RCKSTR Mag. #169

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AUSGEHEN

30.8. Bogen F (Zürich)

18 JAHRE IRASCIBLE

GIG

#169 | AUGUST 2019

52

Die Schweizer Indie-Institution Irascible wird volljährig. Wir werfen einen

Blick auf seine turbulente Vergangenheit – und einen in die verheissungsvolle

Zukunft.

von Sascha Gala Mikic

2001, das Jahr in dem Steve Jobs in einer Pressekonferenz

den iPod vorstellte, Jennifer Lopez einen

Hit nach dem anderen feierte und der Vertrieb Irascible

in Lausanne ins Leben gerufen wurde. Letzteres

entsprang einer Idee von Renaud Meichtry.

Er spielte in einer Metalband namens Kruger und

hatte es sich zur Aufgabe gemacht, französischen

Metal in die Schweiz zu importieren. Die Idee wurde

Irascible getauft, übersetzt bedeutet das «jähzornig»

oder «reizbar» – ein durchaus passendes Adjektiv

für Metal-Musik. Anfangs beschäftigte man

sich wortwörtlich mit Botenhandel bzw. der Distribution

von Platten und CDs von Labels oder Bands

zu den Musikgeschäften. 2007 expandierte Irascible

zur Agentur: Man begann, Promotionsarbeit

für aus- und inländische Acts zu leisten. Fabienne

Schmuki, die ab 2014 zusammen mit Christian

Wicky die Geschäftsleitung übernahm, sorgte zu

diesem Zeitpunkt mit ihrem damaligen Mitarbeiter

Jonathan Winkler dafür, dass sich die Musikagentur

zu einem festen zweiten Standbein entwickelte.

Digital? Check!

«So weit, so gut», würde man meinen. Doch schon

bald klopfte der Wandel in Form der Digitalisierung

an der Tür und man entkam ihm nicht ohne aufgeschürfte

Knie: Das vermehrte Aufkommen von Piraterie

und die neue Art, Audiodateien im Internet zu

übertragen, führten dazu, dass die Verkäufe zwischen

2005 und 2011 massiv stagnierten. Da das

Musikstreaming zu diesem Zeitpunkt noch nicht

rentabel war, die Masse an Platten, CDs etc. im Lager

aber nicht schrumpfen wollte und Unsicherheit

darüber herrschte, ob sich der Tonträgerverkauf je

wieder erholen würde, musste sich auch Irascible

unangenehmen Fragen stellen: Soll der Vertrieb

komplett aufgelöst werden? Und sich stattdessen

auf neue Geschäftsfelder konzentrieren? «Keep on

keeping on», lautete das Mantra – man entschied

sich, die Ärmel hochzukrempeln und weiterzumachen.

Musikalisches Multitasking

Die Belohnung für die Ausdauer folgte tatsächlich:

Streaming begann sich langsam aber sicher als profitabel

zu erweisen, grössere unabhängige Labels,

allen voran Domino Records aus England, wechselten

ihren Schweizer Vertrieb und grössere internationale

Promotion-Mandate wie Björk oder Deichkind

flatterten herein. Man stand wieder mit beiden

Beinen auf dem Boden und war sogar in der Lage,

eine weitere Dienstleistung zu kreieren: das Musiklabel.

Sechs Bands sind bislang unter die Fittiche

genommen worden, darunter Wolfman und One

Sentence. Supervisor. Dadurch, dass der Kreis an

Bands überschaubar bleibt, kann die Zusammenarbeit

viel familiärer gestaltet werden. Was nicht

grundsätzlich bedeutet, dass nicht mehr Bands

aufs Label genommen werden – aber unter einer

Bedingung, wie Fabienne bemerkt: Der Frauenanteil

muss erhöht werden, denn unter sämtlichen

Musikerinnen und Musikern, die sich auf Irascible

Records befinden, sind gerade mal zwei Frauen.

Indie & international

Weitere Zukunftspläne beinhalten das internationale

Vernetzen sowie die internationale Promotion

für Schweizer Bands. Dadurch erhofft man sich

insbesondere mehr Live-Auftritte im Ausland. Eine

weitere Herausforderung besteht in der sich wandelnden

Medienlandschaft. Für eine gute PR-Arbeit

ist die Kooperation mit den Medien das A und

O, doch die Kanäle schrumpfen und das hiesige

private und öffentlich-rechtliche Radio fügt sich

grösstenteils Mainstreamtauglichem. Zwar bleiben

ein paar wenige Felsen in der Brandung, wie zum

Beispiel Couleur 3 in der Westschweiz oder die Indie-Radios

wie Kanal K, Radio 3fach, Grrif und GDS.

FM. Doch in den Massenmedien ist Musik mit Ecken

und Kanten, so wie sie Irascible gerne vertritt, nicht

wirklich angesagt.

Volljährig und in Feierlaune

Jedoch ist Irascible nun volljährig. Es hat Haare

auf den Zähnen und schlug sich wacker durch die

Höhen und Tiefen turbulenter Teenager-Zeiten. Es

ist eines der Grossen unter den Kleinen geworden.

Dieser Meilenstein muss richtig krachend gefeiert

werden und zwar am 30. August im Bogen F, zusammen

mit den Geschwistern Organ Mug, One

Sentence. Supervisor, Lord Kesseli and The Drums

sowie Wolfman und am 11. September im Le Bourg

in Lausanne mit MORSE und Blind Butcher. Und

danach wird Irascible mit Alka-Seltzer und Sonnenbrille

bewaffnet genauso souverän die postpubertären

Herausforderungen bezwingen. w

WOLFMAN

Damit Tanzbeine kräftig

schwingen, sorgen Wolfman

dieses Mal als DJ-Set für (H)Ach

und Krach. Das Zürcher Duo ist

sozusagen das Alpha und Omega der

hiesigen alternativen Musikszene und

wird mit uns gemeinsam den Abend

mit warmen, kantigen, weichen

und schüüli lässigen Songs

ausklingen lassen.

Es feiern mit:

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