Kradblatt Ausgabe August 2019

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Reisebericht Himalaya

schönen Landschaften des südlichen

Himalaya. Da die Erde hier äußerst fruchtbar

ist, trotzen die Einheimischen Bauern

hier selbst in den steilsten Hängen und

Hochlagen noch ein paar Meter Land ab.

Kein Lärm und Dieselruß trübt hier die

Gemüter der Menschen, es hat eher den

Anschein, dass sich die erhabene Schönheit

der Landschaft in deren Gesichtern

und Gestalten widerspiegelt.

Eine Kurve reiht sich an die andere und

Natur pur erfreut das Motorradfahrerherz,

bis wir in Bajaura ins Kullu Tal einfahren,

dem wir bis Manali folgen.

Bei den vielen Foto-Pipi-Rauch-Pausen

kamen wir dort erst in der Dämmerung

an. Das tosende Rauschen des gewaltig

angeschwollenen Kulluflusses führte uns

die mächtigen Kräfte der Natur vor Augen,

die ihre ganz eigene Schönheit besitzt.

Um den Körper langsam an die Höhe

anzupassen legen wir hier in Manali auf

2000 Meter einen Ruhetag ein. So bleibt

genug Zeit sich die nähere Umgebung

anzuschauen.

Hauptattraktion sind die Jogini Falls

zu denen uns Roland voller Begeisterung

führt. Der Aufstieg ist anstrengend und

Spektakulär: das Kloster Lamayuru

schweißtreibend doch die seltene Gelegenheit

sich hinter einem gigantischen

Wasserfall hindurch zu bewegen will

sich keiner entgehen lassen. Ein Bad in

den heißen Quellen von Vashisht rundet

das Programm vorzüglich ab und auf der

Dachterrasse unseres Hotels lassen wir

uns mit dem internationalen Angebot der

Speisekarte verwöhnen.

Es sind die vorerst letzten Bierchen

die wir trinken, denn ab morgen herrscht

Alkoholverbot. Die erste Hochetappe

steht bevor und somit steigt eben auch

das Risiko für die lebensbedrohliche

Höhenkrankheit. Und da versteht unser

Tourguide eben absolut keinen Spaß mehr,

wenn es um die richtige Vorbereitung

geht, wie eben auch das Alkoholverbot

ab einer Höhe von 3500 Metern.

Es geht über den ersten richtigen Pass

mit 4000 Metern, der die Wetterscheide

zwischen der südlichen Monsun- und der

nördlichen Trockenzone bildet.

Bei der grandiosen Auffahrt am nächsten

Tag geben die hochziehenden Wolken

nur gelegentlich die Sicht frei und die

einzelnen Felsflanken ragen wie Inseln

aus dem Wolkenmeer empor. Kurz vor

dem Gipfel bekommen wir auch noch

himmlisches Geleit in Form eines Steinadlers,

dem es sichtlich Freude bereitet uns

mehrere Kilometer auf dem Weg nach

oben zu begleiten.

Die Wolkenschwaden durch die wir

immer wieder hindurch fahren schaffen

es nicht bis hoch auf den Rothangpass

(Leichen-Berg) und wie von Roland vorhergesagt

herrscht ab hier ein völlig

anderes Klima. Kristallklare Luft, blauer

Himmel und Sonnenschein überstrahlen

unsere Abfahrt in Richtung Keylong und

spätestens hier kommen unserer Offroad

Freunde so richtig auf ihre Kosten: Tiefe

Fahrspuren in dickem Schlamm, Geröll

und Wasserdurchfahrten erfordern volle

Konzentration und Körperspannung.

LKWs und Jeeps blockieren Engstellen,

deren Fahrer zu tiefe Schlaglöcher mit

herumliegenden Felsbrocken ausbessern.

In Anbetracht der mächtigen Dieselrußwolken

der aufheulenden Motoren lässt

einen die hiesige Euro 6 Diskussionen

nur noch schmunzeln.

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