Berliner Kurier 10.07.2019

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BERLINER KURIER, Mittwoch, 10. Juli 2019

Warum ist mein Kiez

schmuddelig, während

anderepicobello sind?

Die BSR reinigt hauptsächlich

Straßen, für

Parks ist sie ursprünglich

nicht zuständig.

Nicht nur nach

Stadtfesten ist

der Müll ein

großes Problem.

Illegale Müllkippen

gibt es vorallem in

Neukölln und

Friedrichshain-

Kreuzberg

Von

MELANIE REINSCH

Das zerfetzte Sofa an

der Straßenecke

bleibt nicht lange

allein. Schon bald

gesellt sich anderer Unrat

hinzu –Mülltüten, alte Regale,

leere Flaschen. Wer morgens

durch die Stadt fährt,

kann sehen, an welcher Ecke

nachts Gelage stattgefunden

haben. Meist erkennt man

sie an herumliegenden Pizzakartons,

verstreuten Zigarettenstummeln

und Scherbenhaufen

auf den Wegen.

Berlin hat ein Müllproblem.

Der Senat hat dazu 2018

den Aktionsplan „Saubere

Stadt“ aufgelegt, der Bezirke

dabei unterstützen soll, Straßen

und Parks sauberer zu

machen und damit

auch für mehr Lebensqualität

in der

Stadt zu sorgen. Insgesamt

stehen den

Bezirken und der

Berliner Stadtreinigung

(BSR) dafür 8,4

Millionen Euro jedes Jahr

zusätzlich zur Verfügung.

Doch wie haben die Bezirke

das Geld bisher genutzt?

Das meiste Geld –immerhin

5,1 Millionen Euro –ist

für die sogenannten Waste

Watchers vorgesehen. Rund

102 Stellen wurden für Menschen

geschaffen, die Vermüllungen

nicht nur feststellen,

sondern auch Verursacher

ermitteln und Verstöße

zur Anzeige bringen sollen.

Im Haushaltsjahr 2018 hat

die Senatsverwaltung für

Wirtschaft, Energie und Betriebe

zunächst den fünf Bezirken

Unterstützung angeboten,

die am stärksten von

illegalem Sperrmüll betroffen

sind:

Friedrichshain-Kreuzberg,

Mitte,

Neukölln,

Pankow und

Tempelhof-

Schöneberg.

Aus der noch

nicht veröffentlichten

Antwort des

Senats auf eine

Anfrage

von Georg

Kössler, umweltpolitischer

Sprecher der Grünen,

geht hervor, dass Neukölln

1,2 Millionen Euro zur Verfügung

gestellt bekommen

hat –davon wurden knapp

700000 Euro für mehr Sauberkeit

im Kiez ausgegeben.

Friedrichshain-Kreuzberg

bekam im vergangenen Jahr

852000 Euro zur Verfügung

gestellt und gab davon fast

alles aus, nur rund 9000 Euro

sind noch übrig. Die beiden

Bezirke haben das größte

Problem mit illegalen Sperrmüllablagerungen,

die die

BSR ermittelt hat.

Im laufenden Jahr stehen

den Bezirken zwischen

50000 (Marzahn-Hellersdorf)

und 680000 Euro (Mitte)

zur Verfügung.

Der Bezirk Neukölln hat

mit dem Geld E-Lastenräder

angeschafft, die Bürger kostenfrei

nutzen können, um

ihren Müll zum BSR-Hof zu

bringen.

Zudem gibt es das Unternehmen

„CRCLR“ ,das im

Auftrag des Bezirks gemeinsam

mit Cafés oder Imbissen

im Kiez Müllvermeidungsstrategien

erarbeitet. „Ein Café

hat zum Beispiel inzwischen

keine Plastikstrohhalme

mehr und nutzt welche aus

Metall“, erzählt Vilma-Luu

Sinn von CRCLR.

Der Bezirk Mitte hat mit

den Geldern beispielsweise

die Mülleimer gegen Krähen

abgesichert. Und der Bezirk

Friedrichshain-Kreuzberg

hat E-Fahrräder angeschafft,

mit denen Mitarbeiter einfacher

Müll-Hotspots entdecken

sollen, es wurden zudem

mehr Mülleimer aufgestellt

und Sand auf Spielplätzen

ausgetauscht.

„Wir brauchen mehr als

nur Aktions-

Die Stadtreinigung

holt für 50 Euro

Sperrmüll nach

Termin ab –zu

teuer,finden viele

programme

und Waste

Watcher.

Für ein sauberes

Berlin

sind gut ausgestattete

Bezirke mit Personal nötig“,

sagte Kössler. Von den Waste

Watchern hält der Grünen-

Politiker nicht viel, da die

großen Verursacher meist

gar nicht erst gefunden würden.

Kössler findet zudem, dass

der Sperrmüll-Dienst der

BSR viel zu teuer sei. Die

BSR holt für 50 Euro Sperrmüll

ab. „Viel zu viel“, sagt er.

Auch die Bezirksbürgermeisterin

von Friedrichshain-Kreuzberg,

Monika

Herrmann (Grüne), setzt auf

die BSR. Sie würde sich wünschen,

dass die BSR auch die

Parks sauber hält. Das ist eigentlich

Sache der Bezirke.

„Doch die Grünflächenämter

sind dazu gar nicht richtig

ausgestattet. Sie sollten sich

ausschließlich um die Grünpflege

kümmern“, findet

Herrmann. Es gibt inzwischen

einige Pilotprojekte,

wo die BSR auch Parks reinigt

und nicht nur Straßen

und öffentliche Plätze –zum

Beispiel im Görlitzer Park.

Fotos: Imago

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