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KULTUR | THEMA

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CH – Kreuzlingen | Seit 2017 läuft das neue Kreuzlinger

Kulturzentrum Kult-X im ehemaligen Schiesser-Areal

als Pilotprojekt. Der Pilot gewinnt allmählich an Höhe.

Wie soll es weitergehen? akzent traf sich mit Stadträtin

Dorena Raggenbass und Projektleiterin und Musikerin

Christine Forster.

akzent: Welche Vorteile hat es, wenn mehrere bestehende

Kreuzlinger Kulturveranstalter in ein gemeinsames Gebäude

umziehen?

Dorena Raggenbass: Wir haben in

Kreuzlingen schon hervorragende Veranstaltungen,

die aber teilweise nicht

auffallen. Wenn wir sie an einem gemeinsamen

Ort konzentrieren plus diejenigen,

die sich jetzt schon neu entwickeln,

dann wird die Außenwirkung

wesentlich größer und sichtbarer. Wie

zum Beispiel die neue Kinogruppe, die

ein eigenständiges Filmprogramm zeigt

und ein begeistertes Publikum in dieser

kurzen Zeit anziehen konnte. Das ist

das Fantastische: Was alles entsteht,

das man gar nicht planen kann, wenn

du einen Raum zur Verfügung stellst.

akzent: Neben den Veranstaltungen

der Stammmieter sollen auch Externe

hier auftreten und veranstalten können.

Nach welchen Kriterien wird das

entschieden?

Christine Forster: Wir haben immer

wieder Anfragen, wir prüfen das und

wenn es für uns interessant ist, dann

lassen wir das unter dem Verein Kult-X

laufen. Ich bin selber Musikerin, und

wenn es Musikveranstaltungen sind,

muss es ein gewisses Niveau haben

und Leute mit dabei haben, die hier

bekannt sind oder die in Verbindung

stehen mit den Bildungsinstitutionen

vor Ort und junges Publikum hierher

holen. Wir bekommen Anfragen von

Rock- und Pop-Bands, auch Free Jazz,

aus aller Welt, da sage ich meistens

nein. Wenn sie hier in der Gegend nicht

bekannt oder verankert sind, dann ist

das schwierig, das Publikum zu bekommen.

Häufig haben wir auch Theateranfragen

und Performances.

akzent: Wie finanziert sich Kult-X?

Forster: Das Pilotprojekt wird von der

Stadt stark gefördert (Anm.: die Stadt

Kreuzlingen subventioniert das Kulturzentrum

mit jährlich CHF 77.000 für

CHRISTINE FORSTER

ist Projektleiterin bei Kult-X.

Geboren und aufgewachsen

in Kreuzlingen, ging

sie nach der Matura nach

Basel zum Studieren, lebte

danach ein Jahr lang auf

Kuba und reiste um die

Welt. Sie ist Musikerin und

Musiklehrerin an der Pädagogischen

Maturitätsschule

Kreuzlingen und spielt mit

verschiedenen Bands, u. a.

mit Jürgen Waidele.

DORENA RAGGENBASS

ist Kreuzlinger Stadträtin

im Departement Gesellschaft.

Geboren wurde

sie im Haus Sallmann in

Kreuzlingen, ist von Haus

aus Grafikerin und leitete

sieben Jahre lang das Theater

an der Grenze.

Veranstalter im Kult-X sind

das Filmforum KuK, das

Theater an der Grenze, der

Verein Kultling, der Horst-

Club, das Z88, der Campus

Kreuzlingen, das KiK-Festival

und weitere Kulturschaffende

aus der Region.

Derzeit werden vier Veranstaltungsräume

ausgebaut:

für Kunst, für Kleinkunst-

Theater-Kino, ein Raum mit

Schallschutz für Konzerte,

ein Multifunktionsraum für

Performances und andere

Veranstaltungen aller Art

und das Verbindungstück

aller Sparten: ein Bistro.

die Miete und CHF 40.000 für den Betrieb). Ziel ist es,

dass in Zukunft auch der Kanton den Betrieb unterstützt.

Er signalisiert schon seit Jahren, dass Kreuzlingen ein Kulturzentrum

aufbauen soll, das dann mit subventioniert

werden kann.

akzent: Und wie sieht es aus mit der Initiative und dem

Interesse aus der Bevölkerung?

Forster: Wir merken, die Zeit in Kreuzlingen ist reif für

ein Kulturzentrum, weil die Stadt wächst

und wir eine bunt gemischte Bevölkerung

hier haben. 25 Prozent sind Deutsche,

oft mit hohem Bildungsniveau, und gerade

die Deutschen freuen sich: „Endlich

muss ich nicht mehr nach Stuttgart oder

Zürich, sondern habe auch hier vor Ort etwas

Spannendes.“ Viele wollen sich sogar

mit einbringen und engagieren, weil sie

finden: „Eigentlich möchte ich hier nicht

nur schlafen, sondern auch vor Ort ausgehen

können.“ Ich glaube, wir haben einen

Punkt erreicht, an dem selbst wir Kreuzlinger

nicht mehr so gerne nach Konstanz

gehen, weil es leider zu überlaufen ist. Mit

den günstigeren Kaufangeboten können

wir nicht mithalten …

Raggenbass: ... aber wir können mit

Qualität, Dienstleistungen und mit etwas

Neuem, Frechem punkten. Ich glaube, das

zeichnet uns aus im direkten Vergleich zu

Konstanz und den Angeboten, die von der

Stadt unterstützt werden. In Deutschland

sind oft die Wege der Unterstützungsanträge

länger, bevor man einen Franken

oder Euro bekommt. Das ist ein Riesenunterschied

zur schweiztypischen Subventionspolitik.

akzent: Kreuzlingen kapituliert also nicht

vor den Problemen des Frankenkurses,

sondern sagt: „Mit Kultur und Engagement

kriegen wir das hin“?

Forster: Es ist tatsächlich so. Das ist auch

meine eigene Motivation – wenn ich hier

leben möchte, dann muss ich auch etwas

tun, damit es hier attraktiv ist und bleibt.

Es soll Leben in der Stadt stattfinden.

Kult-X

Hafenstrasse 8

CH-8280 Kreuzlingen

www.kult-x.ch

TEXT: ANJA BÖHME

FOTO: ANJA MAI

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