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102 KULTUR

DER MITTELSTAND. 4 | 2019

Kultur

DVD-Filmtipp: Sing it higher!

„Bohemian Rhapsody” versucht sich als Biopic am schillernden Leben Freddie Mercurys. Ganz

so enthemmt wie Mercurys Leben ist der Film nicht, sondern eine solide erzählte, unterhaltsame

Hommage. Und die Musik ist richtig gut.

Der indischstämmige Farrokh Bulsara

wurde 1946 in Sansibar-Stadt geboren,

mit 17 zogen er und seine Familie

nach London. Aus Farrokh wurde schon früh

Freddie, spätestens mit der Änderung des

Nachnamens in Mercury wird aus dem talentierten

Pianisten und Sänger ein Weltstar.

Seine Geschichte erzählt der Film „Bohemian

Rhapsody“. Ein steiles Unterfangen, denn

so unscheinbar Farrokh Bulsara war, so extravagant,

flamboyant und aussschweifend

war Freddie Mercury. „Bohemian Rhapsody“

nimmt sich indes etwas zurück. Das Ergebnis

ist ein respektvoller, dabei hochunterhaltsamer

Musikfilm.

Geradlinig erzählt

Der Film arbeitet sich im Fünfjahresrhythmus

durch die Biographie des Sängers und

damit durch die Geschichte der Band Queen.

Die Dekaden zwischen der Bandgründung

1971 über die zwischenzeitliche Trennung

bis zum spektakulären Auftritt 1985 für Bob

Geldofs Live Aid Concert erzählt Regisseur

Bryan Singer („Die üblichen Verdächtigen“,

„X-Men“) sehr geradlinig, ohne die vor allem

sexuellen Ausschweifungen Mercurys allzu

drastisch zu inszenieren.

Mercury-Darsteller Rami Malek – selbst mit

ägyptischem Migrationshintergrund – möchte

sich ganz offensichtlich in die Phalanx der

großen Biopic-Darsteller einreihen, so wie

Jamie Foxx, der spektakulär Ray Charles verkörperte

oder Joaquin Phoenix, Johnny Cash

in „Walk the Line“. Malek kommt Mercury in

der Tat nahe – samt Überbiss und Föhnfrisur

der 1970er und später dem ikonischen

Burt-Reynolds-Schnauzer. Seine Leinwand-

präsenz jedoch ist gehemmter als Mercurys

fließende, akrobatische Bühnenpräsenz und

zugleich weniger aggressiv.

„Sing es höher!“ – Große Momente

der Musikgeschichte

So verbleibt die Sinnlichkeit, der Eros, den

man eigentlich in Bilder gegossen erwarten

„Bohemian Rhapsody“ bietet spaßige Einblicke in

einige große Momente der Musikgeschichte.

könnte, bei der Musik. „Bohemian Rhapsody“

bietet punktuell spaßige Einblicke in einige

große Momente der Musikgeschichte. Etwa

die Entstehung des megalomanischen, titelgebenden

„Bohemian Rhapsody“ vom Al-

bum „A Night at the Opera“. „Wieviel Galileos

willst du denn noch?“ fragt der erschöpfte

Schlagzeuger Roger Taylor (Ben Hardy),

der seinen Part des legendären Chorgesanges

in der engen Studiokabine schon sechs

Mal eingesungen hat. „Sing es höher, noch

höher“ verlangt Mercury, und für einen Moment

atmet der Film musikhistorische Authentizität,

weil er uns erzählt, warum Queen

so klingen wie sie klingen. Als der legendäre

US-Produzent Ray Foster (Mike Myers) die

Aufnahmen hört, ist er entsetzt. Das ist eine

Oper – kein Mensch will Opern hören: „Die

Jugendlichen werden nie im Auto dazu headbangen!“.

Er lehnt die Band ab und soll das

natürlich für den Rest seines Lebens bereuen.

Eine hübsche Volte im Film, denn Mike

Myers wurde 1992 zum Star von „Waynes

Queen in den Anfangsjahren. V. l. n. r.: John Deacon (Joseph Mazzello), Roger Taylor (Ben Hardy),

Freddie Mercury (Rami Malek), Brian May (Gwilym Lee).

Credit: © 2018 Twentieth Century Fox

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