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#169 | AUGUST 2019

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(HEIM)KINO

Once Upon A Time

In Hollywood

Charlie und die

schockierte

Traumfabrik

Im neuen Film von Quentin Tarantino gehen

auch die mordenden Anhänger von Charles

Manson um. Seit Jahrzehnten werden die Gräueltaten

der sogenannten «Family» künstlerisch

verarbeitet – in sehr unterschiedlicher Qualität.

Wir werfen einen Blick in die Abgründe vom Manson

Cinematic Universe. (rec)

Wie wir im Verkehrshaus Luzern gelernt haben (siehe Seiten 32/33), landeten

am 16. Juli 1969 die Amerikaner als erste Menschen auf dem Mond und beförderten

die Welt und insbesondere die eigene Bevölkerung in ein kollektives High.

Es brauchte also schon ein ganz dickes Bündel bad news, um diesen gesellschaftlichen

Höhenflug zurück auf den harten Boden crashen zu lassen. Und tatsächlich dauerte

es nur wenige Wochen: Am 9. August des gleichen Jahres erschütterte eine brutale

Mordserie in Hollywood die Nation. Innerhalb von zwei Tagen fielen sieben Menschen – darunter

die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate – den Taten einer Bande zum Opfer,

die sich schnell als Mitglieder einer fanatischen Gefolgschaft um Charles Manson herausstellten.

Der gescheiterte Folksänger und Kleinganove lebte zu dieser Zeit auf einer abgelegenen Farm in

Kalifornien, scharte eine Handvoll jugendlicher Ausreisser um sich und stachelte einige von ihnen mit

der Prophezeiung eines anstehenden Rassenkrieges («Helter Skelter») zu den perfide inszenierten Hinrichtungen

an. Die Tate-LaBianca-Morde trafen das in glamouröser Dekadenz lebende Hollywood mitten ins Herz

und fühlten sich an wie das ohrenbetäubende Plattennadel-Abrutschen während einer Hippie-Party.

EIN WAHNSINNIGER MACHT WELTKARRIERE

Charles Manson und vier seiner Handlanger wurden zunächst zum Tode und später zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, 2017 verstarb

der selbsternannte Guru im Alter von 83 Jahren – als Pop-Ikone für Amerikas düsterste Seite. Denn was er nicht durch seine Musik erreichte, gelang

Manson durch das Blutvergiessen seiner Family: Weltberühmtheit. Schnell entstand nach seiner Verurteilung ein noch viel mächtigerer Personenkult

um jenen Mann, dessen verschrobenes Weltbild die «Love & Peace»-Generation ins scheinbare Upside Down gestürzt hatte. Die Sensationsgier des

Publikums war geweckt und Hollywood – eben noch in seinem Glanz verwundet – warf den Exploitations-Motor an. Bereits 1971 erschien «The Other

Side of Madness», eine hastig produzierte Pseudo-Doku mit nachgestellten Mordszenen. Zumindest ein klein wenig mehr Feingefühl liess «Manson»

zwei Jahre später walten und wurde sogar für einen Academy Award in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm» nominiert.

SEKTENFÜHRER MIT SIXPACK

Auch Manson selber hatte schon bald die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge öffentlich zu erörtern. So kursierten ab 1989 die VHS-Videokassetten

«Charles Manson Superstar», auf denen der Inhaftierte in scheinbar endlos langen Interviews seine wirren Tiraden in die Kamera labern durfte. Derweil

mimten bald schon Dutzende Schauspieler in Film- und TV-Produktionen seinen Part – darunter Bob Odenkirk («Better Call Saul») in Sketches

von «The Ben Stiller Show» oder Gethin Anthony («Game of Thrones») in der Serie «Aquarius», wo er von einem durch David Duchovny verkörperten

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