Balancer 76, 2/2019

BALANCEKommunikation

Der „Balancer“ berichtet als Fach- und Vereinszeitschrift über die Aktivitäten von BALANCE, bekennt sich zu dessen Leitbild und Grundsätzen und thematisiert besonders relevante Themen und Ereignisse, die Menschen mit Behinderungen betreffen. Der „Balancer“ folgt inhaltlich dem Bekenntnis des Art. 7 der Bundesverfassung, nach welchem es ein Grundrecht aller Menschen ist, gleichberechtigt und ohne Diskriminierung zu leben.
Inklusive Redaktion

Als Grundvoraussetzung für eine zukünftige inklusive Gesellschaft werden Selbstbestimmung und Selbsttätigkeit der BALANCE-KlientInnen unterstützt. Gemäß diesem Anspruch setzt sich das Redaktionsteam des „Balancers“ zu gleichen Teilen aus BewohnerInnen, Tagesstruktur-TeilnehmerInnen und MitarbeiterInnen zusammen.

Zeitschrift von BALANCE | Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren | Ausgabe Nr. 76 | 2/2019, Jahrgang 22

Thema

Europa

Interview

Johanna Ilkow

vom EU-Projekt

COESI

Inklusion

Tango – eine

Umarmung,

die Brücken baut


2 EDITORIAL

BALANCER 76, 2/2019

Editorial

Von Helga Hiebl

Die EU-Wahl ist geschlagen, wochenlang waren europäische Themen

in den Medien und haben uns überschwemmt mit Warnungen

oder Heilsversprechen. Sollen wir näher zusammenrücken

oder uns mehr voneinander abgrenzen? Sollen wir Außengrenzen

verstärken oder innere Grenzen aufziehen? Wie kommen wir in Europa

zu gleichen Meinungen, Standards?

Und dann kam „Ibizagate“, das Österreichs Regierung sprengte,

Rücktritte auf Rücktritte folgten und Europa war nur mehr ein

Randthema, während Österreich in Europa zum Thema wurde.

Ja, die Wahl ist geschlagen, und abgesehen davon, dass es eher

eine vorgezogene Wahlumfrage zur Nationalratswahl war, bleiben

die europäischen Fragen offen. Wie wird sich die neue Kommission

zusammensetzen? Wie geht es nach dem Brexit weiter? Welche

konkreten Projekte, Probleme und ihre Auswirkungen werden uns

weiter beschäftigen?

Wir haben uns Europa angesehen: Wer gehört dazu? Was bedeutet

die EU für uns? Was für ein Mythos steckt dahinter? Wie

funktioniert die EU? Und welche Auswirkungen haben Entscheidungen

oder gemeinsame Projekte z. B. im speziellen auf Menschen

mit Behinderungen? Warum ist Europa gerade für Minderheiten so

wichtig?

Viele dieser Fragen haben uns in dieser Ausgabe beschäftigt,

aber vor allem haben wir uns auf Spurensuche begeben, wo Europa

in Österreich, bei BALANCE und in uns selber in Erscheinung tritt

und sind fündig geworden.

Wir wünschen spannende Lesestunden!

Inhalt

Vorgestellt

03 Zsuzsanna Szabó

BALANCE Intern

04 BADANU – Was nun?

Die Biker-Story – Sendung ohne

Barrieren

05 Spendenaufruf – Mein (Urlaubs-) Traum

BALANCE Pinnwand

06 Zauberei – Mein großer Auftritt stärkte

mich

07 Frauenlauf

Vienna City Marathon

Das Hermann’s Fest in Zwentendorf

Coca Cola run

08 Fußball

Offenes Atelier

09 Eine Bildergeschichte

Thema: Europa

10 Wir sind EuropäerInnen!

13 Warum ist die EU gerade für Menschen

mit Behinderungen wichtig?

15 Europa – Mythos und der wahre Kern

Politik

16 Hat Europa gelernt?

17 #LebenNichtBehindern – 9.962

Unterschriften

20 Das Sozialhilfe-Grundgesetz ist

beschlossen – die Verschlechterungen

im Detail und Überblick

22 „Menschen mit Behinderung“ ist vielen

ein Begriff

Das Cover

Der Titel des Kunstwerkes „Kuh auf der Alm im Schnee“ (21 x 30 cm,

Acrylfarben auf Karton) aus dem Jahr 2017 ist ein Werk des Künstlers

Friedrich Ettenauer, der im bildBalance Atelier MaPo arbeitet.

Friedrich Ettenauer: „Die Kuh auf der Alm steht kerzengerade im

Schnee und friert sich die Hufe samt Kopf und Ohren ab – den

Stroh-Futtervorrat gibt es in der Scheune, da sie heraussen kein

Futter findet; und wenn sie zornig wird, haut sie mit den Hinterbeinen

aus.“

BALANCE Kunst

18 3 Schlangen im Grünen

Interbalance

32 EU-Projekt COESI: Organisationen

in der Behindertenhilfe brauchen

Veränderung!

BALANCE Tagesstruktur

24 Tango – eine Umarmung, die Brücken

baut

28 Barrieren abbauen Abschluss beim

Nachbarschaftsfest

30 Deutschland trifft Wien

Kommentar

34 Flugreisen in Europa

35 Impressum

Foto: A.Berger


BALANCER 76, 2/2019

VORGESTELLT

3

10

Fragen an

Zsuzsanna Szabó

aus Győr/Ungarn, lebt in Baden bei

Wien, 32 Jahre alt, in glücklicher

Beziehung

Hobbys: Fotografieren mit alten

klassischen Kameras mit Film,

Filme vor allem aus Nordeuropa

(Schweden, Norwegen), Literatur,

hat früher selbst Gedichte

geschrieben, Lesen, Musik:

klassische Musik (Tschaikowsky),

Alternative und Jazz

Beruflich: Heimhelferin, seit 2015 bei

BALANCE, schreibt fallweise für eine

ungarische Zeitung, hat in Ungarn in

der Schule Deutsch gelernt

1

2

Ein


guter Tag bei BALANCE beginnt mit …

Kaffee und natürlich der Dienstübergabe

Welche


Barrieren haben Sie in Ihrem Leben schon abgebaut?

Im Ausland arbeiten, meine Komfortzone zu verlassen.

3 Rollentausch: Wenn Sie Bewohnerin im Wohnhaus Maxing

wären, wie sollte eine Heimhelferin bei BALANCE sein?

… natürlich geduldig, sieht genau meine Situation, sie

sieht genau, welche Unterstützung ich brauche … und

Spaß/Humor muss auch dabei sein.

4 Das Wohnhaus Maxing ist besonders, weil …

es fast wie eine zweite Familie für mich ist.

5

Europa


in Balance heißt …

für mich, wenn es egal ist, woher man kommt, welche

Religion man hat, dass jeder mit Respekt behandelt

wird, jeder bringt seine Fähigkeiten ein … wie in unserem

Team im 2. Stock, da sind Menschen aus Ungarn,

Österreich, Slowakei, Serbien und wir arbeiten wunderbar

gut zusammen.

6

Europa ist für mich …

Heimat.

7 Zuhause fühle ich mich dann, wenn …

so wie mein Vater mir erzählt hat, früher als er als

Kind Heimweh hatte, beschrieb er es so: Daheim hat

der Himmel das schönste Blau. So ist das auch für

mich, aber auch der Geschmack der Speisen meiner

Mutter, der Spaß mit meinem Bruder und die Geschichten

meiner Großmutter.

8

Mein menschliches Vorbild in Europa ist …

die französische Philosophin Simone Weil, ich lese gern

ihre Bücher, sie hat sehr wertvolle Gedanken.

9 Außer Österreich und Ungarn mag ich besonders …

Krakau in Polen. Als ich einmal dort war, hatte ich so

ein vertrautes Gefühl, als ob ich schon einmal dort

gewesen wäre …

10 Was

ich sonst noch unbedingt loswerden möchte …

da fällt mir jetzt nichts mehr ein.

Foto: Zsuzsanna Szabó privat

Von Helga Hiebl und Pia Wolf


4

CARTOON / INTERN

BALANCER 76, 2/2019

BADANU* – Was nun?

*Balance Datenbank NutzerInnen

Cartoon: Christian Zuckerstätter

Die Biker-Story –

Sendung ohne

Barrieren

Von Helga Hiebl

Im April wurde die erste Sendung, die von BALANCE

gestaltet wurde, im Rahmen der Sendereihe „Sendung

ohne Barrieren“ unter dem Titel „Mittendrin sein können“

ausgestrahlt. Sehr viele positive Reaktionen und

Rückmeldungen erreichten uns seitdem. Die Geschichte,

die wir in dem knapp sechsminütigen Beitrag erzählten,

handelte von dem Bewohner Harald Schwed

und seinem Motorradverein Red Biker.

Vielen Dank für die Unterstützung und Mitarbeit

der HelferInnen vor Ort und bei der Organisation, allen

voran den Red-Bikern, der Wirtin des Gasthauses „Frohes

Schaffen“ und der BALANCE-Mitarbeiterin Heide

Braun.

Wer den Filmbeitrag noch nicht gesehen hat, man

kann ihn auf der Seite http://www.sendungohnebarrieren.com/

nachsehen.

Foto: BALANCE/H.Hiebl


BALANCER 76, 2/2019 INTERN 5

Spendenaufruf –

Mein (Urlaubs-)

Traum

„Ich, ein im unterstützten Wohnen von BALANCE lebender Bewohner, träume

schon seit Ewigkeiten, dass ich einmal ohne finanziell nachdenken zu müssen in

Urlaub fahren kann. Da ich finanziell nicht so gut betucht bin, bitte ich euch LeserInnen

meiner Geschichte um eine kleine oder größere Spende, damit ich mir

einen Urlaub finanzieren kann.

Ich erzähle euch jetzt meine Lebensgeschichte. Ich hatte mit 14 Jahren einen fast

tödlichen Fahrradsturz und sitze seit diesem Zeitpunkt im Rollstuhl. Da ich, wie

schon oben erwähnt, keine Spareinlagen habe und auch sonst keine Geldmittel

zu Verfügung habe, lebe ich sehr eingeschränkt. Mein letzter Wochenendurlaub,

in der Therme Loipersdorf, war 2004. Mein Urlaubstraum wäre eine Woche Kroatien.

Ich möchte so gerne mal das Meer sehen und riechen. Ich danke euch schon

im Voraus, der nette Kerl im Rollstuhl von Nebenan!“

Spenden bitte an das BALANCE-Spendenkonto, Kennwort „Urlaub“. Mit Hilfe Ihrer

Spenden können wir Menschen wie Herrn B. Kurzurlaube ermöglichen. Ihre

Spende kommt ohne Abzüge direkt Menschen mit Behinderungen zugute. Wenn

Sie uns außerdem Ihren Namen und Ihr Geburtsdatum bekanntgeben, wird Ihre

Spende automatisch von Ihrer Steuer abgesetzt.

Bankverbindung Verein BALANCE –

Leben ohne Barrieren

IBAN: AT96 3200 0000 0747 9868

BIC: RLNWATWW

Spenden an BALANCE sind absetzbar: SO 1481

Kennwort: Urlaub

Foto: j.planck

Foto: michaeljung – stock.adobe.com


Pinn

wand.

Zauberei –

Mein großer

Auftritt

stärkte mich

Von Pia Wolf

Ich wollte mit der Zaubershow mein Selbstwertgefühl

wieder steigern, welches zu diesem

Zeitpunkt nicht wirklich vorhanden war. Knapp vor

der Vorführung war ich sehr nervös und kurz davor

alles hinzuwerfen. Aber alles der Reihe nach.

1

Lampenfieber

Als der große Tag der Aufführung gekommen war,

habe ich mich auf den Weg zum Westbahnhof gemacht.

Dort angekommen traf ich mich mit meinem

Betreuer und Assistenten für die Zaubershow.

Natürlich war ich sehr aufgeregt. Wer wäre es nicht?

Als wir am Ort der Vorführung ankamen, musste ich

noch schnell ein paar letzte Vorbereitungen treffen.

Dann wurde es langsam Zeit für meinen großen

Auftritt. Am Anfang war ich immer noch sehr aufgeregt,

aber mit der Zeit legte sich die Nervosität

und Unsicherheit.

Die Show ging dann ohne gröbere Komplikationen

über die Bühne. Ich bin richtig in meiner Rolle als

Magierin aufgegangen. Nervosität war kaum mehr

zu bemerken. Die Tricks sind mir leicht von der Hand

gegangen und mit der Zeit wurde mein Selbstwertgefühl

immer stärker. Ich zog die Show bis zum

Schluss durch. Nachher habe ich mich dann richtig

feiern lassen. Worüber ich mich sehr gefreut habe,

ist, dass sich meine ehemalige Betreuerin Steffi

unter die Gäste gemischt hatte. Leider kam sie zu

spät zur Vorführung, was mir sehr leidtat. Aber wir

hatten anschließend noch die Gelegenheit, uns ausführlich

zu unterhalten.

2

Meine Rolle vor Publikum

Das Erlebnis versetzte mich in die Zeit meiner ersten

Schulvorführung zurück, als ich auch vor Publikum

abliefern musste. Wie fühlt man sich, wenn

alle Blicke auf einmal auf einem ruhen? Im ersten

Moment hat man Angst und spürt den sehr hohen

Erwartungsdruck. Man will keine Fehler machen

und das Publikum nicht enttäuschen. Aber durch

den ersten Applaus lassen der Druck und das Lampenfieber

nach. Man gewinnt quasi die Herzen des

Publikums. Wie sagt man so schön: Übung macht

die MeisterIn. Durch wochenlange Vorbereitung bin

ich quasi in die Rolle der Magierin hineingewachsen

– mit dem Ziel, das Publikum in Staunen zu versetzen,

was mir, glaube ich, sehr gut gelungen ist.

3

Zauberei ist meine Leidenschaft

Ihr fragt euch wahrscheinlich, warum ich mich für

eine Zaubershow entschieden habe. Harry Potter

und seine Freundin Hermine Granger waren immer

meine großen Vorbilder. Durch die Zauberei fühle

ich mich meinen Buch-Idolen näher. Sie brachten

mir auch bei, dass man mit Mut viele Sachen schaffen

und sich seiner Angst stellen kann. Hermine

(eigentlich J. K. Rowling, die die Person Hermine

erfunden hat) habe ich also eine wichtige Lehre

zu verdanken: „Sei stark, wenn niemand dir helfen

kann.“

Die Zaubershow war für mich ein voller Erfolg, mit

kleineren Komplikationen, vielen erstaunten Gesichtern

und viel Applaus. Und wenn jetzt jemand

wissen will, wie die Tricks funktionieren, dem sei eines

gesagt: eine gute ZauberkünstlerIn verrät ihre

Tricks niemals!


BALANCER 76, 2/2019 PINNWAND 7

FRAUENLAUF

Beim Frauenlauf am 27. Mai 2019 im Prater

liefen unsere Mitarbeiterinnen wieder zu

Höchstform auf und erreichten TOP-Ergebnisse!

So viele Starterinnen (12 Läuferinnen) im

5-km-Lauf gab es bisher noch nie und gleich

zwei Teams kamen in die Wertung! Spitzenmäßige

Zeiten gab‘s auch für die beiden tapferen

10-km-Läuferinnen! Wir gratulieren!

VIENNA CITY

MARATHON

Unsere großartigen BALANCE-StaffelläuferInnen

waren am Sonntag, den 7. April 2019

beim Vienna City Marathon mit zwei Staffeln

dabei! Die strahlenden Gesichter beweisen

wieder einmal: Beim Laufen fühlt man sich

immer als SiegerIn! Wir gratulieren!

Fotos: BALANCE Archiv

DAS HERMANN’S FEST

IN ZWENTENDORF

Nach 27 Jahren im Amt als Bürgermeister verabschiedeten

sich am 7. April 2019 an die 1.000 Gäste und Wegbegleiter

von Altbürgermeister Hermann Kühtreiber. Sein soziales Engagement

und Menschlichkeit prägten seine Amtszeit. Auch

BALANCE-VertreterInnen dankten dem sozial engagierten

Altbürgermeister, der stets ein offenes Ohr für die Menschen

am BALANCE Standort Maria Ponsee hatte und immer tatkräftig

geholfen und unterstützt hat. Wir sagen Herzlichen Dank

für dieses vorbildliche Engagement!

COCA COLA RUN

Von David Galko. Am Rande des Vienna City

Marathons fand auch der Coca Cola Run von

Special Olympics statt. Es sind 800 Leute

einen Kilometer gelaufen, jeder hat eine Medaille

gewonnen und wir haben uns gefreut

und danach waren wir noch im Rathauspark

feiern.


8 PINNWAND

KÖRPERBILDER

BALANCER 76, 2/2019

Fußball

Beim diesjährigen Fußballturnier der sozialen Dienstleister

im Behindertenbereich am 27. Mai eroberte das Team

BALANCE den sehr guten 4. Platz. Den Turniersieg holte

sich das Team Jugend am Werk Altmannsdorf.

Fotos: BALANCE Archiv

Offenes

Atelier

Am Mittwoch, den 05.06.2019, fand ab 18:00 Uhr

im Wiener Atelier von bildBalance wieder die „Offene

Tür“ statt.

Zahlreiche BesucherInnen freuten sich über aktuelle

Bilder, Gespräche, gute Stimmung und ein feines

Buffet … und wir von bildBalance freuten uns über

die netten Gäste!


BALANCER 76, 2/2019 PINNWAND 9

Eine

Bildergeschichte

Von Josef Masterhofer

Fotos: Josef Masterhofer privat

Die sechs Bilder gehören zusammen, da die abgebildeten

Tiere (Hund, Hausschlange, Schwan und Fuchs) friedlich

gemeinsam aufgewachsen sind und von einem Bienenzüchter-Ehepaar

und ihrem Sohn betreut werden. Wenn die Sonne

scheint, gehen sie mit ihnen in den Garten, bei Schlechtwetter

in die Kirche. Nachts wird im Haus geschlafen und in

der Früh zeitig aufgestanden, um gemeinsam einen neuen

Tag zu beginnen.


10

Thema

KÖRPERBILDER EUROPA

BALANCER 76, 2/2019

Wir sind

EuropäerInnen!

Wie weit ist dieses Bewusstsein schon

in uns verankert? Wem fällt es leicht,

wem fällt es schwer in dieser „neuen

Dimension“ zu denken? Und warum?

Von Christian Zuckerstätter

Schon im Jahr 1994 trat Österreich der Europäischen

Union bei. Dem Beitritt ist eine Volksabstimmung

vorangegangen, bei der beachtliche 66,6 Prozent,

also haargenau zwei Drittel der Abstimmenden

den Beitritt befürworteten. Daraufhin wurde aber,

soweit ich mich zurückerinnere, in der Öffentlichkeit

nicht mehr viel Aufhebens davon gemacht,

dass Österreich nun Bestandteil der Europäischen

Union ist. In der Berichterstattung der Medien hatte

die EU von nun an aber einen Fixplatz. Diesen

Ball nahmen die PopulistInnen, die in den letzten

Jahren mehr und mehr Aufwind bekamen, begeistert

auf und machten sich daran, diverse Meldungen

zu überspitzen und damit archaische „Mir san

mir“-Gefühle ihrer AnhängerInnen aufzustacheln.

Dass dem nicht allzu großer Erfolg beschieden war,

sagt mir, dass viele ÖsterreicherInnen schon lange

in Europa angekommen sind.

Mein Weg nach Europa

Auch bei mir war der Effekt nach dem Beitritt

so gut wie gar nicht wahrnehmbar. Da war weder

Euphorie noch Ablehnung, stattdessen einfach ein

lapidares „Jo, is hoit so …“. Mittlerweile hat sich das

stark geändert. Das hat verschiedene Ursachen. Da

ist einmal allem voran ein neues Heimatgefühl. Europa

ist trotz aller Inhomogenität ein Ort, an dem

ich mich – gerade in einer Welt, wie wir sie heute

erleben – wohl fühle, sicher, geborgen und zuhause.

Dazu kommt, dass unsere Nachbarländer viel

nähergerückt sind. Grenzen spielen – auch wenn

wir unter der letzten Regierung gerade wieder einen

Rückschritt erleben mussten – keine so große

bis gar keine Rolle mehr. Ein wunderbares Gefühl!

Auf jeden Fall fand meine „Europäisierung“ in

mehreren Etappen statt. Das lag nicht zuletzt an

meinem Herzstillstand im Jahr 2007. Als zum Beispiel

1999 der Euro eingeführt wurde, ging das bei

mir von einem Tag auf den anderen. Gestern Schilling,

heute Euro – tschak, das ist meine neue Währung.

Seitdem ich aber nach meinem Herzstillstand

das Bewusstsein wiedererlangte, ist der Schilling in

mein Hirn zurückgekehrt. Ich rechne jeden Betrag

in Schilling um, auch wenn ich mir zehnmal am Tag

sage, dass das überhaupt keine Aussagekraft und

somit keinen Sinn mehr hat.

Steinzeitliche Argumente der Rechten

Jetzt aber wieder zurück zum großen Thema: in

den letzten paar Jahren weckten praktisch in ganz

Europa nationalistische Kräfte lokalpatriotische

Urinstinkte – „Mia san Österreicha“, „Wir sind

Deutsche“, „Vagyunk Magyarország“ und so weiter.

Mit großem Erfolg, wie sich mittlerweile leider

grenzenlos zeigt. Das ist wohl das uralte Erfolgsrezept

der Rechten – aus ganz und gar nichts wird

– zauber, zauber – durch die Erweckung menschlicher

Urinstinkte der größtmögliche Erfolg gezimmert.

Und erschreckend viele Leute fallen darauf

rein und werden von steinzeitlichen Argumenten

angezogen, wie Fliegen von einer Fliegenfalle …

uff!

Diese Abschweifung bringt mich jetzt zurück

zu „meiner Rolle“ in Europa. Klingt sehr hochtrabend,

aber ich sehe es als meine Aufgabe, alles,

was ich kann, zu tun, um Menschen darauf


Thema

BALANCER 76, 2/2019 EUROPA

11

hinzuweisen, was ihr Tun – dazu zähle ich insbesondere

ihr Wahlverhalten – á la longue bewirkt

und wem es in die Hände spielt. Ein großes Rätsel

ist mir auch, dass viele Menschen, die der Generation

meiner Eltern angehören, Europa so skeptisch

und ablehnend gegenüberstehen. Meiner Logik

würde entsprechen, dass Menschen, die den Krieg

mitten in Österreich so hautnah miterlebt haben,

überglücklich sein müssten über das friedliche Miteinander

aller Nationen in ganz Europa … warum ist

das bloß nicht so? Das hat vor allem zur Folge, dass

diese negative Haltung bewusst oder unbewusst

an Kinder und Enkelkinder weitergegeben wird.

Kinderkrankheiten und komplexe

Aufgaben

Ich bin in diese Fragen auf ganz eigene Weise involviert.

Als 61er-Jahrgang kam ich bloß 16 Jahre nach

Kriegsende auf die Welt. Der Zweite Weltkrieg

steckt mir gewissermaßen noch in den Knochen.

Zwar haben es meine Eltern verständlicherweise

vermieden, mit ihren Kindern auch nur ein Wort

über die schreckliche Zeit zu sprechen, es war in

meiner frühen Kindheit aber stets gegenwärtig,

dass der aufkommende Wohlstand alles andere

als selbstverständlich ist. Ich habe somit noch eine

Zeit und vor allem ein Bewusstsein miterlebt, das

um zehn Jahre Jüngeren schon völlig fremd ist. Das

tritt für mich immer wieder bei dieser und jener

Gelegenheit zutage.

Es bewirkt bei mir summa summarum jedenfalls,

dass ich ein begeisterter und überzeugter Anhänger

der Europa-Idee bin. Und nicht nur der Idee,

sondern auch ein Anhänger der real existierenden

Europäischen Union. Die immer wieder auftretenden

bürokratischen Auswüchse betrachte ich als

„Kinderkrankheiten“ der EU, an deren Eindämmung

laufend gearbeitet wird. Der Zusammenschluss

von 27 Ländern und die Zufriedenstellung möglichst

vieler nationaler Interessen ist eine unglaublich

komplexe Aufgabe und eine niemals kleiner

werdende Herausforderung, deren Bewältigung an

ein Wunder grenzt.

Ich bin auch sehr dankbar dafür, dass sich sowohl

österreichische wie auch internationale Vereinigungen

dem Thema gezielt annehmen und ihre

Botschaften über die großen „sozialen Netze“ verbreiten

und damit enorm viele Menschen

erreichen.

Die Rolle Europas im Wandel der Zeit

Europa ist, obwohl ein Zusammenschluss aus vielen

Ländern, nur ein vergleichsweise kleiner Fleck

auf dem Globus. Aber ein kleiner Fleck, der es in

sich hat! Umgeben von riesigen Supermächten wie

Amerika, Russland und China und riesigen Kontinenten

wie Asien und Afrika ist es das kleine Europa,

wo der Puls der heutigen Zeit schlägt. Sicher,

der Puls schlägt auch in Amerika, aber Amerika ist

ja quasi ein „Ableger“, ein Kind Europas. Und China

holt zurzeit auch rasch auf. Allerdings indem sie

die Methoden der westlichen Welt kopieren.

Das war vor bloß ein paar tausend Jahren sozusagen

umgekehrt. Während im heutigen Europa

unkultivierte Wilde durch die Wälder streiften, hatten

die ChinesInnen bereits eine hoch entwickelte

Kultur und hinterließen uns Aufzeichnungen, die

selbst heute noch von SpezialistInnen gelesen

werden können und den erstaunlichen Entwicklungsstand

von China vor tausenden von Jahren

belegen. So wurden etwa Aufzeichnungen über Qi-

Gong-Übungen aus der Zeit der Dynastie von König

Ma, datiert auf rund 4.000 Jahre v. Chr. bei Ausgrabungen

gefunden! Eine gewaltige Entdeckung,

denn die Übungen werden mittlerweile weltweit

praktiziert.

Europa nahm im Laufe der Geschichte höchst

unterschiedliche Rollen im Weltgeschehen ein. Dabei

sollen auch die Schattenseiten nicht unerwähnt

bleiben. Vor allem für die Geschehnisse vor einigen

hundert Jahren (in der Welt um 1400) sollte sich

Europa für alle Zeiten schämen. Damals starteten

europäische Nationen – vorwiegend unter dem

Deckmantel der Religion – barbarische Eroberungsfeldzüge.

Mit menschenverachtender Selbstherrlichkeit

wurden weite Landstriche in Mittel- und

Südamerika, in Afrika und in Asien eingenommen

und kolonisiert. Dabei wurde keinerlei Rücksicht

auf die Kultur der dort ansässigen Bevölkerung genommen.

Zum Teil wurden besagte Kulturen sogar

komplett vernichtet. Die Auswirkungen davon spüren

wir heute noch.

Europa und die EU sind gereift

Der Grund allen Übels war schlicht, dass die EuropäerInnen

sich selbst zum alleinigen Maßstab ihres

Denkens und all ihres Handelns machten. Ein

Fehler, mit dem sie ganz bestimmt nicht allein auf

unserem Planeten waren und sind. Aber was sie

von vielen anderen unterscheidet, ist, dass sie den

Wohlstand, den sie sich im Laufe einer langen Periode

erobert, erarbeitet und letztendlich auch erwirtschaftet

haben, auch dazu nutzten und nach

wie vor nutzen, um zu reifen und „erwachsen“ zu

werden. Das kommt uns heute sehr zugute und

die Europäische Union ist die größte und reifste

Frucht, die bisher zur Ernte bereitstand! Und diese

Ernte sollten wir uns von nichts und niemandem

verderben lassen. Das soll unser aller gemeinsames

und wichtigstes Ziel sein!


Thema

12

KÖRPERBILDER EUROPA

BALANCER 76, 2/2019

Warum ist die

EU gerade für

Menschen mit

Behinderungen

wichtig?

80 Millionen Menschen mit

Behinderungen leben in der EU. Für

viele Menschen ist die EU ein abstraktes

Gebilde weit weg vom persönlichen

Alltag. Viele wissen nicht, was die

EU macht und welche konkreten

Auswirkungen das auf das eigene

Leben hat.

Von Helga Hiebl


Thema

BALANCER 76, 2/2019 EUROPA

13

4

Beschäftigung

5

allgemeine und berufliche Bildung

6

Sozialer Schutz

Tatsächlich sind die Rechte auf Inklusion und gleichberechtigte

Teilhabe noch nicht annähernd in allen EU-Mitgliedsstaaten

durchgesetzt. Für viele politische Parteien

und Regierungen in den Ländern der EU scheint Inklusion

weiterhin ein Randthema zu bleiben, das man nur oberflächlich

behandeln muss. Aber gerade durch die Maßnahmen

und Finanzierung von Projekten in der EU sind einige

Mitgliedsstaaten auf einem guten Weg, andere haben sich

deshalb überhaupt erst auf den Weg gemacht.

Die UN-Behindertenrechtskonvention jährt sich in

diesem Jahr zum 13. Mal und ist Teil der EU-Grundrechtscharta.

Dort steht auch, dass man aufgrund einer Behinderung

nicht diskriminiert werden darf. Alle Gesetze, die in

der EU beschlossen werden, müssen also auch in Übereinstimmung

mit dieser Grundrechtscharta stehen und von

den Mitgliedern der EU eingehalten werden.

Was kann die EU für Menschen mit

Behinderungen konkret tun?

Die EU engagiert sich in verschiedenen Bereichen der Behindertenpolitik.

Neben der „Europäischen Strategie zugunsten

von Menschen mit Behinderungen“ sind es vor

allem die Bereiche Beschäftigung, Diskriminierungsschutz

und Barrierefreiheit.

Die Europäische Strategie zugunsten von Menschen

mit Behinderungen wurde bereits 2010 von der Europäischen

Kommission veröffentlicht. Dabei hat die Kommission

acht Aktionsbereiche festgelegt, in welchen Verbesserungen

in den Mitgliedsstaaten vorangetrieben werden

sollen:

1

Zugänglichkeit

2

Teilhabe

3

Gleichstellung

7

Gesundheit

8

Maßnahmen im Außenbereich

Zu all diesen Bereichen gibt es länderübergreifende Projekte

und Richtlinien, die teilweise in den Staaten selbst

bereits als Gesetze verankert sind. Besonders weit ist man

europaweit z. B. im Bereich Barrierefreiheit.

Maßnahmen der EU zur Barrierefreiheit

Die EU gab und gibt seit 13 Jahren viele Richtlinien in Sachen

Barrierefreiheit vor. Was damals noch als utopisch

galt, wurde von der EU trotzdem konsequent als Ziel formuliert

und festgeschrieben. Im Verkehrsbereich sind

z. B. mehrere Fahrgastrechte-Verordnungen beschlossen

worden, die die Rechte von Menschen mit Behinderung

im Flug-, Eisenbahn-, Schiff- und Busverkehr wesentlich

stärken. Zum Beispiel: Alle neuen Zugstationen in der EU

müssen barrierefrei gebaut werden und Flughäfen sind

nun verpflichtet, Assistenz bereitzustellen. Ohne die EU

würden diese Rechte nur teilweise umgesetzt bleiben.

Wer als RollstuhlfahrerIn in Europa z. B. mit der Bahn oder

dem Flugzeug unterwegs ist, bekommt heute bereits (fast)

selbstverständlich Assistenz. Ohne EU müsste man sich

wie früher mühsam über die einzelnen Länderbestimmungen

erkundigen und informieren und hätte wahrscheinlich

viel mehr Barrieren beim Reisen zu überwinden.

2016 wurde die „Web-Accessibility-Richtlinie“ über den

barrierefreien Zugang zu Websites und mobilen Anwendungen

öffentlicher Stellen beschlossen. Auch in diesem

Bereich besteht noch in vielen Ländern Aufholbedarf, dennoch

ist es heute selbstverständlich, dass europäische

Agenturen Barrierefreiheit als Zugänglichkeitskriterium

fix in ihrem Portfolio anbieten (müssen), um erfolgreich

sein zu können. Das kommt auch daher, dass man in der

Bildung und Ausbildung diesem Thema immer mehr Gewicht

beigemessen hat, zum Teil auch durch gezielte

EU-Förderungen.


14

Thema

KÖRPERBILDER EUROPA

BALANCER 76, 2/2019

Inklusion am Arbeitsmarkt und in der

Gesellschaft

Auch wenn es noch kaum spürbare Erfolge gibt, ist auch

im Bereich Arbeitsmarktpolitik die Zielvorgabe der EU ambitioniert

und zukunftsorientiert. Über den Europäischen

Sozialfonds (ESF) fördert die Europäische Union die Inklusion

von Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt.

In Österreich ist das Sozialministeriumservice die

zuständige Förderstelle von ESF-Programmen.

Aber nicht nur der Arbeitsmarkt, sondern seit kurzem

stehen generell die Dienstleistungen für Menschen mit

Behinderungen stark im Fokus. EU-Projekte wie COESI

(Siehe Artikel auf Seite 32) beschäftigen sich immer häufiger

auch damit, wie man Dienstleistungen für Menschen

mit Behinderungen in der EU verbessern kann, indem man

bei den Organisationen, die diese anbieten ansetzt. Denn

nur wenn man eine passende Unterstützung im Wohnen

und auch im Arbeitsbereich bekommt, kann echte Inklusion

gelingen.

Die Mücke und die EU

Das Projekt EU ist ein erfolgreiches Projekt, das vieles

für uns BürgerInnen verbessert und vereinfacht hat und

Frieden garantiert. Gemeinsam sind wir auch stärker in

der Welt und bei allen Konflikten und Meinungsverschiedenheiten

sollte niemals vergessen werden, dass die EU

immer in Entwicklung ist und verändert werden kann,

durch unser Wahlverhalten und unsere demokratischen

Möglichkeiten.

Und wer jetzt meint, dass man als Einzelner ohnehin

viel zu schwach und zu klein sei und sowieso nichts verändern

kann, der denke an die Worte des Dalai Lama: „Falls

du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken,

dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum

ist.“

Die EU-Strategie setzt daher auch an mehreren Hebeln an:

Recht und Gesetz, Barrierefreiheit und Einbeziehung von

Inklusion in allen Gesellschaftsbereichen.

die Rechtsvorschriften und Maßnahmen der EU zur

Bekämpfung von Diskriminierungen, die den Zugang zu

individuellen Rechten ermöglichen;

die Beseitigung von Barrieren in der Umgebung, die

behinderte Menschen davon abhalten, von ihren Fähigkeiten

Gebrauch zu machen, und

die Einbeziehung von Behinderungsfragen in das

breite Spektrum der Gemeinschaftsstrategien, die die Inklusion

von Menschen mit Behinderungen erleichtern

(„Disability Mainstreaming“).

Viel Kritik ergießt sich regelmäßig auch aus Österreich

über die EU, deren Teil wir ja sind. Dabei wird meistens

völlig ausgeblendet, was uns fehlen würde, was

schlechter wäre ohne EU, positive Errungenschaften werden

kaum wahrgenommen und als selbstverständlich hingenommen.

Bei aller Kritik, die natürlich auch in vielen

Bereichen berechtigt ist: gerade für Menschen mit Behinderungen

wäre das Leben und Reisen in Europa ohne EU

deutlich komplizierter und schwieriger. Als EU-BürgerIn

mit Behinderung hat man heute die Gewissheit und Sicherheit,

dass die Anliegen und Interessen von Menschen

mit Behinderungen selbstverständlich berücksichtigt, vorangerieben

und unterstützt werden und viele Unterstützungsangebote

europaweit angeboten werden (müssen).


Thema

BALANCER 76, 2/2019 EUROPA

15

Europa


Mythos

und der

wahre Kern

Von Pia Wolf

Zeus sah vom Olymp hinab auf die Welt, als er in Syrien die bildschöne Europa sah.

In diesem Moment verliebte er sich in sie. Aber wie sollte er an sie herankommen?

Da wandte er sich an seinen Sohn Hermes. Der hatte die Idee, die Herde des Agenor

(Vater von Europa) zum Strand, wo Europa mit ihren Freundinnen spielte, zu treiben.

Zeus mischte sich als Stier unter die Herde. Europa war sofort von seiner Erscheinung

angetan. Er lud sie mit einer Kopfbewegung ein, sich auf seinen Rücken zu

setzen. Was Europa auch tat. Daraufhin lief er auf das Mittelmeer zu. Europa geriet

nicht in Angst. Als sie in Kreta, wo Zeus geboren wurde, an Land gingen, zeigte Zeus

sich als Gott. Er gestand ihr seine Liebe. Europa war auch nicht ganz abgeneigt. Daraufhin

gebar sie ihm drei Söhne. Wovon zwei Richter im Totenreich Hades wurden.

Alle drei waren Könige. Europa wurde dann Königin von Kreta.

Europa kommt also aus einer Gegend, aus der wir heute immer Flüchtlinge bekommen,

nämlich Syrien, Libanon und Israel/Palästina. Die Namensgebung des Kontinents

Europa fand an der Grenze zwischen Afrika und Europa statt. Die Demokratie

hat in Griechenland ihre Wurzeln. Europa stellt für mich die Vielfalt in Form der vielfältigen

Göttergeschlechter dar. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, die nordischen

Götter Europas zu erwähnen. Zeus ist der Göttervater der Griechen, Odin der

nordische. In der nordischen Mythologie ist Vidar, der Sohn Odins, der einzige, der

gegen die hetzenden Reden von Loki immun ist. Ein Zeitgeist? Vidar ist auch der

Gott, der den gefährlichen Fenriswolf besiegt. Man sollte meiner Meinung nach genau

und gut zuhören, weil man dann den Lügen des Loki entkommen kann. Die Lüge

ist durch das Zuhören zu erkennen.

Man kann die Mythologie von früher in die heutige Zeit hineinnehmen, weil Wahrheiten

in den Sagen drin vorkommen.


16

Thema

EUROPA

BALANCER 76, 2/2019

Hat Europa gelernt?

Am 26. April 1986 kam es zur Kernschmelze am 4. Reaktor des Atomkraftwerks Tschernobyl. Diese

Katastrophe hatte Folgen für ganz Europa. Im folgenden Text geht es um jenen Unfall und die

Folgen und darum, dass Europa heute noch auf Atomkraft setzt.

Von Logan Armstrong, BALANCE-Tagesstruktur-Nutzer

Tschernobyl: Der eindeutig schlimmste Atomunfall und erster Level-sieben-Unfall (höchste Stufe)

auf der Skala für nukleare Störfälle. Im Gegensatz zu Fukushima, welches in einer kaum besiedelten

Umgebung liegt, traf die tödliche Radioaktivität in Tschernobyl die ganz in der Nähe liegende Stadt

Prypjat, wo vor allem die Familien der ArbeiterInnen lebten.

Die Radioaktivität konnte in anderen Ländern in Europa gemessen werden, wegen einer giftigen

Wolke, die vom Reaktor verursacht und über Teile des Kontinents geweht wurde. Erst am übernächsten

Tag nach dem Unfall wurden die BewohnerInnen evakuiert. Man sagte ihnen dann aber, dass

sie wieder zurückkönnten, was jedoch eine Lüge war, um Panik zu vermeiden. In einem Spital in

Moskau suchten viele PatientInnen Hilfe und mussten wegen der Folgen der radioaktiven Strahlung

behandelt werden. Viele von diesen Menschen starben aber leider. Schwangere Frauen, die

betroffen waren, brachten kranke Kinder mit Missbildungen zur Welt. Viele Kinder bekamen auch

psychische Krankheiten.

Zurück in Prypjat, mussten ExpertInnen und ArbeiterInnen sich einen Weg ausdenken, den Reaktor

am Kraftwerk mit einem Sarkophag zu bedecken. Währenddessen schmolz das Uran im Reaktor bis

in den unteren Teil des Kraftwerks. Das geschmolzene Uran nennt sich „Elefantenfuß“, weil es wie

einer ausschaut. Das ist zwar ein lustiger Name, aber das radioaktive Uran ist GAR NICHT LUSTIG.

Der hohe Level an Radioaktivität dieses Objekts kann dich in einer kurzen Zeit, oder einem Tag umbringen.

Weil es so gefährlich ist, ist es TouristInnen und ArbeiterInnen verboten, dorthin zu gehen.

Und jetzt zurück zu den ArbeiterInnen am Kraftwerk. Die Aufräumaktion war sehr hart und gefährlich,

aber sie haben es trotzdem geschafft, den Sarkophag über den Reaktor zu bauen. 30 Jahre

danach wurde der Sarkophag ein bisschen schwächer. Deshalb haben sie einen Dom über den Sarkophag

gebaut. Wie auch im Fall von Fukushima kann man eine Reise dorthin machen. Man muss

aber natürlich einen Geigerzähler dabeihaben. Im Vergleich zu Fukushima muss man aber keinen

HAZMAT-Anzug tragen. Ein HAZMAT-Anzug ist ein Schutzanzug, der den ganzen Körper bedeckt und

dazu bestimmt ist, die TrägerIn vor gefährlichen Materialien zu schützen. HAZMAT ist eine Abkürzung

für „Hazardous Materials“ (dt. gefährliche Materialien). Ob mit oder ohne Anzug ist es gefährlich

und man muss die strengen Regeln der Regierung zur eigenen Sicherheit einhalten.

Genaue Zahlen von Strahlenopfern gibt es nicht. Die Schätzungen liegen zwischen 60.000 und

1,44 Millionen Menschen. In Österreich und Deutschland wurden in Folge Kinderspielplätze gesperrt

und es gab Verkaufsverbote für verschiedene Lebensmittel. Es wurde auch viel diskutiert über

strengere Sicherheitskonzepte für die eigenen Atomkraftwerke. In Österreich war schon Jahre vor

dem Unfall (5. November 1978) über das einzige gebaute Atomkraftwerk abgestimmt worden, das

Volk entschied sich gegen das Atomkraftwerk. Das Kraftwerk in Zwentendorf wurde nie in Betrieb

genommen.

Trotz der Katastrophe in Tschernobyl und der bekannten Risiken von Atomstrom gibt es in Europa

126 Reaktoren, das ist ein Viertel der Reaktoren auf der ganzen Welt. Insgesamt kommen 27 Prozent

des Strombedarfs in Europa aus Atomkraft. Dies zeigt, dass sich Europa immer noch auf Atomenergie

verlässt. Ich frage mich, ob Europa dies nötig hat und aus der Vergangenheit nichts gelernt hat.


BALANCER 76, 2/2019

Politik

17

#LebenNichtBehindern –

9.962 Unterschriften

Von Helga Hiebl

Unter dem Hashtag #LebenNichtBehindern wurde im April und Mai– vor allem

in sozialen Medien und mit einer Petition – versucht, mehr Sichtbarkeit für

Menschen mit Behinderungen zu schaffen und auf ihre systematische Benachteiligung

hinzuweisen. 9.962 Menschen haben in diesem Zeitraum die Petition

unterstützt und unterschrieben. Ein schöner Erfolg und doch auch ein kleiner

Wermutstropfen, wenn man bedenkt, dass Petitionen für ein Schwimmbad oder

einen Spielplatz oft genauso viel Unterschriften oder noch mehr bringen.

Kostensteigerungen und Einsparungen

Der Hintergrund der Kampagne war die Tatsache, dass die Trägerorganisation

– die Wiener Behindertenhilfe – in den letzten Jahren immer wieder nicht zur

Gänze ihre Kostensteigerungen ersetzt bekommen hat. Das bedeutet, dass in den

letzten 12 Jahren zehn Prozent der Kosten strukturell eingespart werden mussten.

Die große Sorge ist, dass die derzeit guten Angebote immer mehr auf die allernotwendigsten

Grundbedürfnisse eingeschränkt werden müssen.

Selbstbewusste, starke Menschen

Mit Videos, Fotos und Statements kamen bei der Kampagne die Betroffenen

selbst zu Wort. Man wollte zeigen, dass das „keine armen Almosenempfänger,

sondern selbstbewusste Menschen sind. Jetzt ist die Politik am Zug – von der es

bisher allerdings trotz Kampagne noch kaum Rückmeldungen gibt.

Foto: © Karolina Miernik / TMrelations


18 KUNST

BALANCER 76, 2/2019

FRIEDRICH ETTENAUER: „ROSA SCHLANGEN“, 2018, 48 x 32 cm


20 Politik

KÖRPERBILDER BALANCER 76, 2/2019

Das Sozialhilfe-Grundgesetz

ist beschlossen – die

Verschlechterungen im Detail

und Überblick

Das Sozialhilfe-Grundsatzgesetz –

und damit die Nachfolgeregelung

der Art.-15a-Vereinbarung

zur bedarfsorientierten

Mindestsicherung – wurde,

wie erwartet, am 25. April vom

Nationalrat trotz zahlreicher

Kritik von ExpertInnen mit

den Stimmen von ÖVP und FPÖ

beschlossen. Die Bundesländer

sind nun verpflichtet, bis

31. Dezember entsprechende

Ausführungsgesetze zu erlassen.

Niederösterreich legt nun als

erstes der neun Bundesländer das

entsprechende Ausführungsgesetz

vor und bestätigt die befürchteten

Verschlechterungen für Menschen

mit Behinderungen.

Von Helga Hiebl

Das Positive zuerst: In letzter Minute wurde eine Zusatzformulierung

mit folgenschweren negativen Auswirkungen

auf Menschen mit Behinderungen korrigiert und dem

Gesetzesvorhaben der Passus hinzugefügt, dass „freiwillige

Geldleistungen der freien Wohlfahrtspflege“, das heißt

Spenden, keiner Anrechnung auf die Leistungen der Sozialhilfe

unterliegen. Ein winziger Tropfen auf einem sehr heiß

gewordenen Stein. Ein lediglich kurzes Aufatmen, denn die

Armutskonferenz und VertreterInnen vieler sozialer Organisationen

und Interessensvertretungen haben sich nun

die ersten negativen Auswirkungen in Niederösterreich

angesehen und da bestätigt sich leider das, wovor im Vorfeld

unzählige Male gewarnt wurde. Denn trotz medienwirksam

angekündigtem Behindertenbonus müssen viele

Menschen mit Behinderungen in Summe mit Kürzungen

ihres Einkommens rechnen. Hier die wichtigsten Punkte:

VERSCHÄRFTE

ZUGANGSVORAUSSETZUNGEN

Der vorgesehene Zuschlag für Menschen mit Behinderungen

als Zusatzleistung zur Sozialhilfe wird öffentlich als

Verbesserung beworben, bleibt aber für einen Großteil der

betroffenen Personen unerreichbar, zeigt Delia Jagersberger,

Bereichsleiterin Erwachsenenvertretung bei VertretungsNetz

in Niederösterreich auf. Denn Voraussetzung ist

nämlich im neuen Gesetz ein Grad der Behinderung oder

eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens

50 Prozent. Für viele der betroffenen Menschen, etwa mit


BALANCER 76, 2/2019 21

Politik

Lernschwierigkeiten oder psychischer Erkrankung, gilt dies

aber nicht. Das Land Niederösterreich hat die Zugangsvoraussetzungen

des bundesweiten Rahmengesetzes sogar

noch zusätzlich verschärft: Nur wer einen Behindertenausweis

vorlegt, kann diese Zusatzleistung erhalten.

NACHWEIS SPRACHNIVEAU B1

Was beschönigend als „Arbeitsqualifizierungsbonus“

bezeichnet wird, bedeutet das Gegenteil, nämlich eine

reduzierte Geldleistung gerade auch für Menschen mit

LEISTUNGSKÜRZUNGEN FÜR PFLEGENDE

ANGEHÖRIGE

Das Einkommen von Angehörigen oder LebensgefährtInnen,

die im gemeinsamen Haushalt leben, wird weiterhin

zur Berechnung des Leistungsanspruches herangezogen.

Menschen mit Behinderungen, die in selbstbestimmten

Wohnformen leben, haben es so besonders schwer, ihren

Lebensunterhalt zu sichern. Auch Zahlungen für den

Wohnbedarf entfallen, wenn Betroffene mit unterhaltspflichtigen

Angehörigen im gemeinsamen Haushalt leben.

Nur ein Beispiel für die finanziellen Beträge, um die es

hier geht: Eine Frau in Niederösterreich, für die VertretungsNetz

als gerichtlicher Erwachsenenvertreter bestellt

ist, erhielt keine Leistung aus der Mindestsicherung, da das

anrechenbare Einkommen ihrer betagten Mutter –

966,27 Euro Pension – zu hoch (!) sei, so die Argumentation

des Landes NÖ. „Wir haben im Namen unserer Klientin

eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof eingebracht.

Die Berechnungsmethode des Landes ist unserer

Ansicht nach nämlich nicht nur unsozial, sondern auch verfassungswidrig“,

so Jagersberger.

Foto: © WoGi

intellektuellen Beeinträchtigungen. Die Grundleistung

wird um 35 Prozent gekürzt, wenn diese Personen weder

die strengen Kriterien der Invalidität erfüllen noch am Arbeitsmarkt

vermittelbar sind. Als „vermittelbar“ gilt man,

wenn man zumindest das Sprachniveau B1 in Deutsch

nachweist.

„Das wird Menschen mit Lernbehinderungen ganz

massiv treffen“, zeigt sich Jagersberger besorgt. „Denn

diese haben oft keinen Schulabschluss und können so

nicht nachweisen, dass sie Deutsch auf B1-Niveau beherrschen.

Es fehlt eine Ausnahme für Menschen mit einer

Lern- oder Leseschwäche.“

KÜRZUNGEN AUCH BEI TEILBETREUTEN

WOHNFORMEN

Viele Menschen mit Beeinträchtigungen leben in teilbetreuten

Wohngemeinschaften. Damit gelten sie als „in

Haushaltsgemeinschaft lebende Personen“. Das bedeutet,

dass der Anspruch einer Person nur mehr maximal 70 Prozent

des Netto-Ausgleichszulagenrichtsatzes beträgt und

eine Anrechnung des Einkommens der MitbewohnerInnnen

stattfindet.

Das hat zur Folge, dass Menschen, die in einer teilbetreuten

Wohngemeinschaft leben, im schlimmsten Fall nur

20 Prozent ihres Sozialhilfeanspruchs ausgezahlt bekommen.

Die von der ehemaligen Sozialministerin Beate Hartinger-Klein

versprochene Ausnahmebestimmung sucht

man im NÖ Sozialhilfe-Ausführungsgesetz vergebens.

EXISTENZSICHERUNG GEFÄHRDET

Die niederösterreichische Landesregierung hat auf ein

Begutachtungsverfahren verzichtet, ebenso auf die Einbeziehung

von ExpertInnen, ähnlich wie die mittlerweile

der Vergangenheit angehörende Bundesregierung unter

Kanzler Kurz. Entsprechend der UN-Konvention über die

Rechte von Menschen mit Behinderung sind aber öffentliche

Stellen verpflichtet, bei der Ausarbeitung von Rechtsvorschriften,

die Menschen mit Behinderungen betreffen,

diese aktiv einzubeziehen. Dennoch hat man im Landtag

am 13. Juni 2019 das Gesetz in der vorliegenden Fassung

mit den Stimmen von FPÖ und ÖVP beschlossen.

Die schwache Hoffnung liegt bei der im Herbst neu

zu wählenden Regierung, dass sie dieses sehr schlecht ausgearbeitete

und undurchdachte Sozialhilfegesetz rückgängig

macht und mit ExpertInnen neu formuliert.

Quellen: Sozialwirtschaft Österreich, VertretungsNetz,

Armutskonferenz


22 Sprache und Bedeutung

BALANCER 76, 2/2019

„Menschen mit

Behinderung“

ist vielen

ein Begriff

Dieser Begriff ist gar nicht mehr so

neu wie es scheint. In Fachkreisen

und im Umfeld Betroffener wird er

schon seit langem verwendet, in der

breiten Öffentlichkeit erscheint er

aber wie ein Fremdwort … warum?

Von Christian Zuckerstätter


BALANCER 76, 2/2019

Sprache und Bedeutung

23

Wann genau die Änderung des Begriffes „Behinderte“

hin zu „Menschen mit Behinderung“ von wem

wie vollzogen wurde, blieb mir trotz intensiver Internet-Suche

verborgen. Sie erfolgte aber bereits vor

über einem Jahrzehnt, denn auf der Homepage des

Sozialministeriums fand ich einen Bericht aus dem

Jahr 2008, in dessen Titel bereits von „Menschen mit

Behinderung“ die Rede ist.

Warum die Terminologie geändert wurde, liegt

für mich auf der Hand. Zum einen sind die Wörter

„behindert“ und „Behinderter“ seit längerem als

Schimpfwörter, oder vielmehr als Reizwörter – vor

allem im Kreis Jugendlicher – im Gebrauch. Und es

macht keinen Spaß, sich so zu nennen, wie andere einander

beschimpfen. Zum anderen tut es gut, darauf

hinzuweisen, dass wir Menschen sind. Klingt möglicherweise

banal, aber allzu oft fühlen wir uns nicht

als solche betrachtet und behandelt. Darum ist es ein

kleiner, aber feiner Schritt in die richtige Richtung,

diese Tatsache verbal zu unterstreichen.

BEHINDERUNG IST NICHT

BEHINDERUNG IST NICHT

BEHINDERUNG

Der Begriff „Mensch mit Behinderung“ trifft auf fast

15 Prozent der über 15-jährigen österreichischen Bevölkerung

zu. Das sind gewaltige 1,3 Millionen Menschen.

Es kann da also bei weitem nicht von einer

„Randgruppe“ gesprochen werden. Selbstverständlich

umfasst der Begriff „Behinderung“ eine Vielzahl

höchst unterschiedlicher Kategorien, von denen eine

besonders auffällig war und ist. Sie trug bisher den

Titel „geistige Behinderung“.

Da diese Bezeichnung eine starke Diskriminierung

darstellt und auch fachlich nicht wirklich korrekt

ist, wurde die Unterscheidung in geistige und körperliche

Behinderungen aufgehoben. Jetzt werden

alle Betroffenen mit dem neuen Terminus „Mensch

mit Behinderung“ erfasst und angesprochen. Für die

bisher als „geistig Behinderte“ titulierten wurde zur

genaueren Spezifizierung der Begriff „Menschen mit

Lernschwierigkeiten“ eingeführt. Ein Terminus, der

die Art der Beeinträchtigung um vieles besser spezifiziert

als die saloppe bisherige Bezeichnung. In der

breiten Öffentlichkeit, so meine feste Überzeugung,

ist diese neue Bezeichnung aber noch gar nicht

geläufig.

Unser Appell an die Medien

Ein guter Anlass, gleich zur Quintessenz dieses Artikels

zu kommen: wir appellieren an die „öffentlichen

Medien“, allen voran den ORF, sich ehebaldigst diesem

Thema zu widmen und in zumindest einer Sendung

– „Thema“ bietet sich vorrangig an – über die

aktuelle Namensgebung, das warum und wieso und

die wichtigsten Aspekte davon zu informieren!

Mithilfe einer derartigen „Transport-Schiene“ kann

eine große Zahl interessierter Menschen erreicht

werden, von denen gewissermaßen auch ein MultiplikatorInnen-Effekt

ausgeht. Für eine derartige Unterstützung

wären wir sehr dankbar, da die bisherige

„Einsickern-lassen-Strategie“ im Laufe langer zehn

Jahre keinen messbaren Erfolg gezeitigt hat.

ICH ALS MENSCH MIT BEHINDERUNG

Das eben Gesagte trifft auch auf mich selbst zu, obwohl

ich selbst betroffen bin. Mir ist der neue Begriff

im Laufe meiner sechsjährigen Betreuung in der Tagesstruktur

Fuchsenfeld kein einziges Mal bewusst

aufgefallen. Erst im Zuge meiner Tätigkeiten im Rahmen

der Balancer-Redaktion kam ich wiederholt mit

der neuen Namensgebung in Berührung.

In meinen Sprachgebrauch hat der Begriff aber bis

heute nicht vollständig Einzug gehalten. Wiewohl

ich die Bezeichnung „Behinderter“ bewusst vermeide,

so habe ich den Satz „Ich bin ein Mensch mit Behinderung“

bisher noch nie ausgesprochen. Er ist mir

zu lang, darum sage ich: „Ich hab eine Behinderung“.

Das ist aber bestimmt reine Gewöhnungssache und

nach einer bestimmten Zeitspanne kommt es mir

wie selbstverständlich über die Lippen: „Ich bin ein

Mensch mit Behinderung“.

Zum Abschluss wiederhole ich gerne meinen dringlichen

Appell an den ORF: bitte leistet euren Beitrag

zu Verbreitung und „Verwurzelung“ der aktuellen

Bezeichnung Menschen mit Behinderung. Nicht nur

zum Wohle aller Menschen mit Behinderung, sondern

zum Wohle aller Menschen.


24 Inklusion KÖRPERBILDER BALANCER 76, 2/2019

Fotos: BALANCE Archiv


BALANCER 76, 2/2019 25

Inklusion

Tango –

eine Umarmung,

die Brücken baut

Von Andrej Rubarth


26 Inklusion KÖRPERBILDER BALANCER 76, 2/2019

Eine Geschichte der Migration hin zum Tango

Wenn Menschen nach Wegen suchen, Inklusion für Menschen

mit Behinderung zu unterstützen, dann stellen sie oft

fest, dass die Brücken in die Gesellschaft, in die Community

oft nicht leicht zu bauen und nicht leicht zu halten sind. Eine

der wichtigsten Grundideen der Inklusion ist das Willkommen-Sein.

Orte zu finden und Menschen zu treffen, die ein

Willkommen-Sein anbieten für JedeN, egal woher die Person

kommt, wie sie aussieht, ob sie beeinträchtigt ist oder

nicht. Orte und Menschen, die vermitteln, dass man sich

treffen und miteinander etwas tun kann, um das Leben zu

bereichern.

Eine kleine und zugleich berührende Möglichkeit, das

auszuprobieren und zu finden ist der argentinische Tango.

Der Beginn des argentinischen Tangos ist eine Geschichte

des Zusammenfindens von Menschen aus allen Himmelsrichtungen

mit vielen Sprachen, die ihre Musiken aus der

Heimat zum Tango vermischt haben. Er entstand um 1900 in

den großen südamerikanischen Hafenstädten am Rio de la

Plata, vor allem in Buenos Aires. Sechs Millionen Menschen

landeten in Südamerika, um der Armut in Europa zu entkommen

und ein neues Leben aufzubauen. Sie kamen aus

Spanien, Italien, Polen, Böhmen. Sie mischten sich unter die

Kreolen, die Gauchos aus dem Hinterland, die Sklaven, die

etablierten Großstädter. Das Leben war schwer. Die Hoffnungen

gingen für viele nicht auf. Die dennoch vorhandene

Lebenslust spiegelte sich in Tanz und Musik. Die Menschen

brachten in den Bars, auf den Plätzen und Tanzböden ihre

Musik ein. So entstand der Tango. Aus dem gemeinsamen

Musizieren und Tanzen. Aus dem afrikanischen Candombe

der Kreolen, der karibischen Habanera, der polnischen Mazurka,

der böhmischen Polka und dem Walzer. Aus Deutschland

kam jenes Instrument, dass die Gefühle der Freude, der

Melancholie und des Schmerzes auf unvergleichliche Art

wiedergeben konnte, das Bandoneon.

Tango argentino heute

Was bringt die Menschen heute zum Tango? – Die Liebe zur

Musik, die Begegnung mit einem interessanten Menschen

für ein paar Tänze, das Wagnis der Nähe. Auch mit Menschen,

die ganz verschieden von mir sind, mit denen man

vielleicht nie ein Gespräch beginnen würde.

Das Gute ist, man kann und muss sich Zeit nehmen. Jeder

Tango beginnt mit einer Umarmung. Die Umarmung als

Geste, als Berührung, als ein Rahmen, den die beiden TänzerInnen

sich geben, um sich gemeinsam zur Musik zu bewegen.

Die Umarmung erlaubt Nähe und verlangt Respekt und

Höflichkeit. Sie verändert sich während des Tanzens. Der

Tango soll für beide ein schönes Erlebnis werden. Den Weg

dorthin suchen sich beide auch gemeinsam. Dafür kommunizieren

beide mit allen ihren Berührungspunkten und Schwerpunkten,

die sie innerhalb der Umarmung haben. Der Tanz

wird jedes Mal neu gefunden, je nachdem wie beide sich in

den Tanz einbringen. Es gibt Bewegungsmuster, die man lernen

kann. Aber keine vorgegebenen Schritte. In der einfachsten

Form ist der Tango die Möglichkeit, zur Musik in der

Umarmung miteinander zu gehen und gemeinsam zu spüren,

dass das guttut und dass es die Musik ist, die beide bewegt

und beide sich frei ausdrücken lässt.

Die Milonga

Zu den Milongas, den Tangotanztreffen, kann jede und jeder

kommen. Und wenn es nur zum Zuschauen ist. Warum nicht

auch Menschen mit Behinderung. Das Schöne ist, dass der

Tango beide TänzerInnen braucht, damit er entstehen kann.

Wenn eine Person mit Behinderung tanzt, dann bringt sie

sich für das Entstehen des Tangos ein. Wenn das so gelingt,

dass beide eine Möglichkeit haben, sich auszudrücken, dann

ist das wie Schweben. Dieses Gefühl, dieses Erlebnis suchen

alle im Tango.

Tango – ein inklusiver Raum

Die Tinkers, das sind Andrea Seewald und Matías Haber

(www.tangoenpunta.com), haben sich 2012 gefunden und

gefragt, was es braucht, damit auch Menschen mit Behinderung

diese Erfahrung machen können. Sie haben die

Umarmung verstanden als die Essenz des Tangos. In der

Umarmung kann man sich begegnen und sich miteinander

verständigen, egal in welcher Sprache. Die Verständigung

passiert in der Körpersprache und in einer Sprache, die fast

unsichtbar bleibt, nämlich durch die Umarmung selbst. Die

Musik erleichtert das, indem sie mit ihrem Rhythmus und

ihrer Stimmung verbindet.

Eine Milonga ist die Gelegenheit, neue oder auch schon

bekannte Menschen treffen, neue Tangos zu erleben, spannende

und aufregende Erlebnisse zu haben und die Freude

am Tanzen und am Gelingen zu teilen. Tango ist für Inklusion

so etwas wie Hefe für den Kuchenteig. Es tut sich was, es

bewegt sich, es geht auf, es wird gut.

Wenn Menschen mit Behinderung in die Umarmung

mit anderen gehen können, dann können sie das Willkommen-Sein

erfahren. Sie können im Tanzen erkunden, mit anderen

in Kontakt zu treten, gemeinsam etwas Schönes zu

tun. Sich für ein paar Tänze nah zu sein und etwas zu versuchen,

das nicht leicht ist, aber richtig Spaß machen kann. Es

braucht nur den Weg, Menschen mit Behinderung dazu einzuladen.

Sie müssen dafür die Möglichkeit haben, die Musik

kennen zu lernen, das Bewegen auszuprobieren, das Gehen

miteinander in der Umarmung. Dann lernen sie noch ein wenig

darüber, wie eine Milonga funktioniert, damit sich alle

wohl fühlen können auf einer vollen Tanzfläche. Wie zum

Beispiel jemand zum Tanzen eingeladen wird und wie man

sich auf der Tanzfläche bewegt, damit es zu keinen Zusammenstößen

kommt. Denn manchmal kann es sehr eng sein.

Das ist aufregend, manchmal spannungsgeladen, auch für

erfahrene TänzerInnen. Wissen und aushalten muss man

auch, dass nicht jeder Tango gelingt. Man lernt, sich zu entspannen,

denn die Umarmung, die hält und die trägt.

Die Tinkers haben ein Konzept entwickelt dafür, wie der

Tango als Tür in eine Community, eine Gemeinschaft, verstanden

und genutzt werden kann. Sie bieten Workshops für

Menschen mit und ohne Behinderung an. Hier kann jede und

jeder die ersten Bewegungen miteinander versuchen.


BALANCER 76, 2/2019 27

Inklusion

Man muss die Tinkers nur fragen und sie kommen. Sie haben

auch einen Kurs entwickelt für interessierte Personen, die

Menschen mit Behinderungen anleiten und begleiten wollen,

durch diese Tür zu gehen.

Wohin zum Tango-Tanzen?

In Wien gibt es fast jeden Tag im Jahr irgendwo eine Milonga,

wo Tango getanzt wird. Die meisten nachts, manche am

Nachmittag. Gelegenheiten gibt es also viele. Um die Tango-

Community zu interessieren für den Weg des inklusiven Tangos,

finden jedes Jahr ein Festival im März in Punta del Este

(Uruguay) und ein Festival im September in Bregenz (Österreich)

statt. Die Festivals werden von den Tinkers und vielen

HelferInnen organisiert. Hier ist der Raum für Menschen mit

Behinderung und alle anderen TänzerInnen richtig groß. In

Bregenz öffnet das Festspielhaus dafür seine Türen. Es gibt

inklusive Tangoklassen für alle, es gibt jeden Tag Milongas

ab dem Nachmittag bis in den frühen Morgen für alle. Es

unterrichten internationale SpitzentänzerInnen in den verschiedenen

Tangokursen, egal ob für BeginnerInnen oder

schon erfahrenere TänzerInnen. Jeden Abend zeigen einige

von ihnen live ihr Können zum hautnahen Miterleben. Auch

TänzerInnen mit Behinderung tragen zur Show bei. Es entsteht

eine warmherzige und zugleich knisternde Atmosphäre,

an einer zukunftsweisenden Idee mitzuwirken. Es gibt

so viel zu beobachten. Vor allem auf den Milongas, wo bis

zu 200 TänzerInnen sich miteinander und umeinander bewegen.

An die 100 bis 200 TänzerInnen sitzen dann immer

noch rundherum und schauen zu. Es legen die besten DJs

aus Südamerika und Europa auf. Das ist eine große Bühne

für alle. Und was das wichtigste ist: es macht einfach Spaß.

Im Juni dieses Jahres gab es das Festival zum ersten Mal

sogar in Wien. Auch nächstes Jahr wird es wieder in Wien

stattfinden.

Wir bei BALANCE, sollten wir nicht einfach mal die Tinkers

anrufen für einen Schnupperkurs in Tango argentino?

Die Welt wird besser durch jede Umarmung. Man muss nicht

Tango tanzen können dafür. Nur einmal versuchen wollen.

Dann könnte man sich im Juni 2020 beim Festival Tangoenpunta

in Wien unters Tangovolk mischen.

Barrierefreies Wohnen im

Leuchtturm Seestadt

Die geförderte Wohnhausanlage in der Seestadt

Aspern ist ein Baugruppenprojekt. Das

bedeutet, dass sich die zukünftigen BewohnerInnen

bereits vor Baustart in einer lebendigen

Gemeinschaft zusammenfinden und selbstbestimmt

die Aspekte des gemeinschaftlichen

Wohnens umsetzen können.

Wir gestalten die Lebensräume für alle

MitbewohnerInnen so angenehm wie möglich

Barrierefreies und altersgerechtes Wohnen ist

für die Gemeinschaft ein Thema der Zukunft.

Schließlich lassen sich durch überlegtes, vorausschauendes

Planen und (Um)bauen künstliche

Barrieren minimieren. So konnten mit der

Unterstützung von ExpertInnen im Haus bauliche

Hürden vermieden werden, sodass ältere

Personen und Menschen mit Behinderung ein

möglichst selbstbestimmtes Leben in den eigenen

vier Wänden führen können. Es werden

noch Wohnungen vergeben.

Kontakt-Person für Wohnungssuchende: Julia

Sachs kontakt@leuchtturm-seestadt.at

www.leuchtturm-seestadt.at

Foto: © AAND3 ARCHITECTURE & 3D


28 Tagesstruktur

BALANCER 76, 2/2019

Barrieren

abbauen

Abschluss beim

Nachbarschaftsfest

Barrieren abbauen – Von Beatrice Stude

von stape og – planning consultancy

Barrieren abbauen – was uns bewegt, kurz BAB,

das waren 25 Workshops in über zwei Jahren mit

fünf Schulklassen und ein feiner Abschluss beim

Nachbarschaftsfest im Mai. Barrieren abbauen

für Menschen mit körperlichen Behinderungen an

Armen und Beinen hat Einblicke in Medizin, Technik

und gebauten Raum ermöglicht, die Vielfalt der

unterschiedlichen beteiligten Berufe aufgezeigt – und

das Miteinander, das alles verbindet, sichtbar und

erlebbar gemacht. BALANCE ist Projektpartner und hat

auch den Abschluss tatkräftig mitgestaltet.

Fotos: BALANCE Archiv


BALANCER 76, 2/2019

Tagesstruktur

29

Strahlender Sonnenschein, unglaubliches Glück, dass gerade

zum Nachbarschaftsfest im Ebner-Eschenbach-Park in

Währing die lange Reihe an Regentagen im Mai pausierte.

Ein Fest, für das die Kinder der umliegenden Schulen und

auch des Kindergartens vormittags den Auftakt machten.

Organisiert hat es die Lokale Agenda 21 gemeinsam mit der

Neuen Mittelschule Schopenhauer Straße und mit vielen

weiteren KooperationspartnerInnen. Es gab viel zu erleben:

Musik, Tanzeinlagen, Basteln, Spieleinseln, Rollstuhlparcours

und vieles mehr. Ein wunderbarer Rahmen für den

Abschluss von Barrieren abbauen – was uns bewegt. An

unserem BAB-Stand konnten die Kinder Rechenaufgaben

mit dem Kopfstab lösen, ausprobieren wie gut sie mit dem

Mund malen können und nachfühlen, wie es ist, sich mit

verbundenen Augen und Blindenstock den Weg über Stiegen

zu ertasten. Den Stand gestalteten wir von stape og

– planning consultancy gemeinsam mit BALANCE – Leben

ohne Barrieren. Wir, das waren Andreas, Beatrice, Denis, Gerda,

Judith, Sebastian und Simon.

Denis war schnell verschwunden und tauchte erst später

wieder auf. „Entschuldigt, die haben mich entführt!“, sagte

er etwas zerknirscht. Wir lachten und freuten uns, dass er

die ganze Zeit mit den Schülern der 4b unterwegs war. Für

sie war Denis einfach Denis. Manche anderen SchülerInnen,

die Denis nicht im Rahmen des Projekts BAB kennengelernt

hatten, waren verunsichert. Sie unterhielten sich und kicherten

hinter vorgehaltener Hand. Für sie war Denis nur

der junge Mann mit dem Rollator.

Berührungsängste und Unsicherheit im Umgang miteinander

können durch Begegnungen auf Augenhöhe reduziert,

wenn nicht ganz abgebaut werden. Sie erzeugen Miteinander.

Die Workshops von BAB boten diesen Raum für Begegnungen

zum gemeinsamen Entdecken, Ausprobieren und

Lernen.

BALANCE ist einer der fünf ProjektpartnerInnen, neben der

Medizinischen Universität, dem Christian Doppler Labor,

dem Orthopädietechnik Haus in Döbling und stape og – planning

consultancy, welche die Idee und die Projektleitung

innehatten. Barrieren abbauen – was uns bewegt ist ein

Projekt im Rahmen von Talente Regional, das von der FFG

betreut und vom BMVIT finanziert wird. Jeder Partner hat

einen Workshop im Detail konzipiert und durchgeführt.

Gleich zu Beginn des Projekts gab es in einer Besprechung

mit dem Team von BALANCE und den Tagesstruktur-NutzerInnen

den Wunsch, auch an den Workshops der anderen

beteiligten ProjektpartnerInnen teilnehmen zu dürfen. Warum

eigentlich nicht? So war BALANCE in alle Workshops

eingebunden und damit fortwährend ein direkter Kontakt

zwischen den Schulkindern und den Tagesstruktur-NutzerInnen

gegeben. Alle erlebten gemeinsam, welchen Beitrag

die Berufsfelder der ProjektpartnerInnen für den Abbau von

Barrieren leisten:

1

Forschung in der Medizin, z. B. wie Medikamente entwickelt

werden

2

Prothetik, wie fehlende Körperteile durch künstliche ersetzt

werden können

3

rekonstruktive Chirurgie, z. B. wie Computerspiele eingesetzt

werden, um die Heilung zu unterstützen

4

Inklusion und Leben mit Behinderung, z. B. Wimpelstation

„Jeder Mensch hat Talente“

5

Gebauter Raum, wie die Planung von Häusern und deren

Umgebung unseren Alltag beeinflusst

Barrieren abbauen – was uns bewegt stellte Menschen mit

körperlichen Behinderungen an Armen und Beinen in den

Mittelpunkt und stellte die Frage, die zentral durch das

ganze Projekt leitete: Welches Zusammenspiel von Körper(-

leistung), Technik, Raum und Miteinander schafft Eigenständigkeit

für alle und einen guten Zusammenhalt in der

Gesellschaft?

Mehr über die einzelnen Workshops, die beteiligten Berufsbilder

und Illustrationen zu jedem Workshop können auf der

Webseite nachgelesen und angeschaut werden:

barrierenabbauen.stape.eu

Mehr Informationen zum Workshop von BALANCE – Leben

ohne Barrieren sind im letzten Balancer nachzulesen.


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Tagesstruktur

BALANCER 76, 2/2019

DEUTSCHLAND

TRIFFT WIEN

Im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums besuchten

Björn, Janina und Melanie aus Deutschland

die BALANCE-Tagesstruktur Fuchsenfeld und

halfen fleißig mit.

Von Susanne Böhm, BALANCE-Mitarbeiterin

und dem Team aus Deutschland

Moin, Moin – dürfen wir uns vorstellen …?

Björn, Janina und Melanie arbeiten in Deutschland

in der Preetzer Werkstätte des Lebenshilfewerks

Kreis Plön. Preetz ist eine Stadt in Norddeutschland

an der Ostsee nahe der Großstadt Kiel. Wir

wohnen direkt am Meer und am Strand. Im Sommer

ist das sehr schön zum Schwimmen gehen –

im Winter ist es eher windig und kalt.

Unser Arbeitsplatz in Deutschland …

Unser Standort in Deutschland beschäftigt

300 Menschen mit Behinderung und bietet viele

verschiedene Arbeitsplätze. Björn, Janina und Melanie

arbeiten alle in unterschiedlichen Gruppen,

wie beispielsweise die …

… Küchengruppe: „Hier bei uns geht es meistens

stressig zu“, erzählt Björn. Björn arbeitet in einer

Großküche, die am Tag für Frühstück und Mittagessen

rund 300 Portionen vorbereitet. Damit

das alles gut klappt, sind wir ein großes Team von

zwölf Leuten.

… Montagegruppe: erledigt Auftragsarbeiten

(Hefte bekleben, Sortieraufgaben …) für externe

KundInnen. „Manchmal kann es auch schon

stressig werden, aber es macht immer viel Spaß“,

erzählt uns Janina.

Weitere Gruppen in der Preetzer Werkstätte sind

u. a. eine Tischlerei, Schlosserei, Gartengruppe,

Wäscherei, Reinigungsgruppe und Töpferei.

Zusätzlich zu den Gruppen im Haus arbeiten einige

auch außerhalb der Werkstätte. Melanie beispielsweise

arbeitet in einem Wohnheim für Menschen

mit Behinderung und ist im Servicehaus tätig:

Begleitdienst zu Terminen, Mithilfe beim Kochen,

beim Wäsche waschen und der Reinigung des Hauses

gehören zu ihren Aufgaben.

Kontakt:

Preetzer

Werkstätten –

Lebenshilfewerk Kreis Plön

gGmbH

Gewerbestraße 3

242111 Preetz

www.preetzer-werkstaetten.de

Fotos: BALANCE Archiv


BALANCER 76, 2/2019 Tagesstruktur 31

Neue Einblicke in Wien –

Was wir erlebt haben …

BJÖRN:

Björn arbeitete die vier Wochen bei uns in der Küchengruppe

und kümmerte sich gerne um die Nachspeisen. Besonders

lecker waren das Tiramisu und der selbstgemachte

Schokopudding. In Wien gefiel Björn vor allem das Fußballspiel

im Stadion, welches sie am Wochenende besucht hatten

und die Fahrt mit dem Riesenrad.

JANINA:

Janina probierte gerne viele verschiedene Tätigkeiten

in der Küche aus und hatte viel Spaß dabei.

MELANIE:

Melanie schnupperte in fast alle Gruppen im Fuchsenfeld:

„Am besten gefällt mir die Textilgruppe“,

berichtet Melanie, weil „es eine neue Arbeit ist und

ich etwas lernen kann“. Melanie macht es Spaß, den

anderen NutzerInnen zu helfen. Die Tasche aus Zeitungspapier

und die selbstgegossene Kerze in Regenbogenfarben

von der Druckwachsgruppe nimmt

sich Melanie als Erinnerung mit nach Hause. Kalender

basteln, Aufträge verpacken … Melanie hatte

Lust zu arbeiten und nimmt viele neue Ideen mit.

Nach der Arbeit erkundeten wir Wien und besuchten einige schöne Plätze wie den Stephansdom, Schloss Schönbrunn,

den Tiergarten, das Haus des Meeres, das Fußballstadion, den Zentralfriedhof oder den Prater.

Wir hatten eine schöne Zeit in Wien – leider hat das Wetter nicht mitgespielt und wir hatten viel Regen. Trotzdem

konnten wir einige neue Erfahrungen sammeln und fahren mit vielen schöne Eindrücken nach Deutschland zurück.

„Wir freuen uns, falls ihr uns auch mal besuchen wollt!“ „Tschüss“


32

interbalance

BALANCER 76, 2/2019

EU-Projekt COESI:

Organisationen in der Behindertenhilfe

brauchen Veränderung!

Johanna Ilkow vom EU-Projekt

COESI (Change Organisations to

enable Social Inclusion – Verändere

Organisationen, um soziale

Inklusion zu ermöglichen), das von

2017 bis 2019 läuft.

Interview: Jürgen Plank

Was ist das Projekt COESI und welche Idee steht

dahinter?

Johanna Ilkow: Die Idee hinter COESI ist, dass die soziale Inklusion

ein Grundprinzip der UN-Konvention für Menschen

mit Behinderungen ist. Diese Inklusion ist zum Teil in der

Gesellschaft angekommen, manches funktioniert besser als

vor 20 Jahren, viele Menschen sind schon inkludiert, aber es

gibt noch immer Barrieren. Wir haben überlegt, was eine

echte Teilhabe verhindert. Vor allem, was verhindert, dass

Menschen mit intellektuellen Behinderungen wirklich Teil

der Gesellschaft sind und Sozialkontakte aufbauen können,

zu Menschen in der Community.

Welchen Ansatz habt ihr dazu gefunden?

Wir setzen das in unserer Organisation um und glauben,

dass ein personenzentrierter Ansatz passt, also bei den Menschen

selbst anzusetzen. Da geht es um die Frage: was sind

ihre Ziele für ihr eigenes Leben? Und inwieweit und in welcher

Form wollen sie Teilhabe an der Gesellschaft haben?

Wir haben unseren Auftrag bei COESI darin gesehen, dass

dann konsequenterweise auch die Organisationen der Behindertenhilfe

eine Veränderung brauchen.

Zwei Selbstbewertungstools (tool ist ein englisches Wort

und bedeutet Werkzeug)

Ihr habt zwei Selbstbewertungstools entwickelt, wie

funktionieren diese?

Ein Tool ist für die DienstleisterInnen selbst: die GeschäftsführerInnen,

ManagerInnen oder LeiterInnen können dieses

Tool durchgehen. Da wird am Anfang erklärt: was ist der Hintergrund

zu sozialer Inklusion? Und dann gibt es Fragen zu

verschiedenen Ebenen: zur organisationalen, zur zwischenmenschlichen

und zur Gemeinschaftsebene. Die Person, die

das durchgeht, kann zu verschiedenen Aspekten – zum Beispiel:

inwieweit werden KundInnen in der Organisation eingebunden?

– bewerten, wo die Organisation gerade steht.

Und das zweite Tool?

Das ist für KundInnen – wir sagen KundInnen für Menschen

mit Behinderungen –, die Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

Da können Menschen mit intellektueller Behinderung

selbst Wirkungen von Dienstleistungen bewerten. Dieses

Tool wurde von Menschen mit Behinderung entwickelt, sie

haben in einem Workshop ihre Vorstellung von sozialer Inklusion

entwickelt. Wir haben als theoretische Grundlage

dafür John O’Brien genommen und wie er soziale Inklusion

sieht. Wir haben das geclustert und die KundInnen haben

zu diesen Bestandteilen eigene Fragen formuliert. Das ist

in leichter Sprache geschrieben und andere Menschen mit

intellektueller Behinderung können ankreuzen, was in ihrer

Organisation zutrifft oder nicht.

Welche Rückmeldungen gab es zu diesem Tool?

Es wurde sehr gut aufgenommen. Das wurde in allen Projekt-Ländern

getestet und wir waren selbst überrascht, wie

gut diese Fragen abgebildet haben, was Menschen sich unter

sozialer Inklusion vorstellen. Insgesamt haben wir getestet,

inwieweit die Tools geeignet sind und wir haben evaluiert,

ob die KundInnen mit den Tools beurteilen können, wie

die Situation gerade ist.

Ihr habt auch das Fortbildungsprogramm „Fit for inclusion“

entwickelt. Was ist das?

Das ist noch in Entwicklung, aber ich kann schon dazu sagen,

dass dieses Bildungsangebot auch von KundInnen für KundInnen

entwickelt wurde. Wir sind der Ansicht, dass wir die

Stimme von KundInnen, die eine Zusatzausbildung haben

oder sich mit einem Thema beschäftigt haben, auf eine höhere

Ebene bringen. Dass sie mitsprechen bzw. auch beraten

können, dass man die Ergebnisse mit den Menschen selbst

auf die Ebene der Organisation bringt. Das ist ein Training,

bei dem die KundInnen lernen, wie sie in der Organisation

mitberaten können, was Veränderungen am Weg zur sozialen

Inklusion betrifft.

Foto: Lebenshilfe Graz


BALANCER 76, 2/2019 interbalance 33

Gibt es dazu ein Beispiel?

Die KundInnen könnten zum Beispiel sagen, dass Medikamente

besser erklärt werden sollen: bei uns wissen viele

nicht, warum sie welche Medikamente nehmen müssen

und es ist uns wichtig, dass wir die Fachkräfte dahingehend

ausbilden, dass sie uns erklären können, welche Medikamente

wir da einnehmen.

Organisationen aus fünf EU-Ländern: Deutschland,

Portugal, Spanien, Slowenien, Österreich

COESI ist ein EU-Projekt, mit welchen Organisationen

arbeitet ihr zum Beispiel zusammen?

Wir arbeiten mit dem Center for qualifying, work and social

care in Crna, in Slowenien. Das ist eine relativ kleine Organisation

mit rund 300 KundInnen, mit der wir schon bei einem

anderen Projekt zusammengearbeitet haben. Die haben ein

großes Know-how in Bezug auf leicht verständliche Sprache

und haben diesbezüglich schon einiges entwickelt. Und wir

arbeiten mit FENACERCI (National Federation of Cooperatives

and Social Solidarity) aus Portugal. Die hat ihren Sitz in

Lissabon und das ist eine große Dachorganisation. Die sind

nicht in der direkten Betreuung tätig, sondern machen für

andere, kleinere Organisationen in Portugal Trainings. Sie

sind sehr aktiv in Bezug auf den personenzentrierten Ansatz.

unsicherer werden. Da müssen wir als Behindertenorganisation

genauer hinschauen.

Internationale Organisationen geben auch Frameworks

(englisches Wort, bedeutet Rahmen) vor, etwa die

UN-Behindertenkonvention oder – ebenfalls von den Vereinten

Nationen – die nachhaltigen Entwicklungsziele.

Diese sehen gleichberechtigte Teilhabe für alle an Bildung,

Gesellschaft etc. vor. Wie praktikabel sind solche

Grundlagen in Bezug auf Ihre Arbeit?

Ich halte solche Frameworks für ganz wichtig, auch wenn sie

auf den ersten Blick nicht immer sofort praktikabel sind. Es

ist auch eine Ausrede, ein leichtes Argument zu sagen, das

wäre nicht praktikabel. Dass soziale Inklusion – wie schwer

es auch zu bewerten ist, was wirklich soziale Inklusion ist –

in einem Werk wie der UN-Konvention fest verankert ist, halte

ich für total wichtig. Und es ist auch wichtig, immer wieder

Schulungen dazu zu machen und immer wieder intern

zu überprüfen: wo stehen wir und was ist noch möglich?

Dass nicht immer alles sofort zu 100 Prozent sofort erfüllbar

ist, ist klar. Aber man muss weiter daran arbeiten.

Welche Organisationen sind noch bei COESI dabei?

Die dritte Organisation ist GORABIDE (Biscay Association in

favour of people with intellectual disabilities) aus Bilbao, die

sind auch eher im Bereich Training tätig und Leben mit Behinderung

aus Hamburg ist so ähnlich aufgebaut wie wir.

Damit Inklusion in Österreich besser funktioniert:

was würden Sie sofort verändern wollen?

Das Wichtigste wäre, dass Organisationen der Behindertenhilfe

noch stärker im Sozialraum sind. Damit dieser letzte

Rest an Exklusivität auch räumlich weg ist, damit es keine

großen Einrichtungen gibt, die räumlich weit weg von den

Kommunen sind. Das ist bei uns nicht mehr so, aber das gibt

es noch. Ich glaube auch, dass eine nicht aufhörende Sensibilisierung

im Sozialraum notwendig ist. Wir haben öfters

das Feedback bekommen, dass es schon noch etwas braucht,

damit sich Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft

sicher fühlen. Das ist eine Aufgabe der Gesellschaft selbst.

Sozialhilfe neu: Rechtsanspruch verwässert

Am neuen Sozialhilfe-Gesetz wurde kritisiert, es würde

wieder zur alten Sozialhilfe zurückgekehrt und der

Bezug von Geld würde zum Teil wieder Ermessenssache

werden. Wie sehen Sie das?

Damit habe ich mich juristisch noch nicht auseinandergesetzt.

Was ich insgesamt sehe, ist, dass es wichtig ist, dass

der Rechtsanspruch auf Leistungen für Menschen mit Behinderungen

nicht verloren geht. Das ist, denke ich, bei der

neuen Mindestsicherung das Problem, dass ein Rechtsanspruch

verwässert wird. Das ist eine allgemeine Gefahr der

jetzigen Sozialgesetzgebung: dass Rechte, die feststehen,

Zur Person

Johanna Ilkow ist Juristin, arbeitet in der

juristischen Beratung von Menschen mit

psychischen Krisen bzw. psychischen Erkrankungen.

Seit 12 Jahren koordiniert

Ilkow für die Lebenshilfe Soziale Dienste

in Graz EU-Projekte. Aktuell das EU-Projekt

COESI.

https://lebenshilfen-sd.at/ueber_uns/

eu_projekte/coesi

www.coesi-project.eu


34

Kommentar

BALANCER 76, 2/2019

Flugreisen in

Europa

Pro

Von Gitti Wallner mit Unterstützung von heh

Ich fliege gern, vor allem auch Strecken in Europa, weil man

als RollstuhlfahrerIn einen Extraplatz hat, weil man über

den Wolken fliegt und ich freu mich schon sehr auf meinen

nächsten Flug nach Hamburg! Wir fliegen von 15.9. bis 19.9.

nach Hamburg, ich freu mich schon. Ich muss dann zwar um

4:00 aufstehen, weil der Flug so bald in der Früh geht, aber

das macht mir nichts. Mit dem Zug fahren ist unangenehmer,

weil alles so eng ist und man muss sich vorher melden

oder anrufen und die genau Uhrzeit durchgeben, dass man

einen Rollstuhlplatz bekommt, beim Fliegen hingegen wird

man besser betreut, da wartet schon jemand. Mir gefällt

Fliegen sehr, innerhalb von Europa ist es mit dem Flugzeug

viel schneller, außerdem bekommt man im Flugzeug Frühstück,

zu trinken man wird immer höflich gefragt, ob man

etwas braucht.

Wenn das Flugzeug startet, das gefällt mir, dann halte

ich mir die Ohren zu, denn da hört man überhaupt nichts,

und dann ist es ein schönes Gefühl, wenn man abhebt. Ich

fühle mich wohler im Flieger als im Zug, das Flugzeug ist ja

eigentlich auch das sicherste Verkehrsmittel. Fliegen ist in

Europa oft sogar günstiger als die gleiche Strecke per Bahn

und einen Rollstuhlplatz im Zug zu bekommen ist

schwieriger.

Auch die Atmosphäre am Flughafen beim Warten zum

Boarding finde ich spannend, da kann man in die vielen verschiedenen

Geschäfte reinschauen und sich die Zeit vertreiben,

alles ist barrierefrei und man kann die Toiletten nutzen.

Beim Boarding kommt man zuerst dran und man wird

manchmal mit einer Hebebühne hineingebracht und auf

den Sessel gesetzt, der Rollstuhl hat dann einen eigenen

Platz.

Der Vorteil von Flugreisen in Europa ist sicher, dass ich

auch als Rollstuhlfahrerin unkompliziert woanders in Europa

hinkomme, denn ich bin zwar gern in Wien, sehe aber

auch gerne etwas anderes, eine andere Umgebung, andere

Menschen, Hamburg werde ich mir genau ansehen, ob die

Randsteine dort auch so hoch sind wie in Wien …

Contra

Von Andrej Rubarth

Fliegen wird völlig überschätzt. Vor allem für Kurztrips

in europäische Städte. Da wühlt man sich durch den

Stadtverkehr hin zu einem Flughafen. Wühlt sich durch

die Massen hin zu seinem Gate, wo schon all die Massen

warten, die sich dann im Flugzeug, Schulter an Schulter

und Oberschenkel an Oberschenkel, in ihre Sitze zwängen.

Hinten habe ich die Knie meines Sozius im Kreuz

und vorn muss ich mich herumstreiten, dass der Passagier

vielleicht doch darauf verzichten möchte, mit seinen

Nieren meine Kniescheiben zu massieren. Glücklicherweise

bin ich nur lang und nicht breit. Die bedrückende

Enge kann ich ertragen. Leute, die ein bisschen

schwerer sind, sollen zwei Sitzplätze bezahlen. Geht’s

noch? Das ist ein Geschäftsmodell für menschliches

Stückgut.

Die Billig-Airlines sind ja nur auf den Homepages

vorhanden. Wenn man bei irgendeiner Zwischenlandung

strandet, und da kann man schon drauf wetten,

dass das passiert, gibt’s kein Flugunternehmen mehr.

Da ist man Stückgut und sich selbst überlassen. 2.000

Leute stehen vor einem Schalter für Umbuchungen, da

sitzt ein armer Mensch und soll umbuchen, wo es nix

umzubuchen gibt, weil es keine Flugzeuge gibt, wo

noch ein Platz frei wäre.

Da rede ich gar nicht davon, dass die Flug-Konzerne

sich weigern, Kerosinsteuern zu zahlen. Die PolitikerInnen-aller-Länder-vereinigt-Euch

schenken ihnen

schwanzwedelnd die zig Milliarden jedes Jahr. Ich rede

nicht davon, dass gerade die enorme CO2-Belastung in

den höheren Luftschichten besonders negative Auswirkungen

für das Weltklima hat. Nicht von der Lärmbelastung,

der Demütigung bei der Sicherheitskontrolle,

dem Industrieabfall, der als Snack in der Plastikverpackung

für die Ruhigstellung der Passagiere sorgen soll,

nicht vom erzwungenen Schleusen durch ein Regallabyrinth

mit überflüssigen und teuren Produkten. Nicht

von Terrorgefahr gerade auf Flughäfen, von schleißiger

Steuerungssoftware, die zu Abstürzen führt, nicht von

weltweit fehlenden Fluglotsen, von Tricks für Zusatzkosten

und und und. Nein. Ich reduziere meinen Konsum

auf einen Flug pro Jahr und werde mich dann öffentlich

flugschämen.


BALANCER 76, 2/2019

Impressum

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Impressum

Medieninhaber, Herausgeber, Verleger:

Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren, 1130 Wien,

Hochheimgasse 1,

T 01/8048733-8105, F DW 8050

E-Mail: h.hiebl@balance.at

Internet: www.balance.at

Chefredaktion: Mag. Helga Hiebl

Redaktion: David Galko, Iris Kopera,

Mag. Jürgen Plank, Cornelia Renoldner, Mag. Andrej Rubarth,

Andreas Tettinger und Brigitte Wallner, Pia Wolf, Christian

Zuckerstätter

Versand: Tagesstruktur-Standort ELF

Grafische Gestaltung: Frau Ober

Redaktionsadresse: Zeitschrift Balancer, Hochheimgasse 1, 1130

Wien,

T 01/804 87 33-8105,

E-Mail: h.hiebl@balance.at

Erscheinungsweise: 1/4-jährlich

Erscheinungsort: Wien

Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Eigentümer: BALANCE,

gemeinnütziger, überparteilicher, nicht-konfessioneller Verein.

Vorstand: OSR, Dir. Rudolf Wögerer, Obmann; SD Edeltraut

Frank-Häusler, Obmann Stellevrtreterin; Marianne Kühtreiber,

Obmann Stellvertreterin; Dr. Karl Katary, Schriftführer; Irmtraut

Vaclavic, Schriftführer Stellvertreterin; Gertrud Bartsch,

Kassierin; SenRat DI Harald Haschke, Kassierin Stellvertreter;

Dipl.-Vw. Herbert Kopper; Leo Josef Neudhart; Susanne Pisek;

Dr. Wilhelm Holubetz, Irene Pautsch

Geschäftsführung: Marion Ondricek,

Blattlinie: Der „Balancer“ berichtet als Fach- und

Vereinszeitschrift über die Aktivitäten von BALANCE,

bekennt sich zu dessen Leitbild und Grundsätzen und

thematisiert besonders relevante Themen und Ereignisse,

die Menschen mit Behinderungen betreffen. Der

Balancer“ folgt inhaltlich dem Bekenntnis des Art. 7 der

Bundesverfassung, nach welchem es ein Grundrecht aller

Menschen ist, gleichberechtigt und ohne Diskriminierung

zu leben.

Inklusive Redaktion: Als Grundvoraussetzung für eine zukünftige

inklusive Gesellschaft werden Selbstbestimmung

und Selbsttätigkeit der BALANCE-KlientInnen unterstützt.

Gemäß diesem Anspruch setzt sich das Redaktionsteam

des „Balancers“ zu gleichen Teilen aus BewohnerInnen,

Tagesstruktur-TeilnehmerInnen und MitarbeiterInnen

zusammen.

Performances von

Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, Ismael Ivo / Balé da

Cidade de São Paulo, Kresnik | Helnwein | Schwertsik, Mette

Ingvartsen, Wim Vandekeybus, Jeremy Wade, DD Dorvillier,

Jonathan Burrows, Marissa Perel, Akemi Takeya

und vielen mehr

Designed by CIN CIN, cincin.at / Photo by Jork Weismann / Performer: Mani Obeya

11. Juli – 11. August 2019

impulstanz.com

Workshops von und mit

Jess Curtis*, Vera Rosner*, Tanja Erhart & Nina Mühlemann

& Jeremy Wade*, Sonja Browne & Inge Kaindlstorfer*, Attila

Zanin*, Daniel Aschwanden & Barbara Eichhorn, Magdalena

Chowaniec & Valerie Oberleithner, Angélique Willkie

und vielen mehr

* Für die MixedAbilities-Workshops gilt das Pay-as-you-wish-Prinzip.

Vienna International Dance Festival


BALANCE Design und Handwerk

BALANCE Design und Handwerk

Blumengrüße

Handgeschöpfte Papiere mit eingepressten Blumensamen,

wie Wald- und Wiesenblumen, Bienenblumen,

Heilkräuter oder Bauerngartenblumen.

Diese Samenpapiere mit den Samen nach oben in einen

Topf mit Erde oder auf den Gartenboden legen. Mit 1 cm Erde bedecken

und gut angießen. Feucht halten und warten, bis die Pflanzen wachsen.

1,50 euro pro Stück

Schneidbrett aus massivem Kirschholz:

In dieser Ausgabe präsentieren wir Ihnen ein Produkt aus unserer Holzwerkstätte.

Schneidbrett aus massivem aus massivem Kirschholz aus Kirschholz:

einem Stück gefertigt. Ein Produkt für die Ewigkeit.

Wir In dieser freuen Ausgabe uns schon präsentieren auf Ihren Besuch wir Ihnen in einer Produkt unserer aus Werkstätten.

unserer Holzwerkstätte.

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Wir freuen uns schon auf Ihren Besuch in einer unserer Werkstätten.

zu beziehen im WERKVERKAUF: MO-DO 8.30-15.30 Uhr FR 8.30-12.00 Uhr

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Fuchsenfeld

zu beziehen im WERKVERKAUF: MO-DO 8.30-15.30 Uhr FR 8.30-12.00 Uhr

Viktor Kaplan Str. 6-8 Fockygasse 52

1220

SoHo

Wien

Laden

Fuchsenfeld

1120 Wien

01/209

Viktor Kaplan

37 31

Str. 6-8 Fockygasse

01/ 817 93 44-13

52

1220 Wien

1120 Wien

01/209 37 31

01/ 817 93 44-13

www.balance.at

www.balance.at

Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren

Hochheimgasse 1, 1130 Wien

Bankverbindung Spendenkonto:

Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG

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Nr. 76/2019, Jahrgang 22

Verlagspostamt 1130 Wien

Erscheinungsort Wien

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