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GASTRO

Krone Alt-Hoheneck-Gastgeber Pascal Fetzer über Visionen und Funktionen

Per Düsenjet ins Neckar-Kleinod

Angefangen hatte alles mit einer Lebenskrise des

studierten Dokumentarfilmers, der bei der Wohnungssuche

auf Beuttler stieß und durch ihn im

Gebäude der Krone fündig wurde. Schnell spannte

ihn der Antiquar für Kulturveranstaltungen im

Ort ein, Fetzer lernte Brot backen, lud Freunde und

Bekannte zum Vespern ein – „ganz einfach mit Dosenwurst

und Gurke“. Das kam gut an und der noch

heute existierende Vespergarten entstand. „Das

war die Initialzündung. Ich habe gemerkt, dass es

mich glücklich macht, Menschen zu bewirten, sie

damit froh zu machen“, erzählt Fetzer.

Seit gut fünf Jahren halten Pascal Fetzer und sein Schwager Markus Fetzer in

der Krone Alt-Hoheneck das Zepter in der Hand. Neben einer ausgezeichneten

Gastronomie setzen die Restaurant-Chefs auch auf Kulturveranstaltungen.

Ein Besuch in der Krone Alt-Hoheneck kommt

ein bisschen einem Entschleunigungs-Workshop

gleich: Das Wirtshaus am Neckar wirkt ein wenig

wie aus der Zeit gefallen. So fühlt es sich auch an,

wenn im gemütlichen Gastraum oder im schön angelegten

Biergarten unaufgeregt kulinarisch Anspruchvolles

serviert wird – und man anschließend

dem benachbarten Bücherantiquariat von Heiner

Beuttler mit überdachter Außenstelle und schnurrender

Katze einen Besuch abstattet. Ein Spaziergang

den Neckar entlang tut sein Übriges.

Für den Restaurant-Chef Pascal Fetzer fühlen sich

die vergangenen fünf Jahre, seit er die Krone übernommen

hat, allerdings etwas anders an: „Wenn

ich vorher mit dem Rad unterwegs war, bin ich auf

einen ICE aufgesprungen und musste lernen Lokführer

zu werden – jetzt ist es ein Düsenjet.“ Das

meint der 39-jährige Ludwigsburger allerdings keinesfalls

negativ, es beschreibt nur seinen bewegten

Weg in die Gastronomie.

Seine Vision, das ganze Haus zu bespielen, ging auf,

als sein Schwager ins Spiel kam. Mit dem Konzept,

Restaurant und Kulturbetrieb zu vereinen, zog das

Team im April 2015 in die Krone ein. Für Fetzer ein

kompletter Kaltstart, doch mit der gastronomischen

Erfahrung des Schwagers und der Hilfe seiner

Familie ging die Idee auf. Seitdem hat sich viel

getan: „Wir haben uns enorm weiterentwickelt“,

erzählt Fetzer. Mit einem behäbigen Traditionslokal

habe die Krone nichts zu tun. Was auf die Teller

kommt, ist eine andere Liga – und auch immer „ein

Stück Pascal Fetzer“, wie er sagt. Für ihn erfüllt die

Gastronomie im Idealfall eine wichtige Funktion in

der Gesellschaft: „Quasi als weltliches Pendant zur

Kirche, ein Ort, an dem unterschiedliche Denkweisen

an einem Tisch sitzen.“ Daher gibt es in der

Krone fast ausschließlich lange Tische, an denen

man zusammensitzt ob man sich kennt oder nicht.

Das regional-saisonale Angebot der Krone kann

sich sehen lassen: Es gibt Jahreszeitenmenüs mit

Weinbegleitung, kreative vegetarische Gerichte

und außergewöhnliche Eigenkreationen, „schon

ein bisschen in Richtung Sternegastro – jedoch

ohne die Preise“, sagt Fetzer lachend. „Wir wollen

Alle Fotos: Krone Alt-Hoheneck

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