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DER MITTELSTAND. 4 | 2019

Mediation als Konfliktlöser

Studien zeigen, dass in der Wirtschaft zwar eine grundsätzliche Offenheit für Mediation besteht,

im Zweifel aber auf eine Lösung durch Verhandlungen gesetzt wird.

Manager und Geschäftsführer samt ihrer Rechtsanwälte sind

in der Regel versierte Verhandler und bewegen sich damit

auf vertrautem Terrain. Verhandlungen in der Wirtschaft

werden aber unter dem Druck von Leistung und Erfolg in der Regel

positions- und ergebnisorientiert geführt. Man will am Ende mit

dem gewünschten Resultat nach Hause gehen. Das prägt die Dynamik

und die Inhalte der Verhandlung, selbst wenn man den Versuch

Mediation eignet sich als Konfliktlösungsstrategie

in (fast) allen Fällen

widerstreitender Interessen, die gemeinsam

gelöst werden müssen.

macht, von den Positionen abzurücken und die Interessen auch der

anderen Akteure einzubeziehen. Jedenfalls wird das Spektrum möglicher

Lösungen eingeschränkt. Kann Mediation hier helfen?

Konfliktparteien erarbeiten eine Lösung

Die Mediation als außergerichtliches Konfliktbeilegungsverfahren

wurde im Jahr 2012 mit dem Mediationsgesetz auf eine gesetzliche

Grundlage gestellt. Danach handelt es sich bei der Mediation um ein

strukturiertes und vertrauliches Verfahren. Man unterscheidet nach

dem in Deutschland vorherrschenden Mediationsmodell verschiedene

Phasen der Mediation, von der Auftragsklärung und Mediationsvereinbarung

über die Themensammlung bis zur anschließenden

Identifizierung und Bearbeitung der relevanten Interessen der Medianten.

Die Mediation wird mit der Entwicklung von Lösungsszenarien

und der Einigung auf eine Lösung abgeschlossen. Außerdem sollen

die Parteien selbst, und zwar freiwillig und eigenverantwortlich,

die Lösung erarbeiten. Der neutrale Mediator unterstützt unter Einsatz

professioneller Methoden diesen Prozess der Kommunikation,

trifft aber anders als bei einer Schlichtung oder im Schiedsverfahren

selbst keine Entscheidung.

Breiter Anwendungsbereich des Mediationsgesetzes

Der Gesetzgeber hat mit seiner eher allgemeinen Begriffsbestimmung

der Mediation einen großen Raum für deren Anwendung gelassen.

Umfasst wird nicht nur die Situation, in der die Parteien kurz vor

der Klageerhebung stehen und mit Hilfe der Mediation den Rechtsstreit

noch eben zu vermeiden suchen, sondern auch innerbetriebliche

und innerorganisatorische Konflikte, wie etwa Konflikte innerhalb von

Teams, in denen es nicht darum geht, einen Rechtsstreit abzuwenden,

sondern ein Problem im betrieblichen Miteinander zu lösen. Das heißt,

Mediation eignet sich als Konfliktlösungsstrategie in (fast) allen Fällen

widerstreitender Interessen, die gemeinsam gelöst werden müssen.

Auch Meinungsverschiedenheiten im Gesellschafterkreis, vor allem

wenn wichtige Entscheidungen einverständlich oder mit qualifizierter

Mehrheit getroffen werden sollen oder müssen, oder wenn ein

Patt besteht, eignen sich gut für eine Begleitung durch einen neutralen

Dritten.

Foto: © angXiaNuo von www.istockphoto.com

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