The Red Bulletin August 2019

online.magazines

DEUTSCHLAND

AUG./SEPT. 2019, € 2,50

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

„VERSUCH DAS UNMÖGLICHE.

UND GENIESSE DEINE REISE.“

BRAD PITT UND LEONARDO DiCAPRIO IM DOPPEL-INTERVIEW

ÜBER DEMUT ALS ERFOLGSREZEPT UND TEAMWORK À LA TARANTINO

BRAD PITT: „ARBEITE MIT LEUTEN,

DIE SCHLAUER SIND ALS DU.“

Für Abonnenten der

LEONARDO DiCAPRIO: „SEI UNVERBLÜMT

OFFEN. SAG, WAS DICH STÖRT.“


Foto: R. Schedl

Gezeigte Fahrszenen bitte nicht nachahmen, Schutzkleidung tragen und die anwendbaren Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung beachten!

Die abgebildeten Fahrzeuge können in einzelnen Details vom Serienmodell abweichen und zeigen teilweise Sonderausstattung gegen Mehrpreis.

VERGISS

KONVENTIONEN

Manche Regeln sind dazu gemacht, gebrochen zu werden. Versteh uns

richtig, wir wollen nicht, dass du das Gesetz brichst – aber wir sehen

....0669.0.. 6.

ihre eigenen Standards und stellt dabei so manche Konvention in Frage.

Erlebe jetzt den brandneuen, bahnbrechenden, Big Bore Supermoto

Outlaw und definiere deine eigenen Spielregeln.


EDITORIAL

WILLKOMMEN

LEGENDEN

UNTER SICH

IM RENNEN

RED BULL ILLUME

Der weltweit größte

Wett bewerb für Actionund

Abenteuer-Sportfotografie

(zuletzt über

34.000 Einsendungen)

läuft wieder. Im Herbst

kürt die Jury 55 Finalisten

und einen Gesamtsieger.

Ab Seite 6 siehst du drei

Highlights unter den bisher

eingereichten Bilder.

Wer Großes erreichen will, muss das Kleine

ehren – was wie ein Kalenderspruch klingt,

ist vielmehr das sehr ernst gemeinte Erfolgsrezept

von Brad Pitt und Leonardo DiCaprio. Im

Doppel- Interview ab Seite 36 sprechen die zwei

Hollywood-Superstars über ihre detailbesessene

Vorbereitung, ihre Demut vor dem Können der

Regisseure und ihre Erlebnisse mit Filmmacher

Quentin Tarantino, für dessen neues Werk

„Once Upon a Time in Hollywood“ sie nun erstmals

gemeinsam vor der Kamera standen.

Um entscheidende Details für den Erfolg geht

es auch in unserem Feature über die E-Sport-

Profis von Team BIG (ab S. 56), die wir einen Tag

lang in ihrem Trainingsalltag begleiten durften.

Vor dem Bildschirm – und im Fitnessstudio.

SATZ DES MONATS

„ Steh für deine

Prinzipien ein

und bleib gütig,

dann bist du

unzerstörbar.“

Schauspielerin Lily James über

ihren Umgang mit schwierigen

Zeiten. Ab Seite 34

SAMIR HUSSEIN/WIREIMAGE/GETTY IMAGES (COVER), PHILIPP HORAK BRIAN SATUFFER UND HELLO VON

IM GAMING-HAUS

CHRISTOPH VOY

Für den Fotografen (u. a.

„Vice“, „ZEITmagazin“)

öffneten die E-Sportler

von Team BIG die Tür zu

ihrem Berliner Gaming

House, in dem sie jeden

Tag bis in die Nacht trainieren

– unterbrochen

von einem Besuch im Fitnessstudio

gegen 23 Uhr.

„Das sind absolute Vollprofis“,

resümierte Voy.

Seite 56

Viel Spaß mit der neuen Ausgabe

von The Red Bulletin!

Die Redaktion

IM SURVIVAL-MODUS

WALTRAUD HABLE

Wie überlebt man auf einer einsamen

Insel? Unsere Autorin

verbrachte sechs Tage und fünf

Nächte auf einem Eiland mitten im

Indischen Ozean. Der Red Bulletin-

Selbstversuch ab Seite 66.

IN AKTION

LUKAS KLOSTERMANN

Was essen Spitzen sportler weltweit?

Darum dreht sich alles

in unserem Feature ab Seite 44.

Darin schildert u. a. der Fußball-

Nationalspieler das Ernährungssystem

seines Vereins RB Leipzig.

THE RED BULLETIN 3


INHALT

The Red Bulletin

August/September 2019

COVERSTORY

36 IKONEN IM INTERVIEW

Brad Pitt und Leonardo DiCaprio

präg(t)en Holly wood. Hier schildern

die Oscar-Preisträger, wie

sie an der Spitze bleiben.

FESTIVAL

18 STADT DER WUNDER

Beim Boomtown Fair werden

die Besucher zu Helden ihrer

eigenen Märchenwelt.

FITNESS

44 ESSEN WIE

EIN CHAMPION

Acht Spitzenathleten aus aller

Welt sprechen darüber, welche

Ernährung sie stark macht.

E-SPORT

56 HIER LEBT TEAM BIG

Zu Besuch im Berliner Gaming

House der deutschen Shootingstars

im Spiel „Counter-Strike“.

18

AUF DER BÜHNE

Beim Boomtown Fair

entstehen mitten in

England gigantische

Fantasiewelten.

TATTOOS

30 DAS GEHT UNTER

DIE HAUT

Warum namhafte Sportler

dem Wiener Tätowierer Helmut

„Slimheli“ Zeiner vertrauen.

HOLLYWOOD

34 DIE IMMENSE KRAFT

DER LILY JAMES

Die Schauspielerin erzählt, wie

sie mit Druck umgeht – und was

ihre Brüder damit zu tun haben.

6 GALLERY

12 ZAHLEN, BITTE!

14 KOLUMNE

15 FUNDSTÜCK

16 LIFE HACKS

42 INNOVATOR

5-MINUTEN-COACH

64 WIE DEINE IDEEN

FLIEGEN LERNEN

Freestyle-Motocross-Star

Luc Ackermann verrät seine

Tipps für kreatives Denken.

ABENTEUER

66 FRAU IM

SURVIVAL-MODUS

Wie unsere Autorin eine Woche

auf einer einsamen Insel überlebte

(und was sie dabei lernte).

96 IMPRESSUM

98 PERFEKTER ABGANG

66

AUF DER INSEL Unsere Autorin verabschiedete

sich für eine Woche von der Zivilisation.

MIKE MASSARO/BOOMTOWN, PHILIPP HORAK,

ERIK TANNER/CONTOUR BY GETTY IMAGES, CHRISTOPH VOY

4 THE RED BULLETIN


„ Manche Dinge

kann man

nicht erfinden.

Sie erfinden

sich selbst.“

LUC ACKERMANN, virtuoser

Freestyle-Motocrosser,

über Kreativität: Seite 64

34

AUF ERFOLGSKURS Aktrice Lily James

über ihre Strategie, mit Druck umzugehen

56

AUF SENDUNG Zu Besuch im Berliner Gaming

House der E-Sport-Profis von Team BIG

guide

DEIN PROGRAMM

80 REISEN

Löwen und Geparden

hautnah: auf Profi-

Fotosafari in Kenia

84 EVENTS

Von den NitrOlympX

bis zur Gamescom:

die Events des Monats

86 GAMING

Dieses Spiel wird das

neue „Pokémon Go“.

87 ENTERTAINMENT

Red Bull TV-Highlights

– live und on demand

THE RED BULLETIN 5


GALLERY

Teahupoo, Tahiti

TIEFENSCHÄRFE

Teahupoo an Tahitis Südwestküste ist

berühmt für seine hohl brechenden Wellen.

Fotograf Ben Thouard, der auf der Insel lebt,

kennt den Schauplatz aus allen Perspektiven:

„Mein Ziel war es, Surfer aus einem neuen

Blickwinkel abzulichten.“ Also tauchte der

Franzose ab und drückte ab – wir erahnen

die Kraft des Pazifik. benthouard.com

6 THE RED BULLETIN


BEN THOUARD/RED BULL ILLUME

THE RED BULLETIN 7


GALLERY

Ölüdeniz, Türkei

LUFTTAXI

Ready for Take-off: In wenigen Sekunden

wird sich Base-Jumper Guillaume Galvani

von Ferdi Toys Schirm lösen und über der

Bucht von Ölüdeniz in die Tiefe springen.

Fotograf Tristan Shu: „Wir haben uns durch

die Wolken gekämpft, um Guillaume im

Licht der untergehenden Sonne zu zeigen –

es war einfach perfekt.“ tristanshu.com

8 THE RED BULLETIN


TRISTAN SHU/RED BULL ILLUME

THE RED BULLETIN 9


GALLERY

Engelberg, Schweiz

PULVERTAUCHER

Der Mann, der hier bis zum Hals im Pulverschnee

steckt, ist das US-Ski-Ass Marcus Caston. Ein

Bild, das wir allen widmen, denen die Sommerhitze

zu schaffen macht. Entstanden ist es in

Engelberg im Kanton Obwalden, Heimatort von

Fotograf Oskar Enander: „Ein herrlicher Tag mit

30 Zentimeter Neuschnee.“ oskarenander.com

OSKAR ENANDER/RED BULL ILLUME

10 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 11


Z A H L E N , B I T T E !

Red Bull 400

KRALL DIR DEN SIEG!

Am Ende geht es nur auf allen vieren weiter – 1800 Sportler erklimmen

am 20. Juli beim härtesten 400-Meter-Lauf der Welt die Skischanze in

Titisee-Neustadt (Anmeldung auf redbull.com). Einige Fakten zur Vorbereitung:

6

Teilnehmer waren seit

der Premiere im Jahr 2015

200

jedes Mal dabei.

Pulsschläge – natürlich pro

Minute – liefern aufgrund der

Anstrengung auf den 400 Metern

den richtigen Rhythmus.

140

Höhenmeter sind

zu absolvieren.

14

Vorläufe münden (wenn alle

Startplätze vergeben werden)

in vier Semifinale und

schließlich in das Finale.

7200

Dosen Red Bull und 3000 Liter Gerolsteiner

Wasser wurden im Vorjahr getrunken.

1500

Müsliriegel, 1300 Donuts,

130 Kilo Nudeln und

55 Kilo Bananen wurden

2018 verzehrt.

35

Grad beträgt die Steigung

der Hochfirstschanze in Titisee-

Neustadt. Den Schanzenrekord

hält der slowenische Skispringer

Domen Prevc: Am 11. März 2016

schaffte er 148 Meter.

12.960

Kilometer legt Suzy Walsham dieses Mal zurück,

um am Red Bull 400 in Titisee-Neustadt teilzunehmen.

Sie reist dafür eigens aus Singapur an.

4.000.000

Euro wurden im Jahr 2000 investiert,

um die Schanze Weltcup-tauglich

zu machen. Größtes Problem:

Immer wieder mangelt es an Schnee.

1

Heiratsantrag hat 2017

beim Lauf für Tränen

gesorgt. Ein Schweizer Teilnehmer

ging nach den

Männervor läufen vor seiner

Angebeteten in die Knie –

eine äußerst emotionale

Angelegenheit.

GETTY IMAGES (3), FLO HAGENA/RED BULL CONTENT POOL CLAUDIA MEITERT

12 THE RED BULLETIN


Die App, die Impfungen

auf dem Schirm hat.

Mit TK-Safe Gesundheitsdaten

..


Fortschritt leben. Die Techniker

dietechniker.de


KOLUMNE

Thilo Mischke

BEGEGNUNGEN

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

Er ist 200 Tage im Jahr unterwegs,

Jetlag ist bei Korrespondent und Reisereporter

Thilo Mischke (TV-Dokureihe

„Uncovered“) ein Dauerzustand. Auf seinen

Expedi tionen trifft der 38-jährige Berliner

immer wieder Menschen, die ihn faszi nieren.

Dieses Mal: Mr. Toh, der die Full Moon

Party in Thailand ausrichtet und über

die Jugend lernt.

Der berühmte Haad-Rin-Strand ist leer, kaum

Menschen. Ich höre das Meer rauschen, höre

den Wind, der den weißen Sand umherwirbelt.

Hier und da halten Menschen ihre Füße ins Wasser, trinken

erschöpft von der Hitze aus einer frischen Kokosnuss.

Dieser Strand ist nicht zum Baden gemacht, er ist

der Austragungsort der größten Party Südostasiens.

Eine Sehenswürdigkeit,

ohne dass sich die Besucher

dafür interessieren, wie dieser

Strand aussieht – am Tage. Sie

kommen nachts, sie kommen

für den Techno, für die Plastikbecher,

gefüllt mit Softdrinks

und Rum. Sie kommen für gemalte

neonfarbene Muster auf

ihrer hellen Haut. Muster, die

unter UV-Lampen zu leuchten

beginnen. Sie kommen, um zu

feiern und so lange zu trinken,

bis sie nur noch auf dem Rücken

im Sand liegen können,

die Musik nicht mehr hören

und vom Leben besoffen über

die Freiheit nachdenken. Auch

ich habe das gemacht, 2003.

Mit meinem besten Freund Robert, auch ich lag hier im

Sand und hörte Rummeltechno, bis die Ohren pfiffen.

Mr. Toh ist müde, 41 Jahre alt, er ist hier an diesem

Strand groß geworden. Seit 41 Jahren einmal im Monat

Full Moon Party. Das hinterlässt Spuren, nicht nur in der

Natur der Insel, sondern auch bei ihren Bewohnern. Als

Elfjähriger hat er Schnäpse ausgeschenkt, jetzt, dreißig

Jahre später, betreibt er mit der Drop-in Bar eine Legende,

er betreibt den Motor dieser Party. Die größte Bar am

Haad Rin.

Von ihm habe ich nichts über das Leben gelernt, so

ehrlich muss ich sein. Man lernt auf Partys nichts über

das Leben. Vielmehr konnte ich durch ihn einen Blick auf

verschiedene Jugendgenerationen aus der ganzen Welt

und ihre Bedürfnisse werfen, über den Zeitraum eines

halben Lebens. Mr. Toh spricht wenig über sich. „Nicht

„Nach 30 Jahren Full Moon Party

habe ich die Schnauze voll.

Ich will jetzt in Rentner investieren.“

Mr. Toh betreibt die größte Bar am legendären

thailändischen Partystrand Haad Rin.

mal mein Name Mr. Toh stimmt“, sagt er. Die Touristen

könnten sich seinen thailändischen Namen nicht merken,

deswegen hat er sich diesen Spitznamen gegeben. Mr. Toh

spricht am liebsten über die Besucher der Party, von den

Gesichtern, die einmal im Monat vom Vollmondlicht erleuchtet

werden, und was er darin sieht.

„Die Gäste werden immer jünger“, sagt er. „Früher, da

waren alle um die dreißig, jetzt sind alle um die zwanzig.“

Mr. Toh stört das nicht, es verblüfft ihn nur. Gestern war

eine Party, und es läuft immer gleich ab. Morgens Aufbau,

nachts kommen aus ganz Thailand bis zu 40.000

Menschen auf die Insel Ko Pha-ngan. Mr. Toh sorgt für

Spaß. DJs aus Europa, Getränke wie in Europa, das beste

Kater-Essen, auch wie in Europa: Pizza statt Pad Thai.

„Viele denken ja, die Full Moon Party sei ein buddhistisches

Fest“, sagt er und fügt hinzu: „Ist es aber nicht,

das wurde vor über dreißig

Jahren hier am Strand einfach

erfunden. Der Vollmond als

Grund zum Feiern.“

Die Generationen kommen

und gehen, Generation X, danach

Y, dann die Millennials,

sie alle setzen sich von ihrer

Vorgängergeneration ab.

Wollen anders sein, wollen

neu sein. Das ist auch wichtig,

das ist schließlich die Aufgabe

der Jugend.

„Wenn sie feiern, sind sie alle

gleich“, sagt Toh. Egal wie alt.

„Mischgetränke und Charts-

Musik verbinden Generationen.“

Die Welt würde immer

ernster werden, sagt Toh, die Kriege immer lauter, die

Natur verkocht vor Hitze. Auch hier in Thailand spürt

man den Klimawandel. „Eigentlich ist jetzt Monsun.“ Er

zeigt in den blauen Himmel. Kein Regen. Die Welt verändert

sich, die Jugend bleibt gleich. Nur das Bedürfnis,

der Realität zu entfliehen, setzt heute früher ein. Eskapismus

als einträgliches Geschäftsmodell; je beschissener

die Welt, desto mehr wollen die Leute feiern.

Mr. Toh ist aber erschöpft. „Nach dreißig Jahren Full

Moon Party habe ich die Schnauze voll“, sagt er. Wischt

sich den Schweiß mit einem Handtuch aus dem Nacken.

„Ich will jetzt in Rentner investieren“, sagt er. „Die, die

früher hier gefeiert haben, werden jetzt alt und wollen

betreut werden. Sie wollen am Haad Rin alt werden.“

„Rentner und Feierwillige, sie haben die gleichen Bedürfnisse?“,

frage ich Toh. Und er lacht, nickt. „Sie wollen

vergessen, wie die Wirklichkeit aussieht.“

MARTIN GASCH BLAGOVESTA BAKARDJIEVA THILO MISCHKE

14 THE RED BULLETIN


FB U NL DL ES VT AÜ RC DK

Bob Dylans

Mundharmonika

ZEITENWENDE

Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen auf dieser

Mundharmonika. Sie hat so viel Rost angesetzt,

dass das N und das D in „Marine Band“ schon fast

verschwunden sind. Wir sehen eine Blues harp

in A-Dur, Seriennummer A449, und sie gehörte

Bob Dylan, dem Mann, der der Folkmusik, ja der

Musik überhaupt, in den 1960er-Jahren neues

Leben einhauchte. Damals war er ein eigenwilliger

Charakter mit wildem Lockenkopf, der sich die

Seele aus dem Leib blies und mit „The Times They

Are A-Changin’“ zur „Stimme einer Generation“

wurde – eine Rolle, der er sich stets verweigerte.

HENRY LEUTWYLER, GETTY IMAGES

Bob Dylan (hier 1961 in New York): fast 60 Jahre

erfolgreich, 2016 mit dem Nobelpreis geehrt

THE RED BULLETIN 15


L I F E H A C K S

Science-Bastler

SO AKTIVIERST DU

DEINEN GRÜNEN DAUMEN

Schlaue Lösungen für konkrete Probleme, Volume 11: Was haben Windeln, Eierschalen, Flaschen

und Toilettenpapierrollen gemeinsam? Sie machen deine Pflanzen glücklich. Hier erfährst du, wie.

ANZUCHT

Pflanzen mit der

Flasche aufziehen

Wirf leere Flaschen nicht weg, sondern bastle einen selbstbewässernden

Pflanztopf: Über die Kordel steigt das Wasser

kontinuierlich auf und befeuchtet die Blumenerde.

SCHUTZ

Schalen gegen Schädlinge

Chemiekeule? Nein, danke! Eierschalen schützen

Pflanzen als natürliche Barriere vor Schnecken.

Streue Schalen

rund um Triebe

herum, um Schädlinge

fernzuhalten.

1

Schneide die Plastikflasche

in der Mitte auseinander und

fülle den unteren Teil mit

Wasser, bohre ein Loch in den

Flaschendeckel und fädle

einen nassen Wollfaden durch.

WACHSTUM

Windel als Wasserspeicher

Windelgranulat saugt Flüssigkeit auf und speichert

sie – und eignet sich somit perfekt als Düngemittel.

ba bywindel

#1

Schneide die

Windel auf und

mische den Inhalt

1:1 mit Blumenerde.

ENTFALTUNG

Töpfe aus Toilettenpapierrollen

Umweltfreundliche Aussaatgefäße für lau: Klopapierrollen

mit Erde bzw. Samen füllen – und fertig!

2

Setze den oberen Teil der Flasche

verkehrt herum in den

unteren und fülle ihn mit Erde.

Drück die Samen hinein, der

Keimling ist etwa eine Woche

mit Feuchtigkeit versorgt.

Rolle falten,

an den Seiten einschneiden,

Laschen

nach innen knicken.

SASCHA BIERL FLORIAN OBKIRCHER

16 THE RED BULLETIN


NATÜRLICH ERFRISCHEND – KEINE ENERGY DRINKS


Ein Musikfestival als gigantisches Rollenspiel. Wenn in Südengland

die Boomtown ihre Tore für 60.000 Besucher öffnet, hat die Realität

vier Tage lang Pause. Wir tauchten in die Party ein – und trafen

Blumenkinder, Disco-Cowboys und Piraten. Text LOU BOYD

WILLKOMMEN

IM WUNDERLAND

MICHELLE ROBERTS/ALAMY STOCK PHOTO


DIESES RADIO

IST EINE BÜHNE

Boomtown gleicht eher einem

Filmset als einem Festivalgelände:

Hier finden Konzerte

mitunter auch auf Bäumen,

in Kernkraftwerken oder Postämtern

statt. Und manchmal verschwindet

die Bühne, wie hier,

in einem Riesen-Ghettoblaster.

19


DRAMA-QUEENS

UND PARTYTIGER

Eine völlig alltägliche Szene

aus Boomtown: Hunderte kostümierte

Schauspieler, so wie

dieses Pärchen, verwandeln

das Festivalgelände in ein

begeh bares Freilufttheater. Wie

weit die Besucher mitspielen,

entscheiden sie selbst.

GEORGE HARRISON

20


JANE STOCKDALE


IM ZENTRUM

DER EKSTASE

Im Herzen von Boomtown steht

ein gewaltiger Tempel, der

„Lion’s Den“: Mit Pyrotechnik,

Lasereffekten und Wasserfällen

dominiert er die Skyline der

Stadt und bringt die Menge

mit Reggae-, Dancehall- und

Dub-Sounds zum Kochen.

23


WÄHLE DEINE

WUNDERWELT

Boomtown besteht aus zwölf

Be zirken wie der Oldtown (li. o.),

den luxuriösen Paradise

Heights (re. o.) oder Copper

County im Wildweststil (re. u.).

Für Be sucher gilt: „Choose your

vibe, choose your tribe.“

JODY HARTLEY, GARRY JONES


25


LEORA BERMEISTER, MIKE MASSARO, BOOMTOWN IMAGE


Im Oldtown District von Boomtown: Man weiß nie, welche Überraschungen hinter

den Türen der Festival-Gebäude lauern. In diesem Fall eine verwegene Piratin.

Eine Riesenparty von Menschen für Menschen: Die Eröffnungsfeier wird von den

Organisatoren und der gesamten Boomtown-Community gestaltet.

WER REGIERT

DIE STADT?

Dunkle Gestalten greifen nach

der Macht. Auch politische

Intrigen und geheime Revolutionen

gehören zum Repertoire

der Gesamtinszenierung von

Boomtown.

Esist ein im wahrsten Sinne des Wortes fantastisches

Spektakel, das sich jedes Jahr in Südengland

vor den Toren des beschaulichen Städtchens Winchester abspielt:

Auf einem freien Feld erhebt sich hier im August eine gigantische

Festival-Stadt, die ihren Besuchern an vier Tagen weit mehr bietet als

zahlreiche hochkarätige Bühnen-Acts. Denn wiewohl im Line-up schon

Kracher wie Gorillaz, M.I.A., The Specials oder Sublime gelistet waren,

ist die wahre Attraktion des Festivals – das mit 60.000 Besuchern mittlerweile

zu den größten Musik-Events Großbritanniens zählt – das Festival-

Gelände selbst: Boomtown.

In einer Art Mega-Rollenspiel samt märchenhaften Kulissen werden

die Festival-Besucher Teil einer gewaltigen Inszenierung. In Boomtown

wimmelt es nur so von Piraten, Cowboys und Cyborgs. Wenn du durch

eine Wildweststadt flanierst, dich im Oldtown District den Freibeutern

anschließt oder dich in die postapokalyptischen Ruinen von Downtown

wagst, weißt du nie, was dich hinter der nächsten Ecke erwartet.

Aber eines weißt du: Es ist nicht das, was du erwartest …

27


Der Bürgermeister: Veranstalter Martin Coat ist das ganze Jahr über mit

der Vorbereitung dieses Mega-Events beschäftigt.

„Wir waren schon immer

die heftigsten Partymacher.“

Martin Coat ist Boomtown-Intendant und für die Entwicklung

der Storyline und der Figuren in der Stadt verantwortlich.

Hier erzählt er, wie man 60.000 Menschen in einer

Riesen-Fantasiewelt unterhält.

bin von Anfang an davon ausgegangen,

dass die Leute, die nach

„Ich

Boomtown kommen, extrem spielbegeistert

sind und immer tiefer in ein

Wunderland eintauchen wollen. Unter

Großbritanniens Sommer-Festivals war

dies schon immer die heftigste aller Partys,

geprägt von unbändiger Vergnügungssucht

– man könnte auch sagen, einem

ausgeprägten Wunsch nach Realitätsflucht.

In den letzten Jahren jedoch ist

der spielerische Aspekt, also das Theater,

stärker in den Vordergrund gerückt.

Heute ist Boomtown ein riesiges Set.

Es gibt insgesamt 27 Bühnen und 12 bis

ins kleinste Detail theatralisch inszenierte

Districts. Insgesamt entstehen so etwa

80 Venues und zahlreiche versteckte

Geheimräume, die es für die Besucher

zu entdecken gibt – diesbezüglich haben

wir dieses Jahr übrigens ein paar richtig

gute Überraschungen. Und: Nichts bleibt,

wie es einmal war. Wenn man im Jahr

davor durch eine bestimmte Tür in eine

Geheimkammer gelangt ist, ist sie im

nächsten Jahr garantiert nicht mehr da!

Bei aller Fantasie spiegelt die Storyline

des Festivals aber auch stets die Realität.

Wir versuchen, die gröbsten Fehler der

prinzipientreu-neoliberalen Regierung

übertrieben darzustellen, und prangern

Korruption und Gier an. In den ersten

Jahren waren Revolutionen unser bevorzugtes

Thema. Die Spieler bekamen die

Aufgabe, die Regierung von Boomtown

durch einen Rebellenaufstand zu stürzen.

Dazu musste man aber erst mal hinter die

Kulissen blicken und das Gesamtbild erfassen:

Wer hat hier wirklich das Sagen?

Nachdem die Regierung gestürzt war,

erkannten die Spieler plötzlich, dass die

Politik nur die Spitze des Eisbergs war –

tatsächlich hatten Konzerne und Banken

in Boomtown die Fäden in der Hand.

Apropos Fäden in der Hand: Ich habe

hier den absoluten Traumjob, der an

Krea tivität und Originalität kaum zu

überbieten ist. Ich bin mit Festivals groß

geworden und war vom Theater schon

immer fasziniert. Die Kombination aus

beidem ist für mich daher der ultimative

Glücksgriff. An diesem Festival waren

schon immer wahnsinnig viele Künstler

beteiligt, ob sie nun die Kulissen gestalten

oder Performances darbieten, auf der

Bühne oder in der Besuchermenge – was

zählt, ist die Community.

Früher konnte man diesen Geist auch

auf vielen anderen Festivals spüren, vor

allem den kostenlosen wie etwa Stonehenge,

Elephant Fayre oder Glastonbury

in seinen Anfängen. Man traf sich dort,

kam als eine Gemeinschaft zusammen.

Natürlich wurde wild gefeiert, und man

schottete sich ein paar Tage von der

Außenwelt ab, aber letztendlich war der

Grundgedanke: ‚Schaut her, wir wissen

es besser, wir geben aufeinander und auf

unsere Umwelt acht.‘ Darum geht es allerdings

bei vielen Festivals längst nicht

mehr. Es gibt jeden Sommer tausende

Events, auf denen man die Sau rauslassen

kann – der Spirit ist aber, wenn es denn

je einen gab, auf der Strecke geblieben.

Einige meinen, mit dem Eintrittsgeld

hätten sie schon ihren Beitrag geleistet.

In Boomtown ist der Trend genau

gegenläufig: Das Festival zieht zwar von

Jahr zu Jahr mehr Menschen an, aber

gleichzeitig wächst auch der Community-

Gedanke mit. Die Leute lieben das, was

wir machen, und wissen, was es bedeutet,

ein Teil von Boomtown zu sein.“

boomtownfair.co.uk

JANE STOCKDALE, MIKE MASSARO

28 THE RED BULLETIN


PANORAMABLICK

INS TRAUMLAND

2008 kamen 1000 Besucher

nach Winchester, 2019 werden

60.000 Menschen erwartet.

Alles begann mit nur einer

Bühne – mittlerweile spielt

sich das Festival auf 27 Bühnen

und in 12 filmreif inszenierten

Districts ab.

SPONTANE

PERFORMANCE

Ein Festival wie ein Karneval:

Auch abseits der großen Musikbühnen

wird in Boomtown an

jeder Straßenecke gefeiert:

Insgesamt sorgen 80 Mini-

Venues für Party ohne Ende.


HEROES

Slimheli

DAS GEHT

UNTER DIE HAUT

Helmut „Slimheli“ Zeiner tätowiert Sportstars

von Marko Arnautović bis Rafael Rotter. Im Service

inkludiert: ein offenes Ohr und offene Worte. Seine

Profession ist das Ende seines Wegs von Rückschlag

zu Rücksicht, von Verbrechen zu Vertrauen.

Zuletzt stach er Torwart

Christopher Knett, dann

folgte die halbe Mannschaft

des österreichischen

Fußballklubs FC Wacker Innsbruck.

Marko Arnautović bezeichnet

er als sein „viertes

Kind“, und David Alaba kommt

gerne einfach nur zum Reden

vorbei: Helmut „Slimheli“

Zeiner ist in der Sportszene

erste Adresse – nicht nur beim

Wunsch nach einem neuen

Tattoo, sondern auch bei Gesprächsbedarf.

Zeiner malt ihnen Jesus,

Engel und die Gottesmutter

Maria unter die Haut. Sie erzählen

ihm ihr Privatleben.

Auch das geht manchmal

unter die Haut. „Manche haben

beim Reden auch schon

Tränen vergossen, vor Wut

oder Trauer“, sagt Slimheli.

Viele der Sportler, die zu ihm

kommen, kennt er seit ihrer

Jugend – über seine drei

„Ich sage nur

etwas zu Dingen,

die ich selbst

schon erlebt habe.“

Söhne, die mit ihnen gemeinsam

trainierten.

Slimheli ist ihnen Zuhörer

– und Ratgeber, „aber ich sage

nur etwas zu Dingen, die ich

selbst schon erlebt habe“. Was

den Gesprächsstoff allerdings

kaum einschränkt, denn der

drahtige Mann mit der Friedenstaube

am Hinterkopf hat

in seinem Leben genug erlebt,

um ein ganzes Buch zu füllen

– geschehen unter dem Titel

„Slimheli“ im März 2019 im

egoth Verlag. Eine Kindheit

in kriminellem Umfeld, ein

Staatsmeistertitel im Breakdance

und eine Karriere als

Eishockeyspieler liegen hinter

dem heute 52-Jährigen.

2015 überlebte er zwei Herzinfarkte,

auch Großvater ist

er schon geworden.

„Die Sportler sind sich

bewusst, dass ich in meinem

Leben schon sehr viel gesehen

habe. Wenn man weiß, dass

jemand schon viel hinter sich

hat, hört man demjenigen

ganz anders zu.“ Wegen seines

Alters und seiner Lebenserfahrung

hätten die Jungen Vertrauen

zu ihm, sagt Helmut

Zeiner. „Und sie haben Respekt

vor mir – auch davor,

dass ich es geschafft habe, mir

nach vielen Rückschlägen ein

gutes Leben aufzubauen.“

CHRISTIAN HOFER

30


Helmut Zeiner, 52,

besser bekannt

als Slimheli, kann

als Tätowierer

gut zustechen

– und zuhören.


HEROES

Aber wie baut man sich

dieses Vertrauen auf? „Sicher

nicht, indem man bei Interviews

aus dem Nähkästchen

plaudert. Die Jungs spüren

einfach, dass sie mir vertrauen

können. Ich gebe ihnen das

Gefühl, dass sie bei mir gut

aufgehoben sind“, sagt Zeiner.

Vielleicht gerade dadurch,

dass er sie nicht mit Samthandschuhen

anfasst. „Ein

Bursche, der mit Fußball Millionen

verdient, ist für mich

noch lange kein Star“, stellt

Slimheli klar und holt die

Promi sportler beim Tätowieren

auf den Boden. Auf Wehleidigkeiten,

Starallüren und

ähnliche Mätzchen reagiert

Slimheli allergisch. Und nicht

nur Top-Kicker wie Marko

Arnautović haben sich während

einer Tattoo-Session

schon ein „Ach, halt doch die

Papp’n!“ abgeholt – auch Eishockeyspieler

wie Rafael

Rotter, Handballprofi Seppo

Frimmel oder Boxer Marcos

Nader zählen zu den Kunden,

die genau diese schnörkellose

Direktheit zu schätzen wissen.

„Mit vielen der Sportler bin

ich gut befreundet.“

Sie erzählen ihm ihre

Geheimnisse, er teilt seine Erfahrungen.

Dieses Vertrauen

auszunutzen oder gar zu missbrauchen

ist für Slimheli undenkbar.

Dafür hat er zu hart

für dieses Gefühl kämpfen

müssen. Denn Vertrauen hat

im Leben des gebürtigen Wieners,

der das Tätowieren vor

fast zwanzig Jahren für sich

entdeckte, lange Zeit vor

allem durch Abwesenheit „geglänzt“.

Sein Vater war Alkoholiker,

schlug regelmäßig zu.

Als Vierzehnjähriger saß er

unschuldig im Gefängnis. „Ich

habe niemandem vertraut,

nicht einmal mir selbst. Ich

bin zu oft auf die Nase gefallen,

habe sehr viele schlechte

Menschen kennengelernt.“

Angstfrei über wirklich alles

reden, das kann und will Helmut

„Slimheli“ Zeiner nur mit

seiner Frau. Seit 34 Jahren

sind sie zusammen. Sie ist die

Einzige, der er ganz vertraut.

Vielleicht mehr als sich selbst.

Helmut Zeiners Biografie „Slimheli“

(208 Seiten, egoth Verlag) ist

im Handel erhältlich. slimheli.com

A

B

C

D

1

2

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9

10

E F G H

3

I

J

K

L

4

11

12

DAS ARNAUTOVIĆ-PUZZLE

Wo am Körper des Star-Fußballers

befinden sich diese Tätowierungen?

SO GEHT’S: Ordne den Buchstaben der Tattoo-Bilder rechts

jeweils die dazu gehörige Zahl auf der Arnautović-Illustration

oben zu. Die Auflösung findest du unten.

Auflösung: A9, B7, C4, D2, E3, F10, G6, H1, I11, J5, K12, L8

Marko Arnautović, 30, Kicker und treuer Kunde von Slimheli

GETTY IMAGES, REUTERS TOM MACKINGER

32 THE RED BULLETIN


HEROES

Lily James

DIE SCHÖNE

WAR DAS BIEST

Sie ist eine der heißesten Brit-Aktien Hollywoods.

Im Interview erzählt Lily James, wie sie dem

Erfolgsdruck von außen mit innerer Kraft begegnet –

und welche Rolle ihre Brüder dabei gespielt haben.

THE RED BULLETIN: Mit

Filmen wie „Cinderella“,

„Die dunkelste

Stunde“ oder „Baby Driver“

bist du in den letzten Jahren

zu einer der erfolgreichsten

Schauspiele rinnen deiner

Generation aufgestiegen.

Bestand jemals die Gefahr,

dass dir der Erfolg zu Kopf

steigt?

LILY JAMES: Nein. Ganz einfach

deshalb, weil ich meiner

Arbeit immer auch mit einer

großen Portion Selbstzweifel

gegenüber stehe. Natürlich

macht einen der Erfolg an

der Oberfläche stark, aber die

Unsicherheiten, die darunter

schlummern, kannst du nur

mit innerer Kraft lösen – nicht

mit Äußerlichkeiten.

Stärkt der berufliche Erfolg

nicht auch die innere Kraft?

Schon, aber er führt auch

dazu, dass du permanent unter

öffentlicher Beobachtung

stehst und Menschen, die

du nicht einmal kennst, dein

Leben und deine Beziehungen

kommentieren. So etwas kann

„Als ich jünger war, konnte

ich ein wahrer Albtraum

sein. Ich war gewalttätig

und manipulativ.“

ganz schnell Einfluss auf deine

Entscheidungen nehmen. Darf

es aber nicht. Es ist extrem

wichtig, diese Dinge einfach

zu ignorieren. Nur so bleibst

du geistig gesund.

Klingt nach einer eher

defen siven Strategie …

Nach außen vielleicht. Aber es

geht darum, die eigene Privatsphäre

zu bewahren und in

seiner persönlichen Blase zu

bleiben. Es ist unmöglich, es

allen Leuten recht zu machen

– also sollte man es zumindest

sich selbst recht machen. Das

ist mein Mantra für die Reise

meines Lebens.

Hast du diese innere Stärke

bereits entdeckt, bevor du

eine Person des öffentlichen

Interesses wurdest?

Ja, als ich siebzehn war, verlor

ich meinen Vater. Es war eine

enorme Herausforderung,

das gemeinsam mit meiner

Familie durchzustehen und

eine gute Schwester für meine

Brüder zu sein. Dass ich das

geschafft habe, hat mir viel

Mut gegeben.

War dies das erste Mal,

dass du mentale Stärke

beweisen musstest?

Kommt drauf an. Meine

beiden Brüder – einer älter,

der andere jünger – würden

vermutlich eine andere

Geschichte erzählen.

Und zwar welche?

Na ja, jetzt habe ich eine tolle

Beziehung zu ihnen, aber

als ich jünger war, konnte ich

ein wahrer Albtraum sein.

Ich habe ständig mit ihnen

gekämpft.

Du hast sie verprügelt?

Es gab eine Phase, in der

ich ziemlich viel Babyspeck

hatte und mich einfach auf

sie draufsetzen konnte. So

habe ich gewonnen – es war

großartig. Außerdem konnte

ich als Mädchen einen auf

„Mama, die waren’s, nicht ich“

machen. Kurz gesagt: Ich war

gewalttätig und manipulativ.

Meine Brüder nannten mich

„das Biest“.

Kommt dieses „Biest“ auch

heute noch manchmal zum

Vorschein?

Ich habe das Gefühl, dass zwei

Versionen von mir existieren.

Eine davon engagiert sich voll

fürs Berufsleben und meine

Ambitionen, und dann gibt es

auch noch eine hemmungslose

Seite … Vor allem in meinen

Zwanzigern war ich so richtig

furchtlos. Ich war hungrig, ich

wollte unbedingt die Welt sehen

und mich dabei verlieren

und gleichzeitig selbst finden.

Also zog ich los, ganz allein.

Und, hast du dich gefunden?

Ich denke schon. Besonders

weil ich gelernt habe, auch

mit negativen Erfahrungen

klarzukommen. Ich bleibe

positiv, egal was passiert.

Denn wenn du mutig für

deine moralischen Prinzipien

einstehst, ohne dabei deine

Güte zu verlieren, dann bist

du unzerstörbar.

Die Musical-Komödie „Yesterday“

mit Lily James in der weiblichen

Hauptrolle läuft ab 11. Juli im Kino.

ERIK TANNER/CONTOUR BY GETTY IMAGES RÜDIGER STURM

34 THE RED BULLETIN


Schauspielerin

Lily James, 30, ist

zielstrebig, mutig und

stark – nachzufragen

am besten bei ihren

gepeinigten Brüdern.


DER WEG

DER GIGANTEN

Leonardo DiCaprio und Brad Pitt residieren seit Jahrzehnten im Hollywood-

Olymp. Nun stehen sie erstmals gemeinsam vor der Kamera – für Kult-

Regisseur Quentin Tarantino. Hier erzählen sie, wie du an der Spitze überlebst:

indem du mutige Entscheidungen triffst und deine Reise trotzdem genießt.

Interview RÜDIGER STURM

36


ANDREAS RENTZ/GETTY IMAGES

Cooles Trio: Regisseur

Quentin Tarantino (li.), 56,

Leonardo DiCaprio, 44,

und Brad Pitt, 55, bei der

Premiere von „Once Upon

a Time in Hollywood“

diesen Mai in Cannes


„ I C H H A B E N O C H I M M E R D E N H U N G E R , E T WA S T O L L E S

ZU ERSCHAFFEN, WAS MICH AUCH SELBST BEWEGT.“

LEONARDO Di CAPRIO

einig: Das Entscheidende ist, dass du in

dem, was du tust, eine Bedeutung findest.

Wenn uns das weiterhin gelingt, werden

wir in unserer jeweiligen Karriere auch

einen passenden Übergang in eine neue

Phase erleben – so nach dem Beispiel von

Anthony Hopkins oder Gene Hackman.

In

dieser Liga spielen nur ganz wenige mit.

Brad Pitt, 55, und Leonardo DiCaprio,

44, zählen zu jenen Hollywoodstars, die

einen Film ganz allein schultern können –

künstlerisch und an der Kinokasse. Wobei

sich zwischen den Karrieren der beiden

Oscar-Gewinner eine auffallende Parallele

zeigt: Im Gegensatz zu anderen Großkalibern

ihrer Generation haben sie sich

niemals auf eine bestimmte Rolle festlegen

lassen. Während Kollegen wie

Johnny Depp (als Jack Sparrow), Tom

Cruise (Ethan Hunt) oder Robert Downey

jr. (Tony Stark) ihre Millionen zunehmend

in Serie(n) scheffeln, suchen Pitt und

DiCaprio mit jedem neuen Filmprojekt

eine neue Herausforderung – und wagen

damit jedes Mal enorm viel.

In Quentin Tarantinos zehnter Regiearbeit

„Once Upon a Time in Hollywood“

stehen die beiden Superstars nun erstmals

gemeinsam vor der Kamera, und

Regie-Legende Tarantino verspricht „das

aufregendste Star-Duo seit Paul Newman

und Robert Redford“. Wir haben Pitt und

DiCaprio zum Interview gebeten, um die

beiden zu einem Thema zu be fragen,

in dem sie nachweislich Experten sind:

Wie überlebt man dauerhaft in der

dünnen Luft ganz an der Spitze?

THE RED BULLETIN: Brad, Leo, in

eurem neuen Film „Once Upon a Time

in Holly wood“ gibt Leo einen Schauspieler,

der seine besten Tage lange

hinter sich hat. Von euch beiden kann

man das wohl nicht behaupten …

BRAD PITT: Stimmt, aber auch wir haben

ein Ablaufdatum, das ist uns deutlich

bewusst. Umso mehr wissen wir daher

die Zeit zu schätzen, die wir bislang in

dieser privilegierten Position an der Spitze

zubringen durften. Leo und ich haben uns

lange darüber unterhalten und sind uns

Um in diese Position zu gelangen, habt

ihr beide euch mittlerweile fast dreißig

Jahre an der Spitze halten müssen.

Wie „überlebt“ man das?

LEONARDO DICAPRIO: Ich glaube, das hat

viel mit Ernsthaftigkeit und einer gewissen

Demut zu tun. In meinen Augen sind Filme

die wichtigste moderne Kunstform. Wir

empfinden es als Ehre und Privileg, dass

wir ein Teil davon sein dürfen. Brad und

ich haben ungefähr zur selben Zeit in dieser

Branche angefangen und wissen beide,

dass es immer nur eine Chance gibt, den

Durchbruch zu schaffen – und wie schwer

es ist, diese eine Chance zu bekommen.

Vom vielzitierten richtigen Ort zur richtigen

Zeit rede ich da noch gar nicht …

PITT: Es ist ungefähr so, als würdest du

in der Lotterie gewinnen. Es gibt so verdammt

viele talentierte Leute da draußen.

Der Trick besteht also darin, dass du auch

im Zimmer bleibst, sobald du es zur Tür

hinein geschafft hast. Wir beide hatten

die Gelegenheit, zu lernen, wie das geht.

Deshalb haben wir „überlebt“ und unseren

eigenen Weg gefunden.

Wie lässt sich dieser eigene Weg in

einem derart schnelllebigen Business

überhaupt beeinflussen?

DICAPRIO: In erster Linie, indem man

immer und ohne Kompromisse versucht,

die richtigen Projekte auszuwählen. Wir

haben hart an Filmen gearbeitet, die für

uns eine kreative Herausforderung und

gleichzeitig auch große Kunstwerke waren.

Woher kommt dieser Antrieb?

DICAPRIO: Ich komme aus keiner allzu

wohlhabenden Familie und war wohl

auch deshalb besonders ambitioniert.

Außerdem bin ich in Los Angeles aufgewachsen,

mir war also von Anfang an

klar, wie schwer es ist, als Schauspieler

Arbeit zu bekommen – was mich nur noch

mehr motiviert hat. Woher dieser Antrieb

stammt, weiß ich selbst nicht so genau. Es

ist eher wie das Bedürfnis, einen Hunger

zu stillen – aber es ist kein Hunger nach

Reichtum oder Berühmtheit.

Sondern?

DICAPRIO: Der Hunger, etwas Tolles zu

schaffen, was mich selbst bewegt. Und

das ist keineswegs einfach. Du denkst dir:

„Hey, ich habe das richtige Material und

einen tollen Regisseur“ – und dann geht

es trotzdem schief. Aber du musst immer

dranbleiben und weitermachen, dir sagen:

„Ich will, dass etwas Großartiges dabei

herauskommt.“ Diese Einstellung hat sich

bis heute nicht geändert.

ART STREIBER/SONY PICTURES

38 THE RED BULLETIN


Diese Besetzung sitzt:

Quentin Tarantino mit

seinen Hauptdarstellern

Leonardo DiCaprio, Margot

Robbie und Brad Pitt

„ D E R G R O S S E F E H L E R L I E G T, G L A U B E I C H , D A R I N ,

IM RESULTAT NACH DER BEDEUTUNG ZU SUCHEN.

DU FINDEST DIE BEDEUTUNG IM TUN.“ BRAD PITT

PITT: Man darf auch nicht vergessen,

dass du für einen Film viel Lebenszeit

investieren musst – das können schon mal

ein bis zwei Jahre sein. Bei einer großen

Rolle kann allein die Vorbereitung an die

sechs Monate dauern, und dann bist du

auch noch in die Nachbereitung involviert.

Die Sache sollte also richtig Gewicht

haben. Schließlich weiß ich nicht, wie

viel Zeit mir selbst noch bleibt.

Wie erkennt man, ob ein Filmprojekt

das Zeug zu etwas Großartigem hat?

DICAPRIO: Du kannst es naturgemäß nur

erahnen. Allerdings weißt du, was du nicht

willst. Tatsächlich besteht ein wichtiger

Teil des Filmemachens darin, dass du dich

mit dem Regisseur darauf einigst, was du

nicht magst und was du nicht tun willst.

Das gibt dir eine Ausgangsbasis, um auszuloten,

was du wirklich tun möchtest.

PITT: Ganz wichtig für mich ist, dass ich

Dinge nicht wiederhole. Ich will mich

weiterbewegen, auf Gedeih und Verderb.

Ich kann nicht zurück. Das ist auch bei

meinen Reisen so. Wenn ich erst mal

aufgebrochen bin und feststelle, dass ich

meine Brille oder meinen Führerschein

vergessen habe, kehre ich nicht um. Daher

wähle ich Projekte nach einem schwer

beschreibbaren Gefühl, dass nämlich

dieses nächste Projekt mir etwas Neues,

anderes bietet. Und dann bleib ich dran.

Also gut, man entscheidet sich für

ein Projekt, das einem viel bedeutet.

Was ist der nächste Schritt?

DICAPRIO: Ich halte Recherchen für den

wahrscheinlich unterschätztesten Teil

THE RED BULLETIN 39


eim Filmemachen. Im Zuge der Vorproduktion

musst du deine Figuren genau

analysieren. Wenn du beim Dreh nicht

schon einen ganzen Wissensschatz zu diesen

Personen und ihren Verhaltensweisen

aufgebaut hast, wenn du dich darin nicht

sattelfest fühlst, dann kannst du sie nicht

authentisch darstellen. Denn es wird

immer unangenehme Überraschungen

geben. Dinge ändern sich tagtäglich, du

änderst deine Meinung, der Regisseur

ändert seine … In diesen Momenten

kannst du nur richtig reagieren, wenn

du in deiner Rolle ganz zu Hause bist.

PITT: Und du musst den Schaffensprozess

genießen. Das ist auch einer der Gründe,

warum sich kein anderer Dreh mit dem

eines Tarantino-Films vergleichen lässt –

wegen seiner Liebe zum Film. Manchmal

sagt Quentin nach einer Einstellung: „Wir

haben’s im Kasten. Aber wir werden’s

noch mal drehen. Und warum …?“ Dann

ruft die ganze Crew im Chor: „… weil wir

es lieben, Filme zu machen.“ Mit dieser

Einstellung führt er das ganze Team.

DICAPRIO: Brad hat recht. Das würde ich

Pitt und DiCaprio in

Cannes: „Eine Karriere

beim Film gleicht einer

Achterbahnfahrt. Es geht

immer rauf und runter.“

„W E N N D U N I C H T A N D E I N P R O J E K T G L A U B S T, D A N N E R W E I S T D U I H M

EINEN BÄRENDIENST – DU ENTEHRST ES.“ LEONARDO Di CAPRIO

auch meinem jüngeren Ich raten: Treib

dich an, nimm alles ernst! Versuch das

Unmögliche. Und genieße deine Reise.

Hollywood ist allerdings nicht unbedingt

als Ort für Friede, Freude,

Eierkuchen bekannt. Ist es nicht eher

das ungemütliche Haifischbecken?

PITT: Ich weiß, es gibt die Ansicht, dass

jeder in Hollywood Nabelschau betreibt

und nur in „Ich, Ich, Ich!“-Kategorien

denkt. Das will ich gar nicht bestreiten,

aber das gibt es in allen Branchen. Und

die für mich interessantesten Leute in

unserem Beruf sind diejenigen, die Dinge

hinterfragen und sich für intelligente,

provokante Ideen interessieren. Das sind

Menschen, die beim Geschichtenerzählen

nach sich selbst, nach dem Wert des

Erzählten, nach Antworten und tieferer

Bedeutung suchen.

DICAPRIO: Was nicht heißt, dass es nicht

auch Meinungsverschiedenheiten geben

kann. Ich kann ganz unverblümt offen

sein. Das habe ich in meinen Genen.

Das mag manchmal zu Spannungen mit

meinen Mitstreitern führen, aber das ist

etwas Gutes. Denn ansonsten machst du

etwas, woran du nicht glaubst. Und wenn

du nicht an dein Projekt glaubst, dann

erweist du ihm einen Bärendienst, du entehrst

es. Ich glaube, kein Regisseur kann

von mir behaupten, dass ich mit meiner

Meinung zu Projekten je hinterm Berg

gehalten hätte. Und ich hoffe, dass diese

Filme dadurch besser geworden sind.

PITT: Leo und ich haben mit sehr aufgeschlossenen

und intelligenten Leuten

gearbeitet. Und dabei kommt es natürlich

auch zu Diskussionen. Wenn dir klar ist,

dass du es mit einer inspirierenden Person

zu tun hast, dann kannst du etwas von ihr

lernen. Deshalb mag ich es, mit Regisseuren

zu arbeiten, die schlauer sind als ich.

Was kann man denn von Quentin

Tarantino lernen?

PITT: Quentin will alles real in der Kamera

einfangen. Da gibt es keine Computereffekte.

Meine Figur, ein Stuntman, hat

eine ganz lange Kampfszene mit Bruce

40 THE RED BULLETIN


„ I C H W I L L M I C H N I C H T W I E D E R H O L E N , S O N D E R N

M I C H W E I T E R B E W E G E N , A U F G E D E I H U N D V E R D E R B .

ICH KANN NICHT ZURÜCK.“ BRAD PITT

ANDREAS RENTZ/GETTY IMAGES, 2019 SONY PICTURES ENTERTAINMENT DEUTSCHLAND GMBH (3)

Lee. Und Quentin sagte: „Wir drehen das

alles in einer Einstellung – ohne Schnitte.“

Darauf ich: „Aber du kannst es doch

danach so schneiden, dass es genau so

wirkt.“ Aber er blieb hart: „Wenn wir alles

in einer Einstellung bringen, dann muss

das auch exakt so gefilmt werden.“ Und

genau das haben wir gemacht. Du kannst

mit ihm debattieren, aber du solltest nicht

mit ihm streiten.

Wo wir bei dem Thema „Konfrontation“

sind: Hat einer von euch sich

jemals einen echten Kampf mit einem

Co-Darsteller geliefert?

PITT: Nein, aber bei einem Actionfilm ließ

der Regisseur mich und meine Kollegen

gegeneinander boxen. Er erklärte, dass

wir uns auf diese Weise besser kennenlernen.

Seine Worte waren: „Du erfährst

erst richtig etwas über jemanden, wenn

du ihm ins Gesicht schlägst.“ Wir haben

durch das Sparring einen richtigen Gemeinschaftsgeist

entwickelt. Einerseits

bist du aggressiv, andererseits hältst du

dich auch zurück, weil dir der andere

Neulich in Hollywood

Auf die große Leinwand – um jeden Preis:

Nach diesem Motto versuchen TV-Star

Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein

Stunt-Double Cliff Booth (Brad Pitt), in

Hollywood Fuß zu fassen. Quentin Tarantinos

„Once Upon a Time in Hollywood“ feiert die

Traumfabrik der ausklingenden 1960er-Jahre

– mit perfekt inszenierter Nostalgie und einer

gehörigen Portion Gewalt.

159 Minuten, ab 15. August in den Kinos

etwas bedeutet. Du zeigst Wettbewerbsgeist

und zugleich Beschützerinstinkt.

Wie stark ist der Wettbewerbsgeist beim

Drehen? Wie groß ist die Versuchung,

eine Szene an sich zu reißen?

DICAPRIO: Das ist nie ein Thema. Wir

machen, was für die Rolle richtig ist.

PITT: Ja, das ist eine Sackgasse. Wenn

du um so etwas kämpfst, bist du auf dem

sichersten Weg, den Film zu vermurksen.

Bei einem großartigen Projekt muss jeder

die Chance haben, sein Bestes zu geben.

All diesen Erkenntnissen zum Trotz

waren nicht alle eure Filme durchschlagende

Erfolge …

PITT: Das kommt immer darauf an, wie

man Erfolg definiert. Ich erinnere mich,

wie ich Anfang der Neunziger einmal

die Turnwettbewerbe bei der Olympiade

anschaute. Da gab es eine Russin, die als

absolute Favoritin galt. Aber nach den

ersten zehn Sekunden ihres Programms

stürzte sie. Ich sah, wie sie dann wieder

aufstand und alles perfekt durchzog. Das

war für mich höchst inspirierend und

bewegend. Alle sprachen davon, was das

für eine Erniedrigung gewesen sei, aber

für mich war das ein wahrer Sieg. Wenn

es also um Filme geht, dann denken wir

oft nicht an den Schwierigkeitsgrad. Für

mich definiert sich Erfolg aber genau darin

– und nicht in der Frage, ob er als bester

Film in den Jahrbüchern stehen wird.

Doch Misserfolge aus dem Blickwinkel

der Öffentlichkeit können auch zum

Ende einer Karriere führen.

PITT: Irgendwann wird jeder mal eine

vergessene Größe sein. Du kannst nichts

anderes tun, als einfach weiterzumachen.

DICAPRIO: Letztlich ist jede Karriere eine

Achterbahnfahrt. Es geht immer rauf und

runter. Deshalb bleibt dir nichts anderes

übrig, als das Ganze als Langstreckenlauf

zu betrachten.

PITT: Ich glaube, der große Fehler liegt

darin, nach der Bedeutung im Resultat zu

suchen. Du findest die Bedeutung im Tun.

Jeden Tag. Darauf kommt es an. Aber

das zu finden ist zugegebenermaßen ein

ständiger Kampf.

THE RED BULLETIN 41


Stadt der Zukunft:

Die schwimmenden Module

der „Oceanix City“ bieten

Lebensraum für bis zu

10.000 Menschen.

INNOVATOR

START-UPS,

PIONIERE UND

GENIALE

ERFINDUNGEN

Schwimmende Stadt

Meertropolis

Du sehnst dich nach einem

Appartement mit Meeresblick?

Wieso so bescheiden? Schon bald

könnten wir alle in einer Metropole

mitten im Ozean leben.

Ich weiß, dass Mensch und

Fisch friedlich koexistieren

können“, erklärte Ex-US-

Präsident George W. Bush im

Jahr 2000. Wie prophetisch

seine Worte sein würden,

ahnte er wohl selbst nicht. Die

Vereinten Nationen schätzen,

dass bis 2050 etwa 90 Prozent

der Weltmetropolen von einem

steigenden Meeresspiegel bedroht

sein werden, während

landeinwärts Überbevölkerung

zum Problem werden wird.

Einem Problem, das die UNO

rasch lösen will – zum Beispiel

mit dem im April präsentierten

Konzept „Oceanix City“.

Basis der Idee sind schwimmende

Bauteile à zwei Hektar,

die bis zu 300 Personen tragen

und zu Städten von 10.000

Einwohnern kombiniert werden

können. Jedes Modul soll

dabei autark sein. Energie

spenden Solarpaneele auf den

Dächern, Nahrung gedeiht in

zentralen Farmen. Wobei auf

den Inseln nicht nur Essen

angebaut wird, sondern auch

42 THE RED BULLETIN


„Wir sind überzeugt

davon, dass die

Menschheit in

Einklang mit der

Unterwasserwelt

leben kann.“

Marc Collins Chen,

CEO von Oceanix

Baumaterial: Die bis zu sieben

Stockwerke hohen Häuser bestehen

nämlich großteils aus

nachhaltigem Bambus.

Veranke rungen auf dem

Meeresboden sorgen für Halt,

zudem dienen sie als Saatgut

künst licher Riffe. „Wir sind

überzeugt davon, dass die

Menschheit in Einklang mit

der Unterwasserwelt leben

kann“, sagt Oceanix-Gründer

Marc Collins Chen. Bush hätte

es nicht besser ausdrücken

können. oceanix.org

IN ALLER

KÜRZE

HIGHTECH

FÜR DIE

WABE

Bits und Bites für

Bienen: Diese Ideen

helfen Imkern bei

der Arbeit.

BIG DATA FÜR BIENEN

Mit der b.tree-Software

behalten Imker den

Überblick über ihre

Bienenvölker, effizient

und einfach per App:

Welches Volk war fleißiger?

Wann wurde zum

letzten Mal kon trolliert,

behandelt, ge füttert?

info.btree.at

DIE BIENENSAUNA

Die Varroamilbe ist die

Hauptfeindin der Honigbiene

– und temperatursensibel.

Also heizt

ein Elektrogerät die

Brut auf, sodass die

Schädlinge sterben, die

Bienen dank kühlendem

Flügelschlag nicht.

bienensauna.de

Mehr Inspiration für

Zukunftsmacher gibt es

im aktuellen INNOVATOR.

Infos und Abo unter:

redbulletininnovator.com

BIG BJARKE INGLES GROUP, SIMYBALL TOM GUISE, WERNER JESSNER, LEA WIESER

Gadget

Runde Sache:

Die Sensoren auf

dem SimyBall

messen dein

Stresslevel.

Spielend entspannen

Von wegen Zeitverschwendung: Das Wiener

Start-up SimyBall bekämpft Alltags stress mit

einem Biofeedback-Gamecontroller.

In Zeiten immer stärker

werdender Digitalisierung,

dauernder Erreichbarkeit

und ständig überquellender

E-Mail-Postfächer

spielt der Umgang mit Stress

am Arbeitsplatz eine immer

wichtigere Rolle. Wir wissen:

Ein gesundes Maß an Stresshormonen

kann zu mehr

Produktivität führen. Andererseits

reichen die negativen

Folgen von Dauerstress

von Denkblockaden und

Konzentrationsproblemen

bis hin zu Immunschwäche

und Burn-out.

„Unser Ziel ist es, den

eigenen Körper zu verstehen,

um Stress richtig handhaben

und so die eigene

Leistungsfähigkeit steigern

zu können“, erklärt Andreas

Chabicovsky. Dafür hat der

ehemalige Spitzensportler

nun den SimyBall ent wickelt

– einen intelligenten Anti-

Stress-Ball, der mittels Sensoren

das Stresslevel seines

Nutzers über den Kontakt

mit dessen Handfläche misst.

Auf Basis von Puls, Hauttemperatur

und Hautleitwert

(Schweiß) berechnet

die tennisballgroße Kugel,

wie gestresst der Anwender

Der SimyBall steigert spielerisch

die Leistungsfähigkeit der User.

ist, und gibt über eine Farbskala

sekundenschnelles

Feedback: von Blau für „sehr

entspannt“ bis Rot für „sehr

gestresst“.

Anhand der erfassten Vitalwerte

wird dem Benutzer

ein fünf- bis zehnminütiges

Computerspiel vorgeschlagen,

das dabei helfen soll,

Stress abzubauen sowie

Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit

langfristig zu

erhöhen. Die Spiele, sogenannte

SimyGames, reichen

von Bogenschießen über

Golfen bis zu Jump ’n’ Run

und werden auf der dazugehörigen

App angeboten.

Der SimyBall selbst fungiert

als Controller. Chabicovsky:

„Der Ball ist ein Mittel zum

Zweck, um seinen Körper

besser wahrzunehmen.“

simyball.com

THE RED BULLETIN 43


WAS SPORTLER ESSEN

S O I S S T D U

W I E E I N

CHAMPION

Von Clean Eating bis Chili zum Frühstück:

Hier verraten acht Spitzensportler aus der ganzen Welt,

wie ihre Ernährung zu ihrem Erfolg beiträgt.

Du kannst ihrem Beispiel folgen.

Text WILL COCKRELL

Illustrationen BRIAN STAUFFER und HELLO VON

44 THE RED BULLETIN


BRIAN STAUFFER


WAS SPORTLER ESSEN

David

Hablützel

ALTER: 23

LAND: Schweiz

LIEBLINGSESSEN:

Hablützel liebt Gemüse

und isst es mittlerweile

routinemäßig bei jeder

Mahlzeit. Bei Reisen

in die USA muss aber

immer auch ein guter

Burger drin sein.

F R Ü H S T Ü C K :

hausgemachtes Müsli

ohne Zucker

A

ls Snowboarder David Hablützel achtzehn Jahre

alt wurde, wusste er bereits, wie es ist, alles zu haben

– und alles zu verlieren. Mit fünfzehn hatte das

Schweizer Freestyle-Phänomen bei der Jugend-

Olympiade 2012 die Bronzemedaille gewonnen, war

im gleichen Jahr ins Nationalteam berufen worden.

Mit siebzehn wurde er Fünfter bei den Olympischen

Winterspielen in Sotschi und stand in Vail, Colorado,

bei den prestigeträchtigen U. S. Open auf dem Podium.

Seine Siege feierte er wie andere Teenager auch:

mit fetten Burgern und Alkohol. Zur Regeneration

hielt er sich an frisch gebackene Croissants, und das

neueste Kendrick-Lamar-Album interessierte ihn

wesentlich mehr als frische Lebensmittel.

Denn für David Hablützel war das Snowboarden

kein professioneller Leistungssport, sondern eine

Ausdrucksmöglichkeit. „Snowboarden ist eine Kunstform“,

sagte er damals. „Es geht nicht nur darum,

sich mit anderen zu messen, oder um die Höhe des

Sprungs. Es ist ein Lebensstil.“

Doch dann missglückte ihm eine Landung. Beim

Aufwärmen für ein Slopestyle-Event in Andorra 2014

riss sein vorderes Kreuzband. 2016 riss es erneut –

und mit ihm der Faden einer Karriere, die bis dahin

wie selbstverständlich auf Erfolg programmiert war.

Dennoch brachten diese Verletzungen auch etwas

Positives in Davids Leben: eine neue Perspektive.

„Sie erinnerten mich daran, dass ich ein Athlet bin“,

resümiert er heute. „Das Snowboarden ist nicht bloß

ein Lebensstil, es wird immer kompetitiver. Wenn du

dich nicht ans steigende Level anpasst, bist du sofort

ein paar Schritte zurück. Mir wurde klar, dass ich

professioneller und disziplinierter werden muss.“

HELLO VON

46 THE RED BULLETIN


„VERLETZTE ATHLETEN MÖCHTEN

WISSEN, WAS SIE ESSEN SOLLEN,

UM IHRE RÜCKKEHR ZUM SPORT

BESTMÖGLICH ZU FÖRDERN.“

Eines der ersten Dinge, die Hablützel in Angriff

nahm, war seine Ernährung. Er durchforstete das

Internet nach Ernährungstipps und begann instinktiv

Gemüse in sich reinzustopfen, aß nur noch halb so

viel Fleisch, Snacks ließ er komplett weg – und folgte

damit im Prinzip genau jenen Tipps, mit denen wir

alle überflutet werden. Aber für jemanden, der nicht

nur von einer Verletzung zurückkommen, sondern

eines Tages Olympiasieger werden wollte, war das

Internet-Wissen nicht differenziert genug: David zog

sein selbst auferlegtes Essensregime derart streng

durch, dass er sich sogar Kalorien entzog, die sein

Körper eigentlich dringend benötigt hätte. Es ging

in die falsche Richtung.

Ian Walsh

ALTER: 36

LAND: USA

LIEBLINGSESSEN:

Walsh, ein Hawaiianer

mit Leib und Seele, hat

Açai-Bowls und frische

Smoothies perfektioniert.

Aber an seltenen

Cheat-Tagen kann er

einer deftigen mexikanischen

Mahlzeit nicht

widerstehen.

Im Jahr 2018 stellten ihm seine Trainer die Sporternährungsberaterin

Kristen Bell vor. Bell ist die

Ernährungsautorität bei Red Bull. Vom Snowboarder

bis zum Kitesurfer hilft sie Spitzensportlern, ihre Ernährung

so zu gestalten, dass sie ihre Leistung maximieren

können. Und angesichts der internationalen

Ausrichtung von Red Bull – und der damit einhergehenden,

teils brutalen Reisepläne der Athleten

– hat Bell nicht nur ein besonderes Gespür dafür entwickelt,

mit regionalen Ernährungsgegebenheiten zu

arbeiten, sondern auch ein professionelles Programm

dafür erarbeitet – von dem auch du lernen kannst.

Hier folgen ihre sechs wichtigsten Lektionen:

1

Jedes Reiskorn zählt

Als Erstes erklärt Bell den Elite-Athleten, dass

schon kleine Veränderungen auf der Basis von Halbwissen

katastrophale Folgen haben können. Weil

sie weiß: sich gut zu fühlen reicht für diese Männer

und Frauen nicht. Bell muss ihnen beibringen, „ihren

Tank immer zu hundert Prozent gefüllt zu haben“.

Hablützel beispielsweise brauchte nicht nur eine

Comeback-Diät, er musste auch lernen, wie man

diese Essgewohnheiten beibehält, wenn man unter-

THE RED BULLETIN 47


WAS SPORTLER ESSEN

Sae

Hatakeyama

ALTER: 22

LAND: Japan

S P O R T:

BMX-Racing

L I E B L I N G S E S S E N :

Hatakeyama liebt Sushi

und das Yakisoba ihrer

Mutter, ein Pfannengericht

aus Sobanudeln,

Fleisch und Gemüse.

Für den besonderen

Genuss gönnt sie sich

eine Schüssel Eiscreme.

F R Ü H S T Ü C K :

Brot, Eier und Joghurt

„DIESE ATHLETEN SIND

SO HART ZU SICH – IMMER.

DARUM SOLLTEN SIE SICH

MANCHMAL WAS GÖNNEN.“

wegs ist – und zwar, bevor er wieder gesund war.

„Viele Athleten geben ihrem Körper nicht die richtigen

Lebensmittel, die mithelfen, Verletzungen zu vermeiden

– also Dinge wie Vitamin C oder Kollagen“,

betont Bell. „Und ihr Immunsystem ist geschwächt,

weil sie so viel reisen.“

2

Lass unterwegs den Freestyler raus

Im Wesentlichen bringt Bell den Athleten die

Kunst des Improvisierens bei. Sie predigt regelrecht,

wie wichtig es ist, das Beste aus längeren

Aufenthalten zu Hause zu machen, also in Zeiten

mit Zugang zu bekannten Geschäften, Märkten und

Restaurants. Sie gibt den Athleten Werkzeuge in die

Hand, die bei der Planung helfen – von Einkaufs- bis

hin zu Zubereitungstipps – und sogar dabei, empfehlenswerte

Supermärkte und Restaurants an den

Orten ihrer Trainingslager und Wettkämpfe zu finden.

Das sind die Tools, die Athleten benötigen, um siebzehnstündige

Flüge und Menüs zu überstehen, deren

Gerichte aus einem Haufen undefinierbarer Zutaten

bestehen. Aber die vielleicht wichtigste ihrer strengen

Regeln lautet: Brich die Regeln auch einmal! „Die

48 THE RED BULLETIN


„ PIZZA? KEIN PROBLEM!“

Chilis zum Frühstück und Fasten in der

S a i s o n p a u s e : S k i b e r g s t e i g e r u n d B e r g l ä u f e r

A n t o n P a l z e r e r k l ä r t , m i t w e l c h e r E r n ä h r u n g

d u j e d e n G i p f e l e r k l i m m s t .

HELLO VON

THE RED BULLETIN: Anton,

unter Skibergsteigern und

Bergläufern giltst du als

Mentalitätswunder, stehst

du doch frühmorgens stets

topmotiviert an der Startlinie.

Mit Verlaub: Was isst

du denn zum Frühstück?

ANTON PALZER: Vor Wettkämpfen

immer das Gleiche:

feinblättrige Haferflocken mit

Ingwer, getrockneten Chilischoten,

Kurkuma und Zimt.

Chilis zum Frühstück?

Das klingt ja furchtbar.

Schmeckt aber fantastisch –

vor allem in Kombination mit

einem Esslöffel Honig. Allerdings

geht es weniger um das

Aroma als um den Effekt: Die

Gewürze – vor allem Chili und

Kurkuma – beruhigen meinen

Magen. Auf den schlägt sich

die Anspannung vor dem

Start schon mal nieder.

Bei deinen Wettkämpfen

bist du mehrere Stunden

in den Bergen unterwegs,

legst zu Fuß und mit Skiern

mehrere tausend Höhenmeter

zurück. Wie füllst du

am Vorabend deinen Tank?

Kohlehydrate müssen als

Energielieferant schon sein,

klar. Allein darauf sollte sich

ein Ausdauersportler aber

nicht verlassen. Du solltest

auf jeden Fall genug Eiweiß

zu dir nehmen – das stabilisiert

den Blutzuckerspiegel

und bewirkt, dass du Kohlehydrate

besser aufnehmen

kannst. Mein Tipp für das

Dinner vor dem Wettkampf:

Steak mit Kartoffeln.

Wie füllst du die Energiereserven

zwischen zwei

harten Trainingseinheiten

wieder auf?

Da schwöre ich auf die Banane.

Wichtig: Zirka zwei

Stunden vor der Belastung

essen, dann entfaltet sie ihre

Wirkung am effektivsten.

Ohne welches Gericht

könntest du nicht leben?

Pizza! Drei pro Woche esse

ich mindestens.

Im Ernst?

Aber ja. Am liebsten natürlich

original italienisch mit

Weißmehlteig, aber der ist ja

leider entzündungsfördernd

und auch sonst für Profisportler

eher ungeeignet.

Daher backe ich meinen

eigenen Teig aus Mandeloder

Dinkelmehl. Der wird

zwar härter, aber was soll’s,

besser als gar keine Pizza.

Hast du deine Ernährung

schon mal komplett umgestellt,

um deine Performance

zu verbessern?

Klar! Im Sommer, wenn ich

Saisonpause habe, experimentiere

ich gerne ein bisschen.

Aktuell faste ich zum

Beispiel.

Du verzichtest auf Essen?

Wie verträgt sich das mit

Leistungssport?

Ich gehe nach dem 16/8-

Prinzip vor, das heißt ich

faste 16 Stunden und esse

8 Stunden ganz normal.

Konkret esse ich am frühen

Abend und dann wieder zur

Mittagszeit, das reicht meinem

Körper. So können sich

meine Zellen in der Fastenzeit

reinigen, und ich kann

trotzdem trainieren. Natürlich

geht das nur, wenn ich

keine Wettkämpfe habe, aber

der Effekt ist erstaunlich. Ich

fühle mich morgens wesentlich

frischer als sonst, bin

überhaupt nicht mehr müde

– und gehe mit neuer Power

in die kommende Saison.

Anton Palzer

ALTER: 26

LAND: Deutschland

SPORT: Skibergsteiger

und Bergläufer

LIEBLINGSESSEN:

Pizza mit Bündnerfleisch

und Rucola

FRÜHSTÜCK:

über Nacht in Wasser eingeweichte

Haferflocken,

morgens gemischt mit je

einem Teelöffel Kurkuma,

Zimt, zwei zerstoßenen

getrockneten Chilischoten,

etwas Ingwer und Honig

THE RED BULLETIN 49


WAS SPORTLER ESSEN

„ SMART KOMBINIEREN“

I n d i v i d u e l l e P l ä n e u n d F a r b c o d e s a m B u f f e t :

Fußball- B u n d e s l i g i s t R B L e i p z i g h a t e i n e i g e n e s

Ernährungs ko n z e p t e n t w i c ke l t . Ve r t e i d i g e r

Lukas Klostermann erklärt, wie es funktioniert.

THE RED BULLETIN: Lukas,

dein Verein RB Leipzig will

eure Ernährung optimal

abstimmen – sowohl auf

eure Trainingseinheiten und

Spiele als auch auf eure

individuellen Bedürfnisse.

Schließt sich das nicht aus?

LUKAS KLOSTERMANN: Freilich

ist das immer ein Balanceakt.

Dabei kommt es auf eine

pfiffige Kombination an. Da

unsere Köche immer Buffets

zubereiten, können wir unsere

Mahlzeiten sehr gut selbst

zusammenstellen.

Woher wisst ihr, was auf

den Teller soll?

Unsere Ernährungsexperten

schicken uns zum Start jede

Woche eine Mail, in der genau

steht, worauf wir bei den

Mahlzeiten achten sollen.

Also vor Spielen zum Beispiel

genug Kohlehydrate zu essen.

Lukas

Klostermann

ALTER: 23

LAND: Deutschland

SPORT: Fußball

LIEBLINGSESSEN:

Currywurst mit Pommes

(nicht zu scharf), das

erinnert Lukas an seine

Heimat am Rand des

Ruhrgebiets.

FRÜHSTÜCK:

Bircher-Müsli mit Heidelbeeren

oder Brombeeren,

dazu ein gekochtes Ei

Und ihr wisst dann automatisch,

was das am Buffet

bedeutet?

Grob schon, aber weil die wenigsten

von uns Ernährungsexperten

sind, hängt vor dem

Buffet ein Flatscreen, auf

dem Informationen zu den

Gerichten stehen, die Nährwerte,

aber auch Inhaltsstoffe

wie Kuhmilch, Gluten für

Spieler mit entsprechenden

Unverträglichkeiten. Dazu

gibt es am Buffet ein Farbsystem

zur Orientierung.

Wie werden eure individuellen

Bedürfnisse ermittelt?

Los geht’s mit einer großen

medizinischen Untersuchung

– von Blut bis Urin wird erst

mal alles analysiert. Am Ende

bekommst du eine mehrseitige,

kleingedruckte Auswertung

in die Hand gedrückt,

und du verstehst erst mal gar

nichts. Zum Glück geht das

dann ein Ernährungsexperte

mit dir durch.

Was kam bei dir heraus?

Etwa, dass mein Magnesiumlevel

etwas zu niedrig ist.

Zum Ausgleich nehme ich

jetzt Magnesiumtabletten.

Damit ist es aber nicht getan.

Warum nicht?

Weil nicht gesagt ist, dass die

Tabletten anschlagen. Deswegen

ist es wichtig, die Werte

immer wieder zu checken. Bei

mir haben etwa die letzten

Untersuchungen keine

großen Veränderungen beim

Magnesium gezeigt – das

behalten wir jetzt im Blick.

Merkst du auf dem Platz

einen Unterschied?

Nicht unmittelbar, das wäre

aber auch zu viel erwartet.

Langfristig kann es auf jeden

Fall einen Unterschied machen.

Außerdem überträgt

sich die Philosophie auf uns

Spieler: Unser Verein sucht

immer nach neuen Wegen,

unsere Performance bis ins

Detail zu verbessern – ob im

Techniktraining oder der Ernährung.

Diese Einstellung

haben auch wir verinnerlicht.

Mal ehrlich: Kann das Essen

nach Plan auch mal nerven?

Klar, aber zum Glück sorgen

unsere Köche immer für

genug Abwechslung. Und ab

und an musst du auch alle

Vorgaben ignorieren und für

den reinen Genuss essen.

Bei mir ist das zweimal im

Jahr Currywurst mit Pommes

– das erinnert mich an meine

Heimat in Gevelsberg am

Rand des Ruhrgebiets.

HELLO VON

50 THE RED BULLETIN


Herausforderung dieser Spitzensportler besteht

darin, in allen Bereichen ihres Lebens perfekt zu

funktio nieren“, sagt sie. „Im Schlaf, im Training und

in der Ernährung. Was wir aber letztendlich immer

an streben, ist eine gesunde Balance.“

3

Zu Hause brauchst du Routinen

Bestes Beispiel dieser Balance ist der Big-Wave-

Surfer Ian Walsh, einer von Bells „Musterschülern“,

für den Clean Eating (der Verzehr von Vollwertprodukten

unter Vermeidung industriell verarbeiteter

Lebensmittel) bereits seit Jahren selbstverständlich

ist – und dessen Leben buchstäblich davon abhängt,

in bester körperlicher Verfassung zu sein. Während

der Sechsunddreißigjährige aus Maui kein Problem

hat, beim Surfen im heimatlichen Jaws in Topform

zu bleiben, bringen weiter entfernte Wellen wie die

von Teahupoo, Tahiti, oder von Nazaré, Portugal, Probleme

mit sich. Wenn es der Swell an irgendeinem

Ende der Welt verlangt, muss Walsh sofort in ein

Flugzeug springen und einen Langstreckenflug auf

sich nehmen. Und er muss mit genügend Energie

ankommen, um sofort nach der Landung an die Arbeit

zu gehen. „Oft geht es direkt vom Flughafen zum

Meer – und zum Hineinpaddeln in eine 18 Meter hohe

Welle“, sagt er. „Manches wird ziemlich verrückt,

wenn man die Wellen auf dem ganzen Planeten jagt.

Es ist schwer, immer gut vorbereitet zu sein. Kristen

hat mir sehr geholfen, zu Hause, in meiner gewohnten

Umgebung, Routinen zu entwickeln, mit denen

ich meine Nährwerte konstant halten kann.“

4

Ehre deine Heimatküche

Bell führt mit jedem Athleten ein Erstgespräch,

um herauszufinden, welche Lebensmittel er aufgrund

seiner Herkunft am häufigsten isst. Da sie bereits mit

Dutzenden Athleten aus der ganzen Welt zusammengearbeitet

hat, weiß sie etwa, dass das Weglassen von

Käse in Lateinamerika schwierig sein wird, Reis mit

Bohnen hingegen eine großartige, überall verfügbare

Mahlzeit für Athleten ist. Sie weiß auch, dass Gerichte

in Asien dem Clean-Eating-Prinzip eher entsprechen,

einige asiatische Saucen allerdings viel zu viel Zucker

enthalten. Und dass in den USA die Portionsgröße

die mächtigste Herausforderung ist.

5

Füll deine Lücken

In der Erstellung jedes individuellen Food-

Master plans hat Bell eine mächtige Geheimwaffe:

Nahrungsergänzungsmittel. Als diese – in Form

Olga

Kharlan

ALTER: 28

LAND: Ukraine

SPORT: Fechten

LIEBLINGSESSEN:

Borschtsch (Rote-Bete-

Suppe) ist „wie Trinkwasser“

für die Olympiasiegerin,

die auch

gern einen guten

ukrainischen Salo

(geräucherten Rückenspeck)

mit Knoblauch

und Roggenbrot isst.

FRÜHSTÜCK:

Haferflocken mit

Erdnussbutter

und Banane

„NAHRUNGSE RGÄNZUNGS-

MITTEL HELFEN UNS DABEI,

DAS LETZTE VIERTEL IN

UNSEREN TANK ZU FÜLLEN.“

THE RED BULLETIN 51


WAS SPORTLER ESSEN

von Energieriegeln – auf den Markt drängten, waren

sie in Wirklichkeit nur bessere Schokoriegel. Aber

mittlerweile gibt es Produkte, die tatsächlich geeignet

sind, Ernährungslücken zu füllen – zum Beispiel

direkt nach einem harten Training oder zwischen

zwei Mahlzeiten. Eine Lücke, die Ernährungsberater

oft als „goldene Stunde“ bezeichnen. „Nahrungsergänzungsmittel

ermöglichen es uns, die letzten

20 bis 25 Prozent in den Tank zu kriegen“, sagt Bell.

„Für einige Athleten war das tatsächlich lebensverändernd.“

Etwa für den Skateboarder Felipe Gustavo,

der mit pflanzlichem Proteinpulver das bei seiner

veganen Ernährung sonst fehlende Protein auffüllt.

Lukas Klostermann, Verteidiger von RB Leipzig,

nimmt ein Magnesiumpräparat, um seine Leistung

zu steigern, seitdem seine Ernährungsberaterin einen

Mangel festgestellt hat. „Musterschüler“ Walsh wiederum

packt jedes Mal seine Nahrungsergänzungsmittel

ein, wenn er erfährt, dass er nach Übersee reisen

muss, und beginnt mit der Einnahme, sobald er ins

Flugzeug steigt. „Den ganzen Flug über trinke ich

viel Wasser, lade Elektrolyte auf, trinke Shakes und

esse alles, was ich kann, bevor ich ankomme“, sagt er.

Es gilt aber auch die Kirche im Dorf zu lassen:

Laut Bell sind Energieriegel und Spezialpulver zwar

eine gute Möglichkeit für Zeiten, in denen man unterwegs

ist oder wenn das Leben einfach zu hektisch für

Planungen verläuft, ein dauerhafter Ersatz für echtes

Essen sind sie aber nicht. „Wenn ein Athlet nach einer

schnellen Lösung sucht, wie eine Pille zu nehmen, damit

er sonst essen kann, was er will, wird das nie funktionieren“,

erklärt sie. „Nahrungsergänzungsmittel

sind dazu da, zu tun, was ihr Name schon sagt.“

Mutaz

Barshim

ALTER: 28

LAND: Qatar

SPORT: Hochsprung

L I E B L I N G S E S S E N :

Wenn er sich nach

Hausmannskost sehnt,

mag Barshim Hühner-

Kabsa, ein Reisgericht

mit Kräutern. Für den

Extra-Leistungsschub

greift er zu Kohlehydraten:

Pasta und

Haferflocken.

F R Ü H S T Ü C K :

Haferflocken und Eier

HELLO VON

52 THE RED BULLETIN


MACH, WAS WIRKLICH ZÄHLT.

#HIGHTECH

FOLGE DEINER BERUFUNG.

bundeswehr

karriere.de


WAS SPORTLER ESSEN

Ignoriere alle Regeln

6 (zumindest manchmal)

Bells wichtigste Lektion für ihre Athleten ist die

Kunst des Loslassens. Gebetsmühlenartig betont sie

die Wichtigkeit der Balance, sie erinnert die Athleten

ständig daran, dass sie naturgemäß nicht jede Mahlzeit

kontrollieren können – schon gar nicht, wenn

sie in entlegenen Winkeln der Welt unterwegs sind.

Ihr Credo: Schlechte Kalorien sind immer noch besser

als gar keine. Und: Die erfolgreichsten Athleten

sind jene, die ihrer Leine auch einmal Meter lassen.

„Wir sind bestrebt, eine gesunde Beziehung zum

Essen aufzubauen“, sagt sie. „Wenn man wegen einer

schlechten Mahlzeit Stress bekommt, ist das nicht

gesund – falscher Perfektionismus ist eine ständige

Herausforderung für viele dieser Athleten.“

Manchmal bedeutet das, die Nährwerte einfach zu

ignorieren. Essen ist emotional eines der wichtigsten

Dinge in unserem Leben, sei es die Hausmannskost

der Mutter oder das Lieblingsgericht in einem lokalen

Restaurant. Bell ist sich der positiven Wirkung, die

so ein Lieblingsessen auf einen erschöpften, von

Heimweh geplagten Sportler haben kann, natürlich

bewusst. Derartige „Cheat-Tage“ sind nichts Neues,

aber Bell betont, dass weit mehr dahintersteckt, als

die meisten glauben. Zum einen hält sie nichts von

der Betrachtungsweise des „Betrügens“ – sie bevorzugt

das Wort „Belohnung“ („Treat-Tage“). Noch

wichtiger: Athleten sollen sich lieber ein paar Belohnungsessen

innerhalb einer Woche gönnen, anstatt

einen Tag lang alles komplett schleifen zu lassen.

„Sich einen ganzen Tag lang gehen zu lassen kann

eine derartige Lawine an Kohlehydraten, gesättigten

Fettsäuren und Zucker bedeuten, dass du am nächsten

Tag für gar nichts zu gebrauchen bist“, erklärt sie.

Anders ausgedrückt: Die Ernährungswissenschaft

liefert uns detaillierte Erkenntnisse, mit denen wir

unsere Leistung optimal unterstützen können. Jetzt

musst du nur noch für dich definieren, wie weit du

mit ihrer Umsetzung gehen kannst – und willst.

Kübra Dağli

ALTER: 22

LAND: Türkei

SPORT: Taekwondo

L I E B L I N G S E S S E N :

Soll ihr Essen sie an daheim

erinnern, greift sie

zu gefüllten Weinblättern.

Vor dem Training

isst sie stärkehaltige

Lebensmittel, um sich

mit Energie zu versorgen.

Nach dem Training

nimmt sie Protein und

Gemüse zu sich.

F R Ü H S T Ü C K :

Eier, Käse, Tomaten und

Gurken, mit Tahini und

Melasse überzogen

„LIEBLINGSGERICHTE KÖNNEN

EINEM ERSCHÖPFTEN, HEIMWEH-

GEPLAGTEN SPORTLER SEHR

BEI DER REGENERATION HELFEN.“

HELLO VON

54 THE RED BULLETIN


SO LEBST DU

BIG

Weltweit zählt TEAM BIG zur Spitze im Spiel „Counter-Strike“ –

weil die E-Sportler wie besessen trainieren und zusammenhalten

wie eine Familie. Wir haben sie einen Tag lang in ihrem Haus

in Berlin besucht – und ihren Erfolgscode entschlüsselt.

Text MAXIMILIAN REICH

Fotos CHRISTOPH VOY

Superhelden-Modus

Seit der Gründung vor zwei Jahren hatte Team BIG viel Grund

zum Jubeln, nicht zuletzt dank Star-Spieler Johannes Wodarz,

genannt „tabseN“. Für diese Story gewährten uns er und seine

Mitspieler exklusive Einblicke in ihren Alltag.

56 THE RED BULLETIN


Im Bild von links:

Can Dörtkardeș,

Johannes Maget,

Tizian Feldbusch,

Johannes Wodarz,

Trainer Alexander

Szymanczyk und

Fatih Dayik.

BIG-TIPP 1

Baut eine

Familie auf

Im Gegensatz zur Konkurrenz

wohnen die

Spieler von Team BIG

unter einem Dach,

bezeichnen sich sogar

als Familie. Motto:

Je verschworener euer

Haufen, desto mehr

könnt ihr erreichen.

THE RED BULLETIN 57


BIG-TIPP 2

Ehrt euren Schlaf

Um drei ins Bett, um sechs

Uhr wieder raus? Dafür

mögen sich Manager feiern,

E-Sportler (hier Wodarz)

wissen, dass ihr Fokus

leiden würde. Lösung:

Wecker auf elf Uhr stellen.

„Wir wollen einen

völlig neuen Spielstil

erfinden.“

BIG-TIPP 3

Schafft Rituale

Unter einem Dach wohnen auch

Zweck-WGs. Team BIG fördert

seinen Zusam menhalt mit

Ritualen. Los geht’s mit dem

gemein samen Frühstück.

58 THE RED BULLETIN


Am Rande von Berlin, in einer ruhigen

Wohngegend zwischen blühenden Kirschbäumen

und Einfamilienhäusern mit

Zierteichen im Vorgarten, explodiert

gleich eine Bombe. Vermutlich wird kurz

davor ein Scharfschütze auf einem Dach

in Stellung gehen, während ein paar

Blendgranaten für Chaos sorgen. Seit drei

Wochen geht das jetzt schon so, jeden

Tag. So lange wohnen Johannes Wodarz,

Fatih Dayik, Can Dörtkardeş, Tizian

Feldbusch und Johannes Maget nämlich

schon zusammen in dem braunen Haus

am Ende der Straße.

Die fünf Jungs gehören zur E-Sport-

Mannschaft Team BIG (Berlin International

Gaming) und führen das Leben,

von dem Millionen Gamer träumen: Sie

bekommen Geld dafür, „Counter-Strike:

Global Offensive“ zu zocken. 46 Millionen

Menschen auf der Welt spielen den

Taktik- Shooter – und nur eine Handvoll

davon ist so gut wie Team BIG. 2017

haben sie die Deutsche Meisterschaft gewonnen

und 2018 bei einem internationalen

Turnier in der Kölner Lanxess Arena

vor 15.000 Menschen den zweiten Platz

belegt. Jeder der Jungs hat mittlerweile

geschätzte Preisgelder zwischen hundertund

zweihunderttausend Euro gewonnen.

Trotzdem wohnen die fünf lieber wie

Studenten zusammen mit ihren Trainern

BIG-TIPP 4

Erweitert

euren Kreis

Zum Zusammenhalt,

der Team BIG antreibt,

zählt auch der Support

der Fans aus aller

Welt – in Streaming-

Sessions stehen die

Spieler täglich mit

ihnen in Kontakt.

in einem Haus auf 380 Quadratmetern, um

möglichst viel Zeit für die Entwicklung

gemeinsamer Spielzüge und die Analyse

gegnerischer Angriffsszenarien zu haben.

Das ist ungefähr so, als würde die komplette

Mannschaft des FC Bayern München

zu Uli Hoeneß in sein Haus am Tegernsee

ziehen. Auch in der E-Sport-Welt leben die

Spieler für gewöhnlich nicht unter einem

Dach. Doch der familiäre Zusammenhalt

gilt als Erfolgsrezept von Team BIG. Wir

haben uns gefragt: Wie schaut der Tagesablauf

in so einer E-Sportler-WG aus?

Dafür haben wir die Jungs in ihrem Haus

besucht und einen Tag lang dabei begleitet,

wie sie von früh bis spät trainieren.

Na ja, mehr oder weniger früh …

10.00 UHR: AUFSTEHEN

Johannes „tabseN“ Wodarz, 24, ist als

Erstes wach. Müde schlurft er in Jogginghose

und Pantoletten ins Wohnzimmer.

Er gilt als der beste deutsche „Counter-

Strike“-Spieler, weshalb wir ihm heute

über die Schulter gucken möchten. Blöd

für ihn, weil er deshalb früher aufstehen

musste, während die anderen noch schlafen

dürfen. Im Eck steht ein Whiteboard

mit der Überschrift: „To-do-Liste“ und

darunter Begriffe wie „Meta Strats“, die

man eher im Besprechungsraum der

Deutschen Bank erwarten würde als im

Wohnzimmer von ein paar Computerspielern.

„Meta Strats“, erklärt tabseN,

„bedeutet, wir wollen einen neuen Spielstil

erfinden.“ Also so wie die Spanier

als Väter des Tiki-Taka-Fußballs gelten.

„Es ist aber leider gar nicht so einfach,

da immer wieder etwas Neues zu finden,

was es nicht schon gab.“

11.30 UHR: FRÜHSTÜCK

Nach und nach trudeln auch die anderen

im Wohnzimmer ein. Alle in Jogginghose,

alle mit Hauslatschen. Heute trainieren

sie den ganzen Tag zu Hause, da geht

Komfort vor Style. Die Jungs essen Müsli

und Obst und reden am Frühstücks tisch

über das Live-Match, das tabseN gleich

gegen einen ehemaligen Profi aus Skandinavien

bestreiten wird. Ein PR-Event für

eine Gamer-Plattform, bei dem Fans aus

der ganzen Welt am Bildschirm mitfiebern.

„Du kriegst bestimmt 5000 Zuschauer.“

– „Spinnst du? Mach mir mal

keinen Druck.“ – „Klar kriegst du 5000.“

12.00 UHR: LIVE-MATCH

Im mit Film-Equipment ausgestatteten

Streaming-Raum im Keller sitzt tabseN

am Schreibtisch vor seinem PC und

schaltet die Kamera ein. Sowohl tabseN

als auch der Skandinavier bekommen

vier Fans zugelost, mit denen sie im Team

THE RED BULLETIN 59


BIG-TIPP 5

Sucht euch

einen Leitwolf

In der E-Sport-Familie

bringt jeder seine

Stärken ein. Als ältester

Spieler und Kapitän

gibt Fatih Dayik,

31, seine Erfahrung

weiter, ohne zu belehren.

Bei seinen Video-

Analysen hören die

anderen gebannt zu.

BIG-TIPP 6

Vergesst die Welt

Beim Training blenden

die E-Sportler alles

aus und konzentrieren

sich nur auf den Bildschirm.

Merke: Wer

ein Handwerk meistern

will, sollte nicht

nebenbei WhatsApp

checken.

spielen. Die einen sind die Terroristen

und müssen eine Bombe legen, die anderen

sind die Antiterroreinheit und sollen

dies verhindern. Ein paar Minuten später

verfolgen bereits 3000 Menschen das

Spiel. „Wenn er hauptberuflich streamen

würde, könnte er richtig viel Geld damit

verdienen“, erklärt Daniel Finkler, der Geschäftsführer

des Vereins. Profi-Streamer

wie US-Star Ninja verdienen mit ihren

Channels Millionen. Für tabseN ist das

kein Thema. Als der Showkampf nach

zwei Partien unentschieden endet, sagt

er: „Ich will mich in Turnieren mit den

Besten messen – das treibt mich an.“

13.00 UHR: MITTAGESSEN

Finkler trägt drei Plastiktüten ins Wohnzimmer

und fischt daraus schwarze Plastikschalen

mit Chicken Curry und Chicken

Tikka Masala. Normalerweise kocht Nuran

Ozan für die Truppe. Als CHO (Chief

Health Officer) kümmert sie sich um das

Wohlergehen der Spieler und ist für die

meisten zur unverzichtbaren Vertrauensperson

geworden. Sie ist aber gerade nicht

in der Stadt, deswegen bringt heute der

Lieferdienst das Essen. Kochen müssen

die Spieler auf jeden Fall nicht. Putzen

übrigens auch nicht – eine Hausfrau

kommt dreimal in der Woche, damit die

Jungs sich wirklich ausschließlich auf

ihre Aufgabe konzentrieren können – und

die heißt „Counter-Strike“.

14.00 UHR: VIDEO-ANALYSE

Im Keller neben der Streaming-Kammer

befindet sich der Trainingsraum. Sieben

Schreibtische stehen hier entlang der

beiden Seitenwände, jeder ausgestattet

mit einem PC und einem Monitor. tabseN

und die anderen haben ihre Drehstühle

an den Tisch von Fatih „gob b“ Dayik

geschoben. Er ist der Kapitän und mit

31 Jahren der Älteste im Team, während

der Jüngste erst 23 Jahre ist. Auf seinem

Bildschirm führt Fatih ein Spiel eines anderen

Teams vor. Es soll als Anschauungsbeispiel

dienen, wie man einen Angriff

geschickt antäuscht. „Double Fake“ nennt

man das.

16.00 UHR: TRAINING NUMMER EINS

tabseN und die anderen sitzen wieder an

ihren Schreibtischen und üben das eben

besprochene Angriffsmanöver. Kopfhörer

schirmen sie von der Außenwelt ab, ganze

Fokussierung auf das Spiel. Bloß das

flinke Wischen der Profi-Mäuse (Modell:

Corsair Harpoon RGB Wireless Gaming)

über die Tischplatten ist zu hören. Unter

den Schreibtischen stehen die Gaming-

Rechner von OMEN by HP 880-137ng,

deren Grafikkarte (NVIDIA GeForce GTX

1080Ti) zusammen mit dem Prozessor

(Intel Core i7-8700K) extreme Performance

garantiert. Das hier ist kein Zockabend

mit den Kumpels, das ist Hochleistungssport.

In einer Woche fliegt das

60 THE RED BULLETIN


BIG-TIPP 7

Atmet durch

Besessen trainieren ist

wichtig – Erholung aber

auch. Bei Hochkonzentrationsspielen

immer wieder

mal aufstehen und sich

ablenken, etwa mit einem

Fußball. Zehn Minuten

wirken bereits Wunder.

THE RED BULLETIN 61


BIG-TIPP 8

Werdet zu

Pantoffelhelden

Wer performen will, muss sich

in seiner Haut wohlfühlen,

meint Team BIG – und beweist,

dass Pantoletten nicht nur für

Spa-Besuche taugen, sondern

auch als Arbeitsoutfit.

62 THE RED BULLETIN


BIG-TIPP 9

Holt euch Superkräfte

Wer mental Weltklasse sein will,

braucht einen Körper in Top-Form.

Darum nehmen sich die E-Sportler

täglich Zeit für eine Fitness-Session.

Oder sogar zwei. Und sei es

um Mitternacht.

Team zu einem Turnier nach Leicester.

Von dort geht es direkt weiter nach Sydney.

Ins gesamt spielen die Jungs 10 bis

15 Turniere im Jahr; dabei geht es um viel

Geld. Das Wirtschaftsunternehmen Deloitte

schätzt, dass der Umsatz im E-Sport

2020 in Deutschland 130 Millionen Euro

betragen wird. Zum Vergleich: Die Basketball-Bundesliga

(BBL) hat im vergangenen

Jahr 120 Millionen erwirtschaftet. Entsprechend

professionell sind die Strukturen.

„Die Spieler haben ähnliche Verträge

wie die Fußball-Bundesliga-Profis“, sagt

Finkler. Ein Fußball-Anwalt hat sie aufgesetzt

und an den E-Sport angepasst.

20.00 UHR: PAUSE

Es ist Samstagabend. Wenn es die Zeit

zulässt, genießt tabseN am Wochenende

ein wenig Freizeit, sitzt draußen im Café

oder geht ins Kino. Heute sitzt er auf

seinem Bett und schaut eine Folge „Sons

of Anarchy“, die er neulich angefangen

hat. Für mehr bleibt neben dem Training

keine Zeit, das nächste Turnier steht

unmittelbar bevor. Sein Zimmer würde

es wohl noch nicht in eine „Schöner

wohnen“ Ausgabe schaffen. Bloß ein

Schreibtisch, zwei Schränke und eine

„Malm“-Kommode von Ikea. tabseN zuckt

lächelnd mit den Schultern. „Wir sind ja

erst vor ein paar Wochen hier eingezogen.“

Die wenige Zeit neben dem E-Sport verbringt

er lieber mit Familie und Freunden

statt mit Dekorieren und Einrichten.

21.00 UHR: TRAINING NUMMER ZWEI

Das Game speichert die Daten aller Spieler.

So kann man zum Beispiel sehen, dass

tabseN in den letzten sechs Jahren 10.425

Stunden „Counter-Strike“ gespielt hat,

Turnierspiele nicht eingerechnet. Die Erfahrung

ist neben der Reaktionsfähigkeit

und dem Taktikverständnis der größte

Unterschied zwischen einem Profispieler

wie tabseN und Otto Normalzocker. Aufgrund

jahrelangen Trainings verfügt er

über enormes Spielverständnis und weiß,

wie sich der Gegenspieler in bestimmten

Situationen verhält, und trifft in Sekundenschnelle

die richtigen Entscheidungen –

jene, die das Spiel entscheiden. Jetzt sitzt

tabseN wieder im Computerraum an seinem

Platz und spielt – Überraschung –

„Counter-Strike“. Denn am Abend findet

für Profis täglich ein Online-Wettkampf

statt. Für jeden Sieg gibt es einen Punkt.

Wer am Ende des Monats die meisten

Punkte hat, gewinnt 4500 Euro. Heute

holt tabseN den Punkt.

23.00 UHR: FITNESS-STUDIO

E-Sportler müssen sich nicht bewegen?

Denkste. Vier-, fünfmal in der Woche

quält sich tabseN mit den anderen Jungs

im Fitness-Studio, damit sein Körper die

Belastungen aushält. „Das viele Sitzen

am Computer und das Steuern mit der

Maus gehen vor allem auf das Handgelenk

und den Rücken“, sagt er. Deshalb stehen

heute Rückenstrecken und Rudern an der

Maschine auf dem Trainingsplan.

„Die E-Sportler haben

ähnliche Verträge wie Profis

in der Fußball-Bundesliga.“

0.00 UHR: TRAINING NUMMER DREI

Fast zehn Stunden hat tabseN heute auf

den Bildschirm gestarrt. Da brennen doch

bestimmt die Augen? „Nee, alles gut. Bloß

das Hirn ist langsam Matsch“, meint er

und lacht. Spielzüge zu pauken hat jetzt

keinen Sinn mehr. Lieber noch ein paar

Schussübungen. Es geht darum, das

Gefühl zu verinnerlichen, wie die Waffe

auf die Maus reagiert, und den richtigen

Bewegungsablauf im Handgelenk zu

speichern. Der Tennisprofi stellt sich am

Abend mit einem Korb Bälle auf den Platz

und macht 500 Aufschläge – tabseN stellt

sich mit einem Scharfschützengewehr auf

einen virtuellen Dorfplatz und gibt 1000

Schuss ab. Um drei Uhr geht er ins Bett –

und schläft ein. Friedlich, versteht sich.

Alles rund um Team BIG: bigclan.gg

THE RED BULLETIN 63


5 - MINUTEN- COACH

00:00

01:59

SO BLEIBST

DU KREATIV

Lass deine

Ideen fliegen

Vom „Tsunami“ bis zum Triple Backflip: Im Freestyle-

Motocross scheint es jeden Trick bereits zu geben.

Shootingstar Luc Ackermann, 21, entwickelt

dennoch permanent neue Stunts. Hier erklärt er,

wie du deiner Kreativität auf die Sprünge hilfst.

Räum deine

Festplatte auf,

bevor du loslegst

Der Eindruck mag manchmal täuschen,

aber ich bin sehr fokussiert und ordentlich

– wie viele Menschen, die ihr Geld

damit verdienen, Neues zu erschaffen.

Deswegen kann ich auch wahnsinnig

gut nachvollziehen, dass die Konstruktionsbüros

der Formel-1-Teams beinahe

klinisch aufgeräumt sind. Persönlich

kann ich Unordnung in der Garage oder

im Van gar nicht gebrauchen. Kreatives

Chaos? Für mich ein Widerspruch in

sich. Vor allem wenn ich mich daranmache,

einen neuen Trick zu entwickeln,

will ich auf gar keinen Fall abgelenkt

werden – von nichts und niemandem.

Dann geht es nur um die eine Sache,

die ich gerade probiere – ausschließlich.

Kreativität auszuleben ist Arbeit, kein

geistiges Herumspringen. Was das übersetzt

auf andere Berufe oder Hobbys

bedeuten kann? Leg dein Handy weg,

wenn du etwas wirklich Neues schaffen

willst; schließ die Programme, die du

nicht benötigst; und sorg dafür, dass

der Schreibtisch aufgeräumt ist, bevor

du loslegst.

00:22

Schau anderen

zu, aber niemals

von ihnen ab

Etwas bloß zu kopieren ist nicht kreativ

– im Gegenteil. Aber Kreativität baut

nahe zu immer auf etwas bereits Bestehendem

auf. Das Alphabet hat nur

26 Buchstaben, eine Tonleiter nur soundso

viele Töne – und doch sind alle

Bücher und Songs auf der ganzen Welt

aus diesen Zutaten gemacht, die jemand

auf eine völlig neue, einzigartige Weise

miteinander kombiniert hat. Auch in

meiner Disziplin, dem Freestyle-Motocross,

gibt es natürlich eine endliche

Anzahl an Tricks und Moves, die du in

der Luft mit deinem Motorrad anstellen

kannst. Die Kunst für uns Athleten

besteht nun darin, sie so abzumischen

wie noch keiner vor uns. Dazu ist es

selbstverständlich hilfreich, genau hinzuschauen,

was die anderen Fahrer gerade

machen – und die Elemente dann

so zu kombinieren wie niemand sonst.

Erst wenn du weißt, was bereits „auf

dem Markt“ ist, hast du die Chance, die

Regeln mit deinen eigenen Ideen auf

den Kopf zu stellen. Oft ist Kreativität

einfach der Gegensatz zu Konvention.

Gib dem Zufall

eine Chance

Manches kann man nicht erfinden –

es erfindet sich quasi von selbst. Die

Geburt des „Tornado“ war so ein Fall.

Eigentlich wollte ich damals einen

„Tsunami“ springen, einen Backflip mit

Handstand auf dem Lenker. Leider ist

das – im wahrsten Sinn des Wortes –

schief gegangen und ich hing völlig

schräg in der Backflip-Position. Anstatt

den Trick verloren zu geben, habe ich

alles darangesetzt, das Bike wieder

unter Kontrolle zu bekommen und

den Trick gewollt aussehen zu lassen.

Zurück am Boden, habe ich einfach

behauptet, ich sei einen „Tornado“

gesprungen – und heute gibt es etliche

Rider, die diesen Trick im Repertoire

haben. Viele Dinge gibt es nur, weil sich

etwas verselbständigt hat und zu Ende

gebracht wurde. Das reicht von der Erfindung

des Post-its bis zur Mikrowelle.

Trau dich

aufzugeben

Maler, die frustriert ihre Leinwände

wegstellen, Komponisten, die ihre

Melodien löschen, Schriftsteller, die ihre

Manuskripte zerknüllen: Es gibt den

Moment, in dem du einfach anstehst.

Ich kenne das aus meiner Erfahrung nur

zu gut. Du übst einen Trick immer und

immer wieder, aber er will einfach nicht

DDP/FOX-IMAGES, PREDRAG VUCKOVIC/RED BULL CONTENT POOL

01:58

03:07

64 THE RED BULLETIN


03:08

klappen. Keine Chance, ihn im Contest

zu bringen. Mein Tipp: Dann lass es

sein. Damit meine ich nicht, die Flinte

vorschnell ins Korn zu werfen. Ich gebe

mir ein Jahr lang Zeit, um sicher zu

gehen. Ob eine Idee gut genug ist, um

irgendwann zu funktionieren, das spürst

du. Niemand produziert ausschließlich

Geistesblitze. Vermutlich war es gut,

dass van Gogh Leinwände übermalt

und Lemmy gewisse Songs nicht aufgenommen

hat. Richtig gute Gedanken

finden in der Regel ohnehin zu dir

zurück, wenn die Zeit reif dafür ist.

Flugshow der

Superlative

Innovative Hindernisse,

spektakuläre Stunts,

einzig artige Atmosphäre:

Das verspricht das Freestyle-

Motocross-Event Red Bull

Dirt Diggers am 14. 9. auf

einer Halde in Dinslaken,

NRW. Stars wie Luc Ackermann

zeigen auf drei Stages

– Freestyle, Freeride, Big

Jumps – ihre Tricks. Extra:

Die Fahrer steuern Ideen

zum Bau der Obstacles bei.

redbull.com/dirtdiggers

„Manche

Dinge kann

man nicht

erfinden –

sie erfinden

sich quasi

von selbst.“

Luc Ackermann, 21,

Freestyle-Motocross-Ass

04:13

Gib alles oder

geh nach Hause

Mein Jugendheld war Travis Pastrana.

Er war der erste Mensch, der einen

Double Backflip mit dem Motorrad

gesprungen ist, obwohl das jeder für

unmöglich hielt. Heute ist der Double

Backflip so etwas wie mein Signature

Move – und auch der Triple Backflip

ist längst realisiert. Um etwas Neues

zu schaffen, wirst du zwangsläufig in

großen Dimensionen denken und ans

Limit gehen müssen. Schmetterlinge

in der Magengrube gehören dazu. Lass

dich davon nicht abhalten. „Go big or go

home“ ist mein Lebensmotto. Ich habe

es mir sogar tätowieren lassen, um mich

immer wieder selbst daran zu erinnern.

05:00

THE RED BULLETIN 65


DER

RED BULLETIN

SELBST-

VERSUCH

verschollen

Wie man auf einer einsamen Insel überlebt

Sechs Tage und fünf Nächte auf einem Eiland mitten im Indischen Ozean.

Kein Zelt, kein Survival-Handbuch, keine Ahnung. Unsere Autorin hat sich

der Wildnis, einem Taifun und sich selbst gestellt, um zu erkennen:

Das Wecken deines Urinstinkts hat nichts mit Mordlust zu tun.

Text WALTRAUD HABLE

Fotos PHILIPP HORAK


Ratlosigkeit unter der schützenden Plastikplane:

Ist der Taifun vorbei, oder kommt er wieder?

67


Einsame Insel bedeutet: Du musst an Land schwimmen, kein Boot kann direkt ankern.

Das Salzwasser brennt in den Augen, die Kleidung ist vollgesogen, der Energieakku nach 28 Stunden

Indonesien-Anreise leer. Helfer befördern das Equipment schwimmend ans Ufer, bevor sie abhauen.

as Meer rauscht nicht,

es brüllt mich an. Der Wind

pfeift durch die Dunkelheit,

Regen peitscht mir ins

Gesicht. Ich zittere am

ganzen Körper, meine Haut ist kalt

und nass, und was von meinen

Haaren übrig blieb, ist zu einem

heillos verfilzten Biberschwanz

auf meinem Hinterkopf verkommen.

Als Schutz gegen das

Unwetter liege ich eingewickelt

in eine schwarze Plastikplane.

Aus der Vogelperspektive muss

ich wie eine schlecht verpackte

Leiche aussehen, an den Strand

gespült. Aber ich bin nicht tot.

Dafür bin ich gerade viel zu wütend aufs Leben.

Und auf mich selbst. Warum zum Teufel wollte

ich unbedingt auf diese einsame Insel mitten im

Indischen Ozean – ohne Zelt und vor allem ohne die

geringste Ahnung, wie man einen 120-km/h-Tropensturm

überlebt? Da können noch so viele Selbsthilfebücher

behaupten, einmal im Leben müsse man

wimmernd in Embryonalstellung am Boden liegen,

weil das angeblich so heilsam sei. Ich weiß nur:

Wenn ich hier weiter in Embryonalstellung verharre,

stehen die Chancen gut, dass mich noch eine Palme

erschlägt.

Rückblende. Es waren vier Flieger, ein Speedboot

und zwei Tabletten gegen Seekrankheit erforderlich,

um auf dieses Archipel vor Indonesien zu kommen.

Genauere Koordinaten darf ich nicht nennen. Sowohl

der Name der einsamen Insel als auch die Region

sind geheim. Alvaro Cerezo, ein 38-jähriger Spanier

und Kopf der Zwei-Mann-Abenteuer-Reiseagentur

Docastaway.com, hat mich und unseren Fotografen

Philipp sogar eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben

lassen. Mit Docastaway (frei übersetzt:

„Schiffbruch zum Nachmachen“) bietet der studierte

Betriebswirt tropische Inselaufenthalte mit Einsamkeitsgarantie

an. In einer Zeit, in der man immer

erreichbar sein muss und jeder Quadratmillimeter

Land verbaut scheint, ist er besessen davon, den

höchsten Grad an Isolation zu finden und diesen

auch zu bewahren.

Für Alvaro sind einsame Inseln wie eine Zeitreise,

mit einer Flora und Fauna wie vor hunderten von

Jahren. Tut sich ein passendes Eiland auf, beginnt die

Überzeugungsarbeit. Denn jedes Stück Land dieser

Welt gehört irgendjemandem: Privatbesitzern, Regierungen,

dem Militär. Bei erfolgreich verhandelter

Betretungserlaubnis lotst Docastaway dann Möchtegern-Robinson-Crusoes

wie mich ab zirka 1000 Euro

pro Woche auf die jeweilige Insel und stellt nur das

Nötigste zum Überleben zur Verfügung: Macheten,

eine Harpune, ein Feuerzeug, zwei Kochtöpfe, Angelleine

und Angelhaken und einen 12-Liter-Kanister

Trinkwasser. Das nennt sich das „Abenteuer-Paket“.

Der Deal lautet: sechs Tage und fünf Nächte Survival,

68 THE RED BULLETIN


Anfängerf ehler:

Ich habe mir lieber Gedanken

über wirksame Deos

als über Regenschutz gemacht.

Früher Morgen auf einer unbewohnten indonesischen Insel:

Taifun überlebt. Kleidung nass. Körper völlig ausgekühlt. Ich fühle mich gestrandet.


Das Inselreich aus der Drohnenperspektive:

tosende Brandung, viel Sand, Treibholz, gefühlt drei Milliarden Krebse (und ich).

Das rund vier Meter lange Bambusrohr ist ein Glücksfund.

Mit ihm schlägt man die Kokosnüsse von den Palmen – oder versucht es zumindest.

70 THE RED BULLETIN


Selbstporträt mit Schattenspiel. Auf der einsamen Insel gibt es kein elektrisches Licht.

Dunkel wird es gegen 19 Uhr, das bleibt dann auch so für die nächsten zwölf Stunden.

Fotograf Philipp und ich mutterseelenallein auf einer

unbewohnten indonesischen Insel – nur mit dem

genannten Equipment, ohne Zelt oder festen Unterschlupf.

Dazu: zwei Hängematten, Sonnenschutz,

Moskitospray, Stirnlampen, ein Kilogramm Reis,

ein halbes Kilo Quinoa, Zahnbürste, Decken, ein

bisschen Kleidung. Alvaro legte uns Ressourcenknappheit

ans Herz: „Je weniger ihr mitbringt,

desto prägender wird euer Erlebnis sein.“

Während der Wind mannshohe Palmwedel von den

Bäumen reißt, verfluche ich den Kerl. Dabei trifft

Alvaro keine Schuld. Ich habe nur einmal im Garten

unseres Ferienhauses eine Nacht gezeltet, ich habe

keine Ahnung, wie man das Wetter liest, geschweige

denn, wie man einen Unterstand baut oder gar

jagt. Aber warum ich wirklich in diesem Schlamassel

stecke, ist: Ich bin zu blöd zum Zuhören. Alvaro

hatte nämlich im Vorfeld vor Regen gewarnt: „Auf

der Insel wird es gegen 19 Uhr dunkel und erst zwölf

Stunden später wieder hell. So ein nächtlicher Sturm

kann eine gefühlte Ewigkeit dauern und vor allem

ziemlich kalt werden.“ Ich wiegelte ab mit „Jajaja,

wir nehmen eh zwei Plastikplanen und warme Pullis

mit – alles kein Problem“ und machte mir dann Gedanken

über die wichtigen Dinge im Leben. Zum

Beispiel Deos und wie man knapp eine Woche ohne

Dusche und ohne Geruchsbelästigung übersteht.

(Dass Philipps Nase nach einer Polypen-Entfernung

noch nicht wieder feinjustiert war, kam mir sehr

ge legen.) Oder Sandflöhe! Laut Google höchst heimtückische

Biester: Bevorzugt legen sie ihre Eier in

menschlichen Fußsohlen ab (klingt unheimlich, ist

aber mit einer Pinzette und Antibiotika zu kurieren).

Mittlerweile kann ich sagen: Die schlimmste Bedrohung

in freier Natur sind nicht wilde Tiere oder

bissige Insekten. Was du wirklich fürchten musst,

das ist der Regen. Regen ist brutal. Denn wenn du

bis auf die letzte Faser nass bist und nicht weißt, ob

der nächtliche Sturm noch Stunden oder vielleicht

sogar Tage dauern wird, dann kommen Körper und

Psyche an ihre Grenzen – zumal es von Survival- Inseln

keinen einfachen Exit gibt. Alvaro hat mir und dem

Fotografen zwar ein Notfallhandy mitgegeben, aber

eine Schnellevakuierung garantiert das nicht. Denn

einsame Inseln sind vor allem deshalb einsam, weil

kein Boot direkt andocken kann. Diese Lektion offenbarte

sich mir gleich bei der Ankunft. „Wir müssen ans

Ufer schwimmen“, wurden wir angewiesen, als der

Motor 200 Meter vor der Insel plötzlich verstummte.

Ein Postkartenidyll mit Palmen, schroffen Felsen

und Sandstrand, geschätzt einen Kilometer lang und

300 Meter breit, lag vor uns. Irgendwo hinter dem

Hori zont, 1500 Seemeilen weiter westlich, sollten die

Male diven beginnen. „Und: unser Gepäck? Die Kameras?“

– „Die schwimmen wir für euch rüber.“ Unser

Bootsführer war bereits mit einer überladenen Plastikbox

in die Fluten gesprungen. Die Kiste taumelte

durch den Wellengang gefährlich hin und her. Würde

sie kippen, Reisepässe, Gepäck, alles wäre verloren.

Der unfreiwillige Schwimmgang scheint ewig her,

obwohl seitdem gerade mal 48 Stunden vergangen

sind. Die Bucht, an der uns Alvaro unserem Schicksal

überlassen hat, besteht aus einem Strandabschnitt

mit hoher Brandung und gefühlt drei Milliarden

Einsiedlerkrebsen. Das Meer ist so laut, dass man

Solange du Kokosnüsse hast,

überlebst du. Eine Nuss

spende t bis zu einen halben

Liter Flüssigkeit.

THE RED BULLETIN 71


Oben: der Lagerplatz. Zwei Hängematten, eine Wäscheleine, Kokospalmen, Schatten. Raue Brandung. Die Strömungen hier sind gefährlich.

Unten: Einsiedlerkrebse machen sich im Dutzend über eine von mir aufgeschlagene Kokosnuss her.

72 THE RED BULLETIN


1

2

3

4

5

6

7

DAS SURVIVAL-EQUIPMENT

1 Agavenblatt. Natürlicher Trichter zum

verschüttfreien Umfüllen von Flüssigkeiten.

2 Wasserkanister für sechs Tage.

Inhalt: 12 Liter. 3 Leatherman mit Messer

und Minisäge für Schneide arbeiten.

4 Macheten, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit

täglich eine Spur ros tiger.

5 Kokosnüsse mit Trieben. Wachsen

am Boden, bei Energielosigkeit leichte

Beute. Innen süßlich – und schaumig

wie Styropor. 6 Kochtöpfe, Streichhölzer,

Kaminanzünder (für den Fall,

dass alles nass ist) und zwei Esslöffel.

7 Harpune ohne Sicherung, Marke

indonesischer Eigenbau. Mehr Gefahr

für einen selbst als für die Fische.

8 Plastik plane aus dem Baumarkt.

Lebensretter. Schützt bei einem Sturm

vor Nässe und hält notfalls die Körpertemperatur

halbwegs stabil.

8

THE RED BULLETIN 73


Ich dachte, ich würde

in j edem Lebewesen

eine potenzielle wandelnde

Mahlzeit sehen.

das eigene Wort nicht versteht. Dahinter beginnt die

Dschungel-Version von „Blair Witch Project“: Spinnweben,

Palmen, Agaven, leere Kokosnussschalen, die

Unterschlupf für Tausendfüßer, Zikaden, Schlangen

und Echsen bieten. Solange man Kokosnüsse hat,

stirbt man nicht, heißt es. Grüne, unreife Nüsse

enthalten bis zu 500 Milliliter Wasser mit wichtigen

Elektrolyten. Ob man aber auch immer die Kraft findet,

die Dinger mit einem Bambusrohr von der Palme

zu schlagen, ist eine andere Frage. In einen Baumstamm

ist „Mikelo“ eingeritzt. So heißt ein ehemaliger

Survival-Kandidat, der hier die Asche seiner toten

Mutter verstreut haben soll. Wir sind also nicht allein,

auch wenn es die Indonesier beim Gedanken daran

schaudern würde. In dem Inselstaat glaubt man an

Geister. Dass man sich freiwillig auf einem ein samen

Eiland verschanzt, ist für viele unheimlich.

„Bist du okay?“ Philipp, der Fotograf, hat ein paar

Meter weiter dem nächtlichen Sturm getrotzt. Durchweicht

und erschöpft lässt er sich neben mich in

den Sand fallen. Wir haben seit zwei Tagen kaum

gegessen, abends ein paar Löffel Reis, zum Frühstück

eine Kokosnuss, mehr gibt es nicht. Bei tropischen

35 Grad kein Problem, da brauchst du wenig Energie.

Doch nach dem Taifun fehlt uns für so ziemlich alles

die Kraft. Fischen ist wegen des hohen Wellengangs

in unserer Bucht und dank der Talentfreiheit meinerseits

sinnlos. Die Köder – Algen oder Krebse – rutschen

sofort vom Haken, die Schnur verfängt sich in versteinerten

Korallen und reißt. Und Einsiedlerkrebse

über dem Feuer zu rösten, dazu konnten wir uns bis

dato nicht durchringen. Die spinnenartigen Beine

sind haarig, die Körper unter den Schneckenhäusern

mager. „Denkst du, das war’s? Oder geht das jetzt die

rest lichen Tage so weiter?“, frage ich Philipp leise.

„Ich weiß es nicht.“ – „Noch so eine Horrornacht

überstehe ich nicht.“ – „Wir müssen positiv denken.

Die Anreise war zu lang, um aufzugeben.“

Als zu Mittag die Sonne durch die Wolken blinzelt,

lebt auch mein Kampfgeist wieder auf. Wir spannen

eine Schnur, um unsere Hängematten zu trocknen,

und planen eine – zumindest in der Theorie – sturmfeste

Behausung aus Plastikplanen, Seilen und Steinen.

Der Wind hat sich gelegt, der Himmel wird mit

jeder Minute blauer. Das, was vor ein paar Stunden

noch Apokalypse war, mutiert jetzt zu einem kitschigen

Werbetraum. Plopp. Eine Kokosnuss fällt zu

Boden. Schwindelig von der Unterzuckerung trabe

ich los, um sie aufzulesen, und säble dann durch die

Fasern der Frucht. Meine Armmuskulatur brennt,

ich bin am Ende. Die hohe Luftfeuchtigkeit und das

Salzwasser haben die Klingen der Macheten rostig

werden lassen, meine Handflächen entwickeln braunrote

Schwielen. „Mit dem Sturm hat dieses Abenteuer

erst begonnen“, sinniert Philipp. Ich weiß, er hat

recht. Aber mir ist nicht nach Reden zumute. In meinem

Kopf ist es zu laut. Ich dachte, dieses Survival-

Abenteuer würde meine Urinstinkte wecken, jedes

Lebewesen zu einer potenziellen wandelnden Mahlzeit

machen. Mein Vater ist von Beruf Metzger, die

Sache wäre also gar nicht mal so abwegig. Doch das

Gegenteil ist der Fall. Ich will nichts töten. Ich will

verstehen und fühle mich plötzlich seltsam mit der

Erde verbunden. Stundenlang studiere ich das Chaos

des Dschungels. Die schiefen Stämme, die vorbei an

den gerade gewachsenen zum Licht drängen. Ein

braun-grünes Durcheinander, das keiner menschlichen

Ordnung folgt und genau deshalb so wunderschön

ist. Ich atme die feucht-sandig-moosige Luft

ein. Gleich hinter mir verrotten entwurzelte Bäume

und, ich wette, auch tote Echsen, Vögel und Krabben.

Trotzdem: Die Natur riecht taufrisch, während ich

das von mir nicht mehr behaupten kann.

Der Sturm war hart, aber mir dämmert, er war keine

Kampfansage der Welt an mich. Meine Wenigkeit ist

der Natur vollkommen egal. Sie ist größer als ich,

immerhin wird sie noch existieren, wenn ich längst

nicht mehr bin. Dennoch stellt sie großzügig alles

zur Verfügung, was ich zum Leben brauche. Ich muss

nur lernen, die Geschenke erkennen. Da wäre zum

Beispiel das Meer. Ein Schuss Ozean im Kochwasser

würzt unseren Reis. Zum Reinigen des Topfs ist Sand

das beste Scheuermittel. Überdies spült das Meer

täglich Treibholz an, von der Sonne getrocknet,

Die Natur stellt grosszügig

alles zur verf ügung,

was ich zum überleben brauche.

ich muss nur lernen, ihre

geschenke zu erkennen.

brennt es wie Zunder. Oder die Palmen, diese

Universal genies! Sie sind Kokosnuss- und Schattenspender,

Hängematten-Stützen, ihre Wedel dienen

als Baumaterial, und in leeren Kokosschalen kann

man Regenwasser auffangen. Ein abgeschnittenes

Agavenblatt wiederum lässt sich als Trichter missbrauchen.

Hält man es im richtigen Winkel, geht

beim Umfüllen vom Wasserkanister in unsere Trinkflaschen

kein Tropfen verloren. Dass der dauer-

74 THE RED BULLETIN


Lagerfeuer? Nein, meine persönliche Müllverbrennungsanlage.

Der Verschmutzung der Weltmeere entkommt auch die einsamste Insel nicht.

THE RED BULLETIN 75


Nachts kommen Schildkröten auf die Insel, um ihre Eier in Nistkammern im Sand abzulegen.

Das größte Badezimmer der Welt: Mit einem Kamm versuche ich, die verfilzten Haare zu entwirren.

Ein paar Meter weiter rauscht das Meer: meine Badewanne und Waschmaschine.

76 THE RED BULLETIN


klebrige Salzfilm auf der Haut einen in den Wahnsinn

treibt – Schwamm drüber! Auf einer einsamen Insel

wirfst du spätestens nach der ersten Freiluft-Notdurft

deine Sauberkeitsideale über Bord.

Wenn ich nicht gerade über das große Ganze nachdenke,

schreite ich durch mein sandiges Königreich

und räume auf. Mit 120-Liter-Müllsäcken, die ich

zum Schutz für die Kameras mitgebracht habe,

sammle ich angespültes Plastik ein. Die Insel mag

zwar fern von allem liegen, der Verschmutzung der

Weltmeere entkommt sie nicht. Allein in „meiner“

Bucht stoße ich auf hunderte leere Plastikflaschen,

bei 246 habe ich aufgehört zu zählen. Ölkanister.

Sonnenmilchtuben. Flip-Flops – 56 Einzelexemplare,

keine zwei passen zusammen. Dazu: Zahnbürsten.

Shiva-Spielzeugfiguren, vermutlich aus Indien.

Joghurtbecher. Alte Bojen, Taue, Styropor. Plastikstrohhalme,

die infolge Salz- und Sonneneinwirkung

zwischen meinen Fingern zerbröseln. Es bricht mir

fast das Herz, als ich sehe, wie Krabben die Mikroteile

zwischen ihre Scheren nehmen und davon kosten.

Also starte ich eine Müllverbrennungsanlage. Sechs

volle Säcke, 720 Liter Unrat, gehen dramatisch in

schwarzem Rauch auf, es stinkt nach Chemie,

das Treibgas in einer Spraydose knallt. Am Festland

würde man mit dem Plastik dasselbe machen, das

Feuer mag zwar die Luft verpesten, stellt aber sicher,

dass die Babyschildkröten, die hier bald schlüpfen,

in eine sauberere und für sie weniger gefährliche Welt

krabbeln können. Die Spuren im Sand ver raten, wo

eine Schildkröte Nistkammern angelegt haben muss.

Irgendwann dämmert mir, dass auch unter meiner

Feuerstelle Eier liegen werden. Verdammt! Der Kreislauf

des Lebens scheint zu vielschichtig für mein

klein dimensioniertes Hirn. Kein YouTube-Sur vival-

Videomarathon kann dich darauf vorbereiten.

Zur Beruhigung beobachte ich die Krebse und die

Krabben. So ereignislos das Leben auf einer einsamen

Insel scheint – du schläfst, du versuchst, jeden Tag

ein bisschen kraftloser, Kokosnüsse zu ernten, machst

Feuer, schwimmst, sammelst Müll ein –, am Boden

geht’s geschäftig zu wie in einer Megametropole.

Flächendeckend wuseln die Viecher hin und her.

Ich beginne, sie nach Größe und Farben zu differenzieren.

Es gibt Tiere mit grünen Schneckenhäusern

am Rücken. Manche sind babyrosa, andere gepunktet

oder rot-braun-weiß. Zwei Arten und zwei Zonen

Die Einsiedlerkrebse

sind Junkies, insgeheim

nenne ich sie Kokossüchtler.

Ich finde Plastikflaschen.

Flip-Flops, 56 Einzel-

Exemplare, keine zwei

Sandalen passen zusammen.

Einsame Insel heisst nicht,

dass man der Verschmutzung

der Meere entkommt,

im Gegenteil.

mache ich aus. Die Einsiedlerkrebse – von fingernagelklein

bis handtellergroß – halten sich in Dschungelnähe

auf. Sie sind Junkies, insgeheim nenne ich sie

Kokossüchtler. Kaum fällt ein Schnipsel Kokosfleisch

zu Boden, stürzen sie sich zu Dutzenden darauf.

Exkremente und Plastik verspeisen sie im Übrigen

auch. Und dann gibt es die Albino-Krabben. Ihren

korrekten biologischen Namen kenne ich nicht.

Sie leben vorwiegend in Löchern am Strand, haben

einen lustigen Seitwärtsgang und aufmerk same

schwarze Stielaugen. Nahrungstechnisch würden

sie mehr hergeben als die Kokossüchtler. Aber ich

kann sie trotzdem nicht mit einem Stein erschlagen.

Denn die Albinos sind Hardcore-Romantiker. Wenn

abends der Himmel rot und pink zu glühen beginnt,

dann unterbrechen auch sie ihr Treiben. Plötzlich

er scheinen sie für mich menschlich.

Als Alvaro am sechsten Tag wie aus dem Nichts auftaucht,

um uns durch den Dschungel zurück zum

Boot zu führen, freue ich mich auf 3000 Kalorien

Nasi Goreng, eine lange Dusche und Jod für das

an Korallen aufgeschürfte Knie, das Herz aber sagt:

Hmmm. „Ich habe am Festland oft an euch denken

müssen, der Sturm in der dritten Nacht war schlimm“,

schnattert Alvaro. Ja, stimmt. Aber der Taifun hat

nicht nur das Meer aufgewühlt. Sondern auch mich.

Ich werfe einen letzten Blick auf „meine“ Insel, lasse

mich unwillig zurück in die Zivilisation führen. Als

wir Stunden später im Flughafentaxi sitzen, gefangen

im Feierabendstau, sage ich zu Philipp: „Das saugt mir

gerade enorm viel Energie ab. Die vielen Menschen!

Ich habe das Gefühl, ich spüre jede einzelne ihrer

Stimmungen, ihren Ärger über die Autokolonnen,

ihre Unruhe. Mit den Krabben und den Palmen war

das Leben irgendwie einfacher.“ – „Ich weiß, was du

meinst.“ Ich schaue auf meine geschundenen Finger,

die Hautrisse, die durch Rostspuren der Machete

dunkel gefärbt sind, nach dreimal waschen werden

sie nicht mehr zu sehen sein. „Ich will zurück“,

sagt das Herz. „Das geht nicht“, sagt der Verstand.

Flüstert das Herz: „Dann musst du wohl ab jetzt

deine eigene Insel sein.“

THE RED BULLETIN 77


FLÜÜÜGEL

FÜR JEDEN

GESCHMACK.


guide

Dein Programm

ZUM DABEISEIN

Von Rallye über Rock

bis Gaming: die spannendsten

Events im

August und September.

SEITE 84

ZUM MITSPIELEN

Das Augmented-

Reality-Game „Harry

Potter: Wizards Unite“

löst einen Boom aus.

SEITE 86

ZUM ERLEBEN

Von Downhillrennen

bis Popmusikproduktionen:

die Highlights

auf Red Bull TV.

SEITE 87

GRAEME PURDY

ZUM STAUNEN

Auf Foto-Safari in Kenia:

Wie du mit einem Profi-

Guide die Bilder deines

Lebens knipst.

SEITE 80

THE RED BULLETIN 79


Reisen

Die Fotografen-Crew bringt sich unter einem Akazienbaum in der Masai Mara in Stellung.

SHOOTING IN KENIA

JAG DAS FOTO

DEINES LEBENS

Lust auf gewaltfreie Trophäenjagd? Graeme Purdy bringt

Amateurfotografen auf Tuchfühlung mit Löwen, Büffeln

und Gazellen – und garantiert reiche Fotobeute.

Mein Herz blieb stehen. Auf

der anderen Seite des Land

Rover, neben dem ich Position

bezogen hatte, war gerade

ein Löwe vorbeigetrabt. Wir hatten

das Scheinwerferlicht auf ein Rudel

Hyänen gerichtet, das gerade ein

totes Gnu verschlang, als der Löwe

die Party crashte. Als sich mein

Zittern gelegt hatte, hob ich die

Kamera. Da hörte ich es direkt hinter

mir: kein Brüllen, kein Knurren,

nur das dumpfe Echo von Pfoten

auf dem Steppenboden. Wumpf …

wumpf … wumpf … Bald lief neben

mir ein zweiter Löwe vorbei, so

16 Jahre Safari-Erfahrung auf einem Bild: Graeme Purdy

80 THE RED BULLETIN


guide

REISE-TIPPS

KATZENFOTOS

GEFÄLLIG?

Was du wissen solltest, bevor du in einem

von Kenias größten Naturschutzgebieten

auf Großwild(foto)jagd gehst.

Fantastisches Fotomotiv auf Graemes Safaris: Gepardenmütter und ihre Babys

Kenia

Nairobi

Masai Mara

Die Masai Mara liegt auf 1800 Meter Höhe und hat

täglich zwölf Stunden Tageslicht und zwölf Stunden

Dunkelheit. Die Morgenstunden sind hell und klar,

aber nachmittags ziehen oft Gewitter auf.

Geschossen werden auf dieser Safari nur Fotos.

GRAEME PURDY PHOTOGRAPHY RACHAEL SIGEE

nahe, dass ich seinen Atem spüren

konnte. „Keine Panik“, sagte der

Guide, „die interessieren sich nur

für ihre Beute, nicht für dich.“

Um 16 Jahre Safari-Erfahrung

reifer, weiß ich heute, dass Großkatzen

– sie leben im Reservat

Masai Mara in größerer Dichte

als irgendwo sonst auf der Welt –

für Menschen relativ harmlos

sind. Gefährlicher sind Büffel

(permanent schlecht gelaunt) und

Elefanten (unberechenbar).

Wie ich zu meinem Job kam?

Zuerst arbeitete ich als hauptberuflicher

Wildtierfotograf, der

hin und wieder Gäste auf Safaris

mitnahm. Jetzt zeige ich Hobby-

Fotografen jeden November im

Rahmen von zwei einwöchigen

Einmal pinkelte

uns ein Löwe an.

Er zeigte uns damit,

wer der Boss ist.

Trips, wie man Wildtiere in ihrer

natürlichen Umgebung ablichtet.

Warum gerade dann? Die Regenzeit

beginnt, der Himmel sieht

besonders dramatisch aus, und

die Tiere sind aktiver, sobald es

etwas kühler wird.

Wir beginnen gleich nach dem

45-minütigen Flug vom Wilson

Airport in Nairobi mit dem Knipsen,

sobald die sechs- bis acht-

WÄHRUNG

KENIA-SCHILLING

1 Kenia-Schilling = 89 Cents

1 Euro = 113 Kenia-Schillinge

SPRACHE (SWAHILI)

Naona chui Ich sehe einen

Leoparden

Twende

tutafute tembo

Wapi mtoto wa

simba?

WISSEN

1. Die Masai Mara liegt nahe dem Äquator,

daher sind Tag und Nacht fast gleich lang.

2. Benannt ist das Reservat nach den hier

ansässigen Nomaden, den Massai.

„Mara“ bedeutet in ihrer Sprache „gefleckt“.

3. Die häufigste Tierart ist das millionenfach

vertretene Gnu.

4. Die Seehöhe entspricht jener hoch gelegener

Alpendörfer – etwa 1800 Meter.

Lass uns Elefanten

suchen

Wo ist das

Löwenbaby?

THE RED BULLETIN 81


Reisen

guide

HAKUNA MATATA

SAFARI

DE LUXE

Welche Ausrüstung der Tierfotograf

Graeme empfiehlt. Plus: seine Profi-Tipps

nach 16 Jahren Masai-Mara-Erfahrung.

MUST-HAVE

DREI DINGE, DIE DU AUF EINER FOTOSAFARI

UNBEDINGT BENÖTIGST:

1. „Ich verwende eine

Canon 5DSR mit

verschiedenen Objektiven,

das 300-mm-Weitwinkel-

Objektiv passt am besten

zu meinem Fotostil.“

2. „Mit einem iPhone kann

man ziemlich gute Fotos

machen. Ich verwende

Clip-on-Objektive

von Moment.“

3. „Nimm doppelt so

viele Speicherkarten mit,

wie du glaubst, dass

du brauchen wirst.

Mindestens. Ich habe noch

nie jemanden getroffen,

der bei seiner ersten Safari

zu viele Speicherkarten

dabeihatte. Bei meiner

ersten Fotosafari machte

ich 12.000 Fotos.“

Was braucht man, um dabei zu sein? „Nichts. Außer

einer Kamera und Begeisterung“, sagt Graeme.

MUST-KNOW

1. AASGEIER FRESSEN SCHNELL

„In 90 Minuten können 70 Geier einen Tierkadaver

auffressen. Fand das Tier einen natürlichen Tod,

fressen sie sich durch Auge oder Anus.“

2. BABY-ELEFANTEN SIND UNGESCHICKT

„Im Rüssel eines Elefanten stecken mehr Muskeln

als in unserem ganzen Körper. Aber Babys, die

erst ein paar Monate alt sind, können ihren Rüssel

noch nicht kontrollieren. Darum wackelt und

schlenkert er, wenn sie laufen.“

3. NILPFERDE BRAUCHEN PLATZ

„Als Flüsse für uns noch die wichtigsten Transportwege

waren, galten Flusspferde als die gefährlichsten

Tiere Afrikas. Doch sie greifen nicht grundlos an – es

reicht, ihnen nicht in die Quere zu kommen.“

Die Masai Mara ist Heimat von über tausend Vogelarten und zahllosen Säugetieren.

köpfigen Gruppen in der Masai

Mara gelandet sind. Ach ja: In unserem

Camp gibt es keine Zäune.

Darum begleitet dich immer ein

Guide zu deinem Zelt, und meist

steht jemand mit Speer bewaffnet

Wache. Auch im Geländewagen,

in den wir jeden Morgen 40 Minuten

vor Sonnenaufgang steigen,

gibt es keine Barriere zwischen dir

und den Tieren: Damit man besser

foto grafieren kann, haben wir das

Dach, die Seitenteile und sogar

die Windschutzscheibe entfernt.

Einmal spazierte ein männlicher

Löwe direkt auf uns zu und pinkelte

uns von oben bis unten an. So

zeigte er uns, wer hier der Boss ist.

Zehn Minuten vor Sonnenaufgang

baut sich im Morgennebel

plötzlich eine Wand aus zwanzig

Elefanten auf. Mucksmäuschenstill

waten sie durch das Gras.

Ein atemberaubender Anblick,

unwirklich wie eine Szene aus

„Jurassic Park“. Zusammen mit

dem Licht kurz vor der Morgendämmerung

ergibt das ein episches

Foto – wenn man schnell

genug ist und den magischen Moment

einfängt. Die Verhältnisse

ändern sich hier blitzschnell.

Reaktionsschnelligkeit ist auch

eine Stunde vor Sonnenuntergang

gefragt, weil dann das Licht am

besten ist. Da beobachten wir

nämlich, wie eine Gepardin

Thomson- Gazellen jagt. Es spielt

keine Rolle, wie viele Naturdokumentationen

du gesehen hast –

einen Geparden in vollem Tempo

laufen zu sehen ist unbeschreiblich.

Wir fiebern mit, bis das Raubtier

eine Gazelle erlegt hat. Hier ist

das Leben kein Disney-Film, sondern

täglicher Überlebenskampf.

Einen Hügel entfernt beginnt

gerade ein neues Leben: Eine

Gazelle hat soeben ihr Junges auf

die Welt gebracht. Gazellen und

Impalas grasen hier gemeinsam;

und das Neugeborene wackelt zu

einem riesigen Impala-Männchen

hinüber. „Bist du meine Mama?“,

scheint es zu fragen. Die Impala

senkt ihren Kopf und dreht das

Baby sanft um, sodass es seine

Mutter sieht. Ein unvergesslicher

Moment.

Unser Eintauchen in die Wildnis

fühlt sich beinahe spirituell

an. Nach 36 Stunden in der Masai

Mara hast du vergessen, welcher

Wochentag ist. Wenn ich hier

morgens aufwache, strotze ich

nur so vor Optimismus. Welche

fantastischen Erinnerungen der

neue Tag wohl bringen wird?

Infos zu Graeme Purdys Safaris: purdy.

photography/photographic-safaris

GRAEME PURDY PHOTOGRAPHY RACHAEL SIGEE

82 THE RED BULLETIN


Events

bis 25. August

Spür das Rallye-Feeling

Packende Renn-Action vor spektakulärer Kulisse:

Dafür steht die ADAC Rallye Deutschland, die

auch in diesem Jahr unter anderem durch die

Weinberge entlang der Mosel führt (im Bild: Titelverteidiger

Sébastien Ogier). Gute Nachrichten

für die Fans: Die Strecke wächst im Vergleich

22Saarland; adac-rallye-deutschland.de

zum Vorjahr um sechs Prozent auf 343,95 Kilometer

an. Gleichzeitig verkürzen sich die Entfernungen

zwischen den einzelnen Etappen.

16

bis 18. August

Höre den Donner

Es ist das größte Dragster-Rennen außerhalb

der USA. Rund 250 Teams gehen bei den

NitrOlympX am Hockenheimring an den Start.

40.000 Zuschauer pilgern zu den Tagen des

Donners, um die bis zu 10.000 PS starken Fahrzeuge

beim Duell auf der Viertelmeile zu bestaunen.

Heiß her geht’s auch bei „The Nightshow“

am Samstagabend, wenn Motorsport auf

Entertainment trifft – Pyrotechnik inklusive.

Motodrom, Hockenheim; nitrolympx.de

27

Juli

ERLEBE PURE

GAMING-ACTION

Monster, Türme und gegnerische

Champions besiegen – mit Strategie

und Tempo: Darum geht es im

Erfolgsspiel „League of Legends“.

Aber wer ist weltweit der beste

Einzelspieler? Das ermittelt Red

Bull Player One. Bei den nationalen

Finals in Frankfurt a. M. kämpfen

die besten deutschen Amateur-

Gamer um den Einzug ins Finale

in Brasilien. Wer kein Ticket mehr

bekommt, kann auf der Streaming-

Plattform Twitch live dabei sein.

Silberturm, Frankfurt am Main; redbull.com

ADAC/SASCHA DÖRRENBÄCHER, HOCKENHEIM-RING GMBH, MARCELO MARAGNI/RED BULL CONTENT POOL, SF@STEPHANFLAD.COM

84 THE RED BULLETIN


guide

7

und 8. September

Feier im Freien

Was für ein Line-up, was für eine

Basis für ein legendäres Wochenende:

Bei der deutschen Ausgabe des Lollapalooza-Festivals

reihen sich die

Top-Acts aneinander. Am Samstag

etwa Swedish House Mafia, Twenty

One Pilots und Billie Eilish; am Sonntag

zum Beispiel mit Kings of Leon,

Martin Garrix und Kraftklub.

Olympiastadion und Olympiapark,

Berlin; lollapaloozade.com

und 21. Juli

Beweg dich

wie nie zuvor

In unserem Körper liegt die Kraft für

ein besseres Leben: Deswegen lädt

das „World of Movement“-Event seine

Besucher dazu ein, das Thema Bewegung

neu zu entdecken und dabei

gleichzeitig zu neuer Ruhe zu finden –

etwa bei Tanz, Yoga oder Martial Arts.

Schönes Workshop-Beispiel: „The Art

to Handstand“. Dazu gibt es auf den

rund 5000 Quadratmetern im Edelfettwerk

auch eine Fitness-Messe.

Edelfettwerk, Hamburg;

world-of-movement.de

26

bis 28. Juli

Verfolge

die Stars

Im Vorjahr holte Formel-1-Profi

Lewis Hamilton beim Großen

Preis von Deutschland den

Sieg, auch dieses Jahr zählt der

Brite zu den Favoriten. Sei dabei,

wenn Lokalmatador Sebastian

Vettel und Red Bull Racing-

Fahrer Max Verstappen ihm

den Sieg auf der 4574 Meter

langen Strecke mit den 17 Kurven

streitig machen wollen.

Hockenheimring;

hockenheimring.de

20 21

bis 24. August

Entdecke das

nächste Level

Neue Technik, neue Spiele,

ganz viel Party: Dafür steht

Gamescom, die weltgrößte

Computerspielmesse. In diesem

Jahr soll die Marke von

400.000 Besuchern geknackt

werden. Nicht verpassen: Auf

dem Red Bull Gaming Ground

(Außen bereich P8) kannst du

aktuelle Games testen und

spannende Live-Acts erleben.

Kölnmesse, Köln;

gamescom.de

THE RED BULLETIN 85


Gaming

guide

SMART LEBEN

KAMPF DER

REALITÄTEN

Kuss des Grauens:

Ein böser Dementor holt sich

Harry Potters Seele

in „Wizards Unite“.

„Harry Potter: Wizards Unite“ wird ein Smartphone-Gaming-Fieber

auslösen, wie wir es

seit „Pokémon Go“ nicht mehr erlebt haben.

Vor drei Jahren hat sich das Leben, wie wir es

kannten, für immer verändert. Oder zumindest hat

es sich für immer erweitert. Augmented Reality (AR), die

Verschmelzung von Virtuellem und Realem, wurde damals

vom AR-Smartphone-Game „Pokémon Go“ auf ein

völlig neues Level gebracht. In aller Welt jagten bis zu

45 Millionen Menschen auf ihren Handys digitalen Kreaturen

hinterher. Millionen jagen auch heute noch. Was

ein wenig nach kollektiver Verwirrung klingt, bringt

handfeste praktische Vorteile mit sich, zum Beispiel

bewegen sich die Menschen freiwillig stundenlang an

der frischen Luft. „Pokémon Go“-Entwickler Niantic

bringt nun ein neues Game heraus, das den AR-Hype

in ungeahnte Höhen katapultieren soll – „Harry Potter:

Wizards Unite“. Gamifications-Experte Marc Woodhead

erklärt, wie Augmented Reality unser reales Leben verbessert

hat. Und weiter verbessern wird.

harrypotterwizardsunite.com

GEHIRNTRAINING

Bei AR-Spielen wie „Pokémon Go“

oder „Wizards Unite“ lebt man in

zwei Welten gleichzeitig, in der

eigenen und in der des Spiels. Das

Spannende an diesem Multitasking-

Erlebnis ist, dass man beide Welten

gleichzeitig im Blick haben muss.

„Bei jungen Spielern konnte man beobachten,

dass sie dadurch lernen,

komplexe Informationen überhaupt

leichter zu verarbeiten“, sagt Woodhead.

Neurowissenschaftler Jesse

Gomez ergänzt: „Bei einer Studie

untersuchten wir Erwachsene, die als

Kinder ‚Pokémon‘ gespielt hatten.

Wir entdeckten eine eigene Region

in ihrem Gehirn, die nur dazu dient,

die Bilder des Spiels zu erkennen.“

DIE WELT RETTEN

Besonders wertvolle Pokémons wie

Zapdos kann man bei „Pokémon Go“

nur gemeinsam mit anderen Spielern

fangen. Dieser sehr reale soziale

Aspekt des Spiels hat einen interessanten

Nebeneffekt: Er führt zu

gemeinnützigen Aktionen, zum Beispiel

dem Earth Day 2019. 17.000

Spieler von „Pokémon Go“ und

„Ingress“ (Niantics erstem AR-Spiel)

sammelten gemeinsam in 41 Ländern

145 Tonnen Müll. „Dank AR können

wir uns besser um unsere Welt kümmern“,

sagt Woodhead.

AKTIV WERDEN

2016 legten die Spieler von „Pokémon

Go“ insgesamt 8,7 Milliarden

Kilo meter zurück – umgerechnet

marschierten sie bis zum Ende des

Sonnensystems. Eine im „Journal

of the American Heart Association“

veröffentlichte Studie belegte, dass

Pokémon-Spieler um fast 35 Prozent

mehr Schritte schafften als Nicht-

Spieler. „Einige Spieler bewegten

sich fünf, sechs Stunden die Woche,

um die nötigen Schritte zu sammeln.

AR hilft uns, gesünder zu leben.“

Prêt-à-portal:

Magische Türen ermöglichen

es, zwischen

realer und virtueller

Welt zu wechseln.

EXPERTEN-

PROFIL

MARC

WOODHEAD

Der Gamification-

Guru

Gründer von Holograph,

einem Unternehmen,

das intelligente

Gamifi cations- und

AR-Lösungen für große

Marken entwickelt

(u. a. den Online-Contest

zur Bestimmung

des beliebtesten

M&M’s-Charakters).

holograph.digital

STIMMUNG VERBESSERN

AR-Games wie „Wizards Unite“

ergänzen unsere Realität so glaubwürdig,

dass uns Erfolge und Belohnungen

im virtuellen Spiel ganz real

wohlfühlen lassen. „Ich habe beobachtet,

wie Menschen jeden Alters

beim Spielen richtige Erfolgserlebnisse

hatten, samt Endorphin-

Ausschüttung und entsprechendem

Boost an guter Laune“, sagt Woodhead.

Doch es kann auch frustrierend

sein, wenn dir die AR-Kreatur

entwischt. „Darum“, so Woodhead,

„ist es wichtig, nie zu vergessen,

dass es nur ein Spiel ist.“

TECHNOLOGIE BILDET

Woodhead meint, dass Augmented

Reality eine immer größere Rolle in

unserem Alltag spielen wird. „Es gibt

auch Spiele, die enorm viel Wissen

vermitteln, zum Beispiel ‚The Body

VR‘. Mit der VR-Brille HTC Vive

unternimmt man dabei eine Reise

durch den menschlichen Körper und

sieht unter anderem, wie Blutzellen

Sauerstoff im ganzen Körper verteilen,

bis hinein in die Zellen. Gleichzeitig

erzählt eine Stimme, was

man gerade sieht und wie das alles

funktioniert. AR macht uns also

nicht nur fitter und schlauer, sondern

lässt uns auch die reale Welt

besser verstehen.“

GETTY IMAGES MATT RAY

86 THE RED BULLETIN


Entertainment

guide

BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL, KEITH SOLOMON/RED BULL CONTENT POOL, GRAEME MURRAY/RED BULL CONTENT POOL

ACTION

HAUTNAH

Egal ob du mit Rachel

Atherton abwärtsrauschst

oder Kelly Rowland lauschst:

Hier sind die Red Bull TV-

Programm-Highlights der

kommenden Wochen.

SO SIEHST DU

RED BULL TV

ÜBERALL

Red Bull TV ist deine globale

digitale Destination für

Entertainment abseits des

Alltäglichen, empfangbar

rund um die Uhr an jedem Ort

der Welt. Geh auf redbull.tv,

hol dir die App oder connecte

dich via Smart-TV.

Alle Infos: redbull.tv

Topstar in Aktion: Rachel Atherton bei

ihrer Siegerfahrt in Lenzerheide 2018

9

bis 11. August LIVE

UCI MTB WORLD CUP

IN LENZERHEIDE

2,5 Kilometer lang und gespickt mit kniffligen Schlüsselstellen

wie dem #fullgas-Sprung, zieht die Downhill-Weltcup-Strecke in

Lenzerheide Fahrer und Zuschauer gleichermaßen in ihren Bann.

Mindestens genauso aufregend: der Cross-Country-Bewerb.

Im Bild sehen wir Englands Pro Rachel Atherton bergabrasen, die

bei der Weltmeisterschaft in Lenzerheide im Vorjahr Gold holte.

1August ON DEMAND

RED BULL MUSIC

STUDIO SESSIONS

Ein einzigartiger Blick hinter die Kulissen des Pop-

Business: Kelly Rowland (Bild) arbeitet mit Top-

Songwriter Alex Saad und Producer Fabian Mazur

an drei neuen Songs – und du bist mit dabei.

17

August LIVE

CRANKWORX

Auf Augenhöhe mit den weltbesten Mountainbikern

und ihren spektakulären Sprüngen, den verblüffenden

Tricks und irrem Tempo. Dieses Mal macht die Crankworx-Tour

Station im kanadischen Whistler. Mit dabei:

der vielversprechende Erik Fedko (GER; im Bild).

THE RED BULLETIN 87


IM TRAINING

MIT GAMING

MIT AUSDAUER, KRAFT UND TECHNIK ZUM NEUEN HIGHSCORE –

DIESE FITNESSTIPPS MACHEN DICH SPIELEND LEICHT TOPFIT!

1. PACK DIE

HANTELN AUS

NINTENDO

SWITCH KONSOLE

Die Switch ist die TV-Konsole, mit der

du auch unterwegs trainieren kannst.

Entweder allein am Hometrainer, zu zweit

im Park oder gemeinsam mit anderen

Switch-Konsolen am Sportplatz.

PERFEKT FÜR DICH, WENN …

… dich dein Spieltrieb jederzeit juckt.

TECHSPECS

6,2-Zoll-Multi-Touchscreen

1.280 × 720-Pixel-Display

2 Joy-Con-Controller

WLAN/Bluetooth

2. JUMP ’N’ RUN

IM SECHSKAMPF

2

3

4

5

DIE SWITCH-DISZIPLINEN

1

2

3

4

5

6

„New Super Mario Bros. U Deluxe“

„Super Mario Odyssey“

„Mario Kart 8 Deluxe“

„Super Mario Party“

„Super Smash Bros. Ultimate“

„Yoshi’s Crafted World“

1

SCHWITZ MIT SWITCH

Rase mit Mario, sprinte mit

Luigi und springe mit Yoshi.

Denn dann – läuft’s bei dir.

6

J E T Z T I M N E T Z !

Alle Produkte mit noch mehr Infos auf:

www.mediamarkt.de/redbulletin


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3. TRAINIER, BIS

DER BART WÄCHST

SONY

PS4 PRO STANDALONE

Du willst deine Ausdauer verbessern?

Im Training zu zweit motiviert ihr euch

gegenseitig zu Rekorden. Die PS4 beweist

euren Erfolg, wenn die Leistungskurve

proportional mit dem Vollbart wächst.

PERFEKT FÜR DICH, WENN …

… dein Bart noch nicht lang genug ist.

TECHSPECS

1-TB-Festplatte

8 GB Arbeitsspeicher

x86-64 AMD Jaguar-

Prozessor, 8 Kerne

1 Wireless Controller

4. AB IN DEN

FITNESSRAUM

SONY

PLAYSTATION VR

Deine Kumpels haben schlappgemacht

beim Wohnzimmer-Bankdrücken? Dann

triff dich mit neuen Trainingspartnern im

virtuellen Kraftraum. Mit dem VR-Headset

der PS4 stemmst du jedes Gewicht.

PERFEKT FÜR DICH, WENN …

… du mitten im Geschehen stehen willst.

TECHSPECS

5,7-Zoll-OLED-Display

1.920 × RGB × 1.080 Pixel

+ PlayStation Camera

+ VR Worlds Voucher


5. WER VERLIERT,

MUSS TRINKEN

BOSCH

STANDMIXER

Zeit für ein Trinkspielchen: Beim nächsten

„Game Over“ wird ein Gläschen Proteine

gekippt. Auch Vitamine schärfen deinen

Fokus, damit du die Strategie klar siehst.

Doch wehe, du verlierst jetzt absichtlich!

PERFEKT FÜR DICH, WENN …

… Trinkspiele dich anspornen.

TECHSPECS

2 Geschwindigkeitsstufen

Edelstahlgehäuse

Tritan-2Go-Flasche

Edelstahlmesser

TECHSPECS

64-GB- od. 128-GB-Festplatte

AA-Akkubetrieb

plattformübergreifend

+ 2 Touch Controllers (L&R)

6. BEHALTE DIE

ZIELE VOR AUGEN

OCULUS

QUEST ALL-IN-ONE VR

Auf dem Trainingsplan steht Tanzen, Tennis

und Boxen. Wo und wann immer du willst.

Die Games lädst du direkt auf das VR-Headset

und verzichtest auf PC und Kabel. So

gehst du frei durch den virtuellen Raum.

PERFEKT FÜR DICH, WENN …

… dir eine Yogamatte zu wenig Platz bietet.

OCULUS GO

Die Go, die kleine Schwester

der Oculus Quest, ist ebenfalls

autark und kabellos. Mit ihr

holst du dein Workout auch

unterwegs auf den Schirm.

PERFEKT FÜR DICH, WENN …

… du fit to go sein willst.


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7. CHECK DEIN

BELASTUNGS-EKG

DIE BIRNE AN!

WAS WÄRE, WENN … wir trainieren

wollten wie die richtigen Profis –

wie halten sich E-Sport-Gamer fit?

DER GEISTESBLITZ SAGT: E-Sportler

sind Meister ihrer Disziplin. Doch wer

stundenlang fokussiert sitzen muss,

sollte auch physisch ausdauernd sein.

Ein für Profigamer entwickeltes Workout

stärkt die Haltung, die Körpermitte,

Unterarme, Handgelenke, Finger und

die Hand-Augen-Koordination. Daher

empfehlen wir: Wenn du das nächste

Mal wegen langer Ladezeiten pausieren

musst, nutze die Auszeit und mache

20 Liegestütze. Beim nächsten Break

dann 20 Kniebeugen. Die Bewegung

beschwingt auch die Konzentration.

Und sollten dich die Übungen doch

zu sehr anstrengen, probier’s einfach

mit Fingeryoga.

FITBIT

FITNESSTRACKER

Prüfe immer wieder deine Leistung mit

dem Inspire-HR. Denn: Wer richtig spielt,

verbrennt auch Kalorien. Eine neue Coolness-Challenge:

Miss dich mit Freunden,

wer beim Zocken den ruhigeren Puls hat.

PERFEKT FÜR DICH, WENN …

… du verbrannte Kalorien sehen willst.

TECHSPECS

Misst Herzfrequenz, Schlaf,

Distanz, Kalorien, Schritte

Bis zu 5 Tage Akkulaufzeit

Für Android, iOS, Windows

Bluetooth 4.0

8. WER SCHWITZT,

DARF SCHLEMMEN

KRUPS

KÜCHENMASCHINE

Und zum Finale: das gesunde Fressen.

Der Prep&Cook bringt dich rasch zum

selbst gekochten Genuss. Denn er kann

schmoren, dünsten, rühren, kneten,

mixen, mahlen, zerkleinern. Mahlzeit!

PERFEKT FÜR DICH, WENN …

… du auf frisches Fastfood stehst.

TECHSPECS

Max. 1.550 Watt Leistung

4,5 Liter-Rührschüssel

12.000 Umdrehungen/Min

6 Automatikprogramme

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KOCH- UND

ZAUBERBUCH

Hier findest du das kulinarische

Abc für eine rasche

Regeneration. Von A wie

Aioli über M wie Mango-Lassi

bis Z wie Zucchini-Flan.

PERFEKT FÜR DICH, WENN …

… du ein Erfolgsrezept suchst.


GO SLOWENIEN!

Hier trifft Abenteuer auf

Entschleunigung: Jedes Jahr

im Juni findet in Slowenien das

berüchtigte Red Bull Goni Pony

statt – ein Fahrradrennen hoch

zum Vršičpass. Einzige Voraussetzung:

Es muss mit dem

legendären Balkan-Klapprad

Pony gefahren werden – auf

20-Zoll-Rädern mit nur einem

Gang. Grund genug für einen

Roadtrip zum Event im neuen

HYMERCAR Grand Canyon S.


THE RED BULLETIN PROMOTION

„Unten Universitätsstadt mit Bars,

Cafés und Ost-Charme, oben einer

der besten Bikeparks des Landes“,

so beschreibt Filip seine Heimatstadt.

MARIBOR

JURE GASPARIC

Wer Land und Leute erleben

will, nimmt nach Slowenien

am besten zwei Dinge mit:

Camper Van und Bike(s).

Die Freundlichkeit der

Menschen lässt sich an jeder

Straßenkreuzung durchs

Seitenfenster erfahren, und

es gibt kaum einen Ort, an

dem man nicht das Mountainbike

vom Fahrradträger

nehmen möchte. Für beides

steht Filip Flisar. Der Weltmeister

im Skicross ist sympathisch

– und extrem gut

auf dem Bike. Bevor er uns

zum Red Bull Goni Pony

mitnimmt, zeigt er uns noch

seine Heimatstadt: vom

Pumptrack übers Altstadtcafé

bis hin zum Bikepark

vor den Toren der Stadt.

Zum Start des Bikeparks Pohorje

fährt entweder eine Gondel

oder führt eine Straße: mit dem

Vorteil, dass man easy im Grünen

grillen kann.


JAMNICA

Der nächste Stopp ist ein

Tipp von Filip: Weiter westlich

und ebenfalls direkt an

der Grenze zu Österreich hat

Anej Štrucl, sein Freund aus

Skikaderzeiten, einen Trail

mitten in ein stillgelegtes

Bergwerk gebaut – den Black

Hole Trail. Steil, dunkel und

außergewöhnlich. Wer Angst

um seine Knochen hat, weicht

besser auf den alternativen

Trail durch den Stollen aus;

der ist für jedermann leicht

fahrbar. Da ist die Straße

hoch zur Bikebase Koroš

schon abenteuerlicher – sie

verläuft kilometerlang durch

einsame Wälder und über

Schotterpisten. Umso besser

für die Aussicht am Abend

vom Stellplatz im Freien.

Den Trail hat Anej zusammen

mit alten Bergarbeitern

aus dem Gestein

gesprengt und entschärft.

Nun ist er laut eigener

Ausgabe nicht mehr „tiefschwarz,

sondern nur

noch schwarz“.

Den HYMERCAR Grand

Canyon S gibt es auch

als 4 × 4. Das rechnet sich

in einem Land, das zu

über einem Drittel aus

Wald besteht.


THE RED BULLETIN PROMOTION

KRANJSKA GORA

Ebenfalls in den Bergen liegt unser

Ziel: Kranjska Gora, jährlicher Austragungsort

vom Red Bull Goni Pony.

Was vor fünf Jahren als kleines Event

in dem beschaulichen Ort angefangen

hat, ist inzwischen eine der berüchtigsten

Veranstaltungen des Landes.

Über 1.300 kostümierte Radler fahren,

schieben und tragen ihr Pony

hoch zum Pass auf 1.611 Metern. Die

Besonderheit: Wer antritt, muss mit

dem Pony fahren – einem Eingang-

Klapprad aus dem ehemaligen

Jugoslawien. Tuning ist verboten,

außer man schmückt sein Bike mit

aufblasbaren Wassermelonen und

Einhörnern.

Mehr Tipps für einen

Roadtrip durch Slowenien:

redbull.com/slowenien-camping,

hymer.com, slovenia.info

Als Style-Judge kürt

Filip beim Red Bull Goni

Pony das beste Outfit.

Der Rekord liegt bei

40 Minuten für die

knapp 1.000 Höhenmeter.

Der durchschnittliche

Teilnehmer

braucht 1 ½ Stunden

mit dem Klapprad.

IAM LEON // IG IAMLEONOFFICIAL; JURE GASPARIC


IMPRESSUM

THE RED

BULLETIN

WELTWEIT

Aktuell

erscheint

The Red Bulletin

in sieben Ländern.

In der Coverstory

unserer Frankreich-

Ausgabe beleuchten

wir den Karriereweg

der Brasilianerin

Leticia Bufoni zur stilprägenden

Skaterin

ihrer Generation.

Mehr Storys abseits des

Alltäglichen gibt’s auf:

redbulletin.com

Chefredakteur

Alexander Macheck

Stv. Chefredakteure

Andreas Rottenschlager

Creative Director

Erik Turek

Art Directors

Kasimir Reimann (stv. CD),

Miles English, Tara Thompson

Head of Photography

Fritz Schuster

Deputy Head of Photography

Marion Batty

Photo Director

Rudi Übelhör

Chefin vom Dienst

Marion Lukas-Wildmann

Managing Editor

Ulrich Corazza

Freie Mitarbeiter Jakob Hübner,

Werner Jessner, Alex Lisetz, Nina Treml,

Stefan Wagner, Andreas Wollinger

Grafik Marion Bernert-Thomann, Martina

de Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz

Fotoredaktion Susie Forman, Ellen Haas,

Eva Kerschbaum, Tahira Mirza

Global Head of Media Sales

Gerhard Riedler

Head of Asset Sales

Alfred Vrej Minassian

International Sales Coordinator

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Head of Commercial & Publishing Management

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Publishing Management

Sara Varming (Ltg.), Ivona Glibusic, Bernhard

Schmied, Melissa Stutz, Mia Wienerberger

B2B Communication

Katrin Siegl, Christoph Rietner

Head of Creative

Markus Kietreiber

Creative Solutions Eva Locker (Ltg.),

Mathias Blaha, Verena Schörkhuber,

Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart

Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.),

Sasha Bunch, Simone Fischer, Martina Maier

Anzeigendisposition

Manuela Brandstätter, Monika Spitaler

Herstellung

Veronika Felder

Produktion Walter O. Sádaba, Friedrich Indich,

Sabine Wessig

Lithografie

Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad

Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher

Office Management

Yvonne Tremmel (Ltg.), Alexander Peham

MIT-Experte Michael Thaler

Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus

Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb),

Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar (Abo)

Verlagsanschrift

Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien

Telefon +43 1 90221-0

Fax +43 1 90221-28809

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THE RED BULLETIN USA

ISSN 2308-586X

Länderredaktion

Peter Flax (Ltg.),

Nora O’Donnell

Lektorat

David Caplan

Director of Publishing

Cheryl Angelheart

Anzeigenverkauf

Todd Peters, todd.peters@redbull.com

Dave Szych, dave.szych@redbull.com

Tanya Foster, tanya.foster@redbull.com

96 THE RED BULLETIN


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Einfach gut fernsehen.


Perfekter Abgang

Driftiger Grund

Brennende Sonne, glühende Felsen, staubige Pisten: Das Rennen in Stellenbosch, Südafrika,

stellt die Fahrerinnen des UCI Mountainbike World Cup (im Bild angeführt von der

Französin Pauline Ferrand-Prévot) vor besondere Herausforderungen. Beim Ritt über den

rutschigen Untergrund ist vor allem eine perfekt dosierte Bremstechnik gefragt.

Die nächste

Ausgabe des

RED BULLETIN

erscheint am

10. September

2019.

BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL DAVID MAYER

98 THE RED BULLETIN


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