Berliner Kurier 10.07.2019

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12 BERLIN BERLINER KURIER, Mittwoch, 10. Juli 2019 *

Wie wir unseren Wohlstand retten

Wenn Österreicher die

Migration an den Grenzen

bekämpfen, finden viele

Deutsche das erst mal gut.

Dumm nur, wenn man selbst

davon betroffen ist. Um Staus

auf der Brennerautobahn zu

reduzieren, sind die Österreicher

nämlich zu einer „Blockabfertigung“

übergegangen

und lassen pro Stunde nur 250

bis 300 Lastwagen ins Land.

Das führt zwar zu weniger Laster-Migration

in Österreich, jedoch

zu massiven Staus in

Deutschland und Italien. Der

Bundesverband der Deutschen

Industrie spricht in diesem Zusammenhang

von einer „wohlstandsgefährdenden

Verkehrsbehinderung“.

Wo unser Wohlstand gefährdet

ist, da verstehen wir Deutschen

natürlich keinen Spaß.

Schon gar nicht in der Urlaubszeit!

Wann ist der Zeitpunkt

erreicht, an dem die Bundeswehr

einschreitet und im Rahmen

einer Ausweitung des

„kleinen Grenzverkehrs“ den

Brennertunnel für deutsche

Laster freischießt?

Wohlstandsgefährdende Verkehrsbehinderungen

sind allerdings

verbreiteter, als man

vermuten möchte. Ist nicht

auch das Maut-Desaster der

CSU mit seinen bisher 54 Millionen

Euro verschwendeten

Steuergeldern eine „wohlstandsgefährdende

Verkehrsbehinderung“?

Vermutlich

sagt auch Donald Trump,

wenn Melania mal wieder

nicht mit ihm schlafen möchte:

„Das ist wohlstandsgefährdende

Verkehrsbehinderung, Darling!“

Was ist, wenn das Finanzamt

die Konten sperrt?

Wohlstandsgefährdende Verkehrsbehinderung!

Das geht

doch nicht! Daher sucht der

BDI nach „gangbaren Transportalternativen

für den Langstreckentransport“

…Moment

mal. Gangbar? Sollen die Güter

Mensch

Meyer

Kabarettist

Chin Meyer

schreibt jeden

Mittwoch und

Sonnabend

im KURIER

jetzt im Gehen transportiert

werden? Zu Fuß? Mit kleinen

Handwagen? Warum nicht?

Ist CO 2 -verträglich. Und kreiert

sehr viele Arbeitsplätze!

DasStrandbad

Müggelsee am

Fürstenwalder Damm

ist auch in diesem

Sommer gut besucht.

Spanner-Alarm am Müggelsee

Bezirksbürgermeister Oliver Igel will Badende von Sicherheitsleuten schützen lassen

Von

CHRISTIAN GEHRKE

Rahnsdorf – Davor fürchten

sich alle Badegäste am FKK-

Strand: Dass sich Spanner

auf die Lauer legen und vielleicht

sogar Fotos machen.

Genau das scheint jetzt im

Strandbad Müggelsee passiert

zu sein. Es gab mehrere

Beschwerden. Eine davon erreichte

Bezirksbürgermeister

Oliver Igel (SPD). Er will

Sicherheitsleute anstellen,

wenn sich die Klagen über

Spanner häufen.

Der lange Beschwerdebrief landete

direkt im Köpenicker Rathaus

auf Igels Schreibtisch. Eine

Frau beklagt sich in dem

Schreiben über Männer im

Strandbad Müggelsee am Fürstenwalder

Damm 838. Sie würden

im FKK-Bereich gaffen und

mit dem Anblick einer nackten

Frau nicht umgehen können.

Sie ist mit dem Eindruck nicht

alleine, dass an diesem Strand

etwas nicht stimmt: Beim Landesamt

für Gesundheit und Soziales

(Lageso) ging bereits im

Mai ein aufgereckter Anruf ein.

Es hieß, ein Mann würde Fotos

von Badegästen machen, sich

als ein Mitarbeiter des Ordnungsamts

ausgeben.

Das beliebte Bad im Osten der

Stadt gehört dem Bezirk Treptow-Köpenick.

Betrieben wird

es von dem Verein Agrarbörse.

Der Mitarbeiter, der für das

Bad verantwortlich ist, äußerte

sich auf KURIER-Anfrage

nicht. Kein Kommentar.

Bezirksbürgermeister Oliver

Igel (SPD) hingegen nimmt die

Beschwerden sehr ernst. Dem

KURIER steht er Rede und Antwort,

obwohl er gerade selbst

im Urlaub weilt. Er sagt: „Sollte

sich die Beschwerdelage erhöhen,

werden wir mit einem Sicherheitsdienstleister

zusammenarbeiten.“

Das Strandbad

würde Security bekommen.

Bei der Polizei heißt es, dass

es im Jahr 2018 dort einen heiklen

Einsatz gab. „Wir prüfen, ob

es in diesem Jahr in diesem

Strandbad zu Sexualdelikten

gekommen ist oder kommen

wird“, so eine Sprecherin.

Jeden Sommer kommt es in

Strand- und Freibädern zu

Straftaten (meist Körperverletzungen).

Spitzenreiter 2018

war aber nicht das Strandbad

Müggelsee. 2018 wurden um

das Columbiabad (Neukölln)

130 Straftaten erfasst.

Fotos: Engelsmann, imago/Travel-Stock

Oliver Igel (SPD)

will Sicherheitsleute

einsetzen, wenn die

Beschwerden zunehmen.

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