FINDORFF GLEICH NEBENAN Nr. 11

FINDORFF.GLEICH.NEBENAN

PROFILE

q KARIM SANDER LERNT FOTOGRAF IN DER »BILDPLANTAGE XIII«

» Für mich sind alle Menschen gleich.«

NACHWUCHS-

FOTOGRAF

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 06

KARIM SANDER

K

arim, Du bist derzeit in der Ausbildung für

Deinen Traumberuf. Warum möchtest Du

unbedingt Fotograf werden ?

Ich möchte Fotograf werden, weil es mein

Ziel ist, später in die armen Länder dieser

Welt zu reisen, um zu zeigen, wie die Menschen

dort in Armut leben. Ich möchte die

Kinder dort fotografieren, um zu vermitteln,

wie hart sie dort arbeiten. Wenn man eines

dieser Kinder mit nur zehn Euro im Monat unterstützt, könnte

es auf eine Schule gehen und vielleicht aus seiner Situation

herauskommen. Das unglaublich harte Leben dieser Kinder

möchte ich im Bild festhalten und in meinen Reportagen zeigen.

Deine Ausbildung machst Du bei uns im Stadtteil im Findorffer

Studio »Bildplantage XIII«. Wie wirst Du von dem Team

unterstützt, um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen ?

Alle KollegInnen im Studio unterstützen mich auf ihre jeweilige

Art. Sonja unterstützt mich durch die kreativen Aufgaben, die

sie mir gibt. Maika unterstützt mich beim Fotografieren und

bei der Dekoration. Sie erklärt mir auch das Licht und wie man

es einsetzt. Mein Chef Martin Bockhacker und meine Chefin

Annelie Sander geben mir Zeit und Freiraum. Auch die Kameratechnik

im Studio kann ich ausleihen und nutzen. Alle sind

für mich da, wenn ich nach der Berufsschule im Studio bin, und

fragen mich, ob es irgendwelche Probleme gibt oder ob sie mir

helfen können. Das ist wirklich toll.

Du besuchst gleichzeitig die Berufsschule. Deine Bilder zum

Thema «Schwingungen« haben die beste Note in Deiner Klasse

bekommen. Die Fotoserie zeigt Klangschalen, die Du durch

Licht überraschend in Szene gesetzt hast. Die einfachen Klangschalen

sehen in Deiner visuellen Interpretation teilweise aus

wie Mondlandschaften, die man bei klarer Sicht am Himmel

sehen kann. Wie bist Du auf das Thema »Schwingungen«

gekommen – und was ist der inhaltliche Hintergrund für diese

besondere Art der Inszenierung ?

»Schwingungen« war erstmal ein ganz schweres Thema für

mich, weil ich zunächst gar nicht wusste, was das Wort alles

bedeutet. Ich habe dann im Internet recherchiert und herausgefunden,

dass das Wort mehrere Bedeutungen haben kann. Das

Leben ist durch Schwingungen bestimmt. Schwingungen beeinflussen

zum Beispiel aber auch das Wasser. Als erste Idee habe

ich stundenlang Steinchen in einen Gartenteich geworfen und

versucht die Wasserkreise zu fotografieren. Ein Stein ist daneben

geflogen und hat einen leeren Blumentopf getroffen. Das gab

einen seltsamen Klang. Dieser Treffer hat mich auf die Idee der

Klangschalen gebracht, die auch optisch viel besser aussehen,

als ein Blumentopf. Ich habe mir dann gesagt: »Okay, bringe

ich die Schwingungen der Klangschalen und die Schwingungen

des Leben von der Geburt bis zum Tod zusammen.«

Als Sinnbild für die die Geburt habe ich die Schale in Rot ausgeleuchtet

und für die Jugend und das Erwachsenwerden habe

ich Gelb gewählt. Für das Alter und den Tod habe ich ein kühles

Blau genommen.

Neben Deiner Ausbildung bist Du auch in anderen künstlerischen

Bereichen unterwegs. Du hast unter der Leitung von

Saher Khanaqa-Kükelhahn in »Und täglich grüßt der Flüchtling«

im Bremer Theater am Goetheplatz mitgespielt. Deine

Theatergruppe heißt »the next generation« und ist ein internationales

Bremer Laien-Ensemble, das seit mehreren Jahren

Mitwirkende aus vielen Ländern im Alter zwischen 15 und 25

auf die Bühne bringt. Die Beschreibung des Stückes beginnt

mit der Zeile »Als Mandy aufwacht, stehen plötzlich ein

frommer Afghane, ein selbstverliebter Somalier und ein alter,

weiser Inder in ihrem Schlafzimmer. Nur Mandy kann sie

sehen und muss mit ihnen leben, bis Zeus sich wieder etwas

Neues einfallen lässt.« Du musstest Dein Heimatland Afghanistan

verlassen. Warum hast Du Dich entschieden, in diesem

Stück mitzuspielen ?

In diesem Stück geht es um Vorurteile. Manche sagen: »Du bist

schwarz.« Andere sagen: »Du bist blond und so weiter.« Das ist

doch alles bla bla. Für mich sind alle Menschen gleich. Das ist

die Botschaft in diesem Theaterstück. Um das zu zeigen, habe

ich mitgespielt.

Welche Rolle hast Du gespielt – und ist neben der Fotografie

auch der Beruf des Schauspielers für Dich denkbar ?

Meine Rolle war die eines Engels, der die Hauptfigur Mandy

unterstützt, damit Zeus sie nicht hart bestraft oder sogar tötet.

Schauspieler möchte ich später nicht werden, aber als Hobby im

Theater auf einer Bühne zu spielen macht mir richtig Spaß. u

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 07

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine