Berliner Kurier 16.07.2019

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TilSchweiger

Zoff um seine

Förder-Millionen

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BERLINER KURIER, Dienstag, 16. Juli 2019

Teuer sind Eigentumswohnungen

in der City sowie im Südwesten

Berlins, günstig am Stadtrand.

Karl-Marx-Allee

gehörtwieder Berlin

Die Gewobag übernimmt dort670 Wohnungen

Von

ULRICH PAUL

Berlin – Die Mieter von rund

670 Wohnungen an der Karl-

Marx-Allee in Friedrichshain

können aufatmen. Der Senat

hat sich in Gesprächen mit

dem bisherigen Eigentümer,

der Firma Predac, und der

Deutsche Wohnen darauf

verständigt, dass die landeseigene

Gewobag die Wohnungen

übernimmt. Der zunächst

geplante Verkauf an

die Deutsche Wohnen ist damit

für diese Wohnungen

endgültig vom Tisch.

Am Freitag sei ein entsprechendes

Vertragsangebot für die

Wohnblöcke C-Nord, C-Süd

sowie D-Nord zwischen Gewobag

und Predac beurkundet

worden, teilte das Presse- und

Informationsamt des Landes

am Montag mit. Das Vertragsangebot

beinhalte die unverzügliche

Übernahme aller

Wohnungen und Gewerbeeinheiten,

die nicht einzeln von

Mietern erworben werden.

Vereinbart worden sei überdies,

dass den Mietern ein Angebot

mit vollständigen Unterlagen

und Zuordnung eines

Kellers zur Eigentumsbildung

unterbreitet werde. Falls die

Mieter dieses Angebot nicht

wahrnehmen möchten, sollen

ihnen daraus keine Nachteile

entstehen.

Der Regierende Bürgermeister

Michael Müller (SPD) hatte

den Erfolg in Gesprächen mit

der Deutsche Wohnen möglich

gemacht. Die Einigung hatte

sich bereits am Donnerstag angedeutet,

als das Land Berlin

und die Predac einen Verhandlungstermin

vor dem Kammergericht

um den Verkauf eines

weiteren Blocks (F-Nord) nicht

wahrgenommen hatten – um

sich, wenn möglich, außergerichtlich

zu verständigen.

Im nun vereinbarten Vertrag

über die rund 670 Wohnungen

ist der Block F-Nord zwar nicht

enthalten, doch ist anzunehmen,

dass es auch für die dortigen

150 Wohnungen eine Lösung

gibt. Der Regierende Bürgermeister

bezeichnete den

Ankauf der rund 670 Wohnungen

als „ersten guten Schritt“.

Zugleich kündigte er an, weitere

Gespräche mit der Deutsche

Wohnen zu führen. Stadtentwicklungssenatorin

Katrin

Lompscher (Linke) bezeichnete

die Rekommunalisierung der

Wohnungen, die in den 90er-

Jahren privatisiert worden waren,

als „großartigen Erfolg von

Senat, Bezirk und Mieterbeirat“.

Finanzsenator Matthias

Kollatz (SPD) sprach von einem

„guten Tag für Berlin“. Zur

Höhe des Kaufpreises wurden

keine Angaben gemacht.

dem Immobilien-und-Grundstücksmarkt

erzeugte Druck

auf die Mieter ist weiterhin

sehr hoch“, sagt BMV-Geschäftsführer

Reiner Wild.

„Insbesondere die Kaufpreise

für Wohn- und Geschäftshäuser

bereiten uns Sorgen.“ Gegenüber

2017 habe es hier ein

Umsatzplus von 14 Prozent bei

weniger Verkäufen gegeben.

Der Bau von bezahlbaren Wohnungen

werde massiv beeinträchtigt.

Die Bodenrichtwerte

für Bauland in den innerstädtischen

Quartieren mit bis zu

11000 Euro je Quadratmeter

seien der „helle Wahnsinn“, so

Wild. Der Verband Berlin-

Brandenburgischer Wohnungsunternehmen

(BBU) fordert:

„Berlin muss dringend

mehr Bauland mobilisieren“.

Notwendig sei „eine breite Diskussion

über Flächen wie die

Ränder des Tempelhofer Feldes

oder die Elisabeth-Aue“.

Mit durchschnittlich rund

5989 Euro je Quadratmeter waren

Eigentumswohnungen im

vergangenen Jahr im Ortsteil

Dahlem am teuersten. Das

zweithöchste Kaufpreisniveau

ermittelte der Gutachterausschuss

mit durchschnittlich

5776 Euro je Quadratmeter

Wohnfläche für den Ortsteil

Mitte. Verkauft wurden im

Jahr 2018 insgesamt 18850 Eigentumswohnungen

– zwölf

Prozent weniger als im Jahr davor.

Ein- undZweifamilienhäuser

kosteten im vergangenen

Jahr im Schnitt 3085 Euro pro

Quadratmeter Geschossfläche.

Am teuersten waren Ein- und

Zweifamilienhäuser mit durchschnittlich

9479 Euro je Quadratmeter

Wohnfläche im Ortsteil

Grunewald, gefolgt von

Häusern in Dahlem mit einem

Preisniveau inHöhe von rund

8506 Euro je Quadratmeter

Wohnfläche.

Foto: Carsten Thesing/imago stock&people

Die Mieter protestierten gegen den Verkauf an die Deutsche Wohnen.

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