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SEE-LEUTE

jeweils so stark zu, dass die Robbe nicht mehr in der Lage ist zu

fliehen. In dieser Arbeit listete er noch weitere Punkte auf, die eine

Verwechslung zwischen Robben und Surfern ausschließen. In den

meisten Fällen entstanden die Unfälle, weil der Hai nicht wusste,

was er vor sich hatte und deshalb vorsichtig reinbiss.

akzent: Wie sollte ich mich denn verhalten, wenn ich einem Hai

begegne?

Andy Dellios: Am Wichtigsten ist: Ruhe bewahren und langsam in

eine vertikale Position übergehen. Ist man im Flachen, stellt man

sich einfach hin, ist man im tieferen Wasser versucht man, die Beine

möglichst hängen zu lassen und sich nur mit den Armen an Ort zu

halten. Man sollte auf keinen Fall mit den Beinen strampeln, denn

Beine erzeugen Wasserdruck und dieses Erkennen von Wasserdruck

kann bewirken, dass der Hai die Füße näher untersucht. In der Welt

der Haie ist Wasserdruck mit Antrieb verbunden. Steht man nun auf

dem Boden oder „hängt“ an der Oberfläche, dreht man sich langsam

mit dem Hai (man dreht sich um die vertikale Körperachse), wobei

die Person im tiefen Wasser hierzu die Arme verwendet, aber nicht

die Beine. Durch diese Rotation behält man den Hai in den Augen.

akzent: Ich soll dem eventuellen Tod also ins Auge blicken?

Andy Dellios: Aber nein, der Hai wird dir nichts tun, wenn du dich

so verhältst. Sollte er sich wirklich trauen, Körperkontakt zu suchen,

wird es sich lediglich um ein Streifen handeln. Das Anschwimmen

von Haien folgt genauen Regeln. Dr. Erich Ritter hat hierzu beispielsweise

herausgefunden, dass Haie sich in den meisten Fällen

von hinten einer Person nähern und dies nicht zufällig tun, sondern

in der Lage sind, die menschliche Ausrichtung zu verstehen. Wir

wissen nicht wie sie hierzu in der Lage sind, aber sie wissen, wo wir

die Augen haben. Also: senkrechte Position, Beine ruhig halten, mit

dem Hai drehen. Wenn das Tier vorbeischwimmt, dann kannst du

etwas zurückgehen oder im tieferen Wasser mit den Armen zurückstoßen,

aber sobald sich das Tier wieder in deine Richtung dreht,

mit der Bewegung aufhören und dich wieder hinstellen. Wenn der

Hai zu nahekommt, könntest du ihn mit der Hand etwas wegdrücken,

wobei der Oberkörper nicht nach vorne bewegt werden sollte.

Also keinen unnötigen Wasserdruck kreieren. Ist das Tier etwas

hartnäckiger, was selten der Fall ist, und man dem Tier etwas direkter

zeigen muss, was Sache ist, dann muss man sich zum Tier hinbewegen.

Beutetiere nähern sich Haien nicht. Und wenn das auch

noch nichts nützt und das Tier wieder auf Körperkontakt kommt,

berührt man es leicht an den Kiemen, oder wenn man sich nicht

getraut, drückt man Wasser dorthin. Wann immer Haie einander

töten wollen, gehen sie sich in die Kiemen. Der Hai weiß zwar nach

wie vor nicht, was ein Mensch ist, aber er versteht das Signal. Diese

ganze Abfolge nennen wir „Face-Guide-Push-Move“.

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