilvanien

in Rumänien entdeckt

worden, zusammen mit Steinwerkzeugen

und Höhlenbär-Fossilien.

Der Schädel weist zwei Brüche auf,

die die Forscher nun unter anderem

im Computertomographen untersuchten.

Außerdem testeten sie an

künstlichen, kugelförmigen Knochenschalen

unterschiedliche Szenarien,

etwa einen Sturzoder herabfallende

Steine,wie die Paläoanthropologin

Harvati mitteilte.

Die Forscher schlossen aus ihren

Analysen, dass die Frakturen nicht

von einem Unfall stammen, sondern

dem Opfer wahrscheinlich von einem

Mitmenschen zugefügt wurden.

Demnach stand derTäter seinem Opfer

wohl gegenüber und versetzte ihm

zwei aufeinanderfolgende Hiebe mit

einem Knüppel oder anderen schlägerförmigen

Gegenstand. Möglicherweise

war er Linkshänder.

Ob es diese beiden Schläge waren,

die den Toddes Mannes zur Folge

hatten, ist den Wissenschaftlern zufolge

nicht sicher zu klären, weil nur

der Schädel gefunden wurde. Damit

sind anderemögliche tödlicheVerletzungen

am Körper nicht nachzuvollziehen.

Verheilt seien die Brüche jedenfalls

nicht –der Mann starb also

nach der Attacke. (dpa)

Transplantation

von Nerven gegen

Lähmung

Ärzte haben Muskeln

wieder Impulse gegeben

Chirurgen haben mehreren querschnittgelähmten

Patienten

durch Nerventransplantationen

wieder zu Arm- und Handbewegungen

verholfen. Sie verwendeten dabei

noch funktionsfähige Nerven,

um gelähmte Muskeln beweglich zu

machen. Die Patienten lernten mit

einer intensiven Physiotherapie im

Zeitraum von zwei Jahren, wieder

selbstständig einige alltägliche Tätigkeiten

zu verrichten, etwa essen

und trinken, Zähne putzen, schreiben,

den Computer benutzen oder

einen Rollstuhl antreiben. Das berichtet

das Team um Natasha vanZyl

von der Organisation Austin Health

in Melbourne im Fachjournal The

Lancet.

Die 13 Patienten mit einem

Durchschnittsalter von 27 Jahren

waren nach einer Halswirbelverletzung

an allen vier Gliedmaßen gelähmt.

Der Fachbegriff dafür lautet

Tetraplegie.„Für Menschen mit Tetraplegie

ist die Verbesserung der

Handfunktion das wichtigste Einzelziel“,

sagte Natasha van Zyl. Voraussetzung

für die Behandlung war,

dass das Rückenmark nicht oberhalb

des sechsten Halswirbels verletzt

war.Dies ermöglichte den Chirurgen,

noch funktionsfähige Nervenstränge

von oberhalb des sechsten

Halswirbels so umzuleiten, dass

sie den gelähmten Armmuskeln wieder

Impulse gaben. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 17 *

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Sport

Ein

neuer

Fußabdruck

Julian Nagelsmann beginnt

mit der Arbeit in Leipzig

VonUllrich Kroemer,Leipzig

Zupackend ist Julian Nagelsmann,

und Details sind ihm wichtig.

Das eint ihn mit seinem Vorgänger

Ralf Rangnick. Als Stürmer Timo

Werner beim Auftakttraining vonRB

Leipzig unter dem neuen Chefcoach

eine Eckfahnen-Stange zertrat, eilte

der 31-Jährige vor etwa 600 Kiebitzeneilig

herbei, um eine neue in den

Rasen zu stecken. Sonst hielt sich der

neue Übungsleiter zum Auftakt eher

dezent im Hintergrund.

Kurz zuvor waren Nagelsmann

und der neue RB-Sportdirektor Markus

Krösche am Cottaweg vorgestellt

worden. Klubboss Oliver Mintzlaff

rief gar „eine neue Zeitrechnung“

aus. Doch so viel Neues ist von Nagelsmann

und vor allem Krösche

nicht zu erwarten. Zentrale Aussage

war vielmehr: Das Erbe Ralf Rangnicks,

der als Red-Bull-Fußball-Supervisor

künftig nur noch berät, wird

nicht angetastet. „Die RB-DNA wird

die Basis sein. Wenn eine Mannschaft

erfolgreich ist, musst du nicht

viel verändern“, sagte Nagelsmann.

Nur Nuancen wie die Variabilität bei

eigenem Ballbesitz wolle er modifizieren.

Nagelsmann erinnerte an die großen

Fußstapfen, die Rangnick hinterlassen

habe,sagte aber auch: „Ich

liebe es,meinen Fußabdruck zu hinterlassen.

RB ist ein sehr junger Klub,

man kann mitgestalten und wirdgehört.“

Gemessen daran, wie forsch,

selbstbewusst und flapsig der gebürtige

Bayer auftreten kann, war sein

Auftritt brav. Statt forschen Ansagen

verpackte Nagelsmann seine Ziele in

Aussagen wie, dass er in seiner vierjährigen

Amtszeit „auch mal etwas

Metallenes“ holen wolle.

Julian Nagelsmann packt an, wenn eine

neue Eckfahnenstange her muss. DPA/WOITAS

Nebenmann Krösche blieb komplett

blass.Dem neuen Sportdirektor

steckte wohl noch der Rummel um

die geplatzte Kooperation mit seinem

vorherigen Klub SC Paderborn

in den Knochen. Antworten auf die

großen Fragen, etwa wie Krösche die

Transferpolitik prägen will und welche

Visionen er hat, gab er ebenso

wenig wie auf konkrete Nachfragen

wie nach Werners Zukunft.

Bis zum Auftakt bei Union bleiben

der neuen sportlichen Führung

sechs Wochen Zeit, um das Team zu

verstärken und auf die Saison vorzubereiten.

Die Brisanz des ersten

Spiels war auch gleich Thema in

Leipzig. Mit Seitenhieb auf die Aussagen

von Union-Manager Oliver

Ruhnert, dass er sich Leipzig nicht

zum Auftakt des Bundesligaabenteuers

gewünscht hatte,sagte Mintzlaff:

„Dasind alle Vereinsverantwortlichen

gefragt, dass man verantwortungsvoll

mit den Themen umgeht.

Das tun wir.“ Per sefreue sich der

RB-Lenker, dass Union nun in der

Bundesliga spiele.„Es ist gut für den

Osten.Wirsehen uns als einVorreiter

in der Bundesliga, jetzt ist noch ein

Klub dazugekommen.“ Für Nagelsmann

hat die Partie auch eine persönliche

Note, weil er auf ein „paar

Ex-Spieler“ treffe wie Grischa Prömel,

„die bei mir in der Jugend gespielt

haben und es jetzt auch in die

Erste Bundesliga geschafft haben.“

Der Mann fürs Grobe

Tony Martin überzeugt bei der Tour de France bislang als Edelhelfer und Zeitfahrspezialist

VonStephan Klemm, Èpernay

An seinem Status und auch

an seinem Spitznamen hat

sich im Laufe der Jahre

nicht viel verändert, erzählt

Tony Martin. Auch nach seinem

Wechsel zur niederländischen

Mannschaft Jumbo-Visma zu Beginn

der Saison werdeerimFeld der

Fahrer weiterhin unter seinem Markennamen

„Panzerwagen“ geführt,

wobei es ja auch an ihm selbst und

seinen Vorstellungen auf dem Rennradliegt,

dass sich an dieser martialischen

Namensgebung vorläufig

nichts ändern wird. Schließlich

drückt sie im Kreis des Pelotons vor

allem Anerkennung aus für das, was

Martin zu leisten imstande ist. Bei

der 106. Tour de France hat er das am

Sonntag beim Teamzeitfahren und

auch am Montag während der dritten

Etappe noch einmal eindrucksvoll

unter Beweis gestellt.

Entscheidender Rhythmus

Der gebürtige Cottbuser Martin, 34

Jahre alt, war am Sonntag die Lokomotive

seines Teams im Kampf gegen

die Uhr, an ihm hat es sich orientiert,

seine Kraft und sein Rhythmus

haben alle mitgezogen, vor allem

Mike Teunissen, den Niederländer

im Gelben Trikot. Am Ende war keine

Mannschaft schneller. Für Jumbo-

Visma war es der zweite Sieg am

zweiten Tour-Tag, nachdem Teunissen

den Auftakt-Sprint am Sonnabend,

ebenfalls in Brüssel, gewonnen

hatte.AmMontag war es wieder

Martin, der bei der schweren Etappe

durch die Départements Nord und

Ardennes das Peloton anführte –und

zwar zunächst 90 von 215 welligen

Kilometern am Stück. Nach einer

kurzen Ruhephase war Martin bald

wieder sehr lange ganz vorne zusehen,

ehe er im Finale abreißen lassen

musste. Das Ziel in Épernay erreichte

er fast eine Viertelstunde

nach dem französischen Tagessieger

Julian Alaphilippe, der mit seinem

beherzten Ausreißversuch erfolgreich

war.Eslag gewiss nicht an Tony

Martin, dass Teunissen sein Gelbes

Trikot dann auch an Alaphilippe weiterreichen

musste, sehr zur Freude

der französischen Fans. Das Terrain

war schlicht zu schwer für den Niederländer.

Martin wiederum spürt die Verantwortung,

die er als wichtigster

Tony Martin führte sein Team zum Sieg beim Mannschaftszeitfahren.

DPA/WOITAS

Große Ambitionen, kleiner Kader

Helfer seiner niederländischen Formation

besitzt, die so erfrischend

den Tourstart belebte: „Ich bin der

Mann fürs Grobe. Ich versuche, die

Säule der Mannschaft zu sein“, sagt

er stolz. Kein Problem sei es für ihn,

in diesem Jahr für die anderen zu

fahren und sich selbst zurückzunehmen.

„Mir macht es auch Spaß, mich

für das Team aufzuopfern.“ Seine

Kollegen schätzen besonders die Anwesenheit

von Martin, seine Dienstleistungen

und Expertise: „Ich

glaube, ich kann sagen, dass die

Mannschaft sich wohler fühlt, wenn

ich dabei bin. Auf mich war immer

Verlass.“

Das ist kein verwegenes oder

übertriebenes Eigenlob, sondern

schlichtweg die Erkenntnis der Zusammenarbeit.

Martin ist viermaliger

Weltmeister im Einzelzeitfahren

–das ist Rekord; er hat bereits fünf

Tour-Etappen gewonnen, drei im

Kampf gegen die Uhr, zwei als Solist.

2015 trug er zudem an drei Tagen das

Gelbe Trikot –aber stets war er eben

vor allem als Helfer angestellt. Am

Sonntag nun feierte er seinen ersten

Team-Erfolg bei der Frankreich-

Rundfahrt. Eine besondere Freude,

zumal dieser Erfolg schon seit dem

ersten Trainingslager im Winter ein

Ziel war.Auch da ist Martin als Helfer

aufgefallen – mit seinem Rat: „Ich

habe dem Team mein Zeitfahr-Wissen

nahegebracht und auch ein paar

Sachen verändert, die mir aufgefallen

sind.“

Neuer Spaß an der Arbeit

Offensichtlich ist, dass sich Martin in

seinem neuen Umfeld sehr wohlfühlt.

Daswar vorher beim Rennstall

Katusha offensichtlich eher nicht der

Fall. Die Umgebung wirkt sich auch

auf den Erfolg aus, daist Martin sicher:

Vorher, bei Katusha, „haben ja

weder ich noch das Team viel gewonnen.

Insofern macht das Radfahren

jetzt deutlich mehr Spaß.“

Zwei Jahrehat Martin, der mit seiner

Verlobten Nina und der kleinen

Tochter Mia, 2, in Kreuzlingen am

Schweizer Ufer des Bodensees lebt,

bei Jumbo-Visma unterschrieben.

Aus seiner Umgebung ist zu hören,

dass danach noch lange nicht

Schluss sein muss. Dafür ist das Gesamtpaket

aus Panzerwagen-Leistung

und allgemeinem Wohlfühlen

derzeit zu stimmig. Die Fortsetzung

soll folgen.

Der FC Bayern präsentiert beim Trainingsauftakt Lucas Hernández und muss seine Transferpolitik erklären

VonMaik Rosner,München

Als Präsentation von Lucas

Hernández war der Termin betitelt

worden, doch es dauerte nicht

lange,bis die drängenderen Themen

beim FC Bayern in den Vordergrund

rückten. Zu den stockenden Transferbemühungen

und den von Manuel

Neuers Berater öffentlich geforderten

Verstärkungen wurde Vorstandschef

Karl-Heinz Rummenigge

ebenso befragt wie zu einem Bericht

der Süddeutschen Zeitung, wonach

Trainer Niko Kovac in der Sommerpause

wegen mangelnder Rückendeckung

darüber nachgedacht haben

soll, hinzuschmeißen. Rummenigge,

der seine Skepsis gegenüber

Kovac mehrfach durchblicken gelassen

hatte,tat dies als „Gerücht“ ab.

Der französische Weltmeister

Hernández, 23, für 80 Millionen Euro

von Atlético Madrid als mit Abstand

teuerster Bundesligaspieler der Geschichte

verpflichtet, bekam umgehend

einen Einblick in die Debatten,

die seinen neuenVerein auch am Tag

des Trainingsauftakts beschäftigten.

Dabei fanden sich zu den Leistungstests

und der ersten öffentlichen Einheit

mit dem neuen Assistenztrainer

Hansi Flick nur die sieben Profis

Thomas Müller, Thiago Alcántara,

Javier Martínez, Corentin

Tolisso, Jann-Fiete

Arp, Jérôme Boateng

und Renato Sanches

ein. Davon können allerdings

nur vier als fest

eingeplante Kräfte für

die kommende Saison

eingestuft werden. Bei

Offensivtalent Arp, für

rund drei Millionen

Euro Ablöse vom

Zweitligisten Hamburger

SV geholt, muss abgewartet

werden, ob er

bei Kovac regelmäßig

zum Einsatz kommen

wird. Boateng und Sanches

sollen und wollen

sich noch einen neuen

Verein suchen. Die Nationalspieler,

rund die Hälfte des

Profikaders mit aktuell 17 Feldspielern

und vier Torhütern, steigen erst

am Freitag ins Training ein.

Begonnen hatte die Präsentation

von Hernández imMediensaal der

Münchner Arena mit ein paar Kostproben

seiner Lernfortschritte aus

seinen Deutschstunden. „Servus,ich

bin Lucas“, sagte er bereits mit bayrischem

Einschlag, „ich bin glücklich,

hier zu sein. Ich freue mich auf eine

gute Saison mit dem FC Bayern.Also,

Den ruhenden Ball beherrscht

Lucas Hernández

schon mal. IMAGO IMAGES

pack ma’s!“ Später

sagte Hernández, er sei

ein Spieler „mit viel

Mentalität“ und er

könne ein „Leader“

sein: „Jetzt ist es an mir

zu zeigen, dass die 80

Millionen gut investiert

sind.“ Eingeplant

wird Hernández trotz

seiner vergleichsweise

geringen Körpergröße

von 1,82 Meter als linker

Innenverteidiger

neben Niklas Süle.

Nach seiner Innenband-OP

am rechten

Knie muss Hernández

vorerst noch individuell

trainieren. Auf der

am Montag beginnenden

Werbetour durch die USA hofft

er, ins Mannschafttraining einsteigen

zu können.

Für Rummenigge ist der FC Bayern

„in der Innenverteidigung top

aufgestellt“, auch im europäischen

Vergleich. Neben dem Meister könne

sich die gesamte Bundesliga glücklich

schätzen, dass Hernández verpflichtet

worden sei, befand er. Der

Vorstandschef verwies zudem auf

den Rechts- und Innenverteidiger

Benjamin Pavard, 23, der für 35 Mil-

lionen Euro vom Bundesligaabsteiger

VfB Stuttgart abgeworben worden

war und mit Hernández bei der

WM 2018 den Titel gewonnen hatte.

Dabei erlaubte sich Rummenigge

auch eine kleine Spitzegegen Borussia

Dortmund. BVB-Sportdirektor

Michael Zorc hatte den aus München

zurückgeholten und von Bundestrainer

Joachim Löw ausgemusterten

Mats Hummels als „besten

deutschen Innenverteidiger“ bezeichnet.

Rummenigge sagte nun

mit Blick auf Süle: „Ich bin der Meinung:

Der beste deutsche Innenverteidiger

spielt bei Bayern München –

und übrigens auch in der Nationalmannschaft.“

Bei den anderen Themen der

schon vor dem Trainingsauftakt aufgekommenen

Debatten ging es Rummenigge

darum, zu beschwichtigen.

Die jüngsten Einschätzungen von

Neuers Berater Thomas Kroth, die

Mannschaft des FC Bayern sei international

nicht konkurrenzfähig, seien

dessen Privatmeinung und nicht die

des Torwarts und Kapitäns.„Thomas

Kroth ist nicht das Sprachrohr von

Manuel Neuer in dieser Angelegenheit“,

sagte Rummenigge nach einem

Gespräch mit Neuer. Dennoch sind

sich alle einig, dass die Mannschaft

weiter verstärkt werden muss.

NACHRICHTEN

Brasilien gewinnt die

Copa América gegen Peru

FUSSBALL. Diebrasilianische Nationalmannschaft

hat zum neunten

Maldie Copa América gewonnen.

DieSeleção setzte sich am Sonntag

im Maracanã-Stadion in Rio de Janeiromit

3:1 (2:1) gegen Peru um

den ehemaligen Hamburger Paolo

Guerrerodurch und sicherte sich die

Südamerikameisterschaft. Für den

Gastgeber trafen Everton (15.), Gabriel

Jesus (47.) und Richarlison (90.)

per Strafstoß. Guerreroverwandelte

für die Peruaner in der 44. Minute einen

Handelfmeter zum zwischenzeitlichen

Ausgleich.

Alba Berlin holt

Collegespieler Mason

BASKETBALL. Alba Berlin hat den

früheren deutschen Nationalspieler

Makai Mason verpflichtet. Der24

Jahrealte Aufbauspieler kommt von

der amerikanischen Baylor University

zum Hauptstadtklub und unterschreibt

einen Zweijahresvertrag,

wie Alba am Montag mitteilte.„Er ist

ein guterWerfer,der gleichzeitig aber

auch sehr gut passen kann und ein

großes Spielverständnis hat“, sagte

Berlins Sportdirektor Himar Ojeda.

Als Meisterschaftszweiter hinter

Champion FC Bayern hatte sich Alba

für die Königsklasse Euroleague qualifiziert.

Weltranglistenerste Barty

scheitertinWimbledon

TENNIS. DieWeltranglistenerste und

French-Open-Siegerin Ashleigh Barty

hat inWimbledon überraschend im

Achtelfinale verloren. DieAustralierin

unterlag der im Ranking auf Position

55 notierten Alison Riske aus den USA

6:3, 2:6, 3:6. Für Bartywar es die erste

Niederlage nach zuvor 15 Siegen in

Serieauf derWTA-Tour.ImViertelfinale

trifft Riske auf ihreLandsfrau SerenaWilliams.Die

23-fache Grand-

Slam-TurniersiegerinWilliams gewann

überzeugend in zwei Sätzen gegen

die Spanierin Carla Suarez

Navarromit 6:2, 6:2.

ZAHLEN

Radsport

Tour de France

3. Etappe Binche/Belgien -Épernay/Frankreich

(215,00 km): 1. Julian Alaphilippe (Frankreich)

-Deceuninck-Quick-Step 4:40:29 Std.; 2.

Michael Matthews (Australien) -Team Sunweb +

26 Sek.; 3. Jasper Stuyven (Belgien) -Trek -Segafredo;

4. Greg VanAvermaet (Belgien) -CCC Team;

5. Peter Sagan (Slowakei) -Bora-hansgrohe; 6.

Matteo Trentin (Italien) -Mitchelton-Scott; 7.

SonnyColbrelli (Italien) -Bahrain-Merida; 8.

Xandro Meurisse (Belgien) -Wanty-Gobert; 9.

Wout vanAert(Belgien) -Team Jumbo; 10. Thibaut

Pinot (Frankreich) -Groupama-FDJ

Gesamtwertung: 1. Julian Alaphilippe (Frankreich)

-Deceuninck-Quick-Step 9:32:19 Std.; 2.

Wout vanAert(Belgien) -Team Jumbo +20Sek.;

3. StevenKruijswijk (Niederlande) -Team Jumbo +

25; 4. GeorgeBennett (Neuseeland) -Team

Jumbo; 5. Michael Matthews (Australien) -Team

Sunweb +40

Bergwertung: 1. TimWellens (Belgien) -Lotto-

Soudal 7Pkt.; 2. Xandro Meurisse (Belgien) -

Wanty-Gobert3;3.Greg VanAvermaet (Belgien) -

CCC Team 2

Sprintwertung: 1. Peter Sagan (Slowakei) -Borahansgrohe

76 Pkt.; 2. Michael Matthews (Australien)

-Team Sunweb 59; 3. SonnyColbrelli (Italien)

-Bahrain-Merida 54

Tennis

Grand-Slam-Turnier in Wimbledon

Achtelfinale, Frauen: Alison Riske(USA) -Ashleigh

Barty (Australien/1) 3:6, 6:2, 6:3; Jelina

Switolina (Ukraine/8) -Petra Martic (Kroatien/24)

6:4, 6:2; Zhang Shuai (China) -Dajana Jastremska

(Ukraine) 6:4, 1:6, 6:2; Serena Williams

(USA/11 -Carla Suarez Navarro(Spanien/30)

6:2, 6:2; Simona Halep (Rumänien/7) -Cori Gauff

(USA) 6:3, 6:3; Barbora Strýcová (Tschechien) -

Elise Mertens (Belgien/21) 4:6, 7:5, 6:2

Achtelfinale, Männer: Rafael Nadal (Spanien/3)

-Joao Sousa (Portugal) 6:2, 6:2, 6:2; Roberto

Bautista Agut (Spanien/23) -Benoit Paire

(Frankreich/28) 6:3, 7:5, 6:2;


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 – S eite 18

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Sport

Neven Subotic wurde im Stadion An der Alten Försterei begeistertempfangen.

CITY-PRESS GMBH

Anführer mit Herz

Zugang Neven Subotic bringt nicht nur geballte Bundesliga-Erfahrungandie Alte Försterei, sondern auch eine beeindruckende persönliche Erfolgsgeschichte

VonMathias Bunkus, Windischgarsten

Die große Transferoffensive

der Eisernen lässt

sich wohl am besten mit

„Bundesliga-Erfahrung“

betiteln. MitChristian Gentner (vom

VfB Stuttgart) und Neven −gesprochen

mit kurzem ewie in Neffe −

Subotic schraubte der 1. FC Union

ebendiese im Kader von überschaubaren

476 Partien auf äußerst konkurrenzfähige

1062 Einsätze im

Fußball-Oberhaus. Allein der Serbe

bringt es dabei auf 209 Einsätze in

der Bundesliga. Vonseinen 27 Einsätzen

in der Champions League

oder den 36 in der serbischen Nationalmannschaft

ganz zu schweigen.

Manchmal ist eben auch ein

Quäntchen Glück auf dem Transfermarkt

nötig. Für Unions Manager

Oliver Ruhnerterwies sich die Tatsache,dass

Subotic aus Frankreich weg

wollte,als so ein Glücksfall. In Saint-

Étienne war der 30-Jährige am Saisonende

ins Hintertreffen geraten,

weil er bereits frühzeitig seinen Unwillen

zu einer Vertragsverlängerung

kommuniziert hatte. Subotic wollte

nach anderthalb Jahren in der französischen

Arbeiterstadt unbedingt

noch einmal auf allerhöchstem Niveau

spielen. Also „in England,

Deutschland oder Spanien“, wie er

selbst präzisiert.

Gute Erfahrungen in Köpenick

Der zehnfache Meister, der seine

besten Jahreinden 70ernhatte,und

bei dem Subotic in der kommenden

Saison sogar Europa League hätte

spielen können, setzte fortan lieber

auf Verteidigertalent William Saliba,

vielleicht auch ein wenig aus Trotz.

Nun standen die Klubs der internationalen

Topligen bei Subotic nicht

gerade Schlange. Ein bisschen war

„Ich erinnere mich gerne an den sehr

stimmungsvollen Abend zurück“

Neven Subotic

war 2016 mit Borussia Dortmund beim Jubiläumsspiel

zu Gast im Stadion An der Alten Försterei.

der zweifache Deutsche Meister mit

Borussia Dortmund (2011 und 2012)

schon aus dem Rampenlicht gefallen.

Da kam die Anfrage aus Köpenick gerade

recht. Zumal Subotic bereits

gute Erfahrungen mit dem Stadion

An der Alten Försterei gemacht hatte.

„Mit dem BVB war ich bereits

beim Jubiläumsspiel im Januar 2016

zu Gast und erinnere mich gerne an

den sehr stimmungsvollen Abend

zurück. Auch die überragenden Bilder

vomAufstieg im Maihabe ich natürlich

gesehen“, sagt der 1,93 m

große Innenverteidiger. Die Gespräche

mit Ruhnert und Trainer Urs Fischer

in der Woche vor dem Trainingslagerbeginn

konnten ihn offenbar

darüber hinaus überzeugen,

ein Teil der eisernen Mission Klassenerhalt

zu werden und in die Bundesliga

zurückzukehren. Ein Weg,

den er für sich als Jugendlicher kaum

erahnt haben dürfte.

Mit seiner Familie flüchtete Subotic

1990, noch vor den Jugoslawienkriegen,

aus Banja Luka in der

serbischen Entität im heutigen Bosnien

zunächst nach Baden-Württemberg.

Als die Familie nach neun

Jahren nach Bosnien abgeschoben

werden sollte, siedelten die Subotics

stattdessen in die USA über. Erst

nach Utah, dann nach Florida.

Nach hinten beordert

Hier strebte Schwester Natalija eine

Karriereals Tennisspielerin an, während

Neven, der gerne weiter in

Deutschland geblieben wäre, lieber

in den Park kicken ging. Dort entdeckte

ihn per Zufall Keith Fulk,

Chefscout und Co-Trainer der USamerikanischen

U17-Auswahl. Fulk

war es auch, der Subotic Stück für

Stück aus der Offensive weiter nach

hinten beorderte. Mit seiner Kopfballstärke

wurde er schließlich auch

als Defensivkraft interessant. Beider

U17-WM in Peru musste er statt als

Sechser auf einmal als Innenverteidiger

aushelfen.

Beim Turnier wurde Steve Kelly,

ein renommierter Spielerberater,

dann auf ihn aufmerksam. Da Fußball

in den USA nicht allzu populär

ist, lotste er ihn nach Deutschland

zum FSV Mainz 05. Dorttrafder erst

17-jährige Subotic auf Jürgen Klopp.

DerRest ist Geschichte.

Eine,inder Subotic seineWurzeln

und sein Schicksal als Flüchtlingskind

nie vergessen hat. Schon bei

den Rheinhessen übernahm er eine

Patenschaft in einem Waisenhaus.

Bis heute unterhält er eine Stiftung,

die Gelder für die Versorgung der

Menschen mit Trinkwasser, etwa in

Äthiopien, bereitstellt. Eine Aufgabe,

die er selbst koordiniert; und nicht

nur seinen Namen als Feigenblatt

dafür hergibt. Somit ist klar: Union

hat nicht nur Erfahrung hinzugewonnen,

sondernauch viel Herz.

Der Spätzünder

Lukas Klünter brauchte Zeit, bis er bei Hertha BSC in die Gänge kam. In der kommenden Saison will er beweisen, dass er nicht nur durch seine Schnelligkeit herausragt

VonSebastian Schmitt, Neuruppin

Ein fester Händedruck, direkter

Augenkontakt und ein freundliches

Lächeln. Lukas Klünter ist trotz

der intensiven Einheiten im Konditionstrainingslager

in Neuruppin gut

drauf. Die Kuchno-Tortur, wie die

schweißtreibenden Übungen von

Athletik-Coach Henrik Kuchno von

den Spielern gern genannt werden,

kennt er ja aus demVorjahr.Auf seine

erste Saison nach seinem Wechsel

vom 1. FC Köln zu Hertha BSC,

schaut Klünter zufrieden zurück.

„Auch, wenn am Anfang zunächst

nicht alles optimal gelaufen ist,

würde ich sagen: Das war der richtige

Schritt“, erklärtder 23-Jährige.

Dassportliche Tal, das er beim FC

erlebte als sein Förderer und Trainer

Peter Stöger entlassen wurde und

Nachwuchstrainer Stefan Ruthenbeck

übernahm, hat Klünter nach

seinem Wechsel zu den Berlinern

überwunden. Dabei hatte er in der

Ansage vom Chef: Lukas Klünter und Trainer Ante Covic

Hauptstadt keinen guten Start. In

den ersten zwanzig Spielen der vergangenen

Saison kam Klünter lediglich

auf einen Einsatz in der Nachspielzeit

–auch, weil ihn ein Muskelbündelriss

im Oberschenkel lange

Zeit ausbremste. Somies das erste

Halbjahr für ihn war, umso bemerkenswerter

verlief die zweite Saisonhälfte,

als er sich mit regelmäßigen

Einsätzen zurück ins Rampenlicht

und sogar in den vorläufigen EM-Kader

von U21-Bundestrainer Stefan

Kuntz spielte. „Ich habe am Anfang

die Zeit gebraucht. Aber als ich die

Chance bekommen habe, habe ich

sie genutzt“, sagt er zufrieden.

So schnell Klünter, der mit 35,4

km/h der schnellste Bundesligaspieler

der vergangenen Spielzeit war,

die rechte Außenbahn auch runter

sprintet, bis seine Karriere auf Touren

kam, hat es gedauert. „Ich hatte

gar nicht die Idee, Fußballprofi zu

werden“, erzählt der Rheinländer.

Froh sei er,nicht den mittlerweile tymal

zum Training zu fahren und

meine Jugend aufzugeben“.

Studium unterbrochen

DPA/STACHE

Erst mit 18 Jahren zog esihn vom

Bonner SC zum 1. FC Köln. Undobwohl

er in der A-Jugend eines Bundesligisten

spielte, träumte er nicht

vonder großen Karriere. „Ich bin mit

pischen Werdegang vieler Profis, die

so frühstmöglich in eine Akademie

wechseln und für den großen Traum

getrimmt werde, hinter sich zu haben.

„Ich konnte meine Kindheit so

verbringen, wie es die meisten in den

Nachwuchszentren nicht mehr können“,

sagt Klünter. Unvorstellbar sei

es damals gewesen, „jeden Tagzweidem

Gedanken gewechselt, dass ich

es versuche,aber nicht davon ausgegangen,

dass es klappt.“ Auch deswegen

habe er nach dem Abitur an

der Sporthochschule in Köln Sportmanagement

studiert. Doch weil der

damalige Cheftrainer des FC, Peter

Stöger, ihn nach nur einem haben

Jahr mit ins Trainingslager nahm

und aus seinem Amateur- schon

bald ein Profivertrag wurde,liegt das

Studium auf Eis. Über ein Fernstudium

habe er sich informiert, aber

„man muss sehen, ob es sinnvoll ist,

beides gleichzeitig zu machen“.

Klünter wirkt eloquent, selbstreflektiert

und mit seinem Werdegang im

Reinen. „So wie es jetzt gekommen

ist, ist es natürlich besser“, sagt er.

Deswegen will der Spätstarter

weiter in der Bundesliga punkten.

Dass häufig nur über seine Sprinterqualitäten

geredet wird, stört ihn

nicht. „Eigentlich ist das doch was

Schönes.“ Schließlich zeichne ihn

das nun mal aus. „Es wäre schlimmer,

wenn man über die Sachen

spricht, die noch nicht so gut sind.“

Klünter weiß, dass er für die Kickerkarriere

weiter pauken muss. „Dazu

gehören bei mir Flanken, der erste

Ballkontakt und ein paar technische

Sachen, die mir nicht fehlen, aber die

ich noch besser machen kann.“

Nach dem Weggang von Valentino

Lazaro will Klünter in der kommenden

Saison auf der rechten Abwehrseite

mehr Einsatzzeit bekommen.

Je nachdem, welches System

der neue Trainer Ante Covic spielen

lässt, duelliertsich Klünter mit Peter

Pekarik, Mathew Leckie und Alexander

Esswein. „Die Konkurrenz auf

meiner Position ist groß und vielleicht

kommt noch ein neuer Spieler

dazu“, schätzt Klünter die Ausgangslage

ein. „Ich mache mir da aber

keine Gedanken. Am Ende der Vorbereitung

hoffe ich, dabei zu sein.“

Undwenn nicht, sagt Klünter,„dann

weiß ich damit umzugehen. Ich

hatte die Situation schon öfters.“


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 – S eite 19 *

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Feuilleton

Der Blues-Rock ist tot?

Zwei neue, letzte Alben

aus Nashville

Seite 21

„Der Wegzum Brexit ist keine Einbahnstraße.“

Der Historiker Ian Kershaw hat eine europäische Zeitgeschichte von 1950 bis heute geschrieben. Ein Interview Seite 20

Architektur

Auch das ist

Europa

Nikolaus Bernau

betrachtet das Gejammer

um Standesprivilegien

Stadtplanung und Architektur in

der Umgebung des Berliner

Hauptbahnhofs sind mittelprächtig

bis desaströs. Aber alles wurde nach

den Regeln der deutschen Honorarordnung

für Architekten und Ingenieure

entworfen –also nach jener

HOAI, die der Europäische Gerichtshof

gerade aufgehoben hat. Er urteilte,

die HOAI sei mit ihrer Festlegung

von Mindest- und Höchsthonoraren

unvereinbar mit dem freien

Binnenmarkt und der Niederlassungsfreiheit

in den EU-Staaten. Außerdem

fördere sie weder kulturelle

Leistung noch den Klimaschutz oder

die Kreativität. Dies aber waren die

Argumente, mit denen die Bundesregierung

und die Planerverbände

eiserndie HOAI verteidigten.

Dabei halten sich viele Architekten

und Ingenieure schon heute

nicht an die Honorarordnung, bringen

Zusatzleistungen „umsonst“,

also preissenkend in ihr Angebot ein.

Zudem gilt die HOAI nicht für Handwerker

oder Großübernehmer –die

zunehmend den Baumarkt bestimmen.

Im Unterschied dazu zwingt

die Buchpreisbindung, die von

Marktradikalen auch immer wieder

attackiert wird, wirklich alle Verleger

und Medienhändler zu einheitlichen

Preisen. Diese ist deswegen als deutscher

Sonderwegauch vomEuroparecht

akzeptiertworden.

Das Kernproblem ist: Kaum ein

Land hat so viele Planer wie

Deutschland, 138 000 wurden gezählt,

mehr als 50 000 von ihnen als

oft nur formal Selbstständige in

Winzbüros.Diese werden wohl wirklich

bei der nächsten Baukrise unter

ökonomischen Druck kommen,

müssen sich oft zusammenschließen.

Für die Qualität der Planung

aber dürfte das keine Folgen haben.

Wer wollte behaupten, dass in

Frankreich, den Niederlanden,

Skandinavien oder Polen schlechter

geplant werde als in Deutschland,

die Architekten weniger verdienten,

weniger Macht hätten?

Kurz: Die HOAI war ein Instrument,

um Standesprivilegien zu sichern.

Umso übler, dass massiv Vorurteile

aktiviert wurden, um diese zu

verteidigen. So wie im Kampf der

Apotheker um ihre Standesprivilegien,

die der Gerichtshof ebenfalls

demontierte. In der Apothekerzeitung

hieß es etwa: „Generalanwalt

war übrigens der Pole Maciej Szpunar“.

Unterton: Klar, Polen unterminieren

eben den deutschen Mittelstand

per Preiskampf. Aber Szpunar

ist einer der angesehensten Fachleute

für europäisches und für Wettbewerbsrecht,

er hat geklagt im Namen

Europas und hat damit für Europa

und für Deutschland gewonnen.

Der Architektur um den Hauptbahnhof hat

die HOAI nicht geholfen. IMAGO/ROLF KREMMING

Alexandria Ocasio-Cortez ist der Popstar der US-Demokraten. Ihr umstrittener Vergleich findet nun wissenschaftliche Unterstützer.

Am 17. Juni hatte die New

Yorker demokratische Abgeordnete

Alexandria Ocasio-Cortez

ineinem Instagram-Video

die Internierungslager

an der Grenzeder USA zu Mexiko als

„Konzentrationslager“ bezeichnet.

Daran schloss sich eine erregte Debatte

an über die Anwendbarkeit des

Begriffes, über die Zulässigkeit von

NS-Vergleichen überhaupt.

Am 24. Juni antwortete das New

Yorker Holocaust-Museum mit dieser

Erklärung: „Das United States

Holocaust Memorial Museum weist

unmissverständlich Versuche zurück,

die Analogien zwischen dem

Holocaust und anderen Ereignissen,

sei es historischen oder heutigen,

herstellen. Diese Haltung hat das

Museum wiederholt eindeutig klar

gemacht.“

Auf diese Erklärung antworteten

Anfang Juli mehr als 500 Holocaustund

Völkermord-Historiker u.a. folgendermaßen:

„Wir sind sehr besorgt über das

jüngste Statement des Museums zu

den Holocaust-Analogien.Wirschreiben

diesen Brief, um die Zurückziehung

des Statements zu fordern.Wissenschaftler

in den Human- und Sozialwissenschaften

gehen bei der Beantwortung

von Fragen über die

Vergangenheit und die Gegenwart

aus von sorgfältigen und verantwortungsvollen

Analysen, von Kontextualisierungen,

Vergleichen und Argumentationen.

Mitder Erklärung, Versuche

unmissverständlich zurückzuweisen,

die Analogien zwischen dem

Holocaust und anderen Ereignissen,

sei es historischen oder heutigen herstellen,

nimmt das United States Holocaust

Museum eine radikale Position

ein, die weit vomMainstream der

Holocaust- und Völkermord-Forschung

entfernt ist. Es wird sogeradezu

unmöglich, aus der Vergangenheit

zu lernen. Die Entscheidung des

Museums, jede mögliche Analogie

mit dem Holocaust oder den zu ihm

führenden Ereignissen zu verwerfen,

ist im Kern ahistorisch“.

Soweit die Kontroverse. Wir kennen

sie gut. Sie wiederholt sich alle

paar Jahre. Es geht im Kern dabei um

den Unterschied zwischen Wissenschaft

und Religion. Auf der einen

Seite gibt es Menschen, die wollen

verstehen, was der Holocaust war,

wie er zustande kam, welchen Einflüssen

er sich verdankte, welche

Wirkung er hatte.

Für die anderen ist das so interessant

nicht. Denn er war ein einmaliges

Ereignis, etwas Unwiederholbares.

Damit ist er jedem wissenschaftlichen

Zugang entzogen. Er ist Totem

und Tabu. Es gibt keinen wie ihn.

Niemand ist mit ihm zu vergleichen.

Er ist Gott.

Das kommt Ihnen übertrieben

vor? Alle Wissenschaft basiert auf

dem Vergleich. Wir erkennen die

Dinge, indem wir sie miteinander

vergleichen. Das gilt für kleine Kinder

und für große Kosmologen. Jedes

Atom, das schwerer ist als Beryllium,

sei es in unserem Körper oder wo

auch immer im Universum, verdankt

seine Existenz der Elementsynthese

im Innern der Sterne. Erst

das genaue Vergleichen hat uns darüber

belehrt.

Die Behauptung, etwas wäre

einzigartig und unvergleichbar, ist

ein Denkverbot. Da soll etwas auf

ein Podest gestellt und angeschaut,

angebetet, aber auf keinen

Fall soll es verstanden werden.

Dazu muss man es mit ähnlichen

Erscheinungen vergleichen, um

festzustellen, wo sie differieren

und wo sie gleich sind.

Timothy Snyder gehört zu den

Unterzeichnern der Erklärung der

kritischen Wissenschaftler. Zu seinem

Forschungsbereich gehört der

Vergleich zwischen den nationalsozialistischen

und den stalinistischen

Untaten. Seine Bücher haben durch

denVergleich jedes der Regime deutlicher

herauspräpariert. Sie haben

aber auch geholfen, eine Epoche genauer

zu sehen, in der die Vernichtung

ganzer Bevölkerungen zur

selbstverständlichen Herrschaftspraxis

sehr verschiedener Staaten

wurde.

Die Vorstellung, der Holocaust

stehe als ein einmaliger „Zivilisationsbruch“

einsam in der Weltge-

„Die Behauptung, etwas wäre

einzigartig und unvergleichbar, ist ein

Denkverbot. Etwas soll auf ein Podestgestellt,

aber nicht verstanden werden.“

IMAGO-IMAGES

Weiter mit hinkenden Vergleichen

Darf man TrumpsMauer mit NS-Konzentrationslagern vergleichen?

Eine Debatte, die es in sich hat

VonArnoWidmann

schichte, müsste bewiesen werden.

Natürlich unterscheidet er sich von

all den anderen Versuchen, Bevölkerungen

systematisch auszurotten.

Allerdings nicht mehr als jene anderen

Versuche sich von einander unterscheiden.

Der „Zivilisationsbruch“

begleitet die Zivilisation von

ihren ersten Gehversuchen an. Sehr

oft gehörterausdrücklich zu ihr.Der

immense Aufschwung des Westens

im 18. und 19. Jahrhundert ist ohne

die systematische Knechtung und

Versklavung großer Teile der Erdbevölkerung

durch den Kolonialismus

nicht zu denken.

Ich glaube nicht, dass die Vernichtung

ganzer Bevölkerungsgruppen

für irgendetwas in Kauf genommen

werden muss. Ich glaube noch

nicht einmal, dass sie nicht zu verhindern

sei. Ich bin allerdings der

Auffassung, dass es einiger Anstrengung

bedarf, ihr, wenn sie just passiert,

entgegenzutreten. Es ist gut zu

begreifen, wie Kernreaktionen in Gesellschaften

verlaufen, die dazu führen,

dass die einen über die anderen

herfallen.

Manmag über die Internierungslager

der US-Regierung an der

Grenze zuMexiko denken, wie man

will. Zweifelsfrei handelt es sich dabei

um Konzentrationslager. Hier

werden Menschen in Lagernzusammengefasst,

konzentriert. So wie Earl

Kitchener es meinte, als er während

des Zweiten Burenkriegs um 1900

Frauen und Kinder der burischstämmigen

Bevölkerung in Lagern, die

man amtlich als ‚concentration

camp‘ bezeichnet hat, zusammenfasste

und internierte.

DasKonzentrationslager ist keine

Erfindung der Nazis, und es ist auch

nicht mit ihnen ausgestorben. Nirgendwo

auf der Welt. Alexandria

Ocasio-Cortez hat den richtigen

Begriff gebraucht. Die Empörung

der Leitung des United States Holocaust

Memorial Museumsist verlogen.

In der Washington Post erinnerte

der Holocaustforscher Emil

Kerenji daran, dass das Museum

Analogien nicht immer ablehnte.

So erklärte es angesichts der in Myanmar

verfolgten Rohingya: „Die

Welt hat die Augen vor ihrer Verfolgung

geschlossen –genau so, wie

sie es gegenüber den Opfern des

Holocaust tat.“

Vergleiche mögen hinken. Aber

nur hinkend kommen wir voran. In

der Analyse wie bei den immer wieder

scheiternden Versuchen, den

Anfängen zu wehren.Wer gesterndie

Website des United States Holocaust

Memorial Museum aufrief, fand nur

die Erklärung des Museums vom 24.

Juni. Eine Antwort auf die Kritiker

gab es noch immer nicht.

Arno Widmann

hält alles für vergleichbar,

was nicht identisch ist.

NACHRICHTEN

Artur Brauner wird

am Mittwoch beigesetzt

DerFilmproduzent Artur Brauner

soll am Mittwoch beigesetzt werden.

DieBeerdigung sei für 14 Uhrauf

dem Jüdischen Friedhof in der Heerstraße

geplant, sagte seine Tochter

Alice Brauner am Montagabend. Ihr

Vater war am Sonntag im Alter von

100 Jahren gestorben. Brauner galt

als einer der wichtigsten Filmproduzenten

in Nachkriegsdeutschland.

Er arbeitete mit Stars wie Romy

Schneider,CurdJürgens,Caterina

Valente und Heinz Rühmann. In seinen

Berliner CCC-Studios entstanden

Hunderte Kino- undTV-Produktionen.

Mitvielen Filmen erinnerte

Brauner auch an das Schicksal der

Holocaust-Opfer. (dpa)

Putin beschimpft −Sender

in Georgien stellt Dienst ein

Weil ein Journalist den russischen

Präsidenten in obszöner Sprachebeleidigt

hat, muss der georgischer

FernsehsenderRustawi-2 seinen

Dienst einstellen. DerRedakteur

hatte nach Einschätzung der georgischen

Präsidentin Salome Surabischwili

und des Außenministeriums

in Tiflis den Kremlchef Wladimir Putin

in einer Nachrichtensendung in

den Schmutz gezogen. Daraufhin

kam es am Montag in der georgischen

Hauptstadt zu spontanen Protesten

wütender Georgier. (dpa)

Jochen Schweizer testet

Bewerber in neuer Show

DerUnternehmer Jochen Schweizer

sucht in einer ProSieben-Shownach

einem Geschäftsführer.„DerTraumjob

−bei Jochen Schweizer“ startet

am Dienstag (9. Juli) um 20.15 Uhr.

Schweizer (62), als Gründer eines Unternehmens

für Erlebnisgutscheine

bekannt geworden, kündigte die

Show als das„intensivste Bewerbungsgespräch

derWelt“ an. DieBewerber

will er nach Kenia, Thailand,

Spanienund Norwegen schicken. Es

geht um einen Posten mit sechsstelligem

Jahresgehalt. (dpa)

Exfrau von Paul McCartney

bekommt Entschädigung

Heather Mills (51), die frühereEhefrau

vonPop-Legende Paul McCartney,hat

wegen eines Telefon-Abhörskandals

in Großbritannien nach eigenen

Angaben eine Rekord-Entschädigung

erstritten. Als Resultat

einer Sammelanklage gegen die Verlagsgruppe

News Group Newspapers

(NGN) habe sie gemeinsam mit

anderen Opfern„die höchste Entschädigungssumme

in einem Fall

vonVerleumdung durch Medien erreicht,

die jemals in der britischen

Rechtsgeschichte verhängt wurde“,

sagte Mills am Montag nach einer

Anhörung am High CourtinLondon.

Einen Betrag nannte sie nicht. (dpa)

Heather Mills, eine frühere Gattin von

Paul McCartney, siegt vor Gericht.

AP


20 Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

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Feuilleton

Die Briten verklären die Zeit, bevor sie in der EU waren

Der Historiker Ian Kershaw hat ein Buch über Europa seit den 50er-Jahren geschrieben –und muss im Gespräch doch vor allem den Brexit erklären

Der Historiker Ian Kershaw

wurde über die

Fachgrenzen der Historikerzunft

hinaus mit einer

Biografie über Hitler bekannt.

Mit diesem habe er inzwischen aber

abgeschlossen, erzählte er unlängst

vor seinem Auftritt bei der Lit.Cologne.

Inseinem neuen Buch widmet

er sich der Geschichte Europas

seit 1950.

Herr Kershaw,Sie haben ein Buch geschrieben,

in dem Sie darstellen, wie

Europa auf der Asche des Zweiten

Weltkriegs zusammengewachsen ist.

Hat esSie überrascht, wie chaotisch

die Gespräche über den Brexit verlaufen

sind?

Mich hat die Hartnäckigkeit von

Theresa Mayund die unsägliche Politik

ihrer Regierung überrascht. Das

gilt auch für einige Hardliner der

Konservativen, die einen No-Deal-

Brexit favorisieren. Dass es überhaupt

zum Brexit selbst gekommen

ist, hat mich ebenfalls überrascht,

wenngleich nicht ganz so stark. Die

Emotionalität der Debatte habe ich

wie viele andereunterschätzt.

Ist der Brexit eine logische Folge der

Europa-Skepsis der Briten?

DerWeg zum Brexit ist keine Einbahnstraße

gewesen, so eine Logik

wäre irreführend. Es hat in England

und Großbritannien zwar immer

schon Aversionen gegenüber der Europäischen

Union gegeben. Wir

standen immer halb abseits von der

EU. Aber noch 2011 war die Mitgliedschaft

in der EU ein nebensächliches

Thema in der britischen Politik.

Wichtiger war damals die Gesundheitspolitik,

die EU rangierte etwa

auf Platz elf. In kürzester Zeit verwandelte

es sich aber in das wichtigste

Thema, verursacht durch die

Finanzkrise und die Sparpolitik der

britischen Regierung ab 2010 und

durch die Flüchtlingskrise.

Vondiesen Krisen war man doch gar

nicht betroffen.

Auch wenn Großbritannien weder

vonder Krise der Eurozone noch

von der Flüchtlingskrise direkt betroffen

war, schaute man doch über

den Ärmelkanal und war froh, diese

Grenze zuhaben. Psychologisch hat

es zu der Bereitschaft beigetragen,

den Brexit als Option zu wählen.

Aber es war keine geradlinige Entwicklung

von1973 bis zum Brexit.

Ian Kershawist froh, seinen Forschungsgegenstand Hitler endlich hinter sich gelassen zu haben.

Aber es gab bereits nach dem Beitritt

zur EG 1973 ein Referendum über den

Wiederaustritt.

Das waren ganz andere Umstände.

Die Labour-Party war damals

gespalten und in den 70ern

eher oppositionell zu Europa eingestellt.

Derdamalige Premierminister

HaroldWilson hatte das Referendum

initiiert. Anders als David Cameron

hat er gewartet, bis es klar war, dass

er gewinnen würde.Eswar ein Ja für

die Zugehörigkeit zum gemeinsamen

Markt. Großbritannien war in

den 70er-Jahren wirtschaftlich

schwach, das war die Motivation, der

EG beizutreten. Der gemeinsame

Markt funktionierte, das war 2013,

als David Cameron das Referendum

in Aussicht stellte, komplett anders.

Wir hatten die Finanzkrise hinter

uns, esging ein paar Jahre lang saumäßig

schlecht in der Euro-Zone zu,

und es kamen mehr Leute aus Osteuropa,

als man das angenommen

hatte. Dadurch wurde das Thema

der Zuwanderung aktuell. Es war ein

sehr ungünstiger Zeitpunkt für ein

Referendum. Wenn Sie mich fragen,

wer der schlechteste Premier aller

Zeiten von Großbritannien ist, dann

stehen David Cameron und Theresa

Mayzur Wahl.

Spielt auch der alte Großmachtstatus

eine Rolle? Sie beschreiben in Ihrem

Buch, wie schmerzhaft für Großbritannien

der Verlust der Kolonien gewesen

ist.

Vordergründig spielt das Empire

keine Rolle, hintergründig jedoch

schon. Das Gefühl –einst war Großbritannien

eine Großmacht, heute

sieht man den Niedergang – führt

dazu, dass man dies auf die Zugehörigkeit

zur EU schiebt, weil wir Teil

voneinem größeren Gefüge sind. Ich

stehe sicher nicht auf der Seite jener,

die so argumentieren. Aber im Hintergrund

hat Großbritannien eine

andere Geschichte als Europa, es

hatte andere Institutionen, wurde

nie besetzt, das Empire gehört zu

diesem Bild dazu. Es ist ein idealistisch

gefärbtes Bild, und nicht alles

war so super, wie sich das viele vorstellen.

Besonders in den 70er-Jahren

war es schwierig. Und nun lese

ich Leserbriefe in den Zeitungen, in

denen die Bürger schreiben, dass die

ZUR PERSON

Der Historiker Ian Kershaw wurde 1943 in Oldham, Lancashire, geboren und hat sich in zahlreichen

Werken mit der Zeit des Nationalsozialismus befasst. Seine zweibändigeBiografie

über Adolf Hitler zählt zu den Klassikernder jüngeren Geschichtswissenschaft.Kershaw

spricht fließend Deutsch und hatte in den 80er-Jahren eine Professur an der Ruhr-Universität

in Bochum. Bis zu seiner Emeritierung 2008 lehrte er an der University of Sheffield.

Aktuelle Veröffentlichung: „Achterbahn: Europa 1950 bis heute“. Deutsche Verlags-Anstalt,

München 2019, 832 S.,38Euro

70er doch eine gute Zeit ohne die EU

gewesen seien. Mir persönlich ging

es zu dieser Zeit in der Tatgut, ich

habe geheiratet, wir haben Kinder

bekommen, ich nahm eine besser

bezahlte Arbeitsstelle an. Was persönlich

gilt, muss nicht für das Land

gelten. Demging es in den 70er-Jahren

ziemlich dreckig. Die Menschen

sehen die Zeit nicht richtig.

Besteht die Gefahr, dass dieses über

Jahrzehnte zusammengewachsene

Europa nun auseinanderfliegen

könnte?

Man darf die Gefahr nicht ignorieren.

Die EU muss Wege finden,

sich zu reformieren. Frankreichs

Präsident Macron hat Vorschläge ge-

DPA

macht. Aber er erhält keine positiven

Reaktionen aus den anderen Ländern.

Wohin die Reise geht, bleibt

ungewiss. Die Euro-Zone wird ein

potenzieller Krisenherd bleiben. Es

ist ein fragiles Konstrukt und muss

unbedingt reformiert werden. Die

Krise kommt jetzt nach Italien, die

schwachen Banken, die Verschuldung

des Landes, der Krach mit der

EU über den Haushalt. Die Euro-

Zone könnte in einer neuen großen

Krise auseinanderfliegen. Italien

wird nicht rettbar sein, wie es im

Falle Griechenlands gewesen ist,

und schon dort hatte man enorm

große Probleme bei der Rettung. Ich

frage mich ohnehin, was mit den anderen

Ländern passiert, wenn die

Euro-Zone enger zusammenrückt,

es wird wohl zu einer mehrgleisigen

EU kommen. Die Gefahr besteht,

dass es zu einer Zersplitterung

kommt und die EU zusammenbrechen

könnte. Es ist nicht ausgemacht,

dass die EU das Recht auf

ewiges Bestehen hat.

Wiebewerten Siedie Rolle der beiden

deutschen Staaten in der Nachkriegsgeschichte?

Deutschland war das Epizentrum

des Kalten Krieges. Die DDR und

BRD waren quasi Schaufenster der

jeweiligen politischen Systeme. Es

war deshalb eine besondere Geschichte.

Allerdings waren beide

Länder in vielerlei Hinsicht Ausnahmen

im Vergleich mit anderen Staaten.

Typischer für den Ostblock waren

eher Bulgarien oder Rumänien

als die DDR. Genauso war es imWesten.

Als ich das erste Mal nach

Deutschland kam, fand ich diesen

Gegensatz der beiden deutschen

Staaten absolut faszinierend.

Was wäre denn passiert, wenn es

keine Westbindung der Bundesrepublik

gegeben hätte?

Man kann nur spekulieren, aber

die Durchsetzung der liberalen Demokratie

wäre wohl schwieriger geworden.

Es hätte zu einer Unterminierung

des Systems durch die Sowjetunion

kommen können. Diefest

konsolidierte liberale Demokratie in

Westdeutschland ist sicher zu einem

großen Teil Adenauer zu verdanken.

Sieschildern Deutschland als stabilisierenden

Faktor in Europa und sind

auch mit seinen Kanzlern recht zufrieden.

Mehr oder weniger. Esist mir sogar

von Deutschen und Engländern

vorgeworfen worden, ich sei zu

deutschlandfreundlich. Das war

nicht meine Absicht. Ich habe die

politischen Führer in England sehr

stark kritisiert, gewiss. Deutschland

ist von den verschiedenen Kanzlern

und der Kanzlerin meistens gut geführt

worden. Unkritisch bin ich jedoch

nicht. DiedeutscheVorgehensweise

gegenüber Griechenland und

anderen schwächeren Ländern war

sehr nachteilig für Deutschland und

seinen Ruf −und auch von dem der

EU. Allerdings trug Deutschland die

größte Verantwortung für den Bestand

der Euro-Zone.

Waresfür Sie als Hitler-Biograf eine

schöne intellektuelle Tätigkeit, über

das Nachkriegseuropa zu schreiben,

dessen Blüte sich entfaltete?

Das war erlösend. Endlich weg

vonHitler! Andererseits war es keine

leichte Aufgabe. Es war verdammt

schwer, das Buch zu schreiben. Ich

kann aber sagen, dass ich viel dabei

gelernt habe.Ich weiß jetzt viel mehr

darüber, woich herkomme, wie die

Entwicklung zu bestimmten Lebenszeiten

von mir gewesen ist. Das ist

eine Bereicherung für mich gewesen.

Dass ich wegvon Hitler gekommen

bin, war eine Erleichterung und

sehr zu begrüßen. Nur bin ich nun

von Hitler zum Brexit gekommen.

Jetzt muss ich nur noch weg vom

Brexit kommen.

DasGespräch führte

Michael Hesse.

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Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 21

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Feuilleton

Das

schöne

Monster

Ex-Teenie-Star Zac Efron

glänzt als Killer TedBundy

Vonder

Realität

eingeholt

Die Polit-Comedy-Serie

„Veep“ ist am Ende

VonMarcus Weingärtner

Eskönnte alles so schön sein: Die

alleinerziehende Liz (Lily Collins)

lernt in einer BarinSeattle den

so charismatischen wie attraktiven

Jurastudenten Ted kennen. Schon

nach der ersten gemeinsamen

Nacht steht Tedmorgens in Schürze

in der Küche und macht Frühstück

für Liz’ kleine Tochter Molly. Kurz

darauf zieht das junge Paar zusammen,

das kleine Glück ist perfekt.

Wäre danicht die Entführung, mit

der Ted(Zac Efron) in Verbindung

gebracht wird. Und das Phantombild,

das Liz’ Geliebten so verdammt

ähnlich sieht. Langsam aber

sicher muss die Frau mit den langen

braunen Haaren und dem Mittelscheitel

der Tatsache ins Auge sehen,

dass ihr Freund, dieser Beau

mit dem tiefgründigen Blick und

dem sanft gewellten kastanienbraunen

Haar ein Irrer sein könnte, gar

einer der größten Serienmörder des

20. Jahrhunderts.

TedBundy war ein Psychopath,

der Mitte der 70er mehr als 30, wohl

eher an die 100 Frauen folterte, vergewaltigte

und tötete, zweimal aus

dem Gefängnis ausbrach, weiter

meuchelte und dem die Frauen

selbst im Angesicht seiner Gräueltaten

im Gerichtssaal reihenweise verfielen.

Wohl auch, weil der Prozess

um Bundy der erste war, dessen

Hauptfigur die Massenmedien, vor

allen Dingen das Fernsehen, für sich

zu nutzen wusste. Bundy verteidigte

sich selbst, gab Interviews und charmierte

sich aufs Telegenste zur besten

Sendezeit in die Herzen der Fernsehzuschauer

Amerikas.Genutzt hat

es ihm schlussendlich nichts: Bundy

wurde 1989 auf dem elektrischen

Stuhl hingerichtet.

Schau mir in die Augen, Kleines: Zac Efron

als Popgewordener Serienmörder. NETFLIX

Regisseur Joe Berlinger hat mit

Zac Efron in der Hauptrolle den

perfekten Darsteller des Bösen gefunden.

Efron darf in „Extremely

Wicked, Shockingly Evil and Vile“

sein Talent beweisen und spielt den

so gefährlichen wie extrem manipulativen

Serienmörder mit Vorliebe

für Frauen mit braunen langen

Haaren und Mittelscheitel so

überzeugend, dass man gewillt ist,

sein bisheriges Schaffen von„High

School Musical“ bis „Baywatch“

endgültig zu vergessen.

Bundy war – im Gegensatz zu

Jeffrey Dahmer oder Ed Gein –keine

früh gequälte und ruinierte Existenz,

sondernder elegante Archetyp

des ruchlosen Killers, für den seine

Intelligenz und sein gutes Aussehen

nur Mittel zum Zweck waren. Berlinger

hat gut daran getan, sich darauf

zu fokussieren und auf explizite

Gewalt zu verzichten. DasHauptaugenmerkgilt

hier der manipulativen

Seite eines Mörders,der selbst noch

aus der Todeszelle heraus versucht,

alle Taten zu leugnen und die

Frauen in seinem Leben von seiner

Unschuld zu überzeugen. So baut

sich das Grauen langsam auf, erst

am Ende,inden Szenen vorGericht,

wird die ganze Brutalität TedBundys

deutlich.

Extremely Wicked,Shockingly Evil and Vile,

Regie: JoeBerlinger, mit Zac Efron,LilyCollins

u.a., USA2019,DVD,ca. 9,99Euro

The Raconteurs(v.l.): Jack White (voc., git.), Patrick Keeler (dr.), Brendan Benson (voc., git.) und Jack Lawrence (b.)

Tanz auf dem Grab des Blues

Die beiden letzten Rockalben: The Raconteurs mit „Help Us Stranger“ und The Black Keys mit „Let’sRock“

VonMarkus Schneider

Was mag es bedeuten,

dass die beiden offiziell

letzten Rockalben

der Welt aus Nashville

kommen? Also aus einer Stadt, die

wie keine andere und für das historisch

erledigte Countrygenre steht?

Zunächst nicht mehr, als dass historische

Relevanz nicht alles ist. Country

gehört inden USA nach wie vor

zu den einträglichsten Gattungen,

und was die kritische und auch

Klick-Aufmerksamkeit angeht,

scheinen viele Hörer nicht viel darauf

zu geben, dass Jack Whites Quartett

The Raconteurs mit „Help Us

Stranger“ und das Duo The Black

Keys mit „Let’s Rock“ auf dem Grab

des Bluesrock tanzen. „Lo/Hi“, die

erste fuzz-brummende Singleauskopplung

des Black-Keys-Albums,

stand gleich in vier Kategorien an der

Spitze der Billboard-Charts und

wurde 2,3-Millionen Malgestreamt.

Als ziemlich hinfällig galt das

Genre der Protagonisten indes

schon, seit sie vor jeweils 22 und 17

Jahren ihre ersten Alben veröffentlichten.

Damals lebten sie noch in

den abgeschwungenen Industriestädten

Detroit, Michigan (White)

und Akron, Ohio (Black Keys), von

wo aus sie trotz des komischen Geruchs

des Genres mit roher Energie

Charts und zahlreiche Grammy-Trophäen

eroberten.

Whites große Zeit lag dabei in den

Nullerjahren, mit Grammys für die

White Stripes, seinem Duo mit Ex-

Ehefrau Meg, und auch einer Produktionsarbeit

für die Country-

Ikone Loretta Lynn. White hatte

schon vor dem Ende der White

Stripes 2011 sein Seitenprojekt The

Raconteurs gestartet, es aber nach

zwei Alben zugunsten vonSolos und

einer weiteren Band namens Dead

Weather zur Seite gelegt. „Help Us

Stranger“ ist das erste Album der

Band seit elf Jahren.

Das Duo The Black Keys: Dan Auerbach (git., voc.) und PatCarney(dr.)

ALYSSE GAFKJEN

„Operation Nachtwache“

Die Black Keys hingegen –Gitarrist

und Sänger Dan Auerbach und

Drummer Pat Carney – erreichten

die Mainstreamspitze erst 2010, im

zehnten Jahr ihres Bestehens. Ihren

Aufstieg verdankten sie nicht zuletzt

dem Produzenten Brian Burton alias

Danger Mouse, mit dem sie ihren

psychedelisch brutzelnden Rabaukensound

ordentlich aufpoppten

und einige massenwirksame Stampfer

wie „Tighten Up“ und „Lonely

Boy“ in die Charts brachten. Zuletzt

war vor fünf Jahren das grüblerische

„TurnBlue“ erschienen, wonach das

Duo, so Gitarrist DanAuerbach, eine

Burn-out-Pause einlegte.

Seit dem Debüt der Black Keys hat

man ihren Bluesrock immer wieder

als Nachbau des White-Stripes-Konzepts

verhandelt. Insbesondere Jack

White selbst hat sich in einem mittlerweile

beigelegten Streit über Auerbachs

angebliche Klauerei beschwert

und sogar den Umzug der Band nach

Nashville als Verfolgung gegeißelt.

Dabei teilen die beiden Bands außer

der offenbaren Liebe zu Blues und

fetten Gitarrensounds nicht gar so

viel. WieWhite auch mit den Raconteurs

unterstreicht, kämpft er sich mit

seinem virtuos eigenen Ton und

schon auch zusammengebissenen

Zähnen noch immer vor allem am

Erbe von Jimmy Page ab. Die Hälfte

der Tracks von„Help Us Stranger“ erinnern

mit ihren funky gehackten

und gezwirbelten Riffs an Led Zeppelin,

wobei sie verschärft progrockige

Kantigkeit und −vermutlich seitens

Whites Co-Leader Brendon Benson −

melodische Ideen hineinlegen. Die

andere Hälfte benutzt das Hardrock-

Balladentum jener Zeit, raffinierter

und vielfältig ausgeschmückt −innerhalb

nostalgischer Grenzen, die auch

eine etwas abgestandene Männlichkeit

einschließen.

Gegenüber der dampfenden

Schlichtheit von„Let’s Rock“ wirken

die Raconteurs erstmal musikalisch

pfiffiger −aber eben auch langweiliger.

Das liegt nicht zuletzt daran,

dass die Black Keys mit alten Sounds,

aber nicht restaurativ arbeiten. Sie

haben schon 2008 als Blakroc ein Album

mit Wu-Tang-Rappern, Mos

Defund Pharoahe Monch veröffentlicht,

ihre frühen Tracks haben sie

aus langen Jams zusammengeschnitten.

Und heute beruht ihr mit

zunehmendem Sinn für Glam aufbereiteter

Rock auf Zitaten und Versatzstücken,

die wie Quasisamples

wirken. Die Sicherheit im Umgang

mit alten Sounds kam auch Auerbachs

feinen Produktionen für Dr.

John und Lana DelRey zugute.Sogar

ihrePlattencoverbauen sie gernmal

Vorlagen nach. Diesmal erinnert die

grafische Bearbeitung eines elektrischen

Stuhls −mit „Let’s Rock“ zitieren

sie nicht sehr geschmackssicher

die letzten Worte eines Todeskandidaten

−anT.Rex.

Tatsächlich erkennt man in beinahe

jedem der gitarristisch schwer

aufgebrezelten Stücke von „Let’s

Rock“, das Carney und Auerbach

erstmals seit 2008 ohne Danger

Mouse produzierthaben, eine große

Zahl deutlicher Leihgaben, ZZ Top

sind ebenso dabei wie T. Rex und

Norman Greenbaum, CCR und gar

J. J. Cale.Anders als bei White dienen

sie aber nur als jeweils ein Signal unter

vielen, die sich zu eingängigen,

variablen Songs fügen −als „Hommage

an die elektrische Gitarre“, wie

Carney meinte.

Beide Bands passen gut nach

Nashville. Dessen Music Row, eine

Hauptstraße wie imWestern, besteht

aus einer endlosen Reihe von Bars

und Restaurants, in denen Country’n’Roll

gespielt und mit Cowboystiefeln

gehandelt wird, ein bisschen

wie die Wein- und Kohlehandlungen

bei Asterix im Arvernerland. Undwie

dortdie Averner die gallische Niederlage

gegen die Römer bei Alesia mit

Macht verdrängen, so ignoriert man

in Nashville den Untergang des

Rock’n’Roll-Reiches.Für eine Zeit ist

das unterhaltsam. Undesentspricht

bei allen Unterschieden dem Schaffen

vonRaconteurs und Black Keys.

TheRaconteurs −HelpUsStranger

(Pias/Third Man/ Rough Trade)

VANCE POWELL

The Black Keys −„Let’sRock“ (Nonesuch/WEA)

Rembrandts berühmtes Gemälde hat Attentate und Inneneinrichter überlebt und kommt nun unter die Lupe

VonAnnette Birschel

Im Amsterdamer Reichsmuseum

hat die „Operation Nachtwache“

begonnen −eine umfassende Untersuchung

des berühmtesten Gemäldes

von Rembrandt van Rijn (1606-

1669). Am Montag starteten Experten

mit einem Scan des Gemäldes.

Die Arbeiten finden vor den Augen

des Publikums statt und sind auch

liveimInternet zu verfolgen.

Das rund 17 Quadratmeter große

Gemälde wurde aus dem Rahmen

genommen. Drumherum wurde ein

gläserner Raum gebaut, in dem die

Experten arbeiten werden.„Es ist das

umfassendste Untersuchungs- und

Restaurierungsprojekt des Gemäldes“,

hatte Museumsdirektor Taco

Dibbits vorabgesagt.

Bei der Restaurierung

geht es vor allem

um Säuberungen. An

einigen Stellen seien

Farben verwischt und

sei das Bild von einer

weißlichen Schicht bedeckt,

teilte das Museum

mit. Die„Operation

Nachtwache“ wird

mindestens ein Jahr

dauern. Die Kosten

werden auf rund drei

Millionen Euro veranschlagt.

Zuletzt war die „Nachtwache“

1976 restauriert worden, nachdem

ein psychisch kranker Mann sie im

September 1975 mit Messerstichen

beschädigt hatte.Einen weiteren Anschlag

gab es im April 1990, als ein

Mann Schwefelsäure auf das Ge-

DPA/FREEK VAN DEN BERGH

mälde spritzte. Die Attentate

lösten einen

Schock aus.

Für die großen holländischen

Meister wie

Rembrandt entwarf

der Architekt Pierre

Cuypers Ende des 19.

Jahrhunderts eine „Kathedrale“:

das Amsterdamer

Experten vor dem Gemälde

im Rijksmuseum Reichsmuseum.

DerOrt und die besondere

Bedeutung des

Gemäldes machten es aber auch

schon immer attraktiv für Menschen,

die mit einem Anschlag ein

Zeichen setzen wollen. Anfang Januar

1911 geschah dies zum ersten

Mal, als ein arbeitsloser Seemann

mit einem spitzen Schustermesser

auf die Nachtwache einhackte.

Doch die „Nachtwache“ hat

schon ganz andere Dinge überlebt.

Als das Gemälde 1715 ins neue Rathaus,

den heutigen Amsterdamer

königlichen Palast, umziehen

musste, standen die Stadtherren vor

einem Problem. Es maß damals etwa

vier mal fünf Meter und war damit

viel zu groß für die vorgesehene

Wand zwischen zwei Türen im

neuen Rathaus. Kurzerhand griff

man zum Messer und schnitt an drei

Seiten einen Streifen ab.

Zu Rembrandts 350. Todestag stehen

die Niederlande 2019 ganz im

Zeichen des Meisters. Mit Ausstellungen

und Rundgängen ehren das

Jahr über Städte und Museen im

ganzen Land den Maler und sein

Werk. Prinzessin Beatrix eröffnete

das Themenjahr in DenHaag. (dpa)

VonAntje Wessels

Die erste Folge von„Veep“ zeigte

HBO in den USA am 22. April

2012. Nur wenige Tage später bestellte

der Sender eine weitere Staffel.

Kritiker belohnten die Polit-Comedy-Show

mit überragendem

Feedback, Zuschauer mit starken

Einschaltquoten. Im Jahresrhythmus

ließ der Sender neue Episoden

folgen. Ähnlich regelmäßig heimste

Hauptdarstellerin Julia Louis-Dreyfus

für ihre Rolle der US-Vizepräsidentin

Seline Meyer den US-Fernsehpreis

Emmy ein –fünf Jahre in

Folge. Am9.Juli ist nun das Finale

bei Skyparallel zur US-Ausstrahlung

zu sehen. Doch so schmerzvoll das

für die Fans der Serie sein mag, so

konsequent ist der Schritt.

Als 2013 die Netflix-Show„House

of Cards“ an den Start ging, waren

die Medien voller Lobeshymnen. Für

HBO war es einer der ersten großen

Coups. „Veep“ dagegen blieb −zumindest

in Deutschland −eher ein

Geheimtipp. Dabei ist die von Armando

Iannucci erdachte Comedyserie

auf den ersten Blick deutlich

leichter zu verdauen

als die

Dramen, die sich

im Weißen Haus

abspielen.

Die Machenschaften

in der

von „Sieben“-

Regisseur David

Fincher produzierten

Serie als Vizepräsidentin

Julia Louis-Dreyfus

„House of

Cards“ ereignen sich im Schatten

der Macht. Mit ihren hell ausgeleuchteten,

minimalistischen Sets

setzten die „Veep“-Macher den

Amtssitz der Vizepräsidentin dagegen

eher wie eine klassische Sitcom

in Szene.

Dennoch behandeln beide Serien

die gleichen Themen. Und im

Kontrast zu den hier verhandelten

Themen wirkt der Comedy-Anstrich

nochmal besonders zynisch.

Dass sich die Produzenten ausgerechnet

im November 2017 dazu

entschlossen, „Veep“ nach sieben

Staffeln zu beenden, scheint aus der

Sicht vonHBO grob fahrlässig. Zum

damaligen Zeitpunkt verabschiedete

sich der US-Kabelkanal von

seinem sprichwörtlich besten Pferd

im Stall. Übrigens nicht zum ersten

Mal: Auch die Mafia-Show „Sopranos“

und die frauenaffine Dramaserie

„Sex and the City“ wurden auf

dem Zenit ihres Erfolges beendet.

Doch 2017 wurde nicht nur das

Ende von„Veep“, sondern auch die

erste Amtszeit Donald Trumps als

US-Präsident eingeläutet. Die Produzenten

nannten ihre Serie damals

„auserzählt“. In Wirklichkeit

hat die Realität die in „Veep“ zelebrierte

Absurdität des Politzirkus

längst eingeholt. Vielleicht könnte

man heute einfach nicht mehr darüber

lachen, was Seline Meyer und

ihr Team hier fabrizieren –eskönnte

schließlich wirklich bald soweit

sein. (dpa)

DPA

TOP 10

Sonntag,7.Juli

1 Tagesschau ARD 6,57 23 %

2 Tatort ARD 5,67 18 %

3 heute-journal ZDF 5,15 18 %

4 Fußball-WM, Finale ARD 5,10 28 %

5 Rosamunde Pilcher ZDF 4,95 16 %

6 heute ZDF 3,36 15 %

7 Terra X ZDF 3,35 13 %

8 Fußball-WM, Studio ARD 3,25 16 %

9 Julia Leischik sucht RTL 2,89 12 %

10 Mord auf Shetland ARD 2,65 12 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

ETI (& 278 53 01)

20.00: Es regnet in Korinth

HZT Berlin in den Uferstudios (Uferstr.23)

18.00 Studio 8: Examining EverydayData (Sophia

New)

Komische Oper Berlin (& 47 99 74 00)

20.00: Stardust –From Bach to Bowie (Complexions

ContemporaryDance Theatre)

Radialsystem (& 288 78 85 88)

20.00: Nobodaddyisperfect(Solistensensemble

Kaleidoskop)

Shakespeare CompanyBerlin (& 21 75 30 35)

20.00: Macbeth!

Theater an der Museumsinsel (& 47 01 89 49)

18.00: Faust –Schönheit, Liebe, Arbeit

20.00: Die Vögel

KABARETT/VARIETÉ

Admiralspalast (& 22 50 70 00)

19.30: Chicago–The Musical

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Memories of Fools (Cirk La Putyka)

Distel (& 204 47 04)

20.00: Wohin mit Mutti?

Globe Berlin Prolog-Bühne (Open Air)

(& 54 90 51 92) 19.30: Hanswurst is back (Mirko

Thiele)

Kulturbrauerei/Soda (& 44 31 51 55)

18.00, 20.00 Salon: close-up-club: Zauberkunst,

erstaunlich, anders. Anm. erf.

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: Wermit wem? (TheatersportBerlin)

StageBluemax Theater (& 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: The Band –Das Musical (mit den Hitrs von

Take That)

Tati goes Underground (Metzer Str.2)

20.30: English Stand-up Comedy–Open Mic (Nir

Gottleid (Host)

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Die Magier 2.0 (Die Magier)

KLASSIK

Französische Friedrichstadtkirche

(& 20 64 99 22) 15.00: Gunter Kennel,30Minuten

Orgelmusik, Orgelmusik aus verschiedenen Epochen

KINDER

Amerika-Gedenkbibliothek (& 902 26 -0)

14.00 Jugendbibliothek: Pride Weeks: Queer Creative

Megaband, Werde Teil der Pride Weeks!. Anm. erf.

Computerspielemuseum (& 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Deutsches Technikmuseum (& 90 25 40)

10.00 Ladestraße, Junior Campus: Sommerferienprogramm:

JuniorCampus: Mathemachen, Workshop

(ab 5J.)

11.00: Sommerferienprogramm: Entdeckungstour:

Aufgroßer Fahrt, Treff: Eingangshalle (ab 6J.)

11.00 Altbau, 1. OG, Textiltechnik: Sommerferienprogramm:

In der Werkstatt: Gehackte Maschen,

Workshop (ab 6J.)

11.30, 14.00, 15.30 Science Center Spectrum, EG,

Veranstaltungsraum: Sommerferienprogramm: Kälter

als kalt –coole Versuche bei -196°C, Vorführung

13.00, 14.00, 15.00 Ladestraße, Bildungsraum:

Sommerferienprogramm: Coding robots –Roboter

steuern, Workshop (ab 9J.)

FEZBerlin (& 530 71 -0)

10.00: FEZitty –Die Hauptstadt der Kinder (ab 6bis

14 J.)

Freilichtbühne an der Zitadelle (& 333 40 22)

10.30: 15. Sommer-Familientheater-Reihe: Pippi

Langstrumpf –wie alles begann ..., Berliner Kinder-

Theater (ab 4bis 9J.)

Gemäldegalerie (& 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in der Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Jaro Theater (& 341 04 42)

10.30: Der Seehund, der die Nixe austrickste, Puppen-

und Schauspiel (ab 3bis 8J.)

Jugendmuseum Schöneberg (& 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00, 14.00: Welcome to diversCITY! Queer in

Schöneberg und anderswo

Käthe-Kollwitz-Museum (& 882 52 10)

11.00: Bilder vonheute –Visionenfür morgen. Auf

grafischer Spurensuche durch Käthe Kollwitz Werk,

Führung und Workshop (ab 8bis 11 J.). Anm. erf.

Labyrinth Kindermuseum (& 800 93 11 50)

9.00: 1, 2, 3, Kultummel –Die Ausstellung mit dem

Vielfalter,Lernvielspaß für Mitmachkinder (ab 3bis

11 J.)

MACHmit! Museum für Kinder (& 74 77 82 00)

10.00: Der Rest vomLagerfeuer-Kohlekunst,Wochenwerkstatt

14.00: Zöpfe flechten fürs Klima, Bezahlwerkstatt

(3 Euro)

Museumsdorf Düppel (& 802 66 71)

17.00: KleineSummer School: Wasser und

Globalisierung –Campen im Museumsdorf Düppel,

Sommer-Camp für 14- &15-Jährige(ab 14 bis 15

J.). Anm. erf.

Märkisches Museum (& 308 66 -0)

10.00: Vielfalt-Forscher des Labyrinth Kindermuseums

Berlin, Wasist Vielfalt? Wo ist Vielfalt?

Planetarium am Insulaner (& 790 09 30)

10.30: Raumschiff Erde

Puppentheater Felicio (& 44 67 35 30)

10.00: Kasperund Rotkäppchen

Puppentheater Firlefanz (& 283 35 60)

16.00: Der gestiefelte Kater,Märchen-Abenteuer (ab

3bis 8J.)

Schaubude (& 423 43 14)

10.00: 3kleine Schweinchen, Puppentheater (ab 4

bis 7J.)

LITERATUR/VORTRAG

Literaturforum im Brecht-Haus (& 282 20 03)

20.00: Theodor-Fontane-Woche: „Gerade dadurch

sind sie mir lieb“ Theodor Fontanes Frauen, Christine

vonBrühl, Lesung und Gespräch mitHartmut Kühnen

und Christine vonBrühl

Schokoladen Mitte (& 282 65 27)

19.00: LSD –Liebe Statt Drogen

Zimmer 16 (& 48 09 68 00)

20.00: Rakete 2000 rockt Pankow

FÜHRUNG

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

11.00, 12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí –

Die Ausstellung am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Deutsches Historisches Museum (& 20 30 40)

10.00: Demokratie-Labor,Führungen für Schulklassen

und Gruppen. Anm. erf.

Hamburger Bahnhof /Museum fürGegenwart

Berlin (& 39 78 34 11) 12.00, 16.00: Materialität

in der Kunst, Treff: Foyer

Meyers Stadtgänge (& 442 32 31)

14.00: „Henselmann fing später an!“ Wohn-Stadtgang

zur „wiederentdeckten“DDR- Bauhaus-Moderne

von1949/50, Bernd S. Meyer, Treff: Eing.Hochhaus

Weberwiese, Marchlewskistr.25(U5 Weberwiese)

Olympiastadion (& 30 68 86 18)

10.30: Tour durchs Olympiastadion (in English)

11.00: Tour durchs Olympiastadion

Deutsche Geschichte

Experimente

mit

Menschen

Der Chirurg Karl Gebhardt

wurde beim Nürnberger

Ärzteprozess im August 1947

zum Todverurteilt und im Juni

1948 gehängt. Er hatte unter

anderem Sulfonamid-Experimente

an KZ-Insassinnen

durchgeführt. Um die Wirkung

des Antibiotikums zu erproben,

simulierte der Arzt, den

man nicht Arzt nennen kann,

Kriegsverletzungen, indem er

Fremdstoffe in Körperteile einnähen

ließ, Muskeln quetschte,

Eiter in Venen spritzte, den

Frauen Schusswunden zufügte

und mit Gasbrand infizierte −

Ziel seiner Versuchsreihe war

es, seine Schuld am TodHeydrichs

auszuräumen, der nach

einem Attentat und der Behandlung

durch Gebhardt an

einer Sepsis starb. Dass viele

der Frauen bei den Experimenten

starben, bestätigte für

Gebhardt die Annahme, dass

Sulfonamid Heydrich nicht geholfen

hätte. Ulrich Seidler

Der MedizinerKarlGebhardt und seine

Menschenexperimente 19 Uhr,Medizinhistorisches

Museum der Charité

Das Heroines-of-Sound-

Festival geht bereits in

seine sechste Ausgabe

und widmet sich an drei

Tagen „frühen und aktuellen

Held*innen elektronischer Musik“.

Das Sternchen scheint mir, dasich

die Reihe ausdrücklich um die Stärkung

der weiblichen Präsenz in der

Musik bemüht, ein wenig sehr beflissen,

aber warum nicht?

Gegründet vonBettina Wackernagel,

bleiben die Aktivitäten nicht aufs

Festival allein beschränkt. Als feministisches

Netzwerktragen die Künstlerinnen

ihreAktivitäten weit über die

einzelnen Veranstaltungen hinaus.

Frühe Elektronikerinnen gibt es in

diesem Jahr allerdings nur im Film zu

sehen, wie zum Beispiel die 87-jährige

französische Pionierin Eliane Radique.Sie

arbeitete in den Fünfzigern

mit den musique-concrète-VertreternPierres

Henryund Schaeffer,bevor

sie nach New York zog und sich

dem Synthesizer zuwandte.

Von den leibhaftig vertretenen

Künstlerinnen sind nur wenige bekannt,

aber der Sinn eines solchen

Festivals besteht ja gerade darin,

Neues zu entdecken – diesmal in

Held*innen des Sounds

Ein Festival aus dem weiten Feld elektro-akustischer Musik

aus feministischer Perspektive und die beste Liveband des HipHop

sind die Events der Woche

Markus Schneider

empfiehlt das Festival

„Heroines of Sound“, das sich

der weiblichen elektronischen

Avantgarde widmet; dazu die großartige

HipHop-Band The Roots aus

Philadelphia und den

menschenfreundlichen Yasiin Bey.

Form eines osteuropäischen

Schwerpunktes. Einige der Musikerinnen

pflegen auch ohne den explizit

vom Festival formulierten Anspruch

auf Grenzverletzungund Deterritorialisierung

eine sehr entgrenzte

Ästhetik. Die

ko-kuratierende Antye Greie zum

Beispiel, die ich mit ihren pop-näheren

Aktivitäten als AGF, allein und

mit Gudrun Gutund Vladislav Delay

schätzen gelernt habe, die ich aber

auch mit den beim Festival performenden

The Lappetites (mit Kaffe

Matthews und Ryoko Akama) hier

schon empfohlen habe.

Ziemlich knackig und dicht finde

ich die wogende und rhythmisierte

Musik aus Field Recordings und

Stimmen der berlin-brasilianischen

Komponistin Laura Mello. Einnehmend

sind auch die zarten, mikrotonalen

Kammermusiken der Kanadierin

Annesly Black, die sich mit

den politischen Dimensionen musikalischerVerbote

auseinandersetzen

wird. Kontrastreich und spannend

bringt schließlich die Kameruner Experimentalistin

Elsa M’Bala alias

AMET, die in Yaounde und Berlin

lebt und arbeitet, ihre Live-Stimme

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) DancingQueens

15.00; Rocketman 17.30, 20.15

Cinema Paris (& 881 3119) Ein Becken voller

Männer 15.30, 20.30; Der Klavierspieler vom Gare

du Nord 18.00

DelphiFilmpalast (& 312 10 26)Geheimnis eines

Lebens 15.30, 18.00, 20.30

Delphi LUX (& 322 931040) Rocketman (OmU)

15.00,17.45, 20.30; TelAviv On Fire 15.40, 18.00,

20.20; Geheimnis eines Lebens (OmU) 14.00,

21.00;Tel Aviv On Fire (OmU) 16.20, 18.40; Ramen

Shop (OmU) 14.00; The Dead Don‘tDie (OF) 16.00,

18.30,21.00; Der Klavierspieler vom Gare duNord

14.30; Burning 16.50, 20.00; They Shall Not Grow

Old (OmU) 15.45, 18.00, 20.15; Yoga: Die Kraft

des Lebens 14.00; Sunset 16.00; Zwischen den

Zeilen 19.00; OBeautiful Night 21.20

Filmkunst 66 (& 882 1753) Traumfabrik 17.30,

20.00; Britt-Marie war hier 18.00; Eine moralische

Entscheidung 20.15

Kant Kino (& 319 98 66) Pets II 14.00, 16.00,

18.20, 20.50; Kroos 14.45, 18.00, 20.40; Jussi

Adler-Olsen:Verachtung15.30, 18.00, 20.40; Britt-

Marie war hier 16.15; Roads 18.30; Rocketman

17.20,20.00; Nur eine Frau 16.10, 20.20

Zoo Palast (& 018 05/22 2966) 3D: Spider-

Man: Far From Home 11.15, 14.00, 17.00, 20.00,

23.00; Pets II11.00, 13.00, 15.00; Traumfabrik

17.15, 20.10; John Wick III 23.05; Aladdin 12.15;

Traumfabrik 15.00; Annabelle III 18.00, 20.40,

23.15; Spider-Man: Far From Home 12.30, 15.20;

3D:Pets II 18.15,20.30; 3D: Spider-Man: FarFrom

Home (OF) 22.45; TKKG 12.15; 3D: Pets II 14.30;

3D: Aladdin 16.45, 19.45, 22.40; Drei Schritte zu

Dir 15.00, 17.40, 20.15; Men inBlack: 23.00;

Glam Girls 12.30; Kroos 14.45; Ein Becken voller

Männer 17.30; Long Shot 20.20; X-Men: Dark

Phoenix 23.10

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Tolkien(OmU)

11.00; Luft zum Atmen –40Jahre Opposition bei

Opel in Bochum 13.00; Das schönste Paar 14.15;

Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 16.00;

Tolkien 18.00; Gaza Surf Club (OmenglU) 20.00;

Border –Gräns (OmU) 22.00; Once Again –Eine

Liebe in Mumbai (OmU) 11.00; Under the Tree

12.45; Streik –Enguerre (OmU) 14.15; Edie –Für

Träume ist es nie zu spät (OmU) 16.15; Eine moralische

Entscheidung –Bedoone tarikh, bedoone

emza (OmU) 18.00; Rocketman (OmU) 19.45;

Dave Made aMaze (OmU) 21.45;

One Cut of the Dead –Kamera otomeru na! (OmU)

23.15; Once Again (OmU) 11.00; Green Book –

Eine besondere Freundschaft (OmU) 12.45; Yoga:

Die Kraft des Lebens –Debout (OmU) 15.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 16.30; Van Gogh:

An der Schwelle zur Ewigkeit 18.15; The Dead Don‘t

Die (OmU) 20.15; Burning 22.00

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29) Roads (OmU)

16.00; Zwischen den Zeilen –Doubles vies (OmU)

18.00; Rocketman (OmU) 20.00; Burning –Beoning

(OmU) 22.15; Esta todo bien –Alles ist gut

(OmU) 16.15; Push –Für das Grundrecht auf Wohnen

(OmU) 17.45; Erde (OmU) 19.30; The Artist &

The Pervert (OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Rocketman 13.45,

18.15; Monsieur Claude II 13.45; Traumfabrik

14.00, 17.00, 20.00; IMAX 3D: Spider-Man: Far

From Home 14.00, 17.00, 20.00; Men in Black:

14.00, 16.45; 3D: Pets II 14.15, 16.30, 19.45;

Aladdin 14.20,16.15; Spider-Man: Far From Home

14.35, 17.30, 19.20; Pets II –The Secret Life of

Pets 2(OF) 14.35, 16.50; Bailey: Ein Hund kehrt

zurück 14.45; Pets II 15.00, 17.20; Drei Schritte

zu Dir 15.00, 17.30, 20.15; Godzilla 2–King of

the Monsters 15.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

15.30; Kroos 16.40; Avengers: Endgame

17.30; Annabelle III 17.50, 20.30; X-Men: Dark

Phoenix 18.15; Brightburn: SonofDarkness 19.00;

John Wick III 19.15; Long Shot 19.30; 3D: Aladdin

19.30; Ein Becken voller Männer 20.45; Spider-

Man: FarFrom Home (OF)21.00;3D: MeninBlack:

21.15; Geheimnis eines Lebens 21.15; 3D: X-Men:

Dark Phoenix 21.20

Zukunft (& 01 76/57 86 10 79) The Dead Don‘t

Die (OmU) 20.00; Der Goldene Handschuh 22.00;

Berlin Bouncer (OmU) 18.00; Kaviar 19.45; Das

melancholische Mädchen 21.45

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 0200) Spider-Man: Far

From Home 11.00, 14.00; Avengers: Endgame

11.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 11.10,

14.00; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 11.15;

Willkommen im Wunder Park 11.20; TKKG 11.20;

Pets II 12.00, 14.20, 16.50; Traumfabrik 13.45,

16.40, 19.40; Aladdin 13.50, 16.45, 19.45; Glam

Girls 14.15; 3D: Pets II 14.50, 17.20, 20.00; Annabelle

III 16.50, 20.10; Drei Schritte zu Dir 17.00,

20.15; 3D: Spider-Man: Far From Home 17.10,

19.30; John Wick III 19.50

Kino Kiste (& 998 7481) Unheimlich perfekte

Freunde 13.00; Kaviar 14.35; Mister Link: Ein fellig

verrücktes Abenteuer 16.20; Rocketman 18.00;Yuli

20.05

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 41 09) Alfons Zitterbacke–DasChaos

ist zurück 11.50; Aladdin 11.50,

14.20, 17.00, 19.50; 3D: Pets II 12.00, 14.10,

17.10,19.40; 3D: Aladdin 12.00; TKKG 12.10; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 12.15; Willkommen

im Wunder Park 12.20; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 12.30, 14.50; Pets II 12.40, 15.00,

16.00,18.10; Dancing Queens 14.00; 3D: Spider-

Man: Far From Home 14.15, 17.20, 20.10; Long

Shot 14.20; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 14.40;

Traumfabrik 14.45, 17.10, 20.00; Spider-Man: Far

From Home 16.40, 19.45; Godzilla 2–King ofthe

Monsters 17.00; Annabelle III 17.15, 20.20; Drei

Schritte zu Dir 17.30, 20.15; Avengers: Endgame

19.30; John Wick III 20.00

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A The Dead Don‘t Die

(OmU) 17.30, 20.00, 22.20; B Tel Aviv OnFire

(OmU) 17.15, 19.30, 21.45

fsk am Oranienplatz (& 614 2464) Erde (OmU)

18.00; Das melancholische Mädchen (DFmenglU)

18.15, 20.15, 22.00; Nuestro tiempo –Our Time

(OmU) 20.00

Moviemento (& 692 4785) Preview: Tel Aviv On

Fire (OmU) 13.15, 15.30, 17.45, 20.00, 22.15;

TKKG 10.45; Checker Tobi und das Geheimnis unseres

Planeten 13.00; Sunset –Napszallta (OmU)

15.00; Eine moralische Entscheidung – Bedoone

tarikh, bedoone emza (OmU) 18.00; High Life

(OmU) 20.15; Cold War: Der Breitengrad der Liebe

–Zimna wojna (OmenglU) 22.45; Die Winzlinge:

Abenteuer in der Karibik 10.00; Border –Gräns

(OmU) 12.00; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist

zurück 14.30; TKKG 16.45; Inna de Yard –The Soul

of Jamaica (OmU) 19.00; Rocketman (OmU) 21.15

Sputnik (& 694 11 47) Mirai: Das Mädchen aus

der Zukunft 17.00; Kaviar (OmU) 18.45; Roads

(OmenglU) 20.30; O Beautiful Night (OmenglU)

22.15; Lord of the Toys 17.00; Rocketman (DF)

18.45; Burning –Beoning (OmU) 21.00; Kinobar

im Sputnik Von Bienen und Blumen (OmenglU)

18.00; Filmclub (OmU) 20.30

Yorck (& 78 91 32 40) Geheimnis eines Lebens

15.20, 17.40, 20.00; New TelAviv OnFire 16.45,

19.00, 21.15

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 95 90) TKKG 10.00,

12.30; Rocca verändert die Welt 10.00, 12.30; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 14.45; Pets

II 10.00, 12.00, 14.00, 16.00, 18.00;

Alfons Zitterbacke 10.00, 12.45; Mister Link 12.15;

Spider-Man: Far From Home 14.15;Aladdin 14.45,

19.45; 3D: Pets II 15.00, 20.15; 3D: Spider-Man

II 17.00, 20.00; Kroos 17.00; Traumfabrik 17.15,

20.00; Drei Schritte zuDir 17.30; Ein Becken voller

Männer 20.15

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) TKKG 13.00;

Pets II 13.00; Geheimnis eines Lebens 13.00,

20.15; Ein Becken voller Männer 15.10; 3D: Pets

II 15.15,17.30,19.45; Der Klavierspielervom Gare

du Nord 15.15;Tolkien 17.45; Aladdin 17.45; Men

in Black: 20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.30; Glam Girls

11.30; Willkommen imWunder Park 11.45; TKKG

11.45; Royal Corgi 11.45; Pets II 12.00, 14.15,

17.00; Aladdin 12.00, 14.00, 17.00, 19.45; 3D:

Pets II 12.30, 15.00, 17.30, 20.15; Spider-Man:

Far From Home 14.00; Men inBlack: 14.00; Long

Shot 14.00; Drei Schritte zu Dir 14.00, 17.00;

Avengers: Endgame 15.15; 3D: Spider-Man II

16.30,19.45;Traumfabrik16.45, 19.50; Annabelle

III 17.05, 20.15; John Wick III 19.50; X-Men: Dark

Phoenix 20.00; Sneak Preview 20.30

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Mirai 17.00; Nur eine Frau

(OmenglU) 18.45; Kaviar 20.45; Mamacita (OmU)

18.00;Wenn Fliegen träumen 19.45; Under theTree

–Undir trenu (OmU) 21.30

Babylon (& 242 5969) NewYork –New York: Night

On Earth (OmU) 17.00; NewYork –New York: Frances

Ha (OmU) 17.30; New York –New York: Harry

und Sally –When Harry Met Sally (OmU) 18.00;

Peter Azen Trilogy: Black Wave (OmenglU; m. Vorfilm,

Gast u.Gespräch) 19.30; NewYork –New York: Requiem

for aDream (OmU) 19.30; New York –New

York: French Connection I–Brennpunkt Brooklyn

(OmU) 20.00; New York – New York: Rosemaries

Baby (OmU) 21.30; New York –New York: Das

Fenster zum Hof –Rear Window (OF) 21.30; New

York –New York: Der unsichtbare Dritte –North by

Northwest (OmU) 22.00

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Rico,

Oskar und die Tieferschatten 10.00; Rocketman

(OmU) 12.15, 14.45, 17.15, 20.00, 22.45; Greta

(OmU) 13.15,22.15; Alfons Zitterbacke –Das Chaos

ist zurück 15.15; Monsieur Claude II –Qu‘est-ce

qu‘on aencore fait au Bon Dieu? (OmU) 17.30;

Der Klavierspieler vom Gare du Nord –Aubout des

doigts (OmU) 19.45

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) TKKG

11.00; Spider-Man: Far From Home 11.10, 14.20;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 11.10; Drei

Schritte zu Dir 11.20, 17.15, 20.00; Dancing

Queens 11.20; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

11.30; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 11.40; 3D:

Pets II 12.00, 14.30, 17.00, 19.30; Pets II 12.30,

15.00, 17.30, 22.30; Avengers: Endgame 13.15;

X-Men: Dark Phoenix 13.30; Aladdin 13.45, 16.45;

Long Shot 14.00; Glam Girls 14.10; Traumfabrik

14.15, 17.15, 20.15; Men inBlack: 16.30; 3D:

Spider-Man: Far From Home 16.40, 19.45, 23.00;

Rocketman 17.00; Annabelle III 17.45, 20.30,

23.15; 3D: Aladdin 19.20; 3D: Men in Black:

19.40, 22.40; John Wick III 19.50, 23.10; Kroos

20.10; 3D: Avengers: Endgame 22.00; 3D: Godzilla

2–King of the Monsters 22.50; Brightburn: Son of

Darkness 23.10; 3D: X-Men: Dark Phoenix 23.15

Hackesche Höfe (& 283 46 03) Britt-Marie war

hier –Britt-Marie var här (OmU) 14.30; Nonna Mia!

–Metti lanonna infreezer (OmU) 16.45, 19.00;

Der Himmel über Berlin (OmenglU) 21.15; Berlin

Babylon (Omdt+englU) 14.30; Ein Becken voller

Männer –Legrand bain (OmU) 16.30, 19.00;

Nuestro tiempo –Our Time (OmU) 21.30; Sunset –

Napszallta (OmU) 14.30; Inna deYard –The Soul of

Jamaica (OmU) 17.30; The Dead Don‘t Die (OmU)

19.45, 22.00; TelAviv On Fire (OmU) 14.45, 19.00;

Das melancholische Mädchen (OmenglU) 17.00,

21.15; Burning –Beoning (OmU) 14.00, 21.00; O

Beautiful Night (OmenglU) 17.00, 19.00

International (& 24 75 60 11) Geheimnis eines

Lebens 16.30, 19.00; The Dead Don‘t Die (OmU)

21.20

Zeughauskino (& 20 30 47 70) Caravan (OF)

20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (& 01 80/505 06 44)

Willkommen imWunder Park 12.00; Spider-Man:

Far From Home 12.00, 14.10, 17.10, 20.00; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 12.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 12.00, 14.40; Pets II

12.00,14.30, 17.00; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 12.00;Aladdin12.00,14.15, 17.10,

20.00;3D: Pets II 12.30,15.00, 17.30, 20.00;Drei

Schritte zu Dir 14.00,17.30; TKKG 14.30; Pets II –

The Secret Life ofPets 2(OF) 14.50; Kroos 15.00;

Spider-Man: FarFromHome (OF)17.00, 20.15; AnnabelleIII

17.00, 20.10; Traumfabrik17.10, 20.00;

Men in Black: 17.10, 20.10; 3D: Spider-Man: Far

From Home 19.30; Hollywoodtürke 19.45

IL KINO (& 91 70 29 19) Zwischen den Zeilen –

Doubles vies (OmU) 12.00, 22.00; Aladdin (OmU)

14.00; Ein Becken voller Männer –Legrand bain

(OmU) 16.30; Mamacita (OmU) 18.45; Berlin Sci-

Fi Filmfest (re.Run 5) 20.15

Neues Off (& 62 70 95 50) The Dead Don‘t Die

(OF) 17.00,19.30,22.00

Passage (& 68 23 70 18) The Dead Don‘t Die

(OmU) 18.15, 20.45; Sneak Preview 22.30; Rocketman

(OmU) 17.30, 20.00; Nur eine Frau

19.00; Ein Becken voller Männer –Legrand bain

(OmU) 21.10

Rollberg (& 62 70 46 45) Spider-Man: Far From

Home (OF) 17.40, 20.30, 22.20; Geheimnis eines

Lebens (OmU) 17.40, 20.00; They Shall Not

Grow Old (OmU) 16.45, 19.00; Burning (OmenglU)

21.15; Tolkien (OmU) 16.15; TelAviv OnFire (OmU)

18.40, 20.50; Burning –Beoning (OmU) 16.30,

19.30; OBeautiful Night (OmenglU) 22.30

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34)

Aladdin13.50,16.45, 19.45; MeninBlack: 14.05;

Long Shot 14.10; Pets II 14.15, 17.30; Spider-

Man: Far From Home 14.20; 3D: Pets II 15.00,

17.10, 20.00; 3D: Spider-Man: Far From Home

16.30,19.45; Traumfabrik17.20, 20.15; Annabelle

III 17.30,20.10; 3D: Men in Black: 19.30

Wolf (& 921 03 93 33) BabyWolfgang präsentiert:

Erde (OF) 11.00; Nuestro tiempo –Our Time (OmU)

12.20; Das melancholische Mädchen (OmenglU)

14.20,21.20; Mo &Friese unterwegs 16.00; Mirai:

Das Mädchen aus der Zukunft 16.00; OBeautiful

Night (OmenglU) 17.00; High Life (OmU) 18.50;

Erde (OF) 19.00; Burning –Beoning (OmU) 21.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) Pets II

14.00, 16.00, 18.40, 20.45; Geheimnis eines Lebens

16.20, 18.00, 20.30; TKKG 14.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Geheimnis

eines Lebens 15.40, 20.20; Geheimnis eines Lebens

(OmU) 18.00; TelAviv OnFire 14.15, 16.30,

18.45,21.00; Pets II14.00, 16.00,18.00, 20.00;

TKKG 14.20; Rocketman (OmU) 16.30; The Dead

Don‘t Die (OmU) 19.00; The Dead Don‘t Die 21.15;

Der Klavierspieler vom Gare du Nord 15.15; Ein Becken

voller Männer 17.30; Burning 20.00

Kino in der Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00)

TKKG 11.15, 13.45; Pets II 11.15, 14.15, 16.40;

Britt-Marie war hier 11.15; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 11.30, 14.00; Dumbo 11.30; Mister

Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 11.50; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 12.00; 3D:


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Black Thought, die Stimme von The Roots, der derzeit wohl besten HipHop-Liveband.

und -Percussion mit Vokalsamples,

Elektronik und Field-Noises zusammen

–als geräuschige Reise ins politische

undspirituelle Afrika.

Auf verschiedenen Panels wird

über „Female Future Sounds“ und

den Genderstand der Dinge und die

entsprechenden ästhetischen Strategien

debattiert. Schließlich kann

man Klangexperiment und Gespräche

natürlich am späteren Abend zu

DJ-Beats sacken lassen –oder halt

dazu tanzen.

Mit The Roots schaut die derzeit

wohl beste Liveband im HipHop vorbei.

Seltsamerweise liegt ihr letztes

Album schon ein ganzes Weilchen

zurück, fünf Jahre nämlich, wo sie

sonst seit den 90er-Jahren eher alle

zwei Jahregeliefert haben. Einneues

Albumnamens„Endgame“ ist bisher

noch ohne Termin angekündigt.

Andererseits war schon 2011 mit

„Undun“ der Wandel zur Konzeptband

unüberhörbar;auf dem letzten

mit dem Titel„…and then youshoot

your cousin“ führte sie der Zustand

der Welt zu Sound-Collagen und

Streicherparts und –über nur 32 Minuten

–eine recht wilde Tour durch

Soul- und Hiphop-Styles.

POP

The Roots/ Yasiin Bey 11. 7.,

VertiMusic Hall. 20 Uhr

Heroines of Sound 12.–14. 7.,

Radialsystem

Talib Kweli 12. 7. abgesagt

IMAGO

Letzteres wiederum gehört zu

den großen Vergnügen ihrer Konzerte:

Sie sind sagenhaft sicher im

Umgang mit den unterschiedlichen

und auch historischen Genrepositionen

und können mühelos dazwischen

herumspringen und wechseln.

Dabei kommt ihnen nicht nur

die doch schon 32-jährige Geschichte

als einsame Live-Verfechter

in einer DJ- und Turntable-Szene zugute,sondernauch

der ein Weilchen

unterbrochene, mittlerweile wieder

aufgenommene Job als Hausband

des Late Night Talkers JimmyFallon.

Und zuguter Letzt besitzen sie mit

Bandleader und Drummer Questlove

Thompson zugleich die graue

Eminenz des HipHop und dessen

präziseste Rhythmusmaschine.

Sie kommen übrigens mit Yasiin

Bey, dem ehemaligen Mos Def, dessen

Konzerte dank seiner auch in

den Schauspielrollen zu erlebenden

authentischen Präsenz stets überzeugen.

Sein ehemaliger Partner im

legendären Black-Star-Duo, Talib

Kweli,einer der besten und aufrechtesten

Texter des Rap, hat dagegen

seine ganzeTour und auch den AuftrittimYaamleiderabgesagt.

Soul

Cool

und

elegant

Die Videos, die einen anschaulichen

Überblick

über das Schaffen von Janelle

Monáe vermitteln, kommen

selbst als ambitionierte Kunstwerke

daher. Die Schauspielerin,

Tänzerin und Soulsängerin

Janelle Monáe, die als derzeit

coolste Variante des R’n’ B

reüssiert, zeigt das mal im

mystischen Gewand („I Like

That“) oder führt zusammen

mit Erykah Badu ein in ein

ominöses Kunstprojekt namens

„Q.U.E.E.N“. Unddas alles

kommt in einer derart eleganten

Lockerheit daher, die

Janelle Monáes Gespür, Ehrgeiz

und Talent erst recht zur

Geltung bringt. Geboren

wurde die vielseitige Künstlerin1985

in Kansas,und in New

York studierte sie als junge Erwachsene

Schauspiel an der

American Musical and Dramatic

Academy. Ihrdrittes Album

„Dirty Computer“wurde überaus

wohlwollend aufgenommen.

HarryNutt

JanelleMonáe 20 Uhr,Columbiahalle,

Columbiadamm 10–11

Stadt im Ohr (& 20 07 88 41)

9.00:Hörspaziergang Friedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,Treff:

Süßkramdealer,Varziner Str. 4

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge, Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

11.00: Werkstatt Wedding.Hörspaziergang durch die

Bilder einer Stadt, stadt im ohr,Treff und Ausgabe der

Audioguides. Rosa Parks Café, Soldiner Straße 32,

13359 Berlin

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr, Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte,Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im CafeSibylle,

Karl-Marx-Allee 72

Konzert

b-flat (& 283 31 23)

21.00: Espen Eriksen Trio

Columbiahalle (& 69 81 28 14)

20.00: Janelle Monaé

Lido (& 69 56 68 40)

21.00: EloMatoaunPolizia Motorizado

Rickenbacker’s (& 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mit Heinz Glass u. a.

Schlot (& 448 21 60)

21.00: Soniquete

Zig Zag Jazz Club (& 94 04 91)

21.00: The Zig Zag Jazzed Up Jam Session, host: Uri

Gincel

CLUB

Birgit &Bier (& 01 52 33 92 09)

23.00: OMG It’sTuesday

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00: Clärchens Discodienstag,Clärchen &friends

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Berlin House Night, Max Telaer,Habibi Grooves

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(& 89 75 13 27) 21.00: The House of Presents

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Suicide Circus (Revaler Str.99)

23.59: Encore.Une.Fois

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00 Spiegelsaal: Argentinischer Tango, Gaia,

Leandro

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Cha Cha, Walzer &Co, Evan, Josefina und

Antoine

MUSEEN

Alte Nationalgalerie (& 266 42 42 42)

10.00: Kunst des19. Jahrhunderts, Spitzweg,Manet,

Renoir,Cézanne u. a., Di-So/Feiert.10-18, Do 10-20

Uhr

10.00: Gustave Caillebotte. Der malende Mäzen der

Impressionisten, Di-So/Feiert.10-18, Do 10-20 Uhr

Anne Frank Zentrum (& 288 86 56 00)

10.00, 10.00: Anne Frank. hier &heute, Di-So/Feiert.

10-18 Uhr

10.00: Alles über Anne, Di-So/Feiert.10-18 Uhr

Berlinische Galerie (& 78 90 26 00)

10.00: Lotte Laserstein.Von Angesicht zu Angesicht,

Mi-Mo 10-18 Uhr

Bröhan-Museum (& 32 69 06 00)

10.00: Jugendstil, Di-So/Feiert.10-18 Uhr

10.00: Skandal! Mythos! Moderne! Die Vereinigung

der XI in Berlin, Di-So/Feiert.10-18 Uhr

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí –Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

Deutsches Historisches Museum (& 20 30 40)

10.00: Deutsche Geschichte in Bildernund Zeugnissen,

tgl. 10-18 Uhr

10.00: Weimar:Vom Wesen und Wert der Demokratie,

tgl. 10-18 Uhr

Deutsches Spionagemuseum (& 398 20 04 51)

10.00: Hauptstadtder Spione, tgl. 10-20 Uhr

Ephraim-Palais (& 240 02 -1 62)

10.00: Ost-Berlin. Die halbe Hauptstadt, Di-So 10-

18, Mi 12-20 Uhr

Feuerwehrmuseum Berlin (& /38 71 09 33)

9.00: Die Berliner Feuerwehr vonden Anfängen bis

zur Gegenwart, Di/Do 9-16, Mi 9-19, Fr/Sa 10-14

Uhr;Feiert. geschl.

Georg Kolbe Museum (& 304 21 44)

10.00: Lynn Chadwick –Biester der Zeit, tgl. 10-18

Uhr

Hanf Museum (& 242 48 27)

10.00: Alles rund um die KulturpflanzeHanf, Di-Fr

10-20, Sa/So 12-20 Uhr

Kulturforum (& 266 42 42 42)

10.00, 10.00: tracking talents, Di-Fr 10-18, Do 10-

20, Sa/So 11-18 Uhr

Kunstbibliothek (& 266 42 42 42)

10.00, 10.00: Transitzone, Henning Wagenbreth, Di-Fr

10-18, Sa/So/Feiert. 11-18 Uhr

Kupferstichkabinett (& 266 42 42 42)

10.00: In bester Gesellschaft. Ausgewählte Erwerbungendes

Berliner Kupferstichkabinetts 2009-2019,

Di-Fr 10-18, Sa/So/Feiert. 11-18 Uhr

Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt

(& 28 59 94 07) 10.00: Blindes Vertrauen –

versteckt am Hackeschen Markt 1941-1943, tgl.

10-20 Uhr

10.00: „... und immer wieder bewundernwir Eure

mit aufopfernder Liebe prima gepackten Pakete“, tgl.

10-20 Uhr

Museum Charlottenburg-Wilmersdorf

(& 90 29 24 -1 08) 10.00: SammlerStücke, Di-Fr

10-17, Sa/So/Feiert. 11-17 Uhr

10.00: Sorgenfrei, Di-Fr 10-17, Sa/So/Feiert. 11-17

Uhr

10.00: Westen!, Di-Fr 10-17, Sa/So/Feiert. 11-17

Uhr

10.00: Stille Wasser.Seelandschaften zwischen

Brandenburg und den Alpen, Di-Fr 10-17, Sa/So/

Feiert. 11-17 Uhr

Museum der Stille (& 27 89 19 90)

14.00: Dauerausstellung desMuseums der Stille,

Nikolai Makarov. Modelle: Stephan Braunfels, Max

Dudler,Gewers&Pudewill, Michael Marshall u. a.,

Di-So 14-19 Uhr

Museum für Fotografie /Helmut Newton Stiftung

(& 266 42 42 42) 11.00: Helmut Newton’sPrivate

Property,Di-So/Feiert. 11-19, Do 11-20 Uhr

11.00: Bauhaus und dieFotografie. Zum Neuen

Sehen in der Gegenwartskunst, Laszlo Moholy-Nagy,

Florence Henri, Erich Consemüller,Thomas Ruff,

Dominique Teufen, Vivianne Sassen u. a., Di-So/

Feiert. 11-19, Do 11-20 Uhr

11.00: Helmut Newton. Sumo /Mark Arbeit. George

Holz. Just Loomis. Three Boys from Pasadena, Di-So/

Feiert. 11-19, Do 11-20 Uhr

11.00: Visual ExchangeBerlin Peking,Di-So/Feiert.

11-19, Do 11-20 Uhr

Museum The Kennedys (Auguststr.11-13)

10.00: Die Kennedy-Sammlung,Di-Fr 10-18, Sa/

So 11-18 Uhr

Pergamonmuseum. Das Panorama

(Am Kupfergraben 2) 10.00: Pergamon. Meisterwerke

der antiken Metropole und 360°-Panorama von

Yadegar Asisi, tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Trabi-Museum Berlin (& 30 20 10 30)

10.00: Die Welt der Trabis, tgl. 10-18 Uhr

Urban Nation –Museum for Urban Contemporary

Art (Bülowstr.7)10.00: UNique. UNited. UNstoppable,

Di-So 10-18 Uhr

KINO

Pets II 12.00, 14.30, 16.30, 19.30; Spider-Man:

FarFrom Home 13.45, 16.45, 19.45, 22.30; Traumfabrik

14.00, 17.00, 20.00; Der Fall Collini 14.15;

Zwischen den Zeilen 14.20; Spider Murphy Gang –

Glory Days ofRock ‚n‘ Roll 16.15; Ein Becken voller

Männer 16.40, 19.30; Der Klavierspieler vom Gare

du Nord 17.00; Geheimnis eines Lebens 17.15,

19.00;Kaviar 18.30, 22.50; Tolkien 19.00; Aladdin

(OmU) 19.40, 22.40; The Dead Don‘t Die (OmU)

20.50; Avengers: Endgame (OmU) 21.30; Burning

–Beoning (OmU) 21.40; Rocketman (OmU) 21.45;

Pets II –The Secret Life ofPets 2(OmU) 23.00

Krokodil (& 44 04 92 98) Herr Zwilling und Frau

Zuckermann (OmU) 19.00; Kaviar (OmU) 21.15

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Rote Räte- Die

bayrischeRevolution aus der Sicht vonAugenzeugen

18.00; Lieb Vaterland, magst ruhig sein (OmenglU)

19.00; Supermarkt 20.30; Der Himmel über Berlin

(OmenglU) 22.15

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00)Traumfabrik

14.10, 17.00, 19.50,22.45;Aladdin 14.10,

17.05, 19.50; Spider-Man: Far From Home 14.15;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.15; Men

in Black: 14.15, 17.00, 20.00; Godzilla 2–King

of the Monsters 14.20; Ein Becken voller Männer

14.20,17.10; Pets II 14.30, 17.00;Drei Schrittezu

Dir 14.30, 17.15,20.10; 3D: Pets II 15.00,17.30,

20.00, 22.45; 3D: Spider-Man: Far From Home

16.45, 20.00, 22.45; Annabelle III 17.15, 20.15,

22.45; Jussi Adler-Olsen: Verachtung 17.20; 3D:

X-Men: Dark Phoenix 19.45; Rocketman 19.50;

Long Shot 19.50; The Dead Don‘t Die 22.45; Kaviar

22.45; John Wick III 22.45; Brightburn: Son of

Darkness 22.45

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 3004)

Ein Becken vollerMänner 14.45; Rocketman 17.40,

20.30

Cosima (& 85 07 58 02) Stan &Ollie 18.00; Nur

eine Frau 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Geheimnis eines Lebens

(OmU) 16.10, 18.30; The Dead Don‘t Die (OmU)

20.50

Xenon (& 78 00 15 30) Freak Show (OmU) 18.00;

Ein Becken voller Männer –Legrand bain (OmU)

20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 0211) TKKG

10.00, 12.15; Spider-Man: Far From Home 10.00,

14.10, 17.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

10.00,11.55, 14.15; Pets II 10.00, 12.15, 14.30,

17.00; 3D: Pets II 10.00, 12.40, 14.45, 17.10,

19.40; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 12.10;

Drei Schritte zu Dir 14.40, 16.50; Traumfabrik

17.20, 19.30; Kroos 20.00; 3D: Spider-Man: Far

From Home 20.15;Annabelle III 20.20

Kino imKulturhaus Spandau (& 333 6081) Rocketman

16.00, 20.15; Edie –Für Träume ist es nie

zu spät 18.15

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Traumfabrik 14.00,

17.00

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) TKKG 10.00,

14.00; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 10.00;

Pets II 10.00, 12.00, 14.00, 16.00, 18.30, 20.30;

Bibi Blocksberg 10.00; WillkommenimWunderPark

12.00; Spider-Man: Far From Home 12.00, 15.00;

Drei Schritte zu Dir 12.00, 16.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 15.30, 18.15, 20.30; Traumfabrik

17.45,20.30;3D: Spider-Man: FarFrom Home

17.45, 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Commedia all‘italiana:

Der Weg zurück –Tutti aCasa (OmenglU) 20.00;

Magical History Tour: Panzerkreuzer Potemkin –Restaurierte

Fassung –Bronenosec Potjomkin (OmU)

19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

Pets II 12.30, 14.00, 16.40; Dancing Queens

12.30; Traumfabrik 12.40, 16.00, 19.20, 22.00;

Aladdin 12.50, 13.30; Spider-Man: Far From Home

13.00, 16.00, 19.30; 3D: Pets II 13.00, 15.00,

17.40, 20.25, 23.00; Nur eine Frau 13.15; Der

Junge muss an die frische Luft 13.30; Bailey: Ein

Hund kehrt zurück 13.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 13.40; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

13.45; Hollywoodtürke 13.50; After Passion 13.50;

Drei Schritte zuDir 14.00, 16.50, 20.10, 22.50;

3D: Spider-Man: Far From Home 14.15, 17.00,

20.30, 23.00; Monsieur Claude II 14.20; TKKG

15.00; Avengers: Endgame 16.00, 20.20; Ein Becken

voller Männer 16.10, 19.20; Geheimnis eines

Lebens 16.20, 19.10; Men inBlack: 16.30, 20.00,

23.10; Godzilla 2–King of theMonsters16.30;3D:

Aladdin 16.30,19.40, 23.00;

Der Klavierspieler vom Gare duNord 16.50; Annbelle

III 16.50, 19.50, 23.10; Tolkien 17.10; Kroos

17.10, 20.15; X-Men: Dark Phoenix 17.40, 23.00;

Glam Girls 17.40, 20.20; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 17.45; Der Fall Collini 19.30; Rocketman

19.40; 3D: X-Men: Dark Phoenix 19.50;

Brightburn: Son ofDarkness 20.00, 23.10; Long

Shot 20.40, 22.40; John Wick III 20.40, 23.00;

Ma –Sie sieht alles 22.30; 3D: Godzilla 2–King

of the Monsters 22.40; The Dead Don‘t Die 22.50;

Friedhof der Kuscheltiere 23.15

CineStar imSony Center (& 04 51/703 0200)

Aladdin (OF) 13.20, 16.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu –Pokemon Detective Pikachu (OF)

13.30; Men in Black: (OF) 13.30; Tolkien (OF)

13.45; Avengers: Endgame (OF) 13.50; Spider-

Man: Far From Home (OF) 14.00; Pets II –The Secret

Life of Pets 2(OF) 14.30, 17.50; 3D: Pets II –

The Secret Life of Pets 2(OF) 15.00, 17.10, 19.30,

23.15; 3D: X-Men: Dark Phoenix (OF) 16.20; Annabelle

III (OF) 16.40, 20.20, 23.10; Long Shot

(OF) 16.50; 3D: Spider-Man: Far From Home (OF)

17.00, 20.10, 22.40; Brightburn: Son ofDarkness

(OF) 17.30; 3D: Men in Black: (OF) 19.20; Rocketman

(OF) 19.30; 3D: Aladdin (OF) 19.40, 22.50;

Geheimnis eines Lebens (OF) 19.50; John Wick III

–John Wick: Chapter 3–Parabellum (OF) 20.00,

22.30; X-Men: Dark Phoenix (OF) 22.00; 3D: Godzilla

2–King ofthe Monsters (OF) 22.15;The Dead

Don‘t Die (OF) 23.15

CineStar IMAX (& 04 51/703 0200) 3D: Pandas

11.30; 3D: Spider-Man: Far From Home (OF)

12.45, 19.15, 22.30; 3D: Spider-Man: Far From

Home 16.00

Filmrauschpalast (& 394 4344) Don‘t Give aFox

(OmU) 18.00; Spider-Man: Far From Home (OF)

20.00; Diamantino (OmU) 22.30

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) TKKG 10.00, 12.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 12.15,15.00;

Pets II 10.00, 12.00, 14.00, 16.00; Mister Link:

Ein fellig verrücktes Abenteuer 10.00; Spider-Man:

Far From Home 12.30, 14.00, 17.00; 3D: Pets II

12.30, 15.00, 17.30, 20.15, 22.30; Traumfabrik

14.30, 17.00, 20.00, 22.30; Drei Schritte zu Dir

17.30, 20.00; Annabelle III 18.00, 20.15, 22.30;

3D: Spider-Man: Far From Home 20.00, 22.30;

John Wick III 22.30

Casablanca (& 677 57 52) Emil und die Detektive

14.00; Britt-Marie war hier 16.15; Zwischen den

Zeilen 18.15; Edie –Für Träume ist es nie zu spät

20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 02 00)

Spider-Man: Far From Home 11.30, 14.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.30; Pets II 11.30,

14.00, 16.30; Drachenzähmen leicht gemacht

3: Die geheime Welt 11.30; Avengers: Endgame

11.30, 15.30; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist

zurück 11.35; Ostwind 4–Aris Ankunft 11.45; Mister

Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 11.50; 3D:

Pets II 12.10, 14.40,17.10, 19.30,22.00; Aladdin

14.00; Traumfabrik 14.05, 17.05, 19.40; Men in

Black: 14.15; TKKG 14.30; Bailey: Ein Hund kehrt

zurück14.45; 3D: Men in Black: 17.00; 3D: Spider-

Man: Far From Home 17.05, 20.10, 22.45; Annabelle

III 17.15, 20.10, 23.00; Glam Girls 17.30;

3D: X-Men: Dark Phoenix 19.20; 3D: Aladdin

19.30; 3D: Godzilla 2–King of the Monsters 19.40,

22.45; John Wick III 19.55,22.50; Drei Schritte zu

Dir 19.55; 3D: Avengers: Endgame 22.00; Ma –Sie

sieht alles 22.30; Long Shot 22.55; Brightburn:

Son of Darkness 23.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) TKKG

12.00; Spider-Man: Far From Home 12.00, 14.00,

17.00; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 12.00,

14.45; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 12.00,

14.30; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 12.00; Pets

II 12.15, 14.35, 17.00; 3D: Pets II 12.30, 15.00,

17.30, 20.00; Aladdin 14.10, 17.00; Drei Schritte

zu Dir 14.20, 17.00, 19.50; Traumfabrik 16.40,

19.40; Annabelle III 17.00,20.10; 3D: Spider-Man:

Far From Home 19.30; Spider-Man: Far From Home

(OF) 20.00; Kroos 20.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 471 40 01) Die Alptraumfrau

19.00; Erde (OmU) 20.30

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Pets II 10.15,

12.15, 14.15, 16.15, 18.15, 20.15; Rocketman

12.30, 20.00; TKKG 15.15; Der Klavierspieler vom

Gare du Nord 17.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Van Gogh: An

der Schwelle zur Ewigkeit 16.00; Wenn Fliegen träumen

(m. Gast) 18.30; Der Klavierspieler vom Gare

du Nord 20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Aladdin 13.00,

20.15; Dancing Queens 15.45; Ein Becken voller

Männer 17.45

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) Monsieur Claude II 18.00;

Bildbuch 20.30

Capitol (& 831 6417) Geheimnis eines Lebens

15.30,18.00,20.30

FREILUFTKINOS

Freiluftkino Friedrichshagen (& 65 01 31 41) Bohemian

Rhapsody 21.15

Freiluftkino Hasenheide (& 283 4603) Der Himmel

über Berlin (OmenglU) 21.45

Freiluftkino Insel im Cassiopeia (& 35 12 24 49)

Don‘t Give aFox (OmenglU) 21.45

Freiluftkino Kreuzberg AStarIsBorn(OmU) 21.30

Freiluftkino Rehberge Anderswo. Allein in Afrika

21.30

Open Air Kino Mitte (& 28 59 99 73) Night On

Earth (OmU) 21.30

Open-Air-Kino SchlossparkBiesdorf (& 9987481)

Yuli 21.30

Pompeji –FLK am Ostkreuz (& 01 76/56 70 92 98)

Free Solo (OmU) 21.45

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain Nur eine

Frau 21.45

Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz (&

89 37 14 31) Maria Stuart,Königin von Schottland

21.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12)

Aladdin 10.00; Das Leben ist ein Fest 17.00; Filmclub

(m. Einführung u. Diskussion) 19.30

Thalia Potsdam (& 03 31/743 7020) KinderWagenKino:

Traumfabrik 10.30; Pets II 14.00, 16.15,

18.30, 20.45; Die unglaublichen Abenteuer von

Bella 14.00; Traumfabrik 15.45, 18.15, 20.30;

TKKG 16.00; Ein Becken voller Männer 18.15,

20.45; Geheimnis eines Lebens 18.30, 21.00

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 72 33)

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 11.00; Pets II

11.00, 14.00, 17.00; Men in Black: 11.00, 14.10,

16.45; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 11.00,14.00;

Aladdin 11.00, 13.40, 16.45; TKKG 11.15; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.15, 14.15; 3D:

Pets II 11.15, 14.30, 17.20, 20.15; Spider-Man:

Far From Home 13.40; Traumfabrik 13.50, 16.50,

19.55; 3D: Spider-Man: Far From Home 16.30,

19.45; Rocketman 17.00; Annabelle III 17.00,

20.15; John Wick III 19.35; Godzilla 2–King of

the Monsters 19.40; 3D: Aladdin 19.50; Long Shot

19.55

Waschhaus Kino Potsdam (& 03 31/271 5626)

Anderswo.Allein in Afrika 21.45

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/279 8877) Pets II

15.00, 17.15; 3D: Pets II 19.30

CineStar Wildau (& 04 51/703 02 00) Spider-

Man: Far From Home 11.45, 14.30; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.45, 14.15; Aladdin

11.45, 14.40; Willkommen im Wunder Park 11.50;

Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime

Welt 11.50; TKKG 12.00; 3D: Pets II 12.00, 14.30,

17.00, 19.30; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 12.00; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 12.20; Pets II 12.30, 15.00, 17.30, 20.00;

Traumfabrik 14.10, 17.10, 20.05; Bailey: Ein Hund

kehrt zurück 14.15; Dancing Queens 14.25; Glam

Girls 14.30; Men in Black: 14.40; Rocketman

16.45; 3D: Aladdin 16.45, 19.40; Drei Schritte

zu Dir 16.50, 20.10; 3D: Spider-Man: Far From

Home 17.00, 20.00; Long Shot 17.20; Annabelle

III 17.30, 20.20; 3D: Men inBlack: 17.35, 20.30;

3D: Avengers: Endgame 19.30; John Wick III 19.50

Filmforum Schwedt (& 033 32/44 9290) F1-4

Die Abenteuer von Wolfsblut 10.00, 13.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 12.45; Pets II

10.15, 12.45, 15.15, 17.45; TKKG 10.15, 13.00,

15.15; Spider-Man: Far From Home 15.00; Aladdin

15.00; 3D: Spider-Man: Far From Home 17.15,

20.00; Rocketman 17.30; Traumfabrik 17.45,

19.45; Drei Schritte zuDir 20.00; 3D: Pets II 20.15

FilmpalastBernau (& 033 38/70 54 54) Dasfliegende

Klassenzimmer 10.00; Pets II 10.00, 14.00,

16.15; TKKG 10.00; 3D: Pets II 12.00, 18.30,

20.30; Aladdin 12.00, 14.45; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 12.00, 18.00; Spider-Man: Far From

Home 14.30; 3D: Spider-Man: Far From Home

17.30,20.30; Drei Schritte zu Dir 17.45, 20.30;All

My Loving –Eine Geschichte von drei Geschwistern

20.30

Filmpalast Oranienburg (& 033 01/70 4828)

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 12.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 12.15; Aladdin

12.30, 15.05; Pets II 13.00, 15.00, 17.00; 3D:

Pets II 14.00, 16.00, 18.00, 19.45; Spider-Man:

Far From Home 14.30; 3D: Spider-Man: Far From

Home 17.15, 20.15; Traumfabrik 17.45, 20.00;

Drei Schritte zu Dir 20.20

Linden-Kino Wusterhausen (& 03 39 79/145 93)

Pets II 17.00; Men in Black: 19.00

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Pets II

15.30, 19.45; Willkommen im Wunder Park 16.00;

3D: Pets II 17.30; Rocketman 18.00; Jussi Adler-

Olsen: Verachtung 20.30


24 * Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

CHAT

„Fantastisch in

die

Zukunft“

Kurze Fragen, schnelle Antworten:

Im Chat kommen Menschen

zu Wort,die sich in der digitalen

Welt bewegen und die Innovationen

beobachten. Heiko von der

Gracht ist Zukunftsforscher bei der

KPMG-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

und Professor an der Steinbeis-Hochschule

Berlin.

Womit beginnt morgens Ihr Einstieg

in die digitale Welt?

Mit Smartphone und Online-

News, circa 15 Minuten. Danach

kommt die Zahnbürste dran, die per

Bluetooth mit meinem Handy gekoppelt

ist –eine App zeigt an, wie

man die Zähne noch besser putzen

und den Druck modifizieren kann.

Beim ersten Kaffee dann schnell

noch einen Blick auf Social Media.

Eingroßes Thema zurzeit ist Künstliche

Intelligenz. Wie werden Menschen

und Computer in Zukunft zusammenleben?

Hand in Hand. Zum Beispiel in

Form des persönlichen KI-Advisors:

Über das Smartphone in der Hosentasche

oder Handtasche sind wir direkt

mit dem Superrechner verbunden.

Mit der KI werden wir leichter,

besser und vor allem intelligenter

entscheiden und den Tagorganisierenkönnen.

Werden wir autonom eines Tages

über unsereDaten verfügen können?

Beides wird möglich sein: Schon

heute können Nutzer mit dem bewussten

Sharing ihrer eigenen Daten

auf Marktplätzen Geld verdienen.

Künftig könnte ergänzend auch ein

exklusives Nutzungsmodell Schule

machen: Werwill, kann diskret und

exklusiv bleiben.

Was geht gar nicht in der digitalen

Welt, was verurteilen Sie?

Hetze, Fake-News, Cyber-Mobbing,

Identitätsklau, aber auch: immer

nur in der eigenen kleinen

Echokammer herumlungern.

Welchen Science-Fiction-Film haben

Sienicht nur einmal gesehen?

„Minority Report“, weil er so fantastisch

realistisch die Zukunft auch

im Detail darstellt. Spielberg hat übrigens

für das Drehbuch mit Zukunftsforschern

zusammengearbeitet.

Es gibt Menschen, die behaupten,

Computer seien nur erfunden worden,

damit gespielt werden kann.

Spielen Sieauch?

Früher ja –und auch zeitweise exzessiv,inJugend-

und Studienzeiten.

Heute interessiere ich mich eher für

Gamification: Komplexe reale Zusammenhänge

werden in Spielform

dargestellt, um daran zu trainieren

und Sachverhalte zu erklären.

Viele Menschen sorgen sich um die

Zukunft. Welcher Podcast macht Ihnen

Mut?

Ich höre weniger Podcasts als

vielmehr Hörbücher, aktuell „QualityLand“

vonMarc-UweKling.

Fällt es Ihnen schwer, amAbend abzuschalten?

Nie! Dafür sorgen schon meine

Frau und meine beiden Töchter.

Heikovon Gracht ist

Zukunftsforscher bei

KPMG.

Das Gefühl ist allseits bekannt:

Man postet ein

Bild und plötzlich purzeln

die Likes. Erst

zehn, dann zwanzig, oha, schon

vierzig. Hey, vielleicht geht es ja sogar

in den dreistelligen Bereich.

Das macht jedem Spaß. Gebt es zu.

Die Zauberformel hinter diesem

Glücksgefühl lautet schlicht und

einfach Dopamin: DerNeurotransmitter

wird vor allem bei Belohnung

ausgeschüttet.

Weniger Druck

Ende

der Abhängigkeit

Warumessinnvoll ist, dass Instagram

eine Versiontestet, in der die Anzahl der Likes

15

Millionen Menschen nutzen

nach Firmenangaben Instagram

in Deutschland, junge

Menschen sind aktiver.

Ein gutes Bild, ein guter Post, mehr

Dopamin und der immer häufigere

Griff zum Smartphone. Wie bei einer

klassischen Kokainsucht. Doch

genau wie jede Sucht, bringt auch

die Abhängigkeit von Social Media

düstere Nebenwirkungen mit sich.

Besonders Instagram schneidet in

wissenschaftlichen Untersuchungen

immer wieder schlecht ab:

Laut zahlreicher Studien aus den

vergangenen zwei Jahren bringt

eine Nutzung des Dienstes Angstzustände,

Depressionen, gesteigerten

Narzissmus, Schlaflosigkeit

und negative Auswirkungen auf

das eigene Körperbild mit sich.

Zeit, Verantwortung zu übernehmen?

Man mag erstaunt sein,

aber es sieht ganz danach aus. Vor

einiger Zeit überraschte Instagram

mit einem Sinneswandel. „Wir

möchten, dass sich Follower auf

das konzentrieren, was sie teilen,

und nicht auf die Anzahl der Likes,

die ihre Posts erhalten“, erklärte

das Unternehmen auf der F8-Entwicklerkonferenz

von Facebook.

Instagram-Chef Adam Mosseri gab

bekannt, dass man in Kanada eine

Version ohne Likes teste. Nutzer

könnten zwar weiterhin eine Liste

mit den Personen sehen, denen der

Beitrag gefallen hat –die Likes werden

jedoch nicht für die Öffentlichkeit

angezeigt. So ganz neu ist das

Konzept nicht. Snapchat hat es

2017 vorgemacht: Die Story-Sharing-Applikation,

bei der sich Beiträge

innerhalb von 24 Stunden

wieder in Luft auflösen, gab Raum,

unbefangen Grimassen mit der

Welt zu teilen und dafür nicht auf

Ewigkeiten in das Logbuch des Internets

eingetragen zu werden. Likes

sind nur für denjenigen sichtbar,

der das Bild hochlädt. In mehreren

Studien gaben gerade Teenager

an, dass ihnen die Plattform

deswegen besonderen Spaß mache.

Leider waren die Qualitäten, die

Snapchat so amüsant machten,

auch sein eigenes Verderben. Denn

gerade Unternehmen und Influencern

fiel es schwer, Beliebtheit in

Geld zu verwandeln. Wie soll man

Snapchat-Star werden, ohne dem

Kunden von der riesigen Anzahl

von Likes vorzuschwärmen? Ein

neues „Instagram ohne Likes“

müsste genauso funktionieren. Im

nicht mehr zu sehen ist

VonFranziska Knupper

STUNDENLANG IM NETZ

2010

war das Jahr,indem Instagram

auf den Markt kam.Facebook

kaufte den Dienst für

mehr als 700 Millionen Dollar

2,1

Stunden nutzen

die Deutschen im

Durchschnitt ihr

Smartphone täglich.

SAP-Vorstand fordert mehr Mut

Gespräch mit BuzzFeedNews erklärte

Adam Mosseri, dass es bei

dem Test nicht darum gehe,ein bestimmtes

Verhalten zu fördern,

sondern darum, „eine weniger unter

Druck stehende Umgebung zu

schaffen, in der die Menschen sich

wohlfühlen, wenn sie sich ausdrücken“.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

gab bereits 2018 bekannt,

dass sich das Unternehmen in Zukunft

auf „gut investierte Zeit“ konzentrieren

werde: „Es soll nicht nur

Spaß machen, sondern auch gut

für das Wohlbefinden der Menschen

sein“, so Zuckerberg

DiePlattformen reagieren damit

auf die schlechte Publicity. Gerade

Instagram –mit rund 15 Millionen

Nutzern inDeutschland –wird immer

wieder genannt, wenn es um

psychische Auswirkungen von sozialen

Medien geht. Denn während

bei Facebook und Twitter auch Text

eine wichtige Rolle spielt, zählt bei

Instagram vor allem das Bild. Laut

der Psychologin Renee Engeln verzerre

Instagram damit insbesondere

bei Frauen die Beziehung zu

ihrem Körper. Jüngere Nutzerinnen

verbringen viel Zeit damit, Fotos

gründlich zu retuschieren und

zu kuratieren. Das führe zu einer

stärkeren Unzufriedenheit mit

dem authentischen Selbstbild, erklärt

Engeln. Früher gingen Kunden

zu Schönheitschirurgen, weil

sie wie Hollywood-Stars aussehen

wollten, inzwischen zeigen sie ihr

bearbeitetes Profilfoto vor. Engeln

unterstützt daher ein Auf-Nimmer-

Wiedersehen zur Like-Kultur: „Likes

sind mächtig, weil sie unmittelbares

Feedback geben“, so die Psychologieprofessorin

der NorthwesternUniversity.

Testlauf in Kanada

Dies bestätigt auch eine Studie des

Internationalen Zentralinstituts

für das Jugend und Bildungsfernsehen

(IZI) beim Bayerischen

Rundfunk. Untersucht wurde die

Selbstinszenierung von Mädchen

auf Instagram. 21 Prozent der befragten

Frauen gab an, ihre Brüste

mit einer Foto-App vor der Veröffentlichung

größer zumachen; 20

Prozent macht die Taille schlanker,

14 Prozent verlängert die

Beine. Nutzer machen sich damit

selbst zum bewertbaren Objekt

und das geht nicht spurlos an der

Psyche vorbei. Bei Likes in sozialen

Medien geht es um Konsum

und Gewinn in jeder Hinsicht –

nicht um Wohlbefinden und Community.

Bleibt zu hoffen, dass Instagrams

Testlauf in Kanada Erfolg

haben wird. Die erste Generation

von Social-Media-Nutzern wird

gerade rundum erwachsen. Zeit,

aus Fehlern der Vergangenheit zu

lernen und der nächsten Generation

eine gesündere digitale Zukunft

zu bieten.

Manager Christian Klein wünscht mehr Tempo beim Infrastrukturausbau und bei der digitalen Bildung

Der digitale Wandel in Deutschland

braucht nach Ansicht von

SAP-Vorstand Christian Klein mehr

Mutund mehr Tempo.„Ichdenke,es

ist ganz wichtig, diesen Wandel jetzt

anzugehen und die Vorteile zu sehen

und weniger die Risiken“, sagte Klein

der Deutschen Presse-Agentur.Viele

wichtige Punkte wie der Infrastrukturausbau

oder das Thema digitale

Bildung würden zwar erkannt und

diskutiert. Die Umsetzung müsse

aber schneller gehen, sagte Klein,

der im Vorstand von Europas größtem

Softwarekonzern das Geschäft

mit den wichtigsten Anwendungen

verantwortet, aber auch für den internen

Wandel zuständig ist, den

SAP bei sich selbst vollzieht.

Natürlich müsse dafür Geld investiert

werden, sagte Klein. „Auch

da bedeutet es Mut, in neue Themen

zu investieren, neue Themen anzugehen“,

betonte er. „Das ist etwas,

das in Deutschland jetzt vorangehen

muss.“ Politik und Wirtschaft sehe er

dabei gleichermaßen in der Pflicht.

Die Politik müsse zwar die Rahmenbedingungen

schaffen. Unter Zugzwang

seien aber auch die Unternehmen,

die sich nun fragen müssten,

wo sie jetzt investieren, wie sie

ihre Wertschöpfungsketten digitalisieren

und automatisieren könnten

und wie sie die dafür notwendigen

Leute finden.

„Was mir in Deutschland extrem

auffällt, ist der Mangel an Fachkräf-

ten“, sagte Klein. Früher hätten vor

allem große Konzerne um IT-Fachleute

konkurriert, heute seien auch

kleine Unternehmen mit im Rennen.

„Und da fällt im Vergleich zu diesem

großen Talentmarkt in China oder in

Indien auf, wie viel kleiner doch der

Markthier ist.“

Klein forderte unter anderem, die

Lehrpläne an Schulen und Universitäten

schneller an die Entwicklung

anzupassen. „Ich sehe immer noch

Universitäten, die ganz stolz sind,

jetzt die digitale Transformation in

ihrem Lehrplan aufgenommen zu

haben“, sagte er. Auch die Ausstattung

der Schulen und die Qualifizierung

der Lehrer müsse verbessert

werden.

Entscheidende Vorteile habe

der Standort Deutschland durch

das enorme Know-how vor allem

vieler Mittelständler. „Dieses Wissen,

da bin ich mir ganz sicher,

gibt es ein zweites Mal inder Form

nicht in den USA oder in China“,

sagte Klein. „Und auf dieses Wissen

müssen wir jetzt aufbauen, es

mischen mit den richtigen digitalen

Fähigkeiten und dann wirklich

schauen, dass wir die Digitalisierung

umsetzen.“

Grundbedingung in den Unternehmen

sei, Offenheit und eine Kultur

für Veränderungen zu schaffen.

„Das ist oftmals schwieriger, als den

technologischen Wandel herbeizuführen“,

sagte Klein. (dpa)

Bayern will

Autoren

identifizieren

Kampf gegen

Hasskommentare

Verfasser von Hasskommentaren

sollen in Bayern in Zukunft einfacher

identifiziert und juristisch

verfolgt werden können. „Rundfunkanbieter

und Verlage sollen

künftig einfacher Strafanzeige wegen

beleidigender oder volksverhetzender

Kommentare erstatten können.

Erst anzeigen, dann löschen“,

sagte Bayerns Justizminister Georg

Eisenreich (CSU) am Montag in

München. Er kündigte für den

Herbst den Starteines gemeinsamen

Pilotprojektes des bayerischen Justizministeriums,

der Staatsanwaltschaft

München I und der Bayerischen

Landeszentrale für neue Medien

(BLM) an.

„Wir dürfen in unserer Gesellschaft

keinen Nährboden für radikale

Ideen akzeptieren.“ Für Eisenreich

ist klar, dass Betreiber von sozialen

Netzwerken stärker in die

Pflicht genommen werden müssen.

Für eine effektiveStrafverfolgung der

Autoren vonHasskommentaresei es

zudem unerlässlich, dass die Behörden

ihre wahren Identitäten kennen

würden. Dazu müsse die derzeit ausgesetzte

Speicherung vonsogenannten

Verkehrsdaten – also etwa die

Kennung des Internetanschlusses

samt Nutzer und Standortdaten –

schnellstmöglich auf eine neue

Grundlage gestellt und ausgeweitet

werden. „Eine wirksame Strafverfolgung

ist nur möglich, wenn unsere

Ermittler herausfinden können, wer

hinter den Hasskommentaren

steckt. Sie brauchen endlich ausreichende

Befugnisse“, sagte Eisenreich.

Dazu gehöre auch, dass im

Ausland abgesetzte Hasskommentare

oder Volksverhetzungen in

Deutschland bestraft werden können.

(dpa)

Justin Bieber und Mariah Careyerhielten

wieder viel Aufmerksamkeit im Netz. DPA

Der gezielte

Trittgegen

der Flasche

„Bottle Cap Challenge“ wird

zum viralen Hit

Immer mehr Prominente versuchen

sich an der „Bottle Cap

Challenge“ und sorgen damit teilweise

für Lacher.Bei der Aktion, die

seit Wochen durchs Internet geistert,

streifen die Teilnehmer mit

dem Fuß den Schraubverschluss

einer Getränkeflasche so, dass er

sich löst und zu Boden fällt. Danach

nominieren sie Bekannte von

sich, um sich zu beweisen. Justin

Bieber (25) nutzte die Aktion, um

erneut Hollywood-Star TomCruise

(57) herauszufordern. Pop-Diva

Mariah Carey (49) zeigte in einem

Clip ebenfalls, wie sie den Verschluss

einer Flasche löst – allerdings

mit ihrem hohen Gesang.

Das Video, das die Sängerin am

Sonntag postete, sammelte bei

Twitter und Instagramschnell über

18 Millionen Klicks. Auch in

Deutschland machen Prominente

bei dem viralen Hit mit, darunter

Fußballprofi Marco Reus und Teenie-Idol

Mike Singer. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 25

· ·

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG)Sturm der Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

12.00 (für HG)Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-

Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin 14.00

(für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote Rosen

15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für HG) Sturm

der Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau 16.05 (für

HG) Radsport: Tour de France. 4. Etappe:

Reims –Nancy(215 km) 17.30 (für HG)Brisant

18.00 (für HG)Gefragt –Gejagt 18.50 (für HG)

WaPo Bodensee. Der Fremde. Krimiserie 19.45

(für HG)Wissen voracht –Natur 19.55 (für HG)

Börse voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Um Himmels Willen

Zweite Chance. Unterhaltungsserie

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

Via Dolorosa. Arztserie

21.45 (für HG) Report Mainz

Moderation: Birgitta Weber

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Sommerhäuser

Drama, D2017

0.15 (für HG) Nachtmagazin

0.35 (für HG) Lux –Krieger des Lichts

Drama, D2018

2.10 (für HG) Um Himmels Willen

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Susanna Ohlen, Jan Hahn 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter

uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation:

Katja Burkard 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 16.00 Meine Geschichte –

Mein Leben 17.00 Meine Geschichte –Mein

Leben 17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00

Explosiv –Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das

Star-Magazin 18.45 aktuell 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Soap 19.40 (für HG) Gute Zeiten,

schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 (für HG) Nachtschwestern

Sturmwarnung.Arztserie

Mit Ines Quermann, Mimi Fiedler,Oliver

Franck,Nassim Avat u.a.

21.15 (für HG) Sankt Maik

Mit 50 Dildos nachPanama. Dramaserie

22.15 Doc meets Dorf

Fire, Water,Burn. Dramaserie

23.10 Schmidt –Chaos auf Rezept

Liebe zu dritt.Comedyserie

0.00 Nachtjournal

0.30 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Ein Gewaltverbrechen mitvier Buchstaben?

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

16.00 (für HG) MDR um vier 17.45 (für HG)

Aktuell 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG)

Sandmann 19.00 (für HG) MDR Regional

19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für HG) Ein Sommer

auf Hiddensee 20.15 (für HG) Umschau

21.00 (für HG) Adelsgärten und Parks von oben

21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG) Mondmänner

mit Hammer und Sichel 22.50 (für HG)

Polizeiruf 110. Ein ungewöhnlicher Auftrag.TV-

Kriminalfilm, DDR 1976 23.55 (für HG) Morden

im Norden 0.45 (für HG) Umschau 1.30 (für

HG) Adelsgärten und Parks von oben

Bayern

14.40 (für HG) Wer weiß denn sowas? 15.30

(für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir

in Bayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Gesundheit! 19.30 (für HG) Dahoam

is Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Tatort. Der tiefe Schlaf. TV-Kriminalfilm,

D2012 21.45 (für HG) Rundschau Magazin

22.00 Die Sieger –Director's Cut. TV-

Thriller,D1994 0.20 nacht:sicht 0.55 BR-

Klassik 1.35 (für HG) Dahoam is Dahoam

Vox

18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00

Das perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15

7Töchter. Cheyenne Ochsenknecht &Lili Paul-

Roncalli 22.15 Pia –Aus nächster Nähe 23.35

Goodbye Deutschland! Die Auswanderer. Mallorca:

KarlHeinz Richard Fürst von Sayn Wittgenstein

/Mallorca: Peggy und Steff 0.35

nachrichten 0.55 (für HG) Medical Detectives

–Geheimnisse der Gerichtsmedizin.

Schicksalsschläge 1.40 (für HG) Medical Detectives

–Geheimnisse der Gerichtsmedizin.

Verhängnisvolle Kündigung

Super RTL

14.40 ALVINNN!!! und die Chipmunks 15.00

Dragons –Die Wächter vonBerk 15.25 Bugs

Bunny &LooneyTunes 15.50 Hotel Transsilvanien

–Die Serie 16.15 Zak Storm–Super Pirat

16.45 KingJulien 17.15 What's NewScooby-

Doo? 17.40 Inspector Gadget 18.10 ALVINNN!!!

und dieChipmunks 18.40 Woozle Goozle 19.10

Bugs Bunny&LooneyTunes 19.40 Angelo!

20.15 Snapped –Wenn Frauen töten 21.10

Snapped–Wenn Frauentöten 22.05 Snapped–

Wenn Frauen töten 23.05 Snapped –Wenn Frauen

töten 23.55 Comedytotal

Sport1

9.00 Teleshopping 14.30 Normal. Magazin der

Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien

15.00 Sport-Quiz 16.30 Lost &Sold. Sex sells

17.00 Lost &Sold. Heute hier, morgen dort

17.30 Container Wars. Hai-Attacke 18.00

Massive Moves –Gefährliche Schwertransporte.

Betagtes Bauernhaus 18.30 Massive

Moves –Gefährliche Schwertransporte. Wertvolle

Villa 19.00 Hans Sarpei –Das Tsteht für

Coach 20.00 Hans Sarpei –Das Tsteht für

Coach 21.00 Sport-Quiz 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich 10.30

(für HG) Notruf Hafenkante. Einstand 11.15 (für

HG) SOKO Stuttgart. Rendezvous mit dem Tod

12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für HG)

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 heute –inDeutschland

14.15 Die Küchenschlacht 15.00 (für HG)

heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für Rares

16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10 (für

HG) Die Rosenheim-Cops. Ein Fall vonBlattschuss

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SOKO Köln. Fahrerflucht 19.00

(für HG) heute 19.25 (für HG) Die Rosenheim-

Cops. VomGlück erschlagen

20.15 (für HG) Camilla, Kate und Meghan –

drei Herzoginnen für die Krone

Dokumentation

21.00 (für HG) Frontal 21

Moderation: Ilka Brecht

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) Ich lebe positiv

Corinne und ihr Schicksal HIV

22.45 Die Zukunftsmacher:Wie Gründer

mit ihren Ideen die Welt verändern

23.15 (für HG)ABigger Splash

Drama, I/F 2015

1.10 Neu im Kino „Rebellinnen”

5.00 Auf Streife. Reportagereihe 5.30 Frühstücksfernsehen.

Moderation: Matthias Killing,

Marlene Lufen 10.00 Im Namen der Gerechtigkeit

–Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander Hold,

Stephan Lucas, Alexander Stephens, Isabella

Schulien 11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –

Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander Hold, Stephan

Lucas, Alexander Stephens, Isabella

Schulien 12.00 Anwälte imEinsatz 13.00 Anwälte

im Einsatz 14.00 Auf Streife.Reportagereihe

15.00 Auf Streife –Die Spezialisten. Reportagereihe

16.00 Klinik am Südring 17.30

Klinik am Südring –Die Familienhelfer 18.00

Endlich Feierabend! 19.00 Genial daneben –

Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Whiskey Cavalier

Emma. Actionserie

Mit Scott Foley, Lauren Cohan, Ana

Ortiz, Tyler James Williams u.a.

21.15 Whiskey Cavalier

Campus Undercover. Actionserie

22.15 Lethal Weapon

Mfür Murtaugh. Actionserie

23.10 Focus TV –Reportage

Urlaub mit der Großfamilie –Mega-

Ferien zu acht. Reportagereihe

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

Gast: Mirja Boes

13.50 (für HG) Zoo-Babies 14.15 (für HG) In

aller Freundschaft 15.00 (für HG) In aller

Freundschaft 15.45 (für HG) Heimathäppchen

16.00 (für HG) Aktuell 16.15 Hier und heute

18.00 (für HG) aktuell /Lokalzeit 18.15 (für

HG) Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Abenteuer Erde 21.00 (für HG)

Quarks 21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für HG)

Tatort. TV-Kriminalfilm, D2003 23.35 Tatort.

TV-Kriminalfilm, D1983 1.05 (für HG) Quarks

1.50 Erlebnisreisen 2.00 Lokalzeit aus Köln

NDR

15.15 (für HG) Buddha und die Schneeleoparden

16.00 (für HG) aktuell 16.20 (für HG) Wer

weiß denn sowas? 17.10 (für HG) Seehund,

Puma &Co. 18.00 Ländermagazine 18.15 (für

HG) NaturNah 18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Visite 21.00 (für HG) Dr.Wimmer:Wissen

ist die beste Medizin 21.45 (für HG) aktuell

22.00 (für HG) Tatort. Borowski und die einsamen

Herzen. TV-Kriminalfilm, D 2008 23.30 (für

HG) Tatort. Hochzeitsnacht.TV-Kriminalfilm, D

2012 1.00 (für HG) Die Erbschaft

Kabel eins

11.10 Without aTrace 12.05 Numb3rs 13.00

Castle 14.00 The Mentalist 14.55 Navy CIS:

L.A. 15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal,Dein

Lokal –Der Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle!

Wir kümmern uns drum 20.15 Bedtime

Stories. Familienfilm, USA 2008 22.10 A

Nightmare on Elm Street. Horrorfilm, USA

1984 0.10 ANightmare on Elm Street 2: Die

Rache. Horrorfilm, USA 1985 1.40 Late News

1.45 ANightmare on Elm Street 3: Freddy Krüger

lebt. Horrorfilm, USA 1987

RTL 2

8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Promis auf Hartz IV(4) 14.00 Die Reimanns –

Ein außergewöhnliches Leben 15.00 Hilf mir!

Jung, pleite, verzweifelt ... 17.00 News 17.10

Krass Schule –Die jungen Lehrer –Wie alles

begann 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag

&Nacht 20.15 Hartz und herzlich –Rückkehr

in die Benz-Baracken 22.15 Armes Deutschland

–Stempeln oder abrackern? 0.15 Autopsie

Spezial: Die letzten Stunden von ... 1.05

Autopsie –Mysteriöse Todesfälle 1.50 Autopsie

–Mysteriöse Todesfälle

Eurosport 1

11.00 Radsport: Tour de France Today 12.00

Radsport: Tour de France. 4. Etappe 17.30 Radsport:

Tour de France extra 18.00 Spirit of

Yachting. Das Eurosport-Segelmagazin 18.35

WATTS 18.55 Horse Excellence 19.25 Eurosport

News 19.30 Leichtathletik: Spitzen Leichtathletik

Luzern 21.55 EurosportNews 22.00 Tourenwagen:

Weltcup 22.30 Formel E: FIA-Meisterschaft

23.00 Motorsport: Blancpain GT WorldChallenge

Asia 23.30 Radsport: Tour de France Today

0.30 Leichtathletik: SpitzenLeichtathletik Luzern

ZDF, 23.15 UHR DRAMA

ABigger Splash

Auf einer Mittelmeer-Insel will sich RockstarMarianne (Tilda Swinton, 2.v.l.)

voneiner Stimmband-Operation erholen. Mitdabei: Ihr Liebhaber Paul

(Matthias Schoenaerts,l.), ein erfolgloser Dokumentarfilmer und seit kurzem

trockener Alkoholiker.Indie fragile Idylle platzen Mariannes Ex-Freund Harry

(Ralph Fiennes,r.) und seine Tochter Penelope(Dakota Johnson, 2.v.r.). Harryist

offenbar festentschlossen, Marianne für sich zurückzugewinnen. Es entspinnt

sichein grausames Spiel um Eifersuchtund Begehren. Die Vorlagelieferte der

französische Spielfilm „Der Swimmingpool“ (1969), in dem sich Romy Schneider

und Alain Delon am Pool räkelten. 2003 drehte derfranzösischer Regisseur Francois

Ozon eine sehr eigenwillige Replik aufden Klassiker.Für „A Bigger Splash“

orientierte sichRegisseur Luca Guadagnino jedoch starkamOriginal. .

(Ital./Frk,/2015)

Foto: ZDF

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ARD, 0.35 UHR DRAMA

Ganz flexibel, ganz Berlin.

Lux –Krieger des Lichts

TorstenKachel (FranzRogowski)lebtmit

Berliner Zeitung digital und

seiner Mutter in einem Plattenbau. Unter

dem Namen „Lux –Kriegerdes Lichts”

Duo samstags gedruckt lesen

Die wichtigsten Themen der Stadtversuchter, und aus die Welt ein bisschen besser zu

der Welt bequem genießen plus exklusive machen.Erverteilt Lebensmittel und patroulliertkostümiertdurch

die Stadt,inder

Angebote nurfür Abonnenten sichern!

Hoffnung, irgendwie helfen zu können. Da

(030) 24 00 25

MDR WDR + monatlichkündbar wird der Dokumentarfilmer Janauf ihnauf-

Arte

merksam und will ihn in seinem Film über

„Real-Life-Superheroes“ porträtieren. Doch

dafür soll Torstensich ein bisschen mehr auf

JETZT BESTELLEN

die

UND

Verbrechensbekämpfungkonzentrieren

ANGEBOT SICHERN:

Bestellnr.: und damit für Action sorgen. Torsen lässt

72984/3/4 berliner-zeitung.de/flexabo

sich darauf ein, mit unerwarteten Folgen.

Vielbeachteter Debütfilmvon Daniel Wild. t.

Berliner Verlag GmbH, AlteJakobstraße 105, 10969 Berlin

(Dtl./2018)

Foto: ARD

SUDOKU

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

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mtl.

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AUFLÖSUNG Auflösung

vom VOM 8.7.2019

MITTEL mittel

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9 1 5 6 8 3 7 2 4

AUFLÖSUNG

Auflösung

vom

VOM 8.

8.7.2019

7. 2019

SCHWER schwer

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2 3 8 1 5 9 7 4 6

4 1 9 6 2 7 3 5 8

5 9 1 4 7 6 8 3 2

7 6 2 3 8 5 4 1 9

3 8 4 2 9 1 6 7 5

8 2 7 9 1 4 5 6 3

1 5 3 7 6 8 9 2 4

9 4 6 5 3 2 1 8 7

5.30 Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb. zuhause

in berlin &brandenburg 7.20 Brisant 8.00

Brandenburg aktuell /Abendschau 8.30 Brandenburg

aktuell /Abendschau 9.00 In aller

Freundschaft 9.45 In aller Freundschaft 10.30

Rote Rosen 11.20 Sturm der Liebe 12.10 Tierärztin

Dr.Mertens 13.00 rbb24 13.10 Verrückt

nach Meer 14.00 Lecker aufs Land –Eine kulinarische

Reise 14.45 Traumhäuser 15.15 Hessen

von oben 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß

denn sowas? 17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla

&Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –

Das Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in

berlin &brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell

/Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Bilderbuch

Der Barnim. Reportagereihe

21.00 Bilderbuch

Von Neuruppin nach Rheinsberg

Reportagereihe

21.45 rbb24

22.00 Bernhard Hoëcker live!

Soloprogramm „So liegenSie richtig falsch”

22.45 Florian Schroeder live!

23.30 Die Stadt und die Macht

Verraten. Krimiserie

0.20 Tiger Girl –Die Serie

Dramaserie

ProSieben

5.25 Mom 5.45 Twoand aHalf Men 7.00 The

Big Bang Theory 8.40 The Middle 9.30 Fresh

off the Boat 10.25 Mike &Molly 10.50 How I

Met Your Mother 11.45 2Broke Girls. Johnny

und Cash/Elfenterror.Comedyserie 12.35

Mom. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.

Comedyserie 13.00 Twoand aHalf Men. Ponys

und Einhörner/Ein pedantischer,selbstgefälliger

Musterknabe/Fangen wir mit der Katze

an. Comedyserie 14.20 The Middle. Der

sechste Valentinstag/Die Antwort. Comedyserie

15.15 The Big Bang Theory. Das Suppentattoo/Die

Racheformel/Das Gorilla-Projekt/Mädels

an der Bar.Comedyserie 17.00 taff 18.00

Newstime 18.10 Die Simpsons 19.05 Galileo

20.15 Der Traumjob –bei Jochen Schweizer

Moderation: Jochen Schweizer

Extremsportler Jochen Schweizer

sucht inder neuen Show einen

Geschäftsführer für sein erfolgreiches

Unternehmen.

22.20 Hart. Härter.Höllencamp

Das Extrem-Experiment mit Patrick

Esume

0.50 Die Simpsons Hochzeit auf indisch /

Der Tagder Abrechnung

1.50 Die Simpsons Todesfalle zu verkaufen /

Die Lieblings-Unglücksfamilie

14.05 Um Bank und Kragen. TV-Komödie, F2012

15.30 (für HG) Ein besseres Leben. Melodram, F

2011 17.20 Yoga in Indien –Unterwegs mit Esther

Schweins 17.50 Kanadas Nationalparks 19.20

Arte Journal 19.40 Re: 20.10 Anderswo in Europa

20.15 Mittelmeer in Gefahr. Dokumentarfilm, F

2017 21.50 Wemgehörtdas Meer? Dokumentarfilm,

D2019 23.20 Papa istnicht mein Vater 0.20

Schicksal eines Pflegekindes 1.06 DIFF ALL –Jingle

Thema -Conclusion+annonce prochaine Thema

1.20 Arte Journal 1.40 IAmNot Your Negro. Dokumentarfilm,

F/USA/B/CH 2016

3Sat

16.00 (für HG) Wildes München 16.45 (für HG)

Die letzten Europas –Wildpferde im Münsterland

17.30 (für HG) Im Herzen des Balkans

19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit kompakt

19.30 Architekten des Klangs 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 Edgar Wallace: Das Gasthaus

an der Themse. Kriminalfilm, D1962 21.45

Schätze derWelt 22.00 (für HG) ZIB 2 22.25

(für HG) Spreewaldkrimi –Die Tränen der Fische.

TV-Kriminalfilm, D2011 23.55 Edgar Wallace:

Das Gasthaus an der Themse. Kriminalfilm,

D1962 1.25 Reporter 1.45 10vor10

Phoenix

12.45 (für HG) Alexander der Große–Aufdem

Wegzur Macht 13.30 Alexander der Große –Bis

ans Ende der Welt 14.15 TatortBerlin 17.15

Broadwayander Elbe 17.30 phoenix der tag

18.00 ZDF.reportage 18.30 (für HG) Alexander der

Große–Aufdem Wegzur Macht 19.15 Alexander

derGroße –Bis ans Ende der Welt 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 Meine Kindheit im Westen

21.45 (für HG) heute-journal 22.15 Warumdie

Sechziger unser Leben bis heute prägen 23.00 Die

verrückten 68er 0.30 Der 68er-Check –7Mythen

und Wahrheiten 1.15 Meine Kindheit im Westen

Kika

11.15 Die Abenteuer des jungen Marco Polo –Reise

nach Madagaskar 12.30 (für HG) Arthur und die

Freunde der Tafelrunde 13.30 (für HG) KiKA Live

14.10 Schloss Einstein 15.00 H2O –Plötzlich

Meerjungfrau 15.45 Stoked 16.30 Mirette ermittelt

16.55 (für HG) Hexe Lilli 17.40 Die Abenteuer des

jungen Marco Polo –Reisenach Madagaskar

18.05 Bobby&Bill 18.20 (für HG) Sam 18.40 Jim

Hensons: Doozers 18.50 Sandmann 19.00 Das

Dschungelbuch 19.25 (für HG) Wissen macht Ah!

19.50 (für HG) logo! 20.00 (für HG) KiKA Live

20.10 Club der magischen Dinge

Dmax

11.15 Asphalt-Cowboys 12.15 A2 –Abenteuer

Autobahn 13.15 Yukon Men –Überleben in

Alaska 14.15 Das Survival-Duo: Zwei Männer,

ein Ziel 15.15 Lone Star Law –Die Gesetzeshüter

vonTexas 16.15 Highway Patrol 17.15 Fast

'N' Loud 19.15 A8 –Abenteuer Autobahn 20.15

Steel Buddies –Stahlharte Geschäfte 21.15

112: Feuerwehr im Einsatz 22.15 Mega Shippers

–Die Profis vom Frachthafen 23.15 High in

the Sky: 50 Jahre Jumbo Jet 0.15 Im Angesicht

des Feuers 1.10 Im Angesicht des Feuers

5.02 hessenschau 5.30 Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Quarks 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Liebe im Netz 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 ZDF-Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15 Der Fall

Audi 20.00 Tagesschau 20.15 Hartaber fair.Moderation:

Frank Plasberg 21.32 Ziemlich hohe Hürden

22.00 Marktcheck 22.45 Die Tagesschau vor

20 Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30 Report

Mainz 0.00 Umschau 0.45 Schätze derWelt 1.00

Nachtmagazin 1.20 Ziemlich hohe Hürden 1.50

Abendschau 2.20 SachsenSpiegel 2.50 Extra

3.00 Tagesschau 3.47 Extra 4.02 Brandenburg

aktuell 4.30 buten un binnen

ONE

7.05 Utta Danella: Der blaue Vogel (1/2). TV-Familiensaga,

D2001 8.35 Landschwärmer (2) 9.00

Brisant 9.40 Um Himmels Willen (1) 10.30

Dawson'sCreek 11.15 Lindenstraße 11.45

Bauchtanz 12.00 Radsport: Tour de France. 4.

Etappe: Reims –Nancy (215 km) 16.10 Bauchtanz

16.35 Dawson's Creek 17.20 Lindenstraße 17.50

DieKanzlei 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturm

derLiebe 20.15 Doctor Who 21.00 DoctorWho

21.45 Hustle –Unehrlich währtamlängsten

22.35 Torchwood 23.35 DoctorWho 0.20 Doctor

Who 1.05 Hustle –Unehrlich währtamlängsten

1.55 Torchwood 2.55 Käpt'ns Dinner 3.30 Die

Kanzlei 4.20 Lindenstraße 4.50 Dawson's Creek

ZDF NEO

6.15 TerraX7.00 TerraX7.40 Topfgeldjäger 8.35

Lafer!Lichter! Lecker! 9.20 Bares fürRares 10.15

Bares fürRares 11.05 kaputtund ... zugenäht!

11.50 DieRettungsflieger 12.35 Die Rettungsflieger

13.25 Psych 14.00 Psych 14.40 Kommissar

Stolberg 15.40 Die Rettungsflieger 16.25 DieRettungsflieger

17.10 Psych 17.50 Psych 18.30 Baresfür

Rares 19.20 Bares für Rares 20.15 Nord

NordMord. TV-Krimikomödie,D2011 21.45 Die

kalte Wahrheit. TV-Kriminalfilm, D2014 23.15 Lau

ra Karasek –ZartamLimit 0.00 Tanken –mehr

als Super 0.55 Hanna Svensson –Blutsbande

2.55 Agent Hamilton –ImInteresse der Nation.

Drama, S2012 4.35 TerraX

ZDF INFO

6.15 Legendäre Schiffe der U.S. Navy 7.00 (für

HG) Superbauten derGeschichte 8.30 Täterjagd

11.30 Mördernauf derSpur 13.00 ZDF-History

14.15 (für HG)Sturm über Europa 15.45 ZDF-History

16.30 Gladiatoren–Kampfmaschinen der

Antike 17.15 (für HG) Sturmüber Europa 18.45

Wunder derWissenschaft 19.30 Wunder derWissenschaft

20.15 Wunder der Wissenschaft 21.00

Leschs Kosmos 21.30 LeschsKosmos 22.00

LeschsKosmos 22.30 Mysterien des Weltalls

0.45 (fürHG) heute-journal 1.15 (für HG) Sturm

über Europa 2.45 Gladiatoren–Kampfmaschinen

der Antike 3.30 ZDF-History 4.15 Hightech der

Antike 4.45 Ursprung derTechnik

Radio

KLASSIK

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Mit Werken von Muffat, Stadlmayr,

Biber,ca. 117 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik-Werkstatt Die Streichquartette op. 3

von Heinrich Anton Hoffmann. Heinrich Anton

Hoffmann hatte bereits eine beachtliche Karriere

als Virtuose auf der Geige vorzuweisen, als

er auch zu komponieren begann., ca. 56 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musikszene Frau mit Takt. Die Dirigentin Oksana

Lyniv.Sie zählt zu den wenigen Dirigentinnen, die

es bis an die Spitze geschafft haben: die gebürtige

Ukrainerin Oksana Lyniv., ca. 45 Min.

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Chormusik Die Leerstelle füllen. Alter Ratio,

ein Vokalensemble für zeitgenössische Musik

in Kiew. Von Leonie Reineke, ca. 50 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Benedict Wells: Die Wahrheit über dasLügen.

Franchise. Es liest RobertStadlober,ca. 30 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

„Die Mondscheinbraut” Mit Vanessa Loibl

(Heidi), Peter Gil Cotton (Teddy, Kennedy, Jesus,

amerik. Telefonstimme Houson), Regie:

Anna Pein, ca. 50 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung,ca. 31 Minuten

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Sprechstunde Muskelverspannungen. Wenn

Nacken, Hals und Schulter schmerzen.,

ca. 80 Minuten

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Container-Deal. Betrug und Pleite.

VonTita Gaehme, Roland Schäfer,ca. 45 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Feature Auf den Spuren von Schorsch. Medikamentenversuche

an Jugendlichen und ihre

Folgen. Mit Tjadke Biallowons, Michael Wittenborn.

Von Charly Kowalczyk, ca. 57 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Juliette Gréco., ca. 30 Minuten

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Kontinente Kraftpaket aus Benin:

Angélique Kidjo., ca. 56 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazz live Trygve Seim Quartett Helsinki Songs.,

ca. 55 Minuten

1.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Tonart Americana. Moderation: Wolfgang Meyering,ca.

235 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 156 · D ienstag, 9. Juli 2019 – S eite 26 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

Wolfgang Joop ist ein großer Könner

darin, sein Tunund Schaffen in höheren

Sphären zu verorten. Mode sei

ja kein Kleidungsstück, das würde oft

verwechselt, sondernein „sehr begrenzter

Zeitabschnitt“, in dem bestimmte

Dinge passieren würden.

„Wer einmal Mode gemacht hat, gehörtzuden

Mode-Menschen, wir

brauchen diese Erregung, wir brauchen

dieses Gefühl, an diesem Stück

Zeit mitzuarbeiten“, so Joop (74) im

Fashion-Fachblatt Rheinische Post.

Undbeschwörend weiter:„Seiesdie

Musik, unser Sexualverhalten oder

das iPhone und diese Artvon Kommunikation

–alles ist der Mode unterworfen.“

Bill Kaulitz indes bleibt auf dem Boden

und wundertsich über den vermeintlichen

Wirbel um die Hochzeit

seines Bruders Tommit der Laufsteg-Domina

Heidi Klum. „Dass die

Leute so ein Thema daraus machen,

hätte,glaube ich, keiner vonuns gedacht“,

so der Tokio-Hotel-Sänger.

Zu Medienberichten, Klum und sein

Zwillingsbruder hätten sich bereits

standesamtlich getraut, sagte Bill

Kaulitz: „Ich kann euch eins verraten:

DieHochzeit steht noch an.“

Ethan Hawke kann sich kaum halten

vorStolz und dieser gilt seiner ältesten

Tochter,aktuell zu sehen in der

Serie„Stranger Things“. „Meine Damen

und Herren, lernt MAYA

HAWKE kennen. Sieist eine echte

Nummer“, schrieb der 48-Jährige

am Wochenende auf Instagram. Davorzählte

der stolzeSchauspieler

mehrereProduktionen auf, in der

seine Tochter ebenfalls zu

sehen war.Das ist Liebe!

Melania Trump gibt es

nun auch aus Holz: In

der slowenischen Heimatstadt

der US-Präsidentengattin,

Sevnica,

wurde ihr zu Ehreneine

Holzstatue

aufgebaut. Dasaus

Holz geschnitzte,

recht grobschlächtig

wirkende Ebenbild

der First Lady (49)

wurde in einem

Waldstück enthüllt.

Geschaffen hat es der

Künstler Brad Doney.

(mpw./mit dpa)

Abbildung ähnlich: WasMelania

Trump davon hält, ist

nicht bekannt. AFP/JURE MAKOVEC

TIERE

In Zukunft nur noch auf einem

Greif, aber am Leben.

DPA

Da wusste sich jemand zu helfen: Mit

einer zugeschnappten Mausefalle

am Fußwar dieser Turmfalke durch

ein offenes Fenster des Polizeipräsidiums

Gießen geflogen. Nachdem

Feuerwehrleute das Tier eingefangen

hatten, wurde es in eine Klinik

gebracht und dortnotoperiert. Dabei

musste ein Teil des linken Greifs

abgenommen werden. Ohne die

Hilfe der Polizisten und der Feuerwehr

wäredas Tier jedoch wahrscheinlich

verendet. Der Turmfalke

(Falco tinnunculus) ist der häufigste

Falke in Mitteleuropa. (mpw.)

Das Innere der Kirche vor und nach der Feuerkatastrophe. AFP/LUDOVIC MARIN Das Feuer wütete im Innenraum nicht so schlimm, wie erwartet. AFP/LUDOVIC MARIN

Diagnose: schwierig

Der Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame wird wohl nicht so schnell vorangehen wie erwartet

VonBirigt Holzer,Paris

Mit lässigen Armbewegungen

lässt der

Bauarbeiter Wasser

aus einem Schlauch

auf den Steinboden brausen, um

ihn zu reinigen. Der Gesichtsausdruck,

den er dabei aufsetzt,

ist so unbeteiligt, als befände er

sich nicht auf Frankreichs berühmtester

Baustelle. Gelbliche

Metallplanken sperren sie ab,über

denen Stacheldraht angebracht

ist. Nur auf Höhe des Haupteingangs

gibt ein Gitter den Blick frei

–auf den Arbeiter und seine Kollegen

mit Bauhelmen auf dem

Kopf, die miteinander diskutieren.

Und auf den Haupteingang

eben dieser Baustelle: Notre-

Dame.

Abenteuerliche Vorschläge

Auf der anderen Seite der Metallstäbe

sammeln sich Touristen, die

versuchen, möglichst viel von der

Kathedrale zu erhaschen, die am 15.

April dieses Jahres brannte. Das

ganzeAusmaß der Zerstörung ist aus

der Distanz kaum zu ermessen. Aber

Fotos vom Innenraum voller Schutt

zeugen davon. Undvor allem die Videos

vomFlammeninferno über der

gotischen Kathedrale und dem erschütternden

Moment, als der

schlanke Vierungsturm indie Tiefe

stürzte.

Schnell versprach Präsident Emmanuel

Macron, die Kathedrale

würde „noch schöner als zuvor“ wieder

aufgebaut –bis 2024, wenn Paris

die Olympischen Spiele ausrichtet.

Die Regierung lancierte einen internationalen

Architekten-Wettbewerb

zum Wiederaufbau des Spitzturms.

Gilt es, ihn mit etwas Zeitgenössischem

zu ersetzen oder ihn identisch

zu rekonstruieren? Während

sich sowohl die Unesco, die Notre-

Dame auf ihrer Weltkulturerbe-Liste

führt, als auch die Mehrheit der Bevölkerung

für deren authentischen

Wiederaufbau ausspricht, machten

Architektenbüros abenteuerliche

Vorschläge –vom Glasdach bis zu einem

Treibhaus. Derweil streiten die

beiden Parlamentskammern über

ein Gesetz, das Bauregeln, Umweltund

Denkmalschutznormen aussetzen

soll, um die Arbeiten zu beschleunigen.

Diese Eile kritisierten

Das Gebäude: Die Kathedrale

Notre-Dame (errichtet

1163 bis 1345) ist eines der

Wahrzeichen der französischen

Hauptstadt und als

Bestandteil des Denkmals

Seineufer seit 1991 Weltkulturerbe.

1170 Architekten und Denkmalschützer

in einem offenen Brief, in

dem sie dazu aufriefen, „sich Zeit für

die Diagnose zu nehmen und den

Experten zuzuhören“. Ohnehin wird

zunächst das Ausmaß der Zerstörung

durch das Feuer und das Löschwasser

analysiert; parallel dazu laufen

die Stützungsarbeiten, und der

Abbau des vor dem Brand errichteten

Baugerüsts mit seinen 50 000

Röhren steht an. Momentan ragt es

wie ein Krater aus der Mitte des Monuments.

In der Nachbarschaft auf der Île

de la Cité, der größeren der beiden

Seine-Inseln, hofft man auf schnelles

Voranschreiten. Hauptanziehungspunkt

war bisher Notre-Dame, das

am häufigsten besuchte Monument

Frankreichs mit 13 Millionen Menschen

proJahr.Selbst wenn viele nun

das abgesperrte Gelände umrunden

–die vorherigen Massen bleiben aus.

„Es ist gar keinVergleich“, sagt die

Besitzerin eines Souvenir-Ladens in

der Nähe des Westeingangs. Ratlos

DIE KATASTROPHE

Der Brand: Am 15. April

dieses Jahres geriet die Kathedrale

Notre-Dame in

Brand, der das historische

Bauwerk teilweise zerstörte.

Nach vier Stunden gelang es

der Pariser Feuerwehr,den

Brand einzudämmen.

Die Kathedrale Notre-Dame kurz nach dem Brand im April.

Die Zerstörung: Unter

anderem fielen der hölzerne

Dachstuhl des Gotteshauses

den Flammen zum Opfer.

Das Bleidach verdampfte

teilweise und der Vierungsturmstürzte

brennend ein.

Die Turmuhr wurde zerstört.

AFP/ERIC FEFERBERG

steht sie vor ihrer Boutique.„Früher

war oft der gesamte Vorplatz voller

Leute.Wir spüren den Einbruch sehr

stark.“ Dasselbe berichtet Aline,Verantwortliche

für eine Eisdiele ein

paar Meter weiter: „Ich schätze den

Rückgang der Kunden auf 30 Prozent.“

Der Brand habe sie erschüttert,

sagt die junge Frau mit der großen,

runden Brille.„Außerdem müssen

wir wegen der Partikel in der Luft

alle unser Blut testen lassen und

auch das Gebäude wurde auf gefährliche

Rückstände hin untersucht.“

Rund 400 Tonnen Blei waren auf der

Turmabdeckung und auf dem Dach

verbaut. Über Stunden schmolz es

bei dem Brand dahin.

Zu Wochenbeginn schreckte ein

Bericht des investigativen Online-

Magazins „Mediapart“ auf, dem zufolge

die Öffentlichkeit nicht ausreichend

über das wahre Ausmaß der

Gefahr informiert worden sei. Demnach

liege die Blei-Konzentration im

Inneren der Kathedrale bis zu 740

Mal und auf dem Vorplatz 500 Mal

über der erlaubten Schwelle. Alarmierend

hoch sei sie auch auf den

Brücken und Straßen in der Umgebung

von Notre-Dame. Auf den Bericht

hin reagierte die Regionale Gesundheits-Agentur

mit einer Mitteilung,

nach der es „zum jetzigen Zeitpunkt

keiner besonderen

Schutzmaßnahme“ bedürfe.Die hohen

Bleiwerte hingen nicht unbedingt

mit dem Brand zusammen.

Neue Untersuchungen würden geführtund

der Vorplatz gereinigt.

Bislang nur 80 Millionen

Wirtschaftsminister Bruno Le Maire

hat den Geschäftstreibenden auf der

Île de la Cité, deren Umsatz eine Million

Euro nicht übersteigt, insgesamt

350 000 Euro versprochen. Aber er

mahnte auch „längerfristige Überlegungen

zum Überleben dieser Läden

in den nächsten Jahren“ an. Für

den Aufbau von Notre-Dame selbst

wurde innerhalb vonwenigen Tagen

eine Gesamtsumme von 850 Millionen

Euro zugesagt – tatsächlich

überwiesen wurden bislang allerdings

nur 80 Millionen.

Auch die Ermittlungen erfordern

einen langen Atem. Die Pariser

Staatsanwaltschaft sieht „keinerlei

Hinweise“ für Brandstiftung und

nennt als wahrscheinlichste Ursachen

eine weggeworfene Zigarette,

einen Kurzschluss oder eine Störung

des elektrischen Warnsystems. Bekannt

ist, dass Arbeiter auf der Baustelle

am Dachstuhl rauchten. Auch

wurde beim Brandschutz bereits

2015 eine Stelle eingespart. Der zuständige

Sicherheitsbeauftragte am

15. April war neu, und als der Feueralarm

losging, konnte er die betroffene

Stelle zunächst nicht zuordnen.

30 wertvolle Minuten vergingen, bis

er die Feuerwehr rief –bei ihrer Ankunft

loderten die Flammen meterhoch.

Gerettet wurden unter anderem

bedeutende Reliquien, nicht

aber das große Uhrwerk unter dem

Vierungsturm.

Doch dann geschah etwas, das

der Uhrmachermeister Jean-Baptiste

Viot als „riesiges Glück“ bezeichnet:

Zufällig entdeckte er in einer

Pariser Kirche ein fast identisches

Uhrwerk mit einer ähnlich

aufwendigen Zahnrad-Mechanik –

gefertigt in derselben Werkstatt, das

die originalgetreue Rekonstruktion

erlauben wird.

Ermittlungen

auf

„Hochtouren“

Nach Vergewaltigung durch

Kinder in Mülheim a.d. Ruhr

Nach dem Vergewaltigungsverdacht

gegen eine Gruppe von

fünf Kindern und Jugendlichen im

Ruhrgebiet ist einer der 14-Jährigen

in Haft. Wegen Wiederholungsgefahr

sei am Montag ein Haftbefehl erlassen

und umgesetzt worden, teilte die

Staatsanwaltschaft in Duisburg am

Montagabend mit. Hintergrund sei,

dass der 14-Jährige schon im Kindesalter

wegen zwei sexuellen Belästigungen

aufgefallen sei.

Bei den Tatverdächtigen handelt

es sich um drei 14-jährige Jugendliche

und zwei Kinder im Alter von

zwölf Jahren. Die drei 14-Jährigen

wurden laut Polizei nach Bekanntwerden

der mutmaßlichen Vergewaltigung

am Freitagabend vernommen

und verbrachten die Nacht bei

der Polizei. Sie wurden am Sonnabend

zunächst wieder entlassen.

Diebeiden Zwölfjährigen wurden ihren

Eltern übergeben. Beide sind

strafunmündig – in Deutschland

können Täter erst mit der Vollendung

des 14. Lebensjahres für Straftaten

zur Verantwortung gezogen

werden.

Anwohner hatten am Freitag vergangener

Woche die von der Polizei

als „schweres Sexualdelikt“ bezeichnete

TatinMülheim an der Ruhr gemeldet.

Sie hatten bemerkt, dass ihr

Hund unruhig wurde und daraufhin

im Grünbereich hinter ihrem Garten

eine junge Frau und zwei männliche

Personen bemerkt. Ermittler entdeckten

bald darauf die aus insgesamt

fünf Verdächtigen bestehende

Gruppe. Die betroffene junge Frau

ist nach Polizeiangaben heranwachsend,

also zwischen 18 und 21 Jahre

alt. Sie wurde nach der Tatzur Behandlung

in ein Krankenhaus gebracht

und anschließend vonder Polizei

betreut.

In der Nähe dieses Spielplatzes soll es zu

der Tatgekommen sein. DPA/ROLAND WEIHRAUCH

Die Stadt Mülheim an der Ruhr

will, dass die tatverdächtigen Schüler

vorerst nicht mehr am Unterricht

teilnehmen. Man wolle die Bezirksregierung

Düsseldorf als Schulaufsichtsbehörde

bitten, die Schulpflicht

für die in Mülheim gemeldeten

Tatverdächtigen für die jetzt laufende

letzte Schulwoche vor den

Ferien auszusetzen, sagte Sozialdezernent

Marc Buchholz am Montag.

Ob einer der mutmaßlichen Tatbeteiligten

am Montag zum Schulunterricht

gegangenen sei, wisse er

nicht. Nach Angaben von Oberbürgermeister

Ulrich Scholten sind vier

der fünf Tatverdächtigen in Mülheim

gemeldet. Bei dem fünften Verdächtigen,

einem 14- oder 15-Jährigen,

werdeder Wohnortnoch ermittelt.

Bei zwei der vier Mülheimer Tatverdächtigen

sei das Jugendamt vor

der Tatinden Familien bereits aktiv

gewesen. „Was Gegenstand der Tätigkeit

war, muss noch recherchiert

werden. Da sind wir dabei, das aufzubereiten.“

Er machte keine Angaben

darüber, welches Alter diese

beiden Personen haben. Auch der

Name des Opfers sei dem Jugendamt

bekannt gewesen.

(BLZ/mit AFP; dpa)