Kradblatt Ausgabe August 2019

online.magazines

28

Reisebericht

Reisen erweitern den eigenen Horizont

anderem Tonfall hätten sie wesentlich

mehr bei uns erreicht, aber so nicht.

Im weiteren Verlauf der Reise überqueren

wir nun auch noch den weltweit

dritthöchsten Pass und bekommen so

unser Trippel Peak zusammen.

Entlang des Indus

in Richtung Srinagar

besuchen wir mehrere

Klöster, deren burgähnliche

Architektur

Zeiten erkennen lässt,

in denen man sich

vor den eindringenden

Islamisten aus

Kaschmir schützen

wollte.

Und dann geschieht es doch noch: drei

Esel, eine leichte Kurve und zu geringer

Abstand zum Vordermann sind die Zutaten

aus denen sich tiefgründige Erkundungen

des Straßengrabens ergeben. Die

gute Motorradklamotte mit Protektoren

verhindert Gott sei Dank größere Auas,

der gebrochene Benzinhahn hingegen

leckt unaufhörlich bis wir die Maschine

wenden. Ein Ersatzteil findet sich leider

nicht in Maksoods Zauberkiste, unseres

indischen Mechanikers. Doch er wäre

kein echter Inder, hätte er da nicht binnen

kürzester Zeit eine Lösung. Ich liebe diese

Zuversicht und sein verschmitztes Lächeln

in solchen Situationen. Wie ein guter

Doktor beruhigt er unsere Gemüter und

bestreicht die Wunde mit Sekundenkleber.

Das Ende unserer Tour ist das zwei

Tagesetappen entfernte Srinagar in

Kaschmir. Dort liegen in einem abgelegenen

Teil des Nageen Lakes drei Hausboote

im Kolonialstil, friedlich umgeben

von allerlei Blumen, und warten auf uns.

Über eine kleine Seitenroute, die unser

Guide ausfindig macht, klettern wir weiter

in der einsamen Gebirgswelt dem Kloster

Lamayuru entgegen, dessen Mauern

aus dem Lehm eines ausgetrockneten

Uhrzeitsees erbaut wurden. Ein für die

Besiedlung Ladakhs sehr bedeutsames

Kloster, das uns für die Mittagspause dient.

Es gibt, man glaubt es kaum, Kartoffelbrei

mit Röstzwiebeln und Tomatensuppe.

Auf toll ausgebauter Piste fliegen die

Landschaften an uns vorbei. Pässe, Täler,

kleinere Siedlungen mit erfrischendem

Grün, Klosteranlagen und immer wieder

Kurven, Kurven, Kurven bis wir Kargil

erreichen und hier die Religions- und Distrikt-Grenze

zu Kaschmir überschreiten.

Den Taliban ähnliche Gestalten lassen

in manch einem von uns ungute Gefühle

aufkommen, allein die Tatsache, dass hier

niemand Patronengürtel und Kalaschnikows,

trägt beruhigt uns wieder. Und

doch lassen sich hier noch deutliche Spuren

des indisch-pakistanischen Krieges

erkennen, der hier 1990 sein Zentrum

hatte. Das Hotel aber macht einen sehr

guten Eindruck, die Motorräder stehen

auf überdachtem, marmornem Parkplatz.

Die Attraktion des nächsten Tages

besteht in der Abfahrt des nicht sehr

hohen aber gefürchteten Zoji La Passes.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine