ONELIFE #38 – German

storyboard.de

Land Rover’s Onelife magazine showcases stories from around the world that celebrate inner strength and the drive to go Above and Beyond. New perspectives meet old traditions - these contrasts unite in the latest issue of ONELIFE. Together with Landrover we travelled around the globe. From the high-tech city of Shenzhen in China to the carnival subculture in Brazil to Wuppertal. We got to know one of the oldest space travelers, technology visionaries and watch lovers, just as the new Range Rover Evoque. An exciting journey through the world of yesterday, today and tomorrow.

ONELIFE

WIR MACHEN DAS BESTE AUS IHRER WELT

HAUSGEMACHT

Wir besuchen die

europäischen Häuser

des Architekten

Richard Neutra.

AUFGELADEN

Warum Shenzhen

die Blaupause für

eine nachhaltige

Zukunft ist.

HOCHGESCHOSSEN

Nur vier Menschen, die

auf dem Mond waren,

leben noch. Wir haben

einen getroffen.

AUSGABE 35 FRÜHJAHR 2019

G O T T D E S O L Y M P

DER NEUE RANGE ROVER EVOQUE EROBERT ATHEN


DIREKT AUS DEM INNOVATIONSLABOR:

CLARKS X LAND ROVER

ENTDECKEN SIE DIE NEUE KOLLEKTION

Clarks und Land Rover, beide Pioniere auf ihrem Gebiet, blicken auf eine reiche Geschichte

zurück, in der sie bahnbrechende Impulse gesetzt haben um sich über die Grenzen hinaus

zu entwickeln. Diese gemeinsame Zielsetzung hat Life.Limitless hervorgebracht, eine

Schuhkollektion, die Sie von der Metropole in die Berge transportiert -

um ein Leben ohne Grenzen zu erleben.

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BODENHAFTUNG

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Optimale Bodenhaftung bei nassem und

trockenem Wetter. Modulare Sohle mit

präzise ausgewogenen Gummidichten

und einzigartiger Laufsohle mit Pods,

die für zusätzliche Traktion sorgen.

Robust und vollständig aus

wasserdichtem GORE-TEX mit

verbesserter Atmungsaktivität, ideal

für Entdeckungen in der Stadt oder

Abenteuer in jedem Gelände.

Fein abgestimmte Zusammensetzung

der Zwischensohle, die mit optimaler

Rückfederung und Energie

auf das Gelände reagiert. Der

Fersenkappenstabilisator sorgt

für sichere Fußstellung.

HOLEN SIE SICH IHRE WELT ZURÜCK UND GEHEN SIE AUF ENTDECKUNGSREISE.


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TITELFOTO: MICHAEL SCHNABEL FOTO: GREG WHITE

WILLKOMMEN

AUSGABE 35

AUF NEUEN PFADEN

Herzlich willkommen bei Onelife, dem Magazin speziell für Land Rover Besitzer. Auch diese neue Ausgabe wird Sie

nicht enttäuschen. Bestechende Fotos und fesselnde Storys aus aller Welt zeigen, wie man das Beste aus dem Leben

herausholt man muss es sich nur zutrauen. Lesen Sie über neue Perspektiven und alte Traditionen, staunen Sie über

eine Öko-Stadt in China und eine karnevalistische Subkultur in Brasilien, lernen Sie einen der ältesten Weltraum-

Veteranen und ein cooles britisches Top-Model kennen. Und natürlich stellen wir Ihnen die letzten Land Rover Modelle

vor: Begleiten Sie uns auf einem Trip mit dem neuen Range Rover Evoque, erfahren Sie buchstäblich den Range Rover

Velar und den Range Rover Sport PHEV * , und werfen Sie einen Blick auf den mit Spannung erwarteten neuen Defender.

Also einsteigen, anschnallen und losfahren. Wir helfen Ihnen, das Beste aus Ihrer Welt zu machen. Viel Spaß beim Lesen!

* Range Rover Sport P400e Plug-in Hybrid: Stromverbrauch, kombiniert: 23,1-22,5 kWh/100 km. Kraftstoffverbrauch, kombiniert: 3,2-3,1 l/100km.

CO2Emissionen, kombiniert: 74-71 g/km

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08 26

I N H A L T

AUSGABE 35

08_TIPPS UND

TRENDS

Luxushotels, globale

News, Reise und Abenteuer,

Kunst und Kultur...

Cooler geht’s nicht.

Vielleicht ist auch für Sie

etwas dabei

20_NEUE MODELLE

Eine Auto-Ikone wird aufs

Comeback vorbereitet:

Der neue Land Rover

Defender wartet auf seinen

großen Auftritt. Hier ein

Vorgeschmack!

22_EVOKATIV

Vor allem das Design

des ursprünglichen

Range Rover Evoque verhalf

ihm zu seinem Erfolg.

Die neue Serie wird sicher

ein noch größerer Hit

26_DRIVE

Der Autojournalist Ken

Gibson begibt sich hinter das

Steuer des brandneuen

Evoque und bringt ihn im

Gewühl der griechischen

Hauptstadt auf Touren

32_PERSONEN

Cool, clever und

kompromisslos das britische

Top-Model Adwoa Aboah

verkörpert das moderne

London. Hier spricht sie über

ihre Liebe zu der dynamischen

Stadt

34_DESIGN

Richard Neutra,

Star-Architekt der Moderne,

ist vor allem für seine Arbeit

in Kalifornien bekannt. Aber

wir besuchen eines seiner

deutschen Projekte im Velar

40_ABENTEUER

Der legendäre Forscher

Ranulph Fiennes frischt

seine Nil-Expedition

von 1969 auf mit

seinem Cousin Joseph

Fiennes und einem

Land Rover Discovery

44_EXPLORATION

Von den Astronauten, die

einen Fuß auf den Mond

setzten, leben 50 Jahre nach

der ersten Mondlandung

nur noch vier. Einer von

ihnen ist Charlie Duke

48_COUNTDOWN

Der Weltraumtourismus

boomt. Private Raumfahrt ist

in greifbare Nähe gerückt.

Virgin Galactic plant, die ersten

Passagiere noch in diesem

Jahr ins All zu fliegen

50_REISEN

Das moderne China

kopiert nicht mehr es

erfindet. Wir fahren in einem

Range Rover Sport PHEV *

nach Shenzhen und treffen

dort kreative Geister

58_HANDWERKSKUNST

George Bamford,

erfolgreicher Hersteller

maßgeschneiderter Luxus-Uhren,

hat eine Schwäche

für Land Rover. Er

nimmt uns mit auf einen

Offroad-Trip

62_KULTUR

Jeder kennt den berühmten

Karneval von Rio, aber

die Favelas haben ihren eigenen

Event: Bate Bola. Ein

Film von Ben Holman berichtet

über das Phänomen

* Range Rover Sport P400e Plug-in Hybrid: Stromverbrauch, kombiniert: 23,1-22,5 kWh/100 km. Kraftstoffverbrauch,

kombiniert: 3,2-3,1 l/100km. CO2Emissionen, kombiniert: 74-71 g/km

Chefredakteur David Barnwell Senior Editor Sachin Rao Senior Art Director Dan Delaney Art Editor Salman Naqvi Designer Thomas Saible Photo Director Elina Gathof

Production Director Marie Bressem Business Director Moray McLaren Account Manager Adrianna Juraszek Market and Production Manager Hannah McDonald

MD Production Unit Dr. Markus Schönmann. Für Land Rover: Marketing Communications Senior Manager Jim Matthews Marketing Communications Manager Hannah Dixon


50 62

M I T A R B E I T E R

FOTOS: VANDER ARMANDO, STUDIO SCHNABEL, STEFEN CHOW, NEIRIN JONES

66_KLASSIKER

Hinter einem rostigen

alten Range Rover,

der bei Land Rover Classic

Works landete, steckt eine

faszinierende Story mit

Reggae-Soundtrack

70_INNOVATION

Wenn exquisites Design

auf kreatives Denken

trifft, entstehen Meisterwerke.

Wir stellen

die Gewinner der

aktuellen Land Rover BORN

Awards vor

74_PIONIERE

Wasfia Nazreen stürmt

Gipfel nicht nur die

realen im Himalaya oder in

den Anden, sondern auch

die sozialen Tabus in ihrer

Heimat Bangladesh

76_ ESSAY

Öffnen Sie den Boden

unter Ihren Füßen und folgen

Sie dem Fossilienjäger Ken

Lacovara ins Innere der Erde,

wo es erstaunliche Dinge zu

entdecken gibt

78_RANGE ROVER VELAR

Mit dem britischen Gentleman

das Temecula Valley in Südkalifornien

erkunden

84_LAND ROVER CLUB

Profitieren Sie als Clubmitglied

von attraktiven Partnerangeboten

und weiteren Vorteilen

86_OFFROAD

Der Polarforscher Ben Saunders

kann sich keine Expedition ohne

einen Land Rover Discovery vorstellen.

Hier erklärt er, warum der

Disco ideal für ihn ist

MICHAEL SCHNABEL

Der vielfach preisgekrönte deutsche Landschaftsfotograf

hat seinen eigenen visuellen Stil, um dramatische

Momente einzufangen. Die idealen Motive dafür fand

er in Athen, als er den neuen Range Rover Evoque auf

einer Spritztour begleitete.

VAISHALI DINAKARAN

Die populäre indische Autojournalistin mit Wohnsitz Berlin

gewann 2018 einen Preis der britischen „Guild of Motoring

Writers“. Ihre Spezialität sind Interviews und Porträts bekannter

Persönlichkeiten. In dieser Ausgabe schreibt sie über

den amerikanischen Weltraum-Veteranen Charlie Duke.

LUKE PONSFORD

Der in London wohnhafte Lifestyle- und Autojournalist hat

eine Vorliebe für Autos (natürlich!), aber auch für Uhren und

klassisches Design. Deshalb war es ein Traumjob für ihn,

im Range Rover Velar einen Unternehmer zu besuchen, der

seine Passion für Land Rover und edle Uhren teilte.

STEFEN CHOW

Der in Malaysia geborene Stefen wohnt heute in Beijing. Das

Produktportfolio des vielseitigen Fotografen umfasst sowohl

Werbeaufnahmen für globale Marken als auch persönliche

Projekte mit einem „sozialen Gewissen“. Für Onelife fing er

die Kontraste der chinesischen Stadt Shenzen ein.

Land Rover Onelife wird veröffentlicht von Spark44 Limited, The White Collar Factory, 1 Old Street Yard, London EC1Y 8AF für Land Rover, Abbey Road, Whitley, Coventry CV3 4LF. Copyright

Spark44 Ltd. 2019. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur nach schriftlicher Genehmigung des Verlags. Die Artikel geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht

unbedingt die Meinung von Land Rover dar. Obwohl mit angemessener Sorgfalt auf die umfassende Genauigkeit der Inhalte von Onelife geachtet wurde, können sich die in diesem Magazin

dargestellten Spezifikationen, Funktionen und Ausrüstungen ändern und je nach Land unterscheiden. Für das Film- und Fotomaterial von Webseiten mit Zugangsbeschränkung wurden alle

notwendigen Genehmigungen eingeholt, und die Daten waren zur Zeit der Drucklegung korrekt. Weitere Informationen zu den Fahrzeugen erhalten Sie bei Ihren autorisierten Land Rover-

Händlern. Dieses Magazin nimmt keine unaufgeforderten Manuskripte, Fotos oder Illustrationen an und übernimmt keinerlei Haftung für eingesandtes Material. Bitte fahren Sie stets vorsichtig.

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WEGWEISER

-

D I E W E L T E N T D E C K E N

-

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FOTOS: BLAUE LAGUNE, ISLAND

Die Blaue Lagune ist schon seit Jahrzehnten

eine isländische Ikone und heute, im Instagram-Zeitalter,

mehr denn je. Bilder der

dampfenden, mit milchig-blauem Wasser gefüllten

Pools, die durch natürliche Erdwärme

erhitzt werden, sind weltweit zugänglich und

locken jährlich zahlreiche Besucher an. Aber

die Blaue Lagune ist nicht nur schön, sie

dient auch der Gesundheit. Dafür sorgen mineralreiches

Wasser und der dazu gehörige

Schlamm. Zu den Einrichtungen um die

Lagune herum zählten bisher ein Spa, ein

Restaurant und das Silica-Hotel. Nun gibt es

eine brandneue Erweiterung: das Luxushotel

„The Retreat“. Das Design dieses exquisiten

Refugiums spiegelt geschmackvollen Minimalismus

wider. Das Gebäude ist in die

Konturen der umgebenden vulkanischen

Landschaft eingebettet und

FLUCHT

bezieht natürliche Features

INS BLAUE wie fließendes Wasser und

Lavagestein mit ein. Das

Ergebnis ist visuelle Harmonie, Texturenreichtum

und geringe Umweltbelastung. Die

62 Suiten mit raumhohen Fenstern atmen

buchstäblich Ruhe aus vor allem die 60 qm

große Lagoon Suite mit geräumiger Terrasse

und privatem Zugang zur Lagune (Preis ab

2.200 € pro Nacht). Zum Abendessen lädt

„Moss“ ein, das Feinschmeckerlokal des

Hotels, wo alle Speisen aus frischen, saisonalen

Zutaten der Region zubereitet werden.

Ein würdiger Abschluss Ihres Besuchs!

www.bluelagoon.com

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W

FOTO: IAN BEATTIE/AUSCAPE/CONTRIBUTOR/GETTY IMAGES

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LANDSCHAFTSKUNST Hätten Sie Lust auf einen

LAKE BALLARD Camping-Urlaub mit 51 fremden

Leuten? Die alle aus Stahl sind?

Wenn ja, fahren Sie zum Lake Ballard, einem

ausgetrockneten Salzsee nahe der kleinen

australischen Stadt Menzies. Dieser frühere

Goldrauschort liegt mitten in der Einöde der

riesigen Provinz Western Australia, und

ausgerechnet dort hat der britische Bildhauer

Antony Gormley in den Salzpfannen des Sees

51 surreale Skulpturen aus Stahl errichtet. Alle

Statuen wurden von Einwohnern der Gegend

abgeleitet, deren Maße Gormley mit einem

Laserscanner erfasste. Die etwas gespenstisch

wirkende Installation verleiht Ihrem Ausflug

ins Outback eine besondere Note. Planen Sie

für eine Besichtigung der Statuen mehrere

Stunden zu Fuß ein, denn Fahrzeuge sind

auf den Salzpfannen nicht erlaubt. Ruhen Sie

sich dann auf den (wenigen) Campingplätzen

aus und bewundern Sie den fantastischen

Himmel und die endlose Landschaft.

Vergessen Sie aber nicht, Wasser und

Feuerholz mitzubringen! lakeballard.com

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The Pioneers Of High Resolution Audio


EXPERIENCE SOUND

ON THE MOVE

LIKE NEVER BEFORE

We are the pioneers of high resolution audio and proud partners

with Jaguar Land Rover. Our shared passion for quality, luxury and

innovation drives us to create the most immersive sound whilst on

the move. The twists, the turns and the rhythm of the road ahead.

Each album, every song, in authentic and exceptional detail.

meridian-audio.com


XXXXXXX LEFT

W

GLOBETROTTERS

TERMINKALENDER

SALT

GANZJÄHRIG

Das nomadische Kunstprojekt hat

seine Anfänge irgendwo im hohen

Norden Norwegens und befindet

sich bis zum nächsten Jahr

in Oslo. Die Events finden in

großen traditionellen Holzkonstruktionen

statt, die norwegischen

Fisch-Trockengestellen nachempfunden

sind und als Sauna, Ausstellungsraum

und Konzerthalle

dienen. salted.no

SARDINENSCHWÄRME

MAI-JULI

Milliarden Sardinen laichen jedes

Jahr vor der Küste Südafrikas und

ziehen dann im so genannten

„Sardine Run“ durch die Küstengewässer

im Osten Afrikas. Dabei

werden sie von Raubfischen und

Seevögeln verfolgt. Veranstalter

bieten Tauch- und Schnorcheltrips

an, damit man dieses spektakuläre

Ereignis aus nächster Nähe beobachten

kann.

YUKON 1000

JUNI

Jetzt kann man sich zum

längsten Kanu-Rennen der Welt

anmelden über 1.600 km geht

es auf dem Yukon durch Kanadas

hohen Norden und durch Alaska.

Ziel: der nördliche Polarkreis.

Die Teilnehmer kommen aus

der ganzen Welt, um diesen

Härtetest zu bestehen.

Das ultimative Paddel-Fest!

yukon1000.org

NAADAM

JULI

Der längere Name des mongolischen

Nationalfests ist Eriin Gurvan

Naadam und bedeutet „die

drei männlichen Spiele“: Ringkampf,

Bogenschießen und Pferderennen.

Naadam findet in fast

jedem Ort in der Mongolei statt,

aber das offizielle Festival wird in

der Hauptstadt Ulaanbaatar ausgetragen.

Auch Frauen sind neuestens

dabei. naadamfestival.com

FOTOS: ENDRE LOHNE, DOUG PERRINE/GETTY IMAGES,

JAY DICKMAN/CONTRIBUTOR/GETTY IMAGES, JACK TAYLOR/GETTY

IMAGES, JODHPUR RIFF/OIJO, ENTE FIERA DEL TARTUFO FOTO

DAVIDE CARLETTI, DOGWALK(2015)/MAELLA JAARSMA

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RIGHT XXXXXX

GUČA-TROMPETEN-

FESTIVAL

AUGUST

Hier geht es um Blech genauer

gesagt um Krach machendes

Blech, nämlich Trompeten. Gespielt

wird hauptsächlich frenetische,

vom Sound der Zigeuner inspirierte

Musik aus dem Balkan. Ort des

dreitägigen Festivals ist die

serbische Kleinstadt Guča, wo

Teilnehmer aus ganz Europa um

Preise kämpfen. gucafestival.rs

JODHPUR RIFF

OKTOBER

Das Rajasthan International Folk

Festival (RIFF) hat einen

spektakulären Schauplatz: Die

immense Mehrangarh-Festung in

der historischen Stadt Jodhpur in

der Provinz Rajasthan. Beim

Festival treffen sich wandernde

Musikanten, klassische Ensembles

und internationale Stars, wie zum

Beispiel Mick Jagger, Schirmherr

des Events. jodhpurriff.org

FIERA DEL TARTUFO

OKTOBER NOVEMBER

Zu Beginn der herbstlichen

Trüffelsaison versammeln sich die

Spitzenköche der Welt im italienischen

Städtchen Alba (Region

Piemont). Den Höhepunkt des

Festivals bildet eine Auktion, zu

der man aber eingeladen sein

muss. Doch für alle anderen Besucher

gibt es genug Trüffeln auf

den farbigen Wochenmärkten zu

kaufen. fieradeltartufo.org

SETOUCHI TRIENNALE

BIS NOVEMBER

Die Setouchi Triennale ist ein

Kunstfestival, das alle drei Jahre

auf den Inseln der Seto-Inlandsee

in Japan stattfindet und an verschiedenen

Orten zeitgenössische

Skulpturen und Installationen

präsentiert. Es ist in drei Phasen

aufgeteilt: Spring Encounters (im

Frühling), Summer Gatherings

(im Sommer) und Fall Expansions

(im Herbst). setouchi-artfest.jp

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W

w

ÜBERLEBEN

ELEFANTEN

ANSTURM

Alan McSmith, ein Safari-Guide im

Krüger-Nationalpark in Südafrika,

ist jetzt auch der Star eines Videos,

das sich wie ein Lauffeuer in den

sozialen Netzwerken verbreitete: wie er dem Angriff

eines anstürmenden Elefantenbullen standhielt. Wir

haben darüber mit ihm gesprochen.

„Man kann die komplexe Intelligenz eines Elefanten

nicht mit einem flüchtigen Blick erfassen. Man muss Zeit mit

den Tieren verbringen und ihren Fährten folgen zu Fuß.

Mein Erlebnis war ziemlich ungewöhnlich. Aber es ging nicht

darum, das heldenhafte Verhalten eines Safari-Guides zu

demonstrieren. Dazu würde ich das Video nie benutzen.

Wir waren ohne Gewehre unterwegs, was relativ

ungewöhnlich ist. Als der Elefant näher kam, folgte ich

keinem Skript und keinem Storyboard. Man kann sich ein

wenig auf die Körpersprache verlassen: Was macht er mit

den Augen, dem Rüssel, den Ohren und dem Schwanz? Was

für Geräusche gibt er von sich, wie bewegt er sich? Daraus

kann man dann folgern, was das Tier tun wird. So steht es

jedenfalls in den Lehrbüchern. Aber ich habe noch nie einen

Elefanten gesehen, der ein Buch liest.

Der Mensch will immer instinktiv die Kontrolle übernehmen,

vor allem dann, wenn er auch für eine Gruppe

verantwortlich ist. Aber das kann bei wilden Tieren oft schief

gehen, denn unsere Aktionen und unser Timing stimmen

meistens nicht mit ihren überein. Bei dieser Gelegenheit

hatte ich keinen festen Plan. Aber wenn man bis an die

Grenzen und darüber hinausgeht, hat man vielleicht eine

Chance, die Situation zu entschärfen.

Man muss standhaft bleiben und den Elefanten

entscheiden lassen, was er tun will, und nicht versuchen,

ihn zu führen. Ich akzeptierte also seine Aktionen. Wenn

er seitwärts ging, ging ich seitwärts. Wenn er vorwärts

ging, ging ich zurück. Auf dem Video sieht es fast wie ein

einstudierter Tanz aus, aber alles war intuitiv. Aber der

Elefant und ich verstanden uns, und das entschärfte die

Situation. Es gab keine Panik. Selbst die Leute hinter mir

konnten es kaum fassen, wie ruhig sie blieben. Bei dieser

Begegnung wurde die Grenze zwischen Logik und Intuition

überschritten. Manchmal muss man Barrieren durchbrechen,

um bleibende Erfahrungen zu machen.“

Jetzt das Video sehen: alanmcsmith.weebly.com

Links: Wie reagiert man

beim Ansturm eines

sechs Tonnen schweren

Elefanten?

Ob zu Fuß oder im Auto: Halten Sie immer sicheren Abstand zu Elefanten. Gehen Sie nur in Begleitung eines erfahrenen Safari-Guides auf Tour.

VIDEO UND FOTOS:: YOUTUBE “ALAN MCSMITH ELEPHANT ENCOUNTER1“, SHUTTERSTOCK/KENTOH, SHUTTERSTOCK/FRIMUFILMS

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Wenn fast alles bekannt, besucht und

erforscht ist, was bleibt dann noch? Nun, ein

neuer wissenschaftlicher Trend mischt die

Dinge gründlich auf. Es gibt jetzt DNA-

Testkits, mit denen man seinen eigenen

Familienstammbaum vervollständigen kann.

Dass man sich auf die Suche nach seinen

Wurzeln begibt zum Beispiel von Amerika

nach Europa , ist zwar nichts Neues, wohl

aber die Tests von zu Hause aus. Sie brauchen

nur eine Speichelprobe, die eingeschickt wird,

und dann können Sie herausfinden, wo Ihre

Vorfahren einmal gelebt haben,

und auf ihren Spuren wandeln. Die

renommierte amerikanische

Zeitschrift MIT Technology Review

hat festgestellt, dass circa 12

Millionen Menschen bis Anfang 2018

einen DNA-Test gemacht haben.

Dabei werden Ihre Proben mit

VOLL IM TREND

DNA-TOURISMUS

Hilfe von weltweiten Datenbasen

mit den Proben gegenwärtiger

Bevölkerungsgruppen verglichen,

genetische Variationen werden

festgestellt und Ihrer DNA zugeordnet. Sie

erhalten dann eine hohe Wahrscheinlichkeit

Ihrer Herkunft, aber keine hundertprozentige

Bestätigung. Die Firmen, die die Tests

anbieten, werden immer zahlreicher und

liefern Ihnen einen detaillierten Bericht Ihrer

DNA-Stränge sowie väterliche und mütterliche

Haplogruppen alles Pfade zu Ihren

Vorfahren. Und selbst, wenn das Test-Ergebnis

nicht eindeutig ist die Mischung aus

Selbstfindung und Wanderlust ist ein

unwiderstehlicher Cocktail.

W

GEHEIMTIPP

MOLDAWIENS

WEINSTRASSE

Die Szene: 112.000 Hektar Weinanbaugebiet, über 30 Rebsorten, eine

5.000-jährige Weintradition, der größte Weinkeller der Welt, gekrönte

Häupter und Präsidenten als Kunden. Der Ort: die Hügelketten von

Codru sowie die südlicheren Regionen Ştefan-Vodă und Valul lui Traian

in der Republik Moldawien, ein ideales Territorium für Qualitätsrotweine, Schaumweine und Branntwein.

Die Qualität hat Geschichte: 1878 gewann der Negru de Purcari eine Goldmedaille auf der

Pariser Expo und wurde ein Lieblingsgetränk russischer Zaren. Wichtigste Station: das Weingut

Cricova mit seinen legendären Weinkellern. „Dieses unterirdische Labyrinth ist größer als alle Weinkeller

der Champagne zusammen“, erklärt die amerikanische Top-Önologin Christy Canterbury.

„Da unten gibt es Verkehrsampeln und Straßenschilder.“ Das mag an die Zeit sowjetischer Massenproduktion

erinnern, tut aber der eindrucksvollen Qualität moldawischer Weine keinen Abbruch. In

den Kellern von Cricova und anderen Weingütern werden lokale Weine für internationale Berühmtheiten

und bekannte Persönlichkeiten zum Reifen gelagert. Das Beste: die lokale Tradition natürlicher

Flaschengärung (auch bei Champagner angewendet) sorgt dafür, dass alle moldawischen

Schaumweine wenigstens neun Monate und bis zu fünf Jahren reifen. Prost! wineofmoldova.com

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W

„Ich habe die Fotografie gewählt, weil ich die besten Momente meines Lebens festhalten will“,

sagt Ivander Fauzy Armando, der von Familie und Freunden nur „Vander“ genannt wird. Auf dem

Instagram-Konto (@familywithnature) des erst 26-Jährigen kann man sehen, was er darunter

versteht. Vanders ausgeprägte visuelle Ästhetik sticht in den Feeds der sozialen Netzwerke

sogleich hervor. Der Schwerpunkt seiner Motive ist in Wildnis und Natur angesiedelt, und er

konzentriert sich dabei hauptsächlich auf seine Heimat Indonesien. Seine

SOZIALER ASPEKT Fotos fesseln den Betrachter durch ihre warmen Farben, verblüffende

@FAMILYWITHNATURE Reflexionen und den Effekt atemberaubender Drohnenperspektiven.

Sein zweites Thema ist die Familie. Seine Frau und seine Töchter erscheinen

regelmäßig auf seinen Bildern und verleihen seinen Instagram-Postings eine persönliche Note.

„Ich reise gern mit Familie und Kamera“, kommentiert Vander. „So können wir unvergessliche

Erlebnisse gemeinsam genießen und die Welt miteinander teilen.“ Vanders Weg zum Instagram-

Ruhm nahm vor sieben Jahren seinen Anfang, als er seinen Lebensunterhalt als Koch verdiente. In

seiner Freizeit unternahm er mit seinen kleinen Töchtern Wanderungen, fotografierte dabei und

beschloss, seine Liebe zur Fotografie zu seiner Hauptbeschäftigung zu machen, ohne dabei auf

wertvolle Zeit mit seiner Familie zu verzichten. Nach und nach baute er sich sein Instagram-Konto

auf, und heute teilen über 12.000 Follower seine Leidenschaft für Menschen und Natur.

FOTO: VANDER ARMANDO

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NEUE MODELLE

B L E I B E N

S I E

D R A N

Die Spannung steigt: Das Debüt eines der

am sehnsüchtigsten erwarteten Modelle

der Welt rückt näher. Machen Sie sich

bereit für den neuen Land Rover Defender.

Der Defender ist direkter Nachfolger eines der beliebtesten

Autos der Welt: des Land Rover Series, der als

wegweisender Gelände-PKW in die Geschichte einging.

Seine Abstammung ist unverkennbar sowohl in der

legendären Form als auch der stahligen Zähigkeit, dank

der selbst jahrzehntealte Exemplare nach wie vor auf

und natürlich abseits der Straße unterwegs sind. Der

Defender ist zum Mythos geworden, vom Ackerland bis

zum Outback, vom Stadtdschungel bis zum Safaripark.

Deshalb ist die anstehende Markteinführung des

neuen Defender noch in diesem Jahr ein Großereignis

für den Hersteller selbst, aber auch für Millionen

Be geisterte rund um den Globus. Land Rover Teams

arbeiten mit Volldampf daran, dass das neue Modell

ebenso bahnbrechend wird wie das Original. Es mag für

die Welt von heute entwickelt worden sein, geht aber

nicht kleinste Kompromisse in puncto Geländegängigkeit

ein, wie dieses Foto von einem Testzyklus in den

USA zeigt. Weltweit werden derzeit Erlkönige unter

Extrembedingungen gefahren, ob in der klirrenden Kälte

von Arjeplog, auf dem felsigen Terrain von Utah, USA,

oder auf den Teststrecken von Eastnor in Großbritannien.

Kein Zweifel: Der neue Defender wird das Fahrzeug

werden, mit dem eine neue Generation überall hinkommt.

Er glänzt durch robustes Design und enorme

Geländegängigkeit, hat aber auch das Zeug, alle anderen

Herausforderungen des Lebens in typischer Defender-

Manier zu meistern: ruhig, sicher und kraftvoll.

PHOTOGRAPH: NICK DIMBLEBY

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NEUES MODELL

S M O O T H

Vehicle shown in Nolita Grey colour exclusive to First Edition

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O P E R A T O R

Schon jetzt ist dieser Stadt-SUV der Luxusklasse eine Legende. Mehr

denn je unterstreicht er inzwischen seinen Stand als Design-Ikone.

Und setzt zugleich neue Maßstäbe in Nachhaltigkeit und Vielseitigkeit.

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NEUE MODELLE

In allen Metropolen von London bis Schanghai ist der

Range Rover Evoque inzwischen so allgegenwärtig, dass

man fast vergisst, welch epochales Auto er eigentlich

war. Das Modell knüpfte bei seiner Premiere 2011 an das

radikale LRX-Konzept an und war umgehend ein Erfolg.

Bald kristallisierte sich seine Vormachtstellung heraus,

nicht nur für Land Rover selbst, sondern für die gesamte

Industrie. Mit seinem Zusammenspiel aus ansprechendem

Look, Luxus und kompakter Größe schuf er praktisch

im Alleingang ein neues Marktsegment für stadttaugliche

SUVs und sprach eine ganze neue Generation

von Käufern an. Durch sein zeitloses Design eine Seltenheit

in der Automobilwelt, in der Modelle oft schon

nach wenigen Jahren veraltet wirken avancierte er zu

einem der größten Verkaufserfolge des Jahrzehnts: Insgesamt

liefen fast 800 000 Einheiten vom Band. Das hatte

auch Auswirkungen auf den Hersteller selbst, der seither

bei allen seinen Modellen dem Design besondere

Aufmerksamkeit widmet, ohne Abstriche bei der legendären

Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit zu machen.

Was, wie jeder weiß, eine Herausforderung ist. Gerade

deshalb setzt der Range Rover Evoque erneut Maßstäbe.

Die Karosserie greift die unverkennbare Form des

Originals auf, doch wurde die von der schnittigen Dachlinie

und ansteigenden Taille geprägte Silhouette mit

viel Fingerspitzengefühl weiterentwickelt. In die perfekt

gestaltete Außenfläche sind die Türgriffe und die superschmalen

Matrix-LED-Frontscheinwerfer und -Rückleuchten

* sowie die Blinker harmonisch integriert. * Der

luxuriöse, aufgeräumte Innenraum lässt sich mit wertigen,

nachhaltigen Materialien wie Kvadrat-Wollgemisch

und Dinamica-Velours gestalten. Unterstrichen wird die

entspannte Innenatmosphäre vom großen Raumangebot:

Trotz der kompakten Länge von 4,37 m haben die

Insassen auf den Rücksitzen 80 % mehr Fußraum, während

das Kofferraumvolumen um 10 % gewachsen ist.

Modernste Konnektivität und Interface-Technologie

gehören wie selbstverständlich zur Ausstattung ** . Über

Apple CarPlay * ist eine Verbindung zum Smartphone,

über einen 4G Wi-Fi * Hotspot zum Internet und über

InControl Remote zum Fahrzeug möglich. Das

Twin-Touchscreen Touch Pro Duo System * arbeitet mit

intuitiver Software. Smart Settings * erfasst Ihre Vorlieben

mit KI-Algorithmen und bereitet den Innenraum

für Sie vor. Erhältlich ist ferner ein ganzes Arsenal an

Fahrerassistenzsystemen und Sicherheitstechnologie.

Komplett überarbeitet wurde auch die Fahrzeugarchitektur,

was sich in einer ruhigeren Fahrt niederschlägt.

Die Ingenium-Benzin- und Dieselmotoren bekommen

Unterstützung von einer 48-V-Mildhybrid- Option und einer

verbesserten Start-Stopp-Automatik, die bei weniger

als 17 km/h und gleichzeitiger Betätigung der Bremse

den Motor abschaltet, was den Verbrauch senkt. Ein

sparsamer Ingenium-Dreizylinder benziner und ein

PHEV-Hybrid werden noch 2019 angeboten.

Das Handling wurde auf mehr Agilität und Reaktionsfreude

hin ausgerichtet und ist damit ideal für enge

Großstadtstraßen. Autojournalist Ken Gibson hat den

Evoque in Athen ausprobiert. Blättern Sie um.

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„DIESES CHARAKTERVOLLE FAHRZEUG

VEREINT FINESSE UND FAHRSPASS.

ES ENTSTEHT EIN WICHTIGER

EMOTIONALER BEZUG ZUM AUTO.“

GERRY MCGOVERN, CHEFDESIGNER

SCHLECHTE AUSSICHT? HIER NICHT

Eine ganze Palette intelligenter Technologien sorgt im Range Rover Evoque

für bessere Sicht. Das System ClearSight Ground View* †† , eine Weltneuheit,

macht die Motorhaube praktisch „unsichtbar“, da es ein 180°-Bild vom Bereich

vor der Stoßstange auf den oberen Touchscreen überträgt. Das ist besonders

nützlich bei schwierigen Einparkmanövern, hohen Bordsteinen oder auf rauem

Terrain. Der neue ClearSight-Innenrückspiegel eliminiert tote Winkel. Ein

Handgriff zum Schalter genügt, und der Spiegel zeigt über eine Kamera an

der Karosserieoberkante, was sich hinter dem Fahrzeug befindet natürlich

in gestochen scharfer HD-Qualität und auch bei schlechten Sichtverhältnissen.

Damit verdoppelt sich die übliche 25°-Sicht.

*Optional erhältlich. ** Fahrzeugsysteme nur verwenden, wenn die Verkehrssicherheit es zulässt. Fahrer/innen müssen jederzeit die volle Kontrolle über ihr Fahrzeug haben. †† Erfordert eine 360°-Kamera.


Jedes Element im neuen

Range Rover Evoque

leistet seinen Beitrag zum

ausgefeilten Design, von

den versenkten Türgriffen

bis zu den schmalen

Scheinwerfern. Dennoch

bleibt die charakteristische

Silhouette erhalten.

25


GRIECHISCHER

GOTT

DER NEUE RANGE ROVER EVOQUE

VERBINDET VIRTUOS TRADITION UND

MODERNE. SEIN TERRAIN IST DER

STADTDSCHUNGEL. WIR HABEN SEINE

STREET CREDIBILITY IM ZEITLOSEN

ATHEN GETESTET.

TEXT K E N G I B S O N

FOTOS M I C H A E L S C H N A B E L

26


27


Nur wenige Städte verbinden jahrtausendealte Tradition

und Moderne so gelungen wie Athen. Die Geburtsstätte

der europäischen Kultur, Heimat der Akropolis

und des Parthenons, mag sich im Glanz der Vergangenheit

sonnen, ist aber zugleich ein pulsierendes Zentrum

mit viel zeitgenössischem Flair. Womit sie sich bestens

als Testgelände für den neuen Range Rover Evoque

eignet. Diese moderne Automobillegende hat die SUV-

Welt aufgemischt und den Hersteller Land Rover zu

einer weltweiten Ikone des Fahrzeugdesigns gemacht.

So wie die Akropolis die Architektur und Kultur der

Welt geprägt hat, so veränderte die Serie I von Land

Rover die Motorwelt. Doch die

Zeit bleibt nicht stehen, wie

die vielen auffallenden modernen

Gebäude beweisen, die

„KANN MAN BEIM

heute die Athener Skyline ÄUSSEREN VON

neben den Monumenten der

Vergangenheit prägen.

EINER EVOLUTION

Mit dem Ur-Evoque schuf SPRECHEN, SO

Land Rover ein zeitloses

Design, das von Anfang an so ERWARTET EINEN IM

perfekt war, dass es fortan nur

INNENRAUM EINE

noch behutsam angepasst werden

musste. So ist auch das ECHTE REVOLUTION

überarbeitete Modell sogleich

als Evoque erkennbar.

IN PUNCTO

Als ich den neuen Range

MATERIALIEN,

Rover Evoque zum ersten Mal

gesehen habe, war mir sofort TECHNIK UND

klar, dass die Designer erneut

ins Schwarze getroffen und ein LUXUS.“

Auto geschaffen hatten, das

sogleich aus der Masse herausragt.

Das ansprechende Seoul Pearl Silver ist lediglich

eine von vielen Lackfarben, die imagebewusste

Käufer ansprechen werden. Obwohl das Äußere nur

dezent verändert wurde, bekommt es durch einige

Details etwa die ultraschlanken LED-Schweinwerfer

und den Kühlergrill, die in die Tür eingelassenen Griffe

und die eleganten, um die Ecke gezogenen Rückleuchten

einen ausgeklügelteren, ausgereifteren Look.

Kann man beim Äußeren von einer Evolution sprechen,

so erwartet einen im Innenraum eine echte Revolution

in puncto Materialien, Technik und Luxus. Der

neue Evoque ist jeder Zoll ein Range Rover und braucht

einen Vergleich mit seinen großen Brüdern vom oberen

Ende der Skala nicht zu scheuen. Alles, was man anfasst,

wirkt wertig, vom weichen Leder * auf Sitzen, Türen und

Armaturenbrett bis zum Kvadrat-Bezug, einer umweltfreundlichen

Premiumalternative zum Lederbesatz.

Sofortige Konnektivität und die neuesten Technologien

sind wesentlicher Bestandteil jedes modernen

Autos. Auch der Evoque wartet mit einem Infotainment-System

mit Doppel-Display * auf. Es ist harmonisch

in Armaturenbrett und Mittelkonsole integriert, wodurch

der Innenraum aufgeräumt und logisch gegliedert wirkt.

Die Insassen sind über Android Auto und Apple Carplay

** sowie sechs USB-Ports und

einen 4G-WLan-Hotspot * vernetzt.

Besonders genieße ich den sofortigen

Zugang zu meiner eigenen

Playlist (das Radioprogramm vor

Ort war nicht so ganz nach meinem

Geschmack).

Als ich mich am frühen Morgen

in den Moloch Verkehr stürze,

fällt mir als Erstes auf, wie ruhig

alles im Innenraum bleibt der

Evoque ist dank der stark verbesserten

Dämmung eine Oase

luxuriöser Ruhe.

Ich darf die Benzin- und Diesel-Turboversion

mit zwei Liter

Hubraum testen, die beide laufruhig

und lebendig arbeiten. Zu

haben ist eine Neun-Gang-Automatik

und eine sportlichere traditionelle

Schaltversion, bei der ein

Ganghebel den Drehknopf ersetzt.

Der größte Fortschritt aber ist der 48V-Mild hybrid

ein Novum bei Land Rover. Das Aggregat arbeitet mit

Bremskraftrückgewinnung und speichert die Energie in

einer kleinen Batterie. Beim Anfahren wird sie zur

Motorunterstützung eingesetzt, was den Kraftstoffverbrauch

und die CO 2-Emissionen senkt. Sowohl die

Benzin- als auch die Dieselvariante sind damit ausgestattet.

Noch 2019 soll außerdem ein Plug-in-Hybrid mit

Drei zylinderbenzinmotor auf den Markt kommen.

Auf der Rückbank können Erwachsene nun dank mehr

Platz komfortabel sitzen, und auch das Ladevolumen

wurde auf 591 Liter 1 erhöht genug für zwei große

*Optional erhältlich. **Fahrzeugsysteme sollten nur dann benutzt werden, wenn die Verkehrssicherheit dadurch nicht beeinträchtigt wird. Der Fahrer muss jederzeit die

vollständige Kontrolle über das Fahrzeug haben. 1 Gesamtvolumen, nass: gemessen, als ob der Laderaum mit Flüssigkeit gefüllt wird.

28


Ob in schmalen Gassen oder auf breiten Durchgangsstraßen,

der Range Rover Evoque ist überall in der Stadt zu Hause.

Das verdankt er seinen kompakten Dimensionen, dem

luxuriösen Interieur und einer beachtlichen Leistung.

29


30


† Erfordert eine 360°-Surround-Kamera. * Optional erhältlich. ** Nur für Modelle mit Automatikgetriebe verfügbar

Koffer. Das Besondere daran: Der Evoque ist so kompakt

geblieben wie zuvor und hat nur beim Radstand

leicht zugelegt. Das heißt, dass man agil durch den

Berufsverkehr kommt und selbst in kleine Parklücken

schlüpfen kann ein echter Vorteil in Großstädten und

vor allem in Athen, wo es jeder eilig zu haben scheint

und das Vorankommen eine echte Herausforderung ist.

Ich vertraue darauf, dass mich das neueste, verschlankte

Navigation Pro * System zu den Pflichtsehenswürdigkeiten,

der Akropolis und dem Parthenon, bringt.

Es führt mich sogar zu einem der

seltenen Parkplätze im Schatten

der großen Ruinen. Die schiere „AUF DEN AUS FALL-

Größe der Akropolis raubt mir

den Atem. Ein unvergessliches STRASSEN,

Erlebnis, das auch nicht darunter

leidet, dass ich es mit Busladungen

von Touristen teilen muss. TRAGWEITE DER

BEGINNE ICH DIE

Nachdem ich mich sattgesehen

habe, genieße ich ein Moussaka VERBESSERUNGEN

in einem mit Urlaubern und aufgeregt

diskutierenden Einheimi-

ERST SO RICHTIG

schen vollgepackten Restaurant. ZU ERKENNEN.

Als ich den Evoque bald darauf

wieder durch enge Gässchen BE SONDERS GE FÄLLT

manövriere, wird mir klar, dass

MIR, WIE LEISE

Land Rover Handling und Komfort

gleichermaßen verbessert DER DIESELMOTOR

hat. Ich fahre zur belebten

Syn grou Avenue und durch das SEINEN DIENST TUT.“

florierende Innenstadtviertel

Metaxourgio, wo Gourmetrestaurants

und die neueste Mode, aber auch Street Art wie

die des lokalen Kunststars Sonke locken.

Kaum verlasse ich den lähmenden Stadtverkehr auf

zweispurigen Ausfallstraßen, beginne ich die Tragweite

der Verbesserungen erst so richtig zu erkennen. Besonders

gefällt mir, wie leise der Dieselmotor seinen

Dienst tut. Kann sein, dass man mit dem Evoque die

meiste Zeit im Großstadtgewühle unterwegs ist, aber

auf dem Land ist er ebenso zu Hause und gleitet dort

ruhig und gelassen dahin.

Abenteuerlustigere können jedoch sicher sein, dass er ein

authentisches Land Rover Kind mit Offroadkompetenzen

ist, die kein Rivale zu bieten hat. Als ich in den

spektakulären Bergen des Umlands durch felsgesäumte

Trassen steuere, macht mir das System Terrain Response 2 **

des Evoque unmissverständlich klar, wie souverän das

Auto jedes Terrain zu meistern imstande ist.

Gleichzeitig bekomme ich die Gelegenheit, zwei

wegweisende Hightech-Systeme auszuprobieren. Clear-

Sight Ground View *† schickt über Kameras eine

180°-Ansicht vom Bereich vor

dem Kühler ins Cockpit ideal

für das Fahren im Gelände

oder beim Bewältigen hoher

Bordsteine.

Das zweite ist der Clear-

Sight * -Innenrückspiegel. Der

Evoque der vorigen Generation

hatte ein schmales Heckfenster.

Stapelte sich reichlich

Gepäck im Kofferraum, war der

Blick nach hinten blockiert.

Nun verwandelt sich der Spiegel

in einen HD-Videobildschirm,

der mittels Kamera ein

klares Bild von hinten liefert.

Ich lasse andere ans Steuer,

um auch einmal das Leben auf

den Rücksitzen zu testen. Ein

beschaulicher Ort mit viel mehr

Kopf- und Beinfreiheit als vorher,

stelle ich fest, als wir auf

der Marco-Polo-Autobahn unterwegs sind. Der große

Entdecker hätte dieses Reisegefährt sicher genossen.

Nach zwei Tagen hinter dem Steuer ist mir klar: Der

ursprüngliche Evoque hat neue Maßstäbe gesetzt, doch

die neue Version legt die Messlatte noch einmal ein

Stück höher. Sie ist luxuriöser, ausgefeilter, technisch

ausgereifter, lässt sich besser fahren und sieht auch noch

cooler aus. Das neueste Baby aus dem Range-Rover-

Stall ist eine bravouröse Neuinterpretation des Originals

und auf dem besten Weg, zur Legende zu werden.

31


S T A D T

M O D E L

Adwoa Aboah, Aktivistin und Model, ist das Gesicht der neuen

Range Rover Evoque Einführungskampagne. Sie sprach

mit Onelife über ihre Liebe zu London und zu anderen Städten.

„Gebürtige Londoner sind einfach stark“,

sagt Adwoa Aboah. „Sie haben einen tollen

Humor und feiern bei jeder Gelegenheit

eine Party.“ Und vom Feiern versteht das

26-jährige Supermodel etwas kein Wunder

bei einer Karriere, die globale Fashion-Kampagnen

für Dior, Calvin Klein, Marc Jacobs

und andere renommierte Marken einschließt.

Adwoa ist für ihren Aktivismus ebenso

berühmt wie für ihren einzigartigen Look.

Und auf dem Laufsteg, zum Beispiel für Fendi

oder Chanel, ist sie der absolute Publikums-

Hit. Sie ist regelmäßig auf den Titelseiten

glamouröser Magazine zu sehen, darunter

auf dem Cover der Relaunch-Ausgabe von

Vogue. Kein Wunder, dass sie 2017 vom

British Fashion Council zum „Model des Jahres“

gewählt wurde. Ein weiter Weg seit ihrer

Kindheit in West-London, von der sie berichtet:

„Im Sommer spielte ich immer draußen

mit den Nachbarskindern. Wir waren fast nur

auf Rollschuhen unterwegs.“

Mit ihrem geschorenem Kopf, ihrem

Zahnjuwel und ihrer kompromisslosen Haltung

bietet sie selbst in der exzentrischen

Modeszene eine auffallende Erscheinung.

Ihre Eltern ihr Vater kommt aus Ghana,

ihre Mutter ist Britin gaben ihr den Vornamen

„Adwoa“ (Montagskind in der Sprache

der Westafrikaner).

Adwoa ist wie gesagt nicht nur Model,

sondern auch Aktivistin. Sie ist zum Beispiel

Mitbegründerin von Gurl’s Talk, einer Online-Plattform,

auf der junge Frauen ihre Probleme

diskutieren. Ihre Reisen führen sie rund

um die Welt am liebsten in Städte. Sie liebt

es, dort Neues zu entdecken und spricht

über ihre Traumstadt: „Dort gäbe es den

Portobello-Markt und die Golborne Road von

London, die Restaurants von Mexico City,

die Vintage-Shops und Karaoke-Bars von Tokio

und die breiten Straßen von Los Angeles.“

Adwoa verbrachte ihre Schulzeit in der

britischen Grafschaft Somerset. Sie erinnert

sich: „Ich hatte das Glück, sowohl das Stadtals

auch das Landleben kennenzulernen.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich es

kaum erwarten konnte, wieder nach London

zurückzukehren. Heute bin ich ja ständig

unterwegs und treffe dauernd neue Leute

und sehe neue Orte. Deshalb bin ich ganz

froh, manchmal nicht in der Großstadt zu

sein.“ Sie pendelt meistens zwischen England

und den USA hin und her, aber London

bleibt ihre Heimat: „Die Stadt ist Teil meiner

Identität. Ich werde immer Londonerin bleiben.

Ich liebe die Energie der City. Es ist hier

so dynamisch, ständig passiert etwas.“

Mode liegt Adwoa im Blut. Ihre Mutter

Camilla Lowther ist Gründerin von CLM,

einer Firma für kreatives Management.

Adwoa selbst wurde schon mit 16 von einer

Model-Agentur unter Vertrag genommen,

und ihre Schwester Kesewa ist ebenfalls

Model; sie arbeitet u. a. für das Modehaus

Alexander McQueen.

Adwoa und ihre Schwester stehen sich

nahe, aber Adwoa ist auch gern solo. „Ich

finde es wichtig, dass man sich wohlfühlt,

wenn man allein ist. Ich gucke viel Netflix,

ich lese, und ich laufe gern durch London

und beobachte Leute. Es gibt so viele schräge

Typen hier“, sagt sie. Und: „Ich fahre

auch gern im Auto durch Städte. Man lernt

sie dadurch wirklich gut kennen.“ Ihre Autoleidenschaft

war entscheidend für ihren Entschluss,

Star der Launch-Kampagne des

neues Range Rover Evoque zu sein. „Das

Fahrgefühl ist einfach fantastisch, und mir

gefällt das Nachhaltigkeitsprinzip“, meint

Adwoa. Sie bezieht sich dabei auf die

Verwendung natürlicher Materialien und den

Hybrid-Elektro-Antrieb des Autos.

Wenn man Adwoas hektischen nomadischen

Lifestyle bedenkt, fragt man sich

unwillkürlich, wo sie ihre Wurzeln findet.

„Bei meinen Freunden und meiner Familie.

Wenn ich sie um mich habe, fühle ich mich

zu Hause, ganz egal, wo ich bin.“ Und auch

die Atmosphäre von London begleitet sie

überall hin: „Was mir an London besonders

gefällt, ist seine enorme Vielfalt. Bei so viel

Unterschiedlichkeit lernt man, Mitgefühl und

Verständnis für andere zu bekommen.“

Das sind nicht die schlechtesten Prinzipien

für einen Weg durch den Großstadt dschungel

und durchs Leben. Adwoas Stern wird

sicher lich noch lange weiter leuchten.

TEXT: LOTTE JEFFS FOTO: OLIVIA MALONE/TRUNK ARCHIVE

32


33


DESIGN

34


I F E

D E S I G N E D

F O R

Mit einem Range Rover Velar besuchen wir ein

Meisterwerk des modernen Designs: eines

von wenigen europäischen Wohnhäusern,

die der berühmte modernistische Architekt

Richard Neutra aus Kalifornien entwarf.

TEXT L U K E P O N S F O R D

FOTOS G R E G W H I T E

35


DESIGN

„EINER VON NEUTRAS

ZENTRALEN GRUNDSÄTZEN

WAR DIE AUFHEBUNG

DER TRENNUNG ZWISCHEN

INNEN UND AUSSEN.“

Deutschlands grünste Stadt ist Wuppertal. Ein Drittel

des nordrhein-westfälischen Zentrums besteht aus Parks

und Wäldern. Kaum jemand käme allerdings auf die

Idee, in diesem beschaulichen, wenngleich etwas

un spektakulären Teil der Welt nach herausragenden

Beispielen moderner Architektur aus der Mitte des

20. Jahrhunderts zu suchen. Diese Art von silbern glänzenden

Glas- und Stahlbauwerken verortet man für

gewöhnlich eher über einem Canyon in Los Angeles

oder versteckt zwischen mächtigen Felsen und stacheligen

Kakteen in Kaliforniens Wüstenlandschaften.

Doch Wuppertal hält Überraschungen parat. Dazu

muss man nur die Stadtmitte verlassen und eine kurze

Strecke (wenngleich der luxuriöse Range Rover Velar

eher Lust auf einen längeren Umweg macht) bis zu einer

gewundenen Waldstraße fahren. Auf ihr gelangt man zu

einem dichten Wall aus Bäumen und Hecken. Dahinter

verbirgt sich eine der acht Villen, die der berühmte

Architekt Richard Neutra in Europa entworfen hat.

Der gebürtige Österreicher, einer der wichtigsten

Vertreter der Moderne, ging Anfang der 1920er-Jahre

nach Los Angeles. Die Stadt lockte ihn mit ausgedehnten

Flächen, viel Sonne und einem Gefühl der Freiheit.

Neutra arbeitete kurz für den wegweisenden Architekten

Frank Lloyd Wright, bevor er 1929 ein eigenes Büro

eröffnete. In dieser Zeit baute er das an frühe Wolkenkratzertechnologie

angelehnte Lovell House in LA, das

bis heute als eines der bedeutendsten Häuser des 20.

Jahrhunderts gilt. Es war das erste aus Stahl gefertigte

Wohnhaus in den USA, sorgte in der Architekturszene

für Furore und machte Neutra international bekannt.

In den darauffolgenden 50 Jahren entwarf und errichtete

Neutra oft in Zusammenarbeit mit seinem Sohn

Dion mehr als 300 Wohnhäuser und andere Gebäude,

die allermeisten davon an der US-Westküste. Besonderes

Augenmerk richtete er dabei auf die Wirkung des

Lichts und auf Ausblicke. Einen hohen Stellenwert hatten

ferner die Wünsche seiner Kunden. Was arbeiteten

sie? Welchen Umgang pflegten sie? Was wollten sie

hören und sehen?

Einer von Neutras zentralen Grundsätzen war die

Aufhebung der Trennung zwischen Innen und Außen.

Das erreichte er etwa durch eine Terrasse, die nur eine

gläserne Schiebetür von den Innenräumen trennt.

Damit brachte er das Draußen nach drinnen und umgekehrt.

„Ich würde sagen, prägend für den Neutra-Stil ist

der ‘Kontakt mit der Natur’“, lächelt Dion Neutra, der

mit inzwischen 92 Jahren nach wie vor das Neutra-Büro

in LA leitet. „Dieses Prinzip umzusetzen steht im Mittelpunkt

all unserer Entwürfe.“

Der ‘Kontakt mit der Natur’ mag im kühlen Europa

ein bisweilen frostiges Vergnügen sein, dennoch realisierten

Vater und Sohn zwischen 1960 und Neutras Tod

1970 vier Villen in der Schweiz, drei in Deutschland und

eine in Frankreich. „Die Leute fingen einfach an, uns

den Auftrag für Wohnhäuser zu geben“, erinnert sich

Dion. „Ich weiß nicht, wie das kam. Die ganzen [europäischen]

Entwürfe gingen auf Bauherren zurück, die

von uns gehört hatten und mochten, was sie sahen.“

Zu diesen Auftraggebern gehörte auch die Industriellenfamilie

Kemper in Wuppertal. Sie begeisterte sich

für den neuen West-Coast-Lebensstil in den

Rechts: Die Eigentümer

Manfred und Sarah

Hering haben das Kemper-Haus

so eingerichtet,

dass das Mobiliar zu

seiner einzigartigen

Designästhetik passt.

36


ARCTIC ADVENTURE

37


38


DESIGN

Links: Mehrere Reflexionsbecken

unterstreichen

die Beziehung des

Kemper-Hauses zur

bewaldeten Umgebung.

USA. 1963 kontaktierten sie die Neutras, die sich so gleich

auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück

machten. Nachdem sie ein 40 000 m 2 großes Areal aufgetrieben

hatten, begannen sie 1965 mit dem Bau, der

im August 1968 abgeschlossen wurde. Das fertige Haus

hatte 380 m 2 Wohnfläche, sechs Zimmer, Wände ganz

aus Glas und mehrere große offene Kami ne, außerdem

ungewöhnliche Räume wie das Au-Pair-Zimmer oder

den „Gentlemen´s Room“, in dem der aktuelle Besitzer,

Manfred Hering, derzeit sein Büro hat.

Hering erwarb das Haus 2016 und baut es gerade

wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück. „Als ich

es gekauft habe, erinnerte es an ein Boutique-Hotel“,

erklärt der 50-jährige Experte für die Restaurierung

klassischer Automobile und Liebhaber des Mid-Century-

Modernismus. „Alles war grau und beige. Die frühereren

Eigentümer hatten viel Holz einfach lackiert. Wir haben

uns alle Materialien angesehen, Bücher gekauft und die

Vorbesitzer gefragt mit dem Ziel, das Haus wieder so

in seinen damaligen Originalzustand zurückzuführen,

dass man nicht einmal merkt, dass es restauriert wurde.“

Das Kemper-Haus fügt sich hervorragend in die

bewaldete Landschaft ein. Das Wohnzimmer, ein Anbau

an das zweigeschossige Kerngebäude, wird von den

Original-Glaswänden gesäumt. Sie lassen viel Licht in

den überraschend wohnlichen Raum. Seine Decke ist

so gestaltet, dass man über die Glasfront konstant vom

Inneren des Hauses ins Freie verwiesen wird. Reflexionsbecken

auf den Flachdächern und hinter der Terrasse

spiegeln die Bäume und den Wald um das Gebäude.

Alles unterstreicht die Beziehung des Hauses zur Umgebung

und den ‘Kontakt zur Natur’.

Drinnen steht Originalmobiliar: ein Egg Chair von

Arne Jacobson, ein Sofa von Knoll und eine Panton-

Muschellampe. Sie beschwören das Lebensgefühl der

Mittsiebziger herauf Herings bevorzugte Zeit, wenn es

um Innendesign und luftgekühlte deutsche Sportwagen

geht. Das Haus Kemper ist kein nüchternes Monument

des Modernismus, sondern ein echtes Wohnhaus

genau wie Neutra es beabsichtigte. Er wollte Häuser für

Menschen bauen, nicht für Architekturkritiker. Das Heim

ist einladend und bequem, man fühlt sogleich zu Hause.

Das gilt auch für den Range Rover Velar draußen auf

der Terrasse: Er fügt sich bestens ein. Sein Design und

das des Hauses mögen Jahrzehnte trennen, aber beide

vereint eine reduktionistische Gestaltungsphilosophie,

eine elegante Einfachheit. Wie das Gebäude hat auch

der Velar nichts Irrelevantes an sich, nichts, was nicht

hingehört. Sich in das klare, aufgeräumte Cockpit zu setzen

fühlt sich an wie ein Besuch in der Zukunft. Genauso

muss es den Kempers vorgekommen sein, als sie im

Sommer 1968 einzogen. Der Raum, das Licht, das

generelle Understatement der Architektur, das war

damals etwas ganz Neues. Und wird es wieder sein.

„Es gibt noch viel zu tun, doch das Haus hat schon

jetzt seine ursprüngliche Atmosphäre wieder. Es hat seine

Seele zurückbekommen“, so Manfred. „Das ist meine

endgültige Bleibe. Hier werde ich definitiv meinen Le bensabend

verbringen.“ Und wenn man sich dieses leicht

deplatzierte Stück Südkalifornien in den grünen Hügeln

um Wuppertal ansieht, versteht man auch, warum.

39


ABENTEUER

FOTO: GETTY IMAGES/NICK BRUNDLE PHOTOGRAPHY

40


R Ü C K K E H R Z U M

N

I

L

Der Hollywood-Star Joseph Fiennes und sein Cousin, der legendäre Forscher Sir Ranulph

Fiennes, starteten in einem Land Rover zu einer abenteuerlichen Reise

durch Ägypten. Sie berichteten Onelife über großartige Sehenswürdigkeiten, unerwartete

Gefahren und die Schwierigkeiten, den Discovery über die Dünen zu steuern.

TEXT

G E O F F P O U L T O N

41


ABENTEUER

Wie kommt man einem Cousin näher, den man kaum

kennt? Indem man durch enge Tunnel kriecht, riesige

Sanddünen durchpflügt und Schlangen und Skorpionen

ausweicht und dabei noch von einem TV-Team gefilmt

wird? In der Meinung der meisten Leute wohl kaum!

Aber die meisten Leute haben eben nicht den berühmten

Forscher Sir Ranulph Fiennes zum Cousin.

Der Hollywood-Schauspieler Joseph Fiennes Star

der erfolgreichen TV-Serie Der Report der Magd war

begeistert von der Idee, Ägypten gemeinsam mit seinem

Cousin Sir Ranulph („Ran“) Fiennes zu erforschen.

Trotz der engen Verwandtschaft hatten sich die beiden

nur selten getroffen, und die Reise schien die ideale Gelegenheit

zum Kennenlernen zu bieten. „Aber als ein vager

Plan plötzlich Realität geworden war, wurde mir etwas

mulmig zumute“, erzählt Joseph. „Ich war wirklich

nicht gut genug vorbereitet und etwas nervös deswegen,

obwohl ich das zu verbergen suchte, als es losging.“

Zeuge seiner Nervosität war eine TV-Crew von National

Geographic, die einen dreiteiligen Dokumentarfilm

über die Expedition drehte (Sendetermin: Frühling

2019). Die Kameras waren dabei, als die beiden Cousins

dem Nil folgten und dabei Teile der Reise wiederholten,

die Sir Ranulph 1969 schon einmal unternommen

hatte. Sie hatte ihn damals von Alexandria bis zum

Victoria-See geführt.

Als Onelife die Cousins zu einem Gespräch traf,

schien es beiden Spaß zu machen, ihre Erfahrungen

beim Filmen in Ägypten mit uns zu teilen. Sie sparten

dabei nicht mit Anekdoten und boten im Doppel einen

faszinierenden Kontrast: Ran, der selbstironische, souveräne

Abenteurer, und Joe, der wortgewandte, schlagfertige

Schauspieler.

Ranulph Fiennes ist oft als der größte lebende Forscher

und Entdecker bezeichnet worden. Nicht umsonst:

Er hat beide Pole erkundet, Mount Everest

bestiegen, Marathon-Läufe auf sieben Kontinenten absolviert

und seine eigenen erfrorenen Fingerkuppen abgeschnitten.

„Meine größte Furcht dagegen bestand

aus Lampenfieber, wenn ich vor ein paar Hundert Leuten

auf der Bühne stand“, bekennt der 48-jährige Joe.

„Darum habe ich nur gehofft, dass Ran von seinem kleinen

Vetter nicht zu sehr enttäuscht sein würde.“

„Und ich dagegen habe befürchtet, dass du dich

fragen würdest: ‚Was will denn dieser tattrige Alte noch

draußen in der Wüste?’“ meint Ran (74) scherzhaft.

Joe sah seinen Trip zum Nil als Chance an, sich

selbst zu testen („zu sehen, wo meine Grenzen liegen“)

und eine Verbindung zu Ran aufzubauen: „Er war so

etwas wie eine legendäre Figur in unserer Familie, und

ich wollte herausfinden, was ihn antrieb.“ Für Ranulph

bestand die Herausforderung hauptsächlich darin, alte

Erinnerungen wieder aufleben zu lassen und gleichzeitig

neue Orte zu entdecken.

Wie bei so vielen Fiennes-Expeditionen spielte auch

diesmal ein Land Rover eine entscheidende Rolle: der

Discovery. Seit der Markeneinführung vor 30 Jahren hat

der Discovery nicht nur Ranulph Fiennes, sondern viele

andere Abenteurer, Forschungsteams und Stiftungen

bei globalen Expeditionen und Projekten unterstützt.

Man denke nur an die fantastische Reise des millionsten

Discovery von Birmingham nach Beijing im Jahr 2012.

Und im Discovery verdiente Joe sich seine ersten

Offroad-Lorbeeren, als er den Geländewagen durch die

Sanddünen der ägyptischen Wüste steuerte. „Du weißt

schon, dass du einmal so ziemlich die Kontrolle verloren

hast“, kommentiert Ran trocken. „Ja, tut mir leid“, antwortet

Joe. „Wir fuhren gerade eine riesige Düne hinauf

und Ran sagte: ‚Mehr Tempo!’ Oben hätte ich langsamer

werden müssen, tat es aber nicht, und so

krachten wir auf der anderen Seite hinunter. Unser Gepäck

flog überall herum, unsere Knochen wurden

durchgeschüttelt. Aber Ran blieb ganz ruhig.“

Das blieb er auch beim Umgang mit Giftschlangen,

Skorpionen und Spinnen, der Teil eines Sicherheitskurses

war, den die beiden in der Nähe von Kairo absolvierten.

„Ran hat Angst total im Griff. Und ich wollte

ihm beweisen, dass ich Gefahren durchaus gewachsen

war“, sagt Joe. „Ja, du hast dich eigentlich ganz gut

gehalten“, gibt Ran zu.

Die beiden erzählen, wie sie durch einen nur 50 cm

hohen Tunnel kriechen mussten, um kürzlich entdeckte

Gräber bei Al-Minya zu erreichen. „Joe war da viel

schneller als ich, da er so sportlich und gelenkig ist“,

sagt Ran. „Und wenn er Angst hatte, dann hat er sie

nicht gezeigt. Aber es war ein tolles Erlebnis. Zu den ersten

Menschen zu gehören, die nach mehreren Tausend

Jahren diese Mumien sahen, war ein unwahrscheinliches

Privileg. Das allein war die ganze Reise wert.“

Und Joseph Fiennes konnte sogar seinen künstlerischen

Neigungen nachgehen. Als Ausgleich zum Wüstenabenteuer

nahm er jede Gelegenheit zum Zeichnen

oder Fotografieren wahr. „Wenn ich allein unterwegs

war, sei es in der Natur oder in den Souks, legte ich

gern Pausen ein, um die Schönheit Ägyptens einzufangen.“

Diese Schönheit wird ihn sein Leben lang begleiten.

Aber noch wichtiger als die Pyramiden oder Abu

Simbel waren für ihn die Begegnung mit seinem Cousin

und das, was er durch ihn lernte: Welche Risiken man

eingehen kann, wie man seine Ausdauer steigert und

wie man seine Grenzen testet.

Ran nickt und fügt hinzu: „Wenn ich insgeheim

Zweifel hatte, dass ein Schauspieler den extremen Bedingungen

dieses Trips gewachsen war, dann hat Joe

sie komplett widerlegt. Das liegt wohl in der Familie.“

Und vielleicht wird es ja in Zukunft noch mehr abenteuerliche

Reisen für Mitglieder der Familie Fiennes geben.

Mit einem Land Rover natürlich.

FOLGEN SIE DEN SPUREN

der Fiennes und erleben Sie ihre Expedition durch Ägypten mit:

natgeo.com/worldsgreatestexplorer

FOTOS: MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON NATIONAL GEOGRAPHIC UND JOSEPH FIENNES

42


„RAN HAT ANGST

TOTAL IM

GRIFF. UND ICH

WOLLTE IHM

BEWEISEN, DASS

ICH GEFAHREN

DURCHAUS

GEWACHSEN WAR.“

43


M O N D S C H E I N

S O N A T E

Von den zwölf Menschen, die jemals

einen Fuß in eine andere Welt gesetzt

haben, leben nur noch vier. Charlie Duke

ist einer von ihnen. 50 Jahre nach der

ersten Mondlandung hat Onelife diesen

außergewöhnlichen Mann getroffen

einen Weltraumforscher, der im wahrsten

Sinne des Wortes die Mondscheinsonate

vernommen hat und sie bis heute noch

vor sich hin summt.

TEXT V A I S H A L I D I N A K A R A N

FOTOS D A N I E L A U F D E R M A U E R

45


Links und oben: Charlie Duke

trägt sein Missionsemblem mit Stolz.

Unten links: Duke (links) mit den

beiden anderen Mitgliedern der

Apollo 16 Crew, Thomas Mattingly

und John Young. Unten: der zehnte

Erdbewohner, der die Oberfläche

einer anderen Welt betrat.


EXPLORATION

FOTOS: GETTY IMAGES/SCIENCE & SOCIETY PICTURE LIBRARY/CONTRIBUTOR, GETTY IMAGES/ROLLS PRESS/POPPERFOTO/CONTRIBUTOR

Charlie Duke war schon immer ein Abenteurer. Der Wunsch,

ständig etwas Neues zu entdecken und zu erforschen, begleitete

ihn sein ganzes Leben lang ob er nun als 12-jähriger Junge die

vielen Felsen und Höhlen auf Coronado Island in Kalifornien

auskundschaftete oder als 83-Jähriger durch die Wildnis wandert,

die zu seinem Grundbesitz im Staat South Carolina gehört. Seine

wichtigste Expedition jedoch, die ihn berühmt machen sollte, fand

1972 statt, als er über den Mond spazierte. Seine Fußabdrücke sind

bis auf den heutigen Tag zu sehen.

Wir treffen uns allerdings an einem ganz anderen Ort einem

ruhigen Café in Zürich. Dort erzählt Charlie Duke mir von den

Abenteuern, die außer ihm nur drei andere noch lebende Männer

erfahren haben. Seine Augen leuchten auf und seine Stimme klingt

beinahe ehrfürchtig, als er von der fast 50 Jahre zurückliegenden

epischen Mission von Apollo 16 berichtet.

„Für mich ist diese Erfahrung vor allem mit

einem Gefühl von Wunder verbunden“, „DIE RAUMFAHRT

sagt er. „Nicht wie ein Traum, aber man

kann es kaum glauben, dass man eine

HILFT UNS,

solche Erfahrung tatsächlich gemacht hat

einer von nur zwölf Menschen zu sein,

ANTWORTEN AUF

die den Mond betreten haben.“

UNSERE STÄNDIGEN

Als er hinter seinem Befehlshaber,

Mission Commander John Young, aus der FRAGEN ZU

von ihm gesteuerten Mondlandefähre

FINDEN UND DIE

stieg, wurde Charlie Duke zum zehnten

und mit 36 Jahren jüngsten Menschen, SCHÖNHEIT DES

der seinen Fuß auf die Mondoberfläche

setzte. Es war der bedeutendste

UNIVERSUMS

„Spaziergang“ seines Lebens und erfüllte

UND SEINER

seinen lang gehegten Wunschtraum.

Er muss an ein geologisches

SCHÖPFUNG ZU

Forschungstraining der NASA im Grand

Canyon denken, wo er in seinem

VERSTEHEN.“

Schlafsack lag, nachts zum Mond aufsah

und sich fragte, ob er wohl auch eines

Tages dort hinkommen würde. Und als er tatsächlich endlich dort

war, fühlte er eine ungeheure Mischung aus Triumph und Freude.

„Ich bin endlich auf dem Mond! Auf dem Mond!“ Das war sein

einziger Gedanke, als seine Füße wieder und wieder den

Mondstaub berührten. Charlie lacht auch jetzt noch vor Freude.

Ihr Mondfahrzeug brachte die beiden Weltraumfahrer von einer

Stätte zur anderen. Sie umfuhren riesige Felsbrocken, blickten in tiefe

Mondkrater, hämmerten Gesteinssplitter lose und sammelten alle

möglichen Proben für NASA. Alles, was sie sahen, erregte ihr

Staunen und ihre Neugier. „Was könnte in diesem Krater sein? Was

finden wir da drüben? Es war ein einziges Wunder und ein

aufregendes Abenteuer zugleich!“ Die Erinnerung bringt Charlies

Gesicht zum Leuchten.

Noch faszinierender als die Oberfläche des Mondes fand Duke

allerdings die „atemberaubend schöne“ Sicht der Erde vom

Weltraum aus. Dieser Anblick ließ ihn nie wieder los und brachte

ihn zu der Erkenntnis: „Ganz egal, aus welchem Land wir kommen

wir wohnen alle auf dem Raumschiff Erde und müssen lernen,

einander zu lieben.“ Er kann sich noch genau an den Anblick

erinnern: „Drei Farben stachen hervor das Braun der Landmassen,

das kristallene Blau der Meere und das Weiß der Schneegipfel und

der Wolken. Der Edelstein Erde schwebte im Schwarz des

Weltraums.“ Ein Schwarz so reich und samtartig, dass es zum

Anfassen einlud.

Vielleicht kann man den Kontrast zwischen der hellen,

sonnenbeleuchteten Erde und dem tiefschwarzen All als Metapher

für Charlie Dukes eigenes Leben ansehen. Auch da gab es Hell und

Dunkel. Die dunkelste Phase folgte auf seine Rückkehr zur Erde:

„Wieder zu Hause, dachte ich nur: Was machst du den Rest deines

Lebens? Wo liegen die neuen Herausforderungen?“ Statt zufrieden

zu sein, endlich sein Ziel erreicht zu haben, fühlte er sich leer und

unerfüllt. Die Energie, die ihn auf den Mond

getrieben hatte, brannte noch in ihm, aber er

wusste nicht, wohin er sie lenken sollte. Sein

innerer Kampf hätte fast seine Familie zerstört.

Erst in der Religion fand er seinen Frieden und

die Kraft, seine persönlichen Beziehungen zu

heilen. Auf weltweiten Vortragsreisen

berichtete er von seinem inneren Wandel,

seiner Reise zum Mond und seiner darauf

folgenden Reise zu Gott.

„Ich halte es für meine Pflicht, meine

Erfahrungen und meine Begeisterung zu teilen

vor allem mit jungen Leuten“, sagt er. „Man

muss sie anfeuern und ihnen erklären, dass

man nie weiß, wohin das Leben einen führt.“

Charlie Duke zeigt immer noch lebhaftes

Interesse für Raumfahrt, vor allem seit ein

neuer Wettlauf im All entbrannt ist: diesmal

nicht zwischen Nationen, sondern zwischen

privaten Firmen wie SpaceX, Orbital, Blue

Origin und Virgin Galactic. „Ich kann mir

durchaus vorstellen, dass in der Zukunft

riesige Wohnmodule die Erde umkreisen werden. Ich finde

auch, dass man eine bemannte Forschungsstation auf dem

Mond einrichten sollte. Und ja wir werden irgendwann auf

dem Mars landen“, sagt er mit Nachdruck.

Da er die Großartigkeit des Alls selbst erlebt hat, ist es kein

Wunder, dass Duke ein überzeugter Verfechter bemannter

Weltraumflüge ist und nicht nur wegen des technischen

Fortschritts, den diese bedeuten. Für wichtiger hält er die Erfüllung

eines menschlichen Grundbedürfnisses, nämlich den Drang nach

neuen Entdeckungen und Erfahrungen. „Wir sind fragende Geister,

wir sind neugierig und wissbegierig. Das treibt uns voran. Die

Raumfahrt hilft uns, Antworten auf unsere Fragen zu finden und die

Schönheit des Universums und seiner Schöpfung zu verstehen.“

Auch in einem über 80-jährigen Astronauten ist dieser Antrieb

nicht erloschen, denn Charlie Duke schließt mit einem Lächeln:

„Ja, hin und wieder denke ich natürlich, wie schön es sein würde,

noch einmal zum Mond zurückzukehren.“

47


COUNTDOWN

48


D I E L E T Z T E

G R E N Z E

Virgin Galactic und andere Unternehmen bereiten

die ersten kommerziellen Weltraumflüge vor. Also auf zum

Countdown ins All für Touristen.

Möglicherweise haben schon unsere frühesten

Vorfahren zum Sternenhimmel aufgeschaut

und davon geträumt, diese unbekannten Sphären

zu erforschen. Der Traum, von weit oben die Erdkrümmung

zu verfolgen, könnte nun endlich Wirklichkeit

werden und zwar nicht nur für die Astronauten

staatlicher Weltraumorganisationen. Denn

eine neue Ära bricht an die der kommerziellen

Raumfahrt. Das heißt, dass irgendwann in nicht

allzu ferner Zukunft auch normale Sterbliche die

Gelegenheit haben werden, die Wunder des

Kosmos selbst zu erleben.

Vorreiter dieser neuen Entwicklung ist das britisch-amerikanische

Unternehmen Virgin Galactic.

Am 13. Dezember 2018 gelang der privaten Firma

der große Sprung nach vorn, als das Trägerflugzeug

VMS Eve mit dem Raumschiff VSS Unity

von der Mojave-Wüste in Kalifornien aus ins All

startete. Nach Abkoppelung vom Mutterschiff

zündeten die Piloten von Unity die Triebwerke auf

eine Brennzeit von 60 Sekunden, so dass das

Raumschiff fast dreifache Schallgeschwindigkeit

erreichte und die Erdatmosphäre verließ. Das war

ein wichtiger Meilenstein: Zum ersten Mal hatte

ein bemanntes, für kommerzielle Passagierflüge

gebautes Raumschiff das Weltall erreicht. Die Piloten

erhielten die „Commercial Astronaut

Wings“, ein offizielles Abzeichen für die Absolvierung

eines Raumflugs.

Aber bemannte Raumflüge dienen nicht nur

dem Zweck zu beweisen, dass sie möglich sind.

Laut Richard Branson, dem britischen Unternehmer,

Philanthrop und Gründer von Virgin Galactic

wird die Demokratisierung der Raumfahrt „den

Weltraum für alle öffnen und die Welt ein für alle

mal verändern.“ Das Ziel von Virgin Galactic ist,

unsere Weltsicht zu revolutionieren. „Der Weltraum

ist nicht nur für die Zukunft des Transports

wichtig, sondern auch für die Zukunft unserer Vorstellungskraft“,

meint George Whitesides, CEO

von Virgin Galactic. Mit anderen Worten: Es geht

nicht nur um erhöhte globale Mobilität, sondern

auch um ein erweitertes Bewusstsein.

Land Rover, seit 2014 exklusiver Automobilpartner

von Virgin Galactic, hat bei dieser Mission

seine eigene Rolle zu spielen nämlich die,

Versorgungsfahrzeuge für die Einrichtungen in der

Mojave-Wüste und für den futuristischen Weltraumbahnhof

Spaceport America in New Mexico

zu liefern. Nach Inbetriebnahme regulärer kommerzieller

Raumflüge werden die Fahrzeuge auch

für den Transport von auszubildenden Astronauten

zwischen den verschiedenen Stationen eingesetzt,

die sie während der dreitägigen Vorbereitung für

die Raumflüge benutzen. An Flugtagen werden

die Land Rover dann die Crew zur Startrampe fahren

und nach der Landung zum Spaceport America,

damit die frisch gebackenen Raumfahrer ihren

Erfolg feiern und ihre Astronauten-Schwingen in

Empfang nehmen können.

Die Partnerschaft geht über reine Bodenunterstützung

hinaus: Virgin Galactic und Land Rover arbeiten

mit STEM zusammen, einer Organisation,

die weltweit die naturwissenschaftlich-technische

Ausbildung von Jugendlichen fördert. Beide Firmen

veranstalten auch Events für die 600 Personen,

die sich bereits zu einem Raumflug mit Virgin

Galactic angemeldet haben Mitglieder der exklusiven

Future Astronaut Community. Diese Events

finden überall in Land Rover Experience Centers

statt und bereiten die zukünftigen Raumfahrer auf

ihre große Reise ins All vor.

STRATOSPHÄRISCHER LUXUS

Wenn man einmal im Raumschiff im All war, werden

einem dann schlichte Landfahrzeuge langweilig

erscheinen? Nicht, wenn man danach einen Range Rover

Astronaut chauffiert. Dieses Modell, ein Produkt von

Land Rovers Special Vehicle Operations, ist Luxus pur

und verbindet erstklassige Ingenieurtechnik mit

ikonischem Design. Jede Ausgabe des Fahrzeugs weist

individuell gestaltete Merkmale auf, zum Beispiel

mehrschichtige Farbebenen, die vom Nachthimmel

inspiriert sind, oder eine Konsole, angefertigt aus dem

hölzernen Bremsklotz von Raumschiff Unity komplett

mit Inschrift. Diese Extras können später gegen

Äquivalente vom Raumflug des jeweiligen Kunden

ausgetauscht werden. Das Astronaut-Modell können nur

Interessenten erstehen, die sich bei Virgin Galactic zum

Future Astronaut-Programm angemeldet haben.

49


XXXXXXX REISEN LEFT

E L E C T R I C

D R E A M S

Shenzhen hat sich zum Ziel gesetzt, Blaupause

für die Stadt von morgen zu sein. Das will sie

nicht zuletzt mit ihrer fortschrittlichen elektrischen

Verkehrsinfrastruktur erreichen. Wir

haben die innovative, chinesische Metropole in

einem Range Rover Sport PHEV * erkundet.

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RIGHT XXXXXX

* Range Rover Sport P400e Plug-in Hybrid: Stromverbrauch, kombiniert: 23,1-22,5 kWh/100 km. Kraftstoffverbrauch,

kombiniert: 3,2-3,1 l/100km. CO2Emissionen, kombiniert: 74-71 g/km

TEXT N A T H A N I E L H A N D Y

FOTOS S T E F E N C H O W

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REISEN

Eine Stadt, die von einer Phalanx aus gläsernen

Wolkenkratzern am Rand eines riesigen Naturhafens

geprägt wird ... die als wirtschaftlicher Motor des Landes

dessen höchstes Pro-Kopf-Einkommen verzeichnet ...

und die vielleicht wichtiger als alles andere von Einwanderern

geprägt wird. Nein, nicht New York ist gemeint,

sondern das Shenzhen des 21. Jahrhunderts, das

mehr als jede andere Stadt für das neue China steht.

Shenzhen feierte Ende 2018 den 40. Geburtstag.

Die Stadt wurde 1978 vom damaligen Parteiführer Deng

Xiaoping gegründet. Sie war sein

erstes Projekt im Rahmen seines

Plans, China nach außen zu öffnen.

Ausgewählt wurde der verschlafene

Fischerort, weil er direkt an das

finanzielle Drehkreuz Hongkong

angrenzt. Die einfache Fabrikstadt,

aus der die allermeisten Made-in-

China-Erzeugnisse in westlichen

Haushalten stammen, wuchs zu

einer Metropole mit 13 Millionen

Einwohnern heran, in der heute

Techno-Giganten wie Huawei, Tencent

und Alibaba ihren Sitz haben.

Shenzhen eilt mit Riesenschritten

voran auch in die Zukunft.

„Ich kann mich nicht erinnern,

wann ich das letzte Mal eine Brieftasche

dabeihatte“, hörten wir von

vielen Einheimischen. Vom Parken

über Restaurantbesuche bis zum

einfachsten Streetfood kann alles per Smartphone

bezahlt werden. Die Wolkenkratzer mögen weiter rasant

wachsen, doch ist auch die hohe Lebensqualität in der

Stadt nirgendwo mehr zu übersehen.

Die Straßen sind sauber und grün, die Parks schön.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Freizeit zu genießen, ob

in Hochglanz-Einkaufszentren oder dem ungewöhnlichen

OCT-LOFT-Kreativviertel, ob in Galerien und Museen

oder in Restaurants, in denen von Sichuan-Spitzenküche

bis hin zu Sushi und Pariser Cuisine alles serviert wird.

SHENZHEN HAT

SICH DEM UMWELT­

FREUNDLICHEN

URBANEN WOHNEN

VER SCHRIEBEN.

STADT HAT EINES

DER DICHTESTEN

NETZWERKE AN

LADESÄULEN.

Vor allem aber hat sich Shenzhen mit dem Nachhaltigkeitsprojekt

International Low Carbon City dem

umweltfreundlichen urbanen Wohnen verschrieben.

Letztes Jahr wurde die komplette Bus- und Taxiflotte auf

Elektroantrieb umgestellt. Inzwischen hat die Stadt eines

der weltweit dichtesten Netzwerke an Ladesäulen. Deshalb

ist der Verkehrslärm von Shenzhen eher ein Summen

denn ein Tosen. Kann es ein geeigneteres Terrain

für den Range Rover Sport Plug-in Hybrid * geben? Willkommen

in der Zukunft, wie Shenzhen sie sieht.

Überall in der Stadt stößt man

auf Werbung, in der es heißt: „Sobald

du nach Shenzhen kommst,

bist du ein Shenzhener.“ Das zeigt,

wie offen die Stadt ist. Wir begegnen

Tat Lam vom sozialen

Start-up-Unternehmen Shanzhai

City im neu gebauten Bezirk Houhai,

wo viele der Stahl- und Glastürme

von Shenzhen gerade buchstäblich

in den Himmel wachsen.

DIE

Zwischen all den Trägern und

Bauhelmen erklärt Tat, welche einzigartige

Identität sich in wenigen

Jahrzehnten hier herausgebildet

hat: „Shenzhen ist die Start-up-Version

einer Stadt. Wenn sie nicht

innovativ bleibt, hat sie keinen

Wert mehr. Sie ist immer auf der

Suche nach dem nächsten Ding.“

Diese Energie wird befeuert

von Menschen, die aus ganz China auf der Suche nach

etwas Neuem herbeiströmen. Hier finden sie alles von

Craft-Bier bis Designertee mit Frischkäsehaube. Wer

durch die Straßen des umgenutzten Lagerhausviertels

von OCT-LOFT streift, stößt auf schwach beleuchtete

Fitnessstudios mit Chesterfield-Ledersofas neben Hantelbänken

und das provisorische, scheinbar halbfertige

OCT Contemporary Art Terminal, wo gerade eine

Retrospektive mit Plastiken, 3D-Drucken und Filmen des

Künstlers Sui Jianguo zu sehen ist.

Das elegante, stilvolle

Shenzhen übernimmt die

neuesten Trends nicht

nur, sie initiiert sie auch.

Oben links: Tat Lam,

Gründer eines sozialen

Start-ups, zwischen

den rasch wachsenden

Hochhäusern der Stadt.

* Range Rover Sport P400e Plug-in Hybrid: Stromverbrauch, kombiniert: 23,1-22,5 kWh/100 km. Kraftstoffverbrauch,

kombiniert: 3,2-3,1 l/100km. CO2Emissionen, kombiniert: 74-71 g/km

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REISEN

* Range Rover Sport P400e Plug-in Hybrid: Stromverbrauch, kombiniert: 23,1-22,5 kWh/100 km. Kraftstoffverbrauch,

kombiniert: 3,2-3,1 l/100km. CO2Emissionen, kombiniert: 74-71 g/km

Menschen wie der

Hightech-Erfinder Robin

Wu (oben rechts) und

Seth Li, Gründer eines

Innovationslabors (links),

sind die treibende Kraft

hinter dem Aufstieg von

Shenzhen als innovativer

Ideenschmiede.

„Shenzhen besteht aus einer Reihe urbaner Dörfer,

in denen sich Neues organisch entwickelt“, erklärt Tat.

„Man kann also von einer ‘Stadt für Menschen’ sprechen.

Megaprojekte sind passé, stattdessen entscheidet

die Bevölkerung, welche Innovationen im Kleinen funktionieren;

die beliebtesten setzen sich dann durch.“

In den letzten 20 Jahren ist aus einigen dieser kleinen

Ideen etwas ganz Großes geworden. In einem drei

mal drei Kilometer großen Block befinden sich die

Hauptsitze der Firmengiganten Alibaba, Tencent und

Huawei, außerdem der weltweit führende Drohnenhersteller

DJI. Eine solche Entwicklung

kann vieles mit sich bringen, was

gar nicht cool ist, etwa Schmutz,

„DIE MEISTEN

Smog und Lärm. Aber auch in dieser

Hinsicht hat Shenzhen ein paar STÄDTE MÜSSEN

clevere Ideen. Gegenüber der

Bucht ragen die grünen Berge von MIT DER LAST DER

Hongkong aus dem Hitzedunst.

GESCHICHTE

Von der einstigen Kronkolonie hat

sich die Stadt einiges abgeguckt. LEBEN, SPRICH DER

„Die Nachbarmetropole hat ihre

Berge in Parks umgewandelt“, BESTEHENDEN

erklärt Tat. „Inzwischen besteht INFRASTRUKTUR.

auch die Hälfte von Shenzhen aus

Grünflächen, was in China fast SHENZHEN DAGEGEN

ohne Beispiel ist.“

KANN SICH NEU

Das Grüne beschränkt sich aber

nicht auf die Berge, die sich bis in ERFINDEN.“

die Stadtmitte ziehen. Bei einer

dank des Elektroantriebs im PHEV *

fast geräuschlosen Fahrt durch die

Stadt sehen wir, dass Palmen und tropische Kletterpflanzen

jede Straße säumen. Tiefer, schattiger Unterwuchs

gleicht Beton und Glas aus. Sogar von Wolkenkratzerfassaden

hängen Pflanzen. Entlang dieser grünen Gürtel

fahren wir von der Autobahn herunter zu Parkplätzen mit

Ladesäulen zwischen Palmen und Rasenflächen. Auch

Wasser ist allgegenwärtig in Form von Wasserspeiern,

Kaskaden oder ruhig daliegenden Gewässern.

„Wir hatten die Wahl, etwas besser zu machen oder

nichts zu tun. Also entschieden wir uns für nachhaltige

Entwicklung“, so Tat. „Die meisten Städte müssen mit

der Last der Geschichte leben, sprich der bestehenden

Infrastruktur. Shenzhen kann sich neu erfinden, doch die

Initiative kommt nicht von oben. Eine Innovation in einer

Stadt mit 100.000 Einwohnern zu testen bringt wenig.

Hier kann man sie in einer 13-Millionen-Stadt in Windeseile

realisieren. Da eröffnen sich schnell neue Wege.

Robin Wu versteht sich besser als die meisten darauf,

etwas im Großen umzusetzen. „Wer nach 1980 geboren

ist und in die Stadt kommt, geht nicht mehr weg“, weiß

er. „Wir müssen alles geben. Die meisten Erfolgsstorys

hier werden von Menschen wie mir geschrieben, die aus

anderen Provinzen stammen.“ Robin wurde in den Bergen

der Provinz Jiangxi geboren. Vor zehn Jahren

gehörte er einer Gruppe von IT-Spezialisten an, die

durch Verbesserung von Smartphone-Features

wie Dual-SIM-

Cards die Entwicklung vorantrieb.

Inzwischen ist er davon überzeugt,

dass die Risikophase in der Geschichte

von Shenzhen vorbei ist.

„Wir produzieren nicht mehr

nur, sondern sind innovativ und halten

im Wettbewerb mit den Besten

der Welt mit“, schwärmt er. „Wir

versuchen Produkte zu verbessern,

die noch nicht auf den westlichen

Märkten zu finden sind.“

In der Hand hält er seine neueste

Innovation: ein kreditkartengroßes

Gerät, das man ins Smartphone

steckt, damit es sich über

einen Projektor oder Bildschirm in

einen Laptop verwandelt. Bestechend

einfach. Robins Unternehmen

MeeGoPad, ein Ableger des

traditionellen Herstellers Huajian, ist eine Innovations zelle,

die kreative Risiken nicht scheut. Viele Projekte werden

durch Crowdfunding finanziert.

„MeeGoPad ist fast schon eine Art Club“, so Robin.

„Menschen mit unterschiedlichsten Background kommen

zusammen und teilen ihr Wissen, um Neues zu

schaffen. Die Richtung unserer Produktlinie ist offen: Wir

gehen dorthin, wo ein Bedarf besteht.“ Er blickt hinaus

zu den Wolkenkratzern um uns herum. „In Shenzhen

geht es nicht einfach darum, Geld zu machen. Wir wollen

das Leben der Menschen verbessern und eine bessere

Gemeinschaft erreichen. Hier im Viertel gibt es

300 Unternehmen, aber sie vergessen nicht die Kleinen.

Denn vor gar nicht allzu langer Zeit waren wir alle klein.“

55


REISEN

Am anderen Ende der Stadt versucht das Shenzhen

Open Innovation Lab, die „Kleinen“ der Stadt mit Industriedesign-Unternehmen

in Kontakt zu bringen. „Wir

wurden als FabLab gegründet“, erklärt Projektkoordinator

Seth Li. FabLab, ein in den USA entwickeltes Konzept,

bietet Projektmanagement sowie Website- und

Hardware-Design für Kleinunternehmer, die ein Produkt

erfolgreich umsetzen möchten. „Wir stellen Produktionsmaschinen

zur Verfügung, damit jemand Prototypen

herstellen kann. Jeder kann sich an uns wenden; wir bieten

Workshops an und halten Vorträge. Wer will, kommt

einfach zum Ideenaustausch vorbei.“

Dieser Austausch findet in Shenzhen auf jeder

Ebene statt. Wir steigen in den vorgekühlten Range

Rover Sport * , den wir in der Nähe

einer Ladestation geparkt haben,

und fahren zur Design So ciety in

Shekou, der einstigen Hafengegend

der Stadt.

„Unser chinesischer Name

bedeutet eigentlich Design Interconnected“,

erklärt die Stellvertretende

Direktorin Rong Zhao. „Wir

wollen eine Brücke sein zur Welt,

zur Gesellschaft vor Ort und zwischen

den Herstellern und Industriedesignfirmen

von Shenzhen.“

Vor acht Jahren beauftragte der

Konzern China Merchants den

ja panischen Architekten und

Gewinner des Pritzker-Preises,

Fumihiko Maki, mit dem Entwurf

eines öffentlichen Kulturzentrums

für Shekou, das im Dezember 2017

eröffnet wurde. „Shekou ist ein

besonderer Ort“, so Rong. „Hier

begann die Öffnung nach außen. Wir waren das Versuchslabor

von Shenzhen.“ China Merchants legte einen

Hafen als Tor zur Welt an. Mit der Design Society wollen

sie erneut internationale Beziehungen knüpfen.

Rong: „Es findet gerade ein Wandel von ‘Made in

China’ zu ‘Created in China’ statt. Shenzhen war die

erste chinesische Stadt, die von der UNESCO 2008 als

‘City of Design’ ausgezeichnet wurde. Wir knüpfen daran

an mit der ersten Initiative, ein staatliches europäisches

Mu seum nach China zu holen.“ Daraus entstand eine

Zusammenarbeit mit dem Londoner Victoria and Albert

DER AUSTAUSCH

VON IDEEN

FINDET IN

SHENZHEN AUF

JEDER EBENE

STATT. EIN MIX

AUS KUNST UND

INNOVATION

DURCHDRINGT

DIE STADT

Museum, was sich in einer V&A-Dauerausstellung in der

Design Society und einem Ideenaustausch niederschlug.

„Ein Wagnis für beide Seiten“, räumt Rong ein. „Wir

brachten die Museumsvertreter mit Designverbänden,

Hightech-Firmen und Schulen zusammen. Sie revanchierten

sich mit Projekten wie Rapid Response Collecting,

bei dem Bürger Objekte stiften, die ihrer Meinung nach

für die Gemeinschaft stehen. So ist in der Ausstellung

des V&A inzwischen eine Schuluniform aus Shenzhen zu

sehen.“ Selbst das Gebäude, in dem die Design Society

untergebracht ist, bezieht die Einwohner von Shenzhen

mit ein. „Alles ist offen“, erklärt Rong. „Man kommt

übergangslos von drinnen nach draußen. Treppen verbinden

den Dachgarten mit den Parks der Umgebung.

Wir haben das Land der Bevölkerung

zurückgegeben.“

Auch kulturell wird zurückgegeben:

Die jüngste Ausstellung würdigte

traditionelle chinesische

Hand werkskunst in den Bereichen

Papier, Möbel und Keramik, hob

aber auch ihren Stellenwert für das

21. Jahrhundert hervor.

„Mehr denn je sollte man an

modernen Orten, an denen das

Leben pulsiert, die alte Handwerkskunst

nicht vergessen“, findet

Jovana Bogdanovic vom Designtrio

PINWU, dessen viel gerühmter

Papierstuhl für Hermes Teil der

Ausstellung ist. „Handwerkskunst

beeinflusst Architektur, Design,

Lebensstil und Küche.“

Dieser Mix aus Kunst und Innovation

durchdringt die Stadt mittlerweile.

Im Artron Arts Centre ist

eine Installation des berühmten chinesischen Pyrotechnikers

Cai Guo-Qiang vor der mit 30 Meter Höhe und

50 Meter Länge weltweit größten Bücherwand aus

kunstgeschichtlichen Werken zu sehen.

Shenzhen ist gerade dabei, über seine kreative Antwort

auf Technologie, Stadtkultur und das Bemühen um

Nachhaltigkeit eine neue Rolle für sich zu finden. Ganz

gleich, was dabei herauskommt, die Stadt wird nie stillstehen.

Die Zukunft wird von jenen geformt, die sich

bewegen. Und wer sich mit Shenzhen-Geschwindigkeit

bewegt, ist ein Schrittmacher.

Rong Zhao von der

Design Society (oben)

sieht ihre Organisation

als kulturelle Brückenbauerin

zur Welt

draußen. Rechts: die

Rekordbücherwand im

Artron Centre.

* Range Rover Sport P400e Plug-in Hybrid: Stromverbrauch, kombiniert: 23,1-22,5 kWh/100 km. Kraftstoffverbrauch,

kombiniert: 3,2-3,1 l/100km. CO2Emissionen, kombiniert: 74-71 g/km

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W

P

I

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R

S

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R

L

D

I

E

C

N

H

Die Firma Bamford Watch

Department spezialisiert sich

auf maßgeschneiderte

Luxus-Zeitmesser. Onelife macht

einen Offroad-Trip mit Gründer

(und Land Rover-Fan) George

Bamford, um mehr über seine

Uhrenleidenschaft zu erfahren.

TEXT L U K E P O N S F O R D

FOTOS A L E X A N D E R R H I N D

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„LUXUS BEDEUTET JA NICHT NUR, DASS EIN PRODUKT TEUER IST.

ES MUSS AUCH STIL UND PERSÖNLICHKEIT HABEN.“

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HANDWERKSKUNST

Links oben: George

Bamford und eine

Auswahl seiner besten

Stücke. Unten:

unterwegs in den

Cotswolds im liebevoll

restaurierten Land Rover

110 Abschleppwagen.

Es wäre untertrieben zu sagen, dass George Bamford

Land Rover mag. Er liebt sie. Er besitzt insgesamt

14, alle in den Garagen seines Anwesens in den britischen

Cotswolds verstreut. Darunter befinden sich ein

Defender, etliche ehemalige Armeefahrzeuge vom Typ

Land Rover Wolf, eine gefährlich aussehende Kreation

namens „The Beast“ und ein kürzlich restaurierter

Land Rover Defender 110 Abschleppwagen, Baujahr

1972. Es ist also nur logisch, dass unser Gespräch in

einem dieser Fahrzeuge auf matschigen Nebenstraßen

stattfindet und nicht im vornehmen Londoner Stadtviertel

Mayfair, wo der Hauptsitz vom Bamford Watch Department

liegt. Das Haus trägt den Namen „The Hive“

(der Bienenstock) und ist das Epizentrum des Unternehmens,

das Bamford vor 16 Jahren gründete, nachdem

er sich entschlossen hatte, nicht in die Familienfirma

einzutreten keine geringere als JCB, führender

Hersteller von Bau- und Landmaschinen und eine der

reichsten Industrie-Dynastien Großbritanniens.

Im Hive werden die Kunden empfangen und können

dort ihre eigenen maßgeschneiderten Uhren kreieren

von Farben und Formen bis zu Zeigern und Zifferblättern.

Bamford liebt diese Details, denn seine Uhrenleidenschaft

fing bereits in der Kindheit an. „Ich stamme ja

aus einer Ingenieursfamilie“, erklärt er, während der

Truck einen schlammigen Abhang hinunterrutscht. „Die

Mechanik liegt mir im Blut. Schon als kleiner Junge

nahm ich den Fernseher oder den Entsafter auseinander

nicht gerade zur Freude meiner Eltern“, erinnert er

sich schmunzelnd. „Als ich 16 war, schenkten sie mir

eine Uhr eine Breitling Navitimer, die ich prompt auch

auseinandernahm. Das freute sie noch weniger.“

Aber die Breitling Navitimer schlug bei Bamford wie

ein Blitz ein. Seitdem ließ ihn die Uhrenleidenschaft nicht

mehr los. Er studierte zwar Fotografie (an der Parsons

School of Design in New York), aber er war auch ständig

auf Flohmärkten zu sehen auf der Jagd nach alten Zeitmessern,

die er zerlegte und wieder zusammenbaute. So

fand er buchstäblich heraus, wie eine Uhr tickt.

Bamford fand zwar das Innenleben der Uhren faszinierend,

aber vom Design war er meistens nicht begeistert.

„Mir fiel auf, dass viele der in Massenproduktion

hergestellten Luxusuhren gleich aussahen: immer dasselbe

schwarze Zifferblatt, immer dasselbe Stahlgehäuse“,

meint er. „Also beschloss ich 2003, meine Tag

Heuer Monaco zu personalisieren. Ich ließ alles schwarz

beschichten Zifferblatt, Gehäuse, alles. Das war meine

erste individualisierte Uhr.“

Seine Freunde bewunderten Georges schwarze

Monaco, und viele wollte auch eine.

Also ließ er weitere herstellen und das Bamford

Watch Department war geboren. Zu Anfang konzentrierte

sich die Firma auf die Personalisierung von Rolex-Uhren

vor allem auf den schwarzen Cosmograph Daytona.

Aber Rolex selbst hielt gar nichts von Georges Interpretationen

klassischer Rolex-Designs. Ein Grund war, dass

die Bamford-Behandlung der berühmten Zeitmesser

(schwarze Ummantelung, verschiedene Farben für

Zeiger und Zifferblätter) zum Erlöschen der Garantie

führte und damit zu Problemen beim Kundendienst.

Trotzdem blühte das Geschäft mit der Personalisierung,

und Bamford konnte weitermachen. Er eröffnete sogar

seine eigene Kundendienstabteilung im Obergeschoss

des Londoner Hauptsitzes. Bald galt BWD weltweit als

Marktführer für kundenspezifische Rolex-Uhren.

Das Schicksal meinte es weiterhin gut mit der Firma.

2016 fand George Bamford Unterstützung beim multinationalen

Luxuskonzern LVMH. „Dieser Deal verbesserte

unsere Position beträchtlich“, meint George und

steuert den Land Rover eine steile Steigung hinauf,

„denn jetzt konnten wir unsere Produkte mit Herstellergarantie

anbieten.“

BWD verzichtete jetzt auf Rolex und konzentrierte

sich auf drei Luxus-Zeitmesser, die LVMH im Angebot

hatte: Tag Heuer, Zenith und Bulgari. Bamfords riesige

Bandbreite an Spezialisierungen war nun voll legitim

und ermöglichte es den Kunden, ihre Uhren ganz nach

ihrem eigenen Geschmack zu konfigurieren. Sie hatten

dabei schier unbegrenzte Optionen. Gleichzeitig begann

BWD mit der Produktion eines eigenen Uhren-

Sortiments, darunter die Bamford London Mayfair und

die GMT Auto, die etwas erschwinglicher sind als die

sonstigen Modelle.

„Die Mayfair gibt es in 49 Farben“, strahlt George.

„Und für einen kleinen Aufpreis können wir sie noch

weiter personalisieren. Luxus bedeutet ja nicht nur, dass

ein Produkt teuer ist. Es muss auch Stil und Persönlichkeit

haben. Beides geht Hand in Hand. Ich liebe individuelle

Autos, also will ich auch individuelle Uhren anbieten.

Puristen lehnen meine Methode vielleicht ab,

aber ich gebe dem Kunden, was er persönlich will.“

Diese Philosophie machte sich bezahlt. Die Firma

hat heute weltweit eigene Läden und Händler; in Asien

und in den USA warten neue Märkte. George Bamford

hat sich ein kleines Imperium aufgebaut, das sich durchaus

neben dem seiner Familie JCB sehen lassen

kann. Er bietet mittlerweile auch andere Produkte an,

zum Beispiel Kosmetika und Accessoires.

Was steht als nächstes auf dem Bamford-Programm?

Veredelte Autos? Individualisierte Privat-Jets?

George lächelt kaum merklich, als er den Land Rover

wieder auf den gekiesten Fahrweg zum Haus lenkt.

„Na, zuerst einmal bringen wir kurz vor dem Sommer

eine neue Uhr auf den Markt, und dann gibt es vielleicht

neue Partnerschaften, total unabhängig von

LVMH“, erklärt er. „Und hätten Sie mir vor zehn Jahren

solche Fragen gestellt, dann hätte ich mir unsere jetzige

Situation nicht einmal im Traum vorstellen können.

Auch heute denke ich mir immer noch: ‚Wann bricht

das alles zusammen?’“ Er lacht. „Aber dann denke ich

an die tollen Marken, mit denen ich arbeite. Im Moment

scheine ich auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen,

und das genieße ich in vollen Zügen.“

Zu dieser Sonnenseite gehören sicherlich auch seine

Land Rover.

Mehr über BWD auf bamfordwatchdepartment.com

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TEXT S O P H I E B R O W N

FOTOS N E I R I N J O N E S

B A T E

B O L A

Onelife erforscht ein Kulturphänomen, das sich einmal jährlich in den

Seitenstraßen von Rio de Janeiro abspielt und diese in ein Meer von

Farben taucht (und nein, es ist nicht Rios berühmter Karneval, den alle kennen).

Wie ein neuer Dokumentarfilm zeigt, geht es um ...

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RIGHT XXXXXX

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KULTUR

Fächer, Federboas, knallbunte Fummel und alles, was nur

irgendwie funkelt und glitztert, verwandeln Rios Stadtteil

Guadalupe einmal pro Jahr in ein Zentrum explodierender

Energie. In prächtigen Kostümen, furchterregenden Masken

und farbiger Gesichtsbemalung ziehen die Karnevalsgruppen

durch die Straßen. Oft werden traditionelle historische

Figuren dargestellt, aber Neondesign und schillernde Dekorationen

sorgen für eine total moderne Note. Der Look ist

schrill, übertrieben und oft vulgär, aber trotzdem majestätisch.

Die Gruppen bereiten sich ein Jahr auf den Event vor,

um dann wie eitle Pfauen vor dem Publikum zu stolzieren.

Farbiger Rauch und strahlendes Feuerwerk erfüllen die Luft.

Lärmende Kinder toben durch die Straßen, aufgeregt und

stolz auf ihr Viertel und „ihre“ Karnevalsgruppe.

Dieses erstaunliche Spektakel wurde von den Filmemachern

Ben Holman und Neirin Jones in einem neuen Kurzfilm

eingefangen. Der englische Titel lautet This is Bate

Bola. Der Film macht zur Zeit auf Filmfestivals die Runde

und demonstriert dem Publikum die weniger bekannten

Aspekte des Karnevals von Rio.

Es wäre falsch, Bate Bola nur als eine Nebenshow des

eigentlichen Karnevals zu sehen. Es handelt sich vielmehr

um eine richtige Subkultur: Zahlreiche Gruppen aus den

ärmeren Vierteln („Favelas“) von Rio bereiten themenorientierte

Umzüge vor, die in einem surrealen Wettbewerb

zwischen den einzelnen Stadtteilen enden. Alle Kostüme

und Requisiten sind sorgfältig handgemacht. Seine Wurzeln

hat Bate Bola sowohl in afrikanischen als auch in europäischen

Karnevalsbräuchen, die spielerische, aber

auch grausame Züge aufwiesen. So zogen zum Beispiel

maskierte Männer durch die Straßen und schlugen Tierblasen

auf den Boden, um die Menge zu erschrecken.

Heute sind die Blasen durch Plastikkugeln ersetzt worden,

die man an einen Schläger heftet: daher der Name Bate

Bola („den Ball schlagen“).

Der britische Dokumentarfilmer Ben Holman ist ein richtiger

Globetrotter, wie man an seinem Pass sehen kann.

„Plane deinen Traumurlaub und finde dann einen passenden

Film dazu“ ist seine Devise. Das Ergebnis ist eine Reihe

von ausgesuchten Filmen mit bewegenden Storys aus aller

Welt. Holman ist wie seine Filme warm, ansprechend und

sympathisch. Er liebt die Action, wie man an seinem Gipsbein

sehen kann. „Ein Beinbruch beim Filmen, aber zum

Glück kein Halsbruch“, grinst er.

Einer seiner Kindheitsträume war es, zur Jahrtausendwende

Silvester am Strand von Copacabana zu feiern.

Nachdem er das geschafft hatte, ließ ihn Brasilien nicht

mehr los, und er pendelt ständig zwischen London und Rio

hin und her. „Als Teenager hatte ich Freunde aus Südamerika.

Durch sie wurde eine Verbindung zur Kultur des Kontinents

geschaffen.“ Er erzählt, dass er zu Beginn der Dreharbeiten

von Bate Bola schon ein mulmiges Gefühl gehabt

hätte. Filme wie Stadt Gottes zeigten nicht das heitere

Strandleben, sondern die dunklen Seiten Rios. Er meint:

„Ja, natürlich gibt es dort Gangster und Verbrechen. Aber

Omas und Kinder müssen mit dieser Situation leben und

so ihren Alltag bewältigen. Und wenn ich dort arbeite,

muss ich mich diesen Bedingungen anpassen.“

Holman ist begeisterter Amateurboxer. Er staunte nicht

schlecht, als er in einer der berüchtigten Favelas von Rio

eine NGO (Nichtregierungsorganisation) entdeckte, die

Box-Training zur „persönlichen Weiterentwicklung“ organisierte.

Das entsprach so gar nicht der stereotypen Vorstellung,

die man von den Favelas hatte, und Holman war fasziniert.

Er baute eine enge Beziehung zu der Box-Community

auf, filmte sie bei ihrer Arbeit und machte sie damit über

die Grenzen des Stadtviertels hinaus bekannt. Alan Duarte,

ein Mitglied der Community, gründete daraufhin seine eigene

NGO. Holman bewunderte sein Engagement und beschloss,

Alans Story zu erzählen. Das Resultat war The Good

Fight und wurde 2017 beim Tribeca Filmfestival zum besten

dokumentarischen Kurzfilm gewählt. Danach flossen Fördergelder,

die es Holman ermöglichten, Jugendliche in Rio zu

unterstützen und weitere Filme zu drehen.

Ben Holmans Filme sind experimentell und intim zugleich.

Man kann die Atmosphäre, die Spannung und die

sinnliche Power eines Moments spüren. Sie bilden eine Plattform

für Randgruppen. Holman erklärt:

„In meiner Arbeit geht es oft

um Orte und Menschen, die missverstanden

oder falsch repräsentiert

werden. Ich will die Wirklichkeit

schildern und nicht den

üblichen, durch die Medien geprägten

Vorstellungen folgen. In

Bate Bola wollte ich das Herz und

die Wärme zeigen, die ich in den

Ben Holman gab seinen Job in einer

Favelas vorfand. Denn es gibt dort

Londoner Werbeagentur auf und wurde ein absolut starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Bate Bola ist so

Dokumentarfilmer. In seiner Arbeit

beleuchtet er versteckte, unbekannte

Events und Geschichten aus aller Welt. lebendig und dynamisch. Es geht

um den Lärm, den Geruch, die

verrückte Atmosphäre. Die Show

ist fröhlich und schön, aber gleichzeitig auch etwas kantig

und unheimlich wie die Favela-Communitys selbst.“

Holman sieht Bate Bola als Beispiel dafür an, wie etwas

erst durch Bewertung von außen zur Anerkennung im

eigenen Land gelangt. „Die Menschen hinter Bate Bola

sind sonst unsichtbar. Sie müssen erst Masken aufsetzen,

damit man sie wahrnimmt. Sie sind nur in ihrem eigenen

Viertel bekannt. Niemand sonst zollt ihnen Respekt oder

lobt ihre wunderbaren Kostüme und die Kunst, die damit

verbunden ist.“

Das Spektakel von Bate Bola kann man bei den Filmvorführungen

oft miterleben. Bei speziellen Screenings in

Chicago und London stand das Publikum; brasilianische

Musiker und die Band des Filmkomponisten Ben Lamar

spielten live einen halb komponierten, halb improvisierten

Soundtrack. Nach der Show gab es eine Karnevalsparty,

bei der riesige Lautsprecher für die richtigen „Vibes“ sorgten.

Holman hofft, dass der Film dem Event Bate Bola

endlich die Aufmerksamkeit bringt, die ihm gebührt, und

dass dieses neu erweckte Interesse über die üblichen

„Karneval in Rio“ Klischees hinausgehen wird.

„Für mich ist Rio die schönste und die hässlichste Stadt

der Welt“, sagt Ben Holman. „Ich habe Schattenseiten kennen

gelernt, aber gleichzeitig habe ich in jeder Woche, die

ich dort verbracht habe, immer einen echt magischen und

außergewöhnlichen Moment erlebt.“

FILM ANSCHAUEN Sehen Sie This Is Bate Bola und erfahren

Sie mehr über Ben Holmans Werk bei www.beijafilms.com

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RIGHT XXXXXX

„DIE SHOW IST

FRÖHLICH UND SCHÖN,

ABER GLEICHZEITIG

AUCH KANTIG UND

UNHEIMLICH WIE DIE

FAVELA-COMMUNITYS

SELBST.“

65


KLASSIKER

GET UP, STAND UP

Als das Classic Works Reborn

Team einen Range Rover mit einer

seltsamen Patina aufstöberte, ahnte

es noch nicht, dass es auch ein

Stück Musikgeschichte vor sich hatte.

TEXT D A N D R A G E

Das Land Rover Classic Works Reborn Programm

wurde vor zwei Jahren gestartet. Es ist ein Musterbeispiel

für Liebe zum Detail und tief verwurzelter Beharrlichkeit.

Die Absicht des Projekts ist es, Vorzeige-Modelle

aus der Geschichte der Marke zu lokalisieren und diese

dann zu ihren ursprünglichen Werksspezifikationen zu

restaurieren. Das ist ein mühsamer Prozess, bei dem die

Aufarbeitung alter Teile mit moderner Präzisionstechnik

verbunden werden muss. Land Rover sind klassische

Globetrotter, die man überall auf der Welt unter allen

Bedingungen findet von den höchsten Gipfeln bis zu

den tiefsten Tälern, von städtischen Metropolen bis zu

einsamen Wüstenstationen, von

extremer Hitze bis zu arktischen

Temperaturen. Bedeutet das ein

Problem oder eine traumhafte

Chance für Land Rover

Enthusiasten?

„Auf jeden Fall eine Chance“,

sagt Calum McKechnie von Classic

Works. „Unsere Mitarbeiter

sind ja geradezu besessen von

Land Rovern sie kennen jede

Schraube, jede Mutter, jedes Karosserieteil.

Ganz gleich, ob ein

Defender aus einem rumänischen

Kuhstall abgeschleppt werden

muss ober ob ein Range Rover

oben im Himalaya restaurierungsbedürftig ist wir haben

für jedes Projekt eine Schlange Freiwilliger.“

Die meisten Fahrzeuge, die dem Reborn-Programm

gespendet wurden, haben eine Geschichte hinter sich.

Serienmodelle treffen ein, die vielleicht nur einen

neuen Anstrich brauchen, oder aber eine vollständige

Personalisierung. Oder eine totale Umnutzung des

Fahrgestells: das ursprüngliche Fahrzeug wurde zum

Feuerwehrauto, zu einer mobilen Bibliothek oder

zum Gastronomiewagen umgebaut. Aber ein Fund aus

der jüngsten Vergangenheit begeisterte selbst die

Team-Mitglieder von Classic Works, die schon alles

gesehen hatten und umso mehr, wenn sie an Reggaeund

Roots Music interessiert waren.

„Wir erhielten einen Tipp, dass ein zweitüriger

Range Rover, Baujahr 1980, erhältlich wäre. Er hätte eine

höchst ungewöhnliche Geschichte“, erzählt McKechnie.

In der Tat: Produziert in Solihull, wurde der Rover zuerst

nach Deutschland exportiert, bald darauf aber nach

Jamaika verschifft. Dort wechselte er seine Farbe von

Masai Red zu einer Mischung aus Schwarz, Blau und

Grün. Und diese Kreation pendelte dann ständig zwischen

Jamaika und England hin und her. „Wir waren

fasziniert und wollten die Vorbesitzer herausfinden. Der

erste Fahrzeugschein war auf den Namen Robert Nesta

Marley ausgestellt. Wir hatten tatsächlich Bob Marleys

Range Rover gefunden.“

Bob Marley und Land Rover das scheint auf den

ersten Blick nicht zusammenzupassen, aber es war eine

lange und tiefgehende Beziehung. Marleys anderer

Land Rover ein 1976er Series III Truck wurde bereits

wiederentdeckt und 2015 restauriert (siehe Kasten).

FOTO: GETTY IMAGES/DENIS O´REGAN/CONTRIBUTOR

66


67


68


KLASSIKER

FOTO: GETTY IMAGES/KIRK WEST/CONTRIBUTOR, AUTO-MEDIENPORTAL.NET

Aber warum brauchte der Reggae-Star denn zwei dieser

Automobil-Ikonen? Um eine Antwort zu finden,

muss man auf Marleys Kindheit zurückblicken. Er wuchs

im kleinen Küstenort Saint Ann im Norden Jamaikas

auf, der dafür bekannt ist, dass er zu einem Nährboden

für Reggae-Talente wurde zum Beispiel für Burning

Spear, Shabba Ranks und Marcus Mosiah Garvey.

Abgesehen davon ist Saint Ann ein raues, von Landwirtschaft

bestimmtes Gebiet. Um es zu erschließen,

brauchte man idealerweise einen Off-Roader, und

da entschied man sich meistens für einen Land Rover

Bob Marley natürlich auch. Und dieser ersten Liebe ist

er dann sein Leben lang treu geblieben.

Sein Series III Modell blieb zum großen Teil unverändert,

aber Marley (oder Mitglieder seiner Familie) waren

der Meinung, dass der Range Rover etwas aufgemöbelt

werden musste und zwar farblich. „Die neuen Farben

spiegeln echt Marleys persönlichen Stil wider“, sagt

McKechnie. „Schwarze Motorhaube, grüne Türpaneele,

dunkelblaues Dach so etwas hatten wir vorher noch

nie gesehen.“

Bei weiteren Recherchen stellte man bei Classic

Works allerdings fest, dass Marley nicht selbst zum Malerpinsel

gegriffen hatte: Den Job hatten seine Kinder

ausgeführt, und zwar Stephen, Rohan und Julian Marley.

Sie befanden sich noch im

schulpflichtigen Alter, als

„BOB MARLEYS

sie beschlossen, den Land

Rover zu verwandeln. Sie

KINDER HATTEN

können sich alle noch daran

erinnern, wie ihr Vater sie

ZUM MALERPINSEL

in eben diesem Fahrzeug

GEGRIFFEN, NICHT zur Schule, zum Fußball

und zu verschiedenen

ER SELBST.“

Clubs fuhr. Vor allem bei

Rohan haben der Range

Rover und der Series III

Land Rover einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der

frühere American Football Spieler besitzt heute auf Jamaika

im Landkreis Portland eine Kaffeeplantage.

„Ich liebe es, in meinem Land Rover durch die Kaffeefelder

zu fahren“, sagte Rohan in einem Interview mit

der BBC, das anlässlich des Konzerts zum 70. Geburtstag

seines Vaters stattfand und bei dem der Defender

der Serie III zu bewundern war. „Man sieht überall noch

Landbesitzer, die 1970er Land Rover fahren. Diese Klassiker

sind einfach nicht tot zu kriegen.“

Das nächste Kapitel in der Lebensgeschichte des

neu entdeckten Range Rover wird jedoch noch geschrieben.

„Zuerst müssen wir uns für eine Farbe entscheiden“,

sagt McKechnie. „Entweder wir kehren ganz zum ursprünglichen

Masai Red zurück, oder wir behalten die

Farben des Marley-Clans. Danach sind noch mehrere

andere Entscheidungen zu treffen: Sollen wir das Auto

zur Versteigerung geben, es dem Bob Marley Museum

spenden oder es in unsere eigene Kollektion aufnehmen?

Das Letztere wäre mir persönlich am liebsten,

denn ich bin ein großer Marley-Fan und hänge sehr an

seinem alten Range Rover.“

Der legendäre Reggae-

Star Bob Marley war auch

Auto-Fan mit Vorliebe für

ausgefallene Modelle.

FALLSTUDIE:

MARLEYS ANDERER LAND ROVER

Der Range Rover (ganz oben), der nun bei Classic Works auf

seine Restaurierung wartet, ist nicht der erste wieder aufgetauchte

Land Rover, der sich in Marleys Besitz befand. Sein

blauer Defender der Serie III (oben) wurde 2015 generalüberholt

und war Star eines Konzerts zum 70. Geburtstag der verstorbenen

Reggae-Legende. Die Hotelkette Sandals Resorts,

Vertreter von Land Rover auf Jamaika, arbeitete mit Top-Mechaniker

Stephen James von ATL Automotive zusammen,

ebenso mit dem US-Autozulieferer Rovers North und Bob

Marleys Familie. Gemeinsam gingen sie die Restaurierung an.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, selbst wenn die Präzision

nicht ganz so perfekt ist wie z.B. bei Classic Works. Auf jeden

Fall ist Marleys Land Rover wieder fit für Fahrten über die

wunderschöne Insel Jamaika.

MEHR ERFAHREN Auf Land Rovers Social Media Kanälen finden Sie in

Zukunft Updates zu Bob Marleys Range Rover. Wenn Sie Ihren eigenen

Klassiker restaurieren lassen wollen, gehen Sie zu jaguarlandroverclassic.com

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D I E B E S T E N

V O N B O R N

Die Land Rover BORN Awards zelebrieren originelles Design, und die Gewinner

von 2018 erfüllten die hohen Anforderungen an Stil und Substanz.

70


INNOVATION

Erfolgreiches Design muss sich nicht nur heute, sondern

auch in der Zukunft bewähren. Und das ist keine

leichte Aufgabe. Land Rover selbst gibt das perfekte

Beispiel: Von den Land Rover Series über den Defender

bis zum Range Rover Evoque hat Design immer eine

führende Rolle gespielt. Es erfüllte nicht nur einen

Zweck, sondern beeindruckte auch die Öffentlichkeit.

Auch außerhalb der Autobranche ist Design gefordert.

Manche Marken sind besser als andere, wenn es

darum geht, perfekte Formen zu erzielen. Man denke

nur an Zippo-Feuerzeuge, Anglepoise-Leuchten,

Schweizer Taschenmesser oder Panton-Stühle: Alle Produkte

sind sowohl ästhetisch als auch funktional. Und

genau diese Eigenschaften wollten die BORN Global

Awards 2018 belohnen.

Die Awards wurden 2018 zum zweiten Mal von

Land Rover mitgesponsert. Die Auszeichnungen belohnen

weltweit Kreativität, Design und Erfindungsgeist

in verschiedenen Lifestyle-Kategorien. BORN

wurde von Jean-Christophe Chopin als digitales Premium-Netzwerke

für Kreative und als potenzieller globaler

Markt für designbestimmte Produkte gegründet.

Die Awards feiern inspirierende und Aufsehen erregende

Produkte und deren Erfinder. Die Konkurrenz ist

groß: In diesem Jahr gab es über 7.000 Bewerber aus

sechs Regionen der Welt. Von den 7.000 kamen 48 in

die nähere Auswahl. Die endgültige Entscheidung

wurde dann bei der Preisverleihung im Londoner Design

Museum bekanntgegeben.

Links: das clever

elektrifizierte Brompton-

Faltrad. Ganz oben:

Gerry McGovern, Chief

Designer bei Land Rover,

preist die Gewinner

der Awards. Oben: Will

Carleysmith und David

Rhys mit ihrer Trophäe

für das E-Brompton-Rad.

In der Kategorie Mobilität gab es einen britischen Triumph:

Zum Sieger wurde die Elektro-Version des

Brompton Fahrrads erklärt. Das beliebte Faltrad ist ein

Design-Klassiker, dessen Merkmale sich seit Produktionsbeginn

1981 kaum verändert haben. Zahllose

Londoner Pendler klappen es täglich zusammen, wenn

sie in den Zug oder die U-Bahn steigen, um es ebenso

problemlos auf dem Rückweg wieder zu entfalten und

nach Hause zu radeln. Das Brompton ist zu einem Symbol

für urbane Freiheit und Tür-zu-Tür-Konnektivität geworden.

Die elektrische Variante, die letztes Jahr auf den

Markt kam, war ein Plus für den boomenden E-Bike-Markt.

Sie besticht mit einem ausgeklügelten Faltsystem, das

aber sehr einfach für den Benutzer ist. Innerhalb von

10 bis 20 Sekunden lässt sich das Brompton komplett zusammenfalten.

Der leicht abnehmbare Akku treibt einen

kompakten 250-Watt-Motor an, der in der Nabe des

Vorderrads untergebracht ist. Jetzt müssen auch

Faltrad-Fahrer nicht mehr auf zusätzliche Power verzichten,

wenn sie eine Steigung hochstrampeln müssen.

Alles in allem: ein wohlverdienter Sieg beim

BORN-Wettbewerb. Gerry McGovern, Land Rovers

Chief Design Officer und einer der Preisrichter des

Events, drückte es so aus: „Um einzigartiges Design

zu erzielen, braucht man Vorstellungskraft, Intellekt,

Scharfsinn und mehr als nur ein bisschen Weisheit.“

Auf der nächsten Seite stellen wir die übrigen

Gewinner vor eine eindrucksvolle Liste künftiger

Design-Stars und ihrer Produkte.

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01

72


BORN AWARDS 2018:

MEHR ERSTE PREISE

01 INTERIEUR

Die Arrangements von Michael Anastassiades sind

erstaunliche Leuchtkörper, die etwas Juwelenartiges

haben. Die Hängelampen, die er für die britische

Firma Flos entworfen hat, bestehen aus einem

Baukasten-System geometrischer Lichtelemente,

die miteinander verbunden sind und faszinierende

Lichtketten bilden.

Zweiter Preis: Ilia Potemine, Isp Lamp (Frankreich)

02 ARCHITEKTUR

Cino Zucchi entwarf das neue Hauptquartier des

italienischen Kaffeekonzerns Lavazza in Turin. Sein

markantes Design sicherte ihm den ersten Preis in der

Kategorie Architektur. Das Gebäude („La Nuvola“

die Wolke) steht auf dem Gelände eines ehemaligen

Kraftwerks. Das Herzstück der Anlage ist eine neue,

weitläufige, von Bäumen gesäumte Piazza, die eine

Verbindung zur Natur kreiert.

Zweiter Preis: Ramon Esteve, Bombas Gens (Spanien)

03 SPORT DESIGN

Hier ging der Top-Preis an Alexandre Fauvet, Designer

für Ski-Kleidung der renommierten französischen Marke

Fusalp. Der sportliche Schick von Fusalps Produkten

verbindet Technik mit Eleganz. Das Ergebnis sind

Skianzüge, -jacken und -stiefel, die auf der olympischen

Rennpiste und beim Après-Ski gleich gut aussehen.

Zweiter Preis: Teckell, 90° Minuto (Italien)

03 04

02

05

04 FREIZEITMODE

Erst nach einem Verbot der amerikanischen Basketball-Liga

NBA wurde man auf die Kreation der US-Brüder

Ryan und Adam Goldston aufmerksam. Sie haben

Sprungschuhe entwickelt, in deren Sohlen Federn eingebaut

sind, die z.B. Basketballspieler höher springen

lassen. Trotz oder gerade wegen des Verbots der

NBA sind die Athletic Propulsion Labs Sneakers ein Hit.

Zweiter Preis: Clara Daguin, Aura Inside (Frankreich)

05 TECHNOLOGIE

Von der Ressourcen-Verschwendung der Mode industrie

frustriert, brachte der spanische Unternehmer

Javier Goyeneche die Marke Ecoalf auf den Markt.

Seine Produkte (Kleidung, Schuhe und Accessoires)

bestehen aus recyceltem Material wie Plastik, das

aus dem Meer gefischt wurde. Prominente Kunden

sind Gwyneth Paltrow und Will.i.am.

Weitere Preise: Hugo Mercier, Dreem (Frankreich)

und Max Pontrelli, Lap Steel Guitar (Italien)

SONDERPREISE

Diese Awards gingen an die Loewe-Stiftung, den

Bildhauer Nino Mustica, und an Scott Painter für seine

Fair App. Mit dieser App kann man übers Mobiltelefon

Gebrauchtwagen mieten ein flexibler Prozess ohne

langfristige Verpflichtung oder Verschuldung. Fair

benutzt vorausschauende analytische Technologie,

die einfach zu benutzen, aber von der Struktur her

hochkomplex ist.

73


D I E S E

F R A U

I S T

E I N S A M E

S P I T Z E

74


PIONIERE

Die aus Bangladesch stammende Bergsteigerin und Menschenrechtlerin Wasfia Nazreen setzt sich

oft über Konventionen hinweg und ist stolz darauf.

TEXT: GEOFF POULTON FOTOS: MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DES BÜROS DES DALAI LAMA; SEBASTIAN GRAU

Wasfia Nazreen hätte es sich nie träumen lassen, dass

sie einmal vom höchsten Gipfel der Welt aus den Sonnenaufgang

sehen würde. Sie hatte einen hohen Preis

dafür bezahlt: Ihr Aufstieg zum Mount Everest war äußerst

gefährlich sie hatte gegen Kälte, Höhenkrankheit

und tödliche Lawinen zu kämpfen. Die gefrorenen Leichen

verunglückter Bergsteiger ließen sie die Gefahr nie

vergessen, in die sie sich begeben hatte. Als auf über

8.000 Meter über dem Meeresspiegel der Gipfel endlich

in Reichweite schien, begannen Nazreens erste Tränen zu

fließen, und als sie dann oben war, weinte sie hemmungslos

vor Freude und Dankbarkeit. „Ich war beim

Aufstieg so einsam gewesen, aber auf einmal fühlte ich

mich mit jedem Lebewesen auf der Erde verbunden.

Mein ganzes Leben flog an mir vorbei. Und hier oben,

bei den Göttern und Göttinnen des Himalaya, kam ich

mir winziger vor als der kleinste Käfer.“

Die Eroberung von Mount Everest im Jahre 2012 war

eine einschneidende Erfahrung für die 36-Jährige aus

Bangladesch, die ihr Leben veränderte. „Mir wurde zum

ersten Mal richtig bewusst, wie begrenzt unsere Zeit auf

der Erde ist, und ich fühlte neue Kräfte und neue Perspektiven

für meine Rolle als Aktivistin.“ Ihre Bergbesteigungen

dienen nicht nur dem Selbstzweck, sie sollen

vielmehr Frauen in ihrer Heimat und in der ganzen Welt

inspirieren und ihnen Stärke und Hoffnung geben.

Mount Everest war nur eine Station von „Bangladesch

auf sieben Gipfeln“. Diese Aktion war Nazreens

Tribut an die tapferen Frauen, die während des

Unabhängigkeitskrieges in ihrem Heimatland so viel

durchmachen mussten.

2015 bestieg sie die Carstenz-Pyramide in Neuguinea

und wurde damit in den Club der wenigen Hundert aufgenommen,

die die höchsten Gipfel auf allen sieben

Kontinenten bezwungen hatten. Und: Sie war der erste

Mensch aus Bangladesch, dem dies gelang. Auf jedem

Gipfel hisste sie zuerst stolz die Flagge ihres Heimatlands.

Dann aber setzte sie ihren klappbaren Hula-Hoop-Reifen

zusammen und schwang ihn um Hüften. „Als Kind durfte

ich das nicht, also mache ich das jetzt für mich und die

Mit der Eroberung der

Berge zollt Nazreen den

Frauen von Bangladesch

ihren Tribut. Oben

links: Nazreen zeigt

dem Dalai Lama ein

Foto von Tibet, aufgenommen

vom Gipfel

des Mount Everest.

Oben rechts: auf dem

Mount Denali in Alaska.

Mädchen zu Hause. Das ist meine Botschaft an sie: „Jetzt

kann uns keiner mehr was sagen.“

Wasfia Nazreen wuchs in Chittagong auf, Bangladeschs

zweitgrößter Stadt. Nach ihrem Schulabschluss in der

Hauptstadt Dhaka erhielt sie ein Stipendium in den USA,

wo sie Kunst und Psychologie studierte. Sie schrieb ihre

Examensarbeit darüber, wie Frauen Kunst als Therapie

benutzten. Ihre Recherchen führten sie in zahlreiche

Regionen Indiens, darunter auch in die Stadt Dharamsala,

Sitz der tibetischen Exilregierung. Dort entdeckte sie ihre

Passion sowohl für die Berge als auch für Menschenrechte.

Sie arbeitete für verschiedene Hilfsorganisationen,

ehe sie sich dazu entschloss, Bergsteigen und Aktivismus

miteinander zu verbinden und zu ihrer Hauptarbeit zu

machen, um so das Bewusstsein für Menschenrechtsverstöße

und Klimawandel zu schärfen.

Trotz der „Liebe“, die sie von überall nach der Besteigung

der sieben Gipfel empfing, brachte ihr Erfolg für

eine Frau aus Bangladesch auch Probleme mit sich, und

zwar nicht nur physische, mentale, finanzielle und logistische.

„Ich war Diskriminierungen, Beleidigungen und sogar

Todesdrohungen ausgesetzt. Aber solche Erfahrungen

stärken nur die aufstrebende Kraft der Frauen.“

Nazreen ist Perfektionistin, wie sie selbst zugibt.

Ihre Expeditionen plant sie wie ein Kunstprojekt. Die

Logistik beginnt Monate oder sogar Jahre vor einem

Unternehmen; nebenbei absolviert sie ein hartes körperliches

Training. Aber sie gibt zu: „Ganz egal, wie

sorgfältig man plant man muss akzeptieren, dass

manchmal alles und jedes schief laufen kann und wird.“

Um darauf gefasst zu sein, fängt sie jeden Tag mit

Meditation an. „Beim Klettern ist Achtsamkeit unerlässlich,

und für mich ist Bergsteigen eine Quelle der

Reflektion und der inneren Ruhe.“

Sie gibt zu, einen unkonventionellen Beruf gewählt zu

haben. Sie hatte es umso schwerer, als sie aus einer Gesellschaft

kam, in der alle ihre Aktivitäten mit „nicht normal“

bezeichnet oder sogar mit einem Tabu belegt werden.

Nazreen: „Aber gerade darauf bin ich besonders stolz

dass ich ein selbstbestimmtes Leben lebe.“

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E R D G E S C H I C H T E N

Was gibt es heute noch Neues zu entdecken? Versuchen Sie mal eine Zeitreise!

Der Paläontologe Kenneth Lacovara führt Sie tief ins Erdinnere.

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ESSAY

BILD: STOCKSY/ CATHERINE MACBRIDE, PORTRÄT: ROBERT CLARK

Wer möchte nicht einmal einen einzigartigen, wundersamen

Ort besuchen? Einen von Geheimnissen umgebenen, der aber vielversprechende

Blicke in eine Vergangenheit gewährt, deren Ereignisse

heute so unglaublich sind, dass man sie sich in seinen wildesten

Phantasien nicht vorstellen könnte. Aber es gab sie! Lassen Sie nur

Ihr geistiges Auge durch Teppiche und Fußböden wandern durch

alles, was uns von der eigentlichen Erde trennt. Je tiefer Sie ins Erdinnere

vordringen, um so mehr Wunder werden Sie entdecken.

Es gibt viele herrliche Aussichtspunkte auf der Welt. Einer der

berühmtesten befindet sich oben am Rand des Grand Canyon in

den USA. Allein der Abstieg vom Rand bis auf den Grund, wo sich

der 13 km lange Bright Angel Trail befindet, ist eine fast mystische

Erfahrung, die einem unter die Haut geht. Die Reise, auf die man

sich begeben hat, führt einen durch vergangene Welten, die alle an

der Gestaltung unserer Erde beteiligt waren. Viele Besucher empfinden

zum ersten Mal eine echte Verbundenheit zu unserem Planeten

und dem riesigen Bogen der Zeit.

Metamorphes Gestein, erhitzt und zusammengequetscht, bildet

den Grund. Darüber türmt sich Sedimentgestein, an dem man

Spuren mariner Transgression und Regression sehen kann Vorgänge,

die diese bestimmte Region innerhalb von

Milliarden Jahren vom Land zum Meer und

wieder zurück warfen. Zwischen diesen Schichten

aus Sandstein, Kalkstein und Schiefer liegen

Fossilien, an denen man die Entwicklung

von Lebensformen studieren kann: Ganz unten

befinden sich primitive Arten aus grauer Urzeit,

weiter oben lagern sich neuere Formen ab, die

uns vertraut sind. Diese Schichtungen sind jedoch

vom geologischen Standpunkt aus gesehen

ziemlicher Standard. Ungewöhnlich ist,

dass sie für Jedermann sichtbar sind, wie hier

im Grand Canyon.

Die Erosionskraft des Colorado hat das Plateau gespalten und

die darunter liegenden Schichten enthüllt. Und in der Geologie ist

nichts wichtiger als die Enthüllung der so genannte Aufschluss

von Gestein. Die Lithosphäre der Erde, die aus der Erdkruste und

dem äußeren Teil des Mantels besteht, ist praktisch eine Bibliothek

der Geschichte unseres Planeten. Aber leider ist diese Bibliothek

für uns Oberflächenbewohner meistens geschlossen. Nur manchmal,

wenn Erosion und Hebung des Gesteins zusammentreffen,

enthüllt sich ein Kapitel oder auch nur eine Seite eines Bandes aus

der Bibliothek. Aber die meisten Menschen wandern einfach über

diese geschlossenen Bücher hinweg, die fantastische Geschichten

erzählen. Wer sich jedoch die Mühe macht und etwas genauer hinschaut,

dem öffnen sich ungeahnte Welten. Wenn man zum Beispiel

aus Manhattan hinausfährt und über den Hudson schaut,

sieht man eine Reihe hoher Klippen, die sich fast senkrecht aus

dem Flussufer erheben und eine steinerne Befestigung bilden.

Diese Klippen „The Palisades“ genannt erreichen Höhen zwischen

90 und 160 m und sind Zeugen eines dramatischen Moments

in der Geschichte der Erde. Vor 200 Millionen Jahren brach

der Superkontinent Pangäa durch plattentektonische Bewegungen

auseinander. Die Erdkruste wurde dünner, und entlang einer Linie,

an der später der Atlantische Ozean entstand, quoll Magma auf

und bildete stellenweise glutflüssige Gesteinsschmelzen. Durch

diese gewaltigen Erschütterungen gelangten riesige Mengen CO 2

„WER SICH JEDOCH

DIE MÜHE MACHT UND

ETWAS GENAUER

HINSCHAUT, DEM

ÖFFNEN SICH

UNGEAHNTE WELTEN.“

in die Atmosphäre, was rapide globale Erwärmung zur Folge

hatte. Der plötzliche Klimawandel führte zum Massenaussterben

der Organismen. Als gegen Ende der Trias das Schlimmste

vorbei war, waren 75% aller Arten verschwunden.

Während dieser Periode waren große Reptilien die Vorfahren

der Krokodile die dominierenden Landtiere. Sie hatten die

Oberhand über die Dinosaurier, die gerade erst im Kommen waren.

Beide Gruppen überlebten das Massenaussterben, aber die

Reptilien zogen den Kürzeren. Die Zeit der Dinosaurier war gekommen:

Es entwickelte sich eine erstaunliche Vielfalt von Arten,

die während der Jura- und Kreidezeit die terrestrischen

Ökosysteme total beherrschten. Und jeder, der über die George

Washington Brücke nach Norden fährt und die „Palisades“ sieht,

wird automatisch zum Zeitreisenden und Zeugen einer gewaltigen

biologischen Umwälzung.

Es gibt noch viele andere Beispiele. Wenn man von San

Francisco aus in Richtung Pazifik blickt, sieht man Gesteinsablagerungen,

die sich entlang der gesamten Westküste Nordamerikas

erstrecken. Diese Gesteine sind praktisch Passagiere

eines tektonischen Fließbands, das irgendwann das Grundgestein

San Franciscos im Herzen Alaskas deponiert.

Und wenn man auf dem Pennsylvania

Turnpike von Philadelphia nach

Pittsburgh fährt, überquert man die Appalachen.

Diese waren einst Teil einer Gebirgskette,

die u. a. den marokkanischen

Atlas und die schottischen Highlands umfasste.

Unter den Swimming Pools von Florida

liegt Kalkstein aus den warmen Meeren

vergangener Zeitalter, als der größte

Hai der Erdgeschichte, der 15 m lange Megalodon,

die Fluten beherrschte. Wanderer

in der Front Range, einer Gebirgskette in

Colorado, überqueren die Küstenlinie eines ehemaligen Binnenmeer-Systems,

das vom Golf von Mexiko bis ans Polarmeer

reichte. Dieses Gebiet war z. B. der Lebensraum bekannter Dinosaurier

wie Stegosaurus und Apatosaurus.

Aber ganz egal, wo Sie sich befinden jeder Ort ist erstaunlich

und Teil der Geschichte unseres 4,6 Milliarden Jahre alten

Planeten. Recherchieren Sie den geologischen Hintergrund Ihres

Ortes online, besuchen Sie das nächstgelegene naturwissenschaftliche

Museum, oder graben Sie einfach selbst. Bekommen

Sie einen Blick für die Erdgeschichten unter den Erdschichten,

und schon sieht die Welt ganz anders aus.

ÜBER DEN AUTOR

KENNETH LACOVARA

ist Direktor des Edelman Fossil

Park der Rowan University, New

Jersey, sowie Autor des Buchs

Why Dinosaurs Matter (Simon

& Schuster, 2017). Folgen Sie

seinem TED Talk Die Jagd nach

Dinosauriern zeigte mir unseren

Platz im Universum auf TED.com

77


I N D E R

T I E F E

D E S

R A U M S

Mit dem Velar hat Range Rover ein Auto geschaffen,

das Komfort mit Nutzwert und Eleganz vereint.

Wir haben uns mit dem britischen Gentleman aufgemacht,

das Temecula Valley in Südkalifornien zu erkunden ein

neues angesagtes Weinanbaugebiet der USA

TEXT

W O L F G A N G G O M O L L

FOTO: WOLFGANG GOMOLL

78


NEWS UND EVENTS

Das kleine Nest direkt neben dem California

Highway 79 wirkt wie eine Kulisse aus einem Hollywood-Film.

Menschenleer, schaurig schön. Die verlassenen

Gebäude schimmern in verschieden Rottönen in

der kalifornischen Herbstsonne. Auf dem Dach der

lachsfarbenen „Garage 79“ blinzelt ein Oldtimer, an

dem sichtbar der Zahn der Zeit genagt hat, vor sich hin.

Vor dem Gebäude liegt eine kaputte Kugel mit dem

Symbol der US-Tankstellenkette „76“, wie eine monströse

Murmel im hellen Sand. Ein paar Schritte weiter

wachsen Kakteen vor einem Haus auf dessen Fassade in

grünen Lettern das Verkaufsangebot „For Sale“ prangt.

Die Anzahl der Interessenten dürfte nicht allzu groß sein,

auch wenn sich das Gebäude mitten im malerischen

Temecula Valley liegt, einem neuentdeckten Weinanbau-Gebiet

knapp 100 Kilometer nördlich von San Diego

und 150 km südlich von Los Angeles.

„Das ist ein großartiges Auto.“ Der Mann mit der

verschlissenen Baseball-Cap, die einmal dunkelgrün

gewesen sein muss, dem schwarzrot-karierten Flanellhemd

und dem freundlichen Grinsen hinter dem Fünf-

Tage-Bart, ist wie aus dem Nichts aufgetaucht. Nur

wenige Augenblicke steht der Hüne neben uns.

„Hallo, ich bin John“, stellt er sich kurz vor. Gefolgt

von einem kräftigen Händedruck mit einer Pranke, die

locker einen doppelstöckigen Hamburger zwischen

Zeigefinger und Daumen nehmen kann. Der Blick der

blaugrauen Augen richtet sich auf unser Gefährt. „Was

ist das für ein Wagen?“. „Ein Range Rover Velar“,

lautet die ebenso knappe Antwort. „Kann ich mir den

mal anschauen?“ „Klar!“.

Der Kalifornier lässt sich nicht zweimal bitten und

entert das britische SUV. Kaum hat er auf dem Fahrersitz

Platz genommen, streichen seine Finger fast ehrfürchtig

über das feine Leder des Armaturenbretts und er

79


NEWS UND EVENTS

PERFEKTE BEDINGUNGEN ZWISCHEN LOS ANGELES UND

SAN DIEGO: IM TEMECULA VALLEY STEHEN

KURVENREICHE STRASSEN, KUNST, WEINANBAU UND

DER RANGE ROVER VELAR IM PERFEKTEN EINKLANG.

murmelt „klasse, einfach klasse“. Nach einem Erinnerungsfoto

(John besteht darauf) geht es weiter. Die

Straße schlängelt sich durch das pittoreske Areal, in

dem fast nur sortenreine Weine angebaut werden. Das

wüstenähnliche Klima garniert mit kühleren Winden vom

rund 35 Kilometer entfernten Pazifik ist ideal für edle

Tropfen: Riesling, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Viognier

oder Chenin. Weingut reiht sich an Weingut, und die

Rebstöcke schmiegen sich wie eine botanische zweite

Haut an die sandigen Hügel. Immer wieder werden

Weine aus dem Temecula Vallye prämiert, unter anderem

der preisgekrönte „2015er Special Selection Muscat

Canelli“. Ähnlich erfolgreich ist der Range Rover Velar,

der unlängst mit dem Titel „World Car Design of the

Year 2018“ ausgezeichnet wurde.

Die elegant geschwungen Formen verleihen dem

4,80 Meter langen Crossover schon im Stand eine beeindruckende

Leichtigkeit, die sich nur noch intensiviert,

sobald der britische Gentleman sich in Bewegung setzt.

Der Range Rover Velar taucht ein in diese pittoreske

Landschaft, nie aufdringlich polternd, sondern zurückhaltend

und souverän. Der 132 kW / 180 PS Diesel * mit

seinem kraftvollen maximalen Drehmoment von 430

Newtonmetern, das bereits bei 1.500 Umdrehungen

anliegt, ist wie gemacht für eine Tour durch diese

malerische Gegend. Mühelos erklimmt der ansehnliche

Brite die Steigungen.

FAHRGEFÜHL WIE IN EINER RUHE-OASE

Auf den kurvenreichen Straßen des Temecula Valley

spielt der Allradantrieb seine ganze Stärke aus: Mit Hilfe

des Torsen C-Differentials verteilt das System das

Drehmoment je nach Fahrsituation blitzschnell auf die

passende Achse, löst jede brenzlige Situation und passt

sich den Gegebenheiten an. Beim Vorwärtsgleiten verabschiedet

sich die Vorderachse vom Antrieb, was den

Verbrauch reduziert. Geht es einmal forcierter zur Sache,

ist der Velar aufgrund eines dynamikfördernden aktiven

Sperrdifferenzials an der Hinterachse jederzeit Herr der

Lage. Gezielte Bremseingriffe an den einzelnen Rädern

verleihen dem avantgardistischen SUV jenes Extra an

Agilität, das jede Fahrt zum Vergnügen macht.

Dieses ausgefeilte Zusammenspiel der Systeme

resultiert auch mit dem Vierzylinder Motor in einer

entspannten Geschmeidigkeit. Kombiniert mit dem

geringen Geräuschniveau und den großzügigen

Platzverhältnissen fühlt man sich im Velar wie in einer

Ruhe-Oase. Wenn der Verkehr dichter wird, helfen

Assistenzsysteme wie die adaptive Geschwindigkeitsregelung

mit Lenkassistent, die das Fahrzeug in der Mitte

der Spur hält, oder bei Staus die Stop-and-Go-Funktion.

Weiter geht die Fahrt auf dem California Highway 79,

der mehr Landstraße als Autobahn ist. Vorbei an einer

Segelflugschule, die die gute Thermik der Gegend

nutzt, bis zu Ricardo Brecedas „Gallery & Sculpture

Garden“ in Aguanga. Rund 130 Metallskulpturen befinden

sich nur wenige Meter neben der Straße. Die Szenerie

erinnert an eine Mischung aus „Jurassic Park“ und

einer altchinesischne kaiserlichen Ton-Armee. Springende

Broncos, eine lebensgroße Kutsche aus dem Wilden

Westen, Cowboys, Indianer oder furchteinflößende Geschöpfe,

wie der Tyrannosaurus Rex, ziehen den Besucher

mit ihrer Detailfreude in den Bann und sind Ricardo

Brecedas ganzer Stolz. Der in Mexiko geborene Künstler

ist ein Autodidakt und hat zuvor als Schuhverkäufer und

Cowboy gearbeitet. Mittlerweile trägt er den Spitznamen

„Picasso des Stahls“. „Ich bin über Nacht zu einer

Berühmtheit geworden“, sagt der dunkelhaarige Mann

mit dem Schnauzbart und grinst dabei etwas verlegen.

1,5 KG "FRED FLINTSTONE TOMAHAWK

RIB-EYE STEAK"

Zeit für einen Stopp bei der „Callaway Vineyard & Winery“.

Ende der 1960er Jahre begann der Geschäftsmann

Ely Reeves Callaway Jr. als einer der Ersten an diesem

Ort Reben zu züchten. Nicht wenige behaupten,

dass er es war, der das Temecula Valley als Weinanbaugebiet

auf die Karte gebracht hat. Heute ist das Weingut

eine Institution. Nicht nur aufgrund der feinen Weine,

die aus Reben aus lokalem Anbau gekeltert werden

und nur hier gekauft werden können, sondern auch als

pittoresker Ort, um Hochzeiten zu feiern oder einfach

sehr gut zu essen. Bei der Spezialität des heutigen Tages

ist der Name Programm: „Fred Flintstone Tomahawk

Rib-Eye Steak“. „Sie haben Glück, das haben wir nur

selten auf der Karte“, klärt uns Roberto auf.

Wenn Glück mit „satt“ gleichzusetzen ist, dann hat

der freundliche Kellner auf alle Fälle recht. Auf unseren

Tellern landet ein monströses Stück Fleisch, das selbst

den Hunger der berühmten Steinzeit-Familie Feuerstein

gestillt hätte. Knapp 1,5 Kilogramm Fleisch an einem

Knochen, der es zu einer Hiebwaffe klassifiziert.

* Range Rover Velar D180 mit 2.0 Liter 4-Zylinder Ingenium Turbodiesel mit 132 kW (180 PS) und Allradantrieb: Kraftstoffverbrauch, kombiniert: 5,9-5,8 l/100km. CO2Emissionen, kombiniert: 157-152 g/km

80


NEWS UND EVENTS


82


NEWS UND EVENTS

„Julian Pie Company“:

Hier nimmt man sich Zeit!

Zeit um die berühmten

Kuchenspezialitäten

zu genießen, „ofenfrisch“

und wie von

Oma selbstgemacht.

FOTO: WOLFGANG GOMOLL

Aha, daher also der Name Tomahawk. Dazu noch Zwiebelringe,

die genauso gut an Hanteln eines Fitnessstudios

passen könnten. Dass das Steak aufgrund seiner feinadrigen

Fettmarmorierung exzellent schmeckt, macht dem

Kampf mit der riesigen Portion zur lustvollen Qual, doch

irgendwann strecken wir die Waffen sprich das Besteck.

Das riesige Steak sollte nicht der letzte Auslöser

des Konflikts zwischen „Ich kann nicht mehr“ und „Das

schmeckt so gut, ich will nicht aufhören“ sein. Aber

das wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Zunächst

geht es weiter im Velar. Nach diesem opulenten Mahl

ist es gut, dass sich der Range Rover so mühelos fahren

lässt. Die bequemen Sitze machen auch längere

Touren zu einem Genuss. Durch die großen Fensterflächen

und das Panorama-Glasdach genießt man die

Natur noch unmittelbarer.

OLD TOWN - EIN ORT, AN DEM DIE WELT

NOCH IN ORDNUNG SCHEINT

Das nächste Ziel unserer Reise ist Old Town. Unweit des

Interstate 15 gibt es hier nette Cafés und Shops, in denen

sich die Besucher mit Devotionalien eindecken. Hier

weht das Wild West-Flair durch jede Ritze der Holzbauten.

Der Spaziergang durch die Stadt mit den klassischen

hölzernen Bürgersteigen lässt noch einmal echtes

„Wyatt Earp“-Feeling aufkommen. Immerhin schossen

hier die ersten Häuser bereits 1883 aus der Erde, als die

Eisenbahngesellschaft „Southern California Railroad“

der Stadt zur ersten Blüte verhalf. Dazu passt es, dass

der zentrale Platz die Form eines Hufeisens hat. Im

Temecula Valley Museum wird die Vergangenheit wieder

lebendig. Wer seine Rodeo-Fähigkeiten testen will,

kann sich auf einen mechanischen Bullen setzen und

sein Glück versuchen. Deutlich schmerzfreier dürften da

schon die Tanzveranstaltungen in den verschiedenen

Restaurants sein, bei denen zu echter Countrymusik der

klassische Line Dance praktiziert wird. Jeden Samstag

bieten die Farmer des Umlands auf einem Markt frische

MIT UNSEREM

Blumen und Früchte an. Uns zieht es

in den Ronald Reagan Sports Park

“AWESOME

und wir schauen den Kindern beim

Baselballspielen zu. Jeder Treffer

AUTOMOBILE”

mit der Holzkeule wird frenetisch

UND WILD WILD bejubelt, als wenn der Schlagmann

soeben die Weltmeisterschaft

WEST-FEELING

gewonnen.

Erneut wartet der rote Range

DURCH OLD TOWN.

Rover Velar auf uns, um uns zum

Nachmittags-Kaffee zu bringen. Doch

nicht ohne erneut einige Fragen anderer

Old Town Besucher zu dem

„awesome automobile“ zu beantworten. Noch einmal

geht es durch die sanften Bodenerhebungen, vorbei an

Sträuchern und gelben Blüten zur „Julian Pie Company“.

Hier nimmt man sich Zeit, um eine der berühmten

Kuchenspezialitäten zu genießen. „Ofenfrisch“ verspricht

das Schild über dem Eingang. Ob Rhabarber- oder der

traditionelle Apfel-Kuchen, alles, wie von Oma selbstgemacht.

Wer nur schnell ein Stück verschlingen will, ist

hier falsch. Hier geht alles seinen ruhigen Gang, hier

warten sogar hartgesottene Biker geduldig, bis die ältere

Dame hinter dem Tresen die Bestellung, die zumeist

aus einem Stück „Homemade Pie“ und einem erfrischenden

Getränk besteht, reicht. Unsere Empfehlung:

Natural Apple Pie (ohne zusätzlichen Zucker) und Vanilleeis.

Allerdings verschwindet dann der Kuchen unter

einem Eisgebirge. Dazu einen Cappuccino oder einen

Eistee. Eigentlich ist unser Magen noch von dem

gigantischen Steinzeit-Steak randvoll, aber hier gewinnen

die Augen und die Lust auf Leckereien über die

„Stopp-Stopp-mehr-geht-nicht-Warnung“ des Hirns.

Nachdem wir diese zweite Attacke auf die

Belastbarkeit unseres Verdauungstraktes erfolgreich zu

Ende geführt haben, geht es zurück nach San Diego.

Zum Glück kommt der Velar auch mit dem deutlich

erhöhten Gewicht der Passagiere locker klar.

83


THE LAND

ENTDECKEN SIE REISEN & EVENTS BENEFITS STORYS

Wer einen Land Rover fährt, trägt das Entdecker-Gen in sich. Deshalb haben wir mit dem Land Rover Club eine

Community geschaffen, in der diese große Familie zusammenkommt.

Die Vorteile für Clubmitglieder sind vielfältig. Denn sie profitieren nicht nur von attraktiven Partnerangeboten, sondern

erhalten gleichzeitig Zugang zu exklusiven Reisen & Events sowie inspirierende Reportagen anderer Entdecker.

84


ABENTEUER SIND NUR

EINEN KLICK ENTFERNT

ROVER CLUB

MITGLIEDSCHAFT UND SERVICE

Als Besitzer eines Land Rover oder Range Rover stehen Ihnen mit Ihrer Registrierung alle Möglichkeiten

des Land Rover Club offen. Sollten Sie noch kein Mitglied sein, kontaktieren Sie unser Service-Center,

um künftig in den Genuss aller Leistungen und Vorteile des Land Rover Club zu kommen. Gerne

senden wir Ihnen auch detaillierte Informationen zu unseren Reisen & Events. Fordern Sie diese einfach

unverbindlich über die beiliegende Faxantwort oder unter club.landrover.de an.

Telefon:

Fax:

E-Mail:

Website:

0800 2324400 (gebührenfrei)

0800 1033200 (gebührenfrei)

info@thelandroverclub.de

club.landrover.de

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OFFROAD

W E G O D E R Z I E L ?

Für seine abenteuerlichen Expeditionen braucht Ben Saunders ein ideales Gefährt

und einen idealen Gefährten. Der Discovery ist beides.

Seit ich erwachsen bin, habe ich etliche Jahre damit

verbracht, Schlitten durch Polarregionen zu ziehen.

Damit habe ich vielleicht zu dem Mythos beigetragen,

dass kein echtes Abenteuer als solches bezeichnet werden

kann, wenn es nicht die Überquerung des nördlichen

Polarkreises oder die Erkundung des antarktischen

Plateaus einschließt. Aber in Wirklichkeit gehen jeder

Stunde, die ich auf dem Eis verbracht habe, viele nicht

so abenteuerliche Stunden voraus nämlich die mit

Vorbereitung und Training erfüllten. Ich schätze, dass

der moderne Polarforscher heute genauso viel Zeit vor

Computertabellen verbringt wie im Schlittengeschirr.

Einer der Vorteile der Trainingszeit ist jedoch der,

dass man auch dann viel herumkommt. Für 2013 plante

ich für mich und einen Partner eine 2.500 km lange Antarktis-Expedition,

und zwar zu Fuß die längste Reise

dieser Art bisher. Ich wohnte damals mit meinem Hund

in einer kleinen Londoner Wohnung, und meine städtische

Umgebung war nicht gerade das ideale Terrain, um

für die Besteigung des gefürchteten Beardmore-Gletschers

zu trainieren. Zur Erreichung der nötigen Fitness

waren schon mehr als nur ein paar Road-Trips nötig.

In diesem Jahr wird der Land Rover Discovery 30

Jahre alt drei Jahrzehnte voller Expeditionen, Erforschung

des Planeten und Testen menschlicher Grenzen.

Ich bin seit einem Jahrzehnt Discovery-Besitzer und

habe mittlerweile eine sechsstellige Kilometerzahl auf

dem Tacho. Diese ist durch Trips zu Hügeln, Bergen,

Hochmooren, Fjells, Plateaus und Tälern in Wales, dem

Lake District, Schottland, den Alpen und sogar Island

zustande gekommen. Zwischendurch musste der ehrwürdige

Disco auch andere Dienste verrichten nämlich

mich, in City-Kluft oder im Smoking, zu Treffen mit

Sponsoren oder zu Vorträgen fahren.

Das merkwürdigste Paradoxon meiner Karriere ist

wohl, dass ich nach dem Erreichen meiner größten Ziele

oft eine Art Tiefpunkt erlebe. Ich bin im Alleingang

auf Skiern zu beiden Polen gelaufen und habe die Antarktis-Tour

beendet, die Shackleton abbrechen musste.

Aber auf den Zielgeraden empfand ich keine Euphorie,

sondern nur eine merkwürdige Mischung aus Erschöpfung

und Erleichterung. Hinzu kam ein vages Widerstreben,

in den Alltag zurückzukehren. Der weise Spruch,

dass der Weg wichtiger ist als das Ziel, war wieder einmal

bestätigt.

Zu meinen Lieblingsreisen zählen schlichte Ausflüge

mit Freunden im Land Rover. Das Auto ist voll mit Rucksäcken,

abgewetzten Wanderstiefeln und einer Thermosflasche

mit heißem Tee. Auf der Ladefläche sitzt ein

nasser Hund. Ach ja, und man braucht natürlich ein Ziel

ein oder zwei Hügel, oder auch mehr.

Ich werde sicherlich wieder in die Polarbreiten zurückkehren,

aber ich habe mir selbst das Versprechen

gegeben, mir mehr Zeit für Road- (und Offroad-) Trips

mit Freunden zu nehmen. Und dass ich etwas weniger

Zeit vor dem Rechner verbringe ...

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FOTO: XISCO FUSTER


CASTROL EDGE PROFESSIONAL

DAS ANSPRUCHSVOLLSTE

TERRAIN DER WELT

UNTER DER MOTORHAUBE IHRES LAND ROVER

Nie zuvor haben wir so viel von unseren Motoren gefordert. Den höchsten

Wirkungsgrad. Die niedrigsten Emissionen. Ganz zu schweigen von Leistung,

die der eines Land Rover würdig ist. Castrol EDGE Professional, entstanden

in Zusammenarbeit mit Land Rover, ist das einzige Motoröl, das wir für unsere

Fahrzeuge empfehlen. Es wurde für die höchste Beanspruchung entwickelt,

die man einem Land Rover Motor abverlangen kann und ermöglicht es Ihrem

Fahrzeug, sein Potenzial voll auszuschöpfen.

Denn jeder Besitzer eines Modells aus dem Hause Land Rover weiß: Schwieriges

Terrain erfordert gutes Werkzeug.

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