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32 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 4 | 2019

Mehr Realschulen

braucht das Land

„Wo sind sie eigentlich, die guten Realschüler?“ Eine Frage, die so banal wie verheerend klingt.

Sie wurde von einem Unternehmer in Schleswig-Holstein gestellt – einem Bundesland, das vor

über zehn Jahren das differenzierte Schulwesen abschaffte.

Nach der Einführung eines Einheitsschulsystems mit Gymnasium

fehlten dem Unternehmer im Norden der Republik die

hochwertigen Bewerbungen von Schülern, die für viele mittelständische

Betriebe wie gemacht sind. Realschüler vereinen Praxis-

und Theoriewissen und bewähren sich als Mitarbeiter vor allem

in den mittleren Abteilungsleiterschichten.

Eine Klasse, in der Schüler mit bis

zu acht unterschiedlichen Leistungsniveaus

gleichzeitig unterrichtet

werden sollen, überfordert jede

Lehrkraft.

Landauf, landab hatten die anerkannten Realschulen in den vergangenen

Jahren mit einer Schulreformitis zu kämpfen, die vor allem in

rot-(rot)-grün regierten Ländern Einzug halten wollte. Sie sorgte dafür,

dass eine Gleichmacherei im Land begann, die den Akademisierungswahn

nicht für einen Wahn, sondern für ein erstrebenswertes

Ziel hielt.

Eltern wurde suggeriert – oder sie redeten es sich vielleicht sogar

selbst ein –, dass ein Leben erst mit dem Abitur beginne. Gemeinschaftsschulen

wurden mancherorts aus dem Boden gestampft.

Alle Schüler sind gleich, wenn man sie nur auf die gleiche Schule

schickt? Eine fatale Fehleinschätzung. Eine Klasse, in der Schüler

mit bis zu acht unterschiedlichen Leistungsniveaus gleichzeitig unterrichtet

werden sollen, überfordert jede Lehrkraft. Dass eine Binnendifferenzierung

dasselbe leisten könnte, was eine äußere Differenzierung

mit seinen unterschiedlichen, passenden Schularten zu

erreichen vermag, ist ein Traum, den noch immer viele Reformer

träumen. Aber es bleibt ein Traum – und wird zum Albtraum für die

jungen Menschen, die in ihm letztlich gefangen sind.

Lehrerbildung braucht Differenzierung

Nur in einem differenzierten System mit differenziert ausgebildeten

Lehrkräften können Kinder und Jugendliche bestmöglich hinsichtlich

ihrer Talente und Fähigkeiten gefördert und gefordert werden. Wer

Förderschulen abschafft und den Wert des Hauptschulabschlusses

und der dualen Berufsausbildung missachtet, braucht sich nicht zu

wundern, wenn am Ende die jungen Menschen orientierungslos auf

Berufsziele schielen, die jenseits jeglicher Realität und Praxis liegen.

Foto: © skynesher von www.istockphoto.com

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