Touring Juli/August 2019

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Jetzt nur nicht stolpern! Rechts

geht es jäh hinunter ins Justistal,

links ist eine steile Grasflanke.

Ich drossle das Tempo und konzentriere

mich bei dieser ausgesetzten

Passage auf dem Bergweg zwischen

Gemmenalp- und Niederhorn auf jeden

Schritt. Gut, ich könnte statt zu laufen

einfach gemütlich wandern. Doch hat

mich vor einigen Monaten das Trailrunning-Fieber

gepackt. Bis ich diese

Sportart entdeckte, habe ich als Training

fürs Bergsteigen ein bisschen gejoggt.

Das hat mich mit der Zeit gelangweilt.

Nicht so beim Trailrunning auf

Wanderwegen in den Bergen. Es geht

auf und ab, die Landschaft ist faszinierend

und die Abwechslung je nach Geländestruktur

gross. Ich muss die Konzentration

hoch halten und kann nicht

wie beim Joggen im Flachen den Gedanken

nachhängen. Zudem wirkt sich

Trailrunning positiv auf die Körperfitness

aus. Beim Aufwärtslaufen stärke

ich die Beinmuskulatur, der ständig

wechselnde Untergrund stabilisiert die

Fussgelenke, fördert die Flexibilität

und Balance. Ebenso können Beweglichkeit

und Koordination verbessert

werden. Doch eigentlich renne ich auch

wegen der Natur gerne über Wanderwege.

Die Luft ist rein und wer ein

Auge für die Natur hat, entdeckt immer

neue Dinge. Wie etwa gerade die Steinböcke,

welche beim Burgfeldstand inmitten

von farbenprächtigen Alpenblumen

grasen. Von hier wird der Weg

wieder breiter und ich kann bereits

mein Ziel und Ausgangspunkt, das

Niederhorn, sehen.

Ein Laufmantra hilft

Mein szenischer Trail begann bei der

Bergstation des Niederhorns, welche

ich bequem mit der Seilbahn erreiche.

Von hier geht es zuerst hinunter Richtung

Flösch und dann übers Häliloch

bis zur Alp Oberburgfeld. Die Strecke

ist ideal, weil der Körper nicht bereits

am Anfang volle Leistung liefern muss.

Es ist ein Privileg, in einer solch schönen

Landschaft zu laufen. Der Trail befindet

sich zum Teil im Naturschutzgebiet

Hohgant-Seefeld. Geprägt wird es

durch Moore, Karstgebiete mit weitverzweigten

und tiefen Höhlen, Bergföhrenwälder

und einer vielseitigen Kalkalpen-Flora.

Bei schönem Wetter ist das

Alpenpanorama von hier oben mit dem

Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau

schlicht umwerfend. Mit diesen Bergen

vor Augen und dem Thunersee zu Füssen

querte ich die Bergflanke Richtung

Gemmenalphorn. Beim Oberberg folgte

der Aufstieg auf den 2061 Meter hohen

Gipfel. Nun gilt es den mit 200 Höhenmeter

steilsten Anstieg der Strecke zu

bewältigen. Ein erfahrener Trailrunner

hat mir geraten, ein Laufmantra zuzulegen.

So wählte ich, angelehnt an

das Kletterbuch von Tommy Caldwell,

«Push» aus. Es hilft mir, nicht aufzuge-

Die Trailstrecke

bietet ein grossartiges

Panorama

12 touring | Juli / August 2019

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