Hänicher Bote | November-Ausgabe 2014

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Hänicher Bote | November-Ausgabe 2014

Unter vier Augen

16 20. November 2014 Hänicher Bote

„Unter vier Augen“ heute mit Thies Schröder, Ferropolis-Geschäftsführer

Von Lindenbergs Höhenangst und reichlich Plänen

(Gräfenhainichen/HäBo/wg). So

viel vorweg: Thies Schröder ist

ein angenehmer Gesprächspartner.

Der Geschäftsführer der Ferropolis

GmbH kennt Gegenwind, weiß mit

Lob umzugehen. Nun schon seit

zehn Jahren steuert er das einstige

Expo-Projekt durch so manche Klippe.

Vor fast genau 49 Jahren ziemlich

hoch im Norden der Republik geboren,

ganz in der Nähe der schleswigholsteinischen

Stadt Itzehoe, zog es

ihn schon bald in die Natur. „Es waren

damals Themen des klassischen

Naturschutzes, die mich zusammen

mit Freunden bewegten, hier etwas

aufzubauen“, sagt er. Der spontane

Berufswunsch, nach dem Abitur

genau in diese Richtung zu gehen,

war die logische Folge. Aber wo?

Schröder grinst: „Hannover war mir

zu nahe, Berlin lockte mehr.“ Und

der Reiz, von der ländlich geprägten

Heimat den „spannenden Kontrast“

zur Weltstadt zu erleben. Hier studierte

er an der Technischen Universität

Landschaftsplanung, schloss

mit dem Diplom ab. Das inzwischen

vereinigte Berlin bot Berufsmöglichkeiten

in vielen Richtungen.

In die Selbstständigkeit gegangen,

treibt es ihn seither in die verschiedensten

Tätigkeitsbereiche. Als fachjournalistischer

Redakteur, Autor,

Moderator, Betreuer und Entwickler

von Kommunikationsprojekten führt

er seit 1999 die ts-Redaktion. Stadtentwicklung,

Landschaftsarchitektur,

Ausstellungen und Veranstaltungen

sind gleichfalls sein Arbeitsfeld.

Vor fünf Jahren wurde er als Gastwissenschaftler

an der Universität

Hannover eingetragen. In Ferropolis

hat er seit zehn Jahren ganz praktisch

„ein Projekt der Standortentwicklung

per Kulturevent“ zu bearbeiten und

tut dies im Rahmen eines Teilzeitvertrages.

In Richtung Gräfenhainichen

bahnte sich ein erster Kontakt

über den damaligen Bürgermeister

Lothar Hensel bei einer Landesgartenschau

an. „Man habe einiges vor,

mit der Stadt aus Eisen“, hatte Hensel

Interesse geweckt.

Als Harry Rußbült in Gräfenhaini-

Letzter

Hänicher Bote

im Jahr 2014

chen übernahm, fragte der: „Was

machen wir weiter mit Ferropolis?“

Guido Till, damals zweiter Beigeordneter

im Landkreis, hatte wie

Petra Helbig (stellvertretende Bürgermeisterin

von Gräfenhainichen)

zeitweilig die Führung übernommen.

Zwischenlösungen, die niemand bereut

hat, aber der „richtige Experte“

kam erst mit Schröder. Der sieht sich

bescheiden als „nicht so bedeutend“

an. Klotzte allerdings richtig ran,

hatte die nötigen Netzwerke, kümmerte

sich um Förderanträge, hob

die Bedeutung und das weitgehende

Alleinstellungsmerkmal von Ferropolis

hervor.

War es anfangs die kritisierte Lautstärke,

die Anfahrts- und Parkproblematik,

hat sich inzwischen vieles

eingepegelt. „Es ist stetig besser geworden“,

meint Schröder und erntet

mit dieser Erkenntnis weitgehend

Zustimmung. Bei der Zusammenar-

Hier fühlt er sich wohl: Ferropolis-Geschäftsführer Thies Schröder

Foto: (HäBo) Grahl)

Weihnachts-

Ausgabe

am 18.12.

beit mit der Stadt habe man „immer

einen Weg gefunden“.

Den hat Schröder jetzt auch ganz

privat. „Wir hatten vergessen zu

heiraten“, schmunzelt der mit seiner

Familie in Berlin-Mitte wohnende

Diplom-Ingenieur. „Das haben wir

nun, nachdem wir 25 Jahre zusammenleben

und einen zehnjährigen

Sohn haben, nachgeholt.“ Die große

Fete übrigens gab es in der Ferropolis-Orangerie.

Rußbülts Band sorgte

dafür, dass auch musikalisch alles

rund lief.

Rund läuft es nach den Vorstellungen

des Geschäftsführers noch

nicht so ganz bei der Zahl der

Tagesbesucher auf der Halbinsel:

„40.000 pro Jahr sind unser Ziel,

das werden wir auch 2014 nicht

ganz erreichen.“ Dagegen sei die

Zahl der Veranstaltungsbesucher

mit insgesamt rund 120.000 „schon

in Ordnung“. Die historische Bedeutung

der Festival stätte will

Schröder keinesfalls vernachlässigen.

„Die fünf Großgeräte, der ehemalige

Tagebau Golpa-Nord, jetzt

der Gremminer See, das hat doch

was“, schiebt er nach.

Als Herbert Grönemeyer das Steigerlied

sang, konnte man förmlich

merken, welche Kraft hier entwickelt

wird. Kraft, die Udo Lindenberg

fehlte, als er ein Abraumgerät

„erklettern“ wollte. „Da bekam er

wohl Höhenangst“, wollte Schröder

erkannt haben. Die Ärzte dagegen

seien überall rumgekrochen, voller

Neugier. Peter Maffay hatte sein

Motorrad mit, fuhr eine kleine Biege.

Außerdem habe er häufig Kontakt

zu den Leuten gesucht, erzählt

Schröder. Kontakte, die sind auch

für den studierten Landschaftsplaner

wichtig. Stadtverwaltung, Stadtrat,

Förderverein, Blausee GmbH und

Konzertveranstalter sind nur einige

wichtige Partner. Ein repräsentativ

oder etwa protzig eingerichtetes

Büro brauch er dabei nicht. Bescheidenheit

ist dem Norddeutschen

wichtig. Jetzt werde es darum gehen,

was an „touristischen Antrieben“

rund um den See möglich ist, wenn

denn der vorgeschriebene Pegel erreicht

ist. Michael Spiegel ist Ferropolis-Beiratsvorsitzender.

Er schätzt

vor allem Schröders Ideenreichtum,

wünscht sich aber auch noch mehr

Kommunikation untereinander sowie

nach außerhalb.

Noch was: „Ihre Hobbies, Herr

Schröder?“ „Ach“, zuckt der mit den

Schultern, „keine Zeit dafür“. Übrigens:

Schröder wurde als „Manager

Monat März 2013“ ausgezeichnet –

von einem Kultur- und Wirtschaftsgremium

(Consales Business Club).

i Kurz gefragt!

Lieblingsessen:

Labskaus

Lieblingsrestaurant:

„Schacht Barbara“ in GHC

Lieblingsurlaubsort:

Finnland

Lebensmotto:

Aus Neuem Bewährtes machen

Personen, mit denen Sie gern

einmal zu Abend essen würden:

• Björk (isländische Sängerin)

• Ferropolis-Team

• Ferropolis-Förderer

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