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DER MITTELSTAND. 4 | 2019

STEUERN AUF DEN PUNKT

Neue Gestaltungsmöglichkeiten beim

Ausfall von Gesellschafterdarlehen

Seit dem Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und

zur Vermeidung von Missbräuchen (MoMiG) führt der Ausfall

von Gesellschafterdarlehen und die Inanspruchnahme aus

einer Bürgschaft des Gesellschafters bei diesem nach der Rechtslage

nicht mehr zu nachträglichen Anschaffungskosten. Sie wirken

sich damit im Falle der Liquidation der Gesellschaft beziehungsweise

der Veräußerung der Beteiligung steuerlich nicht mehr aus. Der

Bundesfinanzhof (BFH) hat bereits mit grundlegenden Urteilen seine

Rechtsprechung zur Frage der nachträglichen Anschaffungskosten

bei GmbH-Beteiligungen entsprechend geändert.

Zu dieser neuen Rechtsprechung hat sich nun die Finanzverwaltung

geäußert und folgt in ihrem Schreiben nunmehr der Auffassung des

BFH. Offen lässt sie aber die Frage, ob nach neuer Sichtweise der

Ausfall eines Gesellschafterdarlehens als Verlust bei den Einkünften

aus Kapitalvermögen geltend gemacht werden kann.

Aktuell ist in diesem Zusammenhang auf das Urteil des Finanzgerichts

(FG) Rheinland-Pfalz vom 19. November 2018 hinzuweisen.

Gut zu wissen:

Das Gericht entschied, dass, wenn ein Gesellschafterdarlehen ausfällt

oder der Gesellschafter hierauf verzichtet, und die Voraussetzungen

für nachträgliche Anschaffungskosten nicht vorliegen, grundsätzlich

ein Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen vorliegt.

Das Finanzgericht folgt damit dem in der Literatur vertretenen Verständnis,

dass ein Darlehensausfall oder der Verzicht auf ein nicht

mehr werthaltiges Darlehen wie eine Veräußerung und damit Verlustrealisierung

zu werten ist.

Dies eröffnet in der Praxis Gestaltungsmöglichkeiten, wobei es ratsam

ist, diese etwaigen Verluste bereits zum frühest denkbaren Zeitpunkt

geltend zu machen. Sollte das Finanzamt den Zeitpunkt der

Verlustentstehung noch nicht als gekommen sehen, ist der Versuch

der Geltendmachung alljährlich zu wiederholen. Im vom FG entschiedenen

Fall nutzte die generelle Qualifizierung als Verlust nichts, weil

die Verlustrealisierung nach Meinung des Gerichts nicht im Streitjahr

eingetreten war.

Weiterhin ist darauf hinzuweisen, dass der Gesetzgeber plant, die

Anerkennung von Veräußerungsverlusten für derartige Fälle ab dem

1. Januar 2020 durch eine Gesetzesänderung auszuschließen. Aus

diesem Grund muss im Einzelfall geprüft werden, ob noch bis zum

Ende des Jahres 2019 Handlungsbedarf besteht, um etwaige Verluste

noch unter der jetzigen Rechtslage zu realisieren.

n Aufwendungen aus Fremdkapitalhilfen wie der Ausfall

eines Darlehens oder der Ausfall einer Bürgschaftsregressforderung

führen nicht mehr zu Anschaffungskosten

n Verluste bereits zum frühest denkbaren Zeitpunkt geltend

machen

n Konkreten Handlungsbedarf mit Hinblick auf den 1. Januar

2020 prüfen

Michael B. Schröder

Warth & Klein Grant Thornton AG

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

www.wkgt.com

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