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DER MITTELSTAND. 4 | 2019

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DEUTSCHLAND

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DER ANDERE GEDANKE

Made in Germany muss

seinen Glanz behalten

Konjunkturforscher, internationale Organisationen,

Medien weltweit beschäftigen

sich mit der Frage, wie es

um die Zukunftsfähigkeit Deutschlands bestellt

ist. Gelegentlich gewinnt man an Orten

Erkenntnisse zu diesem Thema, an denen

man damit absolut nicht rechnet, zum

Beispiel am Gepäcktransportband der Ryanair-Abflughalle

in Berlin-Schönefeld. Als meine

Frau und ich dort jüngst unser Gepäck für

einen Flug nach Marrakesch aufgeben wollten,

gab die Anlage für Stunden ihren Geist

auf. Die Fachkraft am Checkin-Schalter berichtete,

das sei kein ungewöhnlicher Vorfall,

sie erlebe das regelmäßig. Nach einem

kurzen Plausch über das leidige Thema Berlin

und seine Flughäfen, bilanzierte die Dame:

„Ich glaube, wir steigen ab.“ Und es war

vollkommen klar, dass sie damit nicht nur die

Technik ihres Flughafens meinte.

Die große Mehrheit der abflugbereiten Passagiere

in der Halle dürfte das anders gesehen

haben, denn das Krisenbewusstsein ist

in Deutschland nur schwach ausgeprägt. Zu

Gelassenheit und Haltung riet uns auch ein

ägyptischer Architekt, den wir in Marrakesch

trafen. „Ihr Deutschen denkt immer, bei euch

müsse alles perfekt sein“, kommentierte er

die Krise unserer Automobil-Industrie.

In Russland gibt es seit langem ein Sprichwort:

Die Deutschen haben den Affen erfunden.

Gemeint ist damit: Sie haben so viel erfunden,

wie zum Beispiel das Auto, und selbst

den Affen. Doch das mit dem ersten Fahrzeug

mit Verbrennungsmotor ist schon eine Weile

her: Carl Benz erhielt das Patent darauf am

29. Januar 1886. Heute spüren wir, dass die

Ära der Mobilität, die auf dem Verbrennen von

Kraftstoffen beruht, sich dem Ende zuneigt.

Die darauf beruhende Industrie hat Deutschland

zu einem wohlhabenden Land gemacht

und zu einer starken Wirtschaftsmacht. In

Zukunft braucht es neue bahnbrechende Innovationen,

die in Deutschland nicht nur erfunden,

sondern auch umgesetzt werden.

Das Image Deutschlands besteht darin, dass

man uns mehr und besseres zutraut als anderen.

Nur ein kleines Beispiel: Als jüngst in

Schanghai zwei Aldi-Niederlassungen eröffnet

wurden, kaufte eine Kundin literweise

Öl zum Kochen. Sie begründete das so: „Ich

kenne das Öl nicht, aber das ist ein deutscher

Supermarkt, da wird das Öl nicht gepanscht

sein.“ Mit anderen Worten: Diese Chinesin

hat so viel Vertrauen in Deutschland, dass

sie keine Sorge um die Gesundheit ihrer Familie

hegt.

Made in Germany muss seinen hellen Glanz

in der Welt behalten. Ist der erst einmal verblasst,

werden wir das bitter zu spüren bekommen.

Vertrauen entsteht ganz langsam,

es zu zerstören, geht ganz schnell.

Michael Backhaus

Journalist

BVMW Berater Medien

mittelstand@bvmw.de

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