Berliner Zeitung 12.07.2019

BerlinerVerlagGmbH

Dorf-Theater: Die Pestspiele in Oberammergau – Seite 3

Zu viel

Obst kann

ungesund

sein

Seite 17

16°/24°

Wolken und Regen

Wetter Seite 2

www.berliner-zeitung.de

Freitag,12. Juli 2019 Nr.159 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Sicherheit: S-Bahn schafft

mehr Schutzhunde an

Berlin Seite 9

Test: Der erste fahrerlose

Linienbus fährt in Brandenburg

Brandenburg Seite 16

Nordkreuz: Die

Gefahr von rechts

Politik Seite 5

Clärchens Ballhaus

Der

vorerst letzte

Schwoof

VonMarcus Weingärtner

Die Nachricht war ein Schock,

nicht nur für Freunde des

Schwoofs: Clärchens Ballhaus,das legendäre

Tanzlokal in der Auguststraße

in Mitte, soll schließen. Das

Gebäude mit dem wunderschönen

Spiegelsaal im ersten Stock und dem

Restaurant im Parterremit seinem lamettageschmückten

Ballsaal ist verkauft.

Ende des Jahres schon soll vorerst

Schluss sein

mit der Institution

und das

Haus saniert

werden.

Clara Bühler,

Chefin

des Ballhauses

Berlin würde

damit eine seiner

Attraktionen

verlieren, Alfred

Döblin verewigte

„Clärchens“,

Heinrich Zille

kehrte hier ein

und wer noch nie im Garten des

Hauses Würstchen mit Kartoffelsalat

gegessen oder am Sonntag zugesehen

hat, wie Paare vergnügt zur Musik

der hauseigenen Band über die

Tanzfläche wirbeln, der war nicht in

Berlin. Zu DDR-Zeiten ist das Ballhaus

eine beliebter Treffpunkt für

Menschen aus beiden Teilen der

Stadt, nach der Wende dient es des

Öfteren für Filmproduktionen als

Kulisse, darunter für „Stauffenberg“

und „Inglourious Basterds“. Die Dokumentarfilmerin

Wilma Pradetto

verewigt den Garderobier Günter

Schmidtke,dessen Frau und Tochter

ebenfalls im „Clärchens“ arbeiteten.

UndClärchen? Werwar die Frau, deren

Name untrennbar mit dem Ballhaus

verbunden ist?

Clara Bühler hieß sie mit vollem

Namen und das Tanzlokal Bühlers

Ballhaus, erbaut 1895 und von Fritz

Bühler und seiner Frau am 13. September

1913 im Hinterhaus der Auguststraße

24/25 eröffnet. Eine

Schönheit soll Clärchen nicht gewesen

sein, wohl aber eine Frau mit

Durchsetzungsvermögen, eine, die

anpacken konnte und deren Ballhaus

dank ihrer Tatkraft zwei Kriege

und zwei Diktaturen überstand.

Ende der Zwanzigerjahre stirbt

Fritz Bühler und Clara führt nach

seinem Toddas Tanzlokal vorerst alleine

weiter. Drei Jahre später heiratet

sie erneut und heißt fortan Habermann.

Gatte Arthur unterstützt

„Clärchen“ bei der Arbeit im Ballhaus.Die

Chefin jedoch bleibt Clara,

eine Frau, die emanzipiert ist, lange

bevor der Begriff Bedeutung bekommt.

Nach dem Krieg bietet sie

Witwenbälle an, da ist ihr Ballhaus

längst eine Institution.

Bis 1967 führt Habermann ihr

Ballhaus, vier Jahre vor ihrem Tod

übernimmt ihreStieftochter Elfriede

Wollf die Leitung und übergibt diesen

Posten anschließend an ihren

Sohn. Der neue Besitzer Yoram Roth

übrigens will den Ballbetrieb nach

der Sanierung fortsetzen: „Ich habe

das Areal gekauft mit dem klaren

Ziel, Clärchens Ballhaus zu beschützen.“

Clärchen würde das sicherlich

sehr gefallen. Berlin Seite 11

Alle fahren nachBerlin

Neue Zahlen zeigen: Immer mehr Touristen kommen in die Hauptstadt. Doch

langsam werden die Grenzen des Wachstumserreicht. Made in Berlin Seite 6

Schlag gegen Clan-Kriminalität

Die Abschiebung eines libanesischen Familienoberhauptes hat auch Auswirkungen auf Berlin

VonPhilippe Debionne

Mit der Ausweisung von

Ibrahim Miri ist den

Bremer Behörden am

Mittwochabend etwas

gelungen, was seit Jahren vonTeilen

der Politik sowie Polizeigewerkschaften

immer wieder gefordert wurde:

Schwer kriminelle Clan-Mitglieder

müssen abgeschoben werden. Anders,

sodie Meinung von führenden

Ermittlern, sei der außer Kontrolle

geratenen Clan-Kriminalität nicht

mehr beizukommen.

Mit Ibrahim Miri ist eine der einflussreichsten

und zugleich gefährlichsten

Personen aus dem kriminellen

Großfamilien-Milieu in den Libanon

gebracht worden. Der Clan

selbst ist aber nach wie vor in

Deutschland aktiv. Laut Polizei vor

allem in Bremen, Essen und in den

vergangenen Monaten –auch in Berlin.

30 Familien mit rund 3000 Mitgliedern

sollen unter dem Kommando

des 46-jährigen Ibrahim Miri

gestanden haben.

Viele Gefolgsleute

Ob dem Mann die Führung des kriminellen

Imperiums durch seine Abschiebung

tatsächlich genommen

wurde oder er die laut Polizei weit

verzweigten Geschäfte (Drogen,

Prostitution, Menschenhandel, Waffen)

vom Libanon aus weiter dirigiert,

lässt sich nach Ansicht eines

Berliner Ermittlers derzeit nur

schwer beurteilen. „Der Mann hat

nach wie vor seine Gefolgsleute, die

ihm blind gehorchen“, so der Polizist.

UnddaerimLibanon nach derzeitigem

Kenntnisstand ein freier

Mann ist, wird er„dort vermutlich

völlig frei agieren können“, so der Ermittler

weiter.

Dass Ibrahim Miri möglicherweise

in wenigen Monaten nach

Deutschland zurückkehren könnte,

hält man zumindest bei Teilen der

Deutschen Polizeigewerkschaft

(DPolG) für unwahrscheinlich. Er

könne sich „bei einer illegalen Wiedereinreise

nicht frei bewegen“ und

wisse, „dass die Clans im Visier der

Strafverfolgung stehen“, teilte die

DPolG gestern bei Twitter mit. Der

Mann habe schlichtweg „ein Problem,

er ist sehr bekannt, um nicht zu

sagen amtsbekannt“. Eine erneute

Einreise mit anderem Namen und

einem gefälschten Pass wolle man

demnach durch klassische Polizeiarbeit

verhindern.

Unabhängig von der Abschiebung

des mächtigen Clan-Bosses ist

nicht auszuschließen, dass die hiesigen

kriminellen Mitglieder des Miri-

Clans auch weiterhin versuchen

werden, ihre Geschäfte unbeeindruckt

und unverändert zubetreiben.

Vor allem für die Hauptstadt

dürfte die Abschiebung vonIbrahim

Miri eine weitaus geringere Auswirkung

auf den Einfluss der Familie haben,

als es sich die Sicherheitsbehörden

wünschen.

„Da, wo es möglich ist, kommen auch

Abschiebungen in Betracht.“

Andreas Geisel, Berliner Innensenator

Denn mit Ahmad M. lebt ein ebenfalls

sehr mächtiges Mitglied des

Clans in Berlin. Der 38-Jährige aus

Wedding saß wegen Drogendelikten

im Gefängnis, war zeitweise Mitglied

der als höchst gefährlich und kriminell

eingestuften Bruderschaft Arabisch-Kurdischer

Clan (AKC) sowie

eines der Gründungsmitglieder des

mittlerweile wieder aufgelösten Rockerclubs

Guerilla Nation.

Ob einer der zwölf polizeibekannten

Clans oder der großen Rockerclubs

wie Bandidos,Hells Angels

oder Gremium MC versuchen

werde, Geschäftsfelder des Miri-

Clans zu übernehmen, „sei reine

Spekulation“, so der Ermittler. Was

auch daran liegt, dass die Abschiebung

von Ibrahim Miri für Berlins

Unterweltvöllig überraschend kam.

In jedem Fall werde man „den

eingeschlagenen Weg konsequent

weitergehen und den Druck auf die

organisierte Kriminalität hochhalten“,

teilte Berlins Innensenator

Andreas Geisel (SPD) am Donnerstag

mit. „Auch wenn der Weglang ist:

UnsereSicherheitsbehörden werden

diesen Personen weiterhin auf den

Füßen stehen.“

Zudem kündigte Geisel indirekt

an, auch Berliner Kriminelle aus

Deutschland auszuweisen. So sagte

Geisel wörtlich: „Da, wo es möglich

ist, kommen auch Abschiebungen in

Betracht.“ Zumindest für Ahmad M.

dürfte diese Aussage des Innensenators

jedoch völlig belanglos sein.

Abschiebestopp für Syrien

Denn M., der bei der Berliner Ausländerbehörde

als staatenloser Palästinenser

geführt wurde, soll kürzlich

bei der syrischen Botschaft vorstellig

geworden sein. Hier soll er mit entsprechenden

Dokumenten nachgewiesen

haben, dass er in Wahrheit syrischer

Staatsbürger sei –und daraufhin

einen syrischen Pass bekommen

haben. Weil es laut Auswärtigem Amt

„erhebliche Risiken für Rückkehrer“

gebe, wurde auf der Innenministerkonferenz

der Abschiebestopp nach

Syrien verlängert. DieRegelung greift

auch für Gefährder oder Straftäter.

Unddamit auch für Ahmad M. Tagesthema

Seite 2, Kommentar Seite 8

EYEEM/MICHAEL ZWAHLEN

SPD darf

Sarrazin

rauswerfen

Ex-Finanzsenator kündigt

Berufung gegen Urteil an

VonMelanie Reinsch

Die SPD darf den umstrittenen

ehemaligen Finanzsenator

Thilo Sarrazin nach 45 Jahren aus der

Partei ausschließen. Die Schiedskommission

Charlottenburg-Wilmersdorf

habe der Partei mitgeteilt,

dass dem Antrag stattgegeben

werde, erklärte SPD-Generalsekretär

Lars Klingbeil. „Wir sehen uns in unserer

klaren Haltung bestätigt. Sarrazin

hat mit seinen Äußerungen gegen

die Grundsätzeder Partei verstoßen

und ihr Schaden zugefügt. Rassistische

Gedanken haben in der

SPD keinen Platz“, so Klingbeil.

Es war der dritte Versuch, den für

seine islamkritischen Thesen bekannten

Autor („Deutschland schafft

sich ab“) aus der Partei zu werfen. Der

erste scheiterte 2010, der zweite endete

ein Jahr später mit einem Vergleich.

In der Begründung hieß es unter

anderem, dass Sarrazin vorige

Warnungen ignoriert habe. Das Gericht

erklärte, dass Sarrazins neues

Buch„Feindliche Übernahme“ in seiner

„antimuslimischen Stoßrichtung

als klar rassistisch“ anzusehen sei.

Sarrazin hat angekündigt, gegen

das Urteil in Berufung zu gehen.„Wir

werden den Instanzenzug über das

Landes- und das Bundesschiedsgericht

der SPD, darüber hinaus nötigenfalls

alle normalen Zivilinstanzen

von Landgericht Berlin, über Kammergericht

und Bundesgerichtshof,

danach das Bundesverfassungsgericht

bemühen und anrufen“, erklärte

sein Rechtsbeistand Andreas

Köhler. Solange bleibe Sarrazin Mitglied

der SPD. Sein Parteibuch muss

Sarrazin erst einmal bei der Landesschiedskommission

abgeben.

Christian Gaebler, SPD-Kreisvorsitzender

in Charlottenburg-Wilmersdorf,

begrüßte das Urteil. „Das

ist ein klares Zeichen, dass Rassismus

in der SPD nichts zu suchen

hat“, sagte er der Berliner Zeitung.

Sarrazin sollte sich überlegen, was

ihn noch mit der SPD verbinde. Er

können den Weggehen, den er eingeschlagen

habe, aber nicht in der

SPD,soder Chef derSenatskanzlei.

Kurz nach Bekanntwerden des

Urteils meldete sich die AfD zu Wort

und lud Sarrazin ein, mit der Partei

in den Dialog zu treten. Leitartikel

Seite 8

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2* Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Tagesthema

Berlin ist wie Bremen ein

Hotspot der organisierten

Kriminalität, auch hier ist

der Miri-Clan aktiv. Inden

vergangenen Jahren erhöhte der Senat

den Druck auf die Clans mit ganz

unterschiedlichen Mitteln. Dazu

zählen auch Abschiebungen, deren

Zahl gestiegen ist.

Auf Anfrage der Berliner Zeitung

teilte die Senatsinnenverwaltung am

Donnerstag mit, dass im Jahr 2018

acht libanesische Straftäter direkt

aus Berliner Haftanstalten abgeschoben

wurden. Auch im laufenden

Jahr 2019 sei bereits ein Straftäter mit

libanesischer Staatsangehörigkeit

direkt aus der Haft abgeschoben

worden. Im Jahr 2017 wurden zwei libanesische

Straftäter zurückgeführt,

im Jahr 2016 keiner.

Die Abschiebung des mutmaßlichen

Clan-Chefs Ibrahim Miri aus

Bremen ist also kein Präzedenzfall –

wegen Miris zentraler Stellung im

Netzwerk des Clans aber ein Erfolg,

den Experten feiern. DieBerliner Polizei

war, anders als von einigen Medien

berichtet, nach Informationen

der Berliner Zeitung nicht an Miris

Rückführung beteiligt.

Als „klare Ansage“ und „starkes

Zeichen des Rechtsstaates“, begrüßt

Falko Liecke, Neuköllner Jugendstadtrat

und Clan-Experte der CDU,

die Abschiebung. Und auch Tom

Schreiber,innenpolitischer Sprecher

der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus,nennt

den Einsatz ein „wichtiges

Signal, auch in die Mitte der Gesellschaft

hinein“, das zeige: „Hier

wird konsequent gearbeitet.“ Die

Clan-Strukturen könne das verunsichern,

so Schreiber. Beide Experten

betonen aber: Die Abschiebung eines

einzelnen bedeute noch lange

nicht das Ende für den Miri-Clan.

Zu weit verzweigt sind die illegalen

und legalen Geschäftsfelder der

Clans, zu groß das Vermögen, das

über Jahrzehnte gesichertwurde.

Um die Clans an ihrem empfindlichsten

Punkt zu treffen –ihrem

Vermögen – übt Berlin seit

2018 auch mit anderen Werkzeugen

Druck aus. Wie wirksam diese

Instrumente sein werden, ist allerdings

noch unklar. Ein zentrales

Clan-Verbrechen

Im Kampf gegen kriminelle

Großfamilien hat Berlin schon

mehrfach von Tätern das

Vermögen eingezogen. Das

reiche nicht, sagen Experten.

Man müsse auch die

legalen Geschäfte der Clans

untersuchen.

Beschlagnahme

und Abschiebung

VonAnnika Leister

Verfahren in Bremen gegen ehemalige Mitglieder des verbotenen Rocker-Clubs Mongols wegen Drogenhandels: rechts der Angeklagte Ibrahim Miri.

Instrument: die Beschlagnahmung

von Immobilien. 77 Häuser

und Wohnungen in Berlin und

Brandenburg waren im Juli 2018

beschlagnahmt worden. Sie sollen

dem Remmo-Clan gehören. Inzwischen

wird gegen 20 Verdächtige

ermittelt, teilte eine Sprecherin

der Berliner Staatsanwaltschaft

mit. Es sei aber keiner vonihnen in

Untersuchungshaft. Die Strafverfolger

stellen sich auf lange juristische

Auseinandersetzungen ein.

Nach der Beschlagnahmung der Immobilien

haben mehrere Beschuldigte

Einspruch vor Gericht eingelegt.

Eine Prognose zum Abschluss

der 2016 begonnenen Geldwäsche-

Untersuchungen könne nicht abgegeben

werden, so die Sprecherin.

Eine Anklage ist noch lange nicht in

Sicht.

Die im Juli 2018 vorläufig beschlagnahmten

Immobilien haben,

WESER KURIER/CHRISTINA KUHAUPT

so teilten die Behörden damals mit,

einen Wert vonrund neun Millionen

Euro. Die Fahnder gehen davon aus,

dass die Objekte mit Geld aus Straftaten

gekauft wurden. So könnte der

Betrag in den legalen Wirtschaftskreislauf

gekommen sein.

Möglich macht die Beschlagnahmungen

eine neue Regelung zurVermögensabschöpfung,

die im Juli

2017 in Kraft getreten ist. Durch sie

soll der Staat durch Verbrechen zusammengetragenes

Vermögen leichter

einziehen können. Zum Beispiel

kann nun bereits beschlagnahmt

werden, wenn die Herkunft des Geldes

unklar ist –auch wenn die Straftat,

aus der das Vermögen stammt,

nicht nachgewiesen werden kann.

Doch rechtlich ist die neue Regelung

noch anfechtbar.Laut Staatsanwaltschaft

haben vier Beschuldigte

sowie eine Firma Beschwerde gegen

die Beschlagnahme beim Landgericht

eingelegt. Eine Beschwerde sei

verworfen worden. Gegen das Einziehen

von Mieteinnahmen seien

bislang zwei Beschwerden von Beschuldigten

sowie eine von einer

Firmaeingereicht worden.

SPD-Experte TomSchreiber sieht

auf den Prozess mit Skepsis: Die Betroffenen

werden sich seiner Meinung

nach durchklagen, Rechtssicherheit

werde erst ein Bundesgericht

schaffen können. Anstatt sich

auf der neuen Chance zur Beschlagnahmung

auszuruhen, plädiert

Schreiber dafür, dass Politik und Ermittler

im Kampf gegen die organisierte

Kriminalität einen „ganzheitlichen

Ansatz“ verfolgen und vor allem

die legalen Geschäftsfelder der

Clans stärker durchleuchten sollten.

Zunehmend erhärte sich zum Beispiel

der Verdacht, dass Clans ihr

Vermögen sichern, indem sie Immobilien

bei Zwangsversteigerungen

erwerben. Notare seien hier nicht

nötig, Strohmänner leicht eingesetzt,

der Staat schaue kaum hin.

„Ich vermute hier ein bundesweites

Geschäftsmodell.“ Deswegen sei es

notwendig, sich Zwangsversteigerungen

nicht nur in Berlin, sondern

verstärkt auch in Brandenburganzusehen,

und darüber nachzudenken,

die Regeln zu verschärfen.

Identitäten feststellen

Auch CDU-Mann Falko Liecke sieht

weiterhin dringenden Handlungsbedarf:

Er fordert, die Gemeinsame Ermittlungsgruppe

Ident (GE Ident)

wieder einzuführen. DieGEIdent war

im Jahr 2000 gegründet worden und

hatte ausschließlich den Auftrag, die

wahre Identität von türkischen oder

libanesischen Straftätern zu enttarnen,

die vorgaben, Flüchtlinge mit

ungeklärter Staatsangehörigkeit zu

sein. Ziel war es,soihreAbschiebung

zu ermöglichen. 2008 wurde die GE

Ident aufgelöst –auch weil sich die

Herkunftsstaaten trotz vorliegender

Beweise oft weigerten, die Betroffenen

zurückzunehmen. „Wir brauchen

die GE Ident“, so Liecke. „Nur

wenn wir die tatsächlichen Identitäten

ermitteln, können wir rechtssicher

abschieben und außenpolitisch

Druck aufbauen.“(mit dpa)

Miri-Familie

Der Bremer Fall

VonAnnika Leister

Für die Ermittlungsbehörden in

Bremen muss es eine große Genugtuung

sein: Seit 13 Jahren ist

Clanchef Ibrahim Miri vollziehbar

ausreisepflichtig, in der Nacht zu

Mittwoch gelang seine Abschiebung.

Mitten in der Nacht drang die Polizei

laut Medienberichten in MirisWohnung

ein, weckte ihn und verfrachtete

den 46-Jährigen erst in einen

Hubschrauber nach Berlin. Von

Schönefeld ging es für Miri dann im

Flugzeug weiter. Ziel: Beirut, Hauptstadt

des Libanon, wo ihn laut Bild-

Zeitung die libanesischen Behörden

in Empfang nahmen.

„Die betreffende Person war ausreisepflichtig

und wurde abgeschoben“,

sagte Rose Gerdts-Schiffler,

Sprecherin der zuständigen Bremer

Innenbehörde, der Berliner Zeitung.

Aus „übergeordneten Sicherheitsinteressen,

die die Mitarbeiter der beteiligten

Behörden betreffen“, werde

man zum derzeitigen Zeitpunkt allerdings

keine weiteren Informationen

bekannt geben oder kommentieren.

Die Bremer Polizei ermittelte seit

Jahren gegen Miri. Ersoll einer der

Köpfe des weit verzweigten Miri-

Clans von Arabisch sprechenden

Mhallamiye-Kurden sein. Allein in

Bremen sollen zum Clan 30 Großfamilien

mit mehr als 3000 Mitgliedern

gehören. 1800 Angehörige des

Bremer Clans sollen laut der „Informationssammelstelle

Ethnische

Clans“ bereits straffällig geworden

sein –also mehr als die Hälfte. Darunter:eine„dreistellige“

Zahl vonIntensivtätern.

Hauptgeschäftsfelder

sollen sein: Erpressung, Menschen-,

Waffen- und Drogenhandel. Neben

Bremen und dem angrenzenden

Niedersachsen sind vor allem Berlin

und Städte wie Essen in Nordrhein-

Westfalen Zentren für die Clans.

2010 gründete der Miri-Clan in

Bremen ein eigenes Chapter des eigentlich

aus den USA stammenden

Rockerclubs„Mongols MC“. Ibrahim

Miri soll Boss der Rocker gewesen

sein. Über Führerscheine oder Motorräder

verfügte allerdings kaum

ein Mitglied, die Behörden zogen

bald den Schluss: Das Motorradfahren

sei lediglich Tarnung, der wahre

Grund für den Zusammenschluss sei

die Begehung von Straftaten. 2011

verbot der Bremer Innensenator den

Club. Weg waren die Mitglieder damit

allerdings nicht: Immer wieder

kam es zu Schlägereien und Schießereien

zwischen den Mongols und

den Hells Angels.

2014 stand Miri mit drei weiteren

Chapter-Mitgliedern vor Gericht.

Anklagen wollte die Staatsanwaltschaft

sie wegen 28 Taten, allerdings

war nach Berichten der taz die Beweislage

in 27 Fällen „nicht ausreichend“.

Für die Ermittler enttäuschendes

Ergebnis: Miri erhielt zwar

eine Haftstrafe –allerdings nur für

sechs Jahre. Ab Ende 2017, berichtet

die Kreiszeitung, habe er erste Freigänge

machen dürfen.

Schon im Januar 2018 steht Ibrahim

Miri erneut vor Gericht. Dieses

Mal wird ihm vorgeworfen, 2012 im

zwei Fällen den Auftrag zu räuberischer

Erpressung und Körperverletzung

erteilt zu haben. Vier seiner Gefolgsleute

sollen daraufhin von zwei

Ladenbesitzern 30000 bis 50 000

Euro geforderthaben, sie massiv bedroht

haben. Doch der Prozess

platzte, wie die Kreiszeitung berichtete

–unter anderem weil ein Angeklagter

untertauchte.

Führende Köpfe der organisierten

Kriminalität abzuschieben,

scheitert immer wieder daran, dass

ihre Herkunft nicht einwandfrei

nachweisbar und sich die mutmaßlichen

Heimatländer weigern, die Kriminellen

wieder aufzunehmen. Eine

Großzahl der Mhallamiye-Kurden

flüchteten Anfang der 80er-Jahreaus

dem Libanon über die Türkei nach

Deutschland. Viele vernichteten ihre

Pässe. Seither weigert sich der Libanon

in vielen Fällen, Mhallamiye-

Kurden aufzunehmen –mit der Begründung,

sie seien Türken. DieTürkei

wiederum weigert sich –mit der

Begründung, sie stammten aus dem

Libanon. Ist die Herkunft nicht geklärt,

gelten sie als staatenlos und

dürfen nicht abgeschoben werden.

Wie das Bundesinnenministerium

der Berliner Zeitung auf Nachfrage

mitteilte, wurden von Januar

bis Mai2019 auf dem Luftweg 24 Personen

aus Deutschland in den Libanon

abgeschoben. 2018 waren es 105

und 2017 70 Personen. (mit pde.)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute gibt es viele Wolken und stellenweise Regenschauer, und es werden

Höchstwerte von 21 bis 24Grad gemessen. Der Wind weht schwach

aus Nord. Inder Nacht liefern zahlreiche Wolken hier und da Regengüsse.

Dabei fallen die Tiefstwerte auf 15 bis 13Grad.

Biowetter: Witterungsbedingt gibt

es oft Kopfweh, Schwindelgefühle

und Migräne. Diese Beschwerden

stehen mit einem niedrigen Blutdruck

und Kreislaufproblemen in Zu-

16°/24°

Wittenberge

sammenhang.

Pollenflug: Der Flug von Brennnessel-

und Spitzwegerichpollen ist

mäßig. Des Weiteren sind örtlich

Linden-, Sauerampfer-, Gänsefußund

Gräserpollen in der Luft.

Gefühlte Temperatur: maximal 24Grad.

Wind: leichter Wind aus Nord.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

16°/24° 16°/24°

Luckenwalde

15°/24°

Prenzlau

14°/21°

Cottbus

15°/22°

Sonnabend

Sonntag

Montag

Regenschauer Regenschauer stark bewölkt

15°/25° 14°/23° 13°/21°

Frankfurt

(Oder)

15°/21°

Über dem Westen des Kontinents herrscht hoher Luftdruck, über der Mitte und

dem Osten tiefer Luftdruck. Zwischen Südengland und der Iberischen Halbinsel

scheint häufig die Sonne, wobei es in Spanien und Portugal sehr heiß wird. Von

Zentraleuropa über Polen bis nach Westrussland liefern zahlreiche Wolken Gewitterschauer.

Sylt

14°/21°

Hannover

13°/23°

Köln

14°/25°

Saarbrücken

14°/26°

Konstanz

15°/24°

Hamburg

15°/19°

Erfurt

12°/25°

Frankfurt/Main

14°/27°

Stuttgart

16°/24°

Rügen

14°/21°

Rostock

15°/19°

Magdeburg

16°/24°

Nürnberg

11°/25°

München

13°/24°

Dresden

16°/22°

Deutschland: Heute gibt es viele

Wolken, etwas Sonne sowie gewittrige

Schauer, und die Temperaturen

klettern amTage auf 19 bis 27Grad.

Nachts sinken die Wertedann auf

17 bis 12Grad. Der Wind weht nur

schwach aus nördlichen Richtungen.

Morgen liefern Quellwolken teilweise

Regenschauer. Eswerden 21 bis

24 Grad erzielt, und der Wind weht

schwach bis mäßig aus Nordwest.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 16°-18°

Nordsee: 17°-18°

Mittelmeer: 23°-32°

Ost-Atlantik: 17°-21°

Mondphasen: 16.07. 25.07. 01.08. 07.08.

Sonnenaufgang: 04:57 Uhr Sonnenuntergang: 21:26 Uhr Mondaufgang: 17:11 Uhr Monduntergang: 01:53 Uhr

Lissabon

26°

Las Palmas

27°

Madrid

39°

Reykjavik

15°

Dublin

19°

London

24°

Paris

25°

Bordeaux

28°

Palma

34°

Algier

39°

Nizza

28°

Trondheim

16°

Oslo

26°

Stockholm

19°

Kopenhagen

21°

Berlin

24°

Mailand

29°

Tunis

33°

Rom

29°

Warschau

23°

Wien

22° Budapest

20°

Palermo

31°

Kiruna

17°

Oulu

16°

Dubrovnik

27°

Athen

29°

St. Petersburg

17°

Wilna

20°

Kiew

23°

Odessa

24°

Varna

25°

Istanbul

27°

Iraklio

27°

Archangelsk


Moskau

16°

Ankara

23°

Antalya

33°

Acapulco 35° heiter

Bali 32° heiter

Bangkok 33° wolkig

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 17° heiter

Casablanca 25° wolkig

Chicago 29° sonnig

Dakar 27° wolkig

Dubai 38° heiter

Hongkong 33° bewölkt

Jerusalem 35° sonnig

Johannesburg 22° sonnig

Kairo 40° sonnig

Kapstadt 18° heiter

Los Angeles 27° sonnig

Manila 34° Gewitter

Miami 34° bewölkt

Nairobi 28° wolkig

Neu Delhi 39° wolkig

New York 33° Schauer

Peking 36° heiter

Perth 20° sonnig

Phuket 33° wolkig

Rio de Janeiro 27° sonnig

San Francisco 23° heiter

Santo Domingo 31° heiter

Seychellen 27° Gewitter

Singapur 33° Gewitter

Sydney 19° heiter

Tokio 24° Regen

Toronto 27° heiter


Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 3

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Seite 3

Ein Dorf macht Theater

In diesem Sommer,ein Jahr vor den nächsten Passionsspielen, ist in Oberammergau „Die Pest“ zu sehen. Erzählt wird in dem Stück die Geschichte der Entstehung der Passionsspiele.

ARNO DECLAIR

Wer nächstes Jahr das Leben

und Sterben Jesu im bayerischen

Oberammergau erleben

will, muss sich bald entscheiden.

DiePassionsspiele laufen vonMai

bis Oktober 2020, aber zu drei Vierteln sind

die Karten schon weg, die teuersten zu 180

Euro. Ausländer, vor allem Amerikaner, buchen

beizeiten, werden sich am Ende wieder

über die Hälfte des Kontingents gesicherthaben.

Dabei stehen fast 500 000 Karten zum

Verkauf, eine halbe Million! So viele Besucher

erreicht die Berliner Staatsoper mit ihrem

hoch bezahlten Spitzenensemble in

zwei Jahren nicht. Oberammergau dagegen

stemmt die Passion mit Laien.

Alles Laien? Gewiss, die Hauptdarsteller

arbeiten sonst als Ingenieur, Student, Flugbegleiterin,

Bankkauffrau, Psychologe und

Geologe.Jegenauer man in die Einzelheiten

des Phänomens einsteigt, desto irrlichternder

erscheint der Erfolg, der sich hier alle

zehn Jahreeinstellt. Es wirken 2400 Darsteller

mit, obwohl nach den strengen Passions-

Regeln ausschließlich Oberammergauer auf

die Bühne dürfen und das Dorf nur 5000

Einwohner hat. Bei dieser Ausgangslage

braucht es keine hauptstädtische Kultur-Arroganz,

um so einen Kraftakt seltsam zu finden

und zumindest die Professionalität des

Schauspiels infrage zu stellen, oder? Wieviel

lausiges Spiel musste man schon von Profis

erdulden! Nur, weil ein DorfimJahr 1633 gelobte,

Gott regelmäßig mit der Kreuzigungsgeschichte

zu ehren, wenn er keine weiteren

Pest-Toten zulässt, kommen doch hier nicht

plötzlich lauter Schauspieler zur Welt.

Sorgfalt bis in die kleinste Kinderrolle

Zumsiebten Mal–auch schon eine Tradition

–führt Oberammergau im Jahr vor der Passion

die Pestspiele auf. Die erzählen, wie die

Seuche einst das Dorf dahinraffte, warum es

am Ende zum Gelübde kam. Oberammergau

für Einsteiger,könnte man sagen: DieVorstellung

dauert zweieinhalb statt fünf Stunden,

läuft nur an wenigen Sommer-Wochenenden,

präsentiertaber in den Hauptrollen dieselben

Schauspieler wie später die Passion.

Man kann sich also ein Bild machen von

dem, was kommt, und staunt schon zur Premiere

der kleineren Version: Das ist großes,

episches, funkelndes Volkstheater! Nichts

Amateurhaftes,kein Chargieren, kein peinlicher

Moment, stattdessen eine spannende,

lebendige, derbe Geschichte mit witzigen

Momenten, dazu Sorgfalt bis in die kleinste

Kinderrolle. Ein altes katholisches Dorf –

stimmig ausgestattet bei loderndem Pestfeuer

–mit Armen und Reichen, Guten, Verkommenen

und Verstoßenen schlägt bei der

Kirchweih über die Stränge, als es von der

Pest überfallen wird. DerTagelöhner Kaspar

Schisler schleppt sie aus der Nachbarschaft

ein, weil er heimkehrt zur Familie. Die Geschichte

soll sich so tatsächlich zugetragen

Das bayerische Oberammergau erwartet nächstes Jahr eine halbe Million

Besucher zu den berühmten Passionsspielen. Und in diesem Sommer

laufen die Pestspiele. Auf der Bühne stehen Oberammergauer –alles Laien.

Jeder Dorfmensch hier hat ein Spielrecht. Wassoll man davon halten?

haben, 84 Pest-Tote sind notiert, Kinder

nicht mitgezählt.

Sicher glaubten die Oberammergauer

einst an göttliche Gelübde,die heutige Inszenierung

aber enthält keine Hinweise auf ein

höheres Wesen, das die Menschen aus ihrem

Elend befreit. Da müssen sie schon selber ran.

Kaspar Schisler sagt es so: „Nicht Gott hat uns

verlassen, wir haben ihn verlassen.“ Innehalten,

wieder anständig leben –das ist der Tenor

des Stückes.Eserreicht die Zuschauer in stiller

Wucht. Das Publikum raschelt und

schwätzt nie,sondernfolgt dem Spiel in hoher

Konzentration. Die 150 Darsteller auf der 70

Meter breiten Bühne legen erst unter dem

rauschenden Applaus beim Verbeugen ihren

Rollen-Habitus ab, lächeln scheu und schief

in die Runde –wie Laien. Der Chor und das

Orchester aus dem Bühnenhintergrund kommen

dazu, die Bühne ist voll. Wie muss das

erst zu den Passionsspielen aussehen!

„Voll“, sagt der Regisseur Christian Stückl.

„Ich musste noch Volksszenen einbauen,

weil so viele mitmachen wollen. Der Oberammergauer

nimmt immer öfter sein Spielrecht

wahr.“ Ha,erhat sogar ein Recht auf die

Bühne, mit und ohne Begabung. Stückl: „Na

gut, so eineVolksszene,die kriegst schon hin!

Ansonsten tragen 40 Leute das Stück.“

In Oberammergau stimmt jedes Klischee.

Dasfängt an mit dem Dorf, beschaulich zwischen

Bergen und Bächen gelegen, dessen

Kern sich in den letzten paar HundertJahren

nur zaghaft veränderthat und dessen Läden

vollstehen mit Schnitzarbeiten hiesiger

Handwerker. Nur, dass indessen jede Verkäuferin

Englisch spricht.

Christian Stückl, 56, eilt mit wehenden

grauen Locken vom Festspielhaus zum

Theater-Café herüber, kommt daher wie

eine bayerische Urgewalt: groß, stämmig,

von herzlicher Geradheit. In offenem Hemd

und gemütlichen Jeans raucht er Kette,

spricht dabei laut wie auf einer Bühne.

Doch wenn eine alte Frau kommt und

fragt, wie sie trotz vergessener Karten abends

ins Theater kommt, hält er inne und erklärt

ihr,wer das für sie erledigt.Wenn er voneiner

fiesen Anmache in der Kneipe erzählt, weil

seine Elterneinen afghanischen Jungen aufgenommen

haben und Stückl sich um ihn

kümmert, dann donnert erauf den Tisch,

VonBirgit Walter,Oberammergau

dass die Gläser wackeln. Wenn er auf der

Tourismusbörse in Berlin vorinternationaler

Presse die Passion preist, treibt er den Simultandolmetschern

in ihren Kabinen den

Schweiß auf die Stirn, so eilig und urig fällt

sein Bayerisch aus. Nach der Pest-Vorstellung

und dem Lesen alter Veröffentlichungen

gibt es keinen Zweifel: Denmaßlosen Erfolg

der Spiele in den vergangenen 30 Jahren,

die verdankt Oberammergau diesem Mann.

In den Achtzigern war den jungen Dörflernhier

die Spiellust ausgegangen. Pest- wie

Passionsspiele steckten fest in starren Ritualen,

waren handfesten antisemitischen Vorwürfen

ausgesetzt. Goebbels hatte die Spiele

für „reichswichtig“ erklärt. Den alten Geist

waren sie dann nie ganz losgeworden. Eine

Verjüngung wurde zwingend.

Der Mann hinter dem Erfolg: Christian

Stückl inszeniertPestspiele

und Passionsspiele. HERBERT SCHULZE

Stückl übernahm die Spielleitung mit nur

26 Jahren, schrieb alles um, ließ 1990 Protestanten

mitspielen und verheiratete Frauen.

Pfarrer und Bürgermeister wollten den Rebellen

sofortwieder loswerden: „Eine gotteslästerliche

Jugend bemächtigt sich unserer

Bühne.“

ZurDimension: Stückls katholischem Vater

wurde 1950 noch eine Hauptrolle verwehrt,

weil seine Frau evangelisch war.Doch

dann wurde Stückl der erste Spielleiter durch

Bürgerentscheid. Da ahnten seine Gegner

noch nicht, dass er das Spiel in die Abendstunden

verlegen würde: „Es gibt heute elektrisches

Licht!“ Schließlich öffnete er es für

Muslime, auch in Hauptrollen. Stückl: „Sie

sind hier geboren, haben Spielrecht, gehören

dazu!“ Selbstredend tobte der Widerstand.

Undnoch ist kein Wort über das neue Jesus-Bild

gefallen. Stückl bringt ihn als jungen

Juden auf die Bühne,der etwas bewegen will,

sich mit Priestern anlegt, für Arme und

Schwache am Rand der Gesellschaft einsetzt

– nahbar und menschlich. In die Passion

2020 wirdStückl einfließen lassen, „dass unsere

Gesellschaft noch mal rauer geworden

ist. Dass Leute denken, sie könnten alles sagen,

bei Shitstorms mitmischen, weil sie Redefreiheit

haben. Als würde dazu nicht auch

Anstand gehören! Mirging es nie um die Leidensgeschichte,sondernumdie

Angelegenheiten

der Menschen untereinander.“

Die Passion 2020 ist noch nicht geschrieben,

aber die Hauptdarsteller –doppelt besetzt

–stehen fest. Der Gemeinderat musste

zustimmen, aber was wird der schon von

Schauspiel verstehen, Christian Stückl, Gastwirtsohn,

längst Intendant des Volkstheaters

München, schlägt vor und fertig. Die Bekanntgabe

gerät zwei Jahre vor der Premiere

zu einer eigenen Show,die Namen werden auf

eine Tafel geschrieben, das Dorf folgt gespannt

und die Erwählten kriegen sich kaum

ein vorGlück. Ab dem Haar-und Barterlass zu

Aschermittwoch desVorjahres ist dann für die

Männer der Friseur tabu –alles soll wachsen.

Frederik Mayet, 38, darf 2020 zum zweiten

Mal Jesus geben. Man versteht, warum:

Er sieht aus wie geschnitzt, wie die Figuren

am Kreuz. Dazu hat er einen eindringlichen

Blick und soll, so das Urteil der Kollegen, zuletzt

eine große Performance abgeliefert haben.

Mayet, Vater zweier kleiner Söhne,

künstlerischer Leiter am Volkstheater München

unter Stückl, versucht, den Ruhm abzuwehren.

Aber es gibt einen Film und zahllose

Texte, die die gewaltige Anstrengung der

Rolle thematisieren, auch seine zeitweilige

Überforderung.

Nicht nur sieben Monate Proben, fünf

Monate Vorstellungen, auch die körperliche

Pein beim langen Ausharren halb nackt am

Kreuz –warum tut er sich das an? Nimmt Urlaub,gibt

die ganzeFreizeit dafür her? Mayet:

„Weil essoeine unglaubliche Ehre ist. Man

verinnerlicht die Rolle, besessen von dem

Willen, sein Bestes zu geben. Ichtrinke in der

Zeit nicht mal ein Bier.5000 Zuschauer in jeder

Vorstellung, da geht keiner unmotiviert

auf die Bühne.“

EinProfi-Schauspieler würde er dennoch

nicht sein wollen, als Theatermann kennt er

die Härte des Jobs,„die Ellenbogen, die man

für die nächste Rolle braucht“.

Nun, man verliert angesichts dieser Laien

sogar etwas Respekt vor Profi-Leistungen.

Warum eigentlich sind so viele Oberammergauer

theatertauglich? Mayet: „Na, wir stehen

schon als Kinder auf der Bühne, mein Fünfjähriger

ist jetzt auch dabei. Er saugt alles auf,

fragt nach, macht mit. Im Dorf setzt die Förderung

zeitig ein, weil wir das brauchen –den

Chor,das Jugendorchester,das Laienspiel, alles.Jeder

will dabei sein. Unddieser Regisseur

kann eben Massen motivieren.“

Ah, gute Körperspannung!

Christian Stückl spielt das herunter.„Es gibt

so viele Begabungen, das Talent muss man

nur locken. Ich laufe ja ganzjährig mit Castingblick

durchs Dorf, merke schon beim

Krippenspiel: Ah, gute Körperspannung! Ich

war Lehrer an der Falckenbergschule,arbeite

mit Laien nicht anders als mit Profis.“ AufVideos

kann man sehen, mit welchem Feuer er

jede Rolle vorspielt. „Aber das sind Anregungen,

nicht gedacht zum Nachahmen!“ Gut,

am Ende erkennt man schon die Handschrift

vondem,der den Christen und das Stück im

Namen trägt, dazu die Passion im Wesen.

Christian Stückl leitet nicht nur das Münchner

Volkstheater und bespielt das Festspielhaus

in Sommern zwischen den Passionen.

Er steht auch für große Oper und Theater an

deutschen Staatsbühnen, inszenierte in Zürich,

in Wien, bei den Salzburger Festspielen.

Aber nirgends ist er so wichtig wie in seinem

Dorf. 50 Millionen Euro nahm es zuletzt

ein mit der Passion, 34 Millionen gab es dafür

aus. Jeder Laie erhält eine Gage. Der Überschuss

füllt vorübergehend die chronisch

leeren Kassen in Oberammergau. Weiß der

Gemeinderat, was für ein Erwählter ihm mit

Stückl gesandt wurde? Das kann man bezweifeln,

denn einem neuen Buchhalter

zahlt er dasselbe wie dem Maestro für seine

Herkulesaufgabe.Doch Stückl will sich nicht

beklagen, er verdiene sein Geld in München.

Die Strahlkraft von Oberammergau kann

indes niemandem egal sein. Man merkt das

in der Hauptstadt nichtso, aberdas Bild des

Deutschen als Kulturnation, das prägt in der

Fremde nicht die coole Berliner Clubszene,

dafür sorgen seit Jahrhunderten die berühmtesten

Passionsspiele der Welt. Wie wird der

Regisseur eigentlich mit dieser globalen Verantwortung

fertig? Er stutzt kurz. „Soll ich

darüber auch noch nachdenken? Oh nein,

davon muss ich mich freihalten.“ Auch das

würde Gott gefallen.

Birgit Walter

will sich die Passionsspiele im

nächsten Jahr unbedingt ansehen.


4* Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Deutschland muss Verwandte

von IS-Kämpfernzurückholen

DasBerlinerVerwaltungsgericht hat

entschieden, dass die Bundesregierung

verpflichtet ist, Angehörige von

IS-Kämpfernnach Deutschland zurückzuholen.

Mitdem Beschluss vom

Mittwoch werdedas Außenministerium

aufgefordert, die Identität dreier

minderjähriger Kinder in einem syrischen

Flüchtlingslager feststellen zu

lassen und danach die Kinder und

ihreMutter nach Deutschland bringen

zu lassen, sagte eine Gerichtssprecherin

am Donnerstag. In der Eilentscheidung

heißt es,die aus Niedersachsen

stammende Mutter und

die Kinder könnten sich auf die im

Grundgesetz verankerte staatliche

Schutzpflicht berufen. DieZustände

in dem Lager seien eine Bedrohung

für das Leben der Kinder.Daher

müsse der deutsche Staat tätig werden.

(dpa)

Zwei Münchner Moscheen

wegen Drohung geräumt

Wegen Drohungen hat die Münchner

Polizei zwei Moscheen räumen lassen.

Gegen Mittag seien am Donnerstag

an den Gebetshäuserninden

Stadtteilen Pasing und Freimann

„zeitgleich E-Mails mit gleichlautendemWortlaut“

eingegangen, teilte die

Polizei mit. Darinsei eine Gefahrenlage

angekündigt worden. An beiden

Moscheen sei aber nichts gefunden

worden, sagte eine Sprecherin nach

Abschluss des Einsatzes. (dpa)

Klimawandel gefährdet

archäologisches Erbe

Im tauenden Boden sind organische Überreste

der Zersetzung ausgesetzt. AFP

DerKlimawandel gefährdet einer

Studie zufolge auch das archäologische

Erbe in Grönland. Steigende

Temperaturen und veränderte Niederschläge

beschleunigen der in der

Fachzeitschrift Natureveröffentlichten

Untersuchung zufolge die Zersetzung

organischen Materials wie

Holz, Knochen und DNA, die zuvor

durch die Kälte im Boden geschützt

waren. (AFP)

Putin und Selenskyj reden

über Ukraine-Konflikt

Erstmals haben der ukrainische Präsident

Wolodymyr Selenskyj und

Kremlchef Wladimir Putin ein gemeinsames

Gespräch über den blutigen

Konflikt in der Ostukraine geführt.

Beidem Telefonat sei es auch

um die Lage im Donbass gegangen,

teilte der Kreml am Donnerstagabend

in Moskau mit. Auch über die

Gefangenen auf beiden Seiten des

Konflikts hätten Putin und Selenskyj

gesprochen, hieß es. (dpa)

Rackete: Salvini nutzt soziale

Medien für Hass-Botschaft

Diedeutsche Sea-Watch-Kapitänin

Carola Rackete hat den italienischen

Innenminister Matteo Salvini beschuldigt,

auf Twitter und Facebook

eine„Botschaft des Hasses“ zu verbreiten

und dafür sein Amt zu nutzen.

In einer Klage fordertdie 31-Jährige

die Staatsanwaltschaft in Romauf,

entsprechende Schritte gegen Salvini

einzuleiten. Rackete beschuldigt Salvini

derVerleumdung und Anstiftung

zumVerbrechen. (dpa)

Sicher im Sitzen

AFP/TOBIAS SCHWARZ

Diesmal ist sie auf Nummer sicher gegangen: Angela Merkel hat am Donnerstag

Dänemarks neue Regierungschefin Mette Frederiksen vor dem

Kanzleramt mit militärischen Ehren empfangen –während der Nationalhymnen

saßen beide Frauen. Aufdie Änderung des üblichen Protokolls

hatte das Kanzleramt bestanden. Anschließend äußerte sich Merkel erneut

zu ihrem Gesundheitszustand. „Ich weiß um die Verantwortung

meines Amtes und deshalb handele ich auch dementsprechend –auch

was meine Gesundheit anbelangt. Sie dürfen davon ausgehen, dass ich

auch als Mensch ein großes persönliches Interesse daran habe,dass ich

gesund bin und auf meine Gesundheit achte“, erklärte die Kanzlerin.

Keine Werbung für Nikotin-Produkte

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner über Umweltschutz, Tierwohl und Tabakwerbung

Julia Klöckner kommt zum Interview

ins RND-Hauptstadtbüro

inBerlin-Mitte. Die Bundeslandwirtschaftsministerin

hat dicke Mappen dabei, in denen

sich die Details von zahlreichen agrarpolitischen

Vorhaben finden: Tierwohllabel,

Lebensmittelkennzeichnung,

Düngeverordnung. Klöckner

freut sich über die Obstplatte auf

dem Besprechungstisch. Sie pickt

sich die Kiwischeiben heraus.

Frau Ministerin, die Landwirtschaft

in Deutschland trägt maßgeblich zur

Emission klimaschädlicher Gase bei.

Fehlt Deutschlands Landwirten das

Bewusstsein für Klimaschutz?

Im Gegenteil: Kaum eine Branche

leidet so existenziell unter dem Klimawandel

wie die Landwirtschaft.

Unsere Bauern spüren die extremen

Auswirkungen bei der Ernte. Zutrockene

oder zu nasse Jahrgänge bedeuten

teils erhebliche Einbußen für

die Betriebe. Richtig ist, dass Landwirtschaft

Opfer, Beteiligter, aber

eben auch Lösungsbringer beim Klimawandel

ist. Sie hat allerhand

Möglichkeiten zur Bindung von CO 2

und zum Schutz unseres Klimas.

Wie wollen Sie die Emissionen senken?

Land- und Forstwirtschaft haben

wirksame Klimaschutzschlüssel: Die

Böden und Wälder können erheblich

CO 2 binden. Ich setze daher auf Aufforstung,

den Schutz vonMoorböden

und den Rückgang des Torfabbaus.

Auch die neue Düngeverordnung

dient dem Klimaschutz genauso wie

der Humusaufbau im Ackerland, den

wir aktiv fördern. Unter anderem hier

setzen wir in unserem Ministerium

auch mit meiner nationalen Ackerbaustrategie

an, die ich noch dieses

Jahr vorstellen werde.

Warum schreiben Sie dem Umweltschutz

zuliebe nicht weniger Tierepro

Stall vor?

Unsere Tierbestände entwickeln

sich bereits jetzt rückläufig. Bei den

Schweinen gab es in den Jahren 2017

und 2018 einen Rückgang um mehr

als vier Prozent. Die Zahl der Rinder

ist im gleichen Zeitraum etwa um

drei Prozent gesunken. Die Ausnahme

ist Geflügel, was etwas mit

dem geänderten Verbraucherverhalten

zu tun hat. Die Debatte müssen

wir aber ehrlich führen: Wenn wir

mit einem Schlag die Tierbestände in

den Ställen drastisch reduzieren,

würde mehr Fleisch aus dem Ausland

importiert werden –die Nachfrage

derVerbraucher bleibt ja. Dann

hätten wir allerdings Fleisch von Erzeugern

auf dem Teller, auf deren

Produktions- und Umweltstandards

wir keinen Einfluss haben.

ZUR PERSON

Für mehr Transparenz bei den Haltungsbedingungen

planen Sie ein

freiwilliges Tierwohllabel. Aber selbst

Niedersachsen, wo besonders viele

Mastbetriebe sitzen, will über den

Bundesrat ein verpflichtendes Tierwohllabel

durchsetzen. Gibt Ihnen

das nicht zu denken?

DieVerbraucher wollen beim Einkauf

erkennen, wo mehr Tierwohl

drinsteckt, schnell auf einen Blick. So

ist das auch beim Biosiegel. Dasheißt,

es wirddas nach verbindlichen Kriterien

gekennzeichnet, was über dem

gesetzlichen Mindeststandard liegt.

Die EUhat jüngst mehrfach bekräftigt,

dass das rechtlich die einzig sichereMöglichkeit

ist, wenn wir nicht

wie bei der Maut scheitern wollen.

Wer ein national verpflichtendes

Kennzeichen fordert, was sich zwar

gut anhört, aber das zur EU-widrigen

sogenannten Ausländerdiskriminierung

führt, der schiebt das Tierwohl

bewusst auf die lange Bank.

Julia Klöckner (46) ist seit März 2018 Bundeslandwirtschaftsministerin. Die Pfälzerin ist

überdies seit sieben Jahren stellvertretende CDU-Chefin.

2002 bis 2011 war Klöckner Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin

im Bundeslandwirtschaftsministerium. Nach dem missglückten Versuch, Ministerpräsidentin

vonRheinland-Pfalz zu werden, kehrte sie vorgut einem Jahr in die Bundespolitik zurück.

Als konfliktfreudigeAgrarministerin liegt sie meist mit Umwelt- und Tierschutzverbänden

über Kreuz, zunehmend aber auch mit Agrarlobbyisten.

DemVerbraucherschutz soll eine neue

Lebensmittelkennzeichnung dienen.

Sie führen dazu Verbraucherstudien

durch. Trauen Sie den Bürgern nicht

zu, dass die schon wissen, wo zu viel

Zucker,Fett und Salz drin ist?

Gerade in vielen Fertigprodukten

steckt zu viel Zucker, Salz und Fett.

Das hat gesundheitliche, aber auch

volkswirtschaftliche Folgen. Mit

meiner Innovations- und Reduktionsstrategie

sorgen wir gemeinsam

für eine wirksame Reduzierung dieser

Inhaltsstoffe. Gleichzeitig ist die

Nährwerttabelle auf der Rückseite

von Lebensmittelverpackungen vielen

zu kompliziert. Ich will daher

IMAGO-IMAGES

eine leicht verständliche Kennzeichnung

auf der Vorderseite von Produkten,

die klar ist und beim Einkauf

Orientierung bietet. In einer repräsentativen

Umfrage beteilige ich nun

die Verbraucher. Ihre Entscheidung

wirdmaßgeblich für mich sein.

Ihr Haus ist auch für ein Verbot von

Tabakwerbung zuständig. Bisher

bremste die Union, doch nun hat sich

auch die Kanzlerin dafür ausgesprochen.

Kommt das Tabakwerbeverbot?

DieTabakrahmenkonvention der

Weltgesundheitsorganisation bestärkt

uns darin, die Werbung weiter

zu beschränken.

Werbeverbot auch für E-Zigaretten?

Wenn sie Nikotin enthalten, ja. Der

Anteil mag teilweise geringer sein, gesundheitsschädlich

ist er nach wie vor.

Argumentiert wird, dass E-Zigaretten

Raucher zum Ausstieg bewegen würden.

Ich sage: Sie können aber auch

zum Einstieg motivieren. Ob Filteroder

E-Zigarette: Alle derartigen Produkte,

indenen Nikotin enthalten ist,

sollten meiner persönlichen Meinung

nach nicht mehr beworben werden

dürfen. Weder auf Plakatwänden noch

im Kino. Aber die Entscheidung liegt

jetzt im Parlament, die Koalitionsabgeordneten

sind dabei, sich über eine gemeinsame

Gesetzesinitiative zu verständigen.

Schweden verbieten das Rauchen vor

Bushaltestellen. Sollte auch hierzulande

das Rauchen in der Öffentlichkeit

eingeschränkt werden?

Dort, wo Menschen im öffentlichen

Raum zwangsläufig zu Passivrauchern

werden, ist es legitim und

sinnvoll über Einschränkungen

nachzudenken. Dasmag schwer abzugrenzen

und zu kontrollieren sein.

Aber als das Rauchverbot in Gaststätten

eingeführt wurde, waren

ebenfalls viele skeptisch, was Umsetzung

und Einhaltung betrifft.

Heute wissen wir:Esgeht. Undmehr

noch: Es hat zu einem positiven Einstellungswandel

geführt.

Das Gespräch führten Marina Kormbaki

und Gordon Repinski.

Homöopathie

nicht mehr

auf Rezept?

Frankreich streicht Globuli

aus den Kassenleistungen

VonChristian Burmeister

Wer in Frankreich homöopathische

Mittel kauft, muss diese

künftig selbst bezahlen. Die Zuzahlungen

der Krankenkassen werden

schrittweise abgesenkt, bis sie 2021

komplett abgeschafft sind. Begründung:

Die Wirksamkeit der Homöopathie

sei nicht bewiesen.

Auch in Deutschland gibt es einen

großen Marktfür Homöopathie.

Der Umsatz liegt im höheren dreistelligen

Millionenbereich –Tendenz

steigend. Viele Krankenkassen übernehmen

seit 2005 zumindest anteilig

Kosten für Präparate und Beratung.

Für sie sind solche Erstattungen gute

Werbe-Argumente, weshalb sich

viele Kassen bislang gegen Beschränkungen

wehren.

Schon deshalb hat die französische

Entscheidung die politische

Debatte um Globuli als Kassenleistung

neu entfacht.„Es gibt keine ausreichenden

wissenschaftlichen Belege

für die Wirksamkeit homöopathischer

Verfahren“, sagte Andreas

Gassen, Chef der Kassenärztlichen

Bundesvereinigung in der Rheinischen

Post. „Wer diese Mittel haben

möchte, soll sie auch bekommen,

aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft.“

Auch im Bundestag gibt es unter

den Fachpolitikerneine Mehrheit für

das Frankreich-Modell, wie eine

Umfrage der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland/RND)

ergab.

Grüne sind uneins

„Es ist schwer vermittelbar,dass Kosten

für Homöopathie teilweise übernommen

werden, während an andererStelle

gespartwerden muss.Deswegen

kann ich mir durchaus ein

Ende der Erstattungsfähigkeit vorstellen“,

sagte etwa der Vorsitzende

des Gesundheitsausschusses, Erwin

Rüddel (CDU). Koalitionskollegin

Sabine Dittmar von der SPD stimmt

dem zu: „Ich kann die Entscheidung

in Frankreich absolut nachvollziehen.“

Ihr sei aber wichtig, dass Naturheilkunde

und Homöopathie

nicht in einen Topf geworfen werden.

Christine Aschenberg-Dugnus

(FDP): „Jeder, der Homöopathie befürwortet,

soll sie auch weiter erwerben

können. Aber auf Selbstzahlerbasis.“

Linken-Politiker Harald

Weinbergwollte sich nicht festlegen.

Es gäbe wichtigere Probleme im Gesundheitswesen,

außerdem seien

die Kosten für Homöopathie bei den

Krankenkassen extrem niedrig, teilte

er mit.

Wenn’shilft: Die Wirksamkeit von Homöopathie

ist umstritten.

DPA

Die Grünen reagierten zunächst

nicht auf die Anfrage.Innerhalb der

Partei und Fraktion ist das Thema

Finanzierung von Homöopathie

traditionell umstritten. Zuletzt hatten

etwa die Bundestagsabgeordnete

Ulle Schauws und die bayrische

Grünen-Politikerin Birgit Raab

der tageszeitung nach einem Homöopathie-kritischen

Artikel auf

Twitter eine „Kampagne gegen homöopathische

Mittel“ vorgeworfen

und Einflussnahme der Pharmaindustrie

unterstellt. Die bayerische

Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina

Schulze widersprach: „Homöopathie

ist im Trend, aber wissenschaftlich

ist keine Wirkung belegt.

Da bin ich Fander Faktenlage.“


Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 5 *

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Politik

Neue

Eskalation im

Persischen Golf

Briten werfen Iran vor,

Tanker blockiert zu haben

Ein neuer Vorfall mit einem Öltanker

hat die Spannungen in der

Golfregion weiter angeheizt: Großbritannien

warf dem Iran am Donnerstag

vor, versucht zu haben, einen britischen

Öltanker an der Fahrt durch

die Straße von Hormus zu hindern.

Die iranischen Revolutionsgarden

bestritten jede Verwicklung, drohten

aber London und Washington mit

Konsequenzen für den Stopp eines

iranischen Öltankers vorGibraltar.

Ein britischer Regierungssprecher

sagte,dreiiranische Schiffe hätten

am Mittwoch in der Meerenge

von Hormus versucht, den Supertanker

„British Heritage“ an der Weiterfahrt

zu hindern. Die britische

Fregatte „HMS Montrose“ habe eingreifen

müssen und die Boote zum

Abdrehen gebracht. „Wir sind über

diese Aktion besorgt und drängen

die iranischen Behörden erneut, die

Situation in der Region zu deeskalieren“,

sagte der Sprecher.

Der US-Nachrichtensender CNN

hatte zuvor berichtet, die Revolutionsgarden

hätten versucht, den Tanker

zu kapern. DieGarden wiesen die

Anschuldigungen jedoch zurück.„Es

gab in den vergangenen 24 Stunden

keine Konfrontation mit ausländischen

Schiffen“, teilten die Garden

mit. Sollten sie den Befehl erhalten,

ausländische Schiffe zu kapern, würden

sie dies„sofort, entschieden und

schnell“ tun. Außenminister Mohammed

Dschawad Sarifnannte die

Vorwürfe „wertlos“, wonach die Revolutionsgarden

den Tanker zu stoppen

versucht hätten, „um Spannungen

zu schaffen“.

Die britische Fregatte „HMS Montrose“

(r.) und der Tanker „British Heritage“ AP

Der Vizekommandeur der Garden,

Ali Fadawi, drohte London und

Washington aber mit Konsequenzen

wegen der Festsetzung eines iranischen

Öltankers vorGibraltar.Großbritannien

und die USA würden

diese „Dummheit“ noch „bereuen“,

so Fadawi. Großbritannien hatte vor

einer Woche den iranischen Öltanker

„Grace 1“ vorder Küste des britischen

Überseegebiets Gibraltar gestoppt.

London verdächtigt das

Schiff, imVerstoß gegen das geltende

EU-Embargo Öl nach Syrien bringen

zu wollen. Laut den Behörden von

Gibraltar wurde der Tanker in britischen

Gewässern gestoppt. Nach

iranischen Angaben befand er sich

dagegen in internationalen Gewässern.

Der Iran bezeichnete den

Stopp des Tankers als Akt der„Piraterie“

und warnte, dies werde „nicht

ohne Folgen“ bleiben. Am Donnerstag

eskalierte die Causa „Grace 1“

weiter.Der Kapitän und der Erste Offizier

des Tankers seien festgenommen

worden, teilte die Polizei von

Gibraltar mit.

Der Iran bestreitet, dass der Tanker

nach Syrien wollte. Ersieht sich

ohnehin nicht an die EU-Sanktionen

gegen Syrien gebunden, da er nicht

Mitglied der EU sei und EU-Sanktionen

nicht gegen Dritte angewandt

würden.

Seit dem Austritt der USA aus

dem internationalen Atomabkommen

mit dem Iran im Mai 2018 haben

sich die Spannungen in der Golfregion

massiv verschärft. Seit Anfang

Mai gab es wiederholt Angriffe auf

Öltanker, für die die USA den Iran

verantwortlich machten. (AFP)

Linke und Künstler im Nordkreuz-Visier

Die rechtsextreme Terrorgruppe soll Kundendaten von einem Online-Händler gehackt haben

VonJörg Köpkeund Sascha Maier

Die rechtsextreme Terrorgruppe

Nordkreuz hat

neben Namen und

Adressen von linken Aktivisten,

Punks und Politikern auch

die von bekannten Künstlern zusammengetragen.

Dasgeht aus einer

24 522 Personen umfassenden Liste

hervor, die Ermittler der Bundesanwaltschaft

und des Bundeskriminalamtes

(BKA) bei Nordkreuz sichergestellt

haben. DieExcel-Datei liegt der

Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland/RND) sowie der

Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter

Nachrichten vor.

Die Daten gehen auf einen Angriff

rechter Hacker auf einen Duisburger

Online-Versandhandel vom

Januar 2015 zurück. Die Hacker erbeuteten

damals rund 40 000 Kundendaten.

Laut Polizei stammt die

rechte Hacker-Truppe aus Brandenburg.

EinBekennerschreiben wurde

mit „Nationaler Widerstand“ unterzeichnet.

Der Duisburger Online-Versand

vertreibt Mode, Schminkutensilien,

Haarfarbe und Tonträger für Sympathisanten

der linken Szene („Unterwegs

in Sachen Punkrock seit 1990“).

Die ins Netz gestellte Namens- und

Adressenliste stellten Ermittler der

Bundesanwaltschaft im April 2018

bei einer Durchsuchung von Nordkreuz-Angehörigen

in Mecklenburg-

Vorpommern auf elektronischen

Datenträgernsicher.

BKA: Abstrakte Gefahrenlage

Eine Antwort der Landesregierung

Brandenburg auf eine Anfrage der

Linken vom September 2018 bestätigt,

dass es sich bei der Nordkreuz-

Liste um den Hack des Online-Versands

aus Duisburghandelt. Damals

ging das BKA von einer „abstrakten

Gefahrenlage“ für die aufgezählten

Personen aus. Darum seien diese

auch nicht informiertworden.

Auf der Liste der Brandenburger

Hacker sind nach bisherigen Erkenntnissen

der Sicherheitsbehörden

nicht die Namen derjenigen 29

Personen verzeichnet, die das BKA

und betroffene Landeskriminalämter

seit Anfang Juni über eine mögliche

Gefährdung durch Nordkreuz

informieren. Diese 29 Namen befinden

sich auf rund 500 Seiten in Aktenordern,

die im August 2017 bei einem

Rostocker Anwalt und Nordkreuz-Mitglied

beschlagnahmt wurden.

Die Polizei will nach

RND-Informationen bislang nur

diese Personen kontaktieren, weil

hinter ihren Namen handschriftliche

Notizen mit zusätzlichen Angaben

über neue Meldedaten, Namensänderungen

oder Geburtsnamen stehen.

Polizisten bei deiner Durchsuchung im mecklenburgischen Banzkow 2017 DPA/JENS BÜTTNER

24 522

Namen, auch die vonlinken

Aktivisten und Politikern, stehenauf

der gefundenenListe.

RECHTSEXTREMES NETZWERK

30

Mitgliederhat Nordkreuz,

unter ihnen viele ehemalige

Polizisten und Soldaten.

200

Leichensäckesoll Nordkreuz

bestellt haben, für Anschläge

auf „linkePersönlichkeiten“.

Nach RND-Informationen gelten

derweil weit mehr Personen als potenzielle

Opfer rechtsextremer Anschläge.

Die Zahl 29 wird inSicherheitskreisen

als „viel zu gering“ bewertet.

Nordkreuz setzt sich aus gut 30

Mitgliedern zusammen, überwiegend

aus Angehörigen oder ehemaligen

Angehörigen von Spezialeinheiten

der Polizei und Bundeswehr.Die

meisten vonihnen verfügen

als Jäger und Sportschützen

legal über Waffen und Munition.

Nach RND-Informationen plante

Nordkreuz, bundesweit Anschläge

auf „linke Persönlichkeiten“ zu verüben

und soll dafür rund 200 Leichensäcke

und Ätzkalk bestellt haben.

Die Liste des Online-Versands

sollte dazu genutzt werden, Angaben

zu möglichen Zielpersonen zu

präzisieren, wie ein Ermittler bestätigte.

Bürgerkrieg geplant?

Nach Angaben des Tagesspiegels

hatte auch die rechtsextreme Terrorgruppe

„Revolution Chemnitz“ Zugriff

auf die Liste des Online-Versands.

An der rechten Chatgruppe

seien mehr als 340 Neonazis beteiligt

gewesen. Laut Bundesanwaltschaft

wird acht Mitgliedern vorgeworfen,

am 3. Oktober 2018 in Berlin einen

Anschlag auf Feierlichkeiten zum

Tagder Deutschen Einheit geplant

zu haben, um einen Bürgerkrieg auszulösen.

DurchFestnahmen der acht

mutmaßlichen Mitglieder habe eine

rechte Anschlagserie verhindertwerden

können.

Das Bundesinnenministerium

verweigert mit Verweis auf die Bundesanwaltschaft

bislang Angaben zu

möglichen „Todeslisten“. „Daessich

um laufende Ermittlungen handelt,

müssen weitere Auskünfte unterbleiben“,

heißt es in einer Antwort

von Innenstaatssekretär Helmut

Teichmann auf eine Anfrage von

FDP-Innenexperte Benjamin Strasser,die

dem RND vorliegt.

Der FDP-Politiker übt scharfe

Kritik am Vorgehen der Bundesregierung.

DieMeldung über bestellte

Leichensäcke und Ätzkalk im Zusammenhang

mit Spezialeinheiten

der Polizei und der Bundeswehr sei

brisant. Trotz mehrerer Anfragen

werde der Bundestag seit Monaten

nicht umfassend über die Erkenntnisse

der Behörden informiert. „Die

Bundesregierung versteckt sich bei

nahezu jeder Frage hinter den Ermittlungen

des Generalbundesanwalts.

Das kann nicht sein. Wir haben

einen Anspruch, Informationen

über strukturelle Zusammenhänge

im Bereich des politischen

Extremismus zu erhalten“, sagte

Strasser.

Identitäre Bewegung ist rechtsextremistisch

Die Höherstufung erlaubt es dem Bundesamt für Verfassungsschutz, die Organisation schärfer zu beobachten

VonMarkus Decker

Das Bundesamt für Verfassungsschutz

erhöht nach dem Mord

an dem Kasseler Regierungspräsidenten

Walter Lübcke (CDU) den

Druck auf die rechtsextremistische

Szene und stuft die IdentitäreBewegung

Deutschland (IBD) hoch. Dies

gab das Amt am Donnerstag bekannt.

Die IBD gilt jetzt nicht mehr

wie seit 2016 als Verdachtsfall, sondern

als gesichert rechtsextremistische

Bestrebung. Das ist nach dem

Prüf- und dem Verdachtsfall die

dritte vonvier Kategorien –inzunehmender

Nähe zum Verbot –und erlaubt

verschärfte Beobachtung.

In der Mitteilung heißt es,die IBD

ziele letztlich darauf ab, Menschen

mit außereuropäischer Herkunft von

der demokratischen Teilhabe auszuschließen,

weil aus Sicht der Bewegung

Menschen ohne gleiche ethnische

Voraussetzungen niemals Teil

einer gemeinsamen Kultur sein

könnten. Dies verstößt nach Einschätzung

des Amtes unter anderem

gegen Artikel 116 Grundgesetz, in

dem es heißt, „Deutscher im Sinne

dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich

anderweitiger gesetzlicher Regelung,

wer die deutsche Staatsangehörigkeit

besitzt“.

International gut vernetzt

Die 2012 nach französischem Vorbild

gegründete IBD hat zwar nur

rund 600 Mitglieder.Sie begreift sich

allerdings als intellektuelle Speerspitze,

besteht vielfach aus Mitgliedern

mit akademischem Hintergrund

und hat in den vergangenen

Jahren unter anderem durch flüchtlingsfeindliche

Aktionen auf sich

aufmerksam gemacht.

Außerdem gilt die IBD als international

gut vernetzt und unterhält

unter anderem Kontakte zum Chef

der Identitären in Österreich, Martin

Sellner, der wiederum Kontakte unterhielt

zum rechtsextremistischen

Attentäter von Christchurch, der

dortMitte MärzinzweiMoscheen 50

Menschen tötete. Der Australier

spendete den österreichischen Identitären

im Januar letzten Jahres 1500

Euro. Auch die IBD lebt unter anderemvon

Spenden sowie vomVerkauf

vonPropagandamaterial.

Der Präsident des Bundesamtes

für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang,

sagte anlässlich der Hochstufung:

„Der Bundesverfassungsschutz

steht fremdenfeindlicher und

demokratiefeindlicher Ideologie

nicht tatenlos gegenüber. Als Frühwarnsystem

dürfen wir unser Augenmerk

nicht nur auf gewaltorientierte

Extremisten legen, sondern

müssen auch diejenigen im Blick haben,

die verbal zündeln.“ Er fügte

hinzu: „Diese geistigen Brandstifter

stellen die Gleichheit der Menschen

oder gar die Menschenwürde an sich

infrage, reden von Überfremdung,

erhöhen ihre eigene Identität, um

andere abzuwerten und schüren gezielt

Feindbilder.“ Angesichts dessen

dürfe es keine Toleranz geben.

Seit der Amtsübernahme Haldenwangs

hat das Bundesamt fürVerfassungsschutz

den Druck auf die

rechtsextremistische Szene spürbar

erhöht. So ließ er die AfD zum Prüffall

erklären und den radikalen „Flügel“

der Partei sowie deren Jugendorganisation

„Junge Alternative“ (JA)

zum Verdachtsfall; zwischen der IBD

und der JA gibt es Schnittmengen.

Auch war der Rechtsextremismus

zuletzt Hauptthema des jährlichen

Verfassungsschutz-Symposiums.

Dort wurde vor wachsender Anschlussfähigkeit

an die Mitte der Gesellschaft

gewarnt.

Mehrheit für

von der Leyen

ist unsicher

Vergebliches Werben für

Chefposten in der EU

VonDamir Fras, Brüssel

Wieder konnte die Kandidatin

nicht punkten. Die europäischen

Linken wollten Ursula von der

Leyen nicht zur neuen EU-Kommissionspräsidentin

wählen, sagte Linken-Fraktionschef

Martin Schirdewan

nach einer Anhörung der Bewerberin

am Donnerstag in Brüssel. Zuvor

hatten bereits die Grünen der

deutschen CDU-Politikerin eine Absage

erteilt. Auch Teile der europäischen

Sozialdemokraten lehnen von

der Leyen ab. Damit scheint klar:

Wenn überhaupt, dann wird die Verteidigungsministerin

bei der Wahl im

Europaparlament in Straßburg nur

auf eine knappe Mehrheit kommen.

Inzwischen steht aber wenigstens

derWahltermin fest. Nach 18 Uhram

kommenden Dienstag werden die

Stimmen ausgezählt.VorderWahl ist

eine mehrstündige Debatte über die

Kandidatin angesetzt. Danach gibt

es eine Pause vonmehr als fünf Stunden.

Von der Leyen braucht 374

Stimmen, um zur ersten Frau in dem

Amt und zugleich zur ersten deutschen

Kommissionspräsidentin seit

mehr als einem halben Jahrhundert

gewählt zu werden. Sie kann bislang

nur auf die 182 Abgeordneten aus ihrer

eigenen Parteienfamilie, der Europäischen

Volkspartei

(EVP), vertrauen.

Die Grünen (74

AP

Stimmen) sind

ebenso gegen sie

wie die Linken

(41 Stimmen).

Die Liberalen

(108 Abgeordnete)

haben sich

noch nicht festgelegt.

Das gilt auch für die Sozialdemokraten

(153 Mandate), wobei die 16

Abgeordneten der SPD am Donnerstag

wieder betonten, auf keinen Fall

für vonder Leyen stimmen zu wollen.

Brisantes Papier

Ursula

von der Leyen

Um auch ihre europäischen Kollegen

zu überzeugen, streute die deutsche

SPD in der Fraktion der Europa-

Sozialdemokraten ein Papier,indem

die Kandidatin als von Affären geplagte

Ministerin dargestellt wird.

DieÜberschrift über demText lautet:

„Warum Ursula von der Leyen eine

unzulängliche und ungeeignete

Kandidatin ist.“ Neben der Kostenexplosion

bei der Sanierung des Marine-Schulschiffs

„Gorch Fock“ wird

unter anderem auch die Affäre um

den Einsatz externer Berater bei der

Modernisierung der Bundeswehr in

dem Papier erwähnt.

Der deutsche SPD-Politiker Jens

Geier spielte die Bedeutung des Papiers

herunter. Eshandle sich nicht

um eine Schmutzkampagne, sondern

um„eine interne Information

für die Mitglieder der Fraktion“, so

Geier. Unklar blieb, obdas brisante

Dokument Eindruck vor allem bei

den Sozialdemokraten aus Südeuropa

gemacht hat, die bislang eher

zur Wahl vonder Leyens tendieren.

In der EVP wird damit gerechnet,

dass von der Leyen eine knappe

Mehrheit erhalten dürfte. Indiesen

Schätzungen sind die Stimmen der

nationalkonservativen Abgeordneten

der polnischen Regierungspartei

PiS als auch der Orbán-Partei Fidesz

eingerechnet, sowie ungefähr die

Hälfte der Sozialdemokraten und

eine Mehrheit der Liberalen. Unklar

ist auch noch, wie sich die 73 Rechtspopulisten

und Rechtsextremen im

Europaparlament positionieren.

Darüber hinaus sitzen 54 Abgeordnete

im Parlament, die keiner Parteienfamilie

angehören.

Sollte von der Leyen die absolute

Mehrheit verpassen, dann müsste

der Rat der Staats- und Regierungschefs

binnen 30 Tagen einen neuen

Kandidaten für die Leitung der Brüsseler

Behörde vorschlagen.


6 Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Made in Berlin

BERLINER BEKANNTE

Erst der

Knirps, dann

der Scanner

VonJochen Knoblach

AmEnde war es ganz einfach: Der

starre Stock musste nur durch

eine Teleskopstange ersetzt werden.

DieSpannstreben bekamen Gelenke,

die per Hebelwirkung Stabilität erlangten.

Bis heute ist das das Grundprinzip

eines Schirms, der vor fast

90 Jahren in Berlin erfunden wurde,

und unter der Bezeichnung Knirps

Welterfolg feierte.

Der Berliner Hans Haupt, Bergassessor

im Ruhestand, war der Mann

mit der Idee,und wie so viele vorihm

wurde auch er durch persönliches

Leid getrieben. Haupt, wegen einer

Kriegsverletzung gehandicapt und

daher auf einen Gehstock angewiesen,

ärgerte sich bei regnerischem

Wetter darüber,mit seinem Gehstock

und zudem mit einem seinerzeit üblichen

Stockschirm aus dem Haus gehen

zu müssen. Also konstruierte

Haupt ein zusammenschiebbares

Schirmmodell –einen Teleskop-Taschenschirm,

den er am 26. April1930

beim Reichspatentamt in Berlin unter

dem Namen „Knirps“ zum Patent

anmeldete.

Produktion in Solingen

Der Start war allerdings zäh und

mühsam. Nicht nur,dass viereinhalb

Jahre vergingen, bis im November

1934 das Patent erteilt wurde.InBerlin

interessierte sich niemand für

Haupts Erfindung. In der Schirmbranche

wurde sie fast ausschließlich

als „nicht marktfähig“ abgelehnt.

Fritz Bremshey indes, Unternehmer

aus Solingen, erkannte das große Potenzial

im kleinen Knirps. Erbrachte

1932 den ersten konfektionierten Damen-Knirps

auf den Markt und startete

die Serienproduktion. Noch im

selben Jahr gründen Haupt und

Bremshey das Knirps-Konsortium,

um den Taschenschirm zuvermarkten.

Sie belieferten Schirmhersteller

mit zusammenschiebbaren Gestellen,

die dortmit jeweils eigenen Stoffen

bezogen wurden. 12,50 Reichsmark

kostete Mitte der 1930er-Jahre

ein Damen-Knirps. Ein Modell für

Herren kam 1938 auf den Markt.

Das Unternehmen florierte, bis es

1982 unter dem Preisdruck aus Fernost

pleiteging. Gut20Jahrespäter gingen

die Markenrechte dann an eine

österreichisch-schweizerische Firma,

die den Knirps bis heute weiterentwickelt

und weltweit in Lizenz produzieren

lässt.

Mitder Erfahrung, dass eine Berliner

Erfindung in der Heimat keine

Beachtung fand, war Haupt nicht allein.

Das wohl bekannteste Beispiel

ist der Computer, den Konrad Zuse

1941 in seiner Werkstatt in der Kreuzberger

Methfesselstraße entwickelte

und der später vorallem IBM zuWeltruhm

verhalf. Im Berliner AEG-Versuchslabor

wurde das erste Tonbandgerät

zur Serienreife gebracht. Aber

auch die Wurzeln von Faxgerät und

Scanner liegen in Berlin. DerTechniker

Rudolf Hell, der in den 30er-Jahren

eine eigene Firma in Dahlem

führte, hatte auf beides die Patente.

Selbst der Hybridantrieb wurde 1989

von Audi und Bosch auf der Berliner

Automobil-Ausstellung AAA erstmals

gezeigt. Dabei blieb es allerdings.

Hans Haupt hat den Knirps 1930 in Berlin

zum Patent angemeldet.

KNIRPS

Vier Millionen. Bis Berlin

diese Einwohnerzahl erreicht

hat, wird noch einige

Zeit vergehen. Das

Wirtschaftsforschungsunternehmen

Prognos jedenfalls datiertdiesen

Tagauf das Jahr 2045. Demnach

wirddie Stadt also etwas langsamer

wachsen, was gut ist, weil es weniger

Schmerzen bedeutet. Theoretisch.

Praktisch hat Berlin die Vier-

Millionen-Marke längst passiert.

Denn neben den Berlinern sind

täglich im Schnitt auch mehr als

500 000 Gäste in der Stadt. Damit

leben schon heute etwa 4,2 Millionen

Menschen in Berlin. Und es

werden immer mehr.

Berlin ist Magnet. Werhier nicht

leben will oder kann, will die Stadt

wenigstens mal erlebt haben. Im

vergangenen Jahr zählte das Statistische

Landesamt 13,5 Millionen

Berlin-Besucher. Zehn Jahre zuvor

waren es noch fünfeinhalb Millionen

weniger. Die Stadt ist voll und

vielerorts wächst die Verärgerung

über die Enge,den Lärm, den Müll.

Aber Tourismus ist ein gutes Geschäft

und das Klackern der Rollkoffer

auf Berliner Bürgersteigpflaster

Musik in den Ohren hiesiger

Hoteliers und Einzelhändler.

Laut Analyse der Investitionsbank

Berlin (IBB) gibt jeder Berlin-

Herkunftsländer der Berlin-Touristen

2018, Top10 Übernachtungen in Berlin

Großbritannien

USA

Inland

8,1

Spanien

Italien

Niederlande

Frankreich

Schweiz

Dänemark

Polen

Österreich

Berlin-Touristen

2018, in Millionen

451 887

336 941

325 128

292 329

262 249

242 402

224 300

180 884

158 677

Ausland

5,4

616 623

Koffer voller Geld

Der Tourismus in Berlin ist ein wucherndes

Milliardengeschäft. Nun soll er nachhaltiger und

stadtverträglicher werden. Eine schwierige Mission

Besucher pro Tag 67 Euro für Freizeit

und Kultur,Verpflegung, Transport,

Einkäufe und gegebenenfalls

Übernachtung aus. Dabei reicht

die Spanne der Ausgaben von

33,80 Euro beim gemeinen Tagesreisenden

bis zum Messegast, der

täglich 240 Euro in der Stadt lässt.

Dazwischen rangiert der Hoteltourist

mit einem Tagessatz von206,80

Euro. Auf das Jahr hochgerechnet

ergibt sich für Berliner Unternehmen

ein touristischer Umsatz von

12,3 Milliarden Euro.Allein der Berliner

Einzelhandel hat gut ein Viertel

seines Jahresumsatzes den Touristen

zu verdanken –fast fünf Milliarden

Euro. ImDussmann’schen

Kulturkaufhaus taxiert man den

Anteil sogar auf 40 Prozent. Kaffeebecher

mit Motiven vonBerliner U-

Bahnhöfen sind dortBestseller.

Wenngleich in Berlin die Akzeptanz

des Tourismus noch immer

hoch ist, und 93 Prozent der Berlinerinnen

und Berliner Umfragen

zufolge gern indieser Stadt leben,

geraten Einheimische und Besucher

immer öfter auf Kollisionskurs.Etwa

jeder siebte Berliner gibt

zu, vomTourismus genervt zu sein.

Vorallem in der City wird eseng.

Die sogenannte Tourismus-Intensität,

die sämtliche Übernachtungen

je Einwohner zählt, kratzt in

Ausgaben eines Berlin-Touristen

für Freizeit und Kultur,Verpflegung,

Transport, Einkäufe und Übernachtung,

2018

durchschnittlich pro Tag

206,8 Euro

100,8 Euro

gab ein Berlin-

Besucher 2018

im Schnitt für

ein Zimmer aus.

in Millionen

40

35

30

25

20

15

10

5

VonJochen Knoblach und Sabine Hecher (Grafik)

0

2000

12,3

Milliarden Euro

wurden 2018 insgesamt

in Berlin

durch den Tourismus

umgesetzt.

Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorfund

Friedrichshain-Kreuzberg

an der Schmerzgrenze oder hat sie

bereits überschritten. Bis zu 35

Übernachtungen je Einwohner

gibt es dort. Dagegen muss sogar

Venedig mit 30 Übernachtungen je

Venezianer als Kurort gelten. Und

es geht noch weiter: „Auch wenn

sich das touristische Wachstum

künftig etwas abschwächt, dürfte

die Zahl der Übernachtungen in

den kommenden fünf Jahren die

40-Millionen-Grenze erreichen“,

heißt es bei der IBB.

Längst scheint das Geschäft mit

der Attraktivität Berlins aus dem

Ruder gelaufen zu sein. Um die

Geister wieder einzufangen, hat

sich der Senat vor einem Jahr auf

das „Tourismuskonzept 2018+“

verständigt. Es soll den Wirtschaftszweig

nachhaltiger und

stadtverträglicher machen. Beispielsweise

mit weniger Hostels

und mehr Viel-Sterne-Logis, weniger

Herbergen in der City, mehr in

Marzahn, Köpenick und Reinickendorf.

Doch das ist schwierig.

Zwar will man bei der landeseigenen

Marketing-Agentur Visit

Berlin bereits einen leisen, aber

nicht belegten Trend zu weniger

Hostels in der Stadt ausgemacht

haben. Auch in der zuständigen Se-

Prognose

'10 '18 '23

Übernachtungsorte der Berlin-Touristen

im gewerblichen Beherbergungsgewerbe, 2018, in Millionen

Hotel 7,3

insgesamt

13,5 Millionen

Gäste

Hotel Garni

(Übernachtung und

Frühstück)

4,3

Jugendherberge 1,4

Pensionen 0,22

Gasthöfe 0,02

Sonstige 0,26

Übernachtungen in Berlin

nach Bezirken, 2018, in Millionen

in KlammernVeränderung zu 2013 in Prozent

Mitte

Charlottenb.-Wilmersd.

Friedrichsh.-Kreuzb.

Tempelhof-Schöneb.

Pankow

Lichtenberg

Neukölln

Treptow-Köpenick

Spandau

Reinickendorf

Steglitz-Zehlendorf

Marzahn-Hellersdorf

natswirtschaftsverwaltung wird

zufrieden registriert, dass „Hostels

zunehmend vomNetz gehen“. Insgesamt

aber ist man passiv. Eine

Steuerung der Verteilung von Beherbergungsbetrieben

sei derzeit

nicht möglich, ist in derVerwaltung

zu erfahren. Allerdings werde ein

„aktives Ansiedlungsmanagement“

geprüft.

In der Beherbergungsbranche

sieht man das freilich skeptisch

und befürchtet einen Eingriff in

den freien Markt. Thomas Lengfelder,

Regionalchef des Hotel- und

Gaststättenverbandes (Dehoga),

verlangt eine genaue Analyse der

Tourismusströme „bevor der Bau

von Hotels und Hostels durch einen

Hotelentwicklungsplan eingeschränkt,

möglicherweise verboten

wird“. Außerdem wäre es„zielführender,die

zahlreichen Ferienwohnungen

in der Stadt zu kontrollieren“.

Einen Hotelentwicklungsplan

hält der Chef-Lobbyist der Beherbergungsbranche

jedenfalls „derzeit

für unnötig“.

Derweil wird fleißig gebaut.

Laut Dehoga sind in Berlin aktuell

mindestens 49 Hotelneubauten

mit einer Gesamtkapazität von

9000 Betten geplant, davon übrigens

31 Hotels mit 5500 Betten in

den drei genannten Citybezirken.

6,6 (+0,8)

4,2 (+0,7)

2,0 (+0,4)

1,5 (+0,2)

1,2 (+0,3)

0,9 (+0,2)

0,7 (+0,1)

0,6 (+0,1)

0,5 (–0,1)

0,5 (+ – 0)

0,3 (+ – 0)

13,9 (+3,2)

QUELLE: AMT FÜR STATISTIKBERLIN/BRANDENBURG, INVESTITIONSBANK BERLIN

NEU IN DER STADT

Der neu

definierte

Luxus

VonTheresa Dräbing

Wenn sich jemand absichtlich

etwas leistet, für das er lange

warten muss, bis er es in den Händen

halten kann und dafür auch

noch mehr Geld ausgibt als gewöhnlich,

muss es sich um etwas Besonderes

handeln. Genau das ist das

Konzept vonUrban Change Lab.Das

Berliner Unternehmen vermittelt

Handwerkskunstarbeiten an Handwerker

in Afrika, die Produkte maßgeschneidert

für Kunden vorwiegend

aus Deutschland fertigen. Das

kann schon mal länger dauern, dafür

sind es alles Einzelstücke.Individualität,

Entschleunigung und Nachhaltigkeit

als neuer Luxussozusagen.

Egal ob eine Holzskulptur, ein

Schlüsselboard aus Mahagoni oder

eine handgenähte Tagesdecke –

Kunden formulieren auf der Website

vonUrban Change Lab eine Idee von

einem Produkt, das sie fertigen lassen

wollen. Urban Change Lab vermittelt

den Auftrag dann an einen

von hundert Handwerkern aus Kenia,

Ruanda und Ghana, die auf der

Plattform registriert sind. Im weiteren

Prozess tauschen sich Kunde

und Handwerker direkt aus,jeder Arbeitsschritt

wird abgesprochen und

der Kunde kann am Entstehungsprozess

mitwirken. Sich Änderungen

wünschen oder die eigenen Vorstellungen

konkretisieren. „So entsteht

in einem kommunikativen Ping-

Pong aus der Idee des Kunden und

der Expertise des Handwerkers ein

Einzelstück“, sagt Gründer Jochen

Baumeister. Dank der Digitalisierung

seien auch Tausende Kilometer

Entfernung kein Hindernis. Der

Gründer selbst lebt und arbeitet in

Berlin, seine vier Mitarbeiter arbeiten

aber zum Teil auch vorOrt in Kenia,

Ruanda und Ghana.

Nicht als Entwicklungshilfe gedacht

Die Handwerker profitieren, weil sie

mehr Umsatz machen können. Um

Entwicklungshilfe handele es sich

dabei aber nicht, betont Baumeister.

„Unsere Handwerker sind in der Regel

nicht auf Hilfe angewiesen. Sie

sind allesamt Experten in ihrem Bereich,

die in Afrika bereits ihr eigenes

Business haben“, sagt Baumeister.

Der Kunde soll also nicht bestellen,

weil er helfen möchte, sondern weil

er ein hochwertiges, maßgefertigtes

Produkt haben will, das in einem fairenAustausch

entsteht.

Urban Change Lab hat sich deshalb

auch bewusst dafür entschieden

ein Unternehmen zu gründen

und das ganze nicht unter dem Siegel

eines Entwicklungshilfeprojekts

laufen zu lassen. „Wir können mit

den Handwerkern soineinen ganz

anderen Dialog treten und auf Augenhöhe

kommunizieren, das

macht einen Unterschied“, sagt er.

Wasdie Handwerker an der Arbeit

verdienen ist auf derWebsitetransparent

dargestellt und auch aus welchen

Komponenten sich der Preis der

Einzelstücke sonst zusammensetzt –

Materialkosten, Versand, die Marge

für Urban Change Lab. Die Zahlung

wirdüber Paypal abgewickelt. Gibt es

Probleme,schaltetsich das Team von

Urban Change Lab ein. Entspricht

das Produkt am Ende nicht den Vorstellungen

des Kunden, wird entweder

nachgebessert oder der Kunde

bekommt sein Geld zurück. „Das ist

aber in den seltensten Fällen vorgekommen“,

sagt Baumeister. Rund

hundert Projekte sind über Urban

Change Lab bereits realisiertworden.

URBAN CHANGE LAB


Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 7 *

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

MÄRKTE

Im Osten stehen öfter

Frauen an der Spitze

DieLohnlücke zwischen Ost- und

Westdeutschland hat sich leicht verringert.

Dasergibt sich nach Informationen

des RedaktionsNetzwerks

Deutschland (RND) aus dem IAB-

Betriebspanel, einer Befragung von

bundesweit 15 000 Betrieben. Demnach

betrug der durchschnittliche

Bruttolohn eines ostdeutschen Vollzeitbeschäftigten

im vorigen Jahr

2790 Euro und lag damit bei 84 Prozent

des entsprechenden Lohns im

Westen. 2017 waren es noch 81 Prozent

gewesen. Gleichzeitig ist der

Anteil vonFrauen in Führungspositionen

im Osten höher.Auf der ersten

Führungsebene sind es im Osten

31 Prozent gegenüber 25 Prozent im

Westen. (kor.)

Grüner Punkt geht

nicht an Remondis

Deutschlands größter Entsorgungskonzern,

Remondis,darfsich nicht

den Grünen Punkt einverleiben. Das

Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss

mit dem Kölner Unternehmen

DSD,das die Markenrechte

an dem Recyclingzeichen hält,

untersagt. DieFusionwürde „zu

einer erheblichen Behinderung des

Wettbewerbs bei den dualen Systemen“

führen, erklärte Kartellamtschef

Andreas Mundt. „Zubefürchten

wären höhereKosten für DSD-Wettbewerber,erhebliche

Marktanteilsgewinne

vonDSD und letztlich höherePreisebei

der Entsorgung von

Verpackungen.“Duale Systeme bekommen

vonder Industrie und vom

Handel Geld für das Verpackungsrecycling.

Sieorganisieren Abholung,

Sortierung und Verwertung. (dpa)

Opel-Abfindungen auch in

Kaiserslautern und Eisenach

In Eisenachist derletzteCorsa bereits

vom Band gerollt.

FOTO: SCHUTT/DPA

DerAutobauer Opel setzt sein jüngstes

Programm zum Personalabbau

auch an den Standorten Kaiserslauternund

Eisenach ein. DasUnternehmen

bestätigte am Donnerstag,

dass in den Werken 300 beziehungsweise

200 Beschäftigte auf freiwilliger

Basis gehen sollen. Sieerhalten

Abfindungen oder gehen in Vorruhestand

und Altersteilzeit. Bislang

hatte das Unternehmen nur von600

TeilnehmernimStammwerkRüsselsheim

gesprochen. Seit der Übernahme

durch den französischen

PSA-Konzern2017 hat Opel damit in

seinen deutschen Werken jeden

dritten der einstmals 19 300 Jobs abgebaut.

Knapp 6200 Beschäftigte

wählten die Abfindungen oder Ruhestandsregelungen.

(dpa)

Abnahmemenge

in Liter

HEIZÖLPREISE

Durchschnittspreis

je 100 Liter in Euro

(in Klammern Vorwoche)

1000 75,79 (73,03)

3000 71,33 (68,49)

5000 69,72 (66,83)

10 000 68,25 (65,31)

15 000 67,83 (64,78)

incl. MWSt., frei Haus an Abladestelle,

Quelle: www.dieter-maeder.de

Preisermittlung 11.7.2019

Misstrauensvotumgegen Trump:Inwirtschaftlichunsicheren Zeiten haben dieAnleger schon immergernzum Goldgegriffen.

Von Stefan Winter

Volkswagen und Ford bilden eine

umfassende Partnerschaft für

Elektroautos und autonomes Fahren.

Der VW-Aufsichtsrat beriet am

Donnerstag bis in den Abend über

die Allianz, die an diesem Freitag von

den Konzernchefs HerbertDiess und

James Hackett in New York präsentiert

werden soll. Damit wollen sich

der größte und der viertgrößte Autohersteller

der Welt bei den wichtigsten

Zukunftsthemen der Branche zusammentun.

Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks

Deutschland (RND)

will Ford künftig Elektroautos mit der

technischen Basis von VW bauen.

Die Wolfsburger bringen im Herbst

den VW ID.3 als erstes Modell auf

Goldrausch erreicht China

Die steigende Nachfrage nach dem Edelmetall treibt den Preisauf ein Sechsjahreshoch

Von Frank-Thomas Wenzel

KOMMEN 2000 DOLLAR JE FEINUNZE IN SICHT?

Preis zieht an: NochEnde

Maiwar die Feinunze Gold

(31,1 Gramm) für weniger

als 1300 Dollar zu haben. In

der zweiten Junihälfte waren

es hingegen bereits

1411 Dollar.AmFreitag nun

mussten Käufer schon

1420 Dollar für dieselbe

Mengedes Edelmetalls bezahlen.

Das Ende der Fahnenstangeist

Experten zufolge

noch nicht in Sicht.

Esist die älteste und für manche

auch die altmodischste

Kapitalanlage: Gold soll

schon in Ägypten um das

Jahr 2000 vor Christus eine ökonomisch

wichtige Rolle gespielt haben.

Das Edelmetall ist in diesen Tagen

wieder angesagt. Am Donnerstag

schraubte sich der Preis in neue Höhen.

Die Feinunze (31,1 Gramm)

wurde an den Rohstoffmärkten zeitweise

für mehr als 1420 Dollar (rund

1261 Euro) gehandelt. Sie lag damit

nahe am höchsten Wert seit gut sechs

Jahren. Experten erwarten weitere

Steigerungen.

Den Ausschlag für den aktuellen

Schub gab Jerome Powell, Chef der

US-Notenbank Federal Reserve.

Nach Powells Worten ist trotz günstiger

Arbeitslosenzahlen die Binnennachfrage

in den USA schwach. Das

macht er vor allem an der geringen

Inflation fest. Die Notenbank werde

nun die geeigneten Maßnahmen ergreifen.

Börsianer bewerteten das als

Ankündigung einer baldigen Senkung

der Leitzinsen in den USA. Zum

ersten Mal inzehn Jahren würde es

nach unten gehen. Beobachter erwarten

ein Minus um ein Viertelprozent

auf 2bis 2,25 Prozent.

Hintergrund für das Schwächeln

der Konjunktur in der größten Ökonomie

der Welt sind letztlich die von

Präsident Donald Trump angezettelten

Handelsstreitigkeiten. Besonders

ins Gewicht fällt der Konflikt mit China

–mit Strafzöllen für Einfuhren aus

der Volksrepublik, was Vergeltungszölle

der kommunistischen Regierung

für US-Waren nach sich gezogen

hat. Volkswirte erwarten, dass

dies das Wachstum der US-Wirtschaft

im zweiten Quartal gebremst

hat – in den ersten drei Monaten

wuchs die Ökonomie noch kräftig.

Powell will nun gegensteuern.

Geringere Zinsen bedeuten, dass

die US-Währung nachgibt. Weil Gold

in Dollar gehandelt wird, verbilligt

sich der Kauf des Metalls für Investorenaus

anderen Länderninderen lokaler

Währung. Aber warum überhaupt

nach dem gelblichen Metall

greifen, das keine Zinsen und keine

einer neuen Plattform, die eigens für

Elektroantrieb entwickelt wurde,heraus.Fordkann

sie künftig für eigene

Modelle nutzen.

Profitieren sollen beide Seiten:

VW braucht schnell hohe Stückzahlen,

um die Kosten zu senken und die

Milliardeninvestitionen in die neue

Technologie wieder einzuspielen. Es

wurden deshalb von Anfang an weitere

Abnehmer für die Elektroplattform

gesucht. Ford wiederum hat

nichts Vergleichbares im Programm,

braucht aber dringend Elektroautos,

um ab 2021 die neuen CO 2 -Grenzwerte

inEuropa einzuhalten –sonst

drohen jährlich Strafen in dreistelliger

Millionenhöhe.

Beim zweiten Großprojekt hat

Ford den technologischen Vorsprung:

Die Amerikaner kauften

Interesse steigt: Analyst

Stephen Innes vomInvestmenthaus

Vanguard Markets

sagte dem Finanzdienst

Bloomberg: Obwohl es einige

Rückschlägeauf dem

Wegnachoben geben könnte,

sei er davonüberzeugt,

dass es in den nächsten Wochen

und Monaten sogar

noch eine deutlich steigende

NachfragenachGold geben

werde.

Magische Marke: David

Roche vomAnalysehaus Independent

Strategysagte

dem US-Fernsehsender

CNBC, dass ein Preis von

2000 Dollar für die Feinunze

zum Jahresende denkbar

sei. Die 2000 Dollar gelten

in der Branche als eine Art

magische Marke, die immer

wieder beschworen wird,

aber noch nie erreicht wurde.

Dividenden bringen kann? Gold war

schon immer ein sicherer Hafen in

unsicheren Zeiten. Da es etwas sehr

Physisches ist, kann es nicht komplett

wertlos werden wie etwa Aktien,

Anleihen und andereWertpapiere.

Und die Zeiten werden unsicherer.

Vorallem durch den nur schwer

berechenbaren US-Präsidenten, der

zwar immer wieder von neuen Verhandlungen

mit den Chinesen

spricht, es an konkreten Ergebnissen

aber fehlen lässt. Der Anstieg des

Goldpreises lässt sich als Misstrauensvotum

gegen Trump lesen. Es gab

in den vergangenen Wochen unter

anderem vom Internationalen Währungsfonds

auch inständige War-

Autoriesen auf Kuschelkurs

Die Kooperation von Volkswagen und Fordsteht vor demAbschluss

schon 2016 Argo AI, einen Spezialisten

für künstliche Intelligenz und

autonomes Fahren. Ford hat seitdem

bereits eine Milliarde Dollar hineingesteckt,

nun will sich VW in großem

Stil dort beteiligen. Einzelheiten warenamDonnerstag

noch offen, aber

nach RND-Informationen will VW

auch den konzerneigenen Spezialisten

für autonomes Fahren, die Autonomous

Intelligent Driving GmbH

(AID) in München, in das neue Gemeinschaftsunternehmen

einbringen.

Es ist die umfangreichste Kooperation,

die VW je mit einem anderen

Hersteller eingegangen ist. Zuvor

wurde bereits der gemeinsame Bau

eines Pick-up-Modells beschlossen,

die gemeinsame Entwicklung und

Produktion weiterer leichter Nutz-

FOTO: IMAGO-IMAGES

nungenvoreinerEskalationderHan-

delskonflikte. Sie könnten eine globale

Wirtschaftskrise auslösen, inklusiveVerwerfungenanden

Finanzmärkten.

Als weitere Unsicherheit

kommt der nahende Brexit hinzu.

All das spielt in den Erwägungen

vonVerantwortlichen in ZentralbankeneineimmergrößereRolle.Siestocken

deshalb allenthalben ihreGoldreserven

zur Absicherung auf. Sie

wollen sich damit vor allem unabhängiger

von der globalen Leitwährung

machen, dem Dollar.Dem drohengegenüber

anderen Währungen

noch größere Verluste, wenn die Krise

tatsächlich kommt.

So hat laut Internetportal „Finanzen“

die chinesische Devisenbehörde

die Goldreservenallein im Juni um

10,3 Tonnen erhöht. Seit Jahresbeginn

seien 94 Tonnen gekauft worden.

Zugleich wurden Dollar-Bestände

deutlich verringert. Damit

setzt sich eine Tendenz fort, die bereits

im vergangenen Jahr zu erkennen

war: Laut World Gold Council

haben die Zentralbanken 74 Prozent

mehr Gold gekauft als 2017.

Besonders aktiv ist auch Russland.

Die dortige Zentralbank hat

2018 fast 90 Prozent des im eigenen

Land geförderten Golds in ihreTresore

gelegt. Das waren 274 Tonnen.

Weitere Großeinkäufer sind die Türkei

und Kasachstan. Aber auch Indien

und Polen waren sehr aktiv.Die

Käufe im großen Stil verknappen das

Angebot, denn die weltweiten Fördermengen

stagnieren seit Jahren.

fahrzeuge wirdnoch verhandelt. Gemeinsam

bringen es die beiden Konzerneauf

rund 16 Millionen verkaufte

Autos im Jahr und 360 Milliarden

Euro Umsatz. VW beschäftigt weltweit

650000 Menschen, bei Ford sind

es rund 200000.

Dennoch fühlen sich beide zu

klein, um die anstehenden Investitionen

in neue Technologien jeweils

im Alleingang zu stemmen. Allein

VW plant für die nächsten fünf Jahre

mit rund 80 Milliarden Euro. Vor allem

aber fehlt den traditionellen

AutobauerndasKnow-howinDigitalisierung

und Vernetzung, um gegen

die neue Konkurrenz zu bestehen:

Führend bei selbstfahrenden Autos

ist bisher Waymo,eineTochtergesellschaft

des Google-Konzerns Alphabet.

DAX-30 in Punkten

12.4.19

12.4.19

▼ 12332,12 (–0,33 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

12.4.19

Stand der Daten: 11.07.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

11.7.19

▲ 66,77 (+0,07 %)

11.7.19

▲ 1,1285 (+0,58 %)

Quelle

aus DAXund MDAX vom11.07.zum Vortag

Gerresheimer

Fresenius M. C. St. 70,64

11.7.19

74,00 +13,76 WWWWWWWWWWW

+4,28 WWWW

Fresenius 47,57 +3,16 WWW

Zalando 41,83 +1,70 WW

Commerzbank 6,51 +1,51 WW

Software 29,48 +1,06 WW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 11.07. zumVortag

Healthineers 35,90 WWWWW –6,02

Fielmann 65,70 WWWW –4,23

Telefonica Deutschl. 2,31 WWW –3,27

GEA Group 22,21 WWW –2,59

Continental 115,22 WWW –2,54

Wirecard 146,30 WWW –2,14

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 11.07. ±% z. 10.07.

Euro Stoxx 50(EU) –0,14

3549/2909 3496,73

CAC 40(FR) – 0,28

5630/4556 5551,95

S&P UK(UK) – 0,28

1569/1323 1518,24

RTS (RU) – 0,62

1414/1033 1398,88

IBEX (ES) +0,30

9924/8286 9280,30

Dow Jones (US) +0,80

27075/21713 27074,56

Bovespa (BR) – 0,57

106650/74275 105214,50

Nikkei (JP) +0,51

24448/18949 21643,53

Hang Seng (HK) +0,82

30280/24541 28424,96

Stx Singap. 20 (SG) +0,35

1643/1350 1631,57

Festgeld für 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Mon. 6Mon. 12 Mon.

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 0,81 0,91 1,01

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,56 0,57 0,75

Bank11

bank11.de 0,40 0,50 0,60

akf bank **

akf.de 0,20 0,45 0,65

abcbank

abcbank.de - 0,45 0,55

Deutsche Bank*

deutsche-bank.de - 0,05 0,20

Santander

santander.de - 0,01 0,20

Targobank

targobank.de 0,00 0,00 0,20

ING

ing.de - - 0,03

Commerzbank

commerzbank.de - - 0,01

Isbank

isbank.de 0,35 0,35 0,50

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de 0,02 0,03 0,05

Mittelbrandenburgische Sparkasse

mbs-potsdam.de - - 0,01

Sparda-Bank Berlin

sparda-b.de - - 0,002

Berliner Sparkasse

-030/86986969 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,24 0,28 0,45

*12Monate Neukundenangebot

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung


8* Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Meinung

Clan-Kriminalität

ZITAT

Wo Härte

hilft

Philippe Debionne

findet: Die Abschiebung des Clan-

Chefs Miri ist ein wichtiges Signal.

Wenn es stimmt, dass Clan-Chef Ibrahim

Miri friedlich daheim in seinem

Bett lag und schlief, als die Polizei mit einem

Abschiebungsbescheid kam, zeigt

das, wie sicher sich der Mann gefühlt haben

muss. Verurteilter Drogenhändler,

Anführer einer 3000 Mann starken Großfamilie

–und trotzdem lebte Ibrahim Miri

nicht an einem geheimen Ort, ließ sich

nicht von Bodyguards bewachen. Weil er

keine Angst hatte. Nicht vor konkurrierenden

Banden und nicht vor dem deutschen

Staat. Zu Unrecht, wie man nun gesehen

hat. Denn obwohl die rechtliche

Grundlage für die Ausweisung des Kriminellen

noch nicht offiziell bekannt gegeben

wurde,zeigt der Fall:Wenn die Behörden

wirklich durchgreifen wollen, wenn

sie einen Verbrecher im Interesse aller

hier lebenden Menschen wirklich aus

dem Land haben wollen, dann ist das

auch machbar.

Natürlich ist der Kampf gegen kriminelle

Familienverbände aus dem arabischsprachigen

Raum damit nicht gewonnen,

und vermutlich ist die tatsächliche

Auswirkung auf die illegalen Machenschaften

der Clans gleich null. Andere

Familienmitglieder werden die Geschäfte

weiterführen, so, als wäre nichts passiert.

Dennoch muss der Staat jetzt bei seiner

harten Linie bleiben und Menschen, die

unserer Gesellschaft schaden, kompromisslos

vordie Tür setzen.

Wenn sich nur ein einziger potenzieller

Dealer,Schläger oder Vergewaltiger durch

die Angst vor Abschiebung von seiner Tat

abhalten lässt, ist schon viel gewonnen.

Sehr viel. Und vermutlich gelingt es dem

Staat mit dieser Härte mittelfristig auch,

einige derjenigen Bürger zurückzugewinnen,

die sich an den braunen Rand unsererGesellschaft

verirrthaben.

Homöopathie

WerGlobuli will,

soll selbst zahlen

Christian Burmeister

findet: Kassen sollten die Kosten für

Homoöpathie nicht mehr erstatten.

Die Homöopathie gibt es seit mehr als

200 Jahren –aber bis heute keinen

wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass

Globuli jenseits eines möglichen Placebo-

Effekts eine Wirkung haben. Werschlecht

sieht und sich eine Brille auf die Nase

setzt, merkt innerhalb weniger Sekunden

den eindeutigen Effekt.Wieso zahlen viele

Krankenkassen also Globuli, aber in der

Regel keinen Cent für eine Brille?

In Frankreich erstatten die Krankenkassen

ab 2021 die Kosten für Homöopathie

nicht mehr. InGroßbritannien ist es

schon heute so. Ein solcher Schritt ist im

deutschen Gesundheitssystem überfällig.

Sogar die Kassenärztliche Bundesvereinigung

versteht inzwischen nicht mehr,

warum eine teure, gen Erdmittelpunkt geschüttelte

Zuckerlösung weiter von der

Solidargemeinschaft gezahlt werden soll.

Die Homöopathie erfreut sich vor allem

deshalb großer Beliebtheit, weil sie

eine „sanfte“ Heilung verspricht. Dass es

die Schulmedizin und nicht die Homöopathie

ist, die seit Jahrzehnten die Lebenserwartung

der Menschen steigen

lässt, wirdmeist ignoriert.

Es kann nicht sein, dass Kassenpatienten

über ihre Beiträge gezwungen sind,

für Arzneimittel zu zahlen, deren Wirksamkeit

nicht nachgewiesen ist. Damit

hat die Homöopathie eine nicht zu rechtfertigende

Sonderstellung. AnderePräparate

werden ständig auf ihreWirksamkeit

hin geprüft und fliegen im Zweifel aus den

Leistungskatalogen. Das Geld der Versicherten,

das in die Homöopathie fließt,

wäre anderswo sinnvoller angelegt: etwa

im Kampf gegen Krankenhauskeime.

Deshalb: WerGlobuli schlucken will, soll

das gerne weiter tun –aber dann auch

selbst dafür bezahlen.

Bildungsreisen

Die Auseinandersetzung zwischen

Thilo Sarrazin und der SPD ist

wie eine unendliche Geschichte.

Zweimal haben die Sozialdemokraten

in den vergangenen Jahren erfolglos

versucht, den früheren Berliner Finanzsenator

aus der Partei zu werfen. Jetzt, beim dritten

Versuch, gibt es ein Urteil des Parteigerichts

im Berliner SPD-Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf.

Das besagt: Die

SPD darfSarrazin aus der Partei werfen. Sarrazin

hat allerdings schon angekündigt, in

Berufung zu gehen.

Die inhaltliche Frage, obSarrazin in die

SPD gehört, lässt sich problemlos mit einem

einfachen Nein beantworten. Wie unüberbrückbar

groß die Kluft zwischen Sarrazin

und dem sozialdemokratischen Denken ist,

hat der damalige Parteivorsitzende Sigmar

Gabriel bereits vor ungefähr neun Jahren in

einem Artikel in der Zeit deutlich gemacht.

Er warfSarrazin vor, im Bestseller „Deutschland

schafft sich ab“ zwischen„(sozioökonomisch)

wertvollem und weniger wertvollem

Leben“ zu unterscheiden. Der „Hobby-Eugeniker“

Sarrazin sei dabei, „Theorien der

staatlichen Genomauswahl wieder salonund

hoffähig zu machen“.

Gabriel zitierte zum Beleg seiner Sicht

fleißig aus Sarrazins Texten, Sarrazin entgegnete,

die SPD-Spitze könne nicht lesen. Wie

immer man nach weiteren Büchernund Äußerungen

im Einzelnen zu den Vorwürfen

gegen Sarrazin steht, alles in allem ist bei ihm

ein klares Muster erkennbar: Mithilfe einer

so geschickt wie verquer zusammengebauten

Fassade aus selektiv ausgewählten Statistiken

scheut der heute 74-Jährige sich nicht,

rassistisches und muslimfeindliches Denken

zu befeuern. Das ist sein Geschäftsprinzip,

damit verdient er Geld.

Inden meisten Berliner Wohnungen, in denen

ich bisher gewesen bin, gibt es,unabhängig

von der Höhe des Einkommens der

Bewohner, mindestens ein Objekt aus vergangenen

Zeiten, das vonGeneration zu Generation

weitergereicht wird. Manchmal ist

es ein alter Schrank, der ein kleines bisschen

zu mächtig ist und deshalb auffällt zwischen

den sonst modernen Möbeln. Manchmal ist

es auch ein silberner Kerzenständer oder ein

goldenes Medaillon aus einer vergangenen

Zeit, die jemand wie ich nur durch historische

Fotografien oder durch Kunstwerke aus

Museen kennt.

Für die meisten von uns, die dort leben,

wo sie keine Familiengeschichte haben, sind

die einzigen nachvollziehbaren Abstammungsspuren

in Gesichtern zufinden –Gesichtern

auf Fotos, die kaum mehr als zwei

Generationen zurückgehen.

In dem Fall, dass unsereVorfahren aus armen

Ländern kommen, ist es wahrscheinlich,

dass wir kein Schwarz-Weiß-Foto haben,

das eine ernst schauende Urgroßmutter

in einem hochgeschnürten Kleid neben ihremernst

schauendem Mann zeigt, aus dessen

Anzughose eine Taschenuhr baumelt.

Eine Taschenuhr, die hundert Jahre später

sein Urenkel erben wird.

Ich halte immer den Atem an, wenn ich

solche Erbstücke sehe und erkundige mich

nach ihrer Herkunft. Diesen Objekten, die

Zeitenwenden überlebt haben, wohnt eine

eigene Faszination inne. Die Geschichten,

die meine Elternund Großelternmit mir teil-

SPD

Leben mit

Sarrazin

Tobias Peter

urteilt: Der Kampf um den Parteiausschluss nützt vorallem

dem einstigen Berliner Finanzsenator.

DerBestseller-Autor Thilo Sarrazin bereichert

sich, indem er Stimmung auf Kosten

von Schwächeren macht –und indem er in

Kauf nimmt, fremdenfeindliche Haltungen

und die Ablehnung vonMinderheiten zu bestärken.

Das ist gefährlich in einer Gesellschaft,

die Migrationsprobleme zu bewältigen hat

und dabei auf eine nüchterne Analyse und

einen fairen Umgang miteinander angewiesen

ist. Der Gedanke der Solidarität gehört

zur DNA der SPD.Thilo Sarrazin passt so wenig

zur SPD wie die Zwangsverheiratungen

in Teilen der muslimischen Welt zur modernen

Gesellschaft.

Die inhaltliche Frage, obSarrazin in die

SPD gehört, ist also leicht zu beantworten.

KOLUMNE

Wasein alter

Schrank bedeuten

kann

Rose-Anne Clermont

Autorin

ten, waren vergleichsweise kurz und jung,

und sie handelten von Orten, an denen keiner

vonuns mehr lebte.

Es gab für die Erinnerungen meiner

Großmutter nie greifbare Beweise, sie hatte

keine Erbstücke zu vergeben. Das, was sie

mitgebracht hatte, hätte die Zeiten auch

nicht überdauert, es war kein Silber, Gold

oder Porzellan. Meine amerikanische Einwandererfamilie

widmete sich den neuen

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

Schwierig wird esimjuristischen Bereich.

Wird es der SPD diesmal wirklich gelingen,

ihn vor die Tür zu setzen? Die Hürden für

Parteiausschlüsse sind hoch, es ist schwierig,

jemandem ein hinreichend parteischädigendes

Verhalten wasserdicht nachzuweisen.

Sarrazin hat seinen Anwalt bereits ankündigen

lassen, er werdedurch alle Instanzen

gehen –bis zum Bundesverfassungsgericht.

Daswirft –trotz des ersten juristischen Erfolgs

für die SPD –amEnde doch die Frage

auf, ob es klug vomSPD-Parteivorstand war,

das Verfahren gegen Sarrazin einzuleiten.

Obwohl das Anliegen, ihn auszuschließen,

mehr als verständlich ist, lautet die Antwort

unterm Strich: Nein, das war nicht klug.

Denn eine jahrelange Auseinandersetzung

vorGerichten wirdSarrazin etliche Gelegenheiten

geben, sich in der Opferrolle zu präsentieren.

Sarrazin tut das schamlos, wenn

er sagt, er hätte den Parteiausschluss wegen

eines Buches „bei der 156-jährigen Tradition

der SPD, deren Mitglieder vielfachen Verfolgungen

ausgesetzt waren, nie für möglich

gehalten“. Sarrazin und andere werden den

Mythos nähren, die Meinungsfreiheit werde

behindert, Kritiker des Islam würden mundtot

gemacht. Dasstimmt aber nicht. Kritik an

gesellschaftlichen Missständen, auch in Teilen

der muslimischen Gemeinschaft, ist in

Deutschland willkommen und wichtig. Sie

darfaber nicht in Rassismus abgleiten.

Statt ein Ausschlussverfahren einzuleiten,

hätte die SPD besser versucht, Sarrazin so gut

es geht rechts liegen zu lassen, ohne ihm weitere

Aufmerksamkeit zu verschaffen. Wie

wärees, wenn die SPD einen eigenen Ortsverein

„Thilo Sarrazin“ gründen würde? Einen,

den niemand beachtet und in dem der Mann

nur noch mit sich selbst reden kann.

Symbolen des Reichtums: neuen Autos,

neuer Kleidung, neuen Möbeln. Diewenigen

alten Möbelstücke,die ich besitze, stammen

vonLeuten, die mir unbekannt sind.

Millionen von Menschen, die künftig gezwungen

sein werden, ihr Zuhause zu verlassen,

werden weder Erbstücke mitbringen

können, noch genug Geld besitzen, um Luxus

kaufen zu können. Während die Menschen in

den reichen Ländern genug Geld haben werden,

um sich Wasser,Infrastruktur und Schutz

vorden kommenden Stürmen, Überflutungen

und Dürren zu kaufen, die durch ihreCO 2 -Fußabdrücke

noch verschlimmert werden. Man

nennt es Klima-Apartheid, wenn arme Länder,

die den geringsten CO 2 -Ausstoß haben,

die Effekte des Klimawandels am stärksten zu

spüren bekommen und zugleich nicht die finanziellen

Möglichkeiten haben, sich von

den Folgen freizukaufen. Wenn sie fliehen

müssen, werden sienichts retten und mitnehmen

können, was darauf hindeutet, dass auch

sie eine Heimat haben, eine Geschichte.

Wenn die Meere Inseln verschlingen, auf

denen Häuser gestanden haben, wenn die

Flüsse austrocknen und Fischer und Bauern

vondem Land vertreiben, vondem siebisher

gelebt haben, wenn steigende Temperaturen

das Leben an bisher bewohnten Orten unmöglich

machen, dann werden die Reichen

ihreGrenzen noch besser schützen. Siewerden

ihre Grenzen als Zeichen ihrer Ansprüche

auf Heim und Eigentum stärken und

auch auf die Rohstoffe und Ressourcen, die

sie als die ihren bezeichnen.

„An nichts denken zu

wollen ist Unsinn. Weil das

nicht geht und der Versuch

deshalb frustriert. Wir

produzieren

ununterbrochen

Gedanken.“

Boris Bornemann, Psychologe, Neurowissenschaftler

und Meditationsexperte, im Magazin Stern

AUSLESE

Die Kanzlerin zittert,

und die Welt schaut zu

Nach dem jüngsten Zitteranfall der

Kanzlerin fragt man sich auch im

Ausland, wie es um ihreGesundheit steht.

„Das Fehlen einer medizinischen Erklärung

ist nicht gerade beruhigend“, schreibt

der französische Le Figaro.„Dieöffentliche

Meinung in Deutschland, die das Privatleben

der Bundeskanzlerin bislang respektiert

hat, wundert sich allmählich: nicht

über Merkels Führungsqualitäten, sondern

vielmehr über die Möglichkeit, dass

sie ihren Posten vorzeitig verlässt.“

Auch die italienische Zeitung La Repubblica

ist irritiert: „Der dritte Zitter-Anfall

in drei Wochen hat erneut Unsicherheiten

über den Gesundheitszustand der

Kanzlerin ausgelöst (...). Wie unter solchen

Umständen unvermeidbar, macht

das Fehlen vonInformationen den Vorfall

noch alarmierender.“

Bei der regierungsnahen Budapester

Zeitung Magyar Nemzet ist man deutlich

dramatischer und schreibt mit einer gewissen

Gehässigkeit: „Wir wissen nicht,

wie lange die Politikerin schon mit diesen

Zitteranfällen lebt. Kann es sein, dass die

Beweggründe für ihrebisherigen schlechten

Entscheidungen in diesem Bereich zu

suchen sind? (...) Deshalb sollten (...) politische

Führungspersönlichkeiten an Angela

Merkel mit demselben Ratschlag herantreten,

den jeder Mensch guten Willens

einer überlasteten weiblichen Verwandten

erteilen würde: Nach den

Jahrzehnten forcierter Arbeit wäre esangebracht

zu ruhen.“ Tanja Brandes

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Clärchen

hat ’nen

Neuen

Seite 11

Am Griebnitzsee wurden ein paar Meter Uferweg zu einem Politikum Seite 10

Eine Genossenschaft in Lichtenberg zeigt, wie es ohne Mieterhöhunggeht Seite 12

Stadtbild

Das Alter

der anderen

Lutz Schnedelbach

schaut anerkennend

auf einen Senioren.

Eine Kollegin hatte jetzt eine Begegnung

der besonderen Art. Sie

stieg am Morgen in eine U-Bahn,

um den Weg zur Arbeit zu bestreiten.

Schon im Banne der Vorfreude

auf den bevorstehenden Arbeitstag

setzte sie sich auf einen der freien

Plätze und fingerte ihr Handy aus

ihrer güldenen Handtasche. Dann

ging es los. Blitzschnell flogen ihre

Finger über die Tastatur des mobilen

Telefons. Sie schrieb eine Nachricht.

Das tut sie immer, wenn irgendwie

Zeit ist.

Als die Bahn das nächste Mal gehalten

hatte, stieg ein älterer Mann

ein und setzte sich neben sie. Erbeobachtete

das flinke Fingerspiel und

sprach meine Kollegin an. Er erzählte,

dass er mittlerweile 90 Jahrealt sei. Er

wusste gleich, dass die Frau neben

ihm eine Nachricht auf WhatsApp

schrieb. Alle Achtung. Je oller, desto

doller, gilt also auch im Digitalen,

dachte ich.

Ich dagegen habe lange gebraucht,

um zu wissen, dass Whats-

App keine Hundefutter-Sorte, sondern

eines der Portale ist, über die

Nachrichten versandt werden können.

Auch von einem Computerkurs

erzählte der Mann und dass es ihn

von Heilbronn nach Berlin verschlagen

habe,weil seine Kinder hier wohnen.

„Und wenn die nicht zu mir

kommen, dann ziehe ich halt zu ihnen“,

sagte er. Er wohne in der

3. Etage und laufe immer noch die

Treppen hoch und runter. Und Wandern

nannte er als Hobby. Vordem

Fernseher zu sitzen, sei ihm nichts.

Kein Nikotin, kein Alkohol.

Meiner Kollegin hat das gefallen.

Beide plauderten die ganze Fahrt

über. Dann stieg er aus. Gut gelaunt

kam sie in unser Büro und ließ mich

teilhaben an der rührenden Geschichte.

Mit 90 noch so fit, sagte sie

immer wieder.„Beeindruckend.“

Für mich war es das nicht. Ich

nutzeschon mit knapp 60 jeden Aufzug,

der intakt ist, selbst in die

1. Etage.Ich weiß, dass Laufen gesünder

wäre, aber ich will nicht daran

glauben. DerOpa belegte einen Computerkurs.

Ich bin froh, dass ich mit

dem Betriebssystem im Büro halbwegs

unfallfrei umgehen kann. Der

Senior fahre zwar nicht mehr selbst

Auto –imInteresse der anderen Verkehrsteilnehmer.

Aber er mache regelmäßig

Sport. Ichnicht. Ichschaue

nach den Kosten für ein mobiles Notrufgerät

für die Wohnung. Wenn ich

an die Begegnung meiner Kollegin

mit dem alten Mann denke und

daran, was er erzählt hat, wirdmir immer

ganz mulmig. Irgendetwas mache

ich falsch. Vielleicht.

GETTY IMAGES

Beim Training in Schöneweide: Bianca NIckel ist Diensthundeführerin bei DB Sicherheit, Michael Radner leitet die Ausbildung.Sein Hund Devil muss eine Brille tragen. VOLKMAR OTTO

Die S-Bahn wird bissig

13 Diensthunde sind im Einsatz, bald sollen es 30 sein. Ein Besuch in der DB-Hundeschule in Schöneweide

VonPeter Neumann

Wenn er zu Hause ist, bei

den drei Kindern, den

beiden Meerschweinchen

und dem Katzen-

Duo, zeigt sich Pit meist von seiner

freundlichen Seite. Vor allem, wenn

er sein Lieblings-Leckerli bekommt –

getrockneten Fisch.„Er ist sensibel“,

sagt Sebastian Große, sein Hundeführer.„Doch

er kann auch anders.“

AufArbeit, im S-Bahnhof Schöneberg,

zeigt der Belgische Schäferhund

andere Eigenschaften: Wachsamkeit,

Stärke, Bestimmtheit. Und

wenn es nottut, ist er bereit, auf Angreifer

loszugehen. Pit, rund 16 Monate

alt, ist einer von 13Diensthunden,

die für die fünf neuen S-Bahn-

Wachen im Einsatz sind. „30 sollen

es werden“, sagt Michael Radner. Er

ist Chef des Diensthundewesens bei

der Deutschen Bahn, zu dem derzeit

36 Tieregehören –Tendenz steigend.

Auf der großen Wiese neben dem

S-Bahn-Werk Schöneweide sind

knapp zehn Diensthunde samt Betreuer

zusammengekommen. Es ist

laut, selbst der Krach des Laubbläsers,

der einige Meter weiter lärmt,

geht unter. Die Tiere zerren an der

Leine, in manchem Beißkorb sind

gefletschte Zähne zu sehen.

Nach zwei Stunden Arbeit Pause

Die Hunde kennen sich noch nicht

oder noch nicht lange, deshalb wird

gebellt und geknurrt. „Für die Tiere

ist es erst mal Stress“, erklärtRadner.

Der 55-Jährige, dessen Akzent die

Herkunft aus Rheinland-Pfalz verrät,

leitet die achtwöchige Diensthundeausbildung

der Bahn, die für ganz

Deutschland in Schöneweide angesiedelt

wurde. Zuvor war er bei der

Polizei tätig. Radners Belgischer

Schäferhund heißt Devil (Teufel)

und trägt eine Brille gegen ultraviolette

Strahlung. Ein Auge ist blind,

das anderemussgeschützt werden.

Bisher hat die Bahn auf externe

Firmen zurückgegriffen, nun hat sie

diesen Bereich selbst in die Hand genommen.

EinAnlass ist, dass immer

wieder Mitarbeiter angegriffen werden.

Auch Fahrgäste fühlen sich sicher,wenn

sie Hundestreifen sehen.

Darum sind auch auf Berliner S-

Bahnhöfen immer mehr Diensthunde

für DB Sicherheit im Einsatz,

jüngst kamen wieder vier dazu.

Ginas Gebell ist unüberhörbar.Es

ist wichtig, dass Diensthunde vom

Freizeit- auf den Arbeitsmodus umschalten

können –und wieder zurück.

Das hier, hat die Deutsche

Sicher unterwegs: Auch

wenn es anderslautende Klischees

gibt –gemessen an

der Zahl der Fahrgäste (allein

2018 mehr als 1,5 Milliarden)

ist die Zahl der gemeldeten

Straftaten bei BVG

und S-Bahn gering.2018

wurden laut Kriminalstatistik

24 063 Delikte registriert.

Schäferhündin richtig erkannt, hat

mit Arbeit zu tun. Die Autofahrt von

Rudow zum Adlergestell, die anderenDiensthunde,der

Ausbilder:Das

sind untrügliche Zeichen für sie.

Gina wurde nicht von Radner

eingekauft, anders als Pit, der sich

seine Sporen bei der Düsseldorfer

Polizei verdient hat. Sie trat als Familienhund

in die Dienste der Bahn

ein. „Wir haben sie, seitdem sie ein

Welpe war“, erzählt Bianca Nickel,

die Besitzerin. „Wir kennen uns

gut.“ Gina wohnt im Haus der Familie

in Rudow. So ist es bei Diensthunden

üblich: Sie sind 24 Stunden

proTag mit ihren Menschen zusammen.

Pit zum Beispiel schläft in einer

Schale vor Sebastian Großes

Schlafzimmer in Premnitz.

In den Berliner S-Bahn-Wachen

sind 60 Sicherheitskräfte beschäftigt,

MEHR SICHERHEITSKRÄFTE

Neues Konzept: Anfang des

vergangenen Jahres hat die

S-Bahn Berlin GmbH, Tochterunternehmen

der Deutschen

Bahn, die Zahl der Sicherheitskräfte

erhöht. Waren

zuvor innerhalb von

24 Stunden bis zu 250 Sicherheitsleute

unterwegs, so

sind es seitdem bis zu 340.

rund um die Uhr ist jemand da.

Standorte sind die S-Bahnhöfe Ostkreuz,

Westkreuz, Friedrichstraße,

Schöneberg–und Gesundbrunnen.

Dort geht Bianca Nickel Streife,

mit Schlagstock, Pfefferspray und

Gina. Wenn mit einem Fahrgast ein

ernstes Wort zu reden ist, sorgt die

Hündin allein durch ihrePräsenz für

Ruhe –und dafür,dass Bitten befolgt

werden. Zwei Stunden läuft Gina

durch den Weddinger Bahnhof,

S-Bahn-Wachen: In den

S-Bahnhöfen Gesundbrunnen,

Westkreuz, Ostkreuz,

Friedrichstraße und Schöneberg

sind täglich rund um die

Uhr Sicherheitskräftestationiert.

Derzeit sind insgesamt

13 Diensthundeführer im

Einsatz (mit elf Rüden und

zwei Hündinnen), künftig 30.

dann darfsie sich zwei Stunden in einer

Box ausruhen –soist es vorgeschrieben.

Die Menschen sind währenddessen

wieder auf Streife.

Michael Radner, dessen Auto das

Kennzeichen des Westerwaldkreises

trägt, macht keinen Hehl daraus,

dass er das Treiben auf den hauptstädtischen

Bahnstationen zuweilen

als herausfordernd empfindet –so

sähenesauch die Tiere. „Als ich Kind

war,bekam ich gesagt, dass ich nicht

auf Hunde zulaufen und dass ich sie

nicht einfach so streicheln soll“, erzählt

er. Doch in Berlin komme es

ziemlich häufig vor, dass Kinder die

Hände ausstrecken: Ist der süß!

„Manche Hunde wollen sich nicht

anfassen lassen“, warnt Radner. „In

Berlin scheint es viele ,Kommissar

Rex-Fans zu geben.“ Aber nicht jeder

Diensthund der Bahn möchte das

Klischee vom netten Polizeihund

schwanzwedelnd erfüllen. „Dann

wirdgefragt: Warumbellt der denn?“

Dann sind da noch die ganz Eiligen,

die im Bahnhofsgedränge beinahe

über die Hunde stolpern. Nicht

zu vergessen die Hundehalter, die

ihre Tiere ohne Leine herumlaufen

lassen –und sich über die Reaktion

wundern. Oder die Alten, die ihren

Krückstock heben, um voranzukommen

–was vonmanchen Hunden als

Angriff empfunden wird. Undsobesteht

die größte Herausforderung

der Hundeführer darin, sicherzustellen,

dass die Tierenicht alles als Attacke

verstehen. „Es ist richtig, dass sie

wachsam sind. Doch die Hunde sind

nicht dazu da, Fahrgäste zuverletzen“,

erklärtSebastian Große.

Klappe aufmachen, ausspucken

Nur wenn Deeskalation nicht funktioniert,

drohen körperlich spürbare

Reaktionen. Dann wird erst mal gestoßen,

noch mit Maulkorb. Hilft

auch das nicht, wird der Beißschutz

entfernt.„Dann kann es eine Bissverletzung

geben“, sagt Radner kühl.

Aber wie gesagt: Das sei nicht der

Hauptzweck.„Wir bilden keine Killer

aus, sondern Tiere, die gehorchen

und vernünftig kommunizieren.“

Ebenso wichtig: Falls erforderlich,

müssen die Hunde auch wieder loslassen

können. Motto: „Klappe aufmachen,

Person ausspucken“.

Die Hundeführer können nicht

von vielen brenzligen Situationen

bei der S-Bahn erzählen. Gina, berichtetBianca

Nickel,hat am Bahnhof

Gesundbrunnen einen unter

Drogen stehenden Mann gestoßen

– dann war Ruhe. Inzwischen

hat die Hündin Ruhe gegeben, sie

wirkt freundlich mit ihrem langen

Fell. Bianca Nickel ist stolz auf

Gina. Ob sie sich auch Katzen zulegen

würde? „Katzen –bloß nicht!“

PeterNeumann

möchte Pit und Gina nicht

in die Quere kommen.

NACHRICHTEN

Verein: Massive Verstöße

gegen Mietpreisbremse

Laut Berliner Mieterverein (BMV)

sollen die Wohnungsunternehmen

Vonovia und Deutsche Wohnen mit

hoherWahrscheinlichkeit massiv gegen

die Mietpreisbremse verstoßen.

Daslasse eine aktuelle Analyse von

Vermietungsangeboten vermuten.

Dieuntersuchten Mieten der Vonovia

lägen danach zwischen 14 und

15,50 Euro,bei der Deutsche Wohnen

im Schnitt bei 9,82 Euro je Quadratmeter.Deutsche

Wohnen und

Vonovia wiesen den Vorwurfzurück

und erklärten, sie hielten sich an die

Mietpreisbremse. (ulp.)

Berliner Bank N26 geht in

den USA an den Start

DieBerliner Smartphone-Bank N26

hat ihr Geschäft auf die USA ausgedehnt.

Am Donnerstag wurde die

Appfür erste Kunden einer Warteliste

vonetwa 100 000 Interessanten

freigeschaltet, wie das Unternehmen

mitteilte.„DerStartinden USA ist

ein wichtiger Meilenstein für N26,

um das Bankwesen weltweit zu verändernund

in den kommenden Jahrenmehr

als 50 Millionen Kunden zu

erreichen“, sagte Firmenchef Valentin

Stalf. Aktuell hat die 2015 gegründete

Bank 3,5 Millionen Kunden in

24 europäischen Märkten. (BLZ)

Discounter Netto ruft

Hackepeter zurück

Dasbeim Discounter Netto auch in

Berlin angebotene Produkt „Hackepeter

(Schweinemett gewürzt)“

wurde vomHersteller zurückgerufen.

Beieiner Kontrolle seien in einer

Probe des Lebensmittels Listerien

festgestellt worden, teilte die GutErkenloh

Fleischvertriebs GmbH am

Donnerstag mit. Betroffen seien die

Produkte mit dem Verbrauchsdatum

15. 7. 2019 und der Chargennummer

6244220. DasProdukt war laut

Unternehmen nur am 11. 7. 2019 in

Netto-Filialen in Berlin, Brandenburg,

Mecklenburg-Vorpommern,

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

angeboten worden. Listerien

sind Bakterien, die Durchfall und

Fieber verursachen können. (dpa)

Seehunde im Zoo

bekommen Nachwuchs

Zwei Seehundwelpen haben das

Licht der Welt erblickt. DieMütter

der beiden am Montag und Mittwoch

geborenen Welpen sind die

Seehündinnen Shivaund Molly,wie

der ZooamDonnerstag mitteilte.

DasGeschlecht der beiden Jungtiere

ist noch nicht bekannt. In Deutschland

gelten Seehunde als gefährdete

Art. Neben den beiden Mütternund

ihrem Nachwuchs leben im ZooBerlin

vier weitereSeehunde. (dpa)

Neu-Berliner:Seehundmutter Molly mit

ihrem Baby.

ZOO BERLIN


10 Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Berlin

In dieser Gegend ist alles ein

wenig anders als sonst so in

den allermeisten Teilen Ostdeutschlands.

Anfangs sieht

die Gegend noch so aus wie ein

wohlhabendes Dorfaus DDR-Zeiten

mit wirklich sehr hübsch sanierten

Häusern. Doch 300 Meter weiter,

gleich hinter der Karl-Marx-Straße

und ganz nahe am Griebnitzsee,

sieht es nicht mehr aus wie Potsdam,

sondernwie am Starnberger See.

In diesem Teil der Brandenburger

Landeshauptstadt ist der Wohlstand

zu Hause,hier stehen Prachtvillen, in

denen Milliardäre wie der SAP-

Gründer und Kunstmäzen Hasso

Plattner wohnen oder bekannte

Künstler wie der oscarprämierte

Filmregisseur Volker Schlöndorff.

Vor einer Villa steht ein Wachmann

in Uniform, in einer anderen

verschwindet ein Mann in Poloshirt

morgens um zehn Uhr mit zwei Flaschen

Champagner, und vor der

nächsten steht ein schnittiger Porsche,

andem ein Aufkleber prangt.

Darauf steht: „Griebnitzsee für alle.“

Vonder Uferstraße ist es nur noch

ein kleines Stück zum Ziel. Zwischen

den Villen geht es einen schmalen

Weg entlang – und da ist er: der

Griebnitzsee. Am Ufer ist ein vielleicht

30 Meter breiter Streifen mit

einem Sandweg. „Hier gehe ich jeden

Tagspazieren“, sagt Walter Raffauf.„Sogar

mehrfach, das ist derVorteil,

wenn man einen Hund hat.“

Streit ist ein Politikum

Raffauf –60Jahre alt, ein freundlicher

Mann mit wachem Blick, ruhiger

Stimme und klarer Sprache –ist

ein Kämpfer:Der Mediziner,der eine

Praxis in Berlin-Mitte betreibt, besitzt

hier selbst eine Villa und legt

sich seit Jahren mit einigen der ganz

Reichen an. Er ist der Chef der Bürgerinitiative

„Griebnitzsee für alle.“

Sie kämpft dafür, dass der Wegam

Seewieder für jeden zugänglich ist.

Denn das ist er schon seit vielen

Jahren nicht mehr. Raffauf zeigt auf

eine hohe Barriere, an dem der Spazierweg

einfach endet. Dahinter

steht eine moderne Beton-Glas-

Protz-Villa, die ziemlich deplatziert

wirkt neben den altehrwürdigen

Häusern. Auf den Weghat der Besitzer

ein Bollwerk gebaut, das inzwischen

vonPflanzen überwuchertist.

So ist es an mehreren Abschnitten

des drei Kilometer langen Weges,auf

dem vor Jahren noch täglich Hunderte

Potsdamer und Ausflügler am

Ufer entlang spazierten. Doch dann

riegelten sechs der 70 Seeanrainer

2004 erstmals kurzden Wegab–und

der große Wegestreit von Potsdam

begann. Ab 2009 bauten einige dann

ihreDauer-Barrieren.

Das Ganze ist ein Politikum.

Denn es ist nicht nur ein Kampf

Reich gegen Arm –obwohl hier niemand

wirklich arm ist. Es ist ein

Streit, der wegen der Historie hochpolitisch

ist. Denn hier ist alles geschichtlich

kontaminiert. Die Villen

entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts,

viele Besitzer verloren ihr

Grundstück in der Nazizeit, weil sie

Juden waren. Nach dem Krieg wurden

dann die Nazis enteignet und

Churchill und Stalin quartierten sich

hier ein. Als dann die Mauer stand,

durften nur sehr staatstreue DDR-

Bürger hier wohnen oder staatliche

Institutionen zogen in die Villen.

Seegrundstücke waren es nun nicht

mehr, denn der Streifen direkt am

Ufer wurde abgetrennt. Dort liefen

nun Grenzsoldaten Streife. Als die

Mauer fiel, folgte dann ein großer Akt

der Selbstermächtigung: Die Bürger

von Potsdam eroberten sich den

Postenweg der Grenzer, gingen spazieren,

genossen den See.

Der See, das Ufer

und der Weg

Walter Raffauf wohnt am Griebnitzsee –ineiner der besten

Wohnlagen in Potsdam. Dort kämpft er dafür,dass einige

besonders reiche Leute ihre Gärten wieder öffnen für das Volk

VonJens Blankennagel, Potsdam

Walter Raffauf auf dem Uferweg –hinter ihm eine der bereits zugewucherten Barrieren

Job, Familie, Alltag: 30 Jahre nach dem Fall

der Mauer prägtdie einstigeTeilungnoch das Leben

vieler Berliner.Wir stellen bis November

Menschenund ihre Geschichte vor. Heute:Walter

Raffauf, aufgewachsen in Hagen/Westfalen.

DIE SERIE

VOLKMAR OTTO

Im Internet: Die Teile unserer Serie zum

Mauerfall finden Sie im Internet unter:

www.berliner-zeitung.de/mauerfall

oder auf der neuen App der Berliner Zeitung

(kostenlos im Apple Store oder Google Play).

Die Stadt

plante einen

Uferpark, doch

einige Neubesitzer

bauten Barrieren.

Die Potsdamer

schimpften: „Das ist wie bei Ulbricht

und Honecker, dahätte die Mauer

auch stehen bleiben könnten.“ Die

Absperrer nennen es gerneine Neiddebatte,ihreGegner

sagen, dass sich

das dicke Geld über die Interessen

der Bürger hinwegsetzt.

Leise plätschern die Wellen ans

Ufer, zwei Enten stehen im Wasser

und warten, bis eine Paddlerin vorbei

ist. Ein Ausflugsschiff mit dem

schönen Namen „Bär von Berlin“

fährtvorbei, und die Augen aller Passagieresind

auf das Ufer mit den Villen

gerichtet. „Das ist schon so etwas

wie ein perfekter Ort zum Leben“,

sagtWalter Raffauf. Er und seine Frau

haben sich Ende der 90er-Jahre, hier

auch Wassergrundstücke angeschaut,

wurden aber überboten.

„Außerdem sagte die Stadt allen:

Macht euch keine Sorgen, es wirdeinen

öffentlichen Uferpark geben.“

Also entschied sich die Familie für

die zweite Reihe, für eine „Dreiviertel-Ruine“,

in die es hineinregnete

und die die Familie zwei Jahre lang

sanieren musste.

Viele ärgernsich, dass einige Seeanrainer

offenbar ganz gezielt und

geschickt vorgingen. Sie kauften zuerst

das Grundstück mit Haus –und

da unten am Ufer die letzten Meter

bis zum Wasser fehlten, war es kein

echtes Seegrundstück und natürlich

preiswerter als vergleichbare Objekte.Dann

kauften einige das kleine

Stück Land zwischen dem öffentlichen

Wegund dem Ufer. Nun fehlte

ihnen nur noch der eigentlich Weg.

Raffauf erzählt, dass es etwa zwanzig

Leuten gelang, auch noch diese zu

kaufen –wenn auch umstritten.

Jahrelanger Rechtsstreit

Nach der Sperrung folgen jahrelange

Gerichtsstreits.Die Stadt, die 13 Millionen

Euro eingeplant hatte für Entschädigungen

und Prozesse, sprach

mit jedem Besitzer,woder einenWeg

zustimmen würde. Doch dieses Mediationsverfahren

mit Absperrern

scheiterte. Raffauf sagt, dass der

neue Bebauungsplan für den Weg

nun alle Interessen berücksichtige.

„Die Stadt ist den Privatinteressen

sehr entgegenbekommen“, sagt er.

„Mehr kann eine Stadt eigentlich

nicht machen. Aber niemand weiß,

wie es enden wird.“

Nun will Raffauf zurück zu seinem

Haus. Aber vorher erzählt der

Neurologe noch, dass er hier im

Griebnitzsee auch schwimmen geht.

Damit schließt sich ein Kreis,

denn einst, als Studenten, gingen sie

immer genau gegenüber baden. Es

war der letzte Zipfel West-Berlin mit

ein paar wilden Badestellen. „Wir

durften nur bis zur Mitte des Sees“,

erzählt er. Auf dem See kreuzten

Boote der Grenzer, alle 100 Meter

war ein Boje mit DDR-Emblem. Am

anderen Ufer stand ein Grenzzaun,

Soldaten liefen über den Patrouillenweg.

„Schon damals hat mich interessiert,

was das da für Häuser sind in

Potsdam“, sagt er. Nun wohnt er

selbst hier und will, dass nicht nur

die Wohlhabenden das alles genießen

können. „In der Landesverfassung

steht, dass die Schönheit der

Natur für alle zugänglich sein muss.“

Aufdem Rückweg erzählt er,dass

Anfang September wieder eine Gerichtsverhandlung

ansteht. Es geht

um eine„Normenkontrollklage“, mit

der die Absperrer gegen den städtischen

Plan für den Park vorgehen.

„Wir hoffen natürlich, dass das Gericht

ein Einsehen hat und im Sinne

der Öffentlichkeit entscheidet.“

Walter Raffauf greift in seine Hosentasche

und holt ein kleines Stückchen

Stein heraus,das ganz locker auf der Spitze

seines Zeigefingers Platz hat. Sieh aus wie

ein Mauerstück. „Ist wirklich echt“, sagt er.

Es ist keiner von diesen Putzbrocken,

die von irgendeiner beliebigen besprühten

Wand stammen –egal, ob aus Berlin oder

Bernau –und die jahrelang als angeblich

echte Mauerstücken auf den Flohmärkten

dieser Stadt verkauft wurden. Als das Berlin-Souvenir

schlechthin.

Der kleine Brocken mit dem hellbraunen

Lack stammt tatsächlich vom Antifaschistischen

Schutzwall, wie die DDR die

Mauer nannte. „Mein Sohn, der vier Jahre

alt war,ist 1990 mit uns an die Mauer gelaufen

und hat sich auch ein Stück geholt.“

Der Vierjährige mit dem Hammer

Weil das Ganze nicht nur ein Ereignis

von familiärer Bedeutung war, sondern

auch vonweltpolitischer,hat der Mediziner

sowohl das Mauerstückchen aufgehoben

als auch den Hammer, mit dem sein Sohn

damals zu Werkeging. Siewohnten damals

an der Mauer:West-Berlin, Kreuzberg, klassischer

Studentenkiez, SO 36, Waldemarstraße.

Raffauf erzählt, dass die Kita seines Sohnes

direkt an der Mauer war und dass sie

damals immer an der Grenze spazieren

gingen. „Heute ist das Innenstadt, damals

war Berlin für uns dortzuEnde.“

Es war die Welt des Kalten Krieges, als

die Mauerstadt eine ganz spezielle Anziehungskraft

hatte. Auch für Walter Raffauf

aus Hagen in Westfalen, er kam aber nicht,

Das besondere Ding

Es ist wirklich nur sehr klein, dieses Mauerstück,

aber es ist wirklich echt.

VOLKMAR OTTO

um dem Wehrdienst zu entgehen, denn er

war längst ausgemustert. „Für uns war es

einfach cool, wir wollten nach Berlin.“

Er und seine Frau legten auch Wert darauf,

dass sie nicht mehr den westdeutschen

Ausweis hatten, sondern einen West-Berliner,

denn mit dem Ausweis der Bundesrepublik

hätten sie nur nach „Berlin, Hauptstadt

der Deutschen Demokratischen Republik“

gedurft, doch mit dem West-Berliner

Ausweis konnten sie auch in den Rest

des östlichen deutschen Nachbarlandes.

Sie fuhren des öfteren in den Osten,

hatte dortein paar Freunde,darunter auch

ein Künstler, der unbedingt in den Westen

wollte.Damit er dortnicht mit leeren Händen

dasteht, schmuggelte Raffaufs Frau ab

1988 ein paar Gemälde des Mannes in den

Westen und bewahrte sie für den Maler auf.

Doch der kam nicht so einfach raus aus der

DDR –selbst als er eine Frau aus dem Westen

geheiratet hatte.„Diesorgten dann mit

einer spektakulären Aktion dafür, dass er

doch noch durfte“, erzählt Raffauf. „Sie ließ

Hunderte Luftballons über die Mauer in

den Osten fliegen. Darauf stand: Lasst meinen

Mann raus.“

Kurz nach dem Mauerfall kaufte Raffauf

auch ein Kunstwerk von Thierry Noir, dem

legendären französischen Street-Art-

Künstler, der ab 1984 die Mauer in Kreuzbergbemalte

–mit riesigen bunten Köpfen,

die Glubschaugen und große Nasen hatten.

Raffauf zeigt dieses Bild. Hinten drauf hat

der Künstler geschrieben:„Une nuit agiteé“

–eine ereignisreiche Nacht.


Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 11 *

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Berlin

POLIZEIREPORT

Radfahrerin stirbt bei Unfall.

Eine Radfahrerin ist in Charlottenburgunter

ein fahrendes Auto geraten

und tödlich verletzt worden. Die

55-Jährige überquerte nach Polizeiangaben

am Mittwochabend die

Krumme Straße,als ein 78-jähriger

Fahrer sie beim Abbiegen in die

Schillerstraße mit seinem Auto überrollte.Die

Frau starb noch an der Unfallstelle.

(dpa)

Polizei fasst mutmaßlichen Räuber.

Knapp acht Monate nach einem

spektakulären Überfall auf einen

Geldtransporter nahe dem Alexanderplatz

hat die Polizei einen dritten

Verdächtigen gefasst. Der34-jährige

Mann wurde am Dienstag in Bulgarien

festgenommen, teilte die Staatsanwaltschaft

am Donnerstag mit. Er

soll demnach nach Berlin gebracht

werden. Gegen zwei weitereVerdächtige

im Alter von38und 33 Jahrenwurde

wegen des Überfalls am

19. Oktober 2018 bereits Anklage erhoben.

Der38-Jährige soll zusammen

mit vier anderen Männernden

Geldtransporter gestoppt haben. Die

Täter bedrohten die beiden Fahrer

mit Maschinenpistolen, brachen

den Transporter auf und stahlen Kisten

mit sieben Millionen Euro Bargeld.

Weil sie vonder Polizei verfolgt

wurden, mussten die Räuber die

Geldkisten in einem der beiden

Fluchtautos zurücklassen. Der

zweite Angeklagte soll Werkzeug und

eines der Autos besorgt haben. Beide

sitzen in Untersuchungshaft. (dpa)

Polizisten untersuchen im Herbst 2018

den überfallenen Geldtransporter. DPA

Teenager ausgeraubt.

EinTeenager soll am Mittwochabend

in Alt-Hohenschönhausen

mit einer Pistole bedroht und ausgeraubt

worden sein. Nach Aussage des

Opfers soll ein Mann gegen 18 Uhr

die Waffe auf ihn gehalten und ein

zweiter Mann sich seine Umhängetasche

geschnappt haben, teilte die

Polizei mit. Danach flüchteten die

Räuber aus dem Hinterhof in der

Strausberger Straße.Inder erbeuteten

Tasche waren ein Handy,Geld

und Kopfhörer.Die Polizei ermittelt

nun wegen Raubes. (dpa)

Mit Küchenmesser bedroht.

Ein23-Jähriger hat zwei Männer am

Bahnhof Südkreuz mit einem Küchenmesser

bedroht. Verletzt wurde

bei dem Vorfall am Mittwochmittag

niemand, teilte die Bundespolizei

mit. Ersten Erkenntnissen zufolge

sprach der Verdächtige,ein Deutscher,die

beiden auf dem S-Bahnsteig

an und hielt ihnen das Messer

vor. Alarmierte Polizisten nahmen

ihn fest. DasFahrrad, das er bei der

Überprüfung bei sich führte,war in

diesem Jahr gestohlen worden.

Wieso der Mann das Messer zückte,

werdeermittelt. (dpa)

Vermisster wieder da.

Derseit Ende Februar als vermisst

gemeldete Mann aus Weißensee ist

durch Hinweise aus der Bevölkerung

im Kreis PinneberginSchleswig-

Holstein körperlich unversehrtgefunden

worden. Dasmeldet die Polizei.

Der58-Jährige kam aufgrund

seiner Erkrankung in ein Krankenhaus

und wurde dortmedizinisch

behandelt. DerMann, der nach offiziellen

Angaben verwirrtund orientierungslos

ist, hatte am 23. Februar

eine Pflegeeinrichtung in der Rennbahnstraße

verlassen und war nicht

mehr dorthin zurückgekehrt. (BLZ)

VonTaylan Gökalp

Wie verlassene Festzelte stehen

die drei Gewächshäuser mit

der Aufschrift „Stadt-Farm“ zwischen

Bäumen. Durch die staubigen

Fenster der in die Jahregekommenen

Fassaden sieht man nicht,

dass hier, mitten im Berliner Stadtteil

Lichtenberg, auf 3000 Quadratmetern

ein Modell für die

Landwirtschaft erprobt wird. Das

Prinzip ist schnell erklärt:

16 000 Zuchtfische in acht Wasserbecken

produzieren Ausscheidungen,

die von Bakterien in Nährstoffe

umgewandelt und für den

Gemüseanbau verwendet werden.

Die Pflanzen nehmen die Nährstoffe

auf, dasWasser fließt gereinigt

zu den Fischen zurück. Aquaponik

nennt sich der Kreislauf, der auch in

anderen deutschen Großstädten

betrieben wird. In Berlin sind die

Stadtfarmer allerdings nicht allein.

Bereits seit 2014 werden bei der

Firma ECF in der Schöneberger

Malzfabrik Barsche gezüchtet und

Basilikum angebaut.

Clärchen hat ’nen Neuen

Der Eigentümer kündigt dem bisherigen Pächter und will das Traditionslokal in Mitte sanieren

VonStefanie Hildebrandt

An kaum einem Ort inder

Stadt treffen sich Geschichte

und Geist Berlins

auf so angenehm unaufgeregte

Weise wie hier bei Tanz und

Berliner Weiße. Clärchens Ballhaus

ist eine Institution. Die Nachricht,

dass das Lokal, so wie Urberliner und

Touristen aus aller Welt es jetzt kennen

und lieben, zum Ende des Jahres

wohl erst einmal Geschichte sein

könnte, scheppert gehörig ins Sommerloch.

Nach einem Eigentümerwechsel

Anfang des Jahres –Yoram

Roth, Milliardär, Fotokünstler und

Investor kaufte das gesamte Areal –

steht dem verwitterten Hinterhaus

in der Auguststraße 23 ein Umbruch

bevor.Nicht der erste in der 106-jährigen

Geschichte des berühmtesten

Tanztempels der Stadt.

Schon Ende 2018 kaufte Yoram

Roth das Gebäude und sprach dem

bisherigen Pächter Christian Schulz

die Kündigung aus. Nach einer Sanierung

will der neue Eigentümer

mit einem neuen Betreiber den

Tanzbetrieb aber wieder aufnehmen.

„Ich habe das Areal gekauft mit

dem klaren Ziel, Clärchens Ballhaus

zu beschützen. Es ist auch für mich

ein wichtiger Ort. Auch der Kiez liegt

mir am Herzen. Meine Mutter ist in

der Linienstraße geboren, mein Vater

in der Schönhauser Allee“, so

Roth in einer Mitteilung.

Viel Sanierungsbedarf

Schwoof. Nach einer hoffentlich behutsamen Verjüngungskur wieder möglich IMAGO IMAGES

YoramRoth ist Fotokünstler und Kultur-Investor.Zusammen

mit RobertRischkegehört

ihm die GoCityMedia GmbH, die die Berliner

Stadtmagazine Tipund Zitty veröffentlicht.

Er ist der Initiator hinter dem Radiosender

KCRWBerlin 104.1

Fangfrischer Fisch aus Lichtenberg

In einer Stadtfarm werden jährlich 50 Tonnen Wels und 30 Tonnen Gemüse produziert

Versteckt: Die Stadtfarmliegt nahe der Rhinstraße im östlichen Lichtenberg.

In der 2017 gegründeten Lichtenberger

Stadtfarm werden 50 Tonnen

afrikanischer Wels und rund 30 Tonnen

Gemüse produziert. DasZiel sei

es, ressourcenschonend zu produzieren

und nah am Verbraucher zu

sein, sagt Projektmanagerin Anne

Vollborn. Tomaten, Gurken und

Kräuter sind dabei nicht die einzigen

Produkte.Auch Bananen, Ceylonspinat

oder Maracuja entstehen auf

DER NEUE

Christian Schulz, der bisherige

Betreiber vonClärchens Ballhaus, sagte:

„Wir haben vollstes Vertrauen in den

neuen Eigentümer und freuen uns, dass

Clärchens Ballhaus bald in neuem Glanz

erstrahlt.“

DPA

dem urbanen Bauernhof. Per Bestellformular

ordern sich Kunden

selbst zusammengestellte Boxen mit

Salaten, Fischprodukte und Gemüse,

die von Mitarbeitern bis vor

die Haustür geliefertwerden.

Für das Landwirtschaftsministerium

ist die urbane Landwirtschaft

eine Ergänzung, aber kein Ersatz für

die Lebensmittelproduktion auf

dem Land. „Die für landwirtschaftli-

Um zu gewährleisten, dass alle Gäste

aus dem In- und Ausland weiterhin

sicher feiern könnten, seien allerdings

ab dem Sommer 2020 Sanierungsarbeiten

geplant, so Roth weiter.

Diese bezögen sich unter anderemauf

die Instandsetzung der Sanitäranlagen,

der Gastronomieräume

und Bereiche, die über die vielen

Jahrenicht mehr den Standards entsprechen.

Auch die Dächer und

Treppenhäuser in den diversen Gebäuden

sind sanierungsbedürftig.

Zwischen dem Ende des aktuellen

Pachtvertrags Ende 2019 und dem

Start der Sanierung soll eine Zwischennutzung

gefunden werden.

Das vernarbte Haus in der Auguststraße

zeigt deutlich, dass es

eine bewegte Geschichte hat. 1895

erbaut, öffnete 1913 das Ehepaar

Fritz und Clara Bühler das Tanzlokal

Bühlers Ballhaus. Schnell machten

die Berliner „Clärchens Ballhaus“

daraus. Ganz Berlin schwoofte im

Tanzsaal im Erdgeschoss oder amüsierte

sich im Spiegelsaal im ersten

Stock. Bis 2003 führten die Nachkommen

von Clara und ihrem zweiten

Ehemann Arthur Habermann

das Lokal als Familienbetrieb. Im

Krieg wurde dasVorderhaus zerstört,

erst 1965 die Ruine abgetragen.

Doch in der zweiten Reihe tobte das

Leben. Auch in der DDR blieb Clärchens

Ballhaus ein Privatbetrieb,erst

als das Haus 2003 an Hans-Joachim

Sander verkauft wurde und der neue

Besitzer dem Familienbetrieb kündigte,

endete die 91-jährige Familiengeschichte.

2005 übernahmen Christian

Schulz und David Regehr das Ballhaus

und ließen es weitgehend unverändert.

Schäden aus dem Zweiten

Weltkrieg oder der DDR-Zeit

blieben sichtbar.Stuck prangt neben

grob geputzten Gipslöchern –eine

Berliner Mischung mit Potenzial:

Dermarode Charme zogdie Massen

an. Bis heute werden hier die Tanzbeine

geschwungen, Bündnisse fürs

Leben oder für nur eine Nacht geschmiedet.

Mehrfach diente das Lokal

als Drehort für Spielfilme, etwa

für die ARD-Produktion „Stauffenberg“

(2004) oder „Inglourious Basterds“

von Hollywood-Regisseur

Quentin Tarantino.

Der„Spirit“ muss bleiben

Auch der neue Eigentümer, Yoram

Roth, ist ein Mann der schönen

Künste. Der Sohn des verstorbenen

Immobilienunternehmers Rafael

Roth lebt als Fotokünstler und Investor

in Berlin. Die Roth-Holding mit

Sitz am Kudamm investiert vorwiegend

in Entertainment-Geschäfte,

finanziert etwa aktuell die Fotografiska

Museen für Fotografie in Stockholm

und Tallinn. Noch in diesem

Jahr sollen Ableger in NewYork und

London eröffnen. Auch in Berlin will

Yoram Roth ein Fotografiska-Museum

eröffnen. Man suche noch

nach einem Gebäude. Clärchen

habe damit aber nichts zu tun.

Undwer wird Clärchens Ballhaus

nun führen? „Ich weiß noch nicht,

wer der neue Betreiber wird“, sagt

Roth. „Wichtig ist aber, dass er den

Spirit Berlins sowie Clärchens versteht,

und dass es ehrliche Leute sind,

die offen miteinander umgehen.“

Anders offenbar als die bisherigen

Betreiber Christian Schulz und

David Regehr, die sich im Frühjahr

über das ebenfalls gemeinsam verantwortete

Monbijou-Theater heftig

entzweiten. Den Machtkampf dort

entschied Bühnenbildner David Regehr

für sich. In jedem Fall ist geplant,

den Ort weiter unter dem Namen

„Clärchens Ballhaus“ zu führen

und die Tradition lebendig zu halten.

che Erzeugung erforderlichen Flächen

sind in Ballungszentren noch

wesentlich knapper und teurer als in

den ländlichen Gebieten“, sagt eine

Ministeriumssprecherin.

Eine andere Form der urbanen

Landwirtschaft findet seit einigen

Jahren unter anderem in ausgewählten

deutschen Supermärkten und

Restaurants statt. Das Berliner Unternehmen

Infarm beliefert diese

mit LED-beleuchteten Brutkästen

für Pflanzen. Die Idee hinter dieser

vertikalen Landwirtschaft, dass Basilikum,

Minze und Rucola ohne

Transportwege im Supermarkt

wachsen könnten.

Der Deutsche Bauernverband ist

jedoch zurückhaltend. „Abgesehen

von einigen Start-ups mit hochpreisigen

Nischenerzeugnissen im Bereich

Obst und Gemüse hat Vertical

Farming gesamtwirtschaftlich bislang

kaum Bedeutung“, sagt der

stellvertretende Generalsekretär

Udo Hemmerling. Der Verband ergänzt

jedoch, dass die Wirtschaftlichkeit

aber möglicherweise zunehmen

werde. (dpa)

Polizeichefin

sieht Erfolge

in Neukölln

Neonazi-Anschläge: Mehr als

100 Ermittlungsverfahren

Angesichts der langen Serie mutmaßlich

rechtsextremer Brandanschläge

und Bedrohungen in Berlin-Neukölln

hat Polizeipräsidentin

Barbara Slowik Vorwürfe zurückgewiesen,

die Polizei unternehme zu

wenig gegen die Täter.Esgebe intensive

Ermittlungen und zahlreiche

Maßnahmen, daher sei inzwischen

auch ein deutlicher Rückgang der

Taten zu registrieren, sagte Slowik.

Man setze zudem einen umfassenden

Maßnahmekatalog zum Umgang

mit rechtsextremen Straftaten

um, der vorbeugende und strafverfolgende

Punkte enthalte.

„Die Ermittlungsverfahren sind

nach wie vor nicht abgeschlossen.

Daher dürfen wir inhaltlich darüber

nicht sprechen“, sagte Slowik. „Wir

müssen denVorwurfertragen: Ihrtut

nichts,ihr seid auf dem rechten Auge

blind. Dem ist aber keineswegs so.

Wir können aber nicht darlegen,

welche Maßnahmen wir fahren, weil

es uns nicht erlaubt ist.“ Slowik betonte,

die Zahl der rechtsextremen

Delikte in Neukölln sei inzwischen

deutlich zurückgegangen. Es gebe

weniger Propagandadelikte wie

Schmierereien an Hauswänden.

Diese Delikte hätten sich zumTeil ins

Internet verlagert, weil die Täter feststellen

würden, dass die Polizei auf

der Straße präsent sei.

Im Fall des erschossenen Kasseler

Regierungspräsidenten Walter Lübcke

gebe es nach dem aktuellen Stand

der Ermittlungen keine Verbindungen

nach Berlin, sagte Slowik. Lübcke

war am 2. Juni auf seiner Terrasse im

Landkreis Kassel getötet worden. Der

Generalbundesanwalt geht von einem

rechtsextremen Motiv des Tatverdächtigen

aus. Slowik sagte, die

Berliner Polizei habe nach der Tatin

Kassel die Gefährdungsbewertungen

von Funktionsträgern inBerlin noch

einmal in den Blick genommen.

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Im Test: Optima Sportswagon,

ein Kia als cooler Reisebegleiter

Nach Informationen aus Sicherheitsbehörden

soll es derzeit mehr

als 100 laufende Ermittlungen der

Kriminalpolizei zu den mutmaßlich

rechtsextremen Brandanschlägen

und Drohungen in Neukölln geben.

Seit 2016 wurden laut dem Neuköllner

Bezirksbürgermeister Martin

Hikel (SPD) mehr als 50 rechtsextreme

Angriffe in Neukölln verübt,

darunter 16 Brandanschläge. Sie

richteten sich gegen Büros von Politikern

und Häuser von Menschen,

die sich gegen Rechtsextremismus

positioniert hatten. Am 1. Februar

2018 wurden das Auto eines Buchhändlers,

der schon früher Ziel von

Angriffen und Drohungen aus der

rechtsextremen Szene war,sowie der

Wagen eines Bezirkspolitikers der

Linkspartei angezündet.

Innensenator Andreas Geisel

(SPD) ließ im Frühjahr eine 30-köpfige

neue Ermittlergruppe mit dem

Titel „Fokus“ einrichten, eine sogenannte

Besondere Aufbauorganisation

(BAO). Sie soll alle Fälle noch

einmal intensiv untersuchen. Außerdem

sollen sich Polizei und Verfassungsschutz

in einem neuen „Gemeinsamen

Informations- und Bewertungszentrum

Rechtsextremismus“

besser als bisher austauschen.

Durch Medienberichte war bekannt

geworden, dass der Verfassungsschutz

Informationen über zwei

Neonazis hatte, die politische Gegner

aus dem linken Lager ausspähten.

Die Polizei wurde darüber aber

nicht ausreichend informiert. (dpa)


12 * Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Berlin

Fall Georgine:

Mordprozess

beginnt

Ali K. soll Schülerin 2006 in

seinem Keller getötet haben

VonKatrin Bischoff

Zwölf Jahrelang war das Schicksal

der 2006 verschwundenen Schülerin

Georgine Krüger aus Berlin ungewiss.

Zwölf Jahre lang ließen die

Fahnder der 6. Mordkommission

nicht locker,das Mädchen zu finden.

Dann der Durchbruch. Anfang Dezember

vorigen Jahres wurde Ali K.

festgenommen. Er soll die 14-Jährige

umgebracht haben. Nun muss sich

der 44-jährige dreifache Familienvater

voreiner Schwurgerichtskammer

des Landgerichts verantworten.

„Am 31. Juli beginnt der Prozess

gegen den Angeklagten“, sagte Gerichtssprecherin

Lisa Jani am Donnerstag

der Berliner Zeitung. Dem

Mann werdeVergewaltigung

und

Mord aus Verdeckungsabsicht

vorgeworfen.

Georgine

Krüger war am

25. September

2006 auf dem

Georgine Krüger

wurde 14 Jahre alt.

Heimweg von

der Schule verschwunden.

Das

Mädchen, das Schauspielerin werden

wollte, stieg gegen 13.50 Uhr an

der Perleberger/Ecke Rathenower

Straße aus dem Bus der Linie M27

und wurde dabei von Zeugen zum

letzten Mallebend gesehen.

Die Staatsanwaltschaft geht davonaus,dass

Ali K. das Mädchen aus

der Nachbarschaft, das der Angeklagte

vom Sehen kannte, ansprach.

Er soll die Jugendliche gebeten haben,

ihm beim Tragen von Tüten zu

helfen.

Offenbar lockte der Mann die

Schülerin so in seinen Keller eines

Altbaus in der Stendaler Straße in

Moabit. Dort soll er Georgine vergewaltigt

und umgebracht haben.

Schon kurznach dem Verschwinden

der Schülerin soll auch Ali K. vonden

Ermittlern als Zeuge befragt worden

sein. Damals gab er offenbar an, das

Mädchen nie gesehen zu haben.

Hinweis durch Funkzellenabfrage

Vor sieben Jahren stand der Angeklagte

schon einmal vorGericht, weil

er eine 15-Jährige in seinen Keller gelockt

und versucht hatte, sie sexuell

zu missbrauchen. Dafür erhielt Ali K.

eine Freiheitsstrafe von einem Jahr

und acht Monaten, die wegen seiner

guten Sozialprognose zur Bewährung

ausgesetzt wurde.

Im Fall Georgine wurden die

Mordfahnder erst im Jahr 2017 auf

Ali K. aufmerksam –esheißt, durch

eine Funkzellenauswertung und den

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KARIM MAHMOUD

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Karriere

Stupsen: Gesundheitsförderung

im Betrieb geht nicht von selbst

Sägen: Holzmechaniker sind

die „Schreiner“ der Industrie

Einsatz eines verdeckten Ermittlers.

Er soll Tonaufnahmen von Gesprächen

mit Ali K. gemacht haben, die

auf die Tatdeuten. Ali K., der bisher

mit Gelegenheitsjobs sein Geld verdiente,

soll im Ermittlungsverfahren

die Vorwürfe bestritten haben. Georgines

Leiche konnte bis heute nicht

gefunden werden.

In dem Prozess gegen den mutmaßlichen

Mörder wird Georgines

Mutter als Nebenklägerin auftreten.

Sie hatte noch wenige Wochen vor

der Festnahme von Ali K. erklärt, sie

glaube, dass ihre Tochter noch lebe.

Für das Verfahren vorder 22. Großen

Strafkammer sind bisher 25 Verhandlungstage

vorgesehen.

Ein Urteil könnte demnach am

1. November fallen.

Wohnungen zu niedrigen Mieten: Blick auf die Häuser der Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg,die inmitten der Großsiedlung aus den 70er-Jahren liegen. SABINE GUDATH (3)

Wo Mieterhöhungen Pause machen

Eine Genossenschaft in Lichtenberg bremst den Preisanstieg seit Jahren –vom allgemeinen Deckel hält sie nichts

VonUlrich Paul

Karlheinz Hekke, 81, ist zufrieden.

445 Euro warm

zahlt er für seine rund 60

Quadratmeter große Wohnung,

sagt er. Seit Jahren habe er

keine Mieterhöhung mehr bekommen.

„Ich finde das gut“, sagt der

Rentner. Hekke lebt in einer Wohnung

der Wohnungsgenossenschaft

Lichtenberg. Sie ist mit rund 10 000

Wohnungen die größte Wohnungsgenossenschaft

Berlins – und ein

Beispiel dafür, wie sich am Gemeinwohl

orientierte Vermieter bei Mieterhöhungen

zurückhalten.

„Für die Alt-Mitglieder der Genossenschaft

haben wir von2012 bis

2018 ein Mietenkonzept entwickelt,

nach dem zwei Drittel der Bewohner

sieben Jahre lang keine Mieterhöhung

bekommen haben“, sagt Thomas

Kleindienst, Vorstandsmitglied

der Genossenschaft. „Wir haben dabei

Mietgrenzen von durchschnittlich

fünf Euro pro Quadratmeter

festgelegt.“ Nur diejenigen, deren

Mieten unter diesen Grenzen lagen,

bekamen eine Erhöhung. Außerdem

werden beim Abschluss neuer Verträge

höhereMieten verlangt.

Begrenzung bis 2023

Das Ergebnis: Ende vergangenen

Jahres lag die durchschnittliche

Miete bei der Wohnungsgenossenschaft

Lichtenberg bei 5,64 Euro je

Quadratmeter Wohnfläche – mehr

als einen Euro unter dem Durchschnitt

des aktuellen Mietspiegels.

Nachdem das erste Mietenkonzept

2018 ausgelaufen war, legte die

Genossenschaft ein neues auf. „Im

vergangenen Jahr haben wir das

zweite Mietenkonzept entwickelt“,

berichtet Kleindienst. „Wir erhöhen

danach die Mieten bis 2023 wieder

nur für etwa ein Drittel der Wohnungen,

bei denen die Mieten unter den

Grenzen liegen, um maximal 25 Cent

je Quadratmeter Wohnfläche.“ Bei

einer durchschnittlichen Wohnung

mit 60 Quadratmetern liege die

Mieterhöhung innerhalb von fünf

Jahren bei 15 Euro pro Monat, sagt

Monika Thiele, Ko-Vorstandsmitglied

der Genossenschaft.„Und in jedem

Fall bleiben wir unter dem

Mietspiegel.“

Zum Konzept der Wohnungsgenossenschaft

gehört, dass sie Wohnungen,

die sie neu vermietet, umfassend

saniert –und danach eine

höhere Miete verlangt. „Wir erneuern

die Elektrik, die Fußböden, die

Türen und Sanitäreinrichtungen,

und wir fliesen die Bäder neu“, sagt

Monika Thiele. „Außerdem wird der

Brandschutz aufgerüstet.“ Im

Schnitt investiere die Genossenschaft

bei einer Komplettsanierung

rund 20 000 Euro proWohnung.

Danach werdedie Miete vonmitunter

4,50 Euro je Quadratmeter,die

für den Altzustand zu zahlen war,auf

durchschnittlich 7,20 Euro je Quadratmeter

erhöht, sagt Thomas

Kleindienst. „Das ist Mietspiegel

plus zehn Prozent“ –also die Miete,

die laut Mietpreisbremse erlaubt ist.

MitInvestitionen in ihreWohnungen

Monika Thiele und Thomas Kleindienst, Vorstände der Genossenschaft

versucht die Genossenschaft seit

Jahren attraktiv zu sein. „In den ersten

zehn Jahren nach der Wiedervereinigung

haben wir für knapp 500

Millionen Euro Kredite aufgenommen

und für die umfassende Sanierung

und Instandsetzung ausgegeben“,

sagt Kleindienst. Dabei seien

unter anderem die alten Leitungen

für Gas entfernt und die Häuser an

die Fernheizung angeschlossen worden.

Nach der Finanzkrise habe die

Genossenschaft die Kredite zu günstigeren

Konditionen umschulden

„Wir erhöhen die Mieten bis 2023 nur für

etwa ein Drittel der Wohnungen, bei denen

die Mieten unter den Grenzen liegen, um maximal

25 Cent je Quadratmeter Wohnfläche.“

Thomas Kleindienst, Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft Lichtenberg

können –und die neuen finanziellen

Spielräume für weitereInvestitionen

genutzt. „Wir haben Aufzüge zum

Erdgeschoss verlängert, sodass 20

Prozent der Wohnungen mittlerweile

barrierefrei zugänglich sind.

Undwir haben mehr als 500 Balkone

in den vergangenen fünf bis sechs

Jahren angebaut.“ Das aktuelle Mietenkonzept

funktioniere aber nur,

wenn die Genossenschaft nach einer

Investition von 20000 Euro bei der

Neuvermietung auch die höhere

Miete verlangen könne. „Deswegen

ist der Mietendeckel der Todunseres

Konzepts“, sagt Kleindienst.

Der Deckel sieht vor, dass die

Mieten für fünf Jahre komplett eingefroren

werden –und zwar auch bei

der Wiedervermietung. In solchen

Karlheinz Hekke, Mieter bei der Genossenschaft

Fällen könnte die Genossenschaft

also nur noch die Miete kassieren,

die der Vormieter gezahlt hat. In vielen

Fällen 4,50 Euro je Quadratmeter.

Das widerspreche „jeglichem

Gleichbehandlungsprinzip und jeglicher

Vernunft“, sagt Kleindienst.

Denn damit komme das investierte

Geld nicht mehr zurück. Sollte das

Gesetz rückwirkend zum 18. Juni

greifen, müssten zu viel verlangte

Beträge rückerstattet werden.

Einbußen befürchtet

Auch der Neubau werde abgewürgt,

befürchtet Kleindienst. Zwar sei der

Neubau vom Mietendeckel ausgenommen,

doch gelte dies nur für die

erste Vermietung. Wenn die Genossenschaft

einen Neubau zunächst

für 11,13 Euro pro Quadratmeter

vermiete, wie jetzt, müsse sie nach

dem Mietendeckel damit rechnen,

dass sie bei einem Mieterwechsel

weniger Geld erhalte.

Denn der Mietendeckel sehe die

Einführung von Mietobergrenzen

vor, die sich an einem Zeitpunkt orientieren

sollen, als der Wohnungsmarkt

noch nicht in Schieflage war.

Auf welches Jahr man sich dabei beziehen

wolle, sei „zurzeit komplett

unklar“, sagt Monika Thiele. „Folge

des Mietendeckels wäre, dass wir Investitionen

in die Sanierung und in

den Neubau nicht mehr verantworten

können“, erklärt Thomas Kleindienst.

Verstehen können die beiden

Vorstandsmitglieder das nicht. „Wir

haben im Bestand ein niedriges

Mietniveau und auch bei der Neuvermietung

halten wir uns an den

Mietspiegel“, sagt Monika Thiele.

„Bei uns gibt es keine Luxussanierung

und werden keine Mietwohnungen

in Eigentumswohnungen

umgewandelt.“ Die Deckelung behandele

„aber alle gleich“.

Mann stirbt

bei Brand in

Hochhaus

Ein 36-Jähriger legte das

Feuer in seiner Wohnung

Inder Gropiusstadt hat ein Mann

in der Nacht zu Donnerstag seine

Wohnung angezündet und ist in der

Folge gestorben. DiePolizei geht von

Suizid aus,sagte eine Sprecherin. Ein

weiterer Mensch kam demnach verletzt

in ein Krankenhaus.Als die ersten

Löschfahrzeuge kurz nach Mitternacht

im Käthe-Dorsch-Ring eintrafen,

schlugen bereits Flammen

aus dem Fenster der Wohnung, teilte

eine Sprecherin der Feuerwehr am

Donnerstag mit. Die Brandbekämpfer

löschten das Feuer im sechsten

Stock und verhinderten das Übergreifen

auf andere Wohnungen des

17-stöckigen Mehrfamilienhauses.

Feuerwehr evakuiertGebäude

Insgesamt 80 Bewohner mussten

den Angaben zufolge während der

Löscharbeiten ihreWohnungen verlassen.

Feuerwehrleute versorgten

die Mieter mit sogenannten Brandfluchthauben

und geleiteten sie ins

Freie. Zunächst war von 100 betroffenen

Bewohnerndie Rede gewesen.

Doch dies lag allem Anschein nach

daran, dass Schaulustige vor dem

Haus mitgezählt worden waren.

Den Bewohnern wurde mitgeteilt,

dass sie nach Abschluss der

Kontrollarbeiten in ihre Mietwohnungen

zurückkehren könnten. Am

Donnerstagmittag hieß es von der

Feuerwehr,das Hochhaus sei vonihrer

Seite freigegeben. Insgesamt waren50Feuerwehrleute

im Einsatz.

Ein Feuerwehrmann steht im Fenster der

Neuköllner Brandwohnung. DPA/SOEREN STACHE

DiePolizei muss nun die genauen

Hintergründe des Brandes ermitteln.

Nach ersten Erkenntnissen hatte der

Mann, der bei dem Feuer zu Tode

kam, in Suizidabsicht die Möbel in

einem Zimmer der Brandwohnung

angezündet. Feuerwehrleute fanden

den 36-Jährigen noch während der

Löscharbeiten leblos auf.

Wie am Einsatzort zu erfahren

war, soll es sich bei der zweiten betroffenen

Person um die Mutter des

Verstorbenen handeln. Siewurde vor

dem Neuköllner Hochhaus vonNotfallsanitätern

und einem Notarzt

erstversorgt und anschließend zur

Behandlung ihrer Verletzungen in

ein Krankenhaus gebracht. DieWohnung

brannte vollständig aus. Die

Polizei sprach am Donnerstag von

einem „tragischen Ereignis“.

Nach Informationen der Berliner

Zeitung litt der 36-Jährige, der den

Brand gelegt hat, seit einigen Monaten

an einer schweren Krankheit, die

zu geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen

führen kann. Er saß,

wie zu erfahren war, zuletzt im Rollstuhl

und klagte über Depressionen.

DenEreignissen der Brandnacht soll

außerdem vor wenigen Tagen ein

Streit in der Wohnung vorausgegangen

sein. DiePolizei konnte am Donnerstag

auf Anfrage noch nicht sagen,

wie viele Mieter dortzusammen

gelebt hatten. (mow.,eri./mit dpa)

Haben Sie suizidale Gedanken oderhaben Sie

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Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 13 *

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Berlin

Ex-Gastronom Hartmut Guy spielt dieses Jahr im „Jedermann“ den Teufel. CHRISTIAN SCHULZ Die Lochis werden zu den Spongebob-Feierlichkeiten erwartet. IMAGO IMAGES Die Stimme von Spongebob Schwammkopf: Santiago Ziesmer. IMAGO IMAGES

Einmal vom Schauspieler zum Gastronom und zurück

HARTMUT GUY

war einer der bekanntesten Gastronomen

Berlins. Nur wenige Schritte

vom Gendarmenmarkt entfernt, betrieb

er zwölf Jahre lang das feine

Restaurant Guy, in dem Wirtschaftsgrößen,

Botschafter, Minister und

Präsidenten speisten. Zu seinem 60.

Geburtstag im März2016 veränderte

Guy sein Leben radikal und beendete

die Arbeit als Wirt. Erist ganz

ehrlich: „Nach 27 Jahren als Gastronom

mit allen Höhen und Tiefen war

der Punkt erreicht: Ich konnte keine

Gäste mehr sehen!“

Zwischendurch ist ihm sogar sein

altes Lokal noch mal angeboten worden,

aber damit hat er abgeschlossen:

„Die letzten zwei Jahrehatte ich

mich gequält.“ Gutes Personal zu

finden, war immer schwieriger geworden:

„Ich verstehe gar nicht, wie

man sich das noch antun kann.“

Bei gelegentlichen Ausflügen in

seinen alten Beruf als Schauspieler

stellte Guy fest, dass es ihn immer

noch auf die Bühne zieht: „Ich habe

seit dem Ende als Wirt zwei Theaterstücke

geschrieben, von dem eins

schon gespielt wurde. Im Herbst

werde ich in der Volksbühne Michendorf

im ,Raub der Sabinerinnen‘

auf der Bühne stehen.“ Zu den

besonders beglückenden Erlebnissen

im neuen alten Beruf gehörte

2018 die erste Saison der neuen „Jedermann“-Festspiele

in der Nikolaikirche

in Potsdam. „Als ich voriges

Jahr gefragt wurde,obich Lust hätte,

den Mammon zu spielen, habe ich

spontan zugesagt.“ Die erste Saison

lief großartig, alle Vorstellungen waren

ausverkauft: „Wenn Freunde die

Inszenierung unbedingt sehen wollten,

mussten wir für die zusätzliche

Stühle reinstellen.“

Jeden Abend nahm das Ensemble

ein Vollbad im Applaus und in der

Begeisterung des Publikums, wie

Guysich erinnert: „Als der Regisseur

mich dann fragte, obich 2019 den

Teufel spielen möchte, bin ich zunächst

erschrocken. Aber auch stolz

gewesen.“ In diesem Jahr läuft das

Stück von Hugo von Hoffmannsthal

vom 17. bis zum 30. Oktober. Und

MaxSchautzer ist wieder als Gott dabei.

Hartmut Guy ist dafür dankbar,

dass der „Jedermann“ ihn mit der

TV-Legende zusammengebracht

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Hartmut Guy bewirtete Berühmtheiten und

hatte dann genug von den Gästen

Der Sänger Lukas Rieger zählt auch zu den Spongebob-Fans.

IMAGO IMAGES

hat: „Ich bin ein großer Fanvon ihm

und habe ihn als stillen Kollegen

kennengelernt, der sich nicht in den

Vordergrund spielt.“ Die Titelrolle

hat wieder Timothy Peach übernommen,

als Buhlschaft wird diesmal

Tanja Szewczenko zu sehen sein.

Nach dem Mammon und dem

Teufel siehtGuy fürsichkeine weiteren

Aufstiegschancen im Ensemble:

„Für den Jedermann bin ich zu alt.

Aber der Teufel ist auch meine

Traumrolle. Die hat Tiefe und Humor.“

SANTIAGO ZIESMER

landete als Inhaber einer besonders

markanten Stimme folgerichtig im

Stimmverleiher-Gewerbe. So hört

man ihn als Pfefferkuchenmann in

„Für immer Shrek“ und als Steven

Urkel in mehr als 200 Folgen von

„Alle unter einem Dach“. Die Rolle,

die ihn inzwischen am längsten beschäftigt,

ist auch die schrägste:

Spongebob Schwammkopf, der in

einer Ananas ganz tief im Meer lebt,

wie es im Titellied heißt. Den gibt es

seit 1999, was ein prima Anlass für

Feierlichkeiten ist. Vom Freitag bis

zum Sonntag wirddas 20-Jährige des

gelben Schwammkopfs rund um ein

gläsernes Studio auf dem Marlene-

Dietrich-Platz (der liegt zwischen

Hyatt und dem traurig leer stehendenTheater

am Potsdamer Platz) begangen.

Nick-Moderator Sascha

Quade lebt am Wochenende im gläsernen

Studio undbegrüßt dortFans

von Spongebob wie den Sänger Lukas

Rieger, die Internet-Brüder Die

Lochis,Youtube-Star Freshtorgeund

Rapper Fargo. Am Sonnabend und

am Sonntag schaltet der Kindersender

Nick ab 12 Uhrimmer zur vollen

Stunde zur Spongebob-Sause. Zwischendurch

laufen während des gesamten

Wochenendes Spongebob-

Folgen. In Vorbereitung auf das Fest

hat Graffitti-Künstler HRVB in der

Schlesischen Straße in Kreuzberg

eineWand mit einem neun mal neun

Meter großen Spongebob-Bild verziert.

DerKünstler verbindet viel Positives

mit der Comic-Figur:„Seit ich

zum ersten Mal mit Spongebob in

Berührung kam, bin ich ein Fan. Ich

war direkt fasziniert vom Charakterdesign

und dieser positiven, fröhlich-naiven

Figur.“

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Widerrufsbelehrung finden Sie unter www.berliner-zeitung.de/widerruf

Berliner Verlag, Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin

Wir geben bekannt!

Öffentliche Auslegung des

Entwurfs des „Lärmaktionsplan Berlin 2018-2023“

vom 12. Juli 2019 –SenUVK IC3/37–

Telefon: (030) 9025 –2345/2348

Die Senatsverwaltung fürUmwelt,Verkehrund Klimaschutz legt aufGrund des

§47d Bundes-Immissionsschutzgesetzes –BImSchG, in der Fassung der

Bekanntmachung vom 17. Mai 2013 (BGBl. IS.1274), das durch Artikel 3des

Gesetzesvom 18. Juli 2017 (BGBl. IS.2771) geändert wordenist, den Lärmaktionsplanentwurf

fürdas LandBerlin vor.

Mit dem Entwurf des Lärmaktionsplans 2018-2023 wird über die Mitwirkung

der Öffentlichkeit im Rahmen des Online Dialogs „Berlin wird leiser 2018“

berichtet undeswerdenVorschläge für Maßnahmestrategien zurReduzierung

der Verkehrslärmbelastungen im Ballungsraum Berlin für die Zeit bis 2023

vorgestellt.

Sie haben die Möglichkeit den Entwurf einzusehen und dazu eine Stellungnahme

abzugeben. Ihre Hinweise werden im weiteren Verfahren in die Abwägungeingestellt.

Dies sieht der§47d (3)des BImSchGsovor.

Dazu wird der Entwurf des Aktionsplans in der Zeit vom 17. Juli 2019 bis

16. August2019 öffentlich ausgelegt.

MitAusnahmevom 15. und16. Augustkönnen in diesem Zeitraum die Unterlagen

bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Am

Köllnischen Park 3, 10179 Berlin, in der ständigen Ausstellung im Lichthof,

montags bis samstags inder Zeit von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr eingesehen

werden.

Am 15. und 16. August können die Unterlagen in der Brückenstraße 6, 10179

Berlin, Raum 7.013, in derZeitvon 09:00 Uhrbis 17:00 Uhr eingesehenwerden.

Der Planentwurf wird zusätzlich ab 17. Juli 2019 im Internet unter folgenden

Adressen eingestellt: https://www.berlin.de/leises-berlin/ und https://www.

berlin.de/senuvk/umwelt/laerm/laermminderungsplanung/de/laermaktionsplan/2018/index.shtml.

Zu demPlanentwurf können biszum 30. August 2019 schriftlicheStellungnahmen

abgegeben werden. Nutzen Sie dazu bitte vorzugsweise die Beteiligungsplattform

meinBerlin (https://www.mein.berlin.de), die –unter der angegebenen

Internetadressezufindenden–E-Mail-Adresse, oder den Postweg (Senatsverwaltung

für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, –IC3–,Brückenstraße 6,

10179Berlin).


14 * Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Berlin

Letzte Ruhestätte für Tote ohne Angehörige: Auf dem St. Hedwig-Domfriedhof in Mitte gibt es jeden Tagetwazehn Urnenbestattungen. Und nur bei etwajeder zweiten erscheinen Trauergäste. Blumen sind selten, Grabsteine fehlen.

SABINE GUDATH

Niemand trauert am Grab

In Berlin gibt es jährlich mehr als 2000 Begräbnisse von Menschen ohne Angehörige. Für sie will Superintendent Höcker jetzt öffentliche Gedenkfeiern veranstalten

VonStefan Strauß

Herr B., Jahrgang 1944, ist

am Donnerstag um

9.30 Uhr auf dem St.

Hedwig-Domfriedhof

an der Liesenstraße in Mitte bestattet

worden. Die Urne mit seiner

Asche stand in der Kapelle, eine

weiße Blume lag darauf, drei Kerzen

brannten. Der Urnenträger spielte

einige Takte vom„AveMaria“ voneiner

CD,dann ging er zum Gräberfeld

und versenkte dortdie Urne.Nur wenige

Minuten dauerte die Zeremonie

am Grab von Herrn B.Niemand war

zur Bestattung erschienen, es gab

keine Rede und keine Trauerfeier,

auch keinen letzten Gruß. Nur der

Urnengräber stand am Grab.

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Lesen Sie am Wochenende

Reise

Stramme Waden: Auf dem West

Highland Waydurch Schottland

Wildes Museum: Wie Familien

spielerisch die Bergwelt erkunden

Er sagt, zehn Bestattungen führe

er jeden Tagdurch, und bei etwa fünf

Bestattungen bleibe er allein. „Ich

warte immer noch eine Weile, ob

Trauergäste kommen“, sagt er.

„Dann spreche ich allein ein letztes

Gebet für den Verstorbenen.“

Etwa 34 000 Menschen sterben

jährlich in Berlin. Undbei etwa 2400

von ihnen finden die zuständigen

Gesundheitsämter in den Bezirken

keine Angehörigen, die sich um die

Beerdigung kümmern müssten. Es

gibt auch keine Freunde, Nachbarn

und Kollegen, die eine Trauerfeier

organisieren. Oft sterben diese Menschen

allein in ihren Wohnungen, in

Krankenhäusern oder Altenheimen.

Manche haben für den Todesfall

nicht vorgesorgt, andere keinen

Kontakt mehr zu den Kindern.

Um die Bestattung kümmernsich

dann die Bezirksämter, die Kosten

der Bestattung zahlt das Land Berlin.

Etwa 800 bis 1500 Euro kostet sie

und bei diesen Beträgen ist nur das

Preiswerteste möglich. Trauerfeiern

gehören nicht dazu. Die Urnen werden

auf einem Gemeinschaftsfeld

vergraben, dicht an dicht. Nur der

Name, das Geburts- und Sterbejahr

stehen auf kleinen Schildern. Efeu

bedeckt den Boden.

Die Menschenwürde gilt auch nach dem Tod: Superintendent Bertold Höcker. ENGELSMANN

Ordnungsbehördliche Bestattungen

heißen solche Beerdigungen für

Menschen ohne Angehörige. 2 330

gab es 2018 in Berlin, die meisten in

Mitte (326) und Neukölln (254), die

wenigsten in Steglitz-Zehlendorf

(141) und Lichtenberg(129).

Für Bertold Höcker sind solche

Gemeinschaftsanlagen „anonyme

Massengräber“. DerSuperintendent

des Evangelischen Kirchenkreises

Berlin Stadtmitte weiß aber auch,

dass er an den gesetzlichen Regelungen

solcher Bestattungen nichts än-

dern kann. Doch wenigstens eine

Trauerfeier sollte es für Angehörige

und Hinterbliebene geben. „Eine

Trauerfeier ist wichtig, um Abschied

zu nehmen“, sagt Bertold Höcker.

„Sie ist ein wichtiges Ritual, das im

Trauerprozess nicht fehlen darf.“

Angehörige und Nachbarnberichten,

sie hätten erst nach der Bestattung

vom Tod erfahren. Der Urnenträger

erzählt, manchmal kämen Verwandte

erst einige Monate später ans

Urnengrab, weil sie so lange gebraucht

hätten, um den Begräbnisort

zu erfahren. „Die Behörden sind

überfordert, sie haben keine Zeit,

lange nach Angehörigen zu suchen“,

sagt er.Sokämen Bestatter an die Urnengräber

der Verstorbenen. Siesollten

sich eigentlich um deren feierliche

Beisetzung kümmern. Doch die

Behörde hat sie nicht informiert.

Auch Verwandte stünden manchmal

erst Monate später am Grab.Sie wurden

nicht benachrichtigt. Mitarbeiter

der Gesundheitsämter betonen, alles

zu tun, um Angehörige zu finden und

Freunde bei der Organisation einer

Trauerfeier zu unterstützen.

Für diese Verstorbenen wird Bertold

Höcker nun öffentliche Trauerfeiern

ingroßen Kirchen der Stadt

veranstalten. „Es gehört zur Menschenwürde,

dass niemand ohne

Trauerfeier unter die Erde kommt“,

sagt der 60-jährige Theologe. Im

Herbst wird es die ersten öffentlichen

Gedenkstunden geben. „Es ist

eine neue Form der Trauerfeier. Für

Gläubige und Nichtgläubige.“

In Köln hat es Höcker geschafft,

dass die Stadt anders mit diesen Toten

umgeht. Dort hat er seit 2006

monatliche „Gottesdienste für Unbedachte“

veranstaltet. Als er 2009

Superintendent in Berlin wurde,

wollte er diese Gedenkfeiernauch in

der Hauptstadt etablieren. Doch anders

als in Köln weigerte sich der Berliner

Senat aus datenschutzrechtlichen

Gründen, Namen und konfessionelle

Bindung der Verstorbenen

an die Kirche weiterzugeben. „Wir

wissen nicht, wergestorben ist.“

Nunhat Bertold Höcker einen anderen

Weg gefunden. Mit den Bezirksbürgermeistern

von Mitte, Pankow

und Friedrichshain-Kreuzberg

hat er vereinbart, dass Bezirksmitarbeiter

auf den Trauerfeiern die Namen

der Verstorbenen verlesen –mit

Kerzen, Blumen, Musik, Gebeten

und Texten, die sich auch an Menschen

richten, die nicht gläubig sind.

Die erste Trauerfeier dieser Art

soll im Herbst in der Marienkirche

am Alexanderplatz stattfinden, weitere

inder Hoffnungskirche in Pankow

und der Heilig Kreuz Kirche in

Kreuzberg, die sich um Obdachlose

kümmert, auch um deren Beisetzungen.

In Reinickendorf gab es bereits

im Januar so eine Feierstunde.Doch

es kamen nur wenige.

Aufdem St.Hedwig-Domfriedhof

an der Liesenstraße beginnt halb elf

die vierte Beisetzung. Und zum ersten

Malandiesem Tagerscheinen einige

Trauergäste zur Beerdigung des

verstorbenen HerrnK.

Keine Woche vergeht in diesem

Sommer ohne dramatische

Nachrichten zur Lage unseres Planeten.

Gerade stellte sich heraus: Der

arktische Permafrost weicht mit einer

Rekordgeschwindigkeit auf. Expert*innen

erwarteten diese massive

Veränderung erst im Jahr 2090. Die

Welt und damit auch wir als ihreBewohner*innen

befinden uns längst

im Klimanotstand –auch ohne dass

ihn jemand ausruft. Es ist unsere

Realität.

Während ich diesen Beitrag verfasse,

brennen die Wälder und in

Friedrichshain schwitzen Menschen

um 21.30 Uhr bei über 30 Grad auf

ihren Balkonen, in ihren Wohnungen

und in den Restaurants und

Kneipen, während die Straßenbäume

vor den Lokalen verdorren.

Dieses Jahr mussten wir als Bezirksamt

in Friedrichshain-Kreuzbergbereits

im April die Menschen bitten,

uns beim Gießen der Bäume zu unterstützen.

Für einige scheint es daher,

als habe die kommunale Politik

und Verwaltung hier nicht ausreichend

gehandelt.

Gastbeitrag

„Klimanotstand darf kein Dauerzustand sein“

Dabei gibt es in Friedrichshain-

Kreuzberg seit Jahren ein ganzes

Bündel an Klimaschutzmaßnahmen.

Wir treiben die energetische

Sanierung unserer bezirkseigenen

Gebäude voran, planen die Begrünung

unserer Dächer und mehr Solaranlagen.

Wirbauen unseren kommunalen

Fuhrpark nachhaltig um

und setzen dabei insbesondere auf

Fahrräder –für die Einsatzkräfte des

Ordnungsamtes genauso wie für die

Mitarbeiter*innen des Grünflächenamtes.

Die Radinfrastruktur wird

ausgebaut und auf den Bunkerbergen

im Volkspark Friedrichshain

wird ein Wald aus heimischen Bäumen

und Sträuchern gepflanzt. Wir

unterstützen Initiativen vor Ort, die

sich in ihren Kiezen für Verkehrsberuhigung

oder Autofreiheit einsetzen

wie im Wrangelkiez und probieren

inder Böckhstraße neue Konzepte

zur Nutzung des Straßenraumes

aus.

Aber auch international setzen wir

uns für Klimaschutz ein: in der Zusammenarbeit

mit unserer Partnergemeinde

SanRafael del SurinNica-

Clara Herrmann ist Umweltstadträtin im Bezirk

Friedrichshain-Kreuzberg. Hier sagt sie, warum sie

für grüne Oasen und gegen glühenden Asphalt ist

Clara Herrmann

IMAGO IMAGES

ragua, wo die Folgen des Klimawandels

schon länger und dramatischer

spürbar sind als bei uns in Berlin. Aktuell

unterstützen wir die Kommune

dort beim Aufforsten eines ehemaligen

Kalksteinbruchs und durch regelmäßigen

Wissenstransfer zwischen

unserenVerwaltungen.

All das sind gute und wichtige

Maßnahmen, aber reichen nicht

mehr aus. Wir haben nicht viel Zeit

und müssen schneller und radikaler

handeln. Damit Klimaschutz kommunal

wirksam werden kann, brauchen

wir Kommunen Unterstützung

von der Bundesebene, wir brauchen

entsprechende Gesetzesänderungen

und wir brauchen dringend finanzielle

und personelle Ressourcen,

um dem Klimawandel zu begegnen.

WerKlimaschutz vor Ort konkret

wirksam machen will, muss sich

trauen, radikaler zu denken als bisher.

Alle Beschlüsse und sämtliches

Verwaltungshandeln müssen unter

Klimavorbehalt gestellt werden.

Keine Bebauung mehr ohne Klimaprüfung.

Wir brauchen eine Pflicht

zum klimaneutralen Bauen, kein

Dach ohne Solarzellen sowie Begrünung

der Dächer und Fassaden.

Nicht nur bei Immobilien, auch

im öffentlichen Raum, muss der Klimaschutz

noch viel stärker berücksichtigt

und umgesetzt werden. Unsere

Straßen, Plätze, Parks und Bürgersteige

sind ein Gemeingut, das im

Sinne des Gemeinwohls genutzt

werden kann und muss. Wenn die

globale Erwärmung ansteigt und das

Leben in den Städten immer schwieriger

und gesundheitsgefährdender

wird, müssen wir auch unbequeme

Entscheidungen treffen und umsetzen.

Wir brauchen in der Stadt jede

grüne Oase im öffentlichen Raum,

jeder Baum ist eine biologische Klimaanlage.Ein

Parkplatz mit glühendem

Asphalt hingegen nutzt nur der

einen Person, die dort ihr Auto abstellt.

Der Allgemeinheit dient er

nicht. Radikaler Klimaschutz bedeutet,

in der Innenstadt keine weiteren

Grünflächen zu bebauen, sondern

im Zweifel, öffentliche Flächen zu

entsiegeln und zu begrünen.

Erste deutsche Kommunen wie

die Stadt Münster haben mittlerweile

den „Klimanotstand“ ausgerufen.

Das Ausrufen des „Klimanotstandes“

ist ein scharfes Schwert

und ein Alarmzeichen. Noch wichtiger

ist es angesichts dieses Alarmzeichens

aber, konkrete Maßnahmen

zum Klimaschutz folgen zu lassen.

Ein Notstand kann schließlich kein

Dauerzustand sein.


Inspirierende Reiseziele

LESERREISEN

ALLGEMEINE INFORMATIONEN UNTER

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Kennwort: Berliner Zeitung

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Zauber des Mekong

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Reap /Saigon –Danang /Hue –Hanoi /Hanoi –Frankfurt

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Griechenland –beim Klang dieses Namens stellen sich sogleich

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•5bzw. 6ÜN/Frühstücksbüfett im Hotel Gasthof

,,Zum Storch“ in Schlüsselfeld

•4bzw. 5x Abendessen (3-Gang-Wahlmenü)

•Steigerwald-Rundfahrt mit örtlicher Reiseleitung

• Weihnachtstermin: inkl. Weihnachtsfeier, Ausflug Nürnberg

mit Christkindelmarkt, Fackelwanderung mit Glühwein u.v.m.

• Silvestertermin: inkl. Gala-Silvesterfeier, Brauereibesichtigung,

Ausflug Würzburg, Neujahrswanderung u.v.m.

Im Preis enthaltene Leistungen:

•Fahrt im modernen Reisebus

•7ÜN/HP im firmeneigenen PTI Hotel Eichwald

•Orientierungsrundgang Kempten

•Ausflug München, Ausflug Füssen/Schloss Neuschwanstein

•Eintrittskarte Musikparade (Kategorie 2)

•1xKaffee/Tee und 1Stück Torte

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•Unterhaltungs- und Tanzabend mit Live-Musik

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Im Preis enthaltene Leistungen:

•Fahrt im modernen Reisebus

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• Fährüberfahrt Ancona –Patras mit Anek-Lines oder Superfast-Ferries

(1 Nachtfahrt/Frühstück, 4-Bett-Kabine, innen, mit Dusche/WC)

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Reiseveranstalter (i. S. d. G.): PTI Panoramica Touristik International GmbH, Neu Roggentiner Straße 3, 18184 Roggentin/Rostock

Mehr Informationen auch unter www.berliner-zeitung.de/leserreisen |leserreisen@berliner-zeitung.de

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Reisen und rechtliche Hinweise erhalten Sie vom Reiseveranstalter.


16 * Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Berlin/Brandenburg

NACHRICHTEN

Wanderer aus Brandenburg

stürzt in Tirol in den Tod

Beim WanderninÖsterreich ist ein

60-jähriger Brandenburger tödlich

verunglückt. Über steile Wiesen und

nahezu senkrechtes Felsgelände

stürzte der Mann aus dem Landkreis

Teltow-Fläming rund 250 Meter ab,

teilte die Polizei am Donnerstag mit.

Er war am Mittwoch alleine auf einer

schwarzgekennzeichneten Route in

Richtung Schernerskopf in Tirolunterwegs.

(dpa)

Kamera auf Jungentoilette

an Schule entdeckt

An der Voltaire-Gesamtschule in

Potsdam sind bei Routinearbeiten

während der Sommerferien drei unerlaubt

installierte Kameras entdeckt

und entfernt worden. Eine der

Kameras befand sich auf einer Jungentoilette,wie

die Stadt Potsdam

am Donnerstag mitteilte.Demnach

zeigte die Kameraentlang der Längswand

in den Raum. Laut der Staatsanwaltschaft

Potsdam gebe es derzeit

keine Hinweise auf einen sexuellen

Hintergrund. (dpa)

Landesregierung will

Flüchtlinge aufnehmen

Dierot-rote Brandenburger Landesregierung

hat das Bundesinnenministerium

dazu aufgefordert, die

Aufnahme vonFlüchtlingen aus Seenot

zu ermöglichen. „Brandenburg

hat mehrfach erklärt, solche Flüchtlinge

aufnehmen zu wollen“, sagte

Europaminister Stefan Ludwig

(Linke). „Ohne eine Entscheidung

aus dem Innenministerium können

wir das nicht. “Der Landtag hatte

2016 entschieden, Mitgliedernder

religiösen Minderheit der Jesiden zu

helfen. (dpa)

Feuer zerstörtWohnungen

in Stahnsdorf

DieBewohner eines Mehrfamilienhauses

in Stahnsdorf(Potsdam-Mittelmark)

haben am Donnerstag wegen

eines Feuers ihreWohnungen

verlassen müssen. DieGemeindeverwaltung

habe Ersatzwohnungen

organisiert, sagte eine Sprecherin.

DasFeuer war gegen 6Uhr auf einem

Balkon in der Wannseestraße

ausgebrochen, 58 Feuerwehrleute

löschten die Flammen. (dpa)

Bus ohne Fahrer und Lenkrad

In Wusterhausen/Dosse rollt der erste autonome Linienbus durch den normalen Stadtverkehr

VonTorsten Müller,Wusterhausen

Ein kurzes Signal ertönt, die

Türen des Kleinbusses

schließen sich. Kay Stilt

stellt an einem Schalter

gleich neben den Türen auf Automatikbetrieb

um. Es folgt noch ein Klingeln

wie von einem Glöckchen einer

alten Straßenbahn, dann rollt das

kleine Gefährt sanft auf der Neuen

Poststraße vonWusterhausen/Dosse

(Landkreis Ostprignitz-Ruppin)an.

„Jetzt fahren wir völlig autonom im

normalen Stadtverkehr“, sagt Kay

Stilt, der im Mittelraum des Busses

zwischen zwei Sitzreihen mit je drei

Plätzen steht. Der Busfahrer der Ostprignitz-Ruppiner

Personennahverkehrsgesellschaft

begleitet die Jungfernfahrt

des ersten automatisierten

Stadtbusses in Brandenburg, die am

Donnerstag ein neues Kapitel in der

Entwicklung autonomer Verkehrssysteme

einläutete. Es ist deutschlandweit

das erste Fahrzeug, das sich

selbstständig im normalen Straßenverkehr

bewegt. Kay Stilt ist daher

auch kein Busfahrer mehr,seine neue

Berufsbezeichnung lautet Operator.

Wie ein Bauchladen vorder Brust

Klinik-Experiment: Aufdem

Campus Charité Mitte und

dem Campus Virchow-Klinikum

sind seit Frühjahr 2018

vier autonom fahrende Minibusse

unterwegs. Mitarbeiter,Patienten

und Besucher

können sie kostenlos nutzen

–montags bis freitags von9

bis 16 Uhr im Einsatz.

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Wir beraten Sie gerne –kostenlos und unverbindlich.

Einfach anrufen unter: 030 232750

Bis zu sechs Personen haben in dem autonom fahrenden Bus Platz.

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BERLINER PROJEKT

Streckenlänge: Aufdem

Charité-Areal steuerndie E-

Busse auf der 1,2 Kilometer

langen Streckeneun Haltestellen

an. Die beiden Busse

am Virchow-Klinikum verkehren

die gelben Busse eines

französischen Herstellers auf

zwei Routen mit 0,8 und

1,5 Kilometern.

TORSTEN MÜLLER

Benutzer: Im vergangenen

Jahr nutzten rund 4000

Menschen die Möglichkeit,

sich kostenlos mit Höchsttempo

12 befördernzulassen

–darunter auch Touristen.

WiezuBeginn ist aus Sicherheitsgründen

eine Aufsichtsperson

an Bord, die

bei Problemen eingreift.

Nach rund zwei Jahren Vorbereitungszeit

ist das futuristisch anmutende

Elektrofahrzeug, das ohne

Führerstand und Lenkrad daherkommt,

im Linienverkehr der brandenburgischen

Kleinstadt unterwegs.

Esist mit einem Softwaresystem

und Sensoren ausgestattet, die

es wie auf Schienen zwischen Marktplatz,

Rathaus und Bahnhof mit einer

Geschwindigkeit von15Kilometer

proStunde auf Spur halten. Da es

aber rechtlich in Deutschland noch

nicht gestattet ist, fahrerlose Autos

oder andere Fortbewegungsmittel

auf öffentliche Straßen zum Einsatz

zu bringen, wird das Hightech-Gefährt

von einem Operator wie Kay

Stilt kontrolliert.

Mittels einer Fernbedienung, die

ihm wie ein Bauchladen vorder Brust

hängt, kann er jederzeit eingreifen

oder auch ganz auf manuellen Betrieb

umstellen. Steht zum Beispiel

ein geparktes Auto zu weit im Straßenraum

oder versperrtein Müllfahrzeug

den Weg, dann bremst der Bus

selbstständig ab und Kay Stilt greift

nach seinem Joystick, um das Hindernis

selbst zu umschiffen. Er hat wie

weitere Kollegen seines Betriebes

Schulungen des französischen Herstellers

EasyMile belegt, um das System

aus Kartennavigation, Lokalisierung

und Hindernismanagement

halbwegs zu verstehen und im Ernstfall

reagieren zu können. „Das ist

schon eine spannende Sache, dass

ich hier in meiner kleinen Altstadt mit

so einem hochmodernen Teil unterwegs

bin“, sagt der Wusterhausener.

„Aber man muss schon noch höllisch

aufpassen und immer in der Lage

sein, auf Fußgänger, Radfahrer oder

auch überholende Fahrzeuge reagierenzukönnen.“

Auf Sicherheit legen die Protagonisten

des vom Bund mit mehr als

1,5 Millionen Euro geförderten Modellprojekts

höchsten Wert. Neben

dem lokalen Verkehrsbetrieb und

dem französischen Fahrzeughersteller

sind das Land Brandenburg, die

kommunalen Behörden und Wissenschaftler

der Technischen Universitäten

Berlin und Dresden mit an

Bord. Sie alle erhoffen sich von der

nun anstehenden Testphase von

rund einem Jahr nicht nur vielfältige

Erkenntnisse aus dem unmittelbaren

praktischen Betrieb, sondern

auch eine Weiterentwicklung der

Technik, die der Mobilität auf dem

Land einen neuen Schub geben soll.

3,5 Kilometer und 17 Haltestellen

„Wir stehen noch am Anfang, noch

geht es darum, das Manövrieren auf

Parkplätzen oder auf Kopfsteinpflaster

zu perfektionieren“, sagt Forschungsleiter

Thomas Richter.„Aber

es ist schon unser Ziel, hier in der

Prignitz innerhalb des nächsten Jahres

die längste autonom bzw. hochautomatisiert

betriebene Shuttlestrecke

in Deutschland aufzubauen.“

Schon in wenigen Wochen

sollen ein Supermarkt und auch ein

etwas abseits gelegenes Wohngebiet

mit angeschlossen werden. Dann

beträgt die Teststrecke rund 3,5 Kilometer,

auf der 17 Haltestellen angefahren

werden.

Als der Bus nach einer seiner ersten

Runden wohlbehalten wieder

am Marktplatz hält, klopft Fahrgast

Hartmut Hanke dem Operator Kay

Stilt anerkennend auf die Schulter.

„Das ist die Zukunft, davon bin ich

überzeugt“, sagt der 78-Jährige, der

im Nachbardorf Holzhausen wohnt

und zum Start des Probebetriebes

extra auf den Marktplatz von Wusterhausen

gekommen ist. „Vielleicht

erlebe ich es ja noch, dass ich mir so

einen Bus zumeinem Haus hinterm

Feld bestellen kann. Ichglaube,dass

ist bald wirklich kein Traum mehr.“

Gespräche statt Streit

Karl-Marx-Allee: Verhandlungslösung angestrebt

ImStreit um denVerkauf voninsgesamt

vier Wohnblöcken mit mehreren

Hundert Wohnungen an der

Karl-Marx-Allee an die Deutsche

Wohnen bahnt sich möglicherweise

eine Verhandlungslösung an.

Das Kammergericht teilte am

Donnerstag mit, dass im Rechtsstreit

um einen der Blöcke mit rund

150 Wohnungen der Verkäufer Predac

und die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft

Mitte (WBM)

einen für den selben Tagangesetzten

Gerichtstermin nicht wahrgenommen

haben. Grund dafür ist nach

Angaben aus der Finanzverwaltung,

dass beide Seiten auf Wunsch der

Predac ausloten wollen, welche

Möglichkeiten einer außergerichtlichen

Verständigung bestehen.

DiePredac wollte dieWohnungen

in dem Block eigentlich an die Deutsche

Wohnen verkaufen, das konnte

die landeseigene WBM aber mithilfe

einer einstweilige Verfügung vorerst

stoppen. Darüber sollte es am Donnerstag

zur mündlichen Verhandlung

kommen. DiesesVerfahren ruht

aber nun. DieeinstweiligeVerfügung

bleibt solange jedoch weiter in Kraft,

teilte die Finanzverwaltung mit. Das

Landgericht hatte die einstweilige

Verfügung im Januar erlassen. Die

Richter sahen die Gefahr, dass mögliche

Vorkaufsrechte der Mieter oder

der WBM vereitelt werden, wenn die

Predac an die Deutsche Wohnen verkauft.

Diefraglichen Wohnungen gehörten

einst der WBM, ehe sie in den

90er-Jahren privatisiertwurden.

Wie berichtet, wollte die Predac

anfangs insgesamt fünf Wohnblöcke

in der Karl-Marx-Allee an die Deutsche

Wohnen verkaufen. Der Senat

will die Wohnungen jedoch in kommunalen

Besitz bringen. Für einen

Block mit 80 Wohnungen, der im Milieuschutzgebiet

liegt, hat der Bezirk

Friedrichshain-Kreuzberg sein Vorkaufsrecht

zugunsten der WBM ausgeübt.

Für die übrigen vier Blöcke

mit mehr als 800 Wohnungen ist die

Zukunft noch unklar.

Zuletzt hatte das Kammergericht

entschieden, dass die WBM den Verkauf

dreier Blöcke mit 675 Wohnungen

nicht per einstweiliger Verfügung

stoppen kann. Doch hatten die

Richter darauf verwiesen, dass die

Frist für die Ausübung des Vorkaufsrechts

der Mieter noch nicht begonnen

habe zu laufen. Die Deutsche

Wohnen hatte sich in dem Konflikt

gesprächsbereit gezeigt. (ulp.)

Stipendium

für junge

Mediziner

Landesregierung will

den Ärztemangel mildern

In den ländlichen Regionen in

Brandenburg fehlt es an Ärzten.

Die Situation verschlechtert sich

auch, weil nach Angaben der Kassenärztlichen

Vereinigung Brandenburg

jeder dritte Brandenburger

Hausarzt älter als 60 Jahrealt ist und

bald in den Ruhestand geht. DieLandesregierung

hat deshalb am Donnerstag

ein Stipendium für angehende

Landärzte gestartet. Dasteilte

das Gesundheitsministerium mit.

Junge Mediziner, die nach ihrer

Ausbildung in ländlichen Regionen

arbeiten wollen, können sich ab sofort

für das Brandenburg-Stipendium

bewerben. Das Stipendium

soll monatlich 1000 Euro betragen

und kann bei der Kassenärztlichen

Vereinigung (KVBB) beantragt werden.

Dafür verpflichten sich die jungen

Ärzte, für mindestens fünf Jahre

in ländlichen Regionen zu arbeiten.

Studierende,die bereits ein anderesStipendium

voneiner Kommune

oder einem Krankenhausträger erhalten,

können sich um ein Co-Stipendium

in Höhe von 500 Euro bewerben.

Zudem wird die Weiterbildung

von20MedizinernzuFachärzten

finanziell unterstützt.

Gesucht werden nach Angaben

des Ministeriums neben Hausärzten

Spezialisten wie Frauenärzte,Psychiater,

HNO-Ärzte, Augenärzte oder

Neurologen. Ein KVBB-Sprecher

nannte Städte wie Guben, Forst

(Lausitz), Pritzwalk (Prignitz) und

Wittstock (Dosse) (Ostprignitz-Ruppin),

in denen Allgemeinärzte gebraucht

würden. In Eisenhüttenstadt

und Zehdenick (Oberhavel)

fehlten vorallem Fachärzte.

Gerade in den ländlichen Regionen

werde die Situation immer

schwieriger, sagte der Sprecher weiter.Beispielsweise

seien fehlende Infrastruktur

und Schulangebote für

Kinder oder auch keine Arbeit für

den Partner Gründe, warum junge

Mediziner auf dem Land nicht arbeiten

wollten.

Kritik vonder CDU

Das Brandenburg-Stipendium sei

„Wunschdenken“, kritisierte CDU-

Landeschef Ingo Senftleben. „Denn

so wie das Stipendium derzeit gestaltet

ist, will die Landesregierung baden-württembergische

und bayerische

Studenten bezuschussen –in

der Hoffnung, dass sie nach dem

Studium eine Karriere inihrer Heimat

in den Wind schlagen und nach

Brandenburg kommen.“ Das könne

nicht funktionieren, sagte Senftleben.

Der Nachwuchs müsse schon

während des Studiums nach Brandenburg

gelockt werden. „Dann

schlagen sie hier Wurzeln, machen

Brandenburg zu ihrer Heimat und

bleiben als Landärzte.“

Das Programm für Ärzte auf dem

Land wurde von der Landesregierung

initiiert und wird aus Landesmitteln

finanziert. Dafür sind im

Haushalt für 2019 rund 2,4 Millionen

Euro und für 2020 etwa 3,3 Millionen

Euro vorgesehen. (dpa)

LOTTO-QUOTEN

Mittwoch-Lotto:

3-14-25-30-37-39, Sz. 9

QUOTEN

Klasse 1: unbesetzt x5514 812 Euro

Klasse 2: 1x804 416,30 Euro

Klasse 3: 31 x12974,40 Euro

Klasse 4: 331 x3645,30 Euro

Klasse 5: 1811 x222,00 Euro

Klasse 6: 18 075 x44,50 Euro

Klasse 7: 34 943 x23,00 Euro

Klasse 8: 347 452 x10,40 Euro

Klasse 9: 265 694 x5,00 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!


Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 17

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Gesundheit

Unterschätzte Volkskrankheit

Kaum eine Erkrankung wird so stark unterschätzt wie Bluthochdruck. Allein in Berlin und Umgebung leiden rund eine Million Menschen darunter

VonMichael Timm

Meist ist es so: Sie merken

nichts.Absolut gar

nichts. Sie fühlen sich

sogar wohl in Ihrer

Haut. Aber oft lauertinIhrem Körper

trotzdem eine tödliche Gefahr: Bluthochdruck!

Heribert Schunkert,

Ärztlicher Direktor des Deutschen

Herzzentrums München, erlebt es

jeden Taginseiner Klinik: „Die meisten

Patienten mit Herz-Kreislauf-

Krankheiten, Infarkten oder Schlaganfall

haben einen zu hohen Blutdruck“,

sagt der Kardiologe. „Doch

viele vonihnen wissen gar nichts davon.

Erst die Blutdruckmessung in

der Klinik förderterschreckend hohe

Werte zutage. Sie haben sich unbemerkt

entwickelt.“

Neue Faustformel

Mindestens einmal im Jahr sollte jeder seinen Blutdruck messen lassen. IMAGO STOCK&PEOPLE

Fünf Tipps: Durch einen gesünderen

Lebensstil lässt

sich Bluthochdruck günstig

beeinflussen. Nachfolgend

einigeEmpfehlungen der

Deutschen Herzstiftung.

Sportprogramm: Mit fünfmal

pro Woche jeweils 30

Minuten Ausdauersportlassen

sich bei Bluthochdruck

die Werteumetwa fünf bis

zehn mmHg senken.

SO SENKEN SIE DIE WERTE OHNE PILLEN

Ernährung: Schafft man es,

die tägliche Kochsalzzufuhr

auf unter sechs Gramm zu

verringern, kann man dadurch

den hohen Blutdruck

deutlich senken.

Alkohol-Verzicht: Männer

sollten nicht mehr als

20 Gramm Alkohol pro Tag

trinken, was einem halben

Liter Bier entspricht, Frauen

nur die Hälfte.

Gewichtsreduktion: Jedes

verlorene Kilogramm kann

den Blutdruck um ein halbes

bis zwei mmHg senken.

Stressvermeidung: Bestimmte

Formen vonStress

treiben den Blutdruck in die

Höhe. Erkundigen Sie sich,

wo in Ihrer Gegend Seminare

für eine bessere Stressbewältigung

angeboten werden.

Dabei ist Bluthochdruck keineswegs

nur ein Markenzeichen für gestresste

Manager und Politiker, sondern

eine echte Volkskrankheit. In

Deutschland ist etwa jeder Vierte betroffen.

Im Rentenalter sogar jeder

Zweite. Die Lage ist dramatisch:

Jährlich sterben mehr als 20 000 Berlinerinnen

und Berliner an den Folgen

wie Herzkrankheiten, Infarkt

oder Schlaganfall.

DasSchlimme dabei: Jeder fünfte

Patient weiß nicht, dass seine Werte

zu hoch sind. Und nur etwa jeder

zweite Hochdruckpatient erhält eine

ausreichende Behandlung. Selbst

wenn den Betroffenen die Krankheit

bekannt ist, kümmernsich die meisten

nicht weiter darum. Sie nehmen

den Blutdruck auf die leichte Schulter.„Viele

nehmen die vom Arzt verordneten

Medikamente gar nicht

oder nicht dauerhaft und konsequent

ein“, erklärt der Kardiologe.

„Denn Bluthochdruck tut ja nicht

weh. Viele denken, es wird schon

nicht so tragisch sein. Das aber ist

ein folgenschwerer Fehler, der im

ungünstigsten Fall zum tödlichen

Irrtum werden kann.“

Doch die fatalen Folgen der unterschätzten

Krankheit lassen sich

leicht vermeiden: „Jeder Erwachsene

sollte sich mindestens einmal

pro Jahr den Blutdruck messen lassen“,

rät Schunkert. „Auf diese

Weise kann man einen beginnenden

Hochdruck frühzeitig erkennen

und rechtzeitig gegensteuern.

Doch wann ist der Blutdruck zu

hoch? Hier gibt es wichtige neue

Erkenntnisse. Früher galt: Der

Blutdruck sollte auf 100 mmHg

plus Lebensalter eingestellt werden.

Die Abkürzung mmHg steht

für „Millimeter Quecksilbersäule“,

Hg ist die chemische Bezeichnung

für Quecksilber.Für einen 60-Jährigen

bedeutet die Faustformel also

160 mmHg. Das ist jedoch schon

lange überholt.

Später wurde die Grenzedes oberenWertes

auf 140 und die des unterenWertes

auf 90 festgelegt, was aber

auch nur vonnicht einmal der Hälfte

aller Bluthochdruck-Patienten erreicht

wird. Vor kurzem kam nun

eine große und aufsehenerregende

wissenschaftliche Studie zu dem Ergebnis,dass

es oft am besten sei, den

Blutdruck sogar auf unter

120 mmHg zu senken. „Diese sogenannte

Sprint-Studie, die an über

9300 Patienten über 50 Jahren

durchgeführt wurde, erregte unter

Medizinern weltweit großes Aufsehen“,

sagt Schunkert. „Allerdings

gelten die neuen Zielwerte vonunter

120 mmHg nicht für alle Patienten.

Eine derart intensive Blutdrucksenkung

kann in manchen Fällen sogar

schaden.“ Zum Beispiel dann, wenn

gleichzeitig Begleiterkrankungen

wie etwa eine Koronare Herzkrankheit

vorliegen. Hier könnte eine zu

starke Senkung des Blutdrucks die

Durchblutung der Herzkranzgefäße

vermindern.

Doch welche neuen Regeln gelten

nun? Laut Schunkert sollte der Blutdruck

bei Menschen mit einem mäßigen

Herz-Kreislauf-Risiko unter

130 mmHg liegen. Bei geeigneten

Patienten könnte eine stärkere Senkung

auf unter 120 mmHg weitere

beeindruckende Erfolge bringen.

„Das sind“, so der Kardiologe,

„Frauen und Männer über 50 Jahre,

deren Herz-Kreislauf-Risiko noch

nicht allzu hoch liegt.“

Als neue Faustregel gilt: Je jünger

und gesünder ein Patient mit Bluthochdruck

ist, desto näher sollte er

an die Grenzevon 120 mmHg herangeführt

werden. „Ein junger Mensch

beispielsweise,dessen Blutdruck bei

140 mmHg liegt, was bis vorkurzem

gerade noch als normal galt, sollte

seine Werte heute auf unter

120 mmHg senken“, sagt Schunkert.

Allerdings nur dann, wenn keine Begleiterscheinungen

wie zu niedriger

Blutdruck, Ohnmachtsanfälle,

Schwindel oder Störungen des Elektrolythaushalts

vorliegen. Deshalb

sollte der Hausarzt Blutdruck und

Zustand des Patienten regelmäßig

kontrollieren.“

DieBehandlung durch den Hausarzt

beginnt oft mit einer Umstellung

des Lebensstils.Wenn das nach

spätestens drei bis sechs Monaten

nicht gelingt oder wenn die Werte

stark erhöht sind, verschreibt der

Arzt Medikamente. Oft kombiniert

er dabei mehrere Präparate. Aber

nicht, weil die Krankheit besonders

schlimm ist, sondern weil sich die

Wirkungen der einzelnen Mittel addieren

und die möglichen Nebenwirkungen

geringer ausfallen.

Vorübergehende Nebenwirkungen

Zu diesen Nebenwirkungen gehören

Müdigkeit, Schwindel oder Atemnot.

Sietreten oft nur vorübergehend auf.

Nach etwa zwei Wochen hat sich der

Körper in der Regel daran gewöhnt,

dass er nicht mehr unter Dampf

steht.

Ängste vor einer Dauertherapie

sind außerdem unbegründet. Denn

ein unbehandelter Hochdruck hat

wesentlich schlimmere Folgen als

ein paar leichtere Nebenwirkungen.

Kardiologe Schunkert: „Nur wer seinen

erhöhten Blutdruck auf Dauer

normalisiert, kann Gefäßverkalkung,

Augen- und Nierenschäden,

Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern.“

Zu viel Obst kann ungesund sein

Ernährungsexperten raten, den Zuckergehalt von Apfel, Banane &Cozuberücksichtigen

VonTobias Hanraths

Ein Apfel ist gesund, klar. Und

zwei Äpfel sind noch immer besser

als jeder Schokoriegel. Drei vermutlich

auch, oder? Wasist mit vier

Äpfeln? Fünf? Zehn? Kann man zu

viel Obst essen –ganz nach dem Klischee

von der Dosis, die das Gift

macht? „Obst kann definitiv auch

ungesund sein“, sagt der Allgemeinmediziner

und Autor Carsten Lekutat.

Schließlich enthält Obst Fruchtzucker

–darum schmeckt es so gut

und süß. „Fruchtzucker ist am Ende

auch Zucker, mit allen Problemen,

die damit einhergehen“, sagt Lekutat.

Sein aktuelles Buch heißt„Ein Apfel

macht gesund, drei Äpfel machen

eine Fettleber“. Bei einer Verfettung

der Leber, die teils schwere Folgeerkrankungen

verursachen kann, denken

die meisten wohl an zu viel Alkohol.

Tatsächlich seien 20 bis 30 Prozent

der Fälle aber nicht auf Schnaps

und Bier zurückzuführen, schreibt

Lekutat –sondern zum Beispiel auf

zu viel Fruchtzucker.

Beeren sind weniger süß

Sind die nicht süß? Orangen enthalten

weniger Fruchtzucker als Äpfel. GETTY IMAGES

Also nur noch Gemüse essen? Oder

doch lieber Schokolade? Nein, sagt

Lekutat. „In Deutschland ist das

Problem eher, dass wir zu wenig

Obst essen. Beivielen meiner Patienten

wäre ich froh, wenn sie mehr

Obst essen würden“, sagt er.Eskann

sich allerdings trotzdem lohnen,

über die Artdes Obstkonsums nachzudenken

–und über die Sorte.

Denn Obst ist nicht gleich Obst,

wenn es um den Zucker- und Energiegehalt

geht. „Obstarten wie Bananen,

Trauben, Äpfel oder Mirabellen

haben einen hohen Zuckergehalt,

Orangen oder Beerenfrüchte zum

Beispiel haben da deutlich weniger“,

erklärtAntje Gahl vonder Deutschen

Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Auch sie sagt: Obst ist gesund,

aber zuckerreich –und deshalb mit

Vorsicht zu genießen. So empfiehlt

die DGE zwar, fünf Portionen Obst

oder Gemüse am Tagzuessen. Gemüse

habe dabei jedoch den Vorrang,

so Gahl. Im Detail lautet die

Empfehlung: Zwei Obst, drei Gemüse.

Entscheidend ist außerdem, wie

man Apfel und Co. konsumiert.

„Grundsätzlich ist reines Obst besser

als verarbeitetes“, sagt Lekutat. Bei

Obstsaft etwa sei das Obst hochkonzentriert

und der Zucker gehe

schnell ins Blut. Den Orangensaft

am Morgen hält Lekutat daher für

keine gute Idee. Smoothies sehen

viele Experten ebenso kritisch. „Wer

sich die Zutaten von einem Smoothie

mal hinlegt, würde diese Obstmenge

vermutlich nicht in einer

Mahlzeit essen. Aber als Flüssigkeit

verzehrt, geht das ganz schnell“, so

Gahl.

So ist es auch bei den Quetschies,

den bei Kleinkindern und ihren Eltern

beliebten Tütensnacks. Hier

sollten Eltern prüfen, ob die überhaupt

nur Obst enthalten. Vorallem

Quetschie-Milchprodukte aus dem

Kühlregal haben oft einen relativ geringen

Fruchtanteil, warnt die Verbraucherzentrale

Niedersachsen.

Stattdessen mischen die Hersteller

hier oft weiteren Zucker oder Aromastoffe

bei.

Niewieder Quetschies?

Doch auch von reinen Obst-

Quetschies raten die Verbraucherschützer

eher ab –etwa wegen des

schlechten Preis-Leistungs-Verhältnisses,

weil Geruchs-, Hör- oder

Tastsinn nicht angesprochen werden

und die Dauernuckelei am

Quetschie Karies verursachen kann.

Nie wieder Quetschies und kein

Orangensaft zum Frühstück? Was

darf man denn überhaupt noch?

Hier geben die Experten Entwarnung

–zuviel Strenge rund ums Essen

und Trinken ist schließlich

ebenso nicht gut. „Heutige Ernährungsratschläge

sind selten individuell,

müssten es aber sein –Menschen

sind ja sehr unterschiedlich

und auch sehr anpassungsfähig“,

sagt Lekutat.

Andersherum bedeutet das: Der

Obstkonsum muss zum Lebensstil

passen. Werjeden Morgen Orangensaft

will, sollte sich entsprechend

mehr bewegen. Undwer seinen Kindern

mit Quetschies keine schlechten

Gewohnheiten antrainieren will,

reicht sie nur ab und zu –und ansonsten

vor allem unverarbeitetes

Obst. (dpa)

FRIEDRICHSHAINER SPRECHSTUNDE

17. Juli 2019

17:00 –19:00 Uhr, Raum 15-1.3.001

Der Hüftgelenkersatz

Behandlungsmöglichkeiten der Arthrose des Hüftgelenkes

Referent

Dr.med. Markus Steinmetz

Leitender Arzt

Sektion Orthopädie

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Dr. med. Markus Steinmetz

Leitender Arzt der Sektion Orthopädie

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Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Fuchs

Chefarzt desZentrums fürMuskuloskelettale

Medizin,Klinik fürOrthopädie, Unfall-,HandundWiederherstellungschirurgie

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Titelfoto: ©Monique Wüstenhagen


18 Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Sport

UM DIE ECKE

Pokal

der Woche

AKTIVES ABSEITS

Mobbing?

Von

wegen

VonChristian Kattner

Ja gut, in der Schule habe Anna

Großesauch noch gehasst. Derzu

harte Ball hatte schon mal für einen

blauen Fleck nach der Sportstunde

gesorgt. Aber Völkerball gleich mit

„legalisiertem Mobbing“ gleichzusetzen,

wie es zuletzt kanadische

Wissenschaftler in einer Studie getan

haben, das geht der 40-Jährigen

doch etwas zu weit. „Mobbing kann

man in jeder Situation finden. Da ist

Völkerball keine prädestinierte

Sportart“, sagt sie.

Großhat Völkerball vorsechs Jahren

vielmehr wiederentdeckt. Durch

Freunde landete sie plötzlich bei einer

Trainingseinheit am Speicher an

der Oberbaumbrücke. Anders als

noch in der Schule wurde Völkerball

hier mit einem Softball gespielt. Anstelle

der blauen Flecken nimmt sie

seither nach einem Training Sandreste

mit nach Hause. „Nach drei

Stunden Strandvölkerball fühle ich

mich wie nach einem TagamMeer“,

sagt sie und wirkt glücklich. Und

durch den Softball merke sie jetzt

auch,„wie man den Ball auch fangen

kann und wie viel Spaß es macht“. In

manchen deutschen Gegenden wird

Völkerball auch Zwei-Felderball genannt,

in Nordamerika ist es als etwas

modifizierte Variante unter

Dodgeball bekannt. Auch die Kinowelt

hat sich der Thematik im Jahr

2004 angenommen, eine Komödie

gedreht, in der Dodgeball genau zu

dem gemacht wurde, was Wissenschaftler

nun kritisieren: Auf der einen

Seite des Spielfeldes stehen die

Außenseiter, die Unbeliebten, auf

der anderen Seite die übermächtigen

Sportskanonen.

Trikot des Bienenvolkes

Wer sich ein Bild machen möchte,

wie es aussieht, wenn lauter Freiwillige

Völkerball spielen, sollte irgendwann

zwischen Freitagabend (17.30

Uhr) und Sonntagnachmittag (Finalrunde

ab 15 Uhr) am Nordbahnhof

auf der Anlage von BeachMitte vorbeischauen,

hier findet die 16.

Strand-Völkerball-WM statt. Anders

als der Name vermuten lässt, speist

sich das Teilnehmerfeld nicht wirklich

aus verschiedenen Nationen.

„Zu 80Prozent sind die Spieler aus

Berlin“, erzählt Groß. Auch in diesem

Jahr wird sie das Trikot des Bienenvolkes

tragen. Jede Mannschaft,

jedes Volk hat sich in den vergangenenWochen

eine eigene Hymne und

eine Choreographie für den Einlauf

überlegt. Außerdem muss jedes

Team eine kulinarische Spezialität

des eigenen Volkes beisteuern.

„Es wird hochkonzentriert gespielt,

es gibt große Freude bei einem

Sieg und große Enttäuschung bei

Niederlage“, sagt Groß. Undwer sich

von der kürzlich veröffentlichten

Studie nicht abschrecken lässt, kann

sich am Freitag vorOrt noch spontan

anmelden. Auch Einzelspieler werden

nicht weggeschickt. Das klingt

wirklich nicht nach Mobbing.

Das Bienenvolk gehörtzuden Favoriten

am BeachMitte.

PRIVAT/NIKLAS BAUER

Manager Benjamin Plötz und seine Mitstreiter müssen bis zum Saisonstartnoch ordentlich Hand im Zoschke-Stadion anlegen. THOMAS UHLEMANN (2)

Champions League für Amateure

Wiesich Lichtenberg 47 nach dem Aufstieg auf die neue Saison in der Regionalliga vorbereitet

VonMichael Jahn

Die Geschäftsstelle von

Lichtenberg 47hat noch

geschlossen an jenem

Montag Anfang Juli.

Doch das Haupttor zum Zoschke-

Stadion, der Heimstätte des Regionalliga-Aufsteigers,

ist weit geöffnet.

Henry Berthy, der langjährige Geschäftsführer,hat

sich dicke Arbeitshandschuhe

übergestreift und hilft

einem Handwerker, der im Eingangsbereich

werkelt. Überall wird

in dem Stadion, einer traditionsreichen

Arena, in diesen Tagen Hand

angelegt. Die Auflagen, die der Neuling

in der vierthöchsten deutschen

Spielklasse vom Nordostdeutschen

Fußball-Verband (NOFV) bekommen

hat, sind enorm. Sie bereiten

den Verantwortlichen schon einige

schlaflose Nächte, wie Berthy berichtet,

„aber wir werden das alles

stemmen.“ Die Bedingungen, die

der Verband stellt, betreffen vor allem

die altehrwürdige Spielstätte, in

dem die Zuschauer direkt am Spielfeldrand

sitzen oder auf den Traversen

stehen können.

Duelle mit dem Nachbarn

Gut zwei Stunden vor Trainingsbeginn

fährtCoach UweLehmann vor.

Er humptelt er aus seinem Wagen

heraus.Der 37 Jahrealte Cheftrainer

schlägt sich schon länger mit Knieproblemen

herum und muss sich im

August operieren lassen. Nachdem

Lehmann seine spielstarke Mannschaft,

die er schon sechs Jahre lang

trainiert, zum Meistertitel geführt

hatte –und das mit sieben Punkten

Vorsprung vor Tennis Borussia −

wurde er zum „Amateurtrainer des

Jahres“ in Berlin gekürt. Wenn Lehmann

zu Beginn der Saison für kurze

Zeit ausfallen wird, steht in Trainer-

Neuerwerbung Sven Gruel, Inhaber

der A-Lizenz, ein kompetenter Vertreter

parat. Er gehört absofort zum

Trainerstab.

Mitdem Handy am Ohrerscheint

auch Manager Benjamin Plötz. Er

gilt als Architekt der erfolgreichen

Mannschaft, hat über acht Jahre –

meist zusammen mit Lehmann –

eine Mannschaft entwickelt, die nun

endlich in der Regionalliga angekommen

ist. „Diese Liga ist für unsere

Jungs, die alle einem Beruf

nachgehen oder studieren, so etwas

wie die Champions League“, sagt

Plötz stolz. Mit dem großen Nachbarn,

dem BFC Dynamo, mit Rot-

Weiß Erfurt, Lok und Chemie Leipzig

und Drittliga-Absteiger Energie

Cottbus warten allein fünf ehemalige

DDR-Oberligisten auf Lichtenberg.

Der Neuling muss vor allem

seine Heimstärke ausspielen. In der

Oberligasaison 2018/19 gab es in

15 Heimspielen 14 Siege und ein Remis,

seit zwei Jahren ist die Mannschaft

im „Zoschke“ ungeschlagen.

Plötz marschiert auf den gepflegten

Naturrasen bis zum Mittelkreis.

PlatzwartKlaus Schröder ist mit seinem Werk zufrieden.

Er schaut sich um und sagt voller Inbrunst:

„Das ist doch Amateurfußball

pur.“ Die Arena ist mit einer Kapazität

vonknapp 10 000 Plätzen das

zweitgrößte reine Fußballstadion

Berlins, nach der Alten Försterei.

Zwischen den Sitzschalen wuchert

nach dem heißen Juni das Unkraut,

das noch beseitigt werden soll. Irgendwie

besitzt dieses Stadion einen

ganz besonderen Charme, hat sich

seine Ursprünglichkeit bewahrt. Die

Zuschauer können beinahe den

Schweiß der Spieler riechen, ihreZurufe

hören. Dennoch: Es müssen

dringend Veränderungen her. Der

2,20 Meter hohe Sicherheitszaun

rund um die gesamte Anlage ist fertig.

Die 130 000 Euro Kosten hat der

Stadtbezirkbezahlt, denn die Anlage

gehört dem Bezirk, 47 ist der alleinige

Hauptnutzer. Die wichtigste

Neuerung ist die anstehende Umzäunung

des Gästeblocks. Das muss

schnell passieren, denn wenn

Mannschaften kommen, die einige

hunderte Fans mitbringen, ist der

teure Sicherheitszaun Pflicht. Sollte

„Wir wollen unbedingt

die Klasse halten, aber unsere

Spieler sollen die Regionalliga

auch genießen.“

Benjamin Plötz weiß, dass es kommende Saison deutlich

schwerer für seine Mannschaft wird.

diese Umzäunung nicht rechtzeitig

fertig werden, will der Verein als Notlösung

„mobile Zäune“ heranschaffen.

Michael Grunst, Bezirksbürgermeister

(Die Linke), bekennender

Sportfan, der die Spiele um den Aufstieg

live im„Zoschke“ erlebte, sagt

dieser Zeitung: „Der Bezirkwirdnun

die Zuwendungen für die Anlage erhöhen.

DerZaun um den Gästeblock

soll auch möglichst bald errichtet

werden.“

DerVerein Lichtenberg 47selbst,

so sagen es HenryBerthy und Benjamin

Plötz, kümmert sich bei einem

Etat vonrund 250 000 Euro unter anderem

um neue Miettoiletten und

einen neuen Fahrradhafen für die

Fans. Auch das Catering wird erweitertund

W-Lan zuerst im Bereich der

Stadion-Gaststätte erstellt. Zahlreiche

Treppen wurden in der Signalfarbe

gelb gestrichen, die Duschräume

für die Mannschaften werden

in Eigenregie renoviert. Als Aufsteiger

hat 47 ein Jahr Zeit, um weitere

geforderte Veränderungen anzugehen.

2020/21 soll Flutlicht errichtet

werden und auch die Sitzplatztribüne

muss überdacht werden. „Wir

wollen unbedingt die Klasse halten“,

sagt Plötz. „aber unsere Spieler sollen

die Regionalliga auch genießen.“

Der Klub kalkuliert mit einem Zuschauerschnitt

von600 (bislang 450)

und erwartet gegen einige Kontrahenten

große Kulissen.

Casting mit 400 Spielern

Rund 400 Spieler haben sich bei

Plötz um einen Platz in der Mannschaft

beworben −acht, neun Neue

hat der Manager ausgesucht, meist

junge Kicker mitPotenzial. In Mittelfeldregisseur

Maik Haubitz (zu

Füchse Berlin) und Gelicio Banze(zu

Berlin United) hat Lichtenberg zwei

wichtige Spieler verloren. Mittelfeldregisseur

Haubitz ging aus beruflichen

Gründen, wird inder Gerüstbaufirma

seiner Familie Verantwortung

übernehmen und kann die höhere

Belastung der Regionalliga

deshalb nicht auf sich nehmen.

Trainer Lehmann wird weiterhin

nur viermal in der Woche –immer

am Abend –trainieren, aber die Intensität

erhöhen. Viele Spieler, die

den Aufstieg schafften, werden nun

auch höherklassig dabei sein. Profihafte

Bedingungen, wie sie einige

Vereine in der Regionalliga haben,

wird esbei Lichtenberg 47nicht geben

können.

Grunst, der engagierte Bezirksbürgermeister,

hatte noch eine

Nachricht parat: „Ich habe erneut

schon eine Dauerkarte für die Spiele

von 47erworben. Wie viele Lichtenberger

freue ich mich auf altbekannte

Mannschaften –auf den BFC,

auf Cottbus oder die Leipziger Vereine.“

Im „Zoschke“ findet man den

Bürgermeister meist auf der Stehplatztribüne

hinter dem sogenannten

Heimtor. Dort –inRichtung Stadionkneipe

−fallen die meisten Treffer

für Lichtenberg47.

FUSSBALL. Um nicht zu tief ins

Sommerloch zu fallen, gibt es den

Nordpokal. Zwischen Montag, 15.

Juli und Sonnabend, 22. Juli kämpfen

die Klubs des Bezirks Reinickendorfumdie

Trophäe.Neben dem

Sportplatz in der Tietzstraße wird

diesmal am Eichdamm gespielt. In

der Gruppe Atreffen die Füchse Berlin,

die den Abstiegaus derBerlinliga

gerade so verhinderthaben, auf den

Wittenauer SC Concordia (Landesliga,

Staffel 2) und RFC Liberta

(Kreisliga B, Staffel 5), den krassen

Außenseiter.Inder Gruppe Btummeln

sich der Titelverteidiger Frohnauer

SC (Berlinliga), der SC Borsigwalde

(Bezirksliga, Staffel 3) sowie

der VfB Hermsdorf(Bezirksliga, Staffel

2), der sich nach dem Abstiegaus

der Landesliga neu finden muss.In

der Gruppe Ctreten der MSV Normannia

mit dem ehemaligen Bundesligaprofi

Zafer Yelen im Hintergrund

(Bezirksliga, Staffel 3), der 1.

FC Lübars (Bezirksliga, Staffel 2) und

der FC Arminia Tegel aus der Kreisliga

A, Staffel 1an. In der vierten

Gruppe sind schließlich der Nordberliner

SC (Landesliga, Staffel 2),

der FC Polonia, als Kreisligist (A, Staffel

2) NeulingimWettbewerb,und

der FCK Frohnau vertreten, der nach

dem Abstiegwieder in der Kreisliga

B, Staffel 3spielt. DasTurnier wird

mittlerweile zum vierten Malausgetragen.Bei

derPremieresiegte sensationell

der FC Arminia Tegel im Finale

gegen den Frohnauer SC. Im

Jahr darauf setzten sich die Reinickendorfer

Füchse gegen den Wittenauer

SC durch. 2018 triumphierte

der Frohnauer SC über die Füchse.

Doppelsieg

der Woche

BASEBALL. Nach 20 von30auszufechtenden

Saisonspielen kann

man sich eine Einschätzung der

Kräfteverhältnisse in der Zweiten

Baseball-Bundesliga Nord-Ost so

langsam mal erlauben. Fazit: Die

Berlin Flamingos sind zu gut für ihre

Liga. Nach dem Abstieg aus der

Baseball-Bundesliga dominieren

die Schlagballspieler aus dem Märkischen

Viertel ihreunterklassigen

Kontrahenten nach Belieben. Nur

zwei ihrer bisherigen Ligaspiele gewannen

die Flamingos nicht zweistellig,

was im Baseball sonst ungefähr

so häufig vorkommt wie im

Fußball oder im Eishockey.Also fast

nie. Diebisher einzige Niederlage,

ein 11:12 gegen die Braunschweig

89ers,vergolten die Flamingos noch

am selben Nachmittag mit einem

10:0. Diebisherigen Saisonergebnisse

gegen die HannoverRegents,

die am Sonnabend um 12 und 15.30

UhrzuGast sind: 12:3, 10:0, 20:1 und

15:0. Beifreiem Eintritt im Flamingo

Park (Königshorster Str. 11) bekommt

man neben leckeren Burgern

also auch richtig guten Sportgeboten.

ZAHL DER WOCHE

5000

Euro sind für den Schulpreis 2019

ausgeschrieben. Hiermit werden

Handballvereine ausgezeichnet,

die mit Schulen kooperieren. Bei

der Bewertung stehen Punkte wie

Kreativität, Innovation, Umfang,

Umsetzbarkeit und Dauer im Vordergrund.

Durch Handball solle

die Begeisterung für den Sport,

seine Werte und das Miteinander

bereits in frühen Jahren geweckt

werden, sagt Georg Clarke, Mitglied

des Präsidiums des Deutschen

Handballbundes.


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Sport

England sucht

den neuen

Lewis

In Silverstone fährt der

talentierte Nachwuchs vor

VonMax Ohlert

Eines kann man Lando Norris

schon mal nicht absprechen:

Humor hat er, der erst 19 Jahre alte

Shootingstar der laufenden Formel-

1-Saison. Auf seinen millionenschweren

Vater Adam angesprochen,

erklärte er zuletzt nur:„Verglichen

mit dem Vater vonLance Stroll,

ist mein Dadnicht mal annähernd so

wohlhabend.“ Lawrence Stroll gehörtder

Rennstall Racing Point, weshalb

seinem Zögling und Team-Piloten

Lance das Image des„Millionärs-

Sohnes“ anhängt.

Derlei Probleme hat McLaren-

Fahrer Norris nicht. Vor seinem

Heimspiel in Silverstone beim Grand

Prix vonGroßbritannien ist der Rookie

aus Bristol auf dem vorläufigen

Höhepunkt seiner noch jungen Karriere.

Viermal fuhr er in seiner Premierensaison

bereits in die TopTen,

in Österreich komplettierte er hinter

seinem fünftplatzierten Landsmann

Lewis Hamilton die Youngster-Riege

um Sieger Max Verstappen (21, Red

Bull) und dem Zweiten Charles Leclerc(21,

Ferrari).

Sein Rennstall belohnte ihn unter

der Woche mit einer Vertragsverlängerung

für die Saison 2020. Danach,

so munkelt man im motorsportbegeisterten

England, könne Norris gut

und gerne Altmeister Hamilton im

Silberpfeil beerben.

Russell oft nur Vorletzter

Diesen Plan hat George Russell

ebenfalls. Der 21-Jährige ist bereits

Nachwuchsfahrer bei Mercedes, zudem

amtierender Formel-2-Weltmeister.

2018 lieferte er sich in der

Nachwuchsserie ausgerechnet mit

Norris einen sehenswerten Zweikampf,

der erst im finalen Rennen

entschieden wurde.

Doch während sein Kontrahent

bei McLaren auf ein technisch einwandfreies

Auto setzen kann, fährt

Russell im unterlegenenWilliams die

meiste Zeit nur hinterher,wirdinder

Regel vor seinem Teamkollegen RobertKubica

Vorletzter.Anders als der

Pole bleibt Russell aber gelassen,

sieht in den Erfolgen von Norris sogar

eine Marktwertsteigerung für

sich selbst: „Jebesser er sich anstellt,

desto besser sieht es für mich aus,

denn ich habe ihn in der F2-Weltmeisterschaft

ja geschlagen.“

Ob das für das Erbe vonLewis Hamilton

reicht, ist fraglich. Fakt ist

aber: An talentiertem Rennfahrer-

Nachwuchs mangelt es den Briten

vordem Heim-Grand-Prixnicht.

Der Appetitanreger

Bei der ersten Bergetappe der diesjährigen Tour de France bestätigt Emanuel Buchmann seine Ambitionen

VonStephan Klemm,

La Planche de Belles Filles

Gerade mal sechs Tage ist

diese Tour de France alt,

doch sie hat schon eine

Menge Geschichten produziert–und

am Donnerstag in den

Vogesen einen ersten großen Höhepunkt

erlebt. Das Programm diktierte

eine veritable Bergetappe im

Osten Frankreichs, eine Ausfahrt

über drei schwere Pässe der ersten

Kategorie,der noch zwei weitereder

zweiten Klassifikation beigemischt

wurden, wobei das Ende eine Gipfelankunft

auf der Planche des Belles

Filles war, deren Weg zuletzt über

Schotter und eine Rampe von 24

Prozent führte. Eswar auch der Tag,

an dem der ehemalige deutsche

Meister, Emanuel Buchmann, 26,

seine Ambitionen auf einen vorderen

Platz in der Gesamtwertung geltend

machte.

Für den Tagessieg kam Buchmann

zwar nicht infrage, aber mit

Rang acht auf dem schwer zu befahrenenVogesen-Gipfel

bewies er,dass

er zu den besten Kletterern dieser

Tour gehört. In der Gesamtwertung

verbesserte sich Buchmann auf

Rang zwölf. Hinterher gab er sich

beim Ausfahren auf der Rolle vorseinem

Teambus entspannt, studierte

die Ergebnisse des Tages auf seinem

Handy und sagte: „Es lief gut. Es war

so wie erhofft. Wir können auf jeden

Fall zufrieden sein. DieAbstände warennicht

so riesig.“

Bewegung im Gesamtklassement

Tagessieger wurde letztlich zwar ein

Außenseiter, esgewann der Belgier

Dylan Teuns,einer der Angreifer aus

der ersten Ausreißergruppe des Tages.

Dieser Gemeinschaft gehörten

recht bald nach dem Start inMulhouse

zunächst 14 Fahrer an, darunter

auch die drei Deutschen André

Greipel, Nikias Arndt und Nils Politt,

die aber im Finale schon längst gestellt

waren. Doch hinter Teuns gab

es heftige Bewegung im Gesamtklassement,

also derWertung des Gelben

Trikots. Das besitzt nun der Tageszweite

Giulio Ciccone aus Italien,

auch er einer der übriggebliebenen

Ausreißer-Gefährten vonTeuns.Ciccone

löste Julian Alaphilippe an der

Spitzedes Feldes ab,den Liebling der

Franzosen. Dritter der ersten Bergankunft

dieser 106. Frankreich-

Rundfahrt wurde nach 160,5 zu absolvierenden

Kilometern der sechsten

Etappe der Belgier Xandro Meurisse,

der ebenfalls zu den frühen

Angreiferngehörte.Dahinter zeigten

sich aber schon die Favoriten für den

Tour-Sieg. Nicht Alaphilippe,der zuletzt

noch einmal eine verzweifelte

Attacke versuchte, um sein Gelbes

Emanuel Buchmann fühlt sich wohl, wenn es steil bergauf geht.

„Es lief gut. Es war so wie erhofft. Wir können

auf jeden Fall zufrieden sein. Die Abstände

waren nicht so riesig.“

Emanuel Buchmann zieht ein positives Fazit, nachdem die ersten hohen Berge

bei der 106. Tour de France überwunden sind.

DPA/BOTT

Trikot vor Tausenden von französischen

Anhängern doch noch zu retten,

hängte die Verfolger des übriggebliebenen

Feldes ab. Sondern mit

erstaunlich flüssigem Tritt in kleinem

Gang Vorjahressieger Geraint

Thomas aus Wales –erwurde Tagesvierter.Und

er zeigte sich dann auch

gleich ziemlich hungrig auf die

nächsten steilen Berge: „Diese

Etappe ist mehr als ein Appetitanreger“,

sagte er. Auf Rang sechs folgte

Alaphilippe, dem wegen seines Zeitrückstandes

von 1:46 Minuten auf

Ciccone letztlich sechs Sekunden

fehlten, um das Maillot Jaune zu verteidigen,

das er am Montag ergattert

hatte.

Kurz dahinter rollte schon Buchmann

über die Ziellinie. AmDonnerstag

stellte er unter Beweis, dass

er dank seiner starken Form in diesem

Jahr mit den Besten in den Bergen

mithalten kann. Dabei lag ihm

der Schlussanstieg nicht: „Das war

sehr unrhythmisch. Aber wenn man

gut drauf ist, dann läuft es halt.“

Buchmann platzierte sich sogar

noch vor dem Top-Favoriten Egan

Bernal aus Kolumbien. 1:51 Minuten

nach Teuns erreichte Buchmann das

Ziel, auf Thomas verlor er am Donnerstag

gerade mal sieben Sekunden.

Im Gesamtklassement ist Buchmann

nun Zwölfter, 1:22 Minuten

hinter Ciccone, aber nur 33 Sekunden

hinter dem bestplatzierten der

Tour-Favoriten. Das ist Thomas, der

zurzeit Gesamtrang vier belegt. Einen

herben Rückschlag erlitt der

Franzose Romain Bardet

(AG2R/+2:53) auf Rang 27.

Im Feld der Großen

Buchmann hingegen tummelt sich

mit Sekundenabständen im Feld der

Großen. Sein Ziel, unter die besten

Zehn der Tour zu fahren, scheint

nach seiner Vorstellung vom Donnerstag

durchaus möglich.

Buchmanns Teamkollege, der

Deutsche Meister aus Berlin, Maximilian

Schachmann, war jedenfalls

schon voll des Lobes für den Ravensburger:„Dasist

saustark, super stark.

Das motiviert natürlich für die

nächsten zweieinhalb Wochen.

Sportdirektor Enrico Poitschke ergänzte:

„Erist ein starkes Rennen gefahren.

Nur sieben Sekunden auf

Thomas zu verlieren, bestätigt seine

starke Verfassung.“

Gelb in La Planche des Belles Filles

ist übrigens ein gutes Omen. Wer

hier die Führung innehatte, der gewann

stets auch die Tour de France.

So war es bei den bisherigen drei Ankünften

im Skiort in den Vogesen:

2012 Bradley Wiggins,2014 Vincenzo

Nibali und 2017 Chris Froome.Diesmal

dürfte es aber ziemlich sicher

anders laufen.

NACHRICHTEN

Alba verlängertmit

Taktgeber Siva

BASKETBALL. Alba Berlin hat den im

Sommer auslaufenden Vertragmit

Spielmacher Peyton Siva um zwei

Jahreverlängert. Der28-Jährige war

in der abgelaufenen Spielzeit ein

Schlüsselspieler der Berliner.Inder

Bundesliga kam der US-Amerikaner

im Schnitt auf 11,9 Punkte und 6,2

Assists proSpiel. Im EuroCupavancierte

er mit 7,9 Assists zum besten

Passgeber.„Ichhalte Peyton und

Alba für eine perfekte Kombination.

Unsgefällt Peytons Arbeitseinstellung,

sein Wille immer weiter hartzu

arbeiten, sich zu verbessernund

seine Professionalität“, sagte Alba-

Sportdirektor Himar Ojeda.

Sportgericht erklärt

Mutko-Sperre für ungültig

SPORTPOLITIK. DerInternationale

Sportgerichtshof Cashat die lebenslange

Olympiasperregegen den ehemaligen

russischen Sportminister

Witali Mutko für ungültig erklärtund

für die Entscheidung formaljuristische

Gründe angeführt. DasInternationale

Olympische Komitee (IOC)

hatte Mutko im Dezember 2017 wegen

seiner Verwicklung in den Skandal

um flächendeckendes Doping in

Russland lebenslang vonallen Spielen

ausgeschlossen. DieAufhebung

der Sperrebedeutet jedoch nicht,

dass Mutko automatisch wieder bei

Olympischen Spielen in Erscheinung

treten kann.

ZAHLEN

Radsport

Tour de France

6. Mülhausen -LaPlanche des Belles Filles

(160,5 km): 1. Dylan Teuns (Belgien/Bahrain-

Merida) 4:29:03 Stunden, 2. Giulio Ciccone (Italien/Trek-Segafredo)

0:11 Minuten zurück, 3.

Xandro Meurisse (Belgien/Wanty-Gobert) 1:05

Gesamtwertung: 1. Giulio Ciccone (Italien) -Trek

-Segafredo 23:14:55 Std.; 2. Julian Alaphilippe

(Frankreich) -Deceuninck-Quick-Step +6Sek.; 3.

Dylan Teuns (Belgien) -Bahrain-Merida +32;

Bergwertung: 1. TimWellens (Belgien) -Lotto-

Soudal 43 Pkt.

Sprintwertung: 1. Peter Sagan (Slowakei) -

Bora-hansgrohe 144 Pkt.

Teamwertung: 1. Trek -Segafredo (USA)

70:19:27 Std.

Tennis

Grand-Slam-Turnier in Wimbledon

Halbfinale, Frauen: Simona Halep (Rumänien/7)

-Jelina Switolina (Ukraine/8) 6:1, 6:3,

Serena Williams (USA/Nr.11) -Barbora Strycova

(Tschechien) 6:1, 6:2

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Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 – S eite 20

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Sport

Der Maschinenbauer bei den Schlosserjungs

Unions Neuzugang Marius Bülter wurde nicht über den ersten Bildungsweg Fußballprofi, doch jetzt will sich der 26-Jährige in der Bundesliga beweisen

VonMathias Bunkus, Windischgarsten

Dreißig Tage sind es jetzt

noch, ehe für Bundesliga-Aufsteiger

1. FC

Union beim DFB-Pokalmatch

in Halberstadt (11. August)

das erste Pflichtspiel der neuen

Spielzeit steigt. Beim Training der

Profis wächst die Intensität, und

auch die Fans werden aufgeregter.

Sie nehmen nicht wenige Strapazen

auf sich, um ihre Idole schon

jetzt zu sehen. Aus Genthin sind

einige nach Österreich gereist, aus

Berlin sowieso. Daniel Georg,

stadtbekannter Wirt der Friedrichshainer

Kultkneipe „Die Tagung“,

unterbrach seinen Urlaub

nahe München, um mit seinem

Sohn Anton beim Training vorbeizuschauen.

Auch wenn man dafür

um 5Uhr aufstehen musste.Wenn

man arbeitsbedingt keine Dauerkarte

besitzen kann, weil einfach

zu wenig Zeit ist, um zu allen Spielen

der Köpenicker zu gehen,

muss man halt andere Chancen

nutzen, um den Profis auf die Pelle

zu rücken und dabei Autogramme

abzugreifen.

Gefragte Zugänge

Hoch im Kurs stehen dabei natürlich

die Zugänge. „Trimmel habe

ich ja schon dreimal“, sagte der im

Gikiewicz-Trikot angereiste Anton,

auf dessen Ball am Ende des

Tages nur zwei Signaturen fehlten.

Zum Beispiel von Christopher

Lenz. Der Linksverteidiger arbeitete

nach dem Vormittagstraining

noch lange an seinen Freistoßkünsten.

Da wurde das Warten

dann doch etwas zu lang, es galt

schließlich noch die Rückreise anzutreten.

Bei allen Neulingen war Anton

hingegen sehr erfolgreich. Marcus

Ingvartsen verewigte sich auf seinem

Ball. Auch Marius Bülters Unterschrift

konnte der künftige Viertklässler

erheischen. Wasaber nichts

darüber aussagt, welche Rolle der

ehemalige Magdeburger in den

kommenden Wochen und Monaten

spielen wird. Beim Konkurrenzkampf

um die Kaderplätze muss er

einen Gang höher schalten, schließlich

gilt es sich auf einem ganz

neuen Niveau zu beweisen.

Dass die Leihgabe vom Zweitliga-Absteiger

das auch unbedingt

will, war schon beim ersten Testspiel

gegen Bröndby IF (2:1) vor

Marius Bülter kam einen Tagnach seiner Ankunft in Köpenick zu seinem Debüt gegen Bröndby.

der Abreise nach Windischgarsten

zu sehen. Da hinterließ er einen

Eindruck, der Vorfreude weckte.

„Ich hatte nicht damit gerechnet,

sofortzuspielen“, gibt der 26 Jahre

alte Spätstarter zu. Schließlich sei

er erst am Tagzuvor in Köpenick

angekommen, hatte nur eine Einheit

mit den neuen Kollegen absolviert.

Bülters Werdegang entspricht

so gar nicht dem Weg des klassischen

Fußballprofis. Kein Nachwuchsleistungszentrum

als Starthilfe,

stattdessen Viertligafußball

Marcus Ingvartsens Autogramm ist bei Unionfan Anton sehr gefragt.

MATTHIAS KOCH

BERND KÖNIG

in Rödingshausen, Rheine oder

Neuenkirchen. Dazu die Zusatzbelastung

Studium mit Fachrichtung

Maschinenbau, duale Ausbildung

sozusagen. Mit erfolgreichem

Abschluss. Maschinenbau

und Schlosserjungs −klingt nach

einer idealen Verbindung zwischen

Klub und Profi.

Schon der Wechsel vor einem

Jahr nach Magdeburg war ein

Quantensprung. „Die Intensität

des Trainings war eine andere“,

gibt er unumwunden zu. Kaum 13

Monate später und 32 Zweitligaspiele

reifer ist er nun sogar in

Deutschlands Eliteliga angekommen.

„Kneifen muss ich mich

noch nicht. Ich habe ja noch kein

Bundesligaspiel gemacht“, sagt

Bülter ganz nüchtern.

„Es gehört halt auch ein bisschen

Glück dazu. Wenn mir das jemand

vor 13Monaten prophezeit

hätte, hätte ich selber gesagt, dass

das niemals passieren wird“, sagt

der 1,88 Meter große Offensivgeist,

der überall für seine Vielseitigkeit

gelobt wird. Selbst als Abwehrspieler

oder im zentralen

Mittelfeld musste er phasenweise

beim FCM ran.

Diese Anpassungsfähigkeit

könnte ihm auch bei Union weiter

helfen, selbst wenn er da am liebsten

auf den Flügeln agieren

möchte. Und klar doch, mehr als

ein Jahr würde er auch gern das

Union-Trikot tragen. Immerhin

hat sich Manager Oliver Ruhnert

nach zähem Ringen eine Kaufoption

in den „Überlassungsvertrag“

hineinschreiben lassen. Nun liegt

es an Bülter,obUnion sie am Ende

der Spielzeit auch wirklich zieht.

Ungeahnte Sphären

Schon die erste Berührung mit der

großen Fußballwelt führte ihn

gleich in ungeahnte Sphären. Auf

einmal saß er mit Neven Subotic

beim Medizincheck. „Das war

schon irgendwie komisch. Aber

wenn man sich mit Nevenunterhalten

hat, würde man nicht denken,

dass der schon im Champions-

League-Finale gestanden hat. Das

war einfach nur cool. Man hat gemerkt,

dass er einfach ein Mensch

ist, wie jeder andere“, sagt Bülter.

Dem zweifachen Deutschen

Meister musste er sich natürlich

noch vorstellen. Der war nicht so

mit ihm vertraut. Nun aber liegt es

an dem Nordrhein-Westfalen selber,

dass sich das ändert. Neben

dem Ziel Bundesliga-Spieler zu

werden, hat er vorallem noch eins.

Was ihn mit den Köpenickern aufs

engste verbindet. „Ich will nicht

noch mal absteigen, das habe ich

letztes Jahr schon mitgemacht,

das ist kein schönes Gefühl.“ Das

steht bei ihm über allem.

Mathias Bunkus

fiebertauch Unions

Saisonstartentgegen.

Sentimentale Erinnerungen

2008 lieferten sich Roger Federer und Rafael Nadal ein atemberaubendes Endspiel in Wimbledon. Elf Jahre später treffen sie mit neuem Stil im Halbfinale aufeinander

VonDoris Henkel, London

Hätte sich damals wirklich jemand

vorstellen können, dass

elf Jahre vergehen würden bis zur

nächsten Begegnung von Roger Federer

und Rafael Nadal auf Wimbledons

Centre Court? An jenem 6. Juli

2008, als die Welt des Tennis gerade

eines der größten Endspiele ihrer

Geschichte gesehen hatte. Reine

Spielzeit vier Stunden und 48 Minuten,

bis heute das längste Finale der

Championships, verlängert durch

zwei massive Regenpausen und verdichtet

im atemberaubenden Wechsel

der Ereignisse.

Es war das Spiel der Spiele zwischen

Federer und Nadal in Wimbledon,

eine intensive Begegnung auf

höchstem Niveau. Schon im Jahr zuvor

hatte der Spanier den Glanz des

Rasenkönigs angekratzt. 2007

musste Federer nach vier Jahren

größter Dominanz zum ersten Mal

fünf Sätze spielen, um dem Titel zu

gewinnen. UndNadal war hinterher

am Boden zerstört; weinend saß er

unter der Dusche, kaum zu beruhigen,

weil er dachte, er habe die

Chance seines Lebens verspielt, den

Rivalen in Wimbledon zu besiegen.

Als sie sich ein Jahr später an gleicher

Stelle wieder begegneten, fehlten

Federer noch zwei Grand-Slam-

Titel, um die lange Zeit als goldene

Markebetrachtete 14 des US-Amerikaners

Pete Sampras zu erreichen.

Ein paar Wochen vorher hatte er in

Paris eine heftige Niederlage gegen

Nadal kassiert, hatte in der ersten

Hälfte des Jahres nur zwei Titel gewonnen

und wollte nichts mehr als

die Bestätigung, noch immer der

Souverän seines grünen Reiches zu

sein. DieNiederlage gegen Nadal traf

ihn sehr.

Er trug einen biederen weißen

Cardigan mit goldenen Streifen am

V-Ausschnitt und an der Knopfleiste,

Roger Federer muss Rafael Nadal 2008 zum Sieg gratulieren.

der ihn älter aussehen ließ, als er damals

war (26). Derfünf Jahrejüngere

Nadal wirkte in seiner knielangen

Hose, einem ärmellosen Oberteil

und seinen langen Haaren wie ein

jugendlicher Pirat, und am Tagdes

Finales schien die Geschichte einen

AFP/PIERSE

anderen Dreh zu nehmen. Viereinhalb

Jahre ander Spitze der Weltrangliste

näherten sich dem Ende;

sechs Wochen nach der ersten und

einzigen Niederlage gegen Rafael

Nadal in Wimbledon verlor Federer

die Nummer eins.

Jetzt, elf Jahre danach, sieht die

Sache so aus, dass ein anderer souverän

an der Spitzeder Weltrangliste

steht: Novak Djokovic. Bisher macht

er einen äußerst souveränen Eindruck;

im zweiten Halbfinale an diesem

Freitag gegen den Spanier Roberto

Bautista Agut gilt er als klarer

Favorit.

Roger Federer trägt keine Strickjacke

mehr auf dem Wegzum Tennisplatz,

Rafael Nadals Hosen und

Haare sind halb so kurz wie vor elf

Jahren, und der CentreCourthat seit

vielen Jahren ein Dach −vieles sieht

anders aus. Auch das Spiel der beiden?

Der Schweizer sagt über den

Spanier, der habe sich so sehr verbessertauf

RasenimLaufe der Jahre.

„Er schlägt ganz anders auf als damals

und spielt die Punkte viel

schneller zu Ende.“ Wobei Nadal findet,

das eine habe ja mit dem anderen

zutun.„Weil ich weniger renne,

muss ich besser servieren. Vielleicht

ist meine Rückhand besser,vielleicht

der Volley oder der Slice.“

Federers wichtigste Entscheidung

in der Zeit seit der Begegnung

2008 war sicher der Wechsel zu einem

Modell mit einem größeren

Schlägerkopf vorfünfeinhalbJahren.

Mit dem größeren Schläger gewann

er in der späteren Phase seiner Karriere

drei Grand-Slam-Titel und landete

zudem dreimal im Finale, bekanntlich

auch in Wimbledon.

Doch wenn Federer und Nadal

zum vierten Treffen auf dem berühmtesten

Tennisplatz der Welt erscheinen,

dann wird esamAnfang

nicht um Aufschlag oder Rückhand,

läuferische Qualitäten und nicht

nachlassenden Kampfgeist gehen.

Die ersten Momente werden der Erinnerung

an das Spiel vor elf Jahren

gehören. Verbunden mit einem kleinen

Gedanken daran, dass es vielleicht

das letzte Treffen der beiden

an diesem Ortsein könnte.


Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

14 Stunden dauertder

Film „La Flor“. Unser

Kritiker hat keine davon

bereut. Seite 23

„Man wandert gleichsam durch ein multiples Bilderbuch.“

Irmgard Berner war in der Ausstellung von Helmut Newtons „Sumo“-Fotografien Seite 22

Alter Brief

Olfaktorischer

Sphärenakkord

Ulrich Seidler

kann sich jetzt doch mit

Urchristen identifizieren.

Nun zu etwas nicht besonders

Aktuellem und zugleich scheinbar

Nebensächlichem: Ein gewisser

Arrianus bittet in einem Brief, den er

vor dem Jahr 239 abgeschickt haben

muss, seinen reisenden Bruder Paulus

darum, „die beste Fischsoße“

mitzubringen, die er auftreiben

kann. In jener fernen Zeit erfreute

sich die vonden RömernGarum genannteWürzsoße

großer Beliebtheit.

Garum leitet sich von Gauros ab,

dem griechischen Wort für Sardelle.

Dieses kulinarische Glücksfischlein

treibt auch heute dem Hobbykoch

Tränen der schöpferlichen Dankbarkeit

in die Augen, wenn er ein Filetchen

bei leichter Hitze inOlivenöl

zerdrückt, bis es sich auflöst und

Wohlgerüche verbreitet. Wohlgerüche?

Ein zuprofanes Wort. Esweht

ein olfaktorischer Sphärenakkord!

Robustere Gase stiegen bei der

Herstellung jener Fischsoße auf, was

nicht verwunderlich ist. Denn um

die bernsteinfarbene Flüssigkeit zu

gewinnen, wurden neben Sardellen

auch Thunfische,Aale und Makrelen

samt Eingeweiden in Salzlake gelegt

und in offenen Becken −weitvor den

Stadttoren − monatelang der sengenden

Sonne ausgesetzt. Das fermentierte

Gebräu wurde ausgepresst,

gefiltert, in Amphoren abgefüllt

und teuer gehandelt.

Für Sabine Huebner, Professorin

für Alte Geschichte in Basel, die jene

brüderliche Bestellung in einem Papyruskonvolut

nun gefunden, übersetzt

und datiert hat, bekommt der

Brief eine besondere Würze durch

Arrianus’Abschiedsformel „Ich bete,

dass es dir gut geht −imHerrn“. Es

zeichnet den Schreiber als einen

Christen aus.Solche sind uns aus jenen

Jahren aber fast ausschließlich

als Märtyrer überliefert, als Gottgläubige,

die den Kaiserkult verweigerten

und sich mit Freuden den Löwen

zum Fraß vorwerfen ließen.

Ganz so fanatisch war die Weltabgewandtheit

dann doch nicht bei allen

ausgeprägt, wenn sie sich für Sardellen-Düfte

erwärmen konnten.Welch

tröstliche Botschaft!

Das Ich, das ich nicht bin

„Freiheiten“: Die literarischen und politischen Essays der britischen Autorin Zadie Smith

VonArnoWidmann

Zadie Smith: Literatur soll Möglichkeiten erfinden.

Wir Fans erwarten im

Oktober Zadie Smiths

Sammlung von Kurzgeschichten

aus zwei

Jahrzehnten„Grand Union“. Danach

soll ihr erster historischer Roman

„The Fraud“ erscheinen. Es heißt, er

spiele in London zwischen 1830 und

1870. Bis dahin schwelgen wir in ihren

Essays, fallen Freunden damit

auf den Wecker, dass wir ihnen erzählen

vonZadie Smiths Scharfsinn,

ihrer Offenheit.

Lesen Sievon den 31 Artikeln unbedingt

die Philip-Roth-Vorlesung

von 2016. Sie hat den Titel „Das Ich,

das ich nicht bin“. Diese sechs Wörter

könnten über fast allem stehen,

das Philip Roth geschrieben hat. Also

denkt man, aha, sie spricht über ihn

und blättert weiter. Aber sie spricht

über sich und ihre Schwierigkeiten,

über sich zu sprechen.

Sie befand sich lange, erklärt sie,

auf der Flucht vor der ersten Person

Singular. In ihrem Roman „Über

Schönheit“ zum Beispiel habe sie einen

so erhabenen Dritte-Person-

Singular-Ton angeschlagen, dass

man ihn fast für viktorianisch hätte

halten können. Für sie war das

Schreiben von Romanen nie ein

Weg, sich über sich selbst klar zu

werden. Sieschrieb sie auf der Flucht

vorsich selbst.

Aber jetzt merkt sie, dass in ihren

Büchern sich durchaus Autobiografisches

finden lasse.Essei aber an

ihr vorbei hineingeschlüpft. Das ärgertsie

auch ein wenig, denn sie hält

sich viel darauf zu Gute, eine rationale

Autorin zu sein, die es verstehe –

sie unterrichtet schließlich kreatives

Schreiben –die Kontrolle über ihren

Schreibprozess zu behalten und vernünftige

ästhetische Entscheidungen

zu treffen.

Mit einem Mal kippt der Vortrag

und sie gibt zu, dass sie selbst beim

Lesen der Bücher der anderen den

gleichen „Fehler“ macht wie wir einfachen

Leser: Sie sucht im Roman

das wirkliche Ich des Autors. Damit

ist sie bei Philip Roth, der ja nie abließ

vom Spiel der Ichs. Literatur ist

der Ort, schreibt sie, „an dem ,Portnoy‘

zugleich ganz und gar Philip

Roth sein und mit Philip Roth nichts

zu tun haben kann.“ Diese Spannung

müssen Autor und Leser aushalten.

In dieser Spannung lebt der

Roman „Portnoys Beschwerden“.

Zadie Smith schreibt den schönen

Satz, für den wir jetzt, kurz vorm 50.

Jahrestag der Mondlandung, besonders

gespitzte Ohrenhaben:„1969 ist

es zwar möglich, zum Mond zu fliegen

oder sich die atomare Auslöschung

vorzustellen, aber es war

nicht möglich in dieser Welt Portnoy

zu sein.“ Literatur sei dazu da, solche

IMAGO IMAGES/MIQUEL LLOP

Möglichkeiten zu erfinden, erklärt

Smith.

Niemand bestreitet einem Portnoy

noch die Möglichkeit seiner

Existenz. Niemand hält ihn für die

Ausgeburt antisemitischer Fantasie,

wie Gershom Scholem das damals

sah. Man kann seine Kritik in dem

gerade bei Suhrkamp erschienenen

Band „Poetica“ nachlesen. Die Vorstellung,

Intelligenz schütze einen

vorDummheiten, ist selbst eine.Zadie

Smith erklärt dagegen: „Indem

Roth auf eine ganz bestimmte, auf

ambivalente, literarische Weise ,Ich‘

sagte,hat er durch Portnoyeine neue

Art ,Ich‘ in der Welt möglich gemacht,

ein Geschenk der Freiheit,

das von einer ganzen Generation

Schreibender, von Millionen Lesenden

und schließlich sogar von einer

weltweiten Gemeinschaft aufgenommen

wurde.“ Wir leben in einer

Welt, die von Portnoy berührt und

dadurch verändertwurde.

Es ist immer richtig zusagen, Literatur

verändere nicht die Welt. Es

ist ja auch naiv,das vonihr zu verlangen.

Der Autor, der sie dazu benutzen

möchte, wird scheitern. Aber

manchmal, wenn niemand daran

denkt, passiert esdoch: Dann ahmt

das Leben die Kunst nach.

Jeder von uns bewegt sich in vielen

Welten. Oft verbarrikadieren die

sich gegeneinander.Das zwingt uns,

hin und her zu gehen. Wir können

zerrissen werden dabei oder aber einen

Wegins Freie finden. So wie ein

Autor Ich ist und zugleich auch das

Ich, das ich nicht bin.

Ob er das alles in der ersten Person

Singular aufschreibt oder flieht

in die dritte, ist nicht so wichtig. Es

kommt darauf an, was er vonseinen

Überquerungen mitbringt und was

wir Leser daraus machen. Wir können

Sätze von ihm klauen, wir können

wie Portnoy indie Welt hineinschreien,

dass wir onanieren. Diese

Verstöße gegen den jeweils geltenden

guten Geschmack gehören zur

Menschwerdung dazu. Wichtiger

aber scheint mir,dass wir dem Autor,

der Autorin abgucken, wie sie sich bewegen,

wie sie es schaffen, sie selbst

und ganz anders zu sein. Fiktiv und

real. DieFiktion der Wirklichkeit wird

durchstoßen mit der Wirklichkeit der

Fiktion. Es kommt dabei –das kann

man von Zadie Smith lernen –nicht

so sehr auf die Ergebnisse als vielmehr

auf diese Bewegung selbst an.

Zadie Smith: Freiheiten. Essays.

Übersetzt vonTanja Handels.Kiepenheuer &

Witsch,Köln 2019. 512 S.,26Euro.

Arno Widmann

stiftet seit Tagen

zum Lesen dieses Buches an.

NACHRICHTEN

RobertDeNiro errichtet

Filmstudio in NewYork

DerUS-Schauspieler und zweifache

Oscar-Gewinner RobertDeNiro

baut in NewYorkein neues Filmstudio

auf. Gemeinsam mit seinem

Sohn Raphael und Investoren habe

De Niro ein Grundstück im Stadtteil

Queens gekauft, berichtete die New

York Times am Mittwoch. Für rund

400 Millionen Dollar (etwa 355 Millionen

Euro)solle darauf das Wildflowers

Studio entstehen. NewYork

ist als Produktionsstätte für die Filmund

TV-Industrie in den vergangenen

Jahren immer wichtiger geworden.

332 Filme sind Behördenangaben

zufolge im vergangenen Jahr in

der Millionenmetropole gedreht

worden. Insbesondereder Stadtteil

Queens,wounter anderem auch die

Silvercup Studios und die Steiner

Studios ansässig sind, ist dabei immer

stärker genutzt worden. (dpa)

Margarethe von Trotta

sichtet Filme zur Arbeitswelt

DieRegisseurin Margarethe von

Trotta übernimmt den Vorsitz in der

Jury des Günter-Rohrbach-Filmpreises

2019. Dasteilte die Stadt Neunkirchen

am Donnerstag mit. Die

Stadt vergibt den Filmpreis seit 2011

für deutschsprachige Fernseh- und

Kinofilme zu „Arbeitswelt und Gesellschaft“.

Im vergangenen Jahr

ging die mit 10 000 Euro dotierte

Auszeichnung an „Inden Gängen“

vonThomas Stuber. (dpa)

Ludwigshafen zeichnet

Julia Koschitz aus

DieSchauspielerin Julia Koschitz erhält

den diesjährigen Preis für

Schauspielkunst des Festivals des

deutschen Films in Ludwigshafen.

Die44-Jährige sei eine Repräsentantin

des jungen deutschen Films und

eine Verwandlungskünstlerin, sagte

Festivaldirektor Michael Kötz am

Donnerstag in der pfälzischen Stadt.

DieAuszeichnung soll am 4. September

überreicht werden. Zur

15. Auflage der Filmschau werden

zwischen dem 21. August und 8. September

rund 100 000 Besucher erwartet.

DasFestival ist auch wegen

seines Veranstaltungsorts auf einer

Parkinsel im Rhein populär. (dpa)

UNTERM

Strich

Genau genommen

Rollern

mit Stil

VonMartin Z. Schröder

MARTIN Z. SCHRÖDER

Sind wir in der modernen Zeit angekommen?

Als Kind habe ich mir durchaus neue

Fortbewegungsarten vorgestellt. Ich dachte

an Düsen oder Flügel zum Umschnallen. Die

Namen der modernen Fahrzeuge klingen

zwar nach altem Staubsauger:Ninebot, Scooter,

Segway, Hoverboard. Aber vor allem die

Leute darauf sehen noch nicht modernaus.

Nehmen wir den Roller. Als Neunjähriger

fürchtete ich, einen Roller geschenkt zu bekommen,

weil meine Großmutter bei Hinweisen

auf das Geburtstagsgeschenk einmal

scherzte,eshabe zwei Räder.Den Roller hielt

ich für ein miserables Fortbewegungsmittel,

weil er viel Kraft braucht, nur für Kurzstrecken

taugt und man darauf lächerlich aussieht. Damals

stieß man sich mit einem Fuß abund

stand mit dem anderen auf dem Brett.

Der Fortschritt besteht nun vierzig Jahre

später darin, dass man nur noch dasteht. Die

Füße passen bei einigen Modellen eng nebeneinander,

bei anderen nur hintereinander.

Beide Positionen sind unnatürlich. Gut

kann man beim so engen Setzen der Füße

nur aussehen, wenn man das als Ballerino

oder -na eingeübt hat. Der gewöhnliche

Mensch indes, zumal wenn er sich einer gewissen

Stattlichkeit erfreut, sieht in so einer

Haltung plump aus. Stillos. Nehmen wir an,

es kommt wieder in Mode, Leute im Profil

auf Vasen abzubilden und diese über 3000

Jahre zuvererben. Glauben wir, dass der gegenwärtige

Rollerfahrer so eindrucksvoll

dargestellt werden kann wie der Lenker eines

antiken Streitwagens?

Mandarfauf einem elektrischen Zweirad

mit Standfläche nicht einfach nur dastehen.

Ich habe gewissenhaft analysiert und unterbreite

im Folgenden drei Vorschläge, rege

aber an, den Lehranstalten der Formgebung,

auch Requisiteuren und Tanzmeistern weitereVarianten

abzuverlangen.

Mein erster Vorschlag: Der Fahrer

schwingt etwas über dem Kopfe. Vielleicht

eine Flagge, notfalls einen Schal, ich kann

mir auch vorstellen, dass man einmal den

Haushalt durchgeht auf geeignetes Material

wie Topflappen, Zimmerpflanzen oder Katzenkratzbäume.

Bratenspieße und Brieföffner

vielleicht eher nicht.

Zweitens halte ich das Tragen eines kurzen

Umhanges für eine verschönende Maßnahme.Essollte

ein kurzerUmhang sein bei

langsamer Fahrt, damit es hübsch flattert.

Schnelle Fahrer können etwas Langes tragen,

das sich segelartig bläht im Fahrtwind.

Drittens rege ich an, die Körperhaltung

radikal zu modernisieren: Nehmen Sie den

hinteren oder zum stabilen Stand nicht benötigten

Fußvom Boardund strecken Siedas

Bein etwas in die Emptiness.Sodann greifen

Sie bei Mobilen mit Lenker selbigen mittig

und strecken Ihren Zweitarm steif am Kopf

vorbei empor. Nun knicken Sie Ihren Leib

hüftgelenkig ein und senken Ihren Upper

Body in Fahrtrichtung ab, das Bein wird dabei

derartgestreckt, dass es als Verlängerung

des ausgestreckten Armes nach hinten weist.

In Standwaage dahinzurollen hat nicht nur

einen ästhetischen Vorzug, auch für vollschlanke

Fahrer, es wirkt zudem so entschlossen

dynamisch, dass man Ihnen bald

die „eingebaute Vorfahrt“ nachsagen wird

wie einstmals den einen Mercedes-Sterntragenden

Autos. Auf lenkerlosen Gefährten

greifen Sie übrigens mit beiden Händen

nach hinten, umfassen Fußund Knie und recken

nur Nase undKinn vorn empor.

Dankeschön! Nun sind wir in der modernen

Zeit angelangt.


22 Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Feuilleton

Elizabeth Taylor konnte sehr

cool in die Kamera

schauen, und doch hat sie

keiner so fotografiert wie

Helmut Newton. Auf diesem Bild

sitzt ihr kühler Blick gleichsam auf

dem Wasser des Pools,nur Kopf und

Schultern ragen heraus. Um den

Hals trägt sie ein Collier ihres Lieblingsjuweliers

Bulgari, auf ihrer rechten

Hand sitzt ein Papagei. Das sonnengebräunte

Gesicht glänzt im

Blitzlicht, während sich ihre scheinbareGelassenheit

in der uns bekannten

Kunstfigur auflöst. EinGroßabzug

dieser Fotografie hängt in der Helmut-Newton-Stiftung

in einer Vitrine,auf

dem Print ganz unten sieht

man einen schwarzen Strich. Gezogen

hat ihn Newton an der Stelle,wo

unter der Wasseroberfläche noch

ihre Füße durchschimmern: Die

mussten weg, schließlich sollte die

optische Verkürzung die Diva nicht

wie eine Ente aussehen lassen.

Helmut Newton hat seine Fotos in

der Regel nicht beschnitten, erklärt

Matthias Harder, der Kurator der

dreiteiligen Ausstellung „Helmut

Newton ‚Sumo‘ – Mark Arbeit.

George Holz. Just Loomis. ‚Three

Boys from Pasadena‘ –Photo Collection

of Helmut and June“. DerAbzug

sei ein Probedruck, fotografierthatte

Newton die Taylor 1989 für die Zeitschrift

Vanity Fair in Los Angeles.

Mit insgesamt 464 Fotografien

befindet sich die gekappte Reproduktion

in einem der wohl größten

und schwersten Bücher, die im letzten

Jahrhundert gedruckt wurden:

„Sumo“, erschienen 1999. Ein Buch

wie eine private Kunstsammlung, für

das der französische Designer Philippe

Starck eigens einen Lesetisch

entwarf. Ein ambitioniertes Projekt

in vordigitaler Zeit –50mal 70 cm

groß, in einer Auflage von 10000

Stück, 35,4 Kilo schwer –hat Helmut

Newton jedes Exemplar, jede Seite

handsigniert, was schon an Obsession

grenzt. In einem Filmmitschnitt

sieht man dann noch den Verleger

Benedikt Taschen mit dem Dummy

unterm Arm laufen, jenes Exemplar,

das er von all den Prominenten, die

darin vorkommen, signieren ließ.

Derart geadelt und veredelt, brachte

dieser Band bei einer Charity-Auktion

600 000 D-Markein.

EinBuch der Superlative, das nun

in der Ausstellung auf Starcks Silbergestell

liegt. 20 Jahrenach seinem Erscheinen

und zehn Jahre, nachdem

sein Inhalt 2009 schon einmal in diesen

Räumen gezeigt wurde, breitet

sich nun das Œuvre –beziehungsweise

ein Ausschnitt aus Newtons

immensem Werk –mehrreihig über

die Saalwände.

Man wandert gleichsam durch

ein multiples Bilderbuch. Viele Motive

scheinen vertraut, sind längst

Ikonen der Fotografiegeschichte.Vor

allem aber zeigt die Schau den Wandel

der Frau in der westlichen Gesellschaft

über fünf Jahrzehnte sowie die

Die große Schule des Sehens

Der Meister und seine Schüler in der neuen Schau der Helmut-Newton-Stiftung in Berlin

anhaltende Experimentierfreude

Helmut Newtons (1920–2004), der

als 18-Jähriger nach einer Lehre bei

der FotografinYvaseine Heimatstadt

Berlin 1938 gerade noch rechtzeitig

verlassen konnte und in die USA

emigrierte. Inseiner Jugend war er,

wie alle,„von Nazibildern umgeben.

Für einen Fotografie-besessenen

Jungen wie mich hinterließ das einen

unauslöschlichen Eindruck“,

schreibt er in „Sumo“.

VonIrmgard Berner

Elizabeth Taylor im Blick von Helmut Newton. AUS DER AUSSTELLUNG/HEMLUT NEWTON FOUNDATION (3)

Nicolas Cage im Blick von George Holz:

MarkArbeit fotografierte Frauen-Torsi.

So stecken selbst in seinen Modefotografien

gesellschaftliche Kommentareund

politische Brüche.Provokante

Ideen und Ambivalenzen

wurden zu Newtons Markenzeichen.

Man sieht eine Frau im luxuriösen

Nerzmantel, die die kommunistische

Faust hochreckt. Verfremdungen

durch Solarisation sorgten in

Magazinen wie Vogue, Vanity Fair

oder New Yorker für Überraschungen.

Newton lässt Fehler bei den Aufnahmen

stehen, wie die zombiehaften

Augen der in Paris1979 mit Ringblitz

fotografierten Angelika Houston.

Ein Paradox folgt dem anderen.

Eine Frau in Strapsen, Reizwäsche

und leichtem Umhang breitet die

Arme aus wie eine Schutzmantelmadonna,

es ist Patti Hansen, Gattin des

Stones-Gittaristen Keith Richards.

Anlässlich der Wiederauflage der

deutschen Vogue, ebenfalls 1979,

ging Newton in Berlin an seine Erinnerungsorte

und fotografiert inDavid-Bowie-Ästhetik

Mode im Grunewald.

Um 1980 entstehen die ersten

Aktfotografien in artifizieller Nacktheit

und Überstilisierung –ein angesichts

der MeToo-Debatte wohl abgeschlossenes

Genre. Wunderbar

sind die Porträts von Freunden, der

greise Salvador Dalí, Karl Lagerfeld,

David Lynch und Isabella Rossellini,

Foto-Shootings in Hotels und Bars

spiegeln den Zeitgeist.

Ergänzt hat Matthias Harder die

Schau durch Teile der privaten Fotosammlung

von Helmut und June

Newton, die er erst im Februar von

June aus Monaco nach Berlin holte.

Sie offenbart Newtons Vorbilder:

Erich Salomon, von den Nazis in

Auschwitz ermordet, oder den gebürtigen

Ungar und Vater der Modefotografie,

Martin Munkasci. Und

natürlich Brassaï, dessen Bilder von

Prostituierten im Paris der 30er-

Jahreerspäter paraphrasieren sollte.

Wie verwoben Newton in die Geschichte

der Fotografie bis heute ist,

zeigen auch die Bilder dreier ehemaliger

Assistenten, die mittlerweile

selbst ein bedeutendes Œuvre geschaffen

haben: Mark Arbeit, George

Holz und Just Loomis. Die „Drei

Jungs von Pasadena“ verband ein

Studium am legendären ArtCenter

College in Pasadena, Kalifornien. Ihnen

sind eigene Räume gewidmet,

mit freundschaftlich-persönlichen

Bezügen zu Newton. Stellwände

grenzen ihre Werkgruppen ein. Im

Innenbereich mit älteren Arbeiten

sind in einer Vitrine Fotos und Erinnerungen

an Helmut Newton ausgelegt.

Just Loomis (geboren 1957) verzichtet

für seine Auswahl aus den

„Backstage“-Arbeiten auf Rahmen.

Wie großformatige Filmstreifen reihen

sich die schrägen Nahaufnahmen

vonvor und nach den Auftritten

der Models an die Wand. Teils überbelichtet,

zeigen sie die verschwitzte

Hektik, Konzentration und überraschte

Blicke hinter der strahlenden

Kulisse des Modebusiness in Paris,

Mailand oder NewYork –amRande,

wo auch Newton viel fotografierte.

Von den dreien grenzt Loomis

sich im Stil am meisten vondem undogmatischen

Lehrmeister ab, obwohl

er ihm am längsten assistiert

hat. Mark Arbeit (Jahrgang 1953)

wiederum experimentiertviel. Großartig

ist seine „Torso“-Serie, weiße

Frauenkörper wie Skulpturen, pummelige

Akte aus der Prä-Photoshop-

Ära, für die er Arme und Beine mit

schwarzemSamt abdeckte.Dagegen

hatte George Holz (geboren 1956)

neben Akten wohl jeden, der in Hollywood

was auf sich hält, für Magazin-Porträts

vorder Kamera: Nicolas

Cage, Steven Spielberg, Bruce Willis

und mehr. Erstmals überhaupt ausgestellt

ist –wobei hier Stellwände

wie zwei Seiten einer Medaille fungieren

–, Donald Trump, der Geschäftsmann,

1999 pompös vor der

US-Flagge mit seiner damaligen

Freundin Melania fotografiert. Holz

hat seineVitrine richtig voll geräumt.

Neben Fotos der Freunde, die mehr

als Assistenten waren, liegt darin

eine Zeichnung vonseinem kleinem

Sohn von2004, als Newton starb: Sie

zeigt Helmut als Engel –mit dem Fotoapparat

in der Hand.

Helmut NewtonFoundation Di–So 11–19 Uhr,

Do bis 20 Uhr.Bis 10. November, Jebensstraße 2,

www.helmutnewton.com

Immer

und

überall.

Nur im

E-Paper:

Rätsel, Videos,

Sonderausgaben

u.v.m.

www.berliner-kurier.de/mobil


Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 23 *

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Feuilleton

Ein wenig

Temperament

im Märkischen

Vergnüglich: Autoren von

heute auf Fontanes Wegen

VonCornelia Geißler

Die Krankenkassen können bald

Überschüsse auszahlen. Denn

Deutschland bewegt sich –zumindest

der sonst eher schreibtischhockende

oder sessellümmelnde, also

der lesende Teil der Bevölkerung. Ein

jeder nutzt das Fontane-Jubeljahr

zum Wandern. Einen besonders

schönen –abwechslungsreichen, eigenwilligen,

erheiternden – Beleg

der ländlichen Entdeckerfreude bietet

der Band„Wandernund Plaudern

mit Fontane.Literarische Begegnungen

mit der Mark Brandenburg

heute“. Es ist der Fontane’schen Idee

folgend, eine „bunte,mannigfaltige“

Auslese. Einige der interessantesten

Autoren der Gegenwart haben sich

beteiligt, etwa Kathrin Schmidt und

Saša Stanišic, Annett Gröschner und

Michael Wildenhain.

Die Herausgeberinnen des Bandes

lehren auswärts deutsche Literatur,nämlich

in Irland (Gisela Holfter)

und in London (Godela Weiss-

Sussex), schauen also mit Abstand

auf das Heimatwesen. Dass der Fontane-Kreis

Großbritannien und Irland

ihr Unterfangen unterstützte,

liegt nicht so fern, wie es scheinen

mag: Theodor Fontane selbst hat

sich zu seinen „Wanderungen durch

die Mark Brandenburg“ durch eine

Schottland-Reise inspirieren lassen.

Die heutigen Wanderer (auch per

Auto und Zug, Fontane nahm selbst

die Kutsche) sind von Erzählfreude

getrieben. Der Vogtländer Utz

Rachowski, schluckt erst einmal Vorurteile

herunter.Kerstin Hensel fährt

mit dem Fahrrad ins Oderbruch. Am

Wegesrand wenden sich Auswüchse

aus dem Boden gegen die Anmut der

Landschaft –„von der Zeit untergepflügte

Schädel- und Gliedmaßenknochen

gefallener RussenPolen-

Deutscher“. Bis sie ihre „Frei-Atem-

Woche“ genießen kann, „die Kunst

des Lebens und die Kunst an sich“,

muss sie noch mit Geisternstreiten.

Eine Grafik von Moritz Götze schmückt

den Umschlag des Buches. QUINTUS VERLAG

Florian Werner stakt bei schlechtem

Wetter durch den Spreewald

und stößt auf Einheimische, denen

das Historische auf die Nerven geht.

Freundlich blicken ihn Kuhaugen

an, was Kenner seines Werks nicht

wundert (er verfasste „Die Kuh. Leben,

Werk und Wirkung“).

Schreibend versucht sich Ursula

Krechel im Regionalexpress vor

Lärm und Neugier zu schützen, erfolglos:

„Was schreiben Sie da? Ich

schreibe eben. Sind Sie Schriftstellerin?

Ja. Und was genau? Das ist zu

kompliziert, um es zu erklären.“ Ihr

Beitrag aber zeigt anschaulich, wie

sie arbeitet, wie auch in ihren Gedichten

und Romanen Recherche,

eigene Eindrücke und Fantasie ineinanderfließen.

Wenn Krechel den

Herrn Fontane wandern lässt, „ahnt

man auch langsam, langsam ein wenig

Temperament im Märkischen“.

Gisela Holfter,Godela Weiss-Sussex(Hrsg.):

Wandernund Plaudernmit Fontane

Quintus, Verlag für Berlin-Brandenburg2019.

192 S.,19,90 Euro

Ruhige, innige Momente wechseln mit thrillerhafter Spannung,dazwischen erklärtder Regisseur selbst seinen Film. „La Flor“ will den Zuschauer nicht loslassen.

Die Blumen des Kinos

Das argentinische Epos „La Flor“ ist eine einmalige Kino-Erfahrung –abheute zeigt es das Arsenal

VonRüdiger Suchsland

Gute Filme sind ein Raum,

in dem man sich bewegt,

sich aufhalten kann, zu

dem man sich verhalten

kann und muss. Filme sollten ihrem

Publikum nichts vorkauen, sondern

Schneisen öffnen, und Orte der Sicherheit

wie der Herausforderung

schaffen. Einsolcher Film ist„La Flor“

(Die Blume), eines der bemerkenswertesten

Kinoabenteuer der letzten

Jahre, eine einmalige Erfahrung.

Es beginnt mit einerWüstenlandschaft

und einer jungen Frau: Lange

braune Haare, ein roter Wollpullover

mit Rollkragen. Sieblickt nach vorne,

knapp an der Kamera vorbei. Sofort

ist man mit diesem Blick im romanischen

Kulturkreis. Aus Deutschland

könnte das Bild jedenfalls nicht sein,

aus Skandinavien auch nicht, aus

England und den USA kaum.

Zwischen Pathos und Paranoia

DieFrauist Flavia, sie hat tiefe braue

Augen und wenig später hat sie eine

weiße Strähne im Haar, wie Susan

Sontag. DavorwirdinderWüste eine

Mumie gefunden, und vieles erinnert

bald an eine Film-Noir-Detektivstory,

an John Hustons „Der Malteser

Falke“ vielleicht, in der dann

Flavia der Detektiv wäre. Sie trifft

dann auch auf einen unangenehmen

Mann, ein Ekelpaket, das Frank

heißt, wie Dennis Hoppers Figur in

„Blue Velvet“.

Der sinnliche Eindruck und die

Atmosphäre von „La Flor“, für dessen

Inszenierung der argentinische

Regisseur Mariano Llinás gemeinsam

mit dem Filmkollektiv „Pampero

Cine“ zeichnet, erinnern tatsächlich

zunächst an Kino von David Lynch,

an B-Movie-Thriller, obvon Robert

Siodmak oder von Claude Chabrol,

und an die Filme von Carlos Saura –

denn Musik und Gesang (und zwar

Ohrwürmer, gute Schlager) spielen

eine sehr wichtige Rolle, wie überhaupt

die heiter-resignative Stimmung

der 70er-Jahre.

Ein bisschen wirkt alles auch wie

ein Kolportageroman von Eugene

Sue. Das Pathos ist das des 19. Jahrhunderts.

ImZentrum der Detektivstorysteht

ein obskurer Geheimbund

Vier Frauen prägen die sechs Episoden dieses Films.

und die Suche nach einem Serum

(ein „Metatoxin“), das ewige Jugend

verleihen soll. EinGespräch kreist um

„Epiphanie“: Pathos –Romantik –Paranoia

sind die Pole zwischen denen

sich dieser einmalige Film entfaltet.

Vier Anfänge, vier Hauptfiguren,

drei Teile,acht Akte,sechs Geschichten,

14 Stunden Laufzeit mit einer

Handvoll „Pausen“: So absurd ehrgeizig

und offen monomanisch, zugleich

selbstironisch in dieser Monomanie

„La Flor“ ist, so leichthändig

und selbstverständlich fühlt sich das

beim Sehen an. Und unaufdringlich

reflektiert: Denn der Regisseur

taucht selbst im Film auf, erklärtdessen

Funktionsprinzipien –was wiederum

ein Teil des Films ist, und weniger

an einen postmodernen

Spleen erinnertals an Shakespeare.

Auch wenn „La Flor“ nun in Argentinien

einige als „den längsten

Film der Welt“ feiern, sollte man

diese Länge nicht zum Thema machen.

Oder die Gliederung in Episoden.

Ein Film ist ein Film oder er ist

es eben nicht. Undwenn er 14 Stunden

lang ist, dann muss er so gezeigt

GRANDFILM

werden –denn man schreibt über

eine Filmdauer ja auch nicht, wenn

die Filme kürzer sind. Schon Bela

Tarrs„Satantango“ oder„Shoah“ von

Claude Lanzmann (1985) kratzten

seinerzeit im Berlinale-Forum an der

10-Stunden-Marke, die Festivallieblinge

Lav Diaz oder Wang Bing strapazieren

regelmäßig mit Filmen ab

vier Stunden das Sitzfleisch auch der

Professionellen.

Auch umgekehrt gilt aber, dass

Länge als solche einen Film noch

nicht besser macht. Im Gegenteil.

Fall von „La Flor“ muss man aber

keine Angst haben: alles ist außerordentlich

leicht und heiter, musikalisch.

Wie beim Bingewatching auf

Gewohnheiten ändern sich

der Couch wirdjeder Zuschauer bald

eigene Favoriten haben, bestimmte

Figuren besonders lieben, eine Lieblingsepisode

haben. So ist dies auch

ein Film, der auf unsere neuen Sehgewohnheiten

eine Antwort findet,

die sich im Kino ereignet.

Passenderweise bietet das Arsenal

für die Berliner Premiere jetzt

gleich zwei Möglichkeiten: An diesem

Wochenende läuft „La Flor“ in

drei großen Teilen und danach bis

zum 28. Juli noch einmal in kleineren

Kapiteln separat.

Aufder Fritz-Lang-Straße in Berlin

Ein Kollege hatte in Locarno für „La

Flor“ die schöne, treffende Formel

gefunden: „Eine Serie, die das Kino

meint.“ Trotz seiner Länge sei diese

Geschichte von vier argentinischen

Frauen, deren Schicksale miteinander

verknüpft sind, aber gar keine

Serie, insistiert wiederum der Regisseur.Und

hat recht: Dies ist eher ein

cinephiles Stationendrama, eine vor

Ideen überquellende Reise durch

Orte, Haltungen und Atmosphären

der Kinogeschichte, unter anderem

auch durch Horror, Western, Musical,

Casanova-Filme und ein Spionagestück

aus dem Kalten Krieg. Was

man im Kino liebt, eben. Auch Berlin

darfnicht fehlen: Dortfährtman wie

es sich gehört natürlich auf einer

„Fritz-Lang-Straße“.

Ein einzigartiger hochinteressanter

Film ist dies, der schwer zu beschreiben

und in seinem Erlebnisreichtum

nicht mit einem Mal auszuschöpfen

ist. Ein offenes Kunstwerk.

Und wer bei all dem

Labyrinthischen, Rätselhaften auch

an Llinás’ Landsleute Cortázar und

Borges denkt, liegt richtig.

La Flor. In dreiBlöcken12.,13., 14. Juli, in Kapiteln16.

bis28. Juli, Arsenal, Potsdamer Str.2

Das Audiostreaming beschert der deutschen Musikbranche nach langer Zeit wieder Wachstum

Warm klingende Vinylplatte

oder knisterfreie CD? Diese

von Musikern und Fans ideologisch

aufgeladene Frage nach dem optimalen

Sound-Genuss hat nun auch

die Kundschaft in Deutschland eindeutig

beantwortet –zugunsten des

nüchtern-pragmatischen digitalen

Audiostreamings. Nach den Halbjahreszahlen

des Bundesverbandes

Musikindustrie (BVMI) vom Donnerstag

lässt die Branche ihrefast 20

Jahrewährende Krise hinter sich.

Bei 783,2 Millionen Euro Umsatz

in den ersten sechs Monaten verzeichnete

die Musikbranche ein Plus

zent zu und hat nun 56,4 Prozent

Marktanteil (Gesamtjahr 2018: 46,4).

Der Digital-Umsatz insgesamt hatte

einen Anteil von zwei Dritteln des

Kuchens (2018: 56,7 Prozent).

„Das Audiostreaming verhilft uns

gerade im globalen Markt zueiner

Erfolgsgeschichte“, sagt BVMI-Vorstandschef

Florian Drücke im Gespräch

mit der Deutschen Presse-

Agentur in Berlin. Die Plattformen

seien „hierzulande mit einem geringen

Zeitrückstand in den Markt gegangen“,

räumt der Verbandsmanager

ein. „Auch hat sich der deutsche

Fanlänger in seiner physischen Welt

GRANDFILM

von knapp 60 Millionen Euro (7,9

Prozent) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum

– die höchste Wachstumsrate

seit 1993. Zwischen 1998

und 2012 hatten sich die Umsätze

fast halbiert.

Weder Compact-Discs mit zuletzt

nur noch 28,2 Prozent Marktanteil

oder Vinyl-Schallplatten mit gleichbleibend

4,4 Prozent Marktanteil

sind Antreiber des Trends, sondern

das bei vielen Musikpuristen verpönte

Audiostreaming über Plattformen

wie Spotify,Amazon, Apple Music,

Tidal oder Deezer. Es legte im

ersten Halbjahr 2019 um 27,7 Proaufgehalten

als die Fans in anderen

Ländern.“ Die 2018 gestartete, auf

drei Jahre angelegte Untersuchung

„Zur Zukunft der Musik“ der Universität

Hamburg mit 5140 Befragten

zeigt: Jeder zweite Musikkonsument

in Deutschland nutzt inzwischen

Streaming-Angebote.

Deutschland, der viertgrößte Musikmarkt

der Welt, eine Branche mit

rund 20000 Beschäftigten, verabschiedet

sich von den klassischen

Tonträgern gleichwohl weniger radikal

als andere Länder.„Es gibt bei uns

nach wie vor viele Jäger und Sammler

vonMusik“, so Drücke. (dpa)

NACHRICHTEN

Radiojournalist auf den

Philippinen ermordet

Unbekannte haben im Süden der

Philippinen einen Radiojournalisten

getötet. Der58-jährige Eduardo Dizonsei

in der Nacht zum Donnerstag

voneiner Sendung in Kidapawan

City knapp 1000 Kilometer südlich

der Hauptstadt Manila auf dem

Heimweg gewesen, als plötzlich zwei

Männer auf einem Motorrad angehalten

und auf ihn geschossen hätten,

sagte die örtliche Polizeichefin.

Es war zunächst nicht klar,obder

Mord in Verbindung mit seiner Arbeit

steht. Dizonhatte seinen Kollegen

zufolge in seinem Radioprogramm

oft über Korruption und Betrügereien

berichtet. DiePhilippinen

gelten als einer der weltweit

gefährlichsten Orte für Journalisten.

Dizonwar nach Angaben der philippinischen

Gewerkschaft der Journalisten

der 13. Journalist, der seit

Amtsantritt vonPräsident Rodrigo

Duterte 2016 ermordet wurde. (dpa)

Schauspieler Rip Torn

88-jährig gestorben

DerUS-Schauspieler Rip Torn ist im

Alter von88Jahren gestorben, darüber

informierte sein Agent. Der

dem deutschen Publikum vorallem

durch seine Rolle

im Blockbuster

„Men in Black“

bekannte Darsteller

sei am

Dienstag im Beisein

seiner Familie

in Lakeville

im US-Bundesstaat

Connecticut

verstorben.

Der1931 in Texas

geborene Torn erwarb sich im Lauf

der Jahreeinen Rufals hervorragender

Bühnen-, Film- und Fernsehschauspieler.1960

wurde er für seine

Darstellung im Theaterstück „Süßer

Vogel Jugend“ vonTennessee Williams

für den US-Theaterpreis Tony

nominiert. Für seine Rolle in dem

Filmdrama „Cross Creek“ erhielt er

1984 eine Oscar-Nominierung. Dem

US-Publikum war Torn vorallem aus

der Kult-Serie „Die LarrySanders

Show“über eine fiktiveLate-Night-

Sendung bekannt. Für seine Rolle

des Produzenten Artie bekam er

1996 den Fernsehpreis Emmy.„Men

in Black“-Kollege Will Smith veröffentlichte

ein Bild vonden beiden

auf Instagram und schrieb: „R.I.P.

Rip“ (Ruhe in Frieden Rip). (AFP)

ADAC übergibt sein Magazin

dem Burda-Konzern

GERMANA/STAR MAX/IPX

DerADAClässt seine millionenfach

gedruckte Zeitschrift Motorwelt

künftig vomMedienkonzernBurda

produzieren und vermarkten. Das

Magazin soll künftig nicht mehr monatlich,

sondernnurmehr viermal

jährlich erscheinen. Außerdem wird

die Zustellung in die Haushalte der

20 Millionen Mitglieder des Autoclubs

eingestellt, stattdessen liegt die

Zeitschrift ab 2010 zum Abholen in

Edeka- und Netto-Supermärkten sowie

in den ADAC-Geschäftsstellen

aus,wie der Club am Donnerstag in

München mitteilte. (dpa)

TOP 10

Mittwoch, 10. Juli

Rip Torn

(1931–2019)

1 Aktenzeichen XY ZDF 5,08 19 %

2 heute-journal ZDF 4,35 17 %

3 Tagesschau ARD 3,93 16 %

4 heute ZDF 3,42 18 %

5 SOKOWismar ZDF 2,84 18 %

6 RTL aktuell RTL 2,58 15 %

7 GZSZ RTL 2,56 11 %

8 Auslandsjournal ZDF 2,55 12 %

9 Der Hodscha... ARD 2,51 9%

10 Bares für Rares ZDF 2,31 22 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Fisch zu viert

Dock 11 (✆ 448 12 22)

17.00, 19.00: trust /why not swan! /goodwill

(Lenka Vagnerova /Anton Lachky /Damien Muñoz &

Virginia Garcia (la intrusa)

ETI (✆ 278 53 01)

20.00: B3

GarnTheater (✆ 78 95 13 46)

20.30: Die Sanfte

Globe Berlin Prolog-Bühne (Open Air)

(✆ 54 90 51 92) 19.30: Romeo &Julia (Globe

Ensemble Berlin)

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

20.00: Star Dust –From Bach to Bowie (Complexions

ContemporaryDance Theatre)

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Spatz und Engel –Die Geschichte der Freundschaft

zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich

Shakespeare CompanyBerlin (✆ 21 75 30 35)

20.00: Macbeth!

Tanzfabrik Wedding in den Uferstudios

(✆ 20 05 92 70) 19.00 Studio 4: Open Spaces /

Sommertanz: Song (Maik Riebort/Eva Pfitzenmaier)

20.30 Sudio 14: Open Spaces /Sommertanz: Esprit

(Suddenly)

Theater an der Museumsinsel (✆ 47 01 89 49)

18.00: Die Vögel

20.00: Faust –Schönheit, Liebe, Arbeit

Theaterforum Kreuzberg (✆ 70 07 17 10)

20.00: Lichtung (SR &Company)

Theater im Delphi (✆ 70 12 80 20)

18.30: International Festival of YoungOpera Singers:

Le Nozze di Figaro (Ensemble und Orchester der

Berlin Opera Academy)

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Shakespeares sämtliche Werke(in 90

Minuten!)

KABARETT/VARIETÉ

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

19.30: Chicago–The Musical

Berliner Schnauze –MundArt&Comedy Theater

(✆ 017 95 34 66 96) 20.00: Besuch ausParis

(PianLola)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Fly, Edith, Fly –Vom Ballermann zum BER

(Ades Zabel &Company)

BühnenRausch (✆ 44 67 32 64)

20.00: Improschnittchen (Im Freien Fall)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Memories of Fools (Cirk La Putyka)

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Wohin mit Mutti?

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00 Heckmannhöfe: Die 7Typen Show

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00: Drachenherz

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Sexy Circus –Extasya2019

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow(Benni Stark, Salim Samatou,

Aladdin, Achim Knorr, Mod.: Sebastian Schnoy)

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Adam Weiss (Mod.)

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

20.00: West Side Story(Gastspiel)

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Cabaret –Das Berlin-Musical

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00 Überdachte Freilichtbühne: 40 Jahre ufaFabrik

–Festwochen: Phare Ponleu Selpak &MsWanu Gogo

Vibes

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Alte Mädchen

KLASSIK

Berliner Dom (✆ 20 26 91 36)

20.00: Felix Hell, Abendfriede! –14. Internationaler

Orgelsommer 2019, Werkevon Rheinberger,Reger,

Willan

Nikolaikirche (✆ 24 00 21 74)

17.00: Nikolai-Musik am Freitag–Orgelmusik zum

Wochenausklang

Paul-Gerhardt-Kirche Schöneberg (✆ 781 71 96)

20.19: Sibylle Fischer (Sopran), Ensemble Atonor,

Frank Schreiber (Orgel) &Thomas Noll (Klavier &

Orgel), Organovino IV –Inbester Verfassung,Orgelmusik

und Begleitprogramm unter dem Motto „70

Jahre Grundgesetz“

Radialsystem (✆ 288 78 85 88)

18.00: Heroines of Sound –Tag 1: Ensemble LUX:NM,

Performances: Maja Osojnik &Irena Tomazin, Ltg.Bettina

Wackernagel –Früheund aktuelle Heldinnen elektronischer

Musik: Neue Werkevon Oxana Omelchuk,

Carola Bauckholt, AnnesleyBlack, Laura Mello und

Judit Varga; vorher Panel „Female Future Sounds“,

Filmporträts, Soundbar &Videoinstallation

St. Marien-Kirche Mitte (✆ 242 44 67)

13.30: Orgel am Alex –Musik und Orgelführung

UdK Konzertsaal Hardenbergstraße

(✆ 31 85 23 74) 19.00: orchestr.insîéme, Ltg.

Magdalena Klein, Sommerpause –Semesterabschlusskonzertder

Fakultät Musik, Charles Gounod:

Petite Symphonie für Bläseroktett; Wolfgang Amadeus

Mozart: Ausschnitte aus „Die Hochzeit des Figaro“

und „Don Giovanni“ für Bläsernonett; Antonín Dvorák:

Sinfonie Nr.9e-Moll op. 95 „Aus der neuen Welt“

KINDER

Archenhold-Sternwarte (✆ 536 06 37 19)

15.00: Krümel und Professor –Die Rettung derAliens

16.00: Als der Mond zum Schneider kam

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (✆ 29 04 78 40)

10.00: Zirkusferien Kreuzberg,Workshop (ab 7J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Deutsches Technikmuseum (✆ 90 25 40)

11.00, 13.00 Ladestraße, Eingangshalle: Sommerferienprogramm:

GPS –Geocaching aufdem

Museumsgelände, Workshop (ab 9J.)

11.30, 14.00, 15.30 Science Center Spectrum, EG,

Veranstaltungsraum:Sommerferienprogramm: Kälter

als kalt –coole Versuche bei -196°C, Vorführung

FEZ Berlin (✆ 530 71 -0)

10.00: FEZitty –Die Hauptstadt der Kinder (ab 6bis

14 J.)

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

17.00 Heckmannhöfe: Die kleine Seejungfrau, (ab 4J.)

Labyrinth Kindermuseum (✆ 800 93 11 50)

9.00:1,2,3,Kultummel –Die Ausstellung mit dem

Vielfalter,Lernvielspaß für Mitmachkinder (ab 3bis

11 J.)

10.00: Ahoi, Papieraten!, KreativeSommerferien im

Labyrinth Kindermuseum

MACHmit! Museum für Kinder (✆ 74 77 82 00)

10.00: Der Rest vomLagerfeuer-Kohlekunst, Wochenwerkstatt

14.00: Schultüten für alle Einschulkinder,Bezahlwerkstatt

(9 Euro)

me Collectors Room Berlin (Auguststr.68)

12.00: Art&Kids, Offenes Kinderprogramm

Museumsdorf Düppel (✆ 8026671)

17.00: Kleine SummerSchool: Wasser und

Globalisierung –Campen im Museumsdorf Düppel,

Sommer-Camp für 14- &15-Jährige(ab 14 bis 15

J.). Anm. erf.

Märkisches Museum (✆ 308 66 -0)

10.00: Vielfalt-Forscher des Labyrinth Kindermuseums

Berlin, Wasist Vielfalt? Wo ist Vielfalt?

Theater an derMuseumsinsel (✆ 47 01 89 49)

16.00, 17.00: Puppenspiel desDr. Faustus, Ein Faust

für Kinder

UdK-Rundgang

Ungefähr

eine Million

kreative Berufe

Ein normaler Tagder offenen

Tür reicht offenbar

nicht, um sich einen ersten

Überblick über die Angebote

der Universität der Künste zu

machen. Deshalb zeigt sich die

Bildungsstätte, deren Wurzeln

bis ins 17. Jahrhundert, zur

Gründung der Akademie der

Künste, zurückreichen, auch

ein ganzes Wochenende mit

einem pickepackevollen Programm

an zehn Standorten:

Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen,

Atelierführungen,

Beratungsmöglichkeiten.

Was allein der Studiengang

Mode- und Produktdesign an

Werkstätten bietet! Siebdruckerei,

Färberei, Strickerei, Näherei,

Weberei, dazu kommen

Foto-, Video- und Tonstudios

mit 3D-Druckern und solchen

Unverzichtbarkeiten wie

Okto-Referenz-Nahfeldaudiomonitoren.

Für Leute, die

nicht wissen, was sie werden

wollen, gibt es hier unendlich

viele Ideen. Ulrich Seidler

UdK-Rundgang Fr,Sa, So, alle Termine

und Orte: www.udk-berlin.de

Der Palast-Hausmeister in der Bildergalerie vor Arno Mohrs„Forscht, bis ihr wisst“, im Film von Arpád Bondy und Margit Knapp.

Ingeborg Ruthe

hatte beim Gang durch die Foto-, Videound

Objekte-Schau des Kunstvereis Ost

so manches Déjà-vu –ohne dabei nostalgisch

zu werden.

Seltsam, ich muss in dieser

kleinen, bilddichten Ausstellung

über den Jahrenach

der deutschen Wiedervereinigung

abgerissenen Palast der Republik

sehr an Franz Kafka denken,

an dessen sarkastischen Spruch:

„Das eigentlich charakteristische

dieser Welt ist ihreVergänglichkeit.“

DieFotos,Filme und Objekte,die

im Ausstellungsraum des Kunstvereins

Ost hängen, laufen und ausliegen,

bestätigen die Feststellung des

Sprachmeisters des Absurden und

Vertrackten. Und im Falle des zu

DDR-Zeit beliebten und vielbesuchten,

von Spöttern aber auch gern

„Palazzo del Prozzi“ oder „Erichs

Lampenladen“ genannten Großkulturhauses

darf und sollte man

schon ein wenig über Vergänglichkeit,

auch über Absurdes in der Gesellschaft

und deren Ideologien sowie

politische Wechselfälle philosophieren

dürfen.

Auf dem Abrissgelände, einst

Marx-Engels-Platz, heute wieder

Schlossplatz, ersteht seit 2013 das in

der frühen DDR auf Befehl vonWalter

Ulbricht in symbolpolitischer Absicht

gesprengte Hohenzollernschloss

als Großmuseum namens

Humboldt-Forum wieder neu. Zahllose

Menschen aus nah und fern, gerade

auch aus der westlichen Hemisphäre,

hatten gegen den vomDeutschen

Bundestag beschlossenen Palast-Abriss

demonstriert, Petitionen

unterschrieben, heftig diskutiert.

Vergebens.

Das Palastende war beschlossen,

die Bagger und Kräne rollten an. Die

Kunstwerke aus dem Haus landeten

im Depot des Deutschen Historischen

Museums, die Dokumentationen

in Archiven, das Mobiliar, Restaurant-Geschirr

und anderes Beiwerk

auf dem Trödel.

Die Rede vom Denkmalsturz

machte die Runde durch die Welt.

Auch die „letzte Ölung“ des entkernten

Baukörpers durch eine sensationelle

Kunstschau, die weithin sichtbaren

Lettern ZWEIFEL auf dem

Dach und die spektakuläre Flutung

der mächtigen Bauwannen, in denen

Besucher in Booten Abschied

nahmen vom Haus, hielten die endgültige

Schleifung nicht auf. Das Asbest-Argument

war stärker als der

Protest und die Forderungen nach

Sanierung oder Erhaltung.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51)Yesterday15.00,

17.30,20.15

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Ein Becken voller

Männer 15.15, 20.30; Der Klavierspieler vom Gare

du Nord 18.00

DelphiFilmpalast (✆ 312 10 26) Yesterday 15.00,

17.45,20.30

Delphi LUX (✆ 322 931040) Unsere große kleine

Farm 15.30, 17.45, 20.00; Tel Aviv On Fire 15.40,

18.00,20.20; Kursk (OmU) 14.10,18.00; Rocketman

(OmU) 15.20, 20.40; Der Klavierspieler vom

Gare duNord 14.00; Geheimnis eines Lebens –

Red Joan (OmU) 16.15,18.40;The Dead Don‘t Die

(OmU) 21.00; Zwischen den Zeilen 15.00; All My

Loving 17.20; Burning 20.00; Yesterday(OF) 15.30,

18.15, 21.00; They Shall Not Grow Old (OmU)

16.45,19.00; TelAviv On Fire (OmU) 21.15

Filmkunst 66 (✆ 882 1753) Unsere große kleine

Farm (OmU) 18.15; Kursk 20.15; The Dead

Don‘t Die (OmU) 22.30; Eine moralische Entscheidung

18.00; Traumfabrik 20.00; Kamikaze 1989

(OmenglU) 22.30

Kant Kino (✆ 319 9866) Pets II 14.00, 16.00,

18.00, 21.00; Geheimnis eines Lebens 15.30,

18.00, 20.30; Kleiner Aladin 13.50, 15.40; Rebellinnen:

Leg‘ dich nicht mit ihnen an! 14.30, 17.30,

19.30, 21.30; Der Flohmarkt von Madame Claire

14.00; Kroos 16.00, 18.30; Rocketman 16.30,

21.00; Nur eine Frau 19.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D: Spider-

Man II11.15, 14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Pets

II 11.00, 13.00, 15.00; Rocketman 17.15, 20.10;

3D: Spider-Man II (OF) 23.00; Aladdin 12.30;

Spider-Man II15.20; 3D: Pets II 18.15; Annabelle

III 20.30, 23.10; Kroos 12.00, 17.30; Traumfabrik

14.40, 20.20; John Wick III 23.10; Apollo

11 (OmU) 12.15; 3D: Pets II 14.30; 3D: Aladdin

16.45, 19.45, 22.40; Ein Becken voller Männer

12.00, 15.00; Annabelle III 17.50; Pets II 20.20;

The Dead Don‘t Die 22.30; Drei Schritte zu Dir

12.00; Britt-Marie war hier 14.30; Traumfabrik

16.50; Long Shot 19.45; Rocketman (OF) 22.40

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) La casa lobo –

Das Wolfshaus (OmU)11.00; ElectricGirl(DFmenglU)12.15;Green

Book (OmU) 13.45;Kleiner Aladin

16.00;Yoga(OmU) 17.30; Free Solo (OmU) 19.00;

The Dead Don‘t Die (OmU) 20.45; Border (OmU)

22.30; Ein Gauner &Gentleman (OmU) 11.00; Ramen

Shop (OmU) 12.45; Van Gogh (OmU) 14.15;

Edie (OmU) 16.15;

Eine moralische Entscheidung 18.00; Unsere große

kleine Farm (OmU) 19.45; Rocketman (OmU)

21.15; Nur eine Frau 23.15; Mister Link 11.00;

Sunset (OmU) 12.45; Dave Made aMaze (OmU)

15.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 16.30;

Tolkien (OmU) 18.15; Spider-Man II 20.15; 3D:

Spider-Man II (OF) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Mirai (OmU)

16.00; Zwischen den Zeilen (OmU) 18.00; Rocketman

(OmU) 20.00; Burning (OmU) 22.15; Push

(OmU) 16.00; Campus Galli 17.45; Erde (OmU)

19.30; Free Solo (OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Spider-Man II

13.45, 16.45, 19.20, 22.30; Rocketman 13.45,

17.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 13.45;

Yesterday 14.00, 16.45, 19.30, 22.20; IMAX 3D:

Spider-Man II 14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Kleiner

Aladin 14.00; Traumfabrik 14.10, 19.40, 22.30;

Pets II (OF) 14.10; Drei Schritte zu Dir 14.10,

17.30; Men in Black: International 14.20; Aladdin

14.20,16.15,22.30; Godzilla2–Kingofthe Monsters

14.30; Pets II 14.45, 17.00, 20.15; 3D: Pets

II 15.00, 17.30, 22.15; Avengers: Endgame 16.20;

Unsere große kleine Farm 16.30; Kroos 16.40,

19.30, 22.40; Annabelle III 17.00, 19.45, 22.20;

Geheimnis eines Lebens 17.10; X-Men: Dark

Phoenix 17.30; 3D: Spider-Man II (OF) 18.50; John

Wick III 19.15; Ein Becken voller Männer 19.40;

3D: Men in Black: International 20.00, 22.45; Preview:

Child‘s Play 20.00; Kursk 20.10, 23.00; Long

Shot 20.15; Super 30 (OmU) 22.30; Jussi Adler-

Olsen 22.45; Annabelle III (OF) 23.15

Zukunft (✆ 01 76/57861079) #Female Pleasure

(OmU) 18.00; OBeautiful Night 20.00; The Dead

Don‘t Die (OmU) 21.45; OBeautiful Night (OmenglU;

Black Neon Edition) 23.45; Kaviar 18.00;

Liebesfilm 20.00; Das melancholische Mädchen

21.45; Berlin Bouncer (OmU) 23.30

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Spider-Man II

13.45; Glam Girls: Hinreißend verdorben 13.50;

3D: Pets II14.00, 17.20; Aladdin 14.00, 17.15,

19.50; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.10,

17.15; Pets II14.20, 16.50, 20.00; Kleiner Aladin

14.50; 3D: Spider-Man II16.45, 19.30, 22.45;

Drei Schritte zu Dir16.45,19.40; 3D: MeninBlack:

International 17.00, 22.50; Traumfabrik 20.00;

Preview: Child‘s Play 20.00; Annabelle III 20.15,

23.00; John Wick III 22.30; Godzilla 222.40; X-

Men: Dark Phoenix 23.00; Brightburn 23.00

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Mister Link 12.50; Kaviar

14.25; Aladdin 16.00; Long Shot 18.15; Yuli

20.25

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) Alfons Zitterbacke–DasChaos

ist zurück 11.50; Aladdin 11.50,

14.20, 17.00, 20.00; 3D: Pets II 12.00, 14.10,

17.10; TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang

12.10; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 12.15;

Kleiner Aladin 12.20, 14.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 12.30, 14.50; Willkommen imWunder

Park 12.40; Pets II 12.40,15.00, 16.00,18.10,

19.40; 3D: Spider-Man II 14.15, 17.20, 20.10,

22.15; Dancing Queens 14.30; Bailey 14.40; 3D:

Aladdin 14.45; Spider-Man II 16.40, 19.50; Godzilla

2–King ofthe Monsters 16.50; Traumfabrik

17.10, 20.00; Annabelle III 17.15, 20.20, 22.50;

Drei Schritte zu Dir 17.30, 20.15;Avengers: Endgame

19.30; John Wick III 19.45, 22.40; Rocketman

22.45; Men in Black: International 22.45; X-Men:

Dark Phoenix 22.50; Preview: Child‘s Play 23.00;

Brightburn: Son of Darkness 23.00

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Yesterday (OmU)

17.10,19.50,22.30; B The Dead Don‘t Die (OmU)

17.00, 19.20,21.40

fsk am Oranienplatz (✆ 614 24 64) Burning

(OmU) 17.45; Erde (OmU) 18.00; Das melancholische

Mädchen 20.15, 22.00; Nuestro tiempo –Our

Time (OmU) 20.30

Moviemento (✆ 692 47 85) Unsere große kleine

Farm (OmU) 12.45, 15.00, 17.15, 19.30, 21.45;

Die Winzlinge: Abenteuer in der Karibik 11.00;

Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 13.15;

TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang 15.30; Tel

Aviv On Fire (OmU) 17.45, 20.00, 22.15; TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 11.30; Eine moralische

Entscheidung –Bedoone tarikh, bedoone

emza (OmU) 13.45; Checker Tobi und das Geheimnis

unseres Planeten 16.00; Border (OmU) 18.00;

High Life (OmU) 20.30; Climax (OmU) 23.00

Regenbogen Kino (✆ 69 57 95 17) Guardians of

the Earth (m.Gästen und Diskussion) 20.30

Sputnik (✆ 694 1147) Mister Link 16.00; Electric

Girl 17.45; Kaviar (OmU) 19.30; Burning (OmU)

21.30;Mirai 16.00;Don‘t Give aFox (OmU) 17.45;

Roads (OmU) 19.30; My Days of Mercy (OmU)

21.15; OBeautiful Night (OmenglU) 23.00; Kinobar

imSputnik Happy Lamento (OmU) 21.00

Yorck (✆ 78 91 32 40) Kleiner Aladin 15.00; Yesterday

16.50, 20.30; New Tel Aviv OnFire 16.00,

19.30,21.45; Unsere große kleine Farm 18.15

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Pets II 14.00,

16.00, 19.45; Spider-Man II 14.15; Yesterday

14.45, 17.30, 20.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.45; Kleiner Aladin 15.00; 3D: Spider-

Man II17.00, 20.00; Kroos 17.00; Ein Becken voller

Männer 17.15; 3D: Pets II 18.00; Traumfabrik

20.15; Aladdin 20.15

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Yuli 13.00;

Drei Schritte zuDir 13.00, 17.45; Der Junge muss

an die frische Luft 13.00; Pets II 15.30; Geheimnis

eines Lebens 15.30; 3D: Aladdin 15.30; Kaviar

17.45; 3D: Pets II 18.15, 20.20; Unsere große kleine

Farm 20.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.30; Glam Girls

11.30; TKKG 11.45; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 11.45; Pets II12.00, 14.15, 16.45; Kleiner

Aladin 12.00, 14.30; Aladdin 12.00, 13.50,

17.00; 3D: Pets II 12.30, 15.00, 17.30, 20.15,

22.30; Spider-Man II 14.00; Men in Black: International

14.00; Drei Schritte zu Dir 14.00, 17.00,

19.45; Avengers: Endgame 15.15; 3D: Spider-Man

II 16.30, 19.45, 22.45; Traumfabrik 16.45, 19.50;

Annabelle III 17.05, 20.15, 23.00; 3D: Men in

Black: International 19.50, 22.45; John Wick III

19.50; Preview: Child‘s Play 20.00; Brightburn

22.45; 3D: X-Men 23.00; Long Shot 23.00

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Urfin: Der Zauberer von Oz

17.00;All My Loving 18.45; Electric Girl (m. Gast u.

Gespräch) 21.00; Der illegale Film (OmU) 18.00;

Wenn Fliegen träumen 19.45; Eine moralische Entscheidung

21.45

Babylon (✆ 242 59 69) IndoGerman Filmweek:

Chuskit (OmenglU) 17.30; IndoGerman Filmweek:

Kurzfilmprogramm (Food) 17.45; Berlin Short Film

Festival (Block IV) 18.00; IndoGerman Filmweek:

Super 30 (OmenglU) 19.30; IndoGerman Filmweek:

Bunkar –The Last of the Varanasi Weavers

(OmenglU) 19.45; Berlin Short Film Festival (Block

V) 20.00; IndoGerman Filmweek: Kabir Singh

(OmenglU) 21.15; Berlin Short Film Festival (Block

VI) 22.00; IndoGermanFilmweek: One Day–Justice

Delivered (OmenglU) 22.30

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Yesterday

(OmU) 10.45, 13.00, 15.15, 17.30, 20.00,

22.30; Rocketman (OmU) 12.30, 19.30, 22.15;

Der Klavierspieler vom Gare du Nord –Aubout des

doigts (OmU) 17.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) TKKG –

Jede Legende hat ihren Anfang 11.00; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 11.10; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 11.15; Spider-Man II11.20, 14.20;

3D: Pets II 11.30, 14.40, 17.00; Yesterday 11.40,

14.30, 17.15, 20.10, 23.00; Rocketman 11.45;

Kleiner Aladin 11.50, 14.10; Pets II 12.30, 15.20,

17.30, 19.30, 22.15; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 13.15; Avengers: Endgame 13.30; Aladdin

13.45, 16.45; Men in Black: International 13.50;

Traumfabrik 14.50, 16.20; 3D: Spider-Man II

16.40, 19.40, 22.45; Drei Schritte zuDir 17.20,

19.45; Kroos 17.30; Annabelle III 17.50, 20.30,

23.15; 3D: Aladdin 19.15; John Wick III 19.50,

23.00; Preview: Child‘s Play 20.00; 3D: Men in

Black: International 20.20, 23.10; 3D: Avengers:

Endgame 22.00; Long Shot 22.30;3D: X-Men: Dark

Phoenix 23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Inna de Yard –

The Soul of Jamaica (OmU) 14.30; Nonna Mia!

–Metti la nonna in freezer (OmU) 16.45, 19.00;

BlacKkKlansman (OmU) 21.15; Berlin Babylon

(Omdt+englU) 14.30; Ein Becken voller Männer –

Le grand bain (OmU) 16.30, 19.00; Nuestro tiempo

–Our Time (OmU) 21.30; Sunset (OmU) 14.45;

Unsere große kleine Farm (OmU) 17.45; The Dead

Don‘t Die (OmU) 19.45; OBeautiful Night (OmenglU)

22.00; Tel Aviv OnFire (OmU) 14.45, 19.00;

Das melancholische Mädchen (OmenglU) 17.00,

21.15, 23.15; Burning (OmU) 14.00, 21.00; Rebellinnen:

Leg‘ dich nicht mit ihnen an! –Rebelles

(OmU) 17.00,19.00

International (✆ 24 75 60 11) International

Unsere große kleine Farm 14.00; Yesterday (OmU)

16.20, 19.00, 21.40

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Die oder keine

20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Willkommen imWunder Park 12.00; Spider-Man

II 12.00, 14.10, 17.10, 19.30; Royal Corgi: Der

Liebling der Queen 12.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 12.00, 14.45; Pets II 12.00, 14.30,

17.00, 23.00; Mister Link 12.00; Kleiner Aladin

12.00, 14.15; Aladdin 12.00, 14.15, 17.10,

19.30, 22.30; 3D: Pets II 12.30, 15.00, 17.30,

20.00; Traumfabrik 14.00, 17.10; Drei Schritte zu

Dir 14.00, 16.45; TKKG –Jede Legende hat ihren

Anfang 14.45; Men in Black: International 16.30,

20.10; Spider-Man II(OF) 17.00, 20.15; Annabelle

III 17.10,20.00, 22.50; Hollywoodtürke 19.50; 3D:

Spider-Man II20.00, 22.30;

Preview: Child‘s Play 20.30; John Wick III 22.00;

X-Men: Dark Phoenix (OF) 22.30; Long Shot (OF)

22.30;Annabelle III (OF) 22.55; Brightburn: Son of

Darkness 23.15

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Mirai 12.00; Aladdin

(OmU)14.00; TelAviv On Fire (OmU) 16.40, 22.20;

Apollo 11(OmU) 18.30; Kursk (OmU) 20.10

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Yesterday (OF) 16.50,

19.30,22.10

Passage (✆ 68 23 70 18) Yesterday (OmU) 18.00,

20.40; The Dead Don‘t Die (OmU) 18.15, 20.45;

Nur eine Frau 19.00; Rocketman – Rocketman

(OmU) 21.15

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Spider-Man II (OF)

17.40, 20.30, 22.20; Geheimnis eines Lebens –

Red Joan (OmU) 16.40; The Dead Don‘t Die (OF)

20.00, 22.30; TelAviv On Fire (OmU)17.15, 19.30,

21.40; Burning (OmU) 17.00; They Shall Not Grow

Old(OmU)19.00; Burning (OmenglU) 21.15; Kursk

(OmU) 17.20, 20.00

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Aladdin 13.50, 16.45; Yesterday 14.10, 17.10,

20.00, 23.00; Pets II 14.15, 17.10,20.15, 22.30;

Spider-Man II 14.30;KleinerAladin14.30;3D: Pets

II 15.00; 3D: Spider-Man II 16.30, 19.30, 23.00;

Traumfabrik 16.45; Annabelle III 17.40, 20.15,

23.00; Men inBlack: International 20.00; Preview:

Child‘s Play 20.15; Brightburn: Son of Darkness

22.45; John Wick III 23.00

Wolf (✆ 921 039333) OBeautiful Night (OmenglU)

12.00, 23.10; Das melancholische Mädchen

(OmenglU) 12.10; High Life (OmU) 13.50, 23.20;

Roads (OmU) 14.00;Mo&Friese unterwegs 16.00;

Nuestro tiempo –Our Time (OmU)16.00; WirKinder

aus Bullerbü 16.50;The Grand Bizarre (OF) 19.00;

Unsere große kleine Farm (OmenglU) 19.10; Burning

(OmU) 20.30; Erde (OmU) 21.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Pets II

14.00, 16.00, 18.00, 20.50; Yesterday 18.00,

20.40; Kleiner Aladin 14.30; TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 16.20; Geheimnis eines Lebens

18.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Yesterday

15.20,18.00, 20.40; TelAvivOnFire 16.10, 18.20,

20.30; Pets II16.00, 18.00, 20.00; Geheimnis eines

Lebens 16.15, 18.40; Burning 20.00; Kleiner

Aladin 14.50; Unsere große kleine Farm 16.40,

18.50; Rocketman (OmU) 21.00; The Dead Don‘t

Die (OmU) 21.00


Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

KVOST/A. BONDY +M.KNAPP

Auf den roten Sofas im Foyer ließ es sich gut fläzen. Entkernt: Volkspalast 2006.

2008 gab es den Volkspalast nicht

mehr. Über eine grüne Rasenfläche

an der Spreewehten nur noch die Erinnerungen.

Damit zurück zum Gedanken

an die Vergänglichkeit und

das Kafkaeske so mancher Situation

um den Palast der Republik.

Im Galerieraum vomKunstverein

Ost sind „Erinnerungsarbeiten“ von

acht Künstlern und Dokumentalisten

zu sehen. Gerd Danigel hatte um

1980 Palastbesucher aller Generationen

fotografiert, wie sie sich im Haus

bewegten, wie sie es bestaunten und

benutzten, es sich „aneigneten“, so

wie die Halbwüchsigen, die sich im

Foyergenießerisch auf den roten Ledersofas

fläzten. Fast zum Architektur-Memorial

machte der Fotokünstler

Thomas Florschuetz das bis

aufs Stahlskelett ausgeweidete Bauwerk

undmacht so das Potenzial der

Haus-Konstruktion deutlich, die

man, so die Meinung nachhaltig

Denkender, in die Schloss-Rekonstruktion

hätte einbeziehen können.

Anrührend ist ein fast liebevoller,

von absurden Situationen durchzogener

Film über den Hausmeister

des Palastes,der noch Jahrenach der

politischen Wende seit 1989/90 ein

In Memoriam Palazzo

Der Kunstverein OST erinnert in Bildern an den

abgerissenen Palast der Republik, dem heutzutage viele Leute –

und nicht nur einstige Ost-Berliner –nachtrauern

MEIN BILD DER WOCHE

Der Palast der Republik wurde bis 1976

nach Plänen vonHeinz Graffunder anstelle

des auf Befehl Ulbrichts gesprengten

Hohenzollern-Schlosses errichtet.

Das Ensemble war Sitz der DDR-Volkskammer,beherbergte

Theater,Konzertsaal,

Restaurants, Bowlingbahn. AufBeschluss

des Bundestags wurde der Bau

entkernt und bis 2008 abgerissen. 2013

begann der Wiederaufbau des Berliner

Stadtschlosses als Humboldt-Forum.

Der Kunstverein Ost (KVOST) zeigt parallel

zur großen Schau über den Palast

der Republik in der Kunsthalle Rostock

ihren „Satelliten“ mit Bildmaterial aus

dem Volkspalast. Ort: Jerusalemer

Str.47, bis 28. Juli, Mi–Sa 14–18 Uhr.

Tel.: 28 87 58 88, www.kvost.de

KVOST/A. BONDY +M.KNAPP

„Geisterschloss“ instand hielt. „Der

Hausmeister und sein Palast“ von

Arpád Bondy und Margit Knapp

zeigt den Mann in seinem blauen

Nylonkittel mit dem Handwerks-

Wägelchen. Er fährtdurch die Bildergalerie,

auf obigem Foto gerade vorbei

an der riesigen Leinwand, die der

ausgewiesene Berliner Zeichner

Arno Mohr bemalt hatte.Der Malstil

wirkt neusachlich und zugleich pathetisch.

„Forscht, bis ihr wisst“ ist

ein recht symbolisches Bildwerk, die

Ansprache eines bärtigen weisen alten

Mannes an die Jugend. Man

könnteanGalileo Galilei denken.

Wie gesagt, man muss in dieser

Ausstellung vonKVOST viel assoziieren.

Gerade dies: dass auch Architekturen

mit symbolischem Gehalt der

Gefahr eines politischen Bildersturms

–dereinst seit der Reformation

religiös begründet –unterliegen.

Nostalgie kommt in dieser Ausstellung

nicht auf. Doch werwomöglich

schon die große derzeitige

Schau über die Palast-der-Republik-

Geschichte in der Rostocker Kunsthalle,Titel:„Utopie,Inspiration,

Politikum“,

gesehen hat, erlebt in Berlin-

Mitte nun den kleinen Satelliten.

THOMAS FLORSCHUETZ,VG BILDKUNST BONN2019/GALERIE DIEL

Wassermusik

50 Jahre

Rumba aus

Mali

Ein Hauch vom Buena Vista

Social Club geht um, zumindest

was die abenteuerliche

Bandgeschichte betrifft. In

den 60er-Jahren hatte die kubanische

Regierung sieben

junge Musiker aus Mali nach

Havanna eingeladen, um dort

Musik zu studieren. Als sie in

ihre Heimat zurückkehrten,

wurden die Maravillas de Mali

mit einer Mischung aus Cha

Cha, Rumba und afrikanischen

Elementen bald zu

Stars. Die Geschichte Malis

meinte es leider nicht besonders

gut mit den Musikern, ein

Militärputsch beendete den

schönen Traum vom Ensemble

zwischen traditionellen

Musikstilen und Jazz. Undwie

beim Beispiel des BuenaVista

Social Clubs trug auch in diesem

Fall ein Film zur Wiederbelebung

bei. Boncana

Maïga, das letzte noch lebende

Originalmitglied der

einstigen Band führt die stattliche

Truppe an. HarryNutt

Wassermusik 19 Uhr,Haus der Kulturen

der Welt. John-Foster-Dulles-Allee 10

LITERATUR/VORTRAG

Haus der Bundespressekonferenz

(Schiffbauerdamm40) 11.00 Tagungszentrum:

Der NSU-Prozess. Das Protokoll, Buchpräsentation,

Lesung und Podiumsgespräch mit Annette

Ramelsberger,Rainer Stadler Sebastian Koch,Malte

Sundermann.Anm. erf.

Haus der Kulturen der Welt (✆ 39 78 71 75)

20.30: Floating Alphabet, Alphabet Readings

kallasch&–Moabiter Barprojekt (Unionstr.2)

18.45: Eagel Slam –PoetrySlam Moabit, Poetry

Slam mit Improrunde

Lettrétage (✆ 692 45 38)

20.00: Vierzehn Tage.Sommernovelle, Holger Brüns

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: Theodor-Fontane-Woche: „Obsie Himmel oder

Hölle machen…“, mit Janek Maudrich, Daniel Warland

und Lotte Schubert, Balladen, Lieder,Gedichte

Periplaneta Kreativzentrum (✆ 44 67 34 33)

20.00: Loop, Lyrik, Prosa, Daniel Marschall und

Torsten Hamperl, Lesung und Musik

Salon Halit Art (✆ 017 6/ 23 76 82)

19.00: VomHöllenfürst zum armen Teufel, Dr.

Hans-AlbertWulf, im Rahmen der Vernissagezur

Ausstellung „Freunde und Verwandte des Teufels“

KONZERT

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.30: Yubo

b-flat (✆ 283 31 23)

21.30: ImperialCollegeBig Band

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

20.30: OutofNations

Badenscher HofJazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Radio Django–JankoLauenberger &Daniel

Weltlinger

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

21.00: Lucy Railton, Lucio Capece, Jasmine Guffond,

Time Crystal

Columbiahalle (✆ 69 81 28 14)

20.00: Tyga

DODO (✆ 53 09 40 72)

20.00: Open Stage

Dorfkirche Schmöckwitz (✆ 675 81 17)

20.00: Jaspar Libuda (Kontrabass), Die Geburtder

stillen Farben

Festsaal Kreuzberg (✆ 551 50 65 87)

16.00 Biergarten: Pussy Power–AvaIrandoost, Sara

Moshiri, Djämen, Technotehran

Freilichtbühne an der Zitadelle (✆ 333 40 22)

20.00: Rat Race –Tribute to Bob Marley &The

Wailers

Gustav-Adolf-Kirche (✆ 344 60 94)

20.00: Jack Scannell(Flöte, Saxophon) und Dennis

Eckhardt (Flügel)

Haus der Kulturen derWelt (✆ 39 78 71 75)

19.00 Dachterrasse, bei Regen im Foyer: Wassermusik

–Black AtlanticRevisited: Maravillas de Mali,

Les Filles de Illighadad

Instituto Cervantes (✆ 257 61 80)

20.00: Martí Guillem, Dlight –Konzertperformance

Lido (✆ 69 56 68 40)

20.00: The Underground Youth

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

19.30: ZFG

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

21.30: Orania.Jazz: Agita Rando (p),Charles Sammons

(b), Ernst Bier (dr)

Parkbühne Biesdorf (✆ 998 74 81)

17.00: Rock im Grünen: Trail WayCircus, Woodman

Jam, She’saWoman, Boba Cat, The Weight

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.30: Philemic presents Marius

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Karsulke

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: Vladimir KarparovQuartett

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Jam Connection

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

22.00: The Moonshine Stalkers +Degenerated

Yaam (✆ 615 13 54)

20.00: Tailb Kweli, Musa, The Smells

Yorckschlösschen (✆ 215 80 70)

21.00: Roger &The Evolution

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.15: Sambas und Seen: AmoyRibas

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

21.00: Deli(n)Ka(r)ter Ohrenschmaus

CLUB

Ava (Warschauer Pl. 18)

23.00: Hainmat, Max Zander,Milk nCoffe, Josh Reid,

Distant Sun

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

23.00: Hits don’tlie –00s Hits Party+KaraokeFloor,

Steve G, Bela, KJ Phips

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

23.59: Fünfzehn Jahre Hyperdub xFinestFriday, Taye,

Fatima al Qadiri, Ikonika, Kode9, Laurel Halo, Lee

Gamble, Nazar,Scratcha DVA,Shannen SP

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00 Club +Sommergarten: Time 4some Action,

What, Steve Clash, Andi de Luxe, Dj Funkydelic

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Schwoof, Clärchen &Freunde

Duncker (✆ 445 95 09)

22.00: Time Machine,Luidor

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

23.00: Aguaelulo’s

House of Weekend (Alexanderstr.7)

23.00: Fifteen, Kid Pre

Junction Bar (✆ 694 66 02)

22.00: DJaneB.B.

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

23.00: Kantine Deluxe

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

21.00: Fisch sucht Fahrrad

Lido (✆ 69 56 68 40)

23.30: Fiesta Colombia

Maze (✆ 55 51 84 54)

20.00: Move Forward

22.00: Tropical Diaspora: Renato Gama &Olhos

Negros Trios, Garrincha, Dr.Sócrates

Mokum (Danziger Str.56)

22.30: DJ Radio Tanzbär

Monarch (Skalitzer Str.134)

22.00: Hysteric Disco, Polly Jones, Super Zach and

Marc Forrest

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 20.00: Sing on Stagewith Fortune

Taylor

Ritter Butzke (Ritterstr.24)

23.59 4Floors: Neverland x5Years Ragnarøk, Angy

Kore, Andreas Henneberg,deKai, Markus Kavka, HolgerNielson,

Marcel Freigeist, Roentgen Limiter,Kevin

Wimmer,Tom Marten, Elixenia, So What?

SO36 (✆ 61 40 13 06)

22.00: Queens Against Borders, Olympia Bukkakis

u. a.

Solar Berlin (✆ 016 37 65 27 00)

18.00: Good Times presents DJ Brian Ring

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

21.00: DJ Lobotomy

Suicide Circus (Revaler Str.99)

23.59: Varvet, Bizz O.D. (live), Andreas Tilliander live,

Noyeahno, Dave Tarrida, Cynthia Stern, Lusinda

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor.Klubnacht, Roberto, Julia Govor, Ron

Albrecht, SebastianBayne

BALLROOM

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Swing,Evan&friends

KINO

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 0200)

Spider-Man II 14.00, 17.00, 20.00, 22.30; Kleiner

Aladin 14.00; Spider Murphy Gang 14.15; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.15; Yesterday

14.30, 16.40, 19.30; 3D: Pets II 14.30, 16.45;

TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang 14.50; Pets

II 14.50, 17.10, 19.30; Tolkien 16.15; Traumfabrik

17.00; Rebellinnen: Leg‘ dich nicht mit ihnen an!

17.15, 21.20; Kursk 17.15, 20.00; Unsere große

kleine Farm (OmU) 19.00; Geheimnis eines Lebens

19.00; Aladdin (OmU) 19.30; Premiere: Back to

Maracana (m. Gästen) 20.00; Avengers: Endgame

(OmU) 21.30; The Dead Don‘t Die (OmU) 21.45;

Burning (OmU) 22.20; Rocketman (OmU) 22.40;

Yesterday (OmU) 22.45; Kaviar 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Kino Wien Film (teilw.

OmU) 19.00; Kaviar (OmU) 20.45

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00)Traumfabrik

14.10, 19.50; Spider-Man II 14.10; Aladdin

14.10, 17.05, 19.50; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.15; Godzilla 2–King of the Monsters

14.15; Drei Schritte zuDir 14.15, 17.00; Ein Becken

voller Männer 14.20,17.10; Yesterday 14.30,

17.15, 20.00, 22.30; Pets II 14.30; Kleiner Aladin

14.30; 3D: Spider-Man II16.45, 20.00, 22.45;

Long Shot 16.45; 3D: Pets II 17.00, 20.00; Jussi

Adler-Olsen 17.15; Annabelle III 17.15, 20.15,

22.45; UnseregroßekleineFarm17.30; 3D: Menin

Black: International 19.45; Rebellinnen: Leg‘ dich

nicht mit ihnen an! 20.00; Preview: Child‘s Play

20.00; 25 km/h 20.00; The Dead Don‘t Die 22.30;

Sneak Preview 22.45; Kursk 22.45; John Wick III

22.45; Brightburn: Son of Darkness 22.45

Zeiss-Großplanetarium (✆ 42 18 45 12) Anderswo.Allein

inAfrika 20.30

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00)TKKG11.00;

Aladdin 11.00, 14.00, 17.10; Bailey 11.10; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 11.15; Spider-Man

II 11.30, 13.30; 3D: Pets II 11.50, 14.10, 17.00,

23.15; Kleiner Aladin 12.00, 14.20; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 12.10; Pets II 12.20,

14.50, 17.20, 19.40; Yesterday 13.30, 16.30,

19.45, 22.45; Drei Schritte zu Dir 13.50, 16.50;

Men in Black: International 14.30; Dancing Queens

14.45; Rocketman 16.30; Traumfabrik 16.40,

20.10; 3D: Spider-Man II 16.45, 20.00, 23.10;

Annabelle III 17.20, 20.20, 23.15; 3D: Avengers:

Endgame 19.20; John Wick III 19.30; 3D: Aladdin

19.50; Preview: Child‘s Play 20.00; 3D: Godzilla 2

22.10; 3D: X-Men: Dark Phoenix 22.50; Long Shot

22.50; 3D: Men inBlack 23.00; Ma 23.15

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Ein Becken voller Männer14.45;Rocketman 17.40,

20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Stan &Ollie 18.00; Rocketman

20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Yesterday (OmU) 17.45,

20.30

Xenon (✆ 78 00 15 30) MyDays ofMercy (OmU)

18.00; Ein Becken voller Männer –Legrand bain

(OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 0211) TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 10.00, 12.10;

Spider-Man II 10.00, 14.10, 17.10; Pets II 10.00,

12.15, 14.30, 16.50, 22.40; 3D: Pets II 10.00,

12.40, 14.20,17.20,20.10; Kleiner Aladin 10.00,

12.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 11.55,

14.40; Drei Schritte zu Dir 14.20, 16.40, 19.30;

Traumfabrik 17.10; Annabelle III 19.30, 22.20; 3D:

Spider-Man II 20.15, 22.30; Preview: Child‘s Play

20.30; John Wick III 23.00; Long Shot 23.15

Kino imKulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Rocketman

16.00,20.15; Edie 18.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Yesterday 14.30,

17.15, 20.00, 22.40

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang 10.00,

12.45; Spider-Man II10.00, 12.20, 15.05, 16.50;

Pets II 10.00, 12.15, 14.30, 16.30, 17.00, 20.15;

3D: Pets II 10.00, 12.20, 14.40, 18.05; Kleiner

Aladin 10.00, 12.10; Bailey 10.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 11.30, 14.55; Aladdin 12.15,

14.50, 17.20, 19.30; Drei Schritte zu Dir 13.45;

Men inBlack: International 14.10, 19.30, 23.00;

Traumfabrik 17.00, 20.00; Annabelle III 17.40,

20.25, 23.00; 3D: Spider-Man II 19.55, 23.00;

Preview: Child‘s Play 20.30; Long Shot 22.20; John

Wick III 22.30; Brightburn: Son ofDarkness 22.40;

Spider-Man II (OF) 23.00

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 13.00; Kleiner Aladin

13.15; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 13.30;

Pets II 13.45, 15.45, 20.30; Yesterday 15.15,

18.00, 20.30; Drei Schritte zu Dir 15.15, 20.30;

Spider-Man II 15.45; Traumfabrik 17.45; 3D: Spider-Man

II17.45, 20.30; 3D: Pets II18.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) La flor (OmenglU) (Akt

I) 19.00; Laflor (OmenglU) (Akt II) 22.00; Magical

HistoryTour:Die Regenschirme vonCherbourg –Les

parapluies de Cherbourg (OmU) 20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang 12.30,

15.10; Pets II 12.30, 14.10, 16.30; 3D: Spider-

Man II12.45, 15.30,17.00, 20.40,23.00; Spider-

Man II13.00, 14.00, 16.15, 19.00, 22.30; Nur

eine Frau 13.10; Bailey 13.10; Monsieur Claude

II 13.15; Der Klavierspieler vom Gare du Nord

13.20; Aladdin 13.20, 20.30, 22.45; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 13.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 13.30; Drei Schritte zuDir 13.30,

16.20, 19.50, 23.00; Der Jungemuss an diefrische

Luft 13.40; After Passion 13.50; Yesterday 14.00,

17.15, 19.40, 22.50; 3D: Pets II 14.30, 17.20,

20.00, 23.10; Kleiner Aladin 14.30; Avengers: Endgame

16.00, 20.30; X-Men: Dark Phoenix 16.10,

19.15; Ein Becken voller Männer 16.15, 19.20;

Traumfabrik 16.20, 19.30; Godzilla 2–King ofthe

Monsters 16.20, 19.40; Kroos 16.40, 19.30; Geheimnis

eines Lebens 16.40; 3D: Aladdin 16.40;

Annabelle III 16.50, 20.00, 23.00; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 17.10; 3D: PokemonMeisterdetektiv

Pikachu 17.20; Tolkien 17.50; Rocketman

19.30; Kursk 19.40, 22.50; Der Fall Collini 19.50;

John Wick III 20.15, 22.20; Men in Black: International

21.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix 22.30; Long

Shot 22.40; Jussi Adler-Olsen 22.40; Brightburn:

Son of Darkness 22.50; Ma –Sie sieht alles 23.00

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 0200)

Avengers: Endgame (OF) 13.30; Yesterday (OF)

13.45, 17.10, 20.10, 23.10; Pets II (OF) 13.45,

17.30, 19.30; Geheimnis eines Lebens –Red Joan

(OF) 13.50;Spider-ManII(OF)14.00;Aladdin (OF)

14.10, 17.15; Men in Black: International (OF)

14.15; 3D: Pets II (OF) 14.20, 16.40; 3D: Spider-

Man II (OF) 16.15, 19.40,22.50; Annabelle III (OF)

16.45, 20.30, 23.15; 3D: X-Men: Dark Phoenix

(OF) 16.50; Brightburn: Son of Darkness (OF)

17.30; 3D: Men inBlack: International (OF) 19.30;

John Wick III –John Wick: Chapter 3–Parabellum

(OF) 19.45, 23.00; Rocketman (OF) 20.00; 3D:

Aladdin (OF) 20.10, 23.00; 3D: Godzilla 2–Kingof

the Monsters (OF)22.00;X-Men: Dark Phoenix (OF)

22.30;The Dead Don‘t Die (OF) 23.15

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 0200) 3D: Buckelwale:

Giganten der Meere 11.30; 3D: Spider-Man II

12.45; 3D: Spider-Man II (OF)16.00, 19.15,22.30

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Diamantino

(OmU) 18.00; Spider-Man II (OF) 20.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) TKKG –Jede Legende hat ihrenAnfang

10.00,12.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 10.00,14.30;PetsII10.00, 12.00, 14.00,

16.00, 18.00; Mister Link 10.00; Kleiner Aladin

10.00, 12.00, 14.00, 16.00; Spider-Man II12.00,

14.00, 17.00; 3D: Pets II 12.15, 15.00, 17.00,

20.00, 22.30; Traumfabrik 17.00, 19.00, 22.00;

Annabelle III 18.00, 20.00, 22.30; 3D: Spider-Man

II 20.00, 22.00; Preview: Child‘s Play 20.15,22.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Zwischen den Zeilen

16.15; OBeautiful Night 18.30; Rocketman 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Spider-Man II 11.30, 14.00; Pets II 11.30, 14.00,

16.30; Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime

Welt 11.30; Alfons Zitterbacke –Das Chaos

ist zurück 11.35; Ostwind 4–Aris Ankunft 11.45;

Kleiner Aladin 11.55, 14.30; Mister Link 12.00;

Aladdin 12.00, 14.20; 3D: Pets II 12.10, 14.40,

17.10, 19.20, 22.15; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.15; TKKG – Jede Legende hat ihren

Anfang 14.30; Bailey 14.45; Avengers: Endgame

15.00; X-Men: Dark Phoenix 16.45; 3D: Men in

Black: International 16.55; Traumfabrik 17.00; 3D:

Spider-Man II 17.05, 20.10, 22.45; Annabelle III

17.15, 20.10, 23.00; Glam Girls: Hinreißend verdorben17.30;3D:

X-Men: Dark Phoenix 19.25; 3D:

Aladdin 19.30; 3D: Godzilla 2–King of the Monsters

19.40, 22.45; Drei Schritte zu Dir 19.55; John

Wick III 20.00, 22.50; Preview: Child‘s Play 20.00;

3D:Avengers: Endgame 22.00; Ma–Sie sieht alles

22.30; Long Shot 22.55; Brightburn: Son of Darkness

23.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) TKKG –

Jede Legende hat ihren Anfang 12.00; Spider-Man

II 12.00, 14.00, 17.00, 19.30; Royal Corgi: Der

Liebling der Queen 12.00; Kleiner Aladin 12.00,

14.45; Bailey 12.00; Pets II 12.15, 14.35, 17.00,

20.00, 23.00; 3D: Pets II 12.30, 15.00, 17.30;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.10; Aladdin

14.10, 17.00, 19.30; Drei Schritte zu Dir 14.20,

17.00, 19.50; Annabelle III 16.45, 20.10, 22.50;

Traumfabrik 16.50; Spider-Man II (OF) 20.00;

Child‘s Play 20.30; Brightburn: Son of Darkness

22.30; Annabelle III (OF) 22.30; John Wick III

22.35; 3D: Spider-Man II22.40; Men inBlack: International

22.50

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01) Erde (OmU) 19.00;

AMan of Integrity (OmU) 21.15

Toni & Tonino (✆ 92 79 12 00) Yesterday 12.45,

15.15,17.45,20.15; Pets II 10.30, 12.30, 14.30,

16.30,18.30,20.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Yoga 16.00;

Der Klavierspieler vom Gare duNord –Aubout des

doigts (OmU) 18.00; Kursk (OmU) 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 13.00; Geheimnis eines

Lebens 15.30, 20.30; Ein Becken voller Männer

17.45

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Die Ferien des Herrn Hulot

16.00; Der Flohmarkt von Madame Claire 18.00;

Vorhang auf für Cyrano 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Geheimnis eines Lebens

15.45,20.30; Unsere große kleine Farm 18.15

FREILUFTKINOS

B-ware! Open Air FMP1 (✆ 63 41 31 15) Gundermann

(DFmenglU) 22.00

FreilichtbühneWeißensee (✆ 24 72 78 01)Green

Book 21.45

Freiluftkino Friedrichshagen (✆ 65 01 31 41) La

Boum –Die Fete 21.15

Freiluftkino Hasenheide (✆ 283 46 03)

BlacKkKlansman (OmU) 21.30

FreiluftkinoKreuzberg Bohemian Rhapsody(OmU)

21.30

Freiluftkino Rehberge Green Book 21.30

Openair KinoSpandau (✆ 3336081) Sauerkrautkoma

21.30

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Der Vorname 21.45

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain Der Vorname

21.45

Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz (✆

89 37 14 31) Monsieur Claude II 21.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Vom

Lokführer, der die Liebe suchte 17.00; Das Leben

ist ein Fest –Le sens de la fete (OmU) 19.00; Atlas

21.15

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20)Unsere große

kleine Farm 14.00, 16.45; Pets II 14.00, 16.15,

18.30, 21.00; Kleiner Aladin 14.15; Traumfabrik

16.00, 18.30, 20.30; Geheimnis eines Lebens

16.30, 18.45; Electric Girl 18.45; Ein Becken voller

Männer 20.45; Rebellinnen: Leg‘ dich nicht mit

ihnen an! 21.00

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

Traumfabrik 13.40, 19.55; Spider-Man II 13.40;

Yesterday 14.00, 16.50, 19.45, 23.00; Pets II

14.00, 17.15, 20.15; Aladdin 14.00,17.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.15; Kleiner Aladin

14.15; 3D: Pets II 14.30,23.00; 3D: Spider-Man II

16.30, 19.45, 23.00; Men inBlack: International

16.30; Annabelle III 16.45, 20.10, 23.00; Rocketman

16.55; Drei Schritte zuDir 17.00; John Wick

III 19.35,23.00; Preview: Child‘s Play 20.00; Avengers:

Endgame 20.15; X-Men: Dark Phoenix 23.00;

3D: Men in Black: International 23.00

Waschhaus Kino Potsdam (✆ 03 31/271 56 26)

Das schönste Mädchen der Welt 21.45

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 8877) Pets II

15.00, 17.15; 3D: Pets II19.30

Capitol Königs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

WillkommenimWunderPark 15.00; Ankerder Liebe

17.15; Tolkien 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/7030200) Spider-Man

II 11.45, 14.30; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

11.45, 14.20; Aladdin 11.45, 14.40; Drachenzähmen

leicht gemacht 3:Die geheime Welt 11.50;

TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang 12.00; 3D:

Pets II 12.00, 14.30, 17.00, 19.30; Bailey 12.00;

Pets II 12.30, 15.00, 17.30,20.30, 23.15; Kleiner

Aladin 12.30, 14.40; Dancing Queens 12.30; Men

in Black: International 14.20; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 14.30; Traumfabrik 14.35, 17.25,

20.15; Yesterday 14.45, 17.30, 20.00, 22.50; Rocketman

16.45;3D: Aladdin16.45; DreiSchritte zu

Dir 16.50, 20.15; 3D: Spider-Man II17.00,20.00,

23.05;Annabelle III 17.30, 20.20,23.00; 3D: Men

in Black: International 17.35; 3D: Avengers: Endgame

19.30; John Wick III 19.50, 22.50; Preview:

Child‘s Play 20.00; Avengers: Endgame 22.00; 3D:

Godzilla 2–King of theMonsters 22.45; 3D: X-Men:

Dark Phoenix 23.05; Long Shot 23.15; Brightburn:

Son ofDarkness 23.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) TKKG –

Jede Legende hat ihren Anfang 13.15; Pets II 13.45,

16.00; Spider-Man II14.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 15.30; 3D: Spider-Man II 17.30,

20.30; Aladdin 17.45; 3D: Pets II 18.15, 20.30;

Drei Schritte zuDir 20.30

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Pets II 17.00; 3D: Spider-Man II19.00

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Pets II

15.00, 20.30; Willkommen im Wunder Park 16.00;

3D: Pets II 17.30; Rocketman 18.00; Drei Schritte

zu Dir 20.00


26 Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019

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Netzwerk

UPGRADE

Eine Zone

für das

Smartphone

VonJörg Hunke

Als die Zeit von„Wetten, dass ..?“

zu Ende ging, da erinnerten sich

Romantiker an die großen Stunden

des Fernsehens.Sie schwärmten davon,

wie Familien am Sonnabend

zur besten Sendezeit kuschelig auf

dem Sofa oder in Sesseln saßen und

sich berieseln ließen. Von Lagerfeuer-Atmosphärewar

die Rede.

Undheute? Kennen sich viele Familienmitglieder

nur noch flüchtig,

weil sich alle mit ihren Laptops oder

Smartphones zurückziehen, um das

zu gucken oder zu machen, was sie

wollen. Wenn es gut läuft, bleibt das

gemeinsame Abendessen mit den

Kindern. Wenn nicht, lautet die

knappe Antwort nur: „Habe keinen

Hunger.“

In den USA kümmern sich schon

professionelle Familientherapeuten

um das Thema. Eine Empfehlung:

Die Eltern sollten überlegen, was sie

gespielt haben, als es noch keine

Handys gab.Tischtennis,Federball –

so etwas. Eine andere Empfehlung:

EinHaustier kann helfen, sich auf die

wichtigen Dinge zu besinnen.

„Wenn man einer Katze den Bildschirmdes

Smartphones zeigt, dann

ist das Tier wenig beeindruckt. Katzen

leben im Hier und Jetzt, damit

sind sie erstklassige Vorbilder“, sagte

ein Familientherapeut aus Portland

der New York Times. Der Text

schließt mit der Erkenntnis, dass

niemand zurzeit weiß, welche Folgen

der Handykonsum auf Dauer

haben wird, weil das Experiment

noch in vollem Gange ist.

Es gibt auch ganz einfache Wege,

das Konsumverhalten zu ändern.

Wenig aufwendig, zumindest wenn

man keine ganz kleineWohnung hat:

den Zugang zum Netz beschränken.

Wer in jedem Zimmer einen leistungsstarken

WLAN-Zugang schafft,

braucht sich nicht zu wundern, dass

die Kinder in ihre Zimmer verschwinden.

Beiuns ist es so,dass der

Hotspot in einem Gemeinschaftszimmer

ist. Weralso ein starkes Netz

braucht, kommt dorthin. Und –

welch eine Überraschung –die Familie

hat einen Treffpunkt in der

Wohnung. Oft entstehen gemeinsame

Gespräche über das, was gerade

im Netz wichtig ist. DieDiskussion

um RezosVideo zur Zerstörung

der CDU begann so.

Außerdem bekommen die Eltern

wieder ein Gespür dafür, was die

Kinder im Netz machen. Kleiner

Tipp: Weil die meisten Kinder

schlau sind, kennen sie auch die

Passwörter der Familien in der

Nachbarschaft. Wenn der eigene

WLAN-Anschluss nicht mehr funktioniert,

wählen sie sich gerne bei

den Freunden ein. Andere Eltern zu

bitten, das Passwortzuändern, kann

in so einem Fall helfen.

Natürlich hielt sich die Begeisterung

bei unserem Nachwuchs zunächst

in Grenzen, um es freundlich

auszudrücken, aber die Gewohnheit

hat auch hier gesiegt. Inzwischen ist

das abendliche Treffen fast zu einem

Ritual geworden. So ähnlich wie früher

vordem Fernseher.Und auch wir

Eltern haben gemerkt, dass es uns

gut tut, wenn es Räume in der Wohnung

gibt, die den gedankenlosen

Smartphone-Konsum erschweren.

Jörg Hunke erhielt vonseiner

Tochter den Tipp, sich

das Rezo-Video anzusehen.

„Planking“: Zu den Aufgaben gehörte es, den Kopf Richtung Boden zu senken und den Körper so steif wie eine Holzplankezumachen. Am besten an ungewöhnlichen Orten. SABINE GUDATH

Die wollen nicht nur spielen

Die BottleCap Challenge ist derneue Wettbewerb für dieNetzgemeinde. Er schafft ein Gefühl von Gemeinschaft

VonFranziska Knupper

Mariah Carey braucht

weder Hand noch

Fuß, um eine Flasche

zu öffnen. Die Sängerin

macht einfach ein paar Schritte

zurück, holt tief Luft und stimmt ein

hohes Can. Miteinem Plopp springt

der Deckel vonder Flasche und fliegt

aus dem Bild.

Damit gilt Mariah Carey als die

unangefochtene Siegerin der sogenannten

Bottle Cap Challenge; ein

Trend, der sich in den vergangenen

Wochen wie ein Lauffeuer in den sozialen

Medien verbreitet hat. Dabei

versuchen sich Menschen überall

auf der Welt darin, eine Flasche mit

einem schwungvollen Tritt zu öffnen.

Wenn es gelingt, laden sie das

Video mit dem Erfolgserlebnis im

Netz hoch und fordern dann drei

weitere Menschen dazu auf, das

Gleiche zu tun –und schon nimmt

der Schneeballeffekt der Viralität

Hashtag für Hashtag geschmeidig

seinen Lauf. Neben Mariah Carey

haben sich auch Celebrities wie

Schauspieler Ryan Reynolds, Fußballspieler

Zlatan Ibrahimovic und

Stuntman Jason Stratham vor der

Handykamerabewiesen.

Spaß für alle Altersklassen

Die Euphorie über einen Flaschenhalstritt

mag seltsam erscheinen –es

ist jedoch nicht das erste Mal, dass

solch eine digitale Mutprobenepidemie

um sich greift. Begonnen hat alles

2010 mit dem bizarren Phänomen

des sogenannten Plankings,bei

dem sich Jung und Alt bereitwillig

mit dem Gesicht Richtung Boden,

steif wie eine Holzplanke, anungewöhnlichen

Orten fotografieren ließen.

Menschen plankten in Gefriertruhen,

auf Autodächern, auf Rolltreppen,

manche stürzten auch vom

Balkon. Es folgten die Cinnamon

Challenge, bei der Menschen einen

Löffel gemahlenen Zimt essen müssen

oder die Mannequin Challenge,

bei der man bewegungslos wie eine

Schaufensterpuppe verharren sollte.

Letztere zog sogar Größen wie Paul

McCartney, Britney Spears, Michelle

Obama und Cristiano Ronaldo an,

die allesamt begeistert Videos von

sich selbst in Schaufensterpuppen-

Starreveröffentlichten.

Doch was soll das alles eigentlich?

Undworum geht es bei dieser viralen

Spielerei? DieAntwortist leider recht

ernüchternd: Meist um gar nichts.Es

ist ein Spiel, in dem es nur Beliebtheit

zu gewinnen gibt –die bekanntlich

grundlegende Währung der virtuellen

Gemeinschaft. Die sogenannte

Ice Bucket Challenge 2014

war eine der wenigen Ausnahmen:

Menschen gossen sich freiwillig einen

Eimer Eiswasser auf ihre Köpfe,

„Bottle Cap Challenge“: Justin Biber löst mit einem beherzten Tritt den Verschluss von

der Flasche.

INSTAGRAM

„Ice Bucket Challenge“: Mit Eiswasser übergießen die jungen Männer die völlig losgelöste

Musikerin Helene Fischer.

YOUTUBE

„Mannequin Challenge“: Bewegungslos zu sein wie eine Schaufensterpuppe, das war

die Aufgabe, die auch Michelle Obama erfüllte.

YOUTUBE

um das Bewusstsein für die Krankheit

Amyotrophe Lateralsklerose

(ALS) zu fördernund Spendengelder

zu sammeln. Es folgten die Trash Bucket

Challenge zum Schutz der Umwelt;

die Rice Bucket Challenge gegen

den weltweiten Hunger und die

Sand Bucket Challenge gegen Wassermangel.

Das Spiel wurde immer

weiter verändert, neue Versionen erfunden,

in seinen Grundregeln

bleibt das Kräftemessen jedoch immer

gleich.

Es ist ein bisschen wie die Flüsterpost

– am Ende ist die originale

Nachricht nur noch in ihren groben

Bestandteilen vorhanden. Doch im

Gegensatz zur Flüsterpost, die in der

Regel nur auf Kindergeburtstagen

gespielt wird, sind die Challenges bei

allen Altersklassen gleichermaßen

beliebt. Es ist die Erwachsenenversion

von„Wahrheit oder Pflicht“ und

„Flaschendrehen“, wo vertrautePersonen

auch aufgefordert werden,

mutig zu sein. Ganz spielerisch. Und

dieser Impuls verbindet die Menschen

weltweit. Waseinst Völkerball,

Käsekästchen und Seilchenspringen

für Grundschüler war, sind jetzt das

Handygame „Candycrush“ oder das

Augmented-Reality-Spiel „Pokemon

Go“ für junge Erwachsene, dazu

kommen die verschiedenen Versionen

der Online-Challenges.

Spielen schweiße zusammen,

sagt die Datenanalytikerin und Journalistin

Marcy Huang, die für mehrere

Online-Plattformen digitale

Strategien entwirft. Das Stichwort

hier laute Mimikry, und das bedeutet:

Wenn wir etwas nachmachen,

bekunden wir Dazugehörigkeit zu

einer Gruppe. Wer imitiert, signalisiert

dem anderen: Hey, ich mag

dich, ich mache, was du machst.

Und keine Spezies spielt so intensiv

wie der Mensch. Wir experimentieren,

probieren aus,basteln. Wirmessen

uns und finden heraus, was

funktioniert und was nicht. Mariah

Careys Herangehensweise an die

Bottle Cap Challenge war origineller

als die meisten anderen –und dafür

wurde sie mit Klicks belohnt.

Globale Hüpfburg

Das Internet hat die Spielfiguren lediglich

auf eine globale Ebene geschoben

und sie Teil von dem gemacht,

was dieWissenschaftlerYousri

Marzouki und Olivier Oullier als Virtual-Collective-Consciousness

(VCC)

bezeichnen. Laut den zwei Forschern

der Aix-Marseille-Universität hat die

virtuelleWelt, den Menschen Tür und

Torzueinem gemeinsamen Bewusstsein

eröffnet. Durchden geteilten Inhalt

erleben sie über Landesgrenzen

und Klimazonen hinweg die gleiche

digitale Realität. Im Kampf um transnationale

Fragen wie Umwelt oder

Immigration könnte ein solches

Gruppenbewusstsein von großer Bedeutung

werden.

Aber man sollte natürlich nicht

nur bierernst an die Sache herangehen.

Denn das wollen uns Planking

und Ice Bucket ja lehren: Mach dich

locker, versuch’s einfach mal und

lach über dich selbst. Es ist doch nur

ein Spiel. Denn so sehr wir beklagen,

dass Computer die Menschen einsam

machen –sie haben uns auch

eine globale Hüpfburg geschenkt,

auf der wir uns gemeinsam austoben

dürfen.

Franziska Knupper

mag die absurden

Geschichten des Alltags.

Software

gewinnt auch

Poker-Partien

Erstmals erfolgreich gegen

mehrere Spieler

Kein Bluff: Zum ersten Mal hat

eine Computer-Software inPoker-Partien

mit mehr als zwei Spielern

öfter gewonnen als ihre

menschlichen Gegner. Das Programm

„Pluribus“ von den Forschern

Noam Brown und Tuomas

Sandholm setzte sich bei mehr als

10 000 gespielten Händen in der Poker-Variante

„No Limit Texas

Hold’em“ mit insgesamt sechs Spielern

häufiger durch als echte Poker-

Cracks.

Die Wissenschaftler von der Carnegie

Mellon University in Pittsburgh

(USA) veröffentlichten die Ergebnisse

in der Fachzeitschrift

Science und bezeichneten ihren Erfolg

als Meilenstein in der Entwicklung

vonKünstlicher Intelligenz (KI).

Bisherige Computer-Programme

hatten sich auf das Besiegen eines

einzelnen Gegners beim Pokern beschränkt

– darunter die Software

„Libratus“ von Brown und Sandholm

sowie das Programm „Deep-

Stack“ eines Entwickler-Teams von

der University of Alberta in Edmonton

(Kanada). Nach Angaben der

Forscher stellen Spiele mit mehr als

zwei Teilnehmernjedoch höhereAnforderungen

an den Computer.

Brown und Sandholm entwickelten

deshalb eine Software mit dem Namen

„Pluribus“, die die Komplexität

der Spielsituation reduzieren soll.

„Die Arbeit ist solide und die Leistungen

sind technisch sehr beeindruckend

–vor allem, was die Rechenleistung

und die Rechenzeit betrifft“,

sagte Andreas Holzinger vom

Institut für Medizinische Informatik/Statistik

an der Medizinischen

Universität Graz über die Studie.

„Aber es bringt wieder die Frage auf,

ob Künstliche Intelligenz tatsächlich

mit menschlicher Intelligenz vergleichbar

ist oder sein kann.

Menschliche Intelligenz hat vielfältige

Qualitäten –eben nicht nur in einer

eng begrenzten Aufgabenstellung.“

(dpa)

Senat in

Frankreich stimmt

für Digitalsteuer

USA prüfen Konsequenzen

für den Handel

D

er französische Senat hat der

Einführung einer nationalen

Digitalsteuer zugestimmt. Die Kammer

votierte am Donnerstag in Paris

für das Gesetzesvorhaben. Die

Steuer zielt auf international tätige

Internet-Unternehmen wie Google,

Amazon, Facebook und Apple ab.Sie

sollen drei Prozent Steuernunter anderem

auf online erzielte Werbeerlöse

zahlen. Betroffen sind demzufolge

Konzerne, die mit ihren digitalen

Aktivitäten einen weltweiten Jahresumsatz

von mindestens 750

Millionen Euro und in Frankreich

von mehr als 25 Millionen Euro erzielen.

DieUS-Regierung hatte zuvor bereits

mögliche Gegenmaßnahmen

angekündigt. DerUS-Handelsbeauftragte

Robert Lighthizer hatte am

Mittwoch (Ortszeit) in Washington

mitgeteilt, er habe auf Anweisung

von Präsident Donald Trump eine

Untersuchung dazu eingeleitet, welche

Auswirkungen die Digitalsteuer

auf den US-Handel haben würde. Je

nach Ergebnis könnte diese Untersuchung

womöglich zu Zöllen oder

anderen Handelsrestriktionen gegenüber

Frankreich führen. Washington

hält die geplante französische

Steuer für diskriminierend gegenüber

multinationalen Firmen

mit Sitz in den USA. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 27

· ·

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun

9.55 (für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG)

Meister desAlltags 11.15 (für HG)Gefragt –Gejagt

12.00 (für HG)Tagesschau 12.15 (für HG)

ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote

Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für

HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau

16.05 (für HG)Radsport: Tour de France. 7.

Etappe: Belfort–Chalon-sur-Saône 17.15 (für

HG) Brisant 18.00 (für HG) Gefragt –Gejagt

18.50 (für HG)Gefragt –Gejagt 19.45 (für HG)

Wissen voracht –Werkstatt 19.55 (für HG) Börse

voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Das Kindermädchen:

Mission Mauritius TV-Komödie, D’17

Mit Saskia Vester,Stephan Grossmann,

Susanna Simon u.a.

Regie: Peter Gersina

21.45 (für HG) Tagesthemen

22.00 (für HG) Tatort Letzte Tage

TV-Kriminalfilm, D2013

Mit Eva Mattes, Sebastian Bezzel u.a.

23.30 (für HG) Kommissarin Louise

Bonì –Jäger in der Nacht

TV-Kriminalfilm, D2016

1.00 (für HG)Tagesschau

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland 8.30 Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.30 Alles

was zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report

11.00 Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12.

Moderation: Katja Burkard 14.00 Die Superhändler

–4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler

–4Räume, 1Deal 16.00 Meine Geschichte

–Mein Leben. Anna und ihre Hotelkolleginnen

17.00 Meine Geschichte –Mein

Leben. Ausgeträumt 17.30 Unter uns. Daily

Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin. Moderation:

Sandra Kuhn 18.30 Exclusiv –Das Star-

Magazin. Moderation: Frauke Ludowig 18.45

aktuell 19.05 (für HG)Alles was zählt. Soap

19.40 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 Die ultimative Chart-Show

Die erfolgreichsten Songs der 90er

Gäste: DJ BoBo, Alex Christensen, Jasmin

Wagner,Manuela Wisbeck. Im

Showteil: Andrea Bocelli, Pur,The Kelly

Family,DJBoBo, Jenny Berggren u.a.

0.00 Nachtjournal

0.30 Die ultimative Chart-Show

Die erfolgreichsten Songs der 90er

Moderation: Oliver Geissen

4.00 Der Blaulicht-Report

Doku-Soap

4.25 Der Blaulicht-Report

12.25 (für HG) Die Olsenbande fährtnach Jütland.

Gaunerkomödie, DK 1971 14.50 (für HG)

König Drosselbart. Märchenfilm, DDR 1965

16.00 (für HG)umvier 17.45 (für HG) Aktuell

18.10 (für HG)Brisant 18.54 (für HG) Sandmann

19.00 (für HG)Regional 19.30 (für HG)

Aktuell 19.50 (für HG) Elefant, Tiger&Co. 20.15

(für HG) Stars der Goldenen Henne 2019 21.45

(für HG) Aktuell 22.00 (für HG)Kim &Kachelmanns

Klassiker 0.15 MDR Kultur –Filmmagazin

0.30 (für HG) DieStille danach. TV-Drama, D/A

2016 2.00 (für HG) Amok. Drama, D2013

Bayern

15.30 (für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG)Rundschau 16.15 (für HG) Wirin

Bayern 17.30 (für HG) Abendschau 18.30 (für

HG) Rundschau 19.00 (für HG) Unser Land

19.30 (für HG)Einfach. Gut. Bachmeier 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Hubertund

Staller 21.00 (für HG) DieBergpolizei –Ganz

nah am Himmel 21.55 (für HG) Rundschau Magazin

22.10 (für HG) Aufbairisch g'lacht! 22.55

Land der 1000 Abenteuer. Westernkomödie,

USA 1960 0.50 (für HG) Einfach. Gut. Bachmeier

1.20 (für HG) WirinBayern

Vox

15.00 Shopping Queen 16.00 Makel? Los!

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für HG) Bones

–Die Knochenjägerin 21.15 (für HG) Bones

–Die Knochenjägerin 22.10 (für HG) Bones

–Die Knochenjägerin 23.10 (für HG) Bones

–Die Knochenjägerin 0.00 nachrichten

0.20 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Hüter des Gesetzes

1.15 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Rätselhafte Gene

Super RTL

15.00 Dragons –Die Wächter von Berk 15.25

Bugs Bunny &LooneyTunes 15.50 Hotel

Transsilvanien –Die Serie 16.15 Zak Storm –

Super Pirat 16.45 King Julien 17.15 What's

New Scooby-Doo? 17.40 Inspector Gadget

18.10 ALVINNN!!! und die Chipmunks 18.40

Woozle Goozle und die Weltentdecker 19.10

Bugs Bunny &LooneyTunes 19.40 Angelo!

20.15 (für HG) Tom&Jerry –Mit Vollgas um

die Welt. TV-Zeichentrickfilm, USA 2005 21.35

Columbo. Niemand stirbt zweimal. TV-Kriminalfilm,

USA 1990 23.30 Comedy total

Sport1

10.30 Teleshopping 11.00 Teleshopping

11.30 Teleshopping 12.00 Teleshopping

14.00 Teleshopping 14.30 Sport-Quiz 16.30

Lost &Sold. Pferdestärken 17.00 Lost &Sold.

Höhenflug 17.25 Tourenwagen: DTM 17.55

Fußball: Testspiel. 1. FC Union Berlin –SVRied

19.55 Fußball: Testspiel. Eintracht Frankfurt –

FC Luzern 22.00 Die PS-Profis Schule 22.30

Die PS-Profis –10Zylinder. Die coolsten Oldtimer

23.30 Die PS-Profis Schule. Lisas blauweißer

Traum 0.00 Sport-Clips

ZDF

5.30 (für HG)ARD-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne–Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Der Schein

trügt 11.15 (für HG) SOKO Stuttgart. Dirty Harry

12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für HG)

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 heute –inDeutschland

14.15 Die Küchenschlacht 15.00 (für HG)

heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für Rares

16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10 (für

HG) Die Rosenheim-Cops. TodimSchrebergarten

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG) hallo

deutschland –hautnah 17.45 (für HG) Leute

heute 18.00 (für HG) SOKO Wien. Über den Dächern

von Linz 19.00 (für HG) heute 19.25 (für

HG) Bettys Diagnose. Aufgewacht

20.15 (für HG) Die Chefin

Familienlöscher.Krimiserie

Mit Katharina Böhm, Stefan Rudolf,

Jürgen Tonkel, Benno Wiese u.a.

Regie: Michael Schneider

21.15 (für HG) Letzte Spur Berlin

22.00 (für HG) heute-journal

22.30 (für HG) Eichwald,MdB

Verletzlich. Comedyserie

23.00 aspekte Der Fall JulianAssange

23.45 heute+

0.00 Starsky &Hutch

Zauber der Playboy-Insel

Sat.1

5.30 Frühstücksfernsehen. Yael Adler,Sascha

Zöller,Marie Helmschmied. Moderation: Matthias

Killing, Marlene Lufen 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit

Alexander Hold, Stephan Lucas,Alexander Stephens,

Isabella Schulien 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im

Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf

Streife. Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten. Reportagereihe 16.00 Klinik am

Südring 17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

18.00 Endlich Feierabend! 19.00

Genial daneben –Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Was für ein Jahr!

Kandidaten: Bülent Ceylan, Nelson Müller,Jeannine

Michaelsen, Ruth Moschner

21.45 Genial daneben

Gäste: Hella von Sinnen, Wigald Boning,

Chris Tall, Guido Cantz, Pierre M. Krause

22.45 Knallerfrauen

23.15 Knallerfrauen

23.45 Knallerfrauen

0.15 Switch Reloaded

0.45 Switch Reloaded

1.15 Sechserpack

1.35 Sechserpack

14.15 (für HG) In aller Freundschaft 15.00

(für HG) In aller Freundschaft 15.45 Heimathäppchen

16.00 (für HG) Aktuell 16.15 Hier

und heute 18.00 (für HG) aktuell /Lokalzeit

18.15 (für HG) Das Beste im Westen 18.45

(für HG) Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Olymp der Reiter 21.00 (für HG) Unser Westen,

Unsere Rekorde 21.45 (für HG) Aktuell 22.00

(für HG) Kölner Treff 23.30 (für HG) Kölner Treff

1.00 (für HG) Meerjungfrauen ticken anders.

Romanze, USA 2010 2.20 Erlebnisreisen

NDR

15.15 (für HG) Wo Japan jodelt –Frühling in

den fernöstlichen Alpen 16.00 (für HG) aktuell

16.20 (für HG) Wer weiß denn sowas? 17.10

(für HG) Seehund, Puma &Co. 18.00 Ländermagazine

18.15 (für HG) Hofgeschichten

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) die

nordstory 21.15 (für HG) Die Tierflüsterer

21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für HG) Tietjen

und Bommes 0.00 (für HG) NDR Comedy 1.00

50 xTietjen und Bommes –Das Beste 2.00

(für HG) Tietjen und Bommes

Kabel eins

10.20 Navy CIS 11.15 Without aTrace 12.10

Numb3rs 13.05 Castle 14.00 The Mentalist

14.55 Navy CIS: L.A. 15.50 News 16.00 Navy

CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55

Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt

18.55 Achtung Kontrolle! Wir kümmern uns

drum 20.15 Elementary. Ein toter Clown

21.15 Navy CIS. Die weiße Bö 22.15 Navy

CIS. Auf der Jagd 23.10 Navy CIS: L.A. Der

Frontalangriff 0.10 Navy CIS: L.A. Ziel markiert

1.00 Late News 1.05 Navy CIS. Die weiße Bö

1.45 Navy CIS. Auf der Jagd 2.20 Late News

RTL 2

8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Einfach hairlich –Die Friseure 13.00 Einfach

hairlich –Die Friseure 14.00 Die Reimanns –Ein

außergewöhnliches Leben 15.00 Hilf mir!Jung,

pleite, verzweifelt ... 17.00 News 17.10 Krass

Schule –Die jungen Lehrer –Wie alles begann

18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht

20.15 72 Stunden –The Next Three Days. Actionfilm,

USA/F 2010 22.55 Drone –Tödliche

Mission. Drama, CDN 2017 0.40 13 Sins. Horrorthriller,USA

2014 2.25 72 Stunden –The

Next Three Days. Actionfilm, USA/F2010

Eurosport 1

8.30 Leichtathletik 10.05 Radsport: Tour de

France Today 11.10 Radsport: Tour de France.

7. Etappe: Belfort –Chalon-sur-Saône 17.10

Radsport: Tour de France extra 17.40 WATTS

18.00 Universiade. Leichtathletik: 5. Tag

20.30 Eurosport News 20.35 Olympische

Spiele. Power ofOne 21.05 Radsport: Tour de

France Today 22.00 Eurosport News 22.05

Formel E: FIA-Meisterschaft 22.35 Sportschießen:WM23.30

Radsport: Tour de France. 7.

Etappe 1.00 Formel E: FIA-Meisterschaft

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

ARTE, 20.15 UHR TV-DRAMA

Ein Kind wird gesucht

Für die Eltern des zehnjährigen Mirkobeginntein Alptraum, als ihr Sohn nach

dem Fußballtrainingnicht nach Hausekommt. Emotional schwer berührt

gibt KommissarIngoThiel (Heino Ferch, l., m. Felix Kramer), selbstVater von

zwei Kindern, den Elterndas Versprechen, Mircoauf jedenFall zu finden und

stellt in kürzester Zeit die größteSokoder Nachkriegsgeschichte zusammen. Es

beginnteine zermürbende Suche,bei der sich sogardie Luftwaffe beteiligt und

unzählige Hinweiseaus der Bevölkerungbei den Ermittlern eingehen. Als jedoch

eines Tagesdie Kleidungdes Jungen gefunden wird,stirbt derletzteHoffnungsschimmer,dassMirko

noch lebt.Von Regisseur UrsEgger realistisch erzählter

Krimi nach wahren Begebenheiten, der sich vorallem aufdie frustrierende Ermittlungsarbeit

und die Ängste der Angehörigen konzentriert.

(Dtl./2017)

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AUFLÖSUNG

Auflösung

vom

VOM

11.7.2019

XX. 7. 2019

SCHWER schwer

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7 9 4 1 2 5 6 3 8

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9 7 6 3 5 4 1 8 2

4 8 2 7 1 9 3 6 5

3 1 5 2 8 6 4 7 9

6.20 zibb. zuhause in berlin &brandenburg

7.20 Brisant Classix 8.00 Brandenburg aktuell

/Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45

In aller Freundschaft 10.30 Rote Rosen 11.20

Sturm der Liebe 12.10 Tierärztin Dr.Mertens

13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach Meer 14.00

Lecker aufs Land –eine kulinarische Reise

14.45 Mallorca –àlacarte 15.15 Hessen von

oben 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn sowas?

17.00 rbb24 17.05 Panda, Gorilla &Co.

17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das Ländermagazin

18.30 zibb. zuhause in berlin &

brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Die Stars der Goldenen Henne 2019

Die Kandidaten 2019

Mit Kim Fisher,Jaecki Schwarz, Peter

Maffay,Roland Kaiser,Andrea Berg,

Santiano,Howard Carpendale

21.45 rbb24

22.00 Kim &Kachelmanns Klassiker

Mit Sigmund Jähn, Nina Hagen, Larry

Hagman, Angela Merkel

0.10 3nach 9Classics

Mit Angelo Kelly,Helge Schneider,Sarah

Connor, Ingrid van Bergen, Lang

Lang,Bülent Ceylan, Reinhard Mey u.a.

ProSieben

11.40 2Broke Girls. Der blinde Fleck/Gebrochene

Herzen. Comedyserie 12.35 Mom. Wenn

zwei sich streiten, sträubt sich die Dritte. Comedyserie

13.00 Twoand aHalf Men. Katzenklo/

Der Bauchredner/Plötzlich ein greller Blitz. Comedyserie

14.15 The Middle. Der Sombrero/

Das erkämpfte Bier.Comedyserie 15.10 The Big

Bang Theory. Spaghetti mit Würstchen/Vierer

ohne Sheldon/DieWahrheit über den Fahrstuhl/

Nie mehr dumme Typen. Comedyserie 17.00

taff. Mykonos vs.Ibiza.Moderation: Viviane Geppert

18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons.

Fackeln im Sandsturm/Covercraft. Zeichentrickserie

19.05 Galileo. G-Klärt: Bienensterben.

Moderation: Stefan Gödde

20.15 Edge ofTomorrow

Sci-Fi-Film, USA/CDN 2014

Mit TomCruise, Emily Blunt, Brendan

Gleeson, Bill Paxton, Jonas Armstrong,

Tony Way, Kick Gurry u.a.

Regie: Doug Liman

22.30 Die Insel Actionfilm, USA 2005

Mit Ewan McGregor,Scarlett Johansson,

Djimon Hounsou u.a.

1.10 Edge ofTomorrow

Sci-Fi-Film, USA/CDN 2014

Mit TomCruise, Emily Blunt, Brendan

Gleeson, Bill Paxton u.a.

13.40 Ungezähmte Catherine. Drama, I/F/E

1961 15.15 ChristophColumbus. Abenteuerfilm,

GB 1949 17.20 Yoga in Indien –Unterwegs

mit Esther Schweins 17.50 Kanadas Nationalparks

18.30 Kanadas Nationalparks 19.20 Arte

Journal 19.40 (für HG) Re: 20.10 Anderswo in

Europa 20.15 (für HG) Ein Kind wird gesucht.

TV-Drama, D2017 21.45 Freedom: George Michael.

Dokumentarfilm,GB2017 23.20 Marvin

Gaye –GreatestHits 0.15 Arte Journal 0.35 Liu

Xiaobo –Der Mann, der Peking die Stirnbot

1.35 Algerien: Ein Land erwacht

3Sat

13.15 Schweizweit 13.40 Fernweh: Karibik.

Trinidad und Tobago /Martinique /Dominica /

Montserrat und Saint-Martin/Sint Maarten /

Venezuela /Haiti /Kuba 19.00 (für HG) heute

19.20 Kulturzeit kompakt 19.30 AndyWarhol –

Name. Marke. Visionär. 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Kritisch reisen 21.00 Rotes

Gold –Die Geheimnisse derTomatenindustrie

21.30 auslandsjournal spezial 22.00 (für

HG) ZIB 2 22.25 (für HG) Spreewaldkrimi –

Mörderische Hitze. TV-Kriminalfilm, D2013

23.55 10vor10 0.25 Pufpaffs Happy Hour

Phoenix

12.45 Belfast –die gute neue Zeit (?) 13.30

Angriff auf die Demokratie –Wurde der Brexit

gekauft? 14.15 (für HG) Kritisch reisen 15.45

Traumschiffe als Luftverschmutzer? 16.30 Kritisch

reisen 17.15 Vilnius –Spurensuche im

Jerusalem des Nordens 17.30 phoenix der tag

18.00 plan b 18.30 Belfast –die gute neue Zeit

(?) 19.15 Angriff auf die Demokratie –Wurde

der Brexitgekauft? 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Kinabatangan, der Amazonas

des Ostens 22.30 Japan vonoben 1.30 (für

HG)Kinabatangan, der Amazonas des Ostens

Kika

11.30 (für HG) Wickie und die starken Männer

12.40 (für HG) Das Dschungelbuch 13.30 (für

HG) KiKA Live 14.00 Livespiel 14.10 Schloss

Einstein 15.00 (für HG) Mako –Einfach Meerjungfrau

15.45 Stoked 16.10 (für HG) H2O –

Abenteuer Meerjungfrau 17.00 Horseland, die

Pferderanch 17.40 Die Abenteuer des jungen

Marco Polo –Reise nach Madagaskar 18.05

Bobby &Bill 18.20 Sam 18.40 Jim Hensons:

Doozers 18.50 Sandmann 19.00 Das Dschungelbuch

19.30 (für HG) Hanni &Nanni. Familienfilm,

D2010 20.50 Bernd &Friends

Dmax

14.15 Das Survival-Duo: Zwei Männer,ein Ziel

15.15 Lone Star Law –Die Gesetzeshüter von

Texas 16.15 Highway Patrol 16.45 Highway

Patrol 17.15 Fast 'N' Loud 18.15 Fast 'N' Loud

19.15 A8 –Abenteuer Autobahn 20.15 Dark

Waters mit Jeremy Wade 21.15 Fish or Die –

Angeltrip ins Ungewisse 22.15 Monsterfische

am Haken 23.15 Moonshiners –Die Schwarzbrenner

vonVirginia 0.15 Die Monster-Jäger –

Bestien auf der Spur 1.10 Die Schatzsucher –

Expedition zum Millionenwrack

5.02 hessenschau 5.30 Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Hessen-Reporter

9.45 Shift 10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15

quer 11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00 ZDF-

Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Mex –Das Marktmagazin 20.00 Tagesschau

20.15 Panorama 20.45 Re: 21.17 Operat

on Mondlandung 22.00 Tagesthemen 22.15

mehr/wert 22.45 Extra 23.00 Tagesthemen

23.15 Verliebt, verführt, verkauft 0.00 Tagesthemen

0.15 Im Schatten der Netzwelt –The Cleaners.

Dokumentarfilm,D/BRA/NL/I/USA 2018

1.40 Shift 1.55 Extra 2.00 Tagesschau 2.10 Die

Tagesschauvor 20 Jahren 2.25 SachsenSpiegel

ONE

6.55 Utta Danella: DasFamiliengeheimnis. TV-Dra

ma, D2004 8.25 Landschwärmer 8.55 Brisant

Classix 9.35 Um Himmels Willen 10.25 Dawson'

Creek 11.10 Radsport:TourdeFrance. 7. Etappe

Belfort–Chalon-sur-Saône (230 km) 16.10 Bauch

tanz 16.35 Dawson's Creek 17.20 Lindenstraße

17.50 Die Kanzlei 18.40 Sturmder Liebe 19.25

Sturmder Liebe 20.15 Carolin Kebekus: PussyTe

rorTV21.00 Türkisch für Anfänger. Liebeskomödie,

D2012 22.45 Die Frau die singt–Incendies.

Drama, CDN/F 2010 0.45 Türkischfür Anfänger.

Liebeskomödie, D2012 2.30 CarolinKebekus:

PussyTerror TV 3.15 Die Kanzlei 4.05 Lindenstraße

4.35 Dawson's Creek

ZDF NEO

5.35 Gätjensgroßes Kino 5.55 (für HG)Dicte.

Blutzoll. TV-Kriminalfilm, DK 2013 7.25 Topfgeldjä

ger 8.20 Lafer! Lichter! Lecker! 9.05 Bares für

Rares 9.55 Bares fürRares 10.50 kaputt und...

zugenäht! 11.35 Die Rettungsflieger 12.20 Die

Rettungsflieger 13.05 Psych 13.45 Psych 14.35

KommissarStolberg 15.30 DieRettungsflieger

16.15 Die Rettungsflieger 17.05 Psych 17.45

Psych 18.30 Bares fürRares 19.20 Bares für Rares

20.15 Death in Paradise 21.05 Death in Para

dise 22.00 Death in Paradise 22.50 Unit 42

23.45 Unit 42 0.30 Silent Witness 1.25 Silent

Witness 2.15 SilentWitness 3.10 Silent Witness

4.00 Unit 42 4.55 Unit 42

ZDF INFO

12.25 (für HG)Heirat ohne Liebe 12.55 Leben im

geteilten Deutschland 13.40 Fernsehen in der

DDR 14.25 ReklamefürsVolk 15.15 Schicknach

Plan 15.55 ZDF-History 16.45 (für HG)Leben im

geteilten Deutschland 17.30 Diesieben Geheimnisseder

NVA 18.15 ZDF-History 19.00 DieVerschleppten

19.30 Erdogans Türkei 20.15 Inside

IS –Die geheimen Pläne der Terrormiliz 21.00

ZDF-History 21.45 Der 11. September –Verschwö

rung auf dem Prüfstand 22.25 Wurzeln desBösen

–Die Geburtsstundedes IS 23.10 DerKalif

des Terrors–Abu Bakr Al-Baghdadi 23.55 Die Ver

gessenen von Guantanamo 0.40 (für HG)heutejournal

1.05 1491 –Amerika vorKolumbus

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Händels „Coronation Anthems”.

Anlässlich der Krönung des englischen Königs

Georg II. komponierte Georg Friedrich Händel

vier großbesetzte Anthems, die gleichermaßen

der Huldigung Gottes und des neuen Regente

dienten., ca. 46 Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

West Cork Chamber Music Festival,

ca. 117 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Brandenburgisches Konzert Musikfestspiele

Potsdam Sanssouci: Nuria Rial singt Bach.,

ca. 116 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Benedict Wells: Die Wahrheit über das

Lügen. Franchise (4). Es liest Robert Stadlober,ca.

30 Minuten

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

„Heimliches Berlin”,ca. 56 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung,ca. 31 Minuten

0.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

„Der Dieb” Kriminalhörspiel nach dem gleich

namigen Roman von Fuminori Nakamura.,

ca. 55 Minuten

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lebenszeit Problem Pflege. Welche Lösung

haben Sie?, ca. 80 Minuten

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Mikrokosmos –die Kulturreportage Street

Art inJordanien. Mehr Farbe für Amman., ca.

45 Minuten

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Teufelsmütter.WennTöchterseelen

zerbrechen., ca. 50 Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Musikfeuilleton Komplexe Strukturen, süffige

Melodien. Der Musical-Autor und -Komponist

Stephen Sondheim., ca. 57 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Lange Nacht „Wir sind in unserer Haut gefangen”.

Eine Lange Nacht über die Familie Wittgenstein.

Von Barbara Giese, ca. 175 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Ray Charles. Mit Susanne Papawas

siliu, ca. 30 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

On stage Songwriter mit Band (1/2). Der Nor

wegerThomas Dybdahl. Mit Anna-Bianca Krau

se, ca. 55 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 159 · F reitag, 12. Juli 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Thomas Hermanns spricht uns aus

der Seele,wenn er sich leidenschaftlich

für einen freundlichen Umgang

miteinander einsetzt. „Nettigkeit ist

das Schmiermittel des Lebens –es

macht nicht nur einen selbst besser,

sondernauch die anderen“, sagte

der 56-Jährige der Zeitung Augsburger

Allgemeinen. Deutsche empfänden

allerdings„allein schon dasWort

nett als negativ,fußlahm und charakterschwach“,

so der Gründer der

Fernsehsendung „Quatsch Comedy

Club“. Übertragbar ist dies ihm zufolge

auch auf die Politik: Politiker

wie Donald Trump,Wladimir Putin

und Recep Tayyip Erdogan bezeichnete

Hermanns als„Polterjungs“, die

nicht für die Zukunft stünden. „Die

sind das letzte Aufbäumen der

Nicht-Nett-Fraktion.“ Hoffen wir

mal, dass er damit richtig liegt.

Elizabeth II.,Königin vonEngland,

hat mal wieder ungebetenen Besuch

bekommen. DieLondoner Polizei

hat einen Eindringling auf dem Gelände

des Buckingham-Palastes festgenommen.

Der22-Jährige sei über

den Zaun in den Hofgeklettert. Versuche,inden

Buckingham-Palast

und zur Königin vorzudringen, gibt

es immer wieder.Der spektakulärste

Zwischenfall liegt 37 Jahrezurück:

Damals war es einem Mann gelungen,

bis in die Privatgemächer der

Queen zu gelangen, die zu diesem

Zeitpunkt im Bett lag. Im vergangenen

Jahr kletterte ein Obdachloser

über eine Mauer in den Palastgarten,

um dortdirekt ein Nickerchen zu

halten.

LarsEidinger darfsich glücklich

schätzen. Seine Oberbekleidung

macht ihn in den

Augen der Redaktion

des Uhren-an-Männern-Magazins„GQ“

zu einem der 100 stilvollsten

Männer

Deutschlands.Viel

Konkurrenz gibt es

wohl ohnehin nicht.

Brad Pitt belegte

den ersten Platz. Er

trüge„Looks,die

seine Persönlichkeit

unterstützen,

aber sie nie überstrahlen“,

so das Magazin

verzückt.

(mpw./mit dpa/AFP)

LarsEidinger weiß auch

modisch zu überzeugen.

IMAGO

TIERE

Mit ihm ist sicherlich nicht gut Kirschen

essen.

DPA/PHILIP TOSCANO

Das ist Rufus und wenn Sieeine

Taube sind, dann sollten Siedas

Weite suchen, wenn der WüstenbussardamHimmel

auftaucht. Denn

Rufus hat einen Job, den er gewissenhaft

erfüllt. DasTier fliegt während

des Tennisturniers vonWimbledon

über das Gebiet, um Tauben

fernzuhalten. Wahrscheinlich damit

diese ihr Geschäft nicht auf den legendären

Rasen fallen lassen. Der

Wüstenbussardkann eine Flügelspannweite

von120 Zentimeternerreichen.

Da nimmt jede Taube Reißaus.

(mpw.)

Bei so viel Einsatz muss man auch mal verschnaufen. Einfach die Augen schließen und anlehnen.

VonMartin Dahms, Madrid

Julio Iglesias hat sich immer seines

Sexlebens gerühmt. In einem

Interview mit dem Daily

Express im Mai 2014 wurde er

auf das Gerücht angesprochen, dass

er mit 3000 Frauen geschlafen habe.

„Die Zahl muss wohl auf 20 000 gestiegen

sein“, antwortete der damals

70-Jährige. Das wäre täglich eine

Frau ab dem 15. Lebensjahr.Daist es

schon ein Wunder, dass der spanische

Sänger im Laufe seiner Karriere

nicht mit Dutzenden Vaterschaftsklagen

überzogen worden ist. Eine

verfolgt ihn aber doch, schon seit

Jahrzehnten. Jetzt hat ein erstinstanzliches

Gericht in Valencia ein

Urteil gefällt: Julio Iglesias ist Vater

eines 42-jährigen Sohnes, ober

will oder nicht. Acht andere Kinder

hat Iglesias schon. Dieses neunte

aber passt ihm nicht.

Die Mutter des Sohnes ist eine

heute 67-jährige Portugiesin, Maria

Edite. Sie lernte Julio Iglesias im

Sommer 1975 an der Costa Brava

kennen, wo sie als Tänzerin engagiert

war. Iglesias interessierte

sich für sie und lud sie in die Villa

ein, die er in der Gegend gemietet

hatte. Esgibt ein Foto in einer französischen

Zeitung vom 19. Juli 1975,

auf dem der Sänger und die Tänzerin

gemeinsam zu sehen sind. Genau

neun Monate später, am 19. April

1976, brachte sie einen Jungen zur

Welt, Javier,der den Nachnamen von

Edites Ehemann, Sánchez, erhielt.

Das Kind sei aber von Iglesias, beharrte

Edite. Ein späterer Gentest

stellte auf alle Fälle klar,dass ihr Ehemann

nicht der biologische Vater Javiers

ist.

1991 reichte Edite in Valencia Vaterschaftsklage

gegen Iglesias ein

und bekam im folgenden Jahr recht.

Das Urteil wurde aber wegen eines

Formfehlers anulliert, eine Entscheidung,

die der spanische Oberste Gerichtshof

bestätigte. Kurioserweise

wurde das Verfahren danach nicht

wiederholt: DerFormfehler hatte Iglesias

von allen Ansprüchen auf Vaterschaft

befreit. Der Sohn, um den

es ging, war damals 15 Jahrealt, und

er hat jene Jahre nicht in besonders

guter Erinnerung: Seine Klassenkameraden

hätten ihn wegen seiner Iglesias-Verwandtschaft

gehänselt

und getriezt. „Es ist nicht schön, berühmt

und arm zu sein“, sagte er

Ende vergangenen Jahres im Gepräch

mit El País.

Als junger Erwachsener versuchte

Javier, dem Vorbild seines biologischen

Vaters zu folgen. Er zog nach

Javier Sánchez, Sohn Nummer neun,

hat nun vor Gericht gewonnen.

Miami und nahm dort zwei Platten

auf, „Soy como tú“ (Ich bin wie du)

und „Lucha yverás“ (Kämpfe und du

wirst sehen), die sich 200 000 mal

verkauften. 2010 kehrte er nach Valencia

zurück. Seine Mutter schrieb

in der Zwischenzeit ein Buch unter

dem Titel „Ein Sohn mit Julio Iglesias“.

Mankonnte also schon ahnen,

dass die Sache noch nicht aus der

Welt war.2017 reichte Javier Sánchez

erneut Vaterschaftsklage gegen Iglesias

ein, diesmal mit einem neuen

Beweismittel: Er hatte einen Detektiv

auf die Familie Iglesias in Miami

angesetzt und von einer Getränkeflasche

genetische Spuren des Iglesias-Sohnes

Julio José abgenommen,

die eine Verwandtschaft mit Javier

zweifelsfrei nachweisen sollten. Einem

Richter in Valencia reichte das,

um den Fall wieder aufzunehmen.

Verheerende Bilanz

AFP

Dass dieser Richter nun wie sein

Kollege vor27Jahren zu dem Schluss

kam, dass Javier Sánchez Sohn von

Julio Iglesias ist, lag nicht an den

schließlich als Beweis verworfenen

Genspuren.Vielmehr würdigte er die

kohärente Erzählung der Mutter Maria

Edite und die „sehr offensichtliche

physische Ähnlichkeit“ zwischen

Sánchez und Iglesias. Dadieser

einem Vaterschaftstest nicht zugestimmt

hatte, mussten die

anderen Indizien ausreichen. Iglesias’

Anwalt versicherte, dass sein

Mandant„nichts zu verbergen“ habe

und einem Gentest wohl zustimmen

würde –aber gegen das Urteil doch

vorgehen will, weil ja in der Sache

schon einmal, vor 27 Jahren, entschieden

worden sei.

Iglesias selbst äußert sich nicht.

Vielleicht sind sie ihm seine dauernden

Eroberungen doch peinlich. Als

er Javier zeugte, war er mit der Mutter

seiner ersten drei Kinder, Isabel

Preysler, verheiratet; der jüngste

Sohn, Enrique (der heute auch ein

Star ist), war gerade erst geboren.

Preysler ist heute mit dem Schriftsteller

MarioVargas Llosa verheiratet

und Iglesias mit dem Fotomodell Miranda

Rijnsburger,die ihm noch einmal

fünf Kinder zurWelt brachte.Auf

alle ist er stolz. Nurauf Javier nicht.

Bei einem schweren Sturm sterben sieben Menschen in der griechischen Ferienregion Chalkidiki

Das Unwetter dauerte lediglich

zehn Minuten, aber die Bilanz

war verheerend: In Nordgriechenland

sind in der Nacht zum Donnerstag

sechs Touristen aus Tschechien,

Rumänien und Russland ums Leben

gekommen. Zudem wurde am Donnerstagmittag

eine weitere Leiche

geborgen – laut Medienberichten

soll es sich dabei um einen griechischen

Fischer handeln, der nach

dem Sturm vermisst worden war.

Mehr als 100 Menschen wurden verletzt,

einige vonihnen schwer.

Dort woder Sturm wütete, sind

Strom- und Wasserversorgung ausgefallen.

Teile der beliebten Ferienregion

Chalkidiki gleichen einem

Trümmerfeld. Das griechische Verteidigungsministerium

hat Soldaten

mit Generatoren und Räumgerät in

das Gebiet geschickt, das Innenmi-

nisterium sagte 500 000 Euro Soforthilfe

zu.Vielerorts sind Strommasten

umgestürzt, Bäume umgeknickt und

Dächer eingebrochen.

In Sozopoli wurde der Camper eines

tschechischen Ehepaares über

den Strand geschleudert; der Mann

war soforttot, die Frau starb auf dem

Weg ins Krankenhaus, berichteten

griechische Medien am Donnerstag.

Weiter östlich in Nea Plagia kamen

eine rumänische Touristin und ihr

Sohn ums Leben, als das Vordach einer

Taverne einbrach. Der etwa sieben-

oder achtjährige Junge sei von

einer Sturmböe erfasst und gegen

die Fensterscheibe des Restaurants

geworfen worden, berichteten Augenzeugen.

Nur 20Kilometer weiter südöstlich,

in NeaPotidea, kamen ein russischer

Tourist und sein zweijähriger

Sohn ums Leben, als ein Baum um-

Der völlig zerstörte Camper des tschechischen

Ehepaars

AP

Thessaloniki

GRIECHENLAND

Halbinsel Chalkidiki

Sozopoli

Nea Plagia

Nea Potidea

Ägäisches Meer

20 km

BLZ/HECHER

Er lebt

die

Liebe

Julio Iglesias ist zum neunten

Mal Vater geworden.

Er will es aber nicht wahrhaben

VonMartin Dahms, Madrid

SONY

stürzte. Das Dorf sieht aus, als habe

es ein schweres Erdbeben gegeben.

Meteorologen sprechen von zwei

Wirbelstürmen, die über die Region

hinwegfegten. „Wir wussten, dass es

einen schweren Sturmgeben würde,

und es gab auch entsprechende

Warnmeldungen, aber wir konnten

nicht vorhersagen, wo genau das

Unwetter zuschlägt“, sagte Efthymios

Lekkas, Chef des griechischen

Katastrophenschutzes, dem Radiosender

Thema104,6.

Bis in den späten Abend habe

große Hitze mit bis zu 40 Grad geherrscht.

Die hohen Temperaturen

ließen große Mengen Meerwasser

verdampfen, sodass sich die Wirbelstürme

zusammenbrauten. Wo genau

diese sich entladen, ist nach

Lekkas Angaben jedoch kaum vorherzusagen.

Andere Experten bestätigten

dies. (dpa)

Mülheim prüft Rückführung

von Vergewaltiger-Familien

Nach der Vergewaltigung einer 18-

jährigen Frau durch fünf Kinder und

Jugendliche in Mülheim an der Ruhr

prüft die Stadt eine Rückführung der

betroffenen Familien in ihr Herkunftsland

Bulgarien. Grundsätzlich

stehe auch im Raum, die Kinder aus

den Familien zu nehmen, berichtete

die Neuen Westfälische.„Undwir

prüfen auch, ob wir die Freizügigkeit

dieser Familien einschränken können

und eine Rückführung in ihr

Herkunftsland möglich ist“, sagte

der Mülheimer Stadtsprecher Volker

Wiebels der Zeitung. Beiden mutmaßlichen

Täternhandelt es sich

um drei 14-Jährige und zwei strafunmündige

Zwölfjährige.Ein 14-jähriger

Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft.

(dpa)

Französischer Koma-Patient

Vincent Lambertist tot

Nach jahrelangem Rechtsstreit um

sein Leben ist der französische

Koma-Patient Vincent Lamberttot:

Der42-jährige starb am Donnerstagmorgen

in der Uniklinik in Reims.

DieÄrzte hatten die künstliche Ernährung

vorgut einer Woche gegen

den Widerstand der Elterneingestellt.

DerfrühereKrankenpfleger

Lambertlag seit einem schweren Autounfall

vorelf Jahren in einer Art

Wachkoma. DieÄrzte der Klinik in

Ostfrankreich bewerteten weiterelebenserhaltende

Maßnahmen als

„unverhältnismäßig“ und beendeten

sie deshalb in Übereinstimmung

mit Lamberts Frau und einigen seiner

Geschwister vergangene Woche.

Diestreng katholischen Elternwaren

für das Leben ihres Sohnes jahrelang

durch alle juristischen Instanzen gegangen.

Diese gaben jedoch zuletzt

den Ärzten recht. (AFP)

Vincent Lambertist tot. Der 42-Jährige

starb am Donnerstag.

AFP/

Graböffnung im Vatikan gibt

neue Rätsel auf

Zwei leereGräber und noch mehr

Rätsel: DieSuche nach der vor36

Jahren verschwundenen Tochter eines

Vatikanangestellten auf einem

Pilgerfriedhof in Romist am Donnerstag

ergebnislos geblieben. Die

geöffneten Gräber zweier Prinzessinnen

seien leer,teilte der Vatikan

mit. DasSchicksal der seit Juni 1983

vermissten Emanuela Orlandi bleibt

somit weiter unklar.Die 15-jährige

Tochter eines Vatikanangestellten

war 1983 verschwunden. (AFP)

Erinnerungsstückevon

Boris Becker versteigert

Dutzende Erinnerungsstücke aus

der Karrierevon Ex-Tennisstar Boris

Becker (51) haben am Donnerstag

den Besitzer gewechselt. DieOnline-

Auktion des britischen Auktionshauses

Wyles Hardy&Coging am Nachmittag

in mehreren Schritten zu

Ende.Boris Becker,der zurzeit Tenniskommentator

ist, war 2017 von

einem britischen Gericht für zahlungsunfähig

erklärtworden. Mit

dem Erlös aus der Versteigerung soll

Geld für die Gläubiger eingetrieben

werden. (dpa)