Berliner Kurier 10.07.2019

BerlinerVerlagGmbH

*

POLITIK

MEINE

MEINUNG

Von

Jan

Sternberg

Die AfDist

unrettbarzerrissen

Eine junge Parteisei immer

in Gefahr,„von allen

möglichen Leuten unterwandertzuwerden“,

so AfD-Chef

Meuthen. Immer, wennder

„Konsensguter Demokraten“

in Gefahrsei, überschritten

zu werden, handele seine Partei

und rufe die allzu radikalen

Mitglieder zur Ordnung.

WasMeuthen da sagte,war

nochnicht ganz so absurd wie

die Sätzedes Saddam-Informationsministers

„Comical

Ali“, der noch bis zur letzten

Minute leugnete, dass sich

Amerikaner Bagdadnäherten.

Aber das berühmte Pfeifen im

Walde war es schon. Meuthen

ist zum Gegnerder

Rechtsradikalengeworden,

nachdem er sie ein einziges

Malattackierte. Und SeniorchefGauland

wird nur noch

geduldet –wie jüngstauf dem

Kyffhäusertreffen.Umandie

Macht zu kommen,könne

mansich „ruhigeinmalauf

die Lippebeißen“,wofür er

nur mäßigen Applaus bekam.

Plötzlich, so Gauland, habe

die Partei keine Zeit mehr,als

„gäriger Haufen“ aufzufallen.

Er irrt, es ist bereits zu spät.

Die AfD ist unrettbar zerrissen

–zwischen West und Ost,

dem bürgerlichen Rest und

Radikalen, zwischen Verschwörungstheoretikern

und

Postenjägern.

MANN DESTAGES

Jürgen Reiche

Der Direktor des Zeitgeschichtlichen

Forums, Jürgen

Reiche (65), kritisiert in

der Debatte um Rechtsextremismus

die

anhaltende

Ignoranz

der Westdeutschen

gegenüber

Ostdeutschland.

Es gebe

gar ein

„Sachsen-

Bashing“,

sagte der

Historiker dem Redaktions-

Netzwerk Deutschland. Dabei

existiere „in Leipzig eine

sehr liberale und engagierte

Stadtgesellschaft, die gegen

rechts und für die Demokratie

auf die Straße geht“.

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Köln – Geht es um

Geldwäsche, ist

Deutschland eine der

ersten Adressen

weltweit. Das zeigen

auch aktuelle Zahlen

der Financial Intelligence

Unit (FIU).

2018 gingen rund

77 200 Meldungen

bei der Behörde ein,

die zum Zoll gehört –

fast 30 Prozent mehr

als im Vorjahr. Die

Dunkelziffer dürfte

erheblich größer

sein. Denn von Immobilienmaklern

und Notaren kamen

kaum Hinweise.

Längst ist es ein offenes

Geheimnis, dass

Deutschland unter anderem

für italienische

Mafiaorganisationen

ein beliebter Standort

für „Investitionen“ ist.

Auch Geld aus anderen

Ländern, die mit dem

internationalen Drogenhandel

in Verbindung

stehen, wird bevorzugt

bei uns gewaschen.

Die Kriminellen

schätzen Diskretion

und Effizienz bei

der Abwicklung der

Geschäfte.

Begünstigend kommen

relativ laxe gesetzliche

Bestimmungen

hinzu und die noch

immer ausgeprägte

Vorliebe der Deutschen

für Bargeld. Das

fließt besonders häufig

bei Immobiliengeschäften.

Häuser und

Wohnungen hierzulande

bieten zudem

den Vorteil, dass sie als

wertbeständig gelten,

Berlin –Inmindestens acht

Landesverbänden der AfD toben

Grabenkämpfe zwischen

Radikalen, die die Partei offensichtlich

übernehmen wollen.

In Bayern fordern 100 Mitglieder

einen Sonderparteitag, in

Schleswig-Holstein übernahm

die Rechtsauslegerin Doris

von Sayn-Wittgenstein handstreichartig

die Parteispitze, in

NRW traten die Gemäßigten

im Vorstand zurück, dort sind

jetzt die Radikalen unter sich.

Und der Flügel, das rechtsradikale

Netzwerk der AfD um

Björn Höcke, kündigte bei

einem Treffen am Wochenen-

vor allem in Großstädten.

Bei den Deals verbergen

die Kriminellen

häufig ihre Identität

mittels Briefkastenfirmen

in exotischen

Steuerparadiesen und

komplizierten Konstruktionen

in Kaufverträgen.

Und auch mit

Extraprovisionen für

hiesige Helfer, die in

bar ausgezahlt werden,

wird operiert.

Auffällig werden fragwürdige

Geschäfte

nicht selten dadurch,

dass sie in ausländischen

Währungen abgewickelt

werden.

Die Steigerung der

Meldungen bei der

FIU um 17 500 im vergangenen

Jahr resultiert

in großen Teilen

aus einer höheren Sensibilisierung

–vor allem

in der Finanzbranche.

Auch spektakuläre

Razzien wegen

Geldwäscheverdachts

Rechtsruck? Die AfDleugnet

Parteichef Meuthenspricht von „Fehlwahrnehmung“: Bei unswird „demokratisch heftig gestritten“

de forcierten „Widerstand“ an.

Doch AfD-Chef Jörg Meuthen

spricht von einer „Fehlwahrnehmung“.

Meuthen im

Interview mit dem Deutschlandfunk:

„Wir sind eine Par-

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