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DER MITTELSTAND. 4 | 2019 SERVICE 81

Industriestrategie 2030 greift noch zu kurz

Damit die deutschen Automobilzulieferer auch weiter so stark im internationalen

Vergleich abschneiden können, braucht es die richtigen

politischen Rahmenbedingungen. Die Industriestrategie 2030

des Bundeswirtschaftsministeriums ist hier eine wichtige Initiative,

mit der die Weichen gestellt werden können. Doch die Industriestrategie

greift noch zu kurz.

Insbesondere die Fachkräftegewinnung muss vereinfacht und beschleunigt

werden. Für den wichtigen MINT-Bereich (Mathematik,

Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gilt dies in besonderem

Maße. Der Fachkräftemangel bedroht insbesondere die kleinen

und mittleren Unternehmen, denn sie können ihr Personal in der

Regel nicht transnational akquirieren. Zudem können viele Zulieferunternehmen

als „Hidden Champions“ – anders als große Konzerne

– nicht so sehr von der Bekanntheit ihres Namens oder ihrer Marken

bei der Gewinnung von neuen Mitarbeitern profitieren.

Gut zu wissen

n Der größte Teil der Automobilzulieferer besteht aus kleinen und

mittleren Unternehmen

Doch Maßnahmen einer vereinfachten Fachkräftegewinnung sind

nur ein Instrument, um den Industriestandort Deutschland zu stärken.

So hat Deutschland die höchsten Energiepreise in der EU, die ein

erhebliches Investitionshemmnis darstellen. Besonders ausgeprägt

ist die Investitionszurückhaltung in den energieintensiven Branchen,

zu denen die Metallerzeugung und -bearbeitung gehört. Diese Branchen

haben in den letzten 15 Jahren nur 80 bis 85 Prozent der Abschreibungen

durch neue Investitionen ersetzt. Wir reden hier also

von Kapitalverzehr.

Unternehmensteuerreform ist überfällig

Handlungsbedarf gibt es auch in der Steuerpolitik. Wir unterstützen

den angestrebten Einstieg in eine steuerliche Forschungs- und

Entwicklungsförderung, sehen jedoch noch weiteren erheblichen

Verbesserungsbedarf bei der Unternehmensbesteuerung. Der Industriestandort

Deutschland darf den Anschluss im verschärften internationalen

Steuerwettbewerb nicht verpassen.

Die kleinen und mittleren Zulieferunternehmen bilden das Rückgrat

der deutschen Automobilindustrie. Doch damit das auch in Zukunft

so bleibt, müssen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen

werden. Dazu braucht es eine enge Abstimmung zwischen Politik

und Industrie, um die gewollte ökologische und digitale Transformation

ökonomisch machbar und sozial verträglich zu gestalten.

n Unter den Top 100 weltweit der Automobilzulieferer sind 18 deutsche

Unternehmen

n In Deutschland entfallen 40 Prozent aller Patentanmeldungen auf die

Automobilindustrie

n Zulieferer investierten 2015 bis 2017 durchschnittlich 5,7 Prozent

ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung

Bernhard Mattes

Präsident Verband der Automobilindustrie (VDA)

www.vda.de/de

Foto: © VDA

n Hohe Energiepreise in Deutschland hemmen Investitionen

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