Berliner Zeitung 18.07.2019

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Regine Sylvester und die Motten in Berlin – Kolumne Seite 8

Heute

mit

Kulturkalender

14°/25°

Sonne und Wolken

Wetter Seite 2

Die SPD und der Streit

um das Tempelhofer Feld

Berlin Seite 13

www.berliner-zeitung.de

Politik, aber sicher: Mehr

Schutz für den Reichstag

Berlin Seite 9

Donnerstag,18. Juli 2019 Nr.164 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Union: Welche Startelf

sich Urs Fischer wünscht

Sport Seite 20

USA

Im Visier

des

Präsidenten

VonKarlDoemens

Anfeindungen ist sie gewohnt. In

der Schule in Virginia wurde sie

als Zwölfjährige gehänselt und geschubst.

Jemand klebte dem Flüchtlingskind

ein Kaugummi auf das

Kopftuch. „Die Leute machen das

nicht, weil sie dich nicht mögen“,

habe ihrVater damals gesagt, berichtete

Ilhan Omar später.„Sie machen

das, weil sie sich irgendwie durch

Ilhan Omar

ist das Feindbild von

Donald Trump.

deine Existenz

bedroht fühlen.“

Inzwischen

ist Omar 37 Jahre

alt, hat drei Kinder,

und sitzt als

eine von zwei

Musliminnen im

amerikanischen

Repräsentantenhaus.

Aber dazugehören

tut die

Abgeordnete der

Demokraten für Donald Trump

nicht. „Ich schaue mir Omar an“,

hob der US-Präsident am Montag

an. „Das sind Leute, die unser Land

hassen.“ Zuvor schon hatte er vier

dunkelhäutige linke Parlamentarierinnen

aufgefordert, in ihre„total kaputten

Länder zurückzugehen“. Dabei

hatte er vor allem Omar vor Augen,

die als einzige Abgeordnete

nicht in den USA geboren wurde.

Die Frau, die von Trump zur Totengräberin

des christlich-weißen

Amerikas verzerrt wird, kam 1981 in

Somalia als jüngstes von acht Kindernzur

Welt. Ihre Mutter starb früh.

DerVater floh mit der Familie vordem

Bürgerkrieg in die USA. Mit17Jahren

erwarb Ilhan die amerikanische

Staatsbürgerschaft. Siestudierte Politik,

heiratete, betätigte sich in der

Landespolitik von Minnesota und

schaffte im vorigen Herbst den

Sprung in den US-Kongress. Seither,

schrieb die New York Times, sei sie

„die am meisten verklärte und diffamierte“

Newcomerin im Parlament.

Tatsächlich ist Omar für viele der

Inbegriff des amerikanischen

Traums. Dass sie sich für Minderheiten

einsetzt, verschafft ihr zusätzliche

Sympathien im linksliberalen Milieu.

Allerdings vertritt sie pointiert israelkritische

Positionen, die auch von

Teilen der Demokraten nicht geteilt

werden. Dasnutzt Trump aus,indem

er Äußerungen aus dem Zusammenhang

reißt und skandalisiert.

„Sie sagt furchtbare Dinge über

Israel. Sie hasst Juden“, behauptet

der Präsident. Außerdem verharmlose

sie die Terroranschläge vom 11.

September 2001. Tatsächlich hatte

Omar mehreren Kongressabgeordneten

vorgeworfen, sie seien von einer

israelischen Lobby-Organisation

gekauft worden und lehnt es ab, als

Muslimin in Kollektivhaftung für islamistischen

Terror genommen zu

werden.

Doch die Zeiten, in denen sich

Omar herumschubsen ließ, sind vorbei.

„Das ist der schlechteste,korrupteste

und unfähigste Präsident, den

wir je hatten“, kontert sie selbstbewusst

die präsidialen Attacken.„Es ist

Zeit, ihn aus dem Amt zu jagen.“

Risiko auf zwei Rädern

Einen Monat nach Legalisierung der E-Scooter legt die Berliner Polizei eine detaillierte Unfallbilanz vor

VonPeter Neumann

Sie sind flink, wendig –und sie

geraten immer öfter in das

Visier der Berliner Polizei. In

diesen Tagen werden E-

Scooter und ihre Nutzer verstärkt

kontrolliert, sagte Frank Schattling,

der im Polizeipräsidium den StabVerkehr

leitet, der Berliner Zeitung.Während

der „Überwachungswoche“

müssen Fahrer von Elektro-Tretrollern

auch abends damit rechnen, in

eine Kontrolle zu geraten. Einen Monat

nach der Legalisierung der E-

Scooter in Deutschland legte die

Berliner Polizei erstmals eine detaillierte

Unfallbilanz der E-Scooter vor.

Die Dunkelziffer ist vermutlich

hoch, sagte Schattling. „Zukleineren

Unfällen, bei denen es keine weiteren

Beteiligten gibt, wird die Polizei

kaum gerufen.“ Dennoch gelten die

Zahlen für die Zeit vom 15. Juni bis

zum 16. Juli als aussagekräftig.

Danach registrierte die Polizei

während der ersten vierWochen nach

der Legalisierung in Berlin 21 Unfälle,

an denen E-Scooter beteiligt waren.

Es gab vier Schwer-und 15 Leichtverletzte,

hieß es. Elf Unfälle ereigneten

sich in Berlin-Mitte.

Drei Fußgänger verletzt

Stühlerücken in Berlin

Drei Frauen und die Neuverteilung der Macht. Seiten 2, 3und 8

Eine Besonderheit: Die meisten Unfälle

wurden vonden E-Scooter-Nutzern

verursacht. „Es waren 18. Das

entspricht einem Anteil von 85Prozent“,

berichtete Schattling. Bei Radfahrern

liegt die Unfallverursachungsquote

dagegen nur bei etwas

mehr als 50 Prozent. Dass die Elektromobile,

die Tempo 20 erreichen, von

vielen nicht beherrscht werden, zeigt

ein weiterer Befund. Danach war an

jedem dritten Unfall außer den E-

Scooter-Fahrernniemand beteiligt.

Da ist der Mann, der in Marienfelde

mehrere Zähne einbüßte, als er

stürzte. Ein anderer Fahrer wollte

bremsen, gab stattdessen aber aus

Versehen Gas. „Viele Fahrer überschätzen

ihreFähigkeiten und haben

Probleme bei der Bedienung der

Scooter“, stellte Schattling fest.

Wie groß ist die Gefahr für Menschen,

die zu Fuß inBerlin unterwegs

sind? Im ersten Monat nach der

Legalisierung der E-Scooter wurden

drei Fußgänger in Berlin vonsolchen

Fahrzeugen leicht verletzt, hieß es.

Im Ernst-Thälmann-Park inPrenzlauer

Berg brachte ein E-Tretroller-

Fahrer eine Frau zu Fall, als sie ihren

Hund ausführte. Er fuhr in die

Leine –und flüchtete unerkannt.

Gehwege sind für E-Scooter tabu.

Wo es Radwege oder Radfahrstreifen

gibt, müssen sie diese nutzen. Auch

dort kam es zu Kollisionen – drei

Radfahrer wurden leicht verletzt. Die

Analyse hält weitere Erkenntnisse

parat. So waren die E-Scooter-Fahrer

mit durchschnittlich 25 Jahren relativ

jung. Beiacht E-Scooter-Unfällen

war Unachtsamkeit die Ursache.

Viermal kam es zu Unfallflucht. Drei

Unfallverursacher waren alkoholisiert

unterwegs. Dazu zählte der

Mann, der mit 1,45 Promille nachts

in Mitte die Gewalt über sein Miet-

„Es geht jetzt erst los. Bei der Zahl der

E-Scooter in Berlin ist noch Luft nach oben.“

Frank Schattling, Leiter des Stabs Verkehr bei der Berliner Polizei

fahrzeug verlor und stürzte –mit einer

ebenfalls alkoholisierten Frau.

Bundesverkehrsminister Andreas

Scheuer (CSU) hat die Länder

aufgefordert, ihreMöglichkeiten für

eine „sichere und sachgemäße Nutzung“

der E-Tretroller auszuschöpfen.

Beider Berliner Polizei sollen E-

Scooter aber kein Jahresschwerpunktthema

werden, hieß es dort.

Derzeit gebe es größere Herausforderungen,

etwa die Überwachung

des Radverkehrs. Jedoch: „Wir dürfen

uns dem Thema nicht verschließen,

das wollen wir auch gar nicht.“

So hat die Berliner Polizei beiYou-

Tube ein Tutorial veröffentlicht und

Flyer drucken lassen, die ebenfalls

auf Deutsch und Englisch Regeln erklären

– zum Beispiel, dass außer

Gehwegen auch Grünanlagen und

Fußgängerzonen für E-Scooter verboten

sind. Dasselbe gilt für Busspuren:

Nicht überall, wo Rad gefahren

werden darf, dürfen auch Elektrokleinstfahrzeuge

unterwegs sein.

Ebenfalls wenig bekannt ist, dass

dieselben Punktewerte und Promillegrenzen

gelten wie bei anderen

Kraftfahrzeugen. „Ab 0,3 Promille

kann bei einem Unfall der Führerschein

in Gefahr geraten“, so Schattling.

Auch werE-Scooter ohne Versicherung

fährt, handelt riskant. Das

ist eine Straftat, und es besteht die

Gefahr,bei einem Unfall den gesamten

Schaden zahlen zu müssen.

Mehr als 20 Verstöße proStunde

Dass Gehwege tabu sind, wird aber

ebenso ignoriert wie das Verbot, jemanden

mitzunehmen. Als die Fahrradstaffel

der Polizei am Dienstag in

Mitte kontrollierte,stellte sie in einer

Stunde 21 E-Scooter-Verstöße fest.

Bei den Fahrern handelte es sich

ausschließlich um Touristen.

Die Polizei erwartet, dass Berliner

ebenfalls auf den Geschmack

kommen –und sich solche Flitzer

privat zulegen. „Es geht jetzt erst

los“, sagte Frank Schattling. „Bei der

Zahl der E-Scooter in Berlin ist noch

Luft nach oben. Gerade außerhalb

der City wird dieses Verkehrsmittel

auch noch seinen Platz erhalten.“

Verschwinden werden die E-Scooter

jedenfalls nicht. „Wir können

das Radnicht zurückdrehen.“

AP/MICHAEL SOHN

Sanktionen

schaden

dem Osten

Handel mit Russland

geht deutlich zurück

Fünf Jahre Russland-Sanktionen

haben der Wirtschaft in Ostdeutschland

mehr geschadet als den

Unternehmen im Westen. Nach Angaben

des Ost-Ausschusses der

Deutschen Wirtschaft ging von 2013

bis 2018 das Handelsvolumen Sachsens

mit 72,5 Prozent am stärksten

zurück, in den fünf ostdeutschen

Ländern (ohne Berlin) zusammen

waren es durchschnittlich 28,7 Prozent.

Im Westen schrumpfte der Warenaustausch

nur um 17,0 Prozent.

Auch wenn Sachsen ein Ausreißer

ist, ist der deutsch-russische Handel

auch in Sachsen-Anhalt (minus 24,0

Prozent), Brandenburg (minus 20,4

Prozent) und Thüringen (minus 19,9

Prozent) seit 2013 überdurchschnittlich

gesunken. Die Unternehmen in

Mecklenburg-Vorpommern verzeichneten

dagegen eine Steigerung

um 28,7 Prozent. Der Bundesdurchschnitt

liegt bei minus 19,7 Prozent.

Sachsens Regierungschef Michael

Kretschmer (CDU) plädierte

am Mittwoch erneut für den Abbau

der Strafmaßnahmen. „Die Lösung

des Ukraine-Konflikts ist wichtig

und wir müssen dafür alles tun; die

Sanktionen haben uns da aber keinen

Schritt weitergebracht“, sagte er

der Deutschen Presse-Agentur in

Dresden.

Kretschmer zufolge setzen die

ostdeutschen Länder auf eine enge

Zusammenarbeit mit Russland.

„Daran führt kein Wegvorbei. Richtig

war, dass Russland sein Stimmrecht

imEuroparat zurückerhalten

hat und Deutschland den Bau der

Erdgasleitung Nord Stream 2 forciert.

Als nächstes muss der Abbau

der Sanktionen erfolgen.“

Nach Ansicht des Ost-Ausschusses

führen die Sanktionen nicht zur

Lösung der politischen Probleme.

Sie hätten eher die russische Elite

um Präsident Putin konsolidiert

und keine Fortschritte im Friedensprozess

für die Ost-Ukraine gebracht.

Der Vorsitzende des Bundestags-

Wirtschaftsausschusses Klaus Ernst

(Linke) fordert die Bundesregierung

auf, „die Sanktionen gegen Russland

endlich zu beenden“.„Wenn das Medikament

nicht wirkt, hat es keinen

Sinn, die Einnahmezeit zu verlängern

oder die Dosis zu erhöhen“,

stellte er fest. (dpa) Seiten 4und 6

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2* Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Report

„Diese Überraschung

ist mehr

als gelungen!“

Thomas Strobl, stellvertretender CDU-Parteivorsitzender

„Kanzlerin und Union zeigen erneut, dass sie die Belange

der Bundeswehr nicht interessieren. Sonst würden

sie sie nicht für Personalspielchen missbrauchen.“

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, verteidigungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion

Lächeln und weiter

Jens Spahn wurde als Nachfolger von Ursula von der Leyen gehandelt. Nun gibt er den guten Verlierer und treibt im Gesundheitsministerium seine Projekte voran

VonTobias Peter und TimSzent-Ivanyi

Jens Spahn lächelt. Er lächelt so

offensiv, dass der Beobachter

weiß: Der CDU-Politiker muss

sich jetzt einfach freuen. Spahn

sagt, er sei gern Gesundheitsminister

und freue sich auf die Zusammenarbeit

mit CDU-Chefin Annegret

Kramp-Karrenbauer im Kabinett.

„Die Bundeswehr ist damit bei

der CDU Chefinnen-Sache, im

wahrsten Sinne des Wortes“, sagt der

39-Jährige.„Unddas ist gut.“

Er hätte es sich zugetraut

Es ist nicht unbedingt der Glückstag

des ehrgeizigen Unions-Politikers aus

Ahaus.Inder vergangenen Woche ist

immer wieder sein Name gehandelt

worden, als es um wahrscheinliche

Nachfolger vonUrsula vonder Leyen

im Verteidigungsministerium ging.

Jetzt ist von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin

gewählt. Undin

Sachen Militär übernimmt überraschend

Kramp-Karrenbauer das Sagen

im Kabinett. Das Verteidigungsministerium

gilt als überaus schwierig,

aber prestigereich. Werwürde bezweifeln,

dass Spahn sich das Amt

zugetraut hätte?

Dann muss Spahn an diesem Mittwoch

auch noch seine Pressekonferenz

zu drei Gesetzentwürfen verschieben,

die am Morgen im Kabinett

verabschiedet werden. Denn zunächst

erhält Annegret Kramp-Karrenbauer

ihre Ernennungsurkunde

Er hatte das Nachsehen –und lässt sich nichts anmerken: Jens Spahn, immer noch Bundesgesundheitsminister.

im Schloss Bellevue –und damit auch

alle Aufmerksamkeit.

Bei seiner Pressekonferenz bedankt

sich Spahn erst einmal bei den

Journalisten, dass sie zum veränderten

Zeitpunkt gekommen sind. Er betont,

in den vergangenen 16 Monaten

seien 16 Gesetzentwürfe zum Bereich

Gesundheit vom Kabinett verabschiedet

worden, sechs seien bereits

in Kraft –eine gute Bilanz.

Vonden drei aktuell im Kabinett

verabschiedeten Gesetzentwürfen

greift Spahn sich zur Vorstellung insbesondere

das Gesetz zur Impfpflicht

gegen Masern heraus. Ab

2020 müssen Eltern vor der Aufnahme

ihrer Kinder in eine Kita oder

Schule nachweisen, dass diese

geimpft sind. „Niemand sollte bei

uns in Deutschland noch an Masern

erkranken müssen“, sagt Spahn.

Die weiteren beiden Gesetze: Die

Bundesregierung will Apotheken vor

Ort stärken und besser vor Konkurrenz

im Internet schützen. Und: Der

Medizinische Dienst wirdkünftig organisatorisch

von den Krankenkassen

getrennt und soll als unabhängige

Körperschaft des öffentlichen

Rechts agieren. Dadurch werdeauch

die Stellung der Patientenvertreter

gestärkt, sagt Spahn.

DPA

Der Bundesgesundheitsminister

will gern über seine fachlichen Erfolge

sprechen. Aber natürlich wirder

auf der Pressekonferenz im Ministerium

immer wieder nach Kramp-Karrenbauers

Karriereschritt gefragt. So

sagt Spahn auf Nachfrage noch: „Ich

habe die Entscheidung derParteivorsitzenden

und der Kanzlerin, wie alle

anderen Präsidiumsmitglieder auch,

in der Telefonkonferenz erfahren.“

Dann heißt es seitens der Sprecherin:

„Gibt es noch Sachfragen?“

Spahn kann unter vielerlei Gesichtspunkten

froh sein, dass ihn

nicht der Ruf ins Verteidigungsministerium

ereilt ist. Während dort

viele Baustellen und Fallstricke gewartet

hätten, ist Spahn imeigenen

Ministerium gut aufgestellt. Kein anderer

Minister ist bei der Abarbeitung

des Koalitionsvertrags so weit

gekommen wie er.

Im Duomit Lauterbach

Dasliegt nicht nur an Spahns Ehrgeiz,

sondernhat viel mit seinem Counterpart

aus der SPD zu tun. Deren Gesundheitsexperte

Karl Lauterbach

und der Minister ziehen am selben

Strang. Im Duotreiben sie die Gesetzgebung

voran. „Niemand weiß, wie

lange diese Regierung hält. Wasman

hat, das hat man“, so beschreibt der

SPD-Mann die Strategie der beiden.

Spahn setzte auch –wieder zusammen

mit Lauterbach –Themen auf

die Tagesordnung, die SPD und

Union gar nicht vorher vereinbart

hatten. Das gilt für die Impfpflicht,

aber auch für die Debatte über die

Einführung einer Widerspruchslösung

beider Organspende.

So gesehenmussSpahn der Kanzlerin

nicht böse sein, dass sie ihn belassen

hat, wo er ist. Aufdie Frage,was

er der Bundeskanzlerin zum Geburtstag

wünsche, antworte er:„Ich wünsche

ihr alles, alles Gute. Glück, Gesundheit

und Gottes reichen Segen.“

EU-Kommissionspräsidentin

Der Start wird schwer

VonDamir Fras, Brüssel

Nur mit einer hauchdünnen

Mehrheit ist Ursula von der

Leyen zur neuen EU-Kommissionspräsidentin

gewählt worden. Zwar

hat die CDU-Politikerin danach erklärt:

„Mehrheit ist Mehrheit“. Doch

das Problem ist: Es waren offenbar

nicht nur pro-europäische Kräfte,

die vonder Leyen gewählt haben.

Die Wahl war geheim, aber die

rechtskonservativeRegierungspartei

PiS aus Polen und die Linkspopulisten

der italienischen Fünf-Sterne-

Bewegung behaupten, für die Deutsche

gestimmt zu haben. Wenn das

stimmt, heißt das im Umkehrschluss:

Zahlreiche Abgeordnete aus

der eigenen Europäischen Volkspartei

(EVP) dürften gegen von der

Leyen gestimmt haben. Das wird es

der ersten Frau an der Spitzeder EU-

Kommission nicht leichter machen,

die Versprechen aus ihrer Bewerbungsrede

einzulösen.

Vor allem das ehrgeizige Klima-

Ziel vonder Leyens,den CO 2 -Ausstoß

in der EU bis zum Jahr 2030 um 50 bis

55 Prozent zu senken, stieß in der

EVP-Fraktion nach Angaben vonTeilnehmern

bereits auf zum Teil heftige

Kritik. Die Konservativen hatten bisher

ein Reduktionsziel von40Prozent

im Auge. Auch die Debatten um die

Einführung einer EU-weiten Arbeitslosenrückversicherung

und vonMindestlöhnen

dürften heftig werden.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass

die neue Kommissionspräsidentin

diese Versprechen am Ende nur einlösen

kann, wenn sie noch stärker als

in ihrer Rede angedeutet auf die Forderungen

vonGrünen und

Sozialdemokraten eingeht.

Die 16deutschen SPD-

Europaabgeordneten, die

gegen die Kandidatin aus

dem eigenen Land stimmten,

boten von der Leyen

am Mittwoch eine konstruktive

Zusammenarbeit

an. „Ursula von der Leyen

hat in ihrer Rede viele sozialdemokratische

Punkte

angesprochen“, sagte Bernd Lange

(SPD), der Vorsitzende des Handelsausschusses

im Europa-Parlament.

„Sie wird, wenn sie ihreVersprechen

umsetzen will, wahrscheinlich eher

Ursula von der

Leyen

in Konflikt mit den eigenen Leuten

geraten.“

Auch aufseiten des Rates der

Staats- und Regierungschefs,der

vonder Leyen für

den Top-Job vorgeschlagen

hat, zeichnet sich eine Konfliktlinie

für die neue Kommissionschefin

ab.Von der

Leyen hat erklärt, sie wolle

das sogenannte Spitzen-

GETTY IMAGES

kandidaten-System stärken.

Damit soll bei der

nächsten Europa-Wahl im

Jahr 2024 sichergestellt

werden, dass die Staats- und Regierungschefs

nicht erneut die Spitzenkandidaten

der Parteien bei der Suche

nach geeignetem Spitzenpersonal

missachten. Außerdem soll das

Europa-Parlament ein Initiativrecht

für Gesetzesvorschläge bekommen.

Allerdings machten EU-Diplomaten

bereits deutlich, dass diese Projekte

aufWiderstand in kleineren Mitgliedstaaten

stoßen könnten. Die

Sorge ist offenbar groß, dass Staaten

mit vielen Einwohnern wie Deutschland

und Frankreich imVorteilwären,

wenn zusammen mit einem festen

Spitzenkandidaten-System auch

transnationale Wahllisten eingeführt

werden. Außerdem könnten diese

Staaten versuchen, über ihre Abgeordneten

im Parlament Gesetzesvorschläge

zu lancieren. Auch hier wären

kleinereStaaten benachteiligt.

Bevoresjedochzudiesen Konflikten

kommt, muss Ursula von der

Leyen ihre Kommission zusammenstellen.

Siehat in ihrerRedeangekündigt,

dass dem 28-köpfigen Kollegium

ebenso viele Frauen wie Männer angehören

müssen. Bislang zeichnet

sich noch nicht ab, dass jedes Land

demWunsch vonder Leyens entsprechen

wird und ihr einen Mann und

eine Frau zur Auswahlvorschlägt.

Spätestens Ende September muss

das Team aber stehen. Dann beginnen

die Anhörungen der einzelnen

Kommissarinnen und Kommissare

im Europa-Parlament. Die gesamte

Kommission muss bestätigt werden.

In der Vergangenheit haben die Abgeordneten

wiederholt einzelne

Kommissare abgelehnt. Das dürfte

angesichts des polarisierten Parlaments

auch der neuen EU-Kommissionspräsidentin

bevorstehen.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute scheint immer wieder die Sonne, doch teilweise ziehen Wolken vorüber.

Die Höchstwerte klettern auf 25 bis 27 Grad, und der Wind weht

schwach aus Südost. In der Nacht gibt es viele Wolken sowie ab und zu

Regenschauer, und die Tiefsttemperaturen liegen bei 18 bis 15 Grad.

Biowetter: Der Kreislauf wird zahlreichen

Belastungen ausgesetzt.

Kopfschmerzen, Migräneattacken,

Schwindelgefühle und niedriger Blutdruck

machen zu schaffen. Der 13°/26°

Wittenberge

Stoffwechsel läuft verlangsamt ab.

Pollenflug: Die Belastung durch

Brennnessel- und Spitzwegerichpollen

ist mäßig bis stark. Darüber hinaus

sind Pollen von Linden,

Gänsefuß und Gräsern unterwegs.

Gefühlte Temperatur: maximal 25Grad.

Wind: leichter Wind aus Südost.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

14°/26° 14°/25°

Luckenwalde

13°/27°

Freitag

Sonnabend

Sonntag

Regenschauer wolkig Gewitter

18°/27° 18°/29° 19°/27°

Prenzlau

10°/26°

Cottbus

13°/27°

Frankfurt

(Oder)

11°/27°

Zunehmend bestimmt ein Tief über den nördlichen Britischen Inseln mit seinen

Wetterfronten das Wetter immitteleuropäischen Raum. Dabei wird auch feuchtwarme

Luft heran geführt. Dies bringt vereinzelt Schauer und Gewitter. ImMittelmeerraum

beruhigt sich das Wetter. Sommerlich heiß ist es dagegen auf der

Iberischen Halbinsel.

Sylt

14°/25°

Hannover

12°/26°

Köln

14°/27°

Saarbrücken

14°/28°

Konstanz

16°/28°

Hamburg

13°/23°

Erfurt

11°/26°

Frankfurt/Main

17°/28°

Stuttgart

16°/28°

Rügen

12°/24°

Rostock

11°/24°

Magdeburg

13°/27°

Nürnberg

13°/27°

München

13°/27°

Dresden

13°/25°

Deutschland: Heute ist esüberwiegend

wechselnd bewölkt. Ab und zu

gibt es Regenschauer, und die Temperaturen

klettern amTage auf

23 bis 28Grad. Nachts gehen die

Wertedann auf 18 bis 13Grad zurück.

Der Wind weht nur schwach

aus südöstlichen Richtungen. Morgen

gehen häufig Regenschauer nieder.

Wolken und Sonne wechseln

sich ab. Die Temperaturspanne umfasst

22 bis 28Grad, und der Wind

weht schwach aus westlichen Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 17°-18°

Nordsee: 17°-18°

Mittelmeer: 23°-31°

Ost-Atlantik: 16°-22°

Mondphasen: 25.07. 01.08. 07.08. 15.08.

Sonnenaufgang: 05:05 Uhr Sonnenuntergang: 21:19 Uhr Mondaufgang: 22:26 Uhr Monduntergang: 06:20 Uhr

Lissabon

29°

Las Palmas

26°

Madrid

35°

Reykjavik

19°

Dublin

20°

London

25°

Paris

26°

Bordeaux

25°

Palma

31°

Algier

30°

Nizza

26°

Trondheim

23°

Oslo

22°

Stockholm

25°

Kopenhagen

22°

Berlin

25°

Mailand

30°

Tunis

32°

Rom

29°

Warschau

22°

Wien

29° Budapest

29°

Palermo

27°

Kiruna

18°

Oulu

21°

Dubrovnik

27°

Athen

32°

St. Petersburg

17°

Wilna

21°

Kiew

22°

Odessa

27°

Varna

27°

Istanbul

29°

Iraklio

28°

Archangelsk

23°

Moskau

24°

Ankara

21°

Antalya

31°

Acapulco 34° Gewitter

Bali 33° wolkig

Bangkok 34° wolkig

Barbados 29° Gewitter

Buenos Aires 16° sonnig

Casablanca 23° heiter

Chicago 34° sonnig

Dakar 28° wolkig

Dubai 38° heiter

Hongkong 37° wolkig

Jerusalem 32° sonnig

Johannesburg 20° sonnig

Kairo 38° sonnig

Kapstadt 17° Regen

Los Angeles 20° heiter

Manila 32° Gewitter

Miami 34° heiter

Nairobi 24° bewölkt

Neu Delhi 35° Gewitter

New York 28° Schauer

Peking 35° heiter

Perth 20° Regen

Phuket 33° Gewitter

Rio de Janeiro 21° bewölkt

San Francisco 19° bewölkt

Santo Domingo 32° heiter

Seychellen 26° Schauer

Singapur 31° Gewitter

Sydney 19° sonnig

Tokio 31° wolkig

Toronto 28° wolkig


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 3 *

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Report

„Wir haben jetzt mit

der Annegret

keine Verlegenheitslösung.“

Horst Seehofer, Bundesinnenminister (CSU)

„Sie hatte im Saarland sehr viel mit der Bundeswehr

zu tun. Sie war die erste Innenministerin

eines Landes. Insofern: Sie kennt sich aus.“

Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerin (CDU)

DPA (4)

„Zügig einige

Baustellen

aufräumen“

Wehrbeauftragter spricht

über den Personalwechsel

Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter

des Bundestages,erklärt

im Interview, welche Aufgaben die

neue Bundesverteidigungsministerin

Annegret Kramp-Karrenbauer in

ihrem Amt dringend wird angehen

müssen –und wie viel Geld dafür gebraucht

wird.

Hand in Hand: Annegret Kramp-Karrenbauer,die neue Verteidigungsministerin, und Ursula von der Leyen, die Vorgängerin, die nun nach Brüssel geht.

Vor dem sonnenbeschienenen

Berliner Bendlerblock

schmettert das Heeresmusikkorps

heitere Marschmusik.

Seite an Seite blicken die zwei

Frauen, denen die Pauken- und

Trompetenklänge an diesem Mittwochvormittag

gelten, zu den Musikern

inUniform herüber. Daatmet

eine vonbeiden sichtlich bewegt auf.

Ursula von der Leyen scheint ergriffen

von dem Moment ihres Abschieds

von der Truppe. Die künftige

EU-Kommissionspräsidentin dreht

sich zu Annegret Kramp-Karrenbauer,

ihr Blick strahlt Wehmut aus. Kramp-

Karrenbauer lächelt. Ihre Hand nähert

sich der vonder Leyens,umklammert

sie. Hand in Hand stehen sie da: die

scheidende und die neue Bundesverteidigungsministerin.

Es ist eine Geste,

die Zuneigung und Dankbarkeit ausstrahlt.

Kramp-Karrenbauer sendet

aber auch die Botschaft aus: Seht her,

ich habe die Dinge im Griff.

Leben und Tod

Plötzlich „IBuK“. So lautet in der an

Abkürzungen reichen Sprache der

Bundeswehr die Kurzform für den

„Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt“.

Es ist einer der verantwortungsvollsten

Posten, den die

Bundesrepublik zu vergeben hat.

Werihn innehat, bestimmt über ein

Ministerium mit sehr hohem Budget.

Über Männer und Frauen, die in

Kriege ziehen. Unddamit auch über

Leben und Tod. Fortan füllt diesen

Posten Annegret Kramp-Karrenbauer

aus. CDU-Vorsitzende, einstige

saarländische Ministerpräsidentin,

Politologin, dreifache Mutter.

Kann sie das?

Dienstagabend, kurz nach 20

Uhr. Ursula von der Leyen hat die

Wahl zur EU-Kommissionspräsidentin

im europäischen Parlament

knapp gewonnen. Ihr Wechsel von

Berlin nach Brüssel steht fest. Ein

Nachfolger von der Leyens scheint

auch gefunden: Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn soll es machen,

so vermeldet es unter anderem

dessen Biograf auf Twitter. Eine Bestätigung

aber gibt es nicht.

Die Mitglieder des CDU-Präsidiums

erhoffen sich Aufklärung in einer

Telefonschaltkonferenz, die die

Parteivorsitzende Kramp-Karrenbauer

kurzfristig einberuft. Bundesminister,Ministerpräsidenten,

Fraktionschefs

–sie wählen sich um 21

Uhr indie Konferenz ein; auch jene,

die im Urlaub sind. 18 Präsidiumsmitglieder

sind in der Leitung, nur

eines fehlt. Bei der Einwahl der

Kanzlerin gibt es offenbar technische

Probleme.Dann stößt auch Angela

Merkel in die Runde.

Kramp-Karrenbauer ergreift das

Wort, spricht von einem „historischer

Tagfür Europa und die Union“.

Man beglückwünscht einander zum

Sieg von der Leyens in Straßburg.

Knapp sei es gewesen, da sind sich

alle einig. Eine dunkle Bassstimme

warnt: „Wir können jetzt nicht einfach

zur Tagesordnung übergehen.“

Es ist Hessens Ministerpräsident

Volker Bouffier. Das Verhalten der

deutschen Sozialdemokraten sei

„schlicht inakzeptabel“. Auch hier:

Zustimmung. Nächstes Thema.

Kramp-Karrenbauer ergreift das

Wort. Sie habe der Runde zur Nachfolge

von der Leyens im Verteidigungsministerium

„eine wichtige

Entscheidung“ mitzuteilen. Sie

selbst werde Verteidigungsministerin.

Das sei mit Merkel so abgestimmt.

Stille in der Leitung.

„Das war für alle eine Überraschung“,

sagt einer,der dabei war.Es

vergeht ein Moment, ehe Zustimmung

und Gratulationen folgen. „Ist

Spahn noch da?“, fragt einer. „Ja“,

Spahn ist noch in der Leitung. Er versichert,

dass die Entscheidung in

Ordnung sei und er seinen Job im

Gesundheitsministerium ja gerne

mache. Dann endet die etwa halbstündige

Telefonschalte.Die Überraschungsnachricht

vom Wechsel

Kramp-Karrenbauers ins Verteidigungsministerium

ist schnell in der

Welt. Und mit ihr auch die Frage:

Warum? Was hat AKK zu diesem

Schritt bewogen?

Das Erstaunen über die Entscheidung

Kramp-Karrenbauers speist sich

Angetreten

Annegret Kramp-Karrenbauer wollte CDU-Chefin sein,

nichts weiter.Nun ist sie obendrein

Verteidigungsministerin. Warum?

VonMarina Kormbaki

aus vier Gründen, mindestens. Erstens:

Die 56-jährige Saarländerin verfügt

bisher weder über ein scharfes außen-

noch über ein sicherheitspolitisches

Profil. DieWelt der Militärs,ihre

Dienstgrade und Codes sind Kramp-

Karrenbauer unbekannt. UnddasVerteidigungsministerium

ist nicht gerade

ein Ressort, das seinem Chef oder

seiner Chefin eine Phase entspannter

Einarbeitung böte.

„Ich gehe mit

vollem Herzen und

voller Überzeugung

mein Amt als Bundesverteidigungsministerin

an.“

Annegret Kramp-Karrenbauer

Zweitens: Dieses Haus birgt allerhand

politische Risiken. Das bürokratisch-verwinkelte

Beschaffungswesen

mit der schwelenden „Berater-Affäre“,

dazu chronische Materialmängel,

ewige Personalnöte,

umstrittene Auslandsmandate und

rechte Umtriebe in der Truppe: Es

wimmelt in diesem Ressort nur so

von Fallen, die einer Politikerin

schnell zum Verhängnis werden

können. Zumal einer Politikerin mit

höheren Ambitionen. Kramp-Karrenbauer

läuft sich ja für eine Kanzlerkandidatur

warm.

Dass sie sich dennoch für dasVerteidigungsressort

entschied, ist –

drittens –verwunderlich angesichts

GETTY IMAGES/SEAN OMER MESSINGER

der Lage in der CDU. Mitnichten hat

die Partei ihre herben Verluste bei

der Bundestagswahl 2017 verwunden.

Und der Ausgang der Europawahl

im Mai war gewiss nicht dazu

angetan, Hoffnungen auf eine

Trendwende zu nähren. Die CDU

verliertWähler an Grüne und an AfD.

Ein Dilemma, aus dem Kramp-Karrenbauer

einen programmatischen

Ausweg weisen will. Allerdings

dürfte ihreEinarbeitung insVerteidigungsressort

sowie die vielen Auslandsreisen

und Truppenbesuche

kaum viel Zeit für die Erneuerung

der CDU lassen. Und der junge

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak

hat bisher nicht den Eindruck erweckt,

dass er das Konrad-Adenauer-Haus

im Alleingang neu aufstellen

könnte.

Doch der gewichtigste Grund dafür,

dass Kramp-Karrenbauers Verkündung

am Dienstagabend in der

CDU-Präsidiumsschalte und in der

Öffentlichkeit Überraschung hervorrief,

sind ihre eigenen Worte. Immer

wieder hatte sie versichert, ihr Platz

sei in der CDU-Parteizentrale und

nicht am Kabinettstisch von Angela

Merkel. Im Parteiamt wolle sie sich

bundespolitisch profilieren – nicht

im Regierungsamt, wo sie ja das

triste Erscheinungsbild der GroKo

mitzuverantworten hätte.

Zwei Wochen erst ist es her, da

fragt sie die Bild-Zeitung, ob sie nach

einem Wechsel von der Leyens nach

Brüssel ins Kabinett gehen würde.

„Ich habe mich bewusst entschieden,

aus einem Staatsamt in ein Parteiamt

zu wechseln“, antwortet

Kramp-Karrenbauer. „Es gibt in der

CDU viel zu tun.“ Noch am Dienstagabend,

wenige Minuten vor der

Telefonschalte mit ihren Parteikollegen,

deutet Kramp-Karrrenbauer in

einem „Tagesthemen“-Interview ihren

Schritt mit keinem Wort an. Auf

die Frage, obSpahn Verteidigungsminister

wird, spricht sie von anstehenden

„Beratungen“ und „Entscheidungen“

der Partei und der

Kanzlerin. DasInterview wurde ausgestrahlt,

als Kramp-Karrenbauers

Wechsel in den Bendlerblock schon

bekannt war. Esdürfte als eines der

sonderbarsten Politiker-Interviews

in die Geschichte des öffentlichrechtlichenRundfunks

eingehen.

Dass Kramp-Karrenbauer im Widerspruch

zu vorherigen Zusicherungen

gehandelt hat, wirft einen

Schatten auf ihren Start inder Bundesregierung.

Kramp-Karrenbauers

Glaubwürdigkeit ist angekratzt. Dabei

muss sie jetzt um das Vertrauen

der Soldaten werben. DieStimmung

in der Truppe ist ohnehin mies, seit

von der Leyen nach rechtsextremistischen

Vorfällen der Bundeswehr

pauschal ein Haltungsproblem attestierte.

Der Wunsch nach einem

männlichen Nachfolger von der

Leyens, am besten einem, der gedient

hat, war groß in der Armee.

Dementsprechend ist nun die Enttäuschung

einiger Militärs. Man

diene bloß als Sprungbrett für Höheres,

heißt es. Manch einer sieht wiederum

die harte Bewährungsprobe,

unter der die neue Ministerin nun

steht, als Chance für die Truppe:

Kramp-Karrenbauer muss liefern –

andernfalls kann sie etwaige Kanzlerschaftsambitionen

vergessen.

Viel Verantwortung

Kramp-Karrenbauer ist jetzt darum

bemüht, dieZweifelanihrer Eignung

auszuräumen. „Ich gehe mit vollem

Herzen und auch voller Überzeugung

mein Amt als Bundesverteidigungsministerin

an“, sagt sie am

Mittwochvormittag bei ihrem Antrittsbesuch

im Verteidigungsministerium.

Sie würdigt die Soldaten im

Auslandseinsatz, dieimNotfall auch

kämpfen müssten,umdie Sicherheit

Deutschlands zu verteidigen. „Das

ist eine hohe Verantwortung“, sagt

die neue Verteidigungsministerin.

Gemeint ist die Verantwortung der

Soldaten. Gemeint ist aber auch die

Verantwortungihrer neuenChefin.

Marina Kormbaki dachte,

Spahn würdeder nächste

Verteidigungsminister.

Herr Bartels, was erwarten Sie von

der neuen Verteidigungsministerin?

Die neue Ministerin sollte zügig

einige Baustellen aufräumen, die

brachliegen. Ursula von der Leyen

wollte das Beschaffungsmanagement

reformieren, das steht bisher

aus. Die Reform sollte nun wirklich

noch in diesem Jahr kommen. Und

ein paar überfällige Rüstungsentscheidungen

wären jetzt zu treffen,

Stichworte: Nachfolge des Jagdbombers

Tornado, Fregatte MKS 180,

Luftverteidigungssystem, schwerer

Transporthubschrauber. Zudem

muss die innere Bundeswehrstruktur

verbessert werden. Das ist alles

andereals ein Nebenjob.

Wasmeinen Siegenau?

Die Bundeswehr ist strukturell

dysfunktional für ihre heutigen Aufgaben

aufgestellt.

Anstelle

der Zentralisierung

aus der Zeit

des Schrumpfens

sollte Verantwortung

und

Regelungskompetenz

jetzt stärker

auf die Ebene Hans-Peter

der Bataillone Bartels

verlagert werden

–vom Personal über Instandsetzung

des Materials bis zur Infrastruktur.

Diese Maßnahmen kosten kein

Geld. Aber für die Effektivität des

Dienstes und der Motivation wäre

das Gold.

DPA

Sehen Sie auch Aufgaben, die Geld

kosten und erledigt werden müssen?

Klar! Die Bundeswehr könnte ein

„Sofortprogramm persönliche Ausstattung“

brauchen, um in zwei bis

drei Jahren dieses Thema endlich

mal komplett abgehakt zu haben.

Das umfasst Kampfbekleidung,

Schutzwesten, Nachtsichtgeräte und

dergleichen. Die Bundeswehr

braucht dafür kurzfristig vielleicht

zwei Milliarden Euro. Das müsste

mit dem durchaus bundeswehrfreundlichen

Parlament machbar

sein.

Frau Kramp-Karrenbauer hat angekündigt,

für das Zwei-Prozent-Ziel

der Nato kämpfen zu wollen. Ist das

richtig?

Zunächst ist es wichtig, dass bis

zum Jahr 2024 die in der Koalition

vereinbarte 1,5-Prozent-Marke erreicht

wird. Damit ließen sich viele

Lücken bei Personal und Material

schließen.

Trauen Sie Annegret Kramp-Karrenbauer

zu, diese Aufgabe zu lösen?

Ja, wenn sie sich auf die Sache

konzentriert. Die Truppe hätte verständlicherweise

gern eine Verteidigungsministerin,

die sich mit voller

Kraft umdie Bundeswehr kümmert.

Dafür hätte sie dann alle Unterstützung,

die sie sich nur wünschen

kann.

DasGespräch führte

Gordon Repinski.


4* Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Görlitzer Bürgermeister im

Internet bedroht

Derdesignierte Görlitzer Oberbürgermeister

Octavian Ursu (CDU) ist

Ziel heftiger Attacken in sozialen

Netzwerken. DerStaatsschutz ermittelte

allein in jüngster Vergangenheit

in drei Verfahren wegen Hasspostings

an den künftigen Görlitzer

Stadtchef, wie das MDR-Magazin

„Exakt“ am Mittwoch berichtete.

Ursu hatte sich bei der Oberbürgermeisterwahl

in der ostsächsischen

Stadt in einer Stichwahl gegen einen

AfD-Kandidaten durchgesetzt. (AFP)

Fall Lübcke: Gutachten

belastet Stephan E.

Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten

Walter Lübcke

haben Kriminaltechniker die Tatwaffe

zweifelsfrei identifiziert. Ihr

Gutachten belaste den Tatverdächtigen

Stephan E. schwer,berichtete

der Spiegel am Dienstagabend online.Demnach

wurde der tödliche

Schuss auf Lübcke mit einer Waffe

des Kalibers .38 Spezial abgegeben,

die E. mit anderen Waffen auf dem

Gelände seines Arbeitgebers vergraben

hatte. (dpa)

Berufung gegen Freilassung

von Kapitänin Rackete

DieStaatsanwaltschaft in Italien hat

Berufung gegen die Freilassung von

Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete

eingelegt. DieBehörde im sizilianischen

Agrigent habe diese am

Mittwoch beim Kassationsgericht

in Rom–Italiens oberstem Gericht –

eingereicht, berichteten italienische

Nachrichtenagenturen übereinstimmend.

Racketes Anwalt bestätigte

dies der Deutschen Presse-

Agentur.Die Berufung sei unabhängig

vonder Vernehmung der

Deutschen, die für diesen Donnerstag

in Agrigent angesetzt ist. (dpa)

Macron ernennt Borne zur

Umweltministerin

Elisabeth Borne bleibt auch französische

Verkehrsministerin.

AFP

Nach dem Rücktritt des vonEnthüllungsberichten

diskreditierten französischen

Umweltministers hat

Staatschef Emmanuel Macron ungewöhnlich

rasch eine Nachfolgerin

ernannt. Verkehrsministerin Elisabeth

Borneübernehme das Amt, wie

der Élysée-Palast bekannt gab.Die

Zuständigkeit für Verkehrspolitik im

Kabinett vonPremierminister

ÉdouardPhilippe soll die 58-Jährige

laut der Nachrichtenagentur AFP behalten.

(AFP)

Militär und Opposition wollen

im Sudan Macht teilen

Nach den blutigen Auseinandersetzungen

der vergangenen Wochen

haben sich der Militärrat im Sudan

und die bürgerliche Protestbewegung

auf eine Teilung der Macht geeinigt.

Vertreter beider Seiten unterzeichneten

am Mittwochmorgen in

der Hauptstadt Khartum ein Abkommen

für die Bildung einer Übergangsregierung,

die drei Jahreund

drei Monate im Amt bleiben soll. An

den zähenVerhandlungen waren das

Nachbarland Äthiopien und die Afrikanische

Union (AU) maßgeblich

beteiligt. (AFP)

Noch mal neu

In ihrem ersten Jahrals Bildungsministerin hat Anja Karliczekkeine guteFigur gemacht. Läuftesjetztbesser?

VonTobias Peter

KungFu – Kunststoff goes

Future“ heißt das Projekt

im nordrhein-westfälischen

Lemgo,das hilft, Jugendliche

als Auszubildende in

Kunststoffunternehmen zu vermitteln.

Ein selbstbewusst klingender

Name.Doch der Mann, der es gerade

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek

(CDU) vorgestellt hat, spricht

jetzt für einen Moment leise, verdruckst.

Wenn man denn schon mal einen

Star wie die Ministerin da habe, sagt

er, wäre esdoch schön, wenn sie für

die Jugendlichen ein paar Tassen signieren

könne. „Meinen Sie, ich

könnte das?“, fragt Karliczek –und

landet den erwünschten Lacher im

Publikum. Sie beginnt mit dem Autogramm-Schreiben.

Anja Karliczek, Superstar? Es ist

eine ungewöhnliche Geschichte mit

dieser Ministerin. Die Frau aus dem

Münsterland, die zu Beginn der Legislaturperiode

überraschend Bildungsministerin

wurde, hatte sich

schnell selbst ins Abseits gespielt. In

ihrem ersten Jahr im Amt überstrapazierte

sie den Hinweis, sie wolle als

Neueinsteigerin in der Bildungspolitik

noch dazulernen.Viele warfen ihre

vollkommene Profillosigkeit vor.

Der Tiefpunkt war ein doppelter

PR-GAUinnerhalb weniger Tage: Mit

dem Satz, 5G sei „nicht an jeder

Milchkanne notwendig“, stieß sie

die Menschen aus dem ländlichen

Raum vor den Kopf. Mit der Forderung

nach Langzeitstudien zum

Wohlergehen von Kindern, die in

gleichgeschlechtlichen Partnerschaften

aufwachsen, sorgte sie für

Kopfschütteln.

Doch seit einiger Zeit ist von einem

Neubeginn die Rede.„Frau Karliczek

wacht auf“, schrieb etwa die

Tageszeitung Die Welt. Was ist passiert?

Die Ministerin hat Personal

ausgetauscht. Unter anderem hat sie

sich einen Sprecher geholt, der sie

offensiv in die Öffentlichkeit bringt.

MitErfolg. Karliczek wirkt präsenter,

wobei sie auch davon profitiert, dass

sie mit der Bafög-Reformund der Einigung

auf eine Nachfolge des Hochschulpaktes

endlich erste Ergebnisse

vorweisen kann.

Mitpopulärem Thema punkten

Jetzt versucht Karliczek zudem, sich

mit einen populären Thema zu profilieren:

der Klimapolitik. Von 2018

bis 2021 will das Bildungsministerium

2,3 Milliarden Euro für Projekte

in den Bereichen Klimaforschung

und Energie ausgeben. Daswar zwar

Mit Bedauern stellen wir fest,

dass immer häufiger versucht

wird, am Völkerrecht und den globalen

Entscheidungsformaten vorbei

zu agieren. Länder,die einst Prediger

des freien Handels und fairen Wettbewerbs

waren, sprechen zunehmend

die Sprache von Handelskriegen

und Sanktionen. Sietun das,weil

sie den Übergang zu einer multipolaren

Weltordnung verhindern, eigene

Exklusivitätsansprüche geltend

machen und ihreVormacht in internationalen

Angelegenheiten weiter

ausüben wollen.

Einseitige Restriktionen unter

Missachtung des Völkerrechts, der

UN-Charta und der globalen Handelsregeln

sind zum wichtigen außenpolitischen

Instrument einiger

Staaten geworden. Diese Entwicklung

löst weltweit Sorge aus und sie

erschwert multilaterale Bemühungen.

Das gilt auch in Bereichen, wo

eine Bündelung der Potenziale dringend

nötig ist –Terrorbekämpfung,

Abrüstung, Nichtverbreitung von

Massenvernichtungswaffen oder Cybersicherheit.

Wir sind überzeugt,

dass kein Staat berechtigt ist, anderen

seinenWillen zu diktieren, sich in ihre

inneren Angelegenheiten einzumi-

Nach einem Jahr im Amt hat Anja Karliczek immer noch einen schweren Stand.

„Wenn wir das mit dem Klimaschutz

richtig machen, dann können

daraus auch neue Geschäftsmodelle

entstehen.“

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung

von Anfang an so geplant. Doch seit

in vielen deutschen Städten jeden

Freitag Schüler für den Klimaschutz

demonstrieren, rückt Karliczek die

Arbeit ihres Ministeriums in dem Bereich

stärker in den Blick der Öffentlichkeit.

Mit orangefarbenem Helm und

Schutzbrille lässt Karliczek sich bei

Thyssenkrupp in Duisburg über das

Werksgelände führen. Sie lässt sich

dort das Projekt „Carbon2Chem“

zeigen, in dem erforscht wird, wie

aus Hüttengasen der Stahlindustrie

Vorprodukte für Kraftstoffe, Kunststoffe

oder Düngemittel werden

können. Die Idee dahinter: Jenes

Kohlendioxid, das die Industrie auch

mit noch so großer Anstrengung

nicht einsparen kann, soll in etwas

Nützliches umgewandelt werden.

Das Bundesbildungsministerium

fördert das Forschungsprojekt mit

mehr als 60 Millionen Euro.„Klimaschutz

kann ein Innovationsmotor

sein“, sagt Karliczek nach der Betriebsbesichtigung.

„Wenn wir das

mit dem Klimaschutz richtig machen,

dann können daraus auch

neue Geschäftsmodelle entstehen.“

Thyssenkrupp setzt in der Tatdarauf,

Produktionsanlagen mit der neuen

Technologie einmal verkaufen zu

können, wenn sie ausgereift sind.

Ist bei Bildungsministerin Karliczek

jetzt also alles in bester Ordnung?

Nein, sagen Kritiker. Da ist

zum einen der Riesenärger über die

„Einseitige Sanktionen

sind absolut ineffektiv“

VonSergej J. Netschajew,

Botschafter Russlands in Deutschland

schen und die Souveränität der anderen

zuverletzen. Rechtswidrige einseitige

Sanktionen betrachten wir als

gefährliches Instrument unsauberer

Konkurrenz, das die Entwicklung eines

gerechten internationalen Wirtschaftsgefüges

abbremst. Oft sind

Handelsprotektionismus und die Bestrebung

nach Monopolisierung der

Marktzugänge ihr wahrer Grund.

Gastbeitrag

DPA/ KAY NIETFELD

DPA

Dabei sind einseitige Sanktionen

absolut ineffektiv. Essei daran erinnert,

dass auch Russland es in den

vergangenen Jahren mit einer ganzen

Reihe vonSanktionen und Restriktionen

zu tun hatte. Nichtsdestotrotz

konnten unsere Opponenten keines

ihrer erklärten Zieleerreichen.Weder

konnten sie die „Verhaltensweise“

unseres Landes auf internationalem

Entscheidung über den Standort einer

mit 500 Millionen Euro geförderten

Batterieforschungsfabrik. Die

Fabrik soll ausgerechnet in Münster

entstehen, also in Karliczeks westfälischer

Heimat. Um den Auftrag konkurriert

haben auch Ulm, Augsburg

und Salzgitter – die Ministerpräsidenten

von Baden-Württemberg,

Bayern undNiedersachsen zürnen.

Karliczek betont, sie selbst habe

sich extraaus der Entscheidung herausgehalten,

diese sei von der Fachabteilung

getroffen worden. In der

Außenwirkung bleibt die Sachedennoch

problematisch, zumal das Ministerium

argumentiert, die Bewerbung

in Münster habe sich durch ein

besonders gutes Recycling-Konzept

von den anderen abgehoben. Das

Kompetenzzentrum Batterierecycling

soll ausgerechnet in Ibbenbüren

eingerichtet werden. Das ist Karliczeks

Heimatstadt.

Streitfall Zentralabitur

In eine andere Diskussion hat sich

die Bundesbildungsministerin inzwischen

eingeschaltet. OECD-Bildungsdirektor

Andreas Schleicher

hatte Deutschland zu einem bundesweiten

Zentralabitur geraten.

„Ein Abitur auf Landesebene macht

genauso wenig Sinn, wie dass jeder

Provinzfürst seine eigene Währung

druckt“, hatte Schleicher gesagt.

Karliczek nahm das Thema dankbar

auf: „Die Aussagen von Herrn

Schleicher sind völlig zutreffend. Wir

brauchen mehr Fairness und Vergleichbarkeit

beim Abitur in

Deutschland.“ Noch in diesem Jahr

sollten die Länder ihrer Meinung

nach zu ersten Ergebnissen kommen.

„Der Nationale Bildungsrat,

über den wir schon so lange verhandeln,

könnte in den kommenden

Jahren bei Umsetzung dieses Vorhabens

sehr hilfreich sein.“

Aus einzelnen Ländern kommt

allerdings heftige Kritik an den Plänen.

Nicht nur deshalb bleibt abzuwarten,

ob die Debatte dem Image

der Ministerin am Ende nützt.

Kritiker sehen immer noch

grundlegende Probleme mit Karliczeks

Amtsführung. Sie fremdele mit

dem Wissenschaftsbetrieb – und

umgekehrt. Selbst manch einer aus

der Union beklagt unter der Hand, es

fehle der Ministerin noch immer in

manchen Punkten an vertiefter

Kenntnis.Und an Leidenschaft.

Tobias Peter hat auf den

Reisen der Ministerin auch

ihren Kritikernzugehört.

Parkett ändern, noch die russische

Wirtschaft „zerfetzen“. Wir bemerken,

dass die Schädlichkeit, Sinnlosigkeit

und der verlustreiche Charakter

der Russland-Sanktionen immer

deutlicher in Deutschland und weiterenEU-Ländernerkannt

werden.

Russland war nie dafür,die Sanktionsspirale

in Gang zu setzen. Unser

Land war und bleibt ein verantwortungsbewusster

internationaler Akteur

und zuverlässiger Wirtschaftspartner.Unser

Kurs auf eine gleichberechtigte,konstruktiveund

gegenseitig

vorteilhafte Zusammenarbeit mit

interessierten Ländern bleibt unverändert.

Wir sind der Meinung, dass

derinternationalen Kooperation und

dem globalen Handeldie Grundsätze

des freien Wettbewerbs zugrunde liegen

müssen. Entschieden verurteilen

wird die Bestrebung einzelner Länder,

den Rahmen der Kooperation

zwischen anderen Staaten zu bestimmen

und ihre nationalen Gesetze

auch international anzuwenden.

Mansolltenicht vergessen:Werheute

diese Maßnahmen rechtfertigt oder

so tut, als wären sie gar nicht da, kann

morgen selbst zum Gegenstand der

rechtswidrigen Restriktionen werden.

Seehofer

gegen feste

Quoten

Innenminister will Regel für

Verteilung der Migranten

Bundesinnenminister Horst Seehofer

(CSU) will beim Treffen der

EU-Innenminister für eine „temporäre

Übergangsregelung“ zur Verteilung

von aus Seenot geretteten Migranten

werben. Feste Aufnahmequoten

bestimmter Länder sollte es

seiner Ansicht nach aber nicht geben.

Damit wolle er verhindern,

„dass es als faktische Grenzöffnung

begriffen wird“, sagte Seehofer am

Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung

des Jahresberichts 2018 der

Bundespolizei.

Migranten vor dem Ertrinken zu

retten und sie anschließend in einen

sicheren Hafen zu bringen, sei eine

Selbstverständlichkeit, erklärte der

Innenminister vor seiner Abreise zu

dem EU-Treffen in Helsinki. Er betonte

jedoch: „Das muss nicht zwingend

ein europäischer Hafen sein.“

Seehofer lobte ausdrücklich die Unterstützung

Italiens für die libysche

Küstenwache.

Akute Gefahr

Bundespolizeipräsident Dieter Romann

sagte, die nächstgelegenen

Häfen an der nordafrikanischen

Küste kämen für die Aufnahme der

Geretteten „naturgemäß infrage“.

Aufgrund des bewaffneten Konflikts

in Libyen seien die libyschen

Häfen davon allerdings zurzeit ausgenommen,

erklärten Romann und

Seehofer.

Die Hilfsorganisation Ärzte

ohne Grenzen forderte die Bundesregierung

mit Blick auf die Gefahren

in Libyen auf, „jetzt Evakuierungsflüge

für die im Kriegsgebiet

gefangenen Geflüchteten und Migranten

zu organisieren“. 3800

Menschen seien in den offiziellen

Internierungslagern nahe der

Frontlinien in und um Tripolis in

akuter Gefahr. Einige seien in unmittelbarer

Nähe militärischer Einrichtungen

gefangen und deshalb

besonders gefährdet.

BundespolizeipräsidentDieter Romann (l.)

und Innenminister Horst Seehofer (CSU) DPA

Dokumenten- und Visumberater

der Bundespolizei verhinderten

im vergangenen Jahr 34 516 unerlaubte

Einreisen nach Deutschland

bereits im Vorfeld. Das entspricht

einer Steigerung von8,6 Prozent im

VergleichzumVorjahr. Wieaus dem

Jahresbericht der Behörde hervorgeht,

sind die 64 Berater in 27 Ländern

bei ausländischen Grenzdienststellen,

Beförderungsunternehmen

sowie in den Visastellen

der deutschen Auslandsvertretungen

präsent. Diemeisten vonihnen

sind in Asien im Einsatz.

An den deutschen Grenzen warenimvergangenen

Jahr 42 478 unerlaubte

Einreisen festgestellt worden

–ein Rückgang um 15 Prozent

im Vergleich zu 2017. Romann beklagte,

dass viele Abschiebungen

schon im Vorfeld scheitern. Er

sagte: „Alleine mit der Rückführung

werden wir das Problem der

unerlaubten Einreise nicht in den

Griff kriegen.“

Seehofer sprach sich für eine Intensivierung

der Schleierfahndung

an den deutschen Grenzen aus. Es

sei auch zu überlegen, ob diese Form

der „intelligenten Grenzsicherung“

nicht auch über den bislang geltenden

Radius von 30Kilometern diesseits

der Grenze ausgeweitet werden

müsse.


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 5 *

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Politik

Laut UN-Flüchtlingshilfswerkwurden bislang 2911 Menschen aus dem Bürgerkriegsland Libyen in das Nachbarland Niger gebracht.

AFP/ISSOUF SANOGO

Im Niemandsland des Asyls

VieleMigranten werden in libyschen Flüchtlingslagern gefoltert. Ein von der EU gefördertes Programm soll sie retten –doch viele stranden im Niger

VonIrene Savio

Das Erlebnis wird Jamila

nie vergessen: Gefesselt

saß sie den ganzen Tag

lang auf dem Boden vor

dem Lager. Die sengende Sonne Libyens

knallte auf sie herunter. Ihr

Körper war übersät mit Zucker, um

Insekten anzulocken. Das hatten

sich ihre Peiniger überlegt, um ihre

Tortur zu verschlimmern.

„Als wir Libyen erreicht hatten,

verlangten die Schmuggler unglaublich

viel Geld, 20 000 Dollar für mich

und meinen Mann“, erinnertsich Jamila

heute im Schutz eines Transitzentrums

im Nachbarland Niger.Ihrenwahren

Namen will sie aus Angst

nicht preisgeben.

Die 23-Jährige wollte der Gewalt

in ihre Heimat Somalia entkommen

und nach Europa fliehen, fiel aber im

Bürgerkriegsland Libyen in die

Hände von Menschenschmugglern.

Zusammen mit anderen Migranten

wurde sie in LagerninKufra, im Südosten

Libyens,und in Bani Walid, im

Norden des Landes, gehalten. An

den Tagen der Tortur träumte sie von

einer Zukunft in Europa. „Die meisten

meiner Freunde in dem Lager

dachten an Deutschland, an das

Land, in dem wir sein wollen.“

Sie hatte Glück im Unglück. Seit

Jahren versuchen Migranten, vor allem

aus Libyenper Boot die Küste Europas

zu erreichen. Etliche ertrinken.

DieLänder der EU streiten sich noch

immer, wie die Menschen, die aus

den Fluten des Mittelmeers gerettet

werden, verteilt werden sollen. Doch

Jamila konnte sich einen Platz in Europa

sichern: Sieist eine der wenigen,

die im Rahmen eines Programms des

UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR)

und der Internationalen Organisation

für Migration (IOM) aus Libyen

gerettet und in den westafrikanischen

Staat Niger gebracht wurde. Schutzbedürftige

wie sie, die vor politischer

Verfolgung oder Bürgerkrieg geflohen

sind, sollen dann in eine sichereneue

Heimat umgesiedelt werden. Für Jamila

soll es laut UNHCR nach Frankreich

gehen.

Sengende Hitze

ALGERIEN

Tripolis

MALI

NIGER

Niamey

BURKINA

FASO

NIGERIA

TSCHAD

Mittelmeer

Ban Walid

LIBYEN

Kufra-

Oasen

ÄGYPTEN

SUDAN

SÜD-

SUDAN

SOMALIA

ÄTHIOPIEN

Mogadischu

AFRIKA

Golf v. Aden

Doch seit einem halben Jahr hat sich

nichts getan. Nunharrtsie wieder in

der sengenden Hitze aus, ineinem

Transitzentrum nördlich der nigrischen

Hauptstadt Niamey, und wartet

–gestrandet in einem Niemandsland

des Asyls.

Auf dieses Umsiedlungsprogramm

hatten sich europäische und

afrikanische Länder 2017 geeinigt.

Finanziertwirdesvon dem EU-Nothilfefonds

für Afrika; wie viel Geld

genau reingesteckt wird, wurde aber

auf Anfrage nicht gesagt. Damals

gingen Horrorberichte über die

schlimmen Zustände in den Lagern

in Libyen umdie Welt. Flüchtlinge

und andere Migranten, die aus afrikanischen

und arabischen Ländern

nach Libyen gereist waren, um auf

Booten nach Europa zu gelangen,

wurden von Schmugglern gefoltert,

ausgehungert, um Geld erpresst

oder als Sklaven verkauft.

Doch das Programm („Emergency

Transit Mechanism“) geht nur

schleppend voran. Bislang wurden

dem UNHCR zufolge 2911 Menschen

aus Libyen indas Nachbarland

Niger gebracht, 1429 davon

wurden weiter umgesiedelt. Denn

die Aufnahme der Menschen basiert

auf freiwilliger Basis. Nur die USA

und Kanada sowie neun europäische

Länder haben sich dazu bereiterklärt,

darunter Deutschland. Undsie

können selber entscheiden, wie viele

Menschen und wer genau umgesiedelt

wird. „Wir sind mit den Umsiedlungsländern

imDialog und sie haben

das letzte Wort“, sagt Alessandra

Morelli, die UNHCR-Chefin im Niger.

Wie vielen Migranten diese elf

Länder insgesamt versprochen haben,

sie aufzunehmen, will das

UNHCR nicht sagen. Doch die Bundesrepublik

hat eine Aufnahme von

bis zu 600 Flüchtlingen zugesagt –

davon wurden laut Bundesinnenministerium

bislang 276 Menschen

nach Deutschland gebracht. Das

wirkt wie ein Tropfen auf dem heißen

Stein: Insgesamt sind beim

UNHCR nach dessen Angaben über

57 000 Asylsuchende und Flüchtlinge

in Libyen registriert. Das Programm

habe zwar etlichen Menschen

geholfen, Missbrauch in Libyen

zu entkommen, sagt Judith

BLZ/ISABELLA GALANTY

Sunderland von Human Rights

Watch (HRW).„Aber im Vergleich zu

dem, was benötigt wird, sind die

Zahlen sehr niedrig.“

Zudem ist der Prozess langwierig

und gespickt mit bürokratischen

Hürden. Nachdem die Menschen im

Niger angekommen sind, werden sie

mit Fingerabdruck registriert und

müssen sich Sicherheitschecks unterziehen.

Danach werden sie in Listen

aufgenommen, die zu den Drittländerngeschickt

werden.Dieseführen

dann Interviews durch und entscheiden,

wer aufgenommen und

wer abgelehnt wird. „Das Verfahren

muss beschleunigt werden“, sagt

UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami.

Es bleibt nur das Warten

So bleibt Jamila und den anderen

rund 1400 Migranten, die aus Libyen

gerettet wurden, nichts anderes übrig

als zu warten. Viele von ihnen leben

in dem Transitzentrum in Hamdallaye

rund 40 Kilometer von Niamey

entfernt. „Was mache ich den ganzen

Tag? Ich stehe auf, esse mit meiner

Frau und warte“, sagt Ahmed aus

Äthiopien. Er wollte aus Angst nicht

seinen Nachnamen nennen.

Es ist trocken und extrem heiß,

die Landschaft kargund trostlos.Die

Flüchtlinge wohnen in einfachen

Container-Häusern und werden mit

Lebensmittelnversorgt, kochen dürfen

sie wegen der Brandgefahr nicht

selber. Das Zentrum können sie verlassen,

doch drum herum ist wenig,

was sie hinauszieht. Die Menschen

sind in Sicherheit –doch sie haben

nur wenig Ablenkung von den traumatischen

Erinnerungen an Libyen.

„Ein Großteil der Menschen

wurde gefoltert oder hat schreckliche

Dinge mitansehen müssen, zum

Beispiel Tötungen“, erklärt Zakara

Oumarou, eine Ärztin einer örtlichen

Organisation, Action Pour le

Bien Être,die in dem Transitzentrum

Hilfe leistet. „Nach der Rettung aus

Libyen brauchen sie medizinische

undpsychologische Hilfe.“

Während sich die Aufnahme der

Menschen hinzieht, trägt das Gastgeberland

diegrößte Bürde. „Der Niger

istdas einzige Land, dassich bereiterklärt

hat, als Transitland zu

agieren“, sagt Morelli.Zudem hatder

Staat –das wohl wichtigste Transitland

für Migranten in Richtung Europa

–auf Druck und durch Unterstützung

derEUviel dafür getan, die

Migration einzudämmen. Dabei hat

derNigergenugeigene Probleme.Er

ist einem UN-Index zufolge das

ärmste Land der Welt. In den wüstenhaften

Weiten sind kriminelle

Schmugglerbanden unterwegs, und

islamistische Extremisten terrorisieren

die Bevölkerung. Rund 175 000

Menschen sind demUNHCR zufolge

innerhalb der Landesgrenzen auf

derFlucht. Undaus Mali undNigeria

hat der Staat demnach etwa 194 000

Flüchtlinge aufgenommen. (dpa)

Die SuchenachAntworten

Vor25Jahren starbenbeimUntergang der„Estonia“852 Menschen. Voreinem französischenGericht muss sich aucheine deutsche Werftverantworten.Freitagsolldas Urteil fallen

VonBirgit Holzer,Paris

Die Nacht liegt fast 25 Jahre zurück,

aber Mikael Öun erinnert

sich genau an sie. Der schwedische

Ingenieur befand sich auf der Ostseefähre

„Estonia“ von Tallinn nach

Stockholm, als er gegen ein Uhrmorgens

von einem „fürchterlichen

Lärm“ geweckt wurde.„Ichhabe verstanden,

dass etwas nicht stimmte“,

erzählte er später.„Das Schiff neigte

sich plötzlich auf die Seite,die Möbel

wurden gegen die Tür geschmettert.“

Er stürzte aus seiner Kabine auf

das Deck, streifte noch hektisch eine

Schwimmweste über und sprang in

die Tiefe, denn im Wasser trieb ein

Rettungsfloß. „Das war die

schnellste Entscheidung meines Lebens“,

sagte Öun. Vonden elf weiteren

Menschen, die es wie er auf das

Floß geschafft hatten, starben zwei

noch in der Nacht an Unterkühlung.

Siegehörten zu den 852 Todesopfern

der Katastrophe, Öun zu den

137 Überlebenden. Beim Untergang

der „Estonia“ in der Nacht vom 27.

auf den 28. September 1994 handelte

es sich um das schwerste Schiffsunglück

der Nachkriegszeit. Nur rund

eine halbe Stunde nach dem „Mayday“-Notruf

war die „Estonia“ von

den Radarschirmen verschwunden.

Noch immer sind Fragen offen: Was

war die Ursache? Wie konnte die 60

Meter hohe und 155 Meter lange

Fähre so schnell sinken? Und wer

trägt die Verantwortung dafür?

Um dies zu klären, fand im April

im Pariser Vorort Nanterreein zweitägiger

Prozess statt. DasUrteil wird

an diesem Freitag erwartet. Angeklagt

sind die deutsche Meyer-Werft

aus Papenburg, die die „Estonia“

1980 gebaut hat, sowie die französische

Zertifizierungsgesellschaft Bureau

Veritas, die sie als seetüchtig

Den Untergang der „Estonia“ überlebten 137 Passagiere.

„außergewöhnlich in jeder Hinsicht“:

„Zum ersten Malfällt endlich

ein Gericht ein Urteil über die zivile

Verantwortlichkeit.“ Tatsächlich

ging der Fall bereits durch diverse

Instanzen, obwohl die schwedischeingestuft

hatte.Zuden Klägerngehören

1116 Überlebende und Angehörige,

die insgesamt 40,8 Millionen

Euro an Entschädigung fordern.

Opfer-Anwalt François Lombrez

bezeichnete den Prozess als

DPA/MAGNUS RIETZ

estnische Reederei EstLine rasch

nach dem Unglück 130 Millionen

Euro Entschädigung bezahlt hatte,

um juristische Schritte zu verhindern.

Ein Untersuchungsbericht aus

dem Jahr 1997 machte Konstruktionsmängel

an der Bugklappe und

damit die Meyer-Werft hauptsächlich

verantwortlich: Weil demnach

die Schließvorrichtungen den Belastungen

bei hohem Wellengang nicht

standhielten, sei die Klappe abgerissen.

Dadurch sei das Wasser über die

Fahrzeug-Bugrampe rasch ins

Schiffsinneregedrungen.

Der Papenburger Schiffsbauer

wiederum wies dies zurück, gestützt

voneinem eigens in Auftrag gegebenen

Expertenbericht. Demnach sei

das Schiff in gutem Zustand übergeben,

aber nachlässig gewartet worden.

Bureau Veritas wirdunter anderem

vorgeworfen, es habe gewusst,

dass die Entfernung der „Estonia“

von den Küsten nicht mehr als 20

Meilen (37 Kilometer) hätte betragen

dürfen. Tatsächlich lag sie bei 100 Kilometern.

Darüber hinaus kursieren Theorien,

nach denen es etwa zu einer Explosion,

der mutwilligen Sprengung

der Bugklappe oder einem Zusammenstoß

mit einem U-Boot gekommen

sein soll. Am Tagvor dem Unglück

stellten Inspektoren der

schwedischen Marine-Behörden 14

Mängel an dem Schiff fest, welches

dennoch ablegte.

2004 sagte ein ehemaliger schwedischer

Zollbeamter aus,imSeptember

1994 habe die „Estonia“ zweimal

Militärelektronik und Waffenteile

aus der UdSSR transportiert, aber

Kontrollen wurden verboten. Das

schwedische Militär bestätigte dies,

doch das Material sei ungefährlich

gewesen.


6* Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

▼ 12341,03 (–0,72 %)

18.4.19

17.7.19

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

▼ 63,66 (–1,15 %)

18.4.19

17.7.19

Euro in US-Dollar

▼ 1,1215 (–0,07 %)

Schlappe vor Gericht

für Doc Morris

DerVersandhändler Doc Morris ist

mit einer Klage auf 14 Millionen

Euro Schadensersatz vonalteingesessenen

Apothekerngescheitert.

DasLandgericht Düsseldorfwies am

Mittwoch eine Klage der niederländischen

Firmagegen die Apothekerkammer

Nordrhein ab (Az.: 15 O

436/16). Es ging um einstweilige

Verfügungen, welche die Apothekerkammer

erwirkt hatte und durch die

Doc Morris im Zeitraum vor2016

seine Geschäftspolitik hatte ändern

müssen. Doc Morris hatte zum Beispiel

Kunden mit Hotelgutscheinen

gelockt, dies nach Intervention der

stationären Apotheker aber unterlassen.

(dpa)

18.4.19

Stand der Daten:17.07.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Quelle

17.7.19

Bedenken gegen

Digitalwährung

Gewinner

aus DAX und MDAX vom 17.07. zum Vortag

MorphoSys 97,75 +2,95 WWWWWWW

CarlZeissMeditec 97,30 +2,10 WWWWW

Fielmann 64,40 +1,34 WWWW

Dt. Wohnen Inh. 32,70 +1,21 WWWW

Vonovia NA 43,83 +0,83 WWW

RWESt. 23,59 +0,64 WW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom17.07.zum Vortag

Hochtief 106,60 WWWWWWWWWWW –4,74

1&1 Drillisch 29,14 WWWWWWWWW –3,64

Fresenius M. C. St. 68,12 WWWWWWWW –3,51

Wirecard 142,25 WWWWWWWW –3,20

Kion Group 51,66 WWWWWWW –3,08

ProSiebenSat.1 12,62 WWWWWWW –2,92

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 17.07. ±% z. 16.07.

Euro Stoxx 50 (EU) –0,56

3549/2909 3501,58

CAC 40 (FR) – 0,76

5630/4556 5571,71

S&P UK (UK) – 0,54

1569/1323 1523,57

RTS (RU) – 1,48

1414/1033 1361,58

IBEX (ES) –0,99

9924/8286 9284,20

Dow Jones (US) –0,29

27399/21713 27256,87

Bovespa (BR) +0,19

106650/74275103972,10

Nikkei (JP) – 0,31

24448/18949 21469,18

Hang Seng (HK) –0,11

30280/24541 28557,59

Stx Singap. 20 (SG) –0,15

1643/1350 1637,55

Sparbriefe und

langfristigeAnlagen 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Jahre 5Jahre 8Jahre

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 1,31 1,41 -

akf bank **

akf.de 1,05 1,20 1,20

VTB Direktbank

vtbdirekt.de 1,00 1,20 1,20

Bank11

bank11.de 1,00 1,20 -

Renault Bank direkt **

renault-bank-direkt.de 1,00 1,20 -

Targobank

targobank.de 0,60 1,10 -

Santander

santander.de 0,60 0,90 1,22

ING

ing.de 0,07 0,12 -

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 0,05 0,05 0,05

Postbank

postbank.de - - -

Isbank

isbank.de 1,00 1,15 -

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de - - 0,15

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 0,01 - 0,01

Berliner Sparkasse

030/86986969 - - -

Sparda-Bank Berlin

030/42080420 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,74 0,92 0,82

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Amazonverfügt weltweit über riesige Verteilzentren.

Von Frank-Thomas Wenzel

Betroffene sprachen von

einer neuen Form derLeibeigenschaft

– denn die

Händler,die über die Amazon-PlattformihreProdukte

verkaufen,

hatten kaum etwas zu melden.

Doch jetzt hat das Bundeskartellamt

mehr Rechte durchgesetzt, weltweit.

Und auch die EU-Kommission will

die Macht des mit Abstand weltgrößten

Onlinehändlers weiter beschneiden.

Kommissarin Margrethe Vestager

hat am Mittwoch ein Verfahren

wegen möglicher Verstöße gegen das

Wettbewerbsrecht auf den Weg gebracht.

Seit Jahren Beschwerden

Von Michael Fischer

Amazon zuckt zurück

Der Onlinegigant sagt dem Kartellamt zu, Dritthändler nicht mehr zu knebeln

Doppelcharakter: Die Wettbewerbshüter

der Europäischen

Union haben am Mittwoch

ein Verfahren wegen

des Verdachts auf illegale

Geschäftspraktiken bei

Amazon auf den Weggebracht.

Auch dortgeht es um

Marktplätze –und derDoppelcharakter

des Konzerns

als Händler und Plattformbetreiber

spielt dabei eine

wichtigeRolle.

Sachsen leidet am stärksten

Russland-Sanktionen schaden vor allem Ostdeutschland

nenbauer sehr stark auf Russland

ausgerichtet waren. „Das sind keine

Großkonzerne, das sind alles Mittelständler,

und die Ausfälle haben

dann schon eine enorme Bedeutung“,

sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

„Es gibt Maschinenbauer

aus Ostdeutschland, die ganz

verzweifelt bei uns angerufen haben,

weil der Verlust von Großprojekten

sie in arge wirtschaftliche

MILLIARDENSTRAFE MÖGLICH

Daten: Amazon ist neben

Google mutmaßlich der weltweit

größte Sammler von

Daten. Diese werden analysiert,

um immer präziser die

Kundenwünsche zu kennen.

Die EU-Experten wollen klären,

wemdiese Daten gehören

und ob ihre Analyse

durch Amazon den Wettbewerb

einschränkt. Dazu werden

auch die Verträgemit

Marktplatzhändlerngeprüft.

Schwierigkeiten bringt.“ Harmsbetonte

aber, dass der Rückgang im

Handel die Sanktionsfolgen nicht

eins zu eins abbilde. Esgebe auch

indirekte Effekte: „Viele deutsche

„Es gibt Maschinenbauer, die ganz

verzweifelt bei uns angerufen haben.“

Michael Harms, Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft

Verdacht: Dahinter steckt

der Verdacht, dass Amazon

sich erfolgreiche Händler genau

anschaut. Dies kann zur

Optimierung der eigenen

Verkaufsstrategien genutzt

und Rivalen können weggebissen

werden. Sollte die

Kommission der Europäischen

Union illegales Verhalten

feststellen, kann sie

Strafen in Milliardenhöhe

verhängen.

Firmen sagen zum Beispiel, in solch

einem politischen Umfeld schieben

wir ein strategisches Investitionsprojekt

in Russland auf die lange

Bank. Oder die russische Regierung

sagt: Wirorientieren uns dann doch

FOTO: INA FASSBENDER/DPA

Händler und Hersteller beschweren

sich seit Jahren über die Praktiken

von Amazon. Bei keinem anderen

Konzern trifft ein Grundprinzip der

Internetökonomie so zu: Alle wollen

dahin, wo schon viele sind. Die

Reichweite von Amazon ist gigantisch.

Der Onlineauftritt wird längst

nicht mehr nur zum Einkaufen benutzt,

sondernauch als Suchmaschine,

umalle möglichen Produkte finden

zu können.

Eine Befragung hat ergeben, dass

ein großer Teil der Kunden sogar bereit

wäre, für die Nutzung der Amazon-Seiten

zu bezahlen. Weltweit

sind Millionen Einzelhändler deshalb

darauf angewiesen, bei Amazon

präsent zu sein. Wettbewerbsexperten

haben sich schon vor geraumer

Zeit darüber beschwert, dass das

Unternehmen seine Marktmacht

missbraucht. Deshalb hat das Bundeskartellamt

im November offiziell

ein Verfahren begonnen. Es wirdjetzt

schiedlich-friedlich eingestellt, weil

der Onlinegigant eingelenkt hat. Es

seien weltweit „weitreichende Verbesserungen“

für die Händler erwirkt

worden, betont Andreas Mundt, Präsident

des Kartellamts.

Amazon macht im Internet mit

Waren aller Art zweierlei Geschäfte.

Einerseits verkauft das Unternehmen

selbst die Produkte.Die machen

auf der hiesigen Plattform laut Kartellamt

aber nur 40 bis 45 Prozent des

Handelsvolumens von mehr als

20 Milliarden Euro proJahr aus.55bis

60 Prozent steuern die mehr als

300000 „Dritthändler“ bei, die auf

dem Marktplatz auf eigene Rechnung

Geschäfte machen. Von den

Einnahmen müssen sie einen gehörigen

Teil an Amazon abgeben.

Sie mussten sich zudem auf Geschäftsbedingungen

einlassen, die

vielfach als Knebelverträge bezeichnet

wurden. So konnte Amazon

Marktplatz-Anbietern ohne Fristen

und ohne Angabe vonGründen kündigen–womit

zumindest theoretisch

die Möglichkeit bestand, erfolgreiche

Konkurrenten vonder Plattform

zu verbannen. Das Kartellamt hat

nun ausgehandelt, dass bei ordentlichen

Kündigungen eine Frist von

30 Tagen besteht. Bei Sperrungen

und außerordentlichen Kündigungen

muss Amazon nun eine triftige

Begründung vorlegen.

WerinEuropa gegen den Konzern

klagen wollte, konnte das nur in Luxemburg

tun. Das schreckte viele

kleinere Händler schon wegen der

Amtssprache Französisch ab.Künftig

könnten inländische Gerichte unter

bestimmten Voraussetzungen zuständig

sein. Beider Haftung fürs Liefernvon

kaputten Produkten war der

US-Konzern komplett außen vor.

Dieser Haftungsausschluss werde

zugunsten der Händler eingeschränkt

und enger gefasst, teilt die

Bonner Behörde mit.

Klauselnwerden geändert

Bisher war es den Marktplatz-Verkäufernzudem

verboten, sich öffentlich

über die Praktiken von Amazon

zu äußern. Daswar nur nach vorheriger

schriftlicher Genehmigung möglich.

Diese Klausel werde „weitgehend

reduziert“, betont die Bonner

Behörde, die ausdrücklich darauf

aufmerksam macht, dass es ausschließlich

um Änderungen im Binnenverhältnis

mit den Dritthändlern

geht. Privatkunden können gleichwohl

davon indirekt profitieren, da

die Handlungsspielräume für die

Marktplatz-Anbieter größer werden.

Fünf Jahre Russland-Sanktionen

haben der Wirtschaft in Ostdeutschland

deutlich mehr geschadet

als den Unternehmen im Westen.

Nach einer aktuellen Aufstellung

des Ost-Ausschusses der Deutschen

Wirtschaft ging zwischen

2013 und 2018 das Handelsvolumen

Sachsens mit 72,5 Prozent am

stärksten zurück, in den fünf ostdeutschen

Ländern (ohne Berlin)

zusammen waren es durchschnittlich

28,7 Prozent. In Westdeutschland

schrumpfte der Warenaustausch

dagegen nur um 17,0 Prozent.

Der Geschäftsführer des Ost-

Ausschusses, Michael Harms, führt

das starke Gefälle vor allem darauf

zurück, dass ostdeutsche Maschilieber

in Richtung China. Diese Effekte

sind sehr schwer zu beziffern.“

Der größte Teil der Sanktionen

der Europäischen Union gegen

Russland wegen des blutigen Konflikts

in der Ostukraine sind am 31.

Juli seit fünf Jahren in Kraft. Russland

hat im Gegenzug auch Strafmaßnahmen

gegen die Länder der

Europäischen Union verhängt.

DenGesamtschaden schätzt der

Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft

auf einen dreistelligen Milliardenbetrag.

Sachsens Ministerpräsident

Michael Kretschmer

(CDU) hatte erst vor wenigen Wochen

mit seiner Forderung nach

einem Ende der Sanktionen gegen

Russland für Aufsehen gesorgt.

Kurz darauf hatte die EU sie aber bis

Januar 2020 verlängert. (dpa)

Frankreichs Finanzminister Bruno

Le Mairehat große Vorbehalte gegen

die digitale Währung des Internetkonzerns

Facebook. „Wir wollen

nicht, dass Privatunternehmen die

Möglichkeit haben, eine souveräne

Währung zu schaffen“, sagte Le

Mairezum Beginn des Treffens der

Finanzminister der großen Industriestaaten

(G 7) in Chantilly bei Paris.

Le Mairebetonte,dass es strenger

Regelungen und Verpflichtungen

bedürfe.Facebooksdigitale

Währung Libraerfülle die notwendigen

Anforderungen derzeit nicht.

Auch Bundesfinanzminister Olaf

Scholz (SPD) ist skeptisch gegenüber

Libra. (dpa)

Ausbau der Windenergie

vorzeitig am Limit

Ein Umspannwerkund Windräder in der

Nordsee.

FOTO: CHRISTIAN CHARISIUS/DPA

DerAusbauder Windenergie auf

Nord-und Ostsee hat sein planmäßiges

Ziel für das Jahr 2020 von

6,5 Gigawatt Leistung vorzeitigerreicht.

ZumEndedes ersten Halbjahrs

2019 drehen sich auf beiden

Meeren 1351 Windräder mit einer

Leistung von6,7 Gigawatt, teiltedie

Deutsche Windguardmit. Im ersten

Halbjahr gingen42Windkraftwerke

mit einer Leistung von252 Megawatt

in der Nordsee neu ans Netz. Die

Windenergiebranche fordertnoch in

diesem Jahr eineSonderausschreibung

vonzweiGigawatt sowie die

Anhebung des Ausbauziels für 2030

von15auf 20 Gigawatt. DieBundesregierung

will bis 2030 einen Anteil

von65Prozent erneuerbarer Energien

an der Stromerzeugung. (dpa)

Verdacht auf

Millionenbetrug

Drei Angestellte des größten deutschen

Schlachtbetriebs Tönnies sollen

das Unternehmen durch jahrelange

Betrügereien um fast 4Millionen

Euro geschädigt haben. Diedrei

Mitarbeiter im Alter zwischen 27

und 34 Jahren müssen sich vom

25. Juli an wegen des Vorwurfs des

bandenmäßigen Betrugs vordem

Landgericht Bielefeld verantworten.

Siewaren laut Anklage bei Tönnies

für das Wiegen des Fleischs verantwortlich.

Dassollen sie ausgenutzt

haben, um in 1788 Fällen die Gewichtsangaben

zu manipulieren.

DieAngeklagten sollen dafür

250000 Euro kassierthaben. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 7

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Wirtschaft

Im Falle eines Datenlecks

Plattformen, die Schadensersatzfür Verbraucher erstreiten, sind ein wachsendes Segment der Start-up-Szene

Von Timot Szent-Ivanyi

Siewerdenals„LegalTech“bezeichnet

und sind ein stark

wachsendes Segment der

Start-up-Szene: Plattformen,

die Verbrauchern dabei helfen, ihre

Rechte durchzusetzen. Ob es um

Entschädigungen bei Zug- und Flugverspätungen

geht oder um die Abwehr

vonBußgeldernimStraßenverkehr

–die Onlineanbieter bündeln

die Ansprüche von Verbrauchern,

fechten Klagen durch und bieten so

eine kostengünstige Alternativezum

herkömmlichen Vorgehen, selbst mit

Hilfe eines Anwaltes vor Gericht zu

ziehen. Nun geht ein neues Onlineportal

an den Start, das in einem bisher

noch nicht abgedeckten Bereich

tätig ist: bei Verstößen vonUnternehmen

gegen den Datenschutz.

Eigene Erfahrung mit Marriott

Der Missbrauch vonfremden Daten nimmtzu.

Die Idee für die Plattform kam dem

Münchner Internetunternehmer

Thomas Bindl, weil er selbst von

einem Datenleck betroffen war. Die

Hotelkette Marriott hatte im Herbst

vergangenen Jahres einräumen müssen,

dass aus einer Reservierungsdatenbank

persönliche Daten von

500 Millionen Kunden durch Hacker

gestohlen worden waren. DasErgebnis

der Überlegungen ist die von

Bindl gegründete Europäische Gesellschaft

für Datenschutz (EUGD),

die Verbrauchernhelfen will, bei Datenlecks

zum Beispiel durch Hackerangriffe,

bei Datenpannen oder unerlaubter

Weitergabe vonDaten Entschädigungen

zu erstreiten. „Wir

wollen den Verbrauchernhelfen, ihre

persönlichen Rechte durchzusetzen,

und damit auch die Unternehmen

zwingen, sorgfältig mit den ihnen anvertrauten

Daten umzugehen“, sagte

Geschäftsführer Johann Hermann

dem Redaktionsnetzwerk Deutschland

(RND): „Die Daten sind ein hohes

Gut.“

Rechtsgrundlage ist die im vergangenen

Jahr in Kraft getretene

Europäische Datenschutzgrundverordnung

(DSGVO), die die Rechte der

FOTO: OLIVER BERG/DPA

Verbraucher beim Datenschutz

deutlich gestärkt hat. Sie sieht bei

Verstößen ausdrücklich nicht nur

den Ersatz materieller,sondernauch

immaterieller Schäden vor. Ein immaterieller

Schadensersatz kann

zum Beispiel Schmerzensgeld sein.

„Aber in der Praxis ist die durch die

Verordnung angestrebte stärkere

Kontrolle der Verbraucher über die

eigenen Daten einschließlich einer

angemessenen Entschädigung im

Falle vonVerstößen extrem schwierig

um- und durchzusetzen“, so Hermann.

Die Sachverhalte seien oftmals

technisch und juristisch komplex,

Anwälte teuer und die Gerichtskosten

hoch.

Abhilfe soll die neue Plattform

https://eugd.org bringen. Dort können

Verbraucher unverbindlich prüfen

lassen, ob sie von Datenschutzverstößen

betroffen sind. DurchAuskunftsersuchen

an die Unternehmen

wirdzunächst dem Verdacht nachgegangen.

Sollte er sich bestätigen,

können sich die Betroffenen anschließend

von Anwälten vertreten

lassen, die mit der Plattform kooperieren.

Die Vermittlung ist zunächst

kostenlos, Anwalts- und Verfahrenskosten

trägt dann allerdings der Kunde.Geht

der Prozess verloren, war es

ein Verlustgeschäft. Im Erfolgsfall

bekommt die Plattform 25Prozent

der erstrittenen Schadensersatzsumme

als Provision.

Wie hoch derartige Beträge ausfallen,

kann Geschäftsführer Hermann

allerdings derzeit nicht beziffern.

„Da esnoch keine Rechtsprechung

zu Datenschutzverstößen

gibt, ist noch völlig offen, mit welchen

Entschädigungen Betroffene

rechnen können“, erklärtder 44-Jährige.„Aber

wir betrachten es auch als

unsereMission, dafür zu sorgen, dass

sich durch die von uns betriebenen

Klagen Standards bei der Entschädigungshöhe

bilden und durchsetzen

werden, so wie das auch im Bereich

der Entschädigung für Flugverspätungen

geschehen ist.“

Neben dem Marriott-Fall sehen

die Betreiber derzeit bei einem weiterenDatenleck

Chancen für Verbraucher,

Entschädigungen durchzufechten:

Die britische Datenschutzbehörde

hat eine Rekordstrafe von

umgerechnet rund 200 Millionen

Euro gegen die Fluggesellschaft British

Airways verhängt. Betroffen warenrundeine

halbe Million Kunden.

Sie waren bei der Flugbuchung von

der Website der Fluggesellschaft auf

eine Seite von Betrügern umgeleitet

worden, wo ihre Login-, Kreditkarten-,

Reise- und Adressdaten abgegriffen

wurden. Nach Ansicht der

Datenschutzbehörde hatte die Airline

den Betrug durch „schwache Sicherheitsvorkehrungen“

begünstigt.

Neuer Ansatz

Die Plattform wolle dafür sorgen,

dass derartige Verletzungen des

Datenschutzes verfolgt werden und

die Geschädigten Entschädigungen

bekommen, sagt Geschäftsführer

Hermann. Dassei ein „völlig anderer

Grundgedanke und Ansatz, als dubiose

Abmahnungen zum Beispiel

wegen kleinerer Fehler im Impressum

zu erwirken“, betont er: „Mit

diesem unseriösen Geschäft der

Abmahnindustrie haben wir nichts

zu tun.“

Mehr fair

gehandelte

Produkte

Anteil am Gesamtmarkt

bleibt aber gering

Von Matthias Arnold

Der Umsatz mit fair gehandelten

Produkten ist im vergangenen

Jahr erneut deutlich gestiegen –der

Anteil am Gesamthandel verharrt

aber weiter auf niedrigem Niveau.

Rund 1,7 Milliarden Euro gaben die

Verbraucher in Deutschland im vergangenen

Jahr für Waren aus fairem

Handel aus und damit rund 15 Prozent

mehr als noch im Jahr davor,wie

das Forum Fairer Handel in Berlin

mitteilte. Seit 2010 hat sich der entsprechende

Umsatz mehr als verfünffacht.

„Diese positive Entwicklung darf

aber nicht darüber hinwegtäuschen,

dass weiterhin geschätzte 99 Prozent

des Handels nicht fair sind“, teilte

Geschäftsführer Manuel Blendin

mit. Beirund 81 Prozent der im fairen

Handel verkauften Produkte handelte

es sich um Lebensmittel, vorallem

Kaffee und Südfrüchte.Kleidung und

Textilien machten knapp 9Prozent

aus. Rund 1,36 Milliarden Euro und

damit ein Großteil des Umsatzes entfielen

auf Produkte,die mit dem Fairtrade-Siegel

gekennzeichnet waren.

Den zweitgrößten Anteil hatten mit

rund 209 Millionen Euro anerkannte

Fair-Handels-Unternehmen, die

international definierten Grundsätzen

des fairen Handels folgen. Der

übrige Umsatz entfiel auf die sogenanntenWeltläden,dieFachgeschäfte

des Fairen Handels.

NebenprekärenAnbaubedingungen

für KleinbauernimGlobalen Süden

rücken inzwischen auch benachteiligte

Kleinproduzenten im

Norden in den Fokus des Forums.

„Mit dem Höfesterben zerfallen zunehmend

auch ländliche Regionen

und Kulturlandschaften“, heißt es in

der Untersuchung. Auch der Biobereich

biete nicht mehr ausreichende

Absicherung. „Die steigende Nachfrage

führtzueinem ähnlichen Preisdruck

durch den Handel wie auf dem

konventionellen Markt.“ (dpa)

Mangel an

Arbeitskräften

nach Brexit

Hohe Hürden für

Zuwanderer

Von Silvia Kusidlo

Nach dem Brexit droht Großbritannien

laut Wirtschaftsverbänden

ein Mangel an Arbeitskräften.

Diegeplanten hohen Hürden für Zuwanderer

müssten daher deutlich

gesenkt werden, forderte die Vereinigung

London First. Betroffen seien

unter anderem das Baugewerbe,der

Einzelhandel und Kliniken.

DieRegierung will die Einwanderungsregeln

nach dem EU-Austritt

deutlich verschärfen und setzt vorallem

auf Fachkräfte.Sie sollen offiziellen

Empfehlungen zufolge mindestens

30000 Pfund (gut 33000 Euro)

pro Jahr verdienen. Mehr als 60 Prozent

der Stellen liegen der Vereinigung

der Wirtschaftsverbände zufolge

aber unter der Schwelle.Sie müsse

auf 20000 Pfund gesenkt werden, appelliert

London First an die potenziellen

Nachfolger von Regierungschefin

Theresa May. Die Organisation

spricht sich für weitereMaßnahmen

wie Visaerleichterungen aus,

um Arbeitskräfte anzuwerben.

Das Thema Migranten spielte

eine große Rolle beim Brexit-Referendum

vordreiJahren, als sich eine

knappe Mehrheit für die Trennung

von der Europäischen Union aussprach.

Viele Bereiche klagen bereits

unter Arbeitskräftemangel.

Haushoher Favorit für Mays

Nachfolge ist Ex-Außenminister Boris

Johnson. Er will Großbritannien

am 31. Oktober aus der EU führen,

notfalls auch ohne Austrittsabkommen.

Johnson plant die Einführung

eines auf Punkten basierenden Einwanderungssystems

nach australischem

Vorbild. Wer imVereinigten

Königreich arbeiten wolle,soll in Zukunft

zum Beispiel schon vor seiner

Ankunft einen JobimLand nachweisen

und auch Englisch sprechen können.

„Wir müssen härter jenen

gegenüber sein, die unsere Gastfreundschaft

missbrauchen“, sagte

Johnson kürzlich. (dpa)

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8* Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Meinung

Berliner Regierung

ZITAT

Wenn eine Idee zum

Problem wird

Annika Leister

glaubt, dass die SPD vom„Starke-

Gemeinwesen“-Gesetz lassen muss.

Die rot-rot-grüne Koalition hat ein

Problem. Dieses Problem ist 150 Seiten

dick und schon einige Monate alt. Geboren

hat das Problem die SPD. Denn sie

hat ein hochkomplexes Artikelgesetz entworfen,

mit dem sie wie das tapfere

Schneiderlein gleich mehrere, sehr große

Fliegen mit einem Schlag erledigen

wollte: das Polizeigesetz verschärfen, die

neue Stelle eines Polizeibeauftragten

schaffen und zugleich das Versammlungs-

sowie das Abstimmungsgesetz novellieren.

„Starke Gemeinwesen“-Gesetz

heißt der Gesetzentwurf und ist so kompliziert,

wie sein Name simpel klingt.

Seit einem halben Jahr erschwert der

Entwurf die Arbeit der Koalition. Denn

zahlreiche wesentliche Entscheidungen,

die gefällt werden müssen, hängen voneiner

Einigung in dieser Frage ab. Neu hinzugekommen:

die Diskussion um eine erneute

Befragung der Bevölkerung zu einer

Randbebauung des Tempelhofer Feldes.

Doch die SPD hat ihre Koalitionspartner

mit dem Entwurf hoffnungslos überfahren.

Nicht nur die „Volksbefragung von

oben“, auch die elektronische Fußfessel

für Gefährder und der finale Rettungsschuss

sind mit Grünen und Linken nicht

zu machen –das weiß auch die SPD.

DasVorgehen der SPD ist hier symptomatisch

für den Umgang mit all den Themen,

die in ihrem Problemkind so drinstecken:

Sieprescht mit einer ganz neuen

Idee vor, zeigt dann auf den nicht beschlossenen

Entwurfund sagt schulterzuckend:

Steht doch alles drin, müssten die

anderen nur endlich zustimmen.

So wird sich keine Lösung finden lassen.

Die SPD muss ihr Problemkind zerschneiden,

entschlacken und endlich anfangen,

über einzelne Aspekte realistisch

zu diskutieren.

Flüchtlingspolitik

Seehofers

neueste Wandlung

Markus Decker

staunt über die moderaten Töne

des Bundesinnenministers.

Von Horst Seehofer sind seit einigen

Tagen neue Töne in der Flüchtlingspolitik

zu hören –soauch am Mittwoch

bei der Vorstellung des Jahresberichts der

Bundespolizei. Ja, die Töne sind so neu,

dass manche sich schon wundern und er

im Kabinett von rechts kritisiert wird.

Denn während der Bundesinnenminister

im vorigen Jahr mit aller Macht Asylsuchende

an den Grenzen zurückweisen

wollte und Kanzlerin Angela Merkel eine

„Herrschaft des Unrechts“ attestierte,sagt

er nun mit Blick auf die Flüchtlinge im

Mittelmeer: „Dass man Menschen vor

dem Ertrinken schützt, ist selbstverständlich.“

Hier müsse es Lösungen geben –

wenn auch keine festen Quoten, wie Außenminister

Heiko Maas (SPD) sie vorgeschlagen

hatte.

Ist das ein neuer Seehofer? Oder ist es

der alte in neuem Gewand? Eher Letzteres.

In jedem Fall ist es ein Minister, der

nicht mehr so verächtlich redet wie 2018.

Offenbar hat der CSU-Politiker erkannt,

dass das seinem Ansehen schwer schadet

und politisch nichts bringt –außer die eigene

Kundschaft der AfD in die Arme zu

treiben. Seehofer redet nicht nur anders;

er agiertauch anders: konstruktiv.Esist ja

legitim, für eine Begrenzung des Zuzugs

von Flüchtlingen einzutreten. Man kann

trotzdem Humanität walten lassen. Vor

allem sollte man nicht so tun, als bräche

in Deutschland der Notstand aus, wenn

noch ein paar Hundert Flüchtlinge mehr

zu uns kommen. Demist nicht so.

So sehr Seehofer zur Volte in die eine

Richtung fähig ist, so sehr ist er in der

Lage,die nächste Volte in die entgegengesetzte

Richtung zu schlagen. Die jüngste

Volte ist für die deutsche Politik und in

Maßen für die Flüchtlinge erfreulich.

Gute Nachricht für die Bundeswehr

Wenn man den vielfältigen Erzählungen

des Berliner Regierungsviertels

nach dem Dienstagabend

folgt, dann war alles

eine Entscheidung der letzten Stunden. Annegret

Kramp-Karrenbauer wollte zuerst

nicht Verteidigungsministerin werden. Gesundheitsminister

Jens Spahn war der Favorit.

Im letzten Moment entschied sich

Kramp-Karrenbauer um und griff selbst

nach dem Amt. Waseinerseits wie eine Zauderei

aussieht, hat andererseits Konsequenzen:

Die Neuaufstellung leitet die nächste

Phase der Arbeit der großen Koalition ein. Es

ist womöglich die letzte.

Kramp-Karrenbauer geht mit dem Schritt

ein erhebliches Risiko ein: Sie hat (wie

Spahn) keinerlei Vorkenntnisse mit der

Truppe, ihren Rüstungsprojekten und den

mehrfarbigen Sternen auf den Schulterklappen.

DieBundeswehr ist ein Bereich, in dem

man als Neuling viele Fehler machen,

Sprachcodes missverstehen, Zeichen falsch

deuten kann. Zudem gibt es konkrete Probleme:

Die Ausstattung der Truppe ist noch

immer nicht zufriedenstellend. Und wollte

Kramp-Karrenbauer nicht eigentlich alle

Zeit der Partei widmen? Wardanicht etwas,

ein Versprechen?

DieCDU-Vorsitzende weiß um dieWiderstände.

Sie akzeptiert dennoch das Risiko,

weil die Folgen jeder Alternative noch problematischer

gewesen wären. Als Parteivorsitzende

ohne Ministeramt wurde sie zuletzt

immer mehr zur Königin ohne Land. Ihre

Anwesenheit bei den morgendlichen Lagebesprechungen

im Kanzleramt wurden als

Praktikum verspottet. Sie verlor Stück für

Stück den Boden –und damit die Chance auf

das Kanzleramt, auf ihren Traum. Wenn

Kramp-Karrenbauer in dieser Phase mit Jens

Ich bin eine Kriegerin geworden.Wachsam,

kampfbereit, zum Äußersten entschlossen.

Meine Augen suchen einen gefährlichen

Gegner.Mehrmals glaubte ich, ihn besiegt zu

haben. Aber es folgten Niederlagen, die

letzte ereignete sich heute Morgen. Ich

schlug zu, aber nicht schnell genug. Die

Motte entkam.

Ich bin eine Spezialistin geworden. Was

zu lesen ist über Lebensmittelmotten, das

habe ich gelesen. Eigentlich sind das kleine

Schmetterlinge.Aber diese besonderen Flatterer

verfolgen die Menschen, indem sie sich

in die Wohnungen hineintragen lassen –versteckt

in einer Packung getrockneter Aprikosen,

in Nudeln, Erbsen, Tierfutter,Soßenbindern,

Schokolade,Toilettenpapier.Jeder Einkauf

ist riskant und sollte zuerst in die Tiefkühltruhe

gelegt werden.

Ichhoffte,die Schädlinge mit Pheromonfallen

zu besiegen. Das sind Klebestreifen,

die männliche Motten mit einem Sexuallockstoff

verführen. Es funktioniert. Leichen

pflastern meinen Weg, die Motten kleben

fest. Wenn der Streifen voll ist, tausche ich

ihn aus.Aber was ist mit den Weibchen?

Diesind das eigentliche Problem. Dassagt

der Kammerjäger, den ich bestellt habe. Ein

Weibchen legt bis zu 500 Eier und kann

schlecht fliegen. Wir rücken die Küchenmöbel,

Vollholz, von der Wand ab. Anden Rückseiten

lauern Nester: Eier, Larven, Mottenmütter.

Der Kammerjäger möchte sie mit

Hitzeund Chemie auslöschen, aber ich habe

starken Husten und erzähle, was ich über

Ministerwechsel

Kampf ums

Erbe

Gordon Repinski

erklärt, wie klug Angela Merkel in diesen Tagenagiertund wie

Annegret Kramp-Karrenbauer davonprofitieren kann.

Spahn ihrem womöglich größten Konkurrenten

selbst in das bedeutende Amt desVerteidigungsministers

geholfen hätte, dann

hätte sie keine Chance mehr auf die Merkel-

Nachfolge gehabt. Weder Kramp-Karrenbauer

noch der Bundeskanzlerin konnte dieses

Szenario recht sein.

Denn auch Angela Merkel kämpft in diesen

Wochen um ihr Erbe. Dieses ist weniger

eine bestimmte Reform, ein bedeutendes

Projekt. Das Erbe der Kanzlerschaft Merkels

ist der uneitle Regierungsstil. Die Fähigkeit,

eine Provokation zu absorbieren statt darauf

überzureagieren, das Anti-Schröderhafte,

Klug-Zurückhaltende. Angela Merkel hat

moderiertund damit geführt. Daskann man

als zu wenig für eine Kanzlerin befinden,

KOLUMNE

Leichen

pflastern

meinen Weg

Regine Sylvester

Autorin

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

aber es erlaubte ihr gesellschaftspolitische

Schwenks, die den Zeitgeist trafen. Die Ehe

für alle,das Elterngeld, der Mindestlohn. Angela

Merkels Erbe ist die Kompromissfähigkeit

in ideologieüberladenen politischen Debatten.

Auch wenn Kramp-Karrenbauer

konservativer denkt als Merkel: In diesem

Ansatz der kompromissfähigen, uneitlen Politik

ähnelt sie der Kanzlerin enorm.

Kramp-Karrenbauers Schritt ins Verteidigungsministerium

zeigt, dass die Union sich

auf den Tagvorbereitet, an dem die große Koalition

zerbrechen kann. Wenn es so weit ist,

dann könnte sich die CDU-Chefin aus der Erfahrung

eines internationalen Amtes machtvoller

in ein Duell mit den Grünen begeben.

Werdas konservative Profil im Duell mit der

Ökopartei herausarbeiten will, für den ist die

Sicherheitspolitik ein Geschenk. Mehr Verteidigung

gegen weniger, eine starke Rüstungsindustrie

gegen internationale Friedenspolitik:

In diesem Duell wird esrundgehen. Am

Ende dürften Union und Grüne beiderseits

profitieren vonder Zuspitzung.

Angela Merkel ist die stille Gewinnerin

dieser Tage. Sie hat nicht nur einen Schritt

dafür getan, dass ihr politisches Erbe gewahrt

bleiben könnte. Sie hat in dieser Woche

zugleich zweien ihrer engstenVertrauten

in immens machtvolle Positionen verholfen.

Nach 14 Jahren Kanzlerschaft entscheiden

die Frauen in der CDU über die Geschicke

der Partei, des Landes und des Kontinents.

Was für ein Wandel, was für eine Zeitenwende.Esist,

genau betrachtet, ein Punkt in

der Karriereder Kanzlerin, an dem sie glanzvoll

abtreten könnte. Der selbstbestimmte

Abgang eines Kanzlers, womöglich mit

Übergabe der Amtsgeschäfte, ist in der Geschichte

der Bundesrepublik noch nicht gelungen.

Angela Merkel gelingt er gerade.

Schlupfwespen gehört habe, die reine Biologie.Auf

Kärtchen kleben zwischen 1000 und

3000 Eier. „Legen Sie diese Kärtchen einfach

in die befallenen Schränke und Schubladen

und wenn die Schlupfwespen schlüpfen,

machen sie sich auf den Weg zuden

Motteneiern und vernichten diese“, das

schreibt ein Anbieter. Der Vorgang muss

mehrmals wiederholt werden, da einzelne,

nicht erwischte Motten immer noch Eier legen

können. „Deshalb dauert die Anwendung

insgesamt zwischen neun und zwölf

Wochen. Aber keine Sorge: Bald werden Sie

nicht mehr viele Motten in Ihrer Küche sehen.“

Der Kammerjäger ist skeptisch. Er sagt,

dass er mit Schlupfwesten keine guten Erfahrungen

gemacht habe.Dann zeigt er mir,wie

man mit durchsichtigem Klebeband die Nester

Zentimeter für Zentimeter abziehen kann

und verabschiedet sich mit guten Wünschen.

In den nächsten drei Tagen bekomme ich ein

Gefühl für Lebensmittelmottennester.

Bei vielen funktioniert das Klebeband,

aber sie sitzen vor allem an Stellen, an die

man nur mit Messernrankommt –inRitzen,

Rillen, Ecken, an Glaseinsätzen, an den Unterseiten

und Gleitschienen der Schubladen.

Ich arbeite mit Sagrotan und Essigwasser.

Die erwachsenen Motten findet mein geschultes

Auge als sitzende schwarze Striche,

sie werden mit einer Klatsche erlegt. Einzelne

Exemplare verstecken sich zwischen

Küchenhandtüchern und im Geschirrschrank,

ich finde auch die.

Der Kammerjäger erzählte noch von einem

größeren Problem: Bettwanzen. Die

verstecken sich tagsüber, nachts kommen

sie raus,kletternhoch und ernähren sich von

Menschenblut. Er zeigte erschreckende Fotos,

die er Stunden zuvor von der Matratze

und dem Lattenrost eines älteren Ehepaares

aufgenommen hatte. Dagegen geht es mir

sehr gut. Nur die Motte von heute Morgen

muss hier noch irgendwo sein.

„Ich wünsche Diraufrichtig

beste Gesundheit, Glück,

Wohlergehen und Erfolge.“

Wladimir Putin, russischer Präsident, in einem Telegramm

zum 65. Geburtstag der Bundeskanzlerin

AUSLESE

Die helfende Hand der

polnischen PiS

Die CDU-Politikerin Ursula von der

Leyen ist in Straßburgzur neuen Präsidentin

der Europäischen Kommission

gewählt worden. DasErgebnis füllt natürlich

auch die Kommentarspalten der internationalen

Presse.

Über das knappe Wahlergebnis

schreibt die Rzeczpospolita ausWarschau:

„Von der Leyen erhielt gerade einmal

neun Stimmen mehr als notwendig, das

Lager der Gegner war gewaltig. Diepolnische

Regierungspartei PiS reichte vonder

Leyen in dieser Situation eine helfende

Hand und lieferte ganze26Stimmen. Die

PiS setzt darauf, dass sich von der Leyen

ihr gegenüber dankbar zeigen wird.“

Aufdie Rede der neuen Kommissionspräsidentin

spielt der Kommentar der ungarischen

Zeitung Nepszava an: „Ursula

von der Leyen hat fast jedem etwas versprochen,

und das war für die Mehrheit

der Parlamentarier wohl ausreichend.“

Erfreut über das Wahlergebnis zeigt

sich die chinesische Jiefang Ribao: „Man

kann der Europäischen Union nur gratulieren,

dass Ursula von der Leyen zur

Kommissionspräsidentin gewählt wurde.

MitihremWahlsieg kann das besorgniserregende

Treiben der Europa-Skeptiker in

den vergangenen Jahren eingedämmt

werden.“

Gewohnt kritisch in Sachen Europa

ist die britische Times und merkt an:

„Die Tatsache, dass die Kandidatur von

der Leyens vonBundeskanzlerin Merkel

und dem französischen Präsidenten

Macron forciert wurde, dürfte kaum ein

Quell der Stärke sein, sondern eher das

Gegenteil. Es gibt große Zweifel, ob sie

genügend politischen Charakter und

Mut hat, europäische Politik zu gestalten.“

Matthias Roch

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 – S eite 9

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Berlin

Herzinfarkt: Warumso

viele Brandenburger

daran sterben

Seite 16

Tumult: Clan-Chef beschimpft im Gerichtssaal Staatsanwalt Seite 15

Gartenkultur: Experte beklagt Vernachlässigungdes Stadtgrüns Seite 12

Stadtbild

Ach TXL, wie

lieb ick dir

Susanne Dübber

leidet unter

Abschiedsschmerz.

Tegel ist nur ein anderes Wort für

tapfer! Das dachte ich neulich,

als ich mitternachts am Flughafen

TXLvergeblich auf ein Taxi wartete.

Das Flugzeug hatte nach einem

der heute üblichen Verspätungsmarathons

zwölf Minuten nach Toresschluss

aufgesetzt. Um 23 Uhrist laut

Nachtflugverbot eigentlich alles vorbei.

Doch Ausnahmegenehmigungen

machen Passagieren wie mir das

Leben leichter. Das freute mich sehr,

schließlich musste ich am nächsten

Tagarbeiten. Aber ich dachte auch

schuldbewusst an Leser wie Ingrid

Barth, in der Einflugschneise lebend,

die uns schrieb:„Wir,die Betroffenen,

und das sind sehr viele, können ja

dann den Sommer in geschlossenen

Wohnungen zubringen, um dem

Lärm zu entgehen. Im Bereich der

Panke donnern die Flugzeuge in

Druckzeiten im Zwei-bis-drei-Minuten-Takt

über Kinderbauernhof,

Spielplätze, zwei Sportstätten (davon

einer für Kinder), Bürgerpark,

Schlosspark, Einkaufsmeile um das

Rathaus Pankow. “

Nun ja, ich war jedenfalls angekommen

und von Herzen – wenn

auch mit Schmerzen–froh. Dann erlebte

ich meine neueste Erfahrung

beim Fliegen: Jetzt wird auch auf Linie

so begeistert beim Abschied applaudiertwie

früher nur im Charter-

Flieger. Weil man so froh ist, doch

noch angekommen zu sein. Als die

Flugzeugtür nicht geöffnet werden

konnte, mutmaßte der Pilot „weil

wohl keiner mehr da ist“.

Am Ende des Tages in Tegel

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Dann warteten wir eine halbe

Stunde auf die Koffer. Als der erste

auf dem Gepäckband auftauchte,

klatschten die Passagiereerneut. Das

Leben ist eine einzige Party und die

heißt TXL! Danach standen wir am

Taxistand dumm rum. Inzwischen

wurde es dunkler,weil die Lichter auf

dem Flughafen allmählich erloschen.

Jetzt ging er nach langem Arbeitstag

endlich schlafen. Ichwar gerührt:

Ach TXL, wie lieb ick dir. Du

bist so oll und abgewirtschaftet und

doch so tapfer. Schulterst täglich all

die Massen, lässt dich beschimpfen

noch und nöcher, tust unentwegt

weiter deine Pflicht, obwohl du

längst in Rente sein solltest.

Waswird das langweilig dereinst,

wenn im schicken neuen Schönefeld

alles klappt. (Oder auch nicht.) Auf

Facebook las ich Mark Seelings

Statement: „Gerade erst am Sonntag

in Tegel gelandet. Der Flughafen

platzt aus allen Nähten, aber es funktioniert.“

Wie heißt der neue

Schlachtruf Berlins? Na und!

Blick auf das Reichstagsgebäude mit Sicherheitszaun und geplantem Graben, die hier in der Simulation auf der linken Seite am besten zu sehen sind. LANDSCHAFTSPLANUNGSBÜRO LÜTZOW 7

Reichstag mit Aha-Effekt

Einbesonderer Graben und andere Sicherheitsvorkehrungen sollen Parlament und Besucherzentrum schützen

VonUlrich Paul

Die Fläche vor dem Westportal

des Reichstagsgebäudes

soll zu einer Sicherheitszone

werden.

Der Bund will quer über den Platz

der Republik einen 2,50 Meter tiefen

und zehn Meter breiten Graben ziehen.

Außerdem soll der Bereich um

die Rampe zum Westportal des Parlamentsgebäudes

mit einem Sicherheitszaun

geschützt werden. Das

geht aus Planungsunterlagen hervor,

die der Berliner Zeitung vorliegen.

Graben und Zaun sollen im Zuge

des Baus des Besucher-und Informationszentrums

des Bundestags (BIZ)

entstehen, das am Rande des Tiergartens

errichtet werden soll. Jeder Besucher,

der das Reichstagsgebäude besichtigen

will, soll künftig im Besucher-

und Informationszentrums die

Sicherheitskontrolle durchlaufen

und dann durch einen Tunnel bis vor

das Westportal des Parlaments laufen,

um von dort das Haus zu betreten.

Graben und Zaun sollen verhindern,

dass Besucher unkontrolliertin

den Reichstag gelangen.

Außer einem begrünten Graben,

wie er jetzt geplant ist, standen zwischenzeitlich

auch ein Wasserbecken

und ein Wassergraben zur Diskussion.

Im Hause von Stadtentwicklungssenatorin

Katrin Lompscher

(Linke) werden die

Überlegungen für einen besseren

Schutz des Reichstags bestätigt. „Es

ist der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

und Wohnen bekannt,

dass der Bund aus Sicherheitsgründen

eine Abschirmung auf dem Platz

der Republik hin zum Reichstagsge-

Graben am Reichstag

Platz

der

Republik

ca. 10 mbreiter

2,50 mtiefer Graben

Sicherheitskonzept

am Reichstag

Scheidemannstr.

Untergeschoss

BIZ

Besucher- und

Informationszentrum

(BIZ)

Äußerer

Sicherheitsbereich

Äußerer Sicherheitsbereich

Innerer Sicherheitsbereich

Zeltenallee

50m Sicherheitszone

Graben

Sicherheitszaun 2,50 mhoch

Kleine Querallee

Zaun

Zaun

Simsonweg

Reichstag

BLZ/TIEDGE (2); QUELLE: BUNDESAMT FÜR BAUWESEN UND RAUMORDNUNG

Plattenbelag vorTreppe

bäude plant“, sagt Behördensprecherin

Petra Rohland. Eine endgültige

Entscheidung für eine Variante

seitens des Bundes stehe aber noch

aus.„DievorgeschlageneVariante eines

Grabens ist aus städtebaulicher

Sicht die zu bevorzugende Variante“,

sagt Rohland, da dabei der „Blick auf

den Bundestag nicht versperrt“

werde. Die Pläne seien „genehmigungsfähig“,

wenn der Bebauungsplan

für das Areal festgesetzt sei.

Der Graben soll nach den Unterlagen

als sogenannter Aha-Graben

ausgebildet werden. Unter Aha-Graben

wird ein seit dem 19. Jahrhundert

gängiges Gestaltungselement

der Gartenbaukunst verstanden.

Das Besondere: Der Graben ist aus

der Fernenicht zu sehen, weil er unter

dem Geländeniveau liegt. Aufder

einen Seite führt eine Böschung

hinab,auf der anderen Seite ragt eine

Wand so hoch wie eine Mauer, die

nicht zu überwinden ist. Der Name

Aha kommt verschiedenen Quellen

zufolge daher, dass der Graben erst

erkannt wird, wenn man kurz davor

steht –erdrückt also das Erstaunen

des Betrachters aus.

Mit dem Bau des Besucher- und

Informationszentrums des Bundestags

sollen die Kontrollen in den provisorischen

Baracken am Rande des

Platzes der Republik ein Ende finden.

Diese waren nach Terrorwarnungen

im November 2010 nötig geworden,

galten aber gestalterisch

nur als Notlösung.

Errichtet werden soll das BIZ

nach Plänen des Züricher Architekten

Markus Schietsch und des Landschaftsarchitekten

Lorenz Engster.

Sie haben sich bei einem Wettbewerb

2015/2016 durchgesetzt. Die

Kostenobergrenze für das Projekt

wurde vom Ältestenrat des Bundestags

auf 150 Millionen Euro festgelegt.

Ob es dabei bleibt, ist unklar.

Dasgilt genauso für den Terminplan.

Noch hat der Bau des BIZ nicht begonnen.

Als möglicher Fertigstellungstermin

wurde zuletzt Ende

2022, spätestens Mitte 2023 genannt.

Das Bedürfnis nach mehr Schutz

zeigt sich auch in den Planungen für

das BIZ. Um das Gebäude soll eine

50-Meter-Sicherheitszone errichtet

werden. So sollen die Menschen, die

sich dort aufhalten, vor terroristischen

Anschlägen mit Lastwagen

wie auf dem Breitscheidplatz geschützt

werden. Als Schutzmaßnahme

sind Poller am Rand der

Scheidemannstraße im Gespräch. In

aktuellen Überlegungen, die dieser

Zeitung vorliegen, werden Poller allerdings

auch „mitten in den Wegen

des Tiergarten“ zur Diskussion gestellt,

also im Gartendenkmal.

Sicherheitszaun

1,40 mhoch

Rampe

Treppe Reichstagsgebäude

Innerer

Sicherheitsbereich

Ulrich Paul hofft auf angemessenen

Schutz, der die

Umgebung respektiert.

Reichstagsgebäude

NACHRICHTEN

Friedrichstraße erst

im Oktober autofrei

Nicht wie bisher geplant vom6.bis

8. September,sondernerst am ersten

Oktober-Wochenende wirdein

Teil der Friedrichstraße für einige

Tage autofrei. Dasbestätigte das Bezirksamt

Mitte am Mittwoch. Die

Pläne wurden nach Absprache mit

den Anrainerngeändert–wohl auch,

weil der an jenem September-

Wochenende berlinweit geplante

verkaufsoffene Sonntag gerichtlich

untersagt wurde. (dpa)

Berlin hofft auf Zuschlag für

neue Innovationsagentur

DieGründungskommission für die

Agentur für sogenannte Sprunginnovationen

hat als Standort„zum

Beispiel die Metropolregion Berlin“

empfohlen. Daswurde am Mittwoch

bekannt, als Forschungsministerin

Anja Karliczek und Wirtschaftsminister

Peter Altmaier (beide CDU)

den Unternehmer Rafael Laguna de

la Vera als Gründungsdirektor der

Agentur vorstellten. DieEinrichtung

soll die bahnbrechenden Ideen aus

Deutschland zum Markterfolg verhelfen.

Berlins Regierender Bürgermeistern,

MichaelMüller (SPD), äußerte

sich zuversichtlich, Laguna

„von den Vorteilen unserer Region“

überzeugen zu können. (BLZ)

Mutmaßliche Dealer wollen

vor Gericht aussagen

Zwei Männer,die sich für einen Handel

mit rund 86 Kilogramm Marihuana

verantworten müssen, haben

am Mittwoch beim Prozessauftakt

vordem Landgericht angekündigt,

sich zu den Vorwürfen äußernzu

wollen. DiePolizei hatte bei der Festnahme

der 43- und 51-jährigen

Männer voracht Monaten rund

50 Kilogramm Marihuana sichergestellt.

DasRauschgift sei in den Niederlanden

beschafft worden, heißt

es in der Anklage.Der Prozess wird

am 19. Juli fortgesetzt. (dpa)

VBB: Für E-Scooter in U-Bahn

ist Fahrschein nötig

E-Tretroller brauchen für Bus- oder

Bahnfahrten in Berlin und Brandenburginder

Regel einen Fahrschein.

Siewerden wie Fahrräder behandelt,

und damit ist die Beförderung kostenpflichtig.

Darauf hat der Verkehrsverbund

Berlin-Brandenburg

(VBB) am Mittwoch hingewiesen.

Nurwer einen klappbaren Roller hat,

kann beim TransportGeld sparen:

Zusammengeklappte Roller gelten

als „Sache“ und werden kostenlos

transportiert. (dpa)

Gericht bestätigt Kündigung

von rechtem Hausmeister

DieEntlassung eines Bundeswehr-

Hausmeisters wegen Verbindungen

zur rechtsextremen Szene ist nach

einem Berliner Urteil „grundsätzlich

gerechtfertigt“. DasArbeitsgericht

legte am Mittwoch aber eine „soziale

Auslauffrist“ wegen der langen –

mehr als 30 Jahrewährenden –Beschäftigungszeit

des Klägers fest.

DasArbeitsverhältnis des 62-Jährigen

endet nun am 30. September,

teilte das Gericht mit (Aktenzeichen

60 Ca 455/19). Gegen die Entscheidung

kann noch Berufung eingelegt

werden. (dpa)


10 * Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Bezirke

Festmachen verboten

Als Naherholung für den

Sonntagsspaziergang

oder als Wassersportgebiet

für die Paddeltour –die Rummelsburger

Bucht ist ein Ort,

der vonvielen Menschen geschätzt

wird. Doch deren

Übernutzung ist inzwischen

eine Herausforderung für

den Naturschutz. Um Flora

und Fauna in den Uferbereichen

genügend Lebensraum

Friedrichshain

zu gewähren, besteht jetzt

für Boote ein Festmachverbot,

das nordwestlich in

Höhe der Glasbläserallee beginnt

und sich bis auf Höhe

Am Speicher erstreckt. Die

beiden vorhandenen Anlegestellen

sind vom Verbot

ausgenommen. Die Kennzeichnung

mit den schifffahrtsrechtlichen

Verkehrszeichen

ist erfolgt. (sara.)

Bier erlaubt, Schnaps nicht

Der sogenannte Elefantenspielplatz

in der

Stargarder Straße wird zum

Teil auch von dem Lokal

„Alois S.“ als Terrasse genutzt.

Nach Klagen aus der

Nachbarschaft wurde jetzt

mit dem Bezirksamt ein

Kompromiss gefunden, der

ein funktionierendes Miteinander

auch in Zukunft gewährleistet.

So werdeder Be-

Prenzlauer Berg

treiber unter anderem die

festgelegte Fläche einhalten

und die defekte Partybeleuchtung

aus den Bäumen

entfernen. Der Ausschank

von Bier und Wein ist möglich,

nicht jedoch der Verkauf

von hochprozentigen Getränken.

Dieöffentliche Nutzung

des Spielplatzes auch

bei privaten Veranstaltungen

wirdgewährleistet. (mw.)

Brunnen sprudelt wieder

Die Fontäne schießt bis zu fünf

Meter hoch.

UNDINE UNGETHÜM

Gropiusstadt

Nach fast 20 Jahren Pause

wurde der Brunnen an

der Lipschitzallee im Zentrum

der Gropiusstadt jetzt

wieder in Betrieb genommen.

In weniger als einem

halben Jahr Bauzeit erfolgte

eine umfassende Erneuerung

der Technik, der Brunnenschale

und des Umfelds,

bestehend aus Pflasterflächen

und Sitzbänken. (sara.)

Ewige Flamme erloschen

An der Ewigen Flamme

des Mahnmals auf dem

Theodor-Heuss-Platz hat die

Gasag Mängel festgestellt.

DieFlamme wurde jetzt „gelöscht“,

um Reparaturarbeiten

durchführen zu können.

Bis zur Kranzniederlegung

am traditionellen Tag der

Heimat am 31. August sollen

die Arbeiten aber abgeschlossen

sein. Das Mahn-

Charlottenburg

mal mit der Ewigen Flamme

ließen die „Landsmannschaften

der deutschen Heimatvertriebenen“

1955 auf

dem damaligen Reichskanzlerplatz

errichten. Es wurde

vom damaligen Bundespräsidenten

Theodor Heuss eingeweiht.

Die Flamme ist inzwischen

Denkmal für die

Opfer von Flucht und Vertreibung.

(kr.)

Neubau des Stadtbads

Unter dem Titel „Neue

Mitte Tempelhof“ hat

der Senat eine Neubebauung

und Umstrukturierung des

etwa zehn Hektar großen Bereiches

rund um das Tempelhofer

Rathaus beschlossen.

In den kommenden zehn bis

zwölf Jahren sollen 20 Projekte

verwirklicht werden,

darunter Neubau und Umsetzung

des Stadtbades. Um

Tempelhof

über die bevorstehenden

Veränderungen ins Gespräch

zu kommen, wurde jetzt ein

Fotowettbewerb gestartet,

dessen Teilnehmer sich mit

dem Thema „Neue Mitte

Tempelhof“ kreativ auseinandersetzen

sollen.

Mehr Infos zu den Wettbewerbsbedingungen

im Internet

auf www.dezentralekulturarbeit.de.

(mw.)

STEFAN HENSEKE

Beton-Schandfleck als Kunstprojekt

Streetart-Künstler Mate lässt die Schwäne

fliegen. „Born tobefree“ heißt sein Wandbild.

Es ist das letzte Innehalten vor dem

Abriss.Die alte Post in der Spandauer Klosterstraße

wird verschwinden. Das zur Urban

ArtHall gewandelte Postgebäude hatte

sich zu einem Fixpunkt der Berliner Streetart-Szene

entwickelt. Aus einem Beton-

Schandfleck wurde ein Kunstprojekt. Mit

der Ausstellung „Secret Spot 2“ wird Abschied

gefeiert. Bis Sonntag, täglich ab

14 Uhr geöffnet, locken Künstler wie Moe,

Muecke, Sr. Papa Chango und Caro Pepe

nach Spandau. (sth.)

Gemälde bald wieder wie neu

Am 9. August sollen die

Restaurierungsarbeiten

am vor 34Jahren geschaffenen

Nicaragua-Giebelwand-

Gemälde an der Skandinavischen

Straße abgeschlossen

sein. Wegen schlechter Ausführung

bei einer ersten Sanierung

fielen ab 2011 immer

wieder Teile ab.Schließlich

musste das Bild komplett

entfernt werden. (ylla.)

Lichtenberg

Ein Werk des MalersManuel

García Moia. IMAGO IMAGES/PEMAX

Wedding

Gerichtshöfe vor Sanierung

Die Gerichtshöfe sollen ab

2020 saniert werden.

Dasergab die Antwortder Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung

auf eine Anfrage der

Grünen-Abgeordneten Katrin

Schmidberger. Nach den

Arbeiten, die 2021 beendet

sein sollen, werden auch die

fünf aktuell leer stehenden

Gewerbeeinheiten neu vermietet.

Das Dachgeschoss

wird ausgebaut, hier entstehen

zwölfWohnungen. Die81

Wohnungen in den Häusern

Gerichtstraße 12 und 13 sowie

Wiesenstraße 62 werden

modernisiert und bekommen

unter anderem eine zentrale

Warmwasserversorgung.

Den Plan, 213 Studentenwohnungen

zu errichten,

hat die Gesobau vorerst auf

Eisgelegt. (kr.)

Kultursportfest: Am 30. Juli, 18

Uhr, steigt die feierliche Eröffnung

des internationalen Frauenfußball-Kulturfestivals„DiscoverFootball“

imWilly-Kressmann-Stadion,

Dudenstraße

40-46. DasFestival findet zum

achten Malstatt und steht unter

dem Motto„Fair play“. Es wurden

mehr als 100 Fußballerinnen

eingeladen, die in insgesamt

acht Teams antreten.

TERMINE

Magisch: 2010 wurde das Areal

des Landschaftsparks Herzberge

offiziell als einer der 365

auserwählten besonderen Orte

in Europa ausgezeichnet. Jetzt

bietet er die traumhafte Kulisse

für den musikalischen Theaterparcours

„Genius der Orte“,

der am 26. Juli, 19 Uhr, Premierefeiert.

Interessierte Zuschauer

werden aktiv in die

Handlung einbezogen.

Gartenkino: DasProjekt „Lebendige

Nachbarschaft“ lädt

am 27. Juli, 21.30 Uhr, bereits

zum zweiten Malzum Defa-

Gartenkino ein. Im Garten des

SOS-Familienzentrums,Alte

Hellersdorfer Straße 77, wird

die Kino-Kultkomödie „Der

Mann, der nach der Omakam“

mit Winfried Glatzeder,Rolf

Herricht und Marita Böhme

gezeigt.

Die Berliner Zeitung berichtet aus den BezirkeninZusammenarbeit mit dem Berliner Abendblatt.

Steglitz

Aktionstag für mehr Rücksicht

Das Ordnungsamt führt

am 1. August den Aktionstag

„Mehr Rücksicht auf

unseren Parkplätzen“ durch.

Mitseiner Hilfe soll für mehr

gegenseitiges Verständnis,

Miteinander und Rücksichtnahme

im Straßenverkehr

geworben werden. EinInformationsstand

ist auf dem

Wochenmarkt des Herrmann-Ehlers-Platzes

zu fin-

den. Hier stehen von 10bis

14 Uhr Experten für Fragen

und Hinweise zur Verfügung.

Einwichtiger Hinweis für alle

Autofahrer:Während des gesamten

Aktionstages richten

die Mitarbeiter des Ordnungsamtes

ihre besondere

Aufmerksamkeit auf die

Überwachung der für

Schwerbehinderte vorgesehenen

Parkplätze. (nm.)

Karriereinder

Hauptstadtregion

Nutz die Jobbörsefür Berlinund Brandenburg!

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(Servierbeispiel)

Berliner feine Leberwurst

im Naturdarm, über Buchenholz

geräuchert, nach alter Tradition

gefertigt

100g

Philadelphia

Frischkäsezubereitung, Mousse oder

Cottage Cheese, versch. Sorten und

Fettstufen

100g =0,63/0,44

140/200g

Becher

Langnese Cremissimo

Eiskompositionen, versch. Sorten

1l =4,11/1,85

450/1000ml

Schale

Frische, feine Bratwurst

die Bratwurst in

100g

0| 49 Hackfleisch

4| 44

1kg

Deutschland

Spanien

Deutschland

Bauers Beste

EDEKA

Kulturheidelbeeren

Aromatomaten

Kl. I

Nektarinen und Pfirsiche

Kl. I, AA, gelb- oder weißfleischig

Kl. I, 1kg =3,98

1kg

1kg =7,48

500g Schale

400g Schale

0| 79 1| 99 1| 49 2| 99

Bauer

Rama

All in Fruits

Joghurt oder

Streichfett, 1kg =1,76

Smoothie

Joghurtdrink

500g Becher

100% Frucht,

versch. Sorten und

versch. Sorten

Fettstufen

100ml =0,40

100g =0,16

250ml Flasche

250g Becher/

Flasche

0| 88 0| 39 0| 88 0| 99

Original Wagner

Iglo Filegro

Iglo

feine Fischfilets, versch. Sorten

Big Pizza oder Die Backfrische

100g =0,93/0,89

Fischstäbchen

versch. Sorten, z.B.: Big City Pizza

versch. Sorten, 1kg =9,91/4,93

240/250g Packung

London 420g, Die Backfrische Salami

oder Schlemmer-Filet

224/450g Packung

320g

Fischfilet mit knuspriger

1kg =4,74/6,22

Panade, versch. Sorten

Packung

1kg =5,84

380g Packung

1| 85 1| 99 2| 22 2| 22

Spitzenqualität,

hergestellt aus bestem

Schweinefleisch

vom Rind und

Schwein, zum Braten,

vielseitig verwendbar

NEU

im Sortiment

=tiefgefroren

Lay‘s Kartoffelchips

versch. Sorten,

z.B.: Superchips

gesalzen 175g,

Lay‘s Sour Cream

&Onion 175g

100g =0,57

Beutel

ganze Bohnen,

ideal für Kaffeevollautomaten,

versch. Sorten

1kg Beutel

Jacobs Barista

0| 99 7| 99

Dallmayr Prodomo

feinster Spitzenkaffee, versch. Sorten

1kg =6,98

500g Packung

oder Dallmayr Gold

Instant-Kaffee

100g Glas

3| 49

Milka, Oreo, Toblerone oder

Daim Ice Cream

am Stiel oder in einer Waffel,

versch. Sorten,

z.B.: Oreo Multipack 4er 440ml,

1l =4,52

Packung

1| 99

Freixenet

spanischer Cava,

versch. Sorten

oder Legero

alkoholfrei

1l =5,17

0,75l Flasche

Ice Tea

versch. Sorten

1l =0,50

2l Packung

3| 88 Pfanner

versch. Sorten, +3,10 Pfand/Kiste

1l =1,00/0,95

20x0,5l Flasche

1KISTE

0| 99 Warsteiner Pilsener

2KISTEN

9| 99 18| 98

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Berlin

Berlin gehört zuden grünsten

Metropolen Europas.

Doch das Stadtgrün leidet

–nicht nur unter der

Trockenheit, sondern vor allem an

Vernachlässigung. Der Garten- und

Landschaftsarchitekt Stephan

Strauss hat 25 Jahre lang in der öffentlichen

Verwaltung Berlins im Bereich

Grün gearbeitet und seit 1995

den Niedergang der grünen Kultur in

der Stadt beobachtet. Was Bürger

und Parkbenutzer als schleichenden

Prozess wahrnehmen, sieht er mit

den Augen des Fachmannes als

schmerzlichen Verlust.

Herr Strauss, es ist Sommer, aber in

den Berliner Grünanlagen blühen

kaum Blumen. Täuscht der Eindruck?

Nein. Stauden und Sommerblumen

sind bis auf wenige,zumeist als

Gartendenkmal geschützte Anlagen

aus der Gartenkultur Berlins verschwunden.

Warum?

Dasgeht zurück auf die Sparmaßnahmen

der 1990er-Jahre. Man hat

Personal- und Sachkosten gekürzt,

die Gärtnereien praktisch liquidiert.

Bisdahin hatte fast jeder Bezirkeine

eigene Gärtnerei, die unter anderem

für die Anzucht der benötigten

Pflanzen zuständig war. Das gab es

in Ost und West, die Strukturen waren

relativ ähnlich. Kultur und Wissen

um das Stadtgrün wurden quasi

mitliquidiert, nach dem neoliberalen

Motto: „Kann man doch alles irgendwo

kaufen.“

Stimmt doch –oder?

Waswirklich gebraucht wird, hat

der freie Marktnur begrenzt bedarfsgerecht

im Angebot. Hat man zum

Beispiel für den 1. Mai Pflanzen bestellt,

dann muss man die zu dem

Termin abnehmen, auch wenn

Schnee fällt. Die ursprüngliche produktive

und fachliche Nähe sowie

Zusammenarbeit zwischen Anzucht

und Verwendung ist verschwunden.

So gibt es nur noch wenige gärtnerisch

hochwertig gepflegte Anlagen.

ZumBeispiel?

Am Olivaer Platz sind gelernte

Gärtner am Werk, mit eigenem Geld,

in hoch engagierter Privatinitiative.

Diezeigen, was man mit Stauden und

Gräsern alles machen kann. Dafür

gibt es in den Straßen- und Grünflächenämternkeine

Kapazität und immer

weniger Sachkunde. Deren Potenzial

wird ingroßem Maße gebunden

durch Vandalismus, Hundekot

undVerkehrssicherungspflichten.

IstGeldmangel der einzige Grund?

In erster Linie liegt es daran. Nach

der Wiedervereinigung musste die

zusammengelegte,dann überdurchschnittlich

große Verwaltung Berlins

reduziert und tatsächlich gespart

werden. Doch kommt dazu eine aus

zwei Richtungen gewachsene Geringschätzung

des ästhetisch und

funktional gestalteten Grüns.

Dasmüssen Sienäher erläutern …

Zum einen resultiert diese Geringschätzung

aus der frühen Ökologiebewegung

im Westteil Berlins,vor

allem an den Universitäten. Da hieß

es seit den 1970er-Jahren: Wir brauchen

keine Stiefmütterchen, keine

Rittersporne, das sind alles Fremdländer.

Man wollte nur noch sogenannte

standortgerechte Flora, also

solche Pflanzen, die nach der Eiszeit

hierzulande wuchsen –ursprüngliche,

einheimische Gehölze wie Eiche,

Hainbuche oder Kiefer. Bloß

keine Einwanderer mit Zierwert oder

guter Eignung fürs heiße Stadtklima!

Demnach müsste man auch Kastanien

oder Kartoffeln verbannen …

Genau. Ein kultureller, gesellschaftlicher

Kanon wurde zerstört

zugunsten einer einseitigen Naturbetrachtung,

in der der Mensch nur

peripher vorkommt. Diese Haltung

zieht sich bis in die aktuelle Politik.

Und die zweite Quelle der Geringschätzung?

Dasgärtnerische Handwerksteht

in Deutschland seit längerem in der

öffentlichen Meinung recht niedrig.

Kommt zum Beispiel eine große

Baumpflanzmaschine zum Einsatz,

die –vorgeblich schadarm –einen

Der Garten- und Landschaftsarchitekt Stephan Strauss im BürgerparkPankow,woder Bezirkzeigt, waser(noch) kann. Es gibt sogar Blumen. BLZ/GERD ENGELSMANN (2)

Baum voneinem Platz zum anderen

umsetzt, dann ist das Interesse groß.

Das allgemeine Ansehen des Gärtnerberufes

aber ist gering. Gärtner

werden schlecht bezahlt. Hinzu

kommt: Seit Gartencenter, Baumärkte

und Discounter alles beliebig

und immer blühend anbieten, sind

Pflanzen zum geringwertigen Verbrauchs-

und Wegwerfartikel geworden.

Wieso sollte deren Pflege dann

wertvoll sein?

Wenn Sie mit Ihrem geschulten Blick

durch die Berliner Grünanlagen gehen,

was sehen Sie?

Die Stadt ist grün, das ist unser

positives Erbe. Unsere Großväter

und Urgroßväter haben sie grün gemacht.

Doch heute bepflanzen wir

unsere Plätze nicht mehr mit schön

Blühendem, sondern mit „Standortgerechtem“,

also zum Beispiel Eichen,

obwohl oben dann der Eichenprozessionsspinner

lauert. Die

Zierde verschwindet aus der Stadt,

das, was den Menschen ausmacht:

die Freude am Schönen. Sehen Sie

sich bloß an, wie es entlang der

Panke aussieht, „naturnah“ mit

Müll, Ratten, Graffiti.

Wermüsste da eingreifen?

Die bezirklichen Straßen- und

Grünflächenämter. Doch die haben

nicht die Kraft dafür –das ist auch

wörtlich zu verstehen. Es gibt dort

kaum noch kräftige, junge Männer,

die man braucht, um zum Beispiel

eine in den Fluss geworfene Bank mit

gusseisernem Gestell wieder an ihren

Platz zu stellen. Die Leute dort sind

wirklich fleißig, aber nach mehr als 20

Jahren der Ausdünnung und Geringschätzung

sind sie auch deprimiert.

„ “

Profession: StephanStrauss,geboren 1948, ist Garten- und Landschaftsarchitekt, studierte

nach einer Gärtnerlehre an der Humboldt-Universität sowie der TU Dresden. Danach arbeiteteer

unteranderem am Institut für Städtebau und Architekturder Bauakademie. 1991bis 2011 war

er fürdie Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz tätig,leitete den Bereich

Landschaftsbau.Bis 2013 arbeitete er in der Gartendenkmalpflegedes Landesdenkmalamts.

Engagement: Seit 1992 gehörterden Gremien der Architektenkammer an, 2002 bis 2017

als Vizepräsident. Viele Jahre engagierte er sich unter anderem im Kuratorium der Karl-

Foerster-Stiftung,inder Topographie des Terrors und leitete das Lenné-Preis-Verfahren.

Lassen

Sie uns

über Berlin

reden

Der Vandalismus ist auch im BürgerparkPankow nicht zu übersehen.

Wiekam es zu dieser Ausdünnung?

Initiiert wurde sie durch die Grünen,

die in den 1990er-Jahren die

Meinung vertraten, dass das Stadtgrün

keine steuernde Fachbehörde

braucht, sonderndass über das Grün

„bürgernah“ im Bezirksamt zu befinden

sei. Die bis dato beim Senat

wahrgenommene Fachaufsicht verlor

ihre Rolle als zentrale koordinierende

Stelle. In den bezirklichen

Straßen- und Grünflächenämtern

sitzen nach all den Sparrunden nicht

ausreichend Fachkundige. Die Mitglieder

der Bezirksverordnetenversammlungen

(BVV) verfügen in der

Regel nicht über Fachkompetenz im

Grün, treffen aber die Entscheidungen

über die Personal- und Sachmittel

für das Grün.

Wiewirkt sich das konkret aus?

In der früheren zweistufigen Verwaltung

errechnete die Senatsabteilung

den Personal- und Geldbedarf

und berücksichtigte dabei auch die

sozialen Unterschiede zwischen den

einzelnen Bezirken sowie gesamtstädtische

Bedarfe. Sobrauchen der

„Das Grün

leidet auch

unter den

Grünen“

Der Landschafts- und

Gartenarchitekt Stephan Strauss

erklärt, warum es mehr

Hobby-Imker,

aber weniger Straßenbäume und

Blumen gibt

dicht besiedelte Friedrichshain, der

Prenzlauer Berg oder der Wedding

mehr Aufwand für das Grün als Steglitz-Zehlendorf.

Im Ergebnis erhielten

die Bezirke ihreMittel.

Waskam stattdessen?

Alle Bezirksämter erhalten seitdem

vom Senat eine sogenannte

Globalsumme zur Erledigung ihrer

Aufgaben, darin enthalten die Mittel

für das Stadtgrün. In den BVV’en

entscheiden dann die gewählten

Vertreter, zumeist Laien im Grün,

und leiten Gelder, die eigentlich der

Pflege des Grüns dienen sollten, in

alle möglichen Finanzlöcher – zur

Reparatur defekter Schultoiletten,

zur Auffüllung der Sozialkassen.

Haben Sieein Beispiel?

Manchmal unterstützte man Bienenprojekte,

sodass nun sehr viele

Hobby-Imker so viele Bienenvölker

haben, die den bedrohten Wildbienen

auch noch das Futter wegnehmen.

Anders im bürgerlich geprägten

Steglitz-Zehlendorf, wo Interesse

an Gartenkultur besteht. Dort wird

das Kleistgrab am Kleinen Wannsee

so liebevoll gepflegt, dass es eine

Freude ist.

Aber der Senat legt doch immer wieder

finanzierte Sonderprogramme

auf,die die Stadt verbessern sollen …

Ja, aber diese Projekte müssten

auf bezirklicher Ebene umgesetzt

werden. Dafür braucht man dort

qualifiziertes Personal, das die Umsetzung

übernimmt. Dann müssen

freie Landschaftsarchitekten mit der

Planung und Bauleitung der Vorhaben

sowie Garten- und Landschaftsbaubetriebe

mit der Ausführung einschließlich

einer mindestens zweijährigen

Anwuchspflege beauftragt

werden. Ausschreibung, Beauftragung,

Kontrolle und Abrechnung

müssen aber nach der hochkomplexen

Landeshaushaltsordnung durch

das Bezirksamt selbst durchgeführt

werden. Doch die BVV’en verweigern

wegen anderer Prioritäten regelmäßig

das notwendige Personal

für solche Projekte.Die Folge: DieSenatsmittel

werden nicht oder nur

teilweise abgerufen.

Jüngst verlangte die Bezirksbürgermeisterin

von Friedrichshain-Kreuzberg,

statt der Straßen- und Grünflächenämter

solle sich die Berliner

Stadtreinigung (BSR) um die Sauberhaltung

der Parksund Anlagen kümmern.

Washalten Siedavon?

Das verstehe ich, da spricht eine

Politikerin in Not. Da hat man es vor

der Türe mit riesigen Mengen Dreck

zu tun, Hundekot, Spritzen, Graffiti,

Müll aller Art. Wenn dann das Angebot

vom Senat kommt, die BSR zum

Parkputz zu schicken, dann greift die

Bürgermeisterin nach dem Strohhalm.

Aber die BSR-Leute sind des

Gartenbaus unkundig. Undnoch ein

Nebeneffekt: BSR-Mitarbeiter verdienen

mehr als Gärtner im Bezirksamt.

Das Parkputzen geschieht also nicht

nur durch weniger fachkundige

Kräfte,sondernwirdauch noch deutlich

teurer für Stadt und Steuerzahler.

Waslässt sich tun, um die Absurditäten

zu mildern?

DieGrünen, jetzt mit in der Regierung,

sollten ihr altes Konstrukt verbessern,

also eine Fachaufsicht einführen

und für qualifiziertes Fachpersonal

sorgen. Aber es gibt daran

offensichtlich kein Interesse. Stefan

Tidow, zuständiger Staatssekretär in

der neu zugeschnittenen Senatsverwaltung

für Umwelt, Verkehr und

Klimaschutz, reagiert nicht auf entsprechende

Anfragen. Es handelt

sich übrigens um ein von den Grünen

geführtes Haus.

Wieerklären Siediese Verweigerung?

Änderungen am Status quo würden

sicherlich einen Aufschrei jener

Leute erzeugen, denen man im Falle

von Korrekturen am System Zuständigkeit,

Entscheidungsgewalt und

damit Macht entziehen müsste.

Malabgesehen vonden strukturellen

Änderungen –was müsste praktisch

verbessertwerden?

Die vom Senat bereitgestellten

Mittel müssen zweckgebunden für

das Stadtgrün ausgegeben werden,

statt in der Globalsumme zu verschwinden.

Immerhin gibt es jetzt

erste Ansätze, wenigstens die Gelder

für einzelne Zusatzmaßnahmen wie

zum Beispiel für Straßenbäume an

den Zweck zu binden.

Bäume sind bekanntermaßen wichtig

für den Klimaschutz –ein zentrales

Thema. Da steigt die Zahl der Straßenbäume

in Berlin doch sicherlich?

Keineswegs. Die Zahl der Straßenbäume

sinkt seit vielen Jahren

kontinuierlich – obwohl der Senat

ständig darüber redet, dass es mehr

werden müssten, und sogar große

Summen bereitstellen will. Wie

schon erläutert: Die BVV’en bekennen

sich zur Umsetzung, ohne die

Voraussetzungen für die Pflanzung

und vor allem für die spätere kontinuierliche

Pflege zu schaffen. Auch

diese Senatsgelder werden nicht

oder nur teilweise eingesetzt.

Hatdenn das Stadtgrün in Berlin gar

keine Fürsprecher, keine politische

oder gesellschaftliche Lobby?

Für die Ökologie und Klima gibt

es sie erfreulicherweise vernehmbar.

Die Naturseite wird politisch stark

betont. Nicht aber die kulturelle

Seite,also Funktionalität und Schönheit.

Da erhebt niemand im politischen

Raum seine Stimme. Dabei

sind Gartenkultur und gehobene

gärtnerische Ausbildung Berliner Erfindungen,

die in den vergangenen

200 Jahren weltweit übernommen

wurden. Bloß in Berlin selber gilt das

nicht mehr. Das wirkt inzwischen

auch auf die Motivation der verbliebenen

Gärtner:Wenn man in diesem

Beruf mit Pflanzen arbeiten will,

aber hauptsächlich Dreck wegräumen

soll, sieht man keinen Sinn

mehr in seinem Beruf. Noch schlimmer:

Die jungen Leute in der Stadt

wachsen mit der Verwahrlosung der

Parks und Grünanlagen auf. Sie halten

das für normal und verhalten

sich entsprechend!

DasGespräch führte Maritta Tkalec.


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 13 *

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Berlin

Es wareinmal ein Flughafen. Seit 2008 startet kein Flugzeug mehr in Tempelhof, heute ist das Areal ein beliebter Ortder Erholung.Aber wäre am Rand nicht doch Platz für Neubauten? Das wird nun wieder diskutiert.

IMAGO IMAGES/ VOLKER HOHLFELD

Scheindemokratie am Startbahnrand?

SPD will per „Volksbefragung von oben“ eine Bebauung des TempelhoferFeldes erreichen. Grüne und Linke lehnen ein solches Vorgehen kategorisch ab

VonAnnika Leister

300

Hektar misst das

Tempelhofer Feld und ist

eine der größten innerstädtischen

Freiflächen der Welt.

FLUGZEUGFREIE ZONE

70 000

Besucher kommen

bei schönem Wetter

an einem einzigen Tag

auf das Feld.

2014

haben sich 64 Prozent der

Berliner im Volksentscheid

gegendie Randbebauung

des Feldes ausgesprochen.

Die SPD baut weiter Druck

auf, um das Tempelhofer

Feld am Rand bebauen

zu lassen. Bereits Ende

2018 sprach sich der Berliner Landesverband

auf seinem Parteitag für

eine „sozialverträgliche“ Randbebauung

aus.ImMai warb SPD-Fraktionschef

Raed Saleh massiv für die

Idee. Jetzt haben die SPD-Kreisvorsitzenden

Harald Georgii (Friedrichshain-Kreuzberg),

Lars Rauchfuß

(Tempelhof-Schöneberg) und

der stellvertretende Kreisvorsitzende

Sven Kohlmeier (Marzahn-Hellersdorf)ein

dreiseitiges Konzept-Papier

verfasst. Ihr Plan: Die östliche Seite

des Tempelhofer Dammes und der

südliche Rand des Feldes hin zur Autobahn

sollen bebaut werden,„mehrere

Tausend Wohnungen“ könnten

dort entstehen, schreiben sie. Die

Flächen sollten ausnahmslos an landeseigene

Wohnungsunternehmen

gehen, die Nettokaltmiete 6,50 Euro

betragen.

Doch in der gesamten Diskussion

um Berlins größte Naherholungsfläche

stellt sich zuallererst eine Frage:

Wie will die SPD überhaupt an dem

Volksentscheid von 2014 und dem

daraus hervorgegangenen Tempelhofer-Feld-Gesetz

rütteln, das jede

Form der Bebauung strikt untersagt?

Das Parlament könnte das Gesetz

kippen, aber keine Partei will sich so

einfach gegen Volkes Willen stellen.

Für einen neuen Volksentscheid gibt

es bisher keinen Initiator. Die SPD

plädiert deswegen seit Monaten für

die Einführung eines neuen Werkzeugs:

die „Volksbefragung von

oben“. Eine Befragung der Berliner

also, durch eine vom Abgeordnetenhaus

formulierte Frage,die nur mit Ja

oder Nein beantwortet werden kann.

Im Innenausschuss wird seit dem

Frühjahr darüber diskutiert, die SPD

hat den Vorstoß in ihr extrem umfangreiches

und umstrittenes Gesetzespaket

zur Novelle des Polizei-, Abstimmungs-

sowie des Versammlungsgesetzes

gepackt. Doch die

Fronten sind hoffnungslos verhärtet,

Linke wie Grüne zunehmend genervt

vomKoalitionspartner.

Als „unprofessionell und unseriös“

bezeichnet Michael Efler, demokratiepolitischer

Sprecher der

Linken, das Vorgehen der SPD. Die

befahre immer wieder „dieselbe

Sackgasse“ – und könne nicht auf

Entgegenkommen setzen, sondern

müsse sich vonder fixen Idee der Befragung

vonoben verabschieden.

Auch Susanna Kahlefeld, Sprecherin

für Partizipation und Beteiligung

bei den Grünen, kritisiert die SPD

scharf. Die verschleppe die Umsetzung

des Koalitionsvertrags und fordere

gleichzeitig neue Zugeständnisse

von ihren Partnern. Für Kahlefeld

führt das inzwischen zu der

Frage: „Wie zuverlässig ist die SPD eigentlich

noch als Koalitionspartner?“

Linke und Grüne lehnen die

„Volksbefragung von oben“ kategorisch

ab. Mit denselben Argumenten:

Werkzeuge der direkten Demokratie

gehörten weiterhin in die

Hände der Bevölkerung. Volksentscheide

und -initiativen sollten –wie

im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag

2016 vereinbart–erleichtertwerden.

DieVolksbefragung durch das Abgeordnetenhaus

aber täusche direkte

Demokratie lediglich vor, verpflichte

das Parlament am Ende zu nichts

und öffne das Tordafür, sehr komplexe

oder stark emotional aufgeladene

Debatten auf eine simple Frage

zu reduzieren.

Kahlefeld wie Efler ärgert der

SPD-Vorstoß besonders, weil im Koalitionsvertrag

andere Ziele vereinbart

wurden –wie zum Beispiel verbindliche

Fristen für die Prüfung von

Volksentscheiden durch die Verwaltung.

Zuletzt habe der „Volksentscheid

für Gesunde Krankenhäuser“

ein Jahr lang warten müssen, um von

der Senatsverwaltung für Gesundheit

erfahren zu müssen: DerAntrag

sei rechtlich sonicht zulässig. Auch

das Volksbegehren „Berlin Werbefrei“

liege schon seit einem Jahr, so

Efler. „Ich will gar nicht wissen, was

mit dem Volksbegehren zur Enteignung

passiert, wenn wir nicht bald

Fristen setzen.“

Die Initiative „Deutsche Wohnen

und Co. enteignen“ hatte Ende Juni

rund 77 000 Unterschriften an die

Senatsverwaltung für Inneres übergeben

und wartet nun auf Prüfung

der Unterschriften und auf Prüfung

der Rechtskonformität des gesamten

Vorgehens durch die Verwaltung.

Auch im jüngsten Papier der SPD-

Funktionäre Kohlmeier, Georgii und

Rauchfuß zum Tempelhofer Feld

heißt es: Die Form der Abstimmung

sei entscheidend. „Dafür gibt es

mehrere Varianten, eine wäre die

Volksbefragung durch das Abgeordnetenhaus,eine

andereeine erneute

Volksinitiative.“ Die Befragung von

oben sei der SPD wichtig, sagte Kohlmeier

der Berliner Zeitung. „Wir sehen

sie als sinnvolles Instrument,

um respektvoll mit einmal gefällten

Volksentscheiden umzugehen.“ Keinesfalls

wolle man damit bloß die

Linken und die Grünen ärgern. Da

die hart bleiben dürften, wäre sogar

denkbar, dass SPD-Politiker den anderen

Weg wählen und selbst eine

Volksinitiative zur Bebauung auf

dem Tempelhofer Feld starten. Kohlmeier:„Dasist

eine Möglichkeit.“

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denkt, dass die Volksbefragung

vonoben Fallen birgt.

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Fahrgast beleidigt Taxifahrer.

In Buckowist in der Nacht zum Mittwoch

ein 58 Jahrealter Taxifahrer beleidigt

und geschlagen worden. Er

hatte an der Kreuzung Johannisthaler

Chaussee/Steinträgerweg/Heideläuferwegdie

Polizei alarmiert.

DenBeamten sagte der Fahrer,er

habe kurzzuvor an einem Einkaufscenter

in der Wutzkyallee zwei Männer

als Fahrgäste aufgenommen.

Während der Fahrtsoll einer der

Männer den Fahrer zunächst fremdenfeindlich

beleidigt und etwas

später geschlagen haben, woraufhin

der 58-Jährige anhielt und sein Taxi

verließ. DerPöbler sei ebenfalls ausgestiegen,

habe ihm gegen ein

Schienbein getreten und mit der

Faust ins Gesicht geschlagen. Der

Schläger und sein Komplizeflüchteten,

ohne zu bezahlen.

Brandstiftung auf Mieterparkplatz.

Aufeinem Mieterparkplatz in der Ettaler

Straße in Schönebergsind in

der Nacht zum Mittwoch mehrere

Fahrzeuge angezündet worden. Gegen

1.30 Uhrhatte ein Anwohner zunächst

einen Knall gehört. Kurz darauf

bemerkte er auf einem Anwohnerparkplatz

Flammen an drei dort

abgestellten Autos.Die Autos der

Marken Audi, Opel undVW brannten

aus.Ein vierter Wagen, ein VW,

wurde durch die Hitzeebenfalls beschädigt.

Verletzt wurde niemand.

DiePolizei geht vonvorsätzlicher

Brandstiftung aus.Die Ermittler prüfen,

ob die Feuer im Zusammenhang

stehen mit Autobränden im Hansaviertel

zweieinhalb Stunden später.

In der Bartningallee hatten ein Renault

sowie ein VolvoFeuer gefangen.

EinSkoda wurde durch die Hitzeentwicklung

ebenfalls beschädigt.

Flucht vor der Polizei.

Beider Flucht vorder Polizei ist am

Dienstag ein 17 Jahrealter Autofahrermit

einem Smartverunglückt.

DerJugendliche war in der Leibnizstraße

in Charlottenburgwegen seiner

Fahrweise einer Streife aufgefallen.

Als die Beamten den Fahrer anhalten

wollten, gab er Gasund entkam

zunächst. Aufder Flucht

missachtete er unter anderem eine

rote Ampel auf der Kreuzung Kurfürstendamm,

Ecke Leibnizstraße.

Er fuhr mit erhöhter Geschwindigkeit

in Fahrtrichtung Steglitz. Auch

dortmissachtete er mehrererote

Ampeln und nahm keine Rücksicht

auf den Verkehr.Die Fahrtendete in

der Straße Unter den Eichen in Lichterfelde.Der

Jugendliche verlor die

Kontrolle über das Auto und schleuderte

gegen einen Baum. DieStreife

nahm ihn fest. Beider Überprüfung

stellte sich heraus,dass die Autokennzeichen

gefälscht waren. Eine

Fahrerlaubnis hatte der Jugendliche

nicht. DerSmartwurde sichergestellt.

Tourist angepöbelt und beleidigt.

EinKontrolleur einer Sicherheitsfirma,

die im Auftrag der BVGarbeitet,

hat am Mittwochvormittag einen

Touristen aus den Vereinigten Staaten

vonAmerika angepöbelt und beleidigt.

Der80Jahrealte und gehbehinderte

Mann hatte nicht mitbekommen,

dass er seinen Fahrschein

entwerten muss.Daraufhin griff ihn

der Wachmann an. Zeugen, die

ebenfalls beleidigt wurden, alarmierten

die Polizei, die den Angreifer

vernahm. DerWachmann wurde

nach Informationen der BVGnoch

am selben Tagvon seinem Unternehmen

entlassen.

Passant überfallen.

Einunbekannter Mann hat am

Mittwochvormittag einen 32 Jahre

alten Passanten in Hohenschönhausen

überfallen. DasOpfer war

kurznach zehn Uhrinder Schöneicher

Straße unterwegs.Der Mann

telefonierte,als ihm der Täter entgegen

kam. DerUnbekannte sprach

den Passanten an. Als er nicht reagierte,tratihm

der Täter gegen die

Hand, sodass das Handy zu Boden

fiel. DemOpfer gelang es,zuflüchten

und die Polizei zu rufen. DerTäter

griff sich das Telefon und verschwand.

(ls.)

Der Mond hat einen Schatten

Ärger hinter Pollern

Seit Monaten ähnelt der Breitscheidplatz einem Hochsicherheitstrakt. Jetzt protestieren die Geschäftsleute

VonElmar Schütze

Innensenator Andreas Geisel

hat am nächsten Mittwoch einen

Termin, der wohl nicht zu

den vergnüglichsten gehört.

Für den Taghat sich der SPD-Politiker

im Rathaus Charlottenburg angekündigt.

Ihm gegenüber werden

Vertreter des Bezirksamtes, aber

auch Geschäftsleute aus der City-

West sowie der Pfarrer der Gedächtniskirche,

Martin Germer, sitzen.

Wichtigstes Thema: die Situation auf

dem Breitscheidplatz. Längst, so klagen

die Unternehmer, wirken sich

die martialischen Sicherheitsmaßnahmen

auf dem Breitscheidplatz

geschäftsschädigend aus. Die Frage

lautet:Wieteuer darfSicherheit sein?

Tatsächlich wirkt der Platz in der

City-West mit der Kaiser-Wilhelm-

Gedächtniskirche in der Mitte wie

eine Festung. Entlang der Budapester

Straße und des Tauentzien stehen

mit großen Sandsäcken gefüllte,

dunkle Drahtkörbe in Reih und Glied

– unterbrochen von sogenannten

Lkw-Blockern, Barrieren, die sich

aufstellen, wenn ein schweres Fahrzeug

auf sie zufährt.

Martialische Konsequenz

Sicher,aber abschreckend: Lkw-Blocker am Breitscheidplatz.

Diese stehen an den Zugängen

zum Platz und an Fußgängerüberwegen,

gespickt mit besonders

markanten Säulen, die mit rot-weißer

Warnbeklebung versehen sind.

Die Installationen wurden vorigen

November als Schutz des Weihnachtsmarktes

aufgebaut. Das ist

konsequent. Zwei Jahre zuvor war

ein Attentäter mit einem Laster in

jenen Weihnachtsmarkt gerast und

hatte zwölf Menschen getötet.

Gedächtniskirchen-Pfarrer Martin

Germer hält die Absperrungen

für übertrieben. „Ich glaube, esist

wahrscheinlicher, dass ich auf der

Straße von einem Ast erschlagen

würde,als dass noch einmal so etwas

geschieht wie 2016.“ Doch er nimmt

Ängste der Menschen ernst –ebenso

das Bedürfnis nach Sicherheit.

Gleichzeitig hat Germer Beobachtungen

gemacht, die nun

wirklich alle in der Umgebung alarmieren.

„Wir haben den Eindruck,

dass wir deutlich weniger Besucher

haben, seit es die Barrieren gibt“,

sagt Germer.Aus seiner Sicht senden

sie eine Botschaft aus: „Das ist ein

gefährlicher Ort.“ Davon ließen sich

viele abschrecken. Unddas wäreGift

für die Gewerbetreibenden rund um

den Platz, für all die Einzelhändler,

Hoteliers und Gastronomen.

Konkret weiß Michael Frenzel davon

zuberichten. Der Direktor des

Hotel Palace an der Rückseite des

THOMAS UHLEMANN

DPA/BRITTA PEDERSEN

DieBerliner hatten Glück. Einklarer Himmel bot ihnen an vielen Orten

der Stadt die Gelegenheit, eine partielle Mondfinsternis zu beobachten.

DerVollmond trat in der Nacht zum Mittwoch gegen 22 Uhrinden

Kernschatten der Erde ein, weil unser Planet genau zwischen Sonne

und Mond stand. Gegen 23.30 Uhrwaren fast zwei Drittel des Mondes

verdunkelt. Das Himmelsspektakel dauerte insgesamt etwa drei Stunden.

Es war übrigens die letzte Gelegenheit für fast drei Jahre, eine

Mondfinsternis zu sehen. Dienächste ist erst für den 16. Mai2022 angekündigt.

In der laufenden Woche gibt es einen weiteren Höhepunkt,

was den Mond betrifft. Denn am 20. Juli, genau vor50Jahren, landeten

mit den Astronauten vonApollo 11 die ersten Menschen auf dem Erdtrabanten.

(BLZ)

Europa-Centers ist Sprecher eines

Zusammenschlusses, zudem auch

die Hotels 25Hours,Motel One, Waldorf

Astoria sowie das Einkaufszentrum

Bikini gehören –alle in unmittelbarer

Nachbarschaft zum Platz

gelegen. Sie alle leiden unter der

martialischen Optik.

Im Palace hat Direktor Frenzel

nach eigener Auskunft zuletzt vielfach

erleben müssen, dass potenzielle

Kunden wegen der optischen

Wirkung der Barrieren ihren Aufenthalt

stornierten.„Wir haben etwa zur

Hälfte internationale Gäste. Viele

nehmen die Sicherheitsmaßnahmen

als Bedrohung wahr –schon,

weil sie keinen anderen OrtinBerlin

sehen, der so gesichert ist“, sagt

Frenzel. „Sie fürchten deswegen,

dass hier eine unmittelbare Gefahr

droht.“ Vor allem im Kongressgeschäft

habe das Palace deshalb

starke Einbußen hinnehmen müssen.

Die Veranstalter hätten Regularien,

nach denen sie nicht an Orten

mit einem offensichtlichen Bedrohungspotenzial

buchen dürften.

Frenzel schätzt, deswegen seien in

den vergangenen Monaten rund ein

Dutzend Buchungen storniert worden.

Besonders ärgertdie Geschäftsleute

und Anrainer, dass kein Ende

der „Verschandelung des Platzes“,

wie es Pfarrer Germer nennt, in Sicht

sei. Ursprünglich waren die Installationen

als Provisorium gedacht. Eine

Projektgruppe der Senatsinnenverwaltung

soll ein Konzept für eine

langfristige Lösung erarbeiten. Mit

kosmetischen Lösungen wäre dabei

niemandem gedient.

Bringt Geisel Gastgeschenke?

Vonmöglichen Ergebnissen ist bislang

nichts bekannt, und in der

City-West ist die Geduld aufgebraucht.

Jetzt fordert Klaus-Jürgen

Meier, Vorstandschef der einflussreichen

AG City: „Wenn nach dem

nächsten Weihnachtsmarkt die Buden

abgebaut werden, soll sofort

mit dem Aufbau der endgültigen Sicherheitsmaßnahmen

begonnen

werden.“

Es wäre Innensenator Andreas

Geisel also nur zu wünschen, dass

er gute Nachrichten im Gepäck hat,

wenn er nächste Woche nach Charlottenburgfährt.

Guter Wille ist ihm

dabei sicher nicht abzusprechen.

„Die Senatsinnenverwaltung strebt

einen schnellstmöglichen, stadtbildverträglichen,

permanenten

Schutz des Breitscheidplatzes an“,

sagt ein Sprecher. Vor allzu großer

Euphorie warnt er im nächsten

Atemzug: „Ein genauer Zeitpunkt

kann aktuell noch nicht genannt

werden.“

Fünf Monate,

2300 Hinweise,

tausend Tränen

Die 15-jährige Rebecca

wird noch immer vermisst

VonLutz Schnedelbach

Andiesem Donnerstag ist es fünf

Monate her, dass Rebecca spurlos

verschwand. Polizei und Staatsanwaltschaft

gehen weiterhin davon

aus, dass die 15 Jahre alte Schülerin

aus Neukölln Opfer eines Tötungsdelikts

wurde. Ihre Leiche ist verschwunden.

Unter Tatverdacht steht

nach wie vor ihr Schwager, auch

wenn er auf freiem Fußist. „Der Haftbefehl

wurde aufgehoben, damit ist

jeglichen Auflagen die rechtliche

Grundlage entzogen“, sagte Silke Becker,

Pressesprecherin der Generalstaatsanwaltschaft.

Insgesamt waren

zu dem Fall 2300 Hinweise eingegangen.

Sieseien noch nicht alle abgearbeitet,

hieß es am Mittwoch bei der

Polizei. Auch die Kriminaltechnik sei

täglich mit dem Fall beschäftigt. Man

arbeite intensiv daran. Teilweise gingen

Mitarbeiter von zwei Mordkommissionen

den Hinweisen nach.

Es sei kein Cold Case, kein kalter

Fall also, hatte Staatsanwaltschaftssprecher

Martin Steltner am Wochenende

gesagt. Sollten sich neue

Hinweise ergeben, werde die Suche

nach dem Mädchen fortgesetzt.

Ein Rückblick: Am 18. Februar

kommt Rebeccas Schwager Florian R.

von einer Betriebsfeier nach Hause.

Zu diesem Zeitpunkt ist das Mädchen

noch im Haus seiner Schwester. Gegen

7Uhr verlässt die Schwester das

Haus.Zudieser Zeit wirdRebecca das

letzte Mal lebend gesehen. Die Mutter

versucht vergeblich,

ihre

Tochter zu erreichen.

Die 15

Jahrealte Schülerin

erscheint

auch nicht zum

Unterricht. Kurz

vor 11Uhr wird

das Auto des Verschwunden:

Schwagers auf Rebecca

der A12 zwischen

Berlin und Frankfurt(Oder) voneiner

Überwachungskamera gefilmt. Die

Eltern erstatten Vermisstenanzeige.

Einen Tag später veröffentlicht die

Polizei eine Vermisstenanzeige. Am

Abend wird das Familienauto wieder

auf der Autobahn gefilmt. Diesmal ist

der Twingo in Richtung Berlin unterwegs.

Am21. Februar veröffentlicht

die Polizei ein Foto des Mädchens.

Das hat die Familie den Ermittlern

zur Verfügung gestellt. Um das stark

bearbeitete Foto gibt es bis heute Diskussionen,

weil es nicht dem realen

Aussehen der Jugendlichen entsprechen

soll.

Seit dem 23. Februar ermittelt die

Mordkommission. Rebeccas Verwandte

bitten die Öffentlichkeit, bei

der Suche mitzuhelfen. Am 28. Februar

wirdder Schwager festgenommen.

Einen Tagspäter durchsuchen

Kriminaltechniker das Haus des

Schwagers.Bis heute ist unklar,weshalb

zehn Tage gewartet wurde, um

nach Spuren am letzten Aufenthaltsort

des Mädchens zu suchen. Am

Mittag wird einem Richter ein Haftbefehl

vorgelegt. Er unterschreibt

ihn nicht. Am Nachmittag wird Florian

R. aus dem Gewahrsam entlassen.

Drei Tage später wird erneut

Haftbefehl beantragt und der

Schwager festgenommen. Diesmal

unterschreibt der Richter.

In den folgenden Tagen suchen

Polizisten in Wäldern und Seen nach

Spuren von Rebecca. Den Ausschlag

dafür geben die Autofahrten zwischen

Berlin und Frankfurt (Oder).

Trotz des Einsatzes von Suchhunden

undTauchernsowie Spezialisten wird

das Mädchen nicht gefunden.

Am 22. März kommt Florian R.

frei. DieUntersuchungshaft wirdwegen

mangelnder Beweise aufgehoben.

In den folgenden Tagen suchen

Hundertschaften der Polizei wieder

in den BrandenburgerWäldern. Alles

ohne Erfolg. Am 16. April stellt die

Polizei die Suche vorerst ein.

POLIZEI


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 15 *

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Berlin

Berlin hat

31 000 neue

Einwohner

Bundesamt für Statistik legt

Wanderungszahlen vor

Am Brandort

ist es noch

zu heiß

1000 Grad Celsius beim

Feuer in Grünau

VonStefan Strauß

Betrachtet man allein die innerdeutschen

Bevölkerungswanderung,

dann sind aus Berlin im vergangenen

Jahr mehr Menschen fortgezogen

als neue Bewohner hinzugekommen

sind. Sieht man nur

diesen Ausschnitt, dann lebten Ende

2018 etwa 8000 Menschen weniger

in Berlin als im Jahr 2017. Das geht

aus den jüngsten Daten des Bundesamtes

für Statistik für das Jahr 2018

hervor.

Nichtsdestotrotz hat Berlin aber

an Bevölkerung zugelegt. Der

Grund: Viele Menschen sind im vergangenen

Jahr aus dem Ausland

nach Berlin gezogen. Etwa

109 000 Ausländer kamen nach Berlin,

dazu zählen Flüchtlinge, EU-

Bürger und Arbeitnehmer aus der

ganzen Welt. Hingegen sind etwa

71 000 Menschen von Berlin aus ins

Ausland gegangen. In der Gesamtbilanz

ist die Bevölkerung Berlins im

Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr

um etwa 31 000 Menschen gewachsen.

Ende vergangenen Jahres lebten

3,6 Millionen Menschen in der Stadt.

Das sind etwa 100 000 Menschen

mehr als vorzweiJahren.

Auch Abwanderung aufs Land

Martin Axnick, Referent für Bevölkerungsstatistiken

im Berliner Landesamt

für Statistik, sieht zwei

Gründe für das langsamere Anwachsen

der Berliner Bevölkerung:

„Zum einen hat der Zuzug aus dem

Ausland nachgelassen, zum anderen

ziehen immer mehr Berliner

nach Brandenburg.“

Im Jahr 2018 sind nach Angaben

des Bundesamts für Statistik etwa

33 000 Berliner ins Märkische gezogen

sind. Dieeinstigen Hauptstädter

bilden damit die größte Gruppe der

Zuzügler in Brandenburg.

Für umzugswillige Berliner ist

längst nicht mehr nur das direkte

Umland als neuer Wohnortattraktiv,

auch weiter entfernt liegende Städte

in Brandenburgwie Eberswalde und

Neuruppin stehen auf der Wunschliste

von Großstädtern. In den Brandenburger

Städten außerhalb des

Speckgürtels sehen Politiker noch

genügend Potenzial, damit diese

Ortschaften mit den Zuzüglern aus

Berlin wachsen. Sie brauchen dafür

aber eine bessere Infrastruktur, vor

allem bessere Internet- und Zugverbindungen

sowie kürzere Planungszeiten.

Das haben Brandenburger

Bürgermeister auf dem jüngsten

Städteforum im März2019 gefordert.

Dem vom Hype auf Berlin will auch

die Provinz profitieren.

In der Gesamtbilanz aller Zu-und

Fortzüge für das Jahr 2018 leben laut

Statistischem Bundesamt derzeit

etwa 15 000 Menschen mehr in

Brandenburg als im Vorjahr. Das

Bundesland liegt damit an erster

Stelle im Vergleich der innerdeutschen

Wanderungsbewegung aller

Bundesländern: Auf Platz zwei folgt

Bayern, wo nun 9000 Menschen

mehr leben, und Schleswig-Holstein,

das einen Zuwachs von 8000

Menschen verzeichnen konnte,

dank der vielen Hamburger,die nach

Schleswig-Holstein gezogen sind.

Der Traum vom Eigenheim: Viele Berliner

erfüllen ihn sich im Umland.

IMAGO

Ismail R. beim Prozessauftakt im Mai vergangenen Jahres. Der Angeklagte wurde am Mittwoch freigesprochen.

Guter Start für Müllers

Anti-Hartz-IV-Projekt

Großes Interesse an solidarischem Grundeinkommen

Das Berliner Modellprojekt zum

solidarischen Grundeinkommen

(SGE) stößt nach Angaben des

Senats auf positive Resonanz bei öffentlichen

und gemeinnützigen Arbeitgebern.

Unmittelbar nach dem

Startdes entsprechendenVerfahrens

am Mittwoch hätten sich bereits

60 Arbeitgeber gemeldet, teilte eine

Sprecherin der Senatsarbeitsverwaltung

mit. „Sie haben innerhalb von

einer Minute 600 Stellen angeboten.

DasInteresse ist riesig.“

Im Rahmen des bundesweit einmaligen

Modellprojekts, das Alternativen

zu HartzIVaufzeigen soll, finanziert

der Staat rund 1000 Arbeitslosen

sozialversicherungspflichtige

Jobs im gemeinnützigen

Bereich bei Landesunternehmen, in

der Verwaltung oder bei sozialen

Trägern, die Tarif- beziehungsweise

Landes-Mindestlohn bezahlen. Die

Teilnehmer arbeiten zum Beispiel

als Mobilitätsbegleiter oder Hausmeister,

helfen Obdachlosen oder

übernehmen unterstützende Tätigkeiten

in Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen

– mit Aussicht auf

eine dauerhafte Beschäftigung. Der

von Regierungschef Michael Müller

(SPD) angestoßene Modellversuch

Tumult nach Freispruch

Zum Ende eines Mordprozesses beschimpft der Vater des Angeklagten –ein Clan-Boss –den Staatsanwalt

Mehr als zwei Jahre

nach einem tödlichen

Angriff auf einen

43 Jahre alten

Mann in Britz ist der Angeklagte am

Mittwoch vomVorwurf des Mordes

freigesprochen worden. Bei dem

Angeklagten handelt es sich um

den zur Tatzeit 18 Jahrealten Ismail

R. aus einer polizeibekannten arabischen

Großfamilie. Ein Tatnachweis

habe sich nicht führen lassen,

begründete das Landgericht am

Mittwoch die Entscheidung. Nach

Verkündung des Freispruchs kam

es zu einem Tumult im Gerichtssaal.

Der als Chef des Clans geltende

Vater des Angeklagten, Issa

R., beschimpfte den Staatsanwalt

lautstark –weil sein heute 21 Jahre

alter Sohn seit Oktober 2017 unschuldig

in Untersuchungshaft gesessen

habe.Issa R. ließ den Staatsanwalt

wissen: „Ich kenne Sie!“

Schließlich drängten Angehörige

und Justizwachtmeister den Mann

auf den Flur. Oberstaatsanwalt

Ralph Knispel reagierte darauf demonstrativ

gelassen. „Das gehört zu

läuft zunächst fünf Jahre. Ziel wirdes

unter anderem, möglichst viele SGE-

Teilnehmer anschließend mit einer

Festanstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt

zu versorgen.

Wie die Sprecherin weiter erläuterte,

entscheidet die Senatsarbeitsverwaltung

zunächst über die Förderfähigkeit

der eingegangenen Stellenangebote.

Anschließend sucht

die Arbeitsagentur für diese Stellen

interessierte Arbeitslose aus,die zwischen

einem und drei Jahren ohne

Job sind. Über ihre Einstellung entscheidet

dann allein der Arbeitgeber.

Das SGE ist eines der wichtigsten

sozialpolitischen Projekte Michael

Müllers in dieser Legislaturperiode.

Dasauch vomDeutschen Institut für

Wirtschaftsforschung propagierte

Modell ist für Müller vorallem in seiner

Funktion als Landesvorsitzender

der SPD vongroßer Bedeutung. Müller

sieht das SGE als Bestandteil einer

Strategie seiner Partei, vom Hartz-

IV-System abzurücken.

Schwierigkeiten hatten es anfangs

mit der Agentur für Arbeit gegeben.

Diese fördert seit Anfang des

Jahres im Rahmen des Teilhabechancengesetzes

der Bundesregierung

Langzeitarbeitslose. (dpa/elm.)

unserem Berufsalltag“, sagte Knispel

dem Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Der Staatsanwalt, der achteinhalb

Jahre Jugendstrafe wegen Totschlags

gefordert hatte, kündigte

Rechtsmittel an. DieAnklage war davonausgegangen,

dass der Täter sein

Opfer aufgelauert hat, nachdem

seine zwei Kinder zur Schule gebracht

hatte.Nach den Ermittlungen

der Polizei wurde dem Opfer ein

Baseballschläger mit „ungeheuerer

Brutalität“ vorallem auf den Kopf geschlagen.

Der aus einer ebenfalls

arabischen Großfamilie stammende

Mann starb,trotz der Reanimationsversuche

eines Notarztes, vor seinem

Wohnhaus am Neumarktplan.

Hintergründe des Mordes sollen

laut Polizei ein nicht zurückgezahlter

Kredit sowie Immobiliengeschäfte

gewesen sein. Ismail R. wurde fünf

„Mangels geeigneter Beweismittel

war es nicht möglich,

das Verbrechen aufzuklären.“

Das Landgericht bei der Verkündung des Urteils

Monate später in Kreuzberg festgenommen.

Er war in einem Auto unterwegs,

als ihn Zielfahnder und Beamte

eines Mobilen Einsatzkommandos

festnahmen.

Die Tötung des 43-Jährigen sei

eine brutale und menschenverachtende

Tat, hieß es im Urteil. In dem

14-monatigen Prozess sei es aber

mangels geeigneter Beweise nicht

PRESSEFOTO WAGNER

möglich gewesen, dasVerbrechen im

Einzelnen aufzuklären. Wesentliches

Indiz sei eine minimale DNA-Mischspur

gewesen, die an der Hosentasche

des Opfers sichergestellt wurde.

Zeugen hätten geschildert, dass die

Täter Handschuhe trugen. Die Spur

könnte durch eine Übertragung an

die Tasche gekommen sein.

Die Staatsanwaltschaft geht von

mehreren Mittäternaus.Wie weit die

Ermittlungen gegen sie reichen,

blieb bei dem Verfahren unklar. Die

Richter sahen zwar bei der Urteilsverkündung

einige Hinweise auf die

Familie des 21-Jährigen, nicht aber

auf ihn selbst. Für die Untersuchungshaft

sei der Angeklagte zu

entschädigten, so das Gericht.

Der Prozess gegen den Angeklagten

hat im vergangenen Mai begonnen.

Ein Urteil war bereits für den

Herbst desselben Jahres erwartet

worden. Doch der Prozess zog sich

hin. Die Jugendkammer wurde über

Monate mit Problemen konfrontiert,

die bei Verfahren im Bereich der organisierten

Kriminalität ständig auftreten,

so Prozessbeobachter. (BLZ)

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Die Suche nach der Ursache für

die abgebrannte Ruine des Gesellschaftshauses

in Grünau verzögert

sich. Denn am Brandort ist es

noch zu heiß. Dort seien laut Feuerwehr

bis zu 1000 Grad Celsius entstanden.

Die Temperaturen seien

noch nicht so tief gesunken, dass die

Kriminaltechniker die Ruine betreten

können. Erst am heutigen Donnerstag

werdedas möglich sein, sagten

Ermittler am Mittwoch.

Auch für die Hunde,die Brandbeschleuniger

erschnüffeln können

und in solchen Fällen eingesetzt

werden, ist es noch zu heiß an den

Pfoten. Vonaußen sei die Ruine jedoch

schon inspiziert worden, hieß

es. Über die Art der sichergestellten

Spuren äußerte sich die Polizei nicht.

Indes wird weiterhin gegen die

beiden 20 Jahrealten Männer ermittelt,

die während der Löscharbeiten

festgenommen worden waren. Sie

waren Polizisten aufgefallen, weil

sie,wie berichtet, als einzige Zeugen

am Brandortsaßen. Siestehen unter

Verdacht, das Feuer gelegt zu haben.

Gestanden haben sie noch nicht.

Bislang schweigen sie zu den Vorwürfen.

Wegen ihres festen Wohnsitzes

blieb ihnen die Untersuchungshaft

bislang erspart. Einer der Männer

wohnt in Köpenick.

Das Feuer im Gesellschaftshaus

war am frühen Dienstagmorgen ausgebrochen.

14 Stunden brauchten

fast 100 Feuerwehrleute, um die

Flammen zu löschen. Während der

Löscharbeiten stürzte die Decke ein.

Jetzt stehen nur noch Teile der Fassade.

Feuerwehrleute hatten den

Brand auf dem abgesperrten Gelände

entdeckt, als sie zu sechs brennenden

Containern inder Nähe gerufen

worden waren. Auch diese

Feuer könnten möglicherweise von

den beiden Tatverdächtigen gelegt

worden sein. „Wir prüfen das“, sagte

ein Ermittler.

DasGelände gehörtdem Investor

Terragon. Das Unternehmen plant

eine Seniorenresidenz mit 208 Wohnungen

auf 15 000 Quadratmetern

Wohnfläche.

Rechtsexperten antworten – Ihre Leserfragen zu Miete und Eigentum

Lesen Sie am 27.07.2019:

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Brandenburg

NACHRICHTEN

Greta Thunberg kommt doch

nicht nach Luckenwalde

Dieschwedische Klima-Aktivistin

Greta ThunbergwirdamFreitag in

Berlin erwartet –bei den Protesten in

Luckenwalde (Teltow-Fläming) ist

die junge Klimaschützerin allerdings

doch nicht mit dabei.„Greta Thunbergwirdnicht

nach Luckenwalde

kommen“, erklärte Philipp Maaßen,

Sprecher der„Fridays for Future“-Bewegung

im Kreis Teltow-Fläming. In

einem inzwischen geänderten Tweet

hatte es zunächst geheißen, dass

Thunbergnach dem Streik in Berlin

nach Luckenwalde weiterreise. (dpa)

Polizei sucht nach

vermisstem Patienten

Ausder Asklepios-Klinik in Brandenburgander

Havelist ein 30-jähriger

Mann verschwunden. DerPatient

wurde zuletzt am Nachmittag des

30. Juni gesehen, teilte die Polizei

mit. Sieschließt nicht aus,dass der

30-Jährige wegen seines regelmäßigen

Alkoholkonsums in Verbindung

mit einer psychischen Erkrankung

eine Gefährdung für sich und andere

darstellen könnte.Der Mann ist etwa

1,90 Meter groß, hat kurzes, blondes

Haar und trug ein hellblaues T-Shirt

sowie bunte Shorts.Die Polizei bittet

die Bevölkerung bei der Suche nach

dem Vermissten um Mithilfe. (dpa)

Positive Halbzeitbilanz bei

der Landesgartenschau

Da blüht was: Die Landesgartenschau

hatte schon mehr Gäste als erwartet.IMAGO

DieVeranstalter der Landesgartenschau

inWittstock/Dosse haben sich

zur Halbzeit zufrieden über die Gästezahlen

gezeigt. „Wir haben 190 000

Besucher“, sagte Bürgermeister Jörg

Gehrmann (parteilos) am Mittwoch

bei einem Besuch vonMinisterpräsident

Dietmar Woidke (SPD). DerRegierungschef

sagte,das sei „deutlich

über Plan“. DieMacher der Gartenschau

peilen bis zum Ende am 6. Oktober

300 000 Besucher an. (dpa)

Ingo Senftleben tritt ohne

AfD-Gegenkandidaten an

DieAfD darfimWahlkreis vonCDU-

Spitzenkandidat Ingo Senftleben

keinen Direktkandidaten aufstellen.

Wegen zwei fehlender Unterschriften

wurde der Vorschlag der Partei

für den Wahlkreis 38 (Oberspreewald-Lausitz

1) vomzuständigen

Kreiswahlausschuss nicht zugelassen,

wie der Landkreis am Mittwoch

mitteilte.Demnach hatdie AfD die

Möglichkeit, gegen die Entscheidung

innerhalb der nächsten drei

Tage Beschwerde einzulegen. Als

Kandidat sollte Silvio Wolf zur Wahl

antreten. Nach Angaben des Sprechers

des Brandenburger AfD-Landesverbandes,Detlev

Frye,war eine

innerparteiliche Auseinandersetzung

Grund für die fehlenden Unterschriften.

(dpa)

GEWINNZAHLEN

Mittwoch-Lotto:

8-19-29-40-47-48

Superzahl: 5

Spiel 77: 7385695

Landeslotterie Super 6: 792535

Alle Angaben ohne Gewähr!

Im Zweifel immer den Notruf wählen: Viele Patienten mit einem Herzinfarkt deuten die Anzeichen nicht richtig und verkennen den Ernst der Lage.

Wenn jede Minute zählt

In Brandenburg ist die Sterblichkeitsrate nach einem Herzinfarkt bundesweit am höchsten

VonSilvia Passow,Nauen

Der Herzbericht 2018, den

die Deutsche Herzstiftung

vorgelegt hat, verheißt

für die Brandenburger

nichts Gutes. Die Zahlen aus

dem Jahr 2016 bescheinigen Brandenburg

einen traurigen Platz als

Schlusslicht, wenn es um die Überlebenschancen

nach einem Herzinfarkt

geht: Bundesweit erlagen

48 669 Menschen einem Herzinfarkt.

Dasentspricht 59 Personen auf

100 000 Einwohnern. In Brandenburgverstarben

81 von100 000 Menschen

an einem Herzinfarkt, in Berlin

waren es 58. Im hohen Norden, in

Schleswig-Holstein, stehen die

Chancen, den Infarkt zu überleben

am besten. Hier gab es 41 Todesfälle

auf 100 000 Einwohner.

Fast doppelt so hohe Sterberate

Warum enden in Brandenburg so

viele Herzinfarkte tödlich? Diese

Frage kann Martin Stockburger,Chefarzt

der Kardiologie an der Havelland

Klinik in Nauen und Dozent an der

Berliner Charité, beantworten.

Er sagt, das Risiko, einen Herzinfarkt

zu erleiden, steige ab dem 65.

Lebensjahr. Für Männer wachse das

Risiko bereits ab dem dritten Lebensjahrzehnt.

Für Frauen nimmt

die Gefahr in der zweiten Lebenshälfte

zu.

Im Jahr 2017 hatten mehr als 24

Prozent der Brandenburger das 65.

Lebensjahr erreicht oder überschritten.

In der Hauptstadt waren

es rund 19 Prozent. Das höhere

Durchschnittsalter müsse,soStockburger,

inder Statistik berücksichtigt

werden.

81

von100 000 Brandenburgernerliegen

jedes Jahr

einem Herzinfarkt. In Schleswig-Holstein

kommen auf

100 000 Einwohner nur 41

solcher Todesfälle.

FAKTEN

48 669

Menschen starben im

Jahr 2016 bundesweit

an einem Infarkt.

Herzkrankheiten sind

hierzulande weiterhin

Haupttodesursache.

Es ist eine andereZahl, die Stockburger

veranlasste, sich des Themas

weiter anzunehmen und damit an

die Öffentlichkeit zu gehen. Denn

7,5 Prozent aller Patienten, die mit

einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus

in Berlin oder Brandenburg

eingeliefert werden, sterben. Hier

gibt es kaum einen Unterschied. Im

Krankenhaus stehen die Chancen

für den Betroffenen gut. Diegefährliche

Lücke befindet sich zwischen

dem Auftreten der Symptome und

der Aufnahme in ein Krankenhaus.

In Berlin versterben fast 11 Prozent

der Betroffenen außerhalb einer Klinik,

in Brandenburgsind es fast doppelt

so viele,nämlich 19,5 Prozent.

Der Herzinfarkt ist ein plötzlich

auftretendes, lebensbedrohendes

Ereignis, das nur in einer Klinik erfolgreich

behandelt werden kann:

ein Blutgerinnsel verstopft ein Herzkranzgefäß.

In der Folge stirbt Muskelgewebe

(Myokard) ab. Die Geschwindigkeit,

mit der ein Patient in

die Klinik kommt, entscheidet über

7,5

Prozent aller

Patienten mit einem

Herzinfarkt, die in ein

Krankenhaus

eingeliefertwerden,

sterben dort.

Leben und Tod. Die Diagnose muss

schnell und sicher gestellt werden.

Ein Elektrokardiogramm (EKG) gibt

Aufschluss. „Eine unsichere EKG-

Diagnostik führt zueiner massiven

Verzögerung in derVersorgung“, sagt

Stockburger.

Die imEKG aufgezeichneten Daten

übertragen die Ärzte bereits im

Rettungswagen an die Klinik. Stockburger

kann die eingehenden Daten

direkt von seinem Handy ablesen.

Noch bevor der Patient in der Klinik

ist, laufen dort schon die Vorbereitungen

zur Behandlung. Immer vorausgesetzt,

der Rettungswagen

steckt nicht im Funkloch.

Berliner Feuerwehr beteiligt

Im Flächenland Brandenburghaben

Rettungsdienste weitere Wege zurückzulegen

als in Berlin. Um die

Versorgung der Patienten mit einem

Herzinfarkt zu verbessern, entstand

im März 2017 das QS-Notfall-Projekt,

geleitet vom Berlin-Brandenburger

Herzregister. Beteiligt sind

Zeitreise im Schloss Cecilienhof

IMAGO IMAGES

sechs Partner: Die Berliner Feuerwehr,die

Rettungsdienste Havelland

und Oberhavel, die Kliniken Nauen

und Hennigsdorf sowie das Universitätsklinikum

Hamburg-Eppendorf.

Mehr als tausend Mitarbeiter

wurde speziell dafür geschult.

Einweiteres Problem sieht Stockburger

darin, das viele vom Herzinfarkt

Betroffene zu spät den Notruf

wählen. Sie deuten die Anzeichen

nicht richtig, verkennen den Ernst

der Lage, warten ab, obBesserung

eintritt. Doch mit dem Warten geht

wertvolle Zeit verloren.

Wie wichtig es sein kann, die Anzeichen

eines Herzinfarktes zu kennen,

zeigt eine Münchner Studie namens

„Medea.“ Darin wurden 486

Herzinfarkt-Patienten untersucht.

Menschen, die um die Symptome eines

Herzinfarktes wussten, holten

schneller Hilfe, als jene, die nichts

darüber wussten. Die Chance, eine

Klinik früher zu erreichen, erhöhte

sich für die aufgeklärten Menschen

um 50 Prozent.

Ein Herzinfarkt ist nicht nur an

den klassischen Symptomen zu erkennen,

wie Brustschmerzen, die in

den linken Arm ausstrahlen und ein

Engegefühl in der Brust. Auch Luftnot,

ein plötzliches Gefühl von

Schwäche,Angst, Magenschmerzen,

Schmerzeninder Speiseröhre, Übelkeit

oder Schmerzen imKiefer können

auf einen Herzinfarkt hindeuten.

Die Anzeichen können bei

Frauen anders ausfallen als bei Männern.

Die Beschwerden in der Brust

beschreiben Frauen oft auch als

Druckgefühl. Nur ein Arzt kann beurteilen,

in welcher Gefahr der Betroffene

schwebt. Im Zweifel: Immer

den Notruf wählen.

Vor75Jahren wurde bei der Potsdamer Konferenz die Neuordnung der Welt besprochen –eine Ausstellung erinnert daran

VonAnna Bückmann, Potsdam

1945 tagten hier Josef Stalin, Winston Churchill und Harry S. Truman DPA/SOEDER

Sie war 20 Jahre alt, als sie als Sekretärin

des damaligen britischen

Premierministers, Winston

Churchill, an der Potsdamer Konferenz

im Schloss Cecilienhof teilnahm.

Ihre Gedanken hielt Joy Milward

ineinem Tagebuch fest, jeden

einzelnen Tag. DasBuch und ihreErinnerungen

sollen die Besucher nun

durch die Ausstellung „Potsdamer

Konferenz 1945 –Die Neuordnung

der Welt“ leiten. Das teilte die Stiftung

Preußische Schlösser und Gärten

Berlin-Brandenburg (SPSG) am

Mittwoch in Potsdam mit. DieSchau

wird von Mai bis November 2020 im

Cecilienhof gezeigt.

„Vor 74 Jahren begannen hier die

Verhandlungen, die tatsächlich

Weltgeschichte geschrieben haben“,

sagte der Direktor der Stiftung,

Christoph Martin Vogtherr. Von

Mitte Juli bis Anfang August 1945 kamen

in Potsdam die „Großen Drei“

zusammen –für die USA Harry S.

Truman (1884–1972), für die UdSSR

Josef Stalin (1878–1953) und für

Großbritannien Winston Churchill

(1874–1965). Sie verhandelten nach

dem Sieg über Hitler-Deutschland

über die Zukunft Europas. Ihre Entscheidungen

hatten Bedeutung für

die ganze Welt. 2020 jährt sich der

Schicksalssommer zum 75. Mal.

„Es ist eine außergewöhnliche

Ausstellung“, sagte Wissenschaftsstaatssekretärin

Ulrike Gutheil vor

dem Preußen-Schloss. In der Ausstellung

sollen Tagebuchauszüge,

historisches Film- und Fotomaterial

sowie multimediale Projekte die Besucher

mit auf eine Zeitreise nehmen.

Das über 100 Jahre alte Gebäude

sei eines der bestbesuchten

Schlösser der Stiftung. Rund 140 000

Besucher wurden im vergangenen

Jahr gezählt, mit 10 000 mehr rechnet

man in diesem Jahr.

Die Ausstellung soll in vier große

Themenbereiche unterteilt werden:

die „Großen Drei“, die Neuordnung

Europas, Asien und der Mittlere Osten

sowie die Zeitwende nach 1945.

Vorallem junge Leute will die Stiftung

damit ansprechen. Die Räume,

darunter der holzgetäfelte Konferenzsaal,

bis zuletzt Schlossrestaurant

des derzeit leer stehenden Hotels,

sowie die Küche, sollen mit Alltagsgegenständen

„lebendig werden“,

sagte Kurator Matthias

Simmich. (dpa)

Fast 27 000

Wohnungen

stehen leer

Mieten um 21 Prozent

niedriger als in Berlin

InBrandenburger Städten außerhalb

des Metropolenraumes rund

um die Hauptstadt steigt der Leerstand

für Wohnungen des Verbandes

Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen

(BBU) weiter

an. „Wir sehen die Entwicklung mit

großer Sorge“, sagte Maren Kern,

BBU-Vorstand, am Mittwoch in

Potsdam bei der Jahrespressekonferenz

des Unternehmens. Fast 27 000

Wohnungen stünden landesweit

leer. Das entspreche einer Stadt mit

60 000 Einwohnern wie etwa Frankfurt

(Oder). Am höchsten ist nach

den Angaben der Leerstand derzeit

in Lauchhammer (Oberspreewald-

Lausitz) mit 30,2 Prozent und in

Forst (Spree-Neiße) mit 27,8 Prozent.

In Wildau (Dahme-Spreewald) und

Bernau (Barnim) stehen im Gegensatz

nur 0,7 Prozent der Wohnungen

leer, in Falkensee (Havelland) 1,9

und in Potsdam 2,7 Prozent.

Die Durchschnittswarmmiete lag

Ende vergangenen Jahres für Wohnungen

des Verbandes bei 7,50 pro

Monat und Quadratmeter –1,4 Prozent

mehr als im Vergleich zu 2017.

Die Bruttowarmmiete betrug für

eine 60-Quadratmeter-Wohnung bei

374 Euro monatlich in Fürstenberg

(Oberhavel), bei 390 Euro monatlich

in Elsterwerda (Elbe-Elster) bis zu

510 Euro in Potsdam.

Verfallendes, leer stehendes Haus in

Brandenburg/Havel

DPA

In Berlin fallen in Unterkünften

desVerbandes etwa 534 Euro monatlich

an. Nach den Angaben ist das

Wohnen im weiteren Metropolenraum

gut 21 Prozent günstiger als in

Berlin. In einigen Landesteilen seien

die Mieten nicht weiter gestiegen,

betonte Kern. Das könne sich langfristig

auf weitere Investitionen der

Unternehmen für Neubau, Sanierungen

und Modernisierungen auswirken.

Der Zuzug von Mietern aus

Berlin und anderen Bundesländern,

als auch von Rückkehrern sei vorhanden,

jedoch nicht so hoch wie erhofft.

Es hielte sich meist nur die

Waage mit den Wegzüglern, sagte

Kern.Wohnungen, die niemand haben

wolle, müssten vom Markt genommen

werden: Seit 2002 haben

die Unternehmen bis zu rund

38 Prozent des Bestandes abgerissen.

Für Diskussionen rund um den

Mietendeckel, um Wohnungsnot

und Mietenexplosion gebe es in

Brandenburg keinen Grund, sagte

BBU-Vorstand Kern. Vom Land

wurde aber gefordert, weiter eigene

Förderprogramme aufzulegen, um

der ungleichen Entwicklung zu begegnen.

Die Wohnraumförderung

des Landes müsse so ausgebaut werden,

dass Wohnungsunternehmen

in besonders benachteiligten Regionen

beim Rückbau und Abriss von

nicht mehr gefragtem Wohnraum

und der Schuldenentlastung unterstützt

werden, sagte Kern.

In diesem Jahr planen die Mitglieder

Investitionen in Höhe von 761

Millionen Euro. ImVorjahr wurden

906 Wohnungen fertiggestellt, in diesem

Jahr sollen es 1270 werden.

Der BBU hat in Brandenburg 203

Mitgliedsunternehmen, die über

etwa die Hälfte des Wohnungsbestandes

im Land verfügen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 17

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Wissenschaft

Kunstschnee

für die

Antarktis

Großtechnischer Eingriff

könnte Kollaps verhindern

Mit einer kühnen Utopie ließe

sich nach Einschätzung von

Forschern ein drohender Eiskollaps

in derWestantarktis vermeiden. Eine

durch künstliche Beschneiung gewonnene

riesige Menge an Schnee

könne den Eisschild zurück in Richtung

Stabilität drücken, berichten

Wissenschaftler des Potsdam-Instituts

für Klimafolgenforschung (PIK)

im Fachmagazin Science Advances.

Dafür müssten aber mehrere

Hundert Milliarden Tonnen Wasser

pro Jahr über einige Jahrzehnte hinweg

auf das Eis geschneit werden.

Nach Einschätzung der Klimaforscher

droht der westantarktische

Eisschild auf lange Sicht ins Meer zu

rutschen. Dies würde demnach zwar

Jahrhunderte dauern, würde aber

den Meeresspiegel weltweit um

mehr als drei Meter ansteigen lassen.

Damit würden Metropolen wie

New York, Shanghai und Hamburg

langfristig unterhalb des Meeresspiegels

liegen, erläutert Anders Levermann,

Physiker am PIK. MitBillionen

Tonnen an zusätzlichem

Schnee könnten die Gletscher nach

Einschätzung der Forscher gerettet

werden. Allerdings würde dies beispiellose

Ingenieurslösungen erfordernund

eine der letzten unberührten

Regionen der Erde erheblichen

Umweltrisiken aussetzen.

DasNaturreservatopfern?

Levermann zufolge geht es im Kern

um die Abwägung, ob wir als

Menschheit die Antarktis opfern

wollen, um die heute bewohnten

Küstenregionen und das dort entstandene

und entstehende Kulturerbe

zu retten. Der westantarktische

Eisschild sei das erste sogenannte

Kippelement im Klimasystem, das

die Menschheit gerade kippen sehe.

Die einer Computersimulation

nach mögliche Rettung durch die

massive Beschneiung sei allerdings

ein beispielloser Eingriff in die Natur.

DasMeerwasser hochzupumpen, zu

entsalzen und zu erwärmen sowie

Schneekanonen zu betreiben, würde

eine Strommenge in der Größenordnung

von mehreren Zehntausend

Highend-Windturbinen erfordern,

sagt Koautor Johannes Feldmann.

„Einen solchen Windpark inklusive

der dafür nötigen Infrastruktur

in der Amundsensee zu errichten

und derartige enorme Mengen an

Meerwasser zu entnehmen, würde

im Wesentlichen den Verlust eines

einzigartigen Naturreservates bedeuten“,

ergänzt er. Darüber hinaus

mache das raue antarktische Klima

die technischen Herausforderungen

kaum absehbar und schwer zu bewältigen,

während die potenziellen

schädlichen Auswirkungen auf die

Region wahrscheinlich verheerend

sein würden.

DieForscher schreiben, die offensichtliche

Absurdität des Unterfangens

einer künstlichen Beschneiung

der Antarktis spiegle die atemberaubende

Dimension des Meeresspiegelproblems

wider. Sie sähen es als

Wissenschaftler aber als ihre Pflicht,

die Gesellschaft über jede einzelne

mögliche Option zur Bewältigung

der anstehenden Probleme zu informieren.

(AFP)

Der Thwaites-Gletscher in der Westantarktis

droht zu schmelzen. IMAGO/ZUMA PRESS

Sonnenanbeter,die ihre Haut nicht effektiv schützen, leben gefährlich. Das Ausmaß der Gefahr hängt aber auch vom Hauttyp ab.

Künstliche Intelligenz für die Haut

Moderne Technologien helfen Dermatologen bei der Suche nach Tumoren –auch in ganz frühem Stadium

VonEckartGranitza und

Johanna Heuveling

Der Sommer dieses Jahres

hat bereits viele Tage mit

Hitze und unbarmherzig

vom Himmel knallender

Sonne gebracht. Der Juni lag

dabei sogar über dem Durchschnitt.

Trotz eindringlicher Warnungen

von Medizinern ist die Haut vieler

Menschen – von Ferienkindern,

Freizeitsportlern und Sonnenanbetern

–ansolchen Tagen nicht effektiv

geschützt. Die Folgen: Die Zahlen

der Hautkrebserkrankungen

steigen kontinuierlich. 22 000 Menschen

proJahr,darunter immer jüngere,

erhalten in Deutschland die

Diagnose: schwarzerHautkrebs.

Das maligne Melanom ist eine

der aggressivsten Krebsarten. Bereits

in einem sehr frühen Stadium

kann es Metastasen bilden. Für eine

vollständige Heilung muss der

Krebs möglichst frühzeitig entdeckt

und entfernt werden. Bei der Diagnose

muss sich der Hautarzt nach

wie vor auf sein gutes Auge und

seine Erfahrung verlassen, um zwischen

einem gutartigen Muttermal

und einem bösartigem Melanom zu

unterscheiden. Ist erunsicher, entscheidet

er sich eher für ein Herausschneiden,

statt das Risiko einzugehen,

eine möglicherweise fatal verlaufende

Erkrankung zu übersehen.

Die Zahl der Hautoperationen

geht jedes Jahr in die Hunderttausende.

Bei der histologischen Untersuchung

stellt sich dann nach einer

von fünf Operationen heraus,

dass es sich tatsächlich um den

SchwarzenHautkrebs handelt.

Verringerung vonFehlalarmen

Hautkrebs. Von100 000

Menschen in Deutschland erhalten

pro Jahr 328 die Diagnose

Hautkrebs. DiesehäufigsteKrebserkrankung

überhauptist

allerdings „nur“ für

einProzentallerKrebstodesfälle

verantwortlich.

Der Dermatologe Holger Hänßle,

Professor am Universitätsklinikum

Heidelberg, hat mit seiner Forschungsgruppe

jetzt ein auf Künstlicher

Intelligenz (KI) beruhendes

Verfahren entwickelt, das Hautärzte

bei der bildlichen Erkennung von

Hautkrebs erstmals überflügelt.

„Der von uns verwendete Algorithmus

stammt vonGoogle und wurde

ursprünglich zur Gesichtserkennung

programmiert“, erklärtHolger

Hänßle. „Wir haben ihn mit etwa

100 000 Bildern von gut- oder bösartigen

pigmentierten Hautarealen

trainiertund dann gegen 58 Dermatologen

antreten lassen.“

In der jüngst veröffentlichten internationalen

Studie erzielten die

Ärzte bei der korrekten Erkennung

gutartiger Muttermale – die entscheidend

ist, um die Operationszahlen

zu verringern –eine Quote

von71Prozent, während die Künstliche

Intelligenz 83 Prozent erreichte.

Diese schnitt also um zwölf

Prozent besser ab. Darüber hinaus

wird sie durch das Füttern mit weiteren

Bilderndiagnostizierter Hautläsionen

kontinuierlich besser.

„Wir hoffen natürlich, dass der

Einsatz der Künstlichen Intelligenz

die Ärzte bei der Diagnose unterstützt

und so die Rate der Fehlalarme

gesenkt wird, die zu unnötigen

Operationen führen“, sagt Holger

Hänßle. Die Künstliche Intelligenz

ist mittlerweile europaweit

zugelassen und wird bereits von

etwa 100 dermatologischen Praxen

und Kliniken angewendet – Tendenz

steigend.

Für Hochrisikopatienten wie

Chantal Kauf macht ein solches Assistenzsystem

einen großen Unterschied.

Die Kaiserslauterin hat bereits

einmal die gesamte Prozedur

nach einemVerdachtsfall durchlebt.

Bei einer Früherkennungsuntersuchung

war bei der 23-jährigen Physiotherapeutin

ein auffälliges Muttermal

entdeckt worden. Der Arzt

operierte sie und ließ das Gewebestück

histologisch untersuchen. „Es

KREBSRATEN IN DEUTSCHLAND

Formen. Bei den meisten Betroffenenwirdweißer

Hautkrebsdiagnostiziert,

etwa das

Basalzellkarzinom. Früherkannt,

ist dieKrankheitmeist

heilbar. Häufigtritt sie an

Hautstellen mit übermäßiger

Sonnenbelastungauf.

Melanom. 38 von100 000

Menschen pro Jahr (insgesamt

22 000) erkranken am

malignen Melanom, dem gefährlichen

schwarzen Hautkrebs.

Jährlich sterben etwa

3000 Menschen in

Deutschland an Hautkrebs.

Das Dermatofluoroskop, entwickelt in Berlin, dringt in tiefere Schichten ein.

MAGNOSCO

dauerte zwei Wochen, bis ich das

endgültige Ergebnis bekam“, erzählt

Chantal Kauf. „Diese Wartezeit

war sehr schwer für mich. Man

macht sich eben so seine Gedanken

und die sind nicht immer positiv.“

Der Befund war positiv, das

heißt, dass es sich bei ihr tatsächlich

um ein Melanom gehandelt hat.

Durch das schnelle Herausschneiden

konnte glücklicherweise ein

schlimmer Verlauf der Krankheit

verhindertwerden. Jetzt wirdChantal

Kauf engmaschig überwacht. Ein

anderes ihrer Muttermale zeigt

ebenfalls Auffälligkeiten, und wegen

ihrer Vorgeschichte ist sie nervös.

Der Hautarzt ist zwar der Meinung,

dass es sich um ein gutartiges

Mal handelt, aber sie möchte lieber

sichergehen. Sie lässt daher die

Stelle zusätzlich von der intelligenten

Bildanalyse bei Holger Hänßle

im Heidelberger Universitätsklinikum

abklären. Diese gibt Entwarnung.

Sie ordnet die Pigmentstelle

als negativ ein: kein Hautkrebs.

„Das ist gut, wenn man so

schnell ein Ergebnis hat. Jetzt kann

ich erleichtert und ohne schlimme

Gedanken nach Hause gehen“, sagt

Chantal Kauf und lächelt.

GETTY IMAGES/MALTE MUELLER

Dieses Bildanalyseverfahren erreicht

eine hohe Genauigkeit, verbleibt

jedoch, wie auch das Auge

des Arztes, im sichtbaren Bereich

und an der Hautoberfläche.Das am

Berliner Wissenschaftsstandort Adlershof

angesiedelte Start-up-Unternehmen

Magnosco hat dagegen

eine Methode entwickelt, die auf

Molekülebene und in tieferen Hautschichten

Tumorzellen aufspüren

kann. Lukasz Scyz, wissenschaftlicher

Leiter des Unternehmens, erklärt:

„Sichtbares Licht dringt etwa

zehn Mikrometer in die Haut ein.

Unsere Diagnostik reicht jedoch bis

in Tiefen von 200 Mikrometer. Wir

können Melanome so schon in einem

sehr frühen Stadium erkennen,

wenn sie noch nicht an der

Oberfläche auftreten.“

Mitdem Laser in die Tiefe

Mittels eines pulsierenden Laserstrahls

wirddas Melanin bei diesem

Verfahren zum Fluoreszieren angeregt.

Haut strahlt mit ganz typischen

Fluoreszenzspektren, je

nachdem, ob sie gesund ist oder

sich ein wucherndes Gewebe in ihr

befindet. Die Messung erreicht so

eine hohe Spezifität, wie bei einem

Fingerabdruck.

Zur Auswertung wird wiederum

Künstliche Intelligenz herangezogen,

die gelernt hat, die Spektren

voneinander zu unterscheiden. Mit

dem sogenannten Dermatofluoroskop

wird beim Patienten ein definiertes

Hautareal eingescannt, und

nach fünf Minuten steht fest, ob

eine Operation notwendig ist oder

ob es Entwarnung gibt. Die Methode

erreicht eine Genauigkeit von

89 Prozent bei der Erkennung von

Melanomen. DasGerät ist lizenziert

und wirdindreiPraxen in Deutschland

angewandt. Für den breiten

Einsatz in der klinischen Praxis arbeiten

dieWissenschaftler vonMagnosco

vor allem noch daran, es

schneller und leichter handhabbar

zu machen.

Bislang sind sowohl das Berliner

als auch das Heidelberger Verfahren

keine Krankenkassenleistungen,

sondern müssen von den Patienten

selbst bezahlt werden. Während die

intelligente Bildanalyse etwa 20

Euro kostet, muss ein Patient für die

Fluoreszenzanalyse etwa 100 Euro

hinlegen. Die Hoffnung der Entwickler

ist aber, dass durch eine

nachweisliche Senkung der Biopsieraten

und der Kosten für das

Gesundheitssystem die Krankenkassen

diese Leistungen in Zukunft

übernehmen werden.

Asteroid

verfehlt die

Erde

Brocken hätte Sprengkraft

von 100 Hiroshima-Bomben

Aufatmen bei Astronomen –und

sicher nicht nur dort: Der bis zu

50 Meter große Asteroid mit der Bezeichnung

2006 QV89 werdedie Erde

verfehlen, sagte der Leiter des Büros

für Planetenschutz im Satellitenkontrollzentrum

der Europäischen

Raumfahrtagentur Esa, Rüdiger Jehn,

der Deutschen Presse-Agentur.Bei einem

Einschlag auf der Erde hätte der

Asteroid möglicherweise eine

Sprengkraft vonrund 100 Hiroshima-

Bomben gehabt.

MiteinemTeleskop in Chile haben

Forscher Anfang Juli einen möglichen

Punkt der Laufbahn des Asteroiden

beobachtet. Wäre er dort aufgetaucht,

hätte er sich auf Kollisionskurs

mit der Erde befunden. Aber

nichts war zu sehen. Im September

2023 könnte er sich möglicherweise

noch einmal der Erde nähern.

Zum ersten Mal gesichtet wurde

der Asteroid im August 2006. Damals

war er etwa 4,5 Millionen Kilometer

von der Erde entfernt. Aufgrund der

Bahnneigung des Asteroiden und der

Daten der Erdbahn erwarteten die

Forscher, dass er Ende September

2019 unserem Planeten am nächsten

kommt. Zuletzt lag die geschätzte

Wahrscheinlichkeit eines Auftreffens

laut Risikoliste der Esa bei 1zu7299.

Gesteinsbrocken aus dem All in

der Größenordnung von 2006 QV89

können sehr gefährlich werden. Vor

sechs Jahren richtete die Explosion eines

20 Meter großen Asteroiden über

der russischen MillionenstadtTscheljabinsk

Verwüstungen an. Sie verletzte

etwa 1500 Menschen –meist

durch geborstene Scheiben.

Im Satellitenkontrollzentrum der

Esa in Darmstadt werden derzeit

etwa 870 Objekte gelistet, die möglicherweise

die Erde in den nächsten

hundert Jahren treffen könnten.

2006 QV89 wirdRüdiger Jehn zufolge

in Sichtweite an unserem Planeten

vorbeifliegen. (dpa)

Stickstoff lässt

Korallen

absterben

Das zeigt jetzt eine

Langzeitstudie aus Florida

Korallenriffe rund um den Globus

sterben mit alarmierender Geschwindigkeit

ab. Dabei ist es nicht

nur die Erderwärmung, die die Ökosysteme

bedroht. Vielmehr trägt

auch Stickstoff aus Abwässern und

Düngemitteln zur sogenannten Korallenbleiche

und dem Absterben

der Korallen bei. Das berichten Forscher

um Brian Lapointe von der

Florida Atlantic University in Fort

Pierce im Fachblatt Marine Biology

nach einer Langzeitstudie.

Schon 2017 warnten die Vereinten

Nationen, dass ein Großteil der

bedeutendsten globalen Riffe bis

zum Ende des Jahrhunderts zerstört

sein könnte,sollten die CO 2 -Emissionen

nicht drastisch verringert und

die Erderwärmung begrenzt werden.

Die Langzeitstudie legt nun nahe,

dass Stickstoff aus unterschiedlichen

Quellen –etwa Düngemittel, unsachgemäße

Entsorgung von Abwasser

und Erosion der obersten Bodenschichten

–eine genauso große Rolle

spielt. Er kann auch bei eher niedrigen

Temperaturen Korallenbleiche

verursachen, bei der die winzigen Algen

absterben, die in Symbiose mit

Steinkorallen leben. Zurück bleiben

die bleichen, leeren Korallenskelette.

Die Forscher um Lapointe untersuchten

das Zusammenspiel vonKorallenbleiche,

Algenkonzentration

und Stickstoffbelastung am Riff Looe

Keyinden Florida Keys. (dpa/fwt)


18 Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Sport

Martin Kaymer ist nicht startberechtigt im nordirischen Portrush. Nur wenn jemand ausfällt, darf er sein Können bei den legendären British Open unter Beweis stellen. GETTY (2)

Eine dunkle Stunde

Weil sich Martin Kaymer nicht qualifiziert hat, ist Deutschland bei den historisch aufgeladenen British Open im Golf nur durch Amateur Matthias Schmid vertreten

VonBernd Müllender

Die British Open, das

vierte und letzte der vier

großen Major-Turniere,

das an diesem Donnerstag

im nordirischen Royal Portrush

Golf Club beginnt, ist ein sehr besonderes.

Es ist nicht nur das älteste

Golfturnier weltweit, sondern für

viele ohnehin das wichtigste oder für

Briten sowieso das einzig wahre. Auf

der Insel wirdesnur „The Open“ genannt.

Die148. Ausgabe ist auch ein

Wendepunkt für den deutschen

Golfprofi Martin Kaymer. Ernimmt

nämlich erstmals seit 2007 nicht

daran teil.

Es ist überhaupt das erste Major

seit über zehn Jahren, für das sich

Kaymer nicht qualifizieren konnte.

Weil er, zumindest derzeit, nicht

mehr gut genug ist und das mit 34

Jahren − für Golfer eigentlich ein

ideales Alter.

Acht Wochen lang war Kaymer

einmal Erster der Weltrangliste: der

beste Golfer auf Erden. 2011 war das,

Älterewerden sich erinnern. Kaymer

gewann zwei Major-Turniere, 2010

die US Open, 2014 die PGA Championships

und mit dem Team Europe

dreimal nacheinander den prestigeträchtigen

Ryder Cupgegen die USA,

zuletzt im Herbst 2014, als er auch

noch den entscheidenden Put zum

Sieg einlochte,euphorisch umjubelt.

Einkontinentaler Held.

Dergroße Joker

Danach ging es kontinuierlich

bergab, fast bis auf Platz 200 der

Weltrangliste: Formkrise, Schwungprobleme,

fehlendes Zutrauen, eine

Abwärtsspirale. Der letzte Turniersieg

datiert von 2014. Immerhin,

eine Trendwende ist erahnbar:„Das

Spiel ist in den letzten Wochen deutlich

konstanter geworden“, sagte

Kaymer jetzt, „und der Trend zeigt

eindeutig nach oben“ -bis auf Rang

86 in dieser Woche.Das ist aber noch

weit hinten, sogar hinter einem Österreicher,

Bernd Wiesberger nämlich,

der am Sonntag die Scottish

Open gewann und auf Platz 40 geführtwird.

DieQualifikationskriterien für die

vier jährlichen Major-Treffen der

Weltelite sind mannigfaltig. Gemeinhin

sind die Vorjahressieger automatisch

dabei, meist über fünf Jahre, bei

den Masters sogar lebenslang −was

dem Veteranen BernhardLanger,61,

Sieger dort 1985 und 1993, eine Einladung

beschert. Bei den British

Open ist er allerdings nicht dabei.

Dazu kommen automatisch die

besten 50 der Weltrangliste, sofern

nicht schon anderweitig spielberechtigt

(siehe oben), die besten

Amateure oder Qualifikanten über

quälend lange eigene Turnierserien

von Korea über Südafrika bis

in die Karibik, wo Tausende teilnehmen,

aber nur die besten den

großen Joker ziehen. Oder die drei

„Das Spiel ist in den letzten Wochen deutlich

konstanter geworden und der Trend zeigt eindeutig

nach oben.“

Martin Kaymer hat den Glauben an seine Golfkünste noch nicht verloren.

besten noch nicht qualifizierten

der Scottish Open, sofern unter

den ersten zehn. Kaymer war 20.,

zwei Schläge zu viel. „Kein einziger

deutscher Profi dabei: Eine ganz

dunkle Stunde“, raunt das Golf-

Magazin.

Mit Kaymers Absenz hat die Öffentlichkeit

die Chance, die garantierten

Dramen und Erfolgsspektakel

der anderen 156 Teilnehmer bei

diesem Weltevent in den Fokus zu

rücken. Daswirdwenig passieren. Ist

kein Deutscher dabei, geht das Interesse

gegen Null, überall. Da wirdTiger

Woods´ Renaissance nur am

Rande beachtet oder die Frage, ob

die derzeitige Dominanz der US-

Golfer anhält. Den US-Amerikaner

Xander Schauffele (derzeit Nr.11der

Welt) mag das deutsche Gemüt auch

nicht adoptieren, obwohl er einen

deutschen (Zweit-)Pass und einen

schwäbischen Vater hat. Schauffele

könnte für Deutschland bei Olympia

2020 antreten.

Dererste Nachrücker

Die Golf-Buchmacher favorisieren

wie immer Tiger Woods und den

Weltranglistenersten Brooks Koepka

(mit seinem nordirischen Caddie),

obwohl sich die US-Amerikaner auf

den windigen Links-Plätze voller

Dünen und dem hohen Strandhafer

an den Seiten traditionell schwertun,

besonders beim avisierten regnerischen

und windigenWetter.Oder triumphiert

beim Heimspiel endlich

mal wieder Rory McIlroy, der hier als

16-Jähriger 2005 den Platzrekord

aufstellte (61 Schläge), der bis heute

Bestand hat?

Eine Hoffnung bleibt Martin Kaymer

übrigens noch –auf ein plötzliches

Virus, auf Hüftschmerzen oder

eine malade Hand bei einem der insgesamt

156 Qualifizierten. Kaymer

ist nämlich durchaus wieder die

Nummer 1–auf der Reserveliste in

Portrush. Er wartet deshalb angespannt

vorOrt.

Ansonsten wird ein junger Mann

namens Matthias Schmid automatisch

bester Deutscher. Der 21-Jährige

aus Herzogenaurach darf nämlich

mittun, weil er überraschend

Ende Juni die Amateur-EM gewonnen

hat. „Unglaublich, The Open“,

staunt er, „das ist surreal, grandios,

welch riesige Ehre“. Schmid, aktiv

wie so viele Nachwuchsspieler an einem

US-College, hofft seine großen

Vorbilder wenigstens auf dem

Übungsgelände zu treffen. Dazu gehörtMartin

Kaymer nicht, es sind Tiger

Woods und Rory McIlroy.

Training mit den Navy Seals

Martin Ziemer,neuer Torwart bei den Füchsen Berlin, hat keine Scheu vor der Konkurrenz, weil er in den vergangenen Monaten ein ungewöhnliches Programm absolvierte

VonCarolin Paul

Trainingslager in den Spreewelten

– da gehen die Gedanken zunächst

in Richtung Wasserrutsche

und Sauna. Doch so gemütlich haben

es die Füchse in der Vorbereitungszeit

nicht. Im Gegenteil, bei

dem aktuellen Athletiktraining darf

die Mannschaft vonVelimir Petkovic

jeden Tagden Belag der roten Laufbahn

abmessen −und das zu allem

Unmut mit der Wasserrutsche im

Augenwinkel.

„Die schönste Zeit im Jahr“, kommentierte

Fabian Wiede das Trainingslager

auf Instagram, gefolgt

von einem Pinocchio-Emoji und

dem Hashtag #fatcamp.Auch für Zugang

Martin Ziemer ist die Vorbereitungszeit

nicht unbedingt die Lieblingsphase

der Saison. „Laufen und

überhaupt dreimal Training am Tag,

das ist irgendwie nie so richtig gut“,

sagt der Torwart mit einem trockenen

Lachen in der Stimme.

Dabei könnte man meinen, der

35-Jährige sei ein Arbeitstier,was das

Training betrifft. Dieletzten Wochen

verbrachte Ziemer schließlich in den

USA, wo er unter anderem mit Football-Spielern

und Navy Seals trainierte,

anstatt die Sommerpause zu

genießen. „Diesmal waren es nur

knapp vier Wochen. Ob das verrückt

ist, dass müssen andere beurteilen,

aber für mich ist es seit acht Jahren

Tradition“, sagt Ziemer.

Vorbereitet in die Vorbereitung,

lautet sein Motto und dennoch ist

das momentane Lauftraining auch

für ihn nicht unbedingt ein Zuckerschlecken:

„Ich musste gerade erstmal

neue Laufschuhe kaufen. Diealten

sind durch. Vielleicht ist es aber

nur die Hoffnung, dass es mit den

neuen besser geht.“ Mitseinen alten

Schuhen angereist, lagert der Großteil

seines Eigentums augenblicklich

noch in Berlin ein. Eingerichtet hat

sich der gebürtige Rostocker nämlich

noch nicht. Derzeit im Dormero

Motivator zwischen den Pfosten: Martin Ziemer

Hotel am Kurfürstendamm untergebracht,

sucht er demnächst bei einem

Freund Unterschlupf. „Ich bin

zuversichtlich, dass ich bald etwas

finde. Und ob momentan meine

Wohnung leersteht oder das Hotelzimmer,ist

ja egal“, erklärtZiemer.

IMAGO IMAGES

Im Trainingslager in Lübbenau teilt

er sich das Zimmer erst einmal mit

Frederik Simak. „Da sind die Rollen

klar verteilt“, scherzt Ziemer schelmisch,

fügt jedoch an, dass er ihm

trotz seiner Altershoheit das größere

Bett gelassen habe.

Die Stimmung scheint jedenfalls

gut zu sein, was bei der lockeren Art

des 35-Jährigen nicht verwundert.

Aufder Platte wirddas Kräftemessen

in dieser Saison dagegen sicher etwas

härter ausfallen. MitdreiTorhütern

imKader sind die Rollen eben

nicht klar verteilt. Für Ziemer ist das

allerdings kein Grund unruhig zu

werden: „Da muss man als Spieler

die Situation annehmen und das

Beste draus machen. Gas geben

muss man sowieso immer.“

Oben angreifen

Wenngleich er natürlich am liebsten

so viel Zeit wie möglich auf dem Feld

verbringen würde, hat Ziemer viel

Respekt vorseinen Mitstreitern: „Ich

habe tolle Torwartkollegen. Heine

(Silvio Heinevetter, d.Red.) ist eine

Torwart-Ikone, da brauchen wir

nicht drüber reden. Er ist nicht nur

bei den Füchsen sondern deutschlandweit

ein bekanntes Gesicht. Der

nächste (Dejan Milosavljev ,d.Red.)

ist Champions-League-Sieger. Da

mangelt es nicht an Konkurrenz.“

Ziel sei es aber letztlich ein „Team

im Team“ aufzubauen, wie es die

Männer zwischen den Pfosten gerne

ausdrücken. Denn schwierige Situationen

oder verletzungsbedingte

Ausfälle stehen in den meisten Spielzeiten

bevor und dann geht es nicht

um den Einzelnen.

In Berlin will Ziemer seine Geschichte

weitererzählen und angreifen.

„Es geht immer darum, das

Beste aus sich herauszuholen. Was

die Füchse im letzten Jahr trotz der

vielen Verletzten geschafft haben,

finde ich beachtlich. Das stimmt

mich zuversichtlich, dass es für uns

noch weiter nach oben gehen kann.

Und Titel sind natürlich immer etwas

Feines.“ Einerster Schritt zu den

neuen Erfolgen müssen die Füchse

am DHB-Pokalwochenende am

17./18. August machen. Bis dahin

dürfte Ziemer seine neuen Schuhe

wieder eingelaufen haben.


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 19 *

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Sport

Puls

am

Anschlag

Patrick Hausding

qualifiziert sich für Olympia

Nach einem „wilden Wettkampf“

mit einer Schrecksekunde war

ein körperlich und mental erschöpfter

Patrick Hausding nur noch froh

über das Olympia-Ticket. Der Rekordeuropameister

hatte mit seinem

WM-Finaleinzug vom 3-m-Brett als

Neunter den deutschen Wasserspringern

nicht nur den ersehnten

ersten Startplatz für Tokio 2020 beschert,

sondern sich auch auf eine

harte Nervenprobe gestellt.

Bei der Auerbachschraube im

dritten Durchgang verpatzte der

Olympiadritte den Anlauf, er verlor

die Balance und hatte Glück, dass er

den Sprung abbrechen und einen

neuen Versuch starten konnte. So

blieb der Punkteabzug im Rahmen.

„Ich hatte Angst, dass ich ins Wasser

falle, denn dann hätte sich der

Sprung komplett erledigt gehabt“,

sagte der 30-Jährige: „Wenn ich

transparent wäre, hätte man gesehen,

dass mein Herz in alle Richtung

schlug. Aber man muss versuchen,

cool zu bleiben.“ Hausding blieb

cool und brachte den Sprung im

zweiten Versuch sauber ins Wasser

des Nambu University Municipal

Aquatics Centre von Gwangju. Und

nicht nur das: Nach dem Fauxpas

zeigte der Berliner „Sprünge, die ich

aus meiner total verletzungsfreien

Zeit kenne“.

Starker Druck

Wegen der „starken Drucksituation“

sei er „sehr erleichtert, dass ich nach

dem wildenWettkampf ein Olympia-

Ticket gesichert habe“, sagte er .Auf

den ganz großen Druck beim Weltcup

im kommenden Jahr in Tokio,

wo die letzten Startplätze für die

Sommerspiele vergeben werden,

hatte er keine Lust: „Ich wollte mich

nicht im heißen Kessel von Tokio

darum kloppen.“

Kann schon mal für Tokio planen: Patrick

Hausding.

DPA/THISSEN

Der lange verletzte Dresdner

Martin Wolfram wird dies tun müssen,

denn sein 15. Rang reichte nicht

ganz für das Finale. Imersten internationalen

Wettkampf nach seiner

Umschulung vomTurm- zum Brettspringer

war der frühere Europameister

dennoch zufrieden. „Das

war eine tolle Leistung, darauf kann

ich aufbauen“, sagte Wolfram. Bundestrainer

Lutz Buschkow lobte

Wolfram für dessen Leistung und

Hausding für dessen Nervenstärke.

„Mir ist kurz der Puls hoch gegangen“,

sagte er über die Schrecksekunde

im dritten Durchgang, „aber

Patrick ist cool geblieben und ist weiter

auf Angriff gesprungen.“

Dasist auch das Motto für das Finale

am Donnerstag (13.45 Uhr,

MESZ). „Meine Fitness steigt weiter.

Ich würde mich freuen, wenn es in

die Top Sechs reingeht“, sagte der

WM-Zweite von 2017. Der knapp 90

Minuten lange Endkampf werde im

Vergleich zum fast vier Stunden dauernden

Vorkampf „fast ein Urlaubstag“,

scherzte Hausding. Beim Vorkampf

mit 57 Starternhatte er sich in

den Pausen mit einer Spielkonsole

und seinem Lieblingsspiel Zelda die

Zeit vertrieben: „Ich sitze inder Trockenhalle

und spiele ein bisschen,

und wenn ich dran bin, mache ich

mich warmund springe.“ (sid)

Jagd in den Pyrenäen

Bei der Tour de France wird es ernst. Team Ineos erwartet ein Bewährungsprobe –inmehrfacher Hinsicht

VonStephan Klemm, Toulouse

Ein Markenzeichen der

Mannschaft mit den rotschwarzen

Trikots ist ihre

Lust an der frühen Entscheidung

in den Bergen. Zumindest

war das die Spezialität von Christopher

Froome auf dem Wegzuseinen

vier Tour-Siegen für das Team Sky.

Jetzt, unter der Firmenbezeichnung

Ineos, fehlt Christopher Froome

zwar wegen multipler Frakturen, die

er bei einem Sturz imJuni erlitten

hat, doch die nach Frankreich entsandte

Fraktion verfügt über einen

Kapitän, der die Methode Froome

ebenfalls beherrscht. Vorjahressieger

Geraint Thomas, 33, aus Cardiff

in Wales,übernahm im vergangenen

Jahr das Gelbe Trikot nach der zweiten

Hochgebirgspassage in den Alpen,

nach der elften Etappe.Und Geraint

Thomas blieb fortan bis Paris

an der Spitze des Feldes. Gut möglich,

dass sich die Geschichte der

Tour de France an diesem Donnerstag

wiederholt, die zwölfte Tageswertung

führt indie Pyrenäen über

zwei schwere Berge der ersten Kategorie.

Tour-Sieg mit Heuschnupfen

Thomas selbst betont, dass er sich

sehr gut fühle nach der ersten Tour-

Hälfte. Und auch im Rennen hat er

sich bisher keine Blöße gegeben, er

war aufmerksam, seine Mannschaft

im Team-Zeitfahren als Zweiter

überzeugend, und auf der Planche

de Belles Filles, der ersten Bergankunft

dieser Tour, war Thomas als

Vierter sehr weit vorneplatziert. Das

alles macht sich für ihn positiv im

Gesamtklassement bemerkbar:Platz

zwei, 1:12 Minuten hinter dem Franzosen

Julian Alaphilippe,der bei langen

Anstiegen Defizite aufweist.

Sollten die Briten die Tour übernehmen,

droht ihr in der Folgezeit

die zuletzt typische Sky-Langeweile.

Denn die Verteidigung des Gelben

Trikots in Teamstärke gehört zuden

Spezialitäten zuvor bei Sky, jetzt bei

Ineos. Es hat viele Spekulationen

über die Hintergründe der Überlegenheit

der Mannschaft gegeben,

auffällig etwa war,dass Bradley Wiggins,

der Tour-Sieger von 2012, dreimal

über eine medizinische Ausnahmegenehmigung

für Triamcinolon

erhielt, das im Wettkampf verboten

ist und eine leistungssteigernde Wirkung

haben kann.

Bradley Wiggins hatte demnach

Heuschnupfen, passenderweise vor

großen Rundfahrten. Außerdem

Geraint Thomas wird in den Bergen versuchen, das Gelbe Trikot zu ergattern. DPA/SUNADA

Gewonnen: Der Australier

Caleb Ewan hat die elfte

Etappe der 106. Tour de

France gewonnen. Nach dem

Ruhetag setzte sich der 25-

Jährigevom Team Lotto-Soudal

nach 167 km zwischen

Albi und Toulouse durch.

EWAN GEWINNT IN TOULOUSE

Geschafft:Für Ewan war es

der erste Tour-Tageserfolg

überhaupt. Im Gelben Trikot

des Gesamtführenden fährt

weiterhin der französische

Publikumsliebling Julian Alaphilippe

(Deceuninck-Quick

Step).

Gestoppt: Rick Zabel muss

die 106. Tour de France als

erster der elf gestarteten

deutschen Radprofis verlassen.

Wiesein Team Katusha-

Alpecin am Mittwoch erklärte,

stoppte ihn ein grippaler

Infekt.

Den Schmerzen getrotzt

wurde Christopher Froome im vergangenen

Jahr unter merkwürdigen

Umständen nach einer Salbutamol-

Affäre freigesprochen. Doch damit

nicht genug.

Teamchef Dave Brailsford hat

auch den Rahmen seines Finanzbudgets

inzwischen ausgereizt. Angeblich

unterstützt Ineos das Team

mit 40 Millionen Euro pro Jahr, das

ist eine um den Faktor zwei höhere

Summe im Vergleich zu den ansonsten

am besten alimentierten Mannschaften.

Und soverpflichtet Brailsford

für sein Real Madrid des Radsports

starke Rundfahrer als Ergänzung

zu Thomas –etwa den jungen

Kolumbianer Egan Bernal, 22, bereits

jetzt Dritter der Gesamtwertung

und ein großer Anwärter auf den

Tour-Sieg 2019.

DasBudget ist ausgereizt

Hinzu kommen Ausgaben für „marginal

gains“, kleine Gewinne,aktuell

etwa für eine spezielle Fahrradkette

mit besonderer Beschichtung, die

zehn Watt Leistung pro Tritt einsparen

soll – Kostenpunkt 6700 Euro

pro Stück. Doch Brailsford steht

auch für Innovationen im Bereich

der Sättel, bei Massagegels zur besseren

Regeneration oder bei eigenen

Matratzen für die Fahrer –viele legale

Mini-Einflüsse also, die sich in

der Summe auswirken sollen. Über

medizinische Ausnahmegenehmigungen

übrigens verfüge das Team

bei dieser Tour nicht, sagte Brailsford

auf Nachfrage.

Und sokündigt Geraint Thomas

vor den Pyrenäen vollmundig an:

„Wir haben hier ein Ziel, nur dieses

eine.“ Gemeint ist das Gelbe Trikot.

Wobei es durchaus vorstellbar ist,

dass er das Projekt Gelb auf Freitag

verschiebt, dann steht in Pau ein

Zeitfahren an, seine Spezialität. Ehe

es am Samstag wieder in die Pyrenäen

geht, mit einer sehr anspruchsvollen

Gipfelankunft auf dem Tourmalet.

Geraint Thomas erwähnte auch

den Deutschen Emanuel Buchmann

als einen seiner potenziellen Konkurrenten:

„Er fährt eine herausragende

Saison und hat sich gewaltig

entwickelt.“ Buchmann wiederum

fühlt sich angesichts seines fünften

Gesamtrangs in der komfortablen

Lage, nicht angreifen zu müssen,

weil „ich ja schon ganz gut liege.Verrückte

Dinge muss ich nicht machen“.

Die Tour de France beginne

nun erst richtig für ihn. Für die

Mannschaft Ineos gilt das natürlich

auch.

Marko Stamm führt Deutschlands Wasserballer trotz eines Bänderrisses zum WM-Sieg gegen Brasilien

Daumen hoch für den WM-Einsatz: der angeschlagene Marko Stamm

Trotz Schmerzen war dem humpelnden

Wasserballer Marko

Stamm nach dem ersten WM-Sieg in

Südkorea zum Scherzen zumute.

„Ich habe voreinem halben Jahr 'mal

gesagt, ich höreerst auf, wenn meine

Mitspieler mich im Rollstuhl zum

Beckenrand schieben“, sagte der

trotz Bänderrisses herausragende

Nationalspieler, „dass es doch so

schnell geht, hätte ich nicht gedacht.

Da muss ich meine Aussage noch

mal revidieren.“

Zwar musste der 30-Jährige am

Mittwoch nicht wirklich im Rollstuhl

vordem 15:8 (4:1, 6:1, 2:2, 3:4) gegen

Brasilien ans Becken in Gwangju geschoben

werden. Aber im Athletendorf

war er an den Tagen vor dem

wichtigen Sieg Richtung WM-Viertelfinale

schon so oder an Krücken

unterwegs. Sogar getragen worden

sei er von den Teamkollegen zwischenzeitlich,

berichtete der Spieler

vomRekordmeister Spandau 04.

„Den Rollstuhl musste ich nach

einem Tagwieder abgeben, weil er

nur für Notfälle ist und ich kein Notfall

bin“, schilderte der mit fünf Treffernbeste

deutsche Torschütze, dessen

linkes Sprunggelenk getapt war.

„Nach und nach habe ich dann gesagt,

Zähne zusammenbeißen.

Denn wenn ich nicht laufen kann,

kann ich auch nicht spielen.“ Und

wie er dann spielen konnte.

„Er hat heute ein super Spiel gemacht“,

sagte Bundestrainer Hagen

Stamm. Der Papa freute sich über

den Auftritt mit viel Kämpferherz.

DPA/THISSEN

„Ich könnte ja sagen, dass sind die

Gene.Aber es sind nicht die Gene,er

schießt die Tore alleine“, meinte

Stamm senior.

Zwei Tage nach dem 9:9 gegen die

unbequemen Japaner bot die deutsche

Auswahl, die erstmals seit sechs

Jahren wieder bei einer Weltmeisterschaft

dabei ist, einen konzentrierten

Auftritt. Am Freitag (5.30

Uhr/MESZ) gegen den Olympia-

Dritten Italien ist theoretisch sogar

der überraschende Gruppensieg

möglich.

„Ich möchte alles werden, nur

nicht Dritter. Dritter wäre eine hohe

Strafe“, sagte Bundestrainer Stamm.

Der Gruppensieger erreicht direkt

dasViertelfinale,die beiden dahinter

platzierten Mannschaften spielen

über Kreuz gegen einen Zweiten und

Dritten einer anderen Gruppe. Es

zählt im Vergleich mit Japan jedes

Tor. Während die DSV-Auswahl sich

achtbar gegen den großen Favoriten

Italien schlagen muss, braucht es

auch die Hilfe der Brasilianer, die

nicht zu hoch gegen die Asiaten verlieren

sollten. Dass Japan nur mit

zwei TorenUnterschied gegen Italien

verlor,erhöht den Druck.

Stamm junior will jedenfalls sich

weiter durchbeißen. „Das ist die

Weltmeisterschaft, wenn nicht hier,

wann dann“, sagte der Leistungsträger.Ausgerechnet

ihm blieb ein weiterer

Gang nicht erspart: Gestützt auf

das Treppengeländer kämpfte er sich

die Stufen zur Dopingkontrolle hinunter.

(dpa)

NACHRICHTEN

Hertha verliertTest in Aue,

verpflichtet Chelsea-Talent

FUSSBALL. Hertha BSC hat in einem

Testspiel beim FC Erzgebirge Auedie

erste Niederlage kassiert. DasTeam

vonTrainer Ante Covic verlor beim

Zweitligisten deutlich mit 1:4 (0:3).

Pascal Testroet (27.), Dimitrij Nazarov(41.),

Hikmet Ciftci (45.) und Tom

Baumgart(79.) erzielten die Tore für

die Sachsen. Stürmer Davie Selke gelang

in der 74. Minute der zwischenzeitliche

Anschlusstreffer zum 1:3.

Laut Medienberichten stehen die

Berliner vorder Verpflichtung des

niederländischen Talents Daishawn

Redan, 18, vomFCChelsea für rund

zweieinhalb Millionen Euro.Der

Stürmer wechselte vorzweiJahren

aus der Jugend vonAjax Amsterdam

nach London, kam im Profiteam des

Europa-League-Sieger jedoch noch

nicht zum Einsatz und soll auch bei

Hertha zunächst im Nachwuchsbereich

herangeführtwerden.

Nord- und Südkorea treffen in

Qualifikation aufeinander

FUSSBALL. In der Qualifikation zur

WM 2022 in Katar ist Fußball-Diplomatie

gefragt. Nord-und Südkorea

wurden bei der Auslosung am Mittwoch

in Kuala Lumpur gemeinsam

in die Gruppe Hgezogen und stehen

somit vorzweipolitisch brisanten

Duellen.

Deußer reitet beim Preis von

Europa auf Rang drei

PFERDESPORT. BenMaher hat am

Mittwoch das erste wichtige Springen

beim CHIO in Aachen gewonnen.

Am zweiten Tagdes größten

Reitturniers der Welt setzte sich der

Profi aus Großbritannien im Preis

vonEuropa mit Explosion durch. Auf

Platz drei kam der in Belgien lebende

Daniel Deußer mit Tobago.

ZAHLEN

Radsport

Tour de France

11. Etappe ,Albi -Toulouse (167 km): 1. Caleb

Ewan (Australien) –Lotto-Soudal 3:51:26 Stunden,

2. Dylan Groenewegen(Niederlande) –

Jumbo-Visma, 3. Elia Viviani (Italien) –Deceuninck-Quick

Step, 4. Peter Sagan (Slowakei) –

Bora-hansgrohe, 5. Jens Debusschere (Belgien) –

Katusha-Alpecin.

Gesamtwertung: 1. Julian Alaphilippe (Frankreich)

–Deceuninck-Quick-Step 47:18:41 Stunden,

2. Geraint Thomas (Großbritannien) –Team

Ineos 1:12 Minuten zurück, 3. Egan ArleyBernal

Gomez (Kolumbien) -Team Ineos 1:16, 4. Steven

Kruijswijk (Niederlande) –Jumbo-Visma 1:27, 5.

Emanuel Buchmann (Ravensburg) -Bora-hansgrohe

1:45, 6. Enric Mas (Spanien) –Deceuninck-

Quick Step 1:46, 7. Adam Yates (Großbritannien/Mitchelton-Scott)

1:47, 8. Nairo Quintana

(Kolumbien/Movistar) 2:04

Bergwertung: 1. TimWellens (Belgien) -Lotto-

Soudal 43 Pkt.; 2. Thomas De Gendt (Belgien) -

Lotto-Soudal 37; 3. Giulio Ciccone (Italien) -Trek -

Segafredo 30

Sprintwertung: 1. Peter Sagan (Slowakei) -

Bora-hansgrohe 257 Pkt.; 2. Elia Viviani (Italien) -

Deceuninck-Quick-Step 184, 3. SonnyColbrelli

(Italien) –Bahrain-Merida 174

Teamwertung: 1. Movistar Team (Spanien)

142:19:38 Std.; 2. Trek -Segafredo (USA) +1:30

Min.; 3. Bora-hansgrohe (Deutschland) +14:59

Schwimmen

Weltmeisterschaft in Gwangju

Freiwasser,5km Frauen: 1. Ana Marcela Cunha

(Brasilien) 57:56,0 Minuten. 2. Aurelie Muller

(Frankreich) 1,0 Sekunden zurück, 3. Leonie Beck

(Würzburg) und Hannah Moore (USA) 2,0

Synchronschwimmen Frauen, Kür Solo: 1.

Swetlana Romaschina (Russland) 97,1333

Punkte, 2. Ona Carbonell (Spanien) 94,5667, 3.

YukikoInui (Japan) 93,2000

Wasserspringen, 10m Turm Frauen: 1. Chen

Yuxi (China) 439,00 Pkt.; 2. Lu Wei(China)

377,80; 3. DelaneySchnell (USA) 364,20; 14.

Christina Wassen (Berlin) 298,90 (Halbfinale);

16. Maria Kurjo (Berlin) 295,55


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 – S eite 20 *

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Sport

Ein seltener Moment, wenn auch UrsFischer mal ratlos wirkt.

MATTHIAS KOCH

Der Anzug nimmt Form an

Nach dem Trainingslager in Österreich hat Unions Trainer Urs Fischer Vorstellungen von seiner Startelf. Doch Veränderungen sind längst nicht ausgeschlossen

VonMathias Bunkus, Wien

Langsam wird esernst. Mit

der Rückkehr aus Österreich

haben die Kicker des

1. FC Union noch 24 Tage,

bis der Pflichtspielstart imDFB-Pokal

in Halberstadt ruft. Das sind nur

dreieinhalb Wochen, in denen die

Köpenicker nach jetzigem Planungsstand

drei ernsthafte Testspiele bestreiten

werden: Zunächst in Aue(20.

Juli, 16 Uhr), dann die Generalprobe

gegen Celta Vigo (3. August, 16 Uhr).

Am Wochenende dazwischen ist ein

Kick geplant, bei dem sich die Eisernen

derzeit noch ein wenig schwertun,

einen passenden Gegner zu finden.

Liga zwei und drei sind schon

wieder im Punktspielbetrieb. Eine

gewisse Stärke muss der Widersacher

ja auch noch haben, wenn es

sinnvoll sein soll.

Sorgen bereitet das Trainer UrsFischer

derzeit, er analysiert erst einmal

das abgelaufene Trainingslager

in Windischgarsten. Und findet da

wesentlich mehr Positives als Negatives.„Die

Jungs waren mit Spaß dabei.

Intensität war da, Qualität war

da. 33 Mann waren da. Bis auf Hübi

(Florian Hübner/d. Red.) alle auf

dem Platz. Alle haben funktioniert

und ich glaube schon, dass wir profitieren

konnten“, meinte der Chefcoach

der Köpenicker.Alle bei Laune

zu halten −und angemessen zu belasten

−war kein so ganz einfaches

Unterfangen, und stellte auch das

kampferprobte Trainerteam vor

neue Herausforderungen sowie zusätzliche

Arbeit.

Interessant wirdnun zu beobachten,

ob die Stimmung umschlägt,

wenn der ein oder andere imKampf

um die Kaderplätze seine Chancen

schwinden sieht. Zumal es ja ein offenes

Geheimnis ist, dass Manager

Oliver Ruhnertnoch eine Entlastung

der Gehaltsrolle erreichen will, eine

Verkleinerung auf 27 oder 28 Kicker

anstrebt.

Zu viele Innenverteidiger

Den Sturm, wo Anthony Ujah, Sebastian

Andersson, Sebastian Polter

und Marcus Ingvartsen um den

wohl einen Platz im derzeit praktizierten

4-2-3-1 wetteifern, wird es

wohl nicht treffen. Im Fokus steht

vor allem die Innenverteidigung.

MitMarvin Friedrich, Nicolai Rapp,

Tore: Der 1. FC Union Berlin

hat ein Testspiel beim First

Vienna FC mit 4:1 (3:0) gewonnen.

Die Tore erzielten

Marius Bülter (13. und 44.

Minute), Sebastian Polter

(15.) und AnthonyUjah

(73.). Für die Gastgeber traf

Mensur Kurtisi zum zwischenzeitlichen

1:3(55.).

DRITTER SIEG IM DRITTEN TESTSPIEL

Lars Dietz, Keven Schlotterbeck,

dem designierten Abwehrchef NevenSubotic

und dem nach Kapselprobleme

im Knie etwas ins Hintertreffen

geratenen Florian Hübner

wetteifern sechs Personen um

zwei freie Plätze. Anzeichen für einen

Systemwechsel hin zur Dreierkette

sind nur in Ansätzen vorhanden.

Und Michael Parensen ist

als Backup auch noch da und Willens,seinen

Beitrag zu leisten.

Taktik: Trainer Urs Fischer

wechselte gegenden österreichischen

Viertligisten vor

4100 Zuschauernzur Halbzeit

komplett aus. Taktisch

ließ er die beiden Mannschaften

erstmals in der Vorbereitung

jeweils mit Abwehr-Dreierkette

und zwei

Spitzen antreten.

Termine: Nach dem zehntägigen

Trainingslager in Windischgarsten

(Oberösterreich)

kehrtder Bundesliga-Aufsteiger

am Donnerstag nach

Köpenick zurück. Das

nächste Testspiel findet am

Sonnabend (16.00 Uhr)

beim Zweitligisten FC ErzgebirgeAue

statt.

Wichtig wird für die Köpenicker

vor allem sein, als Erstliganeuling

die Aufstiegseuphorie nicht flöten

gehen zu lassen. Die hilft einen

Frischling im neuen Ligaalltag für

gewöhnlich über die ersten Klippen

hinweg. Fischer vertraut da

seiner alten Truppe, die ja im Wesentlichen

zusammengeblieben ist.

Eine Tatsache, die angesichts elf tatsächlicher

Zugänge leicht unter den

Tisch zu fallen droht. „Wieso sollen

wir Schwierigkeiten haben, eine Euphorie

zu halten? Ichglaube,essind

ja genügend Spieler da, die das miterlebt

haben. Undich glaube die anderen,

die den Wegzuuns gefunden

haben, spielen ja auch eine Rolle.Ich

glaube nicht, dass das darunter leiden

sollte“ sagt Fischer. Seine Eindrücke

vom wachsenden Zusammenleben

sind nach den Tagen in

der Alpenrepublik vorwiegend positiv.Auch

wenn er betont, dass es Zeit

braucht, bis alles passt.

Bloß nicht erstarren

Spätestens gegen Celta Vigo, den

Klub aus Galizien, wird man sehen,

wer bei Fischer das Rennen gemacht

hat. Geübter Nebelkerzenwerfer,

der er ist, schließt Fischer

auch nicht aus, dass schon früher

seine Wunschformation erkennbar

wird. „Könnte möglich sein.

Vielleicht sieht man sie schon ein

bisschen vorher“, meinte er und

brach in das typische Fischerlachen

aus.

Eine mögliche Startelf hat er nach

dem Trainingslager bereits im Kopf.

In mehr als rudimentären Elementen.

„Es geht in die Richtung, die

konkreter wird bei dem Herrn Fischer“,

sprach er vonsich auf einmal

in der dritten Person. Klarer wurde er

nicht. „Das würde nicht zum Herrn

Fischer passen. Ich fange jetzt doch

nicht was Neues an“, meinte er. Gefolgt

von einer neuerlichen Lachsalve.

Nicht nur beim Team, sondern

auch beim Trainer und seinen engsten

Mitarbeitern ist die Laune derzeit

also bestens.Warum auch nicht?

Die Zuschauer können sich wohl

auch wieder −bei allen taktischen

Variationen, die man in der Bundesliga

halt mal auch anwenden muss −

auf das gewohnte 4-2-3-1 respektive

4-3-3 einstellen. „Natürlich darfman

Neuem gegenüber nicht verschlossen

sein“, so Fischer, zumindest in

den Übungsformen und mal in einzelnen

Spielen. Manmüsse zuhören,

sich weiterentwickeln, über den Tellerrand

hinausschauen. „Man darf

aber auch nicht zu viel ändern, denn

ich glaube,dann kommt es nicht gut.

Irgendwo braucht die Mannschaft

auch ein Korsett. Ein Anzug, in dem

sie sich wohlfühlt..“ Wichtig sei es jedenfalls,

Respekt vor der neuen Aufgabe

zu haben, aber nicht vor Respekt

zu erstarren.

Der wahre Chef

Kann Paris St. Germain einen möglichen Abgang von Neymar kompensieren? Kylian Mbappé hat im Testspiel gegen Zweitligist Dynamo Dresden eine erste Antwort gegeben

Esist spät geworden. In der Nacht

zu gestern hob die Sondermaschine

in Dresden-Klotzsche ab. An

Bord die Mannschaft von Paris St.

Germain, ein bisschen müde vielleicht,

aber in bester Stimmung. 6:1

hatte sie gegen den Fußball-Zweitligisten

gewonnen. Daserste Testspiel

zur kommenden Saison hätte nicht

besser verlaufen können. Jedenfalls

fasste Trainer Thomas Tuchel den

Abend für seine Pariser Equipe so zusammen:

„Die Reise hat sich auf jeden

Fall gelohnt, wir haben es gut gemacht.“

Tuchel durfte sich in das Kompliment

mit einschließen. Er hatte Dynamo

Dresden mit Bedacht gewählt.

Einen deutschen Zweitligisten hatte

sich der 45 Jahre alte Coach gewünscht,

nicht zu schwach, nicht zu

stark, eine Agentur fädelte die Begegnung

ein, die für ein ausverkauftes

Stadion sorgte.30000 Zuschauer

sahen, was St. Germains Mittelfeldspieler

Ander Herrera Agüera ineinen

kurzenSatz kleidete: „Wir haben

unglaubliche Spieler.“

Dabei waren einige der prominenten

Profis gar nicht mit nach

Sachsen gereist: Angel Di Maria,

Edinson Cavani, Marquinhos und

Thiago Silvafehlten. Dasließ jemand

anderem Platz zur Entfaltung, eine

Stunde lang: Kylian Mbappé. Zwei

Treffer erzielte der französische Nationalspieler.

InCavanis Abwesenheit

bildete er die Pariser Spitze. „Erzelebriertjedes

Torauf die gleiche Weise,

im Training wie im Spiel. So ist Kylian“,

lobte Tuchel später auf der

Pressekonferenz. „Und ich schätze

seine Arbeit nach hinten. Seit er ins

Training zurückgekehrt ist, zeigt er

Spielfreude und Intensität.“

Gerade einmal zehn Tage haben

Mbappé und seine Mannschaft vor

dem Gastspiel in Dresden trainiert.

Körperliche Defizite waren ihnen

aber nicht anzumerken. Insbeson-

Kylian Mbappé warMann des Abends in Dresden.

dereMbappé war nicht zu bändigen,

ließ seine Gegenspieler reihenweise

stehen, wartete nicht, um das Publikum

in seinen Bann zu ziehen. Nach

nur sechs Minuten profitierte

Mbappé von einem schlechten

Rückspiel vonDzenis Burnic und beförderte

den Ball an Dynamos

AFP/HARTMANN

Schlussmann Kevin Broll vorbei ins

Tor. Einige Minuten später, Mbappé

hatte gerade das 2:0 vorbereitet,

legte er selbst noch einmal nach. „Le

vrai leader“, schrieb der Beobachter

einer französischen Zeitung über

den 20 Jahre alten Angreifer aus

Bondy,aus dem Pariser Banlieue: der

wahre Anführer in Tuchels Mannschaft.

Es handelte sich um eine Spitze

gegen Neymar, der den Pariser Klub

seit langem im Unklaren über seine

berufliche Zukunft lässt. Französische

Medien spekulierten auch am

gestrigen Mittwoch darüber, obder

Brasilianer noch einmal in einem

Pflichtspiel für St. Germain stürmt.

Erhellende Auskunft vonTrainer Tuchel

erhielten die Reporter nicht.

„Ob ich weiß, dass er gehen wollte?

Ja,vor der Copa América. Aber das ist

eine Sache zwischen dem Klub und

Ney“, sagte Tuchel.

Die Teilnahme an der Copa

América hatte Neymar wegen einer

Verletzung abgesagt. Am Montag

kehrte er mit einiger Verspätung

nach Paris zurück. Den Trainingsstart

verpasste er unentschuldigt.

Der27-Jährige wolle seine Rückkehr

zum FC Barcelona forcieren, spekulieren

Beobachter. Als ein Indiz von

vielen ziehen sie ein Interview Neymars

mit dem Internetportal Oh my

Goal heran. Darinbezeichnete er das

6:1 des FC Barcelona im Viertelfinale

der Champions League 2017 gegen

Paris St. Germain als einen der bemerkenswertesten

Momente seiner

Karriere.: „Das Gefühl, als wir das

sechste Torerzielt haben, war einmalig,

spektakulär.“

Tuchel blieb in Dresden entspannt:

„Wenn er in der Umkleide

ist“, sagte er über seinen divenhaften

Mitarbeiter,„ist er mein Spieler, und

ich werde mit ihm arbeiten.“ Der

Trainer kann sich Gelassenheit leisten

angesichts seines üppigen Kaders.

Erhat für die Defensive noch

einmalVerstärkung erhalten; gestern

gab St. Germain die Verpflichtung

von Abdou Diallo, 23, zuletzt Borussia

Dortmund, offiziell bekannt.„Wir

haben unglaubliche Spieler.“ Ander

Herrera Agüera hatte ja bereits darauf

hingewiesen. (cs.)


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

NorbertScheuer

über sein neues Buch

„Winterbienen“

Seite 22

„Ich gehöre zu den vielen Lesern, die ihr niemals gedankt haben.“

Arno Widmann gratuliert der Verlegerin Katharina Wagenbach-Wolff zum 90. Geburtstag Seite 23

Löschungen

Klick

und weg

Harry Nutt

begibt sich hinein in die

Cancel Culture.

Die amerikanische Sängerin

Pink macht nicht mehr mit.

Nachdem eine Bildnachricht von

ihren spielenden Kindern imBerliner

Holocaust-Mahnmal die übliche

Kommentierungswut ausgelöst

hatte, quittierte sie nun der Bildnachrichtenplattform

Instagram

ihrevollständige Mitarbeit. „Es wird

keine Kommentare mehr auf dieser

Seite geben, die könnt ihr an jemand

anderen verteilen“, schrieb

Pink zu einem Schnappschuss, auf

dem sich ihr Ehemann Carey Hart

im Pool vergnügt. Ihre Fans liebe sie

trotzdem, schrieb sie noch und

schaltete – zumindest vorübergehend

–ab.

Die Reaktion der Sängerin ist ein

Beispiel für das,was seit einiger Zeit

unter dem StichwortCancel Culture

verhandelt wird. Im immer stärker

als erbittertes Ringen aufgeführten

Werben um öffentliche Aufmerksamkeit

gibt es auch den umgekehrten

Weg. Siekann entzogen werden.

Keineswegs nur in der Form eines

demonstrativen Protestes, wie Pink

ihn gegen die bösartige Wucht ihrer

falschen Fans richtete. Es häufen

sich die Beispiele, indenen eine Art

digitaler Liebesentzug als moralische

Waffe daherkommt.

Auf drastische Weise war davon

der Schauspieler Kevin Spacey betroffen,

der nach Vorwürfen der sexuellen

Belästigung aus dem Jahr

1986 eines damals 14-jährigen Jungen

aus dem aktuellen Film des Regisseurs

Ridley Scott getilgt wurde.

Als Werbefigur für die Automarke

Renault hat man Spacey, der als

Darsteller der „House of Cards“-Figur

Frank Underwood weltberühmt

wurde, ebenfalls nicht mehr gesehen.

Ein Gerichtsverfahren gegen

ihn steht, nachdem Beweismittel

verschwunden zu sein scheinen,

vor der Einstellung. Das Urteil über

den Künstler Kevin Spacey aber

scheint gefällt. Die Cancel Culture

zeichnet sich aus durch ihren Rigorismus

und der kaum vorhandenen

Möglichkeit, die einmal vollzogene

Abwendung wieder zu korrigieren.

VonCornelia Geißler

Mit seinem Comissario

Montalbano hat Andrea

Camilleri Geschichte

geschrieben,

26 Bücher, die von Menschen und

ihren Abgründen erzählen. Diese

Krimis zeigen Italien, speziell Sizilien,

in einem liebevoll-kritischen

Blick. Dass Andrea Camilleri als einer

der erfolgreichsten italienischen

Schriftsteller der Gegenwart auch in

der Öffentlichkeit stand, nahm er, je

älter er wurde, immer stärker auch

als Aufgabe wahr. AmMittwoch ist

Camilleri imAlter von 93Jahren gestorben.

Zwölf Millionen Bücher verkaufte

er allein in seiner Heimat. Der

Anteil seiner deutschsprachigen Leser

war gewaltig, die Statistik nennt

vier Millionen ins Deutsche übersetzte

und verkaufte Titel.

Die Verantwortung des Autors

Ein Sizilianer mit Gewissen

Zum Toddes italienischen Schriftstellers Andrea Camilleri

Andrea Camilleri (1925–2019)

Camilleri, auf Sizilien geboren und

aufgewachsen, hatte zunächst als

Theater- und Hörspielregisseur gearbeitet,

an der Nationalen Filmschule

und dann an der Nationalakademie

der Dramatischen Künste

in Romgelehrt.„Eigene Leser war ich

also gar nicht gewohnt“, erzählte er

der Literaturkritikerin Maike Albath,

als diese ihn im September 2018 besuchte.„Leser

fühlen sich direkt von

einem angesprochen, sie suchen

den Kontakt, schreiben, wollen etwas

von dir.“ Diese Erfahrung

schärfte sein Bewusstsein für seine

Verantwortung als Autor. Seit 1978

veröffentlichte er mehrere Romane,

„Hahn im Korb“ hieß der erste, und

erhielt dafür wichtige Literaturpreise.Doch

erst Commissario Montalbano

machte ihn seit 1994 zum

Bestsellerautor. Camilleri schrieb

seine Krimis in genauem Bewusstsein

der Möglichkeiten des Genres

und stets mit einem starken Interesse

ander Gesellschaft. Den Namen

gab er seiner Figur auch als ein

Zeichen der Verehrung für den spanischen

Schriftsteller Manuel

VázquezMontalbán (1939–2003), einem

Franco-Kritiker und Journalisten.

Comissario Montalbano arbeitet

im fiktiven Ort Vigàta, den Camilleri

seiner Heimatstadt PortoEmpedocle

nachempfunden hat. Für die Verfilmungen

wählte man das etwas weniger

verbaute, südlicher gelegene Ragusa.

Mehr als 30 Folgen wurden seit

1999 gedreht, noch 2018, zu Zeiten

von Netflix und anderen Ablenkungen,

hatte eine neue Episode mit

mehr als elf Millionen Zuschauernin

Italien einen Marktanteil von 45Prozent.

Es sind viele Aspekte, die Comissario

Montalbano so anziehend machen,

seine Leidenschaft für italienisches

Essen gehört genauso dazu

wie sein Gesundheitszustand und

seine Launen. Er fragt oft scheinbar

abwegig, denkt aber weiträumig. Er

DPA/MARIO DE RENZIS

mag machohaft wirken, doch ist er

ein Verfechter vonRecht und Gesetz.

Ein Mann wie der Autor selbst, der

sich lange als Kommunist bezeichnete.Erlegte

sich mit Berlusconi an,

den er einen Verfassungsfeind

nannte, beklagte die Heftigkeit des

Polizeieinsatzes beim G8-Gipfel in

Genua und kritisierte den italienischen

Innenminister Matteo Salvini

nicht nur für seine Weigerung,

Flüchtlingsschiffe an Land zu lassen,

sondern jüngst auch dafür, dass er

öffentlich mit einem Rosenkranz

aufgetreten sei.

„Der Ideenschmuggler“ nannte

Maike Albath das Kapitel über Camilleri

inihrem Buch „Trauer und

Licht“, das Wort stammte von ihm

selbst. Er gab zu, den Erfolg der Krimis

auszunutzen, um „bestimmte

politische und soziale Ideen unters

Volk zu bringen. Ich betätige mich

als Ideenschmuggler“. Bereits erblindet,

konnte er zuletzt nur noch

mithilfe seiner Assistentin arbeiten.

Er diktierte,sie las die Passage vor, er

überarbeitete und erzählte weiter.So

hielt er sich am Leben. Den letzten

Band um Montalbano aber hatte er

bereits geschrieben. Sein Verlag

sollte ihn erst nach seinem Todherausbringen.

Eine Mondphase lang

DieTageszeitung La Repubblica rechnete

schon zu Lebzeiten mit der Reinkarnation

des Autors. „Sollte Camilleri

wiedergeboren werden“, zitiert

der Verlag Nagel &Kimche das Blatt

auf dem Buchrücken von„Die Revolution

des Mondes“, und sollte er

„weitere Krimis schreiben, wäre sein

Montalbano eine Frau.“ Der Roman,

2013 im Original erschienen, ist ein

herausragendes Beispiel für die Kunst

Camilleris als Autor historischer Romane.Auch

diese haben ihresichtbarenund

unsichtbaren Verbindungslinien

in die Gegenwart. „Die Revolution

des Mondes“ geht vonder Tatsache

aus, dass der von Spanien auf

Sizilien eingesetzte VizekönigimJahr

1677 überraschend starb und dann

nicht übergangsweise der Bischof auf

den Thron folgte, sondern die Witwe

desVizekönigs. Sie war damit, so Camilleri,„zu

jener Zeit die einzige Frau

derWelt, die ein so hohes politisches

und administratives Amt bekleidete“.

Eine Mondphase lang regierte sie.

Der Autor zeichnet sie mit starkem

Gerechtigkeitsempfinden, hoher Bildung,

analytischer Gedankenschärfe

und blendender Schönheit. In einem

männlich dominierten korrupten

System schafft siees, das Volk auf ihre

Seite zu bringen. Sie überführt sogar

den Bischof des sexuellen Missbrauchs

an Chorknaben.

Andrea Camilleri schrieb Krimis

auch für Leser, die das Genre sonst

mieden, und seine Ausflüge in die

Geschichte sind Bücher für heute.

Für die kommende Woche ist das Erscheinen

eines Erzählungsbandes

angekündigt,„Der Teufel, natürlich“.

NACHRICHTEN

Neue deutsche Filme beim

Festival in Locarno

Derdeutsche Spielfilm „Das freiwillige

Jahr“ vonUlrich Köhler („Schlafkrankheit“)

und Henner Winckler

(„Lucy“) wirdimWettbewerb des

72. Internationalen Filmfestivals von

Locarno seine Weltpremierefeiern.

DasVater-Tochter-Drama bewirbt

sich neben 16 anderen Filmen um

den Hauptpreis,den Goldenen Leoparden,

des Festivals vom7.bis

17. August in Locarno.Das Festival

wirderstmals vonder Französin Lili

Hinstin geführt. (dpa)

Rund fünf Millionen Euro

für Festivals in Berlin

Mitknapp fünf Millionen Euro unterstützt

Berlin in den kommenden

vier Jahren rund zwei Dutzend Festivals

und Kulturreihen. DasProgramm

zur„spartenoffenen Förderung“

solle neben etablierten Festivals

auch neueVorhaben in den

Stadtteilen sichern, teilte die Senatskulturverwaltung

mit. Nach langem

Auswahlverfahren habe eine Jury 26

Projekte ausgesucht und Empfehlungen

für die künftige Förderung gegeben.

Neben Geldernfür bestehende

Festivals wie die Autorentheatertage

(500 000 Euro), der Europäische Monat

der Fotografie (500 000 Euro)

oder„48 Stunden Neukölln“ (180 000

Euro)kommen weitereVorhaben in

die Festivalförderung. Dazu gehören

das Treffen„Tactics of Empowerment“

(150 000 Euro)zur digitalen

Kultur und Politik, der„Kiezsalon“

der InitiativeDigital Berlin

(49 800 Euro)und das Filmfestival

„Afrikamera“ (68 300 Euro). (dpa)

Südafrikanischer Musiker

JohnnyClegg gestorben

DerMusiker Johnny Clegg ist tot.

Er erlag am Dienstag im Alter von

66 Jahren in Johannesburgeiner

Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankung,

teilte sein Konzertveranstalter

mit. Derimbritischen Rochdale geborene

Clegg trat schon während der

Zeit der Apartheid mit schwarzen

Musikernauf, „weißer Zulu“ wurde

er auch genannt. Sein Song „Scatterlings

of Africa“ war Teil des Soundtracks

des Films „Rain Man“ von

1988. (dpa)

UNTERM

Strich

Maulfeil

Ich mein

ja bloß

VonUte Cohen

Lässig wirken, bitte! Nur nicht den Anschein

erwecken, einen erzieherischen

Anspruch zu erheben! Der pädagogische

Zeigefinger sollte ganz schnell wieder weggesteckt

werden. Schon besser! Jetzt noch

eine geschmeidige Satzstruktur, ein paar

knackige Verben, ein Ausrufezeichen hier,

ein Pünktchen da, und schon sitzt der Satz!

Mit Texten ist es wie mit Frisuren: Man

muss die angemessene Form wählen, nicht

zu kurz, nicht zu lang, und mit viel Kunstfertigkeit

ein scheinbar anstrengungsfreies Ergebnis

erzielen. Da blitzgescheite Eingebungen

und eiserne Disziplin nicht jedem täglich

vergönnt sind, gibt es die Trickser unter

uns,die mit ein paar einfachen Kniffen einen

ganz natürlich wirkenden Out-of-Bed-Look

aufs Papier zaubern. Der Out-of-Bed-Look

ist übrigens die Königin der Frisuren. Nicht

ein aufwändig geflochtener Mozartzopf oder

ein mit der Wasserwaage auf Präzision getrimmter

Pony zeugen von den Fähigkeiten

eines Meister-Coiffeurs.Nein, die Zotteln am

rechten Fleck zeichnen ihn aus. Schließlich

sollen seine Kunden so aussehen, wie sie sich

fühlen: wild und ungebändigt, durch nichts

aus der Ruhe zu bringen, ein bisschen verspielt

und vorallem entspannt. Dass sie sich

durch nichts und niemanden in eine Form

pressen lassen, versteht sich vonselbst.

Autor und Friseur verbindet eine Seelenverwandtschaft.

Texte sind mindestens so

kapriziös wie Haare. Leser wiederum erwarten

eine ebenso lässige Brillanz von einem

Text wie Out-of-Bed-Fans vonder Frisur.Wie

also locker wirken, ohne journalistischer

Nachlässigkeit verdächtigt zu werden? Im

Zweifelsfall klappt’s mit einem Anglizismus.

KARL BURKHARD TIMM

„Just saying“ lautet sozusagen der „Magic

Touch“ für den perfekten Out-of-Bed-Look

eines Textes.Man hat eigentlich die Nase voll

von Ignoranz und Boshaftigkeit, kurzum

man wird vom Weltschmerz geplagt, und

reißt sich doch am Riemen. Statt Tacheles zu

reden, lässt man ganz lässig ein „Just saying“

einfließen, was ungefähr so viel heißt wie

„Mal ganz nebenbei gesagt“, „Ich sach ja nur

mal so“ oder „Ich mein ja bloß“. Dabei wird

ganz und gar nichts nur so nebenbei gemeint.

Meist steckt ein bierernstes Anliegen

dahinter und am liebsten würde der Autor

dem Leser seine Meinung aufzwingen, aber

er will ja nicht als zwangsneurotischer Spießer

rüberkommen.

Just saying –das klingt so, als wisse man,

wie der Hase läuft, ohne dieWeisheit mit Löffeln

gefressen zu haben. Just saying –daassoziiert

man doch gleich ein Cabrio auf der

Route 66, zwei Darlings in Hotpants,Marlon

Brando am Steuer, und alle drei zwitschern

fröhlich: „The answer my friend is blowin’in

the wind.“ „Blowin’“, bittschön! Der Apostroph

signalisiert das ultimative Coolness-

Level und verleiht auch „Just saying“ noch

den letzten Pfiff.

Aber Achtung (jetzt kommt der pädagogische

Zeigefinger doch noch zum Zuge)!

Nicht hinter jedem „Just sayin’“ verbirgt

sich auch ein lässiger Kopf. Manchmal ist es

der verkrampfte Versuch eines Verfechters

von Recht und Ordnung, den eigenen Fasson-Haarschnitt

ein bisschen wild und verrucht

wirken zu lassen. Auf der Hut sollte

man also sein, wenn es allzu sehr nach Lässigkeit

duftet. Und wie langweilig auch,

wenn alle gleich zurechtgestutzt und wie

aus dem Bett gefallen wirken! Augen zu und

träumen also: Von Segelschiffen auf gepuderten

Perücken. Das hat noch keiner Laus

geschadet!


22 * Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Feuilleton

Die Eifeler haben Hitler nicht ernst genommen

Norbert Scheuer über seinen neuen Roman „Die Winterbienen“, in dem ein Imker Juden von Bienen eingehüllt nach Belgien schmuggelt

Der Sommertag in Kall in

der Eifel ist heiß, doch

der Schatten im Garten

des Schriftstellers NobertScheuer

ist angenehm. DerZierbrunnen

plätschert, die Vögel zwitschern

und irgendwo summen bestimmt

ein paar Bienen. Der noch

leicht warme Rhabarberkuchen duftet

verführerisch. Wir sprechen über

seinen heute erscheinenden Roman

„Winterbienen“.

Herr Scheuer,amEnde Ihres Romans

„Winterbienen“ gibt es eine Danksagung,

wonach Ihnen einer der „Grauköpfe“

in der Cafeteria in Kall ein Tagebuch

überreicht habe. Es handele

sich um die Aufzeichnungen eines

1945 verstorbenen Imkers, der Ende

des ZweitenWeltkriegs Juden über die

Grenze nach Belgien geschmuggelt

hat. Sind Sie tatsächlich auf diese

Weise an den Stoff für „Winterbienen“

gelangt?

Na ja, alles ist Literatur. Esist wie

immer eine Vermengung von Realem

und Erfundenem. Einen solchen

Imker gab es tatsächlich. Durch ihn

bin ich auf die Idee gekommen, den

Roman zu schreiben. DieserWilhelm

Müller hat in den letzten drei Kriegsmonaten

ein Tagebuch geführt. Davon

war schon einmal in einer Zeitungsserie

in den 70er-Jahren die

Rede. Ich habe es dann in einer

Chronik entdeckt. Da steht eine Passage

drin, die vonseinen Bienen und

den Luftangriffen handelt – diese

Kombination war ein Aha-Erlebnis

für mich. Unddann gibt es vonDietrich

Schubertden Film„Unverzeichnete

Fluchtbewegungen“. Darin

wirdbeschrieben, wie Eifeler Bauern

in den Kriegsjahren, aber auch

schon davor, Juden über die Grenze

nach Belgien gebracht haben. Diese

beiden Stränge in einem Roman zu

verbinden, fand ich verlockend.

Ein Imker mit einem Helm aus Bienen. Im Roman heftet ein Imker eine Bienenkönigin an einen Flüchtling,worauf ihn das Bienenvolk umhüllt.

Spektakulär ist die Tarnung, die sich

der Fluchthelfer ausgedacht hat:

Egidius Arimond –der Held des Romans

–steckt eine Bienenkönigin in

einen Lockenwickler und heftet diesen

an die Kleidung des Flüchtlings,

worauf das Bienenvolk nicht nur die

Königin, sondern auch die Person

umhüllt und verbirgt. Dasschien mir

so extravagant, dass ich dachte, das

kann gar nicht erfunden sein.

Auf jeden Fall stimmt es, dass die

Imker die Königinnen für den Transport

inLockenwickler gesteckt haben,

wenn beispielsweise ein Bienenvolk

eine neue Königin brauchte.

Heute macht man das natürlich anders.

Aber in Kriegszeiten hat man

sich so zu helfen gewusst. Und dass

Königinnen am Körper fixiert werden,

habe ich bei Imkern gesehen,

die daraus eine Show machen, nachprüfbar

auf YouTube. Diese Imker

spielen dann den „Bienenmann“, sie

sind vorlauter Bienen kaum noch zu

sehen. Unddie Bienen bleiben dabei

vollkommen friedlich, weil sie nur

bei ihrer Königin sein wollen.

Sie haben sich bei diesem Roman für

die Form des Tagebuchs entschieden.

Warum?

Mich reizt an diesem literarischen

Tagebuch, dass es den Krieg

gleichsam „objektiv“ beschreibt. Es

gibt hier nicht die nachträgliche Reflexion,

sonderneswirderzählt, was

passiert.

Auf einer zweiten Ebene geht es um

den Mönch Ambrosius, der ein Vorfahre

von Egidius ist und um 1500

lebte. Wieso kam er ins Buch?

Zum einen sind die Bienen des

Egidius ganz besondere –eshandelt

sich um die Unterart Apis mellifera

carnica. Ich fragte mich: Wie sind

diese Bienen, die so standorttreu

sind, einst aus den Alpen in die Eifel

gelangt? Daswar das eine.Und dann

wollte ich schon immer einen Roman

über das Herz des Cusanus

schreiben. Ich habe mal in Bernkastel-Kues

die Kapelle besichtigt, in der

AUTOR & BUCH

Der Autor: NorbertScheuer,geboren 1951 in der Eifel, machte eine Ausbildung als Elektriker,

später studierte er physikalische Technik sowie Philosophie. Er arbeitet als Systemprogrammierer.Sein

Roman „Das Rauschen“ stand auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreises,

„Die Sprache der Vögel“ auf der für den Preis der Leipziger Buchmesse.

Das Buch: NorbertScheuers Roman „Winterbienen“ erzählt vonEgidius Arimond, der 1944

und 1945 in Kall in der Eifel als Imker tätig ist und Juden nach Belgien schmuggelt. Zudem

recherchiertEgidius die Geschichte eines Vorfahren, der um 1500 das Herz des Nikolaus von

Kues an die Mosel brachte. C. H. Beck, 320 S. ,22Euro. E-Book: 17,99

sich diese Reliquie des Nikolaus von

Kues befindet. Da sagte der Mann,

der uns das alles erklärte, der Transport

des Herzens aus Italien und

über die Alpen an die Mosel sei eine

GETTY/HULTON ARCHIVE, ELVIRA SCHEUER

tolle Geschichte und bis heute noch

nicht niedergeschrieben worden.

DasScharnier im Roman ist dann die

Bibliothek, in der Egidius seine Informationen

über die Flüchtlinge

bekommt und wo er Schriften des

Mittelalters studiert.

DenFlüchtlingen hilft er nicht nur aus

Menschenliebe, sondern auch, weil er

Geld für seine Medizin benötigt.

Die Eifeler Bauern haben das damals

auch nicht umsonst gemacht.

Wenn man sich den Film von Dietrich

Schubert ansieht, dann bestätigen

sie das in den Interviews. Aber

sie haben auch ihr Leben riskiert.

Das macht man normalerweise

nicht für 200 Reichsmark. Also, das

war sowohl human als auch pekuniär

motiviert. Das gilt auch für den

Egidius im Roman. Dasmacht ihn ja

nicht unsympathisch. Er hat immerhin

sein Leben riskiert.

Haben Siedie NS-Geschichte der Eifel

für diesen Roman recherchiert?

Dazu habe ich sehr viel gelesen.

Ich musste mir auch all die unterschiedlichen

Flugzeugmodelle aneignen.

Das war damals Grundwissen

eines jeden Kindes. Esgab ein

kleines Heftchen über Feindflieger,

das vom Reichsluftfahrt-Ministerium

herausgegeben wurde und in

nahezu jedem Haushalt vorhanden

war.

Hat man in Ihrer Familie über die

Nazi-Zeit gesprochen?

Sehr wenig. Aber ich bin in einer

Kneipe aufgewachsen. DerKrieg hat

in der Eifel nicht im Jahr 1945 aufgehört.

Dasging in den Erzählungen an

der Theke immer weiter. Besonders

wenn die Gäste betrunken waren.

WasimSee versenkt, welcher Bauer

in die Luft gesprengt worden ist –das

habe ich, Jahrgang 1951, irgendwie

mitgekriegt. Wenn wir als Kinder

oder Jugendliche herumliefen, fanden

wir überall altes Kriegsgerät, in

der Scheune oder im Mist. DieFamilie

eines Freundes hatte einen

Schrotthandel –damusste man nur

hingehen und hatte schon einen Karabiner.Dann

haben wir Banden gegründet,

sind damit rumgelaufen

und hatten diese Geschichten im

Kopf. Der Krieg ist nicht so schnell

vorbeigegangen.

Egidius Arimond ist ein Gegner der

Nazis und nennt Hitler immer nur

„Jupp“. Wiekamen Siedarauf?

Das ist keine Erfindung. Die Eifeler,

sehr katholisch, haben sich gern

despektierlich über Hitler geäußert.

Dazu gehörte, dass man den „Jupp“

nannte. Man hat ihn nicht ernst genommen.

Undsie haben Juden über

die Grenzegebracht. Davonwussten

in den Dörfernsehr viele und haben

es nicht verraten. Die Eifeler waren

nicht wirklich gleichgeschaltet. Das

ist jedenfalls meine Rezeption. Das

heißt natürlich nicht, dass alle kritisch

eingestellt waren.

Es gibt einige Stellen im Roman, in

dem vonden Bienen die Rede ist, aber

der Nazi-Staat gemeint scheint.

Einwesentlicher Gedanke war für

mich die Parallelführung vondiesem

totalitären Staat der Bienen und dem

totalitären Staat der Nazis.Ich wollte

das aber nie explizit machen. Und

wer weiß, wohin die Evolution des

Menschen noch führen wird. Vielleicht

werden wir eines Tages auch in

einem System wie dem der Bienen

leben. Die informationelle Entwicklung

führt auf jeden Fall dazu, dass

wir immer stärker gleichgeschaltet

werden. Dass wir immer mehr von

uns abgeben und immer weniger individualistisch

kommunizieren.

DasGespräch führte Martin Oehlen.

Immer

und

überall.

Nur im

E-Paper:

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u.v.m.

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Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 23 **

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Feuilleton

Der Sound

der frühen

Jahre

Der Fusion-Musiker

Brian Auger wird 80

VonHarry Nutt

Inder popmythologischen Chronik

des Jahres 1969 kommt man, wenn

man sich erst einmal hineinbegeben

hat, aus dem Staunen, Abschweifen

und Erschrecken nicht mehr heraus.

Vorziemlich genau 50 Jahren starb

Brian Jones von den Rolling Stones,

schickte David Bowie seinen Astronauten

Major Tomindie musikalische

Umlaufbahn, und es vollzog

sich quälend langsam der schwierige

Auflösungsprozess der Beatles.

Die Ballung solcher Nachrichten

aus dem Sehnsuchtskalender legt

den Verdacht nahe, dass das Glück

und das Elend der Popmusik in jenen

Tagen ganz dicht beieinanderlagen

–imAugust 1969 gab’s dann ja

auch nochWoodstock. Angesichts all

dessen spielt die Veröffentlichung

des Doppelalbums„Streetnoise“ von

Brian Auger, Julie Driscoll &Trinity

eine eher untergeordnete Rolle. Aus

heutiger Sicht ist sie kaum mehr als

eine Liebhabersache für in die Jahre

gekommene Fans.Unter diesen aber

gehört „Streetnoise“ zu den besten

Alben, die jemals in Vinyl gepresst

wurden. Das ist umso verwunderlicher,handelt

es sich bei den meisten

Stücken doch um Coverversionen

anderer Musiker,zum Beispiel„Light

My Fire“ von den Doors, „Indian

Rope Man“ von Richie Havens oder

„Take Me To The Water“ vonNina Simone.

All die Stücke aber wurden

vonBrian Auger,der die Orgel als Instrument

für die Popmusik etablierte

wie sonst wohl nur Keith Emerson

und John Lord, in ein neues musikalisches

Gewand getaucht und von

Julie Driscoll derart kraft- und gefühlvoll

interpretiert, dass sie bis

heute keinen Staub angesetzt haben.

Mit „Streetnoise“ hatten sie den

klanglichen Teppich einer Generation

noch einmal neu geknüpft.

Immer noch am Keyboard: der Musiker

Brian Auger. PETER HARTENFELSER/IMAGOIMAGES

Brian Auger wurde am 18. Juli

1939 geboren und gilt als einer der

bedeutendsten Fusion-Organisten

zwischen Popund Jazz. Nachdem er

1962 in einer reinen Jazzband begonnen

hatte, gründete er zusammen

mit Rod Stewart, Julie Driscoll

und „Long“ John Baldry 1965 die

Band The Steampacket. Als Stewart

wenig später wieder ausstieg, um bei

den Faces anzuheuern, hoben Brian

Auger und Julie Driscoll ihr Trinity-

Projekt aus der Taufe, das mit Bob

Dylans „Wheels on Fire“ und dem

Song „Road to Cairo“ veritable Single-Hits

hatte.

Wie essich für einen Fusion-Musiker

gehört, ist die Liste der Kooperationen

überaus lang. Brian Auger

spielte zusammen mit Spencer Davis

und dessen Schlagzeuger Pete York,

immer wieder auch mit Eric Burdon.

Er trat zudem mit dem Blues-Lehrmeister

Alexis Korner auf, der mit

seiner Band CCSebenfalls tief in das

Fusion-Wesen eingedrungen war. In

Deutschland war Brian Auger zusammen

mit Klaus Doldinger unterwegs,

und in den letzten Jahren ließ

er es sich nicht nehmen, mit seinen

Kindern, dem Schlagzeuger Karma

und der Sängerin Savannah Grace,in

der gemeinsamen Formation Oblivion

Express zu musizieren.

Katharina Wagenbach-Wolff leitete bis 2017 die Friedenauer Presse.

VonArnoWidmann

Vor zwanzig Jahren erschien

in dieser Zeitung ein Artikel

zum 70. Geburtstag von

Katharina Wagenbach-

Wolff unter der Überschrift „Der Verlag

in der Wohnung“.

Gemeint war die „Friedenauer

Presse“, die sie in ihrer Wohnung in

der Nähe des Savignyplatzes betrieb.

DerVerlag veröffentlichte kleine Broschur-Bändchen,

von denen einige

zu meinen Lieblingsgeschenken gehörten.

EinDutzend Malhabe ich sicher

jeweils Emilie de Chatelets

„Rede vom Glück“, Denis Diderots

„Gründe meinem alten Hausrock

nachzutrauern“ und „Jean-Henri

Fabres „Die Luft“ verschenkt.

Erinnerungen eines Zeitgenossen

Neben den Broschuren gab es auch

dicke Bücher. Zum Beispiel die beiden

Bände mit den Erzählungen und

den Romanen von Alexander Puschkin

oder Isaak Babels „Reiterarmee“

oder auch „Cechov. Erinnerungen eines

Zeitgenossen“ vonIvanBunin.

Peter Urban betreute für Katharina

Wagenbach-Wolff das russische

Programm des Verlages, übersetzte

u.a. Babel, Charms, Tschechow, Gogol,

Gontscharow, Puschkin. Horst

Hussel illustrierte vieleder Bände.

VonJan Koneffke

Die Vergänglichkeit ist ein unvergängliches

Thema der Literatur,

und es ist wahrlich nicht leicht,

ihr neue Seiten abzugewinnen. Die

in Berlin lebende Sängerin, Malerin

und Schriftstellerin Bianca Döring

scheint sich diese Aufgabe auch gar

nicht gestellt zu haben. Ihr geht es

nicht um Einfallsreichtum, sondern

um Empfindlichkeit, nicht um originelle

Erkenntnisse, sondern um

das aufrichtige Selbstgespräch über

das Alter als Krankheit zum Tode.

Trotzdem oder vielmehr gerade

deswegen berührt dieses aus Erzählfragmenten

um die letzte Lebensphase

der Mutter, Erinnerungen

an den verstorbenen Geliebten

Peti, tagebuchähnliche Notizen um

den auch nicht mehr jungen Freundeskreis

und Reflexionen über den

an sich selbst beobachteten Verfall

und die Angst vorm Sterben komponierte

Buch umso mehr.

Die Kraft des Verlegens

Am 19. Juli wird Katharina Wagenbach-Wolff 90 Jahre alt

WirLeser lieben Autoren oder lieben

sie nicht. Wirmachen uns selten

Gedanken über die Verleger. Dabei

hätte ich Madame de Chatelet ohne

das kleine Bändchen mit ihrem Essay

über das Glück wohl noch lange

als nichts als die Freundin Voltaires

in meinem Kopf bewahrt. Dabei

kann man lange nach einem ähnlich

klugen, menschlichen Text suchen.

Wäre ich ein anständiger Mensch,

ich hätte Katharina Wagenbach-

Wolff allein dafür schon einen Blumenstrauß

geschickt.

Ichfürchte,ich gehörezuden vielen

Lesern, die ihr niemals gedankt

haben für die Freuden, die sie uns

geschenkt hat. Dabei habe ich eine

Ahnung von dem schwierigen Geschäft

eines Verlegers, der das Handicap

hat, Bücher zu lieben. Zum

Beispiel Daniil Charms. Niemand

veröffentlicht ihn, um Geld zu verdienen.

Charms übersetzt und veröffentlicht

man, weil man seinen Humor

teilt oder weil man findet, dass

es schade wäre, dem deutschen Publikum

vorzuenthalten, wie man

auch lachen kann.

Ich weiß nicht, ob die Verlegerin

Katharina Wagenbach-Wolff jedes

ihrer Bücher liebt oder doch liebte,

als sie es herausbrachte. Ich wünsche

mir eher, dass sie viele davon

liebte, dass aber auch Titel darunter

waren, bei denen sie sich wunderte,

wieso Freunde, die sie sehr schätzte,

so begeistert von ihnen sprachen.

Mir gefällt die Vorstellung, dass sie

nicht ihren „likes“ folgte, sondern

sich anregen und verführen ließ. Gehört

nicht genau das zu den Tugenden

einer Verlegerin?

Einkurzeslanges Leben

Selbstgespräch mit dem Leser

Bianca Döring erzählt „Von der Vergänglichkeit“

Dass die Alten immer die anderen

seien –diesem Selbstbetrug geht die

älter Werdende nicht mehr auf den

Leim: „Mein Nachbar

Arne bleibt stehn im Treppenhaus,

…Ah, ruft er, da

kommt mein Traum, wieder

so energiegeladen! Ich

will lachen, weinen, er hat

mich noch nie nackt gesehen,

ungeschminkt …“

Das ist so schonungslos

wie wahrhaftig. Und doch

verbindet sich in Dörings

Vergänglichkeitsprosa unbestechliche

Erfahrung

mit zärtlichster Trauer.

Dasist insbesondereauch

jenen Passagen anzumerken,

die den Schmerz um

den toten Liebsten spüren

lassen, um Peti, bei dem es

sich um den 2013 gestorbenen

Schriftsteller Peter Kurzeck handeln

dürfte, dessen Lebensgefährtin die

Autorin war.

Bianca Döring:

Im Mangoschatten.

Vonder

Vergänglichkeit

PalmArtPress,

Berlin 2019.

132 S.,22Euro

Nicht allein Diskretion ist im

Spiel, wenn Döring in ihrem Buch

Klarnamen verschweigt. In dieser

Entscheidung spiegelt sich

vor allem die Intimität des

Selbstgesprächs, an dem

sie den Leser – schutzlos

ehrlich –teilnehmen lässt.

Dabei wirkt das meiste von

dem, was die sie umgebenden

Menschen sagen, als

sei es wortwörtlich notiert.

„Ich sterb nämlich nicht.

Nämlich nie. Wirklich. Bin

doch zuständig für die

Welt, wie kann ich da sterben“,

wird Peti zitiert, worauf

die Erinnernde im Präsens

fortfährt, so als lebe

sie wieder im Augenblick

der Vergangenheit: „Petis

verschmitztes Lächeln,

dem man so gerne alles glaubt. Rettungsring.

Ich glaub ihm mit angehaltenem

Atem, mit vor Verlangen

geschlossenen Augen.“

IMAGO/CHRISTIAN THIEL

Katharina Wagenbach-Wolff war

zwischen Büchern aufgewachsen.

Ihr Urgroßvater Maurycy Wolff war

im 19. Jahrhunderteiner der größten

Verleger Russlands. Ihre Eltern warennach

der Oktoberrevolution 1917

nach Berlin geflohen. Mit einem

Compagnon eröffnete der Vater

Andreas Wolff eine Leihbücherei.

1931 folgte „Wolffs Bücherei“. Hier

wuchs sie auf.Wolffs Bücherei gibt es

noch immer. 1954 heiratete KatharinaWolff

den über seiner Kafka-Dissertation

sitzenden, ein Jahr jüngeren,

Klaus Wagenbach. Zehn Jahre

später gründeten sie zusammen den

Verlag KlausWagenbach. EinJahr zuvor

hatte ihr Vater die Friedenauer

Presse gegründet. Nach der Trennung

von Klaus Wagenbach reaktivierte

Katharina Wagenbach-Wolff

die Friedenauer Presse, die sie bis

2017 leitete. Heute macht das Friederike

Jacob. Ich weiß nicht, wie es

der neunzigjährigen Katharina Wagenbach-Wolff

geht. Vor zwanzig

Jahren, als ich noch auf Partys ging,

sah ich sie oft. Siesaß mit ihren weißen

Haaren, den dunklen Augen,

zierlich in einem Sessel, sprach intensiv

mit ihrem Nachbarn. Nein, sie

hörte zu. Ich habe sie vor allem als

Zuhörerin in Erinnerung. Oft saß sie

auch einfach nur da und betrachtete

das Geschehen. Ich wünsche mir,

dass sie noch immer mit so neugierigen

Augen um sich schaut und aufhorcht,

wenn sie irgendetwas hört,

das sie noch nicht gehörthat oder etwas,

das alte Erinnerungen weckt,

die weit hineinreichen in die Zeit vor

ihrer Geburt.

Peter Urban brachte ihr die Autoren

ihres Urgroßvaters oder doch

dessen Zeitgenossen in den Verlag.

Sie stand mit ihrem winzigen Verlag

in einer großen Tradition, die sie reanimierte.Ja,

beides: Siereanimierte

die Tradition, aber die Tradition

schien auch sie zu reanimieren. Der

Verlag wird sie Kräfte gekostet haben,

aber er hat ihr auch Kraft gegeben.

Ich glaube, das gesehen zu haben.

Ich bewunderte das damals an

ihr.Ich bewunderte auch ihr Schweigen.

Jetzt bedaure ich, dass ich sie

nicht befragt habe.Zuihrem Bücherleben

und zu dem ganz sicher nicht

unerheblichen Rest. Herzlichen

Glückwunsch zum Geburtstag!

Bereits das Kind wurde vomVater

ermahnt: „Kind, was grübelst du so

herum? Was brauchst’ denn Angst

haben vorm Tod? Denk doch mal an

das schöne Leben!“ Der Tod ist das

Lebensthema Bianca Dörings, man

merkt es der Wucht ihrer Sprache an:

„Eines Tages werde ich so aussehen:

kalkweiß oder gelbstichig … verschrumpelt,

eingefallen, mit Geißhaaren

auf dem Kinn …schließlich

aufgelöst in den Waldboden hinein.

Duftige Erde geworden. Dreck.“

Und mag dieses Buch, das nicht

einfallsreich sein will und sich gerade

deshalb gegen das Unzumutbare

und Unvermeidliche umso

poetisch treffender und kraftvoller

auflehnt, auch keinen Trost spenden,

so tritt doch in der Vergänglichkeit

des Schönen auch die Schönheit

des Vergänglichen an sich selbst zu

Tage: „Peti …einen Finger über sein

Bärtchen streichend, mich still anschauend:

Wie schnell kann alles

vorbei sein!“

NACHRICHTEN

Eurosportverkauft offenbar

Bundesliga-Rechte an DAZN

DerSender Eurosporthat nach Informationen

der Bild-Zeitung die

TV-Rechte für die Bundesliga verkauft.

Daswurde der Deutschen

Presse-Agentur am Mittwochabend

aus Verhandlungskreisen bestätigt.

Demnach soll sich der Streamingdienst

DAZN die Rechte gesichert

haben und vonder neuen Saison an

mehrereSpiele livezeigen. (dpa)

Vertreter von Reporter ohne

Grenzen freigesprochen

DerVertreter der Organisation Reporter

ohne Grenzen in der Türkei und

zwei weitereAktivisten für Pressefreiheit

sind am Mittwoch in Istanbul

vomVorwurfder„Terrorpropaganda“

freigesprochen worden. ErolÖnderoglu

hatte 2016 die später geschlossene

prokurdische Zeitung Özgür

Gündem unterstützt. Auch die Menschenrechtsaktivistin

Sebnem Korur

Fincanci und der Autor Ahmet Nesin

wurden freigesprochen. In einem

symbolischen Akt hatten sie für je einen

Tagdie Chefredaktion der Zeitung

übernommen. (AFP)

Dokudrama über Merkelund

die Flüchtlingskrise im ZDF

DasZDF hat ein Dokudrama über

Kanzlerin Angela Merkel und die Migrationskrise

produziert. „Stunden

der Entscheidung –Angela Merkel

und die Flüchtlinge“ wirdam4.September

um 20.15 UhrimZweiten

ausgestrahlt. DasDatum ist mit Bedacht

gewählt: Der4.September

2015 gilt als der Tag, an dem sich die

Lage am Keleti-Bahnhof in Budapest

zuzuspitzen begann. Merkel wird

vonHeike Reichenwallner („Hinter

Gittern–Der Frauenknast“) gespielt.

Im Mittelpunkt des 90-minütigen

Films steht laut ZDF „der Entscheidungsprozess

der deutschen Bundeskanzlerin

an jenem 4. September

2015, als sie sich entschloss,die

deutsche Grenzefür Flüchtlinge offenzuhalten.

Andererseits bezieht

der Film auch die Perspektivedes Syrers

Mohammad Zatareih ein, der

den Aufbruch der Flüchtlinge in Budapest

maßgeblich initiierte“. (dpa)

Ai Weiwei: Entschädigung

für Nutzung von Kunstwerk

DerImporteur vonVolkswagen-Modellen

in Dänemarkmuss Ai Weiwei

wegen der unerlaubten Nutzung eines

Werkes des Künstlers entschädigen.

EinGericht im dänischen

Glostrup entschied am Mittwoch,

dass das Unternehmen Skandinavisk

Motor Co.A/S (SMC) mit der

Verwendung des Kunstwerks „Soleil

Levant“ auf einer Werbeanzeige für

den VW Polo gegen Marketinggesetzeverstoßen

habe.Esmuss dem

chinesischen Künstler eine Entschädigung

in Höhe von1,5 Millionen

dänischen Kronen (rund 200 000

Euro)zahlen. Mitder Kunstinstallation

„Soleil Levant“ hatte Ai Weiwei

im Sommer 2017 die Fenster der Kopenhagener

Kunsthalle Charlottenborgverbarrikadiert.

DasWerkbestand

aus 3500 Rettungswesten von

Flüchtlingen und Migranten. (dpa)

TOP 10

Dienstag,16. Juli

1 Ina.Freundschaft ARD 4,77 17 %

2 Tagesschau ARD 4,65 18 %

3 Brennpunkt ARD 4,49 17 %

4 UmHimmels Willen ARD 4,06 14 %

5 heute-journal ZDF 3,89 16 %

6 heute ZDF 3,79 19 %

7 ZDF spezial ZDF 3,62 16 %

8 Rosenheim-Cops ZDF 3,31 13 %

9 ReportMünchen ARD 2,89 12 %

10 SOKOKöln ARD 2,88 18 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Alexanderplatz

16.00: Internationales Straßentheater Festival –

Berlin lacht!

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Fisch zu viert

Dock 11 (✆ 448 12 22)

19.00: îakaré /horses-courses /dangling conversation

(Sita Ostheimer /Hannes Langolf /Guy Nader &

Maria Campos)

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00 Heckmannhöfe: Der Beziehungscoach

GarnTheater (✆ 78 95 13 46)

20.30: Die Sanfte

Globe Berlin Prolog-Bühne (Open Air)

(✆ 54 90 51 92) 19.30: Romeo &Julia (Globe

Ensemble Berlin)

Radialsystem (✆ 288 78 85 88)

21.00: Plataforma Berlin: El Cuerpo Vacío (Compagnie

Cuatro XCuatro)

Shakespeare CompanyBerlin (✆ 21 75 30 35)

20.00: Wasihr wollt!

Tanzfabrik Wedding in den Uferstudios

(✆ 20 05 92 70) 19.00 Studio 1: Open Spaces /

Sommertanz: The Reversed Achemist –Figure1-3

(IxchelMendoza Hernández)

20.30 Studio 14: Open Spaces /Sommertanz: (in)

Visible (Jess Curtis/Gravity)

Theater an der Museumsinsel (✆ 47 01 89 49)

18.00: Faust –Schönheit, Liebe, Arbeit

20.00: Die Vögel

Theater im Delphi (✆ 70 12 80 20)

13.00, 19.30: InternationalFestival of Young Opera

Singers: Die Zauberflöte (Ensembleund Orchester der

Berlin Opera Academy)

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00 Überdachte Freilichtbühne: 40 Jahre ufaFabrik

–Festwochen: The Cast –Die Rockstars der Oper

KABARETT/VARIETÉ

Arena Glashaus (✆ 533 20 30)

19.30: Cavewoman (Ramona Krönke). Anm. erf.

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Fly, Edith, Fly –Vom Ballermann zum BER

(Ades Zabel &Company)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Memories of Fools (Cirk La Putyka)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30: Die Ding-Show(ImproBerlin)

20.00: Zwei Zimmer,Küche: Staat!

Estrel Festival Center (✆ 68 31 68 31)

20.30: Simply The Best –Das Tina Turner Musical

(Dorothea „Coco“ Fletcher)

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00: Drachenherz

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Sexy Circus –Extasya2019

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow(Tutty Tran, Helene Bockhorst,

Andrea Limmer,Abdelkarim, Mod.: RobertoCapitoni)

Ratibortheater (✆ 618 61 99)

20.30: Ick &Berlin (Die Gorillas)

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

17.00, 20.30: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: The Band –Das Musical

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Cabaret –Das Berlin-Musical

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Das Elfenbeinkonzert(Rainald Grebe)

KLASSIK

Piano Salon Christophori (Uferstr.8)

20.00: Michael Abramovich, Die letzten 10 –Eine Ein

–und Aufführung,Beethoven: Sonate op. 53 „Waldstein“,

Sonate op. 54, Sonate op. 57 „Appassionata“

St. Marien-Kirche Mitte (✆ 242 44 67)

13.30: Orgel am Alex –Musik undOrgelführung

Wunderkammer Werkstatt (Thomasstr.61)

19.30: Wunderkammer Sommerkonzert–Sarah Perl

(Viola da Gamba), Martin Seemann (Violoncello),

Mira Langeund Peter Uehling (Cembalo)

KINDER

Amerika-Gedenkbibliothek (✆ 902 26 -0)

10.00 Kinderbibliothek: Ferienprogramm: Schneckiges!,

Ein bunter Mix aus Geschichten und

Informationen, Liedernund einer Bastelaktion (ab 4

J.). Anm. erf.

13.00 Jugendbibliothek: Ferienprogramm: Sommer-Actionrallye,

Mitmachaktion (ab 8J.)

Archenhold-Sternwarte (✆ 536 06 37 19)

10.30: Als der Mond zum Schneider kam

Berlin mit Kindern (✆ 33 02 98 70)

11.00: Familienführung: Checkpoint Charlie –

Berlingeschichte vonder Nachkriegszeit bis zur

Maueröffnung (ab 7bis 15 J.). Anm. erf.

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (✆ 29 04 78 40)

10.00: Zirkusferien Kreuzberg,Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Tempelhof (Columbiadamm 84)

10.00: Zirkusferien Tempelhof, Workshop (ab 7J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

11.00: Familienführung: Deutsche Geschichte Rückwarts,

Treff: Zeughaus (ab 8bis 12 J.)

Deutsches Technikmuseum (✆ 90 25 40)

11.00: Sommerferienprogramm: Entdeckungstour:

Der Traum vomFliegen, Treff: Eingangshalle (ab 6J.)

11.30, 14.00, 15.30 ScienceCenter Spectrum, EG,

Veranstaltungsraum:Sommerferienprogramm: Kälter

als kalt –coole Versuche bei -196°C, Vorführung

13.00 Ladestraße, Bildungsraum: Sommerferienprogramm:

TechLab: Bristlebots –Baue deinen eigenen

Zahnbürstenroboter,Workshop (ab 8J.)

FEZ Berlin (✆ 530 71 -0)

10.00: FEZitty –Die Hauptstadt derKinder (ab6bis

14 J.)

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

17.00 Heckmannhöfe: Der Froschkönig,(ab 4J.)

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in derGemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00, 14.00: Welcome to diversCITY! Queer in

Schöneberg und anderswo

Labyrinth Kindermuseum (✆ 800 93 11 50)

9.00:1,2,3,Kultummel –Die Ausstellung mit dem

Vielfalter,Lernvielspaß für Mitmachkinder (ab 3bis

11 J.)

10.00: Ahoi, Papieraten!, KreativeSommerferien im

Labyrinth Kindermuseum

MACHmit! Museum für Kinder (✆ 74 77 82 00)

10.00: Glühwürmchen im Glas, Wochenwerkstatt

me Collectors RoomBerlin (Auguststr.68)

12.00: Art&Kids, Offenes Kinderprogramm

METEUM des TJP e.V. (✆ 654 84 95 90)

10.00: Geocaching durch die Wuhlheide, Der Treffpunkt

wird beider Anmeldung bekanntgegeben.(ab

8bis 12 J.). Anm. erf.

Museum für Film und Fernsehen (✆ 300 90 30)

11.00: Sommerferienprogramm: Die (Film)Kulisse der

Großstadt, Workshop

Museum für Kommunikation (✆ 20 29 40)

14.00: Ferienprogramm: UnheimlicheHände?! Dreht

Euren Thriller für YouTube auf dem iPad, Workshop (ab

8bis 12 J.). Anm. erf.

Märkisches Museum (✆ 308 66 -0)

10.00: Vielfalt-Forscher des Labyrinth Kindermuseums

Berlin, Wasist Vielfalt? Wo ist Vielfalt?

Planetarium am Insulaner (✆ 790 09 30)

10.30: Lars –der kleine Eisbär

Vortrag

Ein

Scheiterhaufen

in Berlin

Im Juni 1510 wurden aufgrund

falscher Aussagen

mehr als 100 Angehörige jüdischer

Familien in der Mark

festgesetzt und nach peinlichen

Verhören ein aufwendig

inszenierter Schauprozess gegen

41 von ihnen eröffnet:

Hostienschändung lautete die

Anklage. Das Urteil wurde am

19. Juli 1510 auf dem Neuen

Marktvor der Berliner Marienkirche

verkündet. 38 unschuldige

Juden wurden am selben

Tagauf einem Scheiterhaufen

verbrannt. Ein Gedenkstein in

der Mollstraße 11 erinnert

heute an die Opfer. Über diesen

sogenannten Hostienschändungsprozess,

der die

Vertreibung sämtlicher Juden

aus der Mark Brandenburg

einleitete, spricht am

Donnerstag der Berliner Historiker

Felix Escher. ImAnschluss

an den Vortrag gibt

es Gelegenheit zum Gespräch.

Susanne Lenz

DerBerliner Hostienschändungsprozess

19 Uhr,Kapelle der St.Marienkirche,

Karl-Liebknecht-Str. 8. Der Eintritt ist frei

Peter Lohmeyer gibt beim Salzburger „Jedermann“ in diesem Jahr den Tod.

Es ist noch immer Sommer.

Heute beginnt die fünfte

vonsechseinhalb Sommerferienwochen.

Die größeren

Theater haben weiter Spielpause,

und das schon deswegen,

weil die Ensemblemitglieder Zeit für

die Salzburger Festspiele und andere

Abendspäße an landschaftlich schönen

Orten brauchen. Helmut Mooshammer

vom Deutschen Theater

beispielsweise spielt ab diesem Wochenende

beim Salzburger „Jedermann“

den Armen Nachbarn, sein

Ensemblekollege Christoph Franken

den Mammon.

Auch andere Berliner Bekannte

sind dort zusehen: Falk Rockstroh,

erst am Deutschen Theater,dann an

der Schaubühne, inzwischen am

Wiener Burgtheater, gibt den Glauben

(ja: gibt, das sagt man so in diesen

Kreisen), Valery Tscheplanowa

(früher am Deutschen Theater und

zuletzt in Castorfs „Faust“-Inszenierung

zu sehen, wo sie sogar mit verletztem

Knie nicht zu stoppen war)

spielt die Buhlschaft und Edith Clever

sogar Jedermanns Mutter, denken

Sie nur! Ob Jedermann wirklich

jedermann ist, also Sie und ich und

die anderen, können Sie gleich entscheiden.

Hugo von Hofmannsthal,

der Autor, mag sich das wohl so gedacht

haben, als er das Stück, das

formal an die christlichen Mysterienspiele

anknüpft, zwischen 1903

und 1911 schrieb und es dann Max

Reinhardt gab, der es –gastweise –

im Zirkus Schumann zur Uraufführung

brachte, jenem Zirkus, den er

1918 dann übernahm und zum Großen

Schauspielhaus umbauen ließ,

das Ganze übrigens genau dort, wo

heute der Friedrichstadt-Palast

steht. Bald darauf, 1920, gründeten

Hofmannsthal und Reinhardt die

Salzburger Festspiele, und seit damals,

im nächsten Jahr also zum

hundertsten Mal, wirddas Spiel vom

Jedermann alljährlich dort gegeben.

Bei gutem Wetter vor dem Dom, bei

schlechtem im Festspielhaus.

Jedermann (in Salzburg übrigens

zum dritten Mal von Tobias Moretti

gespielt) ist ein reicher Mann, der

eine Geliebte hat (Buhlschaft), der er

einen Garten kaufen will. Als er sich

gerade mit einem Geldsack auf den

Wegmachen will, kommt –eigentlich

ist es ja eine umgedrehte Sterntaler-Geschichte

–der Arme Nach-

PetraKohse

wird vomSpielzeitheft der Schaubühne

an das Bilderbuch„ Im Traum kann ich

fliegen“ (von Eveline Hasler und Käthi

Bhend) erinnert. Darin ahnt die Raupe

Ria nächtens bereits, was sie einmal

werden wird. Niemand glaubt ihr,aber

wir wissen: Sageniemals nie.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51)Yesterday15.00,

17.30,20.15

Cinema Paris (✆ 881 31 19)Made in China 15.15,

17.30; Preview: Gelobt sei Gott (m. Gästen) 20.00

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26)Yesterday15.00,

17.45,20.30

DelphiLUX (✆ 322 93 10 40) AllMyLoving14.15;

Apocalypse Now –Final Cut (OmU) 16.50, 20.40;

Der König der Löwen (OF) 15.00,17.45, 20.30; Ein

Becken voller Männer 14.00; Unsere große kleine

Farm 16.30; Rocketman (OmU) 18.40; The Dead

Don‘t Die (OmU) 21.15; Made in China (OmU)

13.45, 18.10; Geheimnis eines Lebens (OmU)

15.45; Burning 20.15; Tel Aviv On Fire 15.20,

17.40;Made in China20.30; Yesterday(OF)15.30,

18.15, 21.00; They Shall Not Grow Old (OmU)

14.00,19.00; Kursk (OmU) 16.20; Messer imHerz

(OmU) 21.15

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Ausgeflogen 17.00,

20.30; Unsere große kleine Farm (OmU) 18.45;

Kursk 17.30; Traumfabrik 20.00

Kant Kino (✆ 3199866) 3D:Der König der Löwen

15.00, 17.45, 20.45; Pets II 14.30, 16.00; Geheimnis

eines Lebens 18.00, 20.30; Kroos 18.30;

Jussi Adler-Olsen: Verachtung 21.00; Rocketman

16.00, 20.30; Rebellinnen 16.30, 18.30; Der Klavierspieler

vom Gare du Nord 15.40, 20.00; Nur

eine Frau 18.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D: Der König

der Löwen 11.45, 14.30, 17.15, 20.00; 3D: Spider-Man

22.50; DerKönig der Löwen12.15, 15.00,

17.45; 3D: Spider-Man 20.40; Spider-Man 11.45,

14.30; Der König der Löwen (OF) 17.30; Der König

der Löwen 20.30; Anna 23.15; Pets II 12.00,

14.30; 3D: Spider-Man 16.50; Traumfabrik 19.45;

3D: Der König der Löwen 22.45; Apollo 11 (OmU)

12.30; Aladdin 14.40; 3D: Pets II 17.40; 3D:

Aladdin 19.50; Annabelle III 22.50; Kroos 12.00,

14.50; Anna 17.30, 20.15; John Wick III 23.00;

Pets II 11.10, 18.30; Rocketman 13.10; Traumfabrik

15.40; Annabelle III 20.40; Aladdin 23.10

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Tolkien(OmU)

11.00;Fuck Fame –Die Geschichte vonElektropop-

Ikone Uffie (OmU)13.00; MisterLink 14.30; Kleiner

Aladin und der Zauberteppich 16.00; Electric Girl

17.30; Free Solo (OmU) 19.00;The Dead Don‘t Die

(OmU) 20.45; Border 22.30; Another Day ofLife

(OmU) 11.00; Under the Tree –Undir trenu (OmU)

12.45; Streik –En guerre (OmU) 14.15; Edie –Für

Träume ist esnie zu spät (OmU) 16.15;

Eine moralische Entscheidung 18.00; Unsere große

kleine Farm (OmU) 19.45; Rocketman (OmU)

21.15; Nur eine Frau 23.15; Macht das alles einen

Sinn? –Und wenn ja –warum dauert essolange?

11.00; Sunset –Napszallta (OmU) 12.45; Dave

Made aMaze (OmU) 15.00; Pokemon MeisterdetektivPikachu

16.30; VanGogh: An derSchwelle zur

Ewigkeit –AtEternity‘s Gate (OmU) 18.15; Spider-

Man(OmU) 20.15;Burning –Beoning(OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Mirai: Das

Mädchen aus der Zukunft –Mirai no Mirai (OmU)

16.00; Zwischen den Zeilen –Doubles vies (OmU)

18.00; The Dead Don‘t Die (OmU) 20.00; Burning

–Beoning (OmU) 22.00;Push –Für dasGrundrecht

auf Wohnen (OmU) 16.00; Campus Galli –Das Mittelalter-Experiment

17.45; Free Solo (OmU) 19.30;

TheArtist &The Pervert (OmU) 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Traumfabrik 13.45;

Spider-Man 13.45, 16.50, 19.40; Men inBlack:

13.45;Yesterday 14.00,16.45, 19.45, 22.40; Pets

II 14.00, 17.45; DerKönig derLöwen 14.00, 14.30,

16.15,19.10, 22.00; Made in China 14.10, 17.15,

20.30; Godzilla 2–King ofthe Monsters 14.10;

Der König der Löwen (OF) 14.15; Aladdin 14.20,

16.30; Rocketman 14.30; 3D:PetsII14.45,17.00,

19.20; 3D: Der König der Löwen 15.00, 17.00,

20.00,23.00;3D: DerKönig derLöwen (OF) 16.30,

19.30; Kroos 16.45, 21.50; 3D: Spider-Man (OF)

17.10; Drei Schritte zu Dir 17.15; X-Men: Dark

Phoenix 17.30; IMAX 3D: Der König der Löwen

17.30, 20.20, 23.10; John Wick III 19.30, 22.30;

Annabelle III 19.45,22.20; 3D: Spider-Man 20.00,

23.00; 3D: They Shall Not Grow Old (OmU) 20.10;

Anna 20.10, 23.00; Child‘s Play 20.15, 22.40;

Jussi Adler-Olsen: Verachtung 22.30; Long Shot –

Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich 22.40; 3D:

Men inBlack: 22.45; Kursk 22.50

Zukunft (✆ 01 76/57861079) #Female Pleasure

(OmU) 18.00; Tel Aviv On Fire (OmU) 20.00; Der

Goldene Handschuh 22.00; Lord of the Toys 18.00;

Messer im Herz (OmU) 20.00; Berlin Bouncer

(OmU) 22.00

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Spider-Man

11.00,14.00, 17.00; Pets II 11.10, 13.40, 16.40,

19.50; TKKG 11.15; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

11.20; Der König der Löwen 11.20, 14.00,

16.50, 19.45; Kleiner Aladin und der Zauberteppich11.40;

3D: DerKönig derLöwen 11.50, 14.30,

17.20, 20.15; Aladdin 13.45, 16.50; Traumfabrik

14.00;3D: Pets II 14.20,17.10;Drei Schritte zu Dir

17.00; 3D: Spider-Man 19.30;Anna 20.00; Child‘s

Play 20.10;Annabelle III 20.10

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Kaviar 9.00, 14.50;

Aladdin 12.40; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

16.25; Long Shot –Unwahrscheinlich, aber nicht

unmöglich 17.55; Ein Becken voller Männer 20.10

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 10.00, 12.10; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 11.50; Pets II

10.00, 12.40, 15.00, 17.30, 19.40; Kleiner Aladin

und der Zauberteppich 10.00, 12.20, 14.30;

Aladdin 10.00,11.50,14.20; Der König der Löwen

11.50, 14.45, 16.30, 18.15, 19.30; 3D: Pets II

12.00, 17.10; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist

zurück 12.15; 3D: Der König der Löwen 12.30,

14.15, 15.20, 17.15, 20.15; 3D: Spider-Man

14.15,17.20;DreiSchritte zu Dir14.20; Bailey:Ein

Hund kehrt zurück 14.40; Anna 16.50, 20.00; Spider-Man

17.00, 19.45; Child‘s Play 17.10, 19.30;

John Wick III 20.10; Annabelle III 20.20

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Yesterday (OmU)

17.10,19.50,22.30; B The Dead Don‘t Die (OmU)

17.00, 19.20, 21.40

fsk amOranienplatz (✆ 614 2464) Erde (OmU)

18.00; Das melancholische Mädchen 18.00,

21.15; Dene wos guet geit (OmU) 19.45; Nuestro

tiempo –OurTime (OmU) 20.15

Moviemento (✆ 692 47 85) Pets II 10.30, 12.30,

14.30,16.30, 18.30; TelAvivOnFire (OmU) 20.30;

Made in China (OmU) 13.30, 17.30, 21.30; Made

in China 15.30,19.30; DieWinzlinge: Abenteuer in

der Karibik 10.15; Alfons Zitterbacke –Das Chaos

ist zurück 12.30; Checker Tobi und das Geheimnis

unseres Planeten 14.45; TKKG – Jede Legende

hat ihren Anfang 16.45; Unsere große kleine Farm

(OmU) 19.00; Border –Gräns (OmU) 21.15

Sputnik (✆ 694 1147) Unsere große kleine Farm

(OmU) 17.45; Geheimnis eines Lebens (OmU)

19.30; Roads (OF) 21.30; Die Mission der Lifeline

(OmenglU) 17.45; Kaviar (OmU) 19.15; MyDays

of Mercy (OmU) 21.15; Kinobar im Sputnik Happy

Lamento (OmU) 21.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Pets II 15.00; Yesterday

17.45, 20.30; New TelAviv On Fire 15.30, 19.00;

Made in China 17.00, 21.15

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 10.00; Rocca verändert

die Welt 10.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

10.00; Pets II10.00,12.00,14.00,16.00,18.00;

Kleiner Aladin und der Zauberteppich 10.00, 12.00;

Der König der Löwen 12.15, 14.15, 17.00, 19.45;

Drei Schritte zu Dir 12.30;Alfons Zitterbacke –Das

Chaos ist zurück 12.30; Yesterday 14.45, 17.15,

20.00; Spider-Man 14.45, 17.30; 3D: Der König

der Löwen 15.00, 17.45, 20.30; 3D: Spider-Man

20.15; Anna 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Traumfabrik

13.00, 20.00; Made in China 13.00, 18.00; Drei

Schritte zuDir 13.15; Unsere große kleine Farm

15.45; Pets II 15.45, 18.00; The Dead Don‘t Die

20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Bailey:

Ein Hund kehrtzurück 10.00;PokemonMeisterdetektiv

Pikachu 11.30; 3D: Der König der Löwen

11.30,14.30,15.00,17.00,17.30,20.00,20.30;

TKKG –JedeLegende hat ihrenAnfang 11.45; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 11.45; Pets II 12.00,

14.15,18.00; KleinerAladin und der Zauberteppich

12.00; Der König der Löwen 12.00, 14.00, 16.30,

19.30; Aladdin 13.50, 16.45, 19.50; Spider-Man

14.00, 17.00; Men in Black: 14.00; Drei Schritte

zu Dir 14.15, 17.00; Traumfabrik 16.45; 3D: Pets

II 19.45; Anna 20.00; 3D: Spider-Man 20.10; Annabelle

III 20.15

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Urfin: Der Zauberer von

Oz 17.00; All My Loving (OmenglU) 18.45; Kaviar

21.00; Mamacita (OmU) 18.00; Ausgeflogen –Mon

bebe (OmU) 19.30; Fuck Fame –Die Geschichte

von Elektropop-Ikone Uffie (OmenglU) 21.15

Babylon (✆ 242 59 69) IndoGerman Filmweek:

Mere Pyare Prime Minister (OmenglU) 17.15; IndoGerman

Filmweek: Kia and Cosmos (OmenglU)

17.30; Back to Maracana (OmenglU) 17.30; Indo-

German Filmweek: Kabir Singh (OmenglU) 19.15;

IndoGerman Filmweek: Premiere: Namdev Bhau –

In Search of Silence (OmenglU; m. Gästen) 19.30;

Indonesia on Screen: Siti (OmenglU; m. Gespräch)

20.00; IndoGerman Filmweek: Premiere: Hamid

(OmenglU; m. Gast u. Gespräch) 21.30; IndoGerman

Filmweek: Bharat (OmenglU) 22.00; IndoGerman

Filmweek: Abyakto (OmenglU) 22.30

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Yesterday

(OmU) 11.00, 13.30, 16.00, 18.30, 21.00;

Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 13.45;

Made in China (OmU) 15.45, 17.30, 19.30; Rocketman

(OmU) 21.30

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Pets

II 11.00, 13.15, 15.30; Kleiner Aladin und der

Zauberteppich 11.00; Der König der Löwen 11.00,

13.10, 16.10, 19.10, 22.20; Traumfabrik 11.10;

Spider-Man 11.30, 14.30; Rocketman 11.45; Pets

II 12.00, 14.20, 17.15, 19.40; 3D: Der König der

Löwen 12.00, 14.00, 15.00, 17.00, 18.00, 20.00,

23.10; TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang

12.15; Aladdin 14.00; Yesterday 14.30, 17.30,

20.30; Kroos 14.50; 3D: Spider-Man 16.40,

19.45, 22.50; 3D: Aladdin 17.00; Drei Schritte zu

Dir 17.30; Annabelle III 17.50,20.20, 23.00;Anna

20.00,23.00; Child‘s Play 20.15, 22.45; 3D:Avengers:

Endgame 21.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix

22.00; John Wick III 23.15

HackescheHöfe (✆ 2834603) InnadeYard –The

Soul of Jamaica (OmU) 15.00; Unsere große kleine

Farm (OmU) 17.15; Das melancholische Mädchen

(OmenglU) 19.15; Inventing Tomorrow (OmenglU)

21.15; Berlin Babylon (Omdt+englU) 15.00; Ausgeflogen

–Mon bebe (OmU) 17.00, 19.00; Nuestro

tiempo –Our Time (OmU) 21.00; Nonna Mia! –Metti

la nonna in freezer (OmU) 15.00;Tel Aviv OnFire

(OmU) 17.15, 19.30; Das melancholische Mädchen

(OmenglU) 21.45; The Dead Don‘t Die (OmU)

14.45,19.30; Ein Becken voller Männer –Legrand

bain (OmU) 17.00, 21.45; Burning (OmU) 14.00,

21.00;Rebellinnen –Rebelles (OmU) 17.00, 19.00

International (✆ 24 75 60 11) Yesterday (OmU)

16.20,19.00, 21.40

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Ein Lied, ein Kuss,

ein Mädel 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Willkommen imWunder Park 12.00; Spider-Man

12.00, 14.00, 17.00, 20.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 12.00, 14.40; Pets II 12.00, 14.10,

16.40,19.00;Kleiner Aladinund der Zauberteppich

12.00, 14.45; Der König der Löwen (OF) 12.00,

17.10, 20.15; Der König der Löwen 12.00, 13.00,

14.50, 16.00, 19.30, 22.30; Aladdin 12.00,

14.15, 16.50; 3D: Der König der Löwen 14.00,

17.00, 20.00, 22.55; TKKG –Jede Legende hat ihren

Anfang 14.55; Anna 17.10, 20.00, 22.50; Drei

Schritte zu Dir 17.20; Annabelle III 17.45, 19.45,

23.05; Spider-Man (OF) 20.00; Hollywoodtürke

20.20; Child‘s Play 20.50, 23.00; John Wick III

22.30; Anna –Anna (OF) 22.55; Child‘s Play (OF)

23.05

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Tel Aviv On Fire (OmU)

12.20, 22.30; Aladdin (OmU) 14.10; Apollo 11

(OmU) 16.30; Erde (OmU) 18.10; Kursk (OmU)

20.20

Neues Off (✆ 62 70 95 50) The Dead Don‘t Die

(OF) 18.00; Apocalypse Now –Final Cut (OmU)

20.30

Passage (✆ 68 23 70 18)Yesterday (OmU) 18.00,

20.40; The Dead Don‘t Die (OmU) 18.15, 20.45;

Nur eine Frau 19.00; Rocketman – Rocketman

(OmU) 21.15

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Der König der Löwen

(OF) 16.00, 17.30, 20.15, 21.40; Spider-Man

(OF) 17.40,20.30; They Shall Not Grow Old (OmU)

18.45; Burning –Beoning (OmenglU) 21.00; Burning–Beoning(OmU)

17.00; Yesterday(OF) 20.00;

Kursk (OmU) 17.00; TelAviv OnFire (OmU) 19.30,

22.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.35; Der König

der Löwen 11.40, 14.30, 17.30, 20.15; Kleiner

Aladin und der Zauberteppich 11.55; 3D: Der König

der Löwen11.55, 14.00, 14.45, 17.00, 20.00; Pets

II 12.00, 14.20, 17.40; Spider-Man 13.45; 3D:

Spider-Man 16.40, 19.40;Yesterday 17.15, 20.10;

3D: Men in Black: 19.50; Annabelle III 20.30

Wolf (✆ 921 039333) Mo &Friese unterwegs

16.00; OBeautiful Night (OmenglU) 16.00; Pippi

Langstrumpf 17.00; Erde (OmU) 18.40; Messer im

Herz (OmU) 19.00; Das melancholische Mädchen

(OmenglU) 21.00; Dene wos guet geit 21.10

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) 3D: Der

König der Löwen 15.00, 17.45, 20.30; Pets II

14.00,16.00; Yesterday 18.00, 20.40

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Der König

der Löwen 14.40, 16.00, 17.20, 20.00; Made in

China 15.45, 18.40; Apocalypse Now –Final Cut

(OmU) 20.45; Rocketman (OmU) 17.45; Burning

20.20; Geheimnis eines Lebens (OmU) 16.40;

TelAviv OnFire 19.00; The Dead Don‘t Die (OmU)

21.10; Pets II 14.45, 15.45; Yesterday 17.45,

20.30

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Traumfabrik 13.45; Spider-Man 13.45, 17.00,

19.30, 22.30; Der König der Löwen 13.45, 16.45,

19.45, 22.45; Made in China 14.00, 19.30; Der

König der Löwen (OmU) 14.00, 17.00, 20.00,

22.30;Yesterday 14.20, 16.45, 20.00; Unsere große

kleine Farm (OmU) 14.30; Pets II 14.45, 17.15;

Kursk 16.15; Geheimnis eines Lebens 16.30; Rocketman

(OmU) 16.45; Ein Becken voller Männer

19.00; Ausgeflogen 19.00; Aladdin (OmU) 19.30;

Avengers: Endgame (OmU) 21.15; The Dead Don‘t

Die (OmU) 21.45; Burning –Beoning (OmU) 21.50;

Yesterday (OmU) 22.45; Rebellinnen – Rebelles

(OmU) 23.00


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Eigentlich

eine umgedrehte

Sterntalergeschichte

Wenn in Berlin das Theater ruht, liegt das daran, dass es anderswo boomt.

In Salzburg etwa kann man im „Jedermann“ viele Bekannte treffen

THEATER

Salzburger Festspiele:

www.salzburgerfestspiele.at

Hugovon Hofmannsthals „Jedermann“:

ab 20. 7. bei den Salzburger

Festspielen und zum Nachlesen:

https://gutenberg.spiegel.de/buch/

jedermann-1012/1

Spielzeitheft der Schaubühne:

www.schaubuehne.de

MMV

bar (Mooshammer!) auf ihn zu, bittet

ihn sehr herzlich um eine Gabe, erhält

aber nur einen einzigen Schilling.

Auch ein anderer Mann, einer,

der Jedermann Geld schuldet und

den dieser deswegen in den Schuldturm

werfen lassen will, quert, geführt

von Bütteln und gefolgt von

seiner verzweifelten Ehefrau und

zerlumpten Kindern, Jedermanns

Wegund fleht um Erlass,doch dieser

tut so,als gehe ihn das nichts an.

Danach, als seine Laune sowieso

schon verdorben ist, tritt auch noch

Jedermanns Mutter (Edith Clever)

auf und macht ihm Vorwürfe: Weil er

nie vorbeikommt und noch nicht

verheiratetist, obwohl sie bereits mit

einem Bein im Grab stehe.Und jetzt

kommt es, wie es kommen muss:

Nachdem Jedermann von allem unbeeindruckt

mit seiner Buhlschaft

auf ein Fest geht, erlebt er eine Art

Herzattacke und der Toderscheint

ihm. Jedermann bittet, sich wenigstens

noch einen Begleiter für den

Gang vors Gottesgericht suchen zu

dürfen, findet dann aber niemanden,

der das auf sich nehmen würde

–niemanden als die ausgemergelte

Allegorie seiner guten Taten und deren

Schwester, den Glauben. In letzter

Minute lehren beide, Jedermann

um Gnadezubitten und siehe da, sie

wird gewährt. Nicht in dem Sinne

dass er zurück ans Büfett dürfte,sondern

dass erjetzt mit ruhigem Gewissen

vorGottes Thron treten kann.

Bis zum 28. August ist die Inszenierung

von Michael Sturminger zu

sehen. Außerdem steht bei den Salzburger

Festspielen im Schauspielbereich

unter anderem noch Ödön von

Horváths „Jugend ohne Gott“ auf

dem Programm, inszeniertvon Thomas

Ostermeier und auch als Koproduktion

mit der Berliner Schaubühne.Die

hatübrigens die alljährlichequälende

Theaterfrage,wie man

wohl im nächsten Spielzeitheft sein

Ensemble zum x-ten Malganz frisch

präsentiert(In derKantine? im Treppenhaus?

In der Fußgängerzone?

Vonhinten? In derWG-Küche?) diesmal

sehr charmant beantwortet:

schwebend. Inspiriert vermutlich

vom Geiste Herbert Fritschs sieht

man die Darsteller in Bühnenbildern

gewissermaßen durch die Luft

schwimmenund tauchen, was sommerlich

wirkt, aber auch einen Ewigkeitszug

hat.

Diskussion

Im Chor

und an der

Orgel

Das kann unterhaltsam

werden. Denn auf den

ersten Blick ist nicht zu erkennen,

was die mit allen postfeministischen

Wassern gewaschene

Autorin und Radioeins-Kolumnistin

Jenny Zylka

und der Dirigent Vinzenz

Weissenburger gemeinsam

haben. Weissenburger ist ein

erfahrener Chorleiter, und

Jenny Zylka spielt seit 1986 die

Orgel bei der Psychobilly-

Band Sunny Domestozs und

war zuvor Mitglied bei Skaville

Disease. Aber vielleicht reden

sie auch gar nicht über Musik,

denn Jenny Zylka, die aus der

bewährten taz-Schule kommt,

hat sich als freie und freche

Stimme etabliert, die sich das

Recht herausnimmt, zu vielem

eine Ansicht und zu manchem

eine Meinung zu haben. Das

ganze soll sich in sommerlicher

Atmosphäre unter den

Kolonnaden auf der Museumsinsel

zutragen. HarryNutt

JennyZylka und Vinzenz Weissenburger

19 Uhr, Kolonnaden-Bar aufder

Museumsinsel

Theater an derMuseumsinsel (✆ 47 01 89 49)

16.00: Puppenspiel des Dr.Faustus, Ein Faust für

Kinder

LITERATUR/VORTRAG

Eschenbräu (Triftstr.67)

20.30 Whisky Tastingroom: Brauseboys –Die Lesehow

im Wedding,Thilo Bock, Nils Heinrich, Frank Sorge,

RobertRescue,Volker Surmann, HeikoWerning und

Gäste

Freilichtbühne am Weißen See (✆ 24 72 78 01)

20.00 Kl. Bühne: Besprechung,AnneWundrak, 8

Gedichte und eine Geschichte

Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt

(✆ 81 70 47 26) 16.30: Teestunde Salon K.: „... Und

immer und immer vonItalien sprechen ...“, Blanche

Kommerell und Studenten der Universität Witten /

Herdecke, Lesung mit Musik.

FÜHRUNG

C/O Berlin (✆ 284 44 16 62)

19.00, 19.30: After-Work Führung &Drink: Elfie

Semotan /Food forthe Eyes

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

11.00, 12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí –

Die Ausstellung am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

10.00: Demokratie-Labor,Führungen für Schulklassen

und Gruppen. Anm. erf.

16.00: Weimar:Vom Wesen und Wert der Demokratie.

Führung in Einfacher Sprache, Treff: Ausstellungshalle

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

18.00: Kunstzum Feierabend: Hans Multscher,Treff:

Information

Hamburger Bahnhof/Museum für Gegenwart

Berlin (✆ 39 78 34 11) 12.00, 16.00: Wasist

Kunst?, Treff: Foyer

Jüdisches Museum (✆ 25 99 33 00)

18.00: Architektur für alle Sinne: Das Libeskind-

Gebäude, Treff: Meeting-Point im Altbau

me Collectors Room Berlin (Auguststr.68)

12.00: Forschen, Entdecken, Verstehen –Die Wunderkammer

Olbricht, Treff: Counter im me Collectors

Room Berlin

Musikinstrumenten-Museum (✆ 25 48 11 78)

18.00: Synthesizer und Schalmeien

Olympiastadion (✆ 30 68 86 18)

11.00, 13.00, 15.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30, 13.30, 15.30: Tour durchs Olympiastadion

(in English)

Zitadelle Spandau (✆ 35 49 44 29 7/)

18.00 Zentrum für Aktuelle Kunst: Führung durchs

ZAK –Zentrum für aktuelle Kunst, Ralf F. Hartmann

KONZERT

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: Lobitos

ART Stalker (✆ 22 05 29)

20.00: The Halo Trees, special guest: Cosma Nova,

Record Release Konzert

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Dustin DrewsQuartett

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str. 70)

20.00: SonReal

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

23.00: Charly Black (Reggae, Dancehall)

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

20.00: WIKI, Perez

Duncker (✆ 445 95 09)

21.00: RawByPeppers, Heavy Heavy,Gnadenlos

Kostenlos

Junction Bar (✆ 694 66 02)

21.00: No Room Left, JohnnyRandale, We Outspoken

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (✆ 218 50 23)

21.00: IkeSturm(Bass), Loren Stillmann (Saxophon),

InSpirit –Jazz als spirituelles Musikerlebnis:

Friends Connect

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Jazz:Tal Arditi (g), Matt Adomeit (b),

Jordan Dinsdale (dr)

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Larkin

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Mooon+Blow-Ups, Pleasure Seekers Club

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

22.00: D.I. +Frida

Yaam (✆ 615 13 54)

19.00: Emicida with Band &Black Alien

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.00: Lorenz Kellhuber Trio feat. Wanja Slavin (sax)

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

20.00: Thomas Rische

CLUB

Ava (Warschauer Pl. 18)

23.00: Die Jungen Wilden, Tobi Rost und die Jungen

Wilden

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

23.00: AIM: DJ sets &livebeats without borders

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

22.00: Säule, BabyBlue, Gabber Eleganza, Juliana

Huxtable, Sentimental Rave

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: D.a.m.n. Berlin, Kai Kani

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: ATaste of Space, Madjazzt, Jarle Brathen

Duncker (✆ 445 95 09)

23.00: AftershowParty,Eggs Delicious

Festsaal Kreuzberg (✆ 551 50 65 87)

17.00: RioJazz Club

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

23.00: DJ Krush, Marc Hype, Delfonic

House of Weekend (Alexanderstr.7)

23.00: 9Ties, OGB &Friends

Junction Bar (✆ 694 66 02)

23.30: DJane B.B.

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

22.00: EverybodyDance Now!, Funky Henning

Matrix (✆ 293 69 9- 90)

22.00: United Campus, Soel, Leafar

Maze (✆ 55 51 84 54)

20.00: Jhonny’sBirthday, JhonnylaSuite, CarlFons,

John Fernando, Funk Faz, Retrozentral

Mokum (Danziger Str.56)

22.30: DJ D. Dynamite

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 21.00: Sing on Stagewith

Supernoa

SageClub (✆ 278 98 30)

21.00: Rock at Stage: Heartbound /Elephant’sFoot

(live), The Shredder,Sylvia &Steffen, Bruno, John

Crow

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Suicide Circus (Revaler Str.99)

23.00: Chantals House of Shame, KayLong,Oshree,

Bürger Pe,M-Attack, Fixie Fate

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59 Globus: Tresor meets Hellium, MaayanNidam,

Exos, Jamaica Suk

WaterGate (✆ 61 28 03 94)

23.55: Thursdate: La Maison, Momo Trosman b2b

John Dimas, Katie Drover+tba

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Cha Cha, Walzer &Co, Evan, Josefina, Sascha

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

21.30: Red Rhythm –Swing Dance Night

Kulturbrauerei/Soda (✆ 44 31 51 55)

19.00: Soda Social Club,Mambo One, DJ EddyNice,

DJ Andrew, DJ Ando, DJ Francesco Cieschi

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Salsa, Flori, Wilber und Naudy

KINO

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Kino Wien Film (teilw.

OmU) 18.00;Wienretour 19.45;Erde (OmU) 21.30

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Das melancholische

Mädchen (OmenglU) 18.00; High Life (OmU)

19.30

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Der

König der Löwen 14.15,17.25, 20.10; Spider-Man

14.20; Drei Schritte zu Dir 14.20, 17.05; Aladdin

14.20,17.15; Traumfabrik 14.25;Yesterday 14.30,

17.10, 20.00; 3D: Der König der Löwen 14.30,

17.00, 20.00, 23.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.35; Pets II 15.00, 19.45; Made in China

15.00, 17.15, 19.40; Ein Becken voller Männer

17.05; 3D: Spider-Man 17.10, 20.05, 22.45; Rocketman

17.15; 3D: Pets II 17.15; Men in Black:

19.45; Anna 19.50, 22.40; Child‘s Play 20.05,

23.00; Annabelle III 20.05, 22.45; X-Men: Dark

Phoenix 22.30; Long Shot –Unwahrscheinlich, aber

nicht unmöglich 22.30; John Wick III 22.35; Kursk

22.50

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 0200) 3D: Der König

der Löwen 11.00, 14.00, 14.45, 17.00, 17.45,

20.00,23.00; Pets II 11.10, 14.40, 17.00, 20.15;

Traumfabrik11.20;3D: Pets II 11.30, 15.15, 17.50;

Der König der Löwen 11.45, 13.30, 16.30, 19.30;

Bailey: Ein Hund kehrt zurück 12.10; TKKG –Jede

Legende hat ihrenAnfang 12.20; Kleiner Aladin und

der Zauberteppich 12.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 12.40; Spider-Man 13.50; Aladdin 14.20,

17.20;Yesterday 14.45, 17.30, 19.30; Rocketman

14.50; 3D: Spider-Man 16.45, 19.45, 22.50; Drei

Schritte zu Dir 17.30; Anna 20.10, 22.30; Made in

China 20.20; Annabelle III 20.30, 22.45; Child‘s

Play 20.45, 23.15; 3D: Avengers: Endgame 22.15;

John Wick III 22.30; 3D: Men in Black: 23.10; Long

Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

23.15

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 3004)

Made in China 16.00, 18.15, 20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) VanGogh:Ander Schwelle

zur Ewigkeit 18.00; Rocketman 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Yesterday (OmU) 17.45,

20.30

Xenon (✆ 78 00 15 30) Messer imHerz (OmU)

18.00; MyDays ofMercy (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Spider-

Man 10.00, 14.10, 16.40; Pets II10.00, 12.15,

14.30, 17.50; Kleiner Aladin und der Zauberteppich

10.00, 12.10; Der König der Löwen 10.00,

13.00, 15.00, 16.00, 19.30, 22.30; 3D: Der König

der Löwen 11.00, 14.00, 17.00, 20.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 12.45; Drei Schritte zu

Dir 17.20, 20.15; 3D: Spider-Man 19.45, 22.45;

Annabelle III 20.10, 23.00; John Wick III 22.45;

Long Shot –Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

22.55

Kino imKulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Edie

–Für Träume ist es nie zu spät 16.00; Rocketman

18.00; Der Klavierspieler vom Gare du Nord 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Yesterday 14.30,

17.15, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

Spider-Man 10.00, 12.10, 14.00, 17.05; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 14.50; Pets II

10.00, 12.00, 14.15, 16.40, 17.35, 19.00; Kleiner

Aladin und der Zauberteppich 10.00, 12.40;

Der König der Löwen 10.00, 13.00, 14.45, 16.00,

19.30, 22.30; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 10.00;

3D: Der König der Löwen 11.00, 14.00, 17.00,

20.00, 23.00; TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang

12.00; Aladdin 12.10, 14.45, 17.10, 20.00;

Anna 17.40, 20.00, 22.55; 3D: Spider-Man 20.05;

Annabelle III 20.30, 23.00; Child‘s Play 20.55,

23.05; John Wick III22.55;Spider-Man (OF)23.00

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 10.00; Pets II 10.00;

Kleiner Aladin und der Zauberteppich 10.00; Aladdin

10.00; Spider-Man 12.00; 3D: Pets II 12.00;

Der König der Löwen 12.00, 15.00, 17.45, 20.30;

3D: Der König der Löwen 13.00, 15.30, 18.00,

20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) La flor (OmenglU) (Akt

II) 20.00; Magical History Tour: Die rote Wüste –Il

deserto rosso (OmenglU) 21.15; Magical History

Tour: Der Mann ohne Vergangenheit –Mies vailla

menneisyyttä (OmU) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Spider-Man 12.30, 13.50, 16.10, 20.30, 22.40;

3D: Pets II 12.30, 15.00, 17.30, 20.15, 22.50;

Pets II 12.30, 13.40, 16.20; Der König der Löwen

12.30, 14.00, 16.00, 19.00, 22.15; 3D: Der König

der Löwen 12.50, 15.00, 17.00, 18.00, 20.00,

21.15, 23.00;

Aladdin 12.50, 13.50, 16.00, 19.20, 22.30; TKKG

13.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 13.10,

16.50; Godzilla 213.30; Der Junge muss andie

frische Luft 13.30; After Passion 13.30; Yesterday

13.40, 17.10, 20.15, 22.30; Kleiner Aladinund der

Zauberteppich 13.40; Drei Schritte zu Dir 13.40,

16.45, 19.20; Geheimnis eines Lebens 13.45;

3D: Spider-Man 15.50, 17.10, 19.15, 22.40; Ein

Becken voller Männer 16.10; Anna 16.10, 19.30,

22.40; Avengers: Endgame 16.15, 20.30; Tolkien

16.20; Glam Girls 16.20; Kroos 16.30, 19.45;

Child‘s Play 16.45, 19.40, 22.40; Made inChina

19.00; Der Fall Collini 19.15; Traumfabrik 19.30;

John Wick III 19.30, 22.00; Annabelle III 19.30,

22.30; Rocketman 19.45; X-Men 22.25; Men in

Black: 22.40; Kursk 22.50; Brightburn 22.50

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 0200)

Der König der Löwen (OF) 13.00, 16.00, 19.00,

23.00; Men in Black: (OF) 13.30; Aladdin (OF)

13.30, 16.20; Pets II –The Secret Life of Pets 2

(OF) 13.50; 3D: Der König der Löwen (OF) 14.00,

14.40, 17.00, 17.40, 20.00, 22.00; Spider-Man

(OF) 14.10; Yesterday (OF) 15.00, 17.15, 20.20;

3D: Spider-Man (OF) 16.20, 20.10, 23.00; 3D: X-

Men: Dark Phoenix (OF) 16.40; 3D: Pets II –The

Secret Life of Pets 2(OF) 17.50;Anna –Anna (OF)

19.20, 23.15; Rocketman (OF) 19.40; Sneak Preview

(OF) 20.00; Annabelle III (OF) 20.35, 23.15;

Avengers: Endgame (OF) 22.15;John Wick III–John

Wick: Chapter 3–Parabellum (OF) 22.40; 3D: Men

in Black: (OF) 23.10

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Pandas

11.30; 3D: Spider-Man (OF) 12.50, 16.00, 19.15,

22.30

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Don‘t Give aFox

(OmU) 18.00; Inglourious Basterds (OF) 19.45; Diamantino

(OmU) 22.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) TKKG –Jede Legende hat

ihren Anfang 10.00; Pets II 10.00, 12.00, 14.00,

16.00; Mister Link 10.00; Kleiner Aladin und der

Zauberteppich 10.00, 12.00; Der König der Löwen

10.00, 12.30, 14.00, 16.30, 19.00, 22.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 12.00; 3D: Der König

der Löwen 12.00, 15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Spider-Man

14.15, 17.00; Drei Schritte zu Dir 14.30;

Traumfabrik 17.00; 3D: Pets II 18.00; 3D: Spider-

Man 20.00, 22.00; Child‘s Play 20.00, 22.30; Annabelle

III 20.15, 22.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Frühstückskino: Dancing

Queens 10.00; OBeautiful Night 18.30; Britt-

Marie war hier 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

3D: Der König der Löwen 11.00, 13.50, 14.50,

16.45, 17.45, 20.10, 23.00; Pets II 11.15, 14.00,

16.30, 19.30; Der König der Löwen 11.30, 14.20,

17.15, 19.40; Traumfabrik 11.40; Ostwind 4–Aris

Ankunft 11.45; Kleiner Aladin und der Zauberteppich

11.45; Bailey: Ein Hund kehrt zurück 11.50;

PokemonMeisterdetektiv Pikachu 12.00; AlfonsZitterbacke

–Das Chaos ist zurück 12.00; Spider-Man

14.00;Drei SchrittezuDir 14.15;3D: Pets II 14.30,

17.00;Aladdin 14.30;TKKG –Jede Legende hat ihren

Anfang 15.00; 3D: Spider-Man 17.00, 20.00,

22.45; Glam Girls: Hinreißend verdorben 17.00;

3D: Men in Black: 17.30; Child‘s Play 17.30,

20.30, 23.00; John Wick III 19.30; 3D: Aladdin

19.30; Annabelle III 19.45, 22.30; Anna 20.15,

23.10; 3D: Avengers: Endgame 22.00; 3D: X-Men:

Dark Phoenix 22.30; 3D: Godzilla 2–King ofthe

Monsters 22.45; Ma –Sie sieht alles 23.10

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 12.00; Spider-

Man 12.00, 14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Pets II

12.00,14.35,16.50,19.00;Kleiner Aladin und der

Zauberteppich 12.00; Der König der Löwen 12.00,

13.00, 14.20, 16.00, 19.30, 22.30; Bailey: Ein

Hund kehrt zurück 12.00; 3D: Der König der Löwen

14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Aladdin 14.20,

17.00, 20.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.40; Anna 17.10, 20.00; Der König der Löwen

(OF) 17.15, 20.15; Annabelle III 20.55, 23.10;

Anna –Anna (OF) 23.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Dene wos guet geit

(OmU) 19.00; Eine moralische Entscheidung –Bedoone

tarikh, bedoone emza (OmU) 20.30

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Der König der

Löwen 10.15, 12.45, 15.15, 17.45, 20.15; Pets

II 10.00, 12.00, 14.00, 16.00; Yesterday 18.00,

20.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Erde 15.30;

Der Klavierspieler vom Gare duNord 18.00; TelAviv

On Fire 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 13.00; Ein Becken voller

Männer 15.15; Geheimnis eines Lebens 17.45;

Ausgeflogen 20.30

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Krieg der Knöpfe (F 2012 Barratier)

16.00;Verliebt in meine Frau –Amoureux de

ma femme (OmU) 18.00; Der Klavierspieler vom

Gare du Nord –Aubout des doigts (OmU) 20.30

Capitol (✆ 831 64 17) Made in China 15.45,

20.30; Der Klavierspieler vom Gare du Nord 18.00

FREILUFTKINOS

Freilichtbühne Weißensee (✆ 24 72 78 01) Die

Alleinseglerin 21.30

Freiluftkino Friedrichshagen (✆ 65 01 31 41)

Maria Stuart,Königin von Schottland 21.15

Freiluftkino Hasenheide (✆ 283 46 03) Inventing

Tomorrow (OmenglU) 21.30

Freiluftkino Insel imCassiopeia (✆ 35 12 24 49)

Rocketman (OmU) 21.30

Freiluftkino Kreuzberg Yuli (OmU) 21.30

Freiluftkino Rehberge The Dead Don‘t Die 21.30

Open-Air-KinoSchlosspark Biesdorf (✆ 9987481)

Long Shot–Unwahrscheinlich,aber nicht unmöglich

21.20

Openair Kino Spandau (✆ 333 6081) Die Frau

des Nobelpreisträgers 21.15

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Die durch die Hölle gehen –The Deer Hunter (OmU)

21.30

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain Hölmö nuori

sydän –StupidYoung Heart (OmenglU) 21.30

Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz (✆

89 37 14 31) Der Junge muss andie frische Luft

21.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Mirai:

Das Mädchen aus der Zukunft 10.00; Ray &Liz

(OmU) 17.00; Vom Lokführer, der die Liebe suchte

19.00; Das Leben ist ein Fest –Lesens delafete

(OmU) 21.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Pets II

14.00, 17.00; Kleiner Aladin und derZauberteppich

14.30; Der König der Löwen 14.30, 17.30, 20.30;

Traumfabrik 16.00, 20.45; Ausgeflogen 16.45,

20.45; Geheimnis eines Lebens 18.30; Unsere

große kleine Farm 18.45; Made in China 19.00;

Rebellinnen 21.00

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 11.00; 3D:

Der König der Löwen 11.00, 14.00, 14.35, 17.00,

17.30, 20.00, 20.30; Bailey: Ein Hund kehrt zurück

11.00; Aladdin 11.00, 13.40, 16.45; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 11.15; Pets II 11.15,

13.45,17.20,20.15;

Der König der Löwen 11.20, 14.20, 16.40, 19.45;

Kleiner Aladin und der Zauberteppich 11.30;

Spider-Man 13.40, 16.55; Men in Black: 14.00;

Yesterday 14.15, 17.05, 20.00; Drei Schritte zu

Dir 17.00; 3D: Spider-Man 19.40; Sneak Preview

20.00; Annabelle III 20.15

Waschhaus Kino Potsdam (✆ 03 31/271 56 26)

25 km/h 21.45

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Der König

der Löwen 14.00, 17.00; 3D: Der König der Löwen

20.00

Capitol Königs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Der Klavierspieler vom Gare duNord 17.15; Ein Becken

voller Männer 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Spider-

Man 11.00, 14.00; 3D: Pets II 11.00, 13.10,

15.15; 3D: Der König der Löwen 11.00, 13.45,

15.00, 16.30, 17.45, 19.30; Rocketman 11.30;

Pets II 11.30, 14.00, 17.00, 19.30; Der König

der Löwen 11.30, 14.15, 17.00, 20.00; Kleiner

Aladin und der Zauberteppich 11.45; Bailey: Ein

Hund kehrt zurück 11.50; TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 12.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 12.00, 14.30; Aladdin 14.00; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 14.15; Men in Black: 14.30;

Traumfabrik 16.40; 3D: Spider-Man 16.45, 19.50;

3D: Men in Black: 17.00; Yesterday 17.10, 19.50;

Drei Schritte zuDir 17.15; 3D: Aladdin 17.15; 3D:

Avengers: Endgame 19.30; John Wick III 19.50;

Anna 20.00; AnnabelleIII 20.20;Child‘s Play20.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Kleiner

Aladin und der Zauberteppich 10.00; Pets II

10.00, 14.00, 16.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 10.00; 3D: Der König der Löwen 12.00,

15.00, 17.45, 20.30; Aladdin 12.00, 14.45; TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 12.00; Spider-

Man 17.30; Yesterday 18.00, 20.30; 3D: Spider-

Man 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang 11.45; Pets

II 12.00, 14.05, 16.05,18.05;Aladdin 12.10; 3D:

Der König der Löwen 12.15, 14.45, 17.30, 20.15;

Der König der Löwen 14.00, 16.45, 19.30; Spider-

Man 14.50; 3D: Spider-Man 17.25, 20.00; Annabelle

III 20.30

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Drei Schritte zuDir 19.45

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Der König

der Löwen 15.00, 17.30, 20.00; Pets II 18.00; Drei

Schritte zu Dir 20.30


26 * Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Netzwerk

UPGRADE

Altmaiers

Notizen auf der

Speisekarte

VonKati Schmidt

Bundeswirtschaftsminister Peter

Altmaier war in der vergangenen

Woche mit einer Delegation aus dem

Ministerium und deutschen Journalisten

im Silicon Valley unterwegs.Er

saß bei Zoox zum ersten Mal ineinem

selbstfahrenden Auto und hat

eine Zusammenarbeit im Bereich

Quanten-Computer zwischen Google

und dem Forschungszentrum Jülich

verkündet.

Ich hatte die Gelegenheit, ihn bei

einem Mittagessen in Palo Alto zu

treffen und ihm gemeinsam mit

sechs anderen sogenannten Evangelisten

aus dem Valley meine Impulse

für Deutschland mit auf den Wegzu

geben. Mit von der Partie war unter

anderem Sebastian Thrun, einer der

erfolgreichsten Deutschen im Silicon

Valley –unter anderem Mitgründer

von Googles Zukunftslabor X,

der Lernplattform für technische

Onlinekurse Udacity und dem Elektroflugunternehmen

Kitty Hawk.

UnsereRunde war sich schnell einig:

Der größte Unterschied zwischen

Deutschland und den USA ist

die Einstellung. Nach unserer Erfahrung

sind Amerikaner positiver und

bekommen die Kunst, sich zu verkaufen,

schon in der Schule beigebracht.

Daraus entwickelt sich ein

gesundes Selbstbewusstsein. Vorallem

im Silicon Valley gibt es einen

Gründergeist, der so ansteckend ist,

dass jeder von uns den weiten Weg

ans andere Ende der Welt gemacht

hat, um an einer Idee nach der anderen

zubasteln. Wir können uns gar

nicht mehr vorstellen, zurück nach

Deutschland zu ziehen.

Trotzdem liegt uns die Heimat am

Herzen. Wir versuchen im regelmäßigen

Austausch mit Politik- und

Wirtschaftsdelegationen, etwas Mut

nach Deutschland zu geben. Ich bin

mir sicher: Deutschland hat genug

kluge Köpfe –auch weibliche.Aus eigener

Erfahrung weiß ich jedoch,

dass statt Rückenwind für neue

Ideen, in Deutschland das direkte

Umfeld häufig mit Skepsis reagiert.

Schon jungen Leuten, die oft wenig

zu verlieren haben, wirdsodie Angst

vorm Scheiterneingebleut.

Meine bisherige Karriere gleicht

mehr einem Zickzack-Kurs als dem

zielgerichteten Klettern auf der Erfolgsleiter.

Immer wieder habe ich

mich gefragt: Was ist denn das

Schlimmste,das mir passieren kann,

wenn es schiefgeht? DieAntwortwar

meist: Falls mein Plan nicht funktioniert,

muss ich an mein Erspartes

ran, mir vorübergehend eine Festanstellung

suchen und schlimmstenfalls

für ein paar Monate bei meinen

Eltern einziehen. Meine Erkenntnis:

Daslässt sich ertragen!

Rückblickend hat sich bisher jeder

mutige Schritt gelohnt: Die Entscheidung

gegen den sicheren Beamtenjob

als Lehrerin, der Kredit für

den MBA, der Umzug nach SanFrancisco,

die Kündigungen, als ich gemerkt

habe, dass ich im Angestelltenverhältnis

weniger Neues lerne

als draußen als freie Unternehmerin.

Der Minister hat sich viele Notizen

auf der Rückseite seiner Speisekarte

gemacht. Ich hoffe, dass er einige

Ideen mit nach Deutschland

bringt. Wirwerden sehen …

Kati Schmidt berichtet im

Podcast „Kristina, Kati, Kalifornia“

aus dem Silicon Valley.

Der Spielplatz wird größer

Ab 20. August ist wieder Gamescom in Köln. Der Andrang der Massen soll dieses Mal besser reguliert werden

VonJan Bojaryn

Nur zur Erinnerung: Die

Gamescom ist –anBesucherzahlen

gemessen –

die größte Computerspielemesse

der Welt, 2018 waren

370 000 Besucher dabei. Vom20. bis

24. August ist das Spektakel wieder in

Köln geplant. Undsohatte der Bundesverband

der deutschen Games-

Branche nach Berlin-Mitte geladen,

um bei einem Drei-Gänge-Menü zu

verraten, was gegen die Überfüllung

getan werden kann, denn der Andrang

ist in den vergangenen Jahren

immer größer geworden, es gab

auch Beschwerden vonBesuchern.

Anmelden statt warten

Koelnmesse-Chef Gerald Böse

räumte offen ein, es sei „sehr, sehr

voll“ gewesen im vergangenen Jahr

und erklärte viele kleine Maßnahmen,

die den Besuch in diesem Jahr

angenehmer machen sollen. DieFläche

wird umfünf Prozent erweitert,

die beliebtesten Messestände sollen

besser über das Gelände verteilt, die

Gänge breiter werden. Undauch das

Ritual des mehrstündigen Schlangestehens

könnte bald inVergessenheit

geraten. Erstmals wird „Digital

Queuing“ ausprobiert. Die Spielefans

können sich bei einigen Ausstellern

dann mit dem Handy für ein

kurzes Probespielchen anmelden,

statt sich in eineWarteschlage stellen

zu müssen.

Ob die Staus zwischen den Hallen

und das Gedränge an populären

Ständen ganz verschwinden, das

In den vergangenen Jahren waren die besten Plätze schnell vergeben.

muss bezweifelt werden. Aber auch

bei Überfüllung war das Publikum in

den vergangenen Jahren überraschend

geduldig.

Wo die Fans anstehen werden, ist

noch nicht sicher.Mit BlizzardEntertainment

ist einer der wichtigsten

Dauergäste dieses Jahr abgesprungen.

Wichtig ist der Hersteller EA, der

neben dem Fußball-Gassenhauer

„FIFA20“ auch das neue„Star-Wars“-

Spiel„Jedi: Fallen Order“ dabei haben

wird. DasSpiel sieht spektakulär aus,

und es bedient einen der klassischsten

Gamerträume: Ein Jedi muss mit

einem Laserschwertgegen zahlreiche

Widersacher von der falschen Seite

der Macht bestehen. Vielleicht hat EA

sogar eine Überraschung dabei. Ein

neues „Need for Speed“-Rennspiel

soll dieses Jahr erscheinen, gezeigt

wurde es aber noch nicht. Wichtig ist

auch Nintendo. Der Konzern hat

IMAGO/ARNULF HETTRICH

kürzlich die „Switch Lite“ angekündigt,

eine kinderfreundlichere, billigere

Variante der erfolgreichen

Spielekonsole. Sie könnte erstmals

live präsentiert werden. Undwichtig

wird vielleicht auch das besonders

heiß erwartete, düstere Science-Fiction-Rollenspiel

„Cyberpunk 2077“,

wenn es den Fans denn wirklich gezeigt

wird. Es erscheint erst im April

des nächsten Jahres.

Im Mittelpunkt stehen auf der

Gamescom nicht nur Spiele, sondern

auch die Community. Spieleturniere,

Verkaufsstände für Fanartikel

und Cosplayer mit selbst gebastelten

Kostümen nehmen auf der

Messe viel Platz ein. Eine komplette

Halle wirdneu als„event arena“ eingerichtet.

Und Indie-Spiele von unabhängigen

Kleinstudios bekommen

endlich eine größere Würdigung.

Siesind seit Jahren der kreative

IMAGO/JIM RUYMEN UND ALEJANDRO GARCIA, INSTAGRAM (2)

Graue Zukunft –Popstars nutzen App, um alt auszusehen

Nicht wenige Popstars haben einVermögen dafür ausgegeben, um jünger

auszusehen. Haarausfall? Igitt. Falten? Dasgrößte Übel. Doch in der

Welt des Pop gibt es immer Gegenbewegungen, immer die Freude an

der überraschenden Provokation. Mehrere Musiker wie Sam Smith

(oben) und Drake (darunter) haben sich mit einer speziellen Appdeutlich

älter gemacht. Die sogenannte FaceApp, die es schon seit einigen

Jahren gibt, bearbeitet die Bilder der Nutzer und zeigt, wie diese etwa

als Rentner oder mit Bart aussehen könnten. Einige Filter sind dabei

kostenpflichtig. Grammy-Gewinner Drake postete am Dienstag (Ortszeit)

auf Instagram ein Foto mit grauen Haaren und grauem Bart. Der

britische Sänger Smith (27) schrieb zu seinem Rentner-Ich: „Großvater

oder Großmutter? Ich nehme beides.“ Die Gesichts-App probierten

auch Sänger Charlie Puth, DJ Felix Jaehn, Rapperin Iggy Azalea und Komiker

Kevin Hart aus. Für die Manipulation der Gesichtszüge kommt

den Entwicklern zufolge eine Künstliche Intelligenz zum Einsatz, die

bestimmte Merkmale erkennt und verfremdet. Die Computerzeitschrift

Chip warnte allerdings,dass die Bilder zunächst auf einen Server

geladen werden und nicht klar sei, ob diese dortgespeichertwürden.

Taktgeber der Branche, können sich

einen Messeauftritt aber oft nicht

leisten. Bisher gab es die „Indie

Arena Booth“, einen mit bunten

Spielen vollgestopften Sammelstand.

2019 richten die Veranstalter

ein „indie village“ ein; die Zahl der

Unabhängigen soll sich mehr als verdoppeln,

und die alte Arena wird in

das neue Dorfintegriert.

Hoher Besuch aus den USA

Was aber auch immer wieder auffällt:

Die Konsumenten besuchen

das Kölner Sommerevent zwar, aber

ihre wichtigen neuen Spiele kündigt

die Branche traditionell eher woanders

an. Das Spielepublikum ist international,

der größte Markt sind

die USA. Fans schalten deshalb im

Juni auf Empfang, wenn in Los Angeles

die E3 stattfindet oder im Dezember,

wenn der Journalist und Moderator

Geoff Keighley die Game-

Awards veranstaltet, eine Art Oscar-

Verleihung für Spiele.

Damit Spieler in den USA auch

mal etwas von der Gamescom mitbekommen,

wurde Keighley kurzerhand

eingeladen. Er moderiert am

Montagabend vor Messebeginn die

„Gamescom Opening Night Live“,

eine Gala-Showmit exklusiven Neuankündigungen.

Die Show wird auf

Englisch veranstaltet und soll als

Livestream um die Welt gehen. Was

zum Motto dieses Jahres passt: „Gemeinsam

sind wir Games.“ Die

Überlegungen, so attraktiver zu werden,

könnten aufgehen. Denn wenn

Spielefans etwas lieben, dann sind es

Neuankündigungen.

Tricks bei der

Bewertung

im Netz

WieUrteile über Hotels und

Produkte entstehen

VonThomas Magenheim

Millionen Deutsche suchen jedes

Jahr Hilfe bei Bewertungsportalen,

wenn sie ein Kaufentscheidung

oder eine Buchung

vornehmen wollen. „Bewertungen

sind ein hohes Gut mit intensivem

Wettbewerb“, sagt Tatjana Halm,

Digitalexpertin und Juristin der

Verbraucherzentrale Bayern. Fakt

sei, dass diese Einschätzungen

beim Einkauf im Internet nach

dem Preis das zweitwichtigste Kriterium

sind. Wasaber auch stimmt:

Solche Entwicklungen locken auch

Betrüger an.

Deshalb kamen in Bayern Psychologen,

Juristen und Plattform-

Betreiber zusammen, um über die

Gefahren zu sprechen. Bei Betreibern

von Bewertungsportalen rührengefälschte

Urteile an den Grundfesten

ihres Geschäftsmodells. Zumindest

einige Anbieter sind in den

vergangenen Jahren erkennbar aktiv

geworden im Kampf gegen Fake-Bewertungen.

Zu ihnen zählt Jameda,

das sich auf Ärztebewertung spezialisiert

hat. MichaelWeber, der Leiter

des Jameda-Qualitätsmanagements,

sagte, dass Agenturen, die sich auf

das Erfinden von Bewertungen konzentrieren,

bis zu 90 Euro für einen

Eintrag verlangen. BeiJameda sollen

15 Mitarbeiter und eine ausgeklügelte

Technik helfen, falschen Bewertungenauf

die Spur zu kommen.

„Natürlich wirdesaber auch auf unserer

Plattform Fake-Bewertungen

geben“, räumte Geschäftsführer Florian

Weiß ein.

Frühstück mit Hintergedanken

Wererwischt wird, kommt allerdings

an den Pranger und das nicht nur bei

Jameda. „Wenn wir einem Hotel

nachweisen können, dass es sich gefälschte

Bewertungenverschafft hat,

versehen wir es auf unserer Plattform

mit einem entsprechenden

Warnhinweis“, erklärt Georg Ziegler.

Er arbeitet für das Hotel-Bewertungsportal

Holiday Check und erzählte

vom bisher größten aufgedeckten

Betrugsfall. 68 Hotels hätten

dabei bei einer Agentur gefälschte

Bewertungen bestellt. Bei der Hälfte

davon hat Holiday Check eine Unterlassungserklärung

für solche Praktiken

erzwungen. Alle seien mit Warnhinweis

gebrandmarkt worden. Gegen

die Betrugsagentur laufe derzeit

ein Prozess.

Ziegler weiß aber auch, wie wichtig

BewertungenimInternet mittlerweile

für die Bewerteten geworden

sind. „In der Türkei erhalten Hotels

einen Bankkredit oft nur bei bestimmten

Wiederempfehlungsraten“,

erklärt er. Bei Bewertungen

kann es damit sogar um die Existenz

gehen. Deshalb gebe es mittlerweile

kein Produkt und keine Dienstleistung

mehr, wo nicht mit falschen

Online-Bewertungen manipuliert

werde, warntVerbraucherschützerin

Halm.

Sieerkennt die Bemühungen von

Jameda, Holiday Check & Co im

Kampf gegen solche Fälschungen

durchaus an. Verbrauchernhelfe das

aber nurbedingt weiter.„Es gibt ambitionierte

Portale und solche, die

nichts tun“, weiß Halm.Verbraucher

müssten viel Zeit investieren, um

herauszufinden, welcher Plattform

sie mehr und welcher sie weniger

vertrauenkönnen.

Zudemgibtesauchsubtile Manipulationsversuche.

„Ich wurde von

meinem Hotel gegen ein Gratis-

Frühstück zueiner Bewertung aufgefordert“,

erzählt die Wirtschaftspsychologin

Sarah Diefenbach. Solche

Versuche seien weit verbreitet.

„Man fühlt sich zu einem positiven

Urteil verpflichtet, auch wenn das

nicht ausgesprochen wird“, sagt die

Psychologin. Das sei aber auch eine

Art der Manipulation, urteilte die

Verbraucherschützerin Halm.


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) LivenachNeun 9.55

(für HG)Sturm der Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG)Gefragt–Gejagt

12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-

Buffet 13.00 (fürHG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote

Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für HG)

Radsport: Tour de France. 12. Etappe: Toulouse –

Bagnères-de-Bigorre(202 km) 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG)Gefragt –Gejagt 18.50

(für HG) In allerFreundschaft –Die jungenÄrzte.

Ausder Nähe. Arztserie 19.45 (für HG) Wissen

voracht–Mensch 19.55 (fürHG) Börse voracht

20.00 (fürHG) Tagesschau

20.15 (für HG) Der Barcelona-Krimi

Todaus der Tiefe. TV-Kriminalfilm, D’17

Mit Clemens Schick,Anne Schäfer,

Isabella Parkinson u.a.

21.45 (für HG) Monitor

Berichte zur Zeit

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Carolin Kebekus:

PussyTerror TV

Gast: Nelson Müller (Koch)

23.30 (für HG) Drei. Zwo.Eins. Michl Müller

Gast: Johannes Schröder

(Gymnasiallehrer und Kabarettist)

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Jennifer Knäble 8.30 (für HG) Gute Zeiten,

schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter uns.

Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was zählt. Soap

10.00 Der Blaulicht-Report 11.00 Der Blaulicht-Report

12.00 Punkt 1214.00 Die Superhändler

–4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler

–4Räume,1Deal 16.00 Meine Geschichte

–Mein Leben. Phantombild des Bräutigams

stellt Hochzeit in Frage 17.00 Meine

Geschichte –Mein Leben. Der Sex-Deal 17.30

Unter uns 18.00 Explosiv –Das Magazin

18.30 Exclusiv –Das Star-Magazin 18.45 aktuell

19.05 (für HG) Alles was zählt. Soap

19.40 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 (für HG) Jenny –echt gerecht!

Eltern haften für ihre Kinder

21.15 (für HG) Magda macht das schon!

Oma-Battle. Comedyserie

21.45 (für HG) Magda macht das schon!

Spielverderber. Comedyserie

22.15 (für HG) Sankt Maik

Sie müssen die Braut jetzt küssen

23.10 (für HG) Jenny –echt gerecht!

Vergiftet. Anwaltsserie

0.00 Nachtjournal

0.30 Alarm für Cobra 11 –Die Autobahnpolizei

Genies unter sich. Actionserie

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

MDR WDR + monatlichkündbar

Arte

16.00 (für HG) MDR um vier 17.45 (für HG)

Aktuell 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG)

Sandmann 19.00 (für HG) MDR Regional

19.30 (für HG)Aktuell 19.50 (für HG) Biwak in

Armenien 20.15 (für HG) Die Olsenbande und

ihr großer Coup. Gaunerkomödie, DK 1972

21.50 (für HG) Aktuell 22.10 (für HG) artour

22.40 (für HG) Papa, Mama und 8Kinder

23.10 (für HG) Lebensläufe 23.40 (für HG)

Engelmacher –Der Usedom-Krimi. TV-Kriminalfilm,

D2016 1.10 (für HG) Das weiße Band.

Drama, D/A/F/I 2009

Bayern

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir

in Bayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) mehr/wert 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) quer 21.00 (für HG) DjangoAsül –live

auf der Bühne 21.45 (für HG) Rundschau Magazin

22.00 Vereinsheim Schwabing 22.45

(für HG) Im Schleudergang 23.15 (für HG) Im

Schleudergang 23.45 Woidboyz on the Road

0.15 Startrampe 0.45 PULS Open Air 2019

1.50 (für HG) Dahoam isDahoam

Vox

10.55 MeinKind, dein Kind–Wieerziehst du

denn? 12.00 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 MeinKind, deinKind –Wie

erziehst du denn? 15.00 ShoppingQueen 16.00

4Hochzeiten und eine Traumreise 17.00 Zwischen

Tüll und Tränen 18.00 First Dates –Ein Tisch für

zwei 19.00 Dasperfekte Dinner 20.00 Prominent!

20.15 (fürHG) G.I.Joe:Die Abrechnung. Actionfilm,

USA 2013 22.10 (fürHG) Herz ausStahl.

Kriegsdrama, USA/GB/CHN2014 0.50 nachrichten

1.10 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Mörderische Gene

Super RTL

13.40 Angelo! 14.10 Inspector Gadget 14.35

ALVINNN!!! und die Chipmunks 14.55 Dragons

–Die Wächter von Berk 15.25 Bugs Bunny

und LooneyTunes 15.50 Spirit: wild und frei

16.15 Zak Storm –Super Pirat 16.45 King

Julien 17.15 What's New Scooby-Doo? 17.40

Inspector Gadget 18.10 ALVINNN!!! und die

Chipmunks 18.40 Woozle Goozle 19.10 Bugs

Bunny und LooneyTunes 19.40 Angelo! 20.15

(für HG) CSI: Miami 21.05 (für HG) CSI: Miami

21.55 (für HG) CSI: Miami 22.50 Person of

Interest 23.40 30 Rock

Sport1

14.30 Yukon Gold 15.30 Alone. Hunger's Grip

16.30 Cajun Pawn Stars –Pfandhaus Louisiana.

Frisch gewaschen 17.00 Cajun Pawn

Stars –Pfandhaus Louisiana. Es gibt Eis 17.30

ContainerWars. Schmugglerware 18.00 Flip

Wars –Buying Blind. Dachschaden 19.00

Hans Sarpei –Das Tsteht für Coach 20.00

Fußball: International Champions Cup 22.00

FC Bayern Inside 22.30 FC Bayern Inside

23.00 FC Bayern Inside 23.30 Inside eSports.

Marius Lauer 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Das fremde

Kind 11.15 (für HG) SOKO Stuttgart. Kaiserbaby

12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für

HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00

(für HG) heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für

Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10

(für HG) Die Rosenheim-Cops. Anruf für eine

Leiche 17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SOKO Stuttgart. Spielfeld des

Todes 19.00 (für HG) heute 19.25 (für HG)

Notruf Hafenkante. Schütteltrauma. Krimiserie

20.15 (für HG) Der Bergdoktor

Erzwungene Liebe. Arztserie

Mit Hans Sigl,Heiko Ruprecht, Monika

Baumgartner,Siegfried Rauch u.a.

Regie: Oliver Dommenget

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) Seen-Sucht nach Weite –

Die Mecklenburgische Seenplatte

23.00 (für HG) Grüße aus 1981

23.45 heute+

0.00 (für HG) Die Spezialisten –Im

Namen der Opfer

Gastfeindschaft.Krimiserie

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Christian

Wackert, Alina Merkau 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit

Alexander Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,Isabella

Schulien 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im

Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf

Streife. Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten. Reportagereihe 16.00 Klinik am

Südring 17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

18.00 Endlich Feierabend! Magazin

19.00 Genial daneben –Das Quiz 19.55

Nachrichten

20.15 Navy CIS

Der perfekte Plan.Krimiserie

Mit Mark Harmon, David McCallum u.a.

21.15 Navy CIS

Die Spur führt nach New Orleans

Krimiserie

22.15 Bull

Cyber-Wunderkinder.Krimiserie

23.10 Bull

Drei blinde Mäuse. Krimiserie

0.05 Criminal Minds

1.00 Criminal Minds

Die Quelle des Leids. Krimiserie

18.00 (für HG) aktuell /Lokalzeit 18.15 (für

HG) Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Pferdesport: CHIO Aachen.

Springreiten: Nationenpreis. Aus der Aachener

Soers 21.00 (für HG) Aktuell 21.15 (für HG)

Pferdesport: CHIO Aachen. Springreiten: Nationenpreis.

Aus der Aachener Soers 22.40 (für

HG) Unterwegs imWesten 23.10 (für HG)

Challenger –Ein Mann kämpft für die Wahrheit.

TV-Drama, GB/USA 2013 0.40 Moon –Die

dunkle Seite des Mondes. Drama, GB 2009

NDR

14.15 (für HG) die nordstory 15.15 (für HG)

Mit dem Zug ... 16.00 (für HG) aktuell 16.20

(für HG) Wer weiß denn sowas? 17.10 (für HG)

Seehund, Puma &Co. 18.00 Ländermagazine

18.15 (für HG) Meine Reise –Deine Reise

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG)Tagesschau 20.15 (für HG)

mareTV 21.00 (für HG) mareTV 21.45 (für HG)

aktuell 22.00 (für HG) Der Bozen-Krimi: Am

Abgrund. Kriminalfilm,D2016 23.30 (für HG)

Sanft schläft der Tod. TV-Thriller,D2016 1.40

(für HG) Die Erbschaft

Kabel eins

12.15 Numb3rs 13.10 Castle 14.00 The Mentalist

14.55 Navy CIS: L.A. 15.50 News 16.00

Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich

17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi

kommt 18.55 Achtung Kontrolle! Wir kümmern

uns drum 20.15 Achtung Abzocke –Urlaubsbetrügern

auf der Spur. Ägypten: Kairo /Hurghada

/Luxor 22.20 K1 Magazin Spezial. Vorsicht

Taschendiebe! Wie schützt man sich richtig?

23.20 Abenteuer Leben Spezial. Weltreise

zu unseren Lieblingsgerichten 1.20 Mein Revier.

Ordnungshüter räumen auf

RTL 2

10.00 Frauentausch 12.00 DieWollnys –Eine

schrecklich große Familie! 13.00 Teenie-Mütter

–Wenn Kinder Kinder kriegen 14.00 Die

Reimanns –Ein außergewöhnliches Leben

15.00 Hilf mir! Jung,pleite, verzweifelt ...

17.00 News 17.10 Krass Schule –Die jungen

Lehrer –Wie alles begann 18.05 Köln 50667

19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Frauentausch

22.15 Einfach hairlich –Die Friseure

23.20 TheWalking Dead 0.10 The Walking

Dead 1.10 The Walking Dead 1.55 The Walking

Dead 2.50 X-Factor: Das Unfassbare

Eurosport 1

9.25 Formel E: FIA-Meisterschaft 10.30 Radsport:

Tour de FranceToday 11.20 Radsport:

Tour de France. 12. Etappe: Toulouse –Bagnères-de-Bigorre

17.10 Radsport: Tour de

France extra 17.40 Fechten: Europameisterschaften

18.30 Fechten: WM 20.45 Eurosport

News 20.50 Handball: U21-WM. Gruppenspiel:

Tunesien –Spanien 22.40 Eurosport

News 22.45 Leichtathletik: U20-Europameisterschaften

0.00 Radsport: Tour de France. 12.

Etappe:Toulouse –Bagnères-de-Bigorre

DAS ERSTE, 20.15 UHR TV-KRIMINALFILM

Der Barcelona-Krimi

Diesmal bekommen es der spanische Ermittler Xavi Bonet (Clemens Schick)

und seine Kollegin Fina Valent(Anne Schäfer) mit einem schweren Fall

vonKorruption zu tun: Als die Leiche des Tauchers Tomásgefundenwird, deutetzunächstalles

aufeine unglückliche Begegnungmit einemSchwarmFeuerquallen

hin. Doch als sich herausstellt,dassder jungeMann ermordetwurde,

übernehmen Xavi Bonet undFinaValentden Fall und stoßen schnell aufweitere

Hinweise: ZumBeispiel istdie Freundin des Toten, Cataline, wievom Erdboden

veschwunden. Beiden Ermittlungen beginnen Valentund Bonetein Netz zu entwirren,

das Politik und Witschaft mit dem organisierten Verbrechenverbindet.

Zweiter Fall für die Hauptdarsteller Anne Schäfer und Clemens Schick als Ermittler-Duo

Valentund Bonet in den Straßender katalanischen StadtBarcelona.

(Dtl./2017)

Foto: DasErste

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4 9 1 3 8 5 2 6 7

5.30 Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb. zuhause

in berlin &brandenburg 7.20 Brisant 8.00

Brandenburg aktuell /Abendschau 8.30 Brandenburg

aktuell /Abendschau 9.00 In aller

Freundschaft 9.45 In aller Freundschaft 10.30

Rote Rosen 11.20 Sturm der Liebe 12.10 Tierärztin

Dr. Mertens 13.00 rbb24 13.10 Verrückt

nach Meer 14.00 Lecker aufs Land –ein kulinarischer

Ausflug (5/7) 14.45 Die Nordreportage

15.15 Hessen von oben 16.00 rbb24

16.15 Wer weiß denn sowas? 17.00 rbb24

17.05 Panda, Gorilla &Co. 17.55 Sandmann

18.00 rbb UM6 –Das Ländermagazin 18.30

zibb 19.30 Brandenburg aktuell /Abendschau

20.00 (für HG)Tagesschau

20.15 Klein gegen Groß –Das unglaubliche

Duell Spiel &Spaß

Mit Kai Pflaume

Wer weiß es besser oder wer ist fitter?

Kinder mit besonderen Talenten messen

sich mit prominenten Kontrahenten.

23.30 Something Must Break

Romanze, S2014

0.50 Brandenburg aktuell /Abendschau

1.20 Brandenburg aktuell /Abendschau

1.50 zibb

zuhause in berlin &brandenburg

2.45 Proschim –das letzte Dorf

ProSieben

6.55 The Big Bang Theory 8.35 The Middle

9.30 Fresh off the Boat 10.25 Mike &Molly

10.50 How IMet Your Mother 11.45 2Broke

Girls. Ballköniginnen/Ballköniginnen. Comedyserie

12.35 Mom. Patientin auf der Flucht.

Comedyserie 13.00 Twoand aHalf Men. Eiertanz/Fest

der Liebe/Furzwitze, Torte und Celeste.

Comedyserie 14.15 The Middle. Das Hawaii-Hemd/Die

Windel-Idee. Comedyserie

15.10 The Big Bang Theory. Die neutrale

Zone/Ein Traum von Bollywood/Der Mann der

Stunde/Ich bin nicht deine Mutter! Comedyserie

17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons.

Warten auf Duffman/Marge will's wissen.

Zeichentrickserie 19.05 Galileo

20.15 The Masked Singer

Rateteam: Ruth Moschner,Collien

Ulmen-Fernandes,Max Giesinger

Moderation: Matthias Opdenhövel

Welcher Promi verbirgt sich unter der

Maske?

23.10 red.

0.10 The Masked Singer

Rateteam: Ruth Moschner,Collien Ulmen-Fernandes,

Max Giesinger

Moderation: Matthias Opdenhövel

2.50 Der Traumjob –bei Jochen Schweizer

Moderation: Jochen Schweizer

12.50 Arte Journal 13.00 Stadt Land Kunst

14.55 (für HG) Der Club der toten Dichter.

Drama, USA 1989 16.10 Bis inden Himmel.

TV-Drama, F2017 17.50 (für HG) Die Inseln

der Queen 18.35 (für HG) Die Inseln der

Queen 19.20 Arte Journal 19.40 (für HG)

Griechenland –Von Insel zuInsel 20.15 Die

Eroberung des Mondes 21.55 Wem gehört der

Mond? 22.50 (für HG) Spielen Sie Gott, Mr.

Feinberg? Dokumentarfilm,D2016 0.30 Arte

Journal 0.50 Much Loved. Drama, F/M 2015

2.30 Wüste Prinzenspiele –Der neue Golfkrieg

3Sat

13.20 Leben am Limit –Die Tierwelt im Andenhochland

13.50 Namib –Zauber derWüste

14.35 Wunder der Erde. Küstenlandschaften /

Gletscher /Wüsten /Vulkane/Gebirge/Flüsse

19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit kompakt

19.30 Mein Sydney 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Winterkartoffelknödel–Ein Eberhoferkrimi.

Krimikomödie, D2014 21.45 Reiseziel

22.00 (für HG) ZIB222.25 (für HG) Schnell

ermittelt 23.10 (für HG) Schnell ermittelt 23.55

(für HG) Jack Taylor. Gefallene Mädchen. TV-Kriminalfilm,

IRL/USA 2011

Phoenix

14.15 Zu Gast in... 15.00 Zu Gast inFrankreich

16.30 Zu Gast in ... 17.15 Grenzerfahrungen

17.30 phoenix der tag 18.00 Wenn der Zufall

Schicksal spielt –Momente, diedas Leben

entscheiden 18.30 (für HG) Afrikas Naturparadiese

19.15 Geheimnisse der Ozeane 20.00

(für HG)Tagesschau 20.15 Hannes Jaenicke: Im

Einsatz für…21.00 Die Plastik-Invasion –Coca-

Cola und der vermülltePlanet. Dokumentarfilm,

F2018 21.45 (für HG)heute-journal 22.15

Orte der Arbeit 0.30 Wenn Mutti früh zur Arbeit

geht 1.15 Hannes Jaenicke: Im Einsatz für …

Kika

10.20 (für HG) Lassie 11.30 Zoom –Der weiße

Delfin 12.15 Wendy 13.30 (für HG) KiKA Live

14.10 Schloss Einstein 15.00 (für HG) Mako –

EinfachMeerjungfrau 15.45 Stoked 16.10 (für

HG)H2O –Abenteuer Meerjungfrau 17.00 (für

HG) Horseland, die Pferderanch 17.40 Die

Abenteuer des jungen Marco Polo –Reisenach

Madagaskar 18.05 Bobby&Bill 18.20 (für HG)

Sam 18.40 Jim Hensons: Doozers 18.50 Sandmann

19.00 Das Dschungelbuch 19.25 Die

Sportmacher 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für

HG) KiKA Live 20.10 (für HG) DasSurfcamp

Dmax

15.15 Lone Star Law –Die Gesetzeshüter von

Texas 16.15 Highway Patrol 16.45 Border

Control –Spaniens Grenzschützer 17.15 Die

Gebrauchtwagen-Profis 18.15 Die Gebrauchtwagen-Profis

19.15 A2 –Abenteuer Autobahn

20.15 A8 –Abenteuer Autobahn 21.15 A8 –

AbenteuerAutobahn 22.15 Mission Mondlandung

–Die wahren Helden vonApollo 23.15

Aliens on the Moon. Dokumentarfilm,USA

2014 0.30 A8 –AbenteuerAutobahn 1.30

A8 –Abenteuer Autobahn

5.02 hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Marktcheck 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 45 Min 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15 Operation

Mondlandung 20.00 Tagesschau 20.15 Traumschiffe

als Luftverschmutzer? 21.02 Dopenbis

dasHerzversagt? 21.45 Exakt –Die Story 22.15

Plusminus 22.45 Die Tagesschau vor20Jahren

23.00 Tagesthemen 23.30 Monitor 0.00 Exakt

0.30 Weltspiegel-Reportage 1.00 Nachtmagazin

1.20 Die Nordreportage 1.50 Brandenburg aktuell

2.20 Sachsen-Anhalt Heute 2.50 Extra 3.02 SWR

Landesschau Baden-Württemberg 3.47 Extra

ONE

15.15 Bauchtanz 15.30 Hollywood's BestFilm

Directors 15.55 Dawson's Creek 16.35 Dawson's

Creek 17.20 Lindenstraße 17.50 DieKanzlei

18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder Liebe

20.15 Comedy Cuisine 21.00 Bauerfeind –Die

Show zurFrau 21.45 Käpt'ns Dinner 22.15 The

Job Lot–Das Jobcenter 22.35 TheJob Lot –Das

Jobcenter 23.00 The IT Crowd 23.25 The IT Crowd

23.50 The IT Crowd 0.15 Comedy Cuisine 1.00

Bauerfeind –Die Show zurFrau 1.45 Käpt'ns Dinner

2.15 The JobLot –Das Jobcenter 2.35 The

Job Lot –Das Jobcenter 3.00 NightWash Kurzwäsche

3.15 kinokino 3.30 DieKanzlei 4.20 Lindenstraße

4.50 Dawson's Creek

ZDF NEO

5.15 Vorsicht,Falle! 6.00 TerraX6.45 TerraX

7.30 Topfgeldjäger 8.20 Lafer! Lichter! Lecker!

9.05 Bares für Rares 10.00 Baresfür Rares

10.55 kaputtund ... zugenäht! 11.40 DieRettungsflieger

12.25 Die Rettungsflieger 13.10

Psych 13.50 Psych 14.35 Kommissar Stolberg

15.30 DieRettungsflieger 16.20 DieRettungsflieger

17.05 Psych 17.45 Psych 18.30 Bares für

Rares 19.20 Bares fürRares 20.15 DerKriminalist

21.15 DerKriminalist 22.15 Laura Karasek–

Zart am Limit 23.00 Sitzheizung gibt's nicht!

23.30 Laura Karasek –ZartamLimit 0.15 Sitzheizung

gibt's nicht! 0.40 Silent Witness 1.35 Silent

Witness 2.25 Silent Witness 3.20 SilentWitness

ZDF INFO

10.00 Geheimes Russland –Moskaus Unterwelten

10.45 Moskauextrem–Party, Skins und Sowjetkult

11.30 Nachtwölfe –Russlands Rockerbanden

12.15 Putin –Russlands neuer Zar 13.00 Leschs

Kosmos 13.30 LeschsKosmos 14.00 Leschs

Kosmos 15.00 Wunder der Wissenschaft 17.15

ZDF-History 18.45 (für HG) Mensch Schröder!

19.30 (für HG)Mensch Merkel! 20.15 Volksparteien

a.D.?–Zeitenwende in Deutschland 21.45 Die

politischeIntrige 23.15 (für HG) SchafftEuropa

sich ab?EU-Gegner auf dem Vormarsch 0.00 Angriff

auf dieDemokratie –Wurde der Brexit gekauft?

0.45 Brexit –ScheidungskrieginEuropa 1.30 Inside

IS –Die geheimen Pläne derTerrormiliz

Radio

KLASSIK

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Styriarte MitWerken von Schubert,W.A. Mozart,

Ligeti, ca. 117 Minuten

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Historische Aufnahmen Sternstunden. Der

Pianist Rudolf Firkušný (1912 –1994) spielt

Dvorák und Janácek, ca. 45 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Hanya Yanagihara: „Das Volk der Bäume”

(4/38). Mit Gunter Schoß, Matthias

Bundschuh, ca. 30 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Hanya Yanagihara: „Das Volk der Bäume”

(4/38), ca.31Minuten

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Marktplatz Da rollt was auf uns zu –E-Scooter.Mit

Sandra Pfister,ca. 80 Minuten

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Die Barbiere von London oder

Der Brexit im Operngeschäft.Von Eckhard Weber,

ca.26Minuten

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Klangkunst Kunstausstellung Biennale di Venezia.

tribute to whistle.Von Natascha Süder

Happelmann,ca. 57 Minuten

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Perspektiven Weggemacht. Was passiert, wenn

Menschen mit Behinderung verschwinden. Von

Margit Miosga, ca. 56 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Ian Shaw.Mit Ortrun Schütz,

ca. 30 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Talente und Karrieren Rund um den Kompass:

Das Ensemble Esperanza.Mit Dirk Hühner

Das 2015 in Liechtenstein gegründete

Ensemble Esperanza bringt junge Musikerinnen

und Musiker zusammen, die eines gemeinsam

haben: ein Stipendium der

Internationalen Musikakademie.Das bekommt

man nur durch höchste Leistungen, und sohat

sich auch das Ensemble schnell einen sehr

guten Ruf erspielt.Schon auf drei CDs, die

verschiedenen Himmelsrichtungen gewidmet

sind, ist das Können des Ensembles dokumentiert.,

ca. 56 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazzfacts Experimentierfreude und Gestaltungsdrang.

Porträt der Schweizer Pianistin

und Komponistin Luzia vonWyl. VonThomas

Loewner,ca. 55 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 – S eite 28 *

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Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Boris Becker will auch in Zukunft

dem Tenniscourtals Spieler fernbleiben.

Nicht mal für ein Freundschaftsspiel

steht er bereit. „Ich bin

nicht mehr ganz so fit. Ichrede lieber

darüber“, so Becker bei einem Reitturnier

in Aachen, das voneinem

Kekshersteller ausgerichtet wird. Becker

gab sich dafür als Pferde-Fan zu

erkennen, der sich hin und wieder

auch gernselbst in den Sattel

schwinge.„Als Reiten würde ich das

aber nicht bezeichnen, was ich da

tue.Ich weiß ganz genau, dass das

Pferdweiß, dass ich Schiss davor

habe“, so der 51-Jährige,offenbar

beschwingt vomKeksduft.

Hossein Ensan aus Münster darfsich

über ein erkleckliches Sümmchen

freuen –der 55-Jährige hat in der

Nacht zu Mittwoch alle aus dem

Rennen gehauen und ist der erste

deutsche Pokerweltmeister seit

2011. Ensan gewann in Las Vegas in

den USA die World Series of Poker

und strich ein Preisgeld vonzehn

Millionen Dollar ein. In einem rund

vier Stunden dauernden Finale

setzte er sich gegen den italienischen

Profi DarioSammartino (32) durch,

der mit sechs Millionen Dollar nach

Hause geht.„Das ist das beste Gefühl

meines Lebens.Unglaublich!“, jubelte

Ensan. DAS glauben wir gerne.

Armin Laschet lässt sich vonseinem

Sohn, vondem sich das hartnäckige

Gerücht hält, er würde aussehen wie

Ryan Gosling, Tipps bei der Binder-

Wahl gegen. „Erhat drei Vorschläge

gemacht und ich habe eine ausgesucht“,

so Johannes Laschet, Sohn

des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten.

Derbegleitete den

Papa zu einem offiziellen Anlass.Laschet

trug eine dunkelblaue Krawatte

mit pinkfarbenem Muster.

Sein Sohn hatte sich für eine grün gestreifte

Variante und eine gelb getönte

Sonnenbrille entschieden. Ein

Träumchen! (mpw./mit dpa)

Fashion-Victims unter sich: Vater Laschet

(l.) und Sohnemann.

DPA

TIERE

Wo bitte geht’shier zum Sashimi?

Pinguine auf Wohnungssuche. AP

Gute Wahl. Da sage noch jemand,

Zwergpinguine seien nicht praktisch

veranlagt. Wieman anhand dieses

Pinguinpärchens in Neuseelands

Hauptstadt Wellington sehen kann,

ist Eudyptula minor sogar äußerst

geschickt, wenn es darum geht, einen

geeigneten Brutplatz aufzutun.

Auserkoren hatten sich die beiden

Vögel dafür eine Sushi-Bar an einem

der belebtesten Bahnhöfe der Stadt.

Ja,und wieso denn auch nicht? Immer

was los,abends macht einer

sauber und morgens gibt’s frischen

rohen Fisch vomFeinsten. Leider

spielte die Polizei nicht mit und

brachte die Tierezurück ins Meer.

Spielverderber! (avo.)

Bunt, sexy und ein bisschen zusammengesucht: Das Coachella im kalifornischen Indio gilt inzwischen als Trendbarometer für modische Festival-Styles. GETTY IMAGES; INSTAGRAM (3)

Festival der Fummel

Wasträgt man zum Open Air? Diese Frage erscheint mittlerweile vielen wichtiger als die Musik selbst

VonNikolas Feireiss

Vor 50 Jahren warWoodstock

nicht nur der Karrieremotor

für Künstler wie Carlos

Santana und Joe Cocker.

Woodstock wurde auch zum Inbegriff,

zur Mutter aller Festivals. Freiheit,

Frieden, Liebe: Das sind die

Botschaften, für die Woodstock,

seine Musik und der Festivalgedanke

bis heute stehen. Immer mehr Aufmerksamkeit

bekommt inzwischen

allerdings auch, wer was zu Musik

und Tanz trägt. Manches Festival ist

zum regelrechten Schaulaufen geworden.

Das Coachella im kalifornischen

Indio zum Beispiel. Vor 20 Jahren

wurde es gegründet –und seitdem

wirdhier schon im Aprildie Festivalsaison

eingeläutet. Bob Dylan,

Prince, Daft Punk oder Beyoncé haben

in den letzten Jahren beim Coachella

für Stimmung gesorgt. Und

auch im Jubiläumsjahr haben sich

Stars wie Ariana Grande oder DJ

Snake und Influencer aus aller Welt

unter dem großen Riesenrad getroffen

und auf allen sozialen Kanälen

gezeigt, wie die Festivalmode des

Jahres aussehen sollte.

Die fünfte Jahreszeit

Coachella gilt als Trendbarometer

nicht nur in Sachen Musik. Manche

Hersteller sprechen sogar schon von

einer fünften Jahreszeit, wenn sie an

die Festivalsaison denken. Mit dem

musikalischen Rausch lassen sich

inzwischen auch modisch immense

Umsätze machen, es gibt sogar eigene

Festivalkollektionen. Bis sich

im September im Berliner Olympiastadion

mit dem Lollapalooza das

Open-Air-Feiern dem Ende nähert,

werden noch viele Bühnen bespielt.

In Sachsen-Anhalt etwa auf dem

Melt Festival am kommenden Wochenende,

in Cuxhaven lädt das

Deichbrand ein und in Hamburgdas

MS Dockville,umnur einige der größeren

Veranstaltungen zu nennen.

Woodstock war mit Jimi Hendrix,

Janis Joplin oder The Who ganz sicher

in erster Linie ein großes musikalisches

Erlebnis.Vermutlich haben

aber auch die Hippies mehr als man

vermuten würde über ihre Kleidung

nachgedacht. Einen eigentlichen

„Woodstock-Style“ gab es zwar

nicht. Damals war die Hippie-Bewegung

im Mainstream angekommen,

Zuckerwatte und Neonfarben: Model

Winnie Harlow auf dem Coachella.

Die Haare schön: Schauspielerin Ashley

Tisdale mit Flechtkunst auf dem Kopf.

Wilder Westen meets Orient: Model Alessandra Ambrosio greift tief in die Ethno-Kiste.

und so trugen die Teilnehmer im August

1969 einfach die typischen

Schlaghosen, Ponchos, Blümchenkleider

und was sonst noch so dazugehörte.

Nach dem Festival wurden

allerdings die meisten Outfits vermutlich

mit spitzen Fingern entsorgt.Woodstock

versank nämlich irgendwann

in Schlamm, Dreck und

noch Unangenehmerem. DasWetter

spielte nicht mit, die Organisation

war überfordert. Es war, wie sich

Zeitzeugen erinnern, eine ziemliche

Schweinerei.

Erfahrung macht klug: Bis heute

stattet sich mancher Festivalbesucher

im Outdoorladen ein. Besonders

Trekking-Sandalen sind beliebt,

und auch regenfeste Jacken, am besten

in Oversize. Gummistiefel von

Hunter sind, wenn das Wetter es erfordert,

beliebtes Festivalschuhwerk.

Kate Moss trug sie Anfang der

2000er-Jahre als erste beim Glastonbury-Festival

zu abgeschnittenen

Jeans. Generell beeinflusst der Hippie-Look

bis heute die Festivalmode.

Sieist in der Regel bunt, sexy und

ein bisschen zusammengesucht. Ein

wichtiger Trend, der auf dem Coachella

2019 gesichtet wurde,war Batik.

Kommt einem bekannt vor. Dank

ihrer Jugend könnte Justin Bieber,

Gigi Hadid oder Nina Dobrev Batik ja

tatsächlich wie ein neuer,besonders

lässiger Trend vorkommen. Auf jeden

Fall gefielen sich die Jungstars

besonders in gefärbten Klamotten.

Immerhin schon aus den 90ern

sind Neonfarben. Das kanadische

Model Winnie Harlow wurde auf

dem Festivalgelände im leuchtend

grünen Zweiteiler gesichtet, Sängerin

Katy Perry imneongelben Pullover.Model

Joan Smalls kombinierte

ein neongelbes Bustier zu neongrünen

Socken.

DasinnereWoodstock

Eindrittes wichtiges Thema der diesjährigen

Festivalgarderobe ist der

Cowboy-Look. Nicht umsonst hüpften

Lena Gercke und Kendall Jenner

inWesternboots über dieWiese.Fransen,

Hüte und Nieten sind allgegenwärtig.

Eine Zeit lang sah es so aus,

als ob Festivalgäste zu Hippie-Karikaturen

würden, manche Besucher

wirkten wie Darsteller aus dem Musical

„Hair“. Jetzt geht wieder um

mehr Individualität. Jeder darf sein

inneres Woodstock auf eigene Weise

nach außen kehren.

Allerdings,beim Stylen kann man

nicht mehr so unbefangen vorgehen

wie früher. Zum einen wird der Gedanke

der Nachhaltigkeit in der

Mode immer wichtiger. Kleider nur

für ein Event zu kaufen, widerspricht

diesem Gedanken. Deshalb stammen

wirklich coole Looks heute oft

vomFlohmarkt. Außerdem stellt sich

der bewusste Festivalbesucher die

Frage, obersich wirklich extra für

eine paar heiße Sommertage verkleiden

oder mindestens neu einkleiden

muss.Manche Festivaloutfits sind in

anderem Kontext nicht mehr tragbar.

Schade eigentlich. Undsogenügt, um

dem Neontrend zu folgen, vielleicht

ein Stirnband oder Eyeliner.

Schwieriger ist die Frage der kulturellen

Aneignung, die momentan

auch im Zusammenhang mit Festivallooks

diskutiert wird. Wasdas bedeutet?

Jeder ist aufgefordert, sich zu

fragen, woher die Inspiration zum eigenen

Outfit kommt. Soll es Kulturen

imitieren, die unterdrückt, ausgebeutet

oder versklavt wurden oder

werden, gilt es,darauf zu verzichten.

Federschmuck, wie ihn die Indianer

trugen, ist nicht politisch korrekt. Ob

das übertrieben ist, das muss

schlussendlich jeder für sich selbst

entscheiden. Darüber nachzudenken,

kann zumindest nicht schaden.

Fall Lügde: 49-Jähriger zu

Bewährungsstrafe verurteilt

Erstes Urteil im Missbrauchsfall

Lügde: Wegen Anstiftung und Beihilfe

zum sexuellen und schweren

Missbrauch vonKindernhat das

Landgericht Detmold einen 49-Jährigen

am Mittwoch zu einer zweijährigen

Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

Außerdem muss der Mann

aus Niedersachsen sich einer Therapie

unterziehen. DerMann aus

Stade soll von2010 bis 2011 in mindestens

vier Fällen an Webcam-

Übertragungen beim Missbrauch

vonKindernauf dem Campingplatz

teilgenommen haben. DasGericht

wertete das Geständnis des bislang

nicht vorbestraften Heiko V. bereits

am ersten Prozesstag zugunsten des

49-Jährigen. DasLandgericht hatte

dieses Verfahren am zweiten Tagim

Hauptprozess gegen Andreas V. und

MarioS.abgetrennt. (dpa)

R. Kelly bleibt wegen neuer

Missbrauchsvorwürfe in Haft

Derwegen sexuellen Missbrauchs

angeklagte US-Sänger R. Kelly muss

nach erneuten Vorwürfen vorerst in

Haft bleiben. EinRichter in Chicago

lehnte es am Dienstag ab,den Musiker

(„I BelieveICan Fly“) gegen Kaution

freizulassen. Der52-Jährige war

vorige Woche festgenommen worden.

Damit bleibt Kelly nun zunächst

in Chicago hinter Gittern, bis

er nach NewYorkgebracht wird, um

sich dortweiteren Vorwürfen zu stellen.

DieStaatsanwaltschaft in Chicago

legt dem früheren Superstar 13

Anklagepunkte zur Last, unter anderemdie

Produktion vonKinderpornografie

und Behinderung der Justiz.

Hinzu kommen fünf Anklagepunkte

der Staatsanwaltschaft im NewYorker

Stadtteil Brooklyn, unter anderemErpressung.

(dpa)

Drogenboss „El Chapo“ muss

lebenslang ins Gefängnis

Dermexikanische Drogenboss

Joaquín „ElChapo“ Guzmán muss

für den Rest seines Lebens ins Gefängnis.Der

62-Jährige sei zu lebenslanger

Haft plus 30 Jahreverurteilt

worden und dürfe keinen Antrag auf

vorzeitige Entlassung stellen, sagte

Richter Brian Cogan am Mittwoch in

NewYork. Außerdem forderte das

Gericht „ElChapo“ auf, eine Summe

von12,6 Milliarden Dollar (etwa 11,2

Milliarden Euro)zuzahlen. (dpa)

Zweitreichster Mensch der

Welt ist ein Franzose

Bernard Arnaults Vermögen wird auf

105 Milliarden Dollar geschätzt. AFP

Derfranzösische Unternehmer BernardArnault

hat Bill Gates als zweitreichsten

Menschen der Welt abgelöst.

Laut der Online-Ausgabe des

US-Magazins Forbes verfügte der

70-jährige Chef des Luxusgüter-KonzernsLVMH

über ein Vermögen von

105,1 Milliarden Dollar (93,7 Milliarden

Euro)und lag damit knapp vor

Microsoft-Gründer Gates mit 103,7

Milliarden Dollar.Reichster Mensch

bleibt Amazon-Chef Jeff Bezosmit

einem geschätzten Vermögen von

164,8 Milliarden Dollar. (AFP)


Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019 – S eite 1

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Kulturkalender

DER WOCHENÜBERBLICK VOM 18. BIS 24. JULI 2019

Filmtipps

Kinoprogramm

Literatur

Ausstellungen

Konzerte

Bühne

Seiten 2&3

Seiten 2–6

Seite 6

Seite 7

Seite 7

Seite 8

Mehr

als Salsa und Karneval

Eine fünfjährige

Reise führte den Naturforscher

Alexander von

Humboldt Ende des 18. Jahrhunderts

vonSpanien aus in heutige Länder

wie Kuba, Kolumbien und Mexiko. Anlässlich

Humboldt-Jubiläums stellt sich die Frage,

wie aufgeklärtEuropäer gegenwärtig auf die ehemaligen

Kolonien in Südamerika blicken. Arbeiten

vonKünstlernmit iberoamerikanischen Hintergrund

präsentiert seit 2011 „Plataforma Berlin“. In diesem

Sommer findet das Tanz, Installation, Film und Diskurs

vereinende Festival neben den Spielstätten Dock 11 und

Verlin Studio erstmals auch im Radialsystem statt.

Für„A BravePost-ColonialWorld“, wie die Ausgabe 2019

heißt, möchte die Gründerin Martha Hincapié Charryeinen

Dialog zwischen den Kontinenten eröffnen. Die Tänzerin

und Choreografin hat sich dazu geografisch an der Humboldt-Route

orientiert. Im Radialsystem werden Arbeiten aus

Mexiko und Kolumbien gezeigt. An den kleineren Häusern

jene von inBerlin ansässigen Künstlern aus Spanien, Kuba,

Brasilien und der Dominikanischen Republik.

Eröffnet wird das Festival am Donnerstag von der preisgekrönten

Gruppe Cuatro XCuatro mit dem Stück „El Cuerpo

Vacío“ –„Der leere Körper“. Das Netzwerk rund um den

Choreografen Shantí Vera greift in interdisziplinären Stücken

die Alltagsrealität Lateinamerikas auf. „Gewalt gehört

in diesen Ländern seit der Kolonialisierung zur Normalität.

In Bezug auf den Tanz haben die Deutschen oft sehr

idealistische Vorstellungen von Lateinamerika. Man

denkt an Salsa und Karneval. Aber die Künstler sind

ganz anderen Lebensbedingungen ausgesetzt“, sagt

Martha Hincapíe Charry bei einem Treffen vorab.

„Der leere Körper“ wurde 2017 in der mexikanischen

Hauptstadt uraufgeführt. Zwei Performer

entwerfen hier ein utopisches Setting, in dem

Körper sich vonihren natürlichen und kulturellen

Einschreibungen befreien. Ein

Fluchtversuch auch aus globalen

kapitalistischen Strukturen.

Von Lukas Avendaño,

ebenfalls aus Mexiko,

stammt die Tanz-

Performance „Requiem

for an Alcaravan“. Der studierte

Anthropologe, Tänzer

und ehemalige Kultur-Attaché der

Stadt Veracruz gehört den Zapoteken

an, einer indigenen Ethnie, die drei Geschlechter

kennt. Avendaño ist Muxe und

damit Teil einer sozial integrierten homosexuellen

Minderheit –seine ritualhafte Arbeit

kontrastiert althergebrachte Kultur mit aktuell

bestehender gesellschaftlicher Diskriminierungspolitik

und zieht eine Diskurslinie zu zeitgenössischen

Queer-Theorie.

Auch der Mensch und sein fortschrittsgeleiteter

Einfluss auf die Natur sowie der damit einhergehende

Klimawandel finden in den bis Anfang August

dauernden Aufführungen einen Platz. La Quinta del

Lobo aus Bogotá etwa widmet sich dem „Grolar-Paradox“,

einer hybriden Spezies deren DNA von Grizzlyund

Polarbären stammt. Beim Frauenschwerpunkt am

Dock 11 thematisieren Regina de Miguel, Lucrecia

Dalt, Tatiana Mejia und Maria Paula die industrielle

Ausbeutung der Erde; brechen aus der Wohlfühlzone

umweltschädigender und sich wiederholender historischer

Fehlschläge aus sowie aus der Vorstellung von

Kultur als etwas hermetisch Abgeschlossenen.

Ein besonderes Highlight im Programm dürfte

auch das Panel „Please do disturb: Climate Chaos,

Dance &Activism“ werden. Zum Gespräch über

die potenziellen Wirkkräfte der Kunst im Zeitalter

des Anthropozäns sind nicht etwa westliche

Experten geladen, sondern die brasilianische

Umweltaktivistin Sônia Guajajara,

der Chef-Ranger des weltweit größten

Regenwald-Nationalparks in Kolumbien,

Carlos Castano Uribe, sowie

Vertreter einer indigenen

Volksgruppe vom Sierra

Nevada de Santa

Marta.

Künstler aus

Südamerika

beim Festival

„Plataforma

Berlin“

VonChristine Matschke

Plataforma Berlin

18. Julibis 2. August,

Radialsystem, Dock 11

und Verlin Studio,

12–16 Euro,

Kombitickets

ab 24 Euro,

Tel.:288 78 85 88

HUGO CANSECO

RICARDO LEON

Friedliches Herumschunkeln

Das Musikfestival „Wish YouWere Here“ des Arab Fund for Arts and Culture

VonSarah Pepin

Derweilen sind wir schon über

die kalendarische Mitte der

Berliner Sommerferien hinaus und

das Sommerloch, in das die Berliner

kopfüber hineingefallen sind,

scheint sich langsam zu schließen.

EinpaarWochen bleiben uns Großstädtlern

aber noch zum Rumschunkeln.

Für ein solches fröhliches

Hinternwackeln bietet sich

die dritte Ausgabe des Musikfestivals

„Wish You Were Here“ vom

AFAC an, dem Arab Fund for Arts

and Culture, das ab Dienstag im Silent

Green Kulturquartier in Wedding

stattfindet.

Auf dem Programm stehen Performances

und Musik vonKünstlern

aus dem arabischen Raum. Die Musik

bewegt sich dabei von leichtem

Elektro mit orientalischen Einflüssen

hin zu Jazz und experimenteller

Avantgarde.

Hervorzuheben seien hier Mazen

Kerbaj, ein libanesischer Künstler

und Trompetenspieler, der sich im

Silent Green mit BurkhardBeins und

Michael Vorfeld zusammentun wird.

AufYoutube kann man sich die Performances

dieser Herren getrennt

anschauen. Kerbaj sieht man dort

seine Trompete mit einem Schlauch

ausstatten und Glasschüsseln sowie

Haarkämme auf die Instrumentenöffnung

legen, um so den Sound zu

modifizieren. Beins und Vorfeld manipulieren

ihrerseits Perkussionsinstrumente

mit Schwämmen und Bögen,

bis sie wie galaktische Botschafter

aus dem Weltall klingen.

Ein weiteres Highlight dürfte der

Auftritt der Band N3rdistan um Walid

Benselim und Wadid Bricos sein,

die am Freitagabend das Festival ab-

Walid Benselim und Wadid Bricos von der Band N3rdistan.

AFAC/N3RDISTAN

schließen. Ursprünglich kommt

Benselim aus Marokko, ist aber seit

Jahren musikalisch in Frankreich tätig.

In seiner Band N3rdistan geht es

melodisch und weniger avantgardistisch

als anderorts im Festival zu, die

Einflüsse kommen trotzdem aus den

unterschiedlichsten Ecken: Weltmusik,

Rock und Triphop-Einflüsse fusionieren

hier zu einem äußerst

klangvollen Ganzen, das sogar Texte

von Dichtern wie Kahlil Gibran und

Mahmoud Darwish einzuflechten

weiß. Man denke an instrumentale

nordafrikanische Klänge,arabischen

Rap und ätherische elektronische

Sounds.

Aber ein Berliner Festival wäre

kein Berliner Festival ohne einen

theoretischen Überbau. Denn neben

jovialem Umherschunkeln und

aufmerksamen Lauschen geht es bei

„Wish you were here!“ auch darum,

Fragen über Orientalismus, Selbstorientalisierung

und dem eigenen

Identitätsverständnis zu stellen. Insofern

fließen aktuelle Debatten um

Islamophobie in die Performances

und Reflektionen der anwesenden

Künstler mit ein. Was heißt es, ein

Künstler aus dem arabischsprachigen

Raum zu sein, in einer Zeit, in

der die Gesellschaft sich stetig weiter

polarisiert? Wiemacht man Kunst in

konfliktreichen Gesellschaften, und

welche Rolle nehmen Kunst und

Kreativität dort überhaupt ein? Im

Berliner Sommer gemeinsam den

ein oder anderen genussvollen Klängen

zu lauschen, vermag es letztlich

oft such, ein friedvolles Gefühl des

Miteinanders zu stiften.

AFAC-Sommerfestival 23.–26. Juli,SilentGreen

Kulturquartier,Gerichtstraße 35, Eintritt: 10 Euro,

Abendkarte 5Euro, nur Barzahlung möglich


2 Berliner Zeitung · N ummer 164 · D onnerstag, 18. Juli 2019

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Film/Kinoprogramm

DVD-TIPP

NEU IM KINO

Kein Western

ohne Waffen

Eingebürgert:

Marlene Dietrich in dem

Western „Der große Bluff“

VonRalf Schenk

Am9.Juni 1939 nimmt Marlene

Dietrich die US-amerikanische

Staatsbürgerschaft an. Mit Hitler will

sie nichts zu tun haben: „Wir waren

alle entwurzelt und heimatlos. Wir

waren in einem fremden Land, mussten

eine fremde Sprache sprechen,

mussten uns an fremde Sitten und

Gebräuche, anfremde Ideen gewöhnen.“

Der Versuch, der Verlorenheit

und dem Heimweh Paroli zu bieten.

Zur selben Zeit spielt sie die

Hauptrolle in einem Western, jenem

Filmgenre, das die Gründungsmythen

derVereinigten Staaten wie kein

anderes pflegt. „Destry Rides Again“

heißt ihr Einstand imWildenWesten,

auf Deutsch: „Der große Bluff“. Die

Dietrich als Sängerin in einem Saloon,

mit blond gelocktem Haar,

Schönheitsfleck, stets einen Spruch

auf den Lippen. Höhepunkt des

Films: Ihre Prügelei mit einer Rivalin,

da fliegen im wahrsten Sinne des

Wortes die Fetzen. Der große Friedrich

Hollaender schrieb ihr den Song

dazu: „The Boys in the Back Room“,

bestens geeignet Marlenes rauchige

Stimme.

An ihrer Seite: James Stewart als

pazifistischer Sheriff. Er jongliert

zwar gekonnt mit Pistolen, hat sie

aber abgelegt, um durch Worte zu

überzeugen. Erst als sein finsterer Gegenspieler

zum „Endsieg“ im Städtchen

Bottleneck antritt, greift er wieder

zur Waffe. Esist, als ob der Film,

der kurz nach dem deutschen Überfall