RCKSTR Mag. #169

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GAMES

ZWISCHEN CAMPUS UND SCHLACHTFELD

FIRE EMBLEM:

THREE HOUSES

#169 | AUGUST 2019

44

So langsam sind die Tränen über

das Finale von «Game of Thrones»

getrocknet und wir haben

uns damit abgefunden, dass einige

brennende Fragen nie beantwortet

werden. WARUM HAT DROGON

DEN VERDAMMTEN THRON ANGE-

ZÜDET!? WARUM WAR BRAN SO

EIN FUCKING NICHTSNUTZ!? Okay

- vielleicht nicht ganz abgefunden,

aber ansatzweise arrangiert. Jedenfalls

sind wir bereit für etwas

Neues und wenn die HBO-Serie das

Heroin der Popkultur war, so dürfte

«Fire Emblem: Three Houses»

in Sachen Plot zumindest als Methadon

oder ein anders Substitut

durchgehen. (rez)

VON NINTENDO • FÜR NINTENDO SWITCH

Die Geschichte dreht sich um den Kontinent von Fódlan,

wo unzählige Adelshäuser in oberflächlichem

Frieden koexistieren. Diese vermeintliche Harmonie

ist auf jahrelangen Kriegen von grössenwahnsinnigen

Herrschern aufgebaut und damit brüchiger als

die Beziehung von einem «Bachelor/ette»-Paar. Im

Mittelpunkt der Fantasy-Saga steht der Söldner Byleth,

wahlweise als Typ oder Typin anwählbar. Byleth

und sein/ihr Vater retten einigen Teenagern das Leben,

die sich später als Schüler der Officers Academy

herausstellen – einem riesigen, Hogwarts-ähnlichen

Campus für die auserwählten Elite-Kids. Aus haarsträubenden

Gründen wird Byleth zum Professor

an der Officers Academy und unterrichtet fortan

eins der namensgeben drei Häuser deiner Wahl. Die

Entscheidung will gut überlegt sein, denn die unterschiedlichen

Häuser entwickeln nach dem ersten Akt

ihren komplett eigenen Story-Strang. Bis dahin vergehen

allerdings einige Stunden, respektive virtuelle

Monate, in der Byleth sein/ihr Kampf- und Strategie-Wissen

weitergibt. Das passiert primär in klassischer

«Fire Emblem»-Kost auf dem Schlachtfeld, wo

du bis zu 13 Charaktere aka deine Schüler in den Einsatz

schickst und rundenbasiert auf deine Gegner loslässt. Deren individuellen Fähigkeiten müssen präzise

berücksichtigt werden. Die zierliche Heilerin hält dem Angriff eines gepanzerten Ritters nur schwer stand,

dieser wiederum hat gegen einen Magier das Nachsehen. Das unkaputtbare Schere-Stein-Papier-Prinzip

ist hier zwar nicht mehr ganz so wichtig wie in früheren Serien-Ableger, stellt aber immer noch das A und

O einer potentiell erfolgreichen Schlacht dar. Deine Recken erhalten Erfahrungspunkte und steigern ihren

Level, gleichzeitig trainieren sie ihre Waffen-Fähigkeiten. Sind diese genug ausgebaut, darf die Profession

gewechselt werden. Der Ritter wird so zum Drachenreiter, der Schwertkämpfer zum flinken Assassinen –

Fantasyzeugs eben.

VIEL BLAH BLAH, NOCH MEHR EPIK

Genauso wichtig ist der schulische Alltag an der Officers Academy. Hier werden deine Schützlinge individuell

trainiert, kleinere Side-Quests erfüllt und vor allem getratscht. Die Studenten sind allesamt tief ausgearbeitete

Charaktere mit einer eigenen Meinung und Motivation und ohne zu viel zu Spoilern: Einige werden

dir das Herz brechen. Die zahlreichen Dialoge sind dabei ein zweischneidiges

Schwert. Einerseits sind sie hervorragend vertont, gleichzeitig werden

sie dermassen undynamisch präsentiert, dass es sich anfühlt, als hätte man

ein sprechendes Bilderbuch vor Augen. Längere Unterhaltungen werden damit

schnell zum Schnarchfest, vor allem wenn zum wiederholten Mal über

irgendwelche kriegsgeilen Lords und Ladies gelabert wird, die bestenfalls

eine Randnotiz wert wären. Ebenfalls etwas irritierend ist der ambivalente

Schwierigkeitsgrad, der nach einem knackigen Start ziemlich absackt und

dem eigentlich herausfordernden «Fire Emblem»-Standard, nicht gerecht

wird. Auf der blütenweissen Weste von «Fire Emblem: Three Houses» sind

das aber die einzigen Kleckse, die dazu angesichts des absurd grossen Umfangs

des Spiels rasch verblassen. Taktik-Generäle sind mit Nintendos neuem

Epos locker 200 Stunden beschäftigt – die Self-Care-Pausen nach dem Tod

eines sympathischen Charakters nicht miteingeschlossen.

wwwwv

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