Unsere_Teams_2019

muehlacker.tagblatt

Vorwort

UNSERE TEAMS

03

Griezi, Carlos und der

Fußball von heute

Liebe Leserinnen und Leser,

liebe Fußballfreunde,

wie es sich für ein Vorwort gehört, hole

ich für meine finale Aussage „ein wenig“

aus: Wir schreiben das Jahr 2013, in der

Bundesliga haben die Bayern soeben

das Triple geholt und träumen mit dem

damals wohl besten Trainer der Welt Pep

Guardiola von Ruhmeszeiten wie in den

70er-Jahren.

Der spanische Fußball-Exzentriker löst

Begeisterungsstürme an den Säbener

Straße aus, während sein Herzensclub

FC Barcelona vor einer weiteren Spielzeit

im Gleichschritt mit Real Madrid steht.

Aber auch Atletico, der Erzfeind der Königlichen,

will im Kampf um die Meisterschaft

ein Wörtchen mitreden. (Sie merken,

es geht hier gar nicht um Peps Bayern).

Hinter den großen Drei, die in den

Folgejahren den europäischen Vereinsfußball

dominieren sollten, balgen sich

Sevilla, Athletic Bilbao, Villareal, Valencia

und Real Sociedad um die weiteren internationalen

Plätze. Der letztgenannte Club

aus dem Baskenland weiß derweil besonders

zu überzeugen, was vor allem an

seinem Sturmduo Antoine Griezmann/Carlos

Vela liegt. Die beiden flinken

Linksfüßler erleben in dieser Saison ihre

bis dato beste Phase ihrer Karriere und

treffen in der Liga fast nach Belieben. Mit

ihrer unbekümmerten Art begeistern sie

nicht nur die spanischen Fans, auch in

Deutschland – und hier kommt wieder

Bayern München ins Spiel – werden die

Auftritte der jungen Angreifer zur Kenntnis

genommen.

Mit jeweils 16 Ligatreffern schließen

Griezmann und Vela die Primera Division

ab, die Wechsel nach der anstehenden

Weltmeisterschaft scheinen vorprogrammiert.

Den Franzose Griezmann verschlägt

es nach einer starken WM tatsächlich

zu einem spanischen Schwergewicht,

aber weder zu Real noch zu Barca.

Seine Wahl fällt auf den amtierenden

Meister und Champions-League-Finalisten

Atletico, während Mexicos Vela, der

freiwillig auf die WM verzichtet hatte („ich

bin psychisch und physisch nicht bei 100

Prozent“) in San Sebastian bleibt.

Die Wege trennen sich, Griezmann müht

sich in Madrid einige Jahre (vergeblich)

für einen Titel ab, Vela verpasst den

Sprung zu einem Top-Club und wechselt

2018 in die US-amerikanische Major

League Soccer. Für „Griezi“, seinen ehemaligen

Teamkameraden, geht es in dieser

Phase darum, den nächsten Schritt

zu machen – oder bei Atletico zu bleiben.

Nach wochenlangem Hickhack teilt der

Stürmer per Videobotschaft seine Vertragsverlängerung

mit. Schön, dass es

noch Spieler gibt, die das Wort Vereinstreue

nicht nur in den Mund nehmen –

dachten viele.

Aber Achtung: Noch ehe die folgende

Spielzeit abgeschlossen war, ließ Griezmann

erneut mit einem Video aufhorchen.

In diesem professionell produzierten

Clip beschwor der 28-jährige Kapitän

nicht die Vereinstreue, sondern sagte

sich von Madrid los. Die Verärgerung war

groß; bei Atletico, bei den Fans, und

selbst bei Barca, wo man sich etwas veralbert

vorkam. Ärger hin oder her, letztlich

kratzten die Katalanen ihr Geld zusammen

und holten den wechselwilligen

Franzosen für 120 Millionen ins Boot.

Wenn es eines weiteren Beweises bedurfte,

wie verkommen manche Vereine

und Spieler inzwischen sind, hat dieser

Fall alle Zweifel geklärt. Und Vela, der als

junger Kerl bei Arsenal nie Fuß fasste und

laut einiger kritischer Stimmen mit 28

Jahren in den Vorruhestand ging ? Der

backt seit seiner Ankunft bei Los Angeles

FC etwas kleinere Brötchen, begeistert

die Amis mit seinen außergewöhnlichen

Fähigkeiten und konkurriert mit dem

selbst ernannten Gott Zlatan Ibrahimovic

um das Prädikat „Bester Spieler“ in der

amerikanischen Profiliga.

Nun, bevor ich Sie an Ihr Smartphone

oder (hoffentlich) die folgenden Seiten

der Beilage verliere, komme ich zu meiner

eingangs angekündigten Botschaft:

Wenn Sie ein Spieler sind, nehmen Sie

sich kein Beispiel an Griezmann, der Kerl

hat trotz seiner fußballerischen Qualitäten

als Vorbild ausgedient. Wenn Sie ein interessierter

Zuschauer sind, nehmen Sie

den Profi-Fußball bitte nicht mehr so

ernst und erfreuen Sie sich lieber an den

Männern und Frauen, die sich auf den 19

Sportplätzen der Region im sportlichen

Wettkampf messen. Ohne Tamtam, ohne

Chichi. Ehrlicher Amateurfußball, nicht

mehr und nicht weniger.

Silas Schüller

Sportredaktion

Impressum:

Textbeiträge: Silas Schüller, Lukas Huber,

Maik Disselhoff, Thomas Eier.

Fotos: Silas Schüller, Lukas Huber, Volker

„Fotomoment“ Henkel, privat.

V.i.S.d.P: Thomas Eier.

Anzeigen: Jochen Elmer (verantwortlich),

Meilin Stieß, Walter Boch.

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