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20 INTERNATIONAL

DER MITTELSTAND. 4 | 2019

Indien: Chancen für die

deutsche Abfallwirtschaft

Indien ist die größte Demokratie und die siebtgrößte Volkswirtschaft

der Welt. Mit 1,3 Milliarden Einwohnern, seiner großen

Vielfalt an Klimaverhältnissen, diversen Industrien, Kulturen und

einer dynamischen Wirtschaft zählt das Land zu einem der interessantesten

Märkte für deutsche Technologieanbieter in Asien.

Mit einem BIP-Wachstum von 7,3 Prozent im Jahr 2018 gehört

der Subkontinent zu den wachstumsstärksten Schwellenländern.

Nach dem jüngsten Wahlerfolg von Premierminister

Narendra Modi stehen die Zeichen für die Fortsetzung des

Reformkurses und eine Verbesserung der wirtschaftspolitischen

Rahmenbedingungen für Investitionen – vor allem im Bereich der

Infrastrukturentwicklung – gut. Deutschland ist Indiens wichtigster

Handelspartner in Europa; 2018 legten die deutschen Exporte nach

Im Bereich der Abfallwirtschaft sind

deutsche Unternehmen nach wie vor

unterrepräsentiert.

Indien um 17 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro zu und machen das

Land zum viertgrößten Absatzmarkt in Asien.

Umweltbelastung steigt

Durch das anhaltende Wirtschaftswachstum und dem Trend zur Urbanisierung

wächst die Umweltbelastung durch Abfall gerade in großen

Städten wie Mumbai drastisch an: Jährlich fallen rund 1,85 Millionen

Tonnen Elektroschrott und 716 Millionen Tonnen Bauabfälle

in Indien an, die nicht entsprechend entsorgt oder recycelt werden.

Die knapp 400 Millionen Bewohner in Großstädten produzieren über

60 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle pro Jahr, Tendenz steigend.

Laut Verfassung sind die Städte und Gemeinden für die Abfallentsorgung

zuständig. Es gibt auch organisierte und offizielle Abfall- und

Entsorgungsunternehmen. Diese sind aber entweder unterentwickelt

oder unterfinanziert, weswegen eine umweltfreundliche Verwertung

und Entsorgung nicht erreicht werden kann. Ein Großteil der Sammlung

und Abfall-Logistik von Wertstoffen wird traditionell vom kleinen

und mittleren Unternehmen kontrolliert. Im Falle eines Markteinstiegs

im Bereich Recycling stellt dieser Sektor einen nicht zu

unterschätzenden wirtschaftlichen Faktor dar, der von deutschen

Unternehmen in ihr Geschäftsmodell integriert werden sollte.

Experten prognostizieren, dass das Müllaufkommen in den Städten

um fünf Prozent pro Jahr in Indien steigen wird. Damit würden

im Jahr 2021 rund 100 Millionen Tonnen und 2031 rund 164 Millionen

Tonnen nur an Siedlungsabfällen anfallen. Bislang werden diese

unzureichend sortiert beziehungsweise verwertet und landen in den

meisten Fällen in der Umwelt oder auf Mülldeponien. Diese ziehen

erhebliche Umwelt- und Klimabelastungen nach sich. In dem Sektor

ist ein erheblicher Bedarf im Bereich Sanierung und Ausbau bestehender

Deponien zu erwarten, der Geschäfts- und Projektpotenziale

für deutsche Unternehmen bietet.

Die Einstellung von Bürgern, Unternehmen und Akteuren im öffentlichen

Sektor ändert sich gegenüber der Abfallproblematik zunehmend.

Immer mehr Projekte werden umgesetzt. Die Vorhaben

Foto: © Melting Spot von www.shutterstock.com

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