Berliner Kurier 14.08.2019

BerlinerVerlagGmbH

Fotos: City-Press,imago images/Sportfoto Rudel

Führerschein auch Fahrerlaubnis.

Aber das nur nebenbei.

Und mit Namen hießen die mit

der Binde am linken Oberarm

nicht Christopher Trimmel,

sondern Ulrich Prüfke, Joachim

Sigusch, Lutz Möckel

und Olaf Seier.

Das ist, klare Sache, noch immer

nicht die DNA. Die vielmehr

ist, dass diese Eisernen

nach einem Sprung in die

Oberliga, also in die Bundesliga

des Ostens, als Aufsteiger nie,

nie, nie gleich wieder abgestiegen

sind. Nicht 1967, als sie

Sechster geworden sind, erst

recht nicht 1971 als Fünfter,

auch 1977 als Elfter und 1983

als Zwölfter nicht und 1986 als

Siebter noch weniger.

Manchmal war es wirklich

wacklig, na gut. Am Ende aber

Ausnahmezustand in der Försterei

nach dem Aufstieg in die Bundesliga.

hat es immer gereicht. Zittrig

wird es nach Lage der Dinge

auch jetzt, das sollte niemanden

überraschen. Kantersiege

wie das 6:0 im Pokal bei Viertligist

Halberstadt, immerhin

aber eine Hausnummer, da

haben sich andere Bundesligisten

die Haxen weit krummer

verdreht, wird es eher nicht geben.

Aber was sie können, das

können sie meisterlich: kämpfen,

kämpfen, kämpfen. Zur

Not bis zum Umfallen und

wenn gar nichts mehr geht,

dann hilft der 12. Mann. Dann

So ausgelassen

feierten die Unioner

nach dem Abpfiff

der Relegation

gegen Stuttgart.

kommt kurz mal die rot-weiße

Wand zu Hilfe.

Wäre doch gelacht, ginge die

Aufsteiger-Niemals-Absteiger-

Serie gerade bei dem neuen und

nie dagewesenen Abenteuer

Bundesliga zu Ende. Niemals!

Dann schon Relegation.

Am liebsten, hach, gegen den

VfB Stuttgart. Das Rückspiel,

das steht fest, soll am 25. oder

am 27. Mai ausgetragen werden.

Am 27. wäre perfekt. Da weiß

jeder, wie es ausgeht. Eisern

nämlich.

Offensivpowerwie einst mit Pantelic und Woronin

Cheftrainer-Job bei Hertha

schon gerne übernehmen. Anschließend,

nachdem mich

Manager Michael Preetz nach

einigen Niederlagen entlassen

hätte, könnte ich mit der satten

Abfindung locker ein Jahr Urlaub

in meiner Lieblings-Villa

auf Mallorca verbringen.

Aber im Ernst: Bislang war

meine Antwort auf die Frage

nach dem Abschneiden der

Mannschaft von Neu-Chefcoach

Ante Covic immer recht

vage. „Besser als zuletzt Platz

11!“ Angebotene Wetten

(„Kommt Hertha ins internationale

Geschäft?“ oder „Wird

der 20-Millionen-Euro-Mann

Dodi Lukebakio Torschützenkönig

der Liga?“) habe ich konsequent

abgelehnt. Vor Jahren

bin ich reingefallen. Als der

ehemalige Manager Dieter

Hoeneß im Sommer 2001 ankündigte,

bis zur WM 2006

mit der Meisterschale durchs

Brandenburger Tor fahren zu

wollen, ließ ich mich vom Optimismus

des einstigen Kopfball-Wunders

anstecken und

wettete in meiner Eckkneipe,

das Hertha bis 2006 Deutscher

Meister wird. Der Einsatz: ein

großes Fass Bier! Ich habe es

schließlich zähneknirschend

bezahlt und mit einigen Freunden

ausgetrunken.

Aber in dieser Kolumne muss

ich natürlich Farbe bekennen.

Ehe ich das tue, habe ich bei einigen

Kollegen recherchiert.

Horst Bläsig, Chefredakteur

der Fußball-Woche, setzt Hertha

auf Platz 7. Okay so! Aber

der geschätzte Fußball-Journalist

und Buchautor Christoph

Biermann (11 Freunde)

lässt Hertha auf Platz 17 direkt

absteigen! Nee, nicht schon

wieder! Ob er das ernst meint,

ist mir bislang nicht bekannt.

Ich glaube, die Mannschaft

besitzt eine Offensivpower

wie lange nicht mehr –vielleicht

wie zu den goldenen

Zeiten des langmähnigen Marko

Pantelic und des Zopfträgers

Andrej Woronin. Ein Angriff

etwa mit Dodi Lukebakio,

Vedad Ibisevic und Javairo

Dilrosun kann gegnerische Abwehrreihen

schwindlig spielen.

Mit Davie Selke, Salomon

Kalou –dahinter mit Vladimir

Darida oder Arne Maier lauern

weitere kreative Kräfte, die

Defensivreihen knacken können.

Zudem sind viele Positionen

in guter Qualität doppelt

besetzt und auch die Mischung

zwischen erfahrenen

Oldies und jungen Wilden

scheint zu stimmen. Auch die

neue Konkurrenz zum 1. FC

Union wird Kräfte freisetzen.

Mein optimistischer Tipp:

Bleibt das Team von vielen

Verletzungen verschont, landet

Hertha auf Rang 6!

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