RCKSTR Mag. #169

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DAS LETZTE PRINTMAGAZIN DER WELT

n o 169

August 2019

rckstr.ch

CHF 5 EURO 4.50


JETZT RAVE CARAVAN

SPIELEN. DIE BESTEN

80 GEWINNEN

JE 2 TICKETS

DJS

MANUEL MORENO

& ANTHIK

FÜRS M-BUDGET

LOVE MOBILE.

RAVECARAVAN.M-BUDGET.MIGROS.CH

presents:


IMPRESSUM

CHEFREDAKTION

Michael Rechsteiner (rec)

Schön, dich wiederzusehen

EDITORIAL

REDAKTIONSPRAKTIKUM

Marietta Gerber (mge)

SCHREIBER*INNEN

DIESER AUSGABE

Christian K.L. Fischer (fis)

Jessica Jurassica (jj)

Lea Hofer (lea)

Luisa Bider (bibi)

Manuel Maissen (vlct)

Michèle Bianchi (mb)

Nadine Wenzlick (naw)

Rainer Etzweiler (rez)

Sascha Gala Mikic (jugo)

GRAFIK & LAYOUT

Patrick Campolongo

ILLUSTRATIONEN

Bianca Frey

COVERMODEL

Jorja Smith

KORREKTORAT

VERKAUF

Rainer Etzweiler

Zoé Zimmermann

PROPAGANDA & EVENTS

Jessica Fall

Thierry Klaus

Zoé Zimmermann

Petra Stankovic

DISTRIBUTION

Pit «Chemtrails» Kägi

Schlagzeile neulich: «Online-Pornos sind Klima-Killer!»

Mir fielen vor Schreck schier der Gürtel und das Babyöl

aus der Hand. Immerhin hat Tele 5 – der einzige Fernsehsender,

den es noch braucht – die Not der Zeit erkannt

und sendet im Nachtprogramm jetzt wieder «Emmanuelle»-Filme.

Das sind diese kolonialistischen Softerotikstreifen

aus den 70ern mit dem Soundtrack eines

Zahnarztwarteraums. Emmanuelle war ja komplett

schambefreit: Nicht nur vögelte sie mit jedem Schnauzbart

in Faltenhose, sondern flog dafür auch noch um die

halbe Welt. Das einzige CO2, um das sich Emmanuelle

kümmerte, waren Clitorale Orgasmen im Doppelpack.

(High Five! ... Niemand?) Doch die Lage hat sich seither freilich verdüstert und Staycations

sind das Ding des Sommers. Spassvögel nannten das früher «Urlaub auf Balkonien», bis

Balkons aus der Mode kamen.

Meine Staycation habe ich so weit meist auf dem YouTube-Kanal von SRF Archiv verbracht,

was sich – jetzt, wo ich es ausgeschrieben vor mir habe – nach einem ziemlich desolaten

Sommer anhört. Doch immerhin ist das aktuelle Hauptvideo auf der Profilseite ein Beitrag

des Schweizer Fernsehens aus dem Jahr 1961 über das Schwimmbad Dolder und scheinbar

hat die einzige Regieanweisung damals gelautet «Walti, jetzt filmsch dene Büsis chli uf

d’Möps und mir chönd am drü wieder hei.» Der Sprecher beschliesst die eigentlich harmlose

MAZ über das Pool-Verhalten schweissmarinierter Zürcherinnen und Zürcher mit den

Worten «Jungsein ist Glücksache», worauf sich das ganze postwendend wie der Abschiedsbrief

eines Selbstmörders anhört. Oder eine Textzeile, die Lana Del Rey in «Summertime

Sadness» vergessen hat einzubauen.

Anyway. Nachdem du dir also hoffentlich gleich «Schwimmbad Dolder (1961)» auf YouTube

angesehen hast, bemerkst du womöglich auf den kommenden Seiten, dass sich auch die

aktuelle Ausgabe im Staycation-Modus befindet. So haben wir dem Überthema «Heimweh»

den Grossteil der Heftartikel gewidmet – beispielsweise mit einer Auswahl der spannendsten

musikalischen Newcomern der Schweiz, ein paar Gedanken sowie einer Anleitung für

angehende Expats und zwei Schuelreisli Reloaded ins Swissminiature und Verkehrshaus

Luzern. Häppy Durchstöbern!

Ewigi Liebi, Michael

#169 | AUGUST 2019

3

TEAM ROTKREUZ

Martin Schiess

Henna Matter

TEAM WÄDENSWIL

Monika Bestel

Walti Bestel

Katrin Widmer

PROMOGIRLS

Dario, Elise, Giuliano, Laurin, Lucy,

Melanie, Meret, Rahel, Räff, Rika,

Sabrina, Stephanie, Stéphie und Tobi

VERLAG

Youngcom AG

Blegistrasse 1

CH-6343 Rotkreuz

GESCHÄFTSFÜHRER

Joel Meier

ANZEIGEN

Rainer Etzweiler

Zoé Zimmermann

TEL +41 43 333 09 04

FAX +41 43 333 09 06

rockstar@rockstar.ch

www.rockstar.ch

Mediadaten, Infos und AGBs: www.youngcom.ch

REDAKTIONSADRESSE

RCKSTR Mag.

Sihlhallenstrasse 19

CH-8004 Zürich

TEL +41 43 333 09 05

FAX +41 43 333 09 06

redaktion@rockstar.ch

DRUCK

Die Wattenscheider

Medienvertriebs GmbH

D-44867 Bochum

VERTRIEB

Youngcom AG

Passive Attack GmbH

Modul Kultwerbung

ERSCHEINT 11 x JÄHRLICH

AUFLAGE 50’000 Ex.

LESER 115’000

(MACH 2012-2)

JAHRESABO CHF 69.-

abo@rockstar.ch

ABOVERWALTUNG

Zoé Zimmermann

Teilnahmeberechtigt an Wettbewerben, Preisausschreibungen und Verlosungen sind alle Personen. Teilnahme an allen Verlosungen (auch SMS) per Postkarte an

RCKSTR Mag., Wettbewerb «Betreff», Sihlhallenstrasse 19, 8004 Zürich möglich. Kontakt- oder persönliche Angaben sind nur für den internen Gebrauch bestimmt.

RCKSTR Mag. behält sich vor, die Teilnehmer auch in anderem Zusammenhang per Post, E-Mail oder SMS anzuschreiben. Sachpreise können nicht umgetauscht,

zurückgegeben oder in bar ausbezahlt werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Es wird keine Korrespondenz geführt. Jegliche Verwendung des Inhaltes nur mit

schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. Für unaufgefordert eingesandte Dokumente, Druckfehler und irrtümliche Versprechen/Angebote übernimmt der

Verlag keine Haftung. Member-Angebote so lange Vorrat. RCKSTR Mag. ist eine eingetragene Marke der Youngcom AG © 2017


#169 | AUGUST 2019

RCKSTR Mag.

INHALT

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

HEIMWEH

SEITE

16

SEITE

20

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

HEIMWEH

Erfahrungen und Tipps

von unserer Expat-

Redaktorin Luisa

SHOULD I STAY OR

SHOULD I GO?

Der Weltenbummler mit

neuem Album im Interview

BONAPARTE

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

HEIMWEH

4

#169 | AUGUST 2019

SEITE

10

Das Workout des Popstars

unter der Lupe

POPFIT MIT GRIMES

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

HEIMWEH

SEITE

28

So wird aus

Cervelat Mode

JULIAN ZIGERLI

ARMA JACKSON

Plus 7 weitere Newcomer-Acts,

die du auschecken solltest

PLUS

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

HEIMWEH

Deine Fibel für

Schweizer Retro-Limos

34

Neue Games

ab Seite

44

Mad Heidi

38

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

HEIMWEH

Unser Style Guide zu «Glow»

30

Unsere Katze bewertet «Cats»

40

Die Lage bei «BRCKSTR»

spitzt sich zu

48

Und Jessica Jurassica hat

uns auch noch was zu sagen

14

THEMEN-

SCHWERPUNKT:

HEIMWEH

SEITE

22

Das Indie-Label wird

volljährig und lädt

zur Geburiparty

18 JAHRE IRASCIBLE

SEITE

52

SEITE

32

Schuelreisli Showdown

SWISSMINIATURE VS.

VERKEHRSHAUS LUZERN

Wie Charles Manson

die Filmwelt eroberte

ONCE UPON A TIME

IN HOLLYWOOD

SEITE

36

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@ROCKSTARmag bei Facebook

rockstar.ch in deinem Browser


6

#169 | AUGUST 2019

FESTIVALS

LÖSLI

-ZUM-

GLÜCK

DIE GROSSE

RCKSTR-

TOMBOLA

2019

a winner

is you!

Jedes Jahr

über 30 Haupt- und 6’000

Soforttreffer im Wert

von über 100’000.-

Der RCKSTR-Block ist zum elften Mal am

Open Air Gampel vertreten – und das ist

somit deine letzte Chance, dieses Jahr

noch einen der fabelhaften Preise unserer

Tombola zu ergattern. Mit dieser sind

wir nämlich definitiv wieder mal eine

der Hauptattraktionen, immerhin halten

wir dort noch Preise im Wert von über

60’000 Stutz bereit. Darunter sind einige

absolute Must-Haves; wer will denn nicht

mit einer faltbaren Reisedrohne nach

Hause gehen? Ebenso gibt es noch tausende

Sofortpreise zu gewinnen, solltest

du einen der Hauptpreise verpassen. Also

kein Problem, wenn das mit der Drohne,

dem Reisegutschein, portablen Wok,

Töffli oder mit der Gitarre nix wird – ein

Freibier wird dich danach trösten. Oder

eine Rolle Klopapier (absolut Gold wert

im Festivaldschungel, imfall). Mit einer

Gewinnquote von 1:4 hast du fast nix zu

verlieren – besser, du holst dir also gleich

vier Lösli, um auf Nummer sicher zu gehen

und garantiert einer der geilen Preise

abzustauben.

Lösli gibt’s im RCKSTR-Block, wo du sowieso

ständig rumhängen solltest, oder

direkt von unseren bezaubernden Lösli-Girls

in freier Festival-Wildnis. Nicht

näher recherchierten Quellen zufolge rücken

diese ab 100 gekauften Lösli die Telefonnummer

raus. Wahrscheinlich nicht

ihre eigene, aber ein Versuch ist es doch

wert, oder?

letzte chance

Damit dein

Home Sweet Home

gleich noch eine

Schippe süsser wird:

Gutschein für dein nächstes

Einrichtungsshopping

im Wert von CHF 10’000.-

WowTrip Travel

2 x 2 Pax Überraschungsreise

im Wert von je CHF 400.-

Hohner Sonor AG

2 x Tanglewood Travel Guitar

im Wert von je CHF 249.-

6 x Flight Travel Ukulele

im Wert von je CHF 79.-

2 x Hohner Golden Melody

im Wert von je CHF 52.-

16 x weitere Musik-Gadgets von

Meinl, Sonor & Nino im Gesamtwert

von über CHF 160.-

Windwerk

10 x 2 Pax Indoor Skydiving Flüge

im Gesamtwert von CHF 414.-


©2017, Yuneec

Elephbo

2x Rucksack im Wert von je CHF 179.-

3x Portemonnaie im Wert von je CHF 79.-

2x Travelbag im Wert von je CHF 39.-

Paraclub Beromünster

Erstabsprung im Wert von CHF 470.-

HAUPTPREISE VON:

Campingaz

Gasgrill Master 3 Classic

im Wert von CHF 1’099.-

Brack.ch

De’Longhi Kaffeevollautomat PrimaDonna

im Wert von CHF 999.-

KitchenAid Küchenmaschine Artisan

im Wert von CHF 649.-

Novis Group

faltbare Reisedrohne

im Wert von CHF 499.-

#169 | AUGUST 2019

7

Nintendo

Nintendo Switch inkl. Game

im Wert von CHF 408.-

KTM Mofa

Inkl. Wildcard für’s

Red Bull Alpenbrevet

im Wert von CHF 1’000.-

sofortPREISE u.a. VON:

EROTIK MARKT

www.erotikmarkt.ch

Helikopterflug.ch

Music Olar

Electric Gitarre im Wert von CHF 450.-

Electric Gitarre im Wert von CHF 999.-

Nitro Snowboard

im Wert von ca. CHF 600.-


ALLTAG

HIRNGESTÜRM

Was uns in letzter Zeit so

alles durch den Kopf ging

8

#169 | AUGUST 2019

Nevermind Brexit, here comes

the real news: Ein englischer

Tiefkühlpizzen-Hersteller

verlost aktuell ein . Es beinhaltet das

Hochzeitskleid im Pizza-Design,

ein Pizza-Bouquet sowie eine

sechsstöckige Hochzeitstorte

– aus Pizza, of course! Und

sollte das Paar dann nicht mit

Sodbrennen im Bett liegen, gibt

es auch noch Flitterwochen in

Chicago gesponsert. Wir, äh,

schmelzen dahin!

Damit das klar ist: Wir sind schon jetzt

dabei – im Hochsommer! –, unser «Scoops

Ahoy»-Halloween-Kostüm zu nähen. Es

soll also gefälligst niemand anderes so

verkleidet auftauchen, auch wenn die dritte

Staffel «Stranger Things» die bislang

beste ist und wir uns mitten im Summer

of Maya Hawke befinden. Die ist übrigens

nicht nur der unbestrittene Showstealer der

Netflix-Serie, sondern demnächst auch im

neuen Quentin-Tarantino-Film zu sehen

– ganz wie früher einst ihre Mum Uma

(Muma?) Thurman, hach.

Endlich können wir diesen

Unicorn-Tears-Quatsch aus

dem Regal nehmen und

das wirklich gute Zeug

servieren: Fuckboy Tears

Gin, erhältlich für CHF

25.-- bei firebox.com. .

Wir schämen uns nicht, es

zuzugeben: Seit Wochen

haben wir unsere Tickets fürs

Konzert von David Hasselhoff

am 14. Oktober in der

Samsung Hall. Jetzt sind wir

aber ein bisschen nervös, ob

The Hoff auch noch «Blümchen»

Jasmin Wagner im

Schlepptau hat. Mit ihr hat er

nämlich seinen neuen, hüstel,

Sommer-Hit «You Made

the Summer Go Away» aufgenommen.

So viel geballte

90s sollte nur unter ärztlicher

Aufsicht verabreicht werden.


Gibt es da draussen noch

andere, denen Instagram

als Werbung ständig die

BDSM-Hunde-Masken von

Wish für den (zugegebenermassen

unschlagbaren) Preis

von CHF 12.- anzeigt? Wir

sollten uns mal treffen und

darüber nachgrübeln, wie es

dazu gekommen ist – ohne

Auspeitschen und Nippelklammern

und so.

Oh. Shit. Rutsch rüber,

«Avengers: Endgame». Die

epischste Schlacht steigt in

diesem Jahr am 23. August.

Dann nämlich erscheinen

gleichzeitig die neuen Alben

von Taylor Swift («Lover»)

und Loredana («King Lori»).

Auf welcher Seite wirst DU

stehen!? (Also für uns ist der

Fall klar, selbst wenn Tay-

Tay in diesem «Cats»-Trailer

auf High Heels durch die Gegend

stakst.)

#169 | AUGUST 2019

9

Solange kein Riesenotter

im Hallwilersee freigelassen

wird und er sich dann mit

diesem verdammten Kaiman

in einem «Godzilla

vs. King Kong»-Szenario

battlen kann, soll dieses

News-Sommerloch doch bitte

schnellstmöglich gestopft

werden, danke!


ALLTAG

THE DAILY

GRIMES

GRIND

Grimes bringt bald ein neues Album raus und hält sich dafür täglich

fit. Dass die Menschen im Showbiz spezielle Vorlieben haben

was Workouts betrifft, wussten wir schon. Jedoch toppt die Dame

mit den Mondschimmer-Haaren alles. Seit sie das Stella McCartney

x Adidas Aushängeschild ist, verrät die Sängerin auf Instagram

auch, was ihre tägliche 360-Grad-Approach-Workout-Routine ist.

Wir haben unserer fittesten Redaktorin den Auftrag gegeben, das

alles zu entziffern, zu verstehen, und dann – total nach Expertenmanier

– zu beurteilen. Sailor Moon!

von Michèle Bianchi

SO WIRST AUCH DU POPFIT (GLAUBS)

GRIMES GRIND STEP 1

#169 | AUGUST 2019

Die 31-Jährige erhält eine gesunde «zelluläre Routine» aufrecht. Maximierung

der Mitochondrenfunktion mit Supplementen wie NAD+ (Nicotinamid Adenind

Dinucleoid zur Unterstützung von Proteinsynthesen), Magnesium und Acetyl

L-Carnitin (Fettstoffwechsel-Förderung), damit viel ATP (=Energie) produziert

wird. Wirkt viszeral, also auf Organ-Ebene.

RATING

Schad's nüt, nützt's nüt. Supplemente kann

man entweder ein Fan von sein oder nicht.

Wie an Gott glauben oder nicht.

10

GRIMES GRIND STEP 2

Anschliessend verbringt Grimes zwei bis vier (!!) Stunden

in ihrem «deprivation tank», der sie komplett von

allen Sinnesreizen abschottet. Man schwebt schwerelos

im Wasser, Grimes sagt, sie «astro-glidet» in andere

Dimensionen. Auf alle Fälle aktiviert es das parasympathische

Nervensystem, was den Stress runterfährt

und die Hormone in Balance bringt.

RATING

Alles in allem sehr empfehlenswert – Yin Yoga zum Beispiel

hat erwiesenermassen dieselben Effekte. Ob es wirklich zwei

bis vier Stunden sein müssen, sei dahingestellt.

GRIMES GRIND STEP 3

Am Nachmittag gibt sich Grimes eine ein- bis zweistündige Schwertkampf-Session

mit ihrem Trainer. Stärkt die seitlichen Bauchmuskeln, der

Rumpf allgemein wird stabilisert, der Trizeps trainiert et cetera.

RATING

Sicher das passende Workout für

eine Sailor Moon. Alles, was Spass

macht und dabei fit hält, ist eh top.


GRIMES GRIND STEP 4

Um sich vom Schwertkampf zu erholen, geht der

Popstar 30 - 45 Minuten mit Steigung, scheinbar

das effizienteste Workout gemäss ihren Angaben.

RATING

GRIMES GRIND STEP 5

Nächster Punkt: Stretching für 45 Minuten, bevor sie ins Aufnahmestudio

geht. Danach funktionieren ihr Geist und Körper auf Top-Level, nämlich

mit einem neuroplastischen Ziel bei 57,5 und 71,5 AphC's. Bitte google das

selber. Auf jeden Fall ist es für eine Musikerin mit ihrer Blutgruppe eine

gute Hirn-Range .

Was das effizienteste Workout ist, darüber streiten sich viele.

Dass aber kontinuierliche, niedrige Intensität dabei hilft,

zu entspannen und Fett loszuwerden, stimmt.

RATING

Stretching mögen wir auch sehr.

Mehr kann man dazu nicht sagen.

GRIMES GRIND STEP 6

Ihr Studio ist eine Infrarot-Sauna, das

Grimes mit dem höchsten Grad Infrarotlicht

ausgestattet hat. .

RATING

Infrarot-Saunas sollen gut sein zum Detoxen,

den Stoffwechsel ankurbeln, einen guten

Schlaf fördern und die Muskeln regenerieren.

Alles in allem eine empfehlenswerte Sache, da

auch Anti-Ageing Prozesse gefördert werden.

Wenn Grimes also viel Zeit in ihrem Studio

verbringt, erhält sie sich auf ewig ihren Kindliche-Kaiserin-Look.

GRIMES GRIND STEP 8

GRIMES GRIND STEP 7

Schrei-Trainerin Hana (nicht Haha) kommt

vorbei und sie machen eine Schrei-Session

für 20 - 25 Minuten, während sie den

Honig für ihren Tee slow cooked, für eine

maximale stimmliche Performance.

RATING

Schreien ist sicher gute Energie-Arbeit und soll

tatsächlich in Mode kommen jetzt. Früher gingen

wir aber auch schon in den Wald «füdlä»

rufen.

#169 | AUGUST 2019

11

Operierte Augen: Grimes hat sich mittels einer experimentellen

Operation alles Blau-Licht aus den Augen entfernen

lassen. Die oberste Schicht ihres Auges wurde entfernt

und mit einem orangen «ultra-flex polymer» ersetzt.

RATING

Gefährlich! Aber so hält sie sich scheinbar Depressionen fern, die

ja auch gefährlich sind.

GRIMES GRIND STEP 9

Bettchenzeit: Grimes schläft mit einem Luftbefeuchter. Also, der Luftbefeuchter

läuft, während Grimes pennt. Da läuft nichts sexuelles zwischen

Grimes und ihrem Luftbefeuchter.

RATING

Vor allem in hohen Region mit

trockener Atmosphäre ist ein Luftbefeuchter

Gold wert und hält die

Stimmbänder elastisch. Top.


ALLTAG

#169 | AUGUST 2019

12

BEUTEL BEUTE!

BEER BELLY JELLY

Was diesen

Es soll ja Menschen geben, die behaupten, wer

schon am Frühstückstisch die erste Dose Bier

aufzischt, hat womöglich ein wenig die Kontrolle

übers eigene Leben verloren. Na, dann einigen

wir uns doch auf diesen Kompromiss: Marmelade,

hergestellt aus Bier – wenig Alkohol, viel Aroma.

Monat alles

mit ins

; CHF 12. 40 bei firebox.com

Turnsäckli

muss

PHILOSOPHEN-QUARTETT

Es wird Zeit, die Frage nach dem Sinn des

Lebens endgültig zu beantworten – und zwar

mit einem Kartenspiel. 32 der hellsten Köpfe

der Weltgeschichte – unter anderem Immanuel

Kant, Sokrates, Simone de Beauvoir und

Voltaire – battlen hier zum intellektuellen

Schlagabtausch.

; CHF 12. 15 bei katapult-shop.de


THE LEGO BOOK (NEW EDITION)

Auch wenn die fesselnden Abenteuer von BRCKSTR

mit keinem Wort erwähnt werden (püh ...), ist die

neuste Auflage von «The Lego Book» zur absoluten

Klötzchenbibel geworden. 60 Jahre Firmengeschichte

werden dabei beleuchtet, inklusive all der

fantastischsten Bausets.

; CHF 36. 90 bei orellfuessli.ch

FRIDA KAHLO SCHLAFMASKE

Nicht nur in ihrer Kunst lebt die 1954 verstorbene Malerin

Frida Kahlo fort. Das markante Antlitz der Mexikanerin ziert

inzwischen zahlreiche Accessoires, darunter auch diese

stilechte Augenmaske. Damit du dich frisch ausgeschlafen

an dein eigenes Meisterwerk machen kannst.

; CHF 14. 95 bei enjoymedia.ch

POLAROID KAMERA

Zum Start der dritten Staffel von «Stranger Things» hat

Polaroid ein neues Modell lanciert. Nicht nur verfügt die

80s-Kamera über einen extra-starken Blitz, der jeden

Demodog blendet, sondern kommt auch im

«Upside Down»-tauglichen Design.

; CHF 144.- bei polaroidoriginals.com

#169 | AUGUST 2019

13


ALLTAG

JESSICA JURASSICA

KOLUMNE

SUIZIDALITÄT, ABER

ALS LOKALPATRIOTISMUS

#169 | AUGUST 2019

14

Bern ist keine Stadt aus der man sich im

Sommer verpissen mag und trotzdem

sind da dann doch nur Touristen in der

Spitalgasse und im Rosengarten und wie

jeden Sommer verschwinden ein, zwei von ihnen

in der Aare und werden dann irgendwo unten

Richtung Bremgarten tot aus dem Wasser gefischt.

«Wenn du dich in der Aare zu weit runtertreiben

lässt, dann bist du irgendwann tot», ist das erste,

was man gesagt bekommt, wenn man von irgendwoher

nach Bern zieht. Nach ein paar Bier

oder ein paar Lines sagen die Berner dann: «In

der Aare lässt es sich am schönsten sterben.» Und

nach ein paar Jahren in Bern denkt man das dann

irgendwann auch selbst; dass es doch schön wäre

im Angesicht des Türkis dieses Flusses den letzten

Atemzug zu nehmen bevor sich die Lungen mit

Aarewasser füllen. Ich glaube, das hat weniger

mit Suizidalität als mit Lokalpatriotismus zu tun.

Ich bin mir nicht sicher wovon ich mehr bin, lokalpatriotisch

oder suizidal, aber ich glaube von

beidem eher wenig. Jedenfalls steige ich jeweils

bei der drittletzten Möglichkeit aus dem Wasser,

weil dort gibt es seit zwei Saisons eine hippe

kleine Pop-up-Bar, wo man sauer gespritzten

Weisswein trinken kann, dafür nicht mehr kiffen,

wegen der vielen Menschen und alle haben noch

ein Kind oder so mit dabei. Und manchmal kommen

Lokaljournalistinnen und fragen, was man so

hält von diesem Pop-up-Ding und ob es ok wäre,

wenn man auch auf dem Foto drauf sei für den

Sommerloch-Artikel in der nächsten Ausgabe

und dann frage ich mich, weshalb ich mich nicht

doch weiter runter treiben lassen habe.

Es gibt sowieso überall kleine hippe Pop-up-

Bars, an der Aare, in den Parks, dort wo früher

die offene Heroinszene war, in grossen Silotanks

und den ganzen Sommer lang wird da Berner Sirup,

Berner Bier und Berner Ingwerer verkauft

und Gelati von der Gelateria di Berna, weshalb

ich angesichts des als Stadtbelebung getarnten,

lokalpatriotischen Konsumhypes in der warmen

Jahreszeit jeweils unerträglich zynisch werde.

Manchmal wird mir mein eigener Zynismus zu viel

und dann muss ich mal aussetzen mit Gelati essen

oder in einem umgebauten Silotank gespritzten

Weisswein trinken und gehe spazieren, irgendwo

wo es nicht belebt ist. Zum Beispiel die Aare runter,

dorthin, wo man angeblich sterben würde,

wenn man sich zu weit treiben lässt. Dort schaue

ich dann eine Weile den Wasserstrudeln zu, denke

an die Menschen, die tatsächlich hier oder in

Wahrheit wohl sonst irgendwo weiter oben ertrunken

sind und finde das mit der lokalpatriotischen

Suizidalität etwas anmassend. Dann doch

lieber das inzwischen zur Heimatstadt gewordene

Bern in irgendeiner Pop-up-Sommerbar mit

irgendwelchen lokalen Getränken zelebrieren. W

Wenn Jessica Jurassica nicht gerade führende Lifestyle-Influencerin auf dem Gebiet

voller Aschenbecher ist, schreibt sie auch für uns. Schono nett von ihr.


Wenn die Nacht

dein Tag war.

Die neuen Modelle sind ab sofort in allen melectronicsund

grösseren Migros-Filialen erhältlich.


ALLTAG

Should I stay

or should

I go?

#169 | AUGUST 2019

16

Auswandern oder bleiben?

Die Frage, die

sich fast jeder zweite

Schweizer einmal in

seinem Leben stellt, hat

unsere Autorin Luisa

irgendwann mit «Auswandern»

beantwortet.

Sie erzählt, wie es ihr

dabei ergangen ist.

von Luisa Bider


Vor nicht allzu langer Zeit, da wachte ich jeden Morgen auf und fragte

mich, was zur Hölle ich tun sollte: In der Schweiz bleiben oder auswandern?

Meinen 20-minütigen Arbeitsweg verbrachte ich geistesabwesend

auf meinem Fahrrad damit, mir verschiedene Szenarien durchzuspielen,

während ich den See, neben dem ich her fuhr, kaum wahrnahm.

Soll ich in der Schweiz bleiben? Oder nach London ziehen?

Während ich im Büro eine Nespresso-Kapsel in die Maschine stopfte und

auf meinen Kaffee wartete, fragte ich mich, ob ich das denn alles aufgeben

wollen würde? War doch alles ganz nett hier. Und wenn mir am

Abend wiedermal der Kopf schwirrte vor lauter Denken, vor lauter Fragen,

vor DER FRAGE, da machte ich Pro-Kontra-Listen.

Soll ich in der Schweiz bleiben? Oder nach London ziehen?

Wenn ich so zurückblicke, merke ich, dass ich schon zu dem Zeitpunkt eigentlich

gar nicht mehr so richtig da war. Aber wie entscheidet man sich

denn? Ob man jetzt auswandern soll oder nicht? Irgendwann nutzen alle

Pro-Kontra-Listen nichts mehr, und da muss man einfach mal machen.

Einfach mal machen

Ich habe einfach mal gemacht – und was kann ich sagen: Es ist hart. Es ist

scheisse. Du wirst deine Freunde und deine Familie vermissen, du wirst

komplett auf dich allein gestellt sein, du wirst diese kleine Scheissstadt,

die dir sonst immer zu eng und klein war, hoch in den Himmel loben während

du dein neues Zuhause verfluchst – aber du wirst es auch lieben.

Die Freiheit, dich komplett neu zu erfinden, das Wissen, das du über den

neuen Ort aufsaugen kannst, all die fremden Menschen, die dir nicht mit

Griesgram und Missmut begegnen, die Distanz, die Verwunderung, die

Erweiterung und Bereicherung, die du seltsamerweise immer dann am

stärksten spürst, wenn du wieder in deiner Heimat bist. Es fühlt sich ein

bisschen an wie Fahrradfahren mit geschärften Sinnen: Du fährst durch

eine komplett fremde Landschaft und nimmst alles sehr intensiv wahr.

Die schönen Farben etwa, aber auch die grosse Angst vor der unbekannten

Silhouette da vorne.

Die Schweizer, die Auswanderer

Jeder zehnte Schweizer lebte 2018 im Ausland – und fast jeder zweite

träumt gelegentlich vom Auswandern. Dies hat eine Umfrage des Link-Instituts

im Jahr 2002 ergeben. Viele dieser Menschen haben sich einst wie

ich die Frage gestellt, ob sie es tun sollen oder nicht – für den Job, das

Abenteuer, das Projekt, den Wunsch, etwas zu verändern, die Liebe. Für

mich war es letzteres: Die Schweiz bot nicht gerade einfache Einwanderungsbedingungen

für meinen Mann, und als mein Arbeitsvertrag auslief,

sah ich keinen Grund mehr, es nicht zu tun: Als Schweizerin habe ich

schliesslich das Privileg, in Europa leben und arbeiten zu dürfen, ohne ein

Visum zu benötigen. Doch wie sieht es beim Rest der Schweizer aus? Die

Expat-Plattform Internations hat letztes Jahr 18'000 Auswanderer aus

187 Ländern gefragt, warum sie der Heimat den Rücken gekehrt haben,

darunter auch 173 Personen aus der Schweiz. Daraus hat Internations

sieben Typen definiert:

#169 | AUGUST 2019

17

6

7

1

1) Der Optimierer 18 Prozent

Diesen Typen zieht es ins Ausland, weil er im Ausland mehr Vorteile für sich

sieht, sei dies durch bessere Lebensqualität oder mehr Lohn.

5

2) Die Entsandte 16 Prozent

Die Entsandte wird von ihrem Arbeitgeber in die Fremde geschickt. Sie verbringt

überdurchschnittlich viel Zeit bei der Arbeit und sieht ihren Aufenthalt nicht als

permanente Station: 58 Prozent möchten früher oder später wieder in die Heimat

zurückkehren.

4

2

3) Der Romantische 14 Prozent

Der romantische Auswanderer folgt seinem Partner ins Ausland. Für ihn ist die

Karriere ein Problemfeld: Er ist häufiger auf Arbeitssuche und öfter unzufrieden

mit seinem Job.

4) Die Entdeckerin 13 Prozent

Der Hauptgrund für die Auswanderung ist für die Entdeckerin die Lust auf Abenteuer.

Sie geniesst das Leben im Ausland und ist mit ihrem Sozialleben und dem

Freizeitangebot sehr zufrieden.

5) Der Karrieremensch 13 Prozent

Der Karrieremensch möchte seine Karriere im Ausland vorantreiben. Dafür lässt

dieser Typ zur Not auch mal seinen Partner zu Hause: Fast ein Viertel der Karrieremenschen

in einer festen Beziehung 24% leben derzeit nicht im selben Land

wie ihr Partner.

6) Die Mitreisende 6 Prozent

Die Mitreisende folgt ihrem Partner, der seine Karriere im Ausland vorantreiben

will. Fast neun von zehn Personen dieser Gruppe sind Frauen. Sie sind mit ihrer

eigenen Karriere unzufrieden, und 33 Prozent fühlen sich in der Kultur des Gastlandes

nicht zu Hause.

7) Der Student 4 Prozent

Der Student zieht ins Ausland, um zu studieren oder einen Sprachaufenthalt zu

absolvieren. Trotz guter Sprachkenntnisse bekunden zwei von fünf Studenten

Mühe, einheimische Freunde zu finden.

3


ALLTAG

#169 | AUGUST 2019

Mein Fazit nach vier Monaten?

Das Gefühl, endlich eine Entscheidung getroffen zu haben, war ein Gefühl

von purer Euphorie: Ich sah alles wieder klar, sah die grosse Entscheidung

als Startpunkt von unglaublich vielen Chancen, und war stolz, mutig

gewesen zu sein und den Schritt zu wagen. (Hätte ich ihn nicht gewagt,

hätte ich doch sowieso jahrelang mit Was-wäre-wenn-Gedanken gelebt.)

Die anfängliche Euphorie wurde aber relativ schnell wieder ersetzt durch

die gleichen kleinen Alltagsprobleme und Zweifel, die ich bereits vorher

hatte – und neue kamen dazu: Einerseits bringt die Entscheidung

zum Auswandern eine Scheissmenge an administrativen Hürden mit sich

(dazu gleich mehr), und andererseits ist eine riesige Umstellung nötig,

um sich an die riesige Andersartigkeit einer neuen Stadt zu gewöhnen.

Wo in Zürich 30 Minuten von A nach B als ewig lang wahrgenommen

werden, rechnet man in London eigentlich mit immer mindestens einer

Stunde. Für meinen Arbeitsweg habe ich ebenfalls, wenn der Verkehr gut

läuft (und das tut er wirklich nicht oft), eine Stunde – und muss zweimal

umsteigen. Und während ich in Zürich einen ziemlich guten Überblick

darüber hatte, was es für Bars, Cafes, Läden und Kulturangebote gab, erschien

mir das in London absolut unmöglich: Jedes noch so kleine Quartier

bietet eine schier unendliche Auswahl an allem, was man nur brauchen

könnte, und ich kann mir nicht vorstellen, mich jemals sattzusehen.

Es leben mehr Menschen in London als in der ganzen Schweiz

Erst bei dem Vergleich von Zürich und London in Zahlen merke ich, wie

unrealistisch es ist, die beiden vergleichen zu wollen. Wenn immer mich

jemand fragt, wie es mir seit dem Auswandern so ergeht, erzähle ich

ihnen, wie ich wirklich auf die Welt gekommen bin wenn es darum geht,

was es bedeutet, in einer Grossstadt zu leben, und dass Zürich keine

Stadt mehr für mich ist. In Zürich leben 428’737 Personen, in London

geschätzt 8.8 Millionen. Das sind 20-mal so viele – und fast 400’000

mehr als in der ganzen Schweiz. Auch die Fläche der beiden Städte zu

vergleichen, hat mich umgehauen. Zürichs Fläche beträgt 87,88 km², die

von London 1572 km²: London ist 17-mal so gross wie Zürich.

Die Fremde spiegelt sich aber nicht nur in der Grösse meines neuen

Zuhauses wieder – sie macht sich auch in sprachlichen und kulturellen

Hürden bemerkbar. In England gehört es zum Beispiel zum guten Humor,

dass man sich ständig hochnimmt, ein wenig fertig macht. Dadurch

sind alle sehr schlagfertig – ausser ich. Teilweise sitze ich schweigend in

meinem Bürostuhl, weil ich entweder einem Witz nicht folgen konnte

oder weil ich ihn einfach nicht lustig fand. Und das, obwohl ich wirklich

überhaupt nicht schüchtern bin. Natürlich gibt es Menschen, die eher auf

meiner Wellenlänge sind. Doch die muss man zuerst mal finden, eine Beziehung

zu ihnen aufbauen – und das alles, während ich meine Freunde

zuhause vermisse.

Es ist alles nicht immer ganz einfach – und eine Entscheidung, auszuwandern,

sollte durchdacht sein. Denn irgendwann kriecht immer der

Alltag in seiner ganzen Unglamourösität wieder herein, und der Alltag,

der stinkt. Ich baue hier gerade mein Leben auf. Ich wache immer noch

manchmal auf und habe keine Ahnung, was ich tue. Aber ich liebe mein

Zuhause, meine Tomatenpflanze auf dem Balkon, und dass ich nicht

mehr in einer Fernbeziehung lebe. Ich liebe die Parks, die Konzerte, die

Vielfältigkeit, die täglichen Überraschungen, das günstige Essen, das Lächeln

von Fremden. Und ich liebe, dass ich die Zügel zu dem allem ganz

fest selber in der Hand halte. w

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Auswandern: Die To-Do-Liste

Über ein Jahr vor der Abreise

¨ Besuche dein Zielland in verschiedenen Jahreszeiten als Tourist.

¨ Erkundige dich bei der offiziellen Vertretung deines Ziellandes (Botschaft

oder Konsulat), welche Einreise- und Aufenthaltsbewilligungen (Visa) für dich

massgebend sind.

¨ Sollte in deinem Zielland eine andere Sprache gesprochen werden, besuche

einen Sprachkurs.

Zwei bis sechs Monate vor der Abreise

¨ Kläre ab, ob dein Führerschein in deinem Zielland gültig ist. Falls nicht,

kannst du dir einen internationalen Führerausweis besorgen.

¨ Melde dich bei deiner Gemeinde (oder, solltest du in der Stadt leben, beim

Stadthaus) ab. ; Achtung, die zwingen dich dann grad deine Steuern für

das laufende Jahr vorzuzahlen. Vor Ort. Mit dem Karten-Gerät. Kleiner Extra-Tipp:

Zu heulen beginnen, und sagen, du hättest jetzt doch gar kein Geld

auf dem Konto – dann geben sie dir unter Umständen eine Erstreckung um

ca. einen Monat.

¨ Für deine Steuerangelegenheiten musst du eine Person angeben, die quasi

deine Steuervollmacht hat. Die erhalten dann deine steuerrelevante Post.

¨ Für die Steuern des laufenden Jahres musst du jetzt natürlich auch noch

eine Steuererklärung ausfüllen. ; Achtung: Weil das Computer-Programm für

das laufende Jahr noch nicht fertiggestellt wurde, musst du die Steuererklärung

von Hand ausfüllen – und das ist echt eine Kunst für sich. Auch diese

Abgabe kannst du um ein paar Monate verschieben, damit du das nicht grad

sofort machen musst.

¨ Lass dir den Abmeldungsschein grad ca. 10 Mal ausstellen, den brauchst

du jetzt für alles mögliche.

¨ Krankenkasse, andere Versicherungen und Handyabo kündigen – einfach

eine der Abmeldungsbestätigungen an den Anbieter schicken bzw. in einem

der Läden vorbeigehen, mit der Notiz, dass du kündigen möchtest. ; Falls du

schweizerisch versichert bleiben möchtest: Informiere dich darüber, ob deine

Krankenkasse auch für Auslandschweizer Angebote hat, oder wechsle zu

einer internationalen Krankenkasse.

¨ Zeitungen, Zeitschriften und sonstige Abonnements oder Infobriefe kündigen

¨ Postumleitung einrichten ; Die kostet ungefähr 100 CHF pro Jahr.

¨ Pensionskasse auszahlen lassen: Ab deinem 25. Lebensjahr zahlst du in

die zweite Säule ein. Je nach dem, wie viel du bereits angesammelt hast und

in welches Land du ziehst, kannst du dir dieses Geld auszahlen lassen. Informiere

dich dafür bei deinem Arbeitgeber. ; Solltest du dir die Pensionskasse

nicht auszahlen lassen können, musst du das Geld auf ein Freizügigkeitskonto

überweisen. Ein solches kannst du bei fast jeder Bank eröffnen. Kümmere

dich vor deiner Abreise darum, denn für die Eröffnung eines neuen Kontos

muss man vor Ort vorbeigehen.

¨ Neues Bankkonto eröffnen: Die meisten Banken erlauben es dir nicht,

eine ausländische Adresse zu haben und dein Konto zu behalten. Einige Banken

machen hier eine Ausnahme, wie beispielsweise die Genfer Kantonalbank.

Informiere dich frühzeitig bei deiner Bank, ob du dein Konto behalten kannst,

denn für die Eröffnung eines neuen Kontos musst du vor Ort vorbeigehen.

¨ Einen Nachmieter für dein WG-Zimmer oder deine Wohnung finden

¨ Ein WG-Zimmer oder eine Wohnung an deinem neuen Ort finden ;

Du dachtest, die Wohnungssuche in Zürich sei schwierig? Versuch es mal in

einem komplett anderen Land! Kontaktiere am besten hierfür Menschen, die

du kennst, die bereits in diesem Land leben und frage sie nach den besten

Websites und Facebook-Gruppen.

¨ Möbel loswerden: Du kannst deine Möbel auf Online-Seiten oder Facebook-Seiten

(Wott öper) verkaufen oder weggeben. Die Heilsarmee bietet

zudem einen Service, in dem sie deine Sachen abholen kommen, die du spenden

möchtest. Wenn du spät dran bist, möchtest du die Sachen nur noch loswerden,

da könnte das praktisch werden.

¨ Lagerraum mieten: Solltest du Möbel oder Kisten haben, die du nicht mit

dir mitnehmen möchtest aber auch nicht weggeben möchtest, kannst du

einen Lagerraum mieten. ; Achtung: Die Preise variieren je nach Anbieter

und Mietdauer, bewegen sich aber in der Regel im Rahmen von 10 CHF/Woche.

Falls du drum jemanden mit viel Platz im Keller kennst, lohnt es sich, bei dieser

Person anzuklopfen.

¨ Einen Teil deines Hab und Guts verschicken: Wenn du mit dem Flugzeug

oder dem Zug in dein neues Zuhause ziehst, kannst du nicht unbegrenzt

viele Koffer mitnehmen. In einem solchen Fall lohnt es sich allenfalls, einen Teil

vorauszuschicken. Ein Anbieter hierfür ist MyBaggage. ; Ich habe damals

etwa CHF 30 bis 40 für einen Koffer bezahlt – kostet weniger als Übergepäck.

¨ Einen Transporter mieten: Sollte sich dein neues Zuhause in Europa befinden,

kannst du deinen Umzug gleich mit einem Roadtrip verbinden und deine

Möbel mitziehen. Dafür lohnt es sich, einen Transporter zu mieten. Verschiedene

Autovermieter wie zum Beispiel Avis bieten auch Einweg-Mieten an. ; Solltest

du in der Schweiz einen Transporter mieten wollen, um Dinge zu entsorgen,

lohnt es sich, die Carsharing-App Sharoo herunterzuladen. Man kann für

einige Stunden einen Wagen mieten und es kommt viel günstiger.

¨ Gehst du auf Reisen und möchtest dich versichern lassen, lohnt es sich,

eine Reiseversicherung abzuschliessen. Ein Anbieter heisst World Nomads Travel

Insurance.

¨ Informiere dich über die Steuersituation in deinem Zielland

¨ Besorg dir einen Raclette-Ofen ; Solltest du in ein Land mit anderer

Stromspannung, wie beispielsweise den USA, ziehen, benötigst du einen Raclette-Ofen

mit zwei verschiedenen Spannungseinstellungen. Solche gibts im Globus.

¨ Was ist mit der AHV? Je nachdem, in welches Land du ziehst und ob

du auch dort eine Sozialversicherung hast, kannst du freiwillig AHV bezahlen

und so verhindern, dass du ein Loch in der AHV hast. Aber keine Sorge,

deswegen schicken sie dir dann, sobald du dich im Ausland angemeldet hast,

einen Brief zu.

#169 | AUGUST 2019

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ALLTAG

«Ich bin einer von euch.

Kleingewachsen und immer

für einen Hoselupf bereit»

Ein Berner zog aus und wurde in Berlin zum Star. Inzwischen hat Tobias Jundt mit seinem Projekt Bonaparte

praktisch die ganze Welt bereist. Sein neues Album «Was mir passiert» ist in Abidjan an der

Elfenbeinküste entstanden. Wir haben uns mit Bonaparte unterhalten – über den sechsten Longplayer,

seine ersten Tage in Berlin und das Gefühl von Heimweh. (rec/mge)

#169 | AUGUST 2019

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Inwiefern markiert dein aktuelles Album «Was mir passiert» ein

neues Kapitel in deinem bisherigen Schaffen?

Es ist sicher auf vielen Ebenen eine sehr spezielle und andere Platte. Zum

einen, dass sie in Abidjan aufgenommen wurde und viele Afro-Einflüsse

hat, zum anderen weil ich darauf vorwiegend auf Deutsch getextet habe.

Ich kann mir aber vorstellen, dass es einfach ein einmaliges Ding war. Ich

werde sicher nicht sehr lange mit diesen Zutaten kochen.

Wird Abidjan nun dein nächstes Berlin?

In Abidjan bin ich total verliebt. Mag die Stadt und die Menschen und

die Art, wie alles läuft. Aber es ist auch anstrengend manchmal und ob

ich mich da niederlassen würde? Vergleichen kann man diese Städte in

keiner Weise. Alleine die fehlende Infrastruktur ist sehr anders als das

emsige Berlin, wo jeder zweite mit einem Hut sicher ein Musikproduzent

ist oder ein Musik-Start-up gegründet hat.

Durch das Album zieht sich eine gewisse Aufbruchsstimmung, etwas

Ungeduldiges. Wie kam es dazu? Wohin zieht es dich – sowohl

musikalisch wie auch allgemein im Leben?

Das Neue war schon immer wichtig in meinem Schaffen. Ich reise durch

die Welt und wenn ich irgendwo kleben bleibe, dann schaue ich,

was daraus entsteht.

Wie kam es zu den Kollaborationen mit Sophie Hunger und

Die Ärzte auf «Was mir passiert»?

Bela B und ich sind seit einem Jahrzehnt sehr gute Freunde, haben

aber selten zusammen Musik gemacht und sind oft einfach

privat abgehangen. Farin war dann lustigerweise der erste, der

seinen Vocal-Part eingesungen hat - ihn verbindet ja eine lange

Geschichte mit dem afrikanischen Kontinent, da er da oft

monatelang rumfährt und fotografiert. Und meine Lands-


frau Sophie ist auch eine gute Freundin des Hauses. Wir treffen uns oft

zum Raclette essen und als Exilschweizer muss man ein wenig zueinander

schauen. Als ich dann beschloss, ein Mani-Matter-Lied aufzunehmen,

hab ich sie vorm Fernseher weggezerrt und ins Studio entführt - sie singt

traumhaft of course.

Was hat dich damals bewogen, deine Karriere in Berlin und nicht in

der Schweiz zu starten?

Ich lebte in Barcelona. Aber da gab es wenig Möglichkeiten für Live-Musik,

mehr DJs. Mein Freund gründete dann die Legendäre Bar25 in Berlin

und da war mein allererster Gig als Bonaparte. Wir hatten nicht einmal

ein Schlagzeug und spielten auf Müll, kann man auf YouTube nachsehen

(lacht). Berlin war halt in den 2000er Jahren schon auf eine eigene Art

frei und wild - auch wenn sich ein Jahr immer wie drei anfühlte. Es war

alles so intensiv und auch schön hedonistisch. Das gab es in der Schweiz

in gewissen Epochen sicher auch in kleinen Subkulturen.

Wie hast du die ersten Wochen in Berlin erlebt? Gab es Dinge, die

du vermisst hast? Kamen dir je Zweifel, den richtigen Schritt getan

zu haben?

Es war kalt. Und es wurde immer wie kälter. Ich lebte in einer 350 Quadratmeter

grossen Fabriketage und fuhr mit dem Klapprad vom Studiotisch

zur Toilette. Aber es gab keine Heizung. Nur einen Ölofen, aber der

Öltank war im Keller. Und nachdem ich ein paar Wochen jeden Tag in der

Giesskanne das Öl hoch schleppte, nahm ich kurzerhand eine Einladung

aus Neuseeland an und stieg in den Flieger, um meine erste Bonaparte

Tour Down Under zu spielen. Die Temperaturen waren erträglicher da

(lacht). Vermissen tue ich immer nur den Schweizer Käse, die Schweizer

Luft und natürlich ganz fest die Sprache – das Mundart, das Bärndütsch

(lacht).

Hättest du dich in der Schweiz auch so entfalten können wie in Berlin?

Ich denke nicht. Es gibt einem Menschen eine unglaubliche Kraft, niemand

zu sein und alles sein zu können, was man sich erträumt. Deshalb

sind ja auch viele Menschen, die Grosses geleistet haben, Immigranten.

Für mich war es befreiend, niemand zu sein und nichts zu müssen. Ich

habe nur noch gewollt. Und jeden Tag voll abgedrückt. Was in einer Stadt

wie Berlin eben sehr gut ging - und trotzdem konnte man unterm Radar

bleiben, experimentieren.

Du bist fast um die ganze Welt getourt, wie hat dich dieses Erlebnis

verändert? Welches sind die Erfahrungen, die du nicht mehr missen

möchtest?

In der Zeit als ich über 100 Shows im Jahr spielte, war ich in einem

Film. Ich habe das eher durch einen Filter wahrgenommen. Die neuen

Eindrücke umarmt. Neue Orte, fremde Kulturen, neue Freunde. Ich fand

das sehr bereichernd – auch, um als Mensch die Welt zu verstehen. Man

kratzt ja sowieso immer nur an der Oberfläche. Ich möchte keine Erlebnisse

missen. Ausser in San Diego, Texas - da wurde es mal sehr brenzlig

und wäre fast in eine Schlägerei zwischen Publikum, Club-Besitzer und

uns ausgeartet. Da war ich froh, dass es eine Hintertür gab (lacht).

Gibt es für dich überhaupt dieses Gefühl von «Heimweh»? Und was

ist es dann für eine Heimat, nach der du dich sehnst? Die Schweiz?

Berlin? Gewisse Menschen? Einfach nur ein Hotelbett, in dem man

mal etwas länger verharren kann?

Absolut gibt es dieses Gefühl! Die Schweiz. Das Land, die Luft, die Berge,

der Käse und vor allem die Menschen mit ihrer lustigen Elfensprache. Da

komme ich her. Ich bin einer von euch. Kleingewachsen und immer für

einen Hoselupf bereit. Ich finde das ja faszinierend, dass es Heimat gib,

dieses nicht zu erklärende Gefühl, die Seele baumeln lassen zu können.

Ich habe das sonst fast nur in Neuseeland erlebt.

Bist du gerne auf Achse wegen Bonaparte oder gibt es Bonaparte

weil du gerne unterwegs bist?

Ich hatte definitiv die Musik gewählt, weil ich die Welt bereisen und Menschen

kennen lernen wollte. Kalt. Bonaparte ist mein Catbus.

Wenn du drei Dinge auf eine Reise mitnehmen müsstest, die dich

an Berlin, die Schweiz und Abidjan erinnern, welche wären das?

Eine Nacht, einen Berg und das Meer. Diese drei Dinge nehme ich mit.

Let’s go!

«Es gibt einem Menschen eine unglaubliche

Kraft, niemand zu sein und alles sein zu

können, was man sich erträumt»

#169 | AUGUST 2019

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BONAPARTE

«Was mir passiert»

(Sony Music) jetzt erhältlich

; Live am 27.11. im Bierhübeli (Bern)


MUSIK

#169 | AUGUST 2019

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ARMA JA

Jemanden als sympathisch zu

Ein Schweizer

für die Welt

Wenn man Wetten

darauf annehmen

würde,

wie sich die Karriere

von Arma Jackson

entwickeln wird, gäbe

es eine Menge Faktoren

zu beachten. Die wir

aber erst einmal ignorieren

– denn wenn es nach

uns gehen würde, wäre der

Junge aus Lausanne der

kommende Weltstar der

Black Music. Geht es

nur leider viel zu

selten. Wir erklären

euch gleich

warum.

von Christian

K.L. Fischer

bezeichnen, klingt ja erst einmal

ziemlich lahm. Ist es aber

gar nicht. Bloss weil jemand

keine Lust hat, den dicken

Macker zu geben, heisst das

nicht, dass er es nicht trotzdem

oder gerade deswegen

verdient hat, gehört und

entdeckt zu werden. Viele

dürfte Arma ja vielleicht

sogar schon aufgrund

seiner Zusammenarbeit

mit Stress kennen,

aber nun wird es Zeit,

ihn als Individuum zu

treffen. Denn schon immer

wollte das Multitalent

mit kongolesischen

Wurzeln nicht nur Musik

für andere machen,

sondern vor allem für

sich selbst. Wobei er die

Grenzen zwischen Studiozauberer

und selbst Bühnenheld

sein, gar nicht

als solche wahrnimmt. «Ich

möchte beides gleichzeitig

tun! Ich sehe mich weder nur

als Produzent oder nur als Sänger – ich sehe mich einfach als

einen Künstler. Mit diesem Begriff fühle ich mich am wohlsten.»

Was manche schon zu dem Vergleich hinreissen liess, Arma sei

der Kanye West der Schweiz – nur ohne den Grössenwahn.

Obwohl ein (zumindest bisher) viel treffenderer Vergleich

womöglich Kaydranada sein dürfte, der ebenso wie Arma

ein verspielter Wanderer zwischen allen Stilen ist. «Oh ja,

ich mag es, sie alle miteinander zu mixen, das macht mir

einfach unglaublich viel Spass. An erster Stelle war ich

schon immer ein Fan von Rap, aber ich liebe genauso

Pop, Jazz oder auch kubanischen Salsa, obwohl diese

Einflüsse erst später kamen. Ich bin einfach eine sehr

neugierige Person und darum entdecke ich auch

weiterhin ständig neue Sachen.»

Spass an der Sache

Und diese Entdeckungen setzt er ebenso neugierig

in seinen Tracks um. Ob straighter Hip-Hop,


CKSON

Trap, warmer R’n’B oder tropische House-Beats: Man spürt, dass er sich

überall wohlfühlt und für alles eine kindliche Begeisterung mitbringt.

Wie viel Spass Arma hat, beweisen schon die kurzen Musikvideos, die

er bei sich zu Hause aufnimmt – schau dir einfach mal «Changer d'équipe

(Dans ma cuisine)» an, wo er in einen Kochlöffel singt, oder gleich

das neueste «echte» Video «Flex», in dem der Lausanner das Konzept

professionell durchzieht. Ganz schön unprätentiös der Junge, vor allem

für eine Welt, in der Hypermaskulinität vielerorts noch immer die Regel

ist. Doch Arma ist einfach nur Arma. «Ich versuche nicht eine Rolle oder

einen Charakter zu spielen. Und ich will auch nicht so ernst sein. Ich mag

die lustige und schrullige Seite der Welt. Und auf der Bühne muss das

bei mit genauso sein.» Was nicht heisst, dass er die ganze Sache nicht

ernst nimmt, siehe den Song «La Vide» vom letzten Jahr. «In ‹Vide› geht

es um künstlerische Freiheit, die Freiheit der Gedanken und die Freiheit

seine eigenen Entscheidungen zu treffen ohne Modellen zu folgen oder

sich der Konformität hinzugeben. Und ich hinterfrage mich auch selbst

unter diesem Blickwinkel: Wie gehe ich mit meiner Freiheit und meinen

Ambitionen um?»

7 weitere Schweizer Acts, zu denen

wir momentan mit dem Füdli gwaggeln

Infinite Hills

Karrierestart im Freizeitzentrum

Seine ersten Beats hat Arma 2010 an einem Computer in einem Freizeitzentrum

in Lausanne produziert und seine aktuelle EP «Capsules» zeigt,

dass er in den vergangen neun Jahren zu einem der besten Handwerker

seines Fachs geworden ist. Und jetzt «arbeite ich an meiner ersten LP»,

sagt er kurz und knapp. Auch wenn Arma Jackson noch nicht durchblicken

lässt, was uns erwartet, wird es sicherlich eine Wundertüte an

Sounds, Einflüssen und Beats. Wo wir wieder bei der Frage wären, wie

sich seine Karriere entwickeln wird – und da gibt es diesen einen Faktor,

der womöglich den verdienten internationalen Durchbruch erschweren

wird, sollte er jemals den Sprung über den grossen Teich wagen wollen:

Er singt und rappt «nur» auf Französisch. Allerdings dürfte das weniger

sein Verlust sein, sondern der jener Länder, die ihn deswegen nie wirklich

kennenlernen werden. Frankreich jedoch kann sich dankbar schätzen –

und du auch: Sag später nicht, wir hätten dir nicht rechtzeitig von Arma

Jackson erzählt. Mit mehr Groove lässt sich das Schulfranzösisch definitiv

nicht aufpolieren. w

Priya Ragu

#169 | AUGUST 2019

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Ihre Heimatstadt ist der grösste Waffenplatz der Schweiz, doch

könnte die Musik von Infinite Hills aus Thun kaum friedfertiger

klingen. Auf dem frisch erschienen Debütalbum «Youth» perfektioniert

das Trio nach der erfolgreich crowdfinanzierten EP «The Hunter»

seinen schwelgerischen Indie-Pop, bei dem Fans von Bands

wie London Grammar oder Daughter definitiv «Mach mal lauter!»

sagen, um anschliessend verträumt in die Ferne zu starren.

Im April erschien «Lighthouse», die

zweite Single der in Zürich wohnhaften

Sängerin, und knipste damit auch

eine internationale Aufmerksamkeit

an. Im Song verschmelzen die musikalischen

Einflüsse aus Priyas Jugend

– Neo-Soul-Diven wie Lauryn Hill und

traditionelle Klänge Südindiens – und

fügen sich zu einem stimmigen und

aufregenden Gesamtsound zusammen.

Die Spannung auf einen schon

bald anstehenden Debütalbum-Release

ist gross.


MUSIK

MC Koralle

Was sagt Admiral Ackbar an einem Gig von MC Koralle? «It’s not a Trap!»

Denn während momentan auch hierzulande zig Akteure diesem Subgenre

nacheifern und in die eigene Sprache übersetzen, orientiert sich der Badener

Rapper vielmehr an deutschen Old-School-Heroen. Diesen Sommer

erschien Koralles EP «Gesundheit», auf der sich der Wortakrobat als unterhaltsamer

Geschichtenerzähler mit überaus geschmeidigem Flow beweist.

Suicide Salmon

Das musikalische Multitalent Christian

Büttiker (u.a. Delorian Cloud Fire,

The Büüsis) hat kürzlich unter seinem

Solo-Pseudonym Suicide Salmon die

zweite EP «Loss of Dignity» veröffentlicht.

War der Vorgänger «Birth» rein

instrumental gehalten, bereichert

jetzt auch vermehrt Gesang die Kompositionen

des Baslers und lässt den

Selbstmordlachs somit noch konsequenter

in Richtung schwelgerischen

Synthie-Pop schwimmen.

#169 | AUGUST 2019

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White Dog Suicide

«We don’t know what a Glarus is, but it made those boys sure fucking rock»,

hat es diesen Frühsommer hoffentlich nach den Shows von White Dog Suicide

geheissen. Die Innerschweizer spielten nämlich ihre erste kleine US-Tour,

nachdem sie im vergangenen Jahr mit dem Longplayer «Broken Hearts &

Broken Bones» debütierten und sich schon gleich mal vom Fleck weg als eine

der umwerfendsten Hardcore-Punk-Combos des Landes etablierten.

La Colère

Fiona Cavegn

Für viele von uns dürfte der

einzige Bezug zu Rätoromanisch

sein, dass früher

einmal in der Woche das

«Guetnachtgschichtli» im TV

etwas komisch geklungen

hat. Doch die vierte Landessprache

eignet sich auch für

grosse Pop-Momente, wie

die Bündner Sängerin auf

ihrer souligen Single «Mona

Lisa» eindrucksvoll beweist.

Eine eigentlich längst überfällige

aber umso gelungenere

Kombination, die Fiona

aktuell in die ganze Schweiz

hinausträgt.

Ein Anruf bei unserer ehemaligen Französischlehrerin hat ergeben: La Colère heisst übersetzt

«Die Wut», was nun eigentlich so gar nicht passt zum trippy Ambient der 28-jährigen Genferin.

Mit dem Track «Surface» gewann sie in diesem Jahr hochverdient an der M4Music Demotape

Clinic die Kategorie «Best Electronic Act», ihr DJ-Talent beweist sie zudem unter anderem an der

kommenden Street Parade auf der Swiss Innovations Stage.

+ 3 CH-Geheimtipps aus der Retro-Plattenkiste, in die du dich tiffigst auch verknallen solltest

ELECTRO:

Voice of Taurus

Der Zürcher Jazz-Saxophonist

Bruno Spoerri experimentierte

schon sehr früh mit den Möglichkeiten

elektronischer Musik

und veröffentlichte 1978 diesen Klassiker des Ambient-Genres.

Kraut-Rock- und Moog-Pop-Checker können

sich für diese kosmischen Klänge umgehend den

Astronautenhelm aufsetzen.

ROCK:

Definitiv Zürich

1976 – 1986

Ein Mittelfinger so herausragend

wie das Grossmünster:

Die Compilation fasst zehn Jahre

Entwicklung von Punk, New Wave und Noise in der

Zwinglistadt zusammen. Unter anderem mit dabei:

Kleenex, Yello, Liliput, Stephan Eicher, Mother’s Ruin

und ein RCKSTR Favorite: Sperma mit «Züri Punx».

RAP:

UnderClassic

Wenn Basel plötzlich wie Boston

klingt: Die Underclassmen

um Trig und Kaotic Concrete

machten 2003 keinen Hehl aus

ihre US-Wurzeln und zelebrieren auf dem einzigen

Album der Combo eine Old-School-Block-Party auf

internationalem Niveau, die auch heute noch mächtig

Laune bringt.


15.– 18. OPENAIR

8. 2019 GAMPEL

#IISCHIPARTY

PIETRO LOMBARDI • ITALOBROTHERS •ITCHINO (CULCHA CANDELA) • ANSTANDSLOS & DURCHGEKNALLT

MICAELA SCHÄFER • MIKE CANDYS • PASCAL TOKAR • THE NICEGUYS • ECKO • MR.DA-NOS • MR. NICE GUY

FLAVA & STEVENSON • BLACK SPIRIT • MATTY VALENTINO • DEEJAY BIENE • PARTY DJ MIKE • DJ RÄNU • O-DEE

ROGER MARTIN • SUNLIKE BROTHERS • DJEREM • LEEROY • DAVE DEE • SACHI TOYAMA • PHILL MORRILL

MTS • RUFF • WARREN • CHOSEN ONE • DJ S-CODE • CHRONIC • RAY DOUGLAS • ADAM TRAIN • REDSHIFT

ALEX AUSTIN • FREEZ • DURDEK • BIRU • DOOBIOUS • CARRY LUKE • DJ NAMELESS

KYGO

SUNRISE AVENUE

BONEZ MC & RAF CAMORA

PARKWAY DRIVE • CAPITAL BRA

ANDERSON .PAAK & THE FREE NATIONALS

YUNG HURN • JEREMY LOOPS

ALLIGATOAH • DENDEMANN

TURNSTILE • BLIGG • YONAKA

STEFANIE HEINZMANN

LO & LEDUC • LOCO ESCRITO

REVOLVERHELD • ZIGGY MARLEY

GHOSTEMANE • BURY TOMORROW

ROYAL REPUBLIC • NAMIKA

BASEMENT • STRESS • KUNZ

SINA • CRIMER • KT GORIQUE

MINI MANSIONS • NOVA TWINS

LEONIDEN • IDKHOW • QL

THE STORY SO FAR

THE RISING LIGHTS

JESTER’S QUEST

TANYA BARANY

GENDERBÜEBU

atelierruppen+

Presented by Hauptpartner Hauptmedienpartner


MUSIK

Mabel

#169 | AUGUST 2019

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Nepotismus? Nicht nötig!

R’N’B AUS

GUTEM HAUS

MABEL

HIGH

EXPECTA-

TIONS

Erwartungen erfüllt? Durchaus. Mabels Mix

aus Soul und Tropical Pop sorgt für den

perfekten Hochsommer-Cocktail, als Schirmchen

ragen zusätzlich diverse Gaststars

wie Kamille, Stefflon Don und RAYE heraus.

Zugegeben: Instant-Arschwackel-Hits wie

«Don’t Call Me Up» und «Mad Love» sind sich

mitunter etwas gar ähnlich. Doch werden

diese auf dem Album durch jene Momente

aufgewogen, bei denen die Künstlerin die ruhigeren

und intimen Facetten ihres Songwritings

in den Vordergrund stellt und mit einer

– in sämtlichen Momenten – hinreissenden

Stimmen vorträgt. Wwwwv

Für Fans von:

Kim Petras, Jorja Smith, Rihanna

Der ständige Hinweis, wessen Tochter Mabel ist, wird nach dem Release ihres Debütalbums kaum mehr

nötig sein: Die 23-Jährige braucht nichts Weiteres als die eigene Stimme, um im Scheinwerferlicht des

Popzirkus bestehen zu können. (rec)

Na gut, noch einmal sei erwähnt:

Mabel ist die Tochter von Superstar

Neneh Cherry – ein Umstand, welcher in

der vergangenen Berichterstattung über

die Newcomerin so oft erwähnt wurde,

dass man glauben könnte, Mabels vollständiger

Name sei Mabel Tochtervonnenehcherry.

Und nicht nur das: Ihr Vater ist Massive-Attack-Produzent

Cameron McVey, Grossvater die

Jazzlegende Don Cherry und Marlon Roudette,

ehemaliger Frontmann bei Mattafix, ist Mabels

Halbbruder. Da kommt also ganz schön viel Familientradition

zusammen und damit – womöglich

unfairerweise – auch die Frage, wie sich das Talent

des jüngsten Sippenmitglieds daran messen wird.

Dessen bewusst, gab Mabel ihrem jetzt erschienen

Longplayer-Debüt den Titel «High Expectations».

Grund zu hohen Erwartungen gab aber auch der

bisherige Output der Sängerin: 2016 landete sie

auf der renommierten «Sound of»-Liste der BBC,

welche jeweils die grössten Musiktalente des Landes zusammenträgt

und in jenem Jahr unter anderem auch Dua Lipa, Jack Garratt und Alessia

Cara aufführte. Anlass dazu waren Mabels ersten Singles «Know Me

Better» und «My Boy My Town», beides geschmeidige R’n’B-Pop-Tracks mit

einem Gesang, der sofort aufhorchen liess. Ihre ersten Songs entstanden in

kompletter Eigenregie und mit Hilfe von Produzent Josh Crocker – auf die

mögliche Unterstützung und gutgemeinten Ratschläge der prominenten Eltern

wollte der damalige Teenager verzichten, verliess sich lieber auf eigene

Instinkte und ein Studium für Musiktheorie und Produktionstechnik an einer

Hochschule in Stockholm.

Das Selbstvertrauen zahlte sich aus und die Tracks stürmten auf Plattformen

wie Spotify und Hype Machine schon bald in höchste Chartpositionen. Auch als

Performerin auf der Bühne bestand Mabel ihre Feuerprobe und begleitete unter

anderem Schnuckel in Chief Harry Styles 2017 auf dessen Europatournee. Mit ihrer

diesjährigen Nomination für einen Brit Award in der Kategorie «Breakthrough

Act» zementierte Mabel schliesslich endgültig ihren Weg in die Riege der zukünftigen

Pop-Grössen, auch wenn der Preis schlussendlich an Kollege Tom Walker

ging. Die high expectations haben Mabel bislang also noch nicht zaudern lassen,

im Gegenteil: Ihr Höhenflug hat gerade erst begonnen.


INDIE-POP

REVIEWS

ILGEN-NUR

POWER NAP

Hamburg hat eine neue Slacker-Queen: Sie heisst Ilgen-Nur und hat

mit «Power Nap» so etwas wie das perfekte Debüt aufgenommen –

zwischen verspieltem 90ies-Indie-Pop, lässigem Geschrammel, einer

grossen Portion DIY-Ästhetik und etwas Noise-Rock. Doch der Reihe

nach. Ilgen-Nur Borali ist 23 Jahre alt und wuchs in einer Kleinstadt

bei Stuttgart auf. Ihr Name ist türkisch-arabischer Herkunft. Als sie im

Alter von elf Jahren «Made Of Bricks» von Kate Nash hörte, beschloss

sie selbst Musik zu machen. Und nach ihrem Umzug nach Hamburg vor

drei Jahren ging dann alles ganz schnell: 2017 erschien ihre erste, von

Max Rieger (Die Nerven) produzierte EP «No Emotions» auf Kassette,

sie ging mit Tocotronic auf Tour und stand bald auch bei Tastemaker-Festivals

wie The Great Escape, Waves Vienna, dem Spot

und Reeperbahn Festival auf der Bühne. Dass all die Vorschusslorbeeren

berechtigt waren, stellt «Power Nap» nun unter Beweis.

Die zehn erneut von Max Rieger produzierten Songs sind

verdammt eingängig und trotzdem eigenständig – was nicht

zuletzt an Ilgen-Nurs Gesang liegt. Mit sonorer Stimme singt

sie in ihren Tagebuch-artigen Texten von den grossen Fragen

des Erwachsenwerdens und ganz alltäglichen Dingen.

Zum Beispiel, dass sie vergessen hat einzukaufen und deswegen

jetzt keine Milch mehr im Kühlschrank ist («In My

Head») – nur um dann mit philosophischen Zeilen wie «I

spend my days in my head, re-living moments that I tend

to forget» um die Ecke zu kommen. Snail Mail, Courtney

Bartnett und Konsorten können sich warm anziehen.

(naw)

wwwww

Für Fans von: Snail Mail, Courtney Bartnett,

Built To Spill

LATVIAS FINEST

CARNIVAL

YOUTH

GOOD LUCK

Herrgott, Carnival

Youth. The 1975 singen mit Greta Thunberg

gegen den Klimawandel und ihr fliegt von Lettland

nach Sâo Paulo, nur um ein neues Album

aufzunehmen? Denkt denn niemand an die

Eisbären! Aber recht ordentlich hört sich das

Endresultat trotzdem an: Die Letten haben sich

zur Produktion mit Nicolas Vernhes und Greg

Calbi zusammengetan, die bereits mit The

War On Drugs, Arcade Fire und The National

kollaborierten. Dementsprechend auf hohem

– aber manchmal auch etwas anstrengenden

– Niveau sind die zwölf vor Ideen blubbernden

Indie-Rock-Tracks. (rec)

wwwvv

Für Fans von:

MGMT, Ariel Pink, Mac DeMarco

ALLES-WIRD-

WIEDER-BESSER-

POP

IDER

EMOTIONAL

EDUCATION

Es scheint, als würden sich die BFFs Lily Somerville

und Megan Marwick auf ihrem Debütalbum

gegenseitig Mut zusingen – und auch allen anderen,

die über Sinn und Plan in dieser komplizierten

Welt und seinen komplizierten Menschen

seufzen. Probleme werden dabei zwar

keine gelöst, aber ein ansprechender Soundtrack

aus gefühlsgeladenem Power-Pop geschaffen.

Nicht jeder Bänger schlägt dabei ins

Ziel (wir geben den teilweise überbordenden

«E-oh-e-oh-eh»-Shakira-Chören die Schuld),

doch speziell in Midtempo-Tracks wie «Saddest

Generation» wissen Ider zu überzeugen und

berühren. (rec)

wwwwv

Für Fans von: Grimes, MS MR, Chrvches

AUSBRUCH VOM

POP-GEYSIR

OF MONS-

TERS AND

MEN

FEVER DREAM

Huch, was ist denn hier los? Im ruppigen Opener

«Alligator» sind die Isländer eindeutig mehr

Monster als Mensch – eine ungewohnte Härte, die

der Band gar nicht mal so schlecht steht. Schnell

kehrt aber wieder Ruhe ein, sofern man beim

hier zelebrierten Bombast dieses Wort verwenden

darf. Pumpten OMAM früher feine Folk-Kompositionen

zu eingängigen Pop-Tracks auf, bürstet

auf ihrem dritten Album die slicke Produktion

jeden Ton auf Stadion- und Chartstauglichkeit,

opfert dabei aber auch ein wenig vom ursprünglichen

Charme der Truppe. (rec)

wwwvv

Für Fans von: Imagine Dragons, Bastille,

Florence + The Machine


STYLING


#169 | AUGUST 2019

28

Mit Stil und Witz hat er sich zu einem

der spannendsten Modedesigner

des Landes gemausert: Wir

haben Julian Zigerli in seinem Laden

im Zürcher Niederdörfli besucht und

uns über seine jüngste Kollektion

«I carrot believe it» unterhalten.

Der Zürcher Oberländer hat zwar

nicht oft Heimweh, jedoch manchmal

Fernweh nach Japan. Dafür finden

sich viele Indizien in seinen humorvollen

Entwürfen. von Lea Hofer


Wie hast du dich für die Motive der «I carrot believe it»-Reihe entschieden?

Ich hatte total Lust, mich mit der Schweiz zu beschäftigen. Wir haben aber

auch schnell bemerkt, wie bodenlos das Fass ist. Es gibt so viele Ansätze.

Wir haben typische Schweizer Attribute gesucht wie Käse, Jass-Karten, Darvida,

Edelweiss-Blüemli oder den Cervelat.

Gleichzeitig finden sich viele japanische Schnitte und Schriftzeichen

in der Kollektion. Wie bist du auf Japan als Gegensatz gekommen?

Ich liebe Japan. Ich bin gerne da und habe eine gute Freundin die Japanerin

ist. Ich habe den Spiess umgedreht und folgendes Konzept entwickelt: Wie

sähe die Schweiz aus, wenn sie in Japan wäre? Wir haben keine Touristenklamotten

für Japaner entworfen, sondern uns überlegt, wenn die Schweiz

nicht in der Schweiz wäre, sondern in Japan, wie würde sie aussehen? Die

Kollektion ist das Resultat daraus.

Hast du Echo bekommen aus Japan?

Ich glaube, die Japaner haben es nicht ganz verstanden (lacht). Nächste

Season haben wir dann einen Laden in Japan und wir bearbeiten die

Schweiz als Thema nochmals. Mal schauen, ob das gut ankommt.

Was ist die Idee hinter den Kantonstaschen?

Wir fanden die Materie Flaggen spannend. Dann kam das Thema vom «Kantönli-Denken»

auf. Die Zürich-Tasche lief sehr gut. Vielen ist der Kanton aber

auch egal und sie entscheiden sich für ein tolles Design.

Wie viel Heim- oder Fernweh steckt in der aktuellen Kollektion?

Wir haben verstaubte Sujets aufgegriffen und so umgesetzt, dass man Lust

bekommt, sie wieder zu tragen. Die Kollektion löst bei vielen ein nostalgisches

Gefühl aus. Und insofern passt Heimweh, weil man wieder Freude

bekommt an den alten Motiven. Ich hatte Freunde aus LA, die angerufen

haben und meinten, sie möchten unbedingt eine «Kantönli-Tasche». Also hat

es für die Auslandschweizer schon auch Heimweh hervorgerufen.

War das eine einmalige Idee mit den Heimat-Motiven?

Nein, das kommt wieder vor in der nächsten Kollektion. Ich hatte noch keine

Lust aufzuhören. Wir machen nochmal Schweiz. Die Kollektion wird etwas

mythisches haben. Das Thema geht in die Richtung urchig und Waldgeister.

Es gibt viele Holzstrukturen im Strick und Prints mit Gesichtern.

Die kommende Kollektion «Ring my bell» in Kollaboration mit Textildesigner

Christoph Hefti kommt am 1. September in die Läden. Lust auf mehr bekommen?

Die aktuellen Teile sind online auf julianzigerli.com erhältlich.

Ausserdem freut sich Julian auch auf einen Besuch in seinem Store am Rindermarkt

14 in Zürich. W

Julians aktuelle Sommer-favoriten

Sweden Bag

CHF 77.-

Zigerli Vida Hoodie

CHF 300.-

Swiss Idol Longsleeve

CHF 205.-

BLOODY

OUT

ZEIT, DIESE TRENDS AN

DEN NAGEL ZU HÄNGEN.

#Korbtaschen

Nichts für ungut. Korb ist

kultig, aber am Accessoires-Hype

von Sommer

2019 schlechthin haben wir

uns satt gesehen. Nämlich

jene meist schlecht verarbeiteten

Flechttaschen mit

kitschigen «Live, Laugh,

Love»-Sprüchen, die uns

weder laughen noch loven

lassen.

#Melonen

Wir hatten Ananas, Avocado

und jetzt spriessen plötzlich

überall Melonen in unserem

IG-Feed. Influencer wie hier

Michèle Krüsi posen fleissig

mit der neuen Trend-Frucht.

Was hat wohl als nächstes

Saison? Wir wären ja mal für

Äpfel oder Birnen, buy local

und so.

#169 | AUGUST 2019

29

#Culotte

Es ist das BSO (Basic Summer

Oufit) schlechthin: White Tee,

Turnschuhe und gestreifte Culotte.

Diesen 7/8-Trend konnten

wir nie ganz nachvollziehen,

macht er doch die Beine

optisch kürzer. Wenn es also

um Stelzenstoff geht: Entweder

ganz oder kurz.


STYLING

Im August bodyslamt Netflix die

dritte Staffel von «Glow» in unsere

Watchlist und erzählt die Geschichte

der gleichnamige Wrestling-Liga weiter, die sich in den 1980s gründete und ausschliesslich Frauen im Ring aufeinander

losliess. In den neuen Folgen verschlägt es die Crew (u.a. Alison Brie, Betty Gilpin, Marc Maron) nach Las Vegas, wo

sie eine eigene Show unter den wachsamen Augen ihrer neuen Chefin (Geena Davis) aufziehen. Derweil schicken wir dich

frisch aufgestylt zwar nicht in den Ring, aber für ein paar Moonsaults ins Wasser eignen sich diese Ensembles allemal. (rec)

#169 | AUGUST 2019

30

Varsity Jacke

von Urban Classics

CHF 61.- bei coolshop.de

Uschanka schwarz

CHF 25.- bei soviet-power.com

Badeanzug «Maria»

von Haight

Für 172.- bei matchesfashion.com

Strandtuch

«Stars & Stripes»

CHF 10.- bei swimoutlet.com

Gürtel mit

Schulterschlinge

CHF 49.- bei sovietmilitarystuff.com

Badeanzug «Star»

von Zaful

CHF 17.- bei zaful.com

Volume Haarspray

von Kérstase

CHF 31. 20 bei haar-shop.ch


VORHER

Diese Hilfsmittelchen machen deinen

Foto-Filter arbeitslos: Unsere vier

Beauty-Produkte des Monats. (mge)

Für einen leckeren Schmollmund

Lippenpflegestifte, die fein duften, gibt es ja zur

Genüge. Doch diese fancy aussehenden Schmatzerbalsame

schmecken nach deinem Lieblingsgetränk.

Der pflegende Aspekt darf natürlich auch

nicht einfach beiseite geschoben werden

und so kommen die Cola-, Fantaoder

Sprite-Geschmäcker zusätzlich

mit ausgeklügelter Feuchtigkeitsformel

daher.

Für die perfekte Krallen-,

ähm, Nagellänge

YOU! MAKE ME

BEAUTIFUL!

; CHF 11. 40 bei parfimo.ch

Für leidenschaftliche

Sonnenanbeter

Für ein zauberhaftes Make-up

Ist der Morgen wieder einmal wie verhext und du kriegst

dein Make-up einfach nicht gebacken? Diese Pinsel

helfen dir garantiert aus der Patsche. Fünf Pinsel mit

Nylonhaar und Metallstielen geformt wie Zauberstäbe

helfen dir bei jeder Notwendigkeit in der morgendlichen

Schmink-Routine. Verpackt in einem braunen lederähnlichen

Etui kommen die Pinsel stilecht daher.

; CHF 14. 90 bei geschenkidee.ch

Die Hawaiian Tropic Silk Hydration Sonnenmilch mag ihren Preis haben, doch

sie versorgt dich gleichzeitig mit Feuchtigkeit und kann daher eher als eine

Bodylotion mit Sonnenschutzfaktor gesehen werden. Zusätzlich lässt sie

deinen Body im Sonnenlicht schimmern wie der einer Sonnengöttin und mit

dem Duft träumst du dich von der Badi direkt nach Hawaii.

; CHF 10. 90 notino.ch

Nägel feilen ist eine unsexy und nervige Sache. Mit

diesen herzigen Helferchen wird die Sache ein bisschen

weniger nervig und auf jeden Fall sexier, wenn

du dir zur die purrfekten Nagellänge und -form verhilfst.

Ausserdem sind diese Nagelfeilen viel breiter,

sichern dir somit einen festeren Griff und halten

doppelt so lange wie eine normale Nagelfeile.

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TRIBUTE TO

WOODSTOCK

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BURIED AND ME

02.10.19 - DYNAMO ZÜRICH

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11.10.19 - DYNAMO ZÜRICH

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#169 | AUGUST 2019

32

REISEN

SCHUELREISLI

SHOWDOWN

In diesem Jahr feiern sowohl das Verkehrshaus in Luzern als auch das Swissminiatur in Melide ihr

60-jähriges Jubiläum. Also haben wir unser Rucksäckli gepackt und sind zum ersten Mal nach über 20

Jahren wieder aufgebrochen, um an diese Orte unserer Kindheit zurückzukehren. (Uns fällt gerade auf,

dass wir damit auch den Plot von «It Chapter Two» beschreiben, und tatsächlich hing im Zug-Depot

vom Verkehrshaus – warum auch immer – ein gottverdammter Clown von der Decke.) Doch diesmal betrachten

wir die Attraktionen mit dem knallhart analysierenden und von Zynismus zerfressenen Blick

eines Langzeit-RCKSTR-Geschädigten und verraten, ob und für welchen der beiden Ausflugsziele es

sich lohnt, das Haus zu verlassen. (rec/mb)

ANREISE & UMGEBUNG

Swissminiatur

-----------------------------------------------------

Man müsste meinen, das Tessin brauche nur

mal kurz mit der Palme zu wedeln, um den

Sieg hier davonzutragen. Doch was uns nie

aufgefallen ist: Melide ist so was wie das

Glattbrugg des Sonnenkantons. Geheimtipp:

Drinks beim benachbarten Tennisclub

einnehmen und dazu tonnenweise Gratis-Snacks

gereicht bekommen!

Verkehrshaus

-----------------------------------------------------

Ob man nun zu Fuss der Seepromenade entlang

flaniert oder – so wirklich like a boss –

das Schiff zur eigenen Anlegestelle nimmt:

Alleine schon der Weg zum Verkehrshaus ist

eine Postkarte an die Verwandten wert. Und

OH MY SHIT: Ist das etwa ein Minigolfplatz

nebenan? Putten wir uns natürlich umgehend

intravenös ins System.

Welche dieser beiden

Kindheitserinnerungen

begeistert auch heute noch?

PUBLIKUM

Swissminiatur

-----------------------------------------------------

Obwohl sehr viele Familien anwesend sind

(und ein creepy Mitvierziger, der alleine die

ganze Anlage mit seiner Handykamera abläuft),

wurde allen Kindern scheinbar vorher

eingebläut, bloss nicht herumzutoben, weil

sonst die Modelleisenbahn vom Voralpen

Express entgleisen könnte und dadurch eine

Massenpanik ausgelöst würde.

AMBIENTE

Swissminiatur

-----------------------------------------------------

Es bricht schon etwas sehr viel Swissness ungestüm

über uns herein, so als würde einem

DJ Bobo im Walliser Dorf vom Europa Park

an den Arsch fassen. Und doch wickelt sich

diese retroselige Heile-Welt-Welt selbst im

Hochsommer kuschelig und warm um uns.

Hier sind wir geborgen. Hier sind wir in Sicherheit.

Wir sind in einem Freiluft-Uterus

mit Hot-Dog-Stand auf halber Strecke.

Verkehrshaus

-----------------------------------------------------

Kein Zweifel: Hier spukt Pioniergeist in jeder

Ecke. Doch statt wir dazu inspiriert sind, selber

im U-Boot die tiefsten Grotten im Ozean zu

erforschen oder im Heissluftballon den Mond

zu umrunden, beschleicht uns irgendwie das

vage Pflichtgefühl, für einen Prüfungsaufsatz

zu lernen, der niemals kommen wird. Sollten

wir womöglich bei unserer nächsten Therapiesitzung

zur Sprache bringen.

Verkehrshaus

-----------------------------------------------------

Vielleicht haben wir einfach einen wirklich

schlechten Tag erwischt. Aber für eine

Attraktion, die zu einem gefühlten Drittel

aus Verbrennungsmotoren besteht, sind

erstaunlich viele Babys anwesend. Und natürlich

fangen diese an zu heulen, sobald

sie checken, dass keiner dieser Maschinen

Songs aus «Frozen» singen kann.


UNTERHALTUNGSWERT

Swissminiatur

-----------------------------------------------------

Machen wir uns nichts vor: Ein detailgetreuer

Nachbau vom Bahnhof Burgdorf wird es so

schnell nicht mit dem Marvel Cinematic Universe

aufnehmen. Man muss also schon selber

die Fantasie anregen – etwa, indem man

den kleinen Figürchen dramatische Biografien

andichtet («Ist das etwa ein Drogendeal,

der da gerade vor dem Basler Kulturhaus

Palazzo stattfindet?!»). Und wenn selbst das

nichts mehr hilft, gibt es immerhin einen Airhockey-Tisch.

INSTAGRAM-

ABILITY

Swissminiatur

-----------------------------------------------------

Eigentlich sollte man sich gegen Aufpreis

am Eingang ein Godzilla-Kostüm ausleihen

können, um in diesem unheilvoll über Mini-Bremgarten

zu posieren. Doch auch so

finden sich für alle Teilzeit-Gullivers charmante

Kulissen und wir bereuen es, keine

Spezial-Episode mit den BRCKSTRs abgeknipst

zu haben.

Verkehrshaus

-----------------------------------------------------

Es braucht schon einen verdammt guten

Filter, um «Me + eine rostige Schiffsturbine

#TurbineGoals» sexy aussehen zu lassen.

Wer also nicht hauptberuflich Helikopteroder

Tramwagen-Influencer ist, muss sich

etwas umschauen nach geeigneten Motiven,

findet aber bestimmt welche.

Verkehrshaus

-----------------------------------------------------

VR-Fahrräder, ein begehbarer Rotationswürfel,

die Space-Kapsel, aus der Felix Baumgartner

zur Erde sprang, kurz bevor er zum

Rassisten wurde und ein IMAX-Kino: Ganz

schön viel cräzy und sagenhaftes Zeugs gibt

es hier zu tun und bestaunen. Und auch

wenn uns im «Swiss Chocolate Adventure»

kein kauziger Süssigkeiten-Magnat namens

Lenny Lindt oder so durch seine Schokoladenfabrik

führt, sorgt die Rundfahrt dank

lecker Freebies für Laune.

Swissminiatur

-----------------------------------------------------

Gusto eher mässig, aber immerhin sah das

Schnitzel bisschen aus wie ein Walfisch. Dafür

lauschige Sitzplätze am Koiteich mit Blick

über die Anlage.

Swissminiatur

-----------------------------------------------------

Wer sich nicht die Swissminiatur-App herunterlädt,

erfährt kaum etwas über die munzigen

Gebäude. Und selbst mit dem eGuide

heisst es über das Modell womöglich dann

nur: «Das neue Schulhaus Lauenen im Berner

Oberland liegt südlich vom bekannten

Kurort Gstaad». Oh, okay.

Verkehrshaus

VERPFLEGUNG

LERN-

EFFEKT

-----------------------------------------------------

Nur schon in der rigoros ausgebauten Abteilung

für Weltraumfahrt und dem Planetarium

lernen wir so viel übers All, dass wir

wahrscheinlich noch vor Elon Musk auf dem

Mars landen könnten, wenn man uns nur ein

Taschenmesser, einen alten Kühlschrank und

zwei Überschallraketen abgibt.

Verkehrshaus

-------------------------------------------------

-Die Atmosphäre im Selbstbedienungsrestaurant

Mercato hat was von einer Sweatshop-Kantine,

Essen aber ausgezeichnet.

Und so! viel! Schoggi! im Shop.

#169 | AUGUST 2019

33

Fazit

Sieger knapp nach Punkten (3:4) ist das Verkehrshaus. Zwar fühlt sich das

scheinbar seit unserem letzten Besuch unberührt belassene Swissminiatur

noch immer so an als würde Oma gerade ihre Spaghetti mit Wienerli kochen.

Doch bietet die Luzerner Institution neben einem ordentlichen Schöpflöffel

Nostalgie zusätzlich auch eine zünftige Beilage von Multimedia-Updates.


KULINARIK

Blöterliwasser

Best-of

8 Schweizer Retro-Limos (Remos?)

und wie du sie aufmotzen kannst

In diesen heissesten aller Sommertagen sind wir nicht nur thirsty nach menschlicher Zuneigung (hach), sondern

auch nach bunten Wässerchen voll mit Zucker und Aromastoffen. Momentan besonders beliebt sind ja all

diese Old-Timey-Limonaden, die aussehen, als würden sie von einem Typen mit Zylinder aus seinem Westernwagen

verkauft. Wir dagegen besinnen uns auf jene Flaschen, die uns Omi in der Kindheit auf den Tisch gestellt

hat – und tüfteln dabei aus, wie man diesen Traditionsmarken noch einen Extra-Schuss verpassen könnte. (rec)

#169 | AUGUST 2019

34

KOMMT AUS:

EPTINGEN (BL)

GIBTS SEIT: 1949

Das Grapefruitgetränk steckt dank

seinem Logo ja ohnehin schon mit einem

Flügel in der Karibik. Machen wir die Reise

also komplett und mischen es mit Rum

(Extrapunkte, wenn wir den Pepita-Ara

z.B. auf die Schulter von Captain

Morgan setzen) und etwas

Limettensaft.

KOMMT AUS:

STÄFA (ZH)

GIBTS SEIT: 1952

Einige der benebelsten Köpfe des

Landes haben sich schon daran versucht,

einen Longdrink aus dem Rivella herauszuholen

– uns sind bereits Rezepte mit

Röteli, Weisswein und Passoa begegnet.

Unsere Antwort lautet dagegen:

ganz viel Eis und Johnnie Walker

Red Label.

KOMMT AUS:

EGLISAU (ZH)

GIBTS SEIT: 1938

Was «Stranger Things» kann, macht

unsere Bar schon lange: Wir bringen die

80s zurück! Damals war die Mischung

aus Cola und dem Weinbrand Asbach

Uralt der letzte Schrei, äh, Hicks. Wir

mischen aber noch etwas Cherry

Aromatic Bitter rein für zusätzlichen

Punch.


KOMMT AUS:

GENF (GE)

GIBTS SEIT: 1790

Gin? Wodka? Danke für die Inputs,

Captain Obvious. Doch statt wir das

Indian Tonic mit den üblichen Spirituosen

lieblos vermählen, lassen wir es doch für

einmal etwas sommerflirten und zwar

mit den fruchtigen Alternativen

Midori und Limoncello sowie

einem Zitronenschnitz.

KOMMT AUS:

ROTHRIST (SO)

GIBTS SEIT: 1964

Während einer Australienreise kam

der damalige Rivella-Chef dermassen

auf den Geschmack von Passionsfrucht,

dass er nach seiner Heimkehr just dieses

Getränk kreierte. Wir verfeinern es

mit Tequila und Cointreau und machen

daraus eine Lazy Person

Passion Fruit Margarita.

KOMMT AUS:

GRONO (TI)

GIBTS SEIT: 1921

Die Dosierung verlangt – je nach

deinem Geschmack – etwas Feintuning.

Aber wenn es dann Klick macht, schmeckt

das Rezept besser als das es sich liest:

Gazosa plus Amaretto plus Bier. Oder

wie alle deine Freunde an der

nächsten Pool-Party sagen werden:

Mamma fucking Mia!

KOMMT AUS:

ELM (GL)

GIBTS SEIT: 1927

Martini Bianco, Elmer Citro, bisschen

Pfefferminz und voilà: Jedes Elmer

Girl wäre begeistert. (No shit: In den

1960ern hielt Elmer Citro jeden Sommer

einen «Elmer Girl»-Beauty-Contest ab.

Bis zu 1,1 Millionen Leute reichten

jeweils ihre Stimmzettel für die

Gewinnerin ab.)

KOMMT AUS:

HALLAU (SH)

GIBTS SEIT: 1945

Wie oft mussten wir als Kind zu Silvester

hiermit anstossen, während sich die

Erwachsenen das gute Zeug reinhauen

durften? Wir rächen uns mit einer

Negroni-Variante und tauschen den

Gin gegen Rimuss, dazu kommen

Campari, roter Wermut und ein

Orangen-Twist.

#169 | AUGUST 2019

35


#169 | AUGUST 2019

36

(HEIM)KINO

Once Upon A Time

In Hollywood

Charlie und die

schockierte

Traumfabrik

Im neuen Film von Quentin Tarantino gehen

auch die mordenden Anhänger von Charles

Manson um. Seit Jahrzehnten werden die Gräueltaten

der sogenannten «Family» künstlerisch

verarbeitet – in sehr unterschiedlicher Qualität.

Wir werfen einen Blick in die Abgründe vom Manson

Cinematic Universe. (rec)

Wie wir im Verkehrshaus Luzern gelernt haben (siehe Seiten 32/33), landeten

am 16. Juli 1969 die Amerikaner als erste Menschen auf dem Mond und beförderten

die Welt und insbesondere die eigene Bevölkerung in ein kollektives High.

Es brauchte also schon ein ganz dickes Bündel bad news, um diesen gesellschaftlichen

Höhenflug zurück auf den harten Boden crashen zu lassen. Und tatsächlich dauerte

es nur wenige Wochen: Am 9. August des gleichen Jahres erschütterte eine brutale

Mordserie in Hollywood die Nation. Innerhalb von zwei Tagen fielen sieben Menschen – darunter

die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate – den Taten einer Bande zum Opfer,

die sich schnell als Mitglieder einer fanatischen Gefolgschaft um Charles Manson herausstellten.

Der gescheiterte Folksänger und Kleinganove lebte zu dieser Zeit auf einer abgelegenen Farm in

Kalifornien, scharte eine Handvoll jugendlicher Ausreisser um sich und stachelte einige von ihnen mit

der Prophezeiung eines anstehenden Rassenkrieges («Helter Skelter») zu den perfide inszenierten Hinrichtungen

an. Die Tate-LaBianca-Morde trafen das in glamouröser Dekadenz lebende Hollywood mitten ins Herz

und fühlten sich an wie das ohrenbetäubende Plattennadel-Abrutschen während einer Hippie-Party.

EIN WAHNSINNIGER MACHT WELTKARRIERE

Charles Manson und vier seiner Handlanger wurden zunächst zum Tode und später zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, 2017 verstarb

der selbsternannte Guru im Alter von 83 Jahren – als Pop-Ikone für Amerikas düsterste Seite. Denn was er nicht durch seine Musik erreichte, gelang

Manson durch das Blutvergiessen seiner Family: Weltberühmtheit. Schnell entstand nach seiner Verurteilung ein noch viel mächtigerer Personenkult

um jenen Mann, dessen verschrobenes Weltbild die «Love & Peace»-Generation ins scheinbare Upside Down gestürzt hatte. Die Sensationsgier des

Publikums war geweckt und Hollywood – eben noch in seinem Glanz verwundet – warf den Exploitations-Motor an. Bereits 1971 erschien «The Other

Side of Madness», eine hastig produzierte Pseudo-Doku mit nachgestellten Mordszenen. Zumindest ein klein wenig mehr Feingefühl liess «Manson»

zwei Jahre später walten und wurde sogar für einen Academy Award in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm» nominiert.

SEKTENFÜHRER MIT SIXPACK

Auch Manson selber hatte schon bald die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge öffentlich zu erörtern. So kursierten ab 1989 die VHS-Videokassetten

«Charles Manson Superstar», auf denen der Inhaftierte in scheinbar endlos langen Interviews seine wirren Tiraden in die Kamera labern durfte. Derweil

mimten bald schon Dutzende Schauspieler in Film- und TV-Produktionen seinen Part – darunter Bob Odenkirk («Better Call Saul») in Sketches

von «The Ben Stiller Show» oder Gethin Anthony («Game of Thrones») in der Serie «Aquarius», wo er von einem durch David Duchovny verkörperten


Detective gejagt wird. Selbst in «South Park» büchst Manson in einer Weihnachtsepisode aus dem

Knast aus und schliesst sich den Jungs um Kyle und Stan als netter Onkel mit guten Ratschlägen

an. Und auch wenn sie nicht direkt seinen Namen tragen, so geisterten im vergangenen Kinojahr

gleich zwei Charaktere über die Leinwand, die drastische Parallelen zu Manson aufweisen: Chris

Hemsworth als «Manson, aber in super HOT!»-Version in «Bad Times at the El Royale» und

Linus Roache als grandios campy auftretender Jeremiah Sand in «Mandy», ein gescheiterter

Songwriter, der die Freundin von Hauptdarsteller Nicolas Cage kurzerhand abfackelt weil

sie seine vermeintliche Hit-Single nicht mag.

QUENTIN TARANTINOS FAMILY FEATURE

Es scheint, dass die Rolle von Charles Manson inzwischen so häufig ausgeschrieben

wurde, dass sich mittlerweile Schauspieler geradezu darauf spezialisiert

haben: Damon Herriman meisterte seine Sache in der Netflix-Serie «Mindhunter»

so gut, dass er jetzt noch einmal einen Auftritt als Crazy Charlie

hinlegt – für Quentin Tarantinos «Once Upon a Time in Hollywood». Der

Filmemacher interpretiert für sein neuntes Werk die kurzzeitige Terrorherrschaft

von Manson und seiner Family (u.a. dargestellt von Lena

Dunham, Maya Hawke und Dakota Fanning) auf ganz eigene Weise

um – wohl auch als Versuch, zum 50. Jahrestag der Mordfälle die von

ihm so geliebte Tinseltown ein klein wenig vom Spuk der zu Popstars

verklärten Serienkiller zu befreien. Ob es Tarantino und seiner All-

Star-Cast aus Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Margot Robbie (in

der Rolle von Sharon Tate) gelingen wird? Ab dem 15. August gibt

es die Antwort im Kino. w

MANSON AT THE MOVIES

3 Filme, inspiriert von der Family

#169 | AUGUST 2019

37

The

Helter Skelter (1976)

Der solide produzierte TV-Film mit Steve Railsback in der

Hauptrolle basiert auf einem gleichnamigen Buch, das von

den zuständigen Staatsanwälten Vincent Bugliosi und Curt

Gentry verfasste Standartwerk zum Manson-Fall. 2004 erschien

ein Remake, diesmal mit Jeremy Davies als Charlie.

The Good

Martha Marcy May Marlene (2011)

Starkes Thriller-Drama, inspiriert von der Manson-Family-Dynamik:

Nach ihrer Flucht aus einer sektenähnlichen

Kommune um den ruchlosen Anführer Patrick (John

Hawkes) versucht die junge Martha (Elizabeth Olsen), das

dort Erlebte zu verarbeiten und wieder in ein normales

Leben zurückzufinden.

The Ugly

Wolves at the Door (2016)

Grottenmieses Horrorfilmchen erzählt aus der Sicht von

Sharon Tate (Katie Cassidy) und ihren Freunden, kurz

bevor sie eingepfercht in der Villa ihr blutiges Ende nehmen.

Und mitten drin: Die Mutter aus «Malcolm in the

Middle». Oh Lois, was hast du dir dabei nur gedacht! .


(HEIM)KINO

MAD HEIDI

Splatter-Watter in den Bergen

#169 | AUGUST 2019

38

Ihre Welt sind die Särge – denn wenn dieses Heidi erst einmal

auf die Kinoleinwände losgelassen wird, spritzt es Blut und Folter-Fondue.

Nachdem kürzlich die zweite Finanzierungsrunde vom

Crowdfunding erfolgreich beendet wurde, sollen demnächst die

Dreharbeiten zu einem etwas anderen Heimatfilm losgehen. (rec)


Alphorn. «Ho-la-di-ho». Alphorn. «Ho-la-di-ho». Und dann geht

das Mitschunkel-Intro vom Duo Gitti und Erika auch schon los.

Die im deutschen TV damit untermalte Anime-Serie «Heidi»

machte das pausbäckige Alpenkind nicht nur in Japan zum Phänomen,

sondern prägte weltweit die Wahrnehmung eines Charakters,

den die Schriftstellerin Johanna Spyri mit ihren beiden «Heidi»-Romanen

1880/81 aus der Taufe hob. Aktuell beschäftigt sich die Sonderausstellung

«Heidi in Japan» im Zürcher Landesmuseum mit dem

Phänomen und serviert dazu all die üblichen herzallerliebsten Bilder:

Gipfel, Gitzi, grüne Wiesen. Die vom legendären Studio Ghibli

produzierte Trickfilmserie mag das Bündner Balg zwar endgültig in

die globale Popkultur katapultiert haben, seinen ersten grossen Kinoauftritt

hatte es da aber schon längst hinter sich: Shirley Temple

spielte 1937 in einer Hollywood-Produktion die Hauptrolle, fünfzehn

Jahre später folgte die erste Schweizer Version. In über einem Dutzend

Inkarnationen fand das Heidi seither seinen Weg ins Kino und

Fernsehen, zuletzt 2015 mit einer international enorm erfolgreichen

Neuverfilmung.

EINE HEIDI IN ARSCHKICKSTIEFELN

Und so wurde Heidi im vergangenen Jahrhundert zum international

angehimmelten Symbol für die Heile-Welt-Schweiz und Hashtag-Heimat-Porn

sondergleichen, höchstens zu überflügeln wenn Roger Federer

den Swissfuckers-Bus fahren und dabei auf eine Armbanduhr

aus Schoggi schauen würde. Dieses Image machen sich momentan

auch ein paar hiesige Filmemacher zunutze und stellen es dabei

gleichzeitig auf den Kopf: «Mad Heidi» heisst das Projekt, welches

das Waisenmeitschi als abgebrühte Exploitation-, äh, Swissploitation-Heroine

neu erfindet. Als Anführerin einer Handvoll Aufständischer

zieht sie gegen jenen despotischen Käse-Magnaten in die

Schlacht, der inzwischen die Schweiz unter seine Kontrolle gebracht

hat – und diese mit allen Mitteln verteidigen will. In den Hauptrollen

sind unter anderem Jessy Moravec («Mario») und Max Rüdlinger

(«Achtung, Fertig, Charlie!») mit dabei. Im vergangenen September

sorgte ein erster Teaser-Trailer für Aufsehen: Die Alm-traumhaften

Naturaufnahmen stehen im krassen Gegensatz zu den schwarzhumorigen

Splatter-Einlagen und dem faschistoiden Auftreten von Heidis

Feinden. Seit dem Release dieses ersten Probiererlis auf YouTube

hat das Team um Regisseur Johannes Hartmann sowie den Produzenten

Valentin Greutert und Tero Kaukomaa weiterhin fleissig Geld

gesammelt, um das Unternehmen voranzutreiben.

SWISSPLOITATION AUF ERFOLGSKURS

Kaukomaa hat Erfahrung, was Crowdfunding betrifft: Auf gleiche

Weise konnte der Finne bereits das Geld für die beiden «Iron

Sky»-Filme zusammenbringen, in denen es die Nazis nach dem Zweiten

Weltkrieg auf den Mond verschlagen hat. Auch stilistisch dürfte

sich «Mad Heidi» mit der grimmigen und doch stets charmant-gewitzten

Grindhouse-Ästhetik des skandinavischen Überraschungserfolgs

verbunden fühlen. Liebhaber von ähnlichen (und mitunter

ebenso erfolgreich publikumsfinanzierten) Operationen wie «Kung

Fury» oder «Danger 5» haben noch immer Gelegenheit, sich am

Sponsoring von «Mad Heidi» zu beteiligen. Dazu löst man über die

Film-Website per Einzahlung sogenannte «Heidi Bonds» und kann

diese dann durch Belohnungen eintauschen – beispielsweise den

eigenen Namen in den Filmcredits oder eine Statistenrolle. Bislang

konnten über 160’000 solcher «Heidi Bonds» generiert werden. «Damit

ist ‹Mad Heidi›, soweit ich weiss, das erfolgreichste Crowdfunding,

das es in der Schweiz je für ein Filmprojekt gegeben hat», sagt

Regisseur Hartmann.

WELTWEITE MADNESS

Dabei stösst «Mad Heidi» nicht nur in der Schweiz auf Interesse:

«Auch in Deutschland und Italien findet das Projekt immer mehr Anhänger.

In den USA wiederum scheint es relativ schwierig zu sein, auf

sich aufmerksam zu machen. Das hängt wohl auch damit zusammen,

dass der Markt dort total mit einheimischen Filmen übersättigt ist

und die Leute deshalb gar keine Zeit haben, um über den Tellerrand

hinauszublicken.» Trotzdem soll das fertige Produkt nicht nur Fans

mit Helvetien unter den Füssen erreichen: «Ich will auf jeden Fall einen

Film machen, den man weltweit auswerten kann. Sicher wird

er ein paar ‹Insider›-Witze enthalten, die nur Schweizer verstehen –

aber insgesamt sollte der Film auch für ein internationales Publikum

gut funktionieren.» Und damit hoffentlich auch der Welt beweisen,

dass dieses vermeintlich in Postkarten-Idylle festgefrorene Volk von

Dauerneutralen ebenso zu kultureller Subversion fähig ist.

KAPO ZÜRI FÜHLT ES NÖD SO

Dem Ziel von 1 Million Franken ist man in den vergangenen Monaten

auf alle Fälle schon mal ein ordentliches Stück nähergekommen, es

beginnt nun die dritte Finanzierungsrunde – und die weiteren Vorbereitungen

zu den Dreharbeiten, die kommendes Jahr beginnen

sollen. Zunächst erhält das Script den Feinschliff: «Das Drehbuch ist

eine Herausforderung, da wir nicht nur einen hirnlosen Ballerstreifen

machen, sondern wirklich auch eine gute, spannende Story mit

interessanten Charakteren bieten wollen. Ich finde trashige Filme

nur cool, wenn die Story auch eine gewisse Substanz hat und mit

gesellschaftskritischen oder politischen Elementen spielt.» Dass sich

die Macher mit «Mad Heidi» an eine scheinbar noch immer heilige

Kuh wagen, schleckt keine Geiss weg: Im April wurde einem Co-Autor

aufgrund seiner Involvierung mit «Mad Heidi» fristlos der Job

als Sicherheitsangestellter von der Kantonspolizei Zürich gekündet.

Zudem sollen bereits mehrere Firmen mit einer Klage gedroht haben.

«Solche Vorkommnisse zeigen uns, dass ein solcher Film in der

Schweiz dringend nötig ist», meint Hartmann. Und dazu sagen wir

nur: Ho-la-di-yeah! w

#169 | AUGUST 2019

Screenshots:: © madheidi.com • Decoy Films

39

Du willst «Mad Heidi» mitunterstützen? Alle Infos zum

Film und den «Heidi Bonds» findest du auf madheidi.com.

5 Schweizer Heimatfilme, die man gemäss den

«MadHeidi»-Machern unbedingt gesehen haben sollte:

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

• Heidi (1952)

• Die Schweizermacher (1978)

• Beresina oder die letzten Tage der Schweiz (1999)

• Das Boot ist voll (1981)

• HD-Soldat Läppli (1959)


(HEIM)KINO

WIR HABEN EINER

KATZE DEN

«CATS»-TRAILER

GEZEIGT

(HASHTAG HARD HITTING JOURNALISM)

Wir wollen jetzt nicht behaupten, uns beim

Anblick vom «Cats»-Trailer nach den Soldaten

in «Chernobyl» gesehnt zu haben, die in Episode

4 eine Stunde lang herumstreunende Hunde

und Katzen abknallen mussten. Aber, naja,

plötzlich schaut CGI-Sonic gar nicht mehr so

gfürchig aus, wenn man ihn neben die Uncanny-Valley-Monstrositäten

des Miausicals stellt.

Doch vielleicht sind wir das auch komplett

falsch angegangen und der Film (geplanter Kinostart

im Dezember) richtet sich nicht an Menschen sondern, eben, an Katzen.

Also haben wir Nya, dem Büsi von unserem Videogame-Redaktor Rainer Etzweiler,

den Trailer gezeigt. Zudem wurden ihr Screenshots der Cast vorgelegt, damit

sie jede einzelne Figur ausgiebig beschnuppern konnte. Anhand Nyas Reaktion

erstellten wir diese absolut repräsentativen Charaktere-Charts. (rec/rez)

8. IAN MCKELLEN

Ian, bitte, pass auf. In deinem Alter

könnte jede Rolle die letzte sein.

Soll das dein Abgang werden?

7. JENNIFER HUDSON

Sie darf zwar «Memory» singen, aber

Nya mag nun mal eher den Sound von

Trockenfutter-Geraschel.

#169 | AUGUST 2019

9. JAMES CORDEN

Hat der Pinguin in «Batman Returns»

vergessen, sich den Rücken

zu rasieren? Nya is not impressed!

40

5. REBEL WILSON

9. James Corden

Als Quoten-Tollpatsch im Film kann

sich Rebel hier gewiss als das Spirit

Animal von Lil Nya fühlen.

4. TAYLOR SWIFT

Während bei uns der Furry-Alert

ausschlägt, ist Nya einfach nur geil

auf das Brillanten-Flohhalsband.

6. IDRIS ELBA

Schade, dass es aus 007 scheinbar

nix wird. Aber hey, hier ein Sack

Katzenstreu, get to work!

2. JASON DERULO

Nya, reiss dich zusammen! Scheinbar

würde sie am liebsten gleich

seine vier bis sechs Babys werfen.

3. FRANCESCA HAYWARD

Liegt es daran, dass sich die Ballerina so flink wie ein

Laserpointer bewegt? Nya ist zumindest angetan.

1. JUDI DENCH

Wir sind uns recht sicher, «Mami..?»

aus Nyas Maul gehört zu haben und

sind jetzt doch ein wenig gerührt.


IST DAS ETWA...

ERIC ROBERTS!?

In seiner Karriere hat Eric Roberts in über 500 Film- sowie TV-Produktionen mitgewirkt und jeden Monat kommen

etwa drei weitere hinzu. Bislang hat es kein Medium geschafft, sein komplettes Werk zu würdigen – bis jetzt.

Teil 5 von 516: «Mr. Brightside» (2004)

12 AUG 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

PENNYWISE

15. - 18. AUG 2019 | GAMPEL-BRATSCH

OPEN AIR GAMPEL

24 AUG 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

NGURU

26 AUG 2019 | ZÜRICH, VOLKSHAUS

HOZIER

30 AUG 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

FIDLAR

04 SEP 2019 | ZÜRICH, PAPIERSAAL

KINGS

07 SEP 2019 | ZÜRICH, KOMPLEX 457

MACHINE GUN KELLY

10 SEP 2019 | SOLOTHURN, KOFMEHL

LUKAS RIEGER

Das Œuvre von Eric Roberts mag aus einigen der schlechtesten Filme bestehen, die je aus steuertechnischen

Gründen in Kanada gedreht worden sind. Aber auch popmusikalische Meilensteine

lassen sich darunter finden, wie der Videoclip zu «Mr. Brightside» von The Killers, wo The Rob

im Hugh-Hefner-Lustmolch-Mantel seine Konkubine passiv-aggressiv mit Obst bewirft und Sänger

Brandon Flowers beim Damespiel die Hosen runter lässt. Auch weil er dabei mehr Oberlippenschweiss

als ein Sextourist absondert, geht Eric Roberts hier in seiner Paraderolle als Elderly

Asshole vollends auf und schleicht sich erfolgreich ins Bewusstsein aller Indie-Dancefloor-Kids

– denn niemand ist sicher vor Eric fucking Roberts! (rec)

UNSERE WERTUNG:

14 SEP 2019 | ZÜRICH, PAPIERSAAL

SYML

24 SEP 2019 | ZÜRICH, PLAZA

EARTHGANG

27 SEP 2019 | ZÜRICH, X-TRA

AZET & ZUNA

27 SEP 2019 | ZÜRICH, PLAZA

HELMET

28 SEP 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

THE SELECTER

RON BURGUNDY

CUP

DIESMAL:

Tina Biedermann, TeleZüri

TOP 5

1. Dani von Wattenwyl (Telebasel) 7

2. Tina Biedermann (TeleZüri) 6

3. Nora Züst (SHF) 8

4. Simone Moor (Televista) 8

5. Daniel Sager (TSO) 8

Das Power Ranking

der besten News Anchors

im Schweizer Regional-TV

Man stelle sich folgende Breaking

News vor: Bei einem Routinetauchgang

der Abteilung Wasserschutz

stösst die Polizei auf dem Grund

vom Zürichsee auf die Ruinen

von Atlantis, die inzwischen von

Mensch-Kraken-Hybriden bewohnt

werden. Sie verstehen diese Begegnung

als einen Akt der Kriegserklärung,

weshalb sie nun an Land

kommen und uns alle unterwerfen

wollen. VJ Jonas Bischoff moderiert

die Meldung ab, doch da greift

bereits ein Schlingarm aus dem

Wasser und zieht ihn gnadenlos

in die Tiefe; mit seinen panischen

Schreien endet der Beitrag. Derweil

fährt Tina Biedermann im

Studio ungerührt fort: «Tramkollision beim Sternen

Oerlikon», oder so. Denn nach 19 Jahren bei TeleZüri

bringt Tina Biedermann nichts mehr aus der Ruhe. In

ihrer unerschütterlichen Routine klingt sie dabei stets,

als würde sie einer Gruppe Sechstklässler den Ablauf

der anstehenden Geografieprüfung erklären. Selbst

dann, wenn sie beim Sommertalk einspringen muss

und als «Pätty Boser – Business Edition» irgendwelche

Schwingerkönige nach ihren Gartenstuhlkaufgewohnheiten

interviewen muss. (rec)

29 SEP 2019 | ZÜRICH, KAUFLEUTEN

JON BELLION

30 SEP 2019 | ZÜRICH, KAUFLEUTEN

JULIA MICHAELS

08 OCT 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

LX & MAXWELL

09 OCT 2019 | ZÜRICH, SAMSUNG HALL

LINDSEY STIRLING

10 OCT 2019 | ZÜRICH, VOLKSHAUS

AS I LAY DYING

11 OCT 2019 | ZÜRICH, PAPIERSAAL

HARRISON STORM

13 OCT 2019 | ZÜRICH, KAUFLEUTEN

MILOW

15 OCT 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

THE RASMUS

15 OCT 2019 | ZÜRICH, PAPIERSAAL

LITTLE SIMZ

19 OCT 2019 | ZÜRICH, SAMSUNG HALL

TOM WALKER

23 OCT 2019 | ZÜRICH, X-TRA

BLACKBEAR

23 OCT 2019 | ZÜRICH, MASCOTTE

THE SLOW SHOW

MORE SHOWS & TICKETS:

MAINLANDMUSIC.COM


(HEIM)KINO

Um es in den höflichen Worten einer Person zu sagen, die vom

Patenkind ein selbstgebasteltes und furchtbar hässliches Tannenzapfenmännchen

geschenkt bekommt: «Oh, äh, danke.

Das wäre doch nicht nötig gewesen.» Denn eigentlich legte

die «Toy Story»-Saga in seinem dritten Teil eine emotionale

Punktlandung hin und hinterliess eine der rührendsten

Trilogien der Filmgeschichte. Doch nun haut

neun Jahre später Randy Newman halt erneut in die

Klaviertasten, während sich die alte Rasselbande

um eine neue Besitzerin versammelt. Die kleine

Bonnie hat den Grossteil von Andys Spielzeug

RETURN OF THE PUPPENTHEATER

TOY STORY 4

MIT TOM HANKS, ANNIE POTTS, TIM ALLEN

übernommen, allen voran Cowboy Woody (Tom Hanks) und Buzz

Lightyear (Tim Allen). Am liebsten spielt die frisch gebackene Kindergärtnerin

aber mit «Forky» (Tony Hale), einer aus Pfeifenreinigern und

Plastikbesteck zusammengeklebten Figur. Forky, ganz der Emo, hält

sich jedoch hartnäckig für Abfall und büxt während eines Ausflugs von

Bonnie und ihrer Familie aus. Nun liegt es an Woody, den windschiefen

Spielkameraden wieder aufzugabeln (haha, «gabeln»). Dabei gerät er

an eine Vielzahl neuer Spielsachen, die von einer illustren Stimmcast

vertont werden (u.a. Christina Hendricks, Keegan-Michael Key, Jordan

Peele, Keanu Reeves). Und auch wenn das vierte Kapitel im bunten

«Toy Story»-Kinderbuch nie so ganz die Magie seiner Vorgänger erreicht,

so bringt es doch die nötige Kombination aus Herz und Humor

mit, um für kurzweilige Unterhaltung zu sorgen. Und jetzt bitte den

Duke Kaboom Spin-off, ASAP. (rec)

wwwvv

Ab 15.8. im Kino

#169 | AUGUST 2019

42

NO MORE BILLY ELLIOT

SKIN

VON GUY NATTIV

MIT JAMIE BELL,

DANIELLE MACDONALD,

VERA FARMIGA

Der vom FBI gesuchte Rechtsextremist

Bryon Widner (Jamie Bell) führt ganz

das Leben eines Nazis. Das Bier fliesst in

Strömen, immer eine Zigarette im Mund,

gewaltätige Aktionen gegen in seinen

Augen minderwertige Menschen. Das

Auffälligste an ihm sind seine zahlreichen

Gesichtstattoos. Dann lernt er

die Aussteigerin Julie Price (Danielle

Macdonald) kennen und lieben und

möchte wegen ihr und ihren Kindern

den Ausstieg aus der Szene

schaffen. Um abzutauchen, geht er

einen Deal mit den Behörden ein

und verrät seinen Club. Ein spannendes

Thriller-Drama basierend

auf einer wahren Geschichte. (mge)

wwwwv

Ab jetzt im Kino

KGB: KRASS GUTES BALLETT

THE WHITE CROW

VON RALPH FIENNES

MIT OLEG IVENKO, RALPH FIENNES, ADÈLE EXARCHOPOULOS

Rudolf Nurejew war zu Lebzeiten so was wie der Hulk Hogan des Balletts:

Selbst wer in seinem ganzen Leben noch nie eine Pirouette gesehen hatte,

kannte seinen Namen. Und so wie Hulk Hogan – wir erinnern uns an

das Match gegen Nikolai Volkoff – konnte Rudi das kommunistische Regime

nicht ausstehen. Also nutzte der Sowjetrusse das Gastspiel seines

Ensembles in Paris 1961 zur Flucht in den Westen. Profitänzer Oleg Ivenko

legt ein eindrückliches Schauspieldebüt hin, doch die Inszenierung

von Regisseur Ralph Fiennes wartet auch mit einigen Längen auf. (rec)

wwwvv

Ab 29.8. im Kino


Love inside

Enthält CBD-Hanf

4 Gramm

Die erste CBD-Hanf-Zigarette der Welt.

heimatkult.ch

GIBT ES AN DER

UND BEI:


GAMES

ZWISCHEN CAMPUS UND SCHLACHTFELD

FIRE EMBLEM:

THREE HOUSES

#169 | AUGUST 2019

44

So langsam sind die Tränen über

das Finale von «Game of Thrones»

getrocknet und wir haben

uns damit abgefunden, dass einige

brennende Fragen nie beantwortet

werden. WARUM HAT DROGON

DEN VERDAMMTEN THRON ANGE-

ZÜDET!? WARUM WAR BRAN SO

EIN FUCKING NICHTSNUTZ!? Okay

- vielleicht nicht ganz abgefunden,

aber ansatzweise arrangiert. Jedenfalls

sind wir bereit für etwas

Neues und wenn die HBO-Serie das

Heroin der Popkultur war, so dürfte

«Fire Emblem: Three Houses»

in Sachen Plot zumindest als Methadon

oder ein anders Substitut

durchgehen. (rez)

VON NINTENDO • FÜR NINTENDO SWITCH

Die Geschichte dreht sich um den Kontinent von Fódlan,

wo unzählige Adelshäuser in oberflächlichem

Frieden koexistieren. Diese vermeintliche Harmonie

ist auf jahrelangen Kriegen von grössenwahnsinnigen

Herrschern aufgebaut und damit brüchiger als

die Beziehung von einem «Bachelor/ette»-Paar. Im

Mittelpunkt der Fantasy-Saga steht der Söldner Byleth,

wahlweise als Typ oder Typin anwählbar. Byleth

und sein/ihr Vater retten einigen Teenagern das Leben,

die sich später als Schüler der Officers Academy

herausstellen – einem riesigen, Hogwarts-ähnlichen

Campus für die auserwählten Elite-Kids. Aus haarsträubenden

Gründen wird Byleth zum Professor

an der Officers Academy und unterrichtet fortan

eins der namensgeben drei Häuser deiner Wahl. Die

Entscheidung will gut überlegt sein, denn die unterschiedlichen

Häuser entwickeln nach dem ersten Akt

ihren komplett eigenen Story-Strang. Bis dahin vergehen

allerdings einige Stunden, respektive virtuelle

Monate, in der Byleth sein/ihr Kampf- und Strategie-Wissen

weitergibt. Das passiert primär in klassischer

«Fire Emblem»-Kost auf dem Schlachtfeld, wo

du bis zu 13 Charaktere aka deine Schüler in den Einsatz

schickst und rundenbasiert auf deine Gegner loslässt. Deren individuellen Fähigkeiten müssen präzise

berücksichtigt werden. Die zierliche Heilerin hält dem Angriff eines gepanzerten Ritters nur schwer stand,

dieser wiederum hat gegen einen Magier das Nachsehen. Das unkaputtbare Schere-Stein-Papier-Prinzip

ist hier zwar nicht mehr ganz so wichtig wie in früheren Serien-Ableger, stellt aber immer noch das A und

O einer potentiell erfolgreichen Schlacht dar. Deine Recken erhalten Erfahrungspunkte und steigern ihren

Level, gleichzeitig trainieren sie ihre Waffen-Fähigkeiten. Sind diese genug ausgebaut, darf die Profession

gewechselt werden. Der Ritter wird so zum Drachenreiter, der Schwertkämpfer zum flinken Assassinen –

Fantasyzeugs eben.

VIEL BLAH BLAH, NOCH MEHR EPIK

Genauso wichtig ist der schulische Alltag an der Officers Academy. Hier werden deine Schützlinge individuell

trainiert, kleinere Side-Quests erfüllt und vor allem getratscht. Die Studenten sind allesamt tief ausgearbeitete

Charaktere mit einer eigenen Meinung und Motivation und ohne zu viel zu Spoilern: Einige werden

dir das Herz brechen. Die zahlreichen Dialoge sind dabei ein zweischneidiges

Schwert. Einerseits sind sie hervorragend vertont, gleichzeitig werden

sie dermassen undynamisch präsentiert, dass es sich anfühlt, als hätte man

ein sprechendes Bilderbuch vor Augen. Längere Unterhaltungen werden damit

schnell zum Schnarchfest, vor allem wenn zum wiederholten Mal über

irgendwelche kriegsgeilen Lords und Ladies gelabert wird, die bestenfalls

eine Randnotiz wert wären. Ebenfalls etwas irritierend ist der ambivalente

Schwierigkeitsgrad, der nach einem knackigen Start ziemlich absackt und

dem eigentlich herausfordernden «Fire Emblem»-Standard, nicht gerecht

wird. Auf der blütenweissen Weste von «Fire Emblem: Three Houses» sind

das aber die einzigen Kleckse, die dazu angesichts des absurd grossen Umfangs

des Spiels rasch verblassen. Taktik-Generäle sind mit Nintendos neuem

Epos locker 200 Stunden beschäftigt – die Self-Care-Pausen nach dem Tod

eines sympathischen Charakters nicht miteingeschlossen.

wwwwv


#169 | AUGUST 2019

45

TEACH ME HARDER, DADDY!

Damit Byleths Schüler im Unterricht gut mitkommen, muss regelmässig ihr Motivations-Tank aufgefüllt werden.

Dies passiert einerseits automatisch, etwa nach einem wichtigen Kampagnen-Sieg. Gleichzeitig aber

vor allem manuell, mittels kleinen Minigames auf dem Campus. Anbei die drei erfolgreichsten Methoden:

ZEUGS FINDEN

TEEPARTY SCHMEISSEN

ZUSAMMEN ZMITTAG ESSEN

Die Officers Academy ist die Heimat der verpeiltesten

Bewohner von ganz Fodlan. Ausnahmslos

alle verlieren ständig ihren Shit. Natürlich sind die

Besitztümer aber nicht angeschrieben, stattdessen

musst du anhand ihrer Charakteristika herausfinden,

wer gerade was vermisst.

Wer’s intim mag, holt sich jemanden zum Tee auf

sein Zimmer oder in den Park. Dabei laufen Gespräche

im Multiple-Choice-Stil ab: Es gilt die passenden

Dialog-Option zu wählen, die sich mit den Interessen

des Gesprächspartners decken. Anschliessend

kannst du Geschenke überreichen und ihren Oberkörper

auschecken, was deine Studenten mit einer

Mischung aus Scham und Erregung hinnehmen. Ehm.

In der Kantine kannst du jeweils zwei Studenten

gleichzeitig zum Lunch einladen. Wer die Lieblings-Essen

seiner Helden kennt, wird mit einem

maximalen Motivationsschub belohnt. Kriegstaktik

beginnt eben schon in der Küche.


GAMES

OLD-SCHOOL-HÄCKSLER

WARHAMMER: CHAOSBANE

VON BIGBEN INTERACTIVE/EKO SOFTWARE • FÜR PS4, XBOX ONE UND PC

#169 | AUGUST 2019

1995 erschien mit «Warhammer: Shadow

of the Horned Rat» das erste Videospiel im

«Warhammer»-Universum und ob man’s nun

glaubt oder nicht: Unter den gefühlt tausenden

seither veröffentlichten «Warhammer»-Games

ist kein einziges Hack-n-Slay-

RPG, obwohl es doch so naheliegt wie Butter

aufs Brot zu streichen. «Warhammer: Chaosbane» korrigiert nach fast 25

Jahren diese Misere nun endlich und stellt sich dabei auf die Schultern

seiner berühmt-beliebten Vorbilder mit dem gehörten Höllenfürsten.

Leider stimmt die Qualität an einigen Stellen noch nicht,

beispielsweise bei der eintönigen Umwelt, den immer gleichen

Gegnertypen oder bei der ab und zu ausfallenden Sprachausgabe.

Dafür ist die Steuerung ziemlich gelungen, das Design der

Bosse und Bosskämpfe ist fantastisch und für den Couch-Koop

gibt’s einen dicken Handkuss. Am wichtigsten ist aber, dass «Warhammer:

Chaosbane» trotz seiner Schwächen richtig viel Spass

macht und auch auf längere Sicht motiviert. Ein bitterer Nachgeschmack

bleibt am Ende leider, denn mit ein bisschen mehr Zeit

und Detailarbeit hätte unser gehörnter Freund ernsthafte Konkurrenz

bekommen. (vlct)

wwwvv

46

SUPERHELDEN-KLASSENTREFFEN

MARVEL ULTIMATE ALLIANCE 3:

THE BLACK ORDER

VON TEAM NINJA/NINTENDO • FÜR NINTENDO SWITCH

«What year is it?», würde Robin Williams schreien, wenn er mehr Ahnung

von Games hätte (wobei, seine Tochter heisst Zelda, er hatte also auf

jeden Fall ein bisschen davon) und, ehm, noch am Leben wäre. Und es

wäre eine angebrachte Frage, denn «Marvel Ultimate Alliance 2» ist immerhin

knapp zehn Jahre her. Der Zeitpunkt für die Wiederbelebung der

Franchise könnte aber kaum besser sein; «Avengers: Endgame» hat gerade

«Avatar» als erfolgreichsten Film aller Zeiten von Platz 1 abgelöst und

das Marvel-Feuer lodert dank kürzlich angekündigter Phase 4 des MCU

munter weiter in den Herzen der Fans und Nerds. Diese werden mit «The

Black Order» bestens bedient. Genau wie in den Filmen soll auch hier

Thanos davon abgehalten werden, an die Infinity Stones zu kommen, 36

Charaktere (15 zu Beginn, der Rest muss freigespielt werden) stehen dafür

zur Verfügung, wovon du jeweils vier zu einem Team formen kannst.

Darunter natürlich everybody’s darlings wie Thor, Spider-Man oder Wolverine.

Gemeinsam prügelt sich das Quartett dann durch lineare Levels,

wo mittels leichter, schwerer und Flächen-Attacke gewütet wird. Dazu

verfügt jeder Kämpfer über einen Super-Move, der – je nach deiner Teamauswahl

– von deinen Mitstreitern zusätzlich supportet wird, was den

Bildschirm zupackt mit allerlei Explosionen und herumfliegenden Gegnern.

In regelmässigen Abständen warten zudem bekannte Marvel-Antagonisten

wie Proxima Midnight und Kingpin in knackigen Bossfights auf

dich. Das mag jetzt alles etwas antiquiert klingen und kritisch betrachtet

ist das simple Action-RPG auch ein wenig aus der Zeit gefallen. Dank

dickem Skill-Tree mit mehr Statistik als jedem BWL-Studenten zugemutet

wird, offenbart «The Black Order» aber mittelfristig ein überraschend

tiefgreifendes strategisches Potential, das vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden

verinnerlicht werden will. Die Story dahinter ist zwar ein

bisschen dröge, aber auch vollgepackt mit Humor, toller Voice-Cast und

Marvel-Fanservice satt. (rez)

wwwwv


13. – 15.09.2019

Messe Zürich

Der grösste Spiele-

Event der Schweiz!

Esport

Videogames

Virtual Reality

Digital Entertainment

Boardgames

Modelling

Cosplay

Stars

zurichgameshow.ch


COMIC

Schockiert rätselt die Belegschaft

über mögliche Täter...

Vielleicht war es die Kaffeemaschine? Die

rumpelte in letzter Zeit so komisch...

Wir hätten uns nie

über die Migrolino-Mix-CD von

DJ Antoine lustig machen sollen.

Das ist seine Rache!

Wahre

Geschichten

aus unserem

Büroalltag

Episode 5:

Oaxaca Nights

Was bisher geschah: Der zwielichtige Praktikant

wollte eine Stippvisite der in der Redaktion eingemieteten

Yakuza sabotieren, doch ein anonymer Bombenanschlag

auf deren Anführerin kam ihm zuvor.

(Alle bisherigen Episoden findest du auf issuu.com/rckstr)

Wenn das Hauptbüro erfährt, dass ich

Witwe Onozaki in die Luft habe fliegen

lassen, sind wir bald alle so kalt

wie Nigiri am Nordpol!

#169 | AUGUST 2019

48

Dem Praktikanten kommen diese

Aussichten scheinbar gelegen.

Hrhrhr.

Wer immer das auch war, meine geheimnisvollen

Auftraggeber und ich haben

zu danken...

eww

eww

Leute! Jetzt alle mal

Ruhe bewahren! Und

Rainer, du hast noch

etwas versprengtes

Rückenmark im Haar.

ken’o

haha

eww

Vielleicht lässt sich daraus

eine neue Witwe klo-...

Onozaki-san! Willk-…

Plötzlich tritt unverhoffter Besuch ins Büro.

Verdammt. Wollte ich in einem blutigen

Bandenkrieg enden, hätte ich auch gleich

zur Coop Zeitung gehen können.

¡Pendejos! Ich bin hier im

Auftrag von Panadero Kartell.

Und falls nicht auch der Rest von

euch als Leichenpuzzle enden

soll, kommt ihr besser mit.

Ist es weit weg oder können

wir unsere Jacken hier lassen?

to be

fortgesetzt...


OUT NOW!

ÜBERALL ERHÄLTLICH

ALS CD UND DOWNLOAD

available everywhere

as cd and download

21. - 24.08.19

THE CHEMICAL BROTHERS

ALAN WALKER • JORJA SMITH

ROYAL BLOOD • CHARLI XCX

COBEE • LOUD LUXURY • THOMMY GENESIS

AND MANY MORE

CALVIN HARRIS

BILLIE EILISH • FOALS

JUNGLE • MALL GRAB • MODESELEKTOR LIVE

ROSS FROM FRIENDS LIVE • TIM FREITAG

AND MANY MORE

SWEDISH HOUSE MAFIA

THE KOOKS • NINA KRAVIZ

FRIENDLY FIRES • HELENA HAUFF • YEASAYER

BLACK SEA DAHU • CELLA • ECLAIR FIFI • MAVI PHOENIX • YOKKO

AND MANY MORE

MACKLEMORE

PAUL KALKBRENNER • WANDA

ALLE FARBEN • JON HOPKINS LIVE • SOPHIE HUNGER

ALLI NEUMANN • LOLA MARSH • ME + MARIE • MÖWE

AND MANY MORE


MAYDAY PARADE

ROCKABILLY

FESTIVAL

ELIANE

WWW.KUFA.CH

ZEBRAHEAD

26.9. • FR

BETRAYING THE MARTYRS

QL

18.10.

21.8. • US

B-TIGHT

13.10. • DE

MODESTEP

26.10. • DJ SET

PATENT

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THE TWO ROMANS

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22.11. • KEEP IT INDIE

6.12.

20.–22.9.

HAZE

5.10. • DE

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7.11. • SE

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11.9. • US

SAISONSTART #10

14.9. • HALLE/CLUB

THE COOL QUEST

17.10.

ADRIAN TACCHI

9.11. • Ü21

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8.2.2020 20.12.

14.2.2020

11.10. • NL

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19.10. PARTYHÜTTE 19.10. TROPICAL SOUNDS 2.11. HALLOWEEN PARTY

4.11. ZUKKIHUND 16.11. KISS THE RAINBOW 21.12. TIMELINE

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2010 BIS 2020

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New album «Ode to Joy»

Mi 18.9.19 20.00 Uhr

Volkshaus Zürich

Die US-Kultband endlich zurück in Zürich

Mi 23.10.19 20.00 Uhr

Kaufleuten Zürich

The Blues-Soul Sensation

Mi 4.12.19 20.00 Uhr

Volkshaus Zürich

ticketcorner.ch allblues.ch FÜR KAUFLEUTEN AUCH: kaufl euten.ch

VERANSTALTER: AllBlues Konzert AG


AUSGEHEN

30.8. Bogen F (Zürich)

18 JAHRE IRASCIBLE

GIG

#169 | AUGUST 2019

52

Die Schweizer Indie-Institution Irascible wird volljährig. Wir werfen einen

Blick auf seine turbulente Vergangenheit – und einen in die verheissungsvolle

Zukunft.

von Sascha Gala Mikic

2001, das Jahr in dem Steve Jobs in einer Pressekonferenz

den iPod vorstellte, Jennifer Lopez einen

Hit nach dem anderen feierte und der Vertrieb Irascible

in Lausanne ins Leben gerufen wurde. Letzteres

entsprang einer Idee von Renaud Meichtry.

Er spielte in einer Metalband namens Kruger und

hatte es sich zur Aufgabe gemacht, französischen

Metal in die Schweiz zu importieren. Die Idee wurde

Irascible getauft, übersetzt bedeutet das «jähzornig»

oder «reizbar» – ein durchaus passendes Adjektiv

für Metal-Musik. Anfangs beschäftigte man

sich wortwörtlich mit Botenhandel bzw. der Distribution

von Platten und CDs von Labels oder Bands

zu den Musikgeschäften. 2007 expandierte Irascible

zur Agentur: Man begann, Promotionsarbeit

für aus- und inländische Acts zu leisten. Fabienne

Schmuki, die ab 2014 zusammen mit Christian

Wicky die Geschäftsleitung übernahm, sorgte zu

diesem Zeitpunkt mit ihrem damaligen Mitarbeiter

Jonathan Winkler dafür, dass sich die Musikagentur

zu einem festen zweiten Standbein entwickelte.

Digital? Check!

«So weit, so gut», würde man meinen. Doch schon

bald klopfte der Wandel in Form der Digitalisierung

an der Tür und man entkam ihm nicht ohne aufgeschürfte

Knie: Das vermehrte Aufkommen von Piraterie

und die neue Art, Audiodateien im Internet zu

übertragen, führten dazu, dass die Verkäufe zwischen

2005 und 2011 massiv stagnierten. Da das

Musikstreaming zu diesem Zeitpunkt noch nicht

rentabel war, die Masse an Platten, CDs etc. im Lager

aber nicht schrumpfen wollte und Unsicherheit

darüber herrschte, ob sich der Tonträgerverkauf je

wieder erholen würde, musste sich auch Irascible

unangenehmen Fragen stellen: Soll der Vertrieb

komplett aufgelöst werden? Und sich stattdessen

auf neue Geschäftsfelder konzentrieren? «Keep on

keeping on», lautete das Mantra – man entschied

sich, die Ärmel hochzukrempeln und weiterzumachen.

Musikalisches Multitasking

Die Belohnung für die Ausdauer folgte tatsächlich:

Streaming begann sich langsam aber sicher als profitabel

zu erweisen, grössere unabhängige Labels,

allen voran Domino Records aus England, wechselten

ihren Schweizer Vertrieb und grössere internationale

Promotion-Mandate wie Björk oder Deichkind

flatterten herein. Man stand wieder mit beiden

Beinen auf dem Boden und war sogar in der Lage,

eine weitere Dienstleistung zu kreieren: das Musiklabel.

Sechs Bands sind bislang unter die Fittiche

genommen worden, darunter Wolfman und One

Sentence. Supervisor. Dadurch, dass der Kreis an

Bands überschaubar bleibt, kann die Zusammenarbeit

viel familiärer gestaltet werden. Was nicht

grundsätzlich bedeutet, dass nicht mehr Bands

aufs Label genommen werden – aber unter einer

Bedingung, wie Fabienne bemerkt: Der Frauenanteil

muss erhöht werden, denn unter sämtlichen

Musikerinnen und Musikern, die sich auf Irascible

Records befinden, sind gerade mal zwei Frauen.

Indie & international

Weitere Zukunftspläne beinhalten das internationale

Vernetzen sowie die internationale Promotion

für Schweizer Bands. Dadurch erhofft man sich

insbesondere mehr Live-Auftritte im Ausland. Eine

weitere Herausforderung besteht in der sich wandelnden

Medienlandschaft. Für eine gute PR-Arbeit

ist die Kooperation mit den Medien das A und

O, doch die Kanäle schrumpfen und das hiesige

private und öffentlich-rechtliche Radio fügt sich

grösstenteils Mainstreamtauglichem. Zwar bleiben

ein paar wenige Felsen in der Brandung, wie zum

Beispiel Couleur 3 in der Westschweiz oder die Indie-Radios

wie Kanal K, Radio 3fach, Grrif und GDS.

FM. Doch in den Massenmedien ist Musik mit Ecken

und Kanten, so wie sie Irascible gerne vertritt, nicht

wirklich angesagt.

Volljährig und in Feierlaune

Jedoch ist Irascible nun volljährig. Es hat Haare

auf den Zähnen und schlug sich wacker durch die

Höhen und Tiefen turbulenter Teenager-Zeiten. Es

ist eines der Grossen unter den Kleinen geworden.

Dieser Meilenstein muss richtig krachend gefeiert

werden und zwar am 30. August im Bogen F, zusammen

mit den Geschwistern Organ Mug, One

Sentence. Supervisor, Lord Kesseli and The Drums

sowie Wolfman und am 11. September im Le Bourg

in Lausanne mit MORSE und Blind Butcher. Und

danach wird Irascible mit Alka-Seltzer und Sonnenbrille

bewaffnet genauso souverän die postpubertären

Herausforderungen bezwingen. w

WOLFMAN

Damit Tanzbeine kräftig

schwingen, sorgen Wolfman

dieses Mal als DJ-Set für (H)Ach

und Krach. Das Zürcher Duo ist

sozusagen das Alpha und Omega der

hiesigen alternativen Musikszene und

wird mit uns gemeinsam den Abend

mit warmen, kantigen, weichen

und schüüli lässigen Songs

ausklingen lassen.

Es feiern mit:


ONE SENTENCE,

SUPERVISOR

Kürzlich umgarnte die

Badener Band dank ihres

Reverb-trächtigen, psychedelischen

Dark-Indie-Sounds Festivalbesucher

in der Mongolei (kein

Witz). Diesen September erscheint

ihr neustes Album («Acedia»),

vielleicht werden uns an der

Feier ein paar Häppli davon

serviert?

#169 | AUGUST 2019

53

ORGAN MUG

Organ Mug ist das

Anagramm zu Morgan

Hug, dem tatsächlichen Namen

des Musikers. Das Projekt ist

bloss zwei EPs und ein Debütalbum

alt. Nichtsdestotrotz gelingt es dem

Lausanner, gekonnt und wagemutig

elektronische Geräusche, die

manchmal wild klirren, in eine

sphärische Geräuschkulisse

einzubetten.

LORD KESSELI

AND THE DRUMS

Ursprünglich waren

Dominik Kesseli und

Michael Gallusser Mitglieder der

Mundartband Stahlberger. 2014

entschieden sich die beiden, die

Leichtigkeit eines Betonblocks als

Grundästhetik anzunehmen und

fordern seither die Zuhörerschaft

mit ihrer subversiver Mystik

heraus.


AUSGEHEN

14.7. - 8.9. Kunsthalle (Winterthur)

ART

RACHEL MACLEAN

27.8. - 1.9. Kaserne (Basel)

WER HAT ANGST

VOR NIKETOWN?

ART

#169 | AUGUST 2019

54

Als hätte man eine «Black Mirror»-Episode durch eine Zuckerwattenmaschine

gedreht: Die Werke der schottischen Multimediakünstlerin Rachel

Maclean sind knallbunte Spektakel, die trotz süsser Inszenierung nicht mit

scharfer Gesellschaftskritik geizen. So auch ihr jüngstes Projekt «Make Me

Up», deren Protagonistinnen einer misogynen Dystopie zu entkommen

versuchen. Die amüsant groteske Satire ist in der Kunsthalle Winterthur in

einer 45-minütigen Spezial-Installation zu bestaunen. (rec)

In Sneakern der Revolution entgegen: Nicht erst

seit dem Werbe-Engagement des ehemaligen

NFL-Spielers Colin Kaepernik – dessen Weigerung,

für die Nationalhymne aufzustehen und

damit gegen rassistische Polizeigewalt zu protestieren

weltweit für Schlagzeilen sorgte – versteht

es Nike, Branding und Politik ineinander

zu verstricken. Was für Risiken und Chancen

diese Strategie mit sich bringt,

will diese Theaterperformance

mit cleveren

Stilmitteln auf die

Bühne bringen.

Just go see it!

(rec)

17.8. Fondation Beyeler (Basel)

sun.set MIT CARL CRAIG

BPM

Wenn ein Dayrave im Park der Fondation

Beyeler stattfindet – immerhin eines der

namhaftesten Museen für Gegenwartskunst

des Landes –, dann stehen da

selbstverständlich nicht DJ Sangria und

Hansi van der Hardstyle hinter den Plattendecks,

sondern ausschliesslich Vertreter

der gehobenen Techno-Schöpfung. Für

den August hat die sommerliche Party-Reihe

Carl Craig gewinnen können, einen der renommiertesten

Namen im Geschichtsbuch für

elektronische Musik. Diese Detroiter Legende

vor so malerischer Kulisse zu erleben, dürfte

eines der grossen Ausgeh-Highlights des

Sommers werden. (rec)


9. - 11.8. Rote Fabrik (Zürich)

LETHARGY MIT HAAi

BPM

FÜR DIE

SAUBERE

ERINNERUNG.

Jede erfolgreiche Veranstaltung

beginnt im Kopf – mit

einem klaren Konzept und

einer sauberen Planung.

Früher war die Aufteilung klar: Nach der Street Parade

gingen alle aufgekratzten Leuchtstabschwinger

mit weissen Jeans an die Energy ins Hallenstadion

zum After-Rave. Die schluffigen Cool Kids dagegen

radelten zur Lethargy in die Rote Fabrik, wo zur

künstlerisch etwas anspruchsvolleren Nachfeierei

geladen wurde. Der Energy ist inzwischen der Saft

ausgegangen, die Lethargy hat sich dagegen zum

eigenen mehrtägigen Festival während der Street

Parade entwickelt. Und auch in diesem Jahr lassen

sich dort am Rande der grössten Technoparty

der Welt mitunter einige der spannendsten Acts

der gegenwärtigen Electronica-Szene entdecken

(na ja, und Stephan Eicher ist auch dort). Absolut

nicht zu verpassen gilt es dabei das Set von HAAi.

Die gebürtige Australierin mit Wahlheimat London

legte in den vergangenen Monaten einen phänomenalen

Aufstieg hin und gewann unter anderem

den Award «Essential Mix of the Year 2018» von der

BBC, indem sie unter anderem so prominente Mitkandidaten

wie Four Tet und Ricardo Villalobos ausstach.

HAAi gelingt es meisterhaft, weltmusikalische Elemente

wie Thai-Funk und Afrobeats mit zeitgenössischem

Techno zu verbinden und dabei einen eklektischen

Sound zu schaffen, der einen geradezu auf

die Tanzfläche zwingt. Neben gefeierten Sets wie am

Glastonbury lieferte HAAi zuletzt auch ihre Debüt-EP

«Motorik Voodoo Bush Doof Musik» auf dem eigenen

Label Coconut Beats ab. Und so hinreissend der Titel

des Releases ist, so viel Spass macht auch das Zuhören

– erst recht, wenn man sich dazu an der Lethargy

die Nacht um die Lauscher schlägt. (rec)

Das sorgt für eine

saubere Stimmung,

die lange über

die Veranstaltung

hinaus in Erinnerung

bleibt.

Zu sehen

auch unter

draeksak.ch

Düring AG Ebikon

Ronmatte 9 | CH-6030 Ebikon

Telefon 041 445 12 12

info@duering.ch | duering.ch


AUSGEHEN

30.8. Dynamo (Zürich)

#169 | AUGUST 2019

9. - 17.8. Stall 6 (Zürich)

ZIGIROOM

BPM

Die Zigiroom-Partys im Stall

6 gehören inzwischen so

sehr zum typischen Züri-Sommer

wie eine überfüllte Letten-Badi

und die Warteschlange

vor der Gelateria di Berna.

Vier Mal gibt es in diesem Jahr

noch einmal die Gelegenheit zum

Mitfeiern mit den DJs Sentiment

(9.8.), Divercity (10.8.) sowie Jamira

Estrada & Piaggo Ciao Boys

(16.8). Zur Closing Party (17.8.)

rollt dann Zwinglis Favorite Träpper

Lil Bruzy (Bild) mit hoffentlich

inzwischen wiedergefundenem

Trottinett in da Haus fürs grosse

Abschlusskonzert. (rec)

GIG

FIDLAR

Skateboards bitte in Richtung Dynamo ausrichten und lostreten. Zwar haben

sich Fidlar auf ihrem neuen Album «Almost Free» – dem dritten in

ihrer zehnjährigen Geschichte – vermehrt vom lupenreinen Skater-Punk

ab- und dem schluffigen Slacker-Pop zugewendet, dabei von ihrer sympathischen

Attitüde aber nix eingebüsst. Dementsprechend fühlt man

sich auch bei neuen Songs wie «By Myself» noch immer, als würde man

gerade am Venice Beach gegen eine Halfpipe lehnen und in die Sonne

von Fidlars kalifornischer Heimat blinzeln. (rec)

56

6.9. Viadukt (Zürich)

VIADUKTNACHT

YUM

Trinken, tanzen, tafeln – alles möglich in beliebiger Reihenfolge an der 9. Viaduktnacht in Zürich-West.

Die Shopping- und Kulturmeile unter den Bögen der Eisenbahnbrücke putzt sich

an diesem Abend besonders hübsch heraus und präsentiert ihr gesamtes Angebot, unter

anderem mit zahlreichen Degustationsstationen für internationale Cuisine. Für Livemusik ist

auch gesorgt, nämlich durch Cheibe Balagan. Die Klezmerband sorgt allerorts für Ekstase, ob

auf weltweiten Bühnen oder dem Soundtrack vom Filmhit «Wolkenbruch». (rec)


14.8. X-TRA (Zürich)

EELS

GIG

«The deconstruction has begun, time for me to fall apart»

singt Mark Oliver Everett – oder schlicht E – auf dem Titelstück

seines letztjährigen Albums «The Deconstruction».

Mit seinem Zerfall lässt sich der Frontmann der Eels

aber hoffentlich noch etwas Zeit, auch wenn seine

Band nun schon ein Vierteljahrhundert Bestandesgeschichte

auf dem

Buckel hat. (Haben

Aale überhaupt Buckel?

Ja? Einfach sehr

glitschige? Anyway.)

Überhaupt klingt E

auf «The Deconstruction»

stellenweise

so gut gelaunt

wie noch

selten in seiner

Karriere – man

höre sich nur Songs

wie «Today Is The

Day» an und verdrücke

beim dazugehörenden

Musikvideo

ein verzücktes Tränchen. Dabei zeichnete das Werk

der Eels auch immer aus, in was für schroff-charmante

Klagelieder E seinen Schmerz verwandeln

konnte. Und an Schmerz hat

es E – Schwester beging Suizid, Mutter

starb an Krebs, die Cousine stürzte in

einem der Flugzeuge von 9/11 ab,

zwei Scheidungen – noch nie

gemangelt. Dementsprechend

umfangreich ist auch das Werk der

Eels und nicht wenige der Platten

(«Blinking Lights and Other Revelations»,

«Electro-Shock Blues») zählen

mit zum Besten, was das Genre

Indie-Rock in den vergangenen Jahren

hervorgebracht hat. Und deshalb gilt:

Ob in guten oder schlechten Zeiten, einen

Gig der Eels sollte man sich auf keinen Fall

entgehen lassen. Erst recht, wenn es nach

fünf Jahren Pause wieder das erste Mal ist,

dass die Band auf eine Schweizer Bühne

schlängelt. (rec)


The

CONTRIBUTORS DIESER AUSGABE

www

_________________________________

www

(aka Superschatzis of the Month)

wwwwwwwwww

#169 | AUGUST 2019

58

SASCHA GALA MIKIC u

Wenn Sascha nicht gerade hinter dem Tresen

des El Lokals von existenziellen Krisen übermannt

wird, während des Snowboardens

wieder mal eine Gehirnerschütterung erleidet

oder um vier Uhr morgens ihre letzten Almosen

für riesige Discokugeln verballert, bereitet

sie sich auf ihr Studium in Medien und Kultur

in Amsterdam vor. Bis zum Studienanfang wird

sie die Redaktion weiterhin mit verspätet abgegebenen

Artikeln plagen (sorry, Michael).

APROPOS LIEBLINGS-

PERSONAL: JOIN OUR GÄNG!

t NYA

Es ist ja mitunter zu lesen, dass Printjournalismus vor die Hunde

geht. Ist natürlich absoluter Quatsch. Er geht vielmehr vor

die Katzen. Genauer gesagt: diese Katze. Nya ist das Gspüsi-Büsi

von unserem Anzeigenverkaufsbub und Videospieltester

Rainer. Für diese Ausgabe führten wir ihr den Kinotrailer

zu «Cats» vor und hielten darauf ihre Reaktion fest. Wann

steht eigentlich die nächste Pulitzer-Verleihung an? Anyway.

In ihrer Freizeit streift Nya am liebsten durch ihre Hood in Wollishofen

und leckt sich am Hintern. Wir sind bisschen neidisch.

...und was wir sonst

noch gerne so ins

Heft gepackt hätten,

aber aus was

für Gründen auch

immer nicht mehr

geschafft haben:

wwwwwwwwww

Sie hat uns den Frühling

mit Tracks wie «Waveboy»

ordentlich versüsst. Jetzt ist

Mia Morgans Debüt-EP «Gruftpop»

draussen und sorgt für

Nachschub in Sachen dreamy

Deutsch-Indie-Pop (und ja,

bisschen Gruft schwingt auch

mit, Fans von Joy Division &

Co. müssen aber ganz genau

die Ohren spitzen).

Netflix hat bekanntlich einige

starke Anime-Eigenproduktionen

wie «Castlevania»

und «Aggretsuko» am Start.

Nun dürfen sich Fans der

japanischen Animationskunst

auch auf die Doku «Enter the

Anime» freuen, die ab dem 5.

August beim Streamingdienst

laufen wird.

Demnächst neigt sich der überaus formidable Lauf

unserer Redaktionspraktikantin Marietta dem Ende

entgegen. Wir suchen deshalb eine Nachfolgerin

oder einen Nachfolger. Du schreibst gut und gerne,

steckst womöglich gerade in einem entsprechenden

Studium (aka «Irgendwas mit Medien») und

würdest dich gerne für ein paar Monate unserer

Squad anschliessen? Schicke uns deine Bewerbung

an redaktion@rockstar.ch und vielleicht spielen wir

schon bald gemeinsam Leg-, äh, machen wichtig

Business und so.

So. Fertig. Für mehr RCKSTR besuche uns auf:

@rckstr_magazine bei Instagram

@ROCKSTARmag bei Facebook

rockstar.ch in deinem Browser

Die nächste Augabe erscheint am 6. September ♥

Hat uns leider erst erreicht, als

die Ausgeh-Rubrik schon fertig

war: Vom 8. bis 10. August

steigt im Skatepark Näfels

die Beton Chilbi. Und wir

würden dich nicht nach Näfels

schicken, wenn das nicht ein

ganz besonders kleines’n’feines

Festival wäre (mit u.a. The

Monsters und Kotzfrucht).

Den Soundtrack von

RCKSTR #169 hören:

rockstar.ch/spotify


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