Stahlreport 2019.07

markushuneke

74. Jahrgang | Juli/August 2019

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

7/8|19

Kommunikation und Stahl – Auf den guten Ton kommt es an!


Kommunikation und Stahl –

Auf den guten Ton kommt es an!

EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser,

die Story über die erste unzerstörbare Gitarre der

Welt, wozu in diesem Heft in der Rubrik „Lifesteel“

berichtet wird (S. 64f), hat sozusagen die Vorlage

dafür gegeben, sich einmal intensiver der Kommunikation

in Sachen Stahl zu widmen und nach

dem guten Ton zu fragen.

Aktuellster Anlass dafür ist natürlich der 27.

Stahlhandelstag zum 50-jährigen Jubiläum des Bundesverbandes

Deutscher Stahlhandel (BDS) am 19./20.9.19 in Neuss. Nach den

Hinweisen aus der monatelangen Werbekampagne (auch diesmal

steht die entsprechende Anzeige auf S. 2) finden Sie jetzt auch detaillierte

Programmangaben (S. 50).

Was die Stahlwirtschaft – also Handel, Produktion sowie die

Anarbeitungsbranche – an Leistungsfähigkeit zu kommunizieren

hat, ist in zahlreichen Unternehmensberichten im ersten Heftdrittel

konzentriert (S. 6ff). Dort kommen wichtige Akteure zu Wort, die

Märkte prägen.

Wie es um diese Märkte derzeit bestellt ist, wird in dieser neuen

Stahlreport-Ausgabe messemäßig ebenso aufgegriffen (S. 24ff) wie

konjunkturell (S. 32ff) und statistisch (S. 36f). Letzteres geschieht

auch in diesem Jahr an gewohnter Stelle wieder durch die Stahlhandels-Abnehmergruppenanalyse

für das Jahr 2018 (S. 38ff).

Um eine ganz besondere Kommunikation in Sachen Stahl geht

es in diesem „Berichtsheft“, wenn die Auszubildenden Marvin Meusel

und Sascha Wagner über ihre Lehre in Handelsunternehmen der

Branche informieren (S. 51ff) – und so dokumentieren, dass es gerade

auch in solchen Karrierephasen auf den richtigen Ton ankommt.

So zeigt sich einmal mehr, wie intensiv Brancheninformation –

sowie die Kommunikation darüber – und Berufsbildung zusammengehören.

Diesen Ansatz realisiert im Übrigen auch das nächste Heft (9/19),

für das aus Anlass des BDS-Jubiläums ein Interview mit dem Zeitzeugen

Professor Gerhard W. Wittkämper ebenso in Vorbereitung

ist wie ein themenaktuelles Gespräch mit dem bildungs- und forschungspolitischen

Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Oliver

Kaczmarek MdB.

Jetzt aber profitieren Sie erst einmal von den stahlbezogenen

Informationen in diesem Heft und genießen die Kommunikation

darüber im Kollegenkreis. Beides gehört in unserer Branche längst

zum guten Ton!

Mit sommerlichen Grüßen aus Düsseldorf

INHALT

PERSÖNLICHES

4 Kurznachrichten

STAHLHANDEL

6 Sülzle, Lotter und Krönlein, BEW Umformtechnik

und Gabo Stahl

STAHLPRODUKTION

14 Dillinger und Saarstahl

ANARBEITUNG UND LOGISTIK

18 The Coatinc Company, Bauwerksprüfung im Hochbau

MESSEN UND MÄRKTE

24 Vorschau auf die EMO in Hannover, Rückblick auf die

Kaltenbach-Hausmesse in Lörrach, Cutting World

2020 in Essen, 5G-Offensive in Hannover

KONJUNKTUR

32 Zahlen und Einschätzungen des Handels,

Maschinenbau, Zulieferindustrie, Bauwirtschaft

BDS

36 Research: Neueste Zahlen aus dem Bereich Research,

Abnehmergruppenanalyse 2018

50 Kommunikation: Vorschau Stahlhandelstag 2019

51 Berufsbildung: Marvin Meusel sowie Sascha Wagner

berichten und Thomas Paucker antwortet, BDS und

FDL, Arbeitskreise im Norden und in Duisburg, neuer

Jahrgang im Fernstudium

60 Recht: Neues Geschäftsgeheimnis-Gesetz

VERBÄNDE UND POLITIK

62 Emailtagung in Würzburg

Dr. Ludger Wolfgart

Chefredakteur Stahlreport und BDS-Bereichsleiter Berufsbildung

LIFESTEEL

64 Unzerstörbare Gitarre, historische Stahltür

… und viele weitere Nachrichten

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Persönliches

Kurznachrichten

Foto: VDIK

Foto: VDW

Peter Mair

ist seit Mai 2019 erster Leiter der Repräsentanz

des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller

in Berlin. Der 37-Jährige leitet im VDIK

zusätzlich den Bereich Politik/Kommunikation/Presse.

„Damit setzen wir ein deutliches

Signal: Wir wollen die

politischen Interessen

der internationalen

Kraftfahrzeughersteller

künftig noch kraftvoller

in der Hauptstadt vertreten“,

sagte VDIK-

Präsident Reinhard Zirpel.

Mair kommt vom

Verband der Automobilindustrie

(VDA), wo

er seit 2010 als Pressesprecher tätig war – nach

einem Engagement in der CSU-Parteizentrale.

Der VDIK vertritt seit 1952 die Interessen der

internationalen Pkw- und Nutzfahrzeughersteller

in Deutschland. Seine Mitgliedsunternehmen

mit ihren 36 Marken haben hierzulande 2018

über 1,3 Mio. Pkw abgesetzt. Das ist ein Marktanteil

von knapp 39 %. Außerdem verkauften die

VDIK-Mitglieder über 110.000 und damit 28,5 %

der in Deutschland 2018 neu zugelassenen

Nutzfahrzeuge.

Hans-Joachim Molka

wirbt gerne für die 40. Auflage der METAV, die

vom 10.-13.3.20 in Düsseldorf stattfindet. Der

Geschäftsführer der Römheld GmbH im hessischen

Laubach gehört zu den Ausstellern der

ersten Stunde jener

Messe, die damals

noch den Untertitel

„Markt für Metallbearbeitung“

trug. Die

METAV hat sich in vier

Jahrzehnten von einer

reinen Maschinenmesse

hin zur Darstellung

der gesamten Prozesskette

entwickelt.

Die steht auch nach Auffassung von Dr. Wilfried

Schäfer im Mittelpunkt der nächsten Präsentation.

Er ist Geschäftsführer beim METAV-Veranstalter,

dem Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken.

Der hat den Anmeldeschluss für

Aussteller auf den 31.8.19 terminiert.

Felix Pakleppa

begrüßt, „dass sich auch in der FDP zahlreiche

Politiker zum Meisterbrief bekennen und die

Bedeutung des Meisterbriefs als Gütesiegel und

Qualitätsgarant schätzen.“ Nach dem 70.

Foto: KURIER Ferry Ronar

Ordentlichen Bundesparteitag der Freien Demokraten,

der im Frühjahr in Berlin stattfand, sieht

der Zentralverband Deutsches Baugewerbe

(ZDB), dessen Hauptgeschäftsführer Pakleppa

ist, das Anliegen gestärkt, die Meisterpflicht für

einige Gewerke wieder einzuführen. Derzeit

prüft eine Koalitionsarbeitsgruppe der Bundestagsfraktionen

von CDU/CSU und SPD, wie für

einzelne Berufsbilder der Meisterbrief europarechtskonform

wiedereingeführt werden kann.

Der ZDB setzt sich dafür ein, dem verpflichtenden

Meisterbrief im Fliesenleger-, Estrichleger-,

Betonsteinhersteller- und Parkettlegerhandwerk

wieder Geltung zu verschaffen.

Michael ten Hompel

ist beim „Gala-Abend der Europäischen Logistik“

in der Wiener Hofburg mit dem „HERMES Verkehrs.Logistik.Preis

2019“ geehrt worden Mehr

als 600 geladene Gäste aus 20 Nationen aus

Wirtschaft, Politik und Wissenschaft nahmen am

Galaabend der österreichischen Mobilitätsbranche

teil. Der geschäftsführende Institutsleiter

des Fraunhofer-Instituts

für Materialfluss

und Logistik IML in

Dortmund erhielt den

Preis in der Kategorie

„Ehrenpreis international

für herausragende

Leistungen“. Der deutsche

Bundesminister

für Verkehr und digitale

Infrastruktur,

Andreas Scheuer, hat Prof. Dr. Dr. h. c. Michael

ten Hompel dazu vor Ort gratuliert. Der Preis gilt

als die bedeutendste Auszeichnung der Branche

in Österreich.

Axel Willauschus

hat die Firma Dr. Axel Willauschus CTM – Consulting

& Technical Management gegründet –

mit Sitz in Hilden bei Düsseldorf – und konzentriert

ab dem 1.8.19 seine Aktivitäten als Buchautor,

Seminarreferent sowie Gutachter und

Technical Consultant auf dieses neue Unternehmen.

Zuvor war er altersbedingt aus jahrzehntelangen

Angestelltenpositionen

in der

Stahlwirtschaft ausgeschieden;

zuletzt war

er für Buhlmann RFS

tätig. Dr. Axel Willauschus

ist Autor zahlreicher

BDS-Bücher über

Foto: CTM

Rohre, Rohrzubehör

sowie die entsprechende

Normung, und ebenfalls für den Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) hat er zu

diesen Themen viele Schulungen durchgeführt.

Jens Adler

ist neuer Verwaltungsratspräsident der Schmolz

+ Bickenbach AG. Der frühere Swisscom-Chef

wurde von der Generalversammlung des

schweizerischen Speziallangstahlherstellers mit

einem Ergebnis von 91 % als Nachfolger von

Edwin Eichler für dieses Amt bestimmt. Der

hatte aufgrund von Interessenkonflikten auf

eine Wiederwahl verzichtet. Neu in den Verwaltungsrat

gewählt wurden auch Alexey Moskov

und Adrian Widmer. Alle zur Wiederwahl in dieses

Gremium anstehenden Mitglieder wurden in

ihren Ämtern bestätigt.

Oliver Schaub

ist mit Wirkung vom 1.5.19 als weiterer

Geschäftsführender Gesellschafter in das seitdem

als Westerhoff & Schaub Consulting GmbH

firmierende Unternehmen eingetreten. Das

haben er und der bisher alleinige Geschäftsführende

Gesellschafter, Rainer Westerhoff, den

Geschäftspartnern zeitnah u.a. in einem Schreiben

mitgeteilt. Darin wird darauf verwiesen,

dass Oliver Schaub „über umfangreiche Erfahrung

in der strategischen und operativen Führung

von Unternehmungen mit den Branchenschwerpunkten

Stahl, Edelstahl und

NE-Metallen“ verfüge. Auch bringe er „Praxis

Know-how zu aktuellen branchenrelevanten Themen,

wie z.B. der Digitalisierung im Werkstoffhandel“

mit ein. Sitz des Unternehmens für

Management, Beratung und Training bleibt Mülheim

an der Ruhr.

Peter Kleinau

ist der Meinung, dass sich Tradition und Digitalisierung

nicht von vornherein ausschließen. Der

Kommunikationsexperte von der Executive

Mediation GmbH mit Sitz in Königstein/Taunus

und Erfurt hat sich deshalb mit digitalen Strategien

beschäftigt und auf Beratungen dazu spezialisiert.

Seine Basis: Globalisierung, digitaler

Wandel und Industrie

4.0 verändern das

gesamte Wirtschaftsgefüge

– allen voran

die Art und Weise, wie

Menschen miteinander

arbeiten. Bestehende

Modelle, Strukturen

und Prozesse

weichen zunehmend

Foto: Executive Mediation

4 Stahlreport 7/8|19


Foto: Hoffmann

neuen, flexiblen Formaten. Das schüre Ängste

sowohl auf Seiten der Arbeitnehmer als auch in

den Führungsetagen. „Bei der Suche nach digitalen

Strategien sollten die Fragen, welche Veränderungen

überhaupt sinnvoll sind und wie

Mitarbeiter mitgestalten können, im Vordergrund

stehen.“

Martin Reichenecker

ist im Mai vom Aufsichtsrat der Hoffmann SE

mit sofortiger Wirkung zum Sprecher des Vorstands

der Hoffmann SE ernannt worden. Seine

Funktion als Chief Sales & Marketing Officer

behält er bei. Reichenecker kam 2004 zu Hoffmann

und verantwortet seit 2014 im Vorstand

den Vertrieb und das Marketing. Zuvor hatte er

das Produktmanagement

bei Hoffmann

geleitet. Die Hoffmann

SE wird weiterhin von

einem fünfköpfigen

Vorstandsteam

geführt: Dazu gehören

Borries Schüler, Siegfried

Neher, Annette

Stieve sowie Alexander

Eckert. Die Hoffmann

Group sieht sich als Europas führender Systempartner

für Qualitätswerkzeuge sowohl mit Handels-

als auch Hersteller- und Servicekompetenz.

Diese Bündelung garantiere über 135.000

Kunden Versorgungs-, Qualitäts- und Produktivitätssicherheit

im Werkzeugbereich sowie bei

Betriebseinrichtungen und persönlicher Schutzausrüstung.

Reiner Temme

ist Präsident des Deutschen Stahlbauverbandes

und hat in dieser Funktion die 1. Berufsfachmesse

Stahlbau angekündigt – für den 23.11.19

in Düsseldorf. Bei dieser Gelegenheit werden

etwa 20 Stahlbauunternehmen jungen Interessenten

die beruflichen Perspektiven der Branche

aufzeigen. Im Rahmen einer großen Fachausstellung

und einer begleitenden

Vortragsreihe können sich die Nachwuchskräfte

in spe detailliert über diese möglichen Arbeitgeber

informieren: „Die Zukunft gehört unserem

Nachwuchs und genau hier setzt diese Veranstaltung

an.“

Roland Leder

ist seit diesem Frühjahr neuer Präsident der

Wirtschaftsvereinigung Metalle. Der Verbandsvorstand

wählte ihn, den Vice President Finance

& CFO bei Aleris Europe, auf seiner Tagung in

Foto: SMS group

Berlin einstimmig in dieses Amt. Roland Lederer

ist als Vorsitzender der Initiative „Metalle pro

Klima“ in der Branche und darüber hinaus

bekannt. „Als Präsident der WV Metalle setze

ich mich mit voller Kraft dafür ein, die NE-Metallindustrie

als wichtige Basis der Wertschöpfungsketten

in Deutschland zu erhalten und so den

Industriestandort Deutschland zu stärken. Die

sichere und bezahlbare Versorgung mit Energie

ist dabei ein bestimmender Faktor.“

Franck Adjogble

und Wolfgang Spies

haben in diesem Mai für ihren Vortrag „Ganzheitlicher

Ansatz zur Herstellung von hochqualitativen

Flachprodukten – Dynamische Produktionsplanung

unter Berücksichtigung von

Prozessqualität, Steuerung und Anlagenzustand“

den AIST James Farrington Award 2019

erhalten. Die aktuelle Auszeichnung der beiden

Ingenieure der SMS group in Pittsburgh, USA,

wurde erstmals 2005 zu Ehren von James Farrington

verliehen, Begründer und erster Präsident

der entsprechenden Organisation. Mit dem

Award wird die Vision des Namensgebers von

einer Gemeinschaftsarbeit der Unternehmen in

der Eisen- und Stahlindustrie in Form von Fachvorträgen,

dem gegenseitigen Austausch bei

Problemlösungen und mit Standards zur Verbesserung

elektrotechnischer Anlagen und Prozesse

gewürdigt. AIST ist die Association for

Iron & Steel Technology.

Harald Weber

hat die Goldene Verdienstmedaille des Deutschen

Baugewerbes erhalten. Reinhard Quast,

Präsident im gleichnamigen Zentralverband

(ZDB), und Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer

des ZDB, zeichneten den langjährigen Hauptgeschäftsführer

der Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz

im Rahmen des Bauwirtschaftstag Rheinland-

Pfalz aus, der im Mai in Mainz stattfand. Dr.

Harald Weber war in verschiedenen Funktionen

fast 40 Jahre für die baugewerbliche Organisation

tätig. Ein besonderer Schwerpunkt der

Arbeit Harald Webers war die Vertretung der

Interessen des deutschen Baugewerbes in den

europäischen Gremien. Mit der Goldenen Verdienstmedaille

ehrt der ZDB Persönlichkeiten,

die sich in besonderer Weise um die baugewerbliche

Organisation verdient gemacht haben. Sie

ist nach dem Ehrenring des Deutschen Baugewerbes

die ranghöchste Ehrung des Verbandes.

Steffen Johner

steht neu an der Spitze des Logistik- und Technik-Ausschusses

des Bundesverbands Sekundärrohstoffe

und Entsorgung (bvse). Er wurde

einstimmig in dieses Amt gewählt und hat in

dieser Funktion Ralf Peveling abgelöst. Der

Neue ist für die Gesellschaft im Ostalbkreis für

Abfallbewirtschaftung mbH in Schwäbisch

Gmünd (Goa) im Verband tätig, sein Vorgänger

für die Manfred Meyer GmbH + Co KG in

Hagen. Die Neuwahl fand anlässlich der Frühjahrssitzung

des Ausschusses im westfälischen

Hamm statt.

Daniel Ott

ist Mitglied der Geschäftsführung der Sonax

GmbH und stolz

darauf, dass das

Unternehmen aus

Neuburg an der

Donau sein Sortiment

um ein Reinigerangebot

für den industrienahen

Fachhandel

ergänzt hat. Bereits

seit einigen Jahren

bietet Sonax technische

Artikel für das Industriegeschäft, speziell

für die Wartung und Montage wie auch für

Instandhaltungsarbeiten. Mit insgesamt sechs

Reinigern, so der für Vertrieb und Marketing

zuständige Daniel Ott, haben Akteure aus dem

Produktionsverbindungshandel nun die Möglichkeit,

sich neue Absatz- und Kompetenzfelder

zu erschließen und so ihre Umsätze signifikant

zu steigern.

Foto: Sonax

Günther Josef Rauch

ist am 21.6.19 im Alter von 77 Jahren

gestorben. Er war langjähriger Geschäftsführender

Gesellschafter der Wendelin Rauch

GmbH & Co. KG im mittelbadischen Achern.

In dieses Unternehmen war er am 1.5.71 als

Geschäftsführer eingestiegen und hatte diese

Stahlhandlung über Jahrzehnte entscheidend

geprägt.

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Stahlhandel

Bericht/Nachrichten

Anlieferung per Lkw,

Bahn und Schiff: Der

Sülzle-Standort im

Lübecker Hafen ist

logistisch optimal gelegen.

SÜLZLE Stahlpartner: beispielhaftes Produktions- und Logistikkonzept in Lübeck

„Biegerei der Zukunft“ eröffnet

Die SÜLZLE Stahlpartner GmbH hat am 25. Mai auf rund 10.000 m 2 im Lübecker Hafen eine

hochmoderne Biegerei eröffnet. „Kunden profitieren nicht nur von den erweiterten Kapazitäten,

sondern auch von durchgängig automatisierten, digitalisierten und vernetzten Prozessen“,

hieß es von dem Unternehmen dazu. Die „Biegerei 4.0“ ermöglicht es Sülzle, noch schneller und

flexibler auf Anfragen zu reagieren. Darüber hinaus seien noch präzisere Biegegenauigkeiten möglich.

Die „Biegerei der

Zukunft“ im Video:

https://suelzlestahlpartner.de/

ueber-uns/videos/

Impressionen der

Eröffnungsfeier:

https://suelzlegruppe.de/rundumgelungeneeroeffnungsfeier/

An dem Standort in Lübeck

setzt Sülzle Stahlpartner voll auf

neue Technologien: In rund zwölf

Monaten hat das Unternehmen

gemeinsam mit Lieferanten, erfahrenen

Maschinenherstellern und

Softwarehäusern am Nordlandkai

im Lübecker Hafen eine der

modernsten Biegereien Europas realisiert.

Sämtliche Abläufe seien perfekt

aufeinander abgestimmt, auto-

matisiert und einheitlich per Computer

gesteuert – vom Wareneingang

des Rohmaterials bis zur Auslieferung

der gefertigten Biegeteile an

den Kunden. Die Übermittlung technischer

Daten vom Kunden an die

Arbeitsvorbereitung ist dabei sowohl

auf konventionellem Weg als auch

via Softwareschnittstelle mit CAD-

Daten, beispielsweise auf Basis virtueller

3D-Planung, möglich.

Anlieferung per

Lkw, Bahn und Schiff

Sülzle habe sich ganz bewusst für

das Hafengelände als Standort entschieden,

erklärte Niederlassungsleiter

Martin Vestring: „Wir haben

hier die Möglichkeit, unser Rohmaterial

per Lkw, Bahn oder Schiff geliefert

zu bekommen. Das vereinfacht

und beschleunigt die Beschaffung

und reduziert gleichzeitig unseren

CO 2 -Fußabdruck.“ Sülzle Stahlpartner

bearbeitet in Lübeck bis zu 250 t

Betonstahl am Tag, dazu kommen

Bewehrungsmatten und andere

Komponenten.

[ kontakt ]

Sülzle Stahlpartner

GmbH

23554 Lübeck

Tel.: +49 451

808888-80

www.suelzle-stahlpartner.de

Standort 4.0 – im Lübecker Hafen hat Sülzle Stahlpartner eine der modernsten

Biegereien Europas eröffnet.

Fotos (2): Sülzle Stahlpartner

Einzigartiges Produktionsund

Logistikkonzept

Herzstück der neuen Biegerei ist

neben dem modernen Maschinenpark

das ausgefeilte Produktionsund

Logistikkonzept, das dem Unternehmen

zufolge in beiden Bereichen

neue Branchenmaßstäbe setzt. „Dieses

birgt enorme Vorteile für unsere

Kunden“, betonte Heinrich Sülzle,

Geschäftsführender Gesellschafter

der Sülzle-Gruppe. „Wir können

damit noch schneller und flexibler

auf ihre Wünsche reagieren und

6 Stahlreport 7/8|19


Foto: Günther + Schramm

ihnen Bewehrungsstahl mit einer

noch höheren Biegepräzision liefern

als bisher. Die einheitliche Computersteuerung

hilft zudem, Fehler zu

vermeiden und so die Lieferqualität

weiter zu verbessern.“

Der Standort Lübeck hat sich in

den vergangenen Jahren zu einer der

größten Biegereien in der Region ent -

wickelt und ist Partner von Bau -

unternehmen, Industrie und Handwerksbetrieben.

„Unsere Investition

in die Biegerei 4.0 ist ein ganz wichtiger

Schritt zur digitalen Transformation,

um mit unseren Kunden

gemeinsam die Zukunft zu gestalten“,

erklärte Heinrich Sülzle.

Rund 60 Beschäftigte am Standort

komplettieren in zwei Schichten den

umfassenden Service. „Wir denken,

dass wir mit dieser Biegerei einen

Meilenstein für die deutsche Biege-

Kultur setzen“, sagte Andreas Sülzle,

ebenfalls Geschäftsführender Gesellschafter.

Insgesamt umfasst die Sülzle-

Gruppe etwa 1.000 Mitarbeiter an 23

Standorten in Deutschland und zwei

Standorten in Frankreich. 2

Günther + Schramm investiert rund 65.000 € in einen weiteren Hochleistungsglühofen

am Standort Königsbronn.

Günther + Schramm rüstet Maschinenpark weiter auf

Glühofen erweitert Servicekapazitäten

Die Günther + Schramm GmbH setzt

die Modernisierung ihres Maschinenparks

fort: Der Systemdienstleister für Stahl,

Edelstahl und Aluminium investiert rund

65.000 € in einen weiteren Hochleistungsglühofen.

Die neue Anlage unterstützt mit

ihrem hohen Beladevolumen und der exakten

Prozesssteuerung für den optimalen

Glühvorgang verschiedener Materialien die

effiziente Prozessabwicklung bei dem

Unternehmen.

Der neue Glühofen ist Teil des Bearbeitungszentrums

am Standort Königsbronn.

Ein Fassungsvermögen von bis zu 1.000 kg

und ein Nutzraum von 800 x 1.400 x

800 mm [B x T x H] machen kundenspezifische

Glühvorgänge bei bis zu 850 °C möglich.

Die Anlage werde insbesondere für die

Bearbeitung von Gusseisen, Aluminium,

Kupfer/Kupferlegierungen, Vergütungsstählen

sowie handelsüblichem Stahl eingesetzt.

Dabei unterstützt der Glühofen unter anderem

die Prozesssteuerung für den optimalen

Glühvorgang der verschiedenen Materialien

und optimiert die Prozessdokumentation.

Weiteren Mehrwert bringt die neue Anlage

in Königsbronn mit Blick auf den ökologischen

Fußabdruck des Dienstleisters. Das

große Beladevolumen des Ofens mache

eine effektivere Auftragsabwicklung möglich,

wodurch erheblich Energie eingespart

werde, so das Unternehmen. Transportwege

zwischen verschiedenen Standorten

entfielen zusätzlich, sodass außerdem CO 2 -

Emissionen reduziert werden.

Mit insgesamt drei Glühöfen an verschiedenen

Standorten hat sich der Systemdienstleister

für zunehmende Kundenanfragen

gerüstet. „Wir garantieren unseren Kunden

die Auftragsbearbeitung just in time. Ein

leistungsfähiger Maschinenpark ist dafür

eine wichtige Voraussetzung“, sagte

Geschäftsführer Bernd Seibold.

Foto: Nordwest

Voll responsive-fähig:

der neue Webauftritt von Nordwest

Nordwest-Website

Rundum erneuert

In ganz neuem Look präsentiert sich

die Nordwest-Website www.nordwest.com

nach ihrem Relaunch im Jahr des 100.

Unternehmensgeburtstages. Eine individuelle

Bildsprache, eine übersichtliche Menüstruktur

sowie ein vertikaler Aufbau für

eine vollumfängliche responsive Nutzung

sind die Merkmale der neuen Website. „Der

User sollte die benötigten Informationen

auf einen Blick finden und weniger zwischen

den Ebenen klicken müssen“, erläutert

Andrea Heynen, Nordwest-Teamleiterin

Brandmarketing, die das Projekt in den vergangenen

Monaten umgesetzt hat, „das ist

jetzt durch die neue Struktur gegeben.“

Ziel war es, Informationen auf einen Blick

zu den einzelnen Bereichen, Produkten und

den jeweiligen Ansprechpartnern samt

Fotos mit einer eigenen Piktogramm-Sprache

zu schaffen und dabei Transparenz und

Nahbarkeit zu vermitteln.

Komplett neu wurden auch der Karrieresowie

Pressebereich strukturiert. In ersterem

erwarten den potentiellen Bewerber

ein vereinfachter Bewerbungsprozess

sowie Erfahrungsberichte von Mitarbeitern

zu ihren Aufgaben und Berufen bei

Nordwest. Der Pressebereich wurde

ebenfalls interaktiver, übersichtlicher und

bietet neben der klassischen Sammlung

von Presseinformationen zusätzlich eine

direkte Verlinkung zu den Social Media-

Angeboten des Unternehmens.

„Das Jubiläum war ein guter Anlass, die

bestehende Website neu aufzusetzen.

Vorreiter für die neue Internetpräsenz

war die Website 100jahre.nordwest.com,

auf der sich die neue Menüführung

bereits bestens bewährt hat.“

[info]

www.nordwest.com

Stahlreport 7/8|19

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Stahlhandel

Bericht/Nachrichten

Die Geschäftsleitung

mit – v.l.n.r. –

Helmut Ernst und

Dr. Ralf von Briel

(Gebr. Lotter KG)

sowie Ulrich

Herrmann (Krönlein-

Unternehmensgruppe).

Foto: Gebr. Lotter KG

Krönlein aus Schweinfurt wird Teil der Lotter-Unternehmensgruppe

Lotter und Krönlein gehen zusammen

Zum 1.8.2019 wird die Gebr. Lotter KG die Gesellschaftsanteile der Unternehmensgruppe Krönlein

erwerben. Ulrich Herrmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Krönlein-Unternehmensgruppe,

wird weiterhin zusammen mit dem in 2019 hinzu gestoßenen Geschäftsführer Sven Bobe die

Geschäfte leiten. Die bisherigen Eigentümerfamilien bleiben zudem als stille Gesellschafter eng mit

dem Unternehmen verbunden. Eine Zusammenarbeit werde für beide Unternehmen deutliche

Marktvorteile bieten, die Sicherheit der bestehenden Arbeitsplätze erhöhen und die Leistungsfähigkeit

für Kunden weiter stärken, teilte die Gebr. Lotter KG mit.

[ kontakt ]

Gebr. Lotter KG

Handelsunternehmen

71631 Ludwigsburg

Tel. +49 7141 406-0

www.lotter.de

„Mit der Integration von Krönlein

in den Firmenverbund erhöht

sich die Leistungsfähigkeit der Lotter-Unternehmensgruppe

in allen

relevanten Sortimentsgruppen weiter“,

so die Geschäftsführer der Gebr.

Lotter KG, Helmut Ernst und Dr. Ralf

von Briel.

Im Betonstahlbereich schaffe der

neue Verbund der Biegereien innerhalb

der Lotter-Unternehmensgruppe

die Möglichkeit, Baustellen in ganz

Süd- und Mitteldeutschland sowie

Betonfertigteilwerke in ganz Deutschland

zu beliefern. Insbesondere entstehe

ein zusammenhängendes Vertriebs-

und Liefergebiet vom Bodensee

über Frankfurt bis nach Berlin.

Im Walzstahlbereich erschließe

sich für Lotter ein neues Absatzgebiet

und für Krönlein der Zugriff auf

umfassende Lager- und Anarbeitungskapazitäten.

Im Bereich der

Beschläge und bei den Eisenwaren

und Werkzeugen biete das breitere

Sortiment der Lotter-Unternehmensgruppe

eine ideale Plattform für das

metall- und beschlagverarbeitende

Handwerk und die metallverarbeitende

Industrie in Franken und Südhessen.

Zudem soll die Logistik- und

Digitalkompetenz der Lotter-Unternehmensgruppe

in Schweinfurt eingebracht

werden.

Leistungsstark und etabliert

Die Krönlein-Unternehmensgruppe,

bestehend aus Julius Friedr. Krönlein

Stahlhandel und Julius Friedr. Krönlein

Bau- und Wohnbedarf, hat ihren

Stammsitz seit 1858 im unterfränkischen

Schweinfurt. Als leistungsstarke

und erfolgreiche Großhandelsgruppe

ist Krönlein mit rund 180

Mitarbeitern über die Grenzen Nordbayerns

hinaus in der Branche bestens

bekannt. In 2018 belief sich der

Umsatz auf über 100 Mio. €.

Julius Friedr. Krönlein Bau- und

Wohnbedarf bedient Handwerksbetriebe,

Fenster- und Türenhersteller

sowie Industrie- und Dienstleistungsunternehmen

mit Eisenwaren, Werkzeugen,

Sicherheitstechnik, Betriebseinrichtungen,

Beschlägen und

Bauelementen. Neben der Zentrale

in Schweinfurt besteht eine Niederlassung

in Kitzingen. Julius Friedr.

Krönlein Stahlhandel mit den

Geschäftsbereichen Betonstahl, Walzstahl,

Aluminium und Edelstahl hat

seinen Sitz ebenfalls in Schweinfurt

und verfügt zudem über eine Niederlassung

in Fulda.

Die Unternehmen sollen wie bisher

als rechtlich selbstständige Einheiten

am Markt agieren.

Die Gebr. Lotter KG führt ihre

Anfänge auf das Jahr 1840 zurück.

Heute beschäftigt die Lotter-Gruppe

unter der Führung von Helmut Ernst

und Dr. Ralf von Briel an über 40

Standorten in Deutschland 1.600 Mitarbeiter.

Im letzten Geschäftsjahr

erwirtschaftete sie einen Umsatz von

mehr als 500 Mio. €. Tätigkeitsschwerpunkte

sind der Handel mit

Bewehrungs- und Walzstahl, mit Produkten

der Haustechnik, des Bodenbelags,

der Stahltüren und Tore und

des Flüssiggases.

Der Unternehmenskauf steht

noch unter dem Zustimmungsvorbehalt

des Kartellamtes. 2

8 Stahlreport 7/8|19


Stahl ∙ Edelstahl ∙ Anschlagrohre ∙ Bauelemente

Foto: Klöckner & Co

Klöckner Forum „Mehrwert Transformation“: Ausblick auf die Zukunft industrieller Lieferketten mit

Gastgeber Sven Koepchen (Vorsitzender der Geschäftsführung Klöckner & Co Deutschland GmbH,

Mitte), Jens Wegmann (COO Klöckner & Co SE) sowie Moderatorin Kerstin Stromberg-Mallmann

Technologie-Herausforderungen in den Blick genommen

Klöckner Forum „Mehrwert Transformation“

Wie sich industrielle Lieferketten

künftig entwickeln, welche Technologien

dabei eine Rolle spielen und welche Kompetenzen

Unternehmen und ihre Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter mitbringen müssen –

darauf hat das Klöckner Forum „Mehrwert

Transformation“ Anfang Juni in Dortmund

versucht, Ausblicke zu geben. Das eintägige

Forum, veranstaltet von der Klöckner & Co

Deutschland GmbH, hat dabei – Stichwort KI

– sowohl aktuelle Technologieentwicklungen

in den Fokus genommen, als auch Einblicke

in die Entwicklungen von Kundenbranchen

des Stahlhandels und der Stahlverarbeitung

gegeben.

Gemeinsames Beratungsangebot

kloeckner.i und diva-e

schließen Partnerschaft

kloeckner.i, die Digitaleinheit des internationalen

Stahldistributors Klöckner & Co,

und diva-e, einer der führenden Transactional-

Experience-Partner für digitales Business, vertiefen

ihre Zusammenarbeit und gehen zukünftig

mit einem gemeinsamen Beratungsangebot

an den Markt.

In den vergangenen fünf Jahren hat kloeckner.i

umfangreiche Erfahrungen bei der Digitalisierung

der internen Prozesse und der Vertriebskanäle

von Klöckner & Co gesammelt. Langjähriger

Partner von kloeckner.i ist dabei

diva-e. Mit Unterstützung von diva-e bei der

technischen Entwicklung von Software und

Plattformen wurden bereits in sechs Ländern

Onlineshops von Klöckner & Co für den Verkauf

von Stahl- und Metallprodukten

gelauncht. Jüngster Meilenstein der Zusammenarbeit

ist die Weiterentwicklung der

Als einer der Keynote-Speaker hat Christoph

Keese, Geschäftsführender Gesellschafter

und CEO der mit Klöckner & Co kooperierenden

Axel Springer hy GmbH, dazu referiert,

wie es Unternehmen gelingen kann, von der

digitalen Transformation zu profitieren.

Um in der Stahldistribution künftig weiter

erfolgreich zu agieren, ist insbesondere entscheidend,

wie die Kommunikation mit den

Kunden gestaltet wird. Einblicke, wie sich

Klöckner & Co in der „Kommunikation 4.0“

aufstellt, hat Patrick Grewer, Head of E-Business

& Marketing, in seiner Präsentation

gegeben.

Onlineshops zu Plattformen, über die mittlerweile

30 Drittanbieter komplementäre Produkte

verkaufen. Neben Klöckner & Co begleitet

diva-e zahlreiche weitere Marktführer und

Hidden Champions unterschiedlichster Branchen.

Christian Dyck, CEO von kloeckner.i: „Nach

den Erfolgen bei der Digitalisierung von Klöckner

& Co bieten wir seit Anfang des Jahres

auch Digitalberatung für externe Unternehmen

an. Dabei setzen wir auf die Kooperation mit

ausgewählten Premiumpartnern wie diva-e, um

unseren Kunden ein ganzheitliches Beratungsund

Umsetzungsangebot höchster Qualität

bieten zu können.“

Sirko Schneppe, Founder und CSO diva-e Platforms:

„kloeckner.i und diva-e verfügen über

einen reichen Erfahrungsschatz bei der Digitalisierung

traditioneller Unternehmen. Daher ist

ein gemeinsames Beratungs- und Lösungsportfolio

der nächste logische Schritt unserer langjährigen

erfolgreichen Zusammenarbeit.“

Stahlreport 7/8|19

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Stahlhandel

Bericht

Erfolgreich im internationalen Wettbewerb: geschmiedete Produkte der BEW-Umformtechnik GmbH

BEW-Umformtechnik und GABO STAHL

Mehr als Stahl – komplettes

Leistungsspektrum für Stahlanwender

Auf den ersten Blick ist den Schmiedeprodukten der BEW-Umformtechnik GmbH oft nicht anzusehen,

welche Komplexität tatsächlich in ihnen steckt. Um die komplizierten Geometrien der Massivumformteile

wettbewerbsfähig herzustellen, ist jedoch ein vielschichtiger Fertigungsprozess notwendig, der neben

einem Höchstmaß an Know-how auch eine perfekt eingespielte Supply Chain benötigt. Mit GABO STAHL

hat BEW einen langjährigen, zuverlässigen Partner an seiner Seite, der mit seinem Leistungsspektrum von

der Vormaterialversorgung mit Stahl über die Warmbehandlung bis zur Werkstoffprüfung perfekt zu den

Bedürfnissen des Umformers passt.

[ kontakt ]

GABO STAHL GmbH

73457 Essingen

+49 7365 9238-0

www.gabo-stahl.de

[ kontakt ]

BEW-Umformtechnik

GmbH

74538 Rosengarten

+49 791 505-0

www.bewumformtechnik.com

Der Unternehmenssitz im idyllischen Rosengarten

in Baden-Württemberg deutet nicht darauf hin – doch

die BEW-Umformtechnik ist in der Gesenkschmiede-

Branche ein international agierender Hersteller. Der

Massivumformer steht mit seinen über 200 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern im internationalen Wettbewerb

und behauptet sich dank der hohen Präzision und

Qualität der gefertigten Schmiedeteile sowie seiner effizienten

Produktion sehr erfolgreich. Von der CAD-Konstruktion

und den Werkzeugbau über das Schmieden

bis zur Warmbehandlung deckt das Unternehmen die

komplette Wertschöpfungskette ab – inklusive einer

wachsenden mechanischen Bearbeitung auf modernsten

CNC-Maschinen.

Baustein des Erfolgs – Partnerschaft mit GABO STAHL

Die Schmiedeprodukte der BEW-Umformtechnik – Teile

und Komponenten vor allem für Getriebe, Achsen und

Lenkungen – werden in Nutzfahrzeugen, Pkw sowie in

Landmaschinen, Baumaschinen oder auch Flurförderzeugen

eingesetzt, weitere Abnehmerbranchen sind

unter anderem die Armaturen- und Hydraulikindustrie.

Ein wichtiger Baustein für den Erfolg ist dabei die enge

Partnerschaft mit der GABO STAHL-Gruppe.

Über die im benachbarten Essingen ansässige Unternehmensgruppe

stellt die BEW einen Großteil ihrer

Versorgung mit dem benötigten Vormaterial sicher –

Stabstahl mit einem breiten Güten- und Abmessungsspektrum.

Das breite Leistungsspektrum der GABO

STAHL passt mit ihrem Portfolio aus Warmbehandlung,

Werkstoffprüfung sowie Sägedienstleistungen darüber

hinaus perfekt zu weiteren Anforderungen der BEW-

Umformtechnik. So hat sich eine enge und vertrauensvolle

Partnerschaft entwickelt, die weit über die Funktion

der reinen Versorgung mit Stahl hinausgeht: GABO

STAHL ist ein wichtiger strategischer Partner für den

Gesenkschmiede-Hersteller entlang seines gesamten

Produktionsprozesses.

Versorgung mit Stahl – zuverlässig, schnell, flexibel

Die Partnerschaft der beiden schwäbischen Unternehmen

ist eingespielt: Seit über 15 Jahren bezieht BEW

einen Großteil der benötigten Vorprodukte über den

Essinger Stahldistributeur – zunächst als Schwesterunternehmen

in der Unternehmensgruppe der Scholz

AG, heute als eigenständige Unternehmen. Wegen der

10 Stahlreport 7/8|19


Foto: BEW-Umformtechnik

Foto: GABO STAHL

GABO STAHL – ein außergewöhnliches Portfolio ständig auf Lager

großen Bandbreite des benötigten Vormaterials – von

Einsatz- über Vergütungs- bis hin zu rostfreien Stählen

– ist für die BEW-Umformtechnik ein Partner vorteilhaft,

der dieses Spektrum zuverlässig bedienen kann. „Eine

zugleich verlässliche und flexible Beschaffung ist eine

absolut notwendige Voraussetzung für unseren Erfolg.

Als Zulieferer unter anderem für Second-Tier-Supplier

von zum Teil sicherheitsrelevanten Bauteilen oder mit

hochwertigsten Oberflächen stellen wir sehr hohe

Ansprüche an unser Vormaterial“, sagt Markus Schramek,

Geschäftsführer der BEW-Umformtechnik GmbH.

Mit ihren Kontakten zu zahlreichen Herstellern und

ihrem gut aufgestellten Einkaufsnetzwerk ist GABO

STAHL für diese Ansprüche prädestiniert. Einerseits

übernimmt das Stahlhandelsunternehmen mit langfristigen

Dispositionen großer, werksfähiger Mengen für

BEW die klassische Mittlerfunktion zwischen Werk

und Kunde – inklusive Finanzierungsfunktion. Aber

auch kurzfristige Bedarfe kleiner und mittlerer Volumina

von schmiede-, stauch- sowie kaltscherfähigem Material

bezieht der Massivumformer aus einer Hand über das

Lagerprogramm von GABO STAHL.

Das Prädikat „besonders wertvoll“ für die BEW verdient

sich GABO STAHL aber vollends mit ihrem über

die Distribution hinausgehenden Leistungsspektrum.

Als Blankstahlproduzent und Weiterverarbeiter liefert

GABO STAHL die georderten Stähle nicht einfach „nur“

aus, sondern verfügt inhouse auch über einen umfangreichen

Maschinenpark. So ist das Unternehmen in der

Lage, die benötigten Stäbe individuellen Anforderungen

entsprechend zu produzieren – normgerecht und in

kurzer Zeit.

Dass BEW mit GABO STAHL nicht nur einen gut aufgestellten

und vernetzten „Stahlverteiler“ an seiner Seite

hat, sondern zugleich einen kompetenten und erfahrenen

Blankstahlproduzenten, ist für den Gesenkschmiedehersteller

ein großes Plus. Einerseits verkürzen sich die am

Markt nicht selten langen Lieferzeiten oft wesentlich.

Was Markus Schramek zufolge gerade in der gegenwärtig

unsicheren Marktsituation und infolge der gestiegenen

Volatilität der Produktionsbedingungen aber auch von

großer Bedeutung ist, ist die hohe Flexibilität, die die

lange und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit GABO

STAHL ermöglicht – und die sich zeigt, wenn etwa kurzfristige

Anfragen oder Terminänderungen die normalen

Abläufe kreuzen.

Auf Abruf: Sägen und Konfektionieren

Ein weiterer Pluspunkt im GABO STAHL-Portfolio sind

die Sägedienstleistungen für BEW. Das Trennen von

Vormaterial ist ein notwendiger Standardprozessschritt

am Beginn der Produktionskette, der daher kontinuierlich

anfällt: Zum Trennen der Rohlinge auf die jeweils q

Gesenkschmieden: Wenn es auf jedes Gramm ankommt

Unter der Leitung von Markus Schramek, der das Unternehmen 2017

übernommen hat, hat die BEW-Umformtechnik viel für die Diversifizierung

ihrer Kundenstruktur getan. Das eigentliche Knowhow des Unternehmens

steckt neben dem Schmiedeprozess selbst dabei in der Konstruktion der

Werkzeuge und Formen, durch die aus dem Ausgangsmaterial in effizienten

Produktionsschritten am Ende Bauteile und Komponenten mit zum

Teil komplexen Geometrien werden.

Dazu konstruieren die BEW-Mitarbeiter für jedes Produkt individuell die

optimalen Fertigungsschritte. Die Herausforderung ist dabei, die Umformwerkzeuge

innerhalb der vom Kunden vorgegebenen Spezifikationen so

zu konstruieren, dass so wenig Umformschritte wie möglich benötigt werden

und zugleich ohne oder mit dem geringst möglichen Überschuss an

Material zu produzieren.

„Wir fokussieren uns tendenziell auf Teile, bei denen es auch auf das

letzte Gramm in der Form ankommt und an die sich andere Hersteller oft

nicht richtig herantrauen“, sagt Markus Schramek. „Um auch bei solchen

Produkten das Material optimal auszunutzen und keinen Ausschuss zu

produzieren, ist viel Erfahrung und Kenntnis nötig. Es besteht immer das

Risiko, dass komplexe Geometrien an kritischen Stellen ausbrechen. Da

muss alles passen“, so der Geschäftsführer weiter.

Stahlreport 7/8|19

11


Stahlhandel

Bericht

Markus Schramek,

Geschäftsführer der

BEW-Umformtechnik

GmbH

Foto: BEW-Umformtechnik

q erforderlichen Abmessungen setzt

BEW zwei Scheranlagen ein, mit

denen etwa 90 % des Rohmaterials

auf Maß gebracht werden. Für Stäbe,

die aufgrund ihrer Größe oder wegen

anderer Anforderungen nicht

geschert werden können, stehen

darüber hinaus zwei Sägeanlagen

zur Verfügung. Regelmäßig reichen

die eigenen Sägekapazitäten jedoch

nicht aus und es müssen kurzfristig

größere Mengen extern konfektioniert

werden – wobei das Unternehmen

auf die Dienstleistungen von

GABO STAHL zurückgreift, die Stabmaterial

bis 1.100 mm Durchmesser

auf Fixlängen sägen kann und passgenau

in die BEW-Produktion liefert.

Stabiler Prozess:

kompetente Warmbehandlung

Das Herzstück der BEW-Produktion,

auf dem ein Großteil der Schmiedeprodukte

gefertigt wird, ist eine Pressenlinie

mit einer Pressekraft von

5.000 t. Auf diesem massiven Aggregat

– oder einer der zwei weiteren

1.000-t-, zwei 1.600-t- oder der 3.150-

t-Presse – werden die zuvor auf

Infobox BEW-Umformtechnik und GABO STAHL

Stahlreport: Warum ist die Zusammenarbeit mit GABO STAHL für die

BEW so wertvoll?

Markus Schramek: GABO STAHL mit seinen zugehörigen Unternehmen

ist für uns nicht nur einfach ein Stahlhändler, sondern ein Partner,

der vieles von dem abdeckt, was wir benötigen: Die zuverlässige Versorgung

mit den Stabstählen, Sägedienstleistungen, Warmbehandlung

und Werkstoffprüfungen.

Dazu kommt, dass sich der Markt in der letzten Zeit dramatisch verändert

hat. Da ist Flexibilität gefragt, fast mehr als alles andere. Mit

GABO STAHL haben wir da den richtigen Partner an unserer Seite.

Ebenfalls ist sehr wichtig für uns etwas, das nur schwer zu messen

und in Zahlen zu fassen ist: Durch die lange Partnerschaft kennt man

sich recht gut. Ich muss zum Beispiel nicht erst mit fünf Leuten

sprechen, bevor ich bei einem Problem den Richtigen an der Strippe

habe.

Welche Herausforderungen stellt der Markt an die BEW?

Flexibilität. Wenn ein Kunde zum Beispiel einen Auftrag verschiebt,

brauchen wir auch bei unseren Lieferanten Flexibilität. Und andersherum:

Wenn wir kurzfristig eine höhere Menge benötigen, haben

wir mit GABO STAHL einen Partner an der Seite, bei dem wir sicher

sind, dass er darauf mit seinem Lager- und Leistungsprogramm

reagieren kann.

1.300 C° erwärmten Rohlinge in

einem oder mehreren Hüben in

selbst hergestellten Werkzeugen zur

vom Kunden vorgegebenen Geometrie

verschmiedet.

Nach dem Schmieden durchlaufen

die Teile die BEW-eigene Warmbehandlung

und werden vom Vergüten

über das Spannungsarm-,

Weich- und Normalglühen bis hin

zum Ausscheidungshärten in ihren

Oberflächeneigenschaften nach Vorgabe

präzise eingestellt. „Da wir

nicht alle unsere Produkte in der

eigenen Warmbehandlung bearbeiten

können und wir auch durch unseren

Standort mitten im Ortskern

limitiert sind, vergeben wir regelmäßig

Mengen auch extern. Wir

haben hierbei mit dem Ostalb-Warmbehandlungszentrum

einen kompetenten

und zuverlässigen Partner

an der Seite“, sagt Markus Schramek.

Die OWZ Ostalb-Warmbehandlungszentrum

GmbH ist ebenfalls

Teil der GABO STAHL-Gruppe und

ein auf die Warm- und Oberflächenbehandlung

spezialisierter Anbieter.

„Für uns ist entscheidend, mit dem

OWZ einen Partner zu haben, bei

dem wir uns auf die Qualität und auf

prozessstabile Abläufe verlassen

können“, so BEW-Geschäftsführer

Markus Schramek. Etwa 30 bis 40 %

seines Bedarfs in der Warmbehandlung

deckt das Unternehmen so ab.

Metallurgisches Know-how

gefragt

Als Hersteller sicherheitsrelevanter

Schmiedeteile ist für die BEW-

Umformtechnik die strenge Einhaltung

kundenspezifischer sowie

selbstgestellter Anforderungen und

entsprechender Branchen-Normen

ein entscheidendes Kriterium, um

eine gleichbleibende, hohe Qualität

der Bauteile zu garantieren. So ist

das Unternehmen unter anderem

nach der Automobilnorm IATF

16949, nach DIN EN ISO 14001, ISO

9001 sowie ISO 50001 zertifiziert.

In diesem auf höchste Sicherheit

und Qualität der Bauteile ausgerichteten

Produktionsprozess gehören

metallurgische Werkstoffprüfungen

zum Tagesgeschäft. Auch

dabei verlässt sich der Massivumformer

auf einen leistungsstarken,

12 Stahlreport 7/8|19


akkreditierten Partner: die Werkstofftechnik-Labor

GmbH (WTL),

eine weitere Tochterfirma der GABO

STAHL GmbH, die sich auf zerstörende

Werkstoffprüfungen fokussiert

hat und die gewünschten

Kennwerte von Werkstoffen und

Bauteilen für BEW und andere Kunden

ermittelt – in Spitzengeschwindigkeit,

wie das Unternehmen

betont. Zum Leistungsspektrum der

WTL gehören metallografische

Untersuchungen, physikalischmechanisch-technologische

Prüfungen

sowie Analysen der chemischen

Zusammensetzung.

Muss die BEW nicht-zerstörende

Werkstoffprüfungen durchführen,

arbeitet das Unternehmen mit dem

Schwesterunternehmen des OWZ

zusammen: Die SRT GmbH in Essingen

ist ebenfalls ein Unternehmen

der GABO STAHL-Gruppe, das sich

auf verlässliche Rissprüfungen sicherheitsrelevanter

Bauteile und Werk -

stoffe spezialisiert hat. Von der

Rissprüfung nach dem Magnetpulververfahren

bzw. für nicht-magnetische

Werkstoffe nach dem Penetrierverfahren

über Ultraschallprüfungen zum

Auffinden tiefer liegender Fehler bis

hin zur Wirbelstromprüfung unter

anderem für Verwechselungsprüfungen

deckt der Dienstleister ein breites

Spektrum ab.

Für die BEW-Umformtechnik ist

GABO STAHL für eine ganze Reihe

ihrer Anforderungen der „perfekte

Partner“ – von dem das Unternehmen

von der Versorgung mit Stahl-

Vormaterial über die Warmbehandlung

bis zur Werkstoffprüfung ein

ganzes Bündel an Produkten und

Dienstleistungen aus einer Hand in

höchster Qualität zuverlässige

bezieht. Die lange und enge Zusammenarbeit

ermöglicht der BEW dabei

einen hohen Grad an Flexibilität,

was gerade in einem Marktumfeld,

das von starken Veränderungen

geprägt ist, ein wichtiger Baustein

des Unternehmenserfolgs darstellt.

Aus einem „Muss“ der Zusammenarbeit

in der früheren Gruppe ist mit

der Eigenständigkeit ein „Kann“ und

mittlerweile ein klares „Wollen“

geworden – wie BEW-Geschäftsführer

Markus Schramek zusammenfasst.

2

Fotos, 2: GABO STAHL Foto: BEW-Umformtechnik

Beispiel für ein Schmiedeteil der BEW-Umformtechnik

Ebenfalls Teil des Leistungsspektrums der GABO STAHL-Gruppe: prozesssichere Warmbehandlung von Stählen

und Schmiedeteilen.

[ Die GABO STAHL-Unternehmensgruppe ]

GABO STAHL GmbH

73457 Essingen

+49 7365 9238-0

www.gabo-stahl.de

GABO STAHL Gmbh

Niederlassung Dortmund

44145 Dortmund

Tel. +49 231 545043-0

www.gabo-stahl.de

OWZ Ostalb-Warmbehandlungszentrum

GmbH

73431 Aalen

Tel. +49 7361 3780-10

www.owz-aalen.de

SRT GmbH

73457 Essingen

Tel. +49 7365 9237-100

www.srt-aalen.de

HAPU Industrievertretungen GmbH

73457 Essingen

Tel. +49 7365 9238-200

www.hapustahl.de

WTL Werkstofftechnik-

Labor GmbH

73457 Essingen

Tel. +49 7365 9237-333

www.wtl-aalen.de

M. DROSTE Stahlhandel GmbH

44787 Bochum

Tel. +49 234 7010-13

www.droste-stahl.de

Stahlreport 7/8|19

13


Stahlproduktion

Bericht/Nachrichten

Bereits ab dem kommenden

Jahr sollen

die beiden Hochöfen

der Dillinger Hütte

und Saarstahl dank

zugeführtem wasserstoffreichen

Kuppelgas

Roheisen mit

deutlich reduzierten

CO 2 -Emissionen

produzieren.

Dillinger und Saarstahl setzen erstmalig auf neue Technologie zur CO 2 -Minderung

Auch an der Saar: Wasserstoff

im Hochofen zur CO 2 -Minderung

Nachhaltige Stahlproduktion an der Saar: Dillinger und Saarstahl gehen neue Wege zur

CO 2 -Emissionsminderung und setzen erstmalig auf Wasserstoff in den beiden Hochöfen

der Roheisengesellschaft Saar mbH (ROGESA). Hierfür investierten die Unternehmen

14 Mio. € in eine neuartige Anlage, mit der am Standort Dillingen die CO 2 -Emissionen

künftig spürbar reduziert werden sollen.

„Wir als große Stahlproduzenten

an der Saar bekennen uns zu den

CO 2 -Minderungszielen und schaffen

mit dieser zukunftsweisenden Investition

die technische Voraussetzung

für künftige wasserstoffbasierte Weiterentwicklungen

zur CO 2 -Vermeidung“,

erklärte Martin Baues, technischer

Vorstand von Dillinger und

Saarstahl, „ein wichtiger Baustein

für unser Ziel, die modernste Stahlindustrie

hier an der Saar zu haben“.

Seit längerer Zeit forschen die

Unternehmen intensiv an Verfahren

der CO 2 -armen Stahlproduktion.

Unter anderen wurden umfangreiche

Untersuchungen und Pilotanlagenversuche

zum Einsatz von wasserstoffreichem

Kuppelgas im Hochofen

realisiert und großtechnische Konzepte

daraus hergeleitet.

Geplant ab 2020 – Kuppelgas

verdrängt Kohlenstoff

Vorgesehen ist nun der Bau eines neuartigen

Systems, um eine Teilmenge

des innerhalb des integrierten Hüttenwerkes

entstehenden wasserstoff-

reichen Kuppelgases (Koksgas) in den

Hochofen einzubringen. Diese Maßnahme

führt dazu, den Kohlenstoff

als Reduktionsmittel durch den Wasserstoff

zu verdrängen, um eine deutliche

CO 2 -Minderung zu erreichen.

Die Investition beinhaltet die

erforderlichen Maschinen- und Anlagenkomponenten

an beiden Hochöfen

und die zugehörige Infrastruktur.

Die Bauarbeiten sollen weitgehend

im laufenden Betrieb ausgeführt

werden, sodass diese Maßnahme

voraussichtlich bereits in

2020 an den beiden Hochöfen umgesetzt

werden könne, teilten die

Unternehmen mit.

Schon bisher investiert:

500 Mio. € für den Umweltschutz

„Die Hochöfen der ROGESA gehören

bereits heute zu den modernsten und

leistungsfähigsten Hochöfen in

Europa“, betonte Martin Baues. „Wir

treiben kontinuierlich die Verbesserung

des Umweltschutzes in unseren

Unternehmen voran, und haben in

den vergangenen 15 Jahren alleine

am Standort Dillingen rund 500

Mio. € in Umweltschutzmaßnahmen

investiert. Mit der Substitution von

Kohlenstoff durch Wasserstoff im

Kuppelgas schlagen wir eine neue

zukunftsweisende Richtung auf dem

Weg der CO 2 -Emissionsminderung

ein und wollen damit konsequent

alle Wege zur CO 2 -Reduzierung nutzen,

die auf der Hochofenroute möglich

sind. Weitere Forschungs- und

Entwicklungsaktivitäten sollen dazu

beitragen, zusätzliche Potenziale zu

heben. Dazu sind wir auf Unterstützung

durch Fördermittel angewiesen“,

so Baues weiter.

Die ROGESA Roheisengesellschaft

Saar mbH, Dillingen, ist eine

gemeinsame Tochtergesellschaft der

Aktien-Gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke

(Dillinger), Dillingen, und

der Saarstahl AG, Völklingen, (je 50 %

direkter und indirekter Anteil).

ROGESA wurde 1981 gegründet und

produziert heute mit zwei Hochöfen.

Das erzeugte Roheisen versorgt das

Stahlwerk von Dillinger und von

Saarstahl. 2

14 Stahlreport 7/8|19


Foto: Uwe Braun/SHS – Stahl-Holding-Saar

Foto: ArcelorMittal

Übernahme der Münker Metallprofile in Reichshof im oberbergischen Kreis durch ArcelorMittal: Die

Produktion soll in den kommenden Jahren ausgebaut werden.

Produktion soll sukzessive ausgebaut werden

ArcelorMittal kauft Münker Metallprofile

Produktion von nichtrostendem

Stahl gesunken

Die weltweite Erzeugung von nichtrostendem

Stahl ist dem International Stainless

Steel Forum (ISSF) zufolge in den ersten

drei Monaten dieses Jahres gegenüber

dem Vorjahresquartal um 2,5 % auf 12,5

Mio. t zurückgegangen. Im Vergleich zum

vierten Quartal 2018 stieg sie um 5,4 %.

Den im Jahresvergleich stärksten Rückgang

hatten mit jeweils -5,7 % Europa

sowie Asien (ohne China und Südkorea)

zu verzeichnen. Das Minus in China und

den USA fiel mit -1,5 % bzw. -2,0 % etwas

geringer aus.

Im Rahmen seiner Expansionsstrategie im Bereich der Dach- und Fassadentechnik

hat ArcelorMittal mit Wirkung zum 21. Juni 2019 alle Anteile der Münker Metallprofile

GmbH in Reichshof übernommen. „Wir freuen uns, mit Münker Metallprofile einen starken

Premiumhersteller für Metallprofile bei ArcelorMittal zu integrieren“, kommentierte Jean-

Christophe Kennel, CEO von ArcelorMittal Construction.

Geschäftsführer Frank-Udo Münker, sein Führungsteam und alle Mitarbeiter von Münker

Metallprofile bleiben dem Unternehmen erhalten. Der Unternehmensstandort und die

unabhängige Marke „Münker Metallprofile“ seien mit ihren Aktivitäten in Reichshof im

oberbergischen Kreis langfristig gesichert. In den kommenden Jahren soll die Produktion

durch fortlaufende Investitionen weiter ausgebaut werden. Außerdem sollen zusätzliche

Mitarbeiter eingestellt werden. „Unsere Kunden werden weiterhin wie gewohnt von der

guten Qualität, der hohen Flexibilität und Termintreue und zusätzlich von einem erweiterten

Angebotsspektrum profitieren“, ergänzte Frank-Udo Münker.

Weniger Rohstahl

im Mai produziert

Die Stahlkonjunktur in Deutschland

bleibt der Wirtschaftsvereinigung Stahl

zufolge abwärts gerichtet. Die Rohstahlproduktion

ist laut dem Düsseldorfer Verband

im Mai 2019 um 5 % gegenüber

dem Vorjahresmonat gesunken, verglichen

mit einem Rückgang von ebenfalls

5 % im bisherigen Jahresverlauf. Bereits

im vergangenen Jahr war die Erzeugung

um knapp 4 % gesunken.

Standardabmessungen und Sondergrößen online

Bleche bestellen per Mausklick

Das VDM Metals Service Center

Europe hat in Zusammenarbeit mit dem digitalen

Marktplatz für Werkstoffe, XOM Materials,

einen eigenen Onlineshop gelauncht.

Durch diesen Shop möchte das Unternehmen

sein Serviceportfolio für Kunden ausbauen

und einen noch schnelleren Zugriff

auf das Lagerprogramm anbieten. Durch die

Digitalplattform ist ein Einkauf 24 Stunden

am Tag, sieben Tage die Woche von überall

her möglich.

„Mit unserem Onlineshop sind wir dem

Wunsch vieler Kunden nachgekommen, um

schnell und unkompliziert Werkstoffe bestellen

zu können. Wir weiten unser Angebot im

Onlineshop ständig aus, derzeit beginnen wir

mit Blech. Ergänzt werden Standardabmessungen

durch Sondergrößen, die insbesondere

bei Nachlieferungen interessant sind,“

erklärt Lars Klöpper, Senior Vice President

Service Center. „Später werden dann noch

Draht, Stangen und Knüppel folgen.“ Kunden

können mit einem Klick in Erfahrung bringen,

welche Werkstoffe in welchen Standard-

oder Sonderabmessungen verfügbar

sind. Filtermöglichkeiten und Beschreibungen

der Artikel ähneln denen bekannter

Onlinehändler. Sowohl die Registrierung als

auch die Bestellung von Artikeln seien kinderleicht,

betont das Unternehmen. Der derzeitige

Fokus des Service-Center-Geschäfts

der VDM Metals GmbH liegt auf dem

europä-ischen und asiatischen Markt, doch

sei der Shop weltweit erreichbar.

„Sind weitergehende Anarbeitungen wie

Laser- oder Wasserstrahlzuschnitte

gewünscht, so können uns Interessenten

über den Shop ebenfalls einen entsprechenden

Rückrufwunsch zukommen lassen – da

die Preiskalkulation in diesem Fall individuell

Beschreibungen im neuen Online-Shop

erfolgt. Wir freuen uns, unser umfangreiches

Serviceangebot mit dem neuen Webshop um

eine zeitgemäße Komponente erweitern zu

können“, so Klöpper. Bestellungen von Großmengen

oder Abrufaufträge sind nach wie

vor direkt beim Service Center oder über

den Vertrieb bestellbar.

[ info]

Der neue VDM Metals-Onlineshop unter:

https://vdm-metals.com/shop

Quelle: VDM

Stahlreport 7/8|19

15


Anarbeitung

XXXXXXXXXX

und Logistik

Nachrichten

IT-Experten IQSoftware und Lantek

vereinbaren Kooperation

Starke Partner für die Blechbearbeitung

im Stahlbau

Eine neue Kooperation soll die

Stärken zweier Software-Spezialisten auf

unterschiedlichen Märkten verbinden:

Über gemeinsame Schnittstellen integriert

die IQSoftware GmbH die Lösung

von Lantek zur Blechbearbeitung in ihr

ERP-System für den Stahlbau.

Foto: Hergarten

Seit Mai laufen die Arbeiten für den neuen, zentralen Fuhrparkstandort der Hergarten GmbH Stahlspedition

auf Hochtouren. Mit der Fertigstellung rechnet der Logistikspezialist gegen Ende des Jahres.

1 Mio. € für zentralen Fuhrparkstandort

Hergarten investiert in Neuss

Die Hergarten-Gruppe modernisiert

einen ihrer Standorte in Neuss. Ziel ist es,

einen hochmodernen, zentralen Fuhrparkstandort

zu schaffen. Seit Mitte Mai 2019

laufen die dazu erforderlichen Abrissarbeiten

auf Hochtouren. Hergarten, ein bundesweit

tätiger Full-Service-Logistikanbieter

für die Stahlbranche, will auf der rund

7.670 m 2 großen Fläche optimale Bedingungen

für die Wartung und Pflege des

eigenen Fuhrparks schaffen. Hinzu kommen

Sozialräume und dringend benötigte

Stellplätze. Dafür investiert das Familienunternehmen

rund 1 Mio. €.

„Aufgrund der guten Auftragslage und der

allgemein bekannten Laderaumverknappung

ist unsere 180 Lkw starke Flotte im

Dauereinsatz. Mit einer eigenen, modern

ausgestatteten und zukünftig 1.000 m 2 großen

Werkstatt können wir Sicherheitschecks,

Wartung und Pflege der Fahrzeuge

wesentlich effizienter abwickeln. Eine Tankstelle

ergänzt die Ausstattung. Lieferprozesse

werden dadurch noch weniger beeinträchtigt

und unsere Mechaniker werden

dank einer Werkstattgrube wesentlich ergonomischer

arbeiten. Auch unsere Mitarbeiter

im Fernverkehr können sich auf gut ausgestattete

Übernachtungsplätze freuen“,

erläutert Geschäftsführer Marcel Hergarten

die Gründe für die umfassende Maßnahme.

Bisher befand sich auf dem Gelände in

Neuss ein fast 40 Jahre altes Gebäude, das

sowohl Werkstatt als auch Lager-, Büround

Sanitärraume beinhaltete. Eine kostspielige

Kernsanierung des alten Gebäudes

lohnte sich nicht, an dem traditionsreichen

Standort an der Gladbacher Straße wollte

die Hergarten-Gruppe aber aufgrund der

direkten Nähe zum operativen Geschäft und

zu zahlreichen Kunden unbedingt festhalten.

Der Abbruch des alten Gebäudes

wurde Mitte Juni beendet. „Anfang Juli

haben wir dann die Neubau-Arbeiten begonnen.

Wir rechnen Ende des Jahres mit der

Fertigstellung“, so Hergarten.

TEAMWELDER Germany wird nicht weitergeführt

Die EWM AG stellt zum Jahresende 2019 die Aktivitäten des Tochterunternehmens TEAM-

WELDER Germany GmbH ein. Die EWM übernimmt mit diesem Schritt eigenen Angaben

zufolge alle Gewährleistungs- und Garantieansprüche für Produkte seiner Tochtermarke,

zudem sorge man für eine dauerhaft gesicherte Versorgung mit Ersatzteilen. Der Hersteller

von Lichtbogen-Schweißtechnik setze künftig auf eine Bündelung seiner Ressourcen. International

treibt EWM sein Wachstum aber weiter voran. Allein 2019 eröffnete der Schweißtechnikhersteller

drei neue Niederlassungen in Deutschland und Frankreich. Um die Marktposition

weiter auszubauen, seien weltweit weitere neue Standorte geplant. Außerdem

forciere man die Produktentwicklung in technologischen Zukunftsfeldern wie dem Roboterschweißen

und Industrie-4.0-Anwendungen.

Unternehmen im Stahlbau benötigen in

der Fertigung auch Blechteile, wie etwa

Kopf- oder Fußplatten zur Verbindung von

Stahlprofilen. Produzieren sie diese

selbst, ist eine Software hilfreich, mit der

die Produktion der Blechteile intelligent

gesteuert und in den übergeordneten

Prozessablauf der Stahlverarbeitung eingebunden

wird. Darauf zielt die Kooperation

zwischen Lantek und IQSoftware ab.

IQSoftware bietet mit IQSteel.ERP eine

Softwarelösung, die auf die Besonderheiten

und spezifischen Anforderungen des

Stahl-, Anlagen-, Metall- und Industriebaus

zugeschnitten ist. Sie unterstützt

Unternehmenen auf Grundlage einer einheitlichen

Datenhaltung – von der Planung

über die Kalkulation und das Dokumentenmanagement

bis hin zur

Maschinensteuerung. Lantek ist ein IT-

Spezialist für die Blechbearbeitung: Das

weltweit agierende Unternehmen mit

Hauptsitz in Spanien sieht sich mit seinen

Fertigungslösungen und seinem modular

aufgebauten Portfolio für die umfassende

Steuerung des gesamten Betriebs in

einer vernetzten Umgebung als Treiber

der digitalen Transformation der Blechindustrie.

„Wir freuen uns, dass die Stahlbau-Kunden

von IQSoftware mit unserer Lösung

einen echten Mehrwert für ihre Blechbearbeitung

bekommen – und das ganz

unabhängig davon, von welchem Hersteller

ihre Blechschneidmaschinen stammen“,

sagt Christoph Lenhard, Lantek-

Vertriebsleiter für Deutschland,

Österreich und die Schweiz, über die

Zusammenarbeit. „Durch die Kooperation

mit Lantek sind wir in der Lage, unseren

Anwendern ein auf den Stahlbau spezialisiertes

ERP mit integrierter, automatisierter

Blechfertigung zu bieten“, so Alfredo

Lemke, Geschäftsführer von IQSoftware.

16 Stahlreport 7/8|19


Modernes Konzernhaus für 1.000 Beschäftigte in Köln

Strabag AG weiht neue Unternehmenszentrale ein

Mit einem großen Festakt hat die

STRABAG AG im Mai ihre neue Unternehmenszentrale

in Köln-Deutz offiziell eingeweiht.

Bereits im vergangenen Dezember,

knapp zwei Jahre nach dem Baustart, hatten

rd. 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der

STRABAG-Gruppe das moderne, sechsgeschossige

Bürogebäude in der Siegburger

Straße bezogen. Die STRABAG-Tochter

ZÜBLIN realisierte den Neubau als Generalunternehmen.

Zur Einweihungsfeier mit Beschäftigten aller

Konzerneinheiten sowie zahlreichen geladenen

Gästen – unter anderem die Oberbürgermeisterin

von Köln, Henriette Reker,

sowie Staatssekretär Dr. Jan Heinisch, NRW-

Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau

und Gleichstellung – präsentierte STRABAG

Innovationen aus dem Verkehrswegebau auf

einer Hausmesse im Foyer und auf dem Vorplatz

des Neubaus – vom schadstoffmindernden

Clean Air (ClAir) Asphalt über 3D-

Mapping bis hin zum Building Information

Modelling (BIM), zentralen Treibern des digitalen

Wandels in der Baubranche.

Mehr als 1.200 Gäste, Beschäftigte der STRABAG-Gruppe und ihre Angehörigen, besuchten im Mai das

Familienfest zur Einweihung des neuen Konzernhauses SIEGI.241 in Köln.

Das neue STRABAG-Konzernhaus trägt den

Namen „SIEGI.241“, benannt nach der

Standortanschrift Siegburger Str. 241. Das

lichtdurchflutete Bürogebäude mit seinen

vier Innenhöfen, rd. 1.600 raumhohen Fenstern

und einer Tiefgarage mit 129 Pkw-Stellplätzen

ist auf einem von der Straße zurückversetzten

Teil des STRABAG-Areals entstanden.

In die Planung, den Bau und den Betrieb

des SIEGI.241 brachte die STRABAG-Gruppe

ihre komplette Leistungspalette ein: von der

digitalen Planung über Erd- und Tiefbauarbeiten

und schlüsselfertigem Hochbau bis hin zu

Gebäudetechnik und Facility-Management.

Der Neubau „SIEGI.241“ bietet – das 1996

errichtete Nachbargebäude, das mit dem

Neubau künftig verbunden werden soll,

eingerechnet – Raum für rund 1.000 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter verschiedener

Konzerneinheiten. Auf einer Bruttogeschossfläche

von rd. 17.100 m² sind u. a. 365

Büros, ein großzügiges Foyer, moderne

Besprechungszonen mit Videokonferenzräumen,

Think Tanks und Shared Spaces, eine

Kantine, Teeküchen, ein Eltern-Kind-Zimmer,

ein Gymnastikraum inklusive Duschen und

das IT-Rechenzentrum untergebracht. Hinzu

kommen vier Dachterrassen, vier Innenhöfe,

177 oberirdische Pkw-Parkplätze sowie 114

teils überdachte Fahrradstellplätze.

Foto: STRABAG AG/Sarah Schovenberg

Nippon Gases Deutschland

Klimafreundlicher Transport

Die Nippon Gases Deutschland GmbH rüstet als – eigenen

Angaben nach – einer der ersten Hersteller von Industriegasen seinen

Fuhrpark um. Seit dem Frühjahr 2019 sind für Nippon Gases

Deutschland zwei Sattelzugmaschinen unterwegs, die umweltschonend

mit Erdgas fahren. „Eine erdgasbetriebene Sattelzugmaschine

stößt bis zu 90 % weniger Stickoxide aus und rund 15 % weniger

CO 2 . Schwefeloxid- und Feinstaub-Emissionen lassen sich um fast

100 % reduzieren“, erklärt Joachim Walter, Supply Chain Director bei

Nippon Gases Deutschland. Hinzu kommt ein geräuscharmer Motor.

Nippon Gases Deutschland betreibt keinen eigenen Fuhrpark, sondern

arbeitet eng mit professionellen Transportunternehmen zusammen.

In zahlreichen Gesprächen mit den Speditionsunternehmen

konnte der Industriegaseproduzent seine Partner überzeugen. Bis

Ende 2019 sollen neben den beiden LNG-Fahrzeugen zehn weitere

LNG- und CNG-Fahrzeuge hinzukommen. Beide Systeme können

eine Reichweite bis 1.600 km erzielen. Aktuell gibt es nur etwa zehn

Foto: Nippon Gases Deutschland

LNG-Tankstellen in Deutschland, weitere sind allerdings in Planung.

Bei CNG sieht es besser aus. Hier besteht bundesweit zurzeit

ein Netz aus rund 1.100 Tankstellen. Mit Elektromobilität habe man

sich ebenfalls beschäftigt. Doch die geringe Reichweite, das sehr

hohe Gewicht und die Ladezeiten dieser Fahrzeuge seien derzeit

keine Alternative für das benötigte Anforderungsprofil.

[info]

Joachim Walter (re.),

Director Supply Chain

bei Nippon Gases

Deutschland, und

Christoph Kümpel,

Technical Fleet Manager

bei Nippon Gases

Deutschland, haben

sich für den Erdgasantrieb

entschieden.

LNG steht für „Liquefied Natural Gas“ (flüssiges Erdgas). CNG steht für

„Compressed Natural Gas“ und bezeichnet komprimiertes Erdgas.

Stahlreport 7/8|19

17


Anarbeitung

XXXXXXXXXX

und Logistik

Bericht

Foto: TCC

Der historische Kupferstich zeigt das Werk der Siegener Verzinkerei Actiengesellschaft in Geisweid, Siegen, im Jahre 1909.

Im Hintergrund ist die Einmauerung des Verzinkungskessels dargestellt.

500 Jahre Unternehmensgeschichte

The Coatinc Company – das älteste

Familienunternehmen Deutschlands

Mehr als 90 % der deutschen Unternehmen sind familiengeführt, kaum ein anderes Land verfügt über

eine derart solide unternehmerische Basis. Doch auch hierzulande können nur wenige Unternehmen

auf eine so lange Tradition zurückblicken wie The Coatinc Company (TCC), international agierender

Oberflächenveredler mit Stammsitz in Siegen. Hier reichen die unternehmerischen Wurzeln zurück bis

ins 16. Jahrhundert, noch weit vor die Anfänge der industriellen Stahlerzeugung. Nun ist The Coatinc

Company von der Stiftung Familienunternehmen offiziell als das älteste Familienunternehmen

Deutschlands gelistet worden.

500 Jahre TCC-Geschichte

sind zugleich ein halbes Jahrtausend

Metallbe- und -verarbeitung aus dem

Siegerland. Sie markieren die außergewöhnliche

Entwicklung eines

Werkstoffes und einer Region von

der Wiege des Bergbaus bis hin zum

elementaren Wirtschaftszweig.

Denn die Siegerländer Region,

seit jeher geprägt von der Erzgewinnung

und -verarbeitung, gilt als eine

der ältesten Montanregionen

Europas: Spuren des Bergbaus finden

sich bereits bei den Kelten (500

v. Chr.). Später entwickelten gerade

die ortsansässigen Unternehmerfamilien

die Region zur innovativen

Industriebranche weiter.

„Die Beschäftigung mit den eigenen

Wurzeln hat bei uns Tradition“,

erläutert Paul Niederstein, Geschäfts-

führender Gesellschafter der TCC.

2017 bewog ihn ein Buchprojekt seines

Vaters Klaus Niederstein, tiefer

in die eigene Historie einzusteigen.

Als wegweisend für die eigene Ahnenforschung

erwies sich ein besonderes

Geschenk: 1918 überreichte Emmy

Dresler ihrem Vater Heinrich Adolf

Dresler anlässlich seines 85. Geburtstages

ihre „Geschichte der Familie

Dresler“. Das Buch zeichnet detailliert

den Werdegang der Vorfahren von

der ersten Generation bis hin zum

Vater auf.

Vom Meister-Handwerk

zum Hidden Champion

Um ihr Werk bis heute zu ergänzen,

beauftragte Paul Niederstein 2018

einen Historiker, der weitere Nachforschungen

anstellte. Ein Blick ins

Deutsche Geschlechterbuch machte

schnell deutlich: The Coatinc Company

schaut auf eine jahrhundertelange

Tätigkeit in der Stahlbranche

zurück.

Der zündende Funke sprang

über, als Paul Niedersteins Vorfahre

und Stahlschmiede-Meister Heylmann

Dresseler im Jahre 1502 einen

„Feuerschilling“ zahlte, um die örtliche

Feuerstelle zu nutzen. Sieben

Generationen später besaß der

erfolgreiche Eisenhändler Johannes

Dresler bereits Anteile an mehreren

Eisenhütten und die Familie gewann

von Generation zu Generation an

Einfluss.

Die Anfänge der Stahlindustrie

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

entwickelte sich die Stahl-

18 Stahlreport 7/8|19


Die Abbildung zeigt

eine verzinkte Fahrrad-

und Fußgängerbrücke

in Bayern,

verzinkt von Coatinc

Würzburg.

Foto: TCC/Janosch Gruschczyk

industrie zu einem bedeutsamen

Wirtschaftszweig. Johann Heinrich

Dresler II., geboren 1745 in Sieghütte,

investierte stark in die Eisenund

Stahlverarbeitung. Er beteiligte

sich früh am Wachstum der jungen

Branche und trieb damit auch die

Industrialisierung der Region voran:

Neben Anteilen am Sieghütter Hammer

hatte er das fürstliche Monopol

für die Produktion von Kleineisenund

Stahlfabrikaten inne und revolutionierte

mit modernen Webstühlen

die damals im Siegerland eben-

falls stark ausgeprägte Textilwirtschaft.

Die Dreslers formten ihre Heimat

aber auch politisch. So stellte

die Familie über 200 Jahre, von der

fünften bis zur zehnten Generation,

den Bürgermeister der Stadt Siegen.

Ende des 19. Jahrhunderts

wurde Heinrich Adolf Dresler,

damaliger Aktionär und Direktor

der Siegener Verzinkerei Actiengesellschaft

(später SAG), in den

Reichstag gewählt. Seine Tochter

Luise Dresler heiratete den protestantischen

Pfarrer und Superintendenten

Alfred Emil Niederstein.

Aus ihrer Ehe ging ein neuer Ast

im Stammbaum hervor: Ihr zweiter

Sohn Werner Niederstein, geboren

1901, stieg 1923 als junger Mann

in die SAG ein.

1945 wurde Werner Niederstein

zum alleinigen Vorstand der Siegener

Actiengesellschaft und – nach

dem Zweiten Weltkrieg – durch die

Besatzer ebenfalls zum IHK-Präsidenten

ernannt. Er baute das

Geschäft zunehmend aus. Mit sei- q

Die Abbildung zeigt

die verzinkte Konstruktion

der Skihalle

SnowWorld

Zoetermeer, veredelt

von Coatinc Alblasserdam.

Foto: TCC/Janosch Gruschczyk

Stahlreport 7/8|19

19


Anarbeitung

XXXXXXXXXX

und Logistik

Bericht/Nachricht

timeBuzzer

Schnelle Zeiterfassung

Paul Niederstein, Geschäftsführender Gesellschafter der TCC

q nem Sohn Klaus Niederstein begann

dann später die Internationalisierung

des Unternehmens.

Regionale Werte,

internationale Erfolge

Heute leitet Paul Niederstein als Sprecher

der Geschäftsführung und Mehrheitsgesellschafter

The Coatinc Company,

die ihrem Stammsitz in Siegen

stets treu geblieben ist. Zur Gruppe

gehören inzwischen 32 Standorte und

mehr als 2.200 Mitarbeiter, inklusive

Beteiligungen in Europa, der Türkei,

Mexiko und Kalifornien.

stiftung familienunternehmen

„Als Unternehmen und als Familie

haben wir ein tiefes Verständnis für

unsere Geschichte und den Werkstoff

Stahl, der uns seit über 500

Jahren begleitet. Aber auch für

unsere bodenständige und auf eine

ganz spezielle Weise eigenwillige,

raue Region“, so Paul Niederstein.

„Hier finden wir all die Werte vor,

die uns täglich Orientierung geben

und unser Bestehen über so lange

Zeit sichern. Zudem bestimmen auch

christliche Grundwerte, die sich über

die Jahrhunderte bewährt haben,

unser Handeln.“ 2

Mehr als 90 % aller Unternehmen in Deutschland

sind Familienunternehmen. Die gemeinnützige

Stiftung Familienunternehmen setzt

sich für den Erhalt dieser Familienunternehmenslandschaft

ein. Die 2002 gegründete Stiftung wird mittlerweile

getragen von über 500 Firmen aus dem Kreis der größten deutschen

Familienunternehmen. Erstmals hat sie nun die Liste „Die ältesten Familienunternehmen

Deutschlands“ vorgelegt. Die ältesten Familienunternehmen,

die sich am längsten im Besitz einer oder mehrerer miteinander verbundenen

Familien befinden und durchgängig wirtschaftsaktiv waren,

sind demnach die 1502 gegründete The Coatinc Company Holding GmbH

aus Siegen, die William Prym Holding GmbH (1530) aus Stolberg sowie

die Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur e. K. (1568) aus Frauenau.

Neun der ältesten deutschen Familienunternehmen sind bereits seit

mehr als 400 Jahren in Familienhand. Basis der umfangreichen Datenerhebung

sind einschlägige Datenbanken, öffentlich zugängliche Quellen,

Firmenchroniken sowie die Studienreihe „Die volkswirtschaftliche Bedeutung

der Familienunternehmen“, die im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen

erstellt wird.

Foto: TCC

In vielen Unternehmen ist Zeiterfassung

ein notwendiges, aber unbeliebtes

Thema. Mitarbeiter verlieren viel Zeit

für die Erfassung selbst, und zahlreiche

nachträglich erfasste Zeiten führen zu

ungenauen Zahlen und Abrechnungen.

Die Buzzer-Lösung des Kasseler Start-ups

timeBuzzer GmbH bietet eine Alternative:

Mit einem Buzzer navigiert der Anwender

blitzschnell durch die timeBuzzer-App auf

dem PC.

Das Buzzern geht schnell, es entfällt das

typische Nachtragen von Zeiten. Durch

ein individuelles Template lassen sich

Zeiten auf Projekte, Kunden, Kostenstellen

oder andere beliebige Stellen erfassen,

so das Unternehmen. Alle Zeiten

eines Teams werden in der timeBuzzer-

Cloud konsolidiert und können dort ausgewertet

werden. Auch die Anbindung an

Drittanbieterlösungen wie Projektmanagement

oder Abrechnungsprogrammen

ist möglich.

Der Buzzer wird aus hochwertigen Materialien

in Deutschland gefertigt. Mit dem

massiven Metallgehäuse bringt er 250 g

auf die Waage. Als Eingabe lässt sich der

Buzzer drücken sowie endlos drehen,

wobei eine Rasterung die Stufen fühlbar

macht. Ein Touch- Sensor erkennt, sobald

eine Hand den Buzzer berührt. Die integrierte

LED kann mit RGB Farben angesprochen

werden. Der Buzzer ist mit

einer Micro-USB-Buchse ausgestattet,

sodass sich unterschiedliche Kabellängen

anbringen lassen.

[ info]

https://timebuzzer.com/de/

20 Stahlreport 7/8|19


61,5 Mio. € Umsatz in 2018

GWS entwickelte sich über Marktdurchschnitt

Die Münsteraner GWS-Unternehmensgruppe, einer der führenden

Anbieter von ERP-Lösungen für den Handel in Deutschland, hat

auch 2018 ihren Wachstumskurs fortgesetzt und einen Umsatz von

61,5 Mio. € erzielt. Der Unternehmensverbund – bestehend aus GWS

Gesellschaft für Warenwirtschafts-Systeme mbH, NEUTRASOFT IT für

den Handel GmbH & Co. KG, SANGROSS GmbH & Co. KG, DIACOM

Systemhaus GmbH und faveo GmbH – entwickelte sich den Angaben

zufolge damit besser als der relevante Markt.

Foto: GWS

Als Grund für die guten Ergebnisse sieht der ERP-Anbieter vor allem

seine konsequente Ausrichtung auf die Kundenbedürfnisse, die Durchdringung

der Marktpotenziale im Neu- und Bestandskundengeschäft

sowie erfolgreiche Individualprojekte und wachsende Beratungsleistungen.

Erstmals trug dazu auch die 75,1 % Mehrheitsbeteiligung an der

faveo GmbH bei. Die faveo ist ein langjähriger ERP-Spezialist mit ausgewiesener

Expertise im

Cloudgeschäft und verfügt

mit faveo365 über

eine eigenentwickelte

ERP-Lösung auf Basis

von Microsoft Dynamics

NAV, die sich vor allem

GWS auf Erfolgskurs – mehr als 1.300 Unternehmen

vor allem aus dem Handel setzen Produkte

des Münsteraner ERP-Anbieters ein.

auf kleine und mittlere

Unternehmen aus dem

Handel und Fertigung

fokussiert.

Zu den Kunden der GWS gehören verbundorientierte Unternehmen

sowohl aus dem gewerblichen als auch aus dem landwirtschaftlichen

Bereich. Inzwischen sind mehr als 60.000 verkaufte Lizenzen für die

Kernprodukte der GWS, gevis ERP | NAV und gevis ERP | AX bei Kunden

im Einsatz, teilte GWS mit. Zusätzliche Lizenzerlöse seien durch

Mehrwertprodukte wie dem Dokumentenmanagement, e-Commerce-,

Mobility- oder BI-Lösungen erzielt worden.

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Messen

und Märkte

Bericht

Regelmäßige Inspektionen minimieren Haftungsrisiko

Die Bauwerks prüfung im Hochbau

für die Stahl- & Metalldistribution

Eine leistungsfähige, intakte Infrastruktur im Großen wie im Kleinen ist die Basis jeden wirtschaft -

lichen Handelns. Im Privaten sind der jährliche Gesundheitscheck sowie eine jährliche Fahrzeug -

inspektion obligatorisch. Unsere Infrastruktur unterziehen wir solcher Fürsorge nicht, obwohl

sie ständig sich ändernden, oft sehr „anspruchsvollen“ Umwelteinflüssen unterliegt. So kommen

Wirtschaftsgebäude meistens ohne einen regelmäßigen Check in die Jahre. Oder wann haben Sie

die letzte Bauwerks prüfung im Hochbau in ihren Lager-, Verarbeitungs- und Logistikhallen

durchgeführt? Ein Gastbeitrag von Dipl. Ing. Marc Blum, Bausachverständiger für Bauwerkserhaltung

und Sanierung sowie Schweißfachingenieur für Bau- und Betonstahl:

[ Autor ]

Marc Blum, Dipl.-Ing.,

Dipl.-Wirt.-Ing. (FH),

M.Sc., Schweißfachingenieur

für Bau- &

Betonstahl, zert.

BauSV für Bauwerkserhaltung

& Sanierung,

gepr. Restaurator

& Denkmalpfleger

im Metallbauhandwerk

Während die Bauwerks prüfung

bei öffentlichen Infrastrukturbauten

schon seit Jahrzehnten verpflichtend

und sogar mit eigener Norm DIN

1076:1999-11 versehen ist, befindet

sich die Bauwerks prüfung im Hochbau

für Lager-, Verarbeitungs- und

Logistikhallen in einer Phase, in der

mit der VDI-Richtlinie 6200:2010-02

gegenwärtig Standards geschaffen

werden.

Dies ist auch deshalb von Bedeutung,

da der Bauwerkszustand im

Hochbau für jeden Bestandshalter –

nach Prof. Dr. Martin Mertens vom

Institut für Technische Mechanik, Baustatik,

Holz- und Brückenbau an der

Hochschule Bochum – gewissermaßen

eine „Terra incognita“ darstellt.

Dabei sind die Maßnahmenbereiche

einer ordnungsgemäßen Instandhaltung

normativ bereits in der DIN

31051:2012-09 „Grundlagen der

Instandhaltung“ sowie in der DIN

13306:2018-02 „Begriffe der Instandhaltung“

wie folgt definiert:

DIN-Norm „Grundlagen der

Instandhaltung“

1. Inspektion: Maßnahmen zur Beurteilung

des Ist-Zustandes

2. Wartung: Maßnahmen zur Verzögerung

der Abnutzung

3. Instandsetzung: Maßnahmen zur

Herstellung der Funktionsfähigkeit

4. Verbesserung: Maßnahmen zur

Verbesserung der Funktionsfähigkeit

5. Schwachstellenanalyse: Maßnahmen

zur Aufdeckung erhöhter

Abnutzung, die möglicherweise zu

einem Ausfall führen kann.

DIN-Norm „Begriffe der

Instandhaltung“

1. vorbeugende Instandhaltung

2. korrektive Instandhaltung

3. prospektive Instandhaltung

Immer wieder rücken Bauwerke in

das Licht der Öffentlichkeit, die

durch Alterung, umweltbedingte

Schäden (zuletzt zunehmend durch

den Klimawandel) und/oder veränderter

Nutzung spektakulär versagen.

Das Urvertrauen der Bevölkerung

und von Mitarbeitern in die

Standsicherheit, Dauerhaftigkeit und

insbesondere die Verkehrssicherheit

von Gebäuden ist daher ohne regelmäßige

Bauwerks prüfung und

Instandhaltung im Hochbau heute

undenkbar.

Basierend auf den rechtlichen und

normativen Grundlagen (allgemein

anerkannte Regeln der Technik) zum

Zeitpunkt der Planung und Ausführung

besitzen die Bauwerke zwar

Bestandsschutz und müssen zunächst

baulich nicht ständig an den jeweils

neuesten Stand angepasst werden.

Anders sieht dies aber gerade in

Bezug auf die Verkehrssicherheit und

22 Stahlreport 7/8|19


der Betreiberhaftung aus (nach §§

823, 836 bis 838 BGB). Diesbezüglich

sind Bauwerke vom Gesetz her gesehen

keine juristisch selbstständigen

Einheiten. Im Rahmen seiner Verkehrssicherungspflicht

trägt hier der

Eigentümer oder der Verfügungsberechtigte

das individuelle Haftungsrisiko

über den gesamten Nutzungsund

Lebenszyklus. Dieser Haftungsgrundsatz

ist sowohl bauordnungsrechtlich

über die Musterbauordnung

(MBO) als auch zivil- wie strafrechtlich

klar geregelt.

Daraus abgeleitet ergeben sich für das

jeweilige Bauwerk folgend Pflichten:

z ordnungsgemäße Instandhaltung,

z regelmäßige Bauwerksüberprüfung

und,

z bei Erfordernis, Instandsetzung wie

ggf. Anpassung an heutige wie

zukünftige Veränderungen in der

Nutzung.

Bauwerke in der Stahl- und

Metalldistribution

Die Bauwerke in der Stahl- und Metalldistribution

entsprechen dabei mindestens

den folgenden Klassen (nach

VDI-Richtlinie 6200, siehe auch Tabellen

1 und 2):

z Schadensfolgenklasse CC2 (Kategorie

2),

z Robustheitsklasse RC1 bis RC2.

Daraus abgeleitet ergeben sich im

Rahmen der regelmäßigen Überprüfungs-

und Verkehrssicherungspflicht

folgende Zeitintervalle:

z alle 2 bis 3 Jahre fachkundige Begehung

durch den Bestandshalter,

z alle 4 bis 5 Jahre Inspektion durch

einen sachkundigen Prüfer,

z alle 12 bis 15 Jahre eingehende Überprüfung

durch einen besonders sachverständigen

Bauwerksprüfer.

Hat man sich für eine Bauwerks -

prüfung entschieden, wäre es gleichfalls

empfehlenswert, auch sofort die

Grundlagen für den zukünftigen „Prüfund

Wartungsplan“ mit dem sachverständigen

Bauwerksprüfer zu entwickeln.

Organisation und Ablauf

Es sei allen am Prozess einer

Bauwerks prüfung Beteiligten aus

Gründen der Sicherheit empfohlen,

Schadensfolgeklasse

CC3 – Kat. 1

CC2 – Kat. 2

Merkmale

hohe Folgen für Menschen

und Umwelt

mittlere Folgen für

Menschen und Umwelt

eine Begehung, Inspektion oder eingehende

Prüfung immer außerhalb

der betrieblichen Arbeitszeit zu legen.

Damit sichert man einen reibungslosen

und sich gegenseitig nicht störenden

Ablauf. Den Prüfrahmen und das

Prüfraster definiert man hinsichtlich

Häufigkeit und statistischen Qualität

bestenfalls ebenfalls im Vorfeld.

Sind im Rahmen der Bauwerks -

prüfung Schäden erkannt worden,

dann gilt es, diese schriftlich in einer

Prioritätenliste (geordnet nach umgehenden,

mittelfristigen und langfristigen

Punkten) zu protokollieren.

Anzumerken ist, dass gegebenenfalls

auch eine Bauteilöffnung zu einer ordnungsgemäßen

Bauwerks prüfung

gehört, da sich viele Schäden gerade

im Verborgenen entwickeln (z.B.

innenliegende Korrosion bei abgehängten

Deckensystemen etc.).

Leistungsbeschreibung und

Honorierung

Bauingenieurleistungen werden im

allgemeinen Verständnis nach der

Honorarordnung für Architekten und

Gebäudetypen und

exponierte Bauteile

z Versammlungsstätten > 5.000

Personen

z Gebäudehöhen > 60 m

z Stützweiten > 12 m

z Auskragungen > 6 m

z besonders exponierte und

gefährdete Bauteile

CC1 geringere Folgen z Stützweiten < 6m

z Gebäude mit geringem Aufenthalt

von Menschen

Robustheitsklasse

RC 1

RC 2

RC 3

RC 4

Bauwerke/Nutzung

z statisch bestimmte Tragwerke ohne Systemreserven

z Fertigteilkonstruktionen ohne redundante Verbindungen

z Imperfektionsempfindliche Tragsysteme

z Tragsysteme mit sprödem Verformungsverhalten

z statisch unbestimmte Konstruktionen mit Systemreserven

z elastisch-plastisches Tragverhalten

z Konstruktionen mit großer Systemredundanz

z plastisch-plastisches Tragverhalten

z fehlerunempfindliche Tragsysteme

z alle Tragwerke die hinsichtlich Gefährdungsszenarien und Versagensanalysen

eine ausreichend Robustheit zeigen

Ingenieure (HOAI) abgerechnet. Dies

gilt allerdings nur für den Neu- oder

Umbau, die Leistungen der Bauwerks -

prüfung sind hiervon nicht direkt

zuordnungsbar gedeckt. Daher kommt

hier nur die Honorierung über den

Nachweis der erbrachten Stunden und

Leistungen oder gedeckelt nach dem

Merkblatt 04 der Baukammer Berlin

in Frage (siehe Link unter „Info“).

Eine Honorierung der Bauwerks -

prüfung im Hochbau würde sich demnach

überschlägig (ohne Nebenkosten

und Hilfsmittel wie Gerüste, Arbeitsbühnen

etc.) wie folgt ermittelt:

z BGF = Bruttogeschoßfläche

z BFAF = Bruttofassadenansichtsfläche

z Aq = Flächenäquivalent = ∑ (BGF +

BFAF) in [m²]

z H = Honorar =3.500 + 100 x Aq 0,55

in [€] in einer Bandbreite +/- 10% 2

[ Info ]

Link zum Merkblatt 04 der Baukammer

Berlin über die Honorierung von Leistungen

für die Überprüfung der Standsicherheit

von baulichen Anlagen:

bit.ly/merkblatthonorierung

Schadensfolgeklassen

(in Anlehnung an

VDI-Richtlinie 6200,

Tab. 2.5)

Robustheitsklassen

(in Anlehnung an

VDI-Richtlinie 6200,

Tab. 2.6)

Stahlreport 7/8|19

23


Messen

und Märkte

Bericht

Von IK und KI

Vorschau auf die EMO in Hannover

Rund ein Vierteljahr vor Beginn der EMO vom 16.-21.9.19 in Hannover haben der Organisator VDW und seine Messe -

partner erste Einblicke in die aktuelle „Welt der Metallbearbeitung“ gewährt – so der Untertitel der Veranstaltung.

Bei diesem Preview-Event wurde deutlich, wie Produzenten und Dienstleister die beiden Haupttrends bzw. -themen der

Branche, nämlich intelligente Kommunikation (IK) von Menschen mit Maschinen sowie der Maschinen untereinander,

konkret umsetzen. Und zu dieser IK kommt als drittes Querschnittsthema die Künstliche Intelligenz (KI) noch dazu.

Ähnliches gilt ferner natürlich

für das Motto der Messe, wonach

smarte Technologien die Produktion

von morgen treiben: „Smart technologies

driving tomorrow’s production“.

Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender

der Deutsche

Messe AG, kündigte die EMO 2019

bei der Vorschau als industrielle

Weltleitmesse an und erinnerte in

diesem Zusammenhang daran, dass

der dafür treffende Begriff „Industrie

4.0“ 2011 zeitnah zu einer Messe in

Hannover aus der Taufe gehoben

worden ist.

Die darauf basierenden aktuellen

Trends benannte Dr. Wilfried Schäfer,

Geschäftsführer des VDW:

z Besonders ging er dabei auf

Cobots (vgl. untenstehenden Kasten)

ein. Diese besonderen

Maschinen interagieren direkt

mit dem Menschen und unterstützen

mit dieser Mensch-

Maschine-Kommunikation Fertigungsbetriebe,

sich produktiv im

Markt zu behaupten.

Cobots: Mensch und Roboter gemeinsam

Mithilfe von Automation und Digitalisierung

lassen sich Fertigungsprozesse effizienter

gestalten. Von besonderem Interesse sind

in diesem Umfeld Cobots: Diese kollaborativen

Industrieroboter arbeiten – etwa bei

Pilz in Ostfildern – gemeinsam mit den

Menschen ohne spezielle Schutzeinrichtungen

wie Zäune oder abgegrenzte Bereiche.

In welchen Prozessen kommen Cobots

bereits zum Einsatz? Wie lassen sich Kollisionen

und damit mögliche Verletzungsgefahren

vermeiden? Robotikhersteller, Anbieter

verschiedenster Peripheriekomponenten

für Automationslösungen sowie Sicherheits-

und wissenschaftliche Experten

geben anlässlich der kommenden EMO

dazu einen aktuellen Einblick sowie Prognosen

für künftige Entwicklungen.

„Für eine intelligente Produktion ist der

Mensch unerlässlich“, so Jochen Vetter,

Manager Robot Safety bei der Pilz GmbH &

Co. KG aus Ostfildern. „Roboter übernehmen

z.B. körperlich anstrengende oder

monotone Tätigkeiten, während der

Mensch höherwertige Aufgaben ausführt.

Damit kann die Automatisierung auch Antworten

auf Fragen geben, die der demografische

Wandel aufwirft.“

Für die Validierung sind bei der Mensch-

Roboter-Kollaboration (MRK) unterschiedliche

Methoden anzuwenden. Beispielsweise

muss zwingend durch ein Messverfahren

ermittelt werden, ob mögliche Kollisionen

sicherheitstechnisch unbedenklich sind.

Hierfür hat Pilz eine eigene Methodik erarbeitet.

Ein System misst u.a. die auf den

menschlichen Körper einwirkenden Kräfte

und vergleicht sie mit den Grenzwerten

gemäß der Norm für kollaborative Roboter

ISO/TS 15066.

„Die Herausforderung besteht darin, dass

sich die Grenzen zwischen den Arbeitsbereichen

von Mensch und Maschine auflösen.

Zusätzlich zu den vom Roboter ausgehenden

Gefahren müssen die Bewegungen des Menschen

Berücksichtigung finden“, weiß der

Robotik-Sicherheitsexperte. „Diese sind nicht

immer kalkulierbar in Hinsicht auf Geschwindigkeit,

Reflexe oder plötzlichen Zutritt

zusätzlicher Personen. Kollisionen dürfen

jedoch zu keinen Verletzungen führen.“

Voraussetzungen dafür seien zuverlässigere

Steuerungen und intelligente, dynamische

Sensoren am Roboter. Zudem gelte es,

durch normative Grundlagen verlässliche

Sicherheitsstandards zu setzen.

Gemeinsam zum Erfolg: Mensch und Roboter

„Die Interaktion wird sich in Richtung

‚natürlich‘ entwickeln, etwa bei der Sprache

und Gestik“, ist Vetter überzeugt. „So wird

die MRK für ein anderes Agieren auf eine

neue Qualitätsebene gebracht. Darüber

hinaus werden MRK-Lösungen in Zukunft

an die Fabriksteuerung via OPC UA oder die

Industrie 4.0-RAMI-Standards angebunden

sein. Sinnvolle Einsatzgebiete sind eher

nicht in der Großserienproduktion, sondern

bei mittleren und kleinen Serien angesiedelt.

MRK macht dann Sinn, wenn die Mitarbeiter

ergonomisch entlastet werden,

etwa bei Wartungsarbeiten.“

Foto: BMW Group

24 Stahlreport 7/8|19


Umati: Standards anwenden und testen

„Rund 50 Werkzeugmaschinenhersteller

aus aller Welt werden gemeinsam zeigen,

wie man mit umati Maschinendaten verwertbar

machen kann“, freut sich Dr. Alexander

Broos, Projektleiter umati und Leiter

Forschung und Technik beim EMO-Veranstalter.

VDW-Fachbesucher würden so

live erleben können, welchen Nutzen die

standardisierte Schnittstelle biete.

„Mit umati gelingt ein Quantensprung in

der Umsetzung von Industrie 4.0 in der

Produktion“, erläutert Broos. „Der Einsatz

einer standardisierten Schnittstelle wird

den Nutzen für Werkzeugmaschinenanwender

und ihre Kunden in neue Dimensionen

katapultieren“, sagt er weiter. Denn die

Verbindung von Maschinen, Anlagen und

Software sei einer der wichtigsten aktuellen

Trends in der Fertigung. Kunden erwarteten

heute eine möglichst einfache Integration

neuer Maschinen in ihr individuelles

IT-Ökosystem. Dies leiste umati auf

Basis des internationalen Interoperabilitätsstandards

OPC UA – einfach, schnell

und sicher.

Seit über zwei Jahren arbeitet ein Team von

verschiedenen Werkzeugmaschinenherstellern,

die heutigen Core-Partner, daran,

diese einheitliche Sprache für Werkzeugmaschinen

zu entwickeln und gemeinsam

mit Steuerungspartnern die Rahmenbedingungen

zu schaffen, diese Sprache möglichst

einfach nutzbar zu machen.

„Das Konzept ist so überzeugend, dass

mittlerweile viele internationale Hersteller,

aber auch Verbände und wissenschaftliche

Einrichtungen bei umati mitmachen wollen“,

berichtet Broos.

Quelle: VDW

Unter diesem

Logo läuft die

VDW-Initiative

zu umati auf der

EMO.

Für die EMO Hannover haben sich aktuell

über 50 Firmen aus sieben Ländern angemeldet,

die im Rahmen der Live-Demonstration

Maschinen oder Mehrwertdienste

anbinden. Diese Firmen werden von den

wichtigsten Steuerungsanbietern unterstützt,

die zum Teil auch selbst Maschinen

oder Mehrwertdienste an ihren Ständen

anschließen.

„Wir gehen davon aus, dass sich diese

auch jetzt schon beeindruckende Firmenliste

bis zur Messe noch erheblich verlängert“,

sagt Broos. Interessenten könnten

sich im Internet unter www.umati.info

jederzeit über den aktuellen Teilnehmerstand

informieren.

z Damit Maschinen aber auch untereinander

problemlos kommunizieren

können, haben unter VDW-Führung

zahlreiche Partner den

Schnittstellenstandard umati (umati

– universal machine tool interface)

entwickelt, dessen Praxistauglichkeit

rund 50 Aussteller auf der EMO

live unter Beweis stellen wollen.

(Vgl. obenstehenden Kasten)

Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken

(VDW) ist Organisator

der diesjährigen EMO. Zu ihr sind

aktuell über 2.200 Aussteller aus 47

Ländern für mehr als 180.000 m 2

Netto-Standfläche angemeldet. 2017

– bei der letzten EMO – hatten rund

130.000 Fachbesucher aus etwa 160

Ländern teilgenommen.

Zur diesjährigen EMO-Eröffnungsveranstaltung

hat sich

Andreas Scheuer angesagt, Bundesminister

für Verkehr und digitale

Infrastruktur. Digitale Mobilität ist

jedoch nur einer der bei der Messe

deutlich werden Trends.

ligen sich an diesem Ausstellungsschwerpunkt.

z 34 Start-ups sind in einen weiteren

Messeschwerpunkt integriert. Mit

zu diesem Ansatz gehört der Gründerwettbewerb

„Digitalisierung in

der Produktion“. Über 250 Bewerbungen

liegen bereits vor. Die

Preisverleihung ist für den zweiten

Messetag vorgesehen.

z Drittens gibt es eine zweitägige

Recruiting-Veranstaltung sowie

eine jugendliche Sonderschau zur

Nachwuchsförderung. Es gilt nach

Meinung des VDW, schon bei Schülern

Begeisterung für Technikberufe

zu fördern. Außerdem müsse

die Information und Beratung von

Lehrern intensiviert werden.

Ausstellende Firmen der EMO passen

sich zudem thematisch in das

folgende Präsentationsschema ein:

z Werkzeugmaschinen (spanend,

umformend, zerteilend und abtragend)

z Blechbearbeitungs- und Drahtbearbeitungsmaschinen

z Werkzeugmaschinen für thermische,

elektrochemische und sonstige

Bearbeitungen

z Elektronische Steuerungen

z CIM und Komponenten zur flexiblen

Automation

Trends und Themen

Weitere drei Aspekte sind beispielsweise:

z Additive Manufacturing Circle –

die gesamte Prozesskette der additiven

Fertigung. 70 Aussteller beteiz

CAD/CAM

z Montage- und Handhabungstechnik

z Industrieroboter

z Materialfluss- und Lagertechnik

z Industrieelektronik, Sensor- und

Diagnosetechnik

z Präzisionswerkzeuge, Diamantwerkzeuge,

Messzeuge

z Prüftechnik, Messtechnik

z Schleifmittel, Kühl-Schmierstoffe

z Schweißen, Schneiden, Härten,

Erwärmen

z Mechanisches, hydraulisches, elektrisches

und elektronisches Zubehör

für die Metallbearbeitung

Zusammenfassende Keynote

In seiner Preview-Keynote referierte

Dr. Anselm Blocher, Deutsches Institut

für künstliche Intelligenz in Saarbrücken,

zum Thema „Industrie 4.0:

Hürden und Chancen in der realen

Produktion“. Er stellte in dieser

Zusammenfassung KI als Ergebnis

eines Prozesses dar: sensibilisieren,

verstehen, handeln.

Eine Vollautomatisierung werde

es aber nicht geben. Deshalb komme

es auf die Schnittstellen zwischen

Mensch und Maschine an. In diesem

Zusammenhang konzentriere sich

alles auf ein intelligentes Wissensmanagement!

2

Stahlreport 7/8|19

25


Messen

und Märkte

Bericht

Hausmesse bei Kaltenbach in Lörrach

zeigt Wertschöpfungsketten auf

Internationale Partner

in Sachen Stahl

Fast schon gilt sie als Mutter aller messebezogenen

Netzwerke: die IPS bei Kaltenbach in Lörrach. Dort

gab es Ende Juni die inzwischen zwölfte Auflage dieser

Hausmesse des traditionsreichen Maschinenherstellers

für die Stahlbearbeitung. Und wieder waren rund drei

Dutzend Partner des Systemanbieters mit dabei, um

die Vielfalt der Beiträge deutlich zu machen, die den

Wert der angebotenen Produkte und Dienstleistungen

letztlich ausmachen. In diesen Kreis gehörten auch

verbandliche Organisationen wie der BDS.

Eines der Ausstellungsobjekte in Lörrach: eine neue Profil-Bohrmaschine KDP.

Fotos, 2: Kaltenbach

Produkte von Kaltenbach

sind eng

verknüpft mit Angeboten

von Partnern,

die sich ebenfalls

präsentierten – nicht

nur mit Logos.

Im Mittelpunkt der viertägigen Messe standen

zunächst die neuesten Kaltenbach-Aggregate, die in einer

der Hallen von den insgesamt 1.200 Kunden aus über 40

Ländern in Funktion begutachtet werden konnten. Nach

Angaben der Geschäftsleitung gehört etwa ein Drittel des

Kundenkreises dem Stahlhandel an.

Um diese Präsentationsflächen herum zeigten die

Partner des südbadischen Unternehmens ihre Beiträge

für die so angesprochenen Prozesse und Wertschöpfungen

auf. Zu diesen Ausstellern gehörten auch in besonderer

Weise vernetzte Anbieter wie GIETART, inTEC und DR.

DEMUTH (vgl. Kasten S. 27).

Abgerundet wurde die alle zwei Jahre veranstaltete

Leistungsschau auch 2019 mit Fachexkursionen und

einem der Vernetzung dienenden Rahmenprogramm.

In das waren auch diesmal wieder die rund 330 Mitarbeiter*innen

des Standortes einbezogen – unter

ihnen etwa 40 Auszubildende und Dual-Studierende.

Diese zweistellige Ausbildungsquote macht im Übrigen

den Stellenwert deutlich, den Berufsbildung bei Kaltenbach

hat und mit deren Hilfe das südbadische Unternehmen

die besonderen personellen Herausforderungen

der Zukunft aus eigener Kraft meistern will, wofür

sie sich aber auch entsprechende Rahmenbedingungen

wünscht.

Aggregate

„Der erfreuliche Auftragseingang setzt sich fort – auch

Dank dieser IPS.“ So fasste Markus Leuthoff, seit rund

einem Jahr neuer Geschäftsführer der Kaltenbach GmbH

+ Co. KG, den wirtschaftlichen Erfolg der Angebote seines

Hauses zusammen. Technisch sei die Entwicklung inzwischen

stark durch die Digitalisierung geprägt. Aber auch

der Trend der Nachhaltigkeit aus Ökonomie, Ökologie

und Sozialem spiele eine übergeordnete Rolle – sowie

natürlich Innovationen:

z An erster Stelle der gezeigten sieben Aggregattypen

standen in Lörrach deshalb die neuen Profil-Bohrmaschinen

KPD. Mit ihrer Entwicklung können mit Bohren,

Körnen, Fräsen, Markieren, Senken und Gewindeschneiden

komplexe Bearbeitungsanforderungen miteinander

verbunden werden.

z Neu im Programm von Kaltenbach ist auch die 3-Achs-

Bohrmaschine KDU 250 für die automatische Verarbeitung

kleinerer Profile. Neben dem Bohren und Sägen

sind mit diesem erweiterten Aggregat auch das Gewindeschneiden

sowie das Markieren von Teilen möglich.

z Als innovativ wurde auch die halbautomatische Gehrungskreissäge

KKS 400 U gezeigt. Durch die erhöhte

Förderleistung werde im Vergleich zum Vorgängermodell

ein doppelt so schneller Sägeblatt-Rücklauf erreicht;

außerdem seien Rüstzeiten minimiert und die Bedienung

vereinfacht worden.

26 Stahlreport 7/8|19


Fotos, 2: BDS

Den Kooperationsgedanken der IPS repräsentierten in besonderer Weise die Partner Gietart, Intec und Demuth, die auch als Nachbarn ausstellten – vgl. Kasten.

Die gute Bedienbarkeit dieser und weiterer Kaltenbach-

Aggregate (Kreis- und Bandsägemaschinen, Profilträgerbohrmaschinen,

Proifilbearbeitungsroboter, Blechbearbeitungszentren,

Stanz-Scher-, Strahl- und Konservierungsanlagen,

Markier- sowie Mess- und Transportsysteme) ist

für die Geschäftsführung des Unternehmens Ausdruck einer

Nachhaltigkeit, die nicht nur wirtschaftliche und umweltbezogene

Aspekte berücksichtigt, sondern auch die Mitarbeitschaft

– z.B. mit ihren ergonomischen Bedürfnissen.

Im Bereich der Wirtschaftlichkeit hat die Digitalisierung

auch und gerade bei Kaltenbach Fortschritte ermöglicht

– etwa bei der virtuellen Planung von Anlagen oder

bei ihrer Wartung und bis hin zur vorausschauenden,

automatisierten Bestellung von Ersatzteilen.

Partner

Dabei profitieren die Lörracher in besonderer Weise u.a.

vom Know-how der Augsburger Grenzebach Digital GmbH,

einem der Mitaussteller, die auf der Basis von flexiblen

Standardmodulen software-individuelle Lösungen ermöglicht.

In diesen Kreis der Mitaussteller gehörten auch

verbandliche Organisation wie der Bundesverband Deutscher

Stahlhandel, das bauforumstahl sowie das Institut

Feuerverzinken und drei stahlwirtschaftliche Organisationen

aus der Schweiz.

Den partnerschaftlichen Kooperationsgedanken der

IPS repräsentierten in besonderer Weise aber drei Anbieter

zum Strahlen und Lackieren (vgl. untenstehenden Kasten).

Rahmen

Die Kaltenbach-Hausmesse bot erneut den Rahmen, dass

die weltweit etwa 450 Mitarbeiter*innen des 1887 gegründeten

Unternehmens im Rahmen dieses Ausstellungsprojektes

sich untereinander und auch die Kundschaft

besser kennenlernen konnten, die aus Lörrach und von

inzwischen zehn Tochterfirmen betreut werden.

Dazu gab es am Rand der Messe zahlreiche Kommunikationsmöglichkeiten,

u.a. wieder in einem eigens aufgebauten

Spiegelzelt, sowie die besonderen Besichtigungsprojekte

zu Maschinenanwendungen rund um

Lörrach. 2

Multifunktional: Wertschöpfung bei der Lackierung

Die Messe „International Partners in Steel“

(IPS) erhebt – wie viele andere Ausstellungen

auch – den Anspruch, Prozessketten sichtbar

zu machen. Das ist Kaltenbach auch in diesem

Jahr in besonderer Weise gelungen, weil

die gemeinsamen Präsentationen der Partner

zudem Wertschöpfungsketten multifunktional

erfahrbar machten – wie das Beispiel

der Dr. Demuth Derisol Lackfarben GmbH &

Co. KG aus dem niedersächsischen Northeim

und seiner Anlagenpartner zeigt.

Korrosionsschutz für Stahl, Corporate Identity

für Maschinen (z.B. von Kaltenbach) und

Know-how für die Branche sind die Werte,

mit denen Produkte am Ende ihrer Entstehung

punkten können. Und Materialbewahrung,

Imagegewinn durch die Behandlung mit

Demuth-Produkten sowie Branchenwissen

über Coating-Systeme sind Etappen auf diesem

Weg.

Diesen gehen die Lackexperten aus Northeim

schon seit Jahren gemeinsam mit der

inTEC Lackiersysteme GmbH im rheinischen

Solingen sowie mit dem Strahlanlagenhersteller

GIETART, der niederländischen KAL-

TENBACH SHOTBLAST AND PAINTING SYS-

TEMS B.V. Somit gelingt eine perfekte Symbiose

zwischen den Maschinen und Verbrauchsmaterialien.

Das gilt im Falle Demuth nicht nur für die fertig

lackierten Maschinen namhafter Hersteller,

deren Maschinen durch das Farbdesign

unverwechselbar und dauerhaft gekennzeichnet

sowie geschützt sind, sondern auch

für den deutschen und internationelen Stahlhandel.

Dort bietet das Unternehmen Lösungen für

den temporären Korrosionsschutz – in der

Form von Derisol Hydro Shopprimern. Um

diese Produkte richtig anwenden und dabei

etwa ökologische Standards berücksichtigen

zu können, bedarf es umfangreicher Fachkenntnisse,

die das Unternehmen gemeinsam

mit den erwähnten Anlagen-Partnern

erarbeitet hat und an die beteiligten Branchen

weitergibt.

So profitiert auch die Stahldistribution von

dem dreifachen Wert aus Schutz, Image und

Know-how – in der Form einer hauchdünnen

Schutz schicht.

Stahlreport 7/8|19

27


Messen

und Märkte

Bericht/Nachrichten

Schneidprozess mit einem

Direkt-Diodenlaser

Fachmesse für professionelle Schneidtechnik

Cutting World 2020

verzeichnet weitere Zusagen

Foto: Messe Essen/Rainer Schimm

Vom 28. bis 30. April 2020 öffnet in der Messe Essen die Cutting World. Sie ist die einzige Fachmesse,

die sich auf die gesamte Prozesskette zum Thema Schneiden konzentriert. Zahlreiche Aussteller

haben der Veranstalterin zufolge bereits die Gelegenheit genutzt und sich eine Standfläche in der

neuen Halle 8 gesichert – darunter seit Kurzem auch die Unternehmen Assfalg, Boschert, Eckelmann,

Kjellberg, Markator, MGM, Rosenberger, WBM Staalservice und 247TailorSteel. Zuvor hatten

bereits Air Liquide Deutschland, BKE, IHT Automation, NUM, STM Waterjet und Yamazaki Mazak

Deutschland ihre Teilnahme bestätigt.

Michael Roser, Verkaufsleiter beim Maschinenbau-Unternehmen

Boschert: „Wir freuen uns auf unsere

Teilnahme an der Cutting World, die als Fachmesse

ausschließlich zum Thema Schneiden einen echten

Mehrwert für uns verspricht. Wir erwarten ein fachkundiges

Publikum, gute Gespräche und tragen als

Aussteller gerne dazu bei, dass sich die Cutting World

zu einem weltweit führenden Messeevent entwickelt.“

Innovationen rund um alle Trenntechnologien

Das Angebot der Fachmesse umfasst unter anderem

innovative autogene Brennschneidanlagen,

Plasmaschneidanlagen, Laserschneidsysteme,

Wasserstrahlschneidanlagen sowie Scheren

und Sägeanlagen. Darüber hinaus werden

Lösungen rund um vor- und nachgelagerte

Arbeitsprozesse von der Arbeitsvorbereitung,

Steuerungssoftware und Filtersystemen über

das Richten, Entgraten und Abkanten der

geschnittenen Materialien bis hin zu Lagerung

und Logistik gezeigt.

Paralleler Fachkongress

Parallel zur Cutting World finden in der Messe Essen

der Deutsche Schneidkongress und der Deutsche Brennschneidtag

statt. Volker Krink, Leiter Entwicklung der

Kjellberg Vertrieb GmbH, erläutert, was den Ausschlag

für die Messeteilnahme des Unternehmens gegeben

hat: „Die Cutting World ist die einzige Veranstaltung

in Deutschland, die sich nur mit Schneidtechnologien

beschäftigt. Da darf Kjellberg als führender Hersteller

von Plasma schneidtechnik nicht fehlen.“

Die Cutting World findet 2020 erstmals in der modernisierten

Halle 8 der Messe Essen statt, die Aussteller

und Besucher durch das neue, lichtdurchflutete

Glasfoyer erreichen. In unmittelbarer

Nähe befindet sich das Congress

Center Ost, wo der Deutsche

Cutting World

„Die Fachmesse

für professionelle

Schneidtechnik“

28. – 30. April 2020

Schneidkongress und der

Deutsche Brennschneidtag

veranstaltet werden. Kurze

Wege, eine große und eingeschossige

Halle und viel

Tageslicht garantieren

ideale Ausstellungs- und Kongressbedingungen.

Zusätzlich

Messe Essen

wird es am zweiten Messetag

erstmals ein Get-together für Aussteller

geben. 2

[info]

www.cuttingworld.de

28 Stahlreport 7/8|19


IBU und FVK zu Stahlkontingenten der Safeguards

„Länderquoten angemessen ausweiten“

Eine angemessene Ausweitung von

in den EU-Safeguards für Stahl festgelegten

länderspezifischen Kontingenten fordern

der Industrieverband Blechumformung (IBU)

und die Fachvereinigung Kaltwalzwerke e.V.

(FVK). Die Verbände legen eine entsprechende

Stellungnahme zu der Maßnahmen -

überprüfung vor, welche die EU- Kommission

Mitte Mai eingeleitet hat. Diese

Kontrolle ist nach Ansicht von IBU und FVK

zu früh und der Beurteilungszeitraum zu

kurz. Dazu FVK-Geschäftsführer Martin Kunkel:

„Zwölf Monate wären mindestens notwendig,

um eine repräsentative Grundlage

für die Überwachung der Einfuhrkontingente

zu schaffen. Die Stahlnachfrage

unterliegt typischen zyklischen Schwankungen.

Außerdem haben die Schutzmaßnahmenuntersuchung

und die Unsicherheit

über deren Ergebnisse das Verhalten der

Marktteilnehmer in den ersten Monaten des

Jahres 2019 beeinflusst.“

Die stahlverarbeitenden Mitgliedsunternehmen

beider Verbände sind von den im Februar

endgültig eingeführten Schutzzöllen

direkt betroffen. Diese sollen eine vermutete

US-Zoll-bedingte Handelsumlenkung

von Stahl Richtung EU vermeiden und deren

Stahlhersteller schützen. Eine Kontingentanpassung

würde nach Meinung der Industrieverbände

„den Marktbedürfnissen

gerecht werden und eine Störung der weltweiten

Handelsströme vermeiden.“

Nichtrostende Stähle

Projekt „Korundschleifprozesse“ abgeschlossen

Beim Einsatz von Granulatschleifbändern beim Schleifen austenitischer nichtrostender

Stähle ist ein signifikanter Einflusss auf das Korrosionsverhalten geschliffener Oberflächen

festzustellen. Mit Granulatschleifbändern geschliffene Oberflächen wiesen regelmäßig

eine schlechtere Korrosionsbeständigkeit auf als Oberflächen, die mit sonst gleichen Parametern

mit einlagig gestreuten Bändern bearbeitet wurden. Mit diesem Ergebnis ist das

Projekt „Optimierung industrieller Korundschleifprozesse zur Sicherstellung der Korrosionsbeständigkeit

nichtrostender Stähle" der industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) abgeschlossen

worden. Dabei wurde der Einfluss von Bandschleifprozessen mit Korund- und

Siliziumkarbidkorn auf das Korrosionsverhalten austenitischer nichtrostender Stähle systematisch

untersucht. Mit den neuen Erkenntnissen können Schleifprozesse angepasst und

optimiert und somit eine gute Korrosionsbeständigkeit der bearbeiteten Oberflächen

sichergestellt werden.

[info]

Für ihre Mitglieder sind vor allem die Stahlkategorien

4B und 1 relevant – primär Produkte

aus feuerverzinktem Feinblech. Hier

waren die zollfreien Einfuhrquoten aus

China und Südkorea nach wenigen Monaten

erschöpft. Handelsumlenkungen seien

aber nicht der Grund: Den Trend zu steigenden

Importen von 4B-Produkten zeigt sich

in EU- und US-Importstatistiken gleichermaßen.

Als Ursachen im Bereich EU vermuten

die Verbände u. a. Reaktionen auf die Einführung

der Maßnahmen, Lieferengpässe

und langfristige Verträge. Auch der Aufbau

von Lagerbeständen und die Kontingentberechnung

auf Basis veralteter Daten könnten

Gründe sein.

Dazu IBU-Geschäftsführer Bernhard Jacobs:

„Es gab weder eine wesentliche Änderung

der Umstände in der EU, die eine Reduzierung

der Einfuhrquoten rechtfertigen würde,

noch spielt die Wirkung der Handelsumlenkung

eine Rolle. Wir fordern daher im

Gegenteil eine Erhöhung der länderspezifischen

Quoten für China und Südkorea.“

Da diese nicht auf Kosten anderer Lieferländer

erfolgen soll, müssten auch dort die

Quoten steigen, so die Verbände. Besorgt

zeigen sich IBU und FVK auch über die

bereits Ende März 2019 stark strapazierten

Kontingente der Stahlkategorie 1. Hier plädieren

sie ebenfalls für eine Anpassung mit

Blick auf die Bedürfnisse des EU-Marktes.

Der vollständige Schlussbericht zum kostenfreien Download ist unter dem Link bit.ly/berichtkorundschleifen

zu finden.

Masterplan

Binnenschifffahrt

Der Bundesminister für Verkehr und digitale

Infrastruktur Andreas Scheuer hat im

Mai den „Masterplan Binnenschifffahrt“

vorgestellt. Ziel ist es, die Binnenschifffahrt

zukunftsfähig und attraktiver zu

machen. Der Masterplan umfasst fünf

Schwerpunkte.

z Infrastruktur: Staatliche Investitionen in

Milliardenhöhe sorgen für ausreichend

finanzielle, strukturelle und personelle

Kapazitäten im Bereich der Wasserstraßen.

z Umweltfreundlichkeit und Flottenstruktur:

Das Bundesministerium für Verkehr und

digitale Infrastuktur (BMVI) unterstützt

die Branche bei der Umstellung auf effizientere

und emissionsärmere Schiffe.

z Digitalisierung: Ziel ist die „Binnenschifffahrt

4.0“ – durch Vernetzung der Häfen,

Digitalisierung der Schleusen und Schiffe,

Automatisierung der Umschlagplätze.

z Stärkung multimodaler Transportkette:

Ziel ist es, den Anteil der Verkehrsleistung

der Binnenschifffahrt an der Verteilung

des Verkehrsaufkommens auf verschiedene

Verkehrsmittel (Modal Split) von 8,0

auf 12 % zu erhöhen.

z Mehr Fachkräfte: Das BMVI unterstützt

die Verbände bei der Nachwuchsgewinnung

und bei der bundesweiten Offensive

auf Jobmessen.

Die Arbeiten am Masterplan Binnenschifffahrt

waren vor knapp einem Jahr gestartet.

Alle relevanten Akteure der Branche

wurden in dem Prozess beteiligt. Mitgewirkt

haben unter anderem Vertreter verschiedener

Verbände, von Unternehmen

aus dem Binnenschifffahrtsgewerbe, der

Häfen, der Bauindustrie, der Verlader, der

Werftindustrie, der Motorenhersteller

sowie von Forschungseinrichtungen.

Stahlreport 7/8|19

29


Messen

und Märkte

Nachrchten

Aktionsplan

„Niedrigwasser Rhein“

Anfang Juli hat das Bundesministerium

für Verkehr und digitale Infrastruktur den Aktionsplan

„Niedrigwasser Rhein“ mit acht Maßnahmen

vorlegt. Dieser wurde gemeinsam mit

den vom Rhein abhängigen Unternehmen entwickelt,

um zuverlässig kalkulierbare Transportbedingungen

am Rhein zu schaffen. In

vier Handlungsfeldern – „Informationsbereitstellung“,

„Transport und Logistik“, „Infrastruktur“

sowie „Langfristige Lösungsansätze“

– soll mit insgesamt acht Maßnahmen den klimawandelbedingten

Herausforderungen am

Rhein begegnet werden. Diese Maßnahmen

reichen von der Verbesserung der operationellen

Vorhersagen über die Entwicklung

niedrigwassergeeigneter Schiffstypen bis zur

schnelleren Umsetzung infrastruktureller

Maßnahmen und gesellschaftlichem Dialog.

„Wir freuen uns sehr, dass der Verkehrsminister

mit dem 8-Punkte-Plan die Initiative

Niedrigwasser

Steigende Kosten für Stahlrecycler befürchtet

Die niedrigen Pegelstände der Flüsse

im Sommer 2018 haben gezeigt, dass die

Transportwege auf den Binnenwasserstraßen

in besonderem Maße vom Klimawandel betroffen

sind. Auf die Stahlrecyclingwirtschaft, die

die Stahlindustrie über den Verkehrsweg Wasserstraße

mit Rohstoffen versorgt, kommen

laut der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling-

und Entsorgungsunternehmen e.V.

(BDSV) kostenintensive Belastungen sowie

logistische Herausforderungen zu.

ergreift und ein detailliertes Infrastrukturkonzept

für den Rhein auf den Weg bringt. 80 %

unserer Rohstofftransporte werden über den

Rhein transportiert. Wir sind, um im Wettbewerb

bestehen zu können, auf funktionierende

Transportwege über den Rhein zwingend

angewiesen und begrüßen alle

Maßnahmen, die zur Stärkung der entsprechenden

Infrastruktur beitragen“, sagte Premal

Desai, Sprecher des Vorstands thyssenkrupp

Steel Europe AG, bei der Vorstellung

des Plans. Das Binnenschiff trägt den Hauptanteil

des Gütertransports am Rhein – noch

vor Schiene und Lkw. Der Rhein ist die bedeutendste

und umweltfreundlichste Transportroute

Deutschlands.

[ Info ]

Weitere Infos unter www.bmvi.de/

aktionsplan-niedrigwasser-rhein

Trotz der aktuell prognostizierten Abschwächung

der Konjunktur könne nicht damit

gerechnet werden, dass die damit einhergehende

Entspannung bei den Kapazitäten die

Logistikkosten zurückgehen lassen. Dennoch

seien Mehrausgaben u.a. zur Gewinnung und

Haltung von Fachkräften sowie ein weiterer

Anstieg der Treibstoffkosten zu erwarten. Vielfach

ist den Stahlrecyclingunternehmen ein

Ausweichen auf die Schiene und den Lkw laut

BDSV nicht möglich, denn auch hier sind die

Kapazitäten beschränkt. Der BDSV erhebt

daher die Forderung, dass die Kosten von allen

Beteiligten der Wertschöpfungskette solidarisch

getragen werden sollten. Mit dem Recycling

von Stahlschrott leiste die Stahlrecyclingbranche

einen erheblichen Beitrag zur

Minderung der CO 2 -Emissionen.

Sägen und Lagern in

Zeiten der Digitalisierung

Über 50 Vertreter des Stahl- und Metallhandels

trafen sich Ende Juni in Stuttgart, um

sich mit Logistik-, Anarbeitungs- und

IT-Experten über digitale Lösungen zur

Optimierung von Sägeprozessen und der

Logistik im Stahl- und Metallhandel auszutauschen.

Ausgerichtet wurde die Veranstaltung

vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik

und Automatisierung IPA,

Stuttgart. Für den Bundesverband Deutscher

Stahlhandel war Jörg Feger, Bereichsleiter

Research, mit einem Vortrag über die

aktuellen Herausforderungen im Stahlhandel

vertreten. Fazit der Veranstaltung war,

dass sowohl im Stahl- und Metallhandel als

auch auf Seiten der Lieferanten und Kunden

noch große Optimierungspotenziale vorhanden

sind.

Staatliche Start-up-Hilfen

Geförderte Teilnahmen

auf wire und Tube

Das BMWi engagiert sich 2020 zum

ersten Mal im Rahmen der Düsseldorfer

Fachmessen wire und Tube, den internationalen

Messen für die Draht-, Kabel- und

Rohrindustrien, die vom 30. 3. bis 3. 4.

2020 in den Düsseldorfer Messehallen

stattfinden: Junge, innovative Start-ups können

sich zur geförderten Teilnahme bewerben

und erhalten damit die Möglichkeit, ihre

innovativen Produkte und Dienstleistungen

im Rahmen eines Pavillons zu präsentieren.

Voraussetzung für die Teilnahme an der

Bundesbeteiligung ist, dass die Start-ups

Neuentwicklungen oder Verbesserungen

bestehender Produkte zeigen, jünger als

zehn Jahre alt sind, weniger als 50 Mitarbeiter

sowie Firmensitz und Geschäftsbetrieb

in Deutschland haben. Ihr Jahresumsatz darf

höchstens 10 Mio. € betragen.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, werden

bis zu 60 % der förderfähigen Ausgaben (bis

zu einer Gesamtsumme von 7.500 €) übernommen.

Die Start-ups können Messestände

in einer Größe von 6, 9 oder 12 m 2

buchen.

[ Info]

Die Messe Düsseldorf organisiert den BMWi-

Pavillon und ist Ansprechpartner für interessierte

Start-ups: Messe Düsseldorf GmbH

Katja Burbulla, BurbullaK@messeduesseldorf.de,

Tel. +49 (0)211 45607707

30 Stahlreport 7/8|19


Hannover rüstet sein Messeangebot auf

5G-Offensive

Die jüngste Hannover Messe in diesem Frühjahr

mit ihrer 5G-Arena war erst der Anfang. Das Projekt

„Smart Venue“ – also smarter Tagungsort – der Deutschen

Messe geht noch sehr viel weiter. Ziel der Offensive

ist es, sämtliche Hallen sowie das Freigelände bis

Sommer 2020 mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G auszurüsten

und dazu eines Tages auch einen Kongress

sowie eine Messe kombiniert anzubieten.

5G verbessert Konnektivität und beschleunigt Reaktionszeiten.

Zahlreiche anspruchsvolle Anwendungen im Internet

of Things werden dadurch erst möglich. Beispiele sind

neben Industrie 4.0 und neuen Verkehrsleitsystemen

auch vernetzte Ver- und Entsorgungskonzepte in Städten

oder im Bereich E-Health Telemedizin und robotergestützte

Operationen.

FÜR EINE

WELT OHNE

WARTEN.

„5G ist die Schlüsseltechnologie für die weitere digitale

Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft, denn

erst mit 5G wird das Konsumenten-Internet zum Industrie-Internet“,

sagte Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender

der Deutschen Messe. „Die Vernetzung intelligenter

Maschinen im Smart Manufacturing, das autonome

Fahren, vertikale Logistik oder auch das Smart Farming

setzen eine funkbasierte, mobile Gigabit-Anbindung

voraus. In Hannover bauen wir deshalb unser Messegelände

zu einem Schaufenster der Zukunft aus, in dem wir

sehen können, wie sich die Arbeitswelt und das öffentliche

Leben in den kommenden Jahren verändern werden.“

In einem ersten Schritt wird die Deutsche Messe die

urbane Infrastruktur des Messegeländes mit einem

öffentlichem und privatem 5G-Netz ausstatten. Das

Gelände umfasst auf einer Fläche von 100 Hektar mehr

als 30 Hallen und Gebäude, etwa zehn km Verkehrswege

sowie mehrere tausend Parkplätze. Durch das funktionsfähige

Netz lassen sich zum einen künftig 5G-Anwendungen

auf den bestehenden Messen demonstrieren und

neue Services anbieten. Zum anderen wird das Gelände

aber auch zum Testfeld und Multifunktions-Campus, der

jederzeit 5G-Echtzeit-Use-Cases in einer geschützten und

kontrollierten Umgebung möglich macht.

Ein neues Kongress- und Messeformat macht die 5G-

Offensive der Deutschen Messe komplett:

z Die Kongressmesse 5G CMM Expo soll zur jährlichen

Leitveranstaltung rund um die Schlüsseltechnologie 5G

werden. CMM steht für Connected Mobile Machines.

Bereits im Oktober 2019 soll es zum Auftakt den ersten

Kongress zu dem Thema geben.

z Im Herbst 2020 soll dann die erste Kongressmesse an

den Start gehen. Die 5G CMM Expo will die ganze

Anwendungsbreite des 5G-Standards anhand erlebbarer

Use Cases für alle vernetzten mobilen Maschinen im

öffentlichen Raum, in unterschiedlichen Wirtschaftssektoren

sowie beim Endverbraucher aufzeigen.

Stahlreport 7/8|19

31

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andere nicht mal auf Lager haben.

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Konjunktur

Berichte/Nachrichten

BGA-Stellungnahmen

Zahlen und Einschätzungen

des Handels

Seinem Verbandsnamen entsprechend beobachtet der BGA zeitnah

die statistischen Entwicklungen im Großhandel, Außenhandel sowie

bei den Dienstleistungen und kommentiert diese Vorgänge. In der

Regel nimmt Dr. Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes

Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Stellung.

z Im ersten Quartal 2019 hatte sich für

den Großhandel ein nominales Wachstum

von durchschnittlich 4,0 % und

real von 2,5 % ergeben. Sowohl der

Produktionsverbindungshandel als

Frühindikator für Industrieproduktion

und Export als auch der Großhandel

mit Konsumgütern bewegten sich

dabei nahezu gleichgerichtet. Zugleich

war diese Veränderung von einer

moderaten Entwicklung der Großhandelsverkaufspreise

begleitet.

z Unterdessen ist der deutsche Außenhandel

schwungvoll in den Sommer

gestartet. Sowohl Exporte als auch

Importe hatten sich im Mai prächtig

entwickelt. Das gute Ergebnis wird

allerdings überschattet von der anhaltend

negativen Entwicklung bei den

Auftragseingängen. Laut Statistischem

Bundesamt wurden im Mai Waren im

Wert von 113,9 Mrd. € exportiert.

Damit sind die Exporte im Vorjahresvergleich

um 4,5 % gestiegen. Die deutschen

Importe sind allerdings mit

einem Warenwert von 93,4 Mrd.€

leicht stärker gestiegen, im Vorjahresvergleich

um 4,9 %. Die Außenhandelsbilanz

schloss damit mit einem

Überschuss von 20,6 Mrd. € ab.

z Für den Dienstleistungssektor in

Deutschland scheint es dagegen ungebrochen

aufwärts zu gehen. Die

Umsätze im Dienstleistungssektor

lagen nach den Angaben des Statistischen

Bundesamtes im ersten Quartal

2019 um 3,5 % höher als im entsprechenden

Vorjahresquartal. Dabei weist

insbesondere der Bereich Verkehr

und Lagerei einen kontinuierlichen

Anstieg auf. Im Jahresverlauf sind die

Umsätze um 4,1 % angestiegen. Informations-

und Kommunikationsdienstleistungen

lagen dagegen 1,4 % unter

dem Vorquartal, aber um 3,2 % über

dem Vorjahresquartal. Die Beschäfti-

Quelle: BGA

Dr. Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes

Großhandel, Außenhandel,

Dienstleistungen.

gung nahm im Dienstleistungssektor

im Vorjahresvergleich um 1,8 % zu.

Kommentare

„Der Großhandel befindet sich im

Frühjahr 2019 in einem konjunkturellen

Wechselbad. Die Umsatzentwicklung

ist von einem ausgeprägten

Auf und Ab geprägt. Nach zwei erfreulichen

Monaten dank einiger Nachhol-

und Sondereffekte hat die wirtschaftliche

Entwicklung deutlich

Federn gelassen und auch für die

nächsten Monate rechnen wir nicht

mit einem Wiedererstarken.“

Zum Außenhandel: „Es ist damit

zu rechnen, dass die konjunkturelle

Abkühlung Fahrt aufnehmen wird. …

Auch die politische Situation in der

Welt ist alles andere als stabil.“

„Dienstleistungen entwickeln sich

zu einem immer wichtigeren Konjunkturmotor

der deutschen Wirtschaft.

Ihr Erfolg ist aber kein

Selbstläufer, sondern auch Dienstleistungsunternehmen

brauchen ein solides

Umfeld und attraktive Rahmenbedingungen.“

2

Pkw-Markt im ersten Halbjahr mit

leichtem Plus

Höchstes Niveau

Der deutsche Pkw-Markt hat im ersten

Halbjahr 2019 nochmals leicht zugelegt. Die

Zahl der Neuzulassungen stieg laut Kraftfahrtbundesamt

um 0,5 % auf 1,85 Mio. Einheiten.

Damit lag der Pkw-Markt auf dem höchsten

Niveau seit 2009, teilte der Verband der Internationalen

Kraftfahrzeughersteller (VDIK) Anfang

Juli mit.

Die internationalen Kraftfahrzeughersteller

wuchsen mit plus 2,1 % klar stärker als der

Gesamtmarkt: 718.600 Pkw von internationalen

Marken wurden zugelassen. Der Marktanteil der

VDIK-Mitglieder stieg in den ersten sechs Monaten

2019 auf nun 38,9 % (Vorjahr 38,3 %). Seit

2015 kletterte der Marktanteil um gut 3 Prozentpunkte.

VDIK-Präsident Reinhard Zirpel: „Die

Halbjahresbilanz für den deutschen Pkw-Markt

ist sehr positiv. Nach mehreren Wachstumsjahren

hat der Markt ein sehr hohes Level erreicht –

und trotzdem weiter zugelegt. Für das Gesamtjahr

erwarten wir eine Fortsetzung der positiven

Marktentwicklung.“

Im Juni war es erwartungsgemäß zu einem Rückgang

der Neuzulassungen gekommen. Es wurden

325.200 Pkw neu registriert, das entspricht

einem Minus von 4,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Juni 2019 hatte allerdings 2,7

Arbeitstage weniger als der Vorjahresmonat.

Deutliche Steigerungsraten verzeichneten die

alternativen Antriebe. Der VDIK rechnet für das

erste Halbjahr mit rund 48.000 neu zugelassen

Elektrofahrzeugen, das ist ein Zuwachs von ca.

41 %. Darunter waren etwa 30.000 Pkw mit batterieelektrischem

Antrieb (plus 74 %). Außerdem

wurden rund 18.000 Plug-In-Hybride neu zugelassen,

in diesem Bereich betrug der Zuwachs

ca. 8 %.

VDIK-Präsident Reinhard Zirpel erklärte: „Der

Markt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben

gewinnt weiter an Fahrt. Dennoch ist die Dynamik

bisher noch nicht ausreichend. Deswegen

braucht der deutsche Kraftfahrzeugmarkt weitere

Anreize für die Verbreitung alternativer

Antriebe.“

Der Markt für Diesel-Pkw erholte sich leicht. Mit

608.800 Zulassungen wird in den ersten sechs

Monaten 2019 ein Plus von 3,1 % gegenüber

dem Vergleichszeitraum 2018 erreicht. Rund

75 % dieser Fahrzeuge erfüllten bereits den

neuen Abgasstandard Euro6d-Temp, der erst im

September verpflichtend wird.

32 Stahlreport 7/8|19


Revision der Prognose

Deutscher Maschinenbau

erwartet ein Minus

Die Auftragslage und die reale Produktion im deutschen Maschinenbau sowie die damit erzielten Umsätze haben sich in

den ersten Monaten des laufenden Jahres „sehr deutlich“ abgeschwächt – und der Blick nach vorn verheißt derzeit keine

Besserung. „Deshalb ist eine Revision unserer Prognose unumgänglich, wir rechnen 2019 nun mit einem realen Minus der

Produktion von 2 %. Dies sagte Carl Martin Welcker Anfang Juli in einem Pressegespräch. Er ist Präsident im Verband

Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

So hatten beispielsweise die Auftragseingänge

im Maschinenbau zuletzt auch im April enttäuscht: Im

Vergleich zum Vorjahr sanken sie um real 11 %. Das

war der fünfte Monatsrückgang in Folge. Für diesen

Rückgang sorgten sowohl ein schwaches Inlandsgeschäft

(minus 15 %) als auch fehlende Auslandsorders (minus

9 %).

„Angesichts der bis zuletzt rückläufigen Konjunktur-Frühindikatoren

sowie der ständigen Störungen aus

dem politischen Umfeld überrascht das Ergebnis nicht

wirklich“, erläuterte VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph

Wiechers. „Die anhaltenden Handelsstreitigkeiten der

großen Wirtschaftsblöcke, aber auch viele regionale

politische Krisen sorgen dafür, dass die Investoren verunsichert

sind und sich mit neuen Bestellungen zurückhalten.“

Aus dem Euroraum kamen im April 6 % weniger

Aufträge, die Nicht-Euro-Länder lagen um 10 % unter

dem Vorjahreswert. Im Drei-Monats-Vergleich Februar

bis April 2019 rangierten die Bestellungen insgesamt

um real 10 % unter dem Vorjahreswert. Während die

Inlandsorders um 10 % sanken, gingen die Auftragseingänge

aus dem Ausland um 11 % zurück. Die Bestellungen

aus dem Euro-Raum gaben um 8 % nach, aus

den Nicht-Euro-Ländern kamen 12 % weniger Aufträge.

Einen weiteren Aspekt bringt die Deutsche Maschinenbauproduktion

ein. Die reale Produktion hat ihr

Vorjahresniveau im ersten Quartal um 0,5 % verfehlt.

Konjunkturdaten des deutschen Maschinenbaus

Bezeichnung Zeitraum Einheit 2018 2019 %-Änderung 2019/2018

nominal real

Umsatz Jan.-März Mrd. EUR 53,0 54,8 3,3 1,5

Produktion (vorläufig) Jan.-März Index -0,5

Export Jan.-März Mrd. EUR 42,9 43,8 2,1 0,5

Import Jan.-März Mrd. EUR 18,4 19,1 3,5 1,9

Auftragseingang

Index

Gesamt Jan.-April -9 -10

Inland Jan.-April -7 -9

Ausland Jan.-April -9 -11

EURO-Partnerländer Jan.-April -9 -12

Nicht-EURO-Länder Jan.-April -9 -10

Beschäftigte März 1.000 1.041 1.068 2,6

Kapazitätsauslastung April Prozent 90,3 87,4

Maschinenpreise

Index

Erzeugerpreise April 1,7

Ausfuhrpreise April 1,7

Einfuhrpreise April 1,8

Selbst wenn noch Korrekturen (nach oben) anstehen,

dürfte die Herstellung im ersten Quartal kaum über

eine schwarze Null hinausgekommen sein.

Bei den Umsätzen sieht es nach Angaben des VDMA

etwas besser aus; der Maschinenbau konnte sein Vorjahresniveau

preisbereinigt um 1,5 % übertreffen. 2

Quelle: VDM

Basiseffekt

Rückläufige Zahlen in der Werkzeugmaschinenindustrie

Der Auftragseingang der deutschen

Werkzeugmaschinenindustrie ist im I. Quartal

2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum

um 21 % gesunken. Dabei gingen die

Bestellungen aus dem Inland um 10 %

zurück; die Auslandsorders verloren 27 %.

Das hat der VDW mitgeteilt, auf den Basiseffekt

verwiesen sowie dennoch 1 % Produktionszuwachs

für 2019 prognostiziert.

„Diese Minusraten sind nicht zuletzt auf eine

extrem starke erste Jahreshälfte 2018

zurückzuführen“, kommentierte Dr. Wilfried

Schäfer, Geschäftsführer des Vereins Deutscher

Werkzeugmaschinenfabriken (VDW),

im Mai. Dieser Basiseffekt werde im zweiten

Halbjahr 2019 deutlich abnehmen. „Dennoch

ist die Abkühlung der Weltwirtschaft

nun endgültig auch in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie

angekommen.“

Ursachen für die rückläufige Entwicklung

seien schnell genannt: Politisch verursachte

Störungen im Welthandel, Wachstumsschwäche

in China, strukturelle Schwächen

beim größten Abnehmer Automobilindustrie

und der Einbruch in der Halbleiterbranche.

„Die internationale Automobilindustrie hatte

ihre Anlageinvestitionen bereits 2018 auf

weniger als 4 % gegenüber dem Vorjahr halbiert

und dürfte 2019 noch unter diesem

Niveau planen“, erläuterte Schäfer.

Erstmals seit Mitte 2014 lagen die Bestellungen

von Werkzeugmaschinen wieder unterhalb

des Umsatzes. Der konnte in den ersten

drei Monaten 2019 noch 6 % zulegen.

„Viele Unternehmen stützen sich derzeit auf

den Auftragsbestand aus dem vorangegangenen

Boom ab“, sagte Schäfer.

Stahlreport 7/8|19

33


Konjunktur

Bericht/Nachrichten

Quelle: ArGeZ

Geschäftsklima Zulieferindustrie Deutschland Juni 2019

Saldo der positiven und negativen Meldungen

70

60

50

40

30

20

10

0

-10

-20

-30

-40

-50

-60

Aktuelle Lage

Zukunftserwartungen

-70

Jan. 06 Jan. 07 Jan. 08 Jan. 09 Jan. 10 Jan. 11 Jan. 12 Jan. 13 Jan. 14 Jan. 15 Jan. 16 Jan. 17 Jan. 18 Jan. 19 Jan. 20

Geschäfte der deutschen Zulieferindustrie

Klima unter Druck

Das Geschäftsklima der deutschen Zulieferindustrie steht unverändert

unter Druck. Allerdings konzentriert sich dies auf die Bewertung

der aktuellen Lage, die sich pessimistischer zeigte. Dennoch darf

nicht übersehen werden, dass der Saldo der Lageeinschätzungen

weiterhin positiv ist. Das hat die ArGeZ Anfang Juli mitgeteilt.

Die Erwartungen mit Blick auf

die kommenden sechs Monate hatten

sich nämlich im Vergleich zum Jahresbeginn

überraschend optimistisch

gezeigt und sich gegenüber dem Mai

lediglich geringfügig abgeschwächt. Die

realen Auftragseingangs-, Export- und

Produktionsdaten sowie die Probleme

im Automobilsektor dämpften die Stim-

mung der Zulieferer aber erheblich,

so die ArGeZ. Auch die Abschwächung

des Welthandels sowie der zunehmende

Protektionismus und die Aussicht

auf einen womöglich harten Brexit

seien prägend.

Dieser Geschäftsklimaindex

Zulieferindustrie wird von der

Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie

(ArGeZ) in Zusammenarbeit mit

dem Ifo-Institut, München, ermittelt.

Er beruht auf der Befragung von rund

600 Unternehmen und deckt die in

der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie

zusammengeschlossenen

Branchen Gießerei-Industrie, Aluminiumindustrie,

Kunststoffverarbeitung,

Stahl- und Metallverarbeitung,

NE-Metall-Industrie, Kautschukindustrie

sowie Technische Textilien

ab.

Die ArGeZ ist eine Interessengemeinschaft,

die rund 9.000 – vornehmlich

mittelständisch geprägte

– Zulieferunternehmen mit rund

einer Million Beschäftigte und einem

Umsatzvolumen von 218 Mrd. € vertritt.

Sie wird von sieben Wirtschaftsverbänden

getragen:

z WirtschaftsVereinigung Metalle

e.V., Berlin

z Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie

e.V. (BDG), Düsseldorf

z Gesamtverband der Aluminiumindustrie

e.V., Düsseldorf

z Wirtschaftsverband der deutschen

Kautschukindustrie e.V. (wdk),

Frankfurt a.M.

z Gesamtverband Kunststoffverarbeitende

Industrie e.V. (GKV),

Frankfurt a.M.

z WSM Wirtschaftsverband Stahlund

Metallverarbeitung e.V., Düsseldorf/Hagen

z Industrieverband Veredlung-Garne-

Gewebe- Technische Textilien,

Frankfurt. 2

Weltstahlzahlen

Die World Steel Association hat im

Juni die Ausgabe 2019 mit den relevanten

Weltstahlzahlen veröffentlicht.

Worldsteel will damit einen aktuellen

Überblick zu den Aktivitäten der global

tätigen Branche bieten. Die entsprechenden

Zahlen betreffen die

Rohstahlproduktionen ebenso wie

Handelsströme oder die Verwendungsbereiche

für dieses Werkstoff.

[ Info]

steel@worldsteel.org

die globale Rohstahlproduktion von 1950 bis 2018

Angaben in Millionen tonnen

1 808

1 433

1 148

850

717 770

595

347

189

1950 1960 1970 1980 1990 2000 2005 2010 2018

Quelle: worldsteel

34 Stahlreport 7/8|19


Umsatz

im Bauhauptgewerbe,

in % zum Vorjahr,

nominal

Auftragseingang

im Bauhauptgewerbe,

in % zum Vorjahr,

nominal

Wachstum und Fleiß

Stein auf Stein

+15,7% +17,1%

April 2019

Die deutsche Bauindustrie befindet sich weiter auf Wachstumskurs. So gibt es für die

Marktbeteiligten dieser Branche auch in Zukunft viel zu tun. Einer der Gründe dafür ist,

dass die Zahl der fertiggestellten Wohnungen noch immer hinter dem Bedarf zurückbleibt

und die Entwicklung der Wohnungsbaugenehmigungen enttäuschend verläuft.

Quelle: HDB

Jan.-April 2019

Die deutsche

Baukonjunktur im

I. Quartal 2019.

Quelle: HDB

Es entspricht den gegenwärtigen

gesellschaftspolitischen Diskussionen,

dass in der gesamten Baubranche verstärkt

auf den Wohnungsbau geschaut

wird.

Gesamte Baubranche

„Das vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte

reale Bruttoinlandsprodukt

legte im ersten Quartal gegenüber dem

Vorjahr um 0,6 % zu, ohne die Bauinvestitionen

waren es nur 0,3 %.“ Mit

diesen Worten kommentierte der

Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes

der Deutschen Bauindustrie

(HDB), Dieter Babiel, die in der neuesten

Ausgabe des Aktuellen Zahlenbildes

veröffentlichten Konjunkturindikatoren

für die Bauwirtschaft.

Demnach hätten die Betriebe des

Bauhauptgewerbes mit 20 und mehr

Beschäftigten für das erste Quartal

im Vergleich zum entsprechenden

Vorjahreszeitraum ein Umsatzplus

von nominal 17,8 % gemeldet (real:

+ 11,1 %). Der Umsatz erreichte damit

einen neuen Rekord: Der Wert sei mit

16 Mrd. € der höchste im ersten Quartal

seit 1995 gewesen.

„Wir sind auch für die kommenden

Monate optimistisch“, ergänzte Babiel.

Die Reichweite der Auftragsbestände

lag im April bei 4,3 Monaten und damit

auf einem historisch hohen Wert. Sorgen

bereiteten zurzeit die anhaltend

steigenden Rohstoffpreise.Die Unternehmen

im Bauhauptgewerbe hatten

die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden

im März gegenüber dem Vorjahresmonat

wiederum deutlich erhöht, nämlich

um gut 12 %, und das bei gleicher

Anzahl von Werktagen. „Wir bewerten

das erste Quartal nicht über, haben

aber bereits eine hohe Schlagzahl

erreicht. Die Bauunternehmen sind mit

hohem Einsatz an der Auftragsabwicklung

in allen Bausparten unterwegs“.

So die Einschätzung von Felix Pakleppa,

Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands

Deutsches Baugewerbe.

Nach den aktuellen Daten des Statistischen

Bundesamtes zum Bauhauptgewerbe

im März 2019 haben die

Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten

den Umsatz im ersten Quartal

gegenüber dem Vorjahreszeitraum

nominal um 17,8 % (real ca. 11 %)

erhöht.Um für Arbeitskräfte attraktiver

zu sein, hatte die Branche auch die

Mindestlöhne um 4 % und die Facharbeiterlöhne

um ca. 6 % erhöht. Angesichts

der hohen Nachfrage gelingt es

den Bauunternehmern besser, Risiken

des Baugeschäftes und die Entwicklung

der Einstandskosten adäquat an den

Markt zu geben.

Wohnungsbau

Wichtige konjunkturelle Steuerungsgrößen

sind im Wohnungsbau die

Bedarfe und die erteilten Genehmigungen:

z Mit insgesamt 286.000 fertiggestellten

Wohnungen in 2018 hat sich der

Aufwärtstrend der Vorjahre fortgesetzt.

Die politische Zielvorgabe von

jährlich 375.000 Wohnungen wird

jedoch weiterhin nicht erreicht. Mit

diesen Fakten argumentiert Dieter

Babiel in diesen Zusammenhängen

die Be kanntgabe der Zahlen durch

das Statistische Bundesamt. Das

unbefriedigende Ergebnis sei überwiegend

auf die Personalknappheit

im Ausbaugewerbe zurückzuführen,

das – anders als die Bauindustrie –

nur in geringem Umfang auf den

europäischen Bauarbeitsmarkt

zurück greifen könne. Auch die ungenügende

Bereitstellung von Bauland

wirke bremsend.

z In diesen Zusammenhängen zeigt

sich die Branche von der Entwicklung

der Wohnungsbaugenehmigungen

im ersten Quartal diesen Jahres

enttäuscht. Der gute Start im Januar

habe sich leider nicht fortgesetzt.

Insbesondere die Genehmigungen

von neuen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern

seien zurückgegangen.

Nach Angaben des Statistischen

ist im ersten Quartal der Neu- und

Umbau von insgesamt 75.600 Wohnungen

genehmigt worden – 2,8 %

bzw. 2.200 weniger als im vergleichbaren

Vorjahreszeitraum. Der Rückgang

ist überwiegend auf den

Neubau von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern

zurückzuführen,

welcher um 4,4 % unter dem Vorjahresniveau

liegt. 2

Stahlreport 7/8|19

35


BDS

Research

Neueste Zahlen aus dem Bereich Research

Die Branche

schnallt den Gürtel etwas enger

Das Jahr 2018 ist für die deutsche Stahldistribution positiv verlaufen. Im Schnitt konnte in den

meisten Monaten eine höhere Tonnage als üblich abgesetzt werden. Die weltweiten Konjunktur -

erwartungen haben sich jedoch seit einiger Zeit eingetrübt. Handelskonflikte und die immer

noch ungeklärten Fragen zum Brexit führen zu Unsicherheiten. Sorgen bereitet die Situation bei

den Automobilherstellern. Die deutschen Maschinenbauer schauen ebenfalls pessimistischer in die

Zukunft. Auch wenn andere stahlverarbeitende Industriezweige, allen voran die Bauwirtschaft,

weiterhin gut beschäftigt sind, ist die Stahlnachfrage geringer als im vergangenen Jahr.

Foto: privat

Jörg Feger, Bereichsleiter

Research im

Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS), berichtet

zusammenfassend

angesichts der ihm

bis einschließlich

Mai 2019 vorliegenden

Zahlen.

Lagerabsatz

Der Lagerabsatz verlief im Jahr 2018

recht erfreulich. Insgesamt wurden

bei Walzstahlfertigerzeugnissen 11,2

Mio. t abgesetzt. Dies ist der beste

Wert seit dem Jahr 2012. Im Vergleich

zum Vorjahr wurde 1,4 % mehr Menge

erreicht. Bei Rohren wurden sogar

deutlichere Zuwächse verzeichnet.

Das Jahr 2019 ist für die deutsche

Stahldistribution mengenmäßig etwas

schwächer gestartet. Insgesamt wurden

im Januar etwas über 950.000 t

Walzstahlfertigerzeugnisse, im Februar

908.000 t und im März knapp

930.000 t abgesetzt. Ähnlich verlief

der April. Der Lagerabsatz betrug

931.000 t. Vergleichsweise gut zeigte

sich der Mai. 954.000 t Walzstahlfertigerzeugnisse

wurden ausgeliefert.

Insgesamt wurden in den ersten fünf

Monaten des laufenden Jahres 2,9 %

weniger Menge als im Vorjahreszeitraum

abgesetzt. Besonders der Absatz

von Flachprodukten zeigte sich schwächer.

Lagerbestand

Im vergangenen Jahr wurde der Jahreshöchstbestand

im Sommer erreicht.

Ende Juli 2018 wurden 2,56 Mio. t

Bestand gemeldet. Ab Herbst setzte

dann ein deutlicher Bestandsabbau

ein. Im Dezember beliefen sich die

bundesweiten Lagerbestände auf 2,22

Mio. t. Dabei lag der branchenweite

Bestand im Vergleich zum Vorjahresmonat

um knapp 5 % höher.

Zwischen Januar und März 2019

erfolgte der übliche Lageraufbau. Im

April und Mai wurden nur noch

geringe Mengen aufgebaut. Ende Mai

wurden 2,48 Mio. t Bestand gemeldet.

Das sind 3,4 % mehr als Ende Mai

2018 bevorratet wurden.

Lagerreichweite

Die durchschnittliche Lagerreichweite

bei Walzstahlfertigerzeugnissen lag

im Mai 2019 bei 2,6 Monaten bzw. 78

Tagen. Dies sind knapp 3 % mehr als

im Vorjahresmonat (vgl. Abbildung

1). Auch im Schnitt der ersten fünf

Monate 2019 lag die Lagerreichweite

bei 2,6 Monaten bzw. 78 Tagen. Damit

war auch sie etwas höher als in den

Monaten Januar bis Mai 2018.

Lagerverkaufspreise

Den Angaben des BDS-Marktinformationsverfahrens

für durchschnittliche

Verkaufspreise im kleinlosigen

Bereich zufolge setzte sich der teilweise

recht starke Preisanstieg, der

im Jahr 2016 angefangen hatte, im

Jahr 2017 fort. Auch in den ersten beiden

Monaten des Jahres 2018 konnten

bei fast allen Produkten Preissteigerungen

festgestellt werden.

Zwischen März und Mai 2018

gestaltete sich das Bild differenzierter.

Große Veränderungen wurden dabei

jedoch nicht festgestellt. In den Monaten

Juni bis September waren die

Preise bei fast allen Produkten wieder

im Aufwärtstrend. Der Oktober,

November und Dezember zeigten sich

im vergangenen Jahr uneinheitlich.

Mitunter wurden auch sinkende Preise

beobachtet. Auch im Januar und Februar

2019 wurde tendenziell von fallenden

Verkaufspreisen berichtet. Im

März konnten teilweise auch wieder

Preissteigerungen festgestellt werden.

Im April und Mai war die Tendenz bei

nahezu allen Produkten rückläufig

(vgl. Abbildungen 2 und 3). 2

[ Info ]

Fragen zu den genannten statistischen

Größen beantwortet im Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) Jörg Feger,

Bereichsleiter Research:

Feger-BDS@stahlhandel.com

36 Stahlreport 7/8|19


Quelle Bild 2 u. 3: BDS Quelle: Statistisches Bundesamt/BDS

lagerAbsatz und Lagerreichweite der Stahldistribution Abb. 1

140

120

100

80

60

40

20

0

Preisentwicklung bei Langprodukten Abb. 2

160

150

140

130

120

110

100

90

Index (Januar 2010 = 100)

Formstahl Breitflanschträger Stabstahl Betonstahl in Stäben Betonstahlmatten

Preisentwicklung bei Flachprodukten und Rohren Abb. 3

Index (Januar 2010 = 100)

150

140

130

120

110

100

90

80

n Absatzindex (2007 = 100)

89

Ø

2015

101

97

90 93

95 100

101

94

96

90

78 78 75 81 78

Ø

2016

Ø

2017

Ø

2018

Ø

2019

Mai

2018

Juni

2018

Juli

2018

Aug.

2018

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

2. Q. 2017

3. Q. 2017

4. Q. 2017

1. Q. 2018

2. Q. 2018

3. Q. 2018

4. Q. 2018

1. Q. 2019

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

2. Q. 2017

3. Q. 2017

4. Q. 2017

1. Q. 2018

2. Q. 2018

3. Q. 2018

4. Q. 2018

1. Q. 2019

Sep.

2018

Okt.

2018

Nov.

2018

55

Dez.

2018

n Lagerreichweite in Tagen

95

91 93 93 93

200

180

160

140

120

100

80

60

40

20

0

Jan. Feb. März April Mai

2019 2019 2019 2019 2019

Quartoblech Bandblech Kaltgewalztes Blech OV Blech Quad. & RE-Rohr Nahtloses Rohr

96

Absatz und Lagerreichweite

der

Stahldistribution

Preisentwicklung

bei Langprodukten

Preisentwicklung bei

Flachprodukten und

Rohren

Stahlreport 7/8|19

37


Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2018

38 Stahlreport 7/8|19


Zuwächse bei Walzstahlfertigerzeugnissen und Rohren, Rückgänge bei Rohrverbindungen

Abnehmergruppenanalyse 2018

Wie jedes Jahr im Sommer halten wir Rückschau auf die Geschäftsentwicklungen des Stahlhandels

im vergangenen Jahr. Dabei wird zuerst auf den Geschäftsverlauf bei der Summe aller Walzstahlfertigerzeugnisse

geschaut, bevor wir die einzelnen Produkte detailliert analysieren.

Basis der folgenden Auswertungen

sind die Meldungen zur Stahlhandelsstatistik

Deutschland, die seit

Anfang 2010 exklusiv vom BDS herausgegeben

wird. Der nahezu identische

Kreis der beteiligten Unternehmen und

zusätzliche Berechnungsmethoden

ermöglichen hierbei eine absolute Vergleichbarkeit

mit den Zahlen, die bis

Ende 2009 vom Statistischen Bundesamt

erhoben wurden.

Als Ergebnis kann festgehalten

werden, dass die Lagerabsätze des

Stahlhandels in den Jahren 2010 und

2011 zugelegt und dann 2012 und

2013 wieder nachgegeben haben. In

2014 konnte ein leichtes Absatzplus

verzeichnet werden. 2015 waren die

Mengen dann wieder rückläufig. 2016

konnte sich der Lagerabsatz bei Walzstahlfertigerzeugnissen

etwas erholen,

bei Rohren und Rohrverbindungen

wurden leichte Rückgänge festgestellt.

2017 konnte sich der positive Trend

bei Walzstahlfertigerzeugnissen fortsetzen,

auch der Absatz von Rohren

war leicht aufwärts gerichtet. Bei Rohrverbindungen

wurde hingegen deutlich

weniger Menge als in den Vorjahren

abgesetzt. 2018 konnten alle Produkt-

gruppen zulegen. Dabei war der

Zuwachs bei Rohren und Rohrverbindungen

stärker als bei Walzstahlfertigerzeugnissen.

Walzstahlfertigerzeugnisse

Im Jahr 2018 wurden von der deutschen

Stahldistribution 11,2 Mio. t

Walzstahlfertigerzeugnisse abgesetzt.

Dies ist ein Plus von 1,4 % im Vergleich

zum Vorjahr. Zuwächse konnten dabei

in den ersten drei Quartalen erzielt

werden. Im vierten Quartal lagen die

Lagerabsätze auf Vorjahresniveau.

Die stärksten Monate waren der Juni,

der Juli und der Oktober mit über

1 Mio. t.

Zum Jahreswechsel 2017/18 wurden

von der deutschen Stahldistribution

2,12 Mio. t Walzstahlfertigerzeugnisse

bevorratet. Im Januar, Februar

und März 2018 fand ein spürbarer

Lageraufbau statt. Ende März wurde

ein Bestand von 2,53 Mio. t gemeldet.

Danach erfolgte ein kurzzeitiger

Bestandsabbau. Im Juli wurde mit 2,56

Mio. t der Jahreshöchstbestand erreicht.

Bis einschließlich Oktober lagen die

Bestände über 2,5 Mio. t. Im November

und Dezember wurden die Läger dann

spürbar heruntergefahren. Ende

Dezember 2018 wurden von der deutschen

Stahldistribution Lagerbestände

in Höhe von 2,22 Mio. t gemeldet. Dies

sind 4,9 % mehr als zum Jahresende

2017 bevorratet wurden. (Abb. 1).

Bei den einzelnen Produkten

konnte der Betonstahl wie schon in

den Vorjahren einen Zuwachs verzeichnen.

Dieser fiel mit einem Plus von

0,6 % jedoch eher moderat aus. Zulegen

konnten ebenfalls Formstahl und Breitflanschträger

(+1,5%), Bandblech

(+1,3 %) und besonders Oberflächenveredelte

Bleche (+4,8 %). Bei den anderen

Produktgruppen wurde weniger

Tonnage als im Jahr 2017 abgesetzt.

Bei Quartoblechen wurde das Vorjahresniveau

erreicht (Abb. 2).

Bei der Verteilung des Lagerabsatzes

nach Bundesländergruppen ragt

historisch die Bedeutung Nordrhein-

Westfalens heraus. Knapp 48 % der

Lagerabgänge fanden an Standorten

des einwohnerstärksten deutschen

Bundeslandes statt. Dies bedeutet

jedoch nicht, dass jede einzelne Tonne

hiervon auch in Nordrhein-Westfalen

verarbeitet wurde, vielmehr ist der

hohe Anteil durch die Tatsache begrün-

q

Lagerabsatz und -Bestand Walzstahlfertigerzeugnisse Abb. 1

Angaben in Millionen Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

12

11,3 11,0

10,7

10 9,8

10,8

11,0

11,2

8

6

4

2

2,0

2,3

2,3

2,1

2,2

2,1

2,2

0

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

n Absatz n Bestand

Stahlreport 7/8|19

39


Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2018

Vergleich Lagerabsatz 2003, 2017 und 2018 Abb. 2

Angaben in Millionen Tonnen

3,0

2,79

2,92

2,5

2,0

2,23

1,5

1,0

1,45

1,10

0,9

1,45

1,26

0,98

1,07 1,13 1,26 1,07 1,18 1,43

1,11

1,09 1,10

1,40

1,27

1,07 1,20

1,15

0,5

0

0,47

2003 2017

2018

Angaben in Prozent

4,8

14,7

10,1 9,7

10,2 9,7

22,7

10,2

9,8

2003

11,1

25,3

2017

11,4

26,1

2018

11,3

12,9

10,0

14,8

9,1

12,9

10,7

9,7

12,5

10,7

9,6

n Träger n Stabstahl n Betonstahl n Quartoblech

n Bandblech n Feinblech n OV-Material n Sonstiges

Regionale Absatzverteilung Walzstahlfertigerzeugnisse 2018 Abb. 3

Angaben in Prozent

Baden-

Württemberg

Bayern

15,42

9,64

1,03 Berlin/Brandenburg

3,72 Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/Schleswig Holstein

Bremen/Niedersachsen

8,07

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

4,77

2015

Hessen,

Rheinland-

Pfalz, Saarland

9,60

47,75

Nordrhein-Westfalen

40 Stahlreport 7/8|19


Anteile der Verbrauchergruppen bei Walzstahlfertigerzeugnissen in Prozent Abb. 4

0,30

0,30

0,25

0,24

0,20

0,15

0,10

0,20

0,15

0,12

0,08

0,15

0,17

0,15 0,14

0,11

0,20

0,20 0,20

0,19

0,16

0,15

0,11

0,21

0,19

0,16 0,16 0,17

0,11

0,05

0

1998 2003 2017 2018

n Stahlbau n Maschinenbau n Fahrzeugbau n EBM n Bauwirtschaft n Sonstiges

q det, dass in der Region Rhein-Ruhr

überdurchschnittlich viele Zentralläger

und Stahl-Service-Center ansässig sind,

die ebenso Verbraucher außerhalb der

Landesgrenzen bedienen und im Händler-Händler-Geschäft

eine bedeutende

Rolle spielen. Mit deutlichem Abstand

folgen Baden-Württemberg mit rund

15 % und Bayern sowie Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland

mit knapp 10 %.

Im Vergleich zu den Vorjahren hat es

hier keine allzu großen Veränderungen

gegeben (Abb. 3).

Betrachtet man die Lieferanteile

nach Kundengruppen, stellt man fest,

dass auch hier im Vergleich zu 2017

keine größeren Veränderungen stattgefunden

haben. Der Fahrzeugbau und

seine Zulieferer waren auch 2018 mit

21 % die größte Abnehmerbranche des

deutschen Stahlhandels. Es folgt der

Stahlbau mit 19 %. Der dritte Rang geht

an die Bauindustrie. Die Eisen, Blech,

und Metall verarbeitende Industrie q

Betonstahl richten, schneiden und biegen

Die neueste Generation der Richtschneideund

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Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2018

Lagerabsatz und -bestand Formstahl und Breitflanschträger Abb. 5

Angaben in Millionen Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

1,50

1,25

1,00

0,75

0,50

0,25

0

1,45

0,31

n Absatz

n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 6

Formstahl und Breitflanschträger 2018 (Angaben in Prozent)

Baden-

Württemberg

Hessen,

Rheinland-Pfalz,

Saarland

Bayern

19,55

8,28

11,35

2,57

7,40

36,54

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 7

Bauwirtschaft

EBM

Fahrzeugbau

Maschinenbau

10,21

3,50

1,15

Sonstiges

6,43

12,87

0,18

9,65

1,16

0,18

1,10

0,17

5,49

Formstahl und Breitflanschträger 2018 (Angaben in Prozent)

57,34

1,09

0,17

Stahlbau

1,07

0,17

1,09

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

Berlin/Brandenburg

8,83

Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

Bremen/Niedersachsen

0,17

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

Nordrhein-Westfalen

q (EBM) und der Maschinenbau liegen

mit jeweils 16 % knapp dahinter. Trotz

der jüngst boomenden Entwicklung der

baunahen Abnehmerbranchen stellt

man im langjährigen Vergleich fest,

dass die Bauwirtschaft und der Stahlbau

an Menge eingebüßt haben und insbesondere

EBM sowie der Fahrzeugbau

mit seinen Zulieferern ihre prozentualen

Anteile steigern konnten (Abb. 4).

Formstahl und Breitflanschträger

Im vergangenen Jahr wurden bei der

Produktgruppe Formstahl/Breitflanschträger

1,09 Mio. t abgesetzt. Das ist ein

Plus von 1,5 % gegenüber 2017. Damit

konnte die seit einigen Jahren spürbare

Entwicklung rückläufiger Absätze in

diesem Produktsegment (zumindest

vorerst) gestoppt werden. Im Vergleich

zu früheren Jahren ist das 2018 erzielte

Volumen jedoch trotzdem niedrig. Es

ist davon auszugehen, dass größere

Mengen aus im Ausland ansässigen

Lägern den deutschen Markt versorgt

haben. Diese Lieferungen fließen nicht

in die deutsche Lagerstatistik ein. Ebenfalls

kann angenommen werden, dass

verstärkt zu Konstruktionen verarbeitete

Träger die Anarbeitungsbetriebe

von lagerhaltenden Händlern verlassen.

Diese Volumina werden ebenfalls

nicht in die Stahlhandelsstatistik

gemeldet.

Seit 2011 bewegen sich die Lagerbestände

bei Trägern auf einem niedrigen

Niveau. Zum Stichtag 31. Dezember

2018 wurden bundesweit 172.074 t

Lagerbestand gemeldet. Dies sind 1,4 %

weniger als Ende Dezember 2017

(Abb. 5).

Etwas über ein Drittel des Lagerabsatzes

dieser Produktgruppe findet

in Nordrhein-Westfalen statt, mengenmäßig

folgt Baden-Württemberg mit

knapp 20 % vor Bayern mit gut 11 %

(Abb. 6).

Laut der BDS-Jahresmeldung entfielen

beim Lagerabsatz von Trägern

im Jahr 2018 rund 57 % auf die Abnehmergruppe

Stahlbau. Annähernd 13 %

der Lieferungen richteten sich an den

Maschinenbau. Es folgt die Eisen, Blech

und Metall verarbeitende Industrie mit

rund 10 % (Abb. 7).

Stabstahl

Nach Zuwächsen in den Jahren 2010

bis 2012 war der Lagerabsatz von Stab- q

42 Stahlreport 7/8|19


Lagerabsatz und -bestand Stabstahl Abb. 8

Angaben in Millionen Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

1,50

1,25

1,09

1,28

1,27

1,21

1,15

1,13

1,10

1,00

0,75

0,50

0,25

0,32

0,45

0,43

0,42

0,44

0,40

0,43

0

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 9

Stabstahl 2018 (Angaben in Prozent)

Bayern

1,48

8,82 5,06

Berlin/Brandenburg

8,26

Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

Bremen/Niedersachsen

Baden-

Württemberg

20,03

4,39

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

Hessen,

Rheinland-Pfalz,

Saarland

6,42

45,54

Nordrhein-Westfalen

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 10

Stabstahl 2018 (Angaben in Prozent)

50

42,66

39,89

40

38,54

30,06

30

25,41

23,93

20

14,44

11,42

12,82

13,69

10

8,86

5,64

7,11

6,85

4,68

5,36 5,51

3,15

0

allgemeiner Stabstahl Qualitätsstabstahl Stabstahl gesamt

n Stahlbau n Maschinenbau n Fahrzeugbau n EBM n Bauwirtschaft n Sonstiges

Stahlreport 7/8|19

43


Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2018

Lagerabsatz und -bestand Betonstahl Abb. 11

Angaben in Millionen Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

1,20

1,11

1,07

1,00

1,00

0,90

0,80

1,13

1,26

1,27

0,60

0,40

0,20

0,16

0,19

0,17

0,19

0,19

0,22

0,21

0

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 12

Betonstahl 2018 (Angaben in Prozent)

Baden-

Württemberg

Bayern

19,59

23,04

0,21 Berlin/Brandenburg

Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

1,92

Bremen/Niedersachsen

10,55

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

2,30

26,94

Nordrhein-Westfalen

Hessen,

Rheinland-Pfalz,

Saarland

15,47

q stahl in den Jahren 2013 bis 2017 rückläufig.

Dieser Trend setzte sich auch

2018 fort. Der Absatz fiel um 2,6 % auf

1,10 Mio. t.

Der Lagerbestand erreichte im Juli

mit 482.000 t seinen Höchststand.

Danach erfolgte ein kontinuierlicher

Bestandsabbau. Ende Dezember wurden

429.378 t gemeldet. Dies sind

5,6 % mehr als im Dezember 2017

(Abb. 8).

Auch beim Stabstahl wird die wichtige

Bedeutung der Stahlhandelsläger

in Nordrhein-Westfalen deutlich. Rund

45 % aller Lieferungen stammen aus

Lägern des einwohnerstärksten Bundeslandes.

Es folgt Baden-Württemberg

mit 20 % (Abb. 9).

Bei unseren Erhebungen fällt unter

den Begriff des Stabstahls sowohl der

Stabstahl der Gütegruppe der allgemeinen

Baustähle als auch der Qualitätsstabstahl.

Nach Erhebungen der

BDS-Lagerabsatzmeldung für das Jahr

2018 wurden gut 38 % des Gesamtabsatzes

an Stabstahl an den Maschinenbau

geliefert. Es folgt der Stahlbau mit

30 %. Beim Qualitätsstabstahl ist der

Lieferanteil an den Maschinenbau mit

fast 43 % noch höher. Zulegen konnte

hier im Laufe der letzten Jahre der

Fahrzeugbau, der über 25 % erreichte.

Folgender Trend im Verhältnis des

Lagerabsatzes von Stabstahl und Qualitätsstabstahl

ist festzustellen: Lag der

Anteil des Qualitätsstabstahls am

Gesamtvolumen des Lagerabsatzes

Stabstahl Anfang der 1990er Jahre bei

16 %, beläuft er sich mittlerweile auf

deutlich über ein Drittel (Abb. 10).

Betonstahl

Betonstahl konnte wie schon in den

Vorjahren auch 2018 Zuwächse beim

Lagerabsatz verzeichnen. Die Bauindustrie

boomt wie seit der Wiedervereinigung

nicht mehr. Vor allem der

Wohnungsbau ist ein starker Mengentreiber.

Aber auch der Wirtschaftsbau

und der öffentliche Bau konnten zulegen.

Insgesamt wurden im vergangenen

Jahr knapp 1,27 Mio. t abgesetzt.

Dies ist eine leichte Steigerung von

0,6 % im Vergleich zum Vorjahr.

44 Stahlreport 7/8|19


Die Lagerbestände erreichten schon

im März mit knapp 241.000 t den

Höchststand. Am 31. Dezember 2018

wurden 208.336 t gemeldet. Dies sind

knapp 4 % weniger als im Dezember

2017 (Abb. 11).

Knapp 27 % des im Jahr 2018 gelieferten

Betonstahls stammen aus Lägern

in Nordrhein-Westfalen und 23 % aus

Bayern, wo traditionell viele überregional

tätige Biegebetriebe beheimatet

sind. Es folgt Baden-Württemberg mit

knapp 20 % (Abb. 12). Die Hauptkundengruppe

für Betonstahl ist die Bauwirtschaft.

Nahezu 100% der Lieferungen

gehen an diese Branche.

Quartoblech

Im vergangenen Jahr wurden von Stahlhandelslägern

in der Bundesrepublik

Deutschland 1,07 Mio. t Quartoblech

(einschließlich Breitflachstahl) abgesetzt.

Dies ist exakt die Tonnage, die

auch schon 2017 verbucht wurde. Im

Vergleich zu 2016 beträgt der Rückgang

jedoch knapp 2 %. Auch in den

Jahren zuvor wurden Mengenrückgänge

festgestellt. Da die Nachfrage in

diesem Produktsegment zumindest in

den letzten beiden Jahren relativ stabil

war, ist anzunehmen, dass die Mengen,

die direkt von Werkslägern und von

nicht in der Bundesrepublik ansässigen

Hafenlägern geliefert wurden, in den

letzten Jahren zugenommen haben.

Im Oktober 2018 wurde mit rund

558.000 t. der Jahreshöchstbestand

erreicht. Danach wurden die Läger

abgebaut. Ende Dezember wurde ein

Bestand von 479.000 t gemeldet. Dies

sind 3,6 % mehr als im Dezember 2017

(Abb. 13).

Auch beim Quartoblech ist die

wichtige Distributionsfunktion der

Stahlhandelsläger in Nordrhein-Westfalen

spürbar. Knapp 47 % des Lagerabsatzes

fanden im letzten Jahr in NRW

statt. Es folgt mit 13 % Baden-Württemberg,

wo viele Maschinenbauer

ansässig sind. Dahinter rangieren Niedersachsen

und Bremen mit fast 12 %.

Dort spielen die Windkraft und –

zumindest traditionell – der Schiffsbau

eine Rolle. (Abb. 14).

Hauptkundengruppe für Quartobleche

ist mit knapp 31 % der Maschinenbau.

Es folgt der Stahlbau. Gut 22 %

aller Lieferungen gehen an diese

Abnehmergruppe (Abb. 15). q

Lagerabsatz und -bestand Quartoblech Abb. 13

Angaben in Millionen Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

1,75

1,50

1,25

1,00

0,75

0,50

0,25

1,45

0,45

0

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 14

Quartoblech 2018 (Angaben in Prozent)

Baden-

Württemberg

Hessen,

Rheinland-

Pfalz, Saarland

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 15

Quartoblech 2018 (Angaben in Prozent)

Sonstige

Bauwirtschaft

EBM

Fahrzeugbau

5,83

4,58

10,73

1,28

13,15

0,49

Bayern

17,15

14,53

8,32

1,30

0,49

22,12

1,22

30,89

0,44

Berlin/Brandenburg

2,55

4,60

46,90

11,93

6,72

1,09

Stahlbau

0,45

Maschinenbau

1,07

0,43

1,07

Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

Bremen/Niedersachsen

0,48

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

Nordrhein-Westfalen

Stahlreport 7/8|19

45


Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2018

Lagerabsatz und -bestand Bandblech Abb. 16

Angaben in Millionen Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

1,50

1,25

1,00

0,75

0,50

0,25

0

0,98

0,15

1,25

0,23

1,30

0,25

1,09

0,20

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 17

Bandblech 2018 (Angaben in Prozent)

Bayern

Baden-

Württemberg

Hessen,

Rheinland-Pfalz,

Saarland

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 18

Sonstiges

Bauwirtschaft

EBM

17,73

3,56

21,69

18,63

4,76

Bandblech 2018 (Angaben in Prozent)

19,47

12,90

Fahrzeugbau

12,79

6,87

36,42

Stahlbau

29,59

1,15

0,22

Maschinenbau

1,18

0,22

1,20

1,08 Berlin/Brandenburg

5,62 Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

8,88 Bremen/Niedersachsen

0,22

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

Nordrhein-Westfalen

q Bandblech

Nach sehr deutlichen Rückgängen des

Lagerabsatzes in 2015 konnte 2016,

2017 und 2018 die Produktgruppe

Bandblech wieder Zuwächse verzeichnen.

Insgesamt wurden im vergangenen

Jahr rund 1,2 Mio. t ausgeliefert.

Das sind 1,3 % mehr als 2017 abgesetzt

wurden. Im Vergleich zu den Jahren

vor 2015 ist dies jedoch kein sonderlich

guter Absatz. Auch hier ist anzunehmen,

dass die Mengen, die direkt von

Werkslägern und von nicht in der Bundesrepublik

ansässigen Hafenlägern

geliefert wurden, im Vergleich zu früheren

Jahren zugenommen haben.

Die Lagerbestände bewegten sich

im vergangenen Jahr auf relativ konstantem

Niveau. Der Höchstbestand

wurde mit 266.000 t im August erreicht.

Zum 31. Dezember 2018 wurden

219.000 t Bestand gemeldet. Dies entspricht

einem leichten Minus von 0,9 %

gegenüber dem Vorjahreswert (Abb. 16).

Auch beim Bandblech ist das Land

Nordrhein-Westfalen mit knapp 37 %

des gesamten Lagerabsatzes führend,

es folgen Bayern mit fast 19 % und

Baden-Württemberg mit knapp 18 %

(Abb. 17).

Die Lagerabsatzstruktur nach

Abnehmergruppen ist bei Bandblech,

wie auch schon in der Vergangenheit,

relativ ausgewogen. Der größte Anteil

entfällt mit knapp 30 % auf den

Maschinenbau, die Eisen, Blech und

Metall verarbeitende Industrie erreicht

gut 22 %. Es folgen der Fahrzeugbau

und der Stahlbau mit jeweils 13 %

(Abb. 18).

Kaltgewalztes Blech

Nach starken Absatzsteigerungen von

Kaltgewalztem Blech in 2010 und

2011 und einem Minus beim Lagerabsatz

in den Jahren 2012 bis 2014

verlief der Lagerabsatz im Jahr 2015

stabil. 2016 konnte ein Zuwachs verzeichnet

werden. 2017 war der Absatz

dann wieder leicht rückläufig. Dies

war auch 2018 der Fall. Ziemlich

genau 1,4 Mio. t wurden ausgeliefert.

Dies ist ein Minus von 1,9 % im Vergleich

zu 2017. Dabei war das erste

Quartal mit einer monatlichen Durchschnittstonnage

von 125.000 t das

mengenmäßig Beste. Der mit Abstand

stärkste Monat des Jahres war der

Januar mit 138.000 Tonnen.

46 Stahlreport 7/8|19


Im Juli wurde mit knapp 381.000 t

der Höchstbestand erreicht. Danach

fand ein spürbarer Bestandsabbau

statt. Am 31.Dezember 2018 wurden

304.000 t gemeldet. Dies sind 15,8 %

mehr als zum Ende des Vorjahres gelagert

wurden (Abb. 19).

Aufgrund der zahlreichen Großhändler

und Schwerpunktstandorte

von Stahl-Service-Centern ist Nordrhein-Westfalen

mit knapp 48 % des

Lagerabsatzes führend in der regionalen

Verteilung. Es folgt Baden-Württemberg

mit gut 15 % (Abb. 20).

Größte Abnehmergruppe von

Kaltgewalztem Blech ist der Fahrzeugbau

und seine Zulieferer. Knapp

35 % der Gesamttonnage wurden

dorthin geliefert. Es folgen die Eisen,

Blech und Metall verarbeitende

Industrie mit knapp 28 %. Dahinter

rangieren der Maschinenbau mit gut

9 % und der Stahlbau mit knapp 8 %

(Abb. 21).

Oberflächenveredeltes Material

Auch bei Oberflächenveredeltem Blech

mussten nach sehr guten Absätzen in

2010 und 2011 in den Jahren 2012,

2013 und 2014 Absatzrückgänge verzeichnet

werden. 2015 wurde, ähnlich

wie beim Kaltgewalzten Blech, eine

stabile Entwicklung beobachtet. 2016

konnten die Lagerabsatzmengen deutlich

gesteigert werden. Dieser Trend

setzte sich 2017, wenn auch mit verminderter

Dynamik, fort. Auch 2018

konnte der Absatz zulegen. Im Vergleich

zu 2017 nahm der Lagerabsatz

um 4,8 % zu und erreichte mit 2,92

Mio. t. sogar einen höheren Wert als

in den Jahren 2010 und 2011.

Die Bestände erreichten mit gut

430.000 t im September ihren Höhepunkt.

Ab Oktober wurden die Läger

abgebaut. Ende Dezember wurden

knapp 359.000 t Lagerbestand gemeldet.

Dies sind 1,5 % mehr als im Vorjahr

(Abb. 22).

Ähnlich wie bei Kaltgewalzten

Blech ist Nordrhein-Westfalen aufgrund

der zahlreichen Großhändler

und Schwerpunktstandorte von Stahl-

Service-Centern mit rund 62 % des

Lagerabsatzes absolut führend in der

regionalen Verteilung. Es folgen

Baden-Württemberg sowie Hessen,

Rheinland-Pfalz und das Saarland mit

jeweils etwa 11 % (Abb. 23).

q

Lagerabsatz und -bestand Kaltgewalztes Blech Abb. 19

Angaben in Millionen Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

1,50

1,25

1,00

0,75

0,50

0,25

1,26

0,23

1,46

0,35

1,41

0,33

Kaltgewalztes Blech 2018 (Angaben in Prozent)

1,41

0,28

1,44

0,31

1,43

0,26

1,40

0,30

0

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 20

Baden-

Württemberg

Hessen,

Rheinland-

Pfalz, Saarland

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 21

Sonstiges

Bauwirtschaft

EBM

10,80

5,63

27,70

Bayern

15,54

Kaltgewalztes Blech 2018 (Angaben in Prozent)

14,75

5,99

0,34 Berlin/Brandenburg

2,84 Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

9,35 Bremen/Niedersachsen

7,88

47,53

7,61

Stahlbau

9,35

34,68

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

Nordrhein-Westfalen

Maschinenbau

Fahrzeugbau

Stahlreport 7/8|19

47


Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2018

Lagerabsatz und -bestand OV-Material Abb. 22

Angaben in Millionen Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

3,00

2,50

2,00

1,50

1,00

2,23

2,54

2,49

2,48

0,50 0,38 0,40 0,37 0,32 0,39 0,35 0,36

0

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 23

OV-Material 2018 (Angaben in Prozent)

Baden-

Württemberg

Hessen,

Rheinland-

Pfalz, Saarland

Bayern 2,15

11,27

11,40

62,36

2,71

2,79

Nordrhein-Westfalen

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 24

OV-Material 2018 (Angaben in Prozent)

Bauwirtschaft

EBM

Sonstiges

10,22

17,68

11,25

13,89

Stahlbau

4,13

42,82

0,16 Berlin/Brandenburg

Maschinenbau

Fahrzeugbau

2,92

0,94 Hamburg/Mecklenburg-

Vorpommern/

Schleswig Holstein

7,65 Bremen/Niedersachsen

4,08 Sachsen/Sachsen-Anhalt/

Thüringen

q Bei den Abnehmerbranchen entfallen

knapp 43 % auf den Fahrzeugbau samt

seinen Zulieferern. Die Eisen, Blech

und Metall verarbeitende Industrie

folgt mit knapp 18 % (Abb. 24).

Stahlrohre und Rohrverbindungen

Anders als bei Walzstahlfertigerzeugnissen

hatte es bis zum Jahr 2014

weder für die Produktgruppe der Stahlrohre

noch für Rohrverbindungen eine

monatliche Statistik über Lagerabsätze

und Lagerbestände gegeben. Seit 2014

gibt es monatliche Erhebungen bei

Stahlrohren, die durch den BDS durchgeführt

werden. Die Ergebnisse hierbei

sind beinahe deckungsgleich mit den

weiterhin durchgeführten jährlichen

BDS-Lagerabsatzmeldungen.

Wie bei den Walzstahlfertigerzeugnissen

hat sich der Lagerabsatz bei

Stahlrohren und Rohrverbindungen

nach guten Jahren 2004 bis 2008 und

einem kräftigen Einbruch 2009 in den

Jahren 2010 und 2011 deutlich erholt.

2012 ist er beinahe konstant geblieben.

2013 und 2014 mussten Rückgänge

hingenommen werden. Dieser Trend

hat 2015 noch einmal an Fahrt gewonnen.

2016 und 2017 konnte diese Negativdynamik

etwas gebremst werden.

2018 konnten dann wieder durchaus

spürbare Zuwächse verzeichnet werden.

Es wurden 1,494 Mio. t in diesen

Produktbereichen von dem BDS angeschlossenen

Unternehmen abgesetzt.

Im Vergleich zu 2017 ist dies ein deutliches

Plus von 7 %. Verglichen mit

dem Rekordjahr 2008 ist der Absatz

jedoch um fast 18 % geringer ausgefallen

(Abb. 25).

Zum Stichtag 31. Dezember 2018

wurde ein Lagerbestand von rund

456.000 t geführt. Dies sind 3,6 % mehr

als zum Jahresende 2017.

Stahlrohre

Der Lagerabsatz von Stahlrohren (ohne

Rohrverbindungen) lag im Jahr 2018

bei rund 1,43 Mio. t. Damit lag er gut

6 % über dem Wert des Vorjahrs. Im

Vergleich zum Rekordjahr 2008 fiel

der Lagerabsatz um 17 % geringer aus.

Im Jahr 2018 entfielen vom Lagerabsatz

bei Stahlrohren rund 36 % auf

warmgefertigte Stahlrohre, rund 35 %

auf kaltgefertigte Stahlrohre und gut

28 % auf Hohlprofile sowie sonstige

48 Stahlreport 7/8|19


Stahlrohre. Im Vergleich zum Vorjahr

ist der Anteil der warmgefertigten

Rohre konstant geblieben. Der Anteil

der kaltgefertigten Rohre hat leicht

zugenommen, während der prozentuelle

Anteil der Hohlprofile ein wenig

abgenommen hat. (Abb. 26).

Der Lagerbestand Ende Dezember

2018 betrug knapp 430.000 t. Er lag

3,3 % über dem des Vorjahres.

Von den gut 1,43 Mio. t Lagerabsatz

bei Stahlrohren im Jahre 2018 gelangten

rund 1,04 Mio. t direkt zum Verbraucher,

die restlichen gut 392.000 t

wurden im Händler-Händler-Geschäft

abgewickelt.

Wie bei den Walzstahlfertigerzeugnissen

findet auch bei Stahlrohren

mit 48 % das Gros des Lagerabsatzes

in Nordrhein-Westfalen statt,

es folgen Baden-Württemberg mit

16 % und Bremen/Niedersachsen mit

knapp 11 %.

Von den im letzten Jahr gelieferten

Stahlrohren gelangten 28,2 % an

den Stahlbau. 24,8 % des Gesamtabsatzes

wurden dem Maschinenbau

geliefert. Die nicht näher definierten

Kundenbranchen „Sonstige Abnehmer“

sind mit 24,1 % ebenfalls stark

vertreten.

Rohrverbindungen

Nachdem der Lagerabsatz bei Rohrverbindungen

2017 deutlich nachgegeben

hatte, konnte er 2018 wieder

zulegen. Er belief sich auf 62.292 t.

Dies ist ein Plus von knapp 6 % im Vergleich

zum Vorjahr.

24.930 t gingen davon ins Händler-Händler-Geschäft.

Das Verbrauchergeschäft

belief sich auf 37.362 t

(Abb. 27).

Der Lagerbestand zum 31.Dezember

2018 betrug 26.524 t. Dies sind

knapp 9 % mehr als zum Jahresende

2017 gemeldet wurden.

Bei der regionalen Verteilung des

Lagerabsatzes von Rohrverbindungen

ist Nordrhein- Westfalen mit über 50 %

mit Abstand führend, es folgen Niedersachsen

und Bremen mit knapp

21 % sowie Hamburg, Schleswig-Holstein

und Mecklenburg-Vorpommern

mit 16 %.

Klammert man das Händler-Händler-Geschäft

aus und betrachtet die

Verteilung des Lagerabsatzes nach Verbrauchergruppen,

stellt man fest, dass

Lagerabsatz Stahlrohre und Rohrverbindungen

Angaben in Millionen Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

2,0

1,54 1,51 1,50

1,5

1,41

1,0

0,5

0

40 % der im letzten Jahr gelieferten

Rohrverbindungen in den Maschinenbau

gelangten. Über 32 % wurden dem

Stahlbau geliefert. Hier konnten im

Vergleich zu den letzten Jahren Anteile

dazugewonnen werden.

Bei diesen Ausführungen zur

Lagerabsatz- und der Bestandssituation

von Rohren und Rohrverbindungen

wurde bewusst nur auf grobe Entwicklungen

bei den Produktgruppen

eingegangen. Die detaillierte BDS-Jahresmeldung

mit einer exakten Darstellung

des produktspezifischen

Lagerabsatzes und -bestandes nach

BDS-Gebieten und Abnehmergruppen

ist exklusiv den BDS-Mitgliedsunternehmen

vorbehalten und den entsprechenden

Häusern im Juli dieses Jahres

zugegangen. 2

Abb.25

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

n Stahlrohre und Rohrverbindungen

Lagerabsatz Stahlrohre

Angaben in Millionen Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

2,0

1,5

1,0

0,5

1,48

Abb.26

0

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

n Stahlrohre

Lagerabsatz Rohrverbindungen

Angaben in Tausend Tonnen – 2003 sowie 2013 bis 2018

80

77

69

73

67

60

40

20

1,43

1,43

1,40

1,40

Abb.27

0

2003 2013 2014 2015 2016 2017 2018

n Rohrverbindungen

1,35

1,33

66

1,34

59

1,49

1,43

62

Stahlreport 7/8|19

49


BDS

Vorschau Stahlhandelstag 2019

Grafik: BDS

BDS feiert 50-jähriges Bestehen

Der Stahlhandel

trifft sich in Neuss

Zurück zu den Ursprüngen: Ein halbes Jahrhundert ist es her, da wurde der

Bundesverband Deutscher Stahlhandel (BDS) 1969 in der Neusser Stadthalle

von seinen Vorgänger-Organisationen gegründet. Nun schließt sich

der Kreis: am 19. und 20. September veranstaltet der BDS den 27. Stahlhandelstag

an seinem Gründungsort in der Neusser Stadthalle. Nostalgie ist

dabei nicht angesagt: Die Teilnehmer erwartet neben vielen Networking-

Möglichkeiten ein spannendes Programm zu aktuellen Marktthemen.

Programm Stahlhandelstag 2019

Tag 1: Donnerstag, 19. September 2019

13:00 – 14:00 Uhr Empfang und Registrierung

Mittagsimbiss

Öffnung der Ausstellung

14:00 – 14:15 Uhr Eröffnung des Kongresses

14:15 – 18:00 Uhr Vortragsprogramm inkl. Kaffeepausen

Themen:

z Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen

z Die Zukunft des Stahls in der Elektromobilität

z 50 Jahre BDS: (K)ein Rückblick

ab 18:30 Uhr Abendveranstaltung

Tag 2: Freitag, 20. September 2019

9:00 – 9:30 Uhr Empfang und Begrüßungskaffee

9:30 – 12:30 Uhr Vortragsprogramm inkl. Kaffeepause

Themen:

z Stahlschrott: Handelsware oder Abfallprodukt?

z Der Ausblick der Stahlerzeuger

z Abschluss des Kongresses

12:30 Uhr Mittagsimbiss

13:00 Uhr Ende

Weitere Informationen und

Online-Anmdung unter:

www.stahlhandel.com/

stahlhandelstag2019

Ausführliches Programm

unter www.stahlhandel.com/

stahlhandelstag2019

aussteller und Sponsoren

des BDS-Stahlhandelstags

Aussteller

z De Causmaecker & Partner, Frankfurt

z DIP Concept GmbH, Köln

z Dr. Demuth Derisol Lackfarben GmbH

& Co. KG, Northeim

z Fehr Lagerlogistik AG, Winterthur – CH

z GWS Gesellschaft für

Warenwirtschafts-Systeme mbH,

Münster

z Ingenieurbüro Roth, Unterheinriet

z Kaltenbach GmbH + Co. KG, Lörrach

z Karsten Stahlhandel GmbH,

Grevenbroich

z Kasto Maschinenbau GmbH & Co. KG,

Achern

z KI GmbH, Bielefeld

z Krause Maschinenhandels- & Service

GmbH, Achim

z MEBA Metall-Bandsägemaschinen

GmbH, Westerheim

z MEPS International Ltd, Sheffield – UK

z Messe Düsseldorf GmbH –

Tube 2020, Düsseldorf

z Messe Essen GmbH –

CUTTING WORLD ® , Essen

z Nissen & Velten Software GmbH,

Stockach

z OttComputer GmbH, Langenfeld

z Progress Maschinen & Automation AG,

Brixen – I

z P4S Partners 4 Steel: Behringer

GmbH, Rösler Oberflächentechnik

GmbH, Vernet Behringer

z Scheffer Krantechnik GmbH,

Sassenberg

z SE Padersoft GmbH & Co. KG,

Paderborn

z SHComputersysteme GmbH, Speyer

z Stahlservice24 GmbH, Berlin

z Voortman Steel Machinery,

Rijssen – NL

z XOM Materials GmbH, Berlin

Sponsor

z P4S Partners 4 Steel:

Behringer GmbH, Rösler

Oberflächentechnik GmbH, Vernet

Behringer

50 Stahlreport 7/8|19


Berufsbildung

Was Marvin Meusel und Sascha Wagner bisher gelernt haben

Wenn der Stahlreport

zum Berichtsheft wird

So wird der „Stahlreport“ 7/8 2019 zum „Berichtsheft“: Marvin Meusel und Sascha Wagner

haben für diese zweite Staffel der Serie über ihre Ausbildungen als Kaufmann im Groß- und

Außenhandel bzw. als Kaufmann E-Commerce nachfolgend auf ihre Weise in Text und Bild

zusammengestellt, was sie im ersten Lehrjahr in welchen Abteilungen ihrer Unternehmen

gelernt haben – bei Ancofer in Mülheim und bei Zickwolff in Saarbrücken. (1. Staffel vgl. 12/18,

S. 32ff) Wie sehr es gerade in Sachen Ausbildung auch auf Darstellungsformen ankommt, macht

zudem das diesen Komplex abschließende Interview mit Thomas Paucker deutlich; mit dem ist

der Geschäftsführer von Jobufo aus Berlin auch bei diesem zweiten Schwerpunkt vertreten.

Wie kaum ein anderer Begriff

aus dem Bereich der Ausbildung

steht das legendäre Berichtsheft für

den Reformprozess in der beruflichen

Bildung:

z In der „Verordnung über die Berufsausbildung“

zum/zur „Kaufmann

im Groß- und Außenhandel/Kauffrau

im Groß- und Außenhandel“

vom 14.2.2006 gibt es noch einen

eigenen Paragrafen (7) zum Thema

„Schriftlicher Ausbildungsnachweis“:

„Die Auszubildenden haben

einen schriftlichen Ausbildungsnachweis

zu führen. Ihnen ist Gelegenheit

zu geben, den schriftlichen

Ausbildungsnachweis während der

Ausbildungszeit zu führen. Die

Ausbildenden haben den schriftlichen

Ausbildungsnachweis regelmäßig

durchzusehen.“ Dann folgen

die Ausführungen zu den Prüfungen

– Zwischenprüfung und

Abschlussprüfung.

z In der „Verordnung über die Berufsausbildung“

zum/zur „Kaufmann

im E-Commerce/Kauffrau im E-

Commerce“ vom 13.12.2017 fehlt

ein solcher eigenständiger Paragraph.

Am ehesten ersetzt ist er

durch die Formulierungen zum Prüfungs-Fachgespräch:

„Zu der praxisbezogenen

Aufgabe (aus dem

Ausbildungsunternehmen, Anm.

der Redaktion) hat der Prüfling

einen Report zu erstellen. … Der

Report darf höchstens drei Seiten

umfassen. Den Report soll der Prüfling

mit einer Anlage ergänzen. Die

Anlage besteht aus Visualisierungen

zu der praxisbezogenen Aufgabe.

… Der Report und die Anlage

… müssen spätestens am ersten

Foto: Marvin Meusel

Besonderer Berichterstatter:

Marvin Meusel.

Foto: Sascha Wagner

Tag von Teil 2 der Abschlussprüfung

vorliegen.“ (§ 13, Abs. 5-7)

Die so angesprochenen Veränderungen

kann man natürlich erst

quantifizieren und qualifizieren,

wenn – voraussichtlich im kommenden

Jahr – die neue Ausbildungsverordnung

für Kaufleute im Großund

Außenhandel veröffentlicht

wird. Schon jetzt aber ist klar, dass

die Diskussionen der Beteiligten sich

nicht nur im vergangenen Jahrzehnt

um die Akteure für die sowie die

Formen der sogenannten Berichtshefte

gedreht haben, sondern auch

weiterhin im Mittelpunkt einer kontroversen

Auseinandersetzung stehen

dürften.

Die dreht sich damit auch weiterhin

darum, dass die Auszubildenden

und ihre Unternehmen die Prüfer

in vorgeschriebener Form über

die Lernfortschritte so informieren

müssen, dass diese ihr Monopol zur

Bewertung der Leistungen des Nachwuchses

überhaupt wahrnehmen

können. Immerhin aber scheinen

die Zeiten vorbei zu sein, in denen

Auszubildende dafür ihr Berichtsheft

in handschriftlicher Form abgeben

mussten, elektronische Fassungen

nicht erlaubt waren.

Gerade die Möglichkeit alternativer

Berichtshefte, das haben die

Arbeiten zu diesem Stahlreport

gezeigt, bringen zudem eine Fülle

zusätzlicher und interessanter Themen

zur Sprache, die in einer der

nächsten Ausgaben dieser Fachzeitschrift

aufgegriffen werden. Dabei

geht es dann um Fragen wie die wichtige

Werbung, die Marvin Meusel

und Sascha Wagner für ihre Ausbildungsberufe

betreiben können – und

darum, wie die beiden Auszubildenden

noch gesondert gefördert werden.

Der eine beispielsweise besucht

zusätzlich den Duisburger Arbeitskreis,

der andere war mit seiner

Berufsschule zu Besuch in Irland.2

Besonderer Berichterstatter:

Sascha Wagner.

Grundlagen der

Berichterstattung:

Verordnungen über

die Berufsausbildungen

für Kaufleute im

Groß- und Außenhandel

sowie für

Kaufleute im

E-Commerce.

Quellen, 2: wbv

Stahlreport 7/8|19

51


BDS

Berufsbildung

Fotos, 3: Ancofer

Marvin Meusel an einem seiner bisherigen Arbeitsplätze bei Ancofer in Mülheim.

Dort geht es um den Verkauf von Blechen …

Marvin Meusel berichtet zu Blechen und Hohlprofilen

Vier Abteilungen

„In meiner Ausbildung habe ich bislang vier Abteilungen kennengelernt.“ So beginnt Marvin

Meusel von der Ancofer Stahlhandel GmbH in Mülheim seinen Bericht zur Vorbereitung an ihn

zu stellender Fragen durch die Prüfer und fügt mit Blick auf Bleche sowie Hohlprofile hinzu:

„In diesem Report erzähle ich, was ich in den jeweiligen Abteilungen an Wissen erworben habe:“

Zum Einstieg ging es damals

in unser Lager am Nordhafen.

Danach besuchte ich die beiden Verkaufsabteilungen

Verkauf Bleche

und Verkauf Hohlprofile. Meine

aktuelle und noch nicht abgeschlossene

Abteilung ist der Einkauf. Der

Ablauf ist erst einmal in beiden

Abteilungen identisch und lässt sich

in fünf Phasen unterteilen:

1. Anfrage

2. Angebot

3. Kundenbestellung

4. Auftragserstellung

5. Bearbeitung und Auslieferung

(durch Lager & Versand)

Formate und Längen

In beiden Verkaufsabteilungen gibt

es so genannte Handelsformate (Bleche)

bzw. Handelslängen (Hohlprofile).

Dabei spricht man von einer

bestimmten Abmessung/Länge, in

welcher das Produkt standardmäßig

verkauft wird. Gängige Handelslängen

bei einem Hohlprofil sind 6, 12

und 18 Meter. Bei den Grobblechen

unterteilt es sich standardmäßig in

Klein-/Mittel- und Großformat. Die

Abmessungen dafür lauten wie folgt:

z KF: 1000 x 2000 mm

z MF: 1250 x 2500 mm

z GF: 1500 x 3000 mm

Ancofer führt als Grobblechspezialist

jedoch auch wesentlich größere Bleche

in Längen bis 20 m, Breiten bis

4 m und Dicken bis 250mm.

Güten

Die Firma Ancofer bietet bei den

Hohlprofilen lagermäßig vier verschiedene

Güten an. Jedoch muss

man unterscheiden zwischen warmen

und kalten Hohlprofilen. Die

Auswahl der Güten für unsere

kaltgefertigten Hohlprofile ist wie

folgt:

z S235JRH z S275J0H

z S355J2H z S420MH

Bei den warmgefertigten Hohlprofilen

kann der Kunde folgende Güte

erwerben: S355J2H. Im Bereich der

Grobbleche lagern wir deutlich mehr

Güten als im Bereich der Hohlprofile.

Der Kunde hat bei Ancofer die Auswahl

verschiedener Stähle für unterschiedlichste

Einsatzzwecke. Einen

groben Überblick kann der folgenden

Liste entnommen werden:

Baustähle nach EN 10025:

z S235JR+N z S355J2+N

Unlegierte und legierte Druckbehälterstähle

nach EN 10028-2:

z P265GH z P355GH

z 16Mo3

Feinkornbaustähle für Druckbehälter

nach EN 10028-3:

z P355NL2/NH z P460NL2/NH

Feinkornbaustähle für den Stahlbau

nach EN 10025-3:

z S355NL

z S460NL

Verschleißfeste Stähle:

z Dillidur325L z Dillidur400

z Dillidur450 z Raex400

z Dillidur500 z Dillidur550

Hochfeste Stähle:

z S690QL/QL1 z Dillimax690

z S890QL/QL1 z Dillimax890

z S960QL/QL1 z Dillimax965

Anarbeitung

Natürlich bietet Ancofer auch verschiedenste

Möglichkeiten der Anar-

52 Stahlreport 7/8|19


… und Hohlprofilen sowie um das Wissen über diese Produkte.

lung des Werkstoffverhaltens unter

einachsiger Beanspruchung unter

Zug. Die Zugfestigkeit, auch Mindeststreckgrenze

genannt, wird in

N/mm² angegeben. Eine genormte

Zugprobe wird dabei mit langsam

zunehmender Kraft in einer Zugprüfmaschine

bis zum Bruch verlängert.

Je nach Verhalten des

Werkstoffs wird als Ergebnis dieser

Prüfung ein Spannungs-Dehnungs-

Diagramm erstellt. Das Diagramm

gibt Aufschluss über Zugfestigkeit,

Bruchdehnung (bleibende Verlängerung

bis zum Bruch der Probe)

Werkstoffprüfungen

Außerdem zu erwähnen sind die verschiedenen

Arten der Werkstoffprüfungen:

z Kerbschlagbiegeversuch

Der Kerbschlagbiegeversuch ist

ein Verfahren der Werkstoffprüfung.

Durch den Versuch wird die

Zähigkeit einer Materialprobe

ermittelt. Der Probestift des zu

untersuchenden Materials ist einseitig

gekerbt (V- oder U-Kerbe)

und wird im temperierten Zustand

(gekühlt oder erwärmt) getestet.

Der Versuch besteht darin, dass

ein Pendelhammer mit einer

bestimmten kinetischen Energie

auf die ungekerbte Rückseite der

Probe trifft und sie dabei zerschlägt.

z Zugversuch

Der Zugversuch dient der Ermittbeitungen

an. Für die Hohlprofile

kann der Kunde folgende Anarbeitungen

wünschen:

z Strahlen z Primern

z Verzinken z Sägen

z Gehrung z Lasern

Bei den Blechen gibt es die Möglichkeiten

des

z Stahlkiesstrahlens nach SA 2,5,

z Konservierens sowie des

z Brennschneidens (plasma und autogen).

Zeugnisse

Sowohl bei einem Hohlprofil als auch

bei einem Blech hat der Kunde die

Option, ein Zeugnis für das Material

zu erwerben. Bei den Zeugnissen

unterscheidet man:

z Werkszeugnis 2.2

Es bestätigt die Übereinstimmung

mit der Bestellung unter Angabe

von Ergebnissen nicht spezifischer

Prüfungen.

z Abnahmeprüfzeugnis 3.1

Es bestätigt die Übereinstimmung

mit der Bestellung unter Angabe

von Er gebnissen spezifischer Prüfungen

und wird von einem von

der Fertigungs abteilung unabhängigen

Abnahmebeauftragten des

Herstellers bestätigt.

z Abnahmeprüfzeugnis 3.2

Wie APZ 3.1, jedoch Bestätigung

durch einen von der Fertigungsabteilung

unabhängigen Abnahmebeauftragten

des Herstellers

sowie den vom Besteller beauftragten

Abnahmebeauftragten (z.B

TÜV/LR/DNV GL etc.)

Zwei Ausgaben – Das Führen von Berichtsheften bei Ancofer

Arbeitskreise

Ergänzend erzählt Marvin Meusel,

dass beispielsweise das Erlernen der

von ihm für seinen Bericht gewählten

Systematiken dadurch begünstigt

worden ist, dass sein Ausbildungsunternehmen

ihm von Anfang an die

Teilnahme an den Angeboten des

Duisburger Arbeitskreises für junge

Kaufleute ermöglich hat.

Mit dieser überbetrieblichen

Ausbildungsbegleitung lernen die

Nachwuchskräfte darüber hinaus

zu den Produkten und Werkstoffen,

die in ihrem Ausbildungsunternehmen

vielleicht nicht besonders prominent

vertreten, für die Branche

aber ebenso wichtig sind wie die

Prozesse der Produktion und Verarbeitung,

die in Form von Betriebsbesichtigungen

ebenso zum Programm

der Arbeitskreise gehören.

(vgl. S. 59) 2

Die Auszubildenden der Mülheimer Ancofer

GmbH führen zwei Berichtshefte, erzählen

Siegfried Held und Kerstin Lanfermann, die in

dem Stahlhandelshaus für die Ausbildung

zuständig sind:

z Bei dem ersten Berichtsdokument handelt

es sich um den von der Industrie- und Handelskammer

(IHK) geforderten Wochenbericht.

Darin werden stichwortartig die Tätigkeiten

eingetragen, die innerhalb einer

Woche im Betrieb durchgeführt oder in der

Berufsschule behandelt wurden, einschließlich

der dafür jeweils aufgewendeten Stundenzahl.

z Das zweite Dokument ist ein sogenannter

Abteilungsbericht mit gleich mehreren Funktionen.

Pro Ausbildungsabteilung beschreiben

die Auszubildenden darin die Inhalte,

Aufgaben und Abläufe des jeweiligen Bereiches.

In einer Verkaufsabteilung sind dies

z.B. die gehandelten Güten und Abmessungen,

technische Besonderheiten der Produkte,

Normen, Zeugnisarten oder der

Ablauf des Verkaufsprozesses. Diese

Berichte mit einer Länge von fünf bis zehn

DIN A4-Seiten zeigen dem IHK-Prüfer in der

mündlichen Prüfung auf, welche Kenntnisse

und Fertigkeiten dem Prüfling in dieser

Abteilung vermittelt worden sind. So ganz

nebenbei geben diese Abteilungsberichte

dem Ausbilder zudem die Möglichkeit zu

prüfen, ob der Auszubildende die Inhalte

richtig verstanden hat – und last but not

least haben die Auszubildenden ein selbst

verfasstes Nachschlagewerk, das für den

Einsatz in anderen Abteilungen oder bei

einem Einsatz nach der Ausbildung sehr

nützlich sein kann.

Stahlreport 7/8|19

53


BDS

Berufsbildung

Fotos, 3: Zickwolff

Edelstahlflansche: Was Suchmaschinen an Ergebnissen liefern

Tempergussfittings: Einkaufen im Onlineshop

Sascha Wagner berichtet zu Virtuellem und Realem

Viele Projekte

„Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce und generell im

Onlinehandel ist das Marketing. Marketing findet heute zum Großteil digital statt. Social

Media-Plattformen wie Facebook und Instagram bieten uns die Möglichkeit, uns selbst zu

präsentieren und Produkte zu bewerben. Außerdem können gezielt Stellenanzeigen

beworben werden.“ So eröffnet Sascha Wagner den Bericht über seine bisherige Ausbildung

bei der OTTO ZICKWOLFF GMBH in Saarbrücken – und fährt projektbezogen u.a. fort:

Zwar hatte die Otto Zickwolff

GmbH schon vor meinem Start einen

Facebook-Account, doch die Reichweite

der Seite und die Inhalte waren

noch recht überschaubar. Im Zuge

meiner Ausbildung kümmere ich

mich deshalb nun u.a. um unsere

Facebookseite.

Facebook & Co.

Dafür überlege ich mir regelmäßig

Inhalte, die ich dort posten kann.

Hin und wieder bietet es sich auch

an, Produkte oder Beiträge zu bewerben,

um unsere Reichweite zu

erhöhen. Dabei bestimme ich die

Zielgruppe, den Zweck der Werbeanzeige,

lege ein Budget fest und

bestimme die Laufzeit der Werbeanzeige.

So entsteht auf unserer Facebookseite

ein Mix aus Beiträgen aus

unserem Arbeitsleben, Stellenanzeigen

und Produktwerbungen. Auch

die Reichweite unserer Seite erhöht

sich stetig.

Neben unserer Facebookseite

habe ich auch eine Instagram-Seite

erstellt sowie einen Youtube-Kanal.

Auf Instagram können wir unsere

Anzeigen ähnlich wie bei Facebook

schalten, während wir den Youtube-

Kanal nutzen, um Videos zu veröffentlichen.

Videos sind zum Beispiel

zur Ausbildung bei Zickwolff

geplant.

Suchmaschinenwerbung

Um unsere Webseite und unseren

Shop besser im Internet auffindbar

zu machen, lerne ich in meiner Ausbildung,

Google-Werbeanzeigen zu

schalten. Dafür haben wir ein Google

Adwords Konto, über welches wir

diese Googlekampagnen steuern

können. Zusammen mit der

Geschäftsleitung analysieren wir

unsere Produkte und überlegen uns

Stichwörter, sogenannte Keywords,

nach denen man bei Google suchen

kann. Für diese Keywords legen wir

dann ein Budget fest.

Am besten lässt sich dies anhand

einer Werbeanzeige auf Google zeigen.

Als Fachgroßhändler für alles

rund um’s Rohr führen wir Flansche

nach DIN EN 1092-1 in Edelstahl,

verzinkt und schwarz, je nach Typ

in bis zu DN 1200. In diesem Beispiel

(vgl. Abb.) wird eine Google Anzeige

für Edelstahlflansche an Firmenkunden

ausgeteilt, die auf Google nach

Flanschen oder ähnlichen Keywords

suchen.

Online-Shop & Amazon

Bisher hat sich unser Marketingleiter

um unseren Online-Shop gekümmert.

Der Kaufmann im E-Commerce

ist jedoch eine kaufmännische Ausbildung,

die sich im Wesentlichen

von den anderen kaufmännischen

Ausbildungsberufen darin unterscheidet,

dass ein Hauptaugenmerk

auf dem Vertrieb von Waren im

Online-Handel liegt. Von daher

gehört dies selbstverständlich nun

zu den Hauptaufgaben während meiner

Ausbildung bei der Otto Zickwolff

GmbH.

Über unseren Onlineshop lassen

sich viele unserer Produkte online

bestellen. Meine Aufgabe besteht

darin, die Artikel im Onlineshop zu

pflegen, neue Artikel hinzuzufügen

und die Bestellungen anschließend

zu bearbeiten.

Wenn wir uns entscheiden, einen

neuen Artikel in den Onlineshop aufzunehmen,

dann erstelle ich eine

54 Stahlreport 7/8|19


Logistik: Auch ein wichtiges Thema für

die Ausbildung von Sascha Wagner

Artikelbeschreibung, besorge oder

erstelle Produktfotos und kalkuliere

die Preise. Anschließend sind die

Artikel für den Kunden im Webshop

bestellbar.

Bestellungen aus dem Shop übernehme

ich dann in unser Warenwirtschaftssystem,

überprüfe die

Eingaben und erstelle dann den Auftrag.

Gegebenenfalls muss die Ware

vorher noch bei unserem Lieferanten

bestellt werden, was ebenfalls zu

meinen Aufgaben gehört.

Neben unserem eigenen Onlineshop

bieten wir unsere Waren auch

über Amazon an. Auch dort müssen

Produkte gepflegt und Bestellungen

geprüft werden, bevor wir den Auftrag

erstellen können.

Lager & Logistik

Zu Beginn meiner Ausbildung habe

ich einige Wochen in unserem Lager

verbracht, um die Materialien und

die Abläufe dort kennenzulernen.

Im Lager müssen Waren nach

Kundenwünschen kommissioniert

sowie bestellte Waren angenommen

und verräumt werden. Die Versandart

kann dabei sehr unterschiedlich sein.

Während viele Sendungen mit dem

Paketdienst versendet werden können,

gehört für uns als Stahlgroßhandel

der Lkw- und Speditionsversand

zu den wichtigsten Versandmethoden.

Aktuell haben wir zwei Lkw, die täglich

für unsere Kunden in der Umgebung

Waren wie Rohre, Flansche oder

Formteile ausliefern. Unhandliche

Waren, die weiter transportiert werden

müssen, werden in der Regel mit der

Spedition versendet.

Des Weiteren sind wir auch für die

Projektabwicklung einiger Kunden

verantwortlich. Hierbei müssen komplette

Verrohrungsmaterialien von

Rohren über Flanschen Bögen etc.

an Großbaustellen in der ganzen

Welt geliefert werden.

All diese Vorgänge zu koordinieren,

ist die Aufgabe unserer Logistikabteilung.

Auch hier war ich während

meiner Ausbildung einige

Monate eingesetzt. Zu meinen Aufgaben

dort gehörten das Erstellen

von Versandetiketten anhand der

Aufträge und Packzettel, sowie das

Erstellen von Lieferscheinen.

Ein solcher Lieferschein wird

jeder Sendung beigefügt und ein

Versandetikett auf jeder Sendung

platziert. Sendungen, die per Spedition

ausgeliefert werden sollen, müssen

bei uns sicher verpackt und

anschließend dem Speditionsunternehmen

angekündigt werden. Dies

geschieht durch Eingabe der Sendungsdaten

inklusive Gewicht, Material

und Maßen anhand einer Online-

Suchmaske des Spediteurs. Wurden

die Sendungsdaten dann übermittelt,

kommt im Laufe des Tages das Speditionsunternehmen,

um die Sendung

abzuholen.

Eine Herausforderung in der

Logistik ist das Koordinieren der

Lkw-Touren. Die Touren müssen so

geplant werden, dass eine zusammenhängende

Tour entsteht und die

Kunden möglichst schnell an ihre

bestellten Waren kommen.

Wenn ein Kunde seine Bestellung

bereits am nächsten Morgen

braucht, können wir außerdem einen

Expressversand in Auftrag geben.

Ebenso, wie wir Waren auf verschiedenen

Wegen versenden,

bekommen wir auch bestellte Waren

geliefert. Das Annehmen und Kontrollieren

dieser bestellten Waren

gehörte ebenfalls zu meinen Aufgaben

in der Logistik. Dabei müssen

Sendungen durch eine erste Prüfung

gesichtet werden, um Transportschäden

zu entdecken. Anschließend

wird der Empfang der Ware dem

Fahrer bestätigt.

Anhand des Lieferscheins muss

nun die Ware und Bestellung identifiziert

werden und zur Kontrolle

und Verräumung an die jeweilige

Abteilung im Lager und Verkauf weitergeleitet

werden.

Von der Logistik wird ebenso die

Inventur geplant und in Zusammenarbeit

mit dem Lager durchgeführt.

Dabei müssen mindestens einmal

im Jahr die Waren im Lager gezählt

und die Ergebnisse in unser Warenwirtschaftssystem

übertragen werden.

Dadurch können Differenzen

ausgewiesen und nachvollzogen werden.

Anschließend wird anhand dieser

Inventur ein Inventar aufgestellt,

welches die Geschäftsleitung zur

Erstellung des Jahresabschlusses

benötigt.

Eine wichtige E-Commerce Thematik

bieten Dropshipping-Aufträge.

Bei diesen Aufträgen versenden wir

Waren im Auftrag eines Kunden.

Dazu müssen die Aufträge aus dessen

System gezogen und in unser

System übertragen werden. Ebenso

werden Aufträge, Lieferscheine und

Rechnungen auf diesem Weg per

EDI (elektronischer Datenaustausch)

an unseren Kunden rückgespielt.

Werkszeugnisse

Für uns als Stahlhändler ist es wichtig,

unseren Kunden die Möglichkeit

zu bieten, ihre Waren mit Werks -

zeugnissen zu erhalten. Im Rahmen

meiner Ausbildung zum Kaufmann

im E-Commerce war ich einige

Wochen in unserer Werkszeugnisabteilung.

In der Werkszeugnisabteilung

werden Materialzeugnisse von unseren

Waren angefordert und gesammelt.

Dafür verwenden wir ein Dokumentenverwaltungssystem,

über

welches auch unsere digitale Archivierung

stattfindet. In der Abteilung

müssen alle Zeugnisse eingescannt

und mit Schlagworten wie Charge,

Güte, Hersteller, Ursprungsland etc.

versehen werden. So kann anhand

der Charge das passende Zeugnis

gesucht werden. Die Verschlagwortung

läuft dank Softwareunterstützung

teilweise automatisch. Dies

hilft uns, die riesige Menge an Zeugnissen

zeitnah ins System zu übertragen.

Die Zeugnisse können dann auf

Wunsch des Kunden bei der Lieferung,

per Mail oder Post versendet

werden. 2

Stahlreport 7/8|19

55


BDS

Berufsbildung

Interview mit Thomas Paucker zu Ausbildungsfragen

Auf die Ansprache kommt es an

Thomas Paucker versteht etwas von Karrieren. Der Geschäftsführer von Jobufo

vermittelt mit seinem Startup weltweit Stellen und profitiert dabei von seinem

speziellen Kommunikations- bzw. Informationskonzept: akustisch und optisch

den Printbereich immer mehr ersetzend. Mit diesem Rezept ist der 30-Jährige

so erfolgreich, dass er mit seinem nochmals erweiterten Team inzwischen auf

der Berliner Friedrichstraße zu Hause ist. Der gebürtige Rostocker könnte also

genau der richtige Interviewpartner für den Stahlreport sein – auf der Suche

nach Antworten, mit welcher Ansprache außer Arbeits- auch schon Ausbildungsplätze

erfolgreich an die Frau/an den Mann gebracht werden können.

Foto. Jobufo

Hat sich auch die

Einstiegsinformationen

für angehende

E-Commercler sowie

für künftige Kaufleute

im Großund

Außenhandel

angesehen: Thomas

Paucker, Geschäftsführer

der Jobufo

GmbH.

z Warum sollte sich ein Interessent

mit einer klassischen Bewerbungsmappe

abmühen, wenn er sich

doch auch ganz einfach über sein

eigenes Smartphone per selbstgedrehtem

Video dem suchenden

Unternehmen verkaufen kann?

z Und warum sollten diese Firmen

nicht dieselbe Technik verwenden,

um sich und ihre Jobs als attraktiv

vorzustellen?

Auf Antworten zu diesen beiden

Aspekten war in einem ersten Stahlreport-Bericht

über die Jobufo GmbH

eingegangen worden. (Vgl. 12/18,

S. 36f).

„Hallo, ich bin Thomas!“ So hatte

es im vergangenen Jahr zur Vorbereitung

dieses Berichts bei dem ersten

Kontakt mit der Redaktion geheißen.

Stahlreport: Deshalb drängt sich für

dieses Interview eine Eingangsfrage

förmlich auf: Gehört das Duzen zum

Vermittlungskonzept, oder ist diese

semantische Vertrautheit ganz einfach

der Startup-Szene geschuldet?

Thomas: Wir bei Jobufo glauben

daran, dass das Duzen der Schlüssel

zum Vertrauen ist. Mit dem „Du“

sind wir näher am Kandidaten dran

und sprechen ihn auf einer sehr persönlichen

Ebene an. Darüber hinaus

sind wir der Auffassung, dass das

die Zukunft des Recruitings ist und

man mit jedem Bewerber auf Augenhöhe

kommunizieren sollte.

Stahlreport: Thomas, Du und Dein

Team telefonieren inzwischen vor

jeder Bewerbung mit den Kandidaten,

um sie irgendwie rechtzeitig

schlau zu machen. Ganz abgesehen

vom Atmosphärischen: Welche Botschaften

werden dabei vermittelt

und auf welchen Informationen

bauen sie auf?

Thomas: Wir begleiten jeden Kandidaten

auf dem Weg zu seinem

Traumjob. Hauptsächlich telefonieren

wir mit den Kandidaten, um sie

zu motivieren und an die Bewerbung

per Video heranzuführen. Von

Berufsberatung über die Bereitstellung

von Informationen, bis hin zum

Aufnehmen des Videos, bei uns

bekommt jeder, was er braucht. Und

wenn ein Kandidat noch nicht genau

weiß, wie er seine Zukunft gestalten

will, beraten wir ihn gern.

Stahlreport: Also geht es auch

darum, dass die Kandidat*innen ganz

früh möglichst viel und das Wichtigste

über einen möglichen Arbeitgeber

erfahren. Überträgt man diese

Erkenntnis auf anstehende Ausbildungsverhältnisse,

müssten solche

Gespräche vorab durch Informationen

über die jeweiligen Ausbildungsberufe

und die sie anbietenden Branchen

vorbereitet werden.

Thomas: Wir beschäftigen uns sehr

viel mit den Unternehmen, Branchen

und den dazugehörigen Ausbildungsberufen.

Dabei geht es darum,

den Kandidaten über den Ausbildungsberuf

und das jeweilige Unternehmen

bestmöglich beraten zu können.

Wir gehen jedoch immer mehr

dazu über, dass die Recruiter der

Unternehmen Videos aufnehmen,

in denen sie sich und ihr Unternehmen

kurz vorstellen. Dadurch wird

eine persönliche Ebene zwischen

Recruiter und dem Bewerber von

Anfang an geschaffen.

Stahlreport: In der Zwischenbilanz

unseres Gesprächs kommt es also

auf die richtige Kommunikation und

Information an. Was bedeutet das

Deiner Meinung nach für den aktuellen

Fall, dass überraschend die

angehenden Kaufleute E-Commerce

mit 1.400 Stellen auf Anhieb ein Zehntel

der Ausbildungsverträge erreicht

haben, die traditionell die künftigen

Kaufleute im Groß- und Außenhandel

für sich verbuchen können.

Thomas: Einige Ausbildungsberufe

sind in der Zeit der Digitalisierung

attraktiver als andere. Deshalb fehlen

in manchen Ausbildungsberufen die

Bewerber. Die Digital Natives, aufgewachsen

mit dem Smartphone in

der Hosentasche, sind jetzt auf Jobsuche.

Dabei ist es ganz klar, dass

sie nach Berufen suchen, die mit

dem Digitalisierungstrend mitwachsen.

Dennoch glaube ich, dass in

Zukunft immer mehr Möglichkeiten

geboten werden, damit sich auch

andere Ausbildungsberufe im Zeitalter

der Digitalisierung beweisen

können. Dadurch wird auch der Ausbildungsberuf

Kauffrau/-mann im

Groß- und Außenhandel wieder mehr

an Bedeutung gewinnen.

Stahlreport: Thomas, vielen Dank

für dieses Gespräch!

56 Stahlreport 7/8|19


Was das Fernlernen für BDS und FDL bedeutet

Anbietende und Feierende

Lernformen bestimmen immer mehr die berufliche Bildung – auch beim BDS. Das wurde aktuell besonders

deutlich, als sich Ende Mai in Berlin unter dem Dach des FDL dessen Fachgruppe der Fernunterrichts -

anbieter traf und anschließend eine große Gesellschaft, um das 50-jährige Jubiläum dieses Verbands zu

feiern. Verbindendes Element zwischen diesen Ereignissen ist eine rund 40-seitige Festschrift.

Sie zeigt Geschichte sowie

Zukunft dieses Fachverbands für

Fernlernen und Lernmedien und listet

ferner auf, dass die Fachgruppe

Fernunterricht mit etwa fünf Dutzend

Mitgliedern die größte Gruppierung

im Forum DistancE Learning (FDL)

darstellt. Ihr gewählter Vorsitzender

ist seit rund eineinhalb Jahren Dr.

Ludger Wolfgart, Bereichsleiter

Berufsbildung im Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS). Auch

dieser Verband feiert 2019 sein 50-

jähriges Bestehen, und deshalb hatte

BDS-Vorstand Oliver Ellermann mit

seinem Grußwort für die Festschrift

die „Gratulation eines Gleichaltrigen“

formuliert (vgl. Kasten).

BDS und FDL arbeiten seit einigen

Jahren immer intensiver zusammen,

weil für die traditionsreiche

Berufsbildung der Stahldistribution

methodische Aspekte des Lernens

vor allem in den vergangenen beiden

Jahrzehnten und durch den gegenwärtigen

Digitalisierungstrend eine

immer wichtigere Rolle gespielt

haben bzw. einnehmen.

Fachgruppensitzung

Das machte auch die Agenda der Sitzung

der Fachgruppe der Fernunterrichtsanbieter

am 27.5.19 in der deutschen

Hauptstadt deutlich:

z In deren Mittelpunkt standen Maßnahmen

der mehr als vielfältigen

deutschen Bildungsförderung, auf

die Mitglieder der Fachgruppe zur

Vermarktung ihrer Angebote

zurückgreifen können. Dabei ging

es nicht nur um die entsprechende

Informationsvermittlung, sondern

auch darum, welche politischen

Gesprächspartner für eine Optimierung

der Förderlandschaft in Berlin

wie zur Verfügung stehen. Der FDL

hatte Anfang 2019 seinen Verbandssitz

von Hamburg in die deutsche

Hauptstadt verlegt.

z Diese konkreten Ansätze werden

im FDL durch vielfältige Grundsatzdiskussionen

begleitet. Deren

Inhalte reichen von Compliance-

Richtlinien über Normungsfragen

bis hin zur Nutzung des Deutschen

Qualifikationsrahmens. Zu diesen

und weiteren Themen gab es auf

der Sitzung in Berlin einen intensiven

Erfahrungsaustausch der Mitglieder

und damit die Vorbereitung

von Vorstandsentscheidungen.

Festveranstaltung

Welches Gewicht die in der bundesdeutschen

Bildungslandschaft haben,

machten auf der abendlichen Festveranstaltung

insbesondere auch die

zahlreichen Grußworte aus Politik,

Gesellschaft und Wissenschaft deutlich:

z In denen wurde immer wieder hervorgehoben,

wie wichtig die 1969

ergriffene Initiative im damaligen

„Arbeitskreis korrektes Fernlehrwesen“

war und bis heute geblieben

ist – obwohl inzwischen längst

„Blended Learning“, also gemischte

Bildungsformen, angesagt ist bzw.

sind. Bei diesen Grußworten wurde

immer wieder auch deutlich, dass

es jenseits des klassischen Präsenzunterrichts

in fünf Jahrzehnten

mit den erarbeiteten Fernlernvarianten

erfolgreich um nachhaltige,

d.h. ökonomische sowie ökologische

und soziale, Optimierungen von

Bildung gegangen ist.

z Beide Festvorträge machten klar,

dass Distance-Learning parallel zur

deutschen Entwicklung längst

internationale Dimensionen von

enormer globaler Bedeutung ausgeprägt

hat. So zeigte Dr. Heike

Laube, Chief Learning Officer bei

der SAP SE in Walldorf, auf, welche

Chancen modernes Fernlernen für

rund 50.000 Nutzer in diesem weltweit

aufgestellten Konzern und

Quellen, 2: FDL

damit für die freie Wirtschaft bietet.

Aus der Sicht der Wissenschaften

beleuchtete dann Prof. Dr. habil.

Olaf Zawacki-Richter (Leitender

Direktor des Center für Lebenslanges

Lernen der Carl von Ossietzky

Universität Oldenburg) das Thema

und verdeutlichte anhand aktueller

Forschungsergebnisse, dass Fernlernen

in vielen anderen Ländern

bildungspolitisch sowie volks- und

betriebswirtschaftlich einen viel

höheren Stellenwert einnimmt als

in Deutschland. 2

Zahlreiche Gäste hatten sich zur Feier aus Anlass des 50sten

Jahrestages der Gründung des heutigen FDL in Berlin getroffen.

Präsident Mirco Fretter begrüßte sie in festlichem Rahmen.

Grußworte von BDS-Vorstand Oliver Ellermann für die FDL-Festschrift

zum 50-jährigen Verbandsjubiläum.

Stahlreport 7/8|19

57


BDS

Berufsbildung

Die neuen Programme der Arbeitskreise im Norden

Besondere

Herausforderungen

Überbetriebliche Aus-(sowie Weiter-)bildungsbegleitung im deutschen

Norden bieten die beiden Arbeitskreise für Jungkaufleute des

Stahlhandels auch in diesem Wintersemester in Hamburg und Neumünster

an. Das neue Kursangebot startet am 13. bzw. 20.8.19 und

umfasst bis zum Jahresende jeweils etwa 15, teilweise miteinander

verbundene Termine. Das Programm wird von den beteiligten Unternehmen

getragen sowie vom BDS unterstützt und hat besondere

Herausforderungen zu berücksichtigen.

Die erwähnte Verzahnung der

überbetrieblichen Ausbildungsbegleitung

in Hamburg und Schleswig-Holstein,

die auch Mecklenburg-Vorpommern

einschließt, zeigt eine der

Schwierigkeiten auf, vor denen das

Angebot steht: ausreichend große Gruppen

zusammenzustellen, die den Programmaufwand

rechtfertigen. Eine

zweite Aufgabe ist es, in ländlichen

Gebieten den Reiseaufwand der Beteiligten

zu optimieren; weshalb es in Neumünster

mehrere Bildungstermine an

einem Tag gibt. Schließlich gilt es für

die Arbeitskreisleitung, solche Unterrichtsthemen

zu definieren, die Brancheninteressen

der Stahl-/Werkstoffdistribution

berühren und das

Ausbildungsgeschehen in den beteiligten

Unternehmen sinnvoll ergänzen.

Gemeinsam ist den Angeboten für

Hamburg und Neumünster, dass sie

dem Branchennachwuchs – etwa chronologisch

– Wertschöpfungsketten verdeutlichen,

an denen der Handel maßgeblich

beteiligt ist:

z Das beginnt in diesem Fall mit der

Stahlproduktion, weshalb für den 17.9.

für alle Beteiligten eine gemeinsame

Werksbesichtigung bei der Salzgitter

AG vorgesehen ist.

z Um die Erhaltung der eingekauften

Werkstoffwerte geht es auch beim

Thema „Korrosionsschutz und Oberflächen-Veredelung

von Stahl und NE-

Metallen“, das bereits am 20.8.

gemeinsam angesprochen wird und

mit einer Betriebsbesichtigung bei

ZinkPower in Neumünster verbunden

ist.

z Welche Werte entlang der angesprochenen

Kette beispielweise im Maschinenbau

entstehen, wird ebenfalls

bereits zum Programmbeginn (am

3.9.) bei einer weiteren Betriebsbesichtigung

in Reinbek deutlich.

Am Rand der Wertschöpfungsketten

gibt es viele weitere technische und

betriebswirtschaftliche Aspekte, die

in teils unterschiedlichen Einzelveranstaltungen

aufgegriffen werden.

Einzelheiten dazu enthalten die Programme

für Hamburg und Schleswig-

Holstein, die bei Stefan Jungblut und

Michael Vorwerk, die sich die Arbeitskreisleitung

teilen, angefordert werden

können – per E-Mail: bds-jungkaufleute@web.de.

Zum Programmangebot der

Arbeitskreise gehört immer wieder

auch ein Berufsbildungsthema. In diesem

Fall macht Dr. Ludger Wolfgart

(am 12.11.) für beide Kurse in Hamburg

deutlich, welche Karrieremöglichkeiten

und Aufstiegschancen die

Stahldistribution bietet. Dem langjährigen

Bereichsleiter Berufsbildung

beim Bundesverband Deutscher Stahlhandel

(BDS) ist es dabei wichtig, auch

die Arbeitskreisangebote als Teil dieser

Chancen zu definieren, in Berufsbildungszusammenhänge

einzuordnen

und dem Nachwuchs deutlich zu

machen, dass dies eine gar nicht so

selbstverständliche kollektive Branchenleistung

ist.

Die begleitet im Übrigen nicht

mehr nur die angehenden Kaufleute

im Groß- und Außenhandel, die in der

Stahl- und Werkstoffdistribution lernen,

inzwischen müssen auch die

Belange derer berücksichtigt werden,

die sich für den neuen Ausbildungsberuf

der Kaufleute E-Commerce entschieden

haben. 2

Quelle: BDS

Die neuen Programme

der

Arbeitskreise für

Hamburg, Schleswig-Holstein

und

Mecklenburg-Vorpommern.

Neuer Jahrgang im

BDS-Fernstudium

Nachhaltig

Mit der Eröffnung des Jahrgangs

2019 auf der Einführungsveranstaltung

Ende Juni/Anfang Juli in Soltau

ist das traditionsreiche BDS-Fernstudium

in eine neue Runde gegangen

und ist seine Digitalisierung weiter

vorangeschritten: Virtuelle Lerneinheiten

haben in diesem Berufsbildungsangebot

einen immer größeren

Anteil und sollen es ermöglichen,

auch mit kleineren Lernergruppen –

in diesem Fall sind es neun Teilnehmerinnen

und Teilnehmer – nachhaltig

erfolgreich zu sein.

Ökonomisch sowie ökologisch und

sozial – also nachhaltig – erfolgreich sein

kann dieses Angebot, sich innerhalb von

drei Jahren zur Betriebswirtin/zum Betriebswirt

Stahlhandel BDS zu qualifizieren, weil

im Zuge der Digitalisierung z.B. die Zeiten

der Abwesenheit vom Arbeitsplatz ebenso

reduziert wie der Reiseaufwand minimiert

sowie etwa die Vereinbarkeit mit Familienaufgaben

verbessert werden konnten.

Ausdruck gefunden hat dieser Ansatz

in der Studien- sowie in der Prüfungsordnung

für diesen Jahrgang 2019, der das

Angebot im Juni 2022 abschließen will.

Dazu wünschte BDS-Vorstand Oliver Ellermann

allen Beteiligten als Seminarleiter

schon bei der Eröffnungsveranstaltung viel

Erfolg:

z Inhaltlich messen muss sich der an den

Fachbereichen Technik (mit Lernzielen

zur Material- und Produktkunde sowie

zur Anarbeitung), Wirtschaft (kaufmännisches

Grundwissen und Know-how zur

Führungskompetenz) sowie Methoden

(persönliche und teambezogene Kompetenzen).

58 Stahlreport 7/8|19


Stahlkunde in aller Munde

Seminarangebote für den Handel

z Methodisch geht es um die Optimierung

der Mischung aus Präsenzveranstaltungen

und virtuellen Seminaren, die eigenständige

Bearbeitung von rund 60 Studienmodulen

sowie das Bestehen der über

fast drei Jahre gestreckten Prüfungen –

also um Blended Learning.

Dieses Konzept ist – ausgehend von den

Anfängen vor rund 25 Jahren – über mehrere

Studienreformen immer mehr weiterentwickelt

und auch in seiner jetzigen Form

von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht

(ZFU) anerkannt worden. Die

entsprechende Lehrgangsplanung und

damit auch die Mischung der unterschiedlichen

Studienelemente muss erstmals ab

dem kommenden Sommer für den Jahrgang

2017 evaluiert werden. Dessen zurzeit noch

gut zwei Dutzend Teilnehmerinnen und

Teilnehmer bildeten damals die erste

Gruppe im digitalisierten BDS-Fernstudium.

Das zeichnet sich im Bildungsmarkt –

parallel zu seiner strikten Branchenorientierung

– vor allem durch vier Faktoren

aus:

z Neben der ZFU-Zulassung, die das Fernstudium

des Bundesverbands Deutscher

Stahlhandel (BDS) hat,

z ist es nach DIN EN ISO 9001:2015 qualitätsgesichert,

außerdem ist der

z Abschluss als Betriebswirte Stahlhandel

markenrechtlich geschützt.

z Ferner sind alle Lerninhalte auf der

Niveaustufe 7 dem Deutschen Qualifikationsrahmen

zugeordnet – einem europäisch

gültigen Tableau, in das sämtliche

schulischen, akademischen und beruflichen

Bildungsabschlüsse eingeordnet

sind.

Die nächste Präsenzveranstaltung für den

Jahrgang 2019 wird Anfang 2020 die sogenannte

Prüfungswerkstatt sein, in der nach

den ersten Lehr- und Lernerfahrungen

deren Prüfungsrelevanz und -erfolg kritisch

hinterfragt wird. 2

Foto: BDS

Damit Stahlkunde in der Branche in aller Munde ist, bietet der

BDS mehrmals im Jahr entsprechend werkstoffwissenschaftliche

Seminare an – die nächste Veranstaltung vom 20.-22.8.19 im sächsischen

Gröditz.

Seminarziel ist es, den Teilnehmern grundlegende Kenntnisse über

den Werkstoff Stahl so umfassend zu vermitteln, dass sie Kunden des Handels qualifiziert

beraten sowie in Reklamationsfällen fachgerecht argumentieren sowie sachgerecht entscheiden

können. Vor diesem Hintergrund fokussiert sich der Teilnehmerkreis dieser Veranstaltung

auf verkäuferisch tätige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stahlhandels. Für

die wird das umfangreiche Themengebiet didaktisch so reduziert, dass die genannten

Funktionen auch von Nicht-Technikern erfolgreich wahrgenommen werden können. Dieser

Aufgabe stellt sich als Referent Prof,-Dr. Ing. Joachim Lueg von der Fachhochschule Dortmund;

ein Besuch bei den Gröditzer Stahlwerken gehört zum Programm des Seminars.

Das übernächste und für dieses Jahr letzte Stahlkundeseminar findet vom 3.-5.12.19 in

Gengenbach statt und ist mit einer Betriebsbesichtigung bei den Badischen Stahlwerken in

Kehl verbunden.

[ Info ]

Details zu Bildungsangeboten und Anmeldemöglichkeiten: www.stahlhandel.com/seminare.

Arbeitskreisteilnehmer und -begleiter beim Besuch des Schiffshebewerks Henrichenburg.

Frühjahrssemester beim Arbeitskreis

junger Stahlhändler in Duisburg

Langprodukte im Fokus

Ganz im Zeichen der Langprodukte

stand das vor kurzem zu Ende gegangene

Frühjahrssemester des Arbeitskreises junger

Stahlhändler in Duisburg – ein Angebot

der überbetrieblichen Ausbildungsbegleitung.

In verschiedenen Seminaren konnten

Referentinnen und Referenten aus der Praxis

den Auszubildenden der Branche sehr

anschaulich die Eigenschaften und Vorzüge

der einzelnen Profilerzeugnisse näherbringen.

Damit es nicht nur bei den theoretischen

Grundlagen blieb, standen ebenfalls

hochinteressante Werksbesichtigungen bei

Stahlverarbeitern auf dem Programm. So

wurde das Stahlbauunternehmen Claus

Dieser Flyer des BDS

informiert über alle

Stahlkundeseminare

dieses Jahres.

Queck GmbH und der Landmaschinenhersteller

Lemken GmbH & Co. KG besucht.

Auch kam die Geschichte des konstruktiven

Stahlbaus mit einer Besichtigung des historischen

Schiffshebewerks Henrichenburg

nicht zu kurz. Abgerundet wurde das Programm

mit dem Thema Forderungsmanagement

und Kreditversicherung.

Der abschließende Wissenstest über die

wichtigen und vielleicht auch weniger wichtigen

Inhalte des Semesters wurde von

allen Teilnehmern mit Bravour bestanden.

Auskünfte zum Duisburger Arbeitskreis gibt

es auch beim Bundesverband Deutscher

Stahlhandel, der diese Aktivitäten der überbetrieblichen

Ausbildungsbegleitung unterstützt:

Feger-BDS@stahlhandel.com.

Quelle: BDS

Stahlreport 7/8|19

59


BDS

Recht

Neues Geschäftsgeheimnis-Gesetz regelt Rechte und

Pflichten für Unternehmen neu

Schutz von Geschäfts -

geheimnissen – hier

besteht Handlungsbedarf

Am 26. April 2019 ist das Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen

(GeschGehG) in Kraft getreten. Mit diesem Gesetz hat der

Gesetzgeber die Vorgaben der „Richtlinie (EU) 2016/943 über den

Schutz vertraulichen Know-hows und vertraulicher Geschäftsinformationen

(Geschäftsgeheimnisse) vor rechtswidrigem Erwerb

sowie rechtswidriger Nutzung und Offenlegung“ in deutsches

Recht umgesetzt. Was müssen Unternehmen zukünftig beachten,

um ihre Geschäftsgeheimnisse – oft ein beträchtlicher Unternehmenswert

– effektiv zu schützen? Ein Fachbeitrag von Dr. Almut

Riemann und Nina Schmitz-Berg, beide Rechtsanwältinnen bei

Henseler & Partner Rechtsanwälte mbB.

Fotos: Henseler&Partner

Dr. Almut Riemann,

Rechtsanwältin bei

Henseler&Partner

Rechtsanwälte mbB

Nina Schmitz-Berg,

Rechtsanwältin bei

Henseler&Partner

Rechtsanwälte mbB

Zum Hintergrund: In deutschen

Gesetzen war der Schutz von

Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen

bisher kaum geregelt. Es fehlte schon

an einer gesetzlichen Definition. Daher

wurde der Begriff von der Rechtsprechung

bestimmt. Ausreichend war

danach ein erkennbarer subjektiver

Geheimhaltungswille, der sich – in

welcher Art auch immer – in objektiven

Umständen manifestiert.

Unternehmen tragen Beweislast

Dies hat sich nun grundlegend geändert.

Wer sich nach der neuen Rechtslage

auf ein Geschäftsgeheimnis berufen

will, muss darlegen können, dass

er sein Know-how durch nach außen

hin erkennbare (objektive) angemessene

Geheimhaltungsmaßnahmen

geschützt hat. Ein Geschäftsgeheimnis

liegt danach definitionsgemäß nur

noch dann vor, wenn ein Unternehmen

den Umständen nach angemessene

Geheimhaltungsmaßnahmen

getroffen hat und dies nach außen

dokumentiert wird. Im Streitfall trägt

das Unternehmen hierfür auch die

Darlegungs- und Beweislast.

Rechte des „Geheimnisinhabers“

wurden erweitert

Andererseits werden mit dem neuen

Gesetz die Rechte des Geheimnisinhabers

und die Möglichkeiten einer

Durchsetzung dieser Rechte deutlich

erweitert. Während der Geheimnis-

inhaber bislang nur nach allgemeinem

Deliktsrecht und/oder bei Abschluss

spezieller Geheimhaltungsvereinbarungen

geschützt war, werden ihm

durch das neue Gesetz zahlreiche

Ansprüche zum Schutz seines

Geschäftsgeheimnisses eingeräumt:

Neben Ansprüchen auf Beseitigung

und Unterlassung der Beeinträchtigung

hat der Geschäftsgeheimnisinhaber

gegen den Rechtsverletzer

Ansprüche auf Vernichtung, Herausgabe,

Rückruf, Entfernung sowie

Marktrücknahme der rechtsverletzenden

Produkte, Dokumente, Gegenstände

oder Dateien, die das Geschäftsgeheimnis

enthalten oder verkörpern.

Wird das Geschäftsgeheimnis durch

Mitarbeiter eines Unternehmens verletzt,

können diese Pflichten auch das

Unternehmen selbst treffen. Zudem

hat der Geheimnisinhaber ein Auskunftsrecht

gegenüber dem Rechtsverletzer

über u.a. die Herkunft und

die Empfänger von rechtswidrig

erlangten oder offenbarten Geschäftsgeheimnissen.

Schließlich ist, wer ein

Geschäftsgeheimnis verletzt, nach

dem GeschGehG schadensersatzpflichtig.

Wo besteht Handlungsbedarf?

Diese Zusammenfassung der Abwehransprüche

des Geheimnisinhabers

nach dem GeschGehG zeigt: Die effektive

Durchsetzung von Rechten aus

Verletzungen von Geschäftsgeheimnissen

wird merklich verbessert. Aber:

Ob ein Unternehmen diese Rechte für

sich beanspruchen kann, hängt im

Vergleich zur alten Rechtslage in viel

stärkerem Maße davon ab, ob das

Unternehmen „objektiv angemessene

Schutzmaßnahmen“ ergriffen und dies

auch dokumentiert hat.

Was ist zum Schutz angemessen?

Wie aber ist zu bestimmen, was zum

Schutz eines Geschäftsgeheimnisses

angemessen ist? Dies hängt – wie so

häufig – von den Umständen des Einzelfalles

ab. Denn für die konkrete Art

der Geheimhaltungsmaßnahme sind

die Art des Geschäftsgeheimnisses

im Einzelnen und die konkreten

Umstände der Nutzung dieses

Geheimnisses entscheidend. Je nachdem,

um was für ein Geheimnis es

sich handelt und in welcher Art und

welchem Umfang es von dem jeweiligen

Inhaber genutzt wird, müssen

daher unterschiedliche organisatorische,

technische und/oder rechtliche

Maßnahmen zum Schutz dieses

Geheimnisses ergriffen werden (Beispiele

siehe unten).

Der den Unternehmen zur Verfügung

stehende Handlungsspielraum

ist einerseits vorteilhaft: Nicht für alle

Informationen sind strenge Geheimhaltungsmaßnahmen

erforderlich.

Andererseits birgt er die Gefahr, dass

Geheimhaltungsmaßnahmen zu niedrig

angesetzt werden und eine Infor-

60 Stahlreport 7/8|19


mation dann nicht als Geheimnis

geschützt ist. Daher sollten Unternehmen

zunächst möglichst abschließend

ermitteln und erfassen, welche Informationen

geheim gehalten werden

sollen. Bei dem schützenswerten

Know-how kann es sich z.B. um Herstellungsverfahren,

Kunden- und Lieferantenlisten,

Kosteninformationen,

Geschäftsstrategien, Unternehmensdaten,

Marktanalysen, Prototypen,

Formeln, Algorithmen etc. handeln.

Dabei ist insbesondere auch zu berücksichtigen,

welchen Mitarbeitern und

Geschäftspartnern welche Geschäftsgeheimnisse

bekannt sind bzw.

bekannt gemacht werden sollen.

Wurden die im Unternehmen zu

schützenden Informationen ermittelt,

gilt es sodann, Handlungsbedarf zu

erkennen und angemessene Maßnahmen

im Sinne des Geschäftsgeheimnisgesetzes

zu ergreifen. Hierbei empfiehlt

sich, bestimmte Kategorien von

Informationen festzulegen, an denen

sich die Angemessenheit der Maßnahmen

orientiert.

Die Maßnahmen zum Schutz

im Einzelnen

1. Organisatorische Maßnahmen

Es sollten klare Verantwortlichkeiten

für den Schutz von Informationen entwickelt

werden. Schützenswerte Informationen

sollten als vertraulich

gekennzeichnet bzw. erklärt werden

und die Mitarbeiter des Unternehmens

im Umgang mit Geschäftsgeheimnissen

geschult und sensibilisiert werden.

2. Technische Maßnahmen

Hat ein Unternehmen eine Information

als schützenswert erkannt, sind

technische Maßnahmen zu ergreifen,

um diese vor unberechtigtem Zugriff

zu schützen. Hierbei steht v.a. die IT-

Sicherheit im Vordergrund. Außerdem

kommen physische Zugangsbeschränkungen

in Betracht.

3. Rechtliche Maßnahmen

Schließlich leisten auch rechtliche

Maßnahmen einen entscheidenden

Beitrag zum Geheimnisschutz. V.a.

sollte der Inhaber des Geschäftsgeheimnisses

nachweisen können, dass

er die rechtmäßige Kontrolle über die

Information hält. Für einen effektiven

Geheimnisschutz empfiehlt sich insbesondere,

konkrete Geheimhaltungsvereinbarungen

abzuschließen –

sowohl mit Geschäftspartnern als auch

mit eigenen Mitarbeitern. Hierbei gilt:

Je enger der Kontakt des Geschäftspartners

oder Mitarbeiters mit der

schützenswerten Information ist, desto

präziser sollte die Geheimhaltungsvereinbarung

formuliert werden.

Außerdem sind ggfs. vertragliche

Regelungen zum Ausschluss des sog.

Reverse Engineering zu treffen. Denn

während die Erlangung eines Geheimnisses

durch Rückentwicklung eines

Produktes bislang überwiegend als

unzulässig angesehen wurde, ist sie

nach neuer Rechtslage im Regelfall

zulässig. In gewissen Grenzen kann

sie jedoch auch weiterhin ausgeschlossen

werden. Insoweit empfehlen sich

vertragliche Regelungen – z.B. in

Kooperationsverträgen mit Kunden,

Lizenznehmern oder Partnern.

Fazit

Die neue Rechtslage fordert Unternehmen

dringend zur Entwicklung

eines Schutzkonzeptes auf, das klare

Verantwortlichkeiten regelt und die

zu ergreifenden Geheimhaltungsmaßnahmen

festlegt. Die Bestimmung des

schützenswerten Know-hows und die

zu seinem Schutz ergriffenen Maßnahmen

sollten nachhaltig dokumentiert

werden. Schließlich empfiehlt

sich, das Schutzkonzept in regelmäßigen

Abständen zu überprüfen und

ggfs. anzupassen.

Der damit verbundene Aufwand

dürfte sich auszahlen. Wer darlegen

und beweisen kann, als Inhaber eines

Geschäftsgeheimnisses in seinen

Rechten verletzt zu sein, profitiert von

der nunmehr erleichterten Einschaltung

der Gerichte und Durchsetzung

des Geheimnisschutzes.

Info

Zu den Auswirkungen der neuen

Rechtslage auf die arbeitsrechtlichen

Beziehungen zwischen Unternehmen

und ihren Beschäftigten

erscheint ein Beitrag in einer der

kommenden Ausgaben des STAHL-

REPORT. Dieser Beitrag beleuchtet

auch erste praktische Ansätze zur

Umsetzung der neuen Vorgaben für

den Geheimnisschutz. 2

Impressum

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

Stahlhandel | Stahlproduktion |

Stahlverarbeitung

Offizielles Organ des BDS-Fernstudiums

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Wiesenstraße 21

40549 Düsseldorf

Redaktion:

Dr. Ludger Wolfgart (Chefredakteur)

Telefon (02 11) 8 64 97-11

E-Mail: Wolfgart-BDS@stahlhandel.com

Markus Huneke

Telefon (02 11) 8 64 97-24

E-Mail: Huneke-BDS@stahlhandel.com

Anzeigen:

Ksenija Sandek

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BDS AG

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Telefax (02 11) 8 64 97-22

Layout:

auhage|schwarz, Leichlingen

Druck:

Hellendoorn, Bad Bentheim

Titelbild:

voestalpine

Erscheinungsweise:

monatlich (10 Hefte/Jahr)

Bezugspreis:

Jährlich 65 € im Inland und 70 € im Ausland

zuzüglich Versandspesen und Mehrwertsteuer.

Abbestellungen sind lediglich unter Einhaltung

einer dreimonatigen Kündigungsfrist zum Jahres -

ende möglich. Für die Mitglieder des BDS und die

Teilnehmer im BDS-Fernstudium ist der Bezug

eines Exemplars der Fachzeitschrift „Stahlreport

im Mitgliedsbeitrag bzw. in der Studien gebühr

enthalten. Ein Nachdruck ist nur mit ausdrücklicher

Genehmigung der Redaktion gestattet.

Anzeigenpreis:

Zur Zeit gilt die Preisliste Nr. 36.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte oder

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Verlag keine Gewähr. Namentlich oder mit Initialen

gekennzeichnete Beiträge vertreten eine vom

Herausgeber unabhängige Meinung der Autoren.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird mitunter

auf die gleichzeitige Verwendung männlicher

und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche

Personenbezeichnungen gelten gleichwohl

für beiderlei Geschlechter.

Außerdem bittet die Redaktion um Verständnis,

dass insbesondere Firmennamen je Artikel in der

Regel nur einmal in ihrer werbeorientierten Form

verwendet und entsprechende Begriffe häufig

eingedeutscht werden.

International Standard Serial Number:

ISSN 0942-9336

Diese Zeitschrift wurde aus umwelt schonendem

Papier hergestellt.

Beilagenhinweis:

Dieser Ausgabe liegt eine Beilage vom Bundesverband

Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik

e.V. (BME) und der BDS AG, Bundesverband

Deutscher Stahlhandel bei.

Stahlreport 7/8|19

61


Verbände

XXXXXXXXXX

und Politik

Bericht/Nachrichten

Traditionell als klassischer

Fachkongress

organisiert:

die diesjährige

Email-Tagung in

Würzburg.

Foto: DEV

Emailtagung in Würzburg

Tradition und Moderne

Als klassischer Fachkongress fand in diesem Frühjahr in Würzburg die Emailtagung des Deutschen

Email Verbandes (DEV) statt – mit Vorträgen und Besichtigungen. Dabei wurde auch deutlich, dass

und welche neuen Themen es für die Branche gibt – etwa im Bereich der Additiven Fertigung, wo sich

die Moderne mit der Tradition der Emaillierung verbindet.

Additive Fertigungsverfahren

revolutionieren viele Anwendungsfelder

in Industrie und bei Consumer-Erzeugnissen.

Die neuen Gestaltungsmöglichkeiten,

die

Individualisierbarkeit von Produkten

und technischen Lösungen sowie

die schnelle Verfügbarkeit auch

komplexer Bauteile ermöglichen

eine Vielzahl neuer Anwendungen.

Inzwischen sind neben Kunststoffen

auch Metalle mit entsprechenden

additiven Verfahren verarbeitbar.

Diese Verfügbarkeit metallischer

Werkstoffe eröffnet auch Möglichkeiten,

daraus additiv gefertigte Bauteile

mit dem traditionellen Verfahren

des Emaillierens zu veredeln,

funktionell zu erweitern oder sogar

ganz neue Anwendungsfelder zu

erschließen.

Erste Ergebnisse der Forschungsund

Entwicklungsarbeiten im Hause

THALETEC GmbH dazu waren bereits

auf der Emailtagung 2014 vorgestellt

worden. Aufbauend auf der Darstellung

der damaligen Entwicklungsergebnisse

und Erkenntnisse konnten

in den vergangenen fünf Jahren einige

neue Anwendungsfelder für additiv

gefertigte, emaillierte Bauteile

erschlossen werden. Solche Ergebnisse

wurden in dem Beitrag von Dr.-

Ing Jürgen Reinemuth unter dem Titel

„Emaillieren additiv gefertigeter Bauteile

– Neueste Entwicklungen“ vorgestellt

und Möglichkeiten sowie

Grenzen angesprochen. Ein Ausblick

in zukünftige Entwicklungsfelder rundete

den Beitrag ab.

Weitere Referenten und ihre Vortragsthemen

waren:

z „Der kleine Unhold: Wasserstoff

in metallischen Bauteilen“, M. Sc.

Jens Jürgensen, Ruhr-Universität

Bochum, Lehrgebiet Werkstoffprüfung

z „Neue Versuchsmethodik der Wasserstoffpermeabilität

für emaillierbaren

Stahl“, Marc Leveaux, ArcelorMittal

Global R&D Industry Gent

z „Emaillierfähigkeit und Haftung

von Emails auf heterogenen Stahlsorten

mit variierenden Begleitelementanteilen,

IGF-Vorhaben 20060

N“, Dr. Hansjörg Bornhöft, Institut

für Nichtmetallische Werkstoffe,

TU Clausthal

z „Entwicklung von Gläsern für den

Kontakt mit Metallen“, M.Sc. Stefanie

Hauber, Fraunhofer ISC

Würzburg

z „Die Wirkung von fraktioniertem

Titanweißemail in der Boileremaillierung“,

Dipl.-Ing. (FH) Eckhard

Voß für die Wendel GmbH

z „ECOMAIL – Emaillieren ohne

Kobalt und Nickel“, Thomas Vanleenhove,

Prince Belgium BVBA

z „Rheologie – Messung und Prozesskontrolle“,

Stefan Link u. Marcel

Engels, FGK-Keramik Höhr-

Grenzhausen

z „Tone und ihre Eigenschaften. Möglichkeiten

und Grenzen für den

Einsatz in Emails“, Prof. Dr. Ralf

Diedel, Dipl.-Ing. Sarah Klecha, Stefan

Schmidt Gruppe/Müllenbach

& Thewald

Zu der im DEV-Auftrag vom Informations-

und Bildungszentrum

Email ausgerichteten Veranstaltung

kamen gut 100 Teilnehmer aus

Deutschland und den angrenzenden

EU-Ländern. 2

62 Stahlreport 7/8|19


Brückenbau

Reparatur wirbt für Stahl

Das Bauforum Stahl nimmt auch

aktuelle Verkehrsmeldungen auf, um für

die Branche und ihre Leistungen zu werben.

Jüngstes Beispiel dafür ist die Stahlbrücke

am Marientor in Duisburg, über die

normalerweise täglich über 10.000 Fahrzeuge

rollen. Nun aber ist die stählerne

Hochbrücke bis zum Jahresende für Reparaturen

gesperrt.

Das Besondere für bauforumstahl: „Wenn

eine Stahlbrücke, die ursprünglich nur als

Provisorium gedacht war, über 40 Jahre

Dauerbelastung Stand hält und mit Hilfe

kleiner Sanierungsarbeiten noch weitere

15 Jahre in Betrieb bleiben kann, müssen

sich Deutsche Baubehörden mit Recht fragen

lassen, warum nicht mehr innerdeutsche

Infrastrukturprojekte aus Stahl gebaut

werden“, so Dr. Rolf Heddrich, Sprecher

und Geschäftsführer der Verbandsorganisation.

Wie die Medien berichten, zollt Christian

Guntermann, Brückenprojektleiter bei den

zuständigen Wirtschaftsbetrieben, den Brückenbaubauern

von damals Respekt. Nach

bisherigen Untersuchungen sind die einzelnen

Stahlträger der Hochbrücke nicht

durchgerostet, sondern lediglich die

Schrauben sind die Schwachstelle.

„Es handelt sich hier um ein exzellentes

Beispiel für die Dauerhaftigkeit und Langlebigkeit

von Stahlbrücken, das in besonderer

Weise für die Kernkompetenz deutscher

Ingenieurbaukunst steht“, so Heddrich.

Gemeinsam mit dem Deutschen Stahlbau-

Verband DStV vertritt BFS die Anliegen seiner

Mitglieder gegenüber Politik, Fachwelt,

Medien und Öffentlichkeit, bietet Wissenstransfer

und engagiert sich in Forschung

sowie Normung. Übergeordnetes Ziel ist

es, die Stahlbauweise unter Berücksichtigung

ganzheitlicher Aspekte zu fördern. Zu

den rund 350 Mitgliedern zählen namhafte

deutschen Stahlbauunternehmen, Vorlieferanten

und Folgegewerke, Architektur- und

Ingenieurbüros sowie Hochschulen und

Universitäten. www.bauforumstahl.de

Verständnis und Klarheit

Wirtschaftsverbände

und der Brexit

Seit dem ersten gescheiterten Brexit-Termin

Ende März haben sich zahlreiche

Wirtschaftsverbände mahnend zu dem

bevorstehenden Austritt Großbritanniens

aus der Europäischen Union zu Wort gemeldet,

der jetzt für diesen Herbst ansteht. Zu

den wichtigsten Stimmen gehörten die aus

Handel und Industrie, beispielhaft die von

BGA und VDMA. Sie sind von Verständnis

für Aufschub sowie dem Wunsch nach Klarheit

geprägt.

Arbeitszeiterfassung

Verbände fordern neue Regelungen

Auffallend einheitliche Einschätzungen

haben deutsche Verbände zu der Entscheidung

des Europäischen Gerichtshofs

(EuGH) vom Mai 2019 formuliert, dass

Arbeitgeber in der Europäischen Union die

Arbeitszeiten ihrer Arbeitnehmer systematisch

erfassen müssen. Vor allem geht es um

eine Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit

durch eine entsprechende Wochenarbeitszeit.

In diesem Zusammenhängen bemühte Bitkom-Präsident

Achim Berg das Beispiel eines

Vaters, der nachmittags seine Kinder aus der

Kita abholt, um am späten Abend noch einmal

E-Mails zu beantworten und am nächsten

Morgen wieder pünktlich im Büro zu

sein: „Wer so arbeitet, entspricht vielleicht

einem modernen Familienmodell, aber verstößt

gegen das Arbeitszeitgesetz, wonach

zwischen zwei Arbeitstagen eine Ruhezeit

So erklärte Dr. Holger Bingmann, Präsident

im Bundesverband Großhandel, Außenhandel,

Dienstleistungen (BGA), nach dem

europäischen Entgegenkommen auf dem

Sondergipfel im April: „Die EU hat sich für

das kleinere Übel entschieden. Mit Chaos

wäre niemandem gedient. Der wirtschaftliche

Preis dafür ist, dass die Unternehmen

dies- und jenseits des Kanals in den kommenden

Monaten weiter in der Luft hängen,

was die Ausgestaltung der künftigen Wirtschafts-

und Handelsbeziehungen betrifft.

Diese lähmende Ungewissheit trübt die

Stimmung und hinterlässt konjunkturelle

Spuren beiderseits des Kanals.“

Verständnis formulierte, aber auch Klarheit

forderte aus dem selben Anlass auch der

Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

(VDMA). Sein Hauptgeschäftsführer

Thilo Brodtmann sagte: „Die erneute

Verlängerung ist eine verantwortungsbewusste

Entscheidung der EU, auch wenn

emotional alle das Ende des Brexit-Dramas

herbeisehen. Die Industrie bräuchte allerdings

dringend Klarheit, wie es mit Großbritannien

weitergeht. Für die Unternehmen

ist es eine immer größere Herausforderung,

sich auf den Brexit vorzubereiten,

wenn der mögliche Austrittstermin immer

wieder verschoben wird. So schmerzhaft

der Austritt der Briten ist, hat der Schutz

der EU aus Sicht des Maschinenbaus

oberste Priorität.“

von elf Stunden liegen muss. Die systematische

Erfassung von Arbeitszeiten wird

unzählige Arbeitnehmer und Arbeitgeber ins

Unrecht setzen. Das EuGH-Urteil macht

deutlich, dass unser Arbeitsrecht zwingend

modernisiert und in das digitale Zeitalter

überführt werden muss.“

Dass die tägliche auf eine wöchentliche

Höchstarbeitszeit umgestellt werden sollte,

erwartet neben Achim Berg vom Bundesverband

Informationswirtschaft, Telekommunikation

und neue Medien e.V. (Bitkom) auch

Dr. Holger Bingmann, Präsident im Bundesverband

Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen:

„Die Bundesregierung ist gefordert,

endlich ein zukunftsfähiges

Gesamtkonzept zur Arbeitszeit vorzulegen,

denn mit dem Urteil des Europäischen

Gerichtshofs drohen ganz erhebliche neue

Belastungen für Arbeitgeber in Deutschland.“

Stahlreport 7/8|19

63


Lifesteel

Bericht

Wie Sandvik die erste unzerstörbare Gitarre der Welt aus dem 3D-Drucker herstellte

„Sie ist ein Biest!“

Seit vielen Jahrzehnten lieben es Rockstars, ihre Gitarren auf der Bühne zu zerstören. Und kaum jemand zeigt dabei

mehr Einsatz als der schwedische Gitarrenvirtuose Yngwie Malmsteen. Daher entschied sich Sandvik, seine innovativen

Verfahren in einem ungewöhnlichen Versuch zu testen: Das Unternehmen stellte die weltweit erste unzerstörbare Gitarre

vollständig aus Metall her und ließ Malmsteen darauf seine beeindruckenden Fähigkeiten demonstrieren.

Der schwedische Spezialstahl-

Spezialist Sandvik holte Experten

aus dem ganzen Unternehmen an

einen Tisch, um zu zeigen, dass man

mit nachhaltigen, innovativen Verfahren

etwas schaffen kann, das

gleichzeitig hochpräzise und

unglaublich stabil ist. Die Ingenieure

von Sandvik arbeiteten dabei mit

dem renommierten Gitarrentechniker

Andy Holt vom britischen Gitarrenhersteller

Drewman Guitars

zusammen, um Malmsteens

anspruchsvollem musikalischen

Standard und seiner schnellen Spielweise

gerecht zu werden.

Die erste unzerstörbare

Gitarre der Welt

„Die technische Herausforderung

war die Verbindung zwischen Hals

und Korpus, die meist als erstes

bricht“, erklärt Henrik Loikkanen,

Zerspanungsprozessentwickler bei

Sandvik Coromant. Die Lösung war

denkbar einfach: Die Ingenieure von

Sandvik verzichteten auf diese Verbindung.

Stattdessen wurden Hals

und Griffbrett auf einer einzigen

Maschine aus recyceltem Edelstahl

gefräst – eine Gitarrenbauweise, die

noch nie zuvor ausprobiert wurde.

Sowohl der Hals als auch das Griffbrett

laufen in einem rechteckigen

Mittelstück aus, das weit in den Korpus

der Gitarre hineinreicht.

Korpus Schicht für Schicht im

3D-Drucker hergestellt

Eine weitere Herausforderung war

die Herstellung des Gitarrenkorpus,

eines extrem komplexen Bauteils,

das äußerst stabil und gleichzeitig

leicht sein musste. Die Ingenieure

entschieden sich, den Korpus im 3D-

Druck herzustellen. Dazu wurde

feinstes Titanpulver von einem Laser

zu übereinander liegenden Schichten

verschmolzen. „Mithilfe der additiven

Fertigung können wir leichtere,

festere und flexiblere Bauteile mit

inneren Strukturen herstellen, die

unmöglich auf herkömmliche Weise

gefräst werden könnten“, erläutert

Amelie Norrby, Ingenieurin für additive

Fertigung, die am Gitarrenprojekt

beteiligt war.

Tomas Forsman, Forschungsund

Entwicklungsspezialist bei

Sandvik, erkannte, dass für die

Gitarre eine spezielle Struktur notwendig

ist, die fest, steif und leicht

zugleich ist. Sein Vorschlag: eine

isotrope Leichtbaustruktur (Isotropic

Lightweight Structure, ILS) – die stabilste

Struktur im Verhältnis zum

Gewicht, die jemals entwickelt

wurde. „Sie sieht eigentlich wie jede

64 Stahlreport 7/8|19

Foto: SANDVIK


Yngwie Malmsteen im Gespräch mit Mitgliedern des Sandvik-Teams

über Konstruktionsdetails einiger Gitarrenteile.

andere Rahmenstruktur aus“, so

Forsman, „aber sie ist steifer und

leichter als alles, was vorher entwickelt

wurde.“ Forsman wusste auch

genau, aus welchem Werkstoff die

ILS hergestellt werden sollte: Hyper-

Duplexstahl, eine Sorte, die nur

Sandvik produziert.

Als die Gitarre fertig war, übergab

Sandvik sie an Malmsteen.Dieser

spielte damit in einem Club in Florida

zunächst einige Songs und

begann dann, die Gitarre gegen Verstärker,

Bühnenaufbauten und auf

den Fußboden zu schlagen, um sie

zu zerstören. „Diese Gitarre ist ein

Biest!“, sagte Malmsteen, als er seine

Bemühungen aufgegeben hatte, sie

zu zertrümmern. „Die Jungs von

Sandvik sind offensichtlich ganz

weit vorne bei dem, was sie tun. Sie

haben hart gearbeitet und ihre Hausaufgaben

gemacht. Das Ergebnis ist

einfach großartig.“ 2

Das Video unter

bit.ly/malmsteenvideo

Die ganze Story,

mit 3D-Animation

der Gitarre unter

bit.ly/dieganzestory

Stahlreport 7/8|19

65


Lifesteel

Bericht

Foto: Humboldt Forum

Foto: BDS

Innen schon aufgebaut: die Stahltür.

Außen noch im Bau: das Humboldt Forum.

Was eine historische Stahltür für das Humboldt Forum und Berlin bedeutet

Trennen und verbinden

Eine der berühmtesten Baumeilen der Republik ist aktuell der Berliner Prachtboulevard Unter den

Linden, und derzeit steht dort eine historische Stahltür im Mittelpunkt des Interesses. Im

Humboldt Forum des neuen Schlosses ist sie als eines der ersten Exponate der künftigen Berlin-

Ausstellung eingebaut, steht für Trennendes und Verbindendes – also auch für das Thema, das

vielen Bauprojekten auf der Straße zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz gemeinsam ist.

Das hängt mit der einzigartigen Geschichte der

2,30 m hohen Stahltür zusammen, die vor rund 100

Jahren im Kaufhaus Wertheim am Berliner Alexanderplatz

den dortigen Tresor sicher verschloss. Dann aber

enteigneten die Nationalsozialisten die jüdischen Kaufhausbesitzer

und sorgten mit dem Rest ihrer Politik für

die Zerstörung des Gebäudes. Die Stahltür aber überstand

das Inferno.

Der „Tresor“, den sie dann später verschloss, entwickelte

sich um die Wendezeit zu einer der weltweit

angesagtesten Diskotheken. Im Untergrund des Leipziger

Platzes sorgte sie für die abgeschirmte Welt eines

Techno-Clubs. 2005 schloss dieser Tresor seine Tür für

immer; der Bereich wurde neu bebaut. Dimitri Hegemann,

Gründer des Techno-Clubs, aber sicherte vorher

noch die Stahltür für die Nachwelt.

Die kann das Objekt künftig im Humboldt Forum

besichtigen, in dem die Kulturprojekte GmbH unterschiedliche

Ausstellungen präsentieren wird. Geschäftsführer

Moritz van Dülmen ist stolz und glücklich darüber,

dass mit dem Stahlteil – noch vor der Eröffnung des

Forums – nun das erste Exponat der Berlin-Ausstellung

einziehen konnte: „Die Tresortür ist ein außergewöhnlich

erzählstarkes Stück Zeitgeschichte, die von den Goldenen

Zwanzigern ebenso berichtet wie von Verfolgung und

Krieg in den dunkelsten Jahren unserer Stadt, aber

auch von der Teilung und nach ihrer Überwindung von

der subkulturellen Nutzung plötzlich zugänglicher

Orte.“

Altes und neues Schloss

Nicht plötzlich, sondern geplant zugänglich wird demnächst

auch das ganze Humboldt-Forum im neuen Berliner

Schloss sein, das ebenfalls für Trennendes und

Verbindendes steht. Entstanden ist es auf dem Gelände

des alten Schlosses, nachdem der dort von der DDR

errichtete Palast der Republik nach der Wende relativ

restlos entsorgt worden ist. Dem Neubau hat man im

Übrigen mit Hilfe von sehr viel Stahl die historische Fassade

vorgehängt und eine moderne Kuppel verpasst.

Stahl spielt im Übrigen derzeit auch auf dem Rest

des künftigen Prachtboulevards eine Rolle, unter dem

die neue U-Bahnlinie 5 gebaut wird, die ab dem nächsten

Jahrzehnt das Brandenburger Tor mit dem Alexanderplatz

verbindet. Noch aber treiben riesige Stahlbohrer

den Tunnel voran, der an der Museumsinsel die Spree

unterqueren muss und Gestaltungsmöglichkeiten für

drei neue U-Bahnstationen bieten wird – für die sich

ja vielleicht auch noch einige historische Stahlteile finden

lassen. 2

66 Stahlreport 7/8|19


Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Dipl.-Ing. Jochen Adams

Dr. rer. nat. Peter Drodten

Dipl.-Ing. Jochen Adams

Dr. rer. nat. Peter Drodten

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27. Auflage

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Dipl.-Ing. Jochen Adams

Dr. rer. nat. Peter Drodten

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Prof. Dr. Joachim Lueg

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Drodten, Dipl.-Ing. Wolfgang Drodten

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BDS AG – Bundesverband Deutscher Stahlhandel – www.stahlhandel.com


BDS-Berufsbildung

Seminare und sonstige (BDS-)Veranstaltungen

2019

Seminarthema Termin Tagungsort

Stahlkunde (Seminar) 20.-22.08. Gröditz

Stahleinkauf (Seminar/Kooperation) 10.-11.09. Duisburg

Prüfbescheinigungen (Seminar) 18.09. Neuss

Grobbleche (Seminar) 10.-11.10. Wernigerode

Nichtrostende Stähle und ihre Produktformen (Seminar) 28.-30.10.

Lüdenscheid

Stahlkunde (Seminar) 03.-05.12. Gengenbach

Stahleinkauf (Seminar/Kooperation) 10.-11.12. Duisburg

Diese Übersicht gibt den Stand der Planungen für Lernteam- und Seminarveranstaltungen

und zum Fernstudium sowie zu entsprechenden Kooperationen wieder.

Änderungen jeder Art sind vorbehalten, vor allem Ergänzungen. Über weitere Details sowie zu

den Anmeldemöglichkeiten informieren Sie sich bitte im Internet (www.stahlhandel.com) oder

wenden sich telefonisch bzw. elektronisch an den

BUNDESVERBAND DEUTSCHER STAHLHANDEL (BDS)

Wiesenstraße 21 · 40549 Düsseldorf

Telefon: 0211/86497-19 · Telefax: 0211/86497-22

E-MAIL: WYNANDS-BDS@STAHLHANDEL.COM

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