stahlmarkt 8 | 2019 (August)

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stahlmarkt 8.2019 (August)

Maenken Kommunikation GmbH

Von-der-Wettern-Straße 25, 51149 Köln

PVSt, Deutsche Post AG

Entgelt bezahlt, 3018 , ISSN 0178-6571

Informationen aus Stahlindustrie,

Stahlhandel und Stahlverarbeitung

8

August 2019

Arbeiten am Auto der Zukunft: Wohin die Reise geht (Seite 26)

Steigende Nutzung von Robotern in der Rohrfertigung (Seite 40)

Künstliche Intelligenz in europäischen Gießereien (Seite 53)

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Editorial 3

bei der voestalpine ist eine Ära zu Ende gegangen: Mit

Wolfgang Eder hat sich nun ein langjähriger Vorstandsvorsitzender

aus dem operativen Geschäft des österreichischen

Konzerns zurückgezogen (S. 56). Sein Abschiedsgeschenk

ist eine beeindruckende Bilanz: Stattliche 7,6 Milliarden

Euro hat die voestalpine unter der Ägide des 67-jährigen

Konzernlenkers verdient. Eders wohl größte Verdienste sind

seine Begleitung des erfolgreichen Börsenganges sowie die

Umwandlung eines einst heruntergewirtschafteten Staatsunternehmens

in einen zukunftsweisenden Technologiekonzern.

Keine Frage: Der Topmanager mit der markanten

Hornbrille hat nicht nur Unternehmens-, sondern auch Chefredakteur Philipp Isenbart:

Industriegeschichte geschrieben.

»Der künstlichen Intelligenz gehört die

Zukunft. Auch gerade dort, wo sie eng

Mit dem Eintritt in den Markt für rotierenden Triebwerksscheiben

startet die voestalpine gerade ordentlich im Luft-

mit dem Menschen zusammenarbeitet.«

fahrtsektor durch (S. 20). Vieles spricht dafür, dass sich die verstärkte Fokussierung der Österreicher auf die

Flugzeugbranche nicht als bloße Luftnummer erweisen wird.

Vom Himmel auf die Straße: In welche Richtung bewegt sich das Auto der Zukunft? Über die großen Entwicklungen

im Automobilbereich und die Bedeutung des Werkstoffes Stahl für das Auto von morgen

informieren wir in unserem Special »Automobil/Fahrzeuge« (S. 26). Natürlich spielt unter anderem die

künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle.

Dass der Trend zur künstlichen Intelligenz keinesfalls auf die Autoindustrie beschränkt ist, zeigen wir

ebenso in unserem Schwerpunktthema Rohre, Profile, Flansche & Co. (S. 40) wie beim Ziel zweier

Unternehmen, gemeinsam die Betriebsabläufe in Gießereien durch künstliche Intelligenz zu verbessern

(S. 53). Unser Branchenbericht beleuchtet den Robotiksektor (S. 18). So wird am Beispiel kollaborativer

Roboter deutlich: Der künstlichen Intelligenz gehört die Zukunft. Auch gerade dort, wo sie eng mit dem

Menschen zusammenarbeitet.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Philipp Isenbart

Chefredakteur

+49 2203 3584 121

stahlmarkt@maenken.com

stahlmarkt 8.2019


26

Foto: Evan Vucci/AP

Foto: Shutterstock

STEEL INTERNATIONAL

AUTOMOBIL/FAHRZEUGE

Bei amerikanischen Stahlarbeitern stößt US-Präsident Donald

Trump auf offene Ohren für Einfuhrzölle auf Stahl. An der Wall

Street wachsen hingegen die Zweifel, ob Importzölle ein

Heilmittel für die Stahlindustrie sind.

Hochfeste Stähle helfen, steigende Anforderungen an neue

Fahrzeugmodelle zu erfüllen. Vor allem bei der Karosserie setzen

die Großserienhersteller nach wie vor auf den Werkstoff Stahl,

wie auch bei diesem Wagenrahmen.

INHALT 8.2019

KURZ & KNAPP

8 Lingemann Stahlgroßhandel fusioniert

mit Stahlkontor

8 Westeisen künftig unter dem Dach von

Hofmann-Rieg

9 China verhängt Zölle für Edelstahl-Importe

auch aus der EU

9 Türkei: 2018 größter Stahlexporteur in die EU

SEITENBLICK

10 Eigene Potenziale ausschöpfen

STAHLSTANDORT DEUTSCHLAND

12 Neues Verfahren im Strangguss

14 Fit für den Extremeinsatz

BRANCHENBERICHT

18 Robotik- und Automationssektor wächst weiter

STEEL INTERNATIONAL

20 voestalpine: High-Tech-Auftrag von Rolls-Royce

22 Einfuhrzölle sind kein Allheilmittel für

die US-Stahlindustrie

GUT ZU WISSEN

24 Insolvenzen in Deutschland weiterhin rückläufig

AUS DEN UNTERNEHMEN

46 GKD: Weichenstellung für die Zukunft

48 Schaeffler veröffentlicht Nachhaltigkeitsbericht

stahlmarkt 8.2019


40

53

Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann

Foto: DataProphet

ROHRE, PROFILE, FLANSCHE & CO.

AUS DER PRODUKTWELT

Roboter bei der Arbeit: Nicht nur bei der Produktion von

Doppeldrehfedern (Bild) gelten Roboter als besonders zuverlässig

und präzise, sondern auch beim Schweißen, Biegen und Trennen

oder dem Transport und der Ablage von Rohren.

Ein Hersteller von künstlicher Intelligenz und ein

Automatisierungs-Spezialist wollen künstliche Intelligenz in

europäische Gießereien bringen. Dadurch sollen die dortigen

Betriebsabläufe messbar optimiert werden.

STAHLKULTUR

50 Die Kunst der wogenden Linie –

das Marta Herford

AUS DER PRODUKTWELT

53 Künstliche Intelligenz in europäischen Gießereien

RUBRIKEN

6 Weltrohstahlproduktion

54 StahlTermine

55 Veranstaltungen/Inserentenverzeichnis

56 Personalien

57 Firmenschriften

58 Vorschau/Impressum

SPECIAL

AUTOMOBIL/FAHRZEUGE

26 Arbeiten am Auto der Zukunft:

Wohin die Reise geht

36 Perfekt entfettete Teile für die Automobilindustrie

ROHRE, PROFILE, FLANSCHE & CO.

38 Schoeller Werk kauft AK Feinrohr

39 Starke Partner für die Blechbearbeitung

im Stahlbau

40 Steigende Nutzung von Robotern

in der Rohrfertigung

stahlmarkt 8.2019


6 Weltrohstahlproduktion

Weltrohstahlproduktion 1) im Juni 2019

Belgien 720 e 660 9,1 4 189 4 029 4,0

Bulgarien 50 e 63 -20,0 291 347 -16,0

Deutschland 3 405 3 617 -5,8 20 717 21 830 -5,1

Finnland 287 345 -16,8 1 938 2 114 -8,3

Frankreich 1 310 1 267 3,4 7 702 7 978 -3,5

Griechenland 125 e 140 -10,7 761 776 -1,9

Großbritannien 618 715 -13,5 3 800 3 910 -2,8

Italien 2 086 2 140 -2,5 12 561 12 819 -2,0

Kroatien 0 e 9 -100,0 48 52 -7,8

Luxemburg 195 e 201 -3,0 1 186 1 171 1,2

Niederlande 515 582 -11,5 3 438 3 532 -2,7

Österreich 632 474 33,4 3 963 3 822 3,7

Polen 780 e 840 -7,1 4 912 5 223 -6,0

Schweden 362 398 -9,0 2 558 2 550 0,3

Slowenien 54 57 -5,7 331 352 -5,8

Spanien 1 210 1 183 2,3 7 418 7 420 0,0

Tschechien 398 433 -8,0 2 448 2 506 -2,3

Ungarn 122 165 -26,1 936 997 -6,1

Weitere EU-Länder (28) (e) 920 e 932 -1,2 5 548 5 505 0,8

Europäische Union (28) 13 790 14 219 -3,0 84 744 86 933 -2,5

Bosnien-Herzegowina 75 e 1 5023,0 450 239 88,2

Mazedonien 25 37 -33,1 133 131 1,6

Norwegen 58 53 9,8 328 298 10,1

Serbien 171 180 -5,3 1 033 997 3,6

Türkei 2 698 3 032 -11,0 16 994 18 912 -10,1

Europa außer EU 3 026 3 303 -8,4 18 938 20 577 -8,0

Kasachstan 385 e 387 -0,5 2 015 2 326 -13,4

Moldawien 45 e 43 4,7 206 275 -25,1

Russland 5 875 e 6 029 -2,6 35 757 36 010 -0,7

Ukraine 1 659 1 711 -3,0 10 930 10 391 5,2

Usbekistan 45 e 60 -25,0 278 327 -15,0

Weißrussland 220 e 217 1,4 1 306 1 143 14,3

C.I.S. (6) 8 229 8 447 -2,6 50 492 50 472 0,0

El Salvador 8 e 7 11,0 49 47 4,2

Guatemala 25 e 23 6,6 149 145 2,7

Kanada 970 e 1 050 -7,6 5 834 6 544 -10,9

Kuba 15 e 16 -8,1 103 103 0,4

Mexiko 1 580 e 1 738 -9,1 9 650 10 430 -7,5

USA 7 276 7 057 3,1 44 345 42 059 5,4

Nordamerika 9 874 9 892 -0,2 60 129 59 327 1,4

Argentinien 412 414 -0,4 2 319 2 550 -9,0

Brasilien 2 823 2 913 -3,1 17 243 17 482 -1,4

Chile 75 e 76 -1,4 443 534 -17,1

Ecuador 50 e 48 4,5 302 290 4,1

Kolumbien 90 e 105 -14,5 506 572 -11,5

Paraguay 1 e 2 -35,9 7 8 -4,0

Peru 105 e 103 2,4 608 606 0,4

Uruguay 4 e 5 -12,4 28 27 1,1

Venezuela 3 e 12 -75,0 34 93 -63,6

Südamerika 3 563 3 676 -3,1 21 491 22 162 -3,0

Ägypten 725 e 642 12,9 4 315 3 799 13,6

Libyen 54 36 51,5 280 184 52,5

Südafrika 454 e 547 -17,0 3 133 3 197 -2,0

Afrika 1 234 1 225 0,7 7 729 7 180 7,6

Iran 2 165 e 2 040 6,1 12 788 12 110 5,6

Katar 231 225 2,6 1 289 1 316 -2,1

Saudi-Arabien (1) 425 e 460 -7,5 2 583 2 545 1,5

Vereinigte Arabische Emirate 287 279 2,8 1 652 1 585 4,2

Mittlerer Osten 3 108 3 004 3,4 18 312 17 557 4,3

China 87 533 79 585 10,0 492 169 447 825 9,9

Indien 9 336 8 976 4,0 56 959 54 230 5,0

Japan 8 789 8 750 0,4 51 082 52 967 -3,6

Pakistan 280 e 442 -36,7 1 649 2 514 -34,4

Südkorea 5 958 6 116 -2,6 36 445 36 060 1,1

Taiwan, China 1 960 e 1 966 -0,3 11 552 11 425 1,1

Thailand 415 e 589 -29,6 2 151 3 311 -35,0

Vietnam (2) 1 350 e 1 252 7,8 8 170 6 215 31,5

Asien 115 622 107 676 7,4 660 176 614 547 7,4

Australien 476 507 -6,2 2 719 2 923 -7,0

Neuseeland 58 52 12,6 335 327 2,5

Ozeanien 534 559 -4,4 3 054 3 250 -6,0

Gesamt (64 Länder) (3) 158 978 152 002 4,6 925 064 882 005 4,9

1)

nur HADEED

2)

Teildaten, 75 % des Gesamtbetrages e – geschätzt

3)

Die an worldsteel berichtenden Länder repräsentieren etwa 99 % der Weltrohstahlproduktion 2018 in 1.000 t.

Juni Juni % Veränd. 6 Monate Veränderung

2019 2018 Juni 19/18 2019 2018 in %

stahlmarkt 8.2019


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8 Kurz & knapp

Foto: Shutterstock

Gehen gemeinsame Wege: Lingemann Stahlgroßhandel und Stahlkontor fusionieren.

stahlmarkt 8.2019


Kurz & knapp 9

Nichtrostender Walzstahl

Foto: shutterstock

Foto: shutterstock

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

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stahlmarkt 8.2019


10

SEITENBLICK

Eigene Potenziale ausschöpfen

Die Beschäftigung ist auf Rekordniveau. Unternehmen, die Fachkräfte suchen, werden nur noch selten auf dem

Arbeitsmarkt fündig. Also gilt es, sich auf die bereits beschäftigten Mitarbeiter zu konzentrieren.

Qualifizierungsmaßnahmen und flexible Arbeitszeitmodelle können dazu beitragen, den Mangel an Fachkräften zu

beheben.

Von unserem Autor Stefan Weber

IT-Spezialist bei der Arbeit. Fast alle Top-10-Engpassberufe für Personen mit

abgeschlossener Berufsausbildung sowie für Akademiker sind männertypische Berufe

aus dem gewerblich-technischen beziehungsweise naturwissenschaftlichen Bereich.

Politik, Sozialpartner, Unternehmen und

Bildungsinstitutionen haben in den vergangenen

Jahren eine Menge unternommen, um

dem Mangel an Fachkräften zu begegnen.

Nicht ohne Erfolg: Die Zahl der Studienanfänger

in den MINT-Fächern (also Maschinenbau,

Informatik, Naturwissenschaften und Technik)

ist gestiegen. Zudem schafft das reformierte

Einwanderungsgesetz neue Möglichkeiten,

Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben und

auch das Ausbildungsangebot in Engpassberufen

ist zuletzt deutlich größer geworden.

Aber all das reicht nicht aus. Viele Unternehmen

müssen Aufträge ablehnen oder ihre

Kunden um Wochen und Monate vertrösten,

weil ihnen das Personal fehlt, um Aufträge

zügig abzuarbeiten. Oder, schlimmer noch,

sie müssen sich gar um ihre Existenz sorgen,

weil es an geeignetem Nachwuchs fehlt. Mit

der zu erwartenden weiteren Abschwächung

der Konjunktur wird sich das Problem nicht

lösen. »Der Fachkräftemangel ist kein konjunkturelles

Phänomen, sondern strukturell

bedingt. Sinkende Auftragseingänge werden

nicht dazu führen, dass sich die Situation entspannt«,

betont Stefan Heidbreder,

Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.

Was also ist zu tun? Das Institut der deutschen

Wirtschaft (IW) Köln hat vor Kurzem

in einer »Engpassstudie« untersucht, wo

noch unerschlossene Potenziale auf dem

Arbeitsmarkt liegen. Dabei haben die Forscher

solche Tätigkeiten als »Engpassberuf«

definiert, bei denen weniger als 200 Arbeitslose

auf 100 gemeldete offene Stellen kommen.

Wenn sogar weniger als 100 Arbeitslose

100 gemeldeten offenen Stellen gegenüberstehen,

sprechen sie von »starken Engpässen«.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass

Unternehmen nach Beobachtung des Instituts

für Arbeitsmarkt und Berufsforschung

(IAB) nur etwa jede zweite unbesetzte Stelle

auch bei der Bundesagentur für Arbeit (BA)

melden. Wer meint, es gebe nur in wenigen,

hoch spezialisierten Berufen ein Missverhältnis

zwischen Angebot und Nachfrage, irrt

»»Wer meint, es gebe nur in wenigen, hoch spezialisierten Berufen ein Missverhältnis

zwischen Angebot und Nachfrage, irrt gewaltig. Bemerkenswert ist,

dass es vor allem bei geschlechtstypischen Tätigkeiten einen Angebotsüberhang

gibt.

gewaltig: 2018 herrschten in 391 der 753

vom IW betrachteten Berufen Fachkräfteengpässe.

Knapp 80 Prozent aller Stellen,

die Unternehmen bei der BA gemeldet hatten,

waren in Engpassberufen ausgeschrieben.

Im Jahr 2010 hatte diese Quote lediglich

26 Prozent betragen. Bemerkenswert ist,

dass es vor allem bei geschlechtstypischen

Tätigkeiten einen Angebotsüberhang gibt,

Fotos (2): Shutterstock

stahlmarkt 8.2019


11

das heißt in Berufen, die entweder überwiegend

von Frauen oder überwiegend von

Männern ausgeübt werden. Fast alle

Top-10-Engpassberufe für Personen mit

abgeschlossener Berufsausbildung sowie für

Akademiker sind männertypische Berufe aus

dem gewerblich-technischen beziehungsweise

naturwissenschaftlichen Bereich. Bei

Mechatronikern, Bauelektrikern, elektrischen

Betriebstechnikern oder Automatisierungstechnikern

(allesamt männertypische

Berufe) kommen höchstens 28 Arbeitslose

auf 100 gemeldete Stellen. Das bedeutet:

Selbst wenn alle vakanten Stellen der BA

gemeldet wären und Arbeitslose eine uneingeschränkte

Mobilität aufwiesen, könnten

72 von 100 Stellen nicht durch Arbeitslose

besetzt werden.

Woran liegt es, dass insbesondere

geschlechtstypische Berufe von Fachkräfteengpässen

betroffen sind? Frauentypische

Engpassberufe sind häufig gesellschaftsnahe

Dienstleistungen. Hierzu gehören beispielsweise

die Bereiche Erziehung und

Pflege, in denen aufgrund des demografischen

Wandels und des Ausbaus der

öffentlichen Kinderbetreuung die Nachfrage

nach Fachkräften überdurchschnittlich

stark gestiegen ist. Männertypische Engpassberufe

zählen dagegen überwiegend

zum produzierenden Gewerbe und sind

Tätigkeiten, in denen die gute wirtschaftliche

Lage die Nachfrage in den vergangenen

Jahren deutlich gesteigert hat. Gleichzeitig

gibt es in diesen Bereichen aber

immer weniger potenzielle Fachkräfte.

Der Anteil der Erwerbstätigen an der

Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist in

den vergangenen Jahren kontinuierlich

gestiegen. Somit gibt es unter den Arbeitslosen

immer weniger Personen, die dazu

beitragen könnten, den Fachkräftemangel

zu verkleinern. Also gilt es, sich auf die

bereits beschäftigten Mitarbeiter zu konzentrieren.

Gibt es da nicht ausgeschöpfte

Potenziale? Ein Weg wäre, Helfer zu Fachkräften

zu qualifizieren. Das bedeutet nach

Einschätzung der IW-Forscher allerdings

einen erheblichen Kraftakt, sowohl für die

Beschäftigten als auch für die Unternehmen.

Denn häufig müssten gerade bei

Frauentypische Engpassberufe sind häufig gesellschaftsnahe Dienstleistungen.

Hierzu gehören beispielsweise die Bereiche Erziehung und Pflege.

Geringqualifizierten Hemmnisse abgebaut

werden, um sie zu einer Weiterbildung zu

motivieren. Viele von ihnen hätten negative

Lernerfahrungen gemacht und seien an

Prüfungen gescheitert. Oder sie seien es

nicht mehr gewohnt zu lernen, da sie keine

lernfördernden Arbeitsplätze besäßen.

Ein anderer Weg wäre, Fachkräfte, die aus

welchen Gründen auch immer nicht in Vollzeit

arbeiten, stärker einzubinden. Nach

»»Unter den Arbeitslosen gibt es immer weniger Personen, die dazu beitragen

könnten, den Fachkräftemangel zu verkleinern. Also gilt es, sich auf die bereits

beschäftigten Mitarbeiter zu konzentrieren.

einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

(DIW), Berlin, wünschen

sich vor allem in Teilzeit beschäftigte Frauen

(und vereinzelt auch Männer), mehr Stunden

zu arbeiten. Dabei geht es meist nicht um

einen Wechsel von einer Teilzeit- zu einer

Vollzeitbeschäftigung, sondern lediglich um

eine stundenweise Ausweitung der Arbeitszeit.

Unternehmen sind gefordert, die Rahmenbedingungen

so zu gestalten, dass

Arbeitszeitwünsche verwirklicht werden

können. Das kann beispielsweise durch flexible

Arbeitszeitgestaltung wie beispielsweise

Vertrauensarbeitszeit, Homeoffice oder

Arbeitszeitkonten erreicht werden. Denn

diese Modelle erlauben auch bei einem

hohen Arbeitszeitvolumen eine größtmögliche

Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In

männertypischen Engpassberufen, in denen

es bisher noch vergleichsweise wenig Teilzeitstellen

und somit wenige Frauen gibt,

bieten dagegen zusätzliche Teilzeitangebote

die Chance, mehr Frauen für diese Berufe zu

gewinnen. Hier könnten Unternehmen

zusätzliche Teilzeitstellen anbieten, um so die

Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern

und gezielt Frauen für männertypische

Berufe zu gewinnen.

Die Beispiele zeigen: Es gibt noch Potenziale

für die Sicherung von Fachkräften. Aber

es erfordert viel Einsatz und Fantasie, sie auszuschöpfen.

stahlmarkt 8.2019


12 Stahlstandort Deutschland

Neues Verfahren im Strangguss

SMS Concast und Kollmorgen entwickeln servomotorisch angetriebene Oszillation

Köln. Mit dem Mechanismus Condrive hat SMS Concast eine Lösung auf den Markt gebracht, die das Oszillieren

von Kokillen effektiver und regelbarer gestalten soll. Basis dessen bildet eine Direktantriebstechnik aus dem

KBM-Motorenbaukasten des Kölner Herstellers Kollmorgen.

Kokillen geben im Strangguss dem flüssigen

Stahl seine Form. Damit die frisch

gebildete Strangschale bei diesem Formprozess

nicht an der Kupferwandung festklebt,

oszilliert die Kokille entlang der Gießrichtung.

Hierzu dienen Oszillationseinrichtungen.

In einer gemeinsamen Engineeringphase

haben sich die Unternehmen SMS Concast

und Kollmorgen das Ziel gesetzt, eine

Antriebslösung zu entwickeln, mit der sich

hochflexible Oszillationsprofile realisieren

lassen. Zwar ließe sich mit derzeitigen elektromechanischen

Antriebssystemen online

die Frequenz regeln, die Amplitude sei

jedoch nach wie vor durch das mechanische

System vorgegeben. An dieser Stelle soll die

elektrische Condrive-Technolgie von Concast

ansetzen und die Einstellung mit einer online

Überwachung der Schwingungskurven kombinieren.

Die auf die Belange der Applikation

abgestimmten Torquemotoren entstammen

dem KBM-Baukasten von Kollmorgen.

Oszillation für effektiven Formprozess

Kollmorgen und SMS Concast entwickelten die Technologie »Condrive«, um den

Oszillierungsprozess in Kokillen effektiver und regelbarer zu gestalten.

Im Rahmen eines Stranggussprozesses wird flüssiger

Stahl chargenweise in Pfannen an die

Stranggießanlage geliefert. Aus der Pfanne

fließt der Stahl unter Luftabschluss in eine Verteilerrinne,

welche sowohl zum Verteilen des

Stahls auf verschiedene Stränge als auch als

Zwischenpuffer beim Pfannenwechsel fungiert.

Sobald der Stahl auf die Stränge verteilt wird,

fließt er über eine Regeleinrichtung in die Kokillen.

Hier findet der Formgebungsprozess statt:

Auf die Oberfläche des flüssigen Stahls in der

Kokille wird entweder ein Gießpulver oder Öl

aufgetragen. Aufgrund dessen Schmierwirkung

sowie der Relativbewegung zwischen Strangschale

und Kokille durch die Oszillation bleibt

die Schale nach Herstellerinformationen nicht

an der Kokille haften und kann kontinuierlich,

»im Strang«, herausgezogen werden.

Laut Kollmorgen ist dieser Bereich entscheidend

für einen hochwertigen und betriebssicheren

Strangguss. Die Oszillation müsse so

ausgefeilt in ihrer Bewegung erfolgen, dass

während des Abziehens des Stranges ausreichend

Gießschlacke in den Spalt zwischen

Strangschale und Kokillenwand eingezogen

werde. Dabei sei das Zeitfenster entscheidend,

in dem die oszillierende Kokille in der Abwärtsbewegung

den ebenfalls nach unten bewegenden

Stahlstrang überholt. Der als »Negative

Strip Time« betitelte Vorgang definiere

letztlich die Zeit, in der sich das Gusspulver

beim Abziehen an die Außenwand des Stahls

legen könne.

Flexible Schwingungshöhen

Mit welcher Frequenz und Amplitude im

Strangguss die Kokille idealerweise zu oszillieren

hat, hängt von Faktoren wie der Stahlqualität,

der Rezeptur, der Produktionsgeschwindigkeit

oder auch der Kokillenform ab.

Typischerweise liegt die Negative Strip Time in

einem Zeitfenster zwischen 0,08 und 0,18

Sekunden. »Haben wir diese Zeit nicht, können

wir nicht mehr gießen. Dann funktioniert

die gesamte Mechanik nicht mehr und das

Reibungsgewicht zwischen Kupfer und Stahl

befindet sich im Ungleichgewicht. An dieser

Stelle setzen wir mit den Direktantrieben von

Kollmorgen an«, erklärt Dino Kabosch, Technologieentwickler

bei SMS Concast. Die Übertragung

mechanischer Abläufe in eine softwarebasierte

»Motion Control« eröffne so die

Möglichkeit, neue Bewegungskurven zu realisieren

und diese flexibel an die unterschiedlichen

Gießbedingungen anzupassen. Der

Vorteil liege darin, dass sich die Oszillation

sowohl in der Frequenz, in der Amplitude als

auch in der Kurvenform verändern ließe. Nach

Angaben Kaboschs kostet es viel Zeit, eine

Exzentermechanik für solche Maßnahmen

umzubauen. Deren Justierung sei zudem nur

im Betriebsstillstand möglich. Darüber hinaus

benötige die servomotorische Condrive-Lösung

keine aufwändige hydraulische Infrastruktur

und weniger Wartungsaufwand.

Bild: Kollmorgen

stahlmarkt 8.2019


Stahlstandort Deutschland 13

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Fit für den Extremeinsatz

Verzugsfreie Instandsetzung verschlissener Richtachsen

Würselen. Die Schmidtke & Sohn Maschinenbau GmbH aus Dinslaken ist in vierter Generation auf Reparatur und

Neubau von Komponenten wie Getrieben, Lagern oder Wellen spezialisiert. Bei der Instandsetzung von zwei

Richtachsen für ein Knüppelwalzwerk schloss deren kohlenstoffhaltige Stahlgüte konventionelle Schweißverfahren

aus. Die Pallas GmbH & Co. KG aus Würselen bei Aachen übernahm die Reparatur der Verschleißfläche durch

Laserauftragschweißen.

Seit über 70 Jahren hat sich Schmidtke

& Sohn auf Einzelteilfertigung in den Bereichen

Zerspanungstechnik, Instandsetzung

und Neuanfertigung für die Montan- und

Kiesindustrie spezialisiert. Ob Wellen, Flansche,

Rollen oder Getriebe: Nahezu die

gesamte Range hochbelasteter Bauteile in

Stahlwerk, Stranggießanlage, Walzwerk und

Kokerei macht der Fachbetrieb nach Verschleiß

oder Bruch wieder fit für die extremen

Einsatzbedingungen. Rund 80 Prozent

des Umsatzes erwirtschaftet er mit Reparaturen

und Neuanfertigung von Bauteilen für

die großen stahlproduzierenden Unternehmen

im Ruhrgebiet. Der Schweißfachbetrieb

ist nach DIN EN 1090 EXC3 mit seinen Fertigungskapazitäten

gut für die Reparatur von

Großbauteilen aus der Schwerindustrie

gewappnet: 20-Tonnen-Kran, Bohrwerk mit

sieben Tonnen Tragfähigkeit und drei Meter

Verfahrweg oder eine Karusselldrehmaschine,

auf der auch Impeller-Laufräder mit

1 200 Millimetern Durchmesser in Ellipsenform

gedreht werden können, um nur einige

der vorhandenen Aggregate zu nennen.

Schnelle Reaktionszeiten tragen dazu bei,

beschädigte oder ausgefallene Komponenten

binnen kürzester Zeit wieder instand zu setzen.

So wurde bei einem Notfall in nur 20

Stunden ein neuer, 1 200 Millimeter langer

Bolzen mit 200 Millimetern Durchmesser für

die Traverse eines Gießkrans gedreht oder der

Lagerschaden im Fahrwerksgetriebe einer

Stahlwerkskokille in nur vier Tagen – rund um

die Uhr – behoben. Seniorchef und Geschäftsführer

Axel Schmidtke ist gelernter Drehermeister

und im Vertrieb immer noch

Ansprechpartner für langjährige Kunden. Das

Tagesgeschäft und die Produktion verantwortet

seit acht Jahren sein Sohn Marc, der nach

der Ausbildung zum Dreher ein BWL-Studium

anschloss. »Teuer reparieren kann jeder«,

lacht Axel Schmidtke. Sein Sohn Marc

Seniorchef Axel Schmidtke ist Geschäftsführer

der Schmidtke & Sohn Maschinenbau GmbH.

ergänzt: »Wir suchen stets die bestmögliche

Lösung, die Kunden so kostengünstig und

schnell wie möglich zufriedenzustellen.«

Dafür ist die integrierte Aufstellung mit den

verschiedenen Abteilungen unverzichtbar,

denn die eng verzahnte Umsetzung aus einer

Hand spart Zeit und Geld.

Härtefall bei verschlissenen

Richtachsen

Dennoch ist der Betrieb offen für den Blick

über den eigenen Tellerrand und geht deshalb

auch ungewöhnliche Wege. So auch im

Fall von zwei Richtachsen, die im Knüppelwalzwerk

der ArcelorMittal Hochfeld GmbH

in Duisburg ihren harten Dienst leisten – jede

drei Tonnen schwer, 3 500 Millimeter lang

und an der dicksten Stelle mit einem Durchmesser

von 580 Millimetern. Sie waren trotz

des verwendeten hochvergüteten Werkstoffs

34CrNiMo6 stark verschlissen. Das

Walzwerk beauftragte Schmidtke & Sohn

zunächst nur mit der kompletten Instandset-

Dipl.-Ing. Stephan Kalawrytinos,

Geschäftsführer Pallas

Fotos (4): Pallas GmbH & Co. KG

Fertigdrehen auf Maß nach

dem Laserauftragschweißen

stahlmarkt 8.2019


Stahlstandort Deutschland 15

Einblick in eine Werkshalle von Schmidtke & Sohn in Dinslaken

zung einer Achse – inklusive De- und

Remontage. So galt es, insgesamt zwölf Einzelkomponenten

– Achse mit Antriebshülse,

Ritzelwelle, komplette Lagerung und axiale

Verschiebung – zu reparieren. Eine besondere

Herausforderung bedeutete dabei der

starke Verschleiß der Achse an der Stelle, wo

das Richtrad aufsitzt und die Kräfte folglich

am stärksten wirken. Neuanfertigung war

aus Kosten- und Zeitgründen keine Option.

Da die Achse stoßartig belastet wird, fiel

auch thermisches Beschichten wegen des

Abplatzrisikos aus. Eine kostengünstige Reparatur

konnte nur durch Schweißen dieser Fläche

erreicht werden. Durch den erhöhten

Kohlenstoffgehalt ist der Werkstoff jedoch

schwierig zu schweißen, da er zu Rissbildung

oder wie in diesem Fall zu unerwünschter Aufhärtung

neigt. Das war auch der Grund für die

Beauftragung des Dinslakener Unternehmens

durch das Walzwerk. Die Achse bei Schmidtke

& Sohn war die letzte im Walzwerk verfügbare,

entsprechend groß waren Bedarf und Zeitnot.

Der Traditionsbetrieb sagte eine Reparatur binnen

zwei Monaten zu – angesichts der Komplexität

der Aufgabenstellung und des

anspruchsvollen Werkstoffs ein ambitioniertes

Versprechen. Die Umsetzung erfolgte durch

engmaschig im Unternehmen abgestimmte

Bearbeitungsprozesse. So wurde das 440 x 4

Millimeter große Trapezgewinde nachgedreht

und auf Maß gebracht. Außerdem wurden das

Druck-Distanzstück inklusive einer 472-Millimeter-Bohrung

erneuert, eine Reparaturhülse

für den verschlissenen Sitz des Wellendichtrings

nach Kundenwunsch gehärtet und der

Richtwalzenkeil neu angefertigt. Hinzu kamen

die vorbereitenden Arbeiten an der Richtachse:

Vordrehen der Welle auf ein glattes Maß zum

Schweißen und Vorfräsen der Passfedernuten.

Schweißen ohne Verzug

Nach den negativen Erfahrungen mit vorherigen

Reparaturversuchen war das Walzwerk

skeptisch gegenüber Standard-Schweißverfahren

mit den für Lichtbogenschweißen

üblichen Vorwärmtemperaturen von 150 bis

stahlmarkt 8.2019


16 Stahlstandort Deutschland

250 Grad Celsius. Bei der Abkühlung entstehen

bei dem verwendeten Werkstoff Gefügeveränderungen

in Form von Aufhärtungen

und damit steigt das Risiko, dass so

druckbelastete Bauteile wie Richtachsen im

Prozess reißen. Bei der Ultraschallprüfung

der Achse durch Schmidtke & Sohn zeigten

sich nach der Demontage bereits Risse,

sodass man dort ebenfalls konventionelle

Schweißmethoden als nicht prozesssicher

ausschloss. Als Lösung wählte man deshalb

Laserauftragschweißen und zog dafür den

Oberflächenspezialisten Pallas hinzu, mit

dem man bei einem vergleichbaren Projekt

in der Vergangenheit schon einmal zusammengearbeitet

hatte.

Bei diesem Verfahren schmilzt Pallas per

Laserstrahl ein schichtweise per Düse eingestrahltes

Pulver und eine dünne Randschicht

der Grundwerkstoffoberfläche eng fokussiert

auf. Dabei verbinden sich die beiden

Werkstoffe zu einer schmelzmetallurgisch

angebundenen Schicht mit geringer Aufmischung.

Sie haftet auch bei extremer Belastung

dauerhaft. Die auf eine kleine Fläche

und wenige Sekunden begrenzte Energiezufuhr

gewährleistet eine verzugsfreie Bearbeitung

des Werkstücks. Das dafür benötigte

Werkstoffwissen und die erforderliche Bear-

Foto: Schmidtke & Sohn Maschinenbau GmbH

Montage der Richtachse

Foto: Schmidtke & Sohn Maschinenbau GmbH

Hochpräzise erfolgt die Regenerierung der

vorgewärmten Richtachse mit einem drei

illieter gre Brennflec per aser.

beitungstechnologie stellte Pallas bei der

Richtachse einmal mehr unter Beweis.

Anhand eines Probestücks machte der Reparaturexperte

zunächst verschiedene

Schweißversuche mit einem Hochleistungslaser.

So konnte nachgewiesen werden, dass

durch geeignete Wahl der Schweißparameter

und Zusatzwerkstoffe keine Gefügeveränderungen

oder Aufhärtungen im Bauteil

entstehen. Nach Freigabe der Schweißprobe

durch das Walzwerk erfolgte die Umsetzung

bei Schmidtke & Sohn im Werk. Dafür sprach

die dort zur Drehung der drei Tonnen schweren

Achse vorhandene Schweißvorrichtung.

Zudem konnte – nach entsprechenden

Umbauten – der von Pallas mitgebrachte

Laser nebst Optik an die UP-Schweißanlage

angeschlossen werden

.

Schweißen mit viel

Fingerspitzengefühl

Angesichts der Größe der zu bearbeitenden

Fläche von 370 Millimetern Durchmesser

auf einer Länge von 330 Millimetern war

sehr spezifisches Know-how gefordert.

stahlmarkt 8.2019


Stahlstandort Deutschland 17

Deshalb betreute Pallas-Geschäftsführer

Stephan Kalawrytinos diese Aufgabe selber.

So musste der sehr genau zu führende Prozess

in der für den Spezialisten unbekannten

Umgebung so eingerichtet werden,

dass die Schweißnaht erfolgreich appliziert

werden konnte. Dazu galt es nicht nur, die

Besonderheit des Werkstoffs genau zu kennen,

sondern auch eine ausgeklügelte Temperaturführung

zu gewährleisten. Mit der

Flamme wurde der entsprechende Bereich

jeweils vorgewärmt und, mit Temperaturfühler

versehen, eingepackt. Auch während

des Laserauftragschweißens wurde das

Bauteil permanent weiter gewärmt. Um auf

Nummer sicher zu gehen, setzten die Spezialisten

von Pallas zum Schweißen den

gleichen Laser ein, der schon in den Vorversuchen

genutzt wurde. Dabei arbeiteten sie

mit einem drei Millimeter großen Brennfleck,

um die zweilagige Beschichtung aufzuschweißen.

Das händische Auftragen der Schichten im

Zehntelmillimeterbereich erforderte beim

Schweißen mit der langsam verfahrenden

Schweißvorrichtung höchste Präzision – und

das zehn Stunden lang je Lage. Die anschließende

Überprüfung durch Schmidtke &

Sohn habe nachgewiesen, dass keine Lunker

– also unerwünschte Hohlräume – bei der

Bearbeitung entstanden waren und die

Beschichtung auch bei Belastung nicht

abplatze, teilt das Unternehmen Pallas mit.

Zwischenzeitlich hatte das Walzwerk jedoch

einen zweiten Auftrag für eine weitere

Richtachsenreparatur bei dem Dinslakener

Reparaturbetrieb platziert und dieser die

erforderlichen Arbeiten daran bis zur

Schweißvorbereitung auch schon umgesetzt.

Dadurch konnte Pallas mit der Regenerierung

dieser Achse per Laserauftragschweißen

nahtlos an den ersten Auftrag

anschließen, sodass entsprechende Rüstzeiten

entfielen. Währenddessen fräste das

Team von Schmidtke & Sohn die erste Welle

auf Fertigmaß und baute die Richtachse wieder

zusammen. So erhielt das Walzwerk

nach insgesamt nur zwei Monaten und einer

Woche Bearbeitungszeit beide Walzen voll

funktionsfähig zurück.

»Durch die bauteilschonende Bearbeitung

der Funktionsflächen per Laserauftragschweißen

erfolgte die Regenerierung der

Verschleißfläche, ohne die Eigenschaften der

kohlenstoffreichen Stahlgüte negativ zu

beeinflussen«, erläutert Pallas. Zudem sei –

verglichen mit einer Neuanfertigung – rund

die Hälfte an Kosten und Zeit eingespart

worden. Aus Sicht von Stephan Kalawrytinos

zeugt dieses Ergebnis von der perfekten

Symbiose zweier Fachbetriebe: »Der eine

bietet schnelle Hilfe im Montanbereich, der

andere Schweißfachleute für besondere Verfahren.

Zusammen bedeutet das für Kunden

hohen Mehrwert.«

So haben die beiden Unternehmen

Schmidtke & Sohn und Pallas binnen weniger

Wochen hochbeanspruchte Komponenten

aus stark kohlenstoffhaltigen Stahlgüten

wieder fit für den Extremeinsatz

gemacht.

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stahlmarkt 8.2019


18 Branchenbericht

Robotik- und Automationssektor

wächst weiter

Kollaborative Roboter und künstliche Intelligenz sind aktuelle Trends

Der Boom der vergangenen Jahre setzt sich abgeschwächt fort. Der Teilbereich Robotik hat 2018 jedoch einen

leichten Umsatzrückgang zu verzeichnen.

Von Stefan Weich

Mit über 52 000 Mitarbeitern in rund

500 Unternehmen erwirtschaftete die

deutsche Robotik- und Automationsbranche

im Jahr 2018 einen Umsatz von 15

Milliarden Euro, berichtet der Verband

Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

(VDMA). Das ist ein Zuwachs von vier Prozent

gegenüber dem Vorjahr. Davon wurde

etwa die Hälfte im Ausland realisiert.

Größter Absatzmarkt außerhalb Europas

ist Asien noch vor Nordamerika. »Der neue

Rekordwert zeigt, dass der weltweite

Bedarf an den Technologien der Robotik

und Automation aus Deutschland weiterhin

hoch ist«, sagt Wilfried Eberhardt, Vorsitzender

des VDMA Fachverbandes Robotik

+ Automation. Verwendung finden

Robotik- und Automationslösungen unter

anderem in der Automobil- und Elektronikindustrie

sowie der Metallindustrie.

Der VDMA unterteilt die Branche in die

drei Teilbereiche Integrated Assembly Solutions

(Montage- und Handhabungstechnik),

industrielle Bildverarbeitung und Robotik.

Für die einzelnen Bereiche ergibt sich folgendes

Bild für das Jahr 2018: Die Integrated

Assembly Solutions legten mit einem Plus

von neun Prozent beim Branchenumsatz auf

8,3 Milliarden Euro zu. Der sehr hohe Auftragsbestand

und das gute Inlandsgeschäft

wirkten sich dabei besonders positiv aus. Die

industrielle Bildverarbeitung konnte 2018

das im Vorjahr aufgestellte Rekordniveau

von 2,6 Milliarden Euro zumindest halten,

Ein Forschungslabor mit Robotertechnik im Stahlwerk der AG Dillinger Hüttenwerke.

»

Der neue Rekordwert zeigt, dass der weltweite Bedarf an den Technologien

der Robotik und Automation aus Deutschland weiterhin hoch ist.«

Wilfried Eberhardt, Vorsitzender des VDMA Fachverbandes Robotik + Automation.

während die Robotik den im Vorjahr aufgestellten

Umsatzrekord von 4,2 Milliarden

leicht verfehlte und 2018 mit einem Umsatz

von 4,1 Milliarden abschloss. Als Hauptgrund

für den Umsatzrückgang nennt der

VDMA die schwächelnde Automobilindustrie.

Zudem fiel der Anteil der Branchen jenseits

des Automotive-Bereichs von 47 auf 38

Prozent. Die Anzahl der produzierten Roboter

ist gegenüber 2017 um neun Prozent auf

24 500 Einheiten gesunken.

Da die weltwirtschaftlichen Unsicherheiten

nach wie vor bestehen, die bereits im

Vorjahr das Gesamtbranchenwachstum

moderater als prognostiziert ausfallen ließen,

ist laut Eberhardt keine eindeutige

Prognose für das Jahr 2019 möglich. Er

geht jedoch von einem Wachstum von

zwei bis fünf Prozent im laufenden Jahr

aus.

Kollaborative Roboter und KI

Roboter und Automationstechnik sind in

zahlreichen Industriebranchen unabdingbar,

um die geforderte Produktqualität sicherzustellen

und effiziente Fertigungsprozesse zu

ermöglichen. Eine kostengünstige Produktion

von beispielsweise leistungsstarken

Smartphones, Tablets oder automobiler

Sicherheitstechnik wäre ohne Automatisierungstechnik

nicht möglich.

Während bis vor einigen Jahren in erster

Linie Großunternehmen Automatisierungslösungen

verwendeten, zeichnet sich mittlerwei-

Foto: AG der Dillinger Hüttenwerke

stahlmarkt 8.2019


Branchenbericht 19

Foto: KUKA Aktiengesellschaft

Kollaborativer Roboter in der Fertigung

le der Trend ab, dass immer mehr kleine und

mittelständische Betriebe den Schritt in die

automatisierte Fertigung wagen. Die Einführung

der 5G-Technologie wird diese Entwicklung

voraussichtlich weiter beschleunigen.

Die Einsatzfelder für Roboter erweitern sich

zudem laufend. Der vermehrte Einsatz von

Sensorik, Software- und Bildverarbeitungstechnologie

erhöht die Sicherheit von Robotern,

sodass diese in einer gemeinsamen

Arbeitsumgebung ohne trennende Schutzeinrichtungen

mit menschlichen Arbeitskräften

interagieren. Diese kollaborativen Roboter

(Cobots) sind oftmals flexibel und einfach zu

programmieren. Die Leichtgewichte unter

ihnen wiegen nur zehn Kilogramm und können

mühelos von nur einer Person getragen

und an nahezu jeder Stelle platziert werden.

Beim Einsatz von Cobots gilt die Automobilindustrie

als Vorreiter. Bei BMW und Ford

kommen bereits seit einigen Jahren

Knickarmroboter zum Einsatz, die den Mitarbeitern

bei der Fahrzeugmontage die

benötigten Werkzeuge reichen sowie monotone

und körperlich anstrengende Tätigkeiten

übernehmen.

Die Verbesserung der Mechanik und Sensorik

von Robotern ist erst der Anfang, die

Kombination mit künstlicher Intelligenz (KI)

ist der nächste Schritt. Dann sind Roboter

nicht nur technisch in der Lage, feinmotorische

Arbeiten auszuführen. Sie können

dann auch selbstständig lernen, ihre

Arbeitsprozesse optimieren und Entscheidungen

treffen. Professor Frank Kirchner,

Leiter Robotics Innovation Center des Deutschen

Forschungszentrums für Künstliche

Intelligenz, beschreibt dies anschaulich:

»Diese Maschinen können nicht nur eine

Mutter auf eine Schraube drehen und mit

»

Jeder ist daran interessiert, die Leistungsfähigkeit von Robotern zu verbessern.

Wir können Roboter in vielen Bereichen einsetzen – sodass jeder davon

profitiert. Wenn es um die KI für die Robotik geht, werden Japan und Europa

weiterhin die wichtigsten Akteure für Roboteranwendungen sein.

Junji Tsuda, President of the International Federation of Robotics

exakt definiertem Drehmoment festziehen,

sondern sie erkennen auch, wo diese

Schraube platziert werden muss, welche

Schraube es sein muss, welches Werkzeug

dafür nötig ist und wann diese Schraube

gedreht werden muss.«

Einer Untersuchung der International

Federation of Robotics (IFR) zufolge hat

Europa mit 106 Robotern auf 10 000

Beschäftigte das höchste Automatisierungsniveau

weltweit, noch vor Amerika mit 91

und Asien mit 75. Dementsprechend sieht

Juni Tsuda, Präsident der IFR Europa und

Japan auch zukünftig in einer Spitzposition:

»Jeder ist daran interessiert, die Leistungsfähigkeit

von Robotern zu verbessern. Wir

können Roboter in vielen Bereichen einsetzen

– sodass jeder davon profitiert. Wenn es

um die KI für die Robotik geht, werden

Japan und Europa weiterhin die wichtigsten

Akteure für Roboteranwendungen sein.« Im

Ländervergleich liegt Deutschland mit 322

Industrierobotern auf Platz drei. Südkorea

mit 710 und Singapur mit 658 Robotern

nehmen in diesem Ranking die Spitzenpositionen

ein.

Hohes Automatisierungsniveau

in Deutschland

Trotz dieses durchaus positiven Ergebnisses

aus deutscher Sicht besteht weiterhin deutliches

Steigerungspotenzial. Bei der Umfrage

»Roboter in der Arbeitswelt« der Staufen

AG unter mehr als 1 000 Beschäftigten zeigte

sich, dass in Deutschland noch immer die

Vorstellung vom Roboter als moderneren

Lastenkran oder unermüdlichen Laserschweißer

vorherrscht. Die kooperativen

Einsatzmöglichkeiten und Flexibilität heutiger

Roboter, die dank moderner Sensorik

diese auch für hochpräzise Arbeiten befähigt,

werden hingegen häufig unterschätzt

oder sind komplett unbekannt. »Wie schon

bei der Digitalisierung sind auch hier die Führungskräfte

gefragt«, weiß Dr. Jochen

Schlick, Senior-Partner bei Staufen Digital

Neonex. »Sie müssen ihre Mitarbeiter in die

neue Arbeitswelt mitnehmen, Ängste und

Vorurteile abbauen und gemeinsam mit

ihnen konkrete Anwendungsbeispiele für

den Einsatz von Robotern entwickeln.«

stahlmarkt 8.2019


20 Steel International

voestalpine: High-Tech-Auftrag

von Rolls-Royce

Konzernumsatz im Luftfahrtmarkt soll von 400 Millionen auf 500 Millionen Euro

steigen

Kapfenberg/Österreich. Rolls-Royce, einer der weltweit führenden Triebwerkshersteller, setzt mit einem aktuellen

Großauftrag einmal mehr auf die Werkstoffe der voestalpine: Als neuer europäischer Produzent liefert die High

Performance Metals Division des Konzerns Vormaterial für Triebwerksscheiben, die im Flugbetrieb höchsten

Belastungen standhalten müssen.

Fotos (2): voestalpine

Schon heute ist die voestalpine eigenen

Angaben zufolge mit High-Tech-Werkstoffen

und Spezialschmiedeteilen für Struktur-,

Fahrwerks-, Flügel- und Triebwerkskomponenten

in allen großen Flugzeugmodellen

von Airbus und Boeing bis zu Embraer und

Bombardier vertreten. Wie der österreichische

Technologiekonzern kürzlich mitteilte,

liegt der aktuelle Konzernumsatz im

»Zukunftsmarkt Luftfahrt« bei rund 400 Millionen

Euro – mittelfristig soll dieser Anteil

auf 500 Millionen Euro steigen.

Eintritt in den Markt für rotierende

Triebwerksscheiben

Neue Schnellschmiedelinie in Kapfenberg

Wolfgang Eder: »Der Auftrag von

Rolls-Royce ist sowohl aus wirtschaftlicher

als auch technologischer Sicht der größte

Durchbruch, den wir bislang im

Triebwerksbereich erzielt haben.«

Bereits seit einigen Jahren liefert die voestalpine

aus ihrem steirischen Standort Kapfenberg

Stahllegierungen für Triebwerkskomponenten

an Rolls-Royce. Mit dem aktuellen

Großauftrag ist der Konzerngesellschaft

voestalpine Böhler Edelstahl nach Unternehmensinformationen

nun der Eintritt in den

Markt für rotierende Triebwerksscheiben

gelungen. Die Anforderungen an das im

Inneren eines Triebwerkes eingesetzte Material

sind enorm – bis zu 16 500 Umdrehungen

pro Minute und Temperaturen von mehr

als 2 000 Grad Celsius bilden die »Betriebsumgebung«.

»Wir haben uns ausgehend

von unserem Know-how bei Spezialstählen

in den letzten zehn Jahren als einer der weltweit

führenden Zulieferer für die Luftfahrtindustrie

etabliert. Der Auftrag von Rolls-Royce

ist sowohl aus wirtschaftlicher als auch

technologischer Sicht der größte Durchbruch,

den wir bislang im Triebwerksbereich

erzielt haben und bestätigt uns in unserer

konsequenten Fokussierung auf Qualität

und Innovation«, sagte Wolfgang Eder in

seiner damaligen Funktion als Vorstandsvorsitzender

der voestalpine AG.

Die Luftfahrt gilt weltweit als langfristige

Wachstumsbranche: Marktprognosen zufolge

sollen in den nächsten 20 Jahren 40 000

neue Flugzeuge gebaut werden. »Wir haben

bei unserer Konzerngesellschaft voestalpine

Böhler Edelstahl schon frühzeitig die technologischen

Weichen gestellt, um an diesem

Wachstum partizipieren zu können. Der Vertragsabschluss

mit Rolls-Royce ist das Ergebnis

sowohl intensiver Innovations- als auch

Investitionstätigkeit in den letzten Jahren

und ein absoluter Meilenstein hinsichtlich

Produktqualität und Prozesssicherheit. Mein

Dank gilt vor allem den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern, die mit ihrem Know-how

und ihrem Einsatz diesen Erfolg möglich

gemacht haben«, so Franz Rotter, Vorstandsmitglied

der voestalpine AG und Leiter der

High Performance Metals Division. Erst im

Herbst 2018 ging am Standort Kapfenberg

eine neue, 40-Millionen-Euro-Schnellschmiedelinie

in Betrieb, mit der laut voestalpine die

technischen Voraussetzungen für die Herstellung

solcher High-Tech-Produkte

geschaffen wurden. Der Auftrag von

Rolls-Royce erstreckt sich über eine Laufzeit

von zehn Jahren – 2020 sollen die ersten

Lieferungen erfolgen.

Innovationen und Investitionen

als Basis des Erfolgs

Die High Performance Metals Division des

voestalpine-Konzerns ist auf die Produktion

und Verarbeitung von Hochleistungswerkstoffen

und kundenspezifische Services wie

Wärmebehandlung, hochtechnologische

Oberflächenbehandlung und additive Fertigungsverfahren

unter Einsatz zunehmender

Digitalisierung fokussiert. Sie bietet ihren

Kunden an rund 160 Standorten weltweit

Materialverfügbarkeit und -bearbeitung. Die

stahlmarkt 8.2019


Steel International 21

Division ist eigenen Angaben zufolge globaler

Marktführer bei Werkzeugstahl und einer

der führenden Anbieter von Schnellarbeitsstählen,

Ventilstählen sowie anderen Produkten

aus Spezialstählen, Pulverwerkstoffen,

Nickelbasis-Legierungen, Titan und

Komponenten auch auf Basis additiver Fertigungstechnologien.

Wichtigste Kundensegmente

sind die Bereiche Automobil, Ölund

Gasexploration, Maschinenbau sowie

die Konsumgüterindustrie und die Luftfahrt.

Im Geschäftsjahr 2018/19 erzielte die Division

einen Umsatz von rund 3,1 Milliarden

Euro, davon rund 50 Prozent außerhalb

Europas, ein operatives Ergebnis (EBITDA)

von 435 Millionen Euro und beschäftigte

weltweit rund 14 400 Mitarbeiter.

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22 Steel International

Einfuhrzölle sind kein Allheilmittel

für die US-Stahlindustrie

Minihütten setzen sich immer mehr durch

New York. Trotz der vorhandenen Überkapazität planen Unternehmen den Neubau und die Erweiterung von

Stahlwerken.

Von unserer New Yorker Korrespondentin Brigitte Nacos

US-Präsident Donald Trump spricht vor den Mitarbeitern des Granite City Stahlwerks

von US Steel.

»Wir werden wieder amerikanischen

Stahl in das Rückgrat unserer Nation einfügen!«,

rief Donald Trump jubelnden Stahlarbeitern

im vergangenen Sommer zu. Der

gesamte amerikanische Stahlsektor teilte die

optimistische Botschaft des US-Präsidenten,

weil alle dortigen Stahlunternehmen nach

dem Verhängen der 25-prozentigen Importzölle

vom gesteigerten Absatz und höheren

Preisen profitierten. In diesem Sommer unterstützen

Stahlmanager, die Führer der Stahlarbeitergewerkschaft

und die Masse der

Stahlarbeiter nach wie vor die zum Schutz des

einheimischen Stahlsektors verhängten Zölle

und damit auch Präsident Trump. An der Wall

Street und in der Wirtschaftspresse wachsen

jedoch die Zweifel, ob Importzölle ein Heilmittel

für die gesamte amerikanische Stahlindustrie

sind. Schlagzeilen wie »Sind Trumps

Stahlzölle fehlgeschlagen?« und »US Steel,

Liebling von Trumps Zöllen, legt Werke still«

signalisieren kritische Analysen über Gegenwart

und Zukunft der Stahlindustrie.

Trotz anhaltendem wirtschaftlichen Wachstum

in den USA gab es einen empfindlichen

Produktionsrückgang in der Automobilindustrie,

dem wichtigsten Kunden der US-amerikanischen

Stahlindustrie. Die in den Sommermonaten

gewöhnlich einsetzende Absatzsteigerung

in der Bauindustrie hat zudem ohne

ein massives Infrastrukturpaket der US-Bundesregierung

keinen großen Einfluss auf das

Produktionsvolumen der Stahlindustrie. Dazu

kommen schwache Wachstumsraten in einigen

Regionen in der Welt mit nachlassendem

Bedarf an Stahl auf globaler Ebene. Inlandpreise,

die im vergangenen Jahr ein hohes

Niveau erreichten, fielen. So sanken beispielsweise

die Preise für Bewehrungsstahl im Juli

dieses Jahres auf den tiefsten Stand seit 16

Monaten. Es ist unklar, ob die Nucor Corporation

und andere Stahlhersteller eine

bescheidene Preisanhebung für Stahlbleche

durchsetzen können – zumal das Handelsministerium

zur Jahresmitte einen leichten

Anstieg von Importen meldete. Nachdem

Trump die Zölle auf Importe aus Kanada und

Mexiko aufhob, rechnen Marktbeobachter

mit einer weiteren Steigerung von Einfuhren

in der zweiten Jahreshälfte.

Kapazitätsauslastung

sinkt unter kritische Grenze

Amerikas Stahlindustrie benötigt eine Gesamtkapazitätsauslastung

von über 80 Prozent, um

profitabel zu sein. Daher war es ein Erfolg, dass

die Kapazitätsauslastung vom 1. Juli 2018 bis

zum 30. Juni dieses Jahres 81,2 Prozent

betrug. Zeitgleich mit dieser positiven Nachricht

gab es bereits den ersten Rückschlag. In

der letzten Juniwoche sank die Kapazitätsauslastung

auf 79,5 Prozent und lag damit unter

der kritischen 80-Prozent-Grenze.

In dieser Situation griff Washington wieder

auf Schutzzölle zurück. Zunächst verhängte

das US-Handelsministerium Zölle in Höhe von

456,23 Prozent auf korrosionsbeständige und

kaltgewalzte Stahlprodukte, die in Vietnam

mit Stahl aus Südkorea und Taiwan hergestellt

wurden. Anschließend belegte das

US-Handelsministerium in einer vorläufigen

Entscheidung angeblich subventionierte Einfuhren

von Baustahl aus China mit Zöllen in

Höhe von 177 Prozent und die gleichen Produkte

aus Mexiko mit 74 Prozent. Im vergangenen

Jahr führte China Baustahl im Wert

von 803,3 Millionen Euro ein, der Wert einschlägiger

Produkte aus Mexiko betrug 557,1

Millionen Euro. Kanadischer Stahl bleibt vorerst

von Strafzöllen verschont.

Foto: EVAN VUCCI / AP

stahlmarkt 8.2019


Steel International 23

Foto: Nucor Corporation

Lichtbogenofen in einem Stahlwerk von Nucor

Während eines Besuchs im Granite City

Werk von US Steel im vergangenen Jahr feierte

Präsident Trump mit versammelten

Stahlarbeitern das Wiederanfahren eines

Hochofens. »US Steel ist wieder da!«, versicherte

er. Damals glaubten auch viele Aktionäre

und Wall-Street-Analysten, dass selbst

die alten, integrierten Stahlunternehmen eine

echte Chance hätten, finanziell zu gesunden

und eine fundamentale Modernisierung einzuläuten.

Zu Beginn des zweiten Halbjahres

2019 gehörte US Steel jedoch zu den Verlierern

an der Börse. Der Kurswert der Aktien

lag rund 24 Euro unter dem Höchstwert der

letzten zwölf Monate und weniger als zwei

US-Dollar über dem niedrigsten Jahreswert.

Wirtschaftsanalysten errechneten, dass die

US Steel Corporation seit der Einführung der

Zölle 4,9 Milliarden Euro beziehungsweise 70

Prozent an Marktwert verloren hat. Zum gleichen

Zeitpunkt lagen die Aktien von Nucor,

dem größten Minihütten-Unternehmen der

USA, rund zwölf Euro unter dem Jahreshöchstpreis

und rund sechs Euro über dem

Niedrigstand des Jahres. Der Marktverlust lag

bei circa 20 Prozent.

Die bereits seit langem auseinandergehende

Schere zwischen den integrierten Traditionsunternehmen

mit ihren klassischen

Hochöfen, insbesondere US Steel und AK

Steel, und den Minihüttenunternehmen mit

ihren Elektroöfen, allen voran Nucor und

Steel Dynamics, vergrößerte sich in diesem

Jahr sogar. Im Gegensatz zu den integrierten

Unternehmen mit alten Produktionsstätten,

gewerkschaftlich organisierten Belegschaften

und hohen Pensionskosten für Ruheständler

verfügen die führenden Minihüttenunternehmen

mit vergleichsweise niedrigen

Arbeits- und Produktionskosten über

beträchtliche finanzielle Reserven. Diese

erlauben es insbesondere Nucor und Steel

Dynamics, den Ausbau neuer Kapazitäten zu

planen. Nucor allein verkündet Investitionen

von 2,2 Milliarden Euro in den Neubau und

die Erweiterung von Werken. Zwar plant

auch US Steel die Wiederaufnahme eines

gestoppten Minihüttenprojekts in Alabama,

beschloss aber gleichzeitig wegen schwacher

Stahlnachfrage und niedrigen Preisen

die Stilllegung von zwei Hochöfen.

Minihüttenwerke stechen

integrierte Stahlwerke aus

Weil amerikanische Stahlwerke bereits eine

Überkapazität haben und dennoch eine

maßgebliche Aufstockung der Kapazitäten

planen, erwarten Beobachter einen intensiven

Wettkampf zwischen den Minihütten

und integrierten Unternehmen, für den die

Minihütten mit ihren niedrigeren Produktionskosten

besser gerüstet wären, vor allem

wenn es zu einem Preiskrieg kommen sollte.

John Ferriola, Vorstandsvorsitzender von

Nucor, machte in einem Interview mit

Bloomberg keinen Hehl daraus, dass die

Importzölle die erwarteten Veränderungen

in der Stahlindustrie beschleunigen. »Werden

einige Unternehmen leiden? Absolut!«,

sagte er. »Wir werden das Verschwinden

von Produktionskapazität erleben,

davon bin ich überzeugt.« Es besteht kein

Zweifel, dass er traditionelle Hochöfen in

integrierten Unternehmen und nicht Elektroöfen

in seinen Minihütten meint.

Nirgends war die Frustration über die enttäuschende

Entwicklung im Stahlsektor

stärker als unter den Gewerkschaftsführern

der United Steelworkers (USW), die zusammen

mit einzelnen Stahlunternehmen und

deren Dachverband American Iron and

Steel Institute seit Jahren für drakonische

Zölle gegen Importländer kämpfen. Bevor

der langjährige Präsident der USW, Leo

Gerard, in den Ruhestand ging, beklagte er

die Stilllegung der US-Steel-Hochöfen,

erneuerte seine Unterstützung für Importzölle

und forderte von Trump eine harte

Gangart gegen China. In einem Blogeitrag

auf der USW-Webseite vom 28. Juni 2019

schrieb Gerard: »Im Jahr 2000 produzierten

chinesische Unternehmen 15 Prozent des

weltweiten Stahls. Im vergangenen Jahr

waren es 51 Prozent. Und das ist zu viel

Stahl!«

stahlmarkt 8.2019


24 Gut zu wissen

Insolvenzen in Deutschland weiterhin

rückläufig

Zunehmende Pleiten im verarbeitenden Gewerbe

Neuss. Die Insolvenzen in Deutschland waren auch im ersten Halbjahr 2019 rückläufig. Die Gesamtzahl aller

registrierten Insolvenzfälle verringerte sich nach Angaben des Verbands der Vereine Creditreform um 3,1 Prozent

im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 54 300 Fälle (1. Halbjahr 2018: 56 050).

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen nahm um 2,6 Prozent ab,

sodass in den ersten sechs Monaten 33 400 private Verbraucher

Insolvenz anmelden mussten (1. Halbjahr 2018: 34 280). Bei den

Unternehmen war noch ein leichter Rückgang um 0,4 Prozent auf

9 900 Fälle zu verzeichnen (1. Halbjahr 2018: 9 940). Die Zahl der

sonstigen Insolvenzen verringerte sich um sieben Prozent (11 000

Fälle).

Weiterhin günstige Rahmenbedingungen

Obwohl sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland in den vergangenen

Quartalen abgeschwächt hatte, blieben die konjunkturellen

Rahmenbedingungen für die meisten Unternehmen und Verbraucher

noch günstig. »Das wirkte sich weiter positiv auf die Insolvenzzahlen

aus. So stützten privater Konsum und Bautätigkeit die

Konjunktur. Verstärkt hatte sich der Gegenwind aber für die Industrie

und den Außenhandel«, teilte Creditreform mit.

Die Schäden für die Insolvenzgläubiger beliefen sich dem Verband

zufolge im ersten Halbjahr 2019 auf schätzungsweise 14,6 Milliarden

Euro (1. Halbjahr 2018: 14,9 Milliarden Euro). Im Durchschnitt

seien pro Unternehmensinsolvenz somit knapp 1,5 Millionen Euro

an Forderungsausfällen zu erwarten. Auch aufgrund einiger Großinsolvenzen

in diesem Jahr – wie beispielsweise die der Fluggesellschaft

Germania oder die des Modehändlers Gerry Weber – habe

sich die Zahl der bedrohten Arbeitsplätze auf rund 120 000 erhöht

(1. Halbjahr 2018: 108 000).

Mehr Insolvenzen im »kleinen« Mittelstand

Im ersten Halbjahr 2019 nahmen die Insolvenzen insbesondere von

Unternehmen mit Umsätzen zwischen 25 und 50 Millionen Euro zu.

»Einen Anstieg der Insolvenzfälle gab es zudem im „kleinen“ Mittelstand

(bis fünf Millionen Euro Umsatz) sowie bei Kleinstunternehmen

(weniger als 100 000 Euro Umsatz). Diese Kleinstfirmen haben

mit rund 30 Prozent einen großen Anteil am Insolvenzgeschehen in

Deutschland«, so Creditreform. Aber auch der Anteil des »kleinen«

Mittelstandes sei zuletzt gestiegen und betrage mittlerweile ebenfalls

fast 30 Prozent.

Weiter gestiegen sei die Zahl der Insolvenzen von älteren Unternehmen,

die über zehn Jahre alt seien (plus 1,8 Prozent). »Unternehmen

dieser Altersklasse machen mittlerweile fast die Hälfte aller Insolvenzfälle

in Deutschland aus (47,1 Prozent)«, berichtet Creditreform. 2009

Bei den Unternehmensinsolvenzen war ein leichter Rückgang um

0,4 Prozent auf 9 900 Fälle zu verzeichnen.

sei es nur etwas mehr als ein Drittel (35,4 Prozent) gewesen. In dieser

Entwicklung spiegele sich das steigende Durchschnittsalter des Unternehmensbestandes

aufgrund des seit Jahren geringen Gründungsgeschehens

wider. Auch bei sehr jungen Unternehmen (bis zwei Jahre

alt) habe sich diesmal die Zahl der Insolvenzen erhöht (plus 1,0 Prozent),

nachdem es in den Vorjahren zu Rückgängen gekommen war.

Die meisten Insolvenzen im Dienstleistungssektor

Im ersten Halbjahr 2019 war laut Creditreform ein leichter Anstieg der

Insolvenzen im verarbeitenden Gewerbe zu verzeichnen (plus 1,4 Prozent),

nachdem im Vorjahr noch ein deutliches Minus zu Buche

gestanden habe. Auch im Dienstleistungssektor sei der Rückgang der

Insolvenzzahlen gestoppt worden (plus 0,9 Prozent). Im Baugewerbe

(minus 1,4 Prozent) und im Handel (minus 3,7 Prozent) sei das Insolvenzgeschehen

dagegen weiter rückläufig geblieben. Die meisten

Insolvenzen in Deutschland gebe es weiterhin im Dienstleistungssektor

(57,2 Prozent), gefolgt vom Handel (21,1 Prozent). Zuletzt sei der

Anteil des verarbeitenden Gewerbes leicht auf 7,3 Prozent gestiegen.

14,4 Prozent der Insolvenzen hätten Firmen aus dem Baugewerbe

Grafiken (4): Creditreform

stahlmarkt 8.2019


Gut zu wissen 25

Die Schäden für die Insolvenzgläubiger beliefen sich im ersten

Halbjahr 2019 auf schätzungsweise 14,6 Milliarden Euro.

Auch aufgrund einiger Großinsolvenzen in diesem Jahr hat sich die

Zahl der bedrohten Arbeitsplätze auf rund 120 000 erhöht.

betroffen. »Die Insolvenzquote im deutschen Unternehmenssektor

blieb mit 61 Insolvenzen je 10 000 Unternehmen praktisch unverändert

gegenüber dem Vorjahr. In den letzten Jahren war die Insolvenzquote

bereits stark zurückgegangen und gibt so die Entspannung im

Insolvenzgeschehen wieder«, so Creditreform. 40,4 Prozent der Unternehmensinsolvenzen

in den ersten sechs Monaten 2019 betrafen demnach

Gewerbetreibende und Einzelunternehmen. Auf 39,2 Prozent

belaufe sich der Anteil von Unternehmen mit der Rechtsform GmbH,

die tendenziell größer und wirtschaftsaktiver sind. Knapp ein Achtel

aller Unternehmensinsolvenzen (11,9 Prozent) sei auf die Unternehmensgesellschaft

(UG haftungsbeschränkt) entfallen. »Damit weist die

UG, tendenziell junge und kleinere Unternehmen, weiterhin eine hohe

Insolvenzbetroffenheit auf«, bemerkt Creditreform.

Überlebensrate im Handelsregister untersucht

Im ersten Halbjahr 2019 nahmen die Insolvenzen insbesondere von

Unternehmen mit Umsätzen zwischen 25 Millionen und 50 Millionen

Euro zu.

Handelsregisterunternehmen in Deutschland sind nach Verbandsinformationen

bei Löschung im Durchschnitt rund 16 Jahre alt. Mehr

als die Hälfte der im Jahr 2018 aus dem Handelsregister gelöschten

Firmen sei jedoch noch nicht einmal zehn Jahre alt gewesen. 80

Prozent der Sterbefälle seien jünger als 23 Jahre gewesen. »Langlebig

sind beispielsweise Unternehmen aus dem verarbeitenden

Gewerbe sowie dem Wirtschaftszweig Bergbau und Gewinnung von

Steinen und Erden mit einem Durchschnittsalter von rund 25 Jahren

bei Löschung«, so Creditreform. Deutlich kürzer lebten Unternehmen

aus dem Gastgewerbe und dem Wirtschaftszweig Energieerzeugung.

Diese Firmen würden im Durchschnitt nach rund zehn bis

zwölf Jahren aus den Registern gelöscht.

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stahlmarkt 8.2019


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26 Automobil / Fahrzeuge

Autostart per Knopfdruck: Selbstfahrende Wagen zählen zu den großen Trends der Automobilbranche.

Arbeiten am Auto der Zukunft:

Wohin die Reise geht

Hochfeste Stähle helfen, steigende Anforderungen an neue Fahrzeugmodelle

zu erfüllen

Künstliche Intelligenz und selbstfahrende Wagen sind die großen Trends der Automobilbranche. Doch welche

raffinierten Techniken werden in den Entwicklungslabors und auf den Straßen noch erprobt, und welche Rolle

spielt der Werkstoff Stahl? Ein Blick auf das Auto von morgen.

Von unserer Autorin Heike Stüvel

Es ist ruhig in den Straßen der Stadt.

Fast unhörbar surren Robotertaxis über

den Asphalt. Sie wurden über eine App

bestellt, um wartende Menschen abzuholen.

Die Luft ist sauber. Es gibt keine schädlichen

Abgase. Zu Unfällen kommt es

kaum noch, weil die Autos miteinander in

Kontakt stehen. Die Menschen können

sich bequem zurücklehnen und der Technik

alle Aufgaben des Fahrens überlassen.

Schöne neue Autowelt 2030? Weltweit

stehen der Automobilbranche große

Umwälzungen bevor: So pusht China Elektroantriebe,

und auch in den USA könnten

die Tech-Konzerne kurz davor stehen, das

Autofahren zu revolutionieren. Trotz ständig

verschärfter Umweltvorschriften und

einem durch Skandale lädierten Image

mancher Hersteller wird das Auto wohl

noch lange das Fortbewegungsmittel

Nummer eins bleiben – wenn auch in veränderter

Form.

Megatrends verändern die Autowelt

»Neue Märkte, neue Nachfragemuster,

neue Akteure und vor allem neue Techniken

beginnen die Automobilindustrie und das

Auto radikal zu verändern und genauso

seine Besitzverhältnisse«, sagt Kurt Möser,

stahlmarkt 8.2019


Automobil / Fahrzeuge 27

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Drahtlose Kommunikation: Unfälle könnten erschwert werden, wenn Autos miteinander in

Kontakt stehen.

Professor für Neue und Neueste Geschichte

am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Die Digitalisierung gehört zu den Topthemen

der Automobilbranche. Für die größten

Veränderungen sorgen die Megatrends

der Elektromobilität, Vernetzung und des

autonomen Fahrens.

Aufgrund von Betriebskosten, Platznot in

den Städten sowie Sorge um Klima, Umwelt

und Gesundheit können sich immer mehr

Menschen ein Leben ohne eigenes Auto vorstellen.

Vor allem in Großstädten werden

Fahrzeuge immer häufiger von mehreren

Nutzern geteilt. Und dieser Trend werde bleiben,

betont Möser: »Die Zeiten, in denen

das Auto als Statussymbol vergöttert und

sein Nutzen nicht hinterfragt wurde, sind

vorbei.« Diverse Modelle für Miete und

Carsharing machen es leicht, ein Auto je

nach Bedarf auf Zeit zu nutzen.

Den deutschen Autobauern wurde häufig

vorgeworfen, dass sie die Elektromobilität

verschlafen hätten. Elon Musk, der Mann

mit den großen Visionen aus dem Silicon

Valley, brachte mit der Elektrofahrzeug-Marke

Tesla Schwung in die Branche. Inzwischen

bieten fast alle etablierten Autobauer dem

umtriebigen Konkurrenten aus Kalifornien

Paroli. »Die Elektromobilität wird eine Revolution

im Automobilbau auslösen«, ist Stefan

Bratzel überzeugt. Der Direktor des Center

Automotive Management (CAM) in

Bergisch-Gladbach meint, es führe kein Weg

am E-Auto vorbei – wenn auch noch viele

Probleme zu lösen seien. Wichtige Treiber für

die Elektrifizierung des Automobils sind die

steigenden Ölpreise sowie der Klima- und

Umweltschutz.

Das Credo der meisten Experten lautet:

Das Auto von morgen darf nicht mehr auf

Benzin angewiesen sein. Die Hybridtechnik

erleichtert den Übergang vom »alten« zum

»neuen« Auto: Dabei wird der Verbrennungsmotor

mit einem Elektroantrieb kombiniert.

In vier bis fünf Jahren würden Hybridmodelle

mit einem Anteil von ungefähr fünf

bis 20 Prozent an den weltweiten Neuzulassungen

bereits eine recht hohe Präsenz am

Markt haben, prophezeit Bratzel. Doch auch

rein elektrisch betriebene Fahrzeuge träten

dann mit weltweit rund drei bis fünf Prozent

der Neuzulassungen aus ihrem Nischendasein

heraus, meint der CAM-Direktor. Denn

der Preis für Elektroautos werde deutlich

sinken und ihre Reichweite dank besserer

Batterien wachsen.

Allerdings: Die Klimabilanz eines Elektroautos

ist nicht automatisch besser als die

eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor.

Nur wenn der Strom, der zum Antrieb des

Wagens genutzt wird, aus erneuerbaren

Energiequellen wie Windkraft oder Sonnenlicht

gewonnen wird, gibt es einen deutlichen

Unterschied. Die Kosten sind im Vergleich

zu Benzin und Diesel niedrig, hängen

aber vom Stromanbieter, der Ladedauer und

Ladeleistung ab. Für 100 Kilometer Fahrt

muss man bei einem heutigen Elektroauto

zwischen fünf und 25 Kilowatt Strom »tanken«.

Keine Mobilität ohne Stahl

Leicht, sicher, umweltverträglich und vor

allem bezahlbar sollen Fahrzeuge sein. Die

Entwicklung immer festerer und trotzdem

gut zu verarbeitender Stähle mit einem hervorragenden

Kosten-Nutzen-Verhältnis

macht dies möglich. Ob Diesel, Benziner

oder Elektroauto – ohne Stahl wäre keine

Mobilität möglich. Ohne stählerne Wälzlager

würde sich kein Rad drehen, ohne Ventilfedern

und Nockenwelle aus Stahl würde

Hybridtechnik erleichtert den

Übergang

Autoproduktion: Weltweit stehen der Automobilbranche große Umwälzungen bevor.

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stahlmarkt 8.2019


28 Automobil / Fahrzeuge

kein Verbrennungsmotor und ohne Elektrobleche

aus diesem Werkstoff kein elektrischer

Antrieb laufen. Stahl ist der wichtigste Werkstoff

für die Mobilität.

Besonders eindrucksvoll zeigt es sich am

Beispiel Auto: Trotz des zunehmenden

Trends zu Mischbauweisen bestehen im

Schnitt rund 60 Prozent eines Pkw aus Stahl.

Zum Werkstoff der Wahl für Karosserie,

Antrieb, Fahrwerk und Lenkung macht ihn

sein einzigartiges Eigenschaftsprofil. Es gibt

kein anderes Material, das in der Summe

vergleichbare Eigenschaften wie eine hervorragende

mechanische und thermische

Belastbarkeit, die spezielle Kombination aus

Umformbarkeit, Fügbarkeit und Lackierbarkeit,

optimale Recyclingfähigkeit und eine im

Hinblick auf die automobile Großserienfertigung

hohe Gesamtwirtschaftlichkeit aufweist.

Steigende Anforderungen

Zusammen mit neuen Fertigungsverfahren

tragen insbesondere hoch- und höchstfeste

Stähle dazu bei, die kontinuierlich steigenden

Anforderungen zu erfüllen, die an neue

Fahrzeugmodelle gestellt werden. Einerseits

werden bessere Fahrleistungen, höherer

Komfort und ein Plus an Sicherheit erwartet.

Auf der anderen Seite steht die Forderung

nach mehr Umweltverträglichkeit – also

nach reduziertem Kraftstoffverbrauch beziehungsweise

höherer Reichweite bei elektrisch

betriebenen Fahrzeugen, sinkenden

Emissionswerten und verbesserter Recyclingfähigkeit.

Zuweilen wird der Ansatz diskutiert, möglichst

viele Komponenten eines Fahrzeugs

aus spezifisch leichteren Materialien wie Aluminium

oder kohlefaserverstärkten Kunststoffen

(CFK) zu fertigen. Es hat sich aber in

der Praxis herausgestellt, dass sich der

Gewichtsvorteil dieser sogenannten Leichtbauwerkstoffe

nicht vollständig auf das konkrete

Bauteil übertragen lässt. Die mechanischen

Eigenschaften vieler Leichtbaumaterialien

erfordern neben einer modifizierten

Foto: Stefan Bratzel

Stefan Bratzel, Direktor des Center Automotive

Management (CAM): »Die Elektromobilität wird

eine Revolution im Automobilbau auslösen.«

stahlmarkt 8.2019


Automobil / Fahrzeuge 29

Bauweise meist auch eine Vergrößerung der

Querschnitte. Dieses verringert den angestrebten

Gewichtsvorteil oder hebt ihn bei

einzelnen Bauteilen sogar auf.

Foto: Shutterstock

Geringere CO 2

-Emissionen

Leichte Materialien wirken sich in der Nutzungsphase

eines Fahrzeugs durch

Gewichtseinsparungen positiv auf den Kraftstoffverbrauch

und damit auf die CO 2

-Emissionen

aus. Ob sich der Einsatz eines leichten

Werkstoffs aber ökologisch wirklich rechnet,

zeigt erst eine ganzheitliche Betrachtung,

bei der auch die Werkstofferzeugung, die

Fahrzeug- beziehungsweise Bauteilherstellung

sowie das spätere Recycling berücksichtigt

werden. Hier punktet insbsondere der

Werkstoff Stahl. Die CO 2

-Emissionen, die bei

der Primärerzeugung einer Tonne Stahl entstehen,

sind deutlich geringer als bei Aluminium

oder CFK. Das Recycling von Stahl ist

beliebig oft und ohne Qualitätsverlust möglich.

Bei der Entscheidung für die Verwendung

eines Werkstoffs in Großserie spielt neben

den ökobilanziellen Aspekten dessen wirtschaftlicher

Einsatz unverändert eine zentrale

Rolle. Vor allem bei der Karosserie als

größter zusammenhängender Baugruppe

des Fahrzeugs setzen die Großserienhersteller

daher nach wie vor auf den Werkstoff

Stahl. Nach Aussagen von VW kommen

kommen beispielsweise »extrem teure Materialien

wie Aluminium, Magnesium oder gar

Karbonfaser-Werkstoffe« nicht in Betracht,

wenn das Fahrzeug wie der Golf für Millionen

Menschen erschwinglich bleiben soll.

VW-Ingenieure haben es aber eigenen

Angaben zufolge trotzdem geschafft, vor

allem durch den Einsatz hoch- und höchstfester

Stähle sowie innovativer Fertigungsverfahren,

das Rohkarosseriegewicht des

aktuellen Golfs trotz weiter gestiegener

Crash- und Steifigkeitsanforderungen bei

größeren Abmessungen im Vergleich zum

Vorgängermodell um 23 Kilogramm zu reduzieren.

Spärlich besetzter Parkplatz: Immer mehr Menschen können sich ein Leben ohne eigenes Auto

vorstellen.

Eletrauts bei ufladen Die Eletrbilität erändert die utbilbranche nachhaltig.

Leichtbau spielt immer größere Rolle

Obwohl der Anteil hoch- und höchstfester

Sorten in der Karosserie bereits im Vorgängermodell

rund zwei Drittel aller verwendeten

Stähle ausmachte, ist er im neuen Golf

auf 80 Prozent gestiegen – nicht nur für die

Kompaktklasse ein Spitzenwert. Hierbei werden

in großem Umfang warmumgeformte

Bauteile aus Mangan-Bor-Stählen verwendet,

die höchste Crashsicherheit bei geringem

Gewicht bieten sollen. Deren Anteil ist

von sechs Prozent im Golf VI auf jetzt 28

Prozent gewachsen. Fast sämtliche sicherheitsrelevanten

Strukturbauteile, die das

Rückgrat des Fahrzeugs bilden, bestehen

hieraus.

Aber nicht nur in der Karosserie, auch

bei den massivumgeformten Komponenten

in Fahrwerk und Antriebsstrang, die

etwa 45 Prozent des Gesamtgewichts des

Fahrzeugs ausmachen, spielt Leichtbau

eine immer größere Rolle. Studien der Initiative

Massiver Leichtbau zeigen, dass das

Gewicht der geschmiedeten Komponenten

in einem Mittelklassefahrzeug – zum

Beispiel von Achsschenkeln, Radträgern,

Kurbelwelle, oder Pleuel – durch Fertigungs-

und Konzeptleichtbau um circa

42 Kilogramm reduziert werden kann. Der

ebenfalls relevante Stoffleichtbau, zum

Beispiel durch den Einsatz hochfester bainitischer

Stähle, ist dabei erst zu einem

geringen Teil eingerechnet. Es wird derzeit

untersucht, wie sich höherfeste Stahlwerk-

Foto: Shutterstock

stahlmarkt 8.2019


30 Automobil / Fahrzeuge

Abbildung: Shutterstock

Wagenrahmen aus Stahl: Vor allem bei der Karosserie setzen die Großserienhersteller nach wie vor auf den Werkstoff Stahl.

stoffe auf die Auslegung der geschmiedeten

Komponenten auswirken.

Als Kolbenwerkstoffe in Pkw-Dieselmotoren

leisten moderne, mechanisch und thermisch

hochbelastbare Stähle schon jetzt

einen Beitrag zur Reduzierung von Kraftstoffverbrauch

und CO 2

-Emissionen, da sie

gegenüber den bislang verwendeten Aluminiumkolben

das thermodynamische Verhalten

optimieren und gleichzeitig die Reibung

deutlich reduzieren.

Deutsche Autobauer vor vielen

Problemen

Nach Jahren der Rekordmeldungen haben

die deutschen Autobauer derzeit wenig zu

feiern. Kaum müssen die für die deutsche

Volkswirtschaft so wichtigen Unternehmen

viele Milliarden in Elektroantriebe, Batterietechnik

und Vernetzung im Auto stecken, da

brechen ihnen lange Zeit verlässliche Märkte

regelrecht weg.

Volkswagen und Daimler meldeten für

ihre Kernmarken VW und Mercedes-Benz

weitere Rückgänge beim Autoverkauf rund

um den Globus. Experten sind in Sorge, dass

die Autoproduktion in diesem Jahr drastisch

sinkt. In China, früher ein Wachstumsgarant,

herrscht nach mehr als 20 Jahren Boom

bereits seit zwölf Monaten Tristesse. Die

Autokäufer reagieren weiter höchst sensibel

auf die Zollstreitigkeiten zwischen den USA

und Peking, außerdem wächst die Wirtschaft

im Reich der Mitte ebenfalls nicht

mehr so rasant wie früher. Da warten die

Für den Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer steht die Industrie weltweit vor einer

tiefen Krise.

chinesischen Verbraucher mit teuren

Anschaffungen.

Deutlich rückläufige Verkäufe

Die beiden Branchenverbände China Passenger

Car Associaton (PCA) und China Association

of Automobile Manufacturers (CAAM)

meldeten für Mai weiter deutlich rückläufige

Verkäufe an Kunden sowie geringeren

Absatz an die Händler. Der Markt in Europa

verzeichnet ebenfalls kein nennenswertes

Wachstum. Und in den USA drohen – neben

der Zolldiskussion – höhere Zinsen die Nachfrage

der oft auf Pump kaufenden Autofahrer

abzuwürgen. Volkswagen liegt mit seiner

Kernmarke nach fünf Monaten mit weltweit

rund 2,46 Millionen ausgelieferten Autos

fünf Prozent unter dem Vorjahreswert.

Daimler verkaufte mit der Stammmarke

Mercedes-Benz bisher ebenfalls knapp 5 Prozent

weniger Autos, bei Audi waren es fast

6 Prozent weniger. BMW hatte bis April aber

ein kleines Plus von fast einem Prozent bei

der Hausmarke zu verzeichnen.

Für den Automobilexperten Ferdinand

Dudenhöffer steht die Industrie weltweit vor

einer tiefen Krise. Laut einer Studie des Forschungsinstituts

CAR der Universität Duisburg-Essen

könnte im laufenden Jahr der

Foto: Ferdinand Dudenhöffer

stahlmarkt 8.2019


Automobil / Fahrzeuge 31

Foto: Shutterstock

Carsharing-Konzepte könnten dazu führen, dass immer mehr Verkehr mit immer weniger Fahrzeugen bewältigt werden könnte.

globale Absatz neuer Autos um gut fünf

Prozent auf 79,5 Millionen Stück sinken. Ein

derart starker Einbruch war nicht einmal

nach der Finanzkrise 2008 beobachtet worden.

Dudenhöffer sieht die Handelskriege

und Sanktionen der USA als wichtigsten

Grund. Die Studie rechnet für das Gesamtjahr

2019 mit einem Rückgang von rund

zehn Prozent in China. In Westeuropa werde

das Minus mit drei Prozent moderater ausfallen.

Sparprogramme als Antwort

auf Herausforderungen

China stand demnach zuletzt für mehr als

ein Viertel der weltweiten Autoproduktion.

Jetzt hat das Land laut Dudenhöffer Überkapazitäten

zu schultern, die er auf mindestens

sechs Millionen Fahrzeuge jährlich schätzt.

Zwar treffen die verschiedenen Probleme die

deutschen Hersteller und Zulieferer auf

unterschiedliche Weise. So kostete die

Umrüstung von Dieselfahrzeugen viel Geld.

Bei Audi bereitete der neue Abgasprüfstandard

WLTP die schwersten Probleme. VW ist

mit dem Angebot an massenkompatiblen

Autos relativ stark von der Kaufzurückhaltung

in China betroffen. BMW wiederum ist

dort aktuell mit neuen Modellen zwar gut

unterwegs, doch wegen der Marktturbulenzen

in Europa drosselte das Unternehmen

die Produktion. Außerdem haben die Münchener

eine Vorsorge für eine mögliche Kartellstrafe

der EU getroffen – und das in Milliardenhöhe.

Doch so unterschiedlich die Probleme im

Einzelnen sein mögen, der Effekt ist oft

gleich: sparen, sparen, sparen. Daimler will

rund um den Chefwechsel noch nicht so

recht herausrücken mit konkreten Details

zum Sparprogramm. Bei BMW sollen in den

kommenden vier Jahren insgesamt zwölf

Milliarden Euro eingespart werden. Bei

Volkswagen trimmt Vorstandsboss Herbert

Diess vor allem die renditeschwache Kernmarke

VW und die zuletzt schwächelnde

Konzerntochter Audi auf mehr Rendite.

Neben dem laufenden Sparprogramm von

VW, das vor allem die Produktion trifft, sollen

weitere rund 4 000 Stellen in der Verwaltung

gestrichen werden. Und die Autobauer

sind nicht allein, hintendran hängen die

Zulieferer. Bei den börsennotierten Unternehmen

kam in den vergangenen zwölf

Monaten kaum einer von ihnen um Gewinnwarnungen

herum, weil die Geschäfte

schlechter liefen als geplant.

MEB soll die Kosten senken

VW leidet noch immer an den Folgen der

Diesel-Affäre. Umso ehrgeiziger sind die

Unternehmenspläne in Sachen Elektroautos.

Der VW-Konzern will bis 2025 ein Viertel

seiner Fahrzeuge als Hybrid- oder reine E-Autos

verkaufen. Rund 44 Milliarden Euro sollen

bis 2023 in die Entwicklung dieser Sparte

fließen. Die eigens dafür entwickelte

Plattform namens MEB (Modularer E-Antriebs-Baukasten)

soll auch anderen Herstellern

offen stehen. Das soll die Kosten für die

E-Mobilität insgesamt senken. Der MEB soll

nach Unternehmensangaben als Standard

der E-Mobilität etabliert werden.

Es bestehen durchaus Zweifel, ob das batterieelektrische

Auto eine allgemeingültige

Antwort auf die Frage umweltgerechter

Mobilität in der Zukunft geben kann. Es werde

einen Teil der Probleme lösen können,

aber längst nicht alle, heißt es. Auch im

stahlmarkt 8.2019


32 Automobil / Fahrzeuge

Volkswagen-Konzern, der sich kaum wie ein

anderer dem Elektroauto verschrieben hat,

haben viele Zweifel am Erfolg. Immerhin ist

VW darauf angewiesen, dass sich die teure

Technologie in den preissensiblen Massenmärkten

noch mit Gewinn verkaufen lässt.

Als kaum für die angestrebten Stückzahlen

geeignet gilt der teure Plug-in-Hybrid – ein

klassischer Verbrenner, kombiniert mit einem

Elektromotor, dessen Akku sich an der Steckdose

aufladen lässt. Hiermit träten die Wolfsburger

auch gegen ihren schärfsten Konkurrenten

Toyota an, der schon 20-jährige

Erfahrung auf dem Feld der Hybride hat und

dessen Vorsprung nicht so leicht aufzuholen

ist. Auch die Brennstoffzelle braucht noch

ein paar Jahre, bis sie für die Massenfertigung

tauglich ist.

Fast alle wichtigen Märkte

schwächeln

»Die Branche befindet sich in einer sehr

schwierigen Situation: Sie muss viele Milliarden

Euro in neue Technologien wie die Elektromobilität

investieren, mit denen sie zunächst kein

Geld verdienen wird«, sagt Marcus Berret, der

das weltweite Automobilgeschäft der Unternehmensberatung

Roland Berger leitet.

»Gleichzeitig schwächeln fast alle wichtigen

Märkte; insbesondere der Markt, wo aktuell

das meiste Geld verdient wird: China.«

Langfristig könnte die Branche sogar vor

noch viel massiveren Veränderungen stehen,

die sogar existenzbedrohend werden könnten.

Der Grund: Das Auto mit Verbrennungsmotor

und sogar der gesamte Individualverkehr

in der heutigen Form sind möglicherweise

Auslaufmodelle.

Tausende Jobs in Gefahr

Selbst, wenn es den Herstellern gelingt, massentaugliche

Elektrofahrzeuge auf den

Markt zu bringen, sind Tausende Jobs in

Gefahr. Denn E-Autos sind wesentlich einfacher

aufgebaut als konventionelle Fahrzeuge.

Alleine der E-Motor besteht nur aus

einem Bruchteil der Bauteile eines Verbrennungsmotors.

Eine Studie des Ifo-Instituts

rechnet vor, dass ein Verbot von Verbrennungsmotoren

ab 2030 in Deutschland

620 000 Beschäftigte den Job kosten könnte.

Ein für Autohersteller düsteres Zukunftsszenario:

Viele Menschen könnten sich kein

Elektroauto und SUV für China:

Der VW ID. Roomzz vereint die beiden Trends,

die gerade auf dem chinesischen Markt

besonders ausgeprägt sind.

eigenes Auto mehr anschaffen. Sie könnten

über Online-Dienste einen selbstfahrenden

Pkw zu ihrem Standort rufen, eine definierte

Strecke zurücklegen, und das Fahrzeug am

Zielort stehen lassen. Carsharing-Konzepte

könnten dazu führen, dass immer mehr Verkehr

mit immer weniger Fahrzeugen bewältigt

werden könnte. Das würde andererseits

Energie sparen, Emissionen reduzieren und

Staus verhindern.

Zusammenarbeit als neuer Trend

in der Automobilbranche

Der neue Trend in der deutschen Autoindustrie:

Mit anderen Herstellern zusammenarbeiten

und sich die Ausgaben teilen - für Berret

ist das der richtige Weg: »Nicht einmal die

Größten der Branche können alle nötigen

Investitionen alleine stemmen. Es macht keinen

Sinn, wenn zehn oder 15 Unternehmen

gleichzeitig den Antriebsstrang oder das Fahrwerk

neu erfinden.« Auch bei der Digitalisierung

geht Volkswagen Allianzen ein. Mit

Hilfe des US-Technologieriesen Amazon will

VW seine Reserven mobilisieren und die Produktivität

steigern. Die beiden Weltkonzerne

wollen gemeinsam eine »Industrie-Cloud«

aufbauen, in der künftig die Daten aller

Maschinen, Anlagen und Systeme aus allen

122 VW-Fabriken zusammengeführt werden.

Auch hier gilt: Die Plattform soll auch

anderen offen stehen. Dies ist nicht die einzige

Kooperation mit einem der amerikanischen

Tech-Riesen: Volkswagen arbeitet bei

Cloud-Diensten auch mit Microsoft zusammen,

um seine Autos voll zu vernetzen.

Ein weiteres Beispiel für übergreifende

Zusammenarbeit: Daimler will dieses Jahr

mit dem Zulieferer Bosch im Silicon Valley in

den USA selbstfahrende Fahrzeuge ohne

Lenkrad und Gaspedal in Städten auf die

Straße bringen. Auch die Nutzer von Carsharing

und Mitfahrdiensten bekommen künftig

ein gemeinsames Angebot von ansonsten

konkurrierenden Autobauern: Daimler und

BMW wollen auf diese Weise ihre weltweite

Position auf diesem umkämpften und wach-

stahlmarkt 8.2019


Automobil / Fahrzeuge 33

Da drei von vier in Deutschland gefertigte

Pkw exportiert werden, wirke sich im ersten

Halbjahr der schwächere Auftragseingang

aus dem Ausland auf Produktion und Export

aus, teilt der VDA mit: Die deutschen

Pkw-Hersteller haben bis Juni 2,5 Millionen

Pkw gefertigt (-12 Prozent). Im Juni liefen,

auch bedingt durch die geringere Anzahl an

Arbeitstagen, 374 700 in Deutschland produzierte

Neuwagen vom Band (-24 Prozent).

Entsprechend entwickelte sich der Export:

Seit Januar wurden knapp 1,9 Millionen

neue Pkw ausgeführt (-15 Prozent), im Juni

waren es 273 000 Pkw (-25 Prozent).

Für das Gesamtjahr 2019 sieht der VDA

den deutschen Pkw-Markt bei 3,4 Millionen

Fahrzeugen (-1 Prozent). Das gelte auch für

die internationalen Märkte.

senden Markt ausbauen. Die Konzerne

investieren mehr als eine Milliarde Euro, um

ihre bestehenden Angebote zu erweitern

und zu verzahnen, wie sie in Berlin zum offiziellen

Start des Zusammenschlusses mitteilten.

Sie bringen demnach eine Kundenbasis

von mehr als 60 Millionen aktiven Nutzern

mit.

VDA zieht positive Bilanz

Die Halbjahresbilanz auf dem deutschen

Pkw-Markt 2019 fällt laut Verband der Automobilindustrie

(VDA) positiv aus. In den ersten

sechs Monaten dieses Jahres wurden

demnach gut 1,8 Millionen Pkw neu zugelassen

(+1 Prozent). Dies sei das höchste

Marktvolumen in einem ersten Halbjahr in

diesem Jahrzehnt. 32,9 Prozent der neu

zugelassenen Fahrzeuge würden mit Diesel

angetrieben. Dieser Anteil sei leicht höher als

im Vorjahreszeitraum (32,1 Prozent). Im Juni

seien 325 200 Pkw neu zugelassen worden

(-5 Prozent).

Ebenfalls positiv entwickelte sich nach Informationen

des VDA der Auftragseingang aus

dem Inland: Seit Januar gingen gut vier Prozent

mehr Aufträge inländischer Kunden

ein. Im abgelaufenen Monat wurde das Vorjahresniveau

jedoch um elf Prozent unterschritten.

Hierbei wirkte sich die geringere

Zahl an Arbeitstagen aus. Die Auftragseingänge

aus dem Ausland lagen im ersten

Halbjahr um knapp sechs Prozent unter Vorjahresniveau.

Schwächerer Auftragseingang

aus dem Ausland

Foto: Volkswagen AG

Elektromobilität notwendig

für Erreichung der CO 2

-Ziele

Im Fokus der Transformation steht in den

kommenden Jahren die Elektromobilität,

rein batterieelektrisch und als Plug-In-Hybrid.

Um die sehr ehrgeizigen CO 2

-Flottengrenzwerte

der EU für 2030 zu erreichen,

ist die schnelle Marktdurchdringung von

E-Fahrzeugen notwendig. Auch wenn das

in Brüssel nicht so laut gesagt wird: Fakt ist,

dass diese Flottengrenzwerte erstmals

implizit auch eine Technologievorgabe enthalten,

mit der die Ziele erreicht werden

können.

Die angestrebte Reduktion der CO 2

-Emissionen

von Pkw um 37,5 Prozent bedeutet:

Im Jahr 2030 müssen in Deutschland sieben

bis 10,5 Millionen E-Autos im Bestand auf

der Straße sein. Das ist nur bei hoher Kundenakzeptanz

und optimalen Rahmenbedingungen

möglich – und alles andere als ein

Selbstläufer. Dafür geht die deutsche Automobilindustrie

enorm in Vorleistung: In Forschung

und Entwicklung alternativer Antriebe

investieren Hersteller und Zulieferer eigenen

Angaben zufolge in den kommenden

drei Jahren 40 Milliarden Euro. Das mündet

in eine eindrucksvolle Modelloffensive: Die

deutschen Hersteller wollen bis 2023 ihr

Modellangebot auf über 150 E-Modelle verfünffachen.

Weltweit kommt jedes dritte

Patent im Bereich Elektromobilität und Hybridantrieb

aus Deutschland. Das zeigt: Die

deutsche Automobilindustrie agiert aus

einer starken Position heraus und legt sich

bei der Elektromobilität richtig ins Zeug. Das

gilt für Hersteller und Zulieferer.

Der Schwerpunkt liegt zwar auf der Elektromobilität,

doch nicht alle anderen Optionen

werden darüber vernachlässigt. Es wird

weiter an alternativen Antrieben und Kraftstoffen

gearbeitet. Dazu gehören zum Beispiel

klimaneutrale E-Fuels, CNG (komprimiertes

Erdgas) und Wasserstoff.

stahlmarkt 8.2019


34 Anzeige

Aktuell, innovativ und unterhaltsam

Stahlverbund PHOENIX trifft sich zum Stahltag

»Zurück in die Zukunft« war das Motto, mit dem NORDWEST zum 100. Jubiläumsjahr in der

Gründungsstadt Bremen ihre Stahl-Fachhandelspartner begrüßte. Zukunft, Ideen, Innovationen und

partnerschaftlicher Austausch auf unterschiedlichen Ebenen standen als Themen an. »Ein gut besuchtes und

facettenreich gestaltetes Stahltreffen, mit einem sehr guten Ergebnis«, stellt Jörg Simon als NORDWEST-

Vorstand für Stahl, Finanzen und Administration abschließend fest.

Foto: NORDWEST Handel AG

Beste Laune und eine positive Stimmung zeichneten den Stahltag des Stahlverbunds PHOENIX in Bremen aus.

»Der Stahlverbund PHOENIX bildet eine

starke Gemeinschaft, die für den fachlichen

Austausch und die Ausrichtung für eine

erfolgreiche Zukunft gemacht ist«, stellt

Christopher Rüther als Geschäftsbereichsleiter

Stahl fest. Claudio Kemper, ebenfalls

Geschäftsbereichsleiter Stahl, fügt hinzu: »Es

freut uns insbesondere, die neuen Fachhandels-

und Lieferantenpartner von unserem

Konzept zu überzeugen und zu beweisen,

wie entscheidend und nützlich das Netzwerk

des Stahlverbunds PHOENIX und der

gemeinschaftliche Austausch sind.«

Erst Weser, dann Kongresszentrum

Networking und fachlicher Austausch bei

einer Schifffahrt auf der Weser bildeten den

Auftakt zum diesjährigen Stahltreffen. Die

positiven Ergebnisse der ersten Jahreshälfte

und die transparenten Informationen für die

Fachhandelspartner bezüglich der Bonusvereinbarungen

prägten die Fortsetzung im

Bremer Kongresszentrum. Dabei machte

Jörg Simon den Anfang. Mit einem Blick auf

die Herkunft begann der Stahltag mit stimmungsvollen

Bildern, bereitgestellt von den

anwesenden Fachhandelspartnern und Lieferanten

zur eigenen Historie. Danach referierten

die beiden Geschäftsbereichsleiter

Rüther und Kemper über Strategie,

Geschäftsentwicklung sowie Bonussysteme.

Basierend auf den am Tag zuvor stattgefundenen

Produktkreissitzungen konnten Aktivitäten

im Sammeleinkauf sowie eine positive

Entwicklung der spezifischen Bonussysteme

vorgetragen werden. Die in allen Segmenten

durchweg gute Tonnageentwicklung

sorgte für eine weiterhin positive Stimmung.

Internationale Ausrichtung

intern und extern

Der Stahltag 2019 zeigte deutlich: Der

Stahlverbund PHOENIX bekommt eine

immer bedeutendere internationale Ausrichtung:

Polen, BeNeLux, die Schweiz und

seit diesem Jahr auch mit Fachhandelspartnern

in Frankreich. Speziell für diesen

Bereich wird daher für Westeuropa mit Vincent

Wicker ein neuer Mitarbeiter und langjähriger

Stahlexperte zum 1. September

2019 seine Tätigkeit aufnehmen. Der Vortrag

von Stefan Richlick, Bereichsleiter operativer

Einkauf & Private Label Management,

erklärte den teilnehmenden Fachhandelspartnern

die nachweislichen Vorteile

des erfolgreichen Sourcings in einzelnen

Produktsegmenten.

Veranstaltungs-Fazit

»Die Atmosphäre, die zu dem gesamten

Stahltag des Stahlverbunds PHOENIX

passte, war angenehm und höchst kommunikativ.

Zudem waren die Themen

sehr gewinnbringend und zeigten

erneut, dass das Konzept des Stahlverbunds

PHOENIX zukunftsweisend ist. Wir

freuen uns auf eine gemeinsame, weiterhin

erfolgreiche Zusammenarbeit mit

unseren Fachhandelpartnern«, fasst Jörg

Simon den Stahltag 2019 abschließend

zusammen.

stahlmarkt 8.2019


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36 Automobil / Fahrzeuge

Perfekt entfettete Teile für die

Automobilindustrie

Hohe Qualitätsanforderungen in puncto Bauteilsauberkeit

Burgau/Offingen. Sie sind in vielen deutschen Autos verbaut, auch wenn sie niemand sieht: Die Teile der Ernst

Klimmer GmbH mit Sitz in Burgau, Landkreis Günzburg, finden sich zum Beispiel in Türen und im Antriebsstrang

aller großen deutschen Automobilhersteller. Klar, dass hier die Anforderungen an die Qualität der Teile enorm groß

sind – gerade auch in puncto Bauteilsauberkeit. Deshalb hat das Unternehmen für Stanz- und Umformtechnik die

Entfettung seiner Flansche und Platten an einen regionalen Spezialisten übergeben.

In der Lohnentfettung der Richard Geiss

GmbH aus Offingen, ebenfalls Landkreis

Günzburg, werden die Teile porentief von Öl,

Fett, Spänen und anderen Partikeln gereinigt.

»Wir sind Kunde der ersten Stunde in der

Lohnentfettung bei der Richard Geiss GmbH.

2012 bin ich das erste Mal auf Bastian Geiss

und sein Team zugegangen und habe angefragt,

ob sie für uns Kleinmengen reinigen

können. Schnell war es damit nicht mehr

getan. Mittlerweile kommt hier jeden Tag ein

Fahrzeug vorbei und bringt unsere Teile zum

Entfetten nach Offingen, im Schnitt sind das

75 Gitterboxen pro Woche«, erklärt der

geschäftsführende Gesellschafter Torsten

Klimmer, der das Unternehmen seit 2012 in

zweiter Generation leitet. »Wir haben zwar

auch bei uns im Haus eine Anlage, mit der

wir Teile für die interne Weiterverarbeitung

waschen, aber Bauteile mit einem anspruchsvollen

Reinigungsergebnis lassen wir alle bei

der Richard Geiss GmbH reinigen«, so Klimmer

weiter.

Spezialität ist die

Edelstahlverformung

Torsten Klimmer, geschäftsführender Gesellschafter der Ernst Klimmer GmbH, prüft ein

entfettetes Teil auf seine Sauberkeit.

Die Ernst Klimmer GmbH ist führender Generalist

und Spezialist für Stanz- und Umformtechnik.

Mit seinen Flanschen für die Automobilindustrie

zählt das Unternehmen aus

Schwaben eigenen Angaben zufolge weltweit

zu den Top-Drei-Herstellern. Auf einer Produktionsfläche

von 25 500 Quadratmetern verarbeitet

das Unternehmen jährlich rund 20 000

Tonnen Stahl, Edelstahl und Aluminium. Klimmer

produziert Stanz- und Umformteile mit bis

zu 1 000 Kilonewton Druckkraft und verarbeitet

Blechdicken zwischen 0,8 und 16 Millimetern.

Rund 70 Millionen Teile verlassen jedes

Jahr das Werk in Burgau. Der Großteil der

Produkte, rund 70 Prozent, geht weltweit in

die Automobilindustrie – darunter sind nach

Unternehmensinformationen auch alle großen

deutschen Automobilhersteller. Die Ernst

Klimmer GmbH beliefert auch Kunden der

Elektroindustrie, des Fahrzeugbaus sowie Produzenten

von Selbstbedienungssystemen

rund um den Globus.

Die »Spezialität« seiner Firma sei laut

Klimmer die Verformung von Edelstahl.

Dabei weist das Bauteil an den belasteten

Stellen oft eine höhere Blechstärke auf als

das Ausgangsmaterial. »Manche Geometrien

sind extrem schwierig umzuformen, und

bei der Bearbeitung benötigen wir viel Öl«,

betont Klimmer. Und je höher der Öleintrag,

desto höher natürlich auch die Herausforderung

an die anschließende Entfettung. Torsten

Klimmer: »Diese Ölmenge könnten wir

mit unserer eigenen, alkalischen Waschanlage

nicht von unseren Bauteilen entfernen.

Das Medium wäre innerhalb kürzester Zeit

gesättigt und müsste aufbereitet werden.«

Damit die Automobilhersteller in ihrem eigenen

Produktionskreislauf keine Probleme

bekommen, fordern sie von der Ernst Klimmer

GmbH und anderen Lieferanten perfekt

gereinigte Metallteile, die problemlos

geschweißt und lackiert werden können.

Große Metalldicken fordern großes

Know-how bei der Entfettung

Hier kommt dann die Richard Geiss GmbH im

Nachbarort Offingen ins Spiel, die die Lohnentfettung

der Teile übernimmt. Am Firmensitz

steht dafür eine 800 Quadratmeter große

Foto: Ingo Jensen/Richard Geiss GmbH

stahlmarkt 8.2019


Automobil / Fahrzeuge 37

Halle mit zwei Lösemittelanlagen für die High

End-Entfettung bereit, beide werden mit

eigenen Lösemitteln der Richard Geiss GmbH

betrieben. Die eine mit Perchlorethylen und

die andere mit modifiziertem Alkohol. Es können

besonders stark verölte und benetzte

Metallteile, wie Stanz- und Stanzbiege-,

Drahtbiege-, Tiefzieh- oder Fließpressteile,

porentief von Ölen, Fetten, Spänen und Partikeln

abgereinigt werden. Das Leistungsspektrum

beinhaltet laut Unternehmen sämtliche

Schritte wie Vollbadreinigen, Fluten, Schwallfluten,

Dampfentfetten sowie Konservieren

und Vakuumtrocknen.

Wegen der zum Teil beachtlichen Blechdicken

tropfen die Klimmer-Teile vor Öl, wenn

sie bei der Richard Geiss GmbH ankommen.

»Wir destillieren die eingesetzten Lösemittel

gleich nebenan in der Nachbarhalle und führen

das aufbereitete Lösemittel wieder in die

Anlagen zurück, ein perfekter Kreislauf

also«, erklärt Bastian Geiss, geschäftsführender

Gesellschafter der Richard Geiss GmbH.

Das unternehmenseigene Labor überwacht

zudem permanent das eingesetzte Lösemittel

– für eine stabile und effiziente Entfettung.

»Das ist Prozesssicherheit pur und

unsere Kunden reduzieren das Ausfallrisiko

auf ein Minimum. Denn wenn das Lösemittel

in der Anlage bei einem Kunden kippt, kann

dies unter Umständen zu langen Ausfallzeiten

führen. Das kann sich in der Industrie,

gerade in der Automobilindustrie, niemand

leisten«, betont Waseem Rana, Leiter Lohnentfettung

bei der Richard Geiss GmbH.

Stabiler Entfettungsprozess

Neben der räumlichen Nähe schätzt Klimmer

vor allem die große Flexibilität der Lösemittel-Spezialisten.

»Gerade im Automotivbereich

kommt es nicht selten vor, dass wir

kurzfristig produzieren und liefern müssen,

da muss dann auch die Entfettung mitspielen«,

so Torsten Klimmer. Für dringende Entfettungsaufträge

organisiert die Richard

Geiss GmbH einen Sondertransport nach

Burgau, um die Teile in Offingen zu entfetten

und am nächsten Tag stehen die gereinigten

Teile wieder bei der Ernst Klimmer GmbH.

Auch besondere Anforderungen und Spezialaufträge

seien kein Problem, betonen die

Lösemittel-Spezialisten aus Offingen. So forderte

ein großer deutscher Automobilhersteller

beispielsweise für seine Gewindedurchzüge

von der Ernst Klimmer GmbH explizit einen

speziellen Korrosionsschutz, der anschließend

schweißbar und überlackierbar sein musste.

»Da mussten auch wir ganz schön tüfteln, bis

wir überall eine einheitliche Schichtdicke hinbekommen

haben«, so Bastian Geiss, dessen

Familienunternehmen europaweit als einer

der führenden Anbieter von Lösemitteln gilt

– und das nach Unternehmensangaben mit

besonders nachhaltigem Ansatz. Denn bei

den Lösemitteln der Richard Geiss GmbH

handele es sich um qualitativ hochwertige

Recycling-Ware, also hochreine Destillate, die

nach eigenen Informationen 100 Prozent der

Qualität der Originalware erreichen. Damit

trage man maßgeblich zum Klimaschutz bei

und schone Ressourcen, betont das Unternehmen.

KONTAKT

INFO:

VDW – Generalkommissariat EMO Hannover 2019

Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V.

Corneliusstraße 4 · 60325 Frankfurt am Main · GERMANY

Tel.: +49 69 756081-0 · Fax: +49 69 756081-74

emo@vdw.de · www.emo-hannover.de


38 Rohre, Profile, Flansche & Co.

Foto: Schoeller Werk

Unterzeichneten den Kaufvertrag in Köln (v.l.n.r.): Michael Gottschalk (Geschäftsführer der Schoeller Werk GmbH & Co. KG), Markus Zübert

(Geschäftsführer der Schoeller Feinrohr GmbH, ehemals AK Feinrohr GmbH) und Frank Poschen (Geschäftsführer der Schoeller Werk GmbH & Co. KG).

Schoeller Werk kauft AK Feinrohr

Synergien in der Herstellung von Edelstahlrohren

Hellenthal. Im Rahmen ihres Zukunftskonzepts stellt sich die Schoeller Werk GmbH & Co. KG neu auf und baut

ihre Position als Spezialist für die Herstellung von geschweißten und gezogenen Edelstahlrohren weiter aus. »Für

eine flexiblere strategische Ausrichtung wird die AK Feinrohr GmbH in Neuhaus am Rennweg Mitglied der

Schoeller-Gruppe«, teilt das Schoeller Werk mit.

Demnach schafft das Schoeller Werk

mit dem Kauf wichtige Synergien in der

Herstellung von Edelstahlrohren: AK Feinrohr

ist Spezialist für kalt nachgezogene

Präzisionsrohre und ergänzt das bestehende

Portfolio des Schoeller Werks mit seinem

Know-how am Fertigungsstandort in

Thüringen. Die Kunden beider Werke profitieren

durch eine hohe Flexibilität bei der

Bestellung hochqualitativer Edelstahlrohre.

Zukunftsprogramm

AK Feinrohr ist ein international tätiger Hersteller

von geschweißten und kalt nachgezogenen

Präzisionsrohren sowie Profilen

aus rost-, säure- und hitzebeständigen

Stählen mit Hauptsitz in Neuhaus/Thüringen.

Das Unternehmen ist seit 1982 am

Markt und beschäftigt heute 130 Mitarbeiter.

Jährlich verarbeitet AK Feinrohr etwa

2 000 Tonnen Edelstahl. 2018 habe so ein

Umsatz von 13,5 Millionen Euro erwirtschaftet

werden können, heißt es.

Um seine Marktstellung langfristig zu sichern

und auszubauen, hat das Schoeller Werk im

Frühjahr 2018 ein Zukunftsprogramm eingeleitet.

»Neben umfangreichen Maßnahmen zur

Effizienzsteigerung sind dabei auch die Weiterentwicklung

des Angebots und die Erschließung

von neuen Zielbranchen im Fokus«, so das

Schoeller Werk. Eine erste Maßnahme zur Stärkung

der Marktposition der Schoeller-Gruppe

im Stammgeschäft »geschweißtes Edelstahlrohr«

sei der Zukauf der AK Feinrohr GmbH.

»Wir freuen uns über die zukünftige Zusammenarbeit

mit AK Feinrohr. Unter Berücksichtigung

unserer strategischen Überlegungen passt

die Übernahme des Unternehmens sehr gut in

unser neues Zukunftskonzept. Mit diesem

Schritt stärken wir unsere Marktposition insbesondere

im Segment der nachgezogenen Rohre«,

erläutert Frank Poschen, Geschäftsführer

der Schoeller Werk GmbH & Co. KG. »So können

wir noch besser auf die zunehmenden Veränderungen

von Rahmenbedingungen und

Anforderungen des Marktes reagieren. Unser

Ziel ist es, optimale Synergien zu schaffen, um

für unsere Kunden am Markt bestmöglich agieren

zu können.« Nach Informationen des

Schoeller Werks bleibt die AK Feinrohr GmbH

eine eigenständige Gesellschaft und wird mit

Vollzug der Transaktion unter dem Namen

Schoeller Feinrohr GmbH firmieren. Die

Geschäftsführung bleibe bei Markus Zübert,

der zukünftig durch Frank Poschen, langjähriger

Geschäftsführer der Schoeller Werk

GmbH & Co. KG, unterstützt werde.

KONTAKT

stahlmarkt 8.2019


Rohre, Profile, Flansche & Co. 39

Starke Partner für die Blechbearbeitung

im Stahlbau

IT-Experten IQSoftware und Lantek vereinbaren Kooperation

Darmstadt/Döbeln. Eine neue Kooperation soll die Stärken zweier Software-Spezialisten auf unterschiedlichen

Märkten verbinden: Über gemeinsame Schnittstellen integriert die IQSoftware GmbH die Lösung von Lantek zur

Blechbearbeitung in ihr ERP-System für den Stahlbau.

IQSoftware bietet mit IQSteel.ERP eine

Softwarelösung, die eigenen Angaben zufolge

ganz auf die Besonderheiten und spezifischen

Anforderungen des Stahl-, Anlagen-,

Metall- und Industriebaus zugeschnitten ist.

Sie soll sämtliche Unternehmensbereiche auf

Grundlage einer einheitlichen Datenhaltung

unterstützen – von der Planung über die Kalkulation

und das Dokumentenmanagement

bis hin zur Maschinensteuerung. Als IT-Spezialist

für die Blechbearbeitung ist Lantek

nach eigenen Informationen marktführend

mit seinen fortschrittlichen Fertigungslösungen.

Von der Insellösung zu optimierten

Prozessabläufen

Unternehmen im Stahlbau benötigen in der

Fertigung auch Blechteile, wie etwa Kopfoder

Fußplatten zur Verbindung von Stahlprofilen.

Produzieren sie diese selbst, ist eine

Die Lantek-Software zur Blechbearbeitung integriert IQSoftware in ihr ERP-System

für den Stahlbau – das vereinbarten IQSoftware-Geschäftsführer Alfredo Lemke (links) und

Lantek-Vertriebsbereichsleiter Cvijetin Vasiljevic.

Foto: Lantek

Foto: Shutterstock

Laserschneiden von Blechen: Lantek

entwickelt CAD/CAM/MES/ERP-Softwarelösungen

für Hersteller von Blechteilen,

hren und Prfilen it unterschiedlichen

Schneid- und Stanzverfahren.

Software hilfreich, mit der die Produktion

der Blechteile gesteuert und in den übergeordneten

Prozessablauf der Stahlverarbeitung

eingebunden wird. Darauf zielt die

Kooperation zwischen Lantek und IQSoftware

ab. »Wir freuen uns, dass die Stahlbau-Kunden

von IQSoftware mit unserer

Lösung einen echten Mehrwert für ihre

Blechbearbeitung bekommen – und das

ganz unabhängig davon, von welchem Hersteller

ihre Blechschneidmaschinen stammen«,

sagt Christoph Lenhard, Lantek-Vertriebsleiter

für Deutschland, Österreich und

die Schweiz, über die Zusammenarbeit.

»Durch die Kooperation mit Lantek sind wir

in der Lage, unseren Anwendern ein auf den

Stahlbau spezialisiertes ERP mit integrierter,

automatisierter Blechfertigung zu bieten«,

so Alfredo Lemke, Geschäftsführer von

IQSoftware. »Damit ermöglichen wir den

Schritt weg von der Insellösung hin zu optimierten

Prozessabläufen.«

Fertigungsaufträge für Blechteile werden

durch gemeinsame Schnittstellen automatisch

über das Software-Modul Lantek

Manager aus IQSteel.ERP an Lantek Expert

weitergeleitet. Nach erfolgtem Zuschnitt

gibt das Lantek-System automatisch Rückmeldung

an IQSteel.ERP zur Integration der

Blechteile in die weitere Fertigung.

KONTAKT

stahlmarkt 8.2019


40 Rohre, Profile, Flansche & Co.

Steigende Nutzung von Robotern

in der Rohrfertigung

Robotersystem sogar bei Rohr-Schlauch-Kombinationen einsetzbar

Das präzise Schweißen, Biegen und Trennen von Rohren sowie der Transport und die Ablage von Rohren zeigen es:

Auf Roboter ist Verlass. Genauso zuverlässig bescheren sie ihren Herstellern und Anwendern stetig steigende

Umsatzzahlen.

In der Fertigung sind Roboter ein

Erfolgsmodell. Wie sehr sich ihre Nutzung in

der Industrie und damit auch für die Rohrfertigung

allein schon von der Quantität her

verändert hat, belegen Zahlen der International

Federation of Robotics (IFR) eindrucksvoll.

2008 betrug die Zahl der Industrierobotereinheiten

weltweit noch 113 000. 2018

kletterte sie auf 384 000 Einheiten. Ein Ende

dieses Trends ist nicht in Sicht.

China größter Abnehmer

Vor allem der asiatisch-australische Markt setzt

auf die Unterstützung durch Roboter. 260 000

Einheiten wurden im vergangenen Jahr nachgefragt,

in Europa waren es 71 000 und in

Amerika 49 000 Einheiten. Dabei bleibt China

mit deutlichem Abstand der größte Abnehmer

– 2018 lag ihre Zahl laut IFR geschätzt bei rund

133 000, gefolgt von Japan mit etwas mehr

als 52 000 Einheiten. Einen deutlichen Sprung

machten auch die USA als drittgrößter Robotermarkt

mit 15 Prozent auf insgesamt 38 000

Einheiten im vergangenen Jahr.

»Die USA, Kanada und Mexiko stellen

nach China den zweitgrößten Betriebsbestand

an Industrierobotern der Welt dar«,

sagt IFR-Präsident Junji Tsuda, Präsident der

International Federation of Robotics. Während

zahlreiche wichtige Robotersystemintegratoren

aus Nordamerika kämen, seien die

meisten großen Roboterhersteller in Japan,

Korea und Europa beheimatet.

Geschlossene Prozessketten

Roboter im Einsatz: Hier werden in wenigen Sekunden Doppeldrehfedern produziert,

die beispielsweise in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen.

Roboter bleiben begehrt – auch ungeachtet

der weltwirtschaftlichen und weltpolitischen

Unsicherheiten. Beispiel Deutschland: Die

deutsche Robotik und Automation erreichte

laut VDMA 2018 beim Branchenumsatz erstmals

die Marke von 15 Milliarden Euro – ein

Zuwachs von vier Prozent.

»Geografisch entwickeln sich natürlich die

Märkte am stärksten, die heute noch ganz

oder teilweise auf Automation verzichten«,

erläutert Stefanie Flaeper, Geschäftsführerin

bei transfluid. Überall da, wo Mitarbeiter

qualitativen Einfluss auf Produkte nehmen

können, sei das Potenzial auch sehr hoch.

»Wenn geschlossene Prozessketten

gewünscht sind, ist hier sicher großes

Wachstumspotenzial zu sehen. Auch bei

empfindlichen Bauteilen ist dies ein Thema.«

Automotive als Motor

Treiber der stets steigenden Nachfrage nach

Robotern ist der Bereich Automotive, bei

stahlmarkt 8.2019


Rohre, Profile, Flansche & Co. 41

Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann

dem die Roboternutzung zunehmend Fahrt

aufnimmt. Es folgen Bereiche wie Elektrik/

Elektronik, Metall, Kunststoff- und Chemieprodukte

sowie die Lebensmittel- und

Getränkebranche. Eine Entwicklung also, die

zahlreiche Branchen elektrisiert.

Bei der Nutzung von Robotern nimmt die

Größe des Unternehmens eine zentrale Rolle

ein. 2018 nutzte im Bereich des verarbeitenden

Gewerbes nahezu jedes sechste

Unternehmen (16 Prozent) in Deutschland

mit mindestens zehn Beschäftigten Industrie-

oder Serviceroboter. Wie das Statistische

Bundesamt erklärt, setzen große Industrieunternehmen

häufiger Roboter ein als

kleinere Unternehmen. Bei Großunternehmen

mit mindestens 250 Beschäftigten liege

der Anteil bei 53 Prozent. Bei mittelgroßen

Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten

beträgt er 24 Prozent. Kleine Unternehmen

mit zehn bis 49 Beschäftigten verwenden

Robotertechnologie mit einem Anteil von

zehn Prozent deutlich seltener. »Industrieroboter

werden beispielsweise für Schweißarbeiten,

Laserschneiden und Speziallackierung

genutzt«, berichtet das Statische Bundesamt.

Serviceroboter würden etwa für

Überwachung, Transport und Reinigung

eingesetzt.

Effizient und produktiv

Roboter beweisen sich bereits erfolgreich im

industriellen Alltag. So erfüllt beispielsweise

der Twister von Wafios »höchste Ansprüche

an Qualität bei extrem schneller Prozessabwicklung,

so dass sich die Fertigungsprozesse

effizient und produktiv gestalten«, betont das

Unternehmen. Das Twister-Roboterbiegesystem

sei keine herkömmliche Biegemaschine,

sondern »ein kompaktes Allroundtalent, das

sowohl die vielfältigen Anforderungen von

Biegeaufgaben als auch das Handling von

kompliziertesten Biegeteilen erfüllt.«

Mit dem Twister gebe es ein Biegesystem,

das sogar bei Rohr-Schlauch-Kombinationen

einsetzbar sei. »Diese Basis, kombiniert mit

einem KUKA-Roboter, bildet ein unschlagbares

Team«, so Wafios. Diese Technik

ermögliche es, eine wesentliche Produktivitätssteigerung

zu erzielen.

Auch MiiC OPTON (Europe) entwickelt

seine Roboter kontinuierlich weiter. So wird

ein 6-Achsen-Roboter mit Biegekopf von

MiiC OPTON (Europe) auf einem Bett

geführt. Der Roboter bewegt sich auf der

Führungsbahn zum Biegen eines Werkstücks,

das durch das Spannfutter an einem

festen Ort angeordnet gehalten wird. »Der

Roboter führt an seinem Fahrmodus Beladen,

Entladen, alle Bewegungen des Vorschubes

zwischen zwei Biegestellen sowie

Rotation und Biegen durch«, erläutert das

Unternehmen.

Energie und Daten

Bild: Shutterstock

Auch in der Rohrfertigung hat sich die

Nutzung von Robotern durchgesetzt.

Im Umfeld der Robotik ist vieles zu beachten

– zum Beispiel das Energie- und Datenmanagement.

Leoni entwickelte intelligente

Lösungen für Roboter-Energiezuführungen

und Schleppketten. »Diese ermöglichen es,

ungeplante Stillstände einer Anlage zu vermeiden

und dadurch Wartungskosten zu

reduzieren«, erklärt Leoni. Die Produktion

werde dadurch effizienter.

Energiezuführungssysteme und Schleppketten

versorgen Roboter und Produktionsanlagen

mit Energie und stellen die Verbindung

zu Steuerung und Sensoren sicher.

»Sie sind im Produktionsalltag sehr hohen

Belastungen ausgesetzt und können zu kostenintensiven,

ungeplanten Produktionsstillständen

führen, wenn zum Beispiel Datenund

Energiekabel an Robotern und in

Schleppketten aufgrund von Abnutzung

ausfallen.« Leoni entwickelte daher intelligente

Kabelsysteme, die ihren Zustand aktiv

überwachen, analysieren und übermitteln.

»Klares Ziel ist dabei, Stillstände in der Produktion

zu vermeiden und die Anlagenverfügbarkeit

in der Produktion zu steigern.«

Mit hohem Tempo unterwegs

Investitionen rund um die Robotik sind

schon lange lohnenswert. So erhielt Leoni

von Volkswagen den Auftrag, 1 300 Roboter

für die Herstellung von Elektrofahrzeugen

der Plattform MEB (Modularer Elektrifizierungsbaukasten)

an dessen Standort in

Zwickau mit der Schlauchpaket-Lösung

LSH3 auszustatten. Damit unterstützt Leoni

VW in der Umstellung des Produktionsstandortes

für Verbrennerfahrzeuge hin zum reinen

E-Mobilitätsstandort, was bis Ende 2020

abgeschlossen sein soll.

Am VW-Produktionsstandort Zwickau rüstet

Leoni die Roboter mit der Schlauchpaket-Lösung

LSH3 für Fügetechniken wie Schweißen,

Handling, Lasern, Clinchen oder auch Kleben

aus. Zusätzlich umfasst das Projekt die Installation

von Bodenleitungssätzen, das heißt die

Verkabelung vom Roboter beziehungsweise

vom stationären Werkzeug zur Robotersteuerung.

Die Entwicklung rund um Robotik ist also

mit hohem Tempo unterwegs.

News und Trends aus dem Bereich Robotik

zeigen die Messen wire und Tube vom 30.

März bis 3. April 2020 auf dem Düsseldorfer

Messegelände.

stahlmarkt 8.2019


42 Rohre, Profile, Flansche & Co.

Prozesskompetenz rund um die Bearbeitung

von Blechen, Rohren und Profilen

Blechexpo 2019: Highlights der Blechverarbeitung und Fügetechnik

Stuttgart. Mit erstklassiger Kompetenz hinsichtlich der Bearbeitung von Blechen, Rohren und Profilen heißt die

14. Blechexpo zusammen mit der 7. Schweisstec ihre Austeller und Fachbesucher vom 5. bis 8. November 2019 in

Stuttgart willkommen. Die beiden komplementären Branchenveranstaltungen liefern den Fachbesuchern ein

umfassendes Produkt- und Leistungsangebot rund um die thermische und mechanische Be- und Verarbeitung

sowie die Schweiß-, Füge- und Verbindungstechnik.

Das Messedoppel Blechexpo / Schweisstec

findet im Zweijahresturnus statt. Bereits

rund fünf Monate vor dem Messestart verzeichnet

das Messeunternehmen P. E. Schall

GmbH & Co. KG mit dem Projektleiter für

die Blechexpo und die Schweisstec, Georg

Knauer, mehr Aussteller auf mehr Quadratmetern

sowie höhere Internationalität als vor

zwei Jahren. »Der Zuwachs von gut 150

Hauptausstellern und 20 Prozent Hallenfläche

mehr als im entsprechenden Zeitraum

2017 ist bereits gesetzt – es zeichnet sich ab,

dass die Ergebnisse aus dem Rekordjahr

2017 wohl getoppt werden«, teilt der Veranstalter

mit. Insgesamt werden demnach

etwa 1 500 Aussteller das Messegeschehen

rund um die Blechexpo / Schweisstec in neun

Hallen in Stuttgart bestimmen.

Fläche, Aussteller, Internationalität:

neue Dimensionen in Sicht

Impression von der Blechexpo 2017

Der Konstruktionswerkstoff Blech ist zusammen

mit Rohr- und Profilmaterialien zur

gebräuchlichen Alternative gegenüber herkömmlichen

Guss- und Stahlbau- sowie

auch zu Kunststoffkonstruktionen gereift.

FEM-optimierte Leichtbau- und modulare

Komponentensysteme prägen das Bild des

modernen, material-, gewicht- und kostensparenden

Fahrzeug-, Maschinen- und

Apparatebaus. Umso mehr stehen das präzise

Schneiden, Stanzen und Umformen von

Stahl, Aluminium- und NE-Metall-Blechen

auf der Blechexpo und Schweisstec im

Fokus.

Der Fachbesucher erhält Lösungen und Systeme

rund um die Vor- und Endbearbeitung,

die Baugruppen-Komplettierung sowie das

Oberflächen-Finish sichtempfindlicher Bauteile

an die Hand. Auch die Themen Leichtbau,

Konstruktionslösungen, Handling, Qualitätssicherung,

Automatisierung und Digitalisierung

in der Blechbearbeitung und Fügetechnik

werden umfassend behandelt.

Foto: P. E. Schall GmbH & Co. KG

rff: Zahlreiche Zulassungen verlängert

Stuhr/Bremen. Wenn es um das Thema

»Qualität« geht, setzt das Haus rff

nicht auf Kompromisse. »Schließlich erwarten

unsere Kunden beste Produkte und

zuverlässigen Service«, teilt das Handelshaus

für Rohre, Flansche, Rohrformteile

und Rohrzubehör mit. Daher sei es selbstverständlich,

dass man die zahlreichen

Zulassungen regelmäßig verlängern lasse,

so das Unternehmen mit Hauptsitz in Stuhr

bei Bremen. Im Rahmen der diesjährigen

Re-Zertifizierung, die vom TÜV Nord durchgeführt

wurde, seien verschiedene Prozesse

auf Einhaltung der Qualitätsstandards

überprüft und insgesamt mit »sehr gut«

bewertet worden. Im Anschluss an das

Audit seien die Zulassungen »Bearbeiter

von Werkstoffen gemäß AD2000-Merkblatt

W0«, das QM-System nach DGRL

2014/68/EU und die Umstempelvereinbarung

gemäß DIN EN 764-5 erfolgreich verlängert

worden.

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und nahtlose Stahlrohre

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44 Rohre, Profile, Flansche & Co.

Über den Schiffsbau zur Laserschneidanlage

ytz inestiert in yste zur Blech hr und Prfilbearbeitung

Zunzgen/Schweiz. Mit Glasfassaden, Treppenkonstruktionen oder Dächern realisiert die Rytz AG diverse

Projekte. Um vom Lohnschneidsektor unabhängiger zu sein, investierte der Stahl- und Fassadenbauer in ein

Faserlasersystem mit Laserrotator und Scanner zur Blech-, Rohr- und Profilbearbeitung.

Die schweizer Rytz AG bietet Planung,

Konstruktion und Montage in den Bereichen

Metall-, Fassaden- und Stahlbau und hat sich

vor allem mit seinen individuellen und architektonischen

Lösungen einen Namen

gemacht. Davon zeugen die Mitarbeit bei

anspruchsvollen Projekten wie dem Zermatlantis,

einem unterirdisch gelegenen Museum

über die Geschichte des Matterhorns im

Schweizer Kanton Wallis, aber auch der

Messe Basel, dem Kunsthaus Zürich oder

diversen Hotels namhafter Ketten in Paris,

Tel Aviv oder Jerusalem. „Wir sind ein Generaldienstleister

und kümmern uns um den

gesamten Weg von der Kreation bis zur

Umsetzung. Wir realisieren exklusive Projekte,

fertigen aber ebenso gerne Produkte für

kleinere und mittlere Unternehmen“, sagt

Marco Rytz, Vorsitzender der Geschäftsleitung

der Rytz AG.

Von der Konstruktion über

Architektur bis hin zur Montage

2016 investierte die Rytz AG in eine kombinierte Laserschneidanlage der MSF-Baureihe.

Das fleible Faserlasersyste eröglicht die Bearbeitung n Blechen und hren ittels

Laserrotator.

Um Kunden optimale Ergebnisse bei den

Projekten aus Glas, Metall oder auch Textilmembranen

liefern zu können, wurde die

Rytz AG in mehrere Sektoren unterteilt: rytz

construct kümmert sich unter anderem um

Spezialkonstruktionen, Fassaden oder auch

Balkone, Geländer oder Treppen; rytz industrie

hat sich dem Stahlbau sowie dem Bau

von Industrie- und Gewerbefassade verschrieben;

rytz produktion beherbergt beispielsweise

Schlosserei oder Job-Shop-Center

und rytz ardiba ist für Architekturleistungen

und Bauausführung zuständig. »Mit

den einzelnen Sektoren können wir sehr

genau auf Kundenbedürfnisse eingehen«,

betont Christoph Müller, Leiter Fertigung.

Über 75 Mitarbeiter und vier Produktionshallen

verfügt der Ausbildungsbetrieb, bei

großen Projekten wird zu den bestehenden

4 000 Quadratmeter eine Halle zur Vormontage

dazu gebucht. Um die planungsintensiven

Leistungen und die individuellen Produkte

umsetzen zu können, kommt es nicht

nur auf das Know-how der Mitarbeiter an,

sondern auch auf einen entsprechenden

Maschinenpark oder ein Lieferantennetzwerk,

das die notwendige Flexibilität mitbringt.

Jahrelang vertraute die Rytz AG auf

die Dienstleistungen von Lohnschneidunternehmen.

Da aber die Kundenwünsche

immer aufwendiger und spezifischer wurden

und die Lieferzeiten beim Lohnschneider die

Produktion zu arg einschränkten, entschieden

sich Rytz und sein Team nach einer hauseigenen

Lösung zu schauen.

Über den Schiffsbau auf Technologie

aufmerksam geworden

Marco Rytz, großer Fan des Schiffsbaus, sah

im Internet Videobeiträge von Schiffswerften.

Dabei wurde er auf MicroStep aufmerksam,

denn etliche Schiffswerften setzen im

Bereich Zuschnitt auf Technologie von

MicroStep. Aus einer zunächst ins Auge

gefassten Plasmaschneidanlage wurde

schließlich ein Faserlasersystem. Am Ende

entschied man sich für die MSF-Baureihe von

MicroStep mit Laserrotator zum Fasenschneiden

und neben der Blechbearbeitung

mit Option zur Rohr- und Profilbearbeitung.

»Die Flexibilität der Technologien hat Micro-

Step sehr interessant gemacht. Die Vielseitigkeit,

die Möglichkeit zum Fasen und Rohrschneiden

waren entscheidend«, sagt Rytz.

Heute sind beinahe drei Jahre seit der

Inbetriebnahme vergangen, Rytz nutzt das

Schneidsystem für eigene Anforderungen

wie auch zur Abarbeitung von Lohnaufträgen.

Neben der Leistungsfähigkeit zeigt sich

Müller auch mit der Anlagengröße, die für

Bleche eine Arbeitsfläche von 6 Meter x 2 Meter

aufweist, zufrieden. Meist belegt man

wegen der zahlreichen kleinen Aufträge in

unterschiedlichen Blechstärken zwei Tafeln

im Halbformat 1,5 Meter x 3 Meter. Der

automatische Wechseltisch, der laut Micro-

Step bei der Be- und Entladung in die Schneidzone

erheblich Zeit einspart, tut sein Übriges.

»Das Handling ist sehr gut, so wie wir

mit der Anlage arbeiten, sind wir richtig

leistungsaktiv«, so Müller.

Foto: MicroStep Europa GmbH

stahlmarkt 8.2019


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46 Aus den Unternehmen

GKD: Weichenstellung für die Zukunft

Einstieg der nächsten Generation ins Unternehmen

Düren. Mit Lara Kufferath (30) ist kürzlich die erste Vertreterin der vierten Generation des inhabergeführten

Familienunternehmens GKD – Gebr. Kufferath AG in die Firma eingetreten. Das teilt der Hersteller von technischen

Geweben aus Metall und Kunststoff sowie von Spiralgeflecht mit.

Das Unternehmen wurde 1925 im rheinischen

Düren gegründet. Heute ist GKD mit

sechs Werken sowie Niederlassungen und

Vertretungen weltweit aktiv. »Vor dem Hintergrund

der zunehmenden Internationalisierung

der GKD-Gruppe übernimmt Lara

Kufferath neben einer gründlichen Einarbeitung

Aufgaben in der Unternehmensentwicklung

und damit die gruppenübergreifende

Leitung strategischer Projekte«, so

GKD.

Prozesse und Strukturen international

ausrichten

2013 schloss Kufferath ihr Masterstudium

der Betriebswirtschaftslehre an der EBS Universität

für Wirtschaft und Recht in

Oestrich-Winkel mit dem M.Sc. in Management

ab. Während ihres Studiums sammelte

Lara Kufferath trat als erste Vertreterin der

vierten Generation in die Firma GKD ein.

Fotos (2): GKD

sie internationale Erfahrungen in Auslandssemestern

an der Copenhagen Business

School und der Columbia University in New

York. »Inzwischen bringt sie mehrjährige

Berufspraxis in den Bereichen Unternehmensentwicklung,

Prozess- und Produktionsoptimierung,

Supply Chain Management,

Organisationsgestaltung und Digitale Transformation

mit«, betont GKD. Diese habe sie

sowohl in Unternehmen der produzierenden

Industrie als auch durch ihre Tätigkeit für

eine schweizerische Unternehmensberatung

erworben. Parallel habe sie eine Lean Six Sigma

Black Belt Ausbildung absolviert, die sie

zur eigenverantwortlichen Leitung bereichsübergreifender

Lean Management Projekte

qualifiziert habe. Darüber hinaus kennzeichnen

Kufferath nach Unternehmensangaben

hohe interkulturelle Kompetenzen, Mehrsprachigkeit

– sie spricht fünf Sprachen –

sowie eine ausgeprägte unternehmerische

Denke.

Dieses Wissens- und Erfahrungsspektrum

will sie nun nutzen, um den Erfolg des Familienunternehmens

fortzuschreiben. Nach

entsprechender Einarbeitung in die vier

Geschäftsbereiche – Industriegewebe, Prozessbänder,

Architekturgewebe und transparente

Medienfassaden – soll Kufferath bei

GKD Aufgaben und Projekte für die Unternehmensentwicklung

übernehmen und diese

ebenso wie die Gruppenstrategie mitgestalten

und vorantreiben. »Ziel dieses neu

geschaffenen Funktionsbereichs ist im ersten

Schritt eine verstärkte standortübergreifende

Standardisierung und Harmonisierung. So

wird Lara Kufferath beispielsweise mitver-

Architekturgewebe von GKD verleihen unter

anderem dem neuen Eingangsbereich von

Schloss Versailles in Paris sein Gesicht.

stahlmarkt 8.2019


Aus den Unternehmen 47

Foto: GKD/Emil Zander

Der Vorstand der GKD – Gebr. Kufferath AG setzt sich aus Ingo und Dr.

Stephan Kufferath zusammen.

FÜR EINE

WELT DES

HANDELS.

antwortlich die digitale Transformation der Businessprozesse und die

verstärkte Zusammenarbeit der Gruppe auf internationaler Ebene

vorantreiben«, so GKD. Auch die Gestaltung eines gesicherten gruppenweiten

Know-how-Transfers sowie der Rollout von IT- und Kommunikationssystemen

in der GKD-Gruppe zählen zu ihren Aufgabenschwerpunkten

im ersten Jahr.

Zukunftsfähigkeit im Blick

Kufferath ist die ältere von zwei Töchtern des kaufmännischen Vorstands

Dr. Stephan Kufferath. Im Studium und mit zunehmender

Praxiserfahrung entstand mehr und mehr der Wunsch, einmal in das

Familienunternehmen einzusteigen. »Mich begeistert die Kombination

aus Tradition und Innovationskraft, mit der wir es geschafft

haben, uns in den fast 100 Jahren seit Gründung immer wieder neu

zu erfinden, ohne dabei unsere Wurzeln zu verlieren. GKD ist ein

prototypisches Beispiel für Portfoliodiversifikation: Die Breite und die

Vielfalt, in der wir international für verschiedenste Anwendungsmärkte

aufgestellt sind, bieten viel Gestaltungsspielraum für die

Zukunft«, begründet sie diesen Entschluss. Der amtierende Vorstand

setzt sich aus Dr. Stephan Kufferath und seinem Bruder, Diplom-Ingenieur

Ingo Kufferath, zusammen. Mit dem Eintritt von Lara Kufferath

in das Unternehmen steigt nach Unternehmensangaben die

Zuversicht, dass die Führung des Gewebespezialisten auch in der

Zukunft mit Familienmitgliedern besetzt sein wird. Entsprechend

optimistisch zeigen sich auch ihr Vater und Onkel: »Aufgrund ihrer

fundierten Erfahrungen bringt Lara beste Voraussetzungen mit, die

Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens, seiner Produkte und Prozesse

zu sichern und international weiter auszubauen.«

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stahlmarkt 8.2019

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48 Aus den Unternehmen

Maßnahmen zur nachhaltigen Arbeit

im Überblick

chaeffler eröffentlicht achhaltigeitsbericht

Herzogenaurach. Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hat seinen Nachhaltigkeitsbericht für das

Geschäftsjahr 2018 veröffentlicht. Die zentralen Handlungsfelder bewegen sich dabei um die Themen nachhaltiges

Wirtschaften, Kunden und Produkte, Umwelt und Energie sowie Mitarbeiter und Gesellschaft.

Der Bericht wurde gemäß den Berichtsstandards

der Global Reporting Initiative

(GRI) erarbeitet. Entlang des Mottos »Fortschritt

sichtbar machen« möchte das Unternehmen

darin aufzeigen, wie das Thema

Nachhaltigkeit umgesetzt und vorangetrieben

wird. In einer Pressemeldung heißt es,

das Nachhaltigkeitsmanagement stellte im

vergangenen Jahr besonders die Weiterentwicklung

der nachhaltigen Lieferkette und

die ressourcenschonende Produktion in den

Mittelpunkt seiner Aktivitäten. »Als globales

Unternehmen tragen wir eine besondere

Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft.

Aus diesem Grund ist ein ganzheitlich

nachhaltiger Ansatz entlang der Wertschöpfungskette

ein zentraler Aspekt unserer werteorientierten

strategischen Ausrichtung«,

versichert Corinna Schittenhelm, im Vorstand

Personal und Arbeitsdirektorin der

Schaeffler Gruppe.

Öknomisch langfristig agieren

Die Aktivitäten und Maßnahmen zum Thema

Nachhaltigkeit fasst Schaeffler in vier Kategorien

zusammen. Im Handlungsfeld des

nachhaltigen Wirtschaftens verfolge das

Unternehmen unter anderem das Ziel, ökonomisch

langfristig zu agieren und seine

technologische Kompetenz zu bewahren. Nach

eigenen Angaben unterhalte die Schaeffler

Gruppe Managementstrukturen und -prozesse,

die dafür sorgen sollen, dass die Geschäftstätigkeiten

jederzeit rechtskonform sind und

den ethischen Anforderungen genügen.

Trendthemen Umwelt- und

Klimaschutz

Für die Trendthemen Umwelt- und Klimaschutz

liefert Schaeffler bereits jetzt Produkte

und Technologien, welche die Mobilität

und industrielle Anlagen umweltverträglicher

und effizienter machen sollen. Dahingehend

wird im Nachhaltigkeitsbericht der

Anschluss an die Ziele der Klimarahmenkonvention

der Vereinigten Staaten unterstrichen.

So schließt sich auch Schaeffler nach

eigenen Angaben der Absicht an, die Erderwärmung

zukünftig erheblich begrenzen zu

wollen. Darüber hinaus sollen zum Beispiel

die Klimaschutzaktivitäten des Unternehmens

auf einer verbesserten Datenbasis forciert

werden. Neben der Messung und Steuerung

eigener Energieverbräuche und Emissionen

sollen auch solche jenseits der eigenen

Werke und Fahrzeuge erfasst werden.

Flexibilität bei Kunden und Produkten

Die gegenwärtigen Trends stellen zudem die

Automobil- und Industriekunden des Unternehmens

laufend vor neue Herausforderungen.

Hierfür werde etwa analysiert, wie sich

die Bedarfslagen aufgrund jener Entwicklungen

verändern. Auf dieser Basis versucht

Schaeffler neue Produkte zu entwickeln, die

den Ansprüchen der Zukunft genügen. Der

Fokus liege hier auf umweltfreundlichen

Antrieben, urbaner und interurbaner Mobilität

sowie erneuerbaren Energien.

Mitarbeiter im Fokus

Foto: Shutterstock

Mit der Personalarbeit möchte Schaeffler die

Aspekte Gesundheit, Bildung und Gleichstellung

etablieren. Dazu gehöre es, die Belastungen

am Arbeitsplatz zu reduzieren und

einheitliche Arbeitsschutzstandards zu

berücksichtigen, so das Unternehmen. Mithilfe

von Feedbacks und Trainings soll außerdem

die Führungskräfteentwicklung vorangetrieben

werden. Auch Nachwuchsförderung

stehe nach wie vor auf dem Programm,

heißt es. Zudem stellt Schaeffler die Vielfalt

der Belegschaft als »Voraussetzung für Innovationsfähigkeit

und Flexibilität« dar.

Neue Position für

Nachhaltigkeitsarbeit

Weiterhin verkündet Schaeffler, seit Beginn

des Jahres die interne Nachhaltigkeitsorganisation

weiterzuentwickeln und dazu einen

eigenen Bereich eingerichtet zu haben. Thomas

Fußhöller sei nun als Leiter Nachhaltigkeit,

Umwelt, Arbeitsmedizin und -sicherheit

zur Schaeffler Gruppe für die gebündelten

Themen verantowrtlich. Mit diesem Schritt

möchte das Unternehmen seinem Nachhaltigkeitsmanagement

mehr Gewicht verleihen

und die Strategien weiter vorantreiben.

Der vollständige Bericht inklusive interaktiver

Elemente ist ab sofort online abrufbar.

KONTAKT

stahlmarkt 8.2019


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50 Stahlkultur

Die Kunst der wogenden

Linie – das Marta Herford

Seine Lichtschächte wurden bereits mit abgebrochenen Schornsteinen

von Ozeandampfern verglichen: Das 2005 eröffnete Marta Herford,

Museum für zeitgenössische Kunst, setzt sich aus verschiedenen

Gebäudeteilen mit rötlich brauner Ziegelfassade zusammen. Isoliert

betrachtet wirken sie wie aufeinandergestapelte, teilweise schon in

sich zusammengesunkene Kartons. Im Zusammenspiel bilden sie

eine wogende Linie, die ein Dach aus Edelstahl mit eingearbeiteten

Lichtschächten optisch verbindet. Geringe Wartungskosten und

Langlebigkeit machten den dauerhaft korrosionsbeständigen

Werkstoff auch in Herford für Gehry zum Material der Wahl. Allein

für die Dachgestaltung wurden 400 Tonnen nichtrostender Stahl

verarbeitet: Scheinbar wie lose Blätter auf den einzelnen Elementen

liegende Edelstahlbleche verleihen dem Museumsbau die Anmutung

sich auftürmender Wellenberge. Das Gebäude bietet eine Ausstellungsfläche

von 2 500 Quadratmetern. Entworfen wurde das Marta Herford

von Frank Owen Gehry. Wohl kaum ein anderer Architekt hat das

visuelle und mechanisch-physikalische Potenzial von Edelstahl

regelmäßig mehr bis an die Grenzen des technisch Machbaren

ausgeschöpft als er. Sein seit über sechs Jahrzehnten währendes

Schaffen macht Edelstahl Rostfrei unvergänglich.

Frank O. Gehry (90) liebt Abenteuer

und Bewegung – in seiner Freizeit

ebenso wie in der Architektur. Das

seit über sechs Jahrzehnte währende

Schaffen des kanadisch-US-amerikanischen

Stararchitekten und begeisterten

Seglers macht Edelstahl Rostfrei

unvergänglich. Für seine dekonstruktivistische

Architektur wurde Gehry

1989 der Pritzker-Preis verliehen.

Foto: Shutterstock

stahlmarkt 8.2019


Stahlkultur 51

Foto: WZV / Marta Herford / Felix Hüffelmann

stahlmarkt 8.2019


52 Aus der Produktwelt

Optimierte Anwendungen aus praktischer

Fertigung und Programmierung

Materialise demonstriert aktuellen Entwicklungsstand

Bremen. Gewichtsreduzierung, Kostensenkung und funktionalere Anwendungen: Das Unternehmen Materialise

war auf der vergangenen Rapid.Tech, einer Fachmesse für additive Technologien, am Start und präsentierte gleich

eine ganze Bandbreite an Neuheiten zur Optimierung der additiven Fertigung.

Darunter befanden sich zahlreiche

Anwendungsbeispiele aus der Praxis sowie

neue Software-Versionen. Die vorgestellten

Lösungen entstammen dabei unterschiedlichen

Bereichen, anhand derer das Unternehmen

beabsichtigte, die Möglichkeiten der

additiven Fertigung zu demonstrieren.

Leichteres Materialgewicht

Vorgestellt wurden unter anderem eine Sauggreifer-Lösung,

die Materialise als beispielhaft

für das Redesign eines existierenden Produktionswerkzeugs

präsentierte. In einer Serienproduktionsanlage

soll der Greifer dazu dienen,

leichte zylindrische Objekte anzuheben. Durch

das Redesign konnte sowohl eine Verbesserung

der Funktionalität als auch ein leichteres

Materialgewicht erzielt werden, wie Materialise

mitteilte. Darüber hinaus koste der Greifer

in der Herstellung nur noch die Hälfte.

Erweiterbare Funktionen

Darüber hinaus entwickelte Materialise eine

Spannvorrichtung für Stoßstangen, die nach

eigenen Angaben Anwendung bei dem

modularen RapidFit-System des gleichnamigen

Tochterunternehmens für Fahrzeugentwicklung

findet. Hier soll anhand einer Kombination

aus 3-D-gedruckten Knotenpunkten

und Karbonrohren eine stabilere und bis

zu 90 Prozent leichtere Messvorrichtung

erzeugt werden. Die Funktionalität der Vorrichtung

könne sogar noch weiter ausgebaut

werden, sofern sie mit additiv gefertigten

Komponenten aus einen Nylon-Aluminium-Gemisch

erweitert werde. So profitierten

Anwender generell von der Möglichkeit,

Funktionalitäten in den Aufnahmepunkten

der Vorrichtung zu integrieren, heißt es seitens

Materialise.

Eine Spannvorrichtung für Stoßstangen zur optischen Vermessung soll zukünftig die

Fahrzeugentwicklung weiter erleichtern.

Exemplarisch für die Erschließung neuer

Geschäftsfelder gilt zudem die Fertigung eines

Skischuhs des Schweizer Start-ups Tailored Fits.

Dessen Produkte verfügen über additiv gefertigte

Innenschuhe aus thermoelastischem

Polyurethan und wurden in Kooperation mit

Materialise konzipiert. Für die serielle Individualisierung

sei weiterhin eine digitale Lieferkette

entwickelt worden. Dadurch soll gewährleistet

werden, dass im Fachgeschäft Kundendaten

unmittelbar an das Materialise-Druck-Werk am

Standort in Belgien gelangen. Dort können die

entsprechend geformten Innenschuhe dann

kurzfristig hergestellt werden.

Übergreifendes Potenzial

Auch mit der Entwicklung bestehender Software-Versionen

war Materialise in der Vergangenheit

beschäftigt. Mit der »Materialise

Simulation 2.0« möchte das Unternehmen

zukünftig nicht nur die Geschwindigkeit der

Software verbessern, sondern auch seine

Simulationsfunktionen erweitern. Dazu gehöre

eine Bauteilkompensation, mit der Verformungen

vorhergesagt und kompensiert werden

können. Zudem vereinfache das Update

die Verwaltung der Simulation und mache sie

folglich einem breiteren Publikum zugänglich.

Ursprünglich entwickelte Materialise die Software,

um mithilfe eines virtuellen Prototyps

das Verhalten eines Bauteils während der Produktion

vorherzusagen und zu analysieren.

Weiterentwicklung der Software

Mit Materialise Streamics entwickelte das

Unternehmen ein Software-Tool zur Verwaltung

und Rationalisierung von 3-D-Druck-Produktionsabläufen.

Die neue Version soll dazu

beitragen, die oft noch isolierten hauseigenen

Kapazitäten in produktive und integrierte Produktionsanlagen

zu verwandeln. Erreichen

möchte Materialise diese Erweiterung durch

eine einfachere Integration der 3-D-Druckproduktionsumgebung

in bestehende Geschäftsund

Produktionssysteme.

KONTAKT

Foto: Materialise

stahlmarkt 8.2019


Aus der Produktwelt 53

Stahl ∙ Edelstahl ∙ Anschlagrohre ∙ Bauelemente

Künstliche Intelligenz in

europäischen Gießereien

DataProphet und pour-tech gehen weiteren Schritt in

Richtung Industrie 4.0

DataProphet, ein Entwickler für Lösungen der künstlichen Intelligenz (KI)

in der industriellen Produktion, hat eine strategische Allianz mit dem

Automatisierungs-Spezialisten pour-tech vereinbart. Gemeinsam wollen

die Unternehmen praxisgerechte KI-Systeme in europäische Gießereien

bringen.

WIR LIEFERN!

Bild: DataProphet

Anhand künstlicher Intelligenz sollen Betriebsabläufe in europäischen Gießereien bald

messbar optimiert werden.

Das grundlegende Ziel der Partnerschaft

sei es, bestehenden und neuen Kunden von

pour-tech zu ermöglichen, Qualität und Effizienz

ihrer Gießereien mithilfe von KI zu

optimieren. Laut Oliver Schmitz, Sales Manager

von pour-tech, ließe sich durch die

Zusammenarbeit ein gesamtheitliches

Abbild der Betriebsabläufe schaffen. Die

Basis dafür bilden analoge und digitale

Daten, die der Anwender über Jahre hinweg

gesammelt hat. »Wir können den Gießereien

messbare Verbesserungen in der Produktivität

bieten, die aus der Nutzung von

Machine Learning resultieren. Nach diesem

Grundsatz werden wir in Gießereien in ganz

Europa transformieren«, blickt Schmitz optimistisch

in die Zukunft.

Um die Pläne umzusetzen, schuf DataProphet

eine Plattform, die sich der Methode

des Deep Learning bedient. Die Lösung

käme nach Unternehmensangaben gerade

dann zum Einsatz, wenn es um die Analyse

besonders großer Datenbanken geht. Die

stahlmarkt 8.2019

Software arbeite dementsprechend vorausschauend

und empfehle dem Maschinenbediener

die jeweils nächste optimale Aktion.

Durch eine solche Betriebsweise der Anlagen

werde beabsichtigt, die Ausbeute zu

erhöhen, die Fehlerquote zu senken und die

Anlagenverfügbarkeit zu steigern. Die Software

könne dabei in jede beliebige Industrieumgebung

integriert werden.

Frans Cronje, CEO von DataProphet,

betont vor allem die komplexe Anwendbarkeit

der KI-Plattform, denn diese biete »den

Anwendern nicht nur in der Gießereiindustrie

die Möglichkeit, die Produktivität von

ausgereiften Technologien und vorhandenen

Anlagen erheblich zu steigern«. Nach

eigenen Angaben befindet sich das Unternehmen

derzeitig auf Expansionskurs und ist

kürzlich Kooperationen mit Partnern in Europa,

Nordamerika und Südamerika eingegangen.

TRÄNENBLECHE

SCHWARZ UND

FEUERVERZINKT

STÄRKE:

3 bis 10 mm + Träne

FORMATE:

1000 mm x 2000 mm

1250 mm x 2500 mm

1500 mm x 3000 mm

LOGISTIK:

von der einzelnen Tafel

über Pakete bis hin zur

kompletten Ladung

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Peter Drösser GmbH

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Fon +49 221 6789-0 // info@droesser.de


54 StahlTermine

Termin / Ort

Thema

Veranstalter

Info / Kontakt

24.08.2019

Frankfurt am Main

02.-04.09.2019

Aachen

Fit für die Riskoanalyse S & P Unternehmerforum +49 89 452 429 70 100

www.sp-unternehmerforum.de

Walzen von Flachprodukten Stahlinstitut VDEh +49 211 6707 458

www.stahl-akademie.de

04.09.2019

Berlin

Datenschutz: Der Unternehmer in der

Pflicht

S & P Unternehmerforum +49 89 452 429 70 100

www.sp-unternehmerforum.de

10.-11.9.2019

Duisburg

Stahleinkauf kompakt

Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf

und Logistik e.V.

+49 6169 5828 0

www.bme.de

10.-12.9.2019

Helsinki

StrategyForum European CIO Management Events +49 160 250 0417

https://managementevents.com

10.-13.9.2019

Husum

Husum Wind

Messe Husum & Congress GmbH & Co.

KG

+49 4841 902 0

www.husumwind.com

10.-13.9.2019

Berlin

11.-12.9.2019

Leipzig

11.-12.9.2019

Neuss

ZVO Oberflächentage 2019 ZVO Service GmbH +49 2103 25 56 20

www.zvo.org

aaa – all about automation leipzig untitled exhibitions GmbH +49 711 217 267 19

www.automation-leipzig.com/de

Edelstahl Bearbeitung 3M Deutschland GmbH +49 213 114 0

www.xing-events.com/advedelstahl

16.-21.09.2019

Hannover

EMO 2019 - Weltleitmesse der Metallbearbeitung

Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken

e.V. (VDW)

+49 69 7560 810

www.vdw.de

18.9.2019

Ludwigshafen

MSR-Spezialmesse Südwest MEORGA GmbH +49 683 889 600 35

https://meorga.de

18.-20.9.2019

Bangkok

Tube Southeast Asia 2019, wire

Southeast Asia 2019

Messe Düsseldorf Asia +65 633 296 42

www.wire-southeastasia.com

19.-20.09.2019

Neuss

24.-25.09.2019

Frankfurt am Main

25.-26.9.2019

Budapest

27. Stahlhandelstag Bundesverband Deutscher Stahlhandel +490 211 0864 970

www.stahlhandel.com

Stahl Tag 2019 Martin Brückner Infosource +49 69 271 0760 11

www.mbi-infosource.de

Future Steel Forum Quartz Business Media +44 173 785 5151

https://futuresteelforum.com

30.-2.10.2019

Wien

ESSC & Duplex Conference 2019

ASMET - The Austrian Society for

Metallurgy and Materials

+43 384 240 222 91

www.stainlesssteel2019.org

8.-10.10.2019

Rheinstetten

DeburringEXPO – Fachmesse für

Entgrattechnologien und

Präzisionsoberflächen

fairXperts GmbH & Co. KG +49 702 584 340

www.deburring-expo.de/home

9.-11.10.2019

Thessaloniki

10th European Slag Conference

EUROSLAG - The European

Slag Association

+49 206 599 4538

www.euroslag.com

10.10.2019

Düsseldorf

Immissionsschutz in der Stahlindustrie Stahlinstitut VDEh +49 211 6707 458

www.stahl-akademie.de

22.-24.10.2019

Stuttgart

parts2clean – Internationale

Leitmesse für industrielle Teileund

Oberflächenreinigung

Deutsche Messe AG +49 511 890

www.parts2clean.de

23.10.2019

Landshut

MSR-Spezialmesse Südost MEORGA GmbH +49 683 889 600 35

https://meorga.de

05.-08.11.2019

Stuttgart

Internationale Fachmesse für Blechbearbeitung

P.E. Schall GmbH & Co. KG +49 7025 92060

www.schall-messen.de

10.- 11.11.2019

Aachen

2. Aachener Ofenbau- und

Thermoprozess-Kolloquium

RWTH Aachen, Institut für Industrieofenbau

und Wärmetechnik

+49 241 802 5935

www.aotk.rwth-aachen.de/aotk-2019

26.-28.11.2019

Maastricht

26.11.2019

Aachen

03.-04.12.2019

Düsseldorf

08.-12.12.2019

Mönchengladbach

Stainless Steel World 2019 Stainless Steel World +31 575 585 270

www.stainless-steel-world.net

Simulation von Gusseisen MAGMA Gießereitechnologie GmbH +49 241 889 010

www.magmasoft.de

Korrosion von nichtorstenden Stählen Stahlinstitut VDEh +49 211 6707 458

www.stahl-akademie.de

Stahlrecycling Stahlinstitut VDEh +49 211 6707 458

www.stahl-akademie.de

stahlmarkt 8.2019


Veranstaltungen/Inserentenverzeichnis 55

Inserentenverzeichnis »stahlmarkt«

HUSUM WIND 2019: INNOVATIONEN FÜR DIE

ZUKUNFT DER WINDENERGIE

Heft 8.2019

OBERFLÄCHENTAGE BERLIN 2019: VERNETZUNG VON

FORSCHUNG UND PRAXIS

www.stahlmarkt-magazin.de

stahlmarkt 8.2019


56 Personalien

VIP-Seite

Ehemaliger Dillinger-Chef

Paul Belche stirbt mit 67 Jahren

Dr. Paul Belche

Foto: Dillinger

Mit »großer Trauer und Betroffenheit«

hat der Aufsichtsrat der Stahl-Holding-

Saar die Nachricht vom plötzlichen Tod

von Dr. Paul Belche bekanntgegeben. Der

ehemalige Vorsitzende des Vorstands der

Aktien-Gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke

(Dillinger) starb am 21. Juni 2019

im Alter von 67 Jahren. Nach dem Studium

der Eisenhüttenkunde an der Rheinisch-Westfälischen

Technischen Hochschule

Aachen und verschiedenen beruflichen

Etappen innerhalb der ArcelorMittal-Gruppe

kam Belche im Januar 2005

zu Dillinger und war bis Anfang 2011

Vorstandsvorsitzender von Dillinger und

DHS – Dillinger Hütte Saarstahl AG. Er

hatte neben dem Vorsitz die Leitung des

Ressorts »Verkauf, Einkauf und Verkehr«

des Unternehmens inne. In seine Amtszeit

fielen viele Investitionen, darunter

die Sanierung der Zentralkokerei Saar,

die Vorbereitung der Investition für den

Bau von Steelwind Nordenham, den Ausbau

der Dickblechstrategie, das Revamping

der Stranggießanlage CC5 oder der

Bau des Gichtgaskraftwerkes in Dillingen.

Premal Desai ist neuer Stahl-Chef

von thyssenkrupp

Premal Desai

Foto: thyssenkrupp

Im Stahlgeschäft von thyssenkrupp wechselt

die Spitze: Premal Desai stellt sich als

neuer Stahl-Chef den Herausforderungen

des Unternehmens. Er löst damit den bisherigen

Vorstandsvorsitzenden Andreas Goss

ab, der sein Mandat im Einvernehmen niedergelegt

hat. Das teilte der Konzern in

einer Pressemeldung mit. Auf sein Studium

der Wirtschaftswissenschaften an der Universität

Bayreuth folgte für Desai eine zehnjährige

Tätigkeit in der Strategieberatung

bei der Boston Consulting Group. Für thyssenkrupp

ist er seit 2006 tätig: In seinen

ersten Jahren leitete er die konzerneigene

Unternehmensberatung sowie den Zentralbereich

Technologie, Innovation und Nachhaltigkeit.

Vor dem Wechsel als Finanzchef

in den Stahlbereich ab 2015 besetzte er ab

2010 das Amt als Konzernstrategiechef. Den

bevorstehenden Herausforderungen zeigt

sich Desai optimistisch. Trotz der gescheiterten

Fusion mit Tata Steel sieht er das Unternehmen

»in einer starken Position« und

beruft sich auf das Potenzial des Stahlgeschäfts.

Gleichwohl belastete das geplatzte

Joint Venture die Sparte zuletzt vor allem

durch fehlende strategische Perspektiven.

Darüber hinaus muss sich Desai in seiner

neuen Position dem zunehmend rauer werdenden

Geschäftsklima stellen, das sich

aufgrund wirtschaftlicher Sondereffekte auf

die Branche ausbreitet. Mit der internen

Umstrukturierung sei es zukünftig vorgesehen,

dass das Stahlgeschäft wieder den Kern

von thyssenkrupp bilde, heißt es.

Nach 15 Jahren an der Spitze:

Wolfgang Eder, 67, gibt Leitung von

voestalpine ab

Wolfgang Eder

Foto: voestalpine

Schon frühzeitig im Sommer hatte sich der

österreichische Stahl- und Technologiekonzern

voestalpine auf Herbert Eibensteiner,

den bisherigen Chef der Steel Division, als

neuen Vorstandsvorsitzenden festgelegt.

Nach 15 Jahren im Vorstand gab Wolfgang

Eder Anfang Juli seinen Posten ab. Mit seinem

planmäßigen Ausscheiden aus dem

voestalpine-Vorstand hat eines der prägendsten

Gesichter das operative Geschäft

verlassen. Vor 41 Jahren startete er seine

Karriere bei der damaligen Voest als junger

Jurist. Kurz darauf war der spätere Konzernchef

für die Aufsichtsratssitzungen verantwortlich

und erlebte in den 1990er-Jahren

den krisenbelasteten Übergang des Unternehmens

aus dem Staatsbesitz hin zum Privatunternehmen.

Ab seinem Aufstieg als

Vorstandsvorsitzender im Jahr 2004 entwickelte

sich die voestalpine in den vergangenen

15 Jahren zu einem der wichtigsten und

erfolgreichsten Industriekonzernen Österreichs.

Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung

ergänzte Eder die Massenproduktion

von Stahl um die Qualität von Verarbeitung

und Technologie. Ähnlich beteiligt an

der jüngeren Unternehmensentwicklung ist

Herbert Eibensteiner als sein Nachfolger. Er

gehört dem Konzern seit 1989 und dem Vorstand

seit 2012 an, ab 2014 war er auch

Leiter der Steel Division. Diese Position wird

nun von Hubert Zajicek besetzt.

stahlmarkt 8.2019


Firmenschriften 57

ArcelorMittal – Steligence

Klöckner & Co

Steligence liefert zehn klare Vorteile

Faltposter, 1 Seite, deutsch

Das vom Stahlkonzern ArcelorMittal entwickelte

Konzept »Steligence« basiert auf der Idee, Architekten,

Ingenieuren und Projektentwicklern bei der Erreichung

ihrer Ziele beim Bauen zu unterstützen. Durch diesen

Konstruktionsansatz sollen soziale, ökologische und

ökonomische Auswirkungen verschiedener Baustoffe

und -praktiken bewertet und optimiert werden. Da

gerade der Werkstoff Stahl unendlich recycelbar ist, bildet Steligence folglich

die Grundlage, den Lebenszyklus und letztendlich die Wiederverwendbarkeit

eines Gebäudes und seiner Komponenten zu berücksichtigen.

ArcelorMittal Duisburg

Vohwinkelstrasse 107, 47137 Duisburg,

Tel. +49 (0) 203 606 67353, Fax +49 (0) 203 606 6332

www.duisburg.arcelormittal.com

Tradition mit Perspektive

27 Seiten, deutsch

Das Traditionsunternehmen gilt seit der Gründung

im Jahr 1906 als einer der führenden Stahlhändler

in Deutschland. Als Plattform für unterschiedliche

stahlverarbeitende Branchen beinhaltet die

Produktpalette die Zulieferung von Blechen,

Profilen und Rohren verschiedener Dimensionen, Herstellungsarten und

Oberflächenbeschaffenheiten. Der breit aufgestellte Online-Shop bietet

daher Klöckner & Co. zufolge eine bequeme Anlaufstelle für mittelständische

Unternehmen und Handwerksbetriebe. Durch den Lageraustausch

zwischen den insgesamt 18 nationalen Standorten seien zudem hohe

Verfügbarkeiten garantiert.

Klöckner & Co Deutschland GmbH

Am Silberpalais 1, 4757 Duisburg

Tel. +49 (0)203 307-0, Fax +49 (0)203 307-5245

E-Mail: kontakt@kloeckner.com, www.kloecknerdeutschland.com

Interfer Stahl

Stahl in der Supply Chain – Bearbeitung,

Bevorratung, Distribution

11 Seiten, deutsch

Die passende Stahlgüte in der erforderlichen

Menge zur rechten Zeit am rechten Ort: Stahldistribution

stellt einen wichtigen Teil des Supply-Chain-Managements

dar. Das Geschäftsfeld

des Unternehmens Interfer Stahl vereint die

Bevorratung, Distribution und Anarbeitung von

Stahlprodukten in einem breiten Portfolio von Lang- und Flachprodukten.

Ergänzend dazu umfasst das Logistik-Konzept unabhängig vom Auftragsvolumen

diverse Services bis hin zum teilweisen oder kompletten

Auslagern des Beschaffungs- oder Dispositionsprozesses.

Interfer Stahl GmbH

Bülowstr. 12, 44147 Dortmund

Tel. +49 231 8286-0, Fax +49 231 8286-400

E-Mail: stahl-dortmund@knauf-interfer.de, www.knauf-interfer.de

Eltra

Elementrac CS-i – Präzise Kohlenstoff/Schwefel

Analyse durch induktive Verbrennung

3 Seiten, deutsch

Das Unternehmen Eltra hat nach eigenen Angaben

einen Analysator für die exakte und sichere Messung

von Kohlenstoff und Schwefel in anorganischen

Proben entwickelt. Für diese Zwecke ist der neue

»Elementrac CS-i« mit einem leistungsstarken

Induktionsofen zur Probenverbrennung ausgestattet.

Zur Bestimmung der Werte macht das System Gebrauch von hochsensitiven

Infrarot-Zellen, deren Messbereich sich an kundenspezifische Anforderungen

anpassen lassen soll. Zugleich soll die angewandte Elements-Software präzise,

transparente und sichere Analyseergebnisse gewährleisten.

Eltra GmbH

Retsch-Allee 1-5, 42781 Haan

Tel. +49 2104 2333-400, Fax +49 2104 2333-499

E-Mail: info@eltra.com, www.eltra.com

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stahlmarkt 8.2019


58 Vorschau

VORSCHAU 9.2019

Edelstahlhülle umschließt Atomruine von Tschernobyl

Die ukrainische Kleinstadt Tschernobyl erlangte

1986 weltweit traurige Berühmtheit: Im dortigen

Atomkraftwerk trat mit der Explosion von

Reaktorblock 4 der GAU, der größte anzunehmende

Unfall, ein. Riesige Mengen an geschmolzenen

Kernbrennstoffen und radioaktivem Staub wurden

in die Luft gestoßen. In nur sieben Monaten

wurde eine Schutzhülle aus Beton über der Mit Hilfe einer 86 000 Quadratmeter

Atomruine von Block 4 errichtet, um die weitere großen Edelstahlschutzhülle soll

Emission des strahlenden Materials zu verhindern.

Tschernobyl wieder in einen

Über 25 Jahre arbeiteten internationale Experten

ökologisch sicheren Zustand

an der Entwicklung einer Lösung, um Tschernobyl

überführt werden.

langfristig wieder in einen ökologisch sicheren

Zustand zu überführen. Sie besteht aus einer 86 000 Quadratmeter großen, bogenförmigen

Schutzhülle aus Edelstahl, die jetzt, über 30 Jahre nach der Katastrophe, fertig

gestellt ist. Ab diesem Jahr wird sie den einsturzgefährdeten, undichten

Betonsarkophag für mindestens 100 Jahre von der Außenwelt isolieren.

Dillinger bringt Blech zum Sprechen

Mit Hochdruck arbeitet der Grobblechhersteller

Dillinger an der Digitalisierung der

Wertschöpfungskette. Dabei setzt das

Unternehmen im Innovationsmanagement auf

Design-Thinking-Prozesse. Erstes Produkt dieser

kundenzentrierten Entwicklungsmethode ist die

Die App E-Connect von Dillinger stellt

App E-Connect, die Kunden weltweit blechspezifische

Informationen per Barcode-Scan sofort zur

Verknüpfungen zur übergeordneten

E-Service-Plattform her.

Verfügung stellen soll. Diese Daten des »sprechenden

Blechs« kann der User nach Unternehmensangaben mit einer Vielzahl an Services

und Berechnungstools auf der übergeordneten E-Service-Plattform verknüpfen.

Stahlhandel im Wandel

Die Anforderungen an Partner und Zulieferer

steigen, auch aufgrund kleiner werdender

Losgrößen, stetig. Kerngeschäft des Metall- und

Stahlhandels ist längst nicht mehr nur der

Handel, sondern ebenso der Zuschnitt und die

Anarbeitung von Halbzeugen. Damit wird der

Der Zuschnitt und die

Händler immer mehr ein aktiver Teil der

Anarbeitung von Halbzeugen

Wertschöpfungskette, statt nur Zwischenstation

machen den Stahlhändler immer

im Beschaffungsvorgang zu sein. Doch wie können

Stahl- und Metallhändler die Industrie darü-

mehr zu einem aktiven Teil der

ber hinaus dabei unterstützen, Prozesse zu verschlanken,

wettbewerbsfähig zu bleiben und die

Wertschöpfungskette.

Finanz- und Unternehmenskennzahlen zu optimieren?

Außerdem in der kommenden Ausgabe:

• Stahlhandel & Stahl-Service-Center

• Logistik & Handhabung, Lagertechnik

Foto: Günther + Schramm

Foto: WZV / Kalzip GmbH

Foto: Dillinger

Impressum

Verlag:

Maenken Kommunikation GmbH

Von-der-Wettern-Str. 25, 51149 Köln

Tel. +49 2203 35 84-0

info@maenken.com, www.maenken.com

Herausgeber:

Dr. Wieland Mänken (V.i.S.d.P.)

Redaktion:

Philipp Isenbart (Redaktionsleitung)

Tel. +49 2203 3584-121

E-Mail: philipp.isenbart@maenken.com

Stean Weich, stefan.weich@maenken.com

Niklas Reiprich, niklas.reiprich@maenken.com

Ständige Mitarbeiter in Berlin, Warschau, New York

Objektleitung:

Wolfgang Locker (verantwortlich)

Tel. +49 2203 3584-182

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Anzeigen:

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Redaktionsanschrift:

»stahlmarkt«, Maenken Kommunikation GmbH

Von-der-Wettern-Str. 25, 51149 Köln

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Druck: Griebsch & Rochol Druck GmbH

Gabelsbergerstraße 1, 59069 Hamm

Erscheinungsweise: jeweils zum Monatsanfang.

Bezugspreise: Einzelheft 15,– €, im

Jahresabonnement (12 Ausgaben) 112,– € einschl.

Zustellgebühr und Mehrwertsteuer. Ausland

126,– € einschl. Porto. Kündigungsfrist bis zum 15.

November zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres.

Zurzeit gültige Anzeigenpreisliste Nr. 67.

Copyright: Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen

Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich

geschützt. Jede Verwertung außerhalb der durch

das Urheberrechtsgesetz festgelegten Grenzen ist

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insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen,

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häufig um eingetragene Warenzeichen oder gesetzlich

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Erfüllungsort Köln

© 2019 Maenken Kommunikation GmbH, Köln

Printed in Germany · ISSN 0178-6571

stahlmarkt 8.2019


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