SchlossMagazin August 2019 Bayerisch-Schwaben und Fünfseenland2

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Als achte bayerische Welterbe-Stätte muss sich nun die Stadt samt ihrer Bürger

daran gewöhnen, verstärkt im Fokus des weltweiten Interesses zu stehen. An die

Ernennung sind außerdem strenge Auflagen für Schutz und Erhalt der betreffenden

Orte geknüpft. Vom Bildungsauftrag, der damit verbunden ist, ganz zu schweigen.

Herausforderungen, die jetzt den ganzen Einsatz der „Wasser-Institutionen“ erfordern.

Wenn die Hausaufgaben gut gemacht werden, dürfte der Welterbe-Titel die

Entwicklung der Stadt auf jeden Fall positiv beeinflussen.

In Augsburg herrsche seit der Verkündung des Titels geradezu Aufbruchsstimmung,

stellt Götz Beck rückblickend fest. Alle Medien hätten berichtet; aus nah

und fern seien Gratulationen eingetroffen. Besonders Augsburger Bürger

zeigten sich stolz und hätten postwendend die Tourist Information geradezu

gestürmt, um für sich und ihre auswärtigen Freunde Infos über die Wasserstätten

einzuholen. „Augsburg ist jetzt eine starke Marke, die international, besonders

in Asien und den USA, einen hohen Stellenwert erlangen wird“, ist sich Götz

Beck sicher. Deshalb würden auch die „Wege zum Wasser“ für die Besucher sukzessive

erweitert, noch besser beschrieben und gekennzeichnet. Denn anders

als z. B. bei der Altstadt von Regensburg oder der Wieskirche (beides weitere

UNESO-Kulturdenkmäler) konzentrieren sich die Denkmäler nicht auf einen bestimmten

Ort, sondern sind über ein riesiges Areal verteilt. Dies hat den Vorteil,

dass eventuelle Touristenströme nicht an einer Stelle geballt fließen, sondern

sich verteilen. Was aber auch voraussetzt, dass eine gute Logistik und Übersichtsplanung

gewährleistet sein muss.

Als erste Maßnahme wurden nun die Führungen erweitert, die Unterlagen überarbeitet

– auch online – und die Führer*innen entsprechend geschult. Auch die

einzelnen Partner wie z. B. die Stadtwerke würden zukünftig in ein optimiertes

Orientierungssystem eingebunden – eine vielschichtige Aufgabe für ein komplexes

Erbe. Schließlich vereine das historische Wassermanagement die Bereiche

Kultur, Natur, Kunst und Technik, weiß Augsburgs Tourismus-Direktor. Zu

den nächsten Zielen sollen auch die bessere Erschließung sowie der Bestandsschutz

der weithin sichtbaren Wassertürme gehören. Götz Beck denkt bei den

architektonisch speziellen Bauwerken z. B. an virtuelle Erschließungsmöglichkeiten.

Doch da gut Ding bekanntlich Weile braucht, werde man sich für die detaillierte

Planung Zeit lassen. Auch Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel

möchte mit der Stadt „in Ruhe diskutieren“, wie man den Wert der Wasser-

Denkmäler vermitteln könne. Als nächste Maßnahme will Augsburg erst einmal

einen kleinen, zentral gelegenen „Wasserladen“ als Info-Shop eröffnen – voraussichtlich

am Rathausplatz und noch im Jahr 2020.

Es sollen aber nicht nur die 22 Orte, die Augsburg den UNECO-Titel eingebracht haben,

ins Marketing von „Bayerns Venedig“ einbezogen werden, sondern zur Abrundung

auch verwandte Themen bzw. Lokalitäten. Dazu zählen beispielsweise das

Klostermühlenmuseum Thierhaupten und die Modellkammer im Maximilianmuseum,

die mechanische und hydraulische Modelle beherbergt. Zur „Wasser-Aufbereitung“

im übertragenen Sinn tragen weiterhin auch andere Augsburger Institutionen

bei, z. B. die Universität mit besonderen Aktionen oder das Staatstheater, das

im Rahmen eines künstlerischen Südafrika-Projekts 2020 auf das Problem Wasser

als begrenzte und umkämpfte Ressource hinweist.

Wasser ist weltweit ein zentrales Thema und so darf sich Augsburg glücklich schätzen

– nicht zuletzt als ausgewiesene „Friedensstadt“ – auf diesem Gebiet als

Welterbe-Titelträger internationales Renommée zu genießen. #

Hinterer und Mittlerer Lech in der

Altstadt · Foto Stadt Augsburg, Ruth Plössel

Wasserwerk am Hochablass

Foto swa, Thomas Hosemann

(o.) Lech mit Stauwehr und Eiskanal-Wildwasseranlage

· Foto zehntausendgrad;

(u.) Kraftwerk Langweid · Foto LEW,

Timian Hopf

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