Berliner Kurier 17.07.2019

BerlinerVerlagGmbH

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HINTERGRUND

Monopoly in der

Mitte Berlins

Seit der Wiedervereinung

kommt die Karl-Marx-Allee

nie richtig zur Ruhe.

Ständig wird ihreUmbenennung

gefordert. Neben

dem Namensstreit wechseln

Wohnhäuser immer

wieder den Besitzer.Die

erste große Verkaufswelle

an die privaten startete

schon 1993/94. Nicht immer

kann der Senateingreifen.

Eine Tanzschule

am Strausberger Platz

musste jetzt ausziehen.

„Für die Betroffenen ist der

Rückkauf schön. Daswar

eine enorme Anstrengung.

Doch wir müssen an den

Neubau denken“, sagen die

Anwohner Lothar und Anita

Löffler (81, 75).

Isabella Jagosch (50)

lebt seit 25 Jahren in der

Karl-Marx-Allee. Auch sie

hat vomKauf durch die

Gewobag gehört. „Das ist

besser als die Deutsche

Wohnen“, sagt sie.

Von

CHRISTIAN GEHRKE

Brigitte Knebel (69) fasst

ihre Gefühle in einem

Wort zusammen. „Erleichterung,

einfach Erleichterung,

mehr nicht“, sagt sie. Später

schließt sie ihre Haustür in

der Karl-Marx-Allee 91 auf, will

ihre Einkaufstüten hochtragen.

Seit gut 30 Jahren ist sie hier

zu Hause. Es bleibt ihr Zuhau-

se. Ganz sicher. Ursprünglich

wollte die Deutsche Wohnen

ihre Wohnung vom Vermieter

Predac kaufen. So wie 669 weitere

in der Karl-Marx-Allee.

Betroffen waren vor allem die

Hausnummern 71 bis 103.

Der Senat hat die Deutsche

Wohnen aber ausgebremst.

Nach langem Ringen übernimmt

jetzt die Gewobag, eine

landeseigene Wohnungsbaugesellschaft,

die 670 Wohnung

von der Predac (KURIER berichtete).

Der notarielle Vertragsentwurf

ist beglaubigt. „In

den nächsten Wochen unterzeichnen

wir den Kaufvertrag“,

erklärt Gewobag-Sprecherin

Anne Grubert.

Zur Höhe der Kaufsumme

will niemand etwas sagen. Hinter

vorgehaltener Hand ist eine

Gesamtsumme zwischen 120

und 200 Millionen Euro zu hören

sowie ein Quadratmeterpreis

von etwa 4500 Euro. Alles

wird von der Gewobag bezahlt,

das Land Berlin hilft in den

nächsten zwanzig Jahren bei

der Refinanzierung der Summe.

Ebenso sollen die über 1000

Bewohner mit ihren Mieten

den Kauf refinanzieren.

Und das Land Berlin will noch

150 weitere Wohnungen in der

Karl-Marx-Allee erwerben. Dafür

sollen freie Wohnungen an

Menschen mit Wohnberechtigungsschein

oder mit einer bestimmten

Einkommensgrenze

vermietet werden. „Lieber so

als mit der Deutschen Wohnen“,

meint Brigitte Knebel.

„Mit denen wären wir nicht

klargekommen. Die Häuser in

der Karl-Marx-Allee wurden

nach dem Krieg von den Trümmerfrauen

aufgebaut. Jetzt

sollte nicht unbedingt die Deutsche

Wohnen kommen. Die hat

ja keinen guten Ruf“, sagt sie.

Anfang November 2018 hatten

die Mieter von den Kaufabsichten

erfahren. Ihnen wurde

vorgeschlagen, die eigenen

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